„Perspektiven gestalten und in Kontakt bleiben“ Bernadette Huber, Bildende Künstlerin_OÖ 27.4.2021

Liebe Bernadette, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Sehr ähnlich wie auch in den letzten Jahren …

Mein Lebensinhalt ist die Bildende Kunst, die mich ernährt, beschäftigt, beflügelt und bewegt. Allein in meiner Atelierwohnung lebend und arbeitend war ich schon vor dem Lockdown im „home-office“. Daran schätze ich einerseits, dass ich in wichtigen Arbeitsphasen nicht gestört werde und in Ruhe an einer Sache dranbleiben kann, andererseits muss ich darauf achten, dass mir nicht die direkte Kommunikation und die persönliche Begegnung abhandenkommen.

Bernadette Huber, Bildende Künstlerin

Ganz wichtig ist mir deshalb in kreativen Prozessen immer der Austausch mit „meinem Kollektiv“ – einem Kreis kluger Freund*innen – die mir einen Blick von außen auf meine Arbeit geben und mich und meine künstlerischen Ideen mit vorantreiben. Das muss man sich als rasches multimediales Pingpong zu jeder erdenklichen Tageszeit vorstellen, bei dem auch sehr viel gelacht wird.

In den Tag starte ich bewusst mit meinen Morgenritualen, wie z.B. einem guten Frühstück, dem Einheizen meiner beiden schönen alten Kachelöfen und Morgenkultivierung. Erst dann tauche ich in die „Kunstwelt“ ein, da würde ich dann allerdings alles am liebsten gleichzeitig erledigen: Büroarbeit, Telefonate mit Gewerken, Projekttexte und Mails schreiben, und vor allem die künstlerische Arbeit am Computer (Videoschnitt, Entwürfe gestalten) oder physisch in der Atelierhalle, wobei die kreativen Entwicklungsprozesse am schwierigsten aber auch am spannendsten sind.

Trotz des Lockdowns arbeite ich zurzeit an unterschiedlichen Vorhaben wie Video- und Fotoarbeiten, Kunst am Bau-Wettbewerben, Arbeiten im öffentlichen Raum – „klassische“ Ausstellungsprojekte gab es in den letzten Monaten ja leider keine. Meine Ausstellungsbeteiligung im Mai im LENTOS Kunstmuseum Linz zum Thema „Wilde Kindheit“, auf die ich mich sehr freue, wird hoffentlich in der realen Wirklichkeit stattfinden können.

Ich möchte wissen, wo ich hingekommen bin! (Marlen Haushofer)
Ein aus Eigeninitiative entstandenes temporäres Kunstprojekt von Bernadette Huber im öffentlichen Raum in Steyr (OÖ), dem Lebensort von Marlen Haushofer von 1947 bis 1970. Der Marlen Haushofer-Kunstbus wird bis zum Herbst 2021 in Steyr auf Linie 5 unterwegs sein.

Mittags muss ich unterbrechen, denn ich versorge und betreue meine 91-jährige Mutter. Gesunde Ernährung ist mir dabei sehr wichtig, geistige Anregung durch positive Trigger und auch ein gemeinsamer Spaziergang stehen täglich am Programm; wenngleich meine Mutter sich da meist ein bisschen sträubt, kann ich sie so bei Laune und auch in Bewegung halten.

Am Nachmittag nach dem überlebenswichtigen Kaffee zieht sich Kunst
meist bis in den sehr späten Abend, weil mich die Projekte nicht loslassen und oft auch nachts im Traum noch beschäftigen. Der tägliche Vorsatz früher zu schlafen, scheitert meistens …

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Gesund bleiben, Perspektiven gestalten und in Kontakt bleiben – vor lauter Pandemie uns selbst nicht zu verlieren. Tun und nicht jammern, und vor allem die Zusammenhänge Mensch und Natur / Umwelt im Fokus behalten.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Gerade die Pandemie hat uns gezeigt, was wirklich wesentlich ist.

Da steht an erster Stelle der soziale Zusammenhalt, bei allem räumlichen Distanzhalten ist die soziale Nähe und die Verantwortung füreinander für mich immer deutlicher geworden und zwar sowohl im persönlichen als auch im globalen Sinne.

Wirtschaftliches Profitdenken und gesteigertes Konsumbegehren ohne Rücksicht auf Sozial- oder Umweltstandards stoßen an ihre Grenzen, und wir hatten in den letzten Monaten alle Zeit darüber nachzudenken, wie wir uns ein wirklich glückliches, zufriedenes Leben vorstellen.

Was die Kunst da tun kann? Sie schafft eine über das rein materielle hinausreichende Wertigkeit, die den Menschen nicht nur als Konsumenten von Waren, sondern als Wesen wahrnimmt, das menschliche Nähe, geistige Anregung, Schönheit, Witz und eben Kunst braucht.

Was liest Du derzeit?

Nachrichten und Fachliteratur zu Kunst. – Im Moment komme ich wenig zum Lesen, weil ich inmitten einiger Projekte stehe und da nicht zu viel abgelenkt werden möchte. Ich habe gerade ein Kinder- bzw. Bilderbuch zu Zaha Hadid gelesen (Zaha Hadid. Little People, BIG Dreams).
Daniela Strigls Biografie zu Marlen Haushofer wartet zur neuerlichen Lektüre auch auf mich.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Nachdem mich in den letzten Monaten ein äußerst fatalistisches Zitat von Marlen Haushofer sehr beschäftigt hat: Ich möchte wissen, wo ich hingekommen bin!  versuche ich dem entgegenzusetzen, dass ich es sein muss, die entscheidet, welchen Bus sie nimmt.

