„Sie macht Mut, an Grenzen zu gehen“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Pola Polanski, Künstlerin _ Stuttgart 17.3.2026

Ingeborg Bachmann _ Pola Polanski

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Pola Polanski, Künstlerin, Schriftstellerin

Ingeborg Bachmann _ „Bildserie „Das Rumoren der Toten“_
Pola Polanski, Künstlerin, Schriftstellerin, folgende

Liebe Pola, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ich habe Texte von ihr mit Anfang 30 gelesen. Das Todesarten-Projekt, Malina und Gedichte.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Ihr Schreiben ist fragmentarisch und ganz besonders freut es mich, wie sie in die Gruppe 47 in der Nachkriegszeit als eine der ersten Autorinnen aufgenommen wurde.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Ja, Malina. Viele finden ihre Gedichte großartig, aber ich komme von der Prosaecke und von daher ist mein Liebling „Malina“.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Sie ist/war eine Vorreiterin. Sie hat einiges vorweggenommen.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Ich glaube, diese Beziehung zu Max Frisch hat sie kaputt gemacht. So ein übler Patriarch, der ihre Arbeit in seinen eigenen Texten ausschlachtete. Die Beiden hatten Krieg.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Alle guten Autor:innen, die Prosa oder Lyrik schreiben, sind verletzlich. Für sie ist das Schreiben ein Kanal. Nur sehr wenige Menschen haben diesen Kanal, der Kunst kreieren kann.

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Sie war eine Vorreiterin für weibliches Schreiben. Sie macht den späteren Schriftstellerinnen Mut, an Grenzen zu gehen.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Wollen wir einen Kaffee trinken gehen?

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Im Moment ist mein Buch „Ich bin Nelly Sachs“ vor der Veröffentlichung. Vielleicht gelingt es noch zur Buchmesse in Leipzig. Als nächstes Schreibprojekt steht „Ich bin Inge Müller“ an. Über Ingeborg Bachmann schwebt immer noch ein riesiger Hype, so dass Literaturwissenschaftler meinen, über sie könne man keine Texte mehr schreiben.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

»Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht.«

Dieses Zitat nehme ich gerne mit. Siehe der gerade ausgebrochene Iran-Krieg und natürlich der Ukraine-Krieg. Weibliches Schreiben sollte pazifistisch sein, was ich in vielen meiner Kunst- und Literaturprojekten praktiziere.

Herzlichen Dank für das Interview!

Pola Polanski, Künstlerin, Schriftstellerin

Zu Person/Werk: Pola Polanski – The dark Side of the World

Zum Projekt: Pola Polanski _ Das Rumoren der Toten

Das Zunehmen von rechtslastigen Politiker:innen auf der Welt, so auch in Deutschland,
hat mich dazu bewogen, an die Geschehnisse und das Grauen im zweiten Weltkriegs zuerinnern. Noch heute rumoren die vielen Toten durch die Zeit. Meine Arbeiten stellen ein Mahnmal dar und appellieren an die künstlerische Freiheit.

Erstens male ich Portraits von Künstlerinnen
und Schrifstellerinnen, die im Nationalsozialismus gelebt haben,  in schwarz-weiß
Überlebensgröße (160 x 200 cm groß) Kohle auf Papier. Hier ist das Medium die Message. Kohle deshalb, weil es an die Asche, den Staub, den Ruß der verbrannten Leichen erinnern soll).

Zweitens male ich kleinere Portraits von den Frauen, die vom Nationalsozialismus tangiert worden sind,  im Format DIN A 3 in der Technik Tusche auf Papier.

Dritten versuche ich mir in kleinen Zeichnungen (A5) das Unfassbare, das dieser
Krieg angerichtet hat, klarzumachen in der Technik Fineliner in schwarz auf Papier.

So hat die Lyrikern Nelly Sachs zum Beispiel viele ihrer letzten Lebensjahre in Psychiatrien wegen Paranoia vor den Nazis verbracht. Auch das Beispiel der Lyrikerin Gertrud Kolmar ermahnt daran, was im Nationalsozialismus passiert ist. Sie wurde in Auschwitz vergast. Das nationalsozialistische Dritte Reich bedeutete auch Gewalt gegen Frauen, Kinder und Künstler:innen.

