Theater/Film/Kunst

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Mauer _ Uraufführung 7.11.2019 – Theater Arche Wien

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Die Edda _ Burgtheater Wien 

Die Edda _ Begeisternde Premiere_Burgtheater Wien 19.10.2019

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Dorian Gray- Die Auferstehung. Mara Mattuschka

„Dorian Gray – Die Auferstehung“, Mara Mattuschka, Mitreißende Uraufführung, TAG Theater Wien, 19.10.2019.

 

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Wasted_Kate Tempest 

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„Once upon a time . . . in Hollywood“ Quentin Tarantino. Film. 21.9.2019

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„Jedermann (stirbt)“ Fulminante Inszenierung vom Theater WalTzwerk im Tonhofstadel/Maria Saal/Kärnten. Premiere 12.7.2019

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Hier hat niemand ein Gesicht. Nur Totenmasken sind zu sehen. Nun folgen ein Stampfen und Tanzen im starren Rhythmus. Der Weg in die Welt. Es beginnt mit dem Tod. Langsam schält sich die Gruppe aus der dichten Fellkleidung. Menschwerdung. Nackt und bloß. Aber nicht lange. Als die Kleider schnell und nur halb bedeckend angelegt sind, ist schon klar, hier bleibt niemand lange. Das nackte Ankommen und Verschwinden, der nahe Tod sind allgegenwärtig.

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Aber die Rollen sind schnell verteilt. Macht und Geld sind in einer Hand. Des Jedermann. Die Vettern, die um ihren Wahlkampf bangen, sind stets in seiner Nähe. Und jetzt wird zum Fest geladen. Zum Tanz um das Geld. Alles geschieht wo und wie jedermann es will. Doch der arme nackte Nachbar bittet um einen Anteil des Geldes. Der Gerechtigkeit willen. Jedermann will davon nichts wissen. Legt ihm einen bunten Mantel um und zwingt ihm zum Rausch im Garten. Der Rhythmus verschlingt Fragen und Klagen. Die Illusion des Wertes ist das Wunder. Und das lässt Jedermann als Gold regnen wie es ihm gefällt. Bis der Tod zum letzten Tanz bittet und Jedermann sich nach Freundschaft und Rettung streckt, springt und stumm am Boden aufschlägt…

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Das Theater WalTzwerk, Intendanz Markus Achatz und Sarah Rebecca Kühl, bringt zu seinem 25 Jahr Jubiläum eine fulminante Inszenierung von Valerie Voigt-Firon des „Jedermann (stirbt)“ Stückes (Uraufführung 2018 Burgtheater Wien) von Ferdinand Schmalz auf die traditionsreichen Theaterbretter des Tonhofstadel in Maria Saal/Kärnten und begeistert das Publikum mit selbstbewusster Variation und Ansprache. Regie und Ensemble setzen die Sprachkunst und die gesellschaftliche Reflexionskraft des preisgekrönten Stückes (Nestroypreis 2018) des Bachmannpreisträgers von 2017 in ganz außergewöhnlicher Präzession und Spielkraft. Im klug gesetzten Bühnenbild hat das Ensemble eine solche Aufmerksamkeit, Wucht und Variation, die einmalig Ausdruck und Ansprache verbinden. Sprache, Mimik und Bewegung werden zum tragenden dramatischen Rhythmus, der eine existentielle Dichte erreicht, die mitreißend ist. Dieser Regiekunstgriff funktioniert sensationell. Innovation, Kreativität und Selbstbewusstsein fordert das Drama von Ferdinand Schmalz. Das Theater WalTzwerk scheut sich in Inszenierung und Ensemble, wie Bühnenbild und Kostüm, davor nicht. Hier wird viel gewagt und alles gewonnen, ein wunderbarer Theaterabend – Gratulation!

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„Jedermann (stirbt)“ Ferdinand Schmalz

Regie: Valerie Voigt-Firon

Schauspiel: Sarah Rebecca Kühl, Miha Kristof-Kranzelbinder, Markus Achatz, Simone Leski, Alexander Kuchinka

Bühne: Thomas Garvie

Kostüm: Anna Gentilini

Produktionsleitung: Kerstin Haslauer

 

Weitere Spieltermine: 14., 18., 19., 20., 21., 25., 26., 27., 28. Juli 2019,

Beginn jeweils 20:30 Uhr

 

Spielort: Tonhofstadel Maria Saal, Schnerichweg 2; 9063 Maria Saal

 

Walter Pobaschnig

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„Wie geht es weiter“ Mitreißende Jubiläums-Uraufführung. Aktionstheater Ensemble. Werk X, Wien 14.6.2019

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Stille. Es sind schwarze Fahnen, zwei leuchtende, perspektivisch zu schwinden scheinende, Baumstrukturen und sechs gestapelte Autoreifen auf der Bühne zu sehen. Einladendes gibt es hier nichts. Schon gar nichts Wohnliches. Als die Frau im weißen Kleid diese kalte schwere Leere betritt, wird sofort klar, in diesem Raum gibt es nur noch ein Verstecken. Eines hinter viel zu vielen Worten. Sonst gibt es hier nichts zu tun, zu erwarten, zu erhoffen. Vier Männer und eine weitere Frau folgen. Auch ihre zerschlissene Kleidung in Weiß drückt eine Uniformität aus, in der jegliche persönliche Möglichkeit und Form fehlt.

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Trotzdem wird jetzt im Sagen um jeden Millimeter von Ausdruck und Präsenz gerungen, um das Interesse auf sich zu ziehen. Ein Kampf jeder gegen jeden ohne jegliche Empathie. Nur der Akt zählt. Ein Gewinnen im Lautsein von Wiederholung und Phrasen, die sich an das drückende Schwarz des Raumes heften und einfach da sind wie Autoreifen, die ohne Weg und Ziel auf Ansprache gehoben und getragen werden. Spiel mir das Lied vom Tod. Nach Namen und Persönlichkeit fragt hier niemand mehr. Diese müssen erst im absurden Wortspiel erfragt werden und verschwinden sofort.

Doch wie lange wird es noch diesen letzten Tanz maskierter Seelen im spärlichen Licht geben? Wie lange kann der Schmerz noch still sein? Wann zerreißt das verdrängte Innere alles hier?…Wie geht es weiter?…

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Das Aktionstheater Ensemble feiert mit der Uraufführung von „Wie geht es weiter“ ein fulminantes dreißigjähriges Theaterjubiläum im Werk X, 1120 Wien. Es ist eine atemberaubende Choreografie von Sprache und Körper, Bühnenbild, Musik und Effekt, in welcher die zerrissene Seele modernen Menschseins kritisch wie genial geöffnet und reflektiert wird.

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Ein Theaterabend in ganz außergewöhnlicher Inszenierung und Ensemblepräsenz. Eine mitreißende Darstellung, die eine szenische Melodie und Rhythmus setzt, die alle Nuancen modernen Spiels beherrscht und das Instrument Körper und Sprache bis an die Grenzen des Möglichen auslotet. Einzigartig wie da mit Bewegung und Text gearbeitet und das pianissimo wie das crescendo von Emotion auf die Bühne gezaubert wird. Schauspielerin und Schauspieler als vielstimmiges Instrument gleichsam zwischen Oper und Rockkonzert – einzigartig!

Einzigartig ist ebenso wie Regie, Dramaturgie und Ensemble auch in ihrer aktuellen gemeinsamen Stückerarbeitung kritisch wie aufmerksam die Überforderung des modernen Menschen thematisieren und inszenieren. Sprache wird als leere Selbstvergewisserung von Dasein und als redundante Sedierung in Komik und Ironie entlarvt. Sagen und Meinen, auffangen von Themen und Schlagworten, das Eilige ersetzt Gespräch und damit das Mitgefühl. Das Leben, das in allem zu groß und zu weit ist und keine Zeit und Möglichkeiten mehr lässt, ist eine leere tragische Bewegung geworden. So die schonungslose Analyse.

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Doch das ist nicht alles. Das Aktionstheater Ensemble lädt immer auch zu einem Blick in die (verlorene) Seelenmitte des Menschen, sein Bewusstsein von Verletzlichkeit und damit auch seine Möglichkeiten. Das muss doch (noch) da sein. Es ist ein sehr feinfühliges Theaterplädoyer für Humanität und persönliche wie gesellschaftliche Utopie. Für das wertvolle Gut von Freiheit und Individualität. Der Schmerz muss der Anfang sein. Das Bloßstellen der Seele für Andere und von Anderen erfordert Unterbrechung. Des Erinnerns, des Weinens, des Erkennens und damit das Wiederfinden des Menschen. Das Aktionstheater Ensemble, das sind ganz große virtuose Poeten. Und diese braucht unsere Zeit.

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Ein Ensemblejubiläum als beeindruckende Visitenkarte der Kraft und des Facettenreichtums modernen Theaters in Regie, Inszenierung und atemberaubender Schauspielkunst.

Wie geht es weiter

Eine Produktion von aktionstheater ensemble in Koproduktion mit Landeshauptstadt Bregenz/Bregenzer Frühling 2019, in Kooperation mit WERK X, Uraufführung

– Regie, Script, Choreografie: Martin Gruber

– Dramaturgie: Martin Ojster

– Ensemble: Michaela Bilgeri, Maria Fliri, Andreas Jähnert, Thomas Kolle, Fabian Schiffkorn, Pete Simpson, Benjamin Vanyek

 

– Musik, Komposition: Kristian Musser

– Gesang: Pete Simpson

– Video: Bildwerk X Valence

– Sounddesign: Thomas Bechter

– Regieassistenz: Laura Loacker

– Körpertraining: Lukas Orphéo Schneider

– Assistenz: Hacer Göcen

– Technik: Florentina Kubizek

 

Weitere Spieltermine: Sa 15.06.2019, 19.30 Uhr, So 16.06.2019, 19.30 Uhr

Ort: WERK X, 1120 Wien

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Walter Pobaschnig 14.6.2019

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„Liebirien oder Eine fremde Seele, das ist ein dichter Wald“ Uraufführung. Begeisternder Abend in der TheaterArche, 17.5.2019, Wien.

 

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Auf der Bühne ist ein langer schwarzer Tisch zu sehen. Davor stehen drei schwarze Stühle. Eine Frau und zwei Männer setzen sich. Haltung und Stille. Sprachlosigkeit, in der die Emotionen hinter den weiß geschminkten Gesichtern arbeiten. Das ist zu spüren und an den konzentrierten minimalistischen Bewegungen an Feder und Stift wahrzunehmen. Als das Gespräch beginnt, öffnen sich die Abgründe hinter Frack, Stiefel und Kleid. Jetzt geht es um die eigene Erscheinung im Bild der Anderen. Um Grund und Boden des Lebens und der Liebe. Um Gebot und Verbot. Und nichts sonst. Jetzt wird gekämpft. Jetzt werden erst verbale dann reale Waffen gezogen, um der Ohnmacht zu entkommen. Ein Duell in allem. Nähe ist bloß ein Machtspiel, darin sich alles verliert und samt den zerschlissenen Kleidern von Erbe und Tradition versinkt. Hier gibt es für niemanden mehr etwas zu gewinnen. Doch an das Dasein gebunden bleiben sie. Am Tisch. An Löffel und Schüssel. Am dunklen Boden. Und die leere Zeit sitzt stumm und unerbittlich mit am Tisch…

 

Das Theaterkollektiv „Aggregat Valudskis“ begeistert mit der Uraufführung „Liebirien oder Eine fremde Seele, das ist ein dichter Wald“ in der TheaterArche Wien.

Ausdrucksstarkes Theater nimmt hier die existentiell zeitlosen Themen des russischen Dramatikers Anton Cechov (1860-1904) auf und gibt diesen mit beeindruckendem Körpertheater in Mimik, Gestik und Komik ein mitreißendes Bühnenleben, welches das Publikum begeistert. Es ist eine ganz besondere Form der Bühnenansprache in körperlicher Präzession und stiller Direktheit, die Regisseur Arturas Valudskis, Assistenz: Jamie Jaros, Produktion: Melika Ramić und das hervorragende Ensemble Sonja Romei, Martin Bermoser und Markus Kofler eine außergewöhnliche Aufmerksamkeit komponieren lässt, die das Publikum von Beginn an ergreift. Die Dynamik und Auswahl der Szenenfolgen Cechovs um den Kern menschlicher Existenz in der Zerbrechlichkeit des täglichen Miteinanders in Erwartung, Demütigung und Hoffnung kommen in überraschender wie genialer Inszenierung wunderbar an. Regie und Ensemble ziehen hier alle Register der Bühnenkunst und setzen einmalig Spannung und Wirkung in Komik und Dramatik bis zum furiosen pantomimischen Finale. Es ist ein Ereignis, wenn Regisseur Valudskis mit Cechov in Wien gastiert. Und es ist nicht zu versäumen.

„Ein Theaterabend, der in außergewöhnlicher Idee und Spielkunst begeistert“

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Weitere Vorstellungen (jeweils 20:00 Uhr): 20. / 25. / 30. Mai 2019 und 3. Juni 2019

ORT: Theater Arche, Münzwardeingasse 2A, 1060 Wien,

www.theaterarche.at

TICKETS: +43 677 630 83 298, valudskis@gmail.com

 

Walter Pobaschnig, Wien 18. 5. 2019

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„Frauenzimmer“ Frauen schreiben Geschichte. Begeisternde Uraufführung des „Alice Ensemble“ Wien, 3.5.2019

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Eine Cellistin und fünf Frauen in ausdrucksstarken historischen Kostümen sind zunächst im Halbdunkel der Bühne zu sehen. Es liegt viel hinter ihnen und noch mehr vor ihnen. Das ist an der Nachdenklichkeit und den Koffern und Taschen zu erkennen. Buch, Stift, Gedanken und Mimik unterstreichen dies eindrücklich. Ein Ziel, zu dem sie allein unterwegs sein werden, ist zu spüren. Die Ansprache an das Publikum kommt in Spannung und Neugierde an. Ein Beginn, der fesselt.

Dann nehmen sie das Gepäck auf und erzählen vom Weg hierher. Vom durch Mauern gehen. Von Erwartungen und Grenzen des Lebens. Die Bühne wird nun zur spektakulären, mitreißenden Landkarte von Vision und Persönlichkeit, Zeit und Selbstbewusstsein in Geschichte und Gegenwart…

Das 2015 gegründete Wiener „Alice Ensemble“ setzt in ihrer neuesten Produktion wagemutig auf die szenische Bühnenkarte von Rezeption, Narration, Variation und Dynamik. Das Wechselspiel biographisch-historischer Mitte und Dramatik erfordert eine Fülle von schauspielerischer Variation, um die Vielfalt der Perspektiven im Bühnentransfer sprechen zu lassen. Es braucht dazu auch wesentlich Momente von Stille, in dem das Publikum selbst Entscheidungen von Beobachtung und Wahrnehmung trifft. Die Ausdrucksmöglichkeiten von Theater sind dabei bis an die Grenzen gefordert.

