Da ist die Bühne, das Scheinwerferlicht, der Erfolg, Träume, die wahr geworden sind. Der Tanz und die Bewegungen des Lebens – alles findet sich zu Harmonie und Euphorie. Es ist der Moment, der verweilen sollte…Doch dieser tut es nicht. Alles kommt anders. Jäh reißt eine Diagnose auf dem Höhepunkt des künstlerischen Weges die Tänzerin und Choreografin Elvira aus allen Horizonten, Perspektiven.
ALS ALS steht für Amyotrophe Lateralsklerose. Sie bezeichnet eine unheilbare, degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems, die zu fortschreitender Muskelatrophie (Muskelschwund) und Muskelschwäche (Paresen) führt.
Und jetzt beginnt eine ganz neue Herausforderung angesichts dieser unerbittlich fortschreitenden Erkrankung. Es braucht Hilfe. Schon bald eine Hilfe in allen täglichen Lebenssituationen, denn die vollständige Lähmung hat den Körper Elviras erfasst. Mara, eine slowakische Pflegerin, ist nun der Angelpunkt zwischen Sonnenauf- und Untergang und der Hoffnung auf einen neuen Tag…
Zdenka Becker legteinen Roman am Puls der Zeit vor, der existentielle wie gesellschaftliche Realitäten in einem mitreißenden Dialog zwischen zwei Protagonistinnen packt, die in ihren ganz unterschiedlichen Lebens- und Leidenssituationen, die ganz großen Fragen nach Sinn, Perspektive und Mut stellen. Dabei werden Krankheits- und Pflegesituation zu einer literarischen Bühne, in welcher Momente der Krise wie des Glücks genial szenisch lebendig und verdichtet werden. Es ist eine ganz besondere Sprach- und Erzählkunst der Autorin, den Menschen in aller Einsamkeit, Klage, Schmerz und Schrei ergreifend wie mitreißend vor das Angesicht der Welt treten zu lassen und schonungslos zu benennen was keine Worte mehr zu haben schien. Dabei steht und knüpft die in Wien lebende Autorin an ganz große Traditionen deutschsprachiger Literatur an.
Tanzen im Kopf. Zdenka Becker. Roman. Amalthea Verlag
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse in Macht und Zerstörung. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Lieber Christoph, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich träume oft intensiv und versuche beim Aufwachen, mir auf das Geträumte einen Reim zu machen. Das Frühstück ist für mich wichtig, weil es mich für den Tag festigt. Dann entweder ein Tag voller Termine außer Haus, meistens mit spannenden Leuten, mit denen ich mich austausche oder die ich für Projekte gewinnen möchte, oder an anderen Tagen mehrere Stunden zum Verfassen von Texten, u.a. für die von mir initiierte kulturelle Zukunftsplattform ReGenerativa, vgl. https://www.regenerativa.eu (dort schlüpfte ich übrigens auch in die Rolle einer fiktiven Superintelligenz, NAT7G…). Und fast jeden Abend ein reges Kulturprogramm, oft 3-4 Veranstaltungen im Laufe des Abends. Das brauche ich, um möglichst viel Neues zu sehen und zu hören und geistig frisch zu bleiben!
Christoph Thun-Hohenstein _ Autor, Kulturmanager, Kurator.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Über den eigenen Tellerrand zu schauen! Wir leben in einer Welt, in der wir von sozialen Medien und anderen Dynamiken zunehmend in Echokammern gedrängt werden. Diese Fragmentierung untergräbt insbesondere die breite Mitte der Gesellschaft, die wir gerade jetzt, am Beginn eines neuen Zeitalters der Regeneration dringend brauchen. Das Wichtigste ist, dass möglichst viele Menschen guten Willens begreifen, dass eine positive Zukunft nicht von allein kommt, sondern wir sie engagiert gemeinsam gestalten müssen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Wissenschaft, der Kunst an sich zu?