Folgende Frauen habe ich bis jetzt portraitiert:

Nelly Sachs, Gertrud Kolmar, Charlotte Salomon, Käthe Kollwitz, Else Lasker-Schüler,
Leonora Carrington, Gerlind Reinshagen, Elsa Morante, Ingeborg Bachmann, Selma Meerbaum, Ilse Aichinger, Elfriede Lohse-Wächtler, Ida Dehmel, Hannah Arendt, Edith Stein, Anna Seghers, Elfried Jelinek

Elfriede Jelinek _ „Bildserie „Das Rumoren der Toten“_
Pola Polanski, Künstlerin, Schriftstellerin.

Fotos/Bilder: Pola Polanski

Walter Pobaschnig   2.3.2026

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„Liebe, kennen wir dieses Wort überhaupt noch?“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Bild & Performance _ Pola Polanski/Zeynep Alan _ Stuttgart/Wien 17.3.2026

Station bei Malina_
Zeynep Alan, Schauspielerin_Wienacting Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _
Walter Pobaschnig 11/23
Ingeborg Bachmann _ „Bildserie „Das Rumoren der Toten“_
Pola Polanski, Künstlerin, Schriftstellerinfolgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text&Performance

MALINA_ Akrostichon

Text & Bild _ Pola Polanski, Künstlerin, Schriftstellerin

Performance _ Zeynep Alan, Schauspielerin

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Zeynep Alan, Schauspielerin_Wienacting Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _
Walter Pobaschnig 11/23

MALINA

M
ann Mann Mann wie kann man mit solch einem Nachnamen Frau sein?

Alles, aber auch alles läuft auf eine gewaltige Umwälzung zu.

Liebe, kennen wir dieses Wort überhaupt noch?

Iran – ein Bombardement wackelt durch die Medien der ganzen Welt

Nein, ich will jetzt nicht noch ein Bild malen.

Auszeit, wir brauchen eine Auszeit. Sind wir doch alle nah am Burnout, weil sich alles, alles immer schneller dreht.

Pola Polanski, 2.3.2026

Zeynep Alan, Schauspielerin_Wienacting Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _
Walter Pobaschnig 11/23

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Pola Polanski, Künstlerin, Schriftstellerin

Zu Person/Werk: Pola Polanski – The dark Side of the World

Zum Projekt: Pola Polanski _ Das Rumoren der Toten

Das Zunehmen von rechtslastigen Politiker:innen auf der Welt, so auch in Deutschland,
hat mich dazu bewogen, an die Geschehnisse und das Grauen im zweiten Weltkriegs zuerinnern. Noch heute rumoren die vielen Toten durch die Zeit. Meine Arbeiten stellen ein Mahnmal dar und appellieren an die künstlerische Freiheit.

Erstens male ich Portraits von Künstlerinnen
und Schrifstellerinnen, die im Nationalsozialismus gelebt haben,  in schwarz-weiß
Überlebensgröße (160 x 200 cm groß) Kohle auf Papier. Hier ist das Medium die Message. Kohle deshalb, weil es an die Asche, den Staub, den Ruß der verbrannten Leichen erinnern soll).

Zweitens male ich kleinere Portraits von den Frauen, die vom Nationalsozialismus tangiert worden sind,  im Format DIN A 3 in der Technik Tusche auf Papier.

Dritten versuche ich mir in kleinen Zeichnungen (A5) das Unfassbare, das dieser
Krieg angerichtet hat, klarzumachen in der Technik Fineliner in schwarz auf Papier.

So hat die Lyrikern Nelly Sachs zum Beispiel viele ihrer letzten Lebensjahre in Psychiatrien wegen Paranoia vor den Nazis verbracht. Auch das Beispiel der Lyrikerin Gertrud Kolmar ermahnt daran, was im Nationalsozialismus passiert ist. Sie wurde in Auschwitz vergast. Das nationalsozialistische Dritte Reich bedeutete auch Gewalt gegen Frauen, Kinder und Künstler:innen.