Nicht viele moderne Bühnen sind zu dieser Herausforderung bereit. Das „Alice Ensemble“ ist es und versteht zu überraschen. Es begeistert mit Ansprache, Dialog und Choreographie. Im variantenreichen Bühnenspiel gelingt ein szenischer Rhythmus, der Aufmerksamkeit, Emotion, Spannung und Humor in Erzählung und kritischem Gegenwartstransfer fulminant ankommen lässt. Das Öffnen der Biographien von Anne Bonny, Amelia Earhart, Emily Davison, Florence Nightingale und Ida Pfeiffer im Blick auf gegenwärtige Rollen- und Selbstbilder und der Stimmung gegenwärtiger Existenz wird selbstbewusst umgesetzt. Das Ensemble spielt alle szenischen Register und hebt damit Biographie zum mitreißenden Bühnenleben und zum Prozess persönlicher Reflexion von Kontext, Inspiration und Utopie.

Der Regie wie dem Ensemble ist zu Mut und Schauspielkunst zu gratulieren und es sind auch die Kostüme anzusprechen, die sicherlich Maßstäbe in Ausdruck, Gesamtbild wie Detail setzen und dieses wichtige Stilmittel eindrücklich wirken lassen. Ebenso ist auf das dialogische Cellospiel in variantenreicher Performance hinzuweisen. Einmalig wie dies szenisch gesetzt wird.

„Ein Theaterabend, der selbstbewusst auf Biographie und Transfer setzt und damit in Spiel und Ansprache begeistert.“

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Frauenzimmer – Frauen schreiben Geschichte. Alice Ensemble

Ensemble: Sophie Isermann, Denise Neckam, Lisa Neumaier, Leonie Reiss, Caroline Weber Regie: Leila Müller

Regie Assistenz: Charlotte Morschhausen

Cello: Jana Thomaschütz

Kostüme: Alma Kugic

 

Weitere Spieltermine: 04./10./11. Mai 2019

 

Walter Pobaschnig, Wien 5_2019

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„Die Ratten“ Uraufführung am TAG Theater Wien, 3.4.2019

Der Raum hat keine Türen und Fenster. Der Eingang ist ein Geworfensein, ein verzweifeltes an der Wand entlang Tasten, ein starres Verharren oder ein Fliehen. Und so oft ein Zusammenbrechen von Körper, Seele, Mitmensch, Aufgabe, Tag und Nacht. Ein verhängnisvoller Spielort des Lebens in gestundeter Raum_Zeit.

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Die junge Frau ist schwanger und allein. Ihr Leben lässt auf das Kommende keinen Ausblick zu. Sie kennt nichts anders als das Allein-Sein im angestrengten Dasein zwischen täglichem Brot und Sorge. Nun lernt sie Frau John kennen, die ein Kind verloren hat und sich weiter mit ihrem Mann so sehnlich Nachwuchs wünscht, um Perspektiven und Sinn zu gewinnen. Frau John setzt nun alles daran, das Kind so schnell als möglich in die schon vorbereitete Wiege zu legen und ein Familienglück um jeden Preis an sich zu reißen. Die junge Frau stimmt in ihrer Verzweiflung zu. Doch dann wendet sich das Blatt und sie will ihr Kind wiedersehen. Jetzt ist der Bruder von Frau John am Zug und ein dramatisches Finale zwischen neugeborenem Leben und Tod setzt ein, in dem alles an Wunsch und Hoffnung in Lüge und Gewalt zerbricht…

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Regisseur Liepold-Mosser und Dramaturgin Tina Clausen gelingt es in Text und Inszenierung in außergewöhnlicher Weise das sozialkritische Drama „Die Ratten“ (1911) von Gerhart Hauptmann (1862-1946) in sprachlicher wie gesellschaftlicher Wucht in die Gegenwart setzen und mit einer mitreißenden Sprachkunst im atemberaubenden Wechsel von absurder Komik und dramatischer Ansprache zu begeistern. Zweifel und Verzweiflung in Leben und Zeit werden in Sprache und Körperausdruck genial eindrücklich in Aktion und Verharrung ausgedrückt. Es sind zweifellos Höhepunkte und Maßstäbe modernen Theaters, die hier von Regie, Dramaturgie, dem hervorragenden Ensemble wie Bühnenbild und dem gesamten Technikteam gesetzt werden.

 

„Ein Theaterabend als Meisterwerk. Großartig in allem und von allen. Regisseur Bernd Liepold-Mosser, Dramaturgie Tina Clausen und das hervorragende Ensemble Lisa Schrammel Georg Schubert Michaela Kaspar Jens Claßen Raphael Nicholas katapultieren Gerhart Hauptmann einmalig sprachgewaltig und ausdrucksstark in das zerrissene gehetzte Herz des 21.Jahrhundert und erobern Wien.“

 

DIE RATTEN

Uraufführung

Von Bernd Liepold-Mosser

Frei nach Gerhart Hauptmann

Es spielen: Jens Claßen, Michaela Kaspar, Raphael Nicholas, Lisa Schrammel, Georg Schubert

Text und Regie: Bernd Liepold-Mosser

Ausstattung: Karla Fehlenberg

Dramaturgie: Tina Clausen

Musik: Boris Fiala

Licht: Hans Egger, Katja Thürriegl

Ton/Video: Peter Hirsch

Technik: Andreas Nehr

Regieassistenz: Renate Vavera

Regiehospitanz: Ann-Kathrin Pfahler

Kostümbetreuung: Daniela Zivic

Maske: Beate Lentsch-Bayerl

 

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Theater an der Gumpendorfer Straße

Gumpendorfer Straße 67

1060 Wien

Weitere Vorstellungen:

FR 5., SA 6., DI 9.*, DO 11., FR 12., DO 25., FR 26 UND SA 27. APRIL 2019, 20.00

Di 7., Mi 8., Fr 10., Sa 11., Fr 17. und Sa 18. Mai 2019, 20.00

Walter Pobaschnig 3.4.2019

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Alle Fotos_Walter Pobaschnig

 

 

 

„Ich will“. Begeisternde Uraufführung des E3 Ensemble, Wien. 22.3.2019

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Es ist eine Maskerade in Gold. Eine Hochzeit. Die Kleider (müssen) sitzen. Die Choreografie von Fest und Tradition ist vorgegeben. Das erleichtert zunächst die Teilnehmenden im Anspruch von täglicher Rolle, Sorge und Selbstzweifel. Hier ist jetzt alles anders. Fröhlichkeit wird zelebriert, ein Meister geht voran, Sekt und Musik lassen schnell in eine rasende Ordnung finden. Doch in den Leerstellen, wenn die Musik stoppt, tauchen Fragen auf – Liebe, Treue, Existenz, Zukunft. Jetzt wird am Gold gekratzt bis die Seele blutet. Ein Wettlauf der Emotionen beginnt, in dem nichts mehr an seinem Platz bleibt. Offene Fragen regieren, die aufeinander und gegeneinander prallen lassen und stumm offen bleiben bis es Dunkel wird…

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Das E3 Ensemble packt in seiner zehnten Produktion beeindruckend komödiantisch wie tiefsinnig Zeit und Leben am (vermeintlichen) goldenen Kragen und stellt in einer fulminanten grotesk-tragischen Revue Grundfragen gegenwärtiger Lebenswirklichkeit in Sinn und Perspektive. Rollenbilder, Rollenzuschreibungen und die Frage nach existentieller Authentizität, Zukunft und persönlicher Kraft werden in einmaligem Spieldialog zelebriert. Die Generation der Gegenwart im permanenten Druck von Präsentation und Darstellung, Glanz und Perfektion in allem, wird auf die Bühne gehoben und das Publikum folgt diesem ästhetischen Kunstgriff gebannt.

Das E3 Ensemble zeigt dabei eine ganz außergewöhnliche Spielpräsenz und Ansprache, welche das Publikum in absurder Komik mitreißt wie in Traurigkeit still innehalten lässt. Dieser Kunstgriff gelingt einmalig und es sind ganz besondere Momente dieses Theaterabends im Dialog von Erschütterung und Erkenntnisanspruch zwischen Bühne und Publikum. Ebenso kommt einmalig die Wiener Seele in Musik, Melancholie und nihilistischem Schwung in den Schauspielblick. Die implizite Reflexion von An- und Abwesenheit in Sinnfrage und Weltverständnis knüpft inhaltlich an Traditionen des Absurden Theaters an und auch hier gelingt ein ästhetisch-kritischer Transfer in Aktualität und Aufmerksamkeit.

Ein weiteres variantenreiches Theatermeisterstück. Das E3 Ensemble regiert wieder Wien. Das steht außer Zweifel.

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Weitere Spieltermine: 28., 29. Und 30.März 2019. Off.Open.Box, 1070 Wien

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„Die Stühle“ Eugene Ionesco. Inszenierung und Ensemble begeistern am Akademietheater Wien, 16.3.2019.

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Es ist eine kahle dunkle Zimmerflucht mit einem Stuhl und vielen Türen, in der sich ein älterer Herr und seine Frau, Semiramis, wiederfinden. Das Rauschen des Meeres ist zu hören. Sie sind auf einer Insel. Paris ist zerstört und auch sonst hat sich das Land völlig verändert. Er steht jetzt starr auf der Leiter und blickt zum Meer. Fenster gibt es keine. Wie überhaupt keine Ausblicke in ihrem gemeinsamen Leben. Nur Rückblicke. „Was du nicht alles hättest werden können“ – wiederholt seine Frau im dröhnenden Stakkato. Er denkt an seine Mutter, an den Schmerz des Verlustes, den er bis heute nicht erträgt. Doch jetzt erwarten sie Gäste. Und die erwarten eine, seine Rede. Sie sind angespannt. Tür um Tür öffnet sich und die Schöne, der Oberst, der Redakteur und viele mehr nehmen nun auf den eilig herbeigeholten Stühlen unsichtbar Platz. Doch sie sind für das Ehepaar in ihrer lebhaften Ansprache und Bemühen da. Zum Schluss tritt nun ein Redner ein, der das Sprechen, das nur ein unverständliches Artikulieren ist, übernimmt. Da ist das Ehepaar schon entschwunden. In verschiedene Richtungen. Im Sturz. Im Nebel. Aus der Leere des Raumes…Adieu.

Die Neuinszenierung des im April 1952 in Paris uraufgeführten Stückes „Les Chaises“ (Die Stühle) von Eugene Ionesco, einem der bedeutendsten Dramatiker und avantgardistischen Schriftsteller der Nachkriegszeit, am Wiener Akademietheater wird zum fulminanten Erfolg von Regie- und Schauspielkunst. Claus Peymann und Leander Haußmann wie das Ensemble mit Maria Happel, Michael Maertens und Mavie Hörbiger zeigen in atemberaubender Weise wie die zeitlose Kraft und Wucht des Stückes in der Gegenwart ankommen und das Publikum im Spannungsbogen absurder wie tiefsinniger Farce mitgerissen werden kann. Es ist szenisch einmalig wie Happel und Maertens einen Bühnendialog ins Leere mit den unsichtbaren Ankommenden führen und dabei in synchroner Mimik, Gestik, Bewegung und Sprache begeistern. Das ist Theater auf höchstem Niveau und es ist ein Geschenk hier im Publikum dabei sein zu dürfen. Hervorzuheben ist auch das hervorragende Bühnenbild wie Kostüm und Musik, welches den Spielrahmen wunderbar setzt und eindringlich bis zum Finale wirkt.

Inhaltlich lässt die Inszenierung Zugänge offen und setzt damit ganz auf die kraftvolle individuelle Ansprache des Stückes an sich. Auch dies gelingt, gerade auch im Sinne des 1994 verstorbenen rumänischen Dramatiker Ionesco, der in Paris lebte und arbeitete, großartig. Das Publikum nimmt sich die existentielle Einsamkeit des Alterns in Rückblick und Vorwurf, die tragische Suche nach Sinn und Transzendenz wie das Scheitern daran, oder auch das sehnsuchtsvolle Erwartens eines allwissenden Redners, der vom Podium aus, die namenlose Masse an und zu sich zieht, mit in den Theatersessel und dann mit nach Hause. Ganz im Sinne dieses kontextoffenen Theaters (Absurdes Theater), welches die dramatische Struktur ganz in die persönliche Reflexion des Publikums hebt.

Die Inszenierung am Akademietheater ist auch ein dramaturgisches Wiedersehen mit Claus Peymann (von 1986-1999 Direktor am Burgtheater, Inszenierung Heldenplatz 1988), der leider aufgrund einer Erkrankung nicht bei der Premiere anwesend sein konnte aber mit dem Regiepartner Leander Haußmann mit dieser Stückwahl Wien begeistert.

„Ein Theaterabend, der einfach alles zu bieten hat was Schauspiel so wunderbar und auch so wichtig macht!“

Walter Pobaschnig, 17.3.2019

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„Glaube und Heimat“ Karl Schönherr. Umjubelte Premiere im Theater an der Josefstadt, Wien. 14.2.2019

 

Es sind dumpfe Trommelschläge, schweren Herzschlägen gleich, die den ersten Blick des Publikums auf die Drehbühne begleiten. Ein leeres Zimmer ist zu sehen, in dem noch Leben zu spüren ist, das gerade noch hier war. Jetzt Stille, schwarze Wände, eine offene Tür, Leere. Ein Fortsein und eine Trauer…

 

Nun eine Bewegung des Bühnenbildes. Ein Blick in das Davor. Altbauer und Bauer Rott in der Stube des Hofes, Bäuerin und Sohn mit ihnen. Der Alltag in täglicher Aufgabe und Mühe. Der Weg der Generationen in Vertrauen und Zutrauen zu Erde und auch Himmel. Doch der Himmel, der hat jetzt einen unerbittlichen Grenzstein. So und nicht anders. Und wenn nicht, dann fort. Von Haus und Hof. In die Fremde. Eskortiert von Soldaten mit Trommelschlägen. Der Goldbauer von der Au wartet schon, um wieder einen weiteren Besitz für seine Kinderschar zu erwerben. Der Schreiber hat viel zu tun und auch der Schuster im Doppeln und Nageln der Schuhe für den weiten Weg der Fortgejagten. Morgen ist es beim Sandperger zur Leithen und seiner Frau so weit. Das Geld für den Hof ist bereits im schwarzen Kaufbeutel am Tisch. Doch davor ist alles zurücklassen, was Arbeit und Leben trägt. Die Sandpergerin stellt sich dem Reiter, der mit Gewalt und Degen die umklammerte Hausbibel an sich reißen will. Doch sie lässt nicht los. Blut fließt. Und nun geht es auch für den Bauern Rott um den Moment der Entscheidung. Trommelschläge sind wieder zu hören. Oder ist es doch der Herzschlag? Bekenntnis und Konsequenz ringen jetzt in der Seele Rotts und seiner Familie um Herkunft und Niemandsland, Familie und Zukunft, Asche und Leben, Glaube und Heimat…bis zum dramatischen Finale.

