„Zwischen Selbstverbrennung, Manuskriptmahlzeit und Jörg Haider Medaille“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Karsten Krampitz, Schriftsteller _ Berlin 1.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Karsten Krampitz, Bachmannpreisnominierter 2009

Im Interview _ Karsten Krampitz, Schriftsteller, Historiker, Journalist _ Berlin 

Bachmannpreisnominierter 2009, eingeladen von Jurorin Hildegard Elisabeth Keller, Gewinner des Publikumspreises und damit des Stadtschreiber Preises Klagenfurt 2010. Bis heute gibt es aus dieser sehr produktiven Zeit zahlreiche kulturelle Verbindungen zu Klagenfurt. Seit 2021 ist der in Berlin lebende und so vielseitige Schriftsteller, Historiker, Journalist Lehrbeauftragter an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und regelmäßig beim Bachmannpreis mit Studenten:innen vor Ort im ORF Garten.

Karsten Krampitz mit Seminargruppe im ORF Garten _ Bachmannpreis 2025

Lieber Karsten, Du hast 2009 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Beim „Bewerb“ 2009 habe ich einen Text über den Feuertod eines ostdeutschen Pfarrers gelesen. Eigentlich wollte ich mich im Vortrag an Rainald Goetz orientieren und einfach mal eine gute Performance liefern. Doch dann wurde mir von den Veranstaltern bedeutet, ich möge es bitte nicht übertreiben. Es war der erste Lesetag. Vor mir war Philipp Weiss dran, der am Ende der Lesung seinen Text verspeiste. Danach sind wir uns im Gang begegnet. „Das geht gar nicht“, habe ich zu Philipp gesagt. „Mir verbieten sie die Selbstverbrennung, aber du darfst dein Manuskript essen!“  

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Der Literaturbetrieb lässt hier mal kurz die Zugbrücke herunter, auch für Schriftsteller, die nicht in großen Verlagshäusern veröffentlichen.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Ein Juror sagte sinngemäß: „Dieser Text interessiert mich jetzt nicht so brennend.“ Am Ende haben sogar einige aus dem Publikum mitgeredet. Aber man hat es in der Aufzeichnung nicht gehört, weil sie kein Mikro hatten.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

In Klagenfurt erstmal einen neuen Bürgermeister. Es ist ein Unding, dass hier jedes Jahr vor laufender Kamera der Träger der Jörg-Haider-Medaille der Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin die Hand schüttelt.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Erstere sollen jede Minute in Klagenfurt genießen, und die Jury soll sich nicht so ernst nehmen. Dem einheimischen Publikum wünsche ich auch weiterhin Freiheit von Freiheitlichen.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Karsten Krampitz, Schriftsteller, Historiker, Journalist

Aktueller Roman von Karsten Krampitz:

Die unglaubliche Geschichte einer gelebten Utopie mitten in der DDR: die »Krüppelkommune« von Hartroda

Arnstadt, Thüringen, Ende der 70er Jahre. In einem Heim für behinderte Jugendliche beschließen vier Freunde, die sich kaum bewegen können: Wir brechen aus. Von Rente und Pflegegeld wollen sie sich Pfleger finanzieren, ein Haus bekommen sie von der Kirche – das alte Pfarrhaus in Hartroda, im Altenburger Land.
So beginnt die Geschichte einer Kommune, die völlig aus der Zeit und aus dem Land gefallen ist. Die einen bekommen Hilfe, die anderen Asyl – vor der Schinderei im Staatsbetrieb, vor einem Leben im stupiden Kreislauf von Arbeiten, Saufen, Schlafen. Eine Gemeinschaft der Gleichen, in der alles geteilt wird – Geld und Bücher, Platten und Bier, aber auch alle Gebrechen. Eine Gemeinschaft der Aussortierten, die sich mit Witz und Chuzpe das Undenkbare erkämpft: ein selbstbestimmtes Leben, vielleicht sogar Freiheit. Unter dem Schirm der Kirche wird sie, so scheint es zumindest, vom DDR-Apparat in Ruhe gelassen.
Intellektueller Kopf der Gemeinschaft ist Gruns. Er wird vom schweigsamen Mozek gepflegt, der vom Dachboden aus internationale Fernschachturniere bestreitet und sich über seine Vergangenheit bedeckt hält. Denn Mozek, ehemaliger Grenzer, ist auf der Flucht vor der eigenen Schuld.
Ich hab meine Sache auf nix eingestellt / auf gar nix, überhaupt nix, heißt es in einem Lied der Band Mischpoke, die zum Freundeskreis der Kommune gehört. Als die DDR zusammenbricht, wird deutlich, dass es auch die Mauer war, die die Gemeinschaft von Hartroda zusammengehalten hat.
“ (Pressetext Verlag)

Karsten Krampitz, Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung. Roman. Edition Nautilus.

