Carmen Pratzner_Choreografin, Tänzerin, Tanzpädagogin – performing _ am Romanschauplatz_Malina _ Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, Wien 1971 _ Walter Pobaschnig 11/21, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz Wien
INGEBORG _ Akrostichon
Text _ Karin Gayer, Schriftstellerin _ Wien
Performance _ Carmen Pratzner _ Choreografin, Tänzerin, Tanzpädagogin _ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Carmen Pratzner_Choreografin, Tänzerin, Tanzpädagogin – performing _ am Romanschauplatz_Malina _ Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, Wien 1971 _ Walter Pobaschnig 11/21, folgende
Carmen Pratzner_Choreografin, Tänzerin, Tanzpädagogin – performing _ am Romanschauplatz_Malina _ Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, Wien 1971 _ Walter Pobaschnig 11/21, folgende
INGEBORG
Intellektuelle Forscherin
Naturverbundene Träumerin
Großherzige Geliebte
Ernsthafte Lyrikerin
Begabte Erzählerin
Ohne
Rettung
Ganz am Schluss
Karin Gayer, 7.5.26
Carmen Pratzner_Choreografin, Tänzerin, Tanzpädagogin – performing _ am Romanschauplatz_Malina _ Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, Wien 1971 _ Walter Pobaschnig 11/21, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz Wien
INGEBORG _ Akrostichon
Text _ Karin Gayer, Schriftstellerin _ Wien
Performance _ Carmen Pratzner _ Choreografin, Tänzerin, Tanzpädagogin _ Wien
Fotos: Carmen Pratzner_Choreografin, Tänzerin, Tanzpädagogin – performing _ am Romanschauplatz_Malina _ Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, Wien 1971 _ Walter Pobaschnig 11/21
Im Interview: Ingrid Zebinger-Jacobi, Schriftstellerin _ Wien
Liebe Ingrid, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Einen sehr persönlichen Zugang, zugleich einen, der mit Hemmungen behaftet ist. Meine Mutter, selbst Schriftstellerin, liebte Ingeborg Bachmann sehr, ihre Bücher waren allgegenwärtig in unseren Regalen. Warum ich sie nie las, als ich noch daheim wohnte? Wahrscheinlich, weil ich ursprünglich sogar ihren Namen tragen sollte. Meine Mutter wollte mich „Ingeborg“ nennen. Dazu kam es nicht, meine Eltern einigten sich auf „Ingrid“. Wie auch immer, ich brauchte Abstand. Oder ihr Werk war einfach noch nicht aktuell für mich. Ich las andere Bücher in anderen Sprachen, ging der Bachmann mit einer gewissen Konsequenz aus dem Weg. Erst dieses Jahr, im Sog der Dinge, las ich ihren Erzählband „Simultan“. Ich will mich hier also ganz und gar nicht als Kennerin all ihrer Werke aufspielen. Ich beantworte diese Fragen aus der Perspektive einer eben erst bei Bachmann Ankommenden.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ein Verstehen, ein Durchschauen menschlicher Natur, menschlicher Verzweiflung und der Notwendigkeit, Unvermeidbarkeit von Liebe – aus weiblicher, feministischer Sicht. Intensität des Gefühls. Schönheit der Sprache. Zugleich große Intellektualität.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
„Probleme Probleme“ – diese Kurzgeschichte hat es mir besonders angetan. Das ist ein so wunderbarer Meltdown. Eine fein gezeichnete, sensible, überforderte, nach Ordnung strebende, sie gleichzeitig verweigernde Protagonistin.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Immer noch aktuell, ihre Kritik. Hat sich die Welt geändert? Nicht sehr, möchte man meinen. Frauen werden von ihren Partnern ermordet. Gläserne Decke, geringeres Einkommen, „Unsichtbarkeit“ ab 40, alles noch da.
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
Genau wie davor. Haben wir eine andere Wahl?
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Es ist nie leicht, zu schreiben. Das Schreiben hat etwas Asoziales, da gebe ich Bachmann recht. Man muss sich zurückziehen, Türen schließen. Aber Martyrium? Nicht für mich persönlich. Für mich ist es etwas Selbstverständliches, Notwendiges.