 

Regisseurin Stephanie Mohr und das hervorragende Ensemble nehmen in der Neuinszenierung von „Glaube und Heimat“ (1910, Karl Schönherr), ein Bühnenstück, das die Wiener Theatergeschichte seit der umjubelten Uraufführung 1910 am Volkstheater (ausgezeichnet 1911 mit dem Grillparzerpreis), neuinszeniert am Burgtheater 2001 (Martin Kusej), begleitet, auf eine Zeitreise mit, die in der historischen Dramaturgie wie den zeitübergreifenden Reflexionsansprüchen überzeugt und beeindruckt. Mohr setzt in ihrer Inszenierung auf die inhaltlichen Spannungsbögen des Textes und gibt dem Ensemble ein Spiel in persönlichem Ausdruck und Können frei. Dies gelingt fulminant. Dramatisch wie im Impuls über den Zeitkontext hinaus. Das Publikum folgt aufmerksam und gebannt dem Bühnengeschehen bester Schauspielkunst, das bis zum dramatischen Finale mitreißt.

 

 

Der Dramastoff von „Glaube und Heimat“ nimmt auf die Vertreibung der Zillertaler Protestanten (1837) unmittelbaren historischen Bezug. In den politischen Wirren und besonderen machtpolitischen Ansprüchen der Zeit in Tirol versuchte eine Gruppe von Bauern 1832, die sich zur evangelischen Kirche Augsburger Bekenntnisses zurechneten (seit 1781 gemeinsam mit dem Helvetischen Bekenntnis toleriert), bei Kaiser Franz I. eine Erlaubnis für eine persönliche Glaubensausübung (ohne Bethausbau, Pastor, Lehrer) zu erreichen. Dieses wurde jedoch von der kaiserlichen Administration unter seinem Nachfolger Ferdinand I. auf Drängen Tirols dezidiert abgelehnt und die protestantischen Bauern wurden als „Inklinanten“ (zum Protestantismus neigende Katholiken) benannt, was ihre Vertreibung zur Folge hatte. Zwischen dem 31.August und dem 4.September 1837 zogen nun über 400 Protestanten in 4.Auswanderungsgruppen vom Zillertal in das protestantische Preußen, Niederschlesien. Die Siedlung Zillerthal-Erdmannsdorf wurde gegründet (heute Myslakowice, Polen).

 

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Walter Pobaschnig, 14.2.2019

 

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„Autos“ Enis Maci. Begeisternde Uraufführung am Schauspielhaus Wien. 12.1.2019

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„Emilie Flöge. Geliebte Muse“. Maxi Blaha. Ein begeisternder Theaterabend im Belvedere Wien. 4.12.2018.

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Der „Kuss“, „Judith“. Meisterwerke des gefeierten Wiener Künstlers Gustav Klimt (1862-1918) begleiten und beeindrucken am Weg in den Marmorsaal des Schlosses Belvedere. Sie stimmen ein. Türen zu verborgenem Leben hinter den glänzenden Farben machen jetzt neugierig.

Die Bühne ist reduziert. Eine Sitzbank vor dem Kamin. Fotos eines Lebens am Fassadensims. Eine Gitarre (Georg Buxhofer, ausdrucksstark und aufmerksam). Als sich die schwere Türe öffnet tritt Emilie Flöge, die Muse von Klimt, des gefeierten Kunststars seiner Zeit, ein. Selbstbewusst nimmt sie vor dem Kamin Platz und liest seine Todesanzeige. Seine letzten Worte galten angeblich ihr. Ein Ruf, ein Flehen oder ein letztes Kommando des Künstlers? Jetzt ist es Zeit zu erzählen. Das Leben zu benennen. Meins und seins. Unsere Talente, Antriebe und Umtriebe. Reden wir über Persönlichkeit in Beruf und Liebe. Von zwei Menschen. Wegen, gemeinsam und getrennt. Frau und Mann. Emilie Flöge und Gustav Klimt.

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Die Wiener Schauspielerin Maxi Blaha schafft es mit ihrer Inszenierung und Darstellung von Emilie Flöge (1874-1952), der erfolgreichen Designerin, die im engen Kontakt und Austausch mit Klimt stand, in beeindruckender Weise Kunst-, Gesellschafts- und Lebensgeschichte der Zeit wie Spannungen und Brüche von Privat- und Berufsleben einer Frau zu öffnen und sich damit fulminant „dem Gold und Marmor“ von Tradition und Erzählung zu stellen. In atemberaubender Präsenz lässt Blaha das Publikum zu bedeutenden Lebensstationen, Ereignissen und Begegnungen Flöges reisen, die fasziniert und bewundernd still folgen lassen. Da trifft jeder Szenenwechsel in größter Darstellungskunst die Mitte von Emotion und Reflexion eines engagierten, kreativen – wie noch weitgehend unbekannten – Lebens für Mode und Kunst. Ein ganz großer Gänsehaut Moment sind an diesem Abend auch die französischen Chanson Melodien, die Sehnsucht und Zerbrechlichkeit eines Menschen einzigartig öffnen. Wunderbar auch die Sängerin Maxi Blaha (Eine Zugabe davon ist in Zukunft sehr wünschenswert). Die Inszenierung selbst bindet aber in ihrer Präzession von Biographie und Fragestellung immer auch auf Zeit und Gesellschaft grundsätzlich zurück. Die Frage nach Authentizität und Integrität in Phasen eines Lebens wird in mitreißender Darstellung auch zum epochenübergreifenden Spiegel des Menschen. Im direkten Anspiel findet dies eine pointierte Betonung, die augenzwinkernd beim Publikum ankommt. Stärke und Schwäche des Menschen. Marmor und nackter Stein.

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Ein großartiger, außergewöhnlicher Theaterabend, der zeigt wie höchste Schauspielkunst begeistern und was Kunst auch leisten kann und muss. Nämlich Licht und Schatten im Leben zu erkennen und zu benennen. Besonders die großen, schweren, die so viel wunderbares selbstbewusstes Leben verdecken können. Damals wie heute. Maxi Blaha zeigt dies in ihrer Inszenierung des von ihr beauftragten Stückes der Londoner Autorin Penny Black eindrucksvoll. Und gibt im Belvedere „der schönen Aussicht“ eines Künstlerlebens das vielfältige eigenständige Leben um und mit ihm zurück, das es zu allen Zeiten für Kunst, Welt und Liebe braucht – merci!

 

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Walter Pobaschnig, Wien 12_2018

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„Der Untergang des österreichischen Imperiums oder die gereizte Republik“ Ed.Hauswirth und Ensemble. Umjubelte Uraufführung TAG Theater Wien. 17.11.2018.

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Jetzt wird getanzt. Hemmungslos. Die Urhorde findet sich gleichsam wieder im Hotel am Semmering. Das Totem, das sind sie jetzt selbst. Ihre Ängste, die Geist und Körper wieder zerreißen und wild toben lassen. Das Unbehagen der Kultur im Anspruch von Humanität und Bildung zerreibt sich in der Ambivalenz prekärer Arbeitsverhältnisse, die dazu verführen Ideale für Lohnzettel zu tauschen. In Zeitungsredaktionen und überall. Ein Angestelltenverhältnis oder was? Niemand entgeht diesen Fragen jetzt. Unten am Fuß des Berges. In den Städten und überall. Daher bleibt jetzt nur noch die Macht des Körpers. Nackt, expressiv, schonungslos… Doch es ist noch nicht so weit. Der letzte Tanz bleibt zunächst eine Dystopie. Eine dunkle Vision vom Untergang der Kultur im Naturtriumph von Instinkt und Macht.

 

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Noch treffen sie sich wie immer hier am Berg. Die Journalistin und Autorin, der Publizist, der junge Chefredakteur, die Philosophin und weitere. Es gibt Rituale. Gespräche und Tun. Wandern, kochen. Wort und Natur. Lachen und Nachdenken. Doch so war es einmal. Jetzt spitzt sich alles zu. Dunkle Wolken der kränkenden aktuellen Berufserfahrungen, persönliche Enttäuschungen im Lebensweg und die gesellschaftspolitischen Veränderungen ziehen schwer übers Land und hüllen jetzt auch den Berg ein. Überall Verlust und wenig Hoffnung. Es donnert und blitzt. Schwer. Im Tal und jetzt zwischen den Anwesenden. Und es ist nur eine Frage der Zeit bis die narzisstische Magie des Imperiums im letzten Röhren der Hirsche alles verschlingt. Ein dunkler Reigen, dessen Sog hier am Berg kränkt, demütigt und eine scheinbar verlorene Welt endgültig sprengt…

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Das TAG Theater Wien setzt sich mit der umjubelten Uraufführung „Der Untergang des österreichischen Imperiums oder die gereizte Republik“ von Ed.Hauswirth und dem Ensemble fulminant an das Jubiläumsbankett des Landes. Es ist ein komödiantisch wie intellektuell kritisch mitreißender Blick auf die moderne Gesellschaftsgeschichte in allen Herausforderungen und Enttäuschungen. Die Inszenierung in der grandiosen Darstellung und Sichtbarmachung individueller Lebenswege öffnet die großen Einsamkeiten und stillen Tragödien unserer Zeit, in denen Fragen und Klagen persönlich bleiben (müssen) und so innerlich erstarren lassen. Das Ensemble interagiert im großen Thema individueller und gesellschaftspolitischer Lebensspannung von Ideal und Realitätanspruch in hervorragender persönlicher Aufmerksamkeit und schafft es die Brüche zwischen sozialer Rollenfassade und unterdrücktem persönlichen Angstschrei in Gänsehaut offenzulegen. Präsenz, Expressivität, Überraschungsmoment und Tragik reißen das Publikum mit.

Ein Bühnenereignis, das unterhält wie nachdenklich macht und zeigt welch Kraft, Aufmerksamkeit und Spielfreude modernes Theater auszeichnen kann.“

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Regie: Ed. Hauswirth

Text: Ed. Hauswirth und Ensemble

Es spielen: Beatrix Brunschko, Jens Claßen, Juliette Eröd, Lorenz Kabas, Monika Klengel, Raphael Nicholas, Georg Schubert, Lisa Schrammel

Bühne: Johanna Hierzegger

Kostüm: Christina Romirer

Dramaturgie: Tina Clausen, Isabelle Uhl

Regieassistenz: Renate Vavera

Kamera: Gregor Graschitz

Regiehospitanz: Alexander Schlögl

 

Uraufführung: Sa 17. November 2018, 20.00

Weitere Vorstellungen

Di 20., Mi 21., Fr 23., Sa 24., Di 27. und Mi 28.* November 2018, 20.00

Di 18., Mi 19. und Do 20. Dezember 2018, 20.00

 

*Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Publikumsgespräch statt.

 

Walter Pobaschnig, Wien 11_2018

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„Schlafende Männer“ Martin Crimp. Österreichische Erstaufführung am Schauspielhaus Wien. 9.11.2018.

 

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Die ZuschauerInnen betreten über die Bühne den Theaterraum. Eine Frau und ein Mann sitzen sich da in einem großzügigen Atelierraum gegenüber. Julia, Kunsthistorikerin, und Paul, Musikproduzent. Ihre räumliche Distanz jetzt entspricht der ihrer Alltagswirklichkeitswirklichkeit. Leben, Arbeiten – aber ihre Liebe? Im Hintergrund sind Filmsequenzen zu sehen – „Wer hat Angst vor Virginia Wolf?“ (1966, Mike Nichols). Ein Filmklassiker, der die psychologischen Abgründe der Beziehungsrealitäten eines Ehepaares fulminant inszeniert. Dann klingelt es an der Tür…

Ein nächtlicher Besuch. Josefine, die neue Assistentin von Julia, und Tilmann stehen plötzlich vor der Tür. Nähe und Distanz in Begegnung und Gespräch der Paare werden nun zu ambivalenten Episoden zwischen psychologischen, aktionistischen und surrrealen Nachtbildern. Alles verliert jetzt den festen Boden im Blick vom abgründigen Seelenbalkon von Lebensweg und möglicher wie verpasster –richtung. Der freie Fall aus der Persönlichkeitsrolle im Tageslicht wird zum emotional explosiv-expressiven Szenario, dem niemand hier entgeht…doch wie wird es schließlich enden im Morgengrauen?

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Das Schauspielhaus Wien zeigt mit der österreichischen Erstaufführung von „Schlafende Männer“ (Martin Crimp) modernes Theater, das in zahlreichen wie vielfältigen künstlerischen Referenzen gesellschaftliche Realitäten reflektiert. Die Fülle und Spannung der ästhetischen wie psychologischen Bezüge im Stück des gefeierten Autors Crimp macht es Inszenierung und Regie grundsätzlich nicht leicht. Eine Dramaturgie zu finden, die da für einen spannenden Theaterabend funktioniert, ohne zu viele kunsthistorische Voraussetzungen (Wiener Aktionismus, Maria Lassnig) einzubauen, ist eine Herausforderung, der Regisseur und Ensemble aber hervorragend gerecht werden. Vom ersten Bühnensetting und –dialog an wird eine Aufmerksamkeit erzeugt, die dem dramatischen Fortgang gebannt folgen lässt. Hervorragendes Schauspiel in stop and go motion trägt einen Abend, der auch in dem direkt ansprechenden ästhetisch-psychologischen Reflexionstransfer von Bühne und Publikum bestens greift. Sehen und Denkanstoss springen ausgezeichnet über. Es wird zerstört, aber auch aus den Trümmern eines Wohnzimmers an einem reflektierenden Menschenbild gebaut. Die kritische Einladung der Inszenierung, auch in hervorragendem Bühnenbild/Kostüm/Technik, kommt in Zeit und Leben der Gegenwart an – Gratulation!

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„Schlafende Männer“

Autor: Martin Crimp

Regie: Tomas Schweigen

Besetzung: Vera von Gunten, Alina Schaller, Sebastian Schindegger, Anton Widauer

 

Bühne: Giovanna Bolliger

Kostüme: Anne Buffetrille

Musik: Dominik Mayr

Video: Tim Hupfauer

Dramaturgie: Tobias Schuster

Licht: Oliver Matthias Kratochwill

Ton: Benjamin Bauer

Regieassistenz: Sophia Fischer

 

Weitere Spieltermine: 14., 15., 16., 17.11 und 4., 5., 7., 8., 12., 13., 14. Und 15.12.2018

Schauspielhaus Wien, Porzellangasse 19, 1090 Wien

Tel: +43 1 317 01 01 18 (Kartenvorverkauf)

Tel: +43 1 317 01 01 (Büro 10 – 18 Uhr)

Fax: +43 1 317 01 01 99 00

karten@schauspielhaus.at (Kartenvorverkauf)

www.schauspielhaus.at

 

Walter Pobaschnig 11_18

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Alle Fotos: Walter Pobaschnig

 

 

 

Liliom.Club _ Bernhard Ensemble- Off Theater Wien. 19.10.2018

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Wenn die Lichter im Vergnügungsviertel des Wiener Prater aus sind, gibt es nur Dunkelheit. Menschen sind reglos am Boden. In Stop-Motion beginnen sie sich morgens stumm zu bewegen. Finden ihren Weg in die U-Bahn, ihren Platz im Tageslicht. Wie jeden Tag. Mittendrin im Ringlspiel der Schlaflosen – Andreas Zavoczki, Schausteller. Sein Leben abseits von Achterbahn, Zuckerwatte und Langos ist alles andere als ein Vergnügen. Er sitzt einsam am Bahnsteig. Sein Kopf ist eine Geisterbahn zerfetzter Träume. Schlafen kann er schon lange nicht mehr. Menschen um ihn am Morgen gibt es nicht. Keine Nähe, keine Freunde, keine Liebe. In einem regelmäßigen Gruppentreffen spricht er über seine Ängste kein Wort. Er sitzt da und hört zu. Dann trifft er Fiscur und alles ändert sich. Fiscur kennt nur die Sprache der Gewalt. Direkt, unmittelbar. Zunächst fällt es schwer, doch dann fällt Zavoczki in das grelle Licht des Faustkampfes, das keine Worte mehr braucht. Und seine Sitzungsgruppe mit ihm. Auch Julie, die sich in ihn verliebt, wird ein Teil dieses dunklen Reigens. Und jetzt soll es um Geld gehen. Einen Überfall aber auch gleich um das Finanzamt. Fiscur hat da Ideen. Zavoczki zögert. Julie ist schwanger. Ihre Freundin Marie will das ungleiche Liebespaar verzweifelt an das sichere Ufer einer Existenz in der Seestadt bringen. Doch Zavoczki geht den Weg weiter. Ringt mit allen blutigen Dämonen bis zum Ende und der überraschenden stillen Rückkehr zur verlassenen Liebe….