Gebunden, 200 Seiten

ISBN 978-3-96054-469-2

22,00 €

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Lesestuhl Bachmannpreis
Studiosetting _ Blick auf Jury

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Karsten Krampitz _ Nane Diel

Fotos: Bachmannpreis/ORF Studio _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 20.5.2026

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„Und mir blieb’s ein Rätsel“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _  Isabella Breier/Sylvia Caba _ Wien 1.6.2026

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance _ Wasserpark/Wien

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text  Isabella BreierSchriftstellerin _ Wien

Performance _ Sylvia Caba, Künstlerin  _ Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

UNDINE GEHT

Und mir blieb’s ein Rätsel, ein Spiegel, die Täuschung, die Umkehr von Täter, von Opfer, die Romantisierung,

nuschelten Stimmen, in sich überlappenden Rückkopplungsschleifen, ein kauziger Chor verlorner Sirenen,

dort in der Weite tradierter Wildnisse, hinter und in mir, bevor

ich das Skript (Kulturindustrie!) schnaufend ins Schilf warf, die marktkonformen Beine ausstreckte, um mich – 

neben dem Blick des herrschenden Andren, jenseits des ewigen Abgechecktwerdens – 

endlich dem Angeln zu widmen und – bloß zur Entspannung: Gelassenheitstraining! – schickem Ship-Watching

gegenwärtig kentern Boote, Fähren, Yachten, ich seufze auf, greife zum Foto vom Fischschwanz, warte zu lange, 

ehrlich gestanden: ich weiß nicht, worauf, auf Mumm oder Muße? auf eigene Musen? auf Worte, nein, Ohren?,

hör ich (ein Kampf- oder Fluchttier?) die angesagten Hansis samt Hänseln und Greteln, springe und

tauch ich in flirrende Fluten, ach, rauschende Podcasts (betrifft: People-Pleasing)

Isabella Breier, 18.4.2026

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance Wasserpark/Wien

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text  Isabella BreierSchriftstellerin _ Wien

Performance _ Sylvia Caba, Künstlerin  _ Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

 Isabella BreierSchriftstellerin
Sylvia Caba, Künstlerin  

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann.

Foto:  Isabella Breier _ privat.

Foto: Sylvia Caba _ privat.

Fotos: 1 Isabella Breier; 2-4 Walter Pobaschnig.

Walter Pobaschnig, 18.4.26

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„Bachmann war eine akribische Arbeiterin“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Andrea Stoll, Autorin _ Frankfurt am Main 1.6.2026

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Buchneuerscheinung _ Andrea Stoll:

„Zwei Menschen sind in mir“ Ingeborg Bachmann. Die Biografie | Zum 100. Geburtstag der Dichterin. Andrea Stoll. Piper Verlag, 2026.

im Interview _ Andrea Stoll, Autorin _ Frankfurt am Main

Liebe Frau Stoll, was waren die größten Herausforderungen im Schreiben dieser umfassenden Biografie Ingeborg Bachmanns?

Tatsächlich habe ich Ingeborg Bachmann ja schon während des Studiums entdeckt. Nach einer Dissertation über die Bedeutung von Erinnerung durfte ich 1992 einen Malina Materialienband herausgegeben, später 2008 den Briefwechsel Herzzeit zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan initiieren und mit herausgegeben. 2013 dann habe ich schon einmal eine Biografie verfasst. So viel persönliches Wissen ist Fluch und Segen zugleich.  Angesichts der in den letzten Jahren neu hinzugekommen Briefe und Tagebücher, hat es mir zum einen die Dringlichkeit einer neuen Biografie vor Augen geführt und mir die Chance gegeben, die Spreu vom Weizen zu trennen. Zum anderen aber bestand meine größte Herausforderung darin, auch eigene lieb gewordene Denkmuster zu überwinden und sich alles noch einmal so vorzunehmen, als sähe ich es zum ersten Mal. Das war durchaus herausfordernd, aber auch spannend: eine unvergessliche Reise.

Wie würden Sie die „Zwei Menschen/Gesichter“ Ingeborg Bachmanns beschreiben?

Der Titel geht auf ein Bachmann Zitat zurück, was sie sehr jung in Briefe an Felician aufgeschrieben hat.

»Zwei Menschen sind in mir, einer versteht den anderen nicht. Ich fürchte den das Leben so alles liebenden sehr. Er wird übermächtig. Und ich weiß, daß doch für den andren die Zeit kurz werden könnte. Ich müßte beten lernen. Ich habe keinen Gott.« 

Was Bachmann da schon in ihrer Jugend umreißt, ist ein schmerzlich empfundener Konflikt zwischen Emotion und Ratio, den sie auch in ihrem berühmten Gedicht „Erklär mir Liebe“ in Verse gebannt hat. Dieser Kampf zwischen Herz und Kopf, geht aber tiefer als das, was wir alle kennen, dass wir manchmal zwischen Verstand und Gefühl entscheiden müssen. Bei Bachmann geht es um den unbedingten Willen als Schriftstellerin schöpferisch tätig zu sein, bei gleichzeitigem Wissen, dass sich ein normales Leben mit dem Ausgesetztsein eines zutiefst poetisch empfindenden Menschen nur schwer verbinden lässt. Das galt umso mehr für ihre Existenz als schreibende Frau, die sich in einem historischen Niemandsland bewegte. Sie hat da einen Riss in ihrem Inneren empfunden, den sie erst im Romanende von Malina in letzter Konsequenz ausformt.

Ist mit diesen knapp 500 Seiten alles gesagt, entschlüsselt was Leben und Werk der heuer weltweit gefeierten Schriftstellerin betrifft oder wo gibt es noch Leerstellen?

Sagen wir, ich habe mich nach Kräften bemüht. Und da Ingeborg Bachmanns Leben und Werk bei mir tatsächlich ein Lebensthema ist, bin ich guten Mutes, nichts Grundlegendes übersehen zu haben. Einzelne Briefwechsel mit Freunden, vielleicht auch der eine oder andere Liebhaber werden noch aufzuspüren sein, aber die großen Linien ihres Lebens, die tiefen Zusammenhänge zwischen ihrem Werk und ihrem Schreiben, die familiären Hintergründe wie die existentiell bedeutsamen Lieben, hoffe ich doch erschöpfend dargelegt zu haben.

Sind die Umstände des tragischen Todes endgültig geklärt und wie lauten die Annahmen dazu?