Das Wesen des Menschen ist bekanntlich die Zukunft. Wir alle sind in unseren verschiedenen Rollen, ob wir wollen oder nicht, Zukunftsdesigner:innen – sei es als Konsument:innen, wählende Bürger:innen, Berufstätige, online aktive User:innen oder generell in unserem Familien- und Freundeskreis. Wir sind gut beraten, uns in allen diesen Rollen für eine Zukunft mit der Natur – und nicht gegen die Natur – einzusetzen, also für nicht-fossile, ökosozial verantwortungsvolle Lebensweisen; dafür braucht es auch neue, regenerative Geschäftsmodelle in der Wirtschaft. Die Wissenschaft hat gerade in unserer Unkultur von Fake News die Aufgabe, die objektive Wahrheit in überprüfbarer Weise zu beschreiben; Forschung ist aber auch für technologischen Fortschritt unverzichtbar. Auf die Imagination und Vision der Kunst sind wir angewiesen, um auch mental aus der Sackgasse fossiler Industrialisierung herauszukommen und uns ein blühendes neues Zeitalter der Regeneration vorstellen zu können. In meinem neuen Buch ZUKUNFTSMUTIG habe ich eine „regenerative Zukunftsleiter“ mit zehn wesentlichen Qualitäten, die wir für die Zukunft benötigen, entwickelt.
Was liest Du derzeit?
BITTERNIS von Joanna Bator und LA BELLA VITA PNR von Sibylle Berg, letzteres wie fast alles von dieser Autorin ein wildes Buch, aber voller mutiger Imagination.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„DESTRUCTION FOLLOWS HATE, BUT FUTURE FOLLOWS LOVE.” (aus dem Buch ZUKUNFTSMUTIG)
Vielen Dank für das Interview, lieber Christoph,viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buch-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen/Autoren:innen: Christoph Thun-Hohenstein _ Autor, Kulturmanager, Kurator.
Zur Person/über mich: DDr. Christoph Thun-Hohenstein, geboren 1960 in Kärnten, ist Kulturmanager, Kurator, Autor sowie Künstlerischer Leiter der von ihm 2025 initiierten Zukunftsplattform ReGenerativa. Er studierte Rechtswissenschaften sowie Politikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien. Von 1999 bis 2007 war er Direktor des Austrian Cultural Forum New York und von 2011 bis 2021 Generaldirektor des MAK – Museum für angewandte Kunst in Wien. Danach leitete er bis 2025 die Sektion für Internationale Kulturangelegenheiten im österreichischen Außenministerium. Er ist auch Initiator der Klima Biennale Wien.
Aktuelles Buch von Christoph Thun-Hohenstein:
„Noch nie zuvor war die persönliche Zukunft so sehr in die der Menschheit und die des Planeten eingebettet. Diesem Gedanken widmet sich der Autor – ebenso intellektuell wie leicht verständlich. Mit großer Leidenschaft und persönlicher Begeisterung entwirft er ein taugliches Konzept für eine denkmögliche positive Zukunft im Zeitalter von Klimakatastrophen, künstlicher Intelligenz und Demokratieverlust.
Ein philosophisches Buch, das Antworten anbietet auf die Frage, wie eine solche Zukunft aussehen könnte.
Ein Buch, das Mut weckt. Mut dafür, an der Verwirklichung einer lebenswerten Zukunft zu arbeiten und nicht nur davon zu träumen.
Thun-Hohenstein sieht sich selbst als schreibenden Zukunftsdesigner. Mit seinem leidenschaftlichen Plädoyer legt er kein konventionelles Sachbuch vor. Er versucht dessen Grenzen zu überschreiten und lehnt sich damit weit hinaus in die Zukunft.“ (Pressetext Verlag)
Zukunftsmutig, Christoph Thun-Hohenstein. Kremayr&Scheriau Verlag, 2026
Lieber Clemens, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf besteht im Moment vor allem aus Kommunikation mit den Bands, organisatorischen Dingen, die noch geklärt werden müssen, und natürlich immer wieder nachschauen, wie viele Tickets schon verkauft wurden. Dazwischen versuche ich, den Überblick zu behalten – was bei einem Festival manchmal ein bisschen wie Jonglieren mit brennenden Gitarrenverstärkern ist. Aber genau das macht auch Spaß.
Clemens Straganz, Musiker (links), Festivalleiter des ECHOES OF EREBOS Festivals, 17. &. 18. 4. 2026Wien _ am Foto mit Alexander Distl, Co-Festivalleiter
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich glaube, besonders wichtig ist gerade Zusammenhalt und gegenseitiger Respekt. Dass man sich wieder bewusst Zeit nimmt für echte Begegnungen – bei Konzerten, Festivals oder einfach im Alltag. Musik bringt Menschen zusammen, egal woher sie kommen, und genau das brauchen wir gerade.