Regisseur Ernst Kurt Weigel verbindet in seinem neuesten Mash-up, einem innovativen Theatergenre, welches Film- und Literatur/Theaterplots in kritischem Gegenwartsbezug setzt, den Thriller Fight Club (1999, David Fincher) und das Bühnendrama Liliom (1934, Molnar) zu einer furiosen Hochschaubahn moderner menschlicher und gesellschaftlicher Abgründe. Weigel gelingt das außergewöhnliche Kunststück den Film- und Theaterklassiker in ihrer gemeinsamen Mitte von subjektiver Tragik und objektiver Kritik an Lebenswelt und –enge in expressiver Bühnendarstellung in die Gegenwart zu katapultieren. Die Thematisierung von Sprachlosigkeit und Gewalt sind dabei die zentralen Säulen der Inszenierung, die in ihrer Vielfalt der dichten Bewegungs- und Ausdruckformen in großem schauspielerischen Anspruch beeindruckt. Ob in der Einsamkeit täglicher wie düsterer Stadttreffpunkte, im satirischen Monolog des Sitzungszimmers der Selbsthilfegruppe, im impulsiven Tanz am Bahnsteig, im blutigen Slow-Motion Faustkampf oder in stillen Momenten der Sehnsucht und Trauer, das großartige Bernhard Ensemble beherrscht alle Facetten und Ansprüche emotionalen und körperlichen Spiels. Großartige Bühnenpräsenz ist da im Kollektiv und in Gänsehaut erzeugender Weise zu bewundern. Hervorzuheben ist auch das aufwendig gestaltete Bühnenbild in beeindruckender Graffiti-Galerie.

„Modernes mutiges Theater, das keine Scheu vor Experimenten hat und in Regie und Ensemble zweifellos zu den talentiertesten und innovativsten der Gegenwart zählt.“

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Walter Pobaschnig, Wien 19.10.2018

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Liliom Club

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Regie/Konzept: Ernst Kurt Weigel

Performance: Isabella Jeschke, Leonie Wahl, Kajetan Dick, Gerald Walsberger, Michael Welz, Ernst Kurt Weigel

Komposition: b.fleischmann

Bühne und Kostüme: Devi Saha

Choreografie: Leonie Wahl

Kostümassistenz: Florine Stuefer

Regieassistenz: Jennifer Skriwan

Technik: Jennifer Skriwan, Christian Lieb

Produktionsleitung: Monika Bangert

Presse: Simon Hajós

 

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Weitere Termine:

20., 23., 25., 30. Oktober 2018

3., 4., 6., 9., 10., 11., 13 November 2018, jeweils um 19:30 Uhr

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„Ein Geschäft mit Träumen – Ingeborg Bachmann“ Begeisternde österreichische Erstaufführung am Heunburgtheater_Kärnten 28.7.2018

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Das Bühnenbild drückt es auf den ersten Blick wunderbar aus: mein Leben hat einen doppelten Boden. Es gibt ein oben und unten. Da sind der Beruf, die Schreibmaschine und das Telefon auf schwerem Mobiliar und darunter ist ein leerer Raum ohne fixe Einrichtung, den ich alleine betrete. Da geht es um meine Träume und Wünsche. Und natürlich meine Zeit dazu. Oder eben nicht. Wie weit wage ich mich nun persönlich auf meiner Lebensbühne vor? Wie viel Zeit habe, gebe ich?

Regisseur und Intendant Andreas Ickelsheimer bringt mit der österreichischen Erstaufführung von Ingeborg Bachmanns „Ein Geschäft mit Träumen“ eine fulminante Selbst- und Zeitreflexion der Moderne auf die Bühne des einzigartigen Heunburgtheaters in Kärnten.

Beeindruckend ist zunächst der Theaterraum selbst, der, in eine imposante Burgruine gebaut, per se selbst schon Fragen an Dauer und Vergänglichkeit in Geschichte und Wahrheit stellt und so eine kritische Kulisse wie Symbolik für Mensch- und Weltbild ist. Das Bühnenbild wie Lichtdesign, -technik und Musik nehmen nun wunderbar diese vorgegebene Topographie als tragenden Rahmen in Thema und Aussage des Stückes auf. Leben, Wünsche, Träume im rasenden Anspruch der Zeit zwischen (Wolken)Burg wie Licht und Dunkel vergänglichen Seins und Steins.

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Die Inszenierung setzt die existentielle Fragestellung Bachmanns nach Mensch, Welt und Wahrheit in psychoanalytischer und gesellschaftskritischer Perspektive im eindringlich dramatischen Szenenwechsel um und lässt das Publikum differenziertem Schauspiel auf höchstem Niveau folgen. Amrei Baumgartl und Martin Mak setzen als Anna und Laurenz eine sprachliche wie körperliche Präsenz in den Raum, die in szenischer Variation und Präzession fesselt wie erstaunt. Eine solch emotionale Dichte der Darstellung in Wort und Bewegung, auch hervorragendes Kostümbild wie Tanzästhetik von Amrei Baumgartl, im Dialog mit dem aussagekräftigen wie reduzierten Bühnenkontext ist im deutschen Sprachraum sehr selten zu sehen. Baumgartl und Mak zaubern hier und treffen Bachmann pointiert ins Herz. Ebenso spielen Sandra Pascal und Peter Beck wunderbar hintergründig und geben der Dramatik sehr ausdrucksstarke treffende Konturen.

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„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“, formulierte die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann in der Dankesrede für den Hörspielpreis in Bonn 1959. Diesen bekam sie auch für ihr 1952 veröffentlichtes Hörspiel „Ein Geschäft mit Träumen“. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung befindet sich die berufstätige Schriftstellerin selbst in der Spannung von Lebenswegoptionen. Im Stück über den Büroangestellten Laurenz und dessen Lebenskonturen reflektiert sie dies. Die psychoanalytische Perspektive im Seelenmodell von Wunschanspruch und Kompromiss wird dabei schon sichtbar und im späteren Roman „Malina“ expliziter. Die Wahrheit über die und meine Lebenszeit ist eine tägliche Aufgabe – „Ich fürchte, ich habe nicht so viel Zeit. Ich werde nicht einmal Zeit für den kleinen Traum haben…“, sagt Laurenz.

Das Heunburgtheater lädt in diesem Sommer in wunderbarem Spiel wie Ort ein, Räumen und Träumen des Lebens wieder nahe zu kommen.

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„Ein Geschäft mit Träumen – Ingeborg Bachmann“

Heunburg Theater, 9111 Haimburg

 

Regie – Andreas Ickelsheimer

Laurenz – Martin Mak

Anna – Amrei Baumgartl

Geschäftsführer – Peter Beck

Verkäufer – Sandra Pascal

 

Bühne – Elias Molitschnig

Lichtdesign – Hanno Kautz

Lichttechnik – Bernd Zadow

Musik – Manfred Plessl

Produktionsleitung – Claudia Lange

Weitere Vorstellungen: 02./04. August, 10./11./12./15./16./17. August     http://www.heunburgtheater.at/web/terminuebersicht/

Walter Pobaschnig, Wien 28.7.2018

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„Körper zerreißt Seele“ – Macbeth. William Shakespeare. Premiere Burgtheater Wien 18.5.2018.

Machtlust, Mord und das bittere eigene Ende, das geht durch und durch, oder? Windet sich nach der Tat Stimme und Körper sprachlos in Verrenkungen und stumpfen Krächzen? Holt der Körper unerbittlich den Moment der Skrupellosigkeit ein oder ist es ein „Es ist getan“ in ruhiger Rede mit blutigen Händen? Schreit alles von Kopf bis Fuß oder lehnt das Messer lässig an der Wand? Das Publikum kann sich eine der Bühnen-Varianten aussuchen – was passiert, wenn Macbeth mit blutigem Messer zur erwartungsvollem Lady Macbeth zurückkehrt? Regisseur Nunes serviert jedenfalls beides. Lady Macbeth hält sich damit nicht auf: „Ein wenig Wasser reinigt uns von der Tat…“ Die Realität ist die Macht, greif` doch danach, Macbeth – „The sleeping and the dead, are but as pictures“ (Schlafende und Tote sind Bilder nur).

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Regisseur Antu Romero Nunes zeigt am Wiener Burgtheater den wohl körperlichsten Macbeth der Theatergeschichte und lässt im Wien Sigmund Freuds jede Bewegung des großartigen Ensemble Trios einen Schrei menschlicher Abgründe sein, in dem sich Sprache und Umwelt reduzieren und schließlich in Scham, Schmerz und Stille auflösen. Der Körper ist die Seele, die zuckend in Versuchung, Tat und Gewissen in sich in Lust und Tod verkrümmt verkümmert. Die Kulisse des Lebens zerreißt. Dunkelheit. Leichenblässe. Ende. Shakespeare trifft auf Freud.

„Das Ich ist vor allem ein körperliches, es ist nicht nur ein Oberflächenwesen, sondern selbst die Projektion…“ schreibt Sigmund Freud („Das Ich und das Es“) und Regisseur Nunes gibt in seiner Inszenierung dem Charaktermodell Freuds in Bühne wie Rolle fokussierten Raum und lässt König Duncan (Über-Ich), Lady Macbeth (Es) und den ringenden Macbeth (Ich) als seelische Dynamiken aufeinanderprallen, die in den Mechanismen unbewusster Konflikte miteinander ringen. Der Körper wird zum Schauplatz verdrängter Ambivalenz und die Inszenierung bringt dies großartig in den Polaritäten von Schrei und Stille auf die Bühne. Christiane von Poelnitz, Ole Lagerpusch und Merlin Sandmeyer zeigen höchste Schauspielkunst im Setzen des dramatischen wie augenzwinkernden Ausdrucks und Moments. Das reduzierte, ganz unmittelbare Bühnenbild wird zum dialogisch begleitenden Spiegelbild der Seelenkämpfe und trägt, wie das sensationelle Kostümbild, Musik und Chor, eindrücklich visuell und akustisch.

 

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„Regisseur Nunes inszeniert einen abgründigen blutigen Wiener Seelenreigen, der in Intensität und Expressivität begeistert.“

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„Macbeth“ William Shakespeare, Burgtheater Wien

Premiere 18.5.2018

 

Regie: Antu Romero Nunes

Dramaturgie: Eva-Maria Voigtländer

Schauspiel: Ole Lagerpusch (Macbeth/Hexe), Christiane von Poelnitz (Lady Macbeth/Hexe), Merlin Sandmeyer (Duncan/Banquo/Lady MacDuff/Hexe)

 

Bühne: Stephane Laime

Kostüme: Victoria Behr

 

Sängerin und Pianistin: Paloma Siblik

Musiker: Lenny Dickson, Tommy Hojsa, Alexander Wladigeroff, Post Telekom Austria Wien

Kapellmeister: Christian Schranz

Kinderchor: Vivid Voices

Musik: Johannes Hoffmann

Licht: Norbert Joachim

 

Die nächsten Spieltermine: 19., 23., 25., und 30.Mai. 2., 6., 13., und 15.Juni 2018.

 

Walter Pobaschnig, Wien 5_2018

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„Lazarus“ von David Bowie/Enda Walsh. Begeisternde österreichische Erstaufführung am Volkstheater Wien, 9.5.2018.

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New York. Ein Loft in der 2nd Avenue in Manhattan. Darin am Boden zwischen Gin und „Lucky Charms“ (süße Cornflakes Mischung) ringt Thomas Jerome Newton mit seiner Einsamkeit. Er sieht fern und vermeidet den Kontakt zur Außenwelt. Nur seine Assistentin ist gelegentlich bei ihm und muss hilflos seinem tragischen Ringen mit verlorener Herkunft, Liebe und Hoffnung zusehen. Ein in einer fremden Welt Gestrandeter, der noch einmal aufbrechen will. Mit einer Rakete zum Himmel. Kann es gelingen von der Dunkelheit zum Licht zu gelangen? Er ist bereit dazu…“Look up here, I`m in heaven“.

 

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Das Volkstheater Wien zeigt in der österreichischen Erstaufführung des David Bowie/Edna Walsh Musicals „Lazarus“ (Uraufführung 7.Dezember 2015 New York) was mutiges experimentierfreudiges Theater zu leisten vermag. Der fortgeschriebene dramatische Stoff des einsamen heimatlosen Wanderers im Film „The Man Who Fell to Earth“ (1972), in dem der zeitgenössische Musikstar und Ausnahmekünstler David Bowie (1947-2016) die Hauptrolle spielte, ist eine große Herausforderung an Inszenierung, Darstellung, Musik und Bühnenbild.
Der Regie von Milos Lolic gelingt es jedoch in beachtlicher Weise einen tragenden Handlungsstrang zu finden, der über ein musikalisches Requiem hinausgeht und Stationen eines Musikerlebens wie existentielle Fragestellungen mitreißend zu inszenieren, zu verbinden und auch zu reflektieren. Es sind Fragen des Leidens, Sterbens und der Hoffnung über den Tod hinaus, die schon titelgebend in der biblischen Figur des auferweckten Lazarus umrissen sind und in welcher der geniale musikalische Verwandlungskünstler David Bowie sein letztes Alter Ego nach Ziggy Stardust oder Aladdin Sane wiederfindet und mit aller wie letzter Kraft Gestalt und Ausdruck gibt. Der irische Regisseur Enda Walsh, der mit Bowie das Stück schrieb und dabei lange Gespräche mit dem schwer kranken Musiker in seinen letzten Lebensjahren führte, erinnert sich: „Wir sprachen über einen sterbenden Menschen und die Augenblicke vor seinem Tod, was in seinem Kopf vorgehen könnte und wie man so etwas auf der Bühne inszenieren könnte…“. Die Musik, Erinnerungen und Fragen der Hoffnung in aller Ruhelosigkeit des Lebens und Sterbens abseits von Erfolg und Bühne werden dann auch zu tragenden Angelpunkten des Stückes, „Wir wollten, dass Newton – in seinem Sinne – Ruhe findet.“

Die zweistündige Neuinszenierung dieser existentiellen Zeit- und Lebensreise mit den großen Hits wie eindringlichen Songs Bowies („Heroes“, „Love is lost“, „Changes“, „Absolute Beginners“, weitere) , getragenen von einem ausdrucksstark Inszenierung und Musik leitenden Bühnenbild, zündet wie eine Rakete und das Publikum dankt dem begeisternden Ensemble und der grandiosen Musik mit wiederholten Applaus während und am Ende der Vorstellung.
„Das Volkstheater Wien lässt den genialen Musikkünstler David Bowie kraftvoll, tiefsinnig und mitreißend zu Wort und Klang kommen.