Wenn man mit Menschen sprach, die nicht zum engen Kreis der Bachmann Forscher: innen gehörten, fiel irgendwann immer der Satz „Ach, das ist doch die Schriftstellerin, die in Rom verbrannt ist“. Nein, das ist sie nicht.

Ingeborg Bachmann starb am 17. Oktober 1973 in Rom an den Folgen von Verbrennungen, die sie sich beim Einschlafen mit einer Zigarette in der Hand zugezogen hatte. Dem war ein wochenlanges Martyrium vorausgegangen, denn sie war, wenn auch reichlich spät so doch einen Tag nach dem Brandunfall in eine römische Klinik gekommen, wo ihre Brandverletzungen nach Maßgabe der damaligen Medizin sorgsam behandelt wurden. Erst später wurde klar, dass die Ursache ihres Todes nicht allein in ihren Verbrennungen zu suchen war. Seit den sechziger Jahren hatte sich bei Bachmann eine Tablettenabhängigkeit eingestellt, die eine weitgehende Schmerzunempfindlichkeit verursacht hatte. Bachmann realisierte die Schwere ihrer Verletzungen wohl zu spät. Vor allem aber gaben die für die unkontrollierte Verabreichung des Medikamentes Seresta Verantwortlichen, ein Medizinerpaar, diese Information nicht an die behandelnden Ärzte in der Klinik weiter. Es kam bei Bachmann zu schweren Krämpfen, also Entzugserscheinungen, die die Ärzte nicht zu deuten wussten. Sprich: die eigene Reputation war wichtiger als die Rettung der angeblich so geliebten Freundin. Eine Tragödie.

Via Giulia/Rom _ letzte Wohnung Ingeborg Bachmanns in Rom _ hier ereignete sich der Brandunfall.
Rom/Ospedale Sant’Eugenio _
Ingeborg Bachmann starb hier am 17.10.1973
Isabel Belherdis, Künstlerin_Graz _ Intervention/Friedhof Annabichl/Klagenfurt _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
, folgende
Rom/Ospedale Sant’Eugenio, folgende
Isabel Belherdis, Künstlerin_Graz _ Intervention/Friedhof Annabichl/Klagenfurt _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
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Was waren die persönlichen Kraftquellen der Büchnerpreisträgerin?

Die tiefe Verbundenheit mit ihrer Kärntner Kindheitslandschaft war ganz sicher einer der persönlichsten Kraftquellen von Ingeborg Bachmann. Beständig dort leben aber konnte sie als erwachsene Frau wohl nicht mehr, obwohl sie hin und wieder daran dachte es Thomas Bernhard gleichzutun und sich auch ein Bauernhaus als Refugium zu erwerben.  Spätestens seit ihrer dauerhaften Übersiedlung nach Rom blieb ihr ganzer Lebensentwurf an ein urbanes Umfeld gebunden. Aber ein Jahr ohne die Kärntner Sommerfrische war auch nicht denkbar. Schon als kleines Mädchen liebte sie das Schwimmen in den Seen, was sie dann in Italien natürlich auch mit dem Meer verband. Das Eintauchen in „ihr Element“, das Wasser, schenkte ihr ein persönliches Freiheitsgefühl. Das Motiv aus der gleichnamigen Erzählung „Undine geht“ kommt also nicht von ungefähr.

Ingeborg Bachmann rudert im Pressegger See/Kärnten
„Drei Wege zum See“ _ szenische Wanderung am Weg der Erzählung von Ingeborg Bachmann _ Christina Wuga, Schauspielerin_
Idee/Regie: Walter Pobaschnig 2018

Wie sah ein typischer Tag Ingeborg Bachmanns in Rom aus?

Wenn man von typischen Bachmann Tagen sprechen will, muss man vor allem die typischen Nächte in den Blick nehmen. Sie arbeitete bevorzugt nachts, was bekanntermaßen ja auch zu großen Kollisionen mit anderen Lebensrhythmen führte, vor allem im Zusammenleben mit Max Frisch. Es hatte natürlich auch zur Folge, dass sie morgens oft zerschlagen war, Kopfweh hatte, sich tagsüber nur schlecht konzentrieren konnte und dann lieber in ihr bevorzugtes Café das Greco, ging, zum Friseur oder zu römischen Couturiers, wenn sie nicht gleich zu Tabletten griff, um wenigstens ein paar Stunden durchzuschlafen. Und so haben vor allem die Männer ihres Lebens wie Frisch oder Henze die Legende erschaffen, dass Ingeborg Bachmann eigentlich nie gearbeitet hat oder dass man sie, wenn überhaupt, zum Arbeiten treiben musste. Das Gegenteil aber ist der Fall. Heute wissen wir, dass sie eigentlich immer geschrieben hat, offensichtlich aber nicht dann, wenn die andern um sie herum waren. Neben einem mehrere 1000 Seiten umfassenden Prosawerk, unzähligen Gedichtentwürfen und Tagebüchern, ist es vor allem ein außerordentlicher Briefwechsel, der dichtgewebte Zusammenhänge von Leben und Werk sichtbar werden lässt. Da entstand nichts einfach so. Bachmann war eine akribische Arbeiterin, die vor allem an sich selbst die höchsten Maßstäbe anlegte und jeden Textentwurf wieder und wieder überarbeitete, bis er ihren eigenen Ansprüchen genügte.

Bocca de Leone/Rom

Welche Feiernde war Ingeborg Bachmann?