GRANDMAS ASHES (FRA)
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Musik und Kunst schaffen Räume, in denen Menschen zusammenkommen, nachdenken oder einfach für einen Moment abschalten können. Gerade Live-Musik hat diese besondere Energie – man steht gemeinsam vor der Bühne und merkt: Wir erleben gerade alle dasselbe. Diese Momente können verbinden und auch Mut machen, nach vorne zu schauen.
MOTHERS CAKE (A/Innsbruck)
Was liest Du derzeit?
Im Moment lese ich immer wieder Interviews und Artikel über Musik, Bands und Festivals – also eher Dinge, die mich auch für meine Arbeit inspirieren. Und zwischendurch natürlich alles, was irgendwie mit Musikgeschichte oder Subkulturen zu tun hat.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Where words fail, music speaks.“ – Musik kann manchmal Dinge ausdrücken, für die wir keine Worte finden. Und genau deshalb ist sie so wichtig.
Vielen Dank für das Interview, lieberClemens, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
FOR EONS (A/Wien) _ Mitte Clemens Straganz
5 Fragen an Künstler*innen:Clemens Straganz _ Musiker, Festivalleiter des ECHOES OF EREBOS Festivals, 17. &. 18. 4. 2026Wien
Zur Person/über mich:CLEMENS STRAGANZ (geb. 1991 / Lienz), Geschäftsführer Kerberos-Records OG, abgeschlossenes IGP&Diplom Studium am Vienna Music Institute, Bassist bei Minus Green und For EONS
Aktuelles Musikfestival:
Ein Projekt von KERBEROS RECORDS17. &. 18. 4. 2026
Am 17. und 18. April 2026 geht das Echoes of Erebos Festival in die 3. Runde. Erstmals in den altehrwürdigen Hallen der Arena Wien werden an zwei Festivaltagen zwölf nationale und internationale Bands die Bühne zum Beben bringen.
Der Freitag steht ganz im Zeichen der österreichischen Rockszenen. Es stehen ausschließlich einheimische Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne.
Fr., 17.4.2026
Einlass: 16.30 Uhr / Beginn: 17.00 Uhr
JOHNNY AND THE ROTTEN (A / Linz)
THE JUPITER EFFECT (A / Wien)
SAVANAH (A / Graz)
LAUSCH (A / Wien)
MOTHERS CAKE (A / Innsbruck)
Am Samstag wird‘s international mit Bands aus Österreich, Deutschland, Schweden, Schottland und Frankreich.
Beim Echoes of Erebos Festival 2026 gibt es nicht nur ordentlich was auf die Ohren:
An beiden Festivaltagen wird auch die RAW STUFF GIG-Poster Ausstellung zu sehen sein. Freut euch auf handgemachte Konzertposter, fette Prints und jede Menge Underground-Ästhetik – zwei Tage lang, mitten im Festivalgeschehen.
ist ein Labelkollektiv aus Wien, das seine Schwerpunkte vor allem im Bereich des Alternative, Stoner und Psychedelic Rock setzt und Bands hilft, ihre Musik zu produzieren, zu promoten und zu vertreiben.
Neben den Labelaktivitäten vermieten sie sei Herbst 2022 mehrere Proberäume in der Markgraf-Rüdiger-Straße (1150 Wien) und veranstalten auch Festivals: Seit 2022 das Festival „Strom im Berg“ in Graz und ab 2023 das „Echoes of Erebos Festival“ in Wien.
DAS TEAM:
ALEXANDER DISTL (geb. 1992 /Wien)
Geschäftsführer Kerberos-Records OG,
abgeschlossenes IGP&Diplom Studium am Vienna Music Institute,
Schlagzeuger bei: Spitting Ibex und KAYOMI
CLEMENS STRAGANZ (geb. 1991 / Lienz)
Geschäftsführer Kerberos-Records OG,
abgeschlossenes IGP&Diplom Studium am Vienna Music Institute,
Bassist bei Minus Green und For EONS
Fotos: 1 Lukas Andre Grossl; 2 Elisa Grosman; 3 Benjamin Thomes; 4 Col; 5 Kerberos.
