50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Heinz Schwarzinger, Schriftsteller, Übersetzer, Regisseur und Schauspieler _ Paris
Bachmannpreisjuror 1990
Lieber Heinz, Du warst 1990 Juror beim Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Eine anziehende Stadt, noch dazu meine Geburtsstadt. In der ich nie gelebt habe. Oder nur wenige Monate, die ersten nach Kriegsende. Dann in der Südsteiermark. Aber der Tonfall des Kartnerischen ging mir nie mehr aus dem Ohr, und blieb mir immer lieb. Nahe Verwandtschaft sorgte dafür.
Erste Erinnerung also ein Gefühl von Zugehörigkeit, von Heimat, gleich wieder zerstört von der leiblichen Anwesenheit des Landeshauptmanns J Haider, welcher von Publikum und Teilnehmenden jedoch konsequent ignoriert wurde.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Das Auswahlsystem: Die Juroren wählen ihre Kandidat.innen aus und können sich im Voraus mit ihnen besprechen. Der Bekanntheitsgrad der Autor.innen spielt keine Rolle, sie müssen nur in deutscher Sprache schreiben.
Die Möglichkeit, vor Ort Vertreter großer und kleiner Verlagshäuser mit den Autor.innen bekannt zu machen.
Wie hast Du als Juror die Lesungen, die Jurydiskussionen, die Preisverleihungen und die Begegnungen rundum erlebt?
Die Juroren wählen im vorab die Texte bzw. Auszüge in Absprache mit den Autor.innen aus. Das ist der „private“ Teil der Veranstaltung. Bei der Jurydiskussion betätigt sich der.die Juror.in als Fürsprecher bzw. Verteidiger des Kandidatin. Außerhalb des Versammlungorts steht es dem.r Juror.in frei, mit seinem.r Kandidaten.in zu verkehren.
Ich erinnere mich an einen Kandidaten, T.M., der im letzten Moment die Textauswahl änderte und im Radiosaal einen Auszug vorlas, über den wir nicht gesprochen hatten. Schlecht darauf vorbereitet, konnte ich ihm beim Jurygespräch nur notdürftig beistehen.
Wie gelingt es Objektivität zu bewahren?
Indem man den Auswahltext unter allen möglichen Gesichtspunkten untersucht und beurteilt, wenn „Objektivität“ auch nicht unbedingt unabdingbar ist.
Wie hat sich diese Funktion auf Deinen weiteren beruflichen Weg ausgewirkt?
Ein paar Jahr nach meiner Teilnahme in Klagenfurt habe ich in Paris in der Maison de la Poesie den Bachmannpreis einmal nachvollzogen, mit Gert Jonke z.B. als „Kandidat“, entsprechende Textauszüge wurden ausgewählt, übersetzt und von Schauspielern gelesen. Die Veranstaltung wurde von der Presse interessiert besprochen, Bachmann ist auch in Frankreich eine bekannte Autorin, aber zu weiteren derartigen Veranstaltungen kam es meines Wissens nicht.
Was braucht der Bachmannpreis für eine zukünftige gute Entwicklung?
Gute Autor.innnen und vielleicht Schauspieler.innen, die statt der Autor.innen die Texte lesen.
Was möchtest Du aktuellen Juroren:innen, Teilnehmer:innen und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Viel Spaß und viel Glück! Auf dass die Veranstaltung andauere! Und schönes Wetter am See.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Heinz Schwarzinger lebt als freier Übersetzer mit dem Schwerpunkt auf zeitgenössische Dramatik, sowie als Autor, Regisseur und Schauspieler in Paris.
Schwarzinger studierte Theaterwissenschaft in Wien und Paris, 1969 erfolgte seine Promotion. Seit 1972 übersetzt er Theatertexte ins Französische, meist unter dem Pseudonym “Henri Christophe”. Seit 1986 konzipiert und leitet und konzipiert Schwarzinger die Österreichischen Theaterwochen in Paris und die seit 1991 bestehenden Französischen Theatertage in Wien. Daneben leitet er Übersetzungsseminare und Workshops in Österreich, Deutschland und Frankreich. Schwarzinger ist Herausgeber der Theaterwerke von Ödön von Horváth und Arthur Schnitzler in französischer Sprache. 1991 wurde er mit dem Österreichischen Staatspreis für literarisches Übersetzen ausgezeichnet. Heinz Schwarzinger – Literaturhaus Wien 23.6.26

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Heinz Schwarzinger _ Eva Trummer/Verlag der Autoren
Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze
Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 23.6.2026

















































































