„Mehr als das“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Anja Knafl, Schauspielerin _ Klagenfurt 10.6.2026

Anja Knafl _ Ingeborg Bachmann _
ehemalige Schule von Ingeborg Bachmann in Klagenfurt
Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _
performing „Jugend in einer österreichischen Stadt“ Ingeborg Bachmann, 1961 _
Originalschauplatz Klagenfurt _
Fotos: Walter Pobaschnig 3/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz _

„Jugend in einer österreichischen Stadt“ Ingeborg Bachmann, 1961

ZEUGNIS _ Akrostichon

Text & Performance  Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin Klagenfurt.

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann besuchte hier von 1938-44 das Ursulinengymnasium/Oberschule für Mädchen/Klagenfurt
Das Schulmädchen Ingeborg Bachmann (1934)

ZEUGNIS

Zahlen stehen auf dem Papier, doch sie erzählen nie die ganze Geschichte.

Ein Zeugnis wirkt wie ein Urteil, obwohl es nur ein Ausschnitt ist.

Unter jeder Note liegen Mühe, Zweifel und Entwicklung.

Gut und schlecht sind oft zu einfache Kategorien.

Nicht alles, was zählt, wird bewertet.

In jedem Menschen steckt mehr als das, was sichtbar wird.

So entsteht ein Bild, das nie vollständig sein kann.

Anja Knafl, 29.4.26

Ingeborg Bachmann besuchte anlässlich eines Klagenfurt Aufenthaltes 1968 auch ihre ehemalige Schule, an der sie 1944 maturierte (Ursulinengymnasium/Oberschule für Mädchen)
„Das Ursulinengymnasium hat jetzt eine verschlossene Tür, an der ich noch einmal gerüttelt habe…“ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971

„Und eines Tages stellt den Kindern niemand mehr ein Zeugnis aus, und sie können gehen. Sie werden aufgefordert ins Leben zu treten…“ „Jugend in einer österreichischen Stadt“ Ingeborg Bachmann, 1961

Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _
performing „Jugend in einer österreichischen Stadt“ Ingeborg Bachmann, 1961 _
Originalschauplatz Klagenfurt _
Fotos: Walter Pobaschnig 3/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz _

„Jugend in einer österreichischen Stadt“ Ingeborg Bachmann, 1961

ZEUGNIS _ Akrostichon

Text & Performance  Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin Klagenfurt.

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, 1968, an der Türe ihrer ehemaligen Schule, dem Ursulinengymnasium (Oberschule für Mädchen), an der sie 1944 maturierte

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Die in Klagenfurt geborene Schriftstellerin und Büchnerpreisträgerin nimmt in ihren Werken immer wieder auf konkrete Topographien ihrer Kindheit/Jugend Bezug („Jugend in einer österreichischen Stadt“ 1961; „Malina“ 1971) und bearbeitet diese literarisch.

„Alles Wesentliche im Leben einer Schriftstellerin passiert in der Kindheit“ Malina

Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin 

Fotos: Ingeborg Bachmann_ Familienarchiv Bachmann.

Fotos: Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _
performing „Jugend in einer österreichischen Stadt“ Ingeborg Bachmann, 1961 _
Originalschauplatz Klagenfurt _

Walter Pobaschnig 4/26

Walter Pobaschnig 29.4.2026

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„Panik, Schock und Überlebenseuophorie“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ John von Düffel, Schriftsteller _ Berlin 10.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview_ John von Düffel, Schriftsteller, Dramaturg _ Berlin

Bachmannpreisnominierter 1998

Gewinner des Ernst-Willner-Preises

Lieber John, Du hast 1998 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Das Schwimmen im Wörthersee und das Schwimmen im Wörtersee.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Der Live-Charakter von Lesen und Jurydiskussion bei gleichzeitiger Öffentlichkeit durch die Kamera. So aufgeregt ist man bei einem Text selten, noch dazu weil er unveröffentlicht ist und zum ersten Mal gelesen wird.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

In einer Mischung von Panik, Schock und Überlebenseuophorie.

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deine literarische Öffentlichkeit wie Deinen weiteren persönlichen literarischen Weg, Deinen Schreibstil, ausgewirkt?