GRANDMAS ASHES (FRA) _ ECHOES OF EREBOS Festivals, 17. &. 18. 4. 2026Arena Wien
GIVE PEACE A CHANCE
G – Große Riffs, die selbst den Beton zum Vibrieren bringen.
I – Intensive Live-Momente – und wahrscheinlich ein bisschen wenig Schlaf.
V – Vibes von fuzzigen Gitarren und schweren Grooves.
E – Energie, die zwei Tage lang durch die Menge rollt.
P – Psychedelische Sounds, bei denen man kurz vergisst, welcher Tag eigentlich ist.
E – Echtes Underground-Feeling – laut, ehrlich und ohne Filter.
A – Alle kommen zusammen: Fans, Bands und Menschen, die gute Musik hören wollen.
C – Community aus Bands, Freund:innen und Leuten, die plötzlich zusammen vor der Bühne headbangen.
E – Endlose Jam-Vibes bis tief in die Nacht (oder bis das Bier leer ist).
A – Arena als perfekter Ort für schwere Sounds und gute Chaos-Energie.
C – Chaos, Crowds und ganz viel Leidenschaft.
H – Harte Riffs
A – Atmosphäre zwischen Wüste, Rauch und Rock.
N – Neue Bands und bekannte Namen teilen sich die Bühne.
C – Crowd-Energie, die jede Band noch ein bisschen lauter spielen lässt.
E – Ein Festival, nach dem man Montag erstmal ausschlafen muss.
Clemens Straganz, 16.3.2026
Clemens Straganz, Musiker (links), Festivalleiter des ECHOES OF EREBOS Festivals, 17. &. 18. 4. 2026Wien _ am Foto mit Alexander Distl, Co-Festivalleiter
Clemens Straganz _ Musiker, Festivalleiter des ECHOES OF EREBOS Festivals, 17. &. 18. 4. 2026Wien
Zur Person/über mich:CLEMENS STRAGANZ (geb. 1991 / Lienz), Geschäftsführer Kerberos-Records OG, abgeschlossenes IGP&Diplom Studium am Vienna Music Institute, Bassist bei Minus Green und For EONS
Aktuelles Musikfestival:
Ein Projekt von KERBEROS RECORDS17. &. 18. 4. 2026
Am 17. und 18. April 2026 geht das Echoes of Erebos Festival in die 3. Runde. Erstmals in den altehrwürdigen Hallen der Arena Wien werden an zwei Festivaltagen zwölf nationale und internationale Bands die Bühne zum Beben bringen.
Der Freitag steht ganz im Zeichen der österreichischen Rockszenen. Es stehen ausschließlich einheimische Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne.
Fr., 17.4.2026
Einlass: 16.30 Uhr / Beginn: 17.00 Uhr
JOHNNY AND THE ROTTEN (A / Linz)
THE JUPITER EFFECT (A / Wien)
SAVANAH (A / Graz)
LAUSCH (A / Wien)
MOTHERS CAKE (A / Innsbruck)
Am Samstag wird‘s international mit Bands aus Österreich, Deutschland, Schweden, Schottland und Frankreich.
Beim Echoes of Erebos Festival 2026 gibt es nicht nur ordentlich was auf die Ohren:
An beiden Festivaltagen wird auch die RAW STUFF GIG-Poster Ausstellung zu sehen sein. Freut euch auf handgemachte Konzertposter, fette Prints und jede Menge Underground-Ästhetik – zwei Tage lang, mitten im Festivalgeschehen.
ist ein Labelkollektiv aus Wien, das seine Schwerpunkte vor allem im Bereich des Alternative, Stoner und Psychedelic Rock setzt und Bands hilft, ihre Musik zu produzieren, zu promoten und zu vertreiben.
Neben den Labelaktivitäten vermieten sie sei Herbst 2022 mehrere Proberäume in der Markgraf-Rüdiger-Straße (1150 Wien) und veranstalten auch Festivals: Seit 2022 das Festival „Strom im Berg“ in Graz und ab 2023 das „Echoes of Erebos Festival“ in Wien.