Lazarus Schlussapplaus

Volkstheater Wien, Österreichische Erstaufführung „Lazarus“
Musical von David Bowie und Enda Walsh
nach dem Roman The Man Who Fell To Earth von Walter Tevis
Regie Miloš Lolić
Deutsch von Peter Torberg
Die nächsten Spieltermine : SA 12. MAI 2018 19.30, SO 13. MAI 2018 19.30, FR 18. MAI 2018 19.30, SA 19. MAI 2018 18.00, SO 20. MAI 2018 19.30, DO 24. MAI 2018 19.30

Walter Pobaschnig, Wien 5_2018
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Fotos: Volkstheater_lupispuma.com; Walter Pobaschnig _ Volkstheater_Schlussapplaus

 

 

 

 

„Raststätte oder sie machens alle“ von Elfriede Jelinek im WERK X Wien. Neuinszenierung mit Witz und Nachdenklichkeit. 12.4.2018

Grauer Beton. Nur Leere und Müll. Autogeräusche. Es geht um Durchreise hier – „speed of life“. Ein Kruzifix schimmert im Hintergrund. Zwei Frauen, Isolde und Claudia, kommen an. Sie tragen kleine Taschen und darin alles für die erhoffte Verwandlung mit sich. Dann kommen ihre Männer, Kurt und Herbert, vollgepackt und beschwert. Ihre Worte sind es ebenso. Hier hat niemand niemanden mehr etwas zu sagen. Es geht nur noch um leere (Körper)Bilder im Kopf. „Eine feste Burg ist unser Hormonhaushalt“. Einsamkeit und Sehnsucht.

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Der Körper soll es richten. Der Körper soll es leisten. Die Lust, das Leben, den Sinn, alles. Dafür das Inserat der Frauen, um „tierisch guten Sex“ zu bekommen. Hier, zwischen dem Müll der Aufbrechenden, soll das Glück am Klo vom Himmel gerissen werden. Schnell und wortlos. Die Namen werden abgelegt und es kann losgehen. 

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Doch als „Bär und Elch“ verkleidet erscheinen dann ihre eigenen überforderten Männer und das ersehnte Stelldichein wird zur anstrengenden (gewohnten) Übung am Klo anstatt zum erotischen Tango. Hier ist niemand mehr König der Tiere und der kellnernde Arrangeur kniet betend im Hintergrund. Als sich die Paare erkennen, richtet sich ihre Wut auf die erwarteten Liebhaber, die ihre Rollen mit Herbert und Kurt getauscht hatten.  Die Welt muss wieder in Ordnung gebracht werden. „Hier wollen wir selbst das einzig Wilde sein!“ Die (Tier)Körper sterben. Die Schuhe werden wieder ausgezogen, die Sachen gepackt und ab nachhause. Nichts passiert, nichts geschehen. Beton. Leere. Außen und innen. Die Decknamen werden wieder abgelegt. Die Alltagskostüme wieder an. Eine Durchreise. Dieses Leben….

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Die Regisseurin Susanne Lietzow inszeniert das am Wiener Burgtheater 1994 von Claus Peymann uraufgeführte Stück „Raststätte oder sie machens alle“ mit großer Text- und Bildaufmerksamkeit. Das Visuelle ist dabei immer im engen Kontext der Sprache und genau damit trifft Inszenierung, Bühnenbild und Ensemble in das kritische Herz dieses anspruchsvollen Stückes zwischen Komödie und tragischem Spiegelbild der Zeit. Sandra Bra, Isabella Szendzielorz, Gilbert Handler, Klaus Huhle, Thomas Kamper, Arthur Werner sowie Sebastian Klinser und Markus Mariacher geben in ausdrucksstarker Darstellung, welche in der Vorgabe der Rollencharakterisierung menschlicher Erschöpfung und Einsamkeit wie sprachlichem Sarkasmus hohe Ansprüche stellt, diesem thematisch facettenreichen Jelenikstück Kontur und Form, die bis zum Finale anhält und zum Lachen wie Nachdenken anregt. Ein besonderer Theaterabend, der in sprachlicher Pointiertheit zeitlose Fragen von Identität und moderner Gesellschaft kritisch stellt.

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13.04; 14.04; 28.5; 29.5; 30.5. 2018, jeweils 19.30 Uhr

WERK X, Oswaldgasse 35A, 1120 Wien

Alle Fotos: Yasmina Haddad.

 

Walter Pobaschnig, Wien 12.4.2018

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„Body Di String“ Fulminante Uraufführung am OFF Theater Wien. 6.4.2018. 

 

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Vorsichtig und bedacht betritt Sie den leeren Raum. Es ist ein leises, behutsames Ankommen im Bühnenlicht. Sie trägt einen grellen Body und in der einen Hand einen Hut schützend vor dem Körper, in der anderen Hand ein Kleid. Die Einsamkeit des Betretens der Schwellen zwischen Bühne und Leben ist in ihrer reduzierten Mimik und Gestik zu erkennen. Doch das Bühnenlicht ist an und jetzt gibt es kein zurück mehr – die Show beginnt!

Rasant tritt nun ihre Bühnenpartnerin in strahlenden Rollschuhen auf und füllt die Leere des Raumes mit der Geschwindigkeit von Wort und Bewegung. Ein Fläschchen Campari hält den Redefluss in Gang, wenn es nun gilt den Körper und die Lebenswelt vorteilhaft in Szene zu setzen. Leben, Liebe, Leidenschaft. Posieren ist jetzt alles. Auf der Bühne wie abseits davon. Niemand will Zweite sein. Nicht beim Gruppensex am Kiesstrand, beim Campari Exzess im Süden oder dem Sesselleisten Kampf im Wohnzimmer.

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Alles und mehr hat im großen persönlichen Erfahrungsraum Platz und unterstreicht nur die Erfolgsstufen, auf denen es unweigerlich aufwärts geht zu Film und Fernsehen und dem dazugehörigen Ehebett mit Musenvorzimmern und gut gesetztem Tinderprofil. Meine Welt ist der Wille zum Erfolg und nichts außerdem. Und jede ist dabei meine Konkurrentin. Auch die Bühnenpartnerin mit ihren hochfliegenden Karrierezielen, die dann im Detail des Rechtschreibfehlers scheitern könnten und natürlich den Misserfolg der Bühnenpartnerin mitbestimmen. Hier vertraut niemand niemanden. Und Gefühle dürfen keinen Platz haben. Nur manchmal fallen Masken und das Leben mit all der Schwere des Wollens, Sollens und Müssens bricht unerbittlich ein. Es sind Momente des Stillstehens, in denen das einsame Herz den grellen „Body Di String“ abzustreifen versucht und die tägliche Maskerade von Glück und Erfolg kräftig schüttelt. Doch es bleibt keine Zeit für Sentimentalitäten zwischen Castings, Shootings und dem nächsten Bühnenstück. Wir tanzen und spielen bis das letzte Camparifläschen geleert ist…

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Das Wiener ZWEI Ensemble – Andrea Drössler & Garzon May – begeistert mit der Uraufführung von „Body Di String“ im OFF Theater Wien auf allen Linien modernen situativ-reflexiven Performancetheaters. Es ist ein atemloser Bühnenreigen komödiantisch-tragischer Selbst-, Berufs- und Gesellschaftsreflexion, der gleichsam die nackte Seele des modernen Menschen aus „dem Zeitgeist der Campariflasche“ zwischen Traum und Wirklichkeit, Forderung und Überforderung, fulminant präsentiert.

In höchster Professionalität von Sprach- wie Körperpräsenz wird im „action painting“ atemloser Narrative und Körperausdruck gleichsam das Bild des modernen „g`schupften Ferdls&Herrn Karls“ mitreißend  in Szene gesetzt. Andrea Drössler und May Garzon nehmen mit ihrer eindrucksvollen Stückentwicklung den zeitkritischen schwarzen Wiener Humor eines Helmut Qualtingers („Das Image ist ein Spiegelbild, das schöner ist als das Original“) wie die schonungslose Kritik moderner seelischer Doppelbödigkeit eines Arthur Schnitzlers furios ins moderne prekäre (Bühnen-)Leben mit und zeigen welch großes innovatives wie kreatives Potential das moderne Wiener Theater hat. Hervorzuheben ist auch die Regie von Isabella Jeschke, die dem hohen Anspruch der Inszenierung von Komödie und Tragödie in der rasanten Verbindung von Sprech- und Körpertheater wie Performance glänzend gerecht wird.

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Der langanhaltende Schlussapplaus des kritischen Wiener Publikums rundete einen ganz besonderen Theaterabend begeistert ab, der nur im höchsten Maße zu empfehlen ist.

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„Body Di String“ von und mit Andrea Drössler & Garzon May. Regie: Isabella Jeschke.

Nächste Spieltermine: 12 & 13 April 2018. OFF Theater Wien, Kirchengasse 41, 1070.

 

 

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„Begegnung mit Seltsam“  von Peter Bielesz. Paul Celan und Martin Heidegger. Pygmalion Theater Wien, 15.3.18

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Ein abgedunkelter Raum. Das Bühnenlicht gibt ganz langsam den Blick frei. Ein Tisch, zwei Sessel sind zu sehen und verstreute Blätter. Ein Mann öffnet die Tür und stellt seinen Rucksack ab. Er wirkt sichtlich erschöpft. Sein Gegenüber sitzt starr und vertieft da. Eine bedrückende Spannung wie Erwartung ist sofort zwischen den beiden zu spüren….

 

 

Es ist ein weiter Weg, der den Dichter zur Berghütte hier in den Schwarzwald führt. Er kommt aus der Stadt, aus Paris, und daher hat er es mit dem Wandern nicht so. Als er ankommt, ist er außer Atem. Vom beschwerlichen Höhenweg, weil er starker Raucher ist, aber auch von der Last auf seiner Seele, die er seit der Flucht aus der Bukowina und dem Tod seiner Familie in der Shoa mit sich trägt. Doch er ist der Einladung gefolgt. Der Philosoph erwartet ihn. Und auch der Dichter hat Erwartungen zu einem Wort der Befreiung und der Hoffnung. Vor allem aber an den Mut zur Wahrheit – „Es ist Zeit, dass es Zeit wird…“. Der Dichter heftet Blätter mit Wörtern an die Wand und versucht so ein Gespräch in Gang zu bringen. Doch der Philosoph balanciert ausweichend dozierend zwischen Sein, Zeit und Schein

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Kann der Philosoph mit dunkler akademischer Vergangenheit diesen geforderten Mut zur Wahrheit leisten? Kann der Dichter zu einem Dialog mit dem Philosophen finden? Kann der geschnitzte Stern am Brunnen vor der Hütte zur Hoffnung im Wort werden oder wird er zum „Holzweg“, auf dem es kein Ankommen gibt… Das Misstrauen ist groß und der Philosoph sucht immer wieder auszuweichen und in seine starren Denkmodelle zu fliehen. Und mehr und mehr wird der Wortwechsel zum Duell, das schließlich im dramatischen Finale endet…

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Der österreichische Autor Peter Bielesz nimmt sich mit dem Bühnenstück „Begegnung mit Seltsam“ thematisch der Begegnung des Dichters Paul Celan mit dem Philosophen Martin Heidegger an. Am 26. Juli 1967 besucht Celan Heidegger in dessen „Hütte“ Todtnauberg im Schwarzwald. Beide, dies geht aus zahlreichen Annotationen (Textanstreichungen in den Werken beider im Nachlass) hervor, setzten sich zeitlebens mit dem philosophischen Denken und künstlerischem Thema des anderen auseinander. Das Treffen selbst, Celan wird noch einmal kurz vor seinem Tod (April 1970) Heidegger besuchen, wird vom Dichter im Gedicht „Todtnauberg“ angesprochen. Unmittelbare Überlieferungen oder Dokumentationen des Treffens gibt es nicht. Die Rekonstruktion erweist sich biographisch wie inhaltlich als schwierig. Die NS-Vergangenheit Heideggers als Universitätsprofessor wie die grundsätzliche Anklage Celans zum persönlichen Mut Heideggers zur Wahrheit  „Zur schwarzen Milch der Frühe…“  kann jedoch als zentraler Gesprächs- wie Konfrontationspunkt gesehen werden. Davon geht auch das Bühnenstück aus und öffnet einen facettenreichen Dialog zu historischer Wahrheit, persönlicher Verdrängung und den Grenzen des Denkens angesichts erlittenen Schreckens. Den Schauspielern Peter Austin-Brentnall (Martin Heidegger) und Philipp Kaplan (Paul Celan) gelingt in der herausragenden Regie von Geirun Tino eine spannungsgeladene ausdrucksstarke Darstellung, die bis zum Schluss gebannt folgen lässt.

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Ein ganz besonderer Themenabend zu wesentlichen Persönlichkeiten wie Inhalten literarisch-philosophischer Diskussion und Reflexion, der sich in jedem Fall reges Publikumsinteresse verdient.

 

„Begegnung mit Seltsam“  von Peter Bielesz. Pygmalion Theater Wien, Alserstraße 43, 1080.

Nächste Vorstellungen: 21, 22, 28, 29, 30.3.2018

 

Walter Pobaschnig 16.3.2018

 

 

 

 

 

„BLUNZN“ Grandiose Premiere des E3 Enesmble 1.3.18  OFF Theater Wien

 

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Das E3 Ensemble reflektiert in seiner neuesten Produktion in furioser Weise in kritisch-satirischem Transfer Grundfragen unseres modernen Menschseins eindrücklich und unmittelbar. Kant trifft Wittgenstein und Sigmund Freud am rasenden Puls der Sprach-Zeit. Die Welt ist was der Fall ist.

In beeindruckendem Wort- und Pantomime Spiel werden alltägliche Hohlräume von Sprache und deren eruptive Emotionen unerfüllter Sehnsucht geöffnet. Wie begrüßen wir einander eigentlich noch? Wie egozentrisch reden und erzählen wir zwischen Tinder und speed of life?  

Da ist in jeder eindrücklich choreographierten Szene satirisches Wortspiel, Aussage und Tiefe – die Lachen, Staunen und Totenstille im Publikum zu erzeugen vermag. Die Sprachlosigkeit wird zum Raubtier, das zerreißt und weitergeht. Was am Boden liegt, rührt nicht. Nur das Treten kommt hinzu. Ist doch auch nur wieder was zum Reden. „Blunzn“ – wer/was der Mensch neben mir ist. Was er wirklich denkt, fühlt. Doch alles „Blunzn“ im letzten Tango unserer Sprachlosigkeit…

Bestes modernes Theater, das von den Sitzen zu reißen vermag und nie ohne den Anspruch und Anstoß des Weiterdenkens das Publikum entlässt.

