„der Mut und die Wut in ihrem Schreiben“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Katharina Kohm, Schriftstellerin _ München 28.8.2026

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Katharina Kohm, Schriftstellerin _ München

Liebe Katharina, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Da ich während meines Studiums in Heidelberg und der Promotion zu Paul Celan viel zu ihm gearbeitet habe, habe ich über diesen Zugang auch zur Bachmann gefunden. Den Briefwechsel Herzzeit habe ich sehr bald nach Erscheinen gelesen und dabei die korrespondierenden Welten der beiden Dichter auch besser verstanden, Winke mit Sprache in den frühen Bänden von Celan und in den Gedichtbänden der Bachmann. Es gab aber auch problematische Einblicke in das Verhältnis der beiden.

Das letzte Stück Literatur, das ich am Ende meines Studiums in Heidelberg im Petit Paris las, war Bachmanns Malina.

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?

Ihre Bildsprache, ihre Reflexion des eigenen Schreibens sowie auch Mut und Wut darin. Sie ist zugänglich, aber gleichzeitig bleibt sie auch verborgen in der Sprache, was die Intonation und die Begegnung mit ihrem Schreiben prägt. Gleichzeitig ist es ein zutiefst menschliches Schreiben.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?

Ich halte Malina für besonders lesenswert. Undine geht hat bei mir ebenfalls einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Von ihren Gedichten sind mir am eindrücklichsten die Zyklen Auf der Flucht und Von einem Land, einem Fluß und den Seen, besonders Gedicht V, weil es aktuell und wahr bleibt, im Gedächtnis geblieben: „Wir aber wollen über Grenzen sprechen, / und gehen auch Grenzen noch durch jedes Wort: / wir werden sie vor Heimweh überschreiten / und dann im Einklang stehn mit jedem Ort.“ Beide Zyklen finden sich in ihrem Gedichtband Anrufung des Großen Bären.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich wäre ihr einfach gerne begegnet.  

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich hatte für mein Promotionsprojekt meine literarischen Tätigkeiten etwas auf Eis gelegt, die tauen und tauchen gerade wieder auf. Ich arbeite gerade an meinem vierten Gedichtband, der im Grunde auch schon länger steht, ich schreibe neue, was ich sehr genieße, mich sehr freut und vielleicht wird auch irgendwann der Roman fertig, an dem ich immer wieder arbeite.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

„Mein Königreich, mein Ungargassenland, das ich gehalten habe mit meinen sterblichen Händen, mein herrliches Land, jetzt nicht mehr größter als meine Herdplatte, die zu glühen anfängt, während der Rest des Wassers durch diesen Filter tropft…“ Malina, S. 353

Herzlichen Dank für das Interview!

Katharina Kohm, Schriftstellerin

Zur Person: Katharina Kohm, geboren 1985 in Frankfurt am Main und aufgewachsen in Mörfelden-Walldorf, studierte Deutsche Philologie, Kunstgeschichte und Psychologie in Heidelberg. Sie spielte u.a. in Mannheim und Heidelberg Theater. Ihr Stück „Das Kind und die Königin“ wurde 2012 uraufgeführt. Seit 2017 promoviert sie an der Universität Vechta, verfasst wissenschaftliche Aufsätze, Essays und Rezensionen über Gegenwartslyrik, gibt Seminare und leitet Workshops zu Kreativem Schreiben. Katharina Kohm lebt und arbeitet in München, Vechta und Frankfurt.

Werkauswahl: 2010 erschien Katharina Kohms Debütband „Schuppenflügel. Ein Zyklus in Kehrtwenden“ (Llux-Verlag). Es folgten der Lyrikband „Phosphor. Ein Übergeben“ (2019, Geest-Verlag), der innerhalb des Bandes in Korrespondenz zu Zeichnungen und Graphiken der Berliner Künstlerin und Professorin Ruth Tesmar tritt, und der Band „In Melanin“ (2021, gutleut verlag). Kohm, Katharina – Hessischer Literaturrat e.V. 27.7.26

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Katharina Kohm _ privat

Walter Pobaschnig, 26.7.2026

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„Melonenlicht“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Katharina Kohm/Christina Cervenka _ München/Wien 28.8.2026

Christina Cervenka, Schauspielerin _ Wien _ acting Malina _
Ungargasse/Romanschauplatz Malina _ Wien
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 6/23

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz Wien

MALINA _ Akrostichon

Text  _  Katharina Kohm, Schriftstellerin _ München

Performance _ Christina Cervenka, Schauspielerin _ Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

MALINA

M
        elonenlicht

A         szendiert eine

L          andnahmenader

I           nmitten

N         adeliger

A         stern

 Katharina Kohm, 26.7.26

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz Wien

MALINA _ Akrostichon

Text  _  Katharina Kohm, Schriftstellerin _ München

Performance _ Christina Cervenka, Schauspielerin _ Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Katharina Kohm, Schriftstellerin