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Ihre glitzernde Intelligenz. Traurigkeit. Kompromisslosigkeit.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
„Gehen wir auf einen Kaffee?“ – dann hätte sie mich über einen sehr starken Espresso hinweg angesehen und etwas Kluges oder Dummes oder Normales gesagt. Ich hätte ihr einen Text meiner Mutter hinübergeschoben. Sie hätte gelacht und den Kopf geschüttelt, ihn dann vielleicht doch gelesen.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich hole gerade tief Luft nach meinem ersten Roman „Als Mutter nicht hier war“ und schnappe nach Sätzen, die mir beim Abwaschen oder in der U-Bahn einfallen. Ich weiß noch nicht, was ich als nächstes schreiben werde. Hoffentlich wieder einen Roman. Aber Romane sind so scheue Wesen. Man darf sie nicht herbeizwingen.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„An diesem Morgen schlief sie aber nicht gleich ein, lag nur entspannt und glücklich vergraben da und dachte: Grauenvoll.“ (aus „Probleme Probleme“)
Herzlichen Dank für das Interview!
Ingrid Zebinger-Jacobi, Schriftstellerin
Zur Person/über mich: Ingrid Zebinger-Jacobi wurde 1978 in Graz geboren, wo sie Musik und Anglistik mit Schwerpunkt Literaturwissenschaft studierte und als Übersetzerin arbeitete. Heute lebt sie in Wien. Veröffentlichungen von Kurzprosa in verschiedenen Literaturzeitschriften (u.a. Wespennest, Lichtungen) und im Rundfunk. Ihre bisherigen Erzählbände Barfuß geht die Zeit (2018), Ich lege mein Herz (2019) und Ein Boot weit draußen (2025) sind bei edition keiper erschienen.
Der Nachmittag einer Schriftstellerin. Wie die Protagonistin Vera ins Leben rufen? Wo, wann, wie?
„Kaum hatte ich sie erschaffen, entglitt sie mir schon wieder. Dabei hatte ich ihr fürs Erste nur Theresa als Vornamen und drei ihrer Eigenschaften vorgeschlagen: Einfühlsam, lebensklug, dunkelhaarig.“
Nicht zu fassen. Springt ins Leben – nach vor und zurück, raus aus Fesseln und auf zum Horizont, wieder zurück und und… kein Aufgeben und kein Vorankommen…damals, das Zuhause, die Mutter – Erinnerungen:
„Fliegen wie Bumerangs zu mir zurück und treffen mich. Genau an den Schmerzpunkten. Als ob meine Gedanken eine Kehrtwendung vollzogen haben und nun bei mir einschlagen…“
Und so geht es weiter. Zwischen Schreiben und Vera, die zwischen Stift und Selbständigkeit ihre Bahn in den Orbit von Leben, Leiden und Emanzipation schlägt…in der Intensivstation Existenz…
Andreas Sommer, in der Schweiz und in Frankreich lebender Autor, legt einen experimentellen Roman vor, der in Textmontagen und hintergründigem Wortspiel den individuellen Schreibprozess im spannungsreich tiefgründigen Dialog von Leben und Freiheit setzt. Dabei entsteht eine literarische tour de force, welche das Ringen des Menschen zwischen Wort, Weg, Freiheit in und außerhalb eines Buches beeindruckend wie mitreißend thematisiert.
„Der Nachmittag eines Schriftstellers als begeisternde tour de force zwischen Wort, Weg und Freiheit“
Die Willküren. Sieben Leben für Vera. Andreas Sommer. Roman. Langenmüller Verlag
Liebe Tatjana, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Die frühen Morgenstunden gehören ganz Körper, Geist und Seele. Ein halbstündiger Fußweg zum Theater begleitet von Gedanken an Nietzsches Zarathustra, wo ich den Rest des Tages mit Alexander Mitterer, Friedrich Nietzsche und Zarathustra verbringe.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zutiefst Mensch sein…
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Sich an den essentiellen Wahrheiten orientieren, nach den eigenen Wahrheiten zu handeln. Beobachter des eigenen Inneren und Äußeren zu sein, um bewusst zu entscheiden.
Primär nicht zu unterhalten, Diskursfähigkeit zu schaffen, die Wichtigkeit der Eigenverantwortung aufzuzeigen.