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Hervorzuheben ist auch die experimentelle und innovative Bühnen- und Musiktechnik des E3 Ensembles, das mit seiner aktuellen Produktion zweifellos neue Maßstäbe im Wiener Theater setzt. Mit elektroakustischer Live-Musik und einer Dialogspiel Projektionswand wird ein Bühnenbild gezaubert, das hervorragend szenisch wirkt und anspricht. Ebenso sind die Kostüme hervorzuheben, die grandios und köstlich zu einer 1980er Jahre Zeitreise entführen.

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Ja, das E3 Ensemble mit Isabella Jeschke, May Garzon, Gerald Walsberger und Sebastian Spielvogel (Musik/Bühnentechnik) – schüttelt unsere Sprache, unsere Seele und das moderne Theater ganz gewaltig – Schau’n Sie sich das an!

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„BLUNZN“  Koproduktion von DAS OFF THEATER und E3 Ensemble. Weitere Spieltermine: 3., 8., 9. und 10. März 2018 um 20 Uhr – WHITE.BOX im DAS OFF THEATER, Kirchengasse 41, 1070 Wien

 

Walter Pobaschnig, Wien 1.3_2018

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jedermann (stirbt), Ferdinand Schmalz. Gefeierte Uraufführung am Burgtheater Wien

jedermann (stribt) | Ferdinand Schmalz | Uraufführung im Burgtheater

Sebastian Wendelin, Katharina Lorenz, Elisabeth Augustin, Barbara Petritsch, Oliver Stokowski, Markus Meyer, Mavie Hörbiger, Markus Hering (die (teuflisch) gute gesellschaft)

Die Welt – eine große kahle Wand. Goldschimmernd und totenblass. Aus einem dunklen Loch schlüpfen Menschen und verschwinden wieder. Eine teuflisch gute gesellschaft tummelt sich davor. Vettern, die eine Wahl zu finanzieren haben und sich um jeden Geldschein im Lederhosenstrip bücken müssen. Der mammon und die guten werke, die sich innig verschlagen gefunden haben. Der tod und die buhlschaft, die das Spiel um die Seele immer gerne annehmen, weil der Gewinn im großen blinden Auge von Sinn und Moral tod-sicher ist. Einzig der arme nachbar gott hält traurig dagegen. Ein einsamer Gärtner. Und dazu jedermann, für den Menschen bloß Schuldner mit Leib und Seele sind. Dieser Rhythmus muss stimmen. Sonst nichts. Glaube, Liebe, Hoffnung braucht hier niemand mehr. Und „Glück ist eine Illusion für den Verkauf von Pauschalreisen“. Das Wunder ist der Schein. Das einzige. Und die vielen.

Ein letztes Fest beginnt jetzt. Auf weichem Grund mit löchrigen Zäunen. Doch ohne Festung kein Fest. Im Totentanz ekstatisches Zucken. Bis es aus der Ferne tickt und der Tod zupackt – „das fest ist längst vorbei/gehn sie nach haus“. Im Sensenschein bleibt nur die Mutter und erinnert den Sohn an Moral und Umkehr, der jedoch in Verlassenheit bloß noch den Zug der Toten nachsieht und sich nackt bereit macht zu folgen. Nichts bleibt jetzt mehr. Kein Sinn und kein Mensch. Auch kein Totenhemd. Der Schein ist vorüber. Doch das Sterben, das hat doch immer schon begonnen – „jedermann ist niemand, niemand anders als wir. wenn er auch stirbt, verschwindet er doch nicht. Wir sterben ewig, leben nicht.“

jedermann (stribt) | Ferdinand Schmalz | Uraufführung im Burgtheater

Markus Hering (jedermann)

 

Der Grazer Dramatiker und Bachmannpreisträger 2017 Ferdinand Schmalz stellt sich am Burgtheater Wien mit Verve und philosophischer Tiefgründigkeit einer Neuinszenierung des „Jedermann“. Es sind dabei große Traditionen der Theatergeschichte, die mit der Uraufführung des Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes (1911, Berlin, Hugo von Hofmannsthal. Inszenierung: Max Reinhardt) ihren Anfang nehmen und denen sich der Autor in hoher Reflexionsfähigkeit und Sprachmächtigkeit selbstbewusst stellt.

Schmalz hebt in seiner Textfassung, einer Auftragsarbeit des Burgtheaters, die existentielle Frage nach Sinn und Herz des Menschen in einer Welt im umfassenden Verlust eines korrektiven „geistigen Auges“ hervor. Der Autor versteht es dabei glänzend Themen und Motive der historischen Ideengeschichte des Jedermann Stoffes überraschend zu öffnen und eindringlich zu reflektieren. Die moralische Rechtfertigung des Menschen auf seiner „raubtierhaften wildbahn“ des Profit- und Machtdenkens im Angesicht des Todes wird dabei zur schonungslosen tabula rasa von Haben und Sein im Spiegel der Zeit. Im Sterben bleibt dem Menschen „halt“ so wenig wie er zeitlebens „ist, war“. Und dieses „wenig“ an Welt und Sinn reißt Schmalz gleichsam in furioser und atemberaubender Weise aus dem dramatischen Herz des Jedermann Stoffes heraus und schleudert es philosophisch und satirisch krachend auf die „Schädelstätte“ moderner Welt.

Schmalz stellt die klassische Jedermann Frage nach Himmel und Hölle, Wert und Sinn, erfrischend aktuell und zeigt wie zeitlos existentiell brennend aber auch gesellschaftskritisch dieser Dramastoff sein kann. Der Autor erweist sich in seiner unvergleichlichen Sprachvirtuosität aber auch als jemand, der in kritischer thematischer Analogie am Motiv der Utopie festhält und das Publikum mit dem Anspruch der Entscheidungsverantwortung für Leben und Welt entlässt. Er knüpft damit ganz eng an die „Ars moriendi“ der spätmittelalterlichen dramatischen Wurzeln des Jedermann wie moderne Konzepte existentialistischer Verantwortungsethik an und zeigt eindrücklich wie bedeutsam diese Frage, vielleicht mehr denn je, heute ist.

Der Regie von Stefan Bachmann gelingt ein eindrucksvoller Kunstgriff grandioser Inszenierung im atemberaubenden Bühnenbild von Olaf Altmann. Ebenso ist das Kostümbild hervorzuheben, das im dramaturgischen Dialog wie adaptivem Szenenwechsel beeindruckt. Das großartige Ensemble begeistert im synchron pantomimischen Ausdruck wie der Sprachpräsenz und Dramatik in solistischer Darstellung. Der fordernde Darstellungsanspruch auf engstem Raum wird ausdrucksstark und eindringlich gemeistert.

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Ein jedermann (stirbt), der als rundum äußert lebendige und nachdenkliche „schöne leich“ am Burgtheater Wien begeistert und das moderne Theater weit darüber hinaus innovativ bereichert – Gratulation!

 

Ferdinand Schmalz, „Jedermann (stirbt)“ Burgtheater Wien. Die nächsten Spieltermine: 24.2; 1,2,17,21.3.18

 

Walter Pobaschnig, Wien 24.2.2018

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Fotos: Georg Soulek, Schlussapplaus_Walter Pobaschnig

 

 

„MACBETH Reine Charaktersache“ Uraufführung. TAG Theater Wien. 3.2.2018

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Foto: Anna Stöcher

 

„MACBETH Reine Charaktersache“ Umjubelte Uraufführung. TAG Theater Wien. 3.2.2018

Ein weißes Tuch über dem erhöhten leeren Bühnenboden. Die Stille von Geburt und Tod. Darauf eine metallene Schüssel. Doch niemand wäscht hier seine Hände in Unschuld. Krieg, Verschwörung und Verrat. Der Lebensraum ist vermessen. Nur die Geister wissen mehr. Vielleicht. In jedem Fall ist ein Schritt zu weit der Fall. Aus. Moral braucht es hier nicht. Skrupel auch nicht. Macht und Abgrund zwischen leeren Stühlen. Vom Weiß bleibt am Ende nichts mehr. Nur Schlamm und Blut. Die Schüssel ist längst leer. Das Wasser reicht für das Rot auf Händen und Erde nicht aus…

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Foto: Walter Pobaschnig

Wer das TAG Theater Wien besucht, bekommt keinen Abend von „der Stange“. Der klassische Shakespeare Stoff vom blutrünstigen Intrigenspiel im Schottland des frühen 17.Jahrhunderts wird in der Inszenierung von Gernot Plass zu einem eindrucksvollen Atelier moderner anspruchsvoller Schauspielkunst in reduziert fliehendem wie eindrucksvoll dialogischen Bühnenbild.

Das Bühnengemetzel Shakespeares wird in der selbstbewusst mutigen Regie zum feinen psychologischen Kampf von Macht, Lüge und Gewissen. Gernot Plass wagt sich in das Haus abgründiger Ecksteine und Fassaden der Existenz und zieht die Vorhänge zum Herz Shakespeares in Thema- und Sprachdichte wie der Psychoanalyse ganz weit auf. Die moderne freudsche Frage nach dem Wesen des Menschen zwischen tiefer Lust und dunkler Macht trifft hier punktgenau auf die Mitte klassischen Dramas. Der König Mensch ist nie Herr im eigenen Haus. Es ist ein Klavier der Ansprüche und Ambivalenzen darin, auf dem er nie allein spielt. Die Bühne Leben ist in allen Zimmern ein gedeckter Tisch, der nie lange allein und weiß bleibt.

Die starken ironisch-komödiantischen Seitenblicke zur gesellschaftlichen Gegenwart schaffen in freier assoziativer Öffnung des Dramas eine erfrischende Ansprache, die bestes modernes Theater auszeichnet. Hier wird gespielt und gedacht – mit dem Publikum.

Das Ensemble brilliert in sehr direktem Spiel, das höchste Anforderungen in Sprache, Bewegung und Szenenwechsel stellt. Julian Loidl setzt als grandioser McBeth eine ausdrucksstarke Präsenz und Dichte in den Bühnenraum, die im Dialog mit Lady McBeth – großartig Elisa Seydel –  bis zum furiosen Finale gespannt folgen lässt. Seine Darstellung „inneren Ringens“ ist ganz große Bühnenerzählung.

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Foto: Anna Stöcher

Es sind variantenreiche Farben der Inszenierung und Assoziation, in denen das TAG Theater Wien Shakespeares „MacBeth“ beeindruckend leuchten lässt. Ein Theaterabend, der etwas ganz besonders ist.

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Premiere Sa 3.2.2018, 20.00   Foto: Walter Pobaschnig

„MACBETH Reine Charaktersache“ Uraufführung. Von Gernot Plass. Frei nach “Macbeth” von William Shakespeare

Es spielen: Jens Claßen, Julian Loidl, Raphael Nicholas, Lisa Schrammel, Georg Schubert, Elisa Seydel

Text und Regie: Gernot Plass

Ausstattung: Alexandra Burgstaller

Regieassistenz: Renate Vavera

Regiehospitanz: Lila Ludwig

Licht: Hans Egger

 

Weitere Vorstellungen: Di 6., Do 8., Fr 9., Di 13.* + Mi 14.2.2018, 20.00

Do 8., Fr 9., Sa 10., Di 13.*, Mi 14., Fr 16. + Sa 17.3.2018, 20.00

Mi 4.*, Fr 6. + Sa 7.4.2018, 20.00

Walter Pobaschnig, Wien 2_2018

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„Swing. Dance to the right“ Beeindruckender Theaterabend des aktionstheater ensemble im Werk X, 1120 Wien, 13.1.2018

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Eine leere Bühne. Die eingangs sorgsam ausgefüllten Stimmzettel des Publikums in der ersten Reihe zu zukünftigen Produktionen sind nun achtlos auf den Boden geworfen. Punschkrapferl gibt`s dafür. Aber niemanden der Tarantino gleich auftretenden einförmig eleganten Protagonisten interessiert das jetzt. Jetzt wird getanzt. Und erzählt. Ein Spaghetti Western der Wortkaskaden, deren Pointen nur am Lautesten sein müssen. Pulp und Fiction. Rauchende Colts der Sprache. Wer zieht schneller? Es muss zum Rhythmus der Gruppe passen. Die Form braucht Schlagobers. Oder auch nur Schlag und Schuss. Pinguine, Zeltfeste, Chinesen und strahlende Zähne. Wir haben viel und nichts zu sagen im Gleichschritt mit blauem Auge, heruntergelassener Hose und geöffneter Bluse. Distanzen braucht hier niemand mehr. Wertfrei und triebhaft. Immer schön vor und zurück. Bis es ins Leere geht. Zu Stille und Schatten. Und die Einsamkeit der Bühne bleibt…

Dem Wiener aktionstheater ensemble gelingt in der Idee und Inszenierung von Martin Gruber ein glänzend verdichtetes Drama um Vertrauen und Verrat, das konsequent und erschütternd subtile Mechanismen von gesellschaftlichen Stimmungswellen im Verlust von Individualität und Humanität tiefgründig offenlegt. Die Übersetzung hypnotischer Infektion gesellschaftlicher Prozesse narzisstischer Machtansprüche in eine grandios rasante Wort- und Tanzchoreografie ist ein atemberaubender Kunstgriff modernen Theaters.

Der Kommentar zur politischen Gegenwart ist zweitrangig gegenüber dem Furor, der schauspielerischen Brillanz und der Intensität der Darstellung, die eindrucksvoll zeigt wie hellhörig und innovativ kritisch Kunst zu allen Zeiten sein muss.

Es ist den DarstellerInnen Michaela Bilgeri, Susanne Brandt, Martin Hemmer, Isabella Jeschke, Nicolaas van Diepen zu einer außergewöhnlichen Ensembleleistung in höchsten körperlichen und verbalen Ansprüchen und Können zu gratulieren. Ebenso Andreas Dauböck zu einer eindringlichen musikalischen Choreografie wie auch dem gesamten Video- und Bühnenteam.

„Swing. Dance to the right.“ Martin Gruber und das aktionstheater ensemble.

Weitere Termine 22.1./23.1. und 24.1.2018 im Werk X, 1120 Wien.

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Fotos: Walter Pobaschnig

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„Der Tanz ist jetzt…“ Elektra – was ist das für 1 Morgen?. Begeisternde moderne Kammeroper am Schauspielhaus Wien.

„Es soll nun alles besser werden…Utopien mache ich wie ein Bäcker das Brot. Mit meinen Händen das weiße Zeug knete ich…Lippen, Seelen, Völker, Marmor…“.

Ägisth ist stets dort wo es etwas zu tun gibt was mit Macht zu tun hat. Radikal und skrupellos – „Eine neue Art von Arbeit suche ich/dabei entsteht eine neue Art von Welt/Was stört, wird vernichtet/Ich weiß was ich kann und ich hasse es…“. Jetzt sitzt er neben Klytaimestra am Frühstückstisch, deren Ehemann Agamemnon gemeinsam im Komplott ermordet wurde. Es gibt viel zu tun in der neuen Regentschaft. Große Vorhaben. Die Wirtschaft boomt und da gilt es steuernd am Puls zu sein. Doch jetzt im gemeinsamen Tagesbeginn, ist zunächst der neue Status zu genießen. Das Marmeladebrot zu streichen. Lange war der Weg bis hierher. Und schon warten die neuen Thronräuber und die Rache der Kinder.