Für meinen Debütroman „Vom Wasser“ war der Ernst-Willner-Preis eine erste Auszeichnung, die dem Buch den weiteren Weg geebnet hat. Damit war er in der Welt.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Gute Texte, einlassende Autor*innen und einen langen medialen Atem in einer immer schnelllebigeren Medienwelt mit immer kürzeren Aufmerksamkeitsspannen.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Geht’s schwimmen, nicht baden!

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

John von Düffel, Schriftsteller, Dramaturg

Zur Person: John von Düffel, geboren 1966 in Göttingen, aufgewachsen in u.a. Londonderry, Irland, Vermillion South-Dakota (USA) und Oldenburg i. O/Niedersachsen

Studium der Philosophie und Volkswirtschaft in Stirling/Schottland und Freiburg im Breisgau. Promotion 1989 über Erkenntnistheorie 

Journalistische Tätigkeit als Theater- und Filmkritiker

2025 Intendant ETA Hoffmann Theater Bamberg

2009 – 2024 Dramaturg am Deutschen Theater Berlin

2000 – 2009 Schauspieldramaturg am Thalia Theater Hamburg

Seit 1991 Dramaturg und Autor an verschiedenen Theatern in Stendal, Oldenburg, Basel und Bonn

Lehrtätigkeit

Professur für Szenisches Schreiben UdK Berlin seit 2009

Poetik-Professur an der Georg-August-Universität Göttingen 2010

Poetik-Professur an der Universität Duisburg-Essen 2010

Verleihung der Honorarprofessur der Universität Hildesheim aufgrund besonderer Leistungen auf dem Gebiet der Dramaturgie 2008

Poetik-Professur an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg 2008

Stiftungsprofessur am Institut Medien & Theater an der Universität Hildesheim 2007, 

Leitung der Master Class des ITI Suisse in 2004 und 2006

Seit 2003 Leiter des Dramatiker-Workshops des Berliner Theatertreffen

Professur für Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin 2002

Gastprofessur für Szenisches Schreiben am Literaturinstitut Leipzig 2000

John von Düffel

Bachmannpreis _ Publikum/ORF Studio

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Bachmannpreis 2015 Klagenfurt

Foto: John von Düffel _ privat

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Studio _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 8.6.26

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„und am Abend im Hotelzimmer weinte ich“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Martin Amanshauser, Schriftsteller _ Wien 10.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Martin Amanshauser _ Bachmannpreisnominierter 2000

Im Interview _ Martin Amanshauser, Schriftsteller _ Wien

Bachmannpreisnominierter 2000

Lieber Martin, Du hast 2000 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

ich bin froh, beim bachmannpreis dabeigewesen zu sein. nach über 25 jahren erinnert man sich nur mehr punktuell. der bürgermeisterempfang war gut, ich beziehe mich auf die brötchen-qualität, denn wer bürgermeister war, hab ich vergessen. ich war auch gerne am see, am liebsten bei maria loretto. ich glaube, es war damals fußball-em, und ich litt sehr, als ein burgenländischer schiedsrichter einen vermutlich eh korrekten hands-elfer für frankreich gegen portugal gab. es war ein streitfall. damals fand ich ihn unkorrekt. fußball und literatur vernebeln einem derart das gehirn, oft urteilt man sehr biased. ich erinnere mich auch, dass ich vor meiner lesung extrem optimistisch war. ich zog ein grün-gelbes oberteil an, das ich mich recht beengte. ich wirkte vielleicht etwas blader, als ich war, aber da ich nicht besonders blad war, ging es eh. ich fand, ich sah gut drin aus. ich mochte die farben. das dress war mir wichtig.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

die unmittelbarkeit, die brutalität der kritik, der direkte austausch mit dem publikum und die live-übertragung. vor 25 jahren hatte das tv noch einen viel höheren stellenwert, ich fand es atemberaubend, dass menschen einen text, den ich geschrieben habe und vorlese, irgendwo, überall im deutschsprachigen raum, live ansehen können. ich mochte auch die sommerliche atmosphäre. klagenfurt ist meine österreichische zweitlieblingsstadt. ich komme aus salzburg, wo ja auch, zumindest architektonisch, eine italienische stimmung herrscht. klagenfurt dagegen hat weniger barock-architektur, aber trotzdem einen viel südlicheren flair. ich mochte und mag auch immer die kärntnerische sprachmelodie. in diesem ambiente bachmann entfaltet sich so eine art wandertag, ein sommerausflug der literatur-branche. für mich war bachmann eine sympathische veranstaltung.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