Vielen Dank für das Interview liebe Bernadette, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Bernadette Huber, Bildende Künstlerin

Bernadette Huber. HUBERnadette. art in progress

Fotos_Archiv_Bernadette Huber.

29.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Steh auf, Frau, um Himmels willen, steh auf!“ Birgit Fuchs, Schauspielerin_50 Jahre Malina_ Wien 27.4.2021

Text und Darstellung von Birgit Fuchs, Schauspielerin

Ivan

„Ich sehne mich nach dir. Ich sehne mich nach dir in jedem Augenblick, in dem du nicht bei mir bist. Du hast mich in Besitz, weil ich mich voll und ganz nach dir richte. Du hast mich gefangen. Ich warte auf deinen nächsten Anruf, auf deine nächste Nachricht, auf das nächste Wiedersehen…

Birgit Fuchs, Schauspielerin

Und wenn du Zeit hast, für mich, hab ich sie für dich. Ich verschiebe wichtiges für die Arbeit, um mir die Zeit freizuräumen, die du für mich hast. Ich ersehe, den Moment, in dem die Klingel läutet, mein Herz schlägt, ich bin süchtig. Ich bin abhängig. Ich hänge von dir ab. Ich hänge davon ab, ob du da bist, ob du mich willst, wie du mit mir umgehst…

Wenn du mich liebevoll behandelst, schwebe ich im Glück. Wenn du mich kritisierst, bin ich zwar zerstört, weil alles was deinen Mund verlässt, wahr ist, aber es kommt aus DEINEM Mund und es geht um mich…

Du kannst mich dumm nennen, es sind deine Worte. Es ist deine Sprache, die mir so sagt, dass ich dir wertvoll bin. Egal was du sagst, du sagst es zu mir, du bist bei mir. Ich hänge an dir. Ich hänge ab von dir. Ich bin abhängig…

Und ich merke, dass es Irrsinn ist. Dass es zerstörerisch ist.

Das ich mich hingebe und du es ausnützt. Du weißt, welche Macht du über mich hast und genießt es, mich gefangen zu haben. Du weißt, du kannst tun was du willst, du weißt, ich werde her kriechen. Ich kniee vor dir. Ich bete dich an. Das weißt du. Und du? Du benützt es, du nützt mich aus. Und ich lasse es geschehen…

Zerrissenheit in mir, doch nur, wenn du weg bist. Bist du da, ist alles klar. Mein Suchtmittel. Natürlich gebe ich mir so viel ich nur kann. Am liebsten würde ich in dir aufgehen, dich einnehmen, nein, mich von dir einnehmen lassen. Ich will, dass du mich voll und ganz lenkst. Ich will Teil von dir sein. Ich will du sein und ich bleiben. Aber in dir. Oder du in mir. Ganz egal, verschmelzen…

Und deshalb hast du mich in der Hand und es ist offensichtlich, dass du dir deiner Macht bewusst bist. Ich bin dein Zuchttier. Ich bin deine Puppe. Ich degradiere mich. Wissentlich. Wollentlich. Dein Besitz…

Was macht mich so unterworfen? Was strahlst du aus, dass mich so zähmt, dass mich so klein macht, mich nur groß fühlen lässt, wenn du mir Größe zusprichst? Was ist diese Fessel, die du mir angelegt hast?…

Ich kann nicht durchblicken. Ich bin verwirrt und glücklich. Dann zu Tode betrübt, wenn du gehst, wenn ich warte, bis du dich wieder auseinandersetzen magst mit mir. Und in dieser Zeit schwingen deine Worte in mir nach. Egal welche. Ich richte es mir so, wie ich es brauche. Hauptsache deine Worte, Hauptsache du…

Ich bin nicht mehr Herrin meiner selbst. Ich bin keine starke Frau mehr. Ich bin erobert, bin geschlagen, bin am Sterben…

Ich gratuliere dir zu deinem Sieg. Von unten. Tief unten. Ich blicke zu dir hinauf, mein Held, mein König, mein Alles…

Es ist nicht richtig! Es ist nicht richtig! Steh auf, Frau, um Himmels willen, steh auf!

Es ist viel leichter zu dir aufzusehen und geschehen zu lassen.

Du grinst…

Ich interpretiere es als ein Lächeln, ein liebevolles Lächeln, dass mich aufnimmt in meiner Schwäche, in meiner Bedürftigkeit, in meiner tiefsten Begierde. Und weiß doch, es ist ein böses Erheben deiner Mundwinkel, der Jäger hat seine Beute erlegt…

Malina

Ich habe dich bei mir. Du bist der Starke von uns. Ich glaube zu wissen und du stellst in Frage. Ich brauche dich. Und doch bist du mir unheimlich. Ich staune, ich blicke zu dir empor. Und ich denke, das muss so sein…

Wer bin ich? Wer bin ich ohne dich? Was ist es, das mich nicht alleine leben lässt? Ohne deine gleichmütige Sicht der Dinge, was heißt Dinge…der Welt, wäre ich schon zerbrochen und doch sterbe ich immer mehr in deinem Dasein. Du bist mächtig. Du widersprichst, hinterfragst mich so oft, dass ich an mir zu zweifeln beginne. An meinen Erinnerungen, an meinem Sein, an meiner Zukunft…

Welche Zukunft? Welches Sein? Welche Erinnerungen? Es vernebelt, wie der Rauch immer weniger sichtbar ist, nachdem die Flammen erlöschen….

Du hinterfragst mich, jedes Wort. Ich komme nicht an gegen dich. Du verdrehst mir meine Worte, meine Sprache…

Gesagtes. Gedachtes. Ich versuche dich zu verstehen, mich zu verstehen, mich zu artikulieren, was ich meine und dann doch…bin ich mundtot.“

50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann.

Text und szenische Darstellung: Birgit Fuchs _Schauspielerin _Wien.

Willkommen auf der Homepage von Schauspielerin Birgit Fuchs – Birgit Fuchs Schauspielerin, Sprecherin, Yogalehrerin, Fotografin, Autorin, Model, Managerin

Station bei Ingeborg Bachmann _ Malina_Romanschauplatz Wien_

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_3_2021

Birgit Fuchs_Interview_5 Fragen

„Was im Leben wirklich wichtig ist – das ist ein Prozess und ich denke, der ist auch nie zu Ende“ Birgit Fuchs, Schauspielerin _ Wien 28.11.2020 | Literatur outdoors – Worte sind Wege

Walter Pobaschnig _ 4_2021

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„Es könnte eine Zäsur sein. Ein wildes Oszillieren, ohne Attraktor“ Harald Gsaller, Bildender Künstler, Autor_Wien 27.4.2021

Lieber Harald, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf hat sich nicht so sehr geändert. Das Aufstehen fällt mir nach wie vor schwer. Ich habe gesundheitlich seit geraumer Zeit zu kämpfen und ich schaffe, so es gelingt, Werke, in meinem Fall Grafiken, Bilder und kurze Texte. Kunst hilft! Künstler-Sein hilft! Familie hilft! Dann wieder kommuniziere ich per Telefon oder Mail oder Facebook mit einigen Freundinnen und Freunden. Immer wieder ein Erlebnis, wie Gesagtes, Geschriebenes, Gezeichnetes, Gepostetes Gemeinschaft schaffen kann, oder auch nicht.

Harald Gsaller, Bildender Künstler, Autor

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich könnte nicht sagen, was es wäre. Die kollektiven Neurosen, wir werden jetzt; man sollte jetzt; etc. habe ich zulange erlebt … Für die Menschen, mit denen ich umgehe, die ich kenne, die wählen, mit mir zu kommunizieren, scheint sich herausgeschält zu haben, dass im Denken an die schlimmsten Aspekte von Covid, kurz, dem im Westen so stark verdrängten Tod, also vor dem befürchtete letzten Chaos, dass also da ein ausweitbarer Raum für Kommunikation bleibt. Politisch würde man sagen, der muss gestaltet werden. – Da bin ich skeptisch. All dies ununterbrochene Gestalten, zum Wohle der Menschheit.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Auch hier: Warum davon ausgehen, dass wir vor einem Aufbruch stehen? Es könnte genauso gut ein Niedergang sein. Eine Zäsur. Ein wildes Oszillieren, ohne Attraktor (systemisch gesprochen). Im Chinesischen, genauer im Daoismus, dem ich nahe stehe, gibt es das Prinzip „Wu wei (er wu bu wei)“ / „Nichtstun (und nichts bleibt ungetan)“. Wobei das Westliche „die Gelegenheit beim Schopfe Packen“ durchaus eingepreist ist. Die Rolle der Kunst? Als es in der Kulturrevolution zu Genosse Maos Zeiten den letzten verbliebenen Taoisten nahezu unmöglich wurde, ihre Kunst auszuüben, praktizierten (und lehrten) sie im Verborgenen.

Was liest Du derzeit?

Viele der wunderbaren Kolleginnen und Kollegen haben in dieser Interview-Reihe angegeben, sie kämen wieder mehr zum Lesen. Fein, ich auch!

Im letzten Jahr immer wieder herangezogen: Pema Chödrön „When things falls apart“ (Shambala Publications)

In Facebook habe ich mich für die öffentliche Gruppe „Paul Klee“ eingetragen: Jetzt poppen in meinem Feed jeden Tag 2-3 Klee-Bilder zum Dechiffrieren auf.

Im Alltag versuche ich, in den Gesichtern der Wiener, inklusive der neu Zugezogenen, zu lesen.

Oft und gerne: „Daoism Handbook“ (Brill), edited by Livia Kohn.

Und ab 22:00 Uhr gibt’s, wie seit 40 Jahren, den Abend-Film.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Statt eines Zitates, gebe ich gern ein Bild aus der Serie „Cosmic Eggs“ mit der korrespondierenden Bild-Legende:

Harald Gsaller „Cosmic Egg (in Outer Space)“ (2020)

“Cosmic Egg (in Outer Space)” (2020)
Digitally created artwork. The photograph of this Egg system was delivered by the European Southern Observatory’s Very Large Telescope in Chile in April 2020. It shows a very large egg system. Major semi-axis nearly 1,4 light years.
Several Cosmic Eggs appear or are found in different places and at different times of the year on Earth/in the sky.
They are like drawings/sculptures/diagrams showing a (chaotic) order, resembling planetary systems.–But it’s definitely not our solar system we are looking at!