Zur Person: Katharina Kohm, geboren 1985 in Frankfurt am Main und aufgewachsen in Mörfelden-Walldorf, studierte Deutsche Philologie, Kunstgeschichte und Psychologie in Heidelberg. Sie spielte u.a. in Mannheim und Heidelberg Theater. Ihr Stück „Das Kind und die Königin“ wurde 2012 uraufgeführt. Seit 2017 promoviert sie an der Universität Vechta, verfasst wissenschaftliche Aufsätze, Essays und Rezensionen über Gegenwartslyrik, gibt Seminare und leitet Workshops zu Kreativem Schreiben. Katharina Kohm lebt und arbeitet in München, Vechta und Frankfurt.

Werkauswahl: 2010 erschien Katharina Kohms Debütband „Schuppenflügel. Ein Zyklus in Kehrtwenden“ (Llux-Verlag). Es folgten der Lyrikband „Phosphor. Ein Übergeben“ (2019, Geest-Verlag), der innerhalb des Bandes in Korrespondenz zu Zeichnungen und Graphiken der Berliner Künstlerin und Professorin Ruth Tesmar tritt, und der Band „In Melanin“ (2021, gutleut verlag). Kohm, Katharina – Hessischer Literaturrat e.V. 27.7.26

 Christina Cervenka, Schauspielerin 

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Katharina Kohm _ privat

Fotos: Christina Cervenka, Schauspielerin _ Wien _ acting Malina _
Ungargasse/Romanschauplatz Malina _ Wien
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 6/23

Walter Pobaschnig, 26.7.2026

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Zwischen Wahn und Weisheit. Psychische Erkrankungen im Leben biblischer Gestalten. Simone Paganini, Claudia Paganini. Gütersloher Verlagshaus.

Die Welt der Bibel zeichnet sich in einer großen Erzählkraft aus, die von einer großen Bandbreite menschlicher Erfahrungen, Wahrnehmungen, Charaktere aller gesellschaftlichen Schichten gekennzeichnet ist. Das betrifft Hirten und Könige, Propheten und engste Familienkonstellationen. Freude, Schmerz, Verrat, Intrige alles ist dabei und wird nicht geglättet, sondern authentisch geschildert. Darüber hinausgehend, gibt es ebenso psychische Erkrankungen, die manifest sind. Das Auftreten und das Leiden an psychischen Erkrankungen ist dabei ein wesentliches und wiederkehrendes Phänomen. Dies zieht sich von der Erschaffung der Welt bis zum apokalyptischen Schluss der christlichen Bibel.

Simone Paganini und Claudia Paganini, studierte katholische Fachtheologen:innen und versierte Buchautoren:innen, begeben sich nun auf eine biblische Spurensuche nach psychischer Erkrankung, deren Beschreibung und weitere Entwicklung in den Büchern des Alten und Neuen Testamentes.

In guter Kapitelstruktur werden sowohl Personen im biblischen Kontext in Referenz zu gegenwärtigen psychischen Krankheitskriterien gestellt wie auch der geschilderte Umgang mit Erkrankung in biblischer Zeit und dessen Deutung wie Veränderung, Heilung geschildert.

In Summe ein spannender Zugang zu biblischer Lebenswelt und der Darstellung wie dem Umgang von psychischer Erkrankung zur Zeit des Alten und Neuen Testaments.

Zwischen Wahn und Weisheit. Psychische Erkrankungen im Leben biblischer Gestalten. Simone Paganini, Claudia Paganini. Gütersloher Verlagshaus.

Hardcover, Pappband, 256 Seiten, 13,5×21,5cm

Erschienen am: 27.05.2026

ISBN: 978-3-579-06291-4

20 EUR

Walter Pobaschnig 8/26

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blumenleere – wohin ein wind uns jemals traegt. KILLROY media.

V

Denn wenn gelassenheit singt sinkt

sie à la schluessel an schloss beinah

gen urgrund unsre lose aufloesung…

Blumenleere _ Michael Johann Bauer, Schriftsteller, Künstler, Philosoph_ Augsburg _ legt mit wohin ein wind uns jemals traegt“ ein poetisches Gesamtkunstwerk vor, das im zyklischen Formkonzept unvergleichlich Sprache, Wort, Gedanken trägt und weiterträgt gleichsam wie eine wunderbare Kaskade, die sich wandelt und verwandelt, einlädt wahrzunehmen, aufzunehmen und sich vom Wind der Gedankenblitze, Fragen, Inspirationen zu Mensch, Zeit, Sinn Station und Station mitnehmen zu lassen und weiter zu gehen ohne anzukommen im endgültig Festgelegtem, vielmehr sich immer wieder neu zu öffnen im Aufnehmen dieser einzigartigen poetischen Türen, die Labyrinth und Spiegelsaal, Wind und Weite zugleich sind.