die lesung war großartig. ich hatte, trotz der anspannung, vorher noch nie so souverän und so gut einen eigenen text vorgetragen. die lesung selbst fand ich wirklich beglückend, ich spürte, wie die zuschauer mit jedem satz mitgingen, mitzitterten, es war eine dieser lesungen, wo du das publikum direkt erreichst und den respons fühlst als welle von energie. ich erinnere mich, dass viele schüler/innen dort im publikum saßen, und dass ich mich nie verlas. als die lesung zu ende war und der applaus begann, hatte ich ausschließlich positive gefühle. sobald allerdings die jury zu debattieren begann, änderte sich das. meine geschichte hoieß „el examen“. sie war sehr linear erzählt, in der tradition der amerikanischen short story. es war wohl nicht der richtige text für klagenfurt, aber ich hatte ihn mir eingebildet. ich war davon ausgegangen, dass der handwerkliche aspekt bei der jurydiskussion im vordergrund stehen würde. das tat er nicht. ich dachte, sie müssten sagen, wie gut das geschrieben sei. ich merkte, darum ging es denen gar nicht so. selbstredend litt ich, als kritik geäußert wurde und ich – wie man mir vorher ja geraten hatte – mich dabei nicht gegenäußern konnte, sondern dem zuhören musste wie der ochs vor dem berg, falls man das so sagt. vor jedem der jurymitglieder stand ein wasserglas, nur ich hatte als einziger keines. das machte mich wütend. als eine kritikerin etwas negatives sagte, stand ich auf, ging langsam und drohend auf sie zu und schnappte mir mit grimmigem gesicht ihr wasser. im saal gab es einige lacher deswegen, aber man sagte mir später, im tv sei das nur am rande sichtbar gewesen. eine einzige juryfrau war voll auf meiner seite, das spürte ich, sie kam wenig zu wort, das tat mir leid. sie gehörte nicht zu den alpha-tieren der jury. sie kam dann auch am nächsten tag auf mich zu und entschuldigte sich, weil ihr mein text ur gut gefallen habe, sie mich aber in der diskussion nicht ausreichend unterstützt haben können. ich fand das echt nett von ihr. das problem war, dass bei den meisten autorinnen ca. 25 minuten diskussion stattfand, über meinen text (wohl durch einen werbeblock oder irgendwas anderen unfaires, tv-bedingtes, was da vorfiel) nur ca. 10-15 minuten gesprochen wurde. am ende war ich enttäuscht. ich trank an diesem tage viel alkohol, und am abend im hotelzimmer weinte ich.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

ich hätte das system immer schon gerne verändert: nachdem die jurymitglieder die texte vorher kennen, sprechen sie oft in auswendig gelernten und vorbereiteten sprachtools. in meiner idealen bachmann-veranstaltung würde nur jeweils das eine jurymitglied, das einen nominiert, den text kennen. die anderen würden ihn zum ersten mal hören und müssten spontan gescheite dinge zu texten sagen. damit würde man viel literatur-gelaber verhindern. ich weiß aber nicht, ob das überhaupt umsetzbar ist, denn auch jurymitglieder sind menschen bzw tratschonkel und -tanten, die würden sich die texte wohl gegenseitig schicken. die würden garantiert schummeln.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

ich wünsche dem bachmannpreis weitere 50 jahre, prosit! … der jury würd ich sagen, versucht bitte, noch mehr enetrtaining zu sein, sonst schalten die leute auf einen anderen sender. den teilnehmern würde ich sagen – fahrt hin mit möglichst großer bescheidenheit, es läuft in dieser welt alles mögliche anders als man denkt. ich war damals 29 oder so, vielleicht 31, jedenfalls war ich zu sehr von meiner eigenen großartigkeit und der großartigkeit meines texts überzeugt. ich dachte ja vorher, dass ich das ding gewinne, jedenfalls, wenn alles mit rechten dingen zugeht. es lief aber ganz anders, fast so wie bei dem elfmeter, den der burgenländische schiedrichter für frankreich gegen portugal gab. hätte ich den siegertext von damals vorher gehört, hätte ich ihm null chance gegeben, einen preis zu kriegen. „da sind zu viele platte adjektive drin“, hätte ich geurteilt, „ein solcher text kann niemals einen preis gewinnen. da liegt doch völlig offen, dass der autor nicht schreiben kann, dass er sich schwer tut, worte zu finden, dass er nur herumprotzt und nichts dahinter ist.“ naja, man irrt sich im leben manchmal.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Martin Amanshauser, Schriftsteller