Was liest Du derzeit?
Ich lese Yannis Varoufakis „Technofeudalismus. Was den Kapitalismus tötet“
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Aktuelle Produktion von und mit Tatjana Alexander:
Uraufführung _ Also sprach Zarathustra. Nach dem gleichnamigen Werk von Friedrich Nietzsche.
In einer Textfassung von Tatjana Alexander und Alexander Mitterer
„Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können“
eine philosophisch – szenische Begegnung mit Friedrich Nietzsches radikalem Denken. Zwischen Wahrheit und Wirklichkeit entfaltet sich ein eindringlicher Theaterabend, der sinngebend neue Perspektiven eröffnet. Zarathustras Suche nach Freiheit, Selbstüberwindung und Sinn wird unmittelbar erfahrbar.
Die Szenographie von Nietzsches Vision eines neuen Menschen, der gemäß seiner Natur analog und naturverbunden agiert, mündet in einem philosophisch theatralen Diskurs der Menschwerdung.
Ein Abend, der Fragen stellt – herausfordernd, poetisch und überraschend aktuell.
Musik/ Klangkulisse: Michael Merkusch
Inszenierung/ Ausstattung: Tatjana Alexander
Textfassung: Tatjana Alexander/ Alexander Mitterer
Spiel: Alexander Mitterer
Premiere am Samstag, 24. Oktober 2026 um 20 Uhr im ARTist’s, Schützgasse 16, 8020 Graz
Weitere Vorstellungen: 28.10.; 29.10.; 30.10.; 31.10.; 04.11..; 05.11.; 06.11. und 07.11.2026
Beginn der Vorstellung jeweils um 20 Uhr im ARTist`s, Schützgasse 16, 8020 Graz
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Olav Amende, Schriftsteller
Zur Person/über mich: Olav Amende ist Schriftsteller, Regisseur und Performancekünstler. Er hat Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Leipzig studiert. Er schreibt und inszeniert Theaterstücke und veröffentlichte Texte in diversen Literaturmagazinen. Im Sommer 2022 erschien sein Langgedicht „abwesenheiten“ in der parasitenpresse. Im Sommer 2024 erschien sein Langgedicht „Flurstück 3587/3588. Gedicht auf ein Haus.“ bei hochroth. Im Frühjahr 2025 folgte sein Langgedicht „erosion“ in der parasitenpresse. Im Sommer 2026 erschien sein Buch „Gegengefälle“, das er gemeinsam mit Jascha Riesselmann verfasst hat, bei Trottoir Noir. Das Buch war für die Hotlist 2026 nominiert.
Julia Überreiter(Künstlername: Julia Morpha) _ Mixed-Media-Künstlerin _ Salzburg und Wien
G ive yourself peace
I nner peace can change how we treat others
V alue kindness even in small gestures
E very peaceful action can make a difference
P eace begins within ourselves
E ven small gestures can spread peace
A ccept yourself and others
C hange starts with small steps
E ven small gestures can spread peace
A ccept yourself and others
C hange starts with small steps
H elp create a peaceful environment
A ccept yourself and others
N ever underestimate a small gesture
C hange starts with small steps
E ven small gestures can spread peace
Julia Überreiter 8.10.2026
Julia Überreiter(Künstlername: Julia Morpha) _ Mixed-Media-Künstlerin
Zur Person/über mich: Julia Überreiter (Künstlername: Julia Morpha) ist eine in Salzburg geborene Mixed-Media-Künstlerin, die zwischen Salzburg und Wien lebt und arbeitet. Sie studierte Multimedia Art an der FH Salzburg sowie Bildende Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Wien.
In ihrer künstlerischen Praxis arbeitet sie medienübergreifend mit Skulptur, Fotografie, Installation, abstrakter Malerei und Musik. Ein Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit vorgefundenen Objekten und Altmetall, die sie in neue Zusammenhänge überführt. In ihrer fotografischen Arbeit setzt sie vorwiegend auf Fernauslöser und arbeitet mit Selbstinszenierung. Inhaltlich setzt sie sich mit gesellschaftlichen und soziopolitischen Fragen auseinander. Dabei beschäftigt sie sich unter anderem mit Körperpolitik und Gender, dem Verhältnis von Mensch und Umwelt, sowie mit gesellschaftlichen und politischen Strukturen. Auch die Sprache und visuellen Codes der Werbung spielen in ihrer Arbeit eine Rolle.