DAS TEAM:
ALEXANDER DISTL (geb. 1992 /Wien)
Geschäftsführer Kerberos-Records OG,
abgeschlossenes IGP&Diplom Studium am Vienna Music Institute,
Schlagzeuger bei: Spitting Ibex und KAYOMI
CLEMENS STRAGANZ (geb. 1991 / Lienz)
Geschäftsführer Kerberos-Records OG,
abgeschlossenes IGP&Diplom Studium am Vienna Music Institute,
Im Interview _ Pola Polanski, Künstlerin, Schriftstellerin
Ingeborg Bachmann _„Bildserie „Das Rumoren der Toten“_ Pola Polanski, Künstlerin, Schriftstellerin, folgende
Liebe Pola, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ich habe Texte von ihr mit Anfang 30 gelesen. Das Todesarten-Projekt, Malina und Gedichte.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ihr Schreiben ist fragmentarisch und ganz besonders freut es mich, wie sie in die Gruppe 47 in der Nachkriegszeit als eine der ersten Autorinnen aufgenommen wurde.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Ja, Malina. Viele finden ihre Gedichte großartig, aber ich komme von der Prosaecke und von daher ist mein Liebling „Malina“.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Sie ist/war eine Vorreiterin. Sie hat einiges vorweggenommen.
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
Ich glaube, diese Beziehung zu Max Frisch hat sie kaputt gemacht. So ein übler Patriarch, der ihre Arbeit in seinen eigenen Texten ausschlachtete. Die Beiden hatten Krieg.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Alle guten Autor:innen, die Prosa oder Lyrik schreiben, sind verletzlich. Für sie ist das Schreiben ein Kanal. Nur sehr wenige Menschen haben diesen Kanal, der Kunst kreieren kann.
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Sie war eine Vorreiterin für weibliches Schreiben. Sie macht den späteren Schriftstellerinnen Mut, an Grenzen zu gehen.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Wollen wir einen Kaffee trinken gehen?
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Im Moment ist mein Buch „Ich bin Nelly Sachs“ vor der Veröffentlichung. Vielleicht gelingt es noch zur Buchmesse in Leipzig. Als nächstes Schreibprojekt steht „Ich bin Inge Müller“ an. Über Ingeborg Bachmann schwebt immer noch ein riesiger Hype, so dass Literaturwissenschaftler meinen, über sie könne man keine Texte mehr schreiben.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
»Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht.«
Dieses Zitat nehme ich gerne mit. Siehe der gerade ausgebrochene Iran-Krieg und natürlich der Ukraine-Krieg. Weibliches Schreiben sollte pazifistisch sein, was ich in vielen meiner Kunst- und Literaturprojekten praktiziere.
Zum Projekt: Pola Polanski _ Das Rumoren der Toten
Das Zunehmen von rechtslastigen Politiker:innen auf der Welt, so auch in Deutschland, hat mich dazu bewogen, an die Geschehnisse und das Grauen im zweiten Weltkriegs zuerinnern. Noch heute rumoren die vielen Toten durch die Zeit. Meine Arbeiten stellen ein Mahnmal dar und appellieren an die künstlerische Freiheit.
Erstens male ich Portraits von Künstlerinnen und Schrifstellerinnen, die im Nationalsozialismus gelebt haben, in schwarz-weiß Überlebensgröße (160 x 200 cm groß) Kohle auf Papier. Hier ist das Medium die Message. Kohle deshalb, weil es an die Asche, den Staub, den Ruß der verbrannten Leichen erinnern soll).
Zweitens male ich kleinere Portraits von den Frauen, die vom Nationalsozialismus tangiert worden sind, im Format DIN A 3 in der Technik Tusche auf Papier.
Dritten versuche ich mir in kleinen Zeichnungen (A5) das Unfassbare, das dieser Krieg angerichtet hat, klarzumachen in der Technik Fineliner in schwarz auf Papier.
So hat die Lyrikern Nelly Sachs zum Beispiel viele ihrer letzten Lebensjahre in Psychiatrien wegen Paranoia vor den Nazis verbracht. Auch das Beispiel der Lyrikerin Gertrud Kolmar ermahnt daran, was im Nationalsozialismus passiert ist. Sie wurde in Auschwitz vergast. Das nationalsozialistische Dritte Reich bedeutete auch Gewalt gegen Frauen, Kinder und Künstler:innen.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Zum Projekt: Pola Polanski _ Das Rumoren der Toten
Das Zunehmen von rechtslastigen Politiker:innen auf der Welt, so auch in Deutschland, hat mich dazu bewogen, an die Geschehnisse und das Grauen im zweiten Weltkriegs zuerinnern. Noch heute rumoren die vielen Toten durch die Zeit. Meine Arbeiten stellen ein Mahnmal dar und appellieren an die künstlerische Freiheit.