Folgende Frauen habe ich bis jetzt portraitiert:

Nelly Sachs, Gertrud Kolmar, Charlotte Salomon, Käthe Kollwitz, Else Lasker-Schüler,
Leonora Carrington, Gerlind Reinshagen, Elsa Morante, Ingeborg Bachmann, Selma Meerbaum, Ilse Aichinger, Elfriede Lohse-Wächtler, Ida Dehmel, Hannah Arendt, Edith Stein, Anna Seghers, Elfriede Jelinek

Zeynep Alan, Schauspielerin_Wienacting Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _
Walter Pobaschnig 11/23

Fotos/Portrait/Bilder „Das Rumoren der Toten“ : Pola Polanski

Fotos Zeynep Alan: acting Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  _ 
Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _ Walter Pobaschnig 11/23

Walter Pobaschnig   2.3.2026

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Die Gärtnerin von Venedig. Roman. Jana Revedin. Braumüller Verlag.

„Eri schlug das Herz bis zum Hals. Sie war also angekommen, da, wo ihre Großtante Eri vor siebzig Jahren ihre große Karriere als Modejournalistin begonnen hatte…“

Den Mut des Aubrechens teilt Eri mit ihrer Großtante, jetzt, allein am Bahnhof in Venedig und einer neuen Aufgabe und Herausforderung: „Bewirb dich hier. Lagunennachpflanzung – du kennst dich doch mit Heidepflanzen aus? Noch dazu in Venedig, wo auch für mich alles begann.“, sagte die Großtante.

Und jetzt beginnt das neue Leben, das Ankommen in einer neuen Welt. Und es beginnt gleich mit einem Anruf des Firmenchefs „Signorina, ich wollte Sie nur bitten, sich keine zu großen Hoffnungen zu machen. Eine so verantwortungsvolle Position für eine junge Frau?“ „Liegt Ihre Betonung auf jung oder auf Frau?“, wagte Eri eine Gegenfrage. 

Sie wird allen Mut für ihren Weg brauchen. Wie ihre Großtante davor… Jetzt war sie hier. Allein. Keiner nahm sie mehr an der Hand wie die Mutter…

Jana Revedin legt mit „Die Gärtnerin von Venedig“ ihren fünften Roman vor und dieser ist wie seine Vorgänger eine geniale biographische Reise im Kontext von Gesellschaft und Zeit, die in ihrer Erzählkraft- und -spannung von den ersten Sätzen an furios in den Bann zu ziehen weiß.

Die junge Gärtnerin Eris sieht sich vom Beginn ihrer Ankunft in Venedig an mit größten Herausforderungen weiblicher Durchsetzung und Etablierung von Fach- und Führungskompetenz konfrontiert und geht doch konsequent gegen alle persönlichen und gesellschaftlichen Widerstände ihren Weg auf und über den wogenden Wellen der Lagunenstadt…

„Was wollte sie hier, in dieser wuselnden Stadt? Die in bewegten Wassern stand, dem einzigen Element, das Eri von Kindheit an mit stillem Bangen erfüllte…“

Die in Venedig und Kärnten lebende Autorin und Professorin für Architektur ist eine Meisterin des ganz aufmerksamen Wahrnehmens und Wiedergebens von Lebenswegen in existentiellen wie gesellschaftshistorischen Kontexten, die besonders auch das Moment des weiblichen Emanzipierens und Durchsetzens in einer patriarchalen Welt in den Blick der Protagonistinnen nimmt. Dieser Lebens-, Liebes- und Berufsprozess der Frau ist dabei zwischen den Polen von Wirklichkeit und Möglichkeit wie konsequenter Entscheidung und Beharrlichkeit angesiedelt. Es ist eine Form von visionärem feministischen Pragmatismus, der immer zur großen Revolution wie stetigen Veränderung bereit ist.

Die Gärtnerin von Venedig. Roman. Braumüller Verlag.

Prof. Dr. Jana Revedin

ISBN-13: 978-3-99200-413-3

erschienen: 02.03.2026

Seiten: 272

Format: 11,50×18,40

Preis: € 24,00

Walter Pobaschnig 3/26

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„als weibliche Autorin gewagt, modern zu sein“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Rebecca Ramlow, Schriftstellerin _ Köln 16.3.2026

Ingeborg Bachmann _ Rebecca Ramlow

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Rebecca Ramlow, Schriftstellerin _

Liebe Rebecca, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

Ich mag Bachmann, da sie es als weibliche Autorin es gewagt hat, modern zu sein, sich gegen patriarchale Strukturen zu stellen, und das, obwohl sie umgeben von Männern war – ja, ich empfinde sie als modern.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Ihr moderner Schreibstil, dass sie mit Konventionen brach, eine literarisch längst notwendige Aufgabe. Sich traute sich als Frau ungeschönte, ungeschminkte Worte zu sagen. Gewissermaßen ein Wendepunkt, dennoch wurde sie traurigerweise gar nicht genug beachtet – hatte on top mit Kritiken zu kämpfen.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben? 