Julia Überreiter ist Mitglied bei IntAkt – Internationale Aktionsgemeinschaft bildender Künstlerinnen – sowie beim interdisziplinären Netzwerk eop.
Julia Überreiter absolviert eine Tanzausbildung in Contemporary Dance am Motion Lab Wien und arbeitet aktuell an einer Soundskulptur, als persönliche Auseinandersetzung mit ihrem vor zehn Jahren verstorbenen Großvater. In der Arbeit verbindet sie ihren Gesang mit elektronischer Musik und einer tragbaren Skulptur, die unter anderem mit Naturelementen wie Moos und Insekten gestaltet ist. Auf die Skulptur und ihren Körper werden Fotografien, Dias und Videoaufnahmen aus ihrer Kindheit mit ihrem Großvater projiziert. Die Arbeit ist als persönliche Hommage und als Geschenk an ihn gedacht.
Julia Überreiter (Künstlername: Julia Morpha) _ Mixed-Media-Künstlerin _ Salzburg und Wien
Liebe Julia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich arbeite vorwiegend am späteren Nachmittag und in der Nacht. Den Vormittag nutze ich, um langsam in den Tag zu starten, ein bisschen rauszugehen, um in der Natur neue Energie zu tanken.
Wenn ich arbeite, versuche ich darauf zu achten, regelmäßig Pausen einzulegen, weil ich manchmal so ins Tun komme, dass ich das Zeitgefühl verliere.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Achtsamkeit, Toleranz, Offenheit und Solidarität. Achtsamkeit bedeutet für mich, innezuhalten, bevor ich reagiere. Toleranz hilft mir, andere Meinungen auszuhalten, ohne mich zu verschließen. Offenheit heißt für mich, Menschen zuzuhören, auch wenn ich erst mal eine andere Meinung habe. Solidarität bedeutet einzustehen, wenn jemand ungerecht behandelt wird.
Ich selbst versuche, meinen eigenen Blickwinkel immer wieder zu hinterfragen und gegebenenfalls zu verändern. Viele Informationen einzuholen hilft, aber entscheidend ist, wie man sie einordnet und abwägt.
Im Alltag sind kleine Schritte oft die wichtigsten.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Ich denke, es geht darum Veränderungen zuzulassen, Verantwortung zu übernehmen und den Mut zu haben, neue Wege zu gehen.
Kunst schafft Räume, in denen neue Gedanken entstehen können. Sie kann gesellschaftsrelevante Themen aufgreifen, hinterfragen und zum Nachdenken anregen, um Veränderungen überhaupt erst vorstellbar zu machen.
Was liest Du derzeit?
Zusammen mit meiner Großmutter Alice lese ich das Buch „Gauleiter Uiberreither – Zwei Leben“ von Stefan Karner. Da wir der Meinung sind, dass es wichtig ist, sich mit dieser Vergangenheit auseinanderzusetzen, beschäftigt mich das Thema besonders. Wenn ich richtig informiert bin, ist er mein Urgroßonkel gewesen. Er wurde nie für seine Gräueltaten belangt und lebte unter falschem Namen jahrzehntelang in Deutschland.
Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen, aber man kann sich damit beschäftigen!
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Zitat aus dem Film „Stalker“ (1979) von Andrei Tarkowski (1932 – 1986)
Schriftstellerin: „All ihre Technologie, all ihre Hochöfen, Räder und so ein Trubel, damit die Leute weniger arbeiten und konsumieren können. Die Menschheit existiert, ähm – um Kunstwerke zu schaffen. Zumindest ist das selbstlos im Vergleich zu allen anderen menschlichen Aktivitäten. Große Illusionen. Bilder der absoluten Wahrheit. Hören Sie mir zu, Professor?“
Professor: “Von welcher Selbstlosigkeit sprichst du? Immer wieder starben Menschen an Hunger. Hast du auf dem Mond gelebt?“
Vielen Dank!
Julia Überreiter (Künstlername: Julia Morpha) _ Mixed-Media-Künstlerin
Zur Person/über mich: Julia Überreiter (Künstlername: Julia Morpha) ist eine in Salzburg geborene Mixed-Media-Künstlerin, die zwischen Salzburg und Wien lebt und arbeitet. Sie studierte Multimedia Art an der FH Salzburg sowie Bildende Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Wien.
In ihrer künstlerischen Praxis arbeitet sie medienübergreifend mit Skulptur, Fotografie, Installation, abstrakter Malerei und Musik. Ein Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit vorgefundenen Objekten und Altmetall, die sie in neue Zusammenhänge überführt. In ihrer fotografischen Arbeit setzt sie vorwiegend auf Fernauslöser und arbeitet mit Selbstinszenierung. Inhaltlich setzt sie sich mit gesellschaftlichen und soziopolitischen Fragen auseinander. Dabei beschäftigt sie sich unter anderem mit Körperpolitik und Gender, dem Verhältnis von Mensch und Umwelt, sowie mit gesellschaftlichen und politischen Strukturen. Auch die Sprache und visuellen Codes der Werbung spielen in ihrer Arbeit eine Rolle.
Julia Überreiter ist Mitglied bei IntAkt – Internationale Aktionsgemeinschaft bildender Künstlerinnen – sowie beim interdisziplinären Netzwerk eop.
Julia Überreiter absolviert eine Tanzausbildung in Contemporary Dance am Motion Lab Wien und arbeitet aktuell an einer Soundskulptur, als persönliche Auseinandersetzung mit ihrem vor zehn Jahren verstorbenen Großvater. In der Arbeit verbindet sie ihren Gesang mit elektronischer Musik und einer tragbaren Skulptur, die unter anderem mit Naturelementen wie Moos und Insekten gestaltet ist. Auf die Skulptur und ihren Körper werden Fotografien, Dias und Videoaufnahmen aus ihrer Kindheit mit ihrem Großvater projiziert. Die Arbeit ist als persönliche Hommage und als Geschenk an ihn gedacht.
Im Interview _ Lilith Noah, Schriftstellerin _ Wien
Liebe Lilith, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ich habe sie zugegebenermaßen erst vor kurzem zum ersten Mal gelesen: „Malina“ war vor ein paar Monaten mein Einstieg in Bachmanns Welt. Ich habe es geöffnet und gedacht: So etwas wie dieses Buch habe ich noch nie gelesen.
Das nächste ihrer Bücher liegt schon auf meinem Schreibtisch und ich will, als Lyrikerin, auch definitiv mehr von Bachmanns Lyrik lesen.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ihre Art zu schreiben ist so intim, fast verwechselt man die geschriebenen Gedanken mit den eigenen. So ging es mir jedenfalls beim Lesen von „Malina“. Es ist mehr als stream of consciousness, es ist ein fließender Genrewechsel, der einzigartig ist und mich ein bisschen atemlos zurücklässt.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
„Alle Tage“, ein pazifistisches Gedicht, beginnend mit „Der Krieg wird nicht mehr erklärt, sondern fortgesetzt. Das Unerhörte ist alltäglich geworden.“ Viele Zeitungsartikel der letzten Zeit sollten durch dieses Gedicht ersetzt oder ergänzt werden.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Ihr Werk ist heute so aktuell wie damals. Die negativen Auswirkungen und Ausuferungen des Patriarchats sind noch immer zu spüren – beispielsweise auch mehr als 50 Jahre nach der Erstveröffentlichung von „Malina“. Was Ingeborg Bachmann wohl zur Manosphere sagen würde? Zu Looksmaxxing? zur IncelCulture? Man bringe mir ein Ouija-Board.
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
Wie lieben wir überhaupt? Ich glaube, die Frage kann jede*r nur für sich selbst beantworten. Und ich hoffe die Antwort ist „Viel. Jeden Tag aufs Neue.“
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Um eine meiner Lieblings-Lyrikerinnen Hera Lindsay Bird zu zitieren:
„Because I don’t have a right-sized reaction to the world
To write a book is not a right-sized reaction
To put all your bad thoughts on paper
And make someone else pay for them“
Schreiben und Kunst sind für mich aber weniger Martyrium, sondern mehr emotionaler Exhibitionismus. Gefühls-Abverkauf. Alles muss raus!
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Die große Liebe zur Sprache, die man in jedem Satz merkt. Ihren Antifaschismus. Ihren Feminismus.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich hätte sie, wenn man sie heute wiedererweckt, gerne gefragt: „Ist die Zukunft so, wie du sie erwartet hast? Bist du enttäuscht oder erfreut? Geht es uns wirklich gut, ohne dass wir es merken, oder stehen wir am Rande einer Krise? Sind wir schon mittendrin? Möchtest du deinen Kaffee auch mit Hafermilch?“
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Nachdem mein zweiter Lyrikband gerade erschienen ist, arbeite ich an meinem ersten Romanprojekt. Ich möchte noch nicht viel über den Inhalt verraten aber so viel sei gesagt: Die Auswirkungen des Patriarchates spielen auch hier eine große Rolle.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„Auch unsere Mütter haben
von der Zukunft ihrer Männer geträumt,
sie haben sie mächtig gesehen,
revolutionär und einsam (…)“
aus dem Gedicht „Curriculum Vitae“
Herzlichen Dank für das Interview!
Lilith Noah, Schriftstellerin
Zur Person/über mich: Maria Rohnefeld ist Lyrikerin und Künstlerin, sie schreibt und veröffentlicht unter dem Pseudonym Lilith Noah. Ihr erster Lyrikband „receipts“ wurde 2021 veröffentlicht, ihre Gedichte erschienen unter anderem in „Der Standard“ und waren Teil von Ausstellungen in Wien und Basel. 2024 erhielt sie das Startstipendium Literatur für ihr Projekt „die angst, dass alles anders wird die angst, dass alles so bleibt wie es ist“ – erschien 2026 im Czernin-Verlag und ist ihr deutschsprachiges Debüt.
Aktuelle Buchveröffentlichung:
Lilith Noah, die angst, dass alles anders wird | die angst, dass alles bleibt, wie es ist. Gedichte _ Czernin Verlag
Ausstattung: Softcover mit offenem Rücken und Fadenheftung Format: 12,5 x 19 cm
Seiten: 80
ISBN: 978-3-7076-0913-4
Preis Buch: Euro 20,00
»die angst, dass alles anders wird, ist unvermeidlich wie der sonnenaufgang oder kebabflecken auf der frisch gewaschenen bettwäsche«, notiert das lyrische Ich von Lilith Noah.
In ihren Gedichten, die auf Instagram mehr als 90.000 Menschen erreichen, gibt sie dem Lebensgefühl der Generation Z Ausdruck und schafft eine starke emotionale Nähe zu ihren Leser*innen, die sie mit Slogans wie »build your own poem« miteinander ins Gespräch bringt und zu Kompliz*innen ihrer Kunst erklärt.
Zu entdecken ist eine Autorin mit großer Sprachlust und einem unverwechselbaren Sound, die ein neues Publikum für Lyrik begeistert und zugleich einen überraschenden Blick auf die Zumutungen und Zukunftsängste unserer Gegenwart eröffnet.
Katrin Fuchs, Sängerin, Schauspielerin _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 1/26 f.
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance _ Originalschauplatz „Malina“_ Wien
MALINA_UNDINE GEHT _ INGEBORG _ Akrosticha
Text _ Lilith Noah, Schriftstellerin _ Wien
Performance _ Katrin Fuchs, Sängerin, Schauspielerin _ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
MALINA
Mann sagt ihr wie sie sich
Anzuziehen habe sie
Lächelt
Ihn an und zieht sich aus, setzt das
Negligé in Flammen, ihn gleich mit, natürlich un
Absichtlich.
UNDINE GEHT
Und wenn Mann
Noch dazu liebevoll
Du hast geile Titten aus dem Tesla ru
Ist ihr Lächeln gleich
Noch strahlender.
E-Autos brennen besonders gut.
Gut, Mann nennt sie dann
Eher Pyromanin, aber dabei
Heuchlerisch, denn früher baute Mann
Tatkräftig den Scheiterhaufen.
INGEBORG
Irgendwie wäre sie dem Wasser doch mehr zugetan.
Neben all den Brandblasen
Gibt es keinen Platz mehr für
Ein Herz.