Trotz ihrer immensen Geistesarbeit war Bachmann auch eine lebenslustige Frau, die gerne tanzen ging, das römische Gesellschaftsleben schätzte, mit Freunden nächtelang in Trattorien saß und diskutierte. Heinz Bachmann erinnert da eine hinreißende Szene, wie er als junger Mann seine große Schwester in Rom besuchte und sie in den damals angesagten Piper Club tanzen gingen. Plötzlich stürmte Sammy Davis Junior mit seinen Musikern hinein, alle gerieten außer Rand und Band vor Begeisterung. Da war Bachmann mittendrin, da gab es keine Empfindlichkeiten und keine Migräne mehr. Da war sie einfach eine lebenssprühende Frau, die den Moment genoss.

„Drei Wege zum See“ – welche Bedeutung hatte das Spazieren für Ingeborg Bachmann?

Das Laufen, das Wandern, das war seit ihrer Kärntner Jugend ein Teil von ihr. Es war auch etwas, was sie mit dem geliebten Vater verband, ein innerer Gleichklang, der umso wichtiger war, als es im Leben der beiden ja schmerzliche Punkte gab, über die sie nicht wirklich gut miteinander sprechen konnten. Allen voran, die nationalsozialistischer Vergangenheit des Vaters. In „Drei Wege zum See greift sie dieses Laufen auf. Der Vater ist nun schon alt. Es ist nicht mehr das dynamische Laufen. Es ist das Spazierengehen, eine stille Kraftquelle sowohl für sie als auch für den Vater. Die ganze Erzählung greift unterirdische Verbindungslinien zu ihrem geliebten „Haus Österreich“ auf, spielt mit Traditionen, sowohl historischen als auch persönlichen, umkreist beim Laufen aber auch die neuralgischen Punkte, etwa die inzestuöse Tiefengrundierung der Vaterfigur, wenn sich Elisabeth daran erinnert, dass sie als junges Mädchen eifersüchtig auf die Mutter war und ihr zurief, der geliebte jüngere Bruder hätte auch ihr eigenes Kind sein können. Ob sich in solchen Sätzen eine noch heftigere Wahrheit verbirgt, die wir heute erst ermessen könnten, lässt sich nicht mehr klären. Festhalten können wir, das Spazierengehen bei Bachmann immer mit Erkenntnisgewinn verbunden ist. Die Gedanken fliegen, im scheinbar absichtslosen Laufen kommen die Dinge ans Licht. 

„Drei Wege zum See“ _ Marilene Novak, Sopranistin/Velden/Wörthersee _ performing
Heinz Bachmann und Marilene Novak

Was ist für Sie das existentielle und gesellschaftspolitische Erbe Ingeborg Bachmanns?

Wenn sich eine Schriftstellerin in ihrer Existenz als Schreibende der Wahrheit so verpflichtet fühlt wie Ingeborg Bachmann, geht es um alles. Die hohen Moralansprüche, die ihr der Vater in Kindheit und Jugend vermitteln wollte und die er selbst in seinem Leben aus Bachmanns Sicht bitterlich verraten hat, indem er sich zum Nationalsozialismus bekannte, waren ihr Auftrag und Verpflichtung, hinter die sie nie mehr zurückgehen konnte. Nachdem sie ihre eigene Sprachbegabung erkannte hatte, war es ihr ein innerer Auftrag mit ihrem Schreiben die Scham und Schuld, die der Vater und mit ihm die ganze Generation der „Herren Erzieher“ über Österreich, Deutschland und Europa gebracht hatten, zu überwinden. Mit ihrer poetischen Sprache wollte sie eine neue Sprache begründen, die den Menschen wieder Hoffnung gab. In ihrer hochsensiblen Wahrnehmung, mit ihrem seismographischen Sprachbewusstsein für das, was sich unter der Oberfläche verbirgt, erkannte Bachmann sehr viel früher als andere, dass der Nachkriegsfrieden das Gewaltpotenzial in den Menschen nur übertüncht, aber nicht ausgelöscht hatte. Hier wachsam zu sein und in unserer Zivilgesellschaft verborgene faschistische Strukturen zu erkennen, die sich im Umgang miteinander, vor allem aber auch im Verhältnis zwischen Männern und Frauen zeigen, ist ihr bleibender Apell ans uns alle. Angesichts der jüngsten europäischen und weltweiten Entwicklungen können wir nur staunen, wie aktuell sich Bachmann heute liest. Mit ihrem unerschütterlichen Schreibenmüssen hat sie ihre persönlichen Kräfte zermalmt, uns in ihrer Dichtung aber auch eine Botschaft geschenkt, an der wir uns alle messen lassen müssen.

Was ist Ihr Lieblingstext Bachmanns?

Das ist für mich fast unmöglich zu beantworten, da fällt mir die Wahl zu schwer. Zweifellos hat Malina eine außerordentliche Bedeutung für mich. Einzelne Gedichte sprechen immer noch in mir. Vielleicht hat hier der Zyklus „Lieder auf der Flucht“ die größte Bedeutung für mich. Das radikalste poetische Denken, das Ausgesetzte ihrer Existenz, aber auch das Aufgehobensein in Sprache: all das finde ich in diesen Versen.

Dagmar Bernhard, Schauspielerin _ Wien _ performing „Malina“ _ Originalschauplatz Wien _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig 5/21 folgende

Vielen Dank für das Interview!

Andrea Stoll, Autorin _ Frankfurt am Main

Fotos: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann/Bachmannarchiv

Foto: Andrea Stoll/Cover _ Verlag

Alle weiteren Fotos _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 28.5.2026

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„Umjubelte Uraufführung“ _ Human/aktionstheater ensemble _ Theater am Werk/Wien 31.5.2026

HUMAN (Ich bin Mensch) aktionstheater ensemble _
URAUFFÜHRUNG 31. MAI 2026 _ Theater am Werk/Wien

Wer bin ich?