„Undine geht“, da es das ach so tolle Verhältnis zwischen Mann und Frau aufbricht und mit Klischees bricht. Mir gefällt daran, dass es so modern ist.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

„Die patriarchale Struktur der Welt hat sich leider noch immer nicht ganz abgeschafft – es hat sich zwar alles schon ein bisschen verändert – dies war ein furchtbar anstrengender &  hoch sensibler Prozess, jedoch hagelt es – dank rechtem Aufschwung, Diktatoren & wanna be Demokraten, die aber eigentlich beinahe wie Demagogen wirken —  dank manipulativen Männern, die trauriger Weise Macht innehaben, die neuerdings wieder wüten, toben, & wie Rumpelstilzchen herum strampeln, was das Zeug hält, wieder etwas auf Frauen & Co affig nieder schießen, die eigentlich gar nichts dafür können. Als säße man in einer Zeitmaschine – back to the roots. Zurück zur asozialen Egozentrik und völkischem Nationalstolz –  fast beklemmend. Selbst in Ländern, in welchen man das historisch eigentlich gar nicht darf. Zurück zu Hitler –  peng – im Jahr 2026. Natürlich gibt es auch andere, man muss differenzieren. Ich habe das Gefühl, dass die Krise dazu beigetragen hat. Jetzt darf wieder geschossen werden – man sucht wieder einen vermeintlichen Feind.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

„Ja – man muss sich immer mit sich selber auseinandersetzen – einsam & abgeschottet  – muss sich immer wieder mit der eigenen Schreiberei beschäftigen, ob man möchte oder nicht.. Kommt da für eine gewisse Zeit nicht heraus. Ich verstehe, dass manche Schrifttsteller Alkoholiker werden oder sich umbringen wollen.“

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Wie sie es überhaupt ausgehalten hat, in einer männerdominanten Welt herumzutrampeln, auch noch zu schreiben, ohne dabei ganz draufzugehen? 🙂 Und: Was würde sie heute schreiben?

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich habe einen gesellschaftskritischen Roman verfasst und muss jetzt gerade einen Film diesbezüglich – ohne Geld – stemmen. Mein Erstlingsroman – mit dem ironischen Titel „Die Leiden des mittelalten Herbies: (Be-)Gattungslos“- der mit einem Preis für die beste Neuerscheinung 2023 ausgezeichnet wurde, ist eine radikale, gesellschaftskritische Reise durch zwei Länder, eine Absage an die Hyperperfektion und eine Liebesgeschichte jenseits des zu oft getretenen Klischeepfades, beginnend in einer Psychiatrie, für welchen ich ein Stipendium durch die Kulturförderung NRW  erhielt, sowie eine Untersuchung der perversen Machtmechanismen zwischen sexuellem Missbrauch & Hyperkapitalismus, bieten sich doch beide hinterrücks an, den jeweiligen Personen vorspielend, sie würden Glück und Liebe per Klick erkaufen können, dabei jene jedoch im Umkehrschluss wiederum teils zu Dingen zwingend. Um das Wagnis, als weibliche Autorin, den Coitus interruptus zu vollziehen. Die weibliche Männlichkeit zu wagen, ohne dies erklären zu müssen. Um die Fragestellung: „Wohin mit Gefühlen in einer emotional beduselten Welt?“

Herzlichen Dank für das Interview!

Rebecca Ramlow, Schriftstellerin

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Fotos: Rebecca Ramlow _ privat.

Walter Pobaschnig   4.2.2026

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„Macht macht Ohnmacht, macht Schatten, macht“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text&Performance _ Martina Sinowatz/Pia Schiel _ Wien 16.3.2026

Pia Schiel, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Szenische Fotos am Originalschauplatz _
Walter Pobaschnig, 10/23, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

MALINA _ Akrostichon

Text _ Martina Sinowatz, Schriftstellerin _ Wien

Performance _  Pia Schiel, Schauspielerin _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Pia Schiel, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Szenische Fotos am Originalschauplatz _
Walter Pobaschnig, 10/23, folgende
Pia Schiel, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Szenische Fotos am Originalschauplatz _
Walter Pobaschnig, 10/23, folgende

MALINA



M
acht macht Ohnmacht, macht Schatten, macht

Abhängig, macht schwach, macht unsichtbar.