Blöd nur, dass Mann
Ohnehin recht oft auf eins verzichtet.
Rauch steigt auf wenn wieder irgendwo
Getötet nur aus Liebe steht.
Lilith Noah, 25.9.2026
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance _ Originalschauplatz „Malina“_ Wien
MALINA_ UNDINE GEHT _ INGEBORG _ Akrosticha
Text _ Lilith Noah, Schriftstellerin _ Wien
Performance _ Katrin Fuchs, Sängerin, Schauspielerin _ Wien
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Lilith Noah, Schriftstellerin
Zur Person/über mich: Maria Rohnefeld ist Lyrikerin und Künstlerin, sie schreibt und veröffentlicht unter dem Pseudonym Lilith Noah. Ihr erster Lyrikband „receipts“ wurde 2021 veröffentlicht, ihre Gedichte erschienen unter anderem in „Der Standard“ und waren Teil von Ausstellungen in Wien und Basel. 2024 erhielt sie das Startstipendium Literatur für ihr Projekt „die angst, dass alles anders wird die angst, dass alles so bleibt wie es ist“ – erschien 2026 im Czernin-Verlag und ist ihr deutschsprachiges Debüt.
Katrin Fuchs, Sängerin, Schauspielerin
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto: Lilith Noah _ privat
Fotos: Katrin Fuchs, Sängerin, Schauspielerin _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 1/26 _ 8/26.
im Interview _ Michael Kleinherne, Schriftsteller _ Eichstätt im Altmühltal/D
Lieber Michael, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ihre Lyrik, aber auch Prosatexte, etwa aus den Erzählbänden wie „Das dreißigste Jahr“, haben schon lange eine starke Wirkung auf mich ausgeübt. Der aktuell in den Kinos laufende Film mit Sandra Hüller war dann noch einmal ein ganz anderer Zugang zu ihr, auch durch die Original-Interviews mit ihr darin, die ich noch nicht kannte.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Diese unfassbare Sensibilität beeindruckt mich am meisten.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Ich möchte einmal, wie schon oben erwähnt, eine Erzählung hervorheben, die vielleicht nicht so bekannt ist: „Jugend in einer österreichischen Stadt“. Ich hatte mal eine Lesungsreihe im Stadttheater Ingolstadt und wählte diesen Text aus, der dann von einer Schauspielerin auf eindrucksvolle Weise vorgelesen wurde.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Da muss man ja nicht weit schauen, ein Blick nach Russland, Iran, USA und nach anderswo zeigt uns, wo das hinführt.
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
Gute Frage, der ich seit Jahrzehnten nachgehe … bisher eher erfolglos.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Das kann es sein, muss aber es nicht sein. Für sie gehörte es leider wohl dazu.
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Da wiederhole ich mich und nenne ihre unfassbare Sensibilität.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
„Was wollten Sie noch schreiben, Frau Bachmann?“
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich schreibe einen Roman über eine Freundschaft zweier Frauen.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„Nie hat er gedacht, dass von tausendundeiner Möglichkeit vielleicht schon tausend Möglichkeiten vertan und versäumt waren – oder dass er sie hatte versäumen müssen, weil nur eine für ihn galt.“ (aus „Das dreißigste Jahr“)
Herzlichen Dank für das Interview!
Michael Kleinherne, Schriftsteller
Zur Person/über mich: Michael Kleinherne, 1964 in Westfalen geboren, lebt seit dem Studium in Eichstätt. Er arbeitet dort als freier Autor, Journalist und Dozent für Kreatives Schreiben, Schreibberatung und Englisch. An der Universität Eichstätt initiierte und leitete er zehn Jahre lang das jährliche Festival LiteraPur. 2002 erhielt er den Reportagepreis der Akademie der Bayerischen Presse. 2015 war er auf Einladung der University of Dallas Gastautor am Dallas Goethe Center.
2012 erschien sein Kurzgeschichtenband Drehpause, danach die Romane Daniel, Die Aktion, Der Mann auf dem Foto, Absinth und Lea. Sein aktueller Roman Nike erschien im vergangenen Herbst. Er ist Beisitzer im Vorstand des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller München-Oberbayern.