Die KI Künstliche Intelligenz weiß Bescheid und stellt aus virtuellen Datenmengen eine Definition her. Du bist, Wir sind. Alles klar am Bildschirm. Das Smartphone ist immer griffbereit…

Doch wie sieht es im realen Leben aus? Ist es da auch so schnell und fix festellbar, wer ich bin, was ich will? Zwischen Schwangerschaft, Berufswegen, Anerkennung und Gesehen-Werden? Wie sieht das tägliche Ringen im Menschsein real aus?

Wer bin ich? Jetzt? In meinem Weg zwischen Virtualität und Realität im Lebensschrei, wer hört mich? Wie werde ich gehört?

Das aktionstheater ensemble lädt in seiner aktuellen Produktion HUMAN (ICH BIN MENSCH) zu einem virtuellen roadtrip der ganz besonderen Art. In einem genialen Kunstgriff werden ganz unmittelbare Lebens- und Identitätsfragen expressiv artikuliert und so gegenüber generierten Chatbot Modellen gleichsam zurückerobert. Schmerz, Gefühl, Hoffnung, Angst, all das ist Fleisch und Blut und fordert täglich von Mensch zu Mensch in Reflexion, Kommunikation und Selbstbehauptung heraus, macht das Menschsein aus…ein Weg zwischen Kraft und Kraftlosigkeit…bis das Licht erlischt…

Expressiv und melancholisch, ein mitreißendes Requiem des modernen Menschen zwischen KI und Lebensschrei, ein Theaterabend der Sonderklasse, der mit großem Applaus belohnt wird!

Blitzlichter:

Iracema Engel, Schriftstellerin und Daniel Landau, Theaterkritiker, Autor
Gerald Walsberger, Schauspieler _ E3 Ensemble/Wien
Ausverkaufte Uraufführung!

HUMAN (Ich bin Mensch) aktionstheater ensemble

URAUFFÜHRUNG 31. MAI 2026

THEATER AM WERK, KABELWERK WIEN
30.05.26 (ÖFF. GP) | 31.05.26 (PREMIERE) | 02.06.26 | 03.06.26 | 04.06.26 | 05.06.26

BREGENZER FRÜHLING, THEATER KOSMOS BREGENZ
11.06.26 (VLBG. PREMIERE) | 12.06.26 | 13.06.26

INSZENIERUNG UND KONZEPT: MARTIN GRUBER | TEXT: MARTIN GRUBER UND ENSEMBLE | DRAMATURGIE: MARTIN OJSTER | BÜHNE und Kostüme: VALERIE LUTZ, Martin Platzgummer | MUSIK: ANDREAS DAUBÖCK | VIDEO: RESA LUT | REGIEASSISTENZ: SANNA HUFSKY | GRAFIK: MARTIN PLATZGUMMER | MEDIENKONTAKT: GERHARD BREITWIESER

MIT Andreas Jähnert, Isabella Jeschke, Thomas Kolle, Kirstin Schwab, Benjamin Vanyek sowie Andreas Dauböck, Jean Philipp Oliver Viol, u.a.

HUMAN – Theater am Werk

Alle Fotos/Videos _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig 31.5.2026

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„Ungargassenland“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Daniel Zipfel, Schriftsteller _ Wien 31.5.2026

Daniel Zipfel, Schriftsteller _ Wien _
am Romanschauplatz „Malina“ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 2/26 folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

MALINA _ UNDINE GEHT _ INGEBORG _ Akrosticha

Text & Performance _   Daniel Zipfel, Schriftsteller _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Daniel Zipfel, Schriftsteller _ Wien _
am Romanschauplatz „Malina“ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 2/26 folgende

MALINA  _ UNDINE GEHT  _  INGEBORG

Mückenschwärme

Ausgebrannter

Leben

Irrlichtern

Nachweislich

Andernorts, weil das



Ungargassenland

Nicht

Durch

Irgendeine

Nacht

Endet, es

Glühen

Endlos

Helle

Tage



Immer

Noch

Gehen

Erinnerungen,

Brennen

Ohne

Ruhe in die

Gegenwart.

Daniel Zipfel, 23.4.26

Daniel Zipfel, Schriftsteller _ Wien _
am Romanschauplatz „Malina“ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 2/26 folgende
Daniel Zipfel, Schriftsteller _ Wien _
am Romanschauplatz „Malina“ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 2/26 folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

MALINA _ UNDINE GEHT _ INGEBORG _ Akrosticha

Text & Performance _   Daniel Zipfel, Schriftsteller _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Daniel Zipfel, Schriftsteller _ Wien
Walter Pobaschnig, Daniel Zipfel, Herr Tarani/Teppich Tarani – vielen Dank für die freundliche Kooperation!

Aktueller Roman von Daniel Zipfel: „Walküre“ Daniel Zipfel. Leykam Verlag.  „Walküre“ Daniel Zipfel. Roman. Leykam Verlag. | Literatur outdoors – Worte sind Wege

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Daniel Zipfel, Schriftsteller _ Wien _
am Romanschauplatz „Malina“ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 2/26.

Walter Pobaschnig, 23.4.2026

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„die Genauigkeit ihrer Sprache“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Daniel Zipfel, Schriftsteller _ Wien 31.5.2026

Ingeborg Bachmann _ Daniel Zipfel

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

im Interview _ Daniel Zipfel, Schriftsteller _ Wien

Lieber Daniel, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ingeborg Bachmann ist für mich eine der ganz großen Stimmen der österreichischen Literatur. Beim Lesen wird einem bewusst, wie sehr man als Schreibender auf den Schultern anderer steht. Mich beeindruckt vor allem die Genauigkeit ihrer Sprache, dieser insistierende Blick auf das, was oft übersehen wird. Dem versuche ich mich im eigenen Schreiben anzunähern.

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?

Bachmann hat einen radikal genauen Blick – Paul Celan hat sie einmal die „peinlich Genaue“ genannt. Mit dieser Genauigkeit legt sie Strukturen von Gewalt, Macht und die Nachwirkungen der NS-Zeit im Privaten frei. Gleichzeitig liegt in ihren Texten eine große Verletzlichkeit, fast eine Atemlosigkeit. Gerade diese Verbindung macht ihr Schreiben so eindringlich.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?

Vor allem ihre Gedichte, weil sie in ihrer Verdichtung und sprachlichen Präzision bis heute unvergleichlich sind. Wer ihr Denken und Fühlen näher verstehen will, sollte auch den Briefwechsel mit Paul Celan lesen. Dort wird sichtbar, wie sehr Literatur für beide eine existenzielle Form der Auseinandersetzung mit der Welt war.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Mich würde interessieren, wie sie die Wirkung von Literatur heute einschätzen würde. Literatur wirkt oft machtlos gegenüber Vereinfachung, Hetze oder der schnellen Empörung unserer Zeit. Und gleichzeitig kann sie Wahrnehmung verändern und Menschen tief berühren. Wie hätte Bachmann dieses Spannungsfeld gesehen?

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Wenn man schreibt, schreibt man eigentlich immer weiter. Mein aktueller Roman „Walküre“ ist gerade erschienen und greift wie meine früheren Bücher Erfahrungen aus der Arbeit mit Geflüchteten auf – Fragen von Recht, Gerechtigkeit und Verantwortung. Diese Themen lassen mich nicht los. Ich vermute, dass sie auch mein nächstes Projekt prägen werden.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

„Alles ist eine Frage der Sprache.“

Herzlichen Dank für das Interview!

Daniel Zipfel, Schriftsteller _ Wien _
am Romanschauplatz „Malina“ Wien 2/26

Aktueller Roman von Daniel Zipfel: „Walküre“ Daniel Zipfel. Leykam Verlag.  „Walküre“ Daniel Zipfel. Roman. Leykam Verlag. | Literatur outdoors – Worte sind Wege

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Daniel Zipfel _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 23.4.2026

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„Liefert eine gute Show ab, habt Freude daran“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Stephan Alfare, Schriftsteller _ Wien 31.5.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Stephan Alfare, Bachmannpreisnominierter 2000
Stephan Alfare, Schriftsteller

Im Interview _ Stephan Alfare, Schriftsteller, lebt in Wien

Bachmannpreisnominierter 2000

Lieber Stephan, Du hast 2000 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

„Ich bin von Ulrike Längle eingeladen worden. Für mich war das schon ein Hammer damals: LESEN BEIM BACHMANNPREIS. Das hat nach was geklungen. Und dann das Autorenporträt, das Horst Ebner mit Kollegen hier in Wien gemacht hat. Das war große Unterhaltung. Bei mir in der Wohnung, im ehemaligen 80er-Stüberl auf der Koppstraße und im Café C.I. am Yppenplatz. Das war ja auch Werbung für die Lokalitäten.“

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

„Das kann ich nicht sagen. Für mich ist es heute einfach ein Preis – wichtig ist das Preisgeld. Ich bin damals leer ausgegangen. Aber man kann in Klagenfurt vielleicht Kontakte knüpfen, falls man das möchte.“

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

„Als großen Spaß, das war wirklich lustig. Ich bin ein Beobachter, und ich habe der Jury sehr gern zugesehen. Und auch zugehört. Beim Vorlesen habe ich mir Mühe gegeben, ich glaube, ich hatte keinen einzigen Versprecher.  Damals durfte geraucht werden. Ob Denis Scheck immer noch raucht? Ich jedenfalls habe eine Gewürzte inhaliert und zwei Gläser Bier getrunken. Abends bin ich dann mit Martina Kieninger durch die Klagenfurter Nacht gezogen.“

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Ich habe keine Ahnung, weil ich den Bachmannpreis nie wirklich verfolgt habe. Auch heute nicht. Das  werden die Leute schon wissen, die sich damit befassen, die zuständig sind dafür.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Liefert eine gute Show ab, habt Freude daran. Das Wetter sollte schön sein, aber nicht brütend heiß. Und dass man das Ganze nicht allzu ernst nehmen muss, denke ich.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Stephan Alfare, Schriftsteller

Zur Person: Stephan Alfare, geb. 1966 in Bregenz, Buchhändlerlehre. 1987-1990 Reisen über den Balkan, nach Griechenland, Italien, Frankreich und in die Türkei. Arbeit als Erntehelfer und am Bau. 1990-1996 Sargträger in Wien, lebt in Wien-Ottakring

Veröffentlichungen:

Und so, wie mich alle anstarren … genau so sehe ich aus, Kurzprosa, edition selene, Wien 1996

Schwangere Filzläuse & Ratteneier, Gedichte, Verlag Resistenz, Linz 1997

Maximilian Kirchberger stellt seinen Koffer vor die Tür, Kurzprosa, edition selene, Wien 1998

Das Begräbnis, Erzählung, edition selene, Wien 1999

Karl Heinz Zizala hat Krebs,Roman, edition selene, Wien 2001

Das Schafferhaus, Roman, Verlag Luftschacht, Wien 2006

Meilengewinner,Roman, Verlag Luftschacht, Wien 2008

Der dritte Bettenturm,Roman, Verlag Luftschacht, Wien 2011

Terrain, Roman, Verlag Luftschacht, Wien 2014

… spinnen im zimmer …, Prosagedichte (mit Zeichnungen von Wolfgang Zeindl), Verlag Bucher, Hohenems 2021

Neuneinhalb Finger, Roman, Verlag Dachbuch, Wien 2022

Halb acht Uhr morgens … eben war der Müllwagen da, Prosagedichte, Edition Melos, Wien (erscheint im Herbst 2026)

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Fotos: Stephan Alfare _ privat

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Strandbad Klagenfurt _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 25.5.26

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„die notorischen Angriffe gegen den öffentlichrechtlichen Rundfunk gemeinsam abschmettern“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Daniel Goetsch, Schriftsteller _ Berlin 30.5.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Daniel Goetsch, Bachmannpreisnominierter 2017

Im Interview _ Daniel Goetsch, Schriftsteller, CH/F

Bachmannpreisnominierter 2017

Lieber Daniel, Du hast 2017 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Der Lindwurm, die gemütlichen Innenhöfe in der Altstadt, ein Gerücht namens Haider, viel Papier, viel Text, viel Ehrgeiz.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die schmerzhafte Verbindung von etwas Intimem (Literatur) mit etwas Extravertiertem (Fernsehen).

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Zwiespältig. Mir hat eine deutsche Kritikerin erklärt, dass man so nicht über deutsche Kriegsverbrechen schreiben dürfe. Mein Großvater, der in deutscher Kriegsgefangschaft war, fand dies ein bisschen schnöde. Am Ende wurde daraus der Roman „Fünfers Schatten“ (Klett-Cotta, Stuttgart 2018).

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Vielleicht sollte die Jury die ausgewählten Texte nicht kennen. Vielleicht sollten Auswahl der Texte und anschließende Wertung bzw. Besprechung von zwei unterschiedlichen Gremien vorgenommen werden. Damit wären die Juroren und Jurorinnen im kalten Wasser wie die Vorlesenden.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Dass die notorischen Angriffe gegen den öffentlichrechtlichen Rundfunk weiterhin gemeinsam abgeschmettert werden. Dass sich die Stadt Klagenfurt weiterhin mit dieser einzigartigen Veranstaltung schmücken will.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Daniel Goetsch, Schriftsteller

Zur Person: Daniel Goetsch, geboren 1968 in Zürich, schweizerische und französische Staatsangehörigkeit, Studium der Rechtswissenschaft in Zürich, seit 1995 schriftstellerisch tätig, nahm 2002 am Dramenprozessor teil, lebt seit 2004 in Berlin, arbeitet seit 2017 teilzeitlich im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Auszeichnungen: 

1999 Ehrengabe des Kantons Zürich, 2002 Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts, 2003 Werkjahr des Kantons Zürich, 2007 Werkbeitrag der Pro Helvetia, 2008 Halma-Stipendium in Ruse (BG) und Prag (CZ), 2017 Teilnahme am Bachmann-Wettbewerb, 2023 Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums

Romane:

Aspartam (Bilgerverlag, Zürich 1999)

X (Bilgerverlag, Zürich 2004)

Ben Kader (Bilgerverlag, Zürich 2006), frz. bei Editions de l´Aire 2010

Herz aus Sand (Bilgerverlag, Zürich 2009), chin. bei Shanghai Translation House 2011

Ein Niemand (Klett-Cotta, Stuttgart 2016)

Fünfers Schatten (Klett-Cotta, Stuttgart 2018)

Nachlass (Geparden Verlag, Zürich, erscheint im September 2026)

Theaterstücke:

Mir (UA Schauspielhaus Zürich, 2001)

Kurzwelle (UA Kampnagel Hamburg, 2001)

Ammen (UA Theater der Stadt Heidelberg, 2003)

Prosperos rechte Hand (Kurzstück, UA Tübingen 2004)

Und sie vermehren sich (Kurzstück, UA Theater Bielefeld 2007)

Hörspiele:

Das Hotel hat ein Loch (DRS1, 2006)

Der Fleischgott (WDR, Oktober 2007)

Kein Wort zu Oosterbeek (WDR, November 2010)

Der Pirat vom Bodensee (SWR, April 2012)

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Daniel Goetsch _ MKRozsa_Geparden Verlag

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/ORF Studio _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 25.5.2026

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„Wir müssen uns Schreibende als glückliche Menschen vorstellen“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Almut Tina Schmidt, Schriftstellerin _ Wien 30.5.2026

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Almut Tina Schmidt, Schriftstellerin _ Wien

Liebe Almut, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ich habe ihre Texte immer gern gelesen.

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?

Einerseits gibt es da von Beginn an diese bestechend treffenden Formulierungen. Und diesen Rhythmus, den vom ersten Lesen an mitreißenden Rhythmus ihrer Texte, nicht nur der Lyrik. Andererseits ist Bachmanns Werk geprägt von inneren Spannungen, von einem Ringen um große Themen und offenere Formen, mit dem sie auch viel riskiert hat.