Orest macht sich bereits auf den Weg. Vollgepackt mit neuen Ideen zur weiteren Steigerung des Wohlstandes von Mykene und überall. Hühner und Tonkrüge, da geht doch noch mehr. Doch seine Schwester Elektra will die Rache an dem ermordeten Vater vollziehen. Sie reicht Orest die Axt. Doch dem wurde bereits von der Mutter eine leitende Funktion am Hof angeboten. Und jetzt liegt er in der Badewanne und träumt von neuen prosperierenden Höhenflügen Mykenes. Elektra wird schließlich selbst zur Rächerin und Ägisth sieht dem Familienfluch im grausamen Mordkreislauf still zu: „Schlaf jetzt, nimm das Ende des Dings/und ende wie alle ärgerlichen Dinge enden: still, still…“.

Der Musiker und Dramaturg am Schauspielhaus Wien, Jacob Suske, und die in Iowa geborene und in Wien aufgewachsene Lyrikerin Ann Cotton bringen in selbstbewusstem ästhetischen Ausdruck und ironischem zeitkritischen Transfer den mythologischen und dramatischen Elektrastoff beeindruckend auf die Bühne des 21.Jahrhunderts. Es sind große Traditionen der Kunst von den antiken Dramen des Sophokles und Euripides bis zu den musikalischen und literarischen Zugängen der Moderne bei Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss wie bei Gerhart Hauptmann oder Jean Paul Sartre, denen sich die Inszenierung am Schauspielhaus zu stellen hat. Und sie tut dies kreativ und anspruchsvoll. Das Drama um Macht und Rache im Königshaus kommt in der komplexen Welt der Gegenwart an. Das Libretto öffnet mannigfaltige „Todesarten“, denen Familien und Menschen im Wechselspiel zwischen persönlichen und gesellschaftlichen Rivalitäten und Realitäten ausgesetzt sind und diesen schlussendlich im unheilbringenden Vernichtungsrausch erliegen müssen. Ann Cotton findet für diese dystopische Geisterbahn der Existenz eine Sprache, die facettenreich mit Witz und Reflexion eine Gänsehaut der Gedanken erzeugt und punktgenau wie kritisch Identitätsrisse trifft. Komposition und Inszenierung von Jacob Suske verbinden Geschwindigkeit und Abgründe moderner Lebensfragen im facettenreichen Musik- wie Lichtspiel. Das großartige Ensemble mit Jesse Inman (Orest), Sophia Löffler (Elektra), Vassilissa Reznikoff (Ägisth), Sebastian Schindegger (Klytaimnestra) sowie Mirella Kassowitz (Chor&DJ) bietet zahlreiche dramatische wie komödiantische Höhepunkte.

Ein Abend, der begeistert staunen lässt und viel kritischen Gesprächsstoff über Macht und Ohnmacht eines Lebens wie einer sich stetig verändernden und doch in vielem spiegelgleichen abgründigen Welt bietet.

 

Elektra – was ist das für 1 Morgen?“ Elektronische Kammeroper von Jacob Suske und Ann Cotton. Uraufführung. Schauspielhaus Wien. Weitere Spieltermine bis 17.2.2018

 

Walter Pobaschnig, 6.1.2018

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„Die Zehn Gebote“ nach der Filmreihe von Krzysztof Kieslowski .Umjubelte Premiere im Volkstheater Wien. 15.12.2017.

 

Als die Vorstellung beginnt, ist ein Reigen von Stimmen und Stimmungen bunten Lebens hinter dem noch geschlossenen Vorhang zu hören. Als sich dieser langsam öffnet, wird ein großer leerer Raum sichtbar, in dem sich nur an den Seiten Stühle befinden. Im Hintergrund steht ein Anhänger mit einer LKW-Kabine. Eine ganz in weiß gekleidete Frau tritt auf – „Was ist Glück?“, Was ist Liebe?“, „Was ist Moral?“ sind ihre Fragen, die nun von den hereineilenden Darstellerinnen und Darstellern in fließenden Szenenfolgen alltäglicher Lebensbilder aufgenommen werden.

Da ist Ewa, die am Heiligen Abend ihren früheren Geliebten Janusz zu treffen sucht und ihn Hilfe bei der Suche nach dem vermeintlich vermissten Mann bittet. Es ist ein Vorwand. Und es ist eine Abrechnung mit der Kreuzung ihrer Lebenswege – „Du Armer…nicht geliebt…nicht verstanden…wolltest alles ändern, dein ganzes Leben…und jetzt liebst du deine Frau, nicht wahr?“. Und da ist der letzte Brief der sterbenden Mutter an die Tochter, den der Vater all die langen Jahre aufbewahrte und den sie nun geöffnet hat (oder doch nicht?) und ihn zur Rede stellt. Die Geigenspielerin Dorota steht vor der Frage ob sie ihr Kind zur Welt bringen will, dessen Vater nicht ihr Mann ist, der jetzt im Sterben liegt – „Ich habe niemanden, den ich fragen kann, was ich tun soll…“. Da ist das Enkelkind Ania, das nun zwischen ihrer Mutter Majka und den Großeltern, die sie aufzogen, zum Streitfall wird. Majkas Mutter will Ania zurück und die Großmutter nicht loslassen. Es kommt zum heftigen Streit mit ihrem Mann – „Kann man etwas stehlen, das einem gehört?!“. Und da ist der im Waisenhaus aufgewachsene Tomek, der als Milchmann und bei der Post arbeitet und seine attraktive Nachbarin Magda so ausspioniert wie sie allabendlich im wechselnden Liebhaberreigen mit seinem Fernrohr beobachtet. „Ich liebe Sie“, gesteht er Magda und sie stellt ihn schließlich desillusionierend zur Rede. Die Ethikprofessorin Zofia behandelt mit ihren StudentInnen die Frage von Gewissen und Pflicht am Beispiel einer Jüdin im Warschauer Ghetto zur Zeit des Krieges – „Eine Situation, die uns zum Handeln zwingt, weckt entweder die Bosheit oder die Güte in uns“. Es sind Lebenserzählungen, die sich im großen Raum der Einsamkeit treffen, in dem Ewa, Magda, Tomek oder Janusz täglich gefordert wie überfordert sind und in und aus denen sie verzweifelt nach Entscheidungshilfen und Sinn suchen. Nach einer entlastenden Orientierung, nach einem erlösenden Engel, nach einem hoffnungsvollen Gespräch oder einfach einen Stuhl, der in all, den Fragen ausruhen lässt.

 

Das Volkstheater Wien bietet mit der sehr gelungenen innovativen Bühnenbearbeitung der Filmreihe „Dekalog“ (Die zehn Gebote, 1988/89) des polnischen Regisseurs Krzysztof Kieslowski (1941-1996) einen zeitlosen gesellschaftlichen Rund- und Tiefblick zu grundlegenden existentiellen und moralischen Fragestellungen. Die Inszenierung von Stephan Kimming und Roland Koberg schafft es in fokussierter eindringlicher Erzählfolge wie puristischem Bühnenbild die dichte Atmosphäre der Filmreihe aufzunehmen und auch im Thementransfer selbstbewusste Akzente zu setzen. Das großartige Ensemble, welchem pauschal zu gratulieren ist, lässt das Publikum in höchster Aufmerksamkeit folgen und schließlich langanhaltend applaudieren.

Ein Abend, der in bester Kieslowski „Manier“ Fragen zu stellen weiß, die den Menschen an die Mitte seiner Werte, seines Gewissens und vor allem seiner Liebesfähigkeit hinter alltäglichen Masken und Fassaden führen.

 

„Die zehn Gebote“ nach Krzysztof Kieslowski, Regie. Filmreihe 1988/89. Drehbuch von Krzysztof Kieslowski und Krzysztof Piesiewicz.

Regie: Stephan Kimming         Dramaturgie: Roland Koberg     Bühne: Oliver Helf

Kostüme: Anja Rabes               Musik: Michael Verhovec           Licht: Paul Grili    

Schauspiel: Gabor Biedermann, Peter Fasching, Anja Herden, Lukas Holzhauser, Nadine Quittner, Seyneb Saleh, Jutta Schwarz, Jan Thümer                      

 

Die nächsten Spieltermine: 22.12; 28.12 2017;

 

Walter Pobaschnig, Wien 12_2017

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„Im Auftrag Charles Mansons“ Werk X-Eldorado Wien mit erschütternder Theaterperformance. 22.11.2017.

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Stumm stehen vier Frauen in starrer Gestik im Kreis. Unsicherheit, Angst wie gespannte Erwartung sind die unsichtbare Mitte der Gruppe. Als sich die Gruppe zu bewegen beginnt, ist es eine gesteuerte Rhythmik und eine eruptive Sprache, die an die kahlen Wände klatscht. Umso mehr gibt es ein Ziel – das Bestrafung und Demütigung heißt. Es trifft eine Frau der Gruppe und ohne Widerstand lässt sie dies geschehen. Schließlich liegt sie stumm da. Nach kurzer Zeit formiert sich der Kreis wieder. Ein wildes Tanzen, das Ausdruck von Macht und Ohnmacht ist, beginnt jetzt. Als sich eine Person aus dem Kreis löst, wird klar, wer hier den Ton angibt. Eine Person – rücksichtslos. In lauter, bestimmender Ansprache wird jetzt das Wort zur Waffe, das keinen Dialog, keine Kritik oder Fragen kennt. Und keine Grenzen der Intimität. Hier wird bestimmt, gequält und gefordert ohne persönliche Scham. Die Sprache, der Körper – die Gewalt. Hemmungslos. Ein Rhythmus des zerstörerischen Rausches, der verschlingt und vernichtet. Mensch und Menschen…

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Das Werk X Theater Wien öffnet mit der Produktion „Im Auftrag Charles Mansons“ facettenreiche Zugänge zu zeitlosen Mechanismen von Macht, Indoktrination und Gewalt. Der Regie gelingt es anhand bruchstückhafter Bezugspunkte zur grausamen Mordserie in Kalifornien 1969 (Manson-Gang) das umfassende Thema Gruppenmanipulation in extremer Gewaltbereitschaft eindringlich anschaulich zu machen. Ein Abend, der in körperbetonter Darstellung des gut abgestimmten Ensembles und reduziertem ausdrucksstarken Bühnenbild Schlaglichter auf erschütternde Abgründe menschlicher Existenz wirft. Ein Abend aber auch, an dem das Publikum in überraschende Interaktionen miteinbezogen werden kann. Halten Sie ihr Handy jedenfalls aufmerksam fest und seien Sie dann auf vielseitige Reflexionsanstöße der Bühne gefasst.

Werk X-Eldorado, 1010 Wien: Im Auftrag Charles Mansons

Weitere Spieltermine: Sa 25.11.2017, 20.00 Uhr, Mo 27.11.2017, 20.00 Uhr, Di 28.11.2017, 20.00 Uhr, Mi 29.11.2017, 20.00 Uhr

Am 28.11.2017 um 21.30 Uhr, Podiumsdiskussion „Auf der Suche nach Zugehörigkeit: Mechanismen der Manipulation“

Walter Pobaschnig, Wien 11_2017

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„1984“ Premiere. Volkstheater Wien. 17.11.2017

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„1984“ Premiere. Volkstheater Wien. 17.11.2017

Schalten Sie ihr Handy nicht aus, damit ihr Datenfluss ungehindert bleibt“ – so die Ansage aus dem Off vor Beginn der Vorstellung. Ein augenzwinkernder Beginn, den das Publikum mit Lächeln registriert, der jedoch sofort im Bühnenbild beeindruckend beklemmend sichtbar wird. Uniforme Menschen in uniformen Wohnboxen beobachtet von Videobildschirmen fixieren einander aufmerksam und argwöhnisch. Für sie gilt es nummerierte Lektionen des „großen Bruders“ vorbehaltlos zu inhalieren und zu vollziehen. Selbständiges Denken und Reflektieren ist verboten. Wie überhaupt die Sprache einer ständigen Vereinheitlichung im kontrollierten Reduktionsprozess unterliegt. Nachrichtenmeldungen sind für die Parteimitglieder Wahrheit und Pflicht. Hören und gehorchen in der „Mentalität der totalen Ehrlichkeit“ ebenso. Außerhalb dessen ist nichts erlaubt. Kein Schreiben, kein Sprechen, kein Lieben. Doch Winston und Julia versuchen einen revolutionären Ausbruch intensiver Zuneigung. Sie begeben sich heimlich in das verbotene Land der „Loser“, um unbeobachtet zu sein. Doch die „Horcher“ sind überall und ein dramatischer Wettlauf zwischen Sehnsucht, Freiheit und Verrat beginnt…

Das Volkstheaterensemble zieht in „1984“ alle Register modernen Theaters und wird am Premierenabend mit langanhaltenden Applaus verdient belohnt. In innovativer Regie und grandioser Ensembleleistung wird die beklemmende Parabel eines totalitären Überwachungsstaates zum begeisternden Ereignis der niveauvollen Wiener Bühnenwelt. Knapp 70 Jahre nach Erscheinen des Romans gelingt Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer ein textgetreuer wie aktueller Transfer, der eine dramatisch spannungsgeladene Inszenierung auf anspruchsvollstem Darstellungsniveau bietet wie gesellschaftspolitische Spannungsbogen zeitkritisch öffnet. Das Ensemble fasziniert in rasanter Körper- und Sprachbewegung. Ebenso ist das beeindruckende dialogische Spiel mit der kreativen Bühnen-, Videotechnik höchstes Bühnenniveau der Zeit. Die intensiv ausdrucksstarke wie fordernd facettenreiche Darstellung von Rüdiger Galke ist in einer grandiosen Ensembleleistung besonders hervorzuheben.

1984, Volkstheater Wien. Weitere Spieltermine: 22.11; 29.11; 3.12; 7.12; 8.12; 14.12; 16.12 2017. 3.1.2018

 

Walter Pobaschnig, Wien 11_2017

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1984_Schlussapplaus

Fotos: Walter Pobaschnig

 

 

„Johanna. Eine Passion.“ Das TAG Theater Wien beeindruckend wie erschütternd am Puls der Zeit. 14.11.17.

 

„Johanna. Eine Passion.“ Das TAG Theater Wien beeindruckend wie erschütternd am Puls der Zeit.

Eine Wand. Davor stehen sie. Drei Männer. Die starre unsichere Gestik wirkt suchend und verloren und ihre Pullover und zugeknöpften Hemden verstärken die spürbare Hilflosigkeit gegenüber der großen weiten Welt. Aus ihren Wohnzimmern gerissen, möchten sie wohl sagen – „Wir sind einsam. Uns ist alles zu viel“. Doch sie bleiben stumm. Sie sprechen nicht aus was sie wirklich bewegt. Wenn sie allein sind. Mit sich selbst. Vor ihrem Auftritt der Macht. Dem großen Auftritt von Macht und Gewalt in (ihrer) Welt.