Zu Person&Werk: Martin Amanshauser

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Martin Amanshauser _ privat.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/ORF Studio _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 26.5.26

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„Ich lese Bachmann heute ökofeministisch“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Seraina Kobler, Schriftstellerin _ Zürich 10.6.2026

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1973

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

im Interview _ Seraina Kobler, Schriftstellerin _ Zürich

Bachmannpreisnominierte 2026

Liebe Seraina, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ich bin ihr zuerst zu früh, von der anderen Seite ihres Werks begegnet. Und dann nochmals später, fast vom Anfang. Beim zweiten Anlauf hat es gefunkt. 

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Ihre unglaubliche Bildkraft, sie setzt Worte so zusammen, dass Bilder entstehen, die gleichzeitig wunderschön und verstörend, leichtfüssig und sehr präzise sind. Und ich frage mich dann, wie kommt man auf diese Kombinationen? Sie brechen das eigene Denken auf gute Art auseinander. Es gibt diese Szene in «Der gute Gott von Manhattan», an der U-Bahn-Station, einfach großartig. 

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Ihre Lyrik, natürlich, «Die gestundete Zeit», «Die Anrufung des grossen Bären», auch mochte ich ihre Beschreibungen etwa von der «Zürcher Seegfrörni» in den Briefen an Max Frisch sehr. Auch wenn ich mir nicht so sicher bin, ob sie goutiert hätte, dass sie einst so breit gelesen werden. 

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Was Bachmann beschreibt, ist für mich längst keine reine Geschlechterfrage mehr. Ich würde ihre Kritik heute ökofeministisch lesen: gemünzt auf eine Logik der Beherrschung, Ausbeutung und Verfügbarkeit, die sich sowohl gegen Menschen, aber eben auch in hohem Masse gegen die Natur richtet. Diese Denkweise begegnet uns in Beziehungen ebenso wie in Wirtschaft und Politik. Die Klimakrise und das Artensterben zeigen, dass es dabei um weit mehr geht als um gesellschaftliche Rollenbilder. 

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Vielleicht lieben wir nach Bachmann gerade nicht, indem wir ein so großes, widersprüchliches Feld an einer einzigen Aussage festmachen. Mich interessierten die Ambivalenzen. 

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Denke ich an meine Altersvorsorge: Ja. Ansonsten: Nein. 

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Mir gefällt sehr, wie Bachmann als Chronistin in ihren zahlreichen Briefwechseln, etwa mit Paul Celan oder Max Frisch, den Geist ihrer Zeit festhält. Immer wieder drückt dort auch etwas Vergnügtes durch, ein Humor, der die Schwere der Themen kontrastiert. 

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Wie gerne hätte ich ihr das heute so mediterrane Zürich gezeigt, das an manchen Ecken vor Italianità nur so strotzt, hatte sie doch auch sehr gelitten an der Stadt bisweilen. 

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Klagenfurt, danach habe ich alle Ferienpläne abgesagt. Und möchte einen Sommer haben, wie ein leeres Blatt Papier. Nach innen hören, vielleicht eine Zeit ohne Internet. Draussen im Zelt schlafen und mit den Kindern umherziehen. 

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten? (Besagte Szene aus Frage 2)


JAN 

Ich kann die Unterschrift nicht lesen. Kauend. Die Nüsse sind sehr gut, aber wir müssen trotzdem etwas Vernünftiges essen. Was ist vernünftig? 

JENNIFER

Italienisches und Chinesisches, Spanisches und Russisches. Die Artischocken schwimmen in Öl; es gibt bleichen Tee zu Schwalbennestern und Lauch zu den zarten Schlangen, und die Früchte aller Meere vor den Früchten aller Länder. 