Vielen Dank für das Interview lieber Harald, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunst-, Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Harald Gsaller, Bildender Künstler, Autor

https://haraldgsaller.at/

Foto_privat.

29.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Sie nannten es Arbeit“ Eine andere Geschichte der Menschheit. James Suzman. Beck Verlag

Es sind Herausforderungen im Lebensalltag und Organisation vor denen die Menschheit zu jeder Zeit steht. Von der Steinzeit bis heute.

Im Moment ist es eine Pandemie, die größte Anstrengungen erfordert und deren weitere Entwicklungen und Auswirkungen noch nicht abzusehen sind. Mensch und Gesellschaft suchen Wege der Eindämmung und der Neuorganisation. Politisch ist von einem „Comeback“ die Rede.

Doch wie erging es dem Menschen vor der Pandemie? Was bestimmte und bestimmt moderne Lebenswelten? Wie war dies bisher in Geschichte und Gesellschaft und was sind aktuelle Perspektiven des Menschen am Weg durch die Zeiten…

James Suzmann, Sozialanthropologe und Direktor am Robinson College der Cambridge University, legt mit „Sie nannten es Arbeit“ einen beeindruckenden Überblick über die Entwicklung von Mensch und Gesellschaft vom Anbeginn ersten Lebens und menschlichen Gruppenlebens bis zur hochspezialisierten Organisation der Gegenwart vor.

Das Buch ist in vier Hauptkapitel gegliedert, beginnend mit den ersten Lebensformen und Überlebensformen der Erde, fortschreitend zu den ersten menschlichen Organisationsformen in verschiedenen Kontinenten und deren spezifischen Anforderungen und Lösungsprofilen, bis zum modernen Leben in Stadt und Technik und deren Bedürfnissen und Voraussetzungen.

Der Autor verbindet Fachwissen mit anschaulicher Darstellung in Beispiel und Gegenwartsbezug und ermöglicht so ein spannendes interessantes „Mitwandern“ mit Mensch und Geschichte in vielen wichtigen Fragen und Impulsen zur Zeit.

„Ein Buch, das wesentliche Fragen zu Menschsein und Menschwerden stellt und einlädt kritisch in den Spiegel zu blicken“

Walter Pobaschnig 4_21

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„Das Theater wird gefordert sein, sich mit dem Thema Kontakt und Kontaktlosigkeit auseinanderzusetzen“ Stefan Altenhofer, Schauspieler_Wien 26.4.2021

Lieber Stefan, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Als freier Schauspieler und Trainer hat mir diese Pandemie, der die Welt zu Beginn die Rolle einer Epidemie nur zugestand, vielerlei Formen von möglichen und unmöglichen Tagesabläufen bereits abverlangt.

Stefan Altenhofer, Schauspieler, Trainer

Beinahe unter Schock von Pressekonferenz zu Pressekonferenz am Bildschirm verharrend zu Anfang der Auswirkungen der Pandemie, war eine Form von Prägung meines Tagesablaufs. Eine weitere Version war auch die: auf eben diese Bildschirme zu starren und eben diese Pressekonferenzen zu verfolgen, diesmal unter Schock die Auswirkungen der Lockdowns, Absagen und Verschiebungen im Kulturbereich zu begreifen. Ebensolche Formen eines Tagesablaufes hat mir diese Pandemie als Möglichkeit geboten und für bestimmte Phasen habe ich solche Angebote auch angenommen. Genaugenommen sind diese Phasen in Wellen gekommen, wie die Epidemie selbst. Nur die Anziehungskraft der Pressekonferenzen hat kontinuierlich, entgegen aller Wellenbewegungen stetig abgenommen.

Genau in solche Phasen erinnerte ich mich aber auch immer daran, wie Pandemie freie Tagesabläufe waren und wie wertvoll diese mir erscheinen. Dorthin zu kommen schien und scheint die Übung zu sein. Diese gelingt mir immer dann besonders gut, wenn Beziehung, Natur, Sport, Schreiben, Lesen oder Information abseits von Corona viel Platz in meinem Tagesablauf finden. Was Natur und Sport betrifft habe ich meine unmittelbare Umgebung neu entdecken können –  per Rad und pedes neu kennenlernen.  

Auch die Weiterbildung als Trainer in der Erwachsenbildung findet immer wieder Platz im Tagesablauf, oder dieser ist ohnedies mitgestaltet durch digitale Seminare und dergleichen. Da viele (physische) Termine wegfallen, entsteht auch mehr Ruhe, die mir gut tut. Telefonate und Zoom runden die Übung „Tagesablauf“ ab. Möge sie mir gelingen!  