Erstens male ich Portraits von Künstlerinnen und Schrifstellerinnen, die im Nationalsozialismus gelebt haben, in schwarz-weiß Überlebensgröße (160 x 200 cm groß) Kohle auf Papier. Hier ist das Medium die Message. Kohle deshalb, weil es an die Asche, den Staub, den Ruß der verbrannten Leichen erinnern soll).
Zweitens male ich kleinere Portraits von den Frauen, die vom Nationalsozialismus tangiert worden sind, im Format DIN A 3 in der Technik Tusche auf Papier.
Dritten versuche ich mir in kleinen Zeichnungen (A5) das Unfassbare, das dieser Krieg angerichtet hat, klarzumachen in der Technik Fineliner in schwarz auf Papier.
So hat die Lyrikern Nelly Sachs zum Beispiel viele ihrer letzten Lebensjahre in Psychiatrien wegen Paranoia vor den Nazis verbracht. Auch das Beispiel der Lyrikerin Gertrud Kolmar ermahnt daran, was im Nationalsozialismus passiert ist. Sie wurde in Auschwitz vergast. Das nationalsozialistische Dritte Reich bedeutete auch Gewalt gegen Frauen, Kinder und Künstler:innen.
„Eri schlug das Herz bis zum Hals. Sie war also angekommen, da, wo ihre Großtante Eri vor siebzig Jahren ihre große Karriere als Modejournalistin begonnen hatte…“
Den Mut des Aubrechens teilt Eri mit ihrer Großtante, jetzt, allein am Bahnhof in Venedig und einer neuen Aufgabe und Herausforderung: „Bewirb dich hier. Lagunennachpflanzung – du kennst dich doch mit Heidepflanzen aus? Noch dazu in Venedig, wo auch für mich alles begann.“, sagte die Großtante.
Und jetzt beginnt das neue Leben, das Ankommen in einer neuen Welt. Und es beginnt gleich mit einem Anruf des Firmenchefs „Signorina, ich wollte Sie nur bitten, sich keine zu großen Hoffnungen zu machen. Eine so verantwortungsvolle Position für eine junge Frau?“ „Liegt Ihre Betonung auf jung oder auf Frau?“, wagte Eri eine Gegenfrage.
Sie wird allen Mut für ihren Weg brauchen. Wie ihre Großtante davor… Jetzt war sie hier. Allein. Keiner nahm sie mehr an der Hand wie die Mutter…
Jana Revedin legt mit „Die Gärtnerin von Venedig“ ihren fünften Roman vor und dieser ist wie seine Vorgänger eine geniale biographische Reise im Kontext von Gesellschaft und Zeit, die in ihrer Erzählkraft- und -spannung von den ersten Sätzen an furios in den Bann zu ziehen weiß.
Die junge Gärtnerin Eris sieht sich vom Beginn ihrer Ankunft in Venedig an mit größten Herausforderungen weiblicher Durchsetzung und Etablierung von Fach- und Führungskompetenz konfrontiert und geht doch konsequent gegen alle persönlichen und gesellschaftlichen Widerstände ihren Weg auf und über den wogenden Wellen der Lagunenstadt…
„Was wollte sie hier, in dieser wuselnden Stadt? Die in bewegten Wassern stand, dem einzigen Element, das Eri von Kindheit an mit stillem Bangen erfüllte…“
Die in Venedig und Kärnten lebende Autorin und Professorin für Architektur ist eine Meisterin des ganz aufmerksamen Wahrnehmens und Wiedergebens von Lebenswegen in existentiellen wie gesellschaftshistorischen Kontexten, die besonders auch das Moment des weiblichen Emanzipierens und Durchsetzens in einer patriarchalen Welt in den Blick der Protagonistinnen nimmt. Dieser Lebens-, Liebes- und Berufsprozess der Frau ist dabei zwischen den Polen von Wirklichkeit und Möglichkeit wie konsequenter Entscheidung und Beharrlichkeit angesiedelt. Es ist eine Form von visionärem feministischen Pragmatismus, der immer zur großen Revolution wie stetigen Veränderung bereit ist.
Die Gärtnerin von Venedig. Roman. Braumüller Verlag.
Liebe Rebecca, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ich mag Bachmann, da sie es als weibliche Autorin es gewagt hat, modern zu sein, sich gegen patriarchale Strukturen zu stellen, und das, obwohl sie umgeben von Männern war – ja, ich empfinde sie als modern.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ihr moderner Schreibstil, dass sie mit Konventionen brach, eine literarisch längst notwendige Aufgabe. Sich traute sich als Frau ungeschönte, ungeschminkte Worte zu sagen. Gewissermaßen ein Wendepunkt, dennoch wurde sie traurigerweise gar nicht genug beachtet – hatte on top mit Kritiken zu kämpfen.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
„Undine geht“, da es das ach so tolle Verhältnis zwischen Mann und Frau aufbricht und mit Klischees bricht. Mir gefällt daran, dass es so modern ist.
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
„Die patriarchale Struktur der Welt hat sich leider noch immer nicht ganz abgeschafft – es hat sich zwar alles schon ein bisschen verändert – dies war ein furchtbar anstrengender & hoch sensibler Prozess, jedoch hagelt es – dank rechtem Aufschwung, Diktatoren & wanna be Demokraten, die aber eigentlich beinahe wie Demagogen wirken — dank manipulativen Männern, die trauriger Weise Macht innehaben, die neuerdings wieder wüten, toben, & wie Rumpelstilzchen herum strampeln, was das Zeug hält, wieder etwas auf Frauen & Co affig nieder schießen, die eigentlich gar nichts dafür können. Als säße man in einer Zeitmaschine – back to the roots. Zurück zur asozialen Egozentrik und völkischem Nationalstolz – fast beklemmend. Selbst in Ländern, in welchen man das historisch eigentlich gar nicht darf. Zurück zu Hitler – peng – im Jahr 2026. Natürlich gibt es auch andere, man muss differenzieren. Ich habe das Gefühl, dass die Krise dazu beigetragen hat. Jetzt darf wieder geschossen werden – man sucht wieder einen vermeintlichen Feind.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
„Ja – man muss sich immer mit sich selber auseinandersetzen – einsam & abgeschottet – muss sich immer wieder mit der eigenen Schreiberei beschäftigen, ob man möchte oder nicht.. Kommt da für eine gewisse Zeit nicht heraus. Ich verstehe, dass manche Schrifttsteller Alkoholiker werden oder sich umbringen wollen.“
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Wie sie es überhaupt ausgehalten hat, in einer männerdominanten Welt herumzutrampeln, auch noch zu schreiben, ohne dabei ganz draufzugehen? 🙂 Und: Was würde sie heute schreiben?
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich habe einen gesellschaftskritischen Roman verfasst und muss jetzt gerade einen Film diesbezüglich – ohne Geld – stemmen. Mein Erstlingsroman – mit dem ironischen Titel „Die Leiden des mittelalten Herbies: (Be-)Gattungslos“- der mit einem Preis für die beste Neuerscheinung 2023 ausgezeichnet wurde, ist eine radikale, gesellschaftskritische Reise durch zwei Länder, eine Absage an die Hyperperfektion und eine Liebesgeschichte jenseits des zu oft getretenen Klischeepfades, beginnend in einer Psychiatrie, für welchen ich ein Stipendium durch die Kulturförderung NRW erhielt, sowie eine Untersuchung der perversen Machtmechanismen zwischen sexuellem Missbrauch & Hyperkapitalismus, bieten sich doch beide hinterrücks an, den jeweiligen Personen vorspielend, sie würden Glück und Liebe per Klick erkaufen können, dabei jene jedoch im Umkehrschluss wiederum teils zu Dingen zwingend. Um das Wagnis, als weibliche Autorin, den Coitus interruptus zu vollziehen. Die weibliche Männlichkeit zu wagen, ohne dies erklären zu müssen. Um die Fragestellung: „Wohin mit Gefühlen in einer emotional beduselten Welt?“
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Martina Sinowatz, Schriftstellerin _ WienPia Schiel, Schauspielerin _Wien
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.
Foto: Martina Sinowatz _ privat.
Fotos_ Pia Schiel, Schauspielerin_Wien _ acting „Malina“ _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Szenische Fotos am Originalschauplatz _ Walter Pobaschnig, 10/23.