Als das Licht angeht, ist eine Frau nackt am Boden kauernd zu sehen. Schnell und bestimmt finden die Männer nun ihren Platz und beobachten diese mit Arroganz, die ihre Unsicherheit jäh verschlingt. Jetzt finden sie ihre Sprache wieder und diese ist ein Messer und ein Hammer. Kalt und tödlich. Und so sind auch ihre Fragen an die angeklagte Frau. Sie versucht zu antworten. Doch die Fragen sind nicht Fragen sondern bloß gebrüllte Aussagen, die es unter fordernden Blicken zu bestätigen gilt. Es gibt keine Auswahl der Antworten. Keine Wahl. Das ist kein Gericht sondern ein Tribunal. Sie ist ein Objekt. Umringt von entfesselter entblößter Machtphantasie. Doch angeklagt sind nicht diese, nein, sie ist es, die es zu überführen, zu verbrennen gilt. Wird es gelingen? Gelingen wie damals in Rouen 1430? Johanna. Eine Passion. Eine zeitlose Passion….

Das TAG Theater Wien liefert mit „Johanna. Eine Passion“ das Stück am Puls der Zeit. Der historische Stoff der verhörten und hingerichteten Jeanne d`Arc im Ringen des Hundertjährigen Krieges gleicht in seinen Originalprotokollen einem psychoanalytischen Lehrbeispiel von Macht und Sadismus. Das entfesselte ES mächtigster Männer wird zu den schonungslos drehenden gesellschaftlichen Rädern von Sturz und Vernichtung des Objektes, welches sich der hemmungslosen erotischen Machtphantasie widersetzt. Die Welt des ES ist der Wille des Begehrens und nichts außerdem. Die pure psychische Energie in Libido und Aggression löst das Ich in Begehren und Gewalt auf. Nachzulesen in den Verhörprotokollen des 15.Jahrhunderts wie – wohl auch in der Gegenwart. Die Welt ist (bleibt) der Wille zur Macht…

 

Das großartige TAG Ensemble mit Lisa Schrammel (Johanna), Jens Claßen (Ole), Raphael Nicholas (Sören) und Georg Schubert (Lars) bietet in der beeindruckend facettenreichen wie reflektierten Inszenierung von Christian Himmelbauer bestes anspruchsvolles Gegenwartstheater, das in Regie und Darstellung nachhaltig überzeugt und begeistert. Ein Abend, der erschüttert nah am Zeitgeschehen ist und nachdenklich in Stadt und Land entlässt – Sehen sie sich das an!

Fotos: Walter Pobaschnig

 

Weitere Spieltermine: 15. u 16.11. Europäische Theaternacht 18.11. sowie am 12.,13.,18. u. 19.Dezember jeweils um 20h.

TAG Wien, Gumpendorferstr.67.

 

Walter Pobaschnig 14.11.2017

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„Der letzte Tango mit Roboter“ – Simon Mayers sensationelles „Oh Magic“ im „brut“ Wien. 25.10.2017

Am Anfang war die Dunkelheit. Die Stille. Dann das Licht. Vorsichtig tastend und elektrisch. Roboter, die den Raum erkunden und sich umsehen. Dann kommt der Mensch. Aus dem Dunkel. Sucht seinen Platz und findet ihn in und an der Musik. Eine gemeinsame Sprache von Rhythmus und Bewegung, die nun Lebendigkeit schenkt. Und Zutrauen und Vertrauen. Schritte gemeinsam mit den Robotern. Ein Tanzen. Ein Befreien. Ein Beben der Welt. Ein an die Grenzen gehen. Ein Fest und ein Ende. Erschaffen und erschöpft. Und dann die Rückkehr in die Stille. Zurück in das stumme, dunkle Woher. Zurück in die Musik. Hineinkriechen in das Klavier. Ein Warten auf die Rückkehr aus dem Dunkel im Licht der Maschine…

Das „brut“ Wien, eine Produktions- und Spielstätte für performative Künste, begeistert mit Simon Mayers „Oh Magic“. Der Performance Gruppe mit Simon Mayer (Konzept), Clara Frühstück, Tobias Leibetseder, Patric Redl und Manuel Wagner gelingt eine beeindruckende Variation und Interaktion ästhetischer Ausdrucksformen, die Fragestellungen nach Existenz und Sein im modernen Lebensraum in und zwischen Technik gleichsam im Bühnenraum fulminant in Musik und Tanz explodieren lassen.

In Körperlichkeit und Bewegung findet der Mensch verlorene Potentiale innerer Kraft und erfährt eine intensive Befreiung seiner Rollenstarre und Selbstdistanz. Die Roboter werden zum Tanz gebeten und im Reigen aus Impuls und Melancholie geht es dem Ende, der Stille zu. Die Distanz und funktionale Dialektik von Mensch und Maschine erfährt in der gemeinsamen Bewegung eine Transformation, welche die trennenden Grenzen des Denkens gleichsam zerfetzt. Mensch und Maschine können mehr – wenn sie tanzen!

Eine Performance, die in höchstem Anspruch moderner Kunstsynthese beeindruckt und in ihrem spartenüberschreitenden Mut wie der darstellenden Professionalität und körperlichen Intensität atemlos macht.

Walter Pobaschnig     Wien, 26.10.2017

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„Was du nicht siehst“ Eine Theaterproduktion mit Tiefgang und grandioser Darstellungsintensität von kubus_ zwanzig.

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Wie viel Raum hat und bekommt Wahrheit in unserem Leben? Im Stück „was du nicht siehst“ sind es gut 20m2 in einem Wartezimmer bei einem Bewerbungsgespräch, welche diese Frage zu beantworten suchen. Da ist eine Wahrheit und dort. Und die Wand ist die Wahrheit der Welt. Unerbittlich. Die zwei Seiten vor und hinter den Türen zwischen Büro und Vorraum sind die Lebensfallen, die der gehbehinderte Aeneas Perl und die blinde Leonie Baczko nur zu gut kennen. Kränkungen, subtile Aggression und Opportunismus sind Erfahrungen, die ihr berufliches wie privates Leben begleiten und die ihnen hier auf engstem Raum wieder begegnen. Das Karussell der Emotionen dreht sich nun mit- und gegeneinander unaufhörlich und alles steuert auf einem Höhepunkt zu, der schließlich alles im Dunkel versinken lässt…

Das Theaterstück „was du nicht siehst“ stellt sich in konzentrierter Regie und Darstellung der großen Thematik gesellschaftlicher Inklusion im Spannungsfeld modernen Wirtschaftslebens. In dichter Szenenfolge und hervorragend reduziertem Bühnenbild gelingt es in außergewöhnlicher Weise das Publikum in soziale wie existentielle Brennpunkte der Zeit dramatisch hineinzuführen und miterleben zu lassen. Die große dramatische Herausforderung diesen Perspektivenwechsel von „kleiner und großer Welt“ zwischen Büro- und Rollstuhl auf die Bühne zu bringen, wird von der Regisseurin Alice Mortsch und der Schauspielerin/dem Schauspieler Louise Knof und Alexander Hoffelner großartig bewältigt. Es ist Theater, das eindrucksvoll aufmerksam macht und sehr viel zu sagen hat über „20m2“ Gleichgültigkeit und Tragik zwischen offenen und versperrten Türen in unserer Gegenwart.

 

„was du nicht siehst“ Theater kubus zwanzig_ 20.10.17 Höflein/Donau.

Weitere Spieltermine: 23.u.24.10.2017 Rathauskeller Gumboldskirchen.

 

Walter Pobaschnig, Wien 10_2017

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„Alles  am Arsch“   E3 Ensemble begeistert im OFF Theater Wien

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Die unerträgliche Leichtigkeit der Kunst

Das Wiener E3 Ensemble mit May Garzon, Isabella Jeschke, Tom Waldek und Gerald Walsberger begeistert mit der Wiederaufnahme seiner achten Produktion, „Alles am Arsch“ im OFF Theater Publikum und Kritik.

Es ist ein Theaterabend, der gleichsam in szenischen Alltagssituationen und -emotionen Robert Musil, Ludwig Wittgenstein und Sigmund Freud auf die Bühne bittet und Lebens- wie Kunstprozesse in Möglichkeit und Wirklichkeit von Sprache und Welt wie den Untiefen des Unbewussten auszuloten sucht.

Was ist Verstehen? Was ist leerer Raum zwischen Mensch und Mensch, Mensch und Welt, Welt und Bühne? Was ist Kunst und Künstlichkeit? Es ist ein kritischer Dialog mit moderner Lebens- und Kunstwelt, der hier in höchster Körper- und Sprachpräsenz mitreißend geführt wird.

Das E3 Ensemble setzt neue Maßstäbe und lässt die Theaterbretter Wiens in kritischem Kunstanspruch satirischer wie subtiler Reflexion und innovativer Regie gewaltig krachen. Im langanhaltenden Applaus des kritischen wie dankbaren Wiener Theaterpublikums war auch die Neugierde und Vorfreude auf die nächsten Überraschungen des E3 Ensembles zu spüren.

 

Walter Pobaschnig 13.10.17

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„TAXI.SPEIBER“ das.bernhard.ensemble_OFF Theater Wien. Premiere 5.10.2017

 

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TAXI.SPEIBER_das berhard.ensemble_Premiere 5.10.17_Off Theater Wien _ Besprechung Walter Pobaschnig

 

 

„Alien:Covenant“ Film, 2017, Regie: Ridley Scott

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Alien_Covenant _ Film _ Besprechung Walter Pobaschnig 5_17

 

 

 

„Weil Du diese eine Geschichte nie erzählt hast…“ – „Blei“ Schauspielhaus Wien, 24.5.2017

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Blei_Ivna Zic_Schauspielhaus Wien 24.5.2017 Besprechung Walter Pobaschnig

 

 

 

„Orgie“, Pier Paolo Pasolini, Inszenierung Wien/Theater Nestroyhof_Hamakom 13.5.2017

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Orgie, P.P.Pasolini _ Inszenierung Theater Nestroyhof_Hamakom 13.5.17 Besprechung Walter Pobaschnig

 

 

„Gimme Danger“ Iggy Pop und die Geschichte der „Stooges“. Film. Regie: Jim Jarmusch.

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Gimme Danger_ Film Jim Jarmusch _ Besprechung Walter Pobaschnig 4_17

 

 

„Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich…“ Kasimir und Karoline. Ödon von Horvath. Inszenierung am Volkstheater Wien. 27.4.2017.

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Kasimir und Karoline _ Volkstheater Wien 27.4.2017 Besprechung Walter Pobaschnig

 

 

„Acting for the camera“ Albertina Wien 10.3. – 5.6.17

Mit rund 120 Werken aus der Fotosammlung der Albertina untersucht die Ausstellung Acting for the Camera die vielfältigen Formen von (Selbst-)Inszenierungen von Modellen für die Fotokamera. Die Zeitspanne der Aufnahmen reicht von den 1850er-Jahren bis in die Gegenwart und bietet sowohl einen Querschnitt der Fotografiegeschichte als auch der Vielfalt der hauseigenen Sammlung. Die sechs thematischen Schwerpunkte bilden Bewegungsstudien, Studienvorlagen, Tanz, Bildergeschichten, SchauspielerInnenporträts und Aktionistische Inszenierungen des Körpers.“

Ausstellungsbeschreibung Albertina Wien

 

 

„T2 Trainspotting “, Film. 2017. Regie Danny Boyle.

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T2 Trainspotting, Film 2017, Regie Danny Boyle Besprechung Walter Pobaschnig 17

 

 

Wilde Maus. Film. 2017. Josef Hader

 

 

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„Märchen vom Thonhof…“ Peter Turrini. Rückkehr an meinen Ausgangspunkt. Film, 2014, R:Ruth Rieser

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„Die Hölle“   Thriller   2017, Regie: Stefan Ruzowitzky

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„Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte“ Film von Corinna Belz. Stadtkino Wien.

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Fotos: Zero film _ Stadtkino Wien Filmverleih

 

 

„Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ Clemens.J.Setz. Theater Inszenierung im Werk-X Wien.

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Alle Fotos: Walter Pobaschnig

 

 

 

„Der Krieg ist die Grenze der Seele…“   „Niemandsland“ von Yael Ronen am Volkstheater Wien, 27.10.2016

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„Dein Körper ist der Himmel, meine Kunst der Stern…“   Film „Egon Schiele“ Österreich/Luxemburg 2016.

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„Ich bin sehr bei Dir.“     Film, Die Geträumten, Ingeborg Bachmann und Paul Celan

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Film ab Dezember 2016 in Wiener Kinos.

Fotos: Die Geträumten/Film/Ruth Beckermann 2016

 

 

„Werde die, die Du bist!“ Premiere Filmcasino Wien „Lou“ – Das Leben der Lou Andreas-Salome. 5.9.2016

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„Der große leere Raum der Sehnsucht…“ Drei Schwestern. Anton Tschechow. Burgtheater Wien 5.9.2016

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Der große leere Raum der Sehnsucht_Drei Schwestern_Anton Tschechow_Burgtheater Wien 5.9.16_Besprechung W.Pobaschnig. docx

                     Fotos: Georg Soulek, Walter Pobaschnig

 

 

 

„Späte Hochzeit der Gegensätze“ Gottfried von Einems op 52 JESU HOCHZEIT beim Carinthischen Sommer 2016

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Späte Hochzeit der Gegensätze Gottfried von Einem Kirchenoper JESU HOCHZEIT Carinthischer Sommer

Fotos:Walter Pobaschnig

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„Ist Liebe zumutbar? Jetzt und zu aller Zeit?“ 

       Ingeborg Bachmann „Der gute Gott von Manhattan“ am Heunburgtheater Kärnten

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I.Bachmann_Der gute Gott von Manhattan_Heunburgtheater 2016 W.Pobaschnig

Fotos: W.Pobaschnig

„Heinz Bachmann – Wie ich meine Schwester in Rom sah“

Ausstellung Fotoporträts Ingeborg Bachmann im Musilhaus Klagenfurt bis 25.November 2016

Ausstellungsinfos bitte hier:

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The whale is whole_Moby Dick_Burgtheater Wien 5_16 W.Pobaschnig

Fotos: Reinhard Werner, spiegel.de, Kunstverein-duesseldorf.de

 

 

Film_Pawn sacrifice_Spiel der Könige_Besprechung W.Pobaschnig 5_16

Fotos: Constantin.film

 

 

Nora 3 Vokstheater Wien 5.3.16 Besprechung W.Pobaschnig

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Fotos: Volkstheater Wien, www_lupispuma_com, Walter Pobaschnig

 

 

 

Die Geträumten/Film/2015/Ruth Beckermann

Ingeborg Bachmann und Paul Celan – Eine Liebe

In Wiener Kinos ab 12/2016

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Die dunkle Seite – Macht, Religion und Politik, Film Colonia Dignidad 2015

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Ch.Lavant Das Wechselbälgchen Volkstheater Wien 19.2.2016

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Pasolini und Love – Gartenbaukino Wien 1_16 Besprechung W.Pobaschnig

Pasolini/Film/2014 – Abel Ferrara

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Love/Film/2015  Gaspar Noe

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Österreich und seine kreative Dunkelheit – Burgtheater 15 16 W.Pobaschnig

Maja Haderlap, Engel des Vergessens

Akademietheater Wien, 2015/16

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Peter Turrini, Bei Einbruch der Dunkelheit

Burgtheater Wien 2015/16

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