JAN

Ich hätte Lust auf Heißluft, weil es so warm ist, und einen Raum mit etwas Dämmerung, auf Schneehühner und ein Getränk, das aus Grönland kommt, mit Eisschollen darin. Und ich möchte Sie ein paar Stunden lang ansehen, kühle Schultern, kühles Gesicht, kühle runde Augen. Glauben Sie, dass das möglich ist? 

Herzlichen Dank für das Interview!

Seraina Kobler, Schriftstellerin

Zur Person: Seraina Kobler, geboren 1982 in Locarno und aufgewachsen in Basel, arbeitete nach dem Studium der Linguistik und Kulturwissenschaften als Journalistin unter anderem bei der ›Neuen Zürcher Zeitung‹, bevor sie sich als Autorin selbständig machte. 2020 erschien ihr Romandebüt ›Regenschatten‹. Soeben ist ihr vierter Roman «Tal der Schwalben» bei Diogenes erschienen. Sie lebt und arbeitet mit ihrer Familie in Zürich.

Aktueller Roman:

Seraina Kobler, Tal der Schwalben. Roman. Diogenes Verlag.

„Die Schweiz in naher Zukunft: Die Städte sind zusammengewachsen zur alles beherrschenden »Metropolitane«, während die Alpen für die Stromversorgung zur Sperrzone erklärt wurden. Der junge Wissenschaftler Alesch kehrt in sein Heimatdorf Pradetta zurück, einen abgelegenen Ort im schwindenden Schatten eines Gletschers. Seltsame Wetterphänomene häufen sich am Berg, und schon bald ist Alesch hin- und hergerissen zwischen urwüchsiger Bergwelt und Hoffnung auf Fortschritt. Denn seine so revolutionäre wie gefährliche Forschung könnte die Antwort auf die Energiekrise bergen. Und dann ist da noch seine Jugendliebe Annetta …“

Hardcover Leinen, 352 Seiten

erschienen am 22. April 2026

ISBN 978-3-257-07377-5

€ (D) 25.00 / sFr 34.00* / € (A) 25.70

Foto: Seraina Kobler _ Franco Tettamanti

Foto: Ingeborg Bachmann _ Jung&Jung Verlag

Walter Pobaschnig, 8.6.2026

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„wie schnell eine Gemeinschaft literaturbegeisterter Menschen entsteht“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Leander Fischer, Schriftsteller _ Wien 9.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Leander Fischer, Bachmannpreisnominierter 2019 (dritter von links)

Im Interview _ Leander Fischer, Schriftsteller _ Wien

Bachmannpreisnominierter 2019

Deutschlandfunkpreis

Leander Fischer, Schriftsteller _
Station bei Malina _ Romanschauplatz Wien _
Walter Pobaschnig 5/19, folgende

Lieber Leander, Du hast 2019 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Ich erinnere mich daran, mit Freunden, Familie und neuen Bekanntschaften im Garten des Landesstudios zu schwitzen, bei heißem Wetter den anderen Lesenden zuzuschauen und zuzuhören, natürlich auch der Jury, und mich regelmäßig mit Sonnenmilch einzucremen.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Als besonders habe ich auch in den Jahren, in denen ich den Bachmannpreis von zu Hause aus verfolgt habe, empfunden, dass man Autorinnen und Autoren entdecken kann, wie groß das Spektrum heutzutage geschriebener Prosa ist, und wie unterschiedlich auf Literatur geblickt wird. Live dabei zu sein war nochmal anders, da ich erleben durfte, wie schnell während des Bewerbs eine Gemeinschaft literaturbegeisterter Menschen entsteht.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Ich war sehr konzentriert, erst auf die Buchstaben des Textes vor mir und ihre Artikulation, dann auf die Stimmen der Jury und ihre Einschätzungen. Folglich habe ich von meinem Auftritt gar nicht so viel mitgekriegt.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Ich würde mir wenn überhaupt etwas dann ein anderes Jurymodell wünschen, das weniger über bleiben und ausscheiden und mehr über einen Pool einander jährlich oder zweijährig abwechselnder Kritikerinnen und Kritiker funktioniert in etwa nach dem Modell des Schweizer Literaturclubs. Das würde die Kombinationsmöglichkeiten unterschiedlicher Stimmen mit unterschiedlichen Blickwinkeln vervielfachen.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Wenig Blutdurst, viel Neugier

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Leander Fischer, