50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Daniel Goetsch, Schriftsteller, CH/F
Bachmannpreisnominierter 2017
Lieber Daniel, Du hast 2017 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?
Der Lindwurm, die gemütlichen Innenhöfe in der Altstadt, ein Gerücht namens Haider, viel Papier, viel Text, viel Ehrgeiz.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Die schmerzhafte Verbindung von etwas Intimem (Literatur) mit etwas Extravertiertem (Fernsehen).
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Zwiespältig. Mir hat eine deutsche Kritikerin erklärt, dass man so nicht über deutsche Kriegsverbrechen schreiben dürfe. Mein Großvater, der in deutscher Kriegsgefangschaft war, fand dies ein bisschen schnöde. Am Ende wurde daraus der Roman „Fünfers Schatten“ (Klett-Cotta, Stuttgart 2018).
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Vielleicht sollte die Jury die ausgewählten Texte nicht kennen. Vielleicht sollten Auswahl der Texte und anschließende Wertung bzw. Besprechung von zwei unterschiedlichen Gremien vorgenommen werden. Damit wären die Juroren und Jurorinnen im kalten Wasser wie die Vorlesenden.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Dass die notorischen Angriffe gegen den öffentlichrechtlichen Rundfunk weiterhin gemeinsam abgeschmettert werden. Dass sich die Stadt Klagenfurt weiterhin mit dieser einzigartigen Veranstaltung schmücken will.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Daniel Goetsch, geboren 1968 in Zürich, schweizerische und französische Staatsangehörigkeit, Studium der Rechtswissenschaft in Zürich, seit 1995 schriftstellerisch tätig, nahm 2002 am Dramenprozessor teil, lebt seit 2004 in Berlin, arbeitet seit 2017 teilzeitlich im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.
Auszeichnungen:
1999 Ehrengabe des Kantons Zürich, 2002 Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts, 2003 Werkjahr des Kantons Zürich, 2007 Werkbeitrag der Pro Helvetia, 2008 Halma-Stipendium in Ruse (BG) und Prag (CZ), 2017 Teilnahme am Bachmann-Wettbewerb, 2023 Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums
Romane:
Aspartam (Bilgerverlag, Zürich 1999)
X (Bilgerverlag, Zürich 2004)
Ben Kader (Bilgerverlag, Zürich 2006), frz. bei Editions de l´Aire 2010
Herz aus Sand (Bilgerverlag, Zürich 2009), chin. bei Shanghai Translation House 2011
Ein Niemand (Klett-Cotta, Stuttgart 2016)
Fünfers Schatten (Klett-Cotta, Stuttgart 2018)
Nachlass (Geparden Verlag, Zürich, erscheint im September 2026)
Theaterstücke:
Mir (UA Schauspielhaus Zürich, 2001)
Kurzwelle (UA Kampnagel Hamburg, 2001)
Ammen (UA Theater der Stadt Heidelberg, 2003)
Prosperos rechte Hand (Kurzstück, UA Tübingen 2004)
Und sie vermehren sich (Kurzstück, UA Theater Bielefeld 2007)
Hörspiele:
Das Hotel hat ein Loch (DRS1, 2006)
Der Fleischgott (WDR, Oktober 2007)
Kein Wort zu Oosterbeek (WDR, November 2010)
Der Pirat vom Bodensee (SWR, April 2012)
Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.


Foto: Daniel Goetsch _ MKRozsa_Geparden Verlag
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/ORF Studio _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 25.5.2026
Sehr gutes Interview gerade in diesen ‚verbogenen Zeiten‘ wie ich sie nenne. Aufmerksamkeit und Achtsamkeit müssen gestärkt werden.
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