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Besonders wichtig scheint es zu sein, individuelle Wege zu finden mit persönlichen Verlusten umzugehen, und dies zusätzlich zu finanziellen Entbehrungen oder Einbußen. Für Monate „das Theater“, die Bühne, den Kontakt zu KollegInnen, das Publikum und vieles mehr zu verlieren, um es dann, wie in meinem Fall, im Herbst‘ 20 für kurze Zeit wieder zu gewinnen und nun abermals zu akzeptieren, dass all dies und noch viel mehr in weite Ferne zu rücken droht, ist eine Herausforderung für einen Schauspieler. Und mit solchen Herausforderungen sind wir alle in welcher Form auch immer konfrontiert.

Und doch hat derlei keine Relevanz, wenn Verlust das Verlieren eines Menschenlebens meint. Und genau davon können wir alle aber betroffen sein oder werden. Zugegeben: mit oder ohne Pandemie. Dass diese Überlegungen, auch bezüglich individueller Lösungswege und vielem mehr, auch in Pandemie freien Zeiten Gültigkeit und Relevanz hätten, verstärkt die Wichtigkeit solcher Gedankenspiele, in diesem Fall Rund um Verlust oder drohendem Verlust, da sie dazu führen, dass wir uns mit unseren Bewertungen einmal mehr auseinandersetzen müssen. Hier sind wir aufgefordert, dass wir unsere gewohnten Bewertungen hinterfragen und bis dato „Selbstverständliches“ einen neuen Wert geben. Auch dieses Angebot macht uns die Pandemie. Möge uns die Übung gelingen.      

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Wie gut uns persönlich ein sogenannter Neubeginn gelingt, hängt maßgeblich mit der Bereitschaft zusammen eigene Bewertungen zu hinterfragen und womöglich neu zu definieren. Dies bedeutet auch ganz salopp formuliert, wieder besser zu wissen, was mir wichtig ist und was für mich persönlich einen hohen Stellenwert hat, oder auch, durch die Erfahrungen der Pandemie, worauf ich auch in Zukunft leichter verzichten kann.  

In der Gesellschaft gibt es viele Strömungen, die diese Verschiebungen und Veränderungen des individuellen und gesellschaftlichen „Bewertens“ aufgreifen und reflektieren. Die Kunst mit all ihren Formen sollte diese „Bewegungen neuer Bewertungen“ aufgreifen, thematisieren und zur Schau stellen. Das Theater, als eine Kunstform, wird gefordert sein, sich mit dem Thema Kontakt und Kontaktlosigkeit auseinanderzusetzen, da diese Verlusterfahrung bis tief in die Gesellschaft durch die Pandemie erlebt wurde und Theater selbst eben kontaktlos in seiner Wirkung stark eingeschränkt oder nicht vorhanden war.  Zuletzt, auch um neue Bewertungen zu ermöglichen, muss Kunst und hier im Besonderen Theater wieder emotional Berühren. Hier scheint Kontaktmöglichkeit zum Publikum von essentieller Bedeutung. Wir müssen dies wieder Üben (dürfen).  Möge uns dies gelingen.

Was liest Du derzeit?

„Ganz im Gegenteil.“, Matthias Varga von Kibed

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Was ist Verlust, wenn so der Mensch in seiner eignen Welt sich findet? In uns ist alles!“

Friedrich Hölderlin

„Möge uns die Übung gelingen!“

Stefan Altenhofer, Schauspieler, Trainer

Vielen Dank für das Interview lieber Stefan, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Stefan Altenhofer, Schauspieler, Trainer

https://www.schauspielervideos.de/fullprofile/schauspieler-stefan-altenhofer.html

Fotos_Florian Keppelmüller

29.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Nationalsozialismus in Kärnten – Opfer-Täter-Gegner“ Nadja Danglmaier/Werner Koroschitz. StudienVerlag.

Erinnern ist ein ganz wesentlicher Baustein von Mensch und Gesellschaft. Gerade jetzt in Zeiten einer Pandemie wird uns dies ganz unmittelbar und eindringlich bewusst. Der Blick und die Gedanken gehen zurück in das Davor und lassen über Gegenwart und Zukunft nachdenken. Lassen Perspektiven gewinnen aus dem Erleben und Reflektieren des Gewordenen, um einen guten gemeinsamen Weg in die Zukunft gehen zu können.

Erinnern.at ist eine österreichische Plattform, die von PädagogInnen und HistorikerInnen getragen wird und sich der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit in Österreich wie der gesellschaftlichen, schwerpunktmäßig pädagogischen, Vermittlung in umfassender Weise widmet. Zu ihren Projekten gehören regelmäßige Veranstaltungen, Fortbildungen und Publikationen, die an Geschehnisse vor Ort erinnern, informieren wie Kontexte aufbereiten.

Das vorliegende Buch mit Schwerpunkt Kärnten ist ein Teil einer Österreich-Reihe, welche die historischen Voraussetzungen, Entwicklungen und den Verlauf der nationalsozialistischen Machtübernahme ausführlich in regionalen Zusammenhängen mit einer Fülle von ganz außergewöhnlichen Bild- und Textzeugnissen darstellt.

Der Kapitelaufbau ist chronologisch, von den Entwicklungen seit dem Ersten Weltkrieg, der nationalsozialistischen Machtübernahme, der gesellschaftlichen Umgestaltung, politischen Verfolgung und dem Ausblick danach bis zur Gegenwart, gestaltet.

Hervorzuheben ist die eindrucksvolle Aufbereitung und Darstellung von Text- und Bildquellen, die ganz unmittelbar Geschichte öffnen und wesentliche wie erschütternde Einblicke bieten. Ebenso ist die kompakte Gliederung hervorzuheben, die Ereignis und Geschehen veranschaulicht wie zusammenfassend informiert. Da verbindet sich Wissenstransfer und Aufmerksamkeit in bester pädagogischer wie schriftstellerischer Kunst.

Ein umfassender Anhang mit Textverweisen, Personen- und Ortsregister schließt dieses ganz besondere und wichtige Projekt des Erinnerns und der verantwortungsvollen Perspektive unserer Gesellschaft ab.

Walter Pobaschnig 4_21

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„Am Theaterort wird Gemeinschaft geschaffen“ Clemens Janout, Schauspieler_Wien 26.4.2021

Lieber Clemens, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

„Trotz großer Leidenschaft für all mein Tun, würde ich meinen Tagesablauf derzeit als herausfordernd beschreiben. Zum einen bin ich gerade im letzten Jahr meiner Schauspielausbildung an der Wiener Schauspielschule Krauss. Bald beginnen hier die Proben für die letzte gemeinsame Produktion – die Abschlussproduktion. Dieses Projekt hat es dieses Jahr in sich, denn kein Geringerer als der Starautor, Regisseur und Bühnenbildner Igor Bauersima wird eigens für uns als Abschlussjahrgang ein Stück schreiben und anschließend auch inszenieren: POST SCRIPTUM. Es handelt vom World Wide Web und wir werden auf der Bühne eine Art >Timeline< nachstellen. Besonders ist auch der Aufführungsort, denn der Name „Igor Bauersima“ und der Begriff „Uraufführung“ weckte große Neugier beim Schauspielhaus Wien, wo die Premiere nunmehr am 2. Juni 2021 stattfinden wird – voraussichtlich.

Zum anderen stecke ich auch in den Vorbereitungen für anderweitige Projekte. Eines davon ist BORN TO FAKE – ebenfalls eine Uraufführung. Für den Text und die Regie zeichnet sich Josef Maria Krasanovsky verantwortlich. Im Mittelpunkt steht das Leben von dem berühmt-berüchtigten deutschen TV-Fälscher Michael Born. Die Premiere findet voraussichtlich am 16. Mai 2021 im Dom im Berg in Graz statt. Weiters werde ich im Sommer in meinem Heimatort Kärnten meine zweite eigene Theaterproduktion aufführen. Mehr Informationen dazu wird es in Kürze geben. Es gestaltet sich gerade also alles andere als einfach, alle Arbeiten unter einen Hut zu kriegen und trotzdem noch genügend Zeit für sich selbst zu haben, um einmal abzuschalten. Gefühlt hetze ich von der einen Probe zum nächsten Telefongespräch zur nächsten Zoom-Konferenz und so weiter und so fort. Ich kann und möchte mich aber wirklich nicht beklagen, denn andere Kolleg*innen haben nicht so viel Glück, derzeit beruflich so aktiv zu sein. Also freue ich mich auch sehr über die vielen Chancen, die sich gerade auftun.

Clemens Janout, Schauspeler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es ist für uns alle wichtig, jetzt besonders auf unsere psychische Gesundheit und jene unserer Mitmenschen zu achten. Ich glaube, dass dieser Aspekt in jeglichen Corona-Debatten viel zu selten aufgegriffen wird. Denn neben einem Bewusstsein für die Pandemie und dem daraus resultierenden körperlichen Abstand zu anderen Individuen, kann sich schnell auch eine gefährliche >psychische Distanz< entwickeln. Es wäre absurd, den Versuch zu wagen, wegzudiskutieren, dass diese >pandemische Zeit< ohne psychische Spuren an uns vorübergeht. Ich schätze mich enorm glücklich, in einem sozialen Umfeld geborgen zu sein, welches mich auffängt, wenn es mir einmal schlecht geht und mir Trost spendet. Doch wir dürfen nicht vergessen, wie viele Menschen heutzutage alleine leben, in oder wegen der Pandemie eine Trennung durchgemacht haben, aufgrund der derzeitigen Situation Ängste entwickeln, die es ihnen nicht mehr möglich machen, einen Fuß vor die Türe zu setzen… Trotz der Wichtigkeit, in dieser Pandemie im Interesse unser aller (körperlichen) Gesundheit zu handeln, erachte ich es für essentiell, sich >neue< Gedanken zu machen: Gibt es eine Möglichkeit, Freund*innen zu treffen und trotzdem sicher dabei zu agieren? Ja, es gibt sie! Indem beispielsweise hier in Wien eine der Teststraßen genutzt und dann eine freundschaftliche Zusammenkunft veranstaltet wird, bei der alle eben kurz davor getestet wurden. Spätestens jetzt, ein Jahr nachdem Corona unser aller Leben auf den Kopf gestellt hat, wollen vor allem junge Menschen ihr Leben wieder zurück. Ich bin also für Aufklärung, neue Perspektiven und Selbstverantwortung! Wir dürfen außerdem nicht auf diejenigen vergessen, die sich bereits seit Aufkommen des digitalen Zeitalters mehr und mehr in eine absolute Einsamkeit begeben haben: nur mehr vor den Bildschirmen sitzen und das Leben wie aus einem Käfig beobachten. Wenn man bedenkt, dass dieser Trend des körperlichen Distanzierens bereits innerhalb der letzten Jahre schon bedenkliche Auswüchse erreicht hat, muss man sagen, dass er jetzt an einem Höhepunkt angekommen ist, ungeachtet der Gründe für diese Entwicklung.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Wir müssen Wege finden, um Sicherheiten zu schaffen und trotzdem unsere geliebte >Realität< wieder zurückzubekommen. Für die Kunst generell würde ich mir wünschen, dass sie seitens der Politik endlich die nötige Wertschätzung und Notwendigkeit bekommt, die sie auch verdient. Ich denke, dass es für unsere Gesellschaft gesamtheitlich von großer Bedeutung ist, neue Impulse durch die Kunst zu erhalten. Man blicke beispielsweise zurück auf die Anfänge des Theaters: Oftmals wurde das damalige alltägliche ortsgebundene Geschehen verarbeitet, indem Gemeinschaft am Theaterort geschaffen wurde. Folglich stimmt es mich traurig und wütend, dass trotz ausgefeilter und funktionierender Sicherheitskonzepte, Kunsträume in den letzten Wochen noch immer keine Öffnungsschritte erfahren haben – der Handel aber vor geraumer Zeit bereits wieder seine Pforten öffnen durfte. Es ist mir unbegreiflich, wie es möglich ist, dass die >Magie< der Kunst in dieser, für uns alle harten Zeit derartig unterschätzt wird. Denn ich bin überzeugt davon, dass die (Bühnen-)Kunst nicht nur einfach einmal vom tristen Alltag ablenken, sondern auch neue Perspektiven schaffen kann, die uns alle weiterbringen.