Blumenleere ist eine poetische Ausnahmeerscheinung in Sprachspiel, Ausdruckskraft und Faszination und das in einem Gesamtkonzept, das zu den ganz großen Entwürfen und Freiheiten moderner Kunst zählt.

blumenleere – wohin ein wind uns jemals traegt

164 Seiten

KILLROY media, 2026

KILLROY Künstlerbuch

ISBN 978-3-931140-74-8

Preis: 16,00€

Walter Pobaschnig 8/26

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„Und es ist doch nicht so wenn du dir“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Undine Materni/Christina Cervenka _ Dresden/Wien 27.8.2026

Christina Cervenka, Schauspielerin  _
 performing „Undine geht“
 _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961 _
Walter Pobaschnig 6/24

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz_Donau/Wien

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text  Undine Materni, Schriftstellerin _ Dresden

Performance _ Christina Cervenka, Schauspielerin  _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

UNDINE GEHT


U
nd es ist doch nicht so wenn du dir

Nichts weiter wünscht als all

Das Blau das der Himmel verschenkt

In den nicht enden wollenden Sommern

Nach den Küssen oder zuvor in der Hand

Eine leere wunderbare weiße Seite Papier


Genau dann wenn du dir nichts weiter

Erhoffst und still badest im Blau das der

Himmel dir schenkte dann kannst du

Tanzen weil dir alles zuteil wird und nichts

Undine Materni, 28.7.26

Christina Cervenka, Schauspielerin  _
 performing „Undine geht“
 _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961 _
Walter Pobaschnig 6/24

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz_Donau/Wien

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text  Undine Materni, Schriftstellerin _ Dresden

Performance _ Christina Cervenka, Schauspielerin  _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

Undine Materni, Schriftstellerin

Zur Person/Website: https://www.undine-materni.com/

 Christina Cervenka, Schauspielerin 

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Foto: Undine Materni _ Anja Schneider

Fotos: Christina Cervenka, Schauspielerin  _
performing „Undine geht“ _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961 _
Walter Pobaschnig 6/24

Walter Pobaschnig, 28.7.26

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„Zu Hause angekommen riss ich das Packpapier auf und da war er, der Schatz …“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Undine Materni, Schriftstellerin _ Dresden 27.8.2026

Ingeborg Bachmann _ Undine Materni

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann in der Bocca de Leone, um 1970

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

im Interview _ Undine Materni, Schriftstellerin _ Dresden

Liebe Undine, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

Kurz gesagt: Sie ist wohl einer der Gründe, weshalb ich begonnen habe, Gedichte zu schreiben. Entdeckt habe ich erste Gedichte von ihr in einer wundervollen Anthologie, die in der DDR ein großer Schatz war, 1985 erschien im Union Verlag Berlin Meine liebsten Gedichte von Johannes Bobrowski. Eins der Gedichte von Ingeborg Bachmann darin war Erklär mir, Liebe. Ich lernte es auswendig (wie auch die Gedichte von Christine Lavant, die ich mit großem Staunen in diesem Buch gefunden hatte). Besonders bemerkenswert finde ich das Komma in der Überschrift, den Salamander in der letzten … 1987 erschien im Aufbau Verlag Berlin eine dreibändige Ausgabe mit ausgewählten Werken von Ingeborg Bachmann. Wir konnten das Glück kaum fassen, machten Pläne, wer wo wie diese wundervollen drei Bücher bekommen könnten, wir machten Listen, wer dann die Bücher nach wem lesen könnte … Und dann fand ich mich in einer Schlange vor einem Buchladen in deinem Stadtteil wieder, in dem ich an diesem Tag nur zufällig unterwegs war. Durchs Fenster sah ich im Regal zweimal die drei Bände (blau, beige, gelb marmorierte Umschläge), ein Mann griff sich drei Bücher … und ich wurde immer unruhiger. Dann stand ich im Laden und nahm mir mit klopfendem Herzen die drei Bücher und drückte sie an mich. An der Kasse fragte mich der Verkäufer, ob ich denn nicht gleich drei eingepackte Exemplare haben wolle, und deutet auf einen Stapel neben der Kasse. Man hatte wohl alle Bücher für Dresden in dieser Buchhandlung abgegeben, auch das eine der Merkwürdigkeiten im Ländchen Liliput. Zu Hause angekommen riss ich das Packpapier auf und da war er, der Schatz … Der blaue Band mit den Gedichten hatte seltsamerweise drei Schutzumschläge, wie gut, m denn ihn nehme ich wohl am meisten in die Hand.