Man kann sich streiten, wie gut Malina insgesamt gelungen ist; von der ästhetischen Form her ist das für mich der perfekte Roman mit seiner Vielfalt an Tonfällen, den szenischen Passagen, den Briefen, auch viel Komischem, Fragmentarischem, der in Notenform zitierten Musik usw.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Die Todesarten sind in meinen Augen der letzte Versuch eines ganz großen Romanprojekts im Geist der klassischen Moderne. Und zugleich ein dezidiert weiblicher Versuch, für persönliche Themen und Ansätze eine umfassende künstlerische Struktur zu entwickeln. Das Scheitern dieses Projekts empfinde ich als tragisch.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Wie radikal sie damit für ihre Zeit war, ist mir erst spät gedämmert. Vor allem weil die sprachliche Form, was Geschlechterverhältnisse betrifft, in dieser Zeit gefangen scheint. Da wird nichts gegendert. Heutige Analysen klingen fortschrittlicher – während zugleich die Kritik am Patriarchat zum kulturindustriellen Schlagwort ohne inhaltliche Konsequenz zu verkommen droht: noch nie war es so bequem, pauschal gegen „das Patriarchat“ zu wüten und das bereits als Lösung zu betrachten. Verkürzungen, Projektionen, problematische Zuschreibungen und Aneignungen, ein gewisses Zelebrieren von Abweichung und Opferstatus finden sich allerdings auch in Bachmanns Texten. Und doch bewundere ich ihre Vehemenz, am meisten dort, wo sie diese Vehemenz vielschichtig literarisiert wie in Undine geht.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Vielleicht mit etwas mehr Bewusstsein für die Fallstricke, die selbst funktionierenden Beziehungen innewohnen.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Irgendwas ist verdammt an jeder Art von Beschäftigung. Die Kunst bietet manchen einen Schutzraum, die unter Menschen nicht leben können. Zugleich birgt sie ihre eigenen Risiken. Das Verfassen sprachlicher Kunstwerke ist nun mal eine persönlichere Angelegenheit als die meisten anderen Jobs. Der Produktionsprozess hat etwas Obsessives. Aber das kommt auch bei anderen erfüllenden Tätigkeiten vor. Wir müssen uns Schreibende, Künstlerinnen als glückliche Menschen vorstellen.

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Bachmanns Ringen um die Wahrheit, poetisch, philosophisch, politisch, immer auch ein bisschen pathetisch und definitiv nicht postmodern, fasziniert mich sehr.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

So sehr ich es bedaure, Ingeborg Bachmann niemals begegnet zu sein: es wäre wahrscheinlich nur passiert, was häufiger passiert, wenn ich Leuten, die ich bewundere, persönlich begegne (in der Literaturszene ergibt sich diese Möglichkeit tatsächlich gar nicht so selten): ich wäre verschüchtert und verlegen neben ihr gesessen und hätte mich kaum getraut, etwas zu sagen, geschweige denn zu fragen. Und hätte mich geärgert über den banalen Blödsinn, der dann doch aus meinem Mund herausgekommen wäre.

Der einseitige Text-Leserin-Dialog, bei dem ich mir einbilden kann, mit einer Autorin über die Zeiten hinweg zu kommunizieren, hat auch seine Vorteile.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich versuche gerade, ein paar meiner – tendenziell auch immer zu groß angelegten – Langzeitprojekte endlich abzuschließen.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

„Liegt Böhmen noch am Meer, glaub ich den Meeren wieder. Und glaub ich noch ans Meer, so hoffe ich auf Land.“

Herzlichen Dank für das Interview!

Almut Tina Schmidt, Schriftstellerin

Zur Person: Almut Tina Schmidt, Schriftstellerin _ zahlreiche Bucherscheinungen und Auszeichnungen

Veröffentlichungen – … Almut Tina Schmidt

Auszeichnungen – … Almut Tina Schmidt

2025 3sat-Preis beim Ingeborg Bachmann-Wettbewerb

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Almut Tina Schmidt _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 27.5.26

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„nimmt mich ein Hauch“ _100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _  Isabella Breier/Naoko Muneoka _ Wien 30.5.2026

Naoko Muneoka, Künstlerin  _ Wien _
performing Malina am Originalschauplatz _
Malina, Ingeborg Bachmann, Roman 1971 _
Walter Pobaschnig 7/25 folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance Originalschauplatz „Malina“ Wien.

MALINA _ Akrostichon

Text  Isabella BreierSchriftstellerin _ Wien

Performance _  Naoko Muneoka, Künstlerin  _ Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

MALINA


M
anche Zitate heben das Zepter, einige Eindrücke fliehen und flitzen, halb ohne Absicht, Richtung geltendes Wort,

auf dem buckligen Rücken der Zeit oder Zeiten findet sich alles, verliert sich vieles, 

lose dreht jetzt dieser Schmerz durch, durchs Schweigen hinweg (ein Flüstern vielleicht: verwaltet verdinglichte Welt),

inmitten des trubligen Treibens lass ich das Fight-Flight-und-Freeze und auch das Schema vom Rehkitz, 

nimmt mich ein Hauch (Ruach/Wink/Gespenst) mit in den Raum in der bröckelnden Wand – es zeigt sich, ich sag es:

abgründig die Krümmung, unmögliche Gegend stets unterdrückter, schließlich erstickter Entfremdungserfahrung

Isabella Breier, 24.4.2026

Naoko Muneoka, Künstlerin  _ Wien _
performing Malina am Originalschauplatz _
Malina, Ingeborg Bachmann, Roman 1971 _
Walter Pobaschnig 7/25

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance Originalschauplatz „Malina“ Wien.

MALINA _ Akrostichon

Text  Isabella BreierSchriftstellerin _ Wien

Performance _  Naoko Muneoka, Künstlerin  _ Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

 Isabella BreierSchriftstellerin
 Naoko Muneoka, Künstlerin 

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann.

Foto: Isabella Breier _ privat.

Fotos: Naoko Muneoka, Künstlerin  _ Wien _
performing Malina am Originalschauplatz _
Malina, Ingeborg Bachmann, Roman 1971 _
Walter Pobaschnig 7/25

Walter Pobaschnig, 24.4.26

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