Was liest Du derzeit?

Ich lese derzeit hauptsächlich Werke, mit denen ich beruflich zu tun habe. Darunter befinden sich unter anderem >Egmont< von Johann Wolfang von Goethe, verschiedenste Gedichte von Else Lasker-Schüler und Rainer Maria Rilke,  >Zirkus Sardam< von Daniil Charms oder >dosenfleisch< von Ferdinand Schmalz.

Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„dass wir erst dann zu leben anfangen, wenn wir aufhören zu funktionieren.“ — Aus >dosenfleisch< von Ferdinand Schmalz

Clemens Janout, Schauspeler

Vielen Dank für das Interview lieber Clemens, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Clemens Janout, Schauspieler

CLEMENS JANOUT

Fotos_Florentina Amon.

22.3..2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kunst, die tatsächlich etwas zu sagen hat, wird in Zukunft aufblühen“ Alicia Edelweiss, Musikerin_Wien 25.4.2021

Liebe Alicia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Immer sehr unterschiedlich. Wenn es ein Tag ist wo ich Zeit habe, stehe ich früh auf, trinke Tee, schreibe meine Morgenseiten und notiere meine Träume von der Nacht an die ich mich noch erinnern kann. Manchmal mach ich dann Yoga (im Moment nicht sehr oft) oder tanze in meiner Wohnung rum. An manchen Tagen tu ich sogar Derwischtanzen und dreh mich 40 Minuten im Kreis – dafür braucht man glücklicherweise nicht viel Platz.

Alicia Edelweiss_Musikerin

Vor kurzem habe ich begonnen Musikproduktion zu studieren und somit hab ich jetzt viele Zoom Meetings unter der Woche, einmal die Woche geh ich sogar zur Uni. Es ist schon wieder fast zu viel los bei mir, aber ich sehs als eine gute Zeit um mich weiterzubilden. Als selbstständige Künstlerin gibt es dann auch immer irgendwelche Sachen zu tun, leider auch viel am Computer.


In der Früh versuche ich also eine Routine einzuhalten, aber der Rest des Tages läuft dann meistens total chaotisch und immer anders ab, je nachdem was zu tun ist oder worauf ich Lust habe. Was ich im Moment jedenfalls besonders gerne und oft mache ist am Hernalser Friedhof spazieren gehen, Musik hören und Zeit mit meinem Freund verbringen.



Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Zeit zu nutzen die wir mit uns alleine haben (wenn möglich), um uns weiterzuentwickeln. Alte Dinge loslassen und Träume angehn die wir schon seit langer Zeit aufschieben. Kritisch und offen bleiben und unsere Mitmenschen nicht verurteilen weil sie anderer Meinung sind. Nicht alles einfach hinnehmen und nie aufhören zu Hinterfragen.
Ganz wichtig ist es jetzt den eigenen Instinkten und der eigenen Intuition zu vertrauen.



Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Ich denke, dass in der Zukunft die Kunst aufblühen wird, die tatsächlich etwas zu sagen hat, die auf ihre eigene Art und Weise zu einer besseren Welt beiträgt und die Menschen inspiriert – das Leben, das nach vorne gehen fördert.
Für mich ist Kunst manchmal auch wie eine Wegweiserin oder wie eine Spinnerin von Utopien. Sie ist voller Visionen und Ideen, sie gibt Vorschläge ans Jetzt, sie sagt „Schaut, so könnten wirs machen! Ich war dort und habs gesehn, es war toll!“
Das heißt nicht, dass Kunst nicht auch wehtun und hässlich sein kann, aber sie sollte zu unserer Transformation beitragen und uns Leben zufließen lassen – manche würden es auch Licht nennen.




Was liest Du derzeit?

„Skywriting by Word of Mouth“ by John Lennon.




Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„You can kill people with sound. And if you can kill, then maybe there is also the sound that is opposite of killing. And the distance between these two points is very big. And you are free – you can choose. In art everything is possible, but everything is not necessary.“ – Arvo Pärt


und … „Die Gedanken sind frei!“

Alicia Edelweiss_Musikerin

Vielen Dank für das Interview liebe Alicia, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Alicia Edelweiss, Musikerin

ALICIA EDELWEISS MUSIC | official website | „Austria’s Queen of Freak-Folk.”

Fotos_Raffaela Schumer

28.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kunst hilft beim ´uns und einander er-kennen´. Sie trennt nicht.“ Petra Hehenberger, schreibende und musizierende Ahnungsforscherin_Wien 25.4.2021

Liebe Petra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tag beginnt oft in der Nacht. Da ist alles möglich, da kann alles passieren. Allesmögliche. Ein Wort, ein Ton, ein Text, eine Melodie, ein Gedanke. Zwischenwelten, Inspiration, Stille, Klarheit. Und/oder das Zelebrieren dessen, dass es nichts (?)  davon gibt. Und gelegentlich dann dieses „Verstehen“, das nicht nur von „Verstand“ kommt – da ist es meist sehr ruhig und leise.

Diese Erfahrungen begleiten in den Tag und bei anderen Formen der Arbeit. Helfen mir, die Welt und Menschen für-wahr-zu-nehmen. Der Abend gestaltet sich dann mitunter von selbst, je nachdem, wie laut der Tag war.

Petra Hehenberger_

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Anzu-erkennen, dass die Welt nicht eindeutig ist. War sie nie.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Vermutlich ist es auch meinem Soziologiestudium zuzuordnen, dass ich bei dieser Frage ins Wanken komme (eines, das mit Ermüdung zu tun hat). So querverweise ich auf die vorhergehende Antwort und schreibe – bevor der Punkt des Schweigens kommt, was in diesem Kontext wenig ergibt:

Kunst hilft bei der Überwindung der Trennung von Gesellschaftlichem und Persönlichem, beim ´uns und einander er-kennen´. Sie trennt nicht. Das hilft auch bei „Hybris“ (dass ich beim etymologischen Strawanzn dieses Wortes auf ´Herkunft ungeklärt´ treffe,  macht mich irgendwie froh).

Was liest Du derzeit?

 (mühelos) STÜSSELCHENS von Dominik Steiger

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Lass es einmal gut sein“ meinte meine Großmutter. Mehr und mehr ahne ich, was sie da gesagt hat. Das mache ich nun mit den 5 Antworten einer Künstlerin und bedanke mich für (die) Fragen.

Vielen Dank für das Interview liebe Petra, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Petra Hehenberger, schreibende und musizierende Ahnungsforscherin

Home – Petra Hehenberger

Foto_privat

25.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Dieses Virus wird unser Wertesystem noch länger auf die Probe stellen“ Jonny Hoff, Schauspieler_Bochum _ 25.4.2021

Lieber Jonny, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Sehr unstet: Mal gibt es an einem Tag sehr viel zu tun und anderen gar nichts, auf jeden Fall haben die Tage und Wochen deutlich weniger Struktur, als vielleicht noch vor einem Jahr.

Ich bin bewusst Freiberufler und arbeite gerade an eigenen Texten, spiele und gestalte digitales Theater, mache Hörspielaufnahmen und drehe, den größten Teil davon in Eigenregie, vor allem was die Struktur der Arbeit angeht.

Jonny Hoff, Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Geduld und Besonnenheit! Was zunehmend schwer fällt. Dieses Virus wird unser Wertesystem noch länger auf die Probe stellen und wir müssen lernen damit einen Umgang zu finden, dessen Motor und Motivation nicht die Wut auf das Verpasste und Vergangene sein kann.


Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich glaube einige verschiedene: Die Kunst kann uns all den Horror vor der eigenen Haustür für ein paar Stunden vergessen machen und ein wenig für Zerstreuung sorgen. Sie kann uns Möglichkeiten der Lösung und Auseinandersetzung mit dieser Krise aufzeigen und vielleicht Dialoge ermöglichen, die in der aktuellen Tagespolitik keinen Platz finden. Aber vor allem sollte sie sich zuständig fühlen für die Gesellschaft aus der sie geboren wurde und sich nicht an Äußerlichkeiten aufhalten, die sie daran hindern ihren Job zu machen – der Spiegel der Gesellschaft zu sein.

Was liest Du derzeit?

Platonow von Anton Tschechow


Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Drei, ich konnte mich nicht entscheiden 🙂 :


„Das liegt daran, dass ich sehr selten denke; so stauen sich zahllose kleine
Metamorphosen in mir an, ohne das ich darauf achte, und dann, eines schönen
Tages, kommt es zu einer regelrechten Revolution.“


„Das Wahrscheinliche verschwindet zur gleichen Zeit wie die Freunde.“


„Sie sind ein schwarzes Loch an Bedürfnissen“

Vielen Dank für das Interview lieber Jonny, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Jonny Hoff, Schauspieler

Foto_Laura Westermann

25.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com