Na, und wenn eine wie ich Undine heißt … In Dresden gibt es an der Elbe zwei Skulpturen, in Pieschen heißt sie Undine geht und in der Johannstadt Undine kommt. Was für ein Satz: „Ihr Ungeheuer mit dem Namen Hans!“

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?

Es ist diese unglaubliche Eleganz und Tiefe in der lyrischen Sprache, die Sprachmelodie sowohl in der Lyrik als auch in der Prosa und die Verletzlichkeit der Sprechenden. Ich war glücklicherweise jung, als ich die Poesie für mich entdeckte, und ich lebte in einem Land, in der Poesie auch eine Währung gewesen ist, eine der es gelang, das Leben besser zu machen. Ich hatte das Glück, die Weke von Ingeborg Bachmann für mich zu entdecken, niemand verlangte Interpretationen. Eine schöne Entdeckung war auch: Wie es dieser Dichterin gelingt, sich direkt ins Herz zu sprechen und der Kopf ist für einen Moment still.

Was ich auch Ingeborg Bachmann verdanke, ist die Einsicht, dass ich nur Gedichte schreibe, die ich unbedingt schreiben muss, und oft ist es auch so, dass mich das Gedicht mit dem überrascht, was es mir zu sagen vermag und nicht umgekehrt.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?

Das Hörspiel Der gute Gott von Manhattan, wenn man bedenkt, dass es 1958 produziert wurde, da hatten Hörspiele noch eine ganz andere Relevanz als vielleicht heute. Es ist gerade in der Audiothek des ARD zu finden und ich höre es im Hintergrund, grandios! Geduld, sehr akzentuierte Stimmen, wenige notwendige Geräusche, das ist alles. Und Briefe vom Eichhörnchen. Natürlich hatten wir damals keine Ahnung von Manhattan, aber von Liebe schon. Bei Ingeborg Bachmann scheint es immer um alles zu gehen, mit weniger gibt sie sich nicht zufrieden. Das ist großartig und gefährlich zugleich.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich würde sie gerne fragen, was sie von diesem Vorlesespektakel in Klagenfurt hält, wo ihr Konterfei auf Liegenstühlen, Torten und Taschen zu sehen ist. Und ob sie sich so etwas in ihrer Jugend vielleicht auch gewünscht hätte.

Und ich würde ihr sagen, dass das mit dem Rauchen keine so gute Idee ist.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Gerade übertrage ich die wunderbaren Gedichte aus dem Russischen von Michail Epshteyn ins deutsche. Er hat sie Jahre in seinem Kopf herumgetragen, bis er sie in den Neunzigerjahren in einem kleinen Heftchen aufgeschrieben hat. Und ich schreibe selbst Gedichte, die immer länger werden, gerade entsteht eines über eine Fichte, die der Nachbar vor ein paar Wochen einfach gefällt hat, nur weil er Angst hatte, sie könne auf die Autos auf der Straße fallen. Dieser Baum war älter als sein armseliges Häuschen …

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

„In einem Gedicht“, sagt Ingeborg Bachmann, „ist also wenig Glück. Für den, der es schreibt, nahezu keins, dass es gelingt, und dann nochmals keins, dass es jemand erreicht. Es ist einsam, hat keine Funktion und kümmert mit Recht niemand.“ Dies klänge entmutigend, würde sie nicht fortfahren: „Ich glaube, (…) daß, wer Gedichte schreibt, Formeln in ein Gedächtnis legt, wunderbare alte Worte für einen Stein und ein Blatt, verbunden oder gesprengt durch neue Worte, neue Zeichen für Wirklichkeit, und ich glaube, dass, wer die Formeln prägt, auch in sie entrückt mit seinem Atem, den er als unverlangten Beweis für die Wahrheit dieser Formeln gibt.“[1]

Herzlichen Dank für das Interview!

Undine Materni, Schriftstellerin

Zur Person/Website: https://www.undine-materni.com/

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Foto: Undine Materni _ Anja Schneider

[1]    Bachmann, Ingeborg: Ausgewählte Werke in 3 Bänden, Bd.1, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1987, S. 610–611

Walter Pobaschnig, 28.7.26

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Amseln, Anna Baar. Roman. Wallstein Verlag.

Ein Koffer steht da. Auf der Straße. Und dazu die Frage – öffnen oder nicht.

Öffnen.

Ein verstohlener Blick zum Zahlenrad und dann das Drehen. Es klickt bei  „9/1/1/“ und der Deckel springt und darin? Eine Welt. Briefe, Aufzeichnungen, Zeitungsausschnitte…

„Nach zwei durchwachten Nächten, müde vor Grübelei und Gewissensängsten, machte ich mich daran, die einzelnen Manuskripte ausführlicher zu studieren, auch die Traumnotate und tagebuchartigen Rückschauen, die sich nach und nach zu den Briefen fügen, wie Teile eines Ganzen…“

Ein Leben in Erinnerung, schonungsloser Analyse von Mensch und Zeit, Sinn und Einsamkeit, Papier voller Wunden und Blut. Das Leben von Elda Vera, Psychiaterin, die nach der sexuellen Nötigung eines Patienten entlassen wird und sich in die Einsamkeit zurückzieht.

Eine Einsamkeit, in der das Panorama eines Lebens zwischen Mutter, Schwester, Liebhaber, Stationen des Anfangs und des Abschieds im Karussell der Existenz vorbeizieht und ins Wort fällt, ins Wort stürzt. Nicht mehr und nicht weniger…unvollendet.

„Mutters Siegeslächeln. Ich wusste, dass Du heimkommst. Endlich siehst du ein, wie gut du es hier hattest.“

Anna Baar, Trägerin des Großen Österreichischen Staatspreises 2022, Bachmannpreisnominierte 2015, ist eine der virtuosesten Stimmen moderner deutschsprachiger Literatur und überrascht wie begeistert mit jedem neuen Buch.

So auch mit dem Roman „Amseln“, der in genialer Formvariation ein existentielles Drama gleichsam in Fragmenten von zustoßender Welterfahrung in Leben, Liebe, Familie, Gesellschaft explodieren lässt, das an „Werther“ und „Malina“ in einem denken lässt.

Es ist ein ganz außerordentlicher literarischer Wurf, der den beeindruckenden Mut zum Experiment, der in Wien und Klagenfurt lebenden Autorin, erneut unter Beweis stellt. Anna Baar nimmt immer volles Risiko und das geht auf.

Das Leben der Elda Vera wird in Textmontagen (Briefe an den Liebhaber/Gespräche/Notate/Ereignisse des persönlichen Lebenspanoramas), welche die Achterbahn einer Existenz zwischen vorgegebenen Schienen, Geschwindigkeit, Aussicht und Fall ohne Steuer und Bremse – ein Passagier, dem jetzt noch das Wort bis zum Stillstehen bleibt – wiedergeben, die zahlreiche literarische-, welt-, und kulturgeschichtliche Referenzen aufweist, welche thematisch Existenz und Welt-, Sinnrahmen erschüttern und zertrümmern und Leser:innen auch sehr spannend einladen diese zu entschlüsseln.

Hervorzuheben sind jene Referenzen zu Leben und Werk Ingeborg Bachmanns, wie erwähnt Malina – Erinnerung, Schmerz, Auflösung im Protokoll von Textmontagen – wie auch der Schluss von „Amseln“, der beides in der Metapher des Feuers und des Schnees zusammenführt.

Und dazu der geniale Schluss – „Sie sagen Schnee voraus. Mir soll alles recht sein.“

Anna Baar katapultiert „Werther“ und „Malina“ genial ins 21.Jahrhundert. Ein Meilenstein als großartiges literarisches Formexperiment und existentiell-gesellschaftliche Dekonstruktion eines Lebens.

Amseln, Anna Baar. Roman. Wallstein Verlag.

256 S., geb., Schutzumschlag, 12 x 20 cm

ISBN 978-3-8353-6218-5

€ 24,00 (D) / € 24,70 (A)

Alle Preise inkl. MwSt zzgl. Versandkosten

Erscheinungsdatum: 19.08.2026

Foto: Cover _ Verlag.

Fotos: Motive & „Undine geht“/Lisa Kröll/Schauspielerin _ Walter Pobaschnig 8/26

Walter Pobaschnig 8/26

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„Die ganze Palette an aktiven und passiven Mikro- und Makroaggressionen, also an psychischer und physischer Gewalt des Patriarchats, ob narzisstisch grundierte Selbstüberhöhung, Erniedrigung durch Beleidigungen und Gaslighting, Besitzergreifung und Kontrolle, wird in Bachmanns Werk präzise vor Augen geführt.“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Günter Vallaster, Schriftsteller _ Wien 26.8.2026

Ingeborg Bachmann _ Günter Vallaster

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview __ Günter Vallaster, Schriftsteller _ Wien

Lieber Günter, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

Da ich besonders in jüngeren Jahren lieber Lyrikbände als umfangreiche Prosa gelesen habe, weil man angenehm schnell durch ist und dennoch im besten Fall viele der darin enthaltenen Gedichte ein Leben lang nachwirken können, war meine erste Begegnung mit dem Werk von Ingeborg Bachmann ihre Lyrik, die mich nach wie vor sehr beeindruckt. In meinem Germanistik-Studium war ich auch von der Vielschichtigkeit ihres Erzählzyklus „Das dreißigste Jahr“ sehr angetan.

Für Epik und Romane muss ich mir immer einige Tage Zeit nehmen (können), an denen ich mich aber nahezu exklusiv dem Werk widme, mir auch einige der darin genannten Alltagsgegenstände und Schauplätze zumindest im Internet anschaue, mit meinen Erfahrungen oder nach den Kriterien Damals und Heute vergleiche und die eingesetzte Musik anhöre. Und allein schon unter diesen Aspekten ist Ingeborg Bachmanns „Todesarten“-Zyklus sehr ergiebig, etwa mit dem Soundtrack von „Malina“, der von Arnold Schönbergs Melodram „Pierrot lunaire“ nach Gedichten von Albert Giraud bis zu Miles Davis’ stimmungsvoll improvisierter Filmmusik zu Louis Malles erstem Spielfilm „Ascenseur pour l’échafaud“ („Fahrstuhl zum Schafott“) mit Jeanne Moreau und Maurice Ronet aus dem Jahr 1958 reicht.

„Ungargassenland – Ivans house“ _
Romanschauplatz „Malina“ Wien _
Walter Pobaschnig 6/26, folgende

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Dazu möchte ich eine ganze Palette von der Besonderheiten nennen: Ihre schonungslose, kritische und von einem aufklärerischen Impetus getragene Herangehensweise an eminent wichtige, aber allzu oft verdrängte Themen wie Patriarchat, Faschismus, Krieg, „die Tagesunordnungen der neuen Welt“ („Malina“), die damit verbundenen Traumata und die Abstumpfung: „(…) Das Unerhörte / ist alltäglich geworden (…)“ („Alle Tage“).

Dann die zeitlose Modernität ihrer poetischen Ausdrucksmittel, etwa die Montage oder die „Satzgruppen“ („Malina“), also die unvollständigen Sätze des sich blind verstehenden Aneinandervorbeiredens. Und nicht zuletzt den Klangreichtum und die hohe Musikalität ihrer Texte, die Vielschichtigkeit und auch Drastik ihrer Sprachbilder und natürlich auch ihre konzise und elegante Sprache: Bei Ingeborg Bachmann war „stecken“ noch ein starkes Verb, mit Präteritum „stak“.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Bei den von mir rezipierten Werken sind meine persönlichen Favoriten aus „Die gestundete Zeit“ die Gedichte „Alle Tage“ und „Im Gewitter der Rosen“, aus „Anrufung des großen Bären“ die Gedichte „Curriculum Vitae“, „Reklame“, „Schwarzer Walzer“ und „Bleib“, aus „Das dreißigste Jahr“ die Erzählung „Unter Mördern und Irren“ und aus dem „Todesarten“-Zyklus „Malina“ sowie „Der Fall Franza“, darin besonders das dritte Kapitel „Die ägyptische Finsternis“.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Hochaktuell. Mich erstaunt ja, wenn ich in einer Besprechung eines Doppelbandes „Die gestundete Zeit – Anrufung des Großen Bären“ aus den 70er-Jahren lesen muss: „Es wäre höchst ungerecht, vor zwanzig Jahren entstandene Gedichte so zu beurteilen, als seien sie heute, 1974, geschrieben“ (Die Tat, 16.11.74) und „Denn in der Tat brachte Ingeborg Bachmanns Dichtung seinerzeit [sic!] einen neuen Ton in die deutschsprachige Lyrik“ (ebd.). Daraus spricht für mich Verdrängung, auch Distanzierung. Denn kein Mensch würde das heute, 2026, über Lyrik aus dem Jahr 2006 sagen. Was sind schon zwanzig Jahre.

Vielleicht ist das aber wiederum Zeichen eines gewissen Stillstands heute, eben des alltäglich gewordenen Unerhörten, um mit Ingeborg Bachmann zu sprechen. Eines Stillstands, bei dem unter dem Deckmantel und mithilfe des rasanten technischen Fortschritts, der auch Schnelllebigkeit suggeriert und mit all seinen Ablenkungen und Zeitfresserchen die Zeit unbemerkt verfliegen lässt, ein sozialer, genauer: patriarchaler Backlash leider immer mehr um sich greift. Und genau hier setzt Ingeborg Bachmanns Werk nach wie vor punktgenau an.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Eine Auseinandersetzung mit dem Werk Ingeborg Bachmanns ist unter dem Gesichtspunkt des allgemeinen Umgangs miteinander, also nicht alleine in Liebesbeziehungen, für alle Gender und gerade auch für Männer jeden Alters ratsam, denn es sensibilisiert in hohem Maße für die Red Flags, die man(n) setzt, aber selbst teils gar nicht als solche wahrnimmt. Die ganze Palette an aktiven und passiven Mikro- und Makroaggressionen, also an psychischer und physischer Gewalt des Patriarchats, ob narzisstisch grundierte Selbstüberhöhung, Erniedrigung durch Beleidigungen und Gaslighting, Besitzergreifung und Kontrolle, wird in Bachmanns Werk präzise vor Augen geführt.

Dazu auch das Rollenkorsett, in das das Patriarchat nach wie vor Frauen und Männer zwängt, eben auch als eng umrissene und im wahrsten Sinne des Wortes altväterische Kategorien „Frauen“ und „Männer“, mit all den damit verbundenen klischeehaften Anforderungen, Codes, Erwartungen und Projektionen, mit geringer Frustrationstoleranz bei Nichterfüllung. Es ist somit eine Schule der Sprach- und Selbstreflexion, Empathie und sozialen Kompetenz, was Männern sehr oft fehlt und in Dänemark ja auch erfolgreich als Schulfach eingeführt wurde.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Ich denke, da gibt es die unterschiedlichsten Beweggründe, Zugänge und Erfahrungen. Rein als Tätigkeit betrachtet und themenabhängig kann und darf das Erstellen von Literatur und Kunst ja auch Spaß machen. Und eine Schreibexistenz muss keineswegs einsam sein, wie zahlreiche Schreibgruppen und künstlerische Kooperationen belegen, wobei das Gefühl der Einsamkeit natürlich auch in einer Gruppe entstehen kann.

Der Aspekt des Martyriums betrifft die meisten Autor*innen somit vor allem hinsichtlich der Rahmenbedingungen für das Schreiben: Es fehlt allzu oft die Zeit, es fehlt nach wie vor das Verständnis vieler Mitmenschen und es fehlt daraus resultierend weitgehend die Anerkennung, auch durch angemessene, indexangepasste Honorierung der aufwändigen schriftstellerischen und künstlerischen Arbeit. Meines Erachtens zielt Ingeborg Bachmanns Charakterisierung durchaus auch auf diese Umstände ab. Das Martyrium ist oft das Nicht-zum-Schreiben-Kommen.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Wahrscheinlich hätte ich eine nichtssagende, austauschbare Allerweltsfrage gestellt, wie der Journalist Mühlbauer mehrfach in der Interview-Passage im ersten Kapitel von „Malina“, also:

„Frage: …….?“

Und ihre Antwort wäre als wohl kurze, aber bestimmt sehr genaue Analyse aller Welt ausgefallen.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Derzeit bin ich hauptsächlich mit der Vorbereitung auf die Kurse und Workshops, die ich im Herbstsemester halten werde, beschäftigt. Einzelne literarische Projekte gibt es aber auch, etwa das transmedial-poetische Festival „räume für notizen“ im Jänner 2027, das ich gemeinsam mit den Autor*innen und Medienkünstler*innen Renate Pittroff, Christoph Theiler und Jörg Piringer und in Kooperation mit der Alten Schmiede, der Galerie wechselstrom und der Kunsttankstelle Ottakring als Autor*innenprojekt kuratiere und für das ich somit auch einen eigenen Ausstellungsbeitrag erstelle.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

Gerne! Aus dem reichhaltigen Fundus an möglichen Zitaten und Texten habe ich das Gedicht „Bleib“ aus dem dritten Teil der „Anrufung des Großen Bären“ ausgewählt. Das Gedicht kann auch von Ingeborg Bachmann selbst gelesen auf Youtube angehört werden:

Für mich kommt darin Sprachreflexion und Reflexion der dichterischen Produktion zu höchstem und klarstem dichterischen Ausdruck. Die Literatur ist „immer ein Sammelsurium von Vergangenem und Vorgefundenem“ (Ingeborg Bachmann in ihrer fünften Frankfurter Poetik-Vorlesung „Literatur als Utopie“ im Wintersemester 1959/60). Und sie ist immer auch „Ein Ort für Zufälle“, um den Titel ihres sehr experimentellen literarischen Berlin-Portraits aus dem Jahr 1965 anzuführen. Sozusagen zur richtigen Zeit am richtigen Ort am richtigen Wort. Oder auch alles in Falsch.

Dada hatte den Zufall, die Aleatorik überhaupt zum Stilmittel erhoben, vor allem
mit Collagen, und der Surrealismus nahm einen „objektiven Zufall“ („hasard
objectif“) an, der sich auf eine tiefenstrukturelle Ordnung verweisend in allen
Alltagsbegegnungen zeigt, exemplarisch ausgeführt von André Breton in seinem
autobiografischen Bericht „Nadja“ aus dem Jahr 1928, in dem sich durch das
Prinzip Zufall auch Traum und Realität mischen und verbinden. Zufall, Traum und
Wirklichkeit sind ja auch wichtige Elemente in Ingeborg Bachmanns „Todesarten“-
Zyklus.

Bleib

Die Fahrten gehn zu Ende,

der Fahrtenwind bleibt aus.

Es fällt dir in die Hände

ein leichtes Kartenhaus.

Die Karten sind bebildert

und zeigen jeden Ort.

Du hast die Welt geschildert

und mischst sie mit dem Wort.

Profundum der Partien,

die dann im Gange sind!

Bleib, um das Blatt zu ziehen,

mit dem man sie gewinnt.


Ingeborg Bachmann: Bleib. In: Sämtliche Gedichte. Ungekürzte Taschenbuchausgabe. Piper Verlag, München, 16. Auflage 2026, S. 144.


Herzlichen Dank für das Interview!

Günter Vallaster, Schriftsteller

Zur Person: Günter Vallaster, Autor, Herausgeber, Schreibpädagoge, Kursleiter für Deutsch als Zweitsprache. Mitglied der Grazer Autorinnen Autorenversammlung und des Berufsverbandes österreichischer Schreibpädagog*innen BÖS.

Website: https://guenter-vallaster.net/

Demnächst erscheint ein Beitrag in der Anthologie „grrr & brrr“ (Edition Das fröhliche Wohnzimmer, Wien 2026).

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Günter Vallaster _ Station bei Ernst Jandl/100.Geburtstag von Ernst Jandl _ Wohnort Wien; Walter Pobaschnig 6/25

Fotos: Ungargasse/Wien _ Walter Pobaschnig 6/26

Walter Pobaschnig, 19.8.2026

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„on-camera“ 100.Geburtstag Marilyn Monroe _ Text & Performance _ Valentina Himmelbauer, Schauspielerin _ Wien 26.8.2026

Marilyn Monroe _
Valentina Himmelbauer, Schauspielerin_Wien _ performing _
_Marilyn Monroe, Filmschauspielerin, Filmproduzentin,
Model * 1. Juni 1926 Los Angeles/USA +4. August 1962 ebenda_
Schloss Schönbrunn/Wien _
Walter Pobaschnig 7/26, folgende

100.Geburtstag Marilyn Monroe _

Text & Performance _ Schloss Schönbrunn/Wien

Marilyn Monroe _ Akrostichon

Text & Performance _ Valentina Himmelbauer, Schauspielerin_Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

MARILYN MONROE

Motivated

Ambitious

Radiant

Insecure

Lively

Youthful

Never-ending


Memorable

On-camera

Notable

Resilient

Open-hearted

Elegant

Valentina Himmelbauer, 3.8.2026

Marilyn Monroe _
Valentina Himmelbauer, Schauspielerin_Wien _ performing _
_Marilyn Monroe, Filmschauspielerin, Filmproduzentin,
Model * 1. Juni 1926 Los Angeles/USA +4. August 1962 ebenda_
Schloss Schönbrunn/Wien _
Walter Pobaschnig 7/26, folgende

100.Geburtstag Marilyn Monroe _

Text & Performance _ Schloss Schönbrunn/Wien

Marilyn Monroe _ Akrostichon

Text & Performance _ Valentina Himmelbauer, Schauspielerin_Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Zur Person/Valentina Himmelbauer: Website Actress | Valentina Himmelbauer

Alle Fotos: Walter Pobaschnig _ Schloss Schönbrunn/Wien 7/26

Walter Pobaschnig, 30.7.2026

https://literaturoutdoors.com

“ Und mit nichts bedacht“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Martina Stilp, Schauspielerin  _ Wien 25.8.2026

Undine geht _
Martina Stilp, Schauspielerin  _ Wien.performing _
_ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Donau/Wien _
Walter Pobaschnig 7/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance _ Donau/Wien

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text & Performance _ Martina Stilp, Schauspielerin  _ Wien.

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

UNDINE GEHT *



U nd mit nichts bedacht

N ur die wenigen fallen

D er ich unter Menschen nicht leben kann

I ch mit der deutschen Sprache

N ur mit Wind mit Zeit und mit Klang

E in Toter bin ich der wandelt


G emeldet nirgends mehr

E in Toter bin ich der wandelt /…dieser Wolke um mich die ich

H alte als Haus

T reibe durch alle Sprachen 

Martina Stilp, 21.7.26

* das Akrostichon ist eine Variation/Auswahl des Gedichtes „Exil“ von Ingeborg Bachmann

Undine geht _
Martina Stilp, Schauspielerin  _ Wien.performing _
_ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Donau/Wien _
Walter Pobaschnig 7/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance _ Donau/Wien

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text & Performance _ Martina Stilp, Schauspielerin  _ Wien.

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

Martina Stilp, Schauspielerin 

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann.

Fotos: Undine geht _
Martina Stilp, Schauspielerin  _ Wien._ performing _
_ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Donau/Wien _
Walter Pobaschnig 7/26

Walter Pobaschnig, 21.7.2026

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