Liebe zum Schönen ist Machtkampf, ist Gehen

Ist Vergehen, ist

Nicht mehr, als ein Unbemerktes Schwinden in den

Abgrund, in den Spalt nach dem Servieren des letzten Kaffees

Martina Sinowatz, 15.3.2026

Pia Schiel, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Szenische Fotos am Originalschauplatz _
Walter Pobaschnig, 10/23, folgende
Pia Schiel, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Szenische Fotos am Originalschauplatz _
Walter Pobaschnig, 10/23, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

MALINA _ Akrostichon

Text _ Martina Sinowatz, Schriftstellerin _ Wien

Performance _  Pia Schiel, Schauspielerin _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Martina Sinowatz, Schriftstellerin _ Wien
Pia Schiel, Schauspielerin _ Wien

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Foto: Martina Sinowatz _ privat.

Fotos_ Pia Schiel, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Szenische Fotos am Originalschauplatz _
Walter Pobaschnig, 10/23.

Walter Pobaschnig, 15.3.2026

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„eine Spannung zwischen Sprache und Stille“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _  Ina Riegler, Malerin _ Kärnten 15.3.2026

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100. Geburtstag Ingeborg Bachmann –

Im Interview _  Ina Riegler, Malerin _ Kärnten

Liebe Ina, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

Für mich legt Ingeborg Bachmann Wunden frei. Ihre Sprache formt poetische Räume und diese funktionieren für mich wie Bildfragmente die eine Stimmung öffnen. Auch eine Spannung zwischen Sprache und Stille, eine Welt aus Brüchen, aus Unsicherheit, aus dem Versuch, eine Wahrheit zu formulieren, die sich immer wieder entzieht.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Besonders für mich ist die existenzielle Kraft, die radikale Ehrlichkeit; die Psyche, der musikalische Rhythmus, Schönheit, Präzision und Verletzlichkeit. Sie geht kritisch mit Sprache und Machtstrukturen um. Das Offenlegen von struktureller Gewalt, die in Beziehungen, in gesellschaftlichen Rollen und in der Sprache selbst eingeschrieben sind.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Das Gedicht „An die Sonne“ liebe ich, besonders den Klang, wenn sie es selbst liest. Die Schönheit ihrer musikalischen Sprache, der Rhythmus ihrer Stimme. Der Roman Malina. Ein seelisches Protokoll, wie eine Installation; die Verdichtung in den Gedichten aus der gestundeten Zeit;

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden patriarchalen Welt heute?

Leider noch immer sehr aktuell. Noch immer gibt es Machtverhältnisse der Gewalt in allen Kulturen bzw. werden diese wieder in diversen Bewegungen wie „etwa der „Tradwifes“ reinszeniert. Psychische und strukturelle Gewalt wird auch vor allem in der Sprache sichtbar. Noch immer.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema – „die Männer sind unheilbar krank…“ (1971). Wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Bachmann zwingt uns, Liebe nicht romantisch zu verklären. Ihre Texte zeigen, wie sehr Liebe mit Macht, Angst und Projektion verbunden sein kann. Wenn sie schreibt, dass die Männer unheilbar krank sind, kritisiert sie damit ja vor allem die zerstörerischen Machtstrukturen innerhalb von Beziehungen. Nach Bachmann zu lieben bedeutet vielleicht, Beziehungen bewusster und gleichberechtigter zu gestalten, ohne Dominanz und Abhängigkeiten, sondern die Freiheit des Anderen anzuerkennen.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren …“ – Ist Kunst immer auch eine Form des persönlichen Martyriums?

Für Bachmann ist Kunst eine sehr intensive und schmerzhafte Form der Existenz. Ob Kunst eine Form des persönlichen Martyriums ist, kommt immer auf den Menschen an, der Kunst macht und wie er sie zum Ausdruck bringt.  

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- und gesellschaftskritischen Positionen noch hervorheben?

Ihren bedeutenden Beitrag zu feministischen Diskussionen in der Literatur. Ihre Musikalität. Ihre Texte haben einen Rhythmus, der fast körperlich wirkt. Außerdem beeindruckt mich ihre Fähigkeit, Bilder zu erzeugen, die gleichzeitig konkret und traumartig sind. Diese poetische Bildkraft. Sie lädt dazu ein, weiterzudenken, zu übersetzen, visuelle Formen zu finden.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt oder gefragt?

Ob bei ihr am Anfang Bild oder Wort steht? Ob sie beim Schreiben Bilder sieht? Ob ihre Texte aus inneren Bildern entstehen oder ob die Bilder erst durch die Sprache entstehen?

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Das nächste Projekt ist am 21, März im Kulturhof Villach. In den zwei ausgestellten Werken geht es um eine Reflexion über zehn Jahre sozialer Arbeit mit fremduntergebrachten Kindern. Kinder, die Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung und Suchterkrankungen im familiären Umfeld erlebt haben. Kinder, deren Biografien von Brüchen geprägt sind – und dennoch von einer leisen, oft übersehenen Stärke. Für die Ausstellung entwickelte die Band Man of Isle eine eigens konzipierte Klanglandschaft. Ausgangspunkt bildet bisweilen unveröffentlichtes Material, aus dem ein Loop hervorgeht, der sich im Verlauf zunehmend auflöst.

Danach folgt am 23. März eine Ausstellung mit dem Künstlerinnenkollektiv Barbara Ambrusch Rapp und Marjeta Angerer-Guggenberger um 18: 00 in der BV Galerie. In der interdisziplinären Ausstellung „zeiTräume“ navigieren wir zwischen historischen Epochen, formalen Zugängen und gesellschaftlichen Fragestellungen der Gegenwart und Zukunft. Hier habe ich mich mit altmeisterlich klassischen Maltechniken auseinandergesetzt und kunstgeschichtliche Elemente in gegenwärtige Allegorien übersetzt.

Ein weiteres Projekt ist dann am 16.04. beim Kulturforum Kärnten, kuratiert von Ludwig Riedmann, mit einer Lesung von Lojze Wieser und Barbara Maier. Ich habe die slowenische Bibliothek illustriert und werde mehrere Werke, neuere und ältere, dort ausstellen.

Darf ich abschließend um ein Bachmann-Zitat bitten?

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

Ingeborg Bachmann, Rede zur Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden 1959 für „Der gute Gott von Manhattan“.

Herzlichen Dank für das Interview!

 Ina Riegler, Malerin _ im Atelier

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Fotos: Ina Riegler 1 privat, 2 NMH.

Walter Pobaschnig   9.3.2026

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„Malend erinnere ich Worte, mal INA“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Ina Riegler/Julia Hagenhofer _ Kärnten/Wien 15.3.2026

Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig, 10/21, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA _ Akrostichon

Text _ Ina Riegler, Malerin _ Kärnten

Performance _ Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig, 10/21, folgende
Ina Riegler, Malerin
Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig, 10/21, folgende

MALINA

M
alend erinnere ich Worte, mal INA

A us Licht und Schatten geformt

L eise brennen die Sätze

I n Farben, Macht und Ohnmacht

N ach Wittgenstein

A ls Spur in meinem Gehirn

Ina Riegler, 9.3.26

Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig, 10/21, folgende
Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig, 10/21, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA _ Akrostichon

Text _ Ina Riegler, Malerin _ Kärnten

Performance _ Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Ina Riegler, Malerin
Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Fotos: Ina Riegler 1 NMH; 2 privat.

Fotos: Julia Hagenhofer, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig, 10/21.

Walter Pobaschnig   9.3.2026

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„einer gewaltdurchtränkten Welt die Stirn geboten“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Hubert Maria Moran, Schriftsteller _ Glanegg/Kärnten 14.3.2026

Ingeborg Bachmann _ Hubert Maria Moran

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Hubert Maria Moran, Schriftsteller, Künstler

Lieber Hubert, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Mein Zugang zu Ingeborg Bachmann war anfänglich in der Jugend, als ich meine Bettstatt im Klagenfurter Musil Haus, welches vormals dem Konsum gehörte unter der Woche hatte. Abends lernte ich im „Bierjokl“, ein Lokal in der 10. Oktobers Straße den gleichaltrigen „Gerd Jonke“ kennen. Am Tresen infizierte ich mich durch geistvolle Dialoge mit dem Ingeborg Bachmann-Virus. Humbert Fink sei Dank, er hatte das Wettlesen ins Leben gerufen.  Leider habe ich Gert, den ersten Bachmannpreisträger später aus den Augen verloren. Meine Jugendzeit war weniger behütet als die seine und vielen anderen in der damaligen Zeit.

Später verfolgte mich Ingeborg Bachmanns Stimme im Radio. Insbesondere waren es ihre Gedichte, die mich berührten. Sie besprachen die Ängste des Lebens, ähnlich wie bei Christine Lavant. Irgendwann gab es Toncassetten, auf denen mich ihre Stimme im Autoradio in den Bann zogen. Noch heute spiele ich häufig eine nachvertonte CD in meiner Audioanlage ab. Ich glaube zu meinen, es besteht eine Seelenverwandtschaft zwischen mir und der großartigen Dichterin. Was für sie, in den Texten das Feuer war, ist für mich das Blut und die vernehmbaren Schritte des nahenden Schnitters.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Das Besondere in ihrem Sprachduktus war die verankerte Melancholie und ihre Philosophie des individuellen Daseins. Die Furcht vor dem Feuertod war im Hinterher doch eine Prophezeiung.

  • „Gute Gedichte sind immer Produkte des kontrollieren Außersichseins, nicht von Innerlicher Schlafwandelei“

Thommas King

  • ERKLÄR MIR LIEBE“

Wasser weiß zu reden, die Welle nimmt die Welle an der Hand, Im Weinberg schwillt die Traube, springt und fällt, so arglos tritt die Schnecke aus dem Haus! Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann: Ein Stein weiß einen anderen zu erweichen! Erkläre mir, Liebe, was ich nicht erklären kann: sollt ich die kurze schauerliche Zeit nur mit Gedanken Umgang haben und allein nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun? Muss einer denken? Wird er nicht vermisst? Du sagst:  es zählt ein anderer Geist auf ihn … Erklär mir nichts. Ich sehe den Salamander durch jedes Feuer gehen. Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

Ingeborg Bachmann

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Die gestundete Zeit, Anrufung des Großen Bären und alle ihre Gedichte.

  • „Er kam das Feuer immer wieder in ihren Texten eine Rüsselmaske sein Antlitz eine Patronentasche sein Gürtel einen Flammenwerfer seine Hand. Oder „von Schaukelstühlen heimlich gewordene Geschlechter stößt er sich ab“ – „außer sich geraten mit dem Feuerhelm verwundet er die Nacht.“

Wunderbare Essays und ihr vermischtes Schriftwerk zeigten ihre persönliche Note geistvoll auf. Die große Kärntner Autorin gab in ihren Tagebüchern vieles preis und ihre Beiträge las ich auch in internationalen Gazetten und Journalen. Texte wie „die blinden Passagiere“ waren epochal und für die vergangene Zeit eine stimmige Absprengung in der Lyrik zugunsten gehobener Literatur.  Der deutsche Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki bezeichnete Ingeborg Bachman überheblich als gefallene Lyrikerin. Heute würde er sich für seine unbedachte Äußerung entschuldigen.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Ingeborg Bachmann hat als Jugendliche auch den 2. Weltkrieg erlebt und ihre Texte bezüglich der Gesellschaftskritik waren nicht zerstörend. Einer patriarchalischen und gewaltdurchtränkten Welt hätte sie die Stirn geboten. Häme, Hetze und Hass in sozialen Medien sind leider gang und gebe, Ingeborg Bachmann wäre diesem Übel sicher textbewaffnet entgegengetreten!

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Literatur und Kunst werden auch immer das persönliche Martyrium thematisieren. Literatur darf auch nicht schweigen und wegschauen, sondern den Finger auf die wunde Stelle legen, wo es weh tut. Ingeborg Bachmann hat alles besprochen, alles, was sie bewegt, oder gedrückt hat sie thematisiert. Die Welt brauchte ihr niemand mehr erklären.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ob sie wieder den Beruf einer Schriftstellerin ausüben würde.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

ERNTEZEIT

Ich habe weiterhin viel zu tun, bevor mich der Schnitter in die ewigen Jagdgründe holt. Am Ende meines achten Jahrzehnts ist es nach sechs Publikationen wieder an der Zeit, mein Buch „SIEGEL DES SEINS“ (ca. 348 Seiten, Arial Pt 10) in die literarische Umlaufbahn zu bringen.

„Immerfort bist du Dichter, als ob du keiner wärest. Du schreibst satirisch, melancholisch und lebensfroh. Entflammt bist du vom Traum der Vergangenheit und blutjung atmet jedes Gedicht in der Zukunft. Das oft einfach Scheinende und Naturgebundene liebst du unumwunden, bald wird es wieder in ein Buch gebunden. Sichtbar gute Laune rollt, wie in einer Kalesche sanft und weich am Fahrweg deiner Seele. Selbst lebst du im passenden Gehöft, abseits hinter dem Hügel, im aufgeschlagenen Land. Du atmest die klare Bergluft. Auf deiner Wiese äst das Wild vor dem Sensenschnitt, denn dort wächst üppig der wilde Klee im langen Schatten hoher Eichen. Das Abendlicht verschluckt deine Blicke weichen zu den Wiesenblumen hin und du genießt täglich das Sonnenlicht beim Entgegensehen deiner letzten Nacht!“

Hubert Maria Moran

Hubert Maria Moran, Schriftsteller, Künstler _
Mitglied beim Kärntner Schriftstellerverband, Kärntner Bildungswerk, IG Autoren Wien und Literar-Mechana Wien

Herzlichen Dank für das Interview!

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Fotos _ Portrait: Hubert Maria Moran_ privat.

Walter Pobaschnig, 22.2.26

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„Mauern schweigen“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Hubert Maria Moran/ Sylvia Caba _ Wien 14.3.2026

Sylvia Caba, Künstlerin _ Wien _ performing Malina _
Original Romanschauplatz _ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Walter Pobaschnig 12/24, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA_ Akrostichon

Text _  Hubert Maria Moran, Schriftsteller, Künstler

Performance _ Sylvia Caba, Künstlerin

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Sylvia Caba, Künstlerin _ Wien _ performing Malina _
Original Romanschauplatz _ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Walter Pobaschnig 12/24, folgende

MALINA

M
AUERN SCHWEIGEN

ABER NICHT IMMER

LEIDENSKERKER

INNERHALB

NOTLEIDEN

AUFGABE

Hubert Maria Moran, 23.2.26

Sylvia Caba, Künstlerin _ Wien _ performing Malina _
Original Romanschauplatz _ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Walter Pobaschnig 12/24, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA_ Akrostichon

Text _  Hubert Maria Moran, Schriftsteller, Künstler

Performance _ Sylvia Caba, Künstlerin

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, 1962

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

 Hubert Maria Moran, Schriftsteller, Künstler
Sylvia Caba, Künstlerin _ Wien

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Foto: Hubert Maria Moran _ privat.

Fotos: Sylvia Caba, Künstlerin _ Wien _ performing Malina _
Original Romanschauplatz _ Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Walter Pobaschnig 12/24
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Walter Pobaschnig   23.2.26

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„Meerhin der Blick“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Friedrich G.Paff/Linda Pichler _ Wien 13.3.2026

Linda Pichler, Schauspielerin _  Wien   _
 performing „Undine geht“
 _ Donau/Wien _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961. _
Walter Pobaschnig 9/24, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA_ Akrostichon

Text Friedrich G.Paff, Schriftsteller

Performance _ Linda Pichler, Schauspielerin

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Linda Pichler, Schauspielerin _  Wien   _
 performing „Undine geht“
 _ Donau/Wien _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961. _
Walter Pobaschnig 9/24, folgende

MALINA

M
eerhin der Blick

Atme das Salz

Laß dich fallen

In die Wellen hinein

Nirgends ist Atem

Außer in dir

Friedrich G.Paff, 24.2.26

Linda Pichler, Schauspielerin _  Wien   _
 performing „Undine geht“
 _ Donau/Wien _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961. _
Walter Pobaschnig 9/24, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA_ Akrostichon

Text Friedrich G.Paff, Schriftsteller

Performance _ Linda Pichler, Schauspielerin

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Friedrich G.Paff, Schriftsteller
Linda Pichler, Schauspielerin

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Foto: Friedrich G.Paff _ privat.

Fotos: Linda Pichler, Schauspielerin _  Wien   _
 performing „Undine geht“
 _ Donau/Wien _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961. _
Walter Pobaschnig 9/24
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Walter Pobaschnig   24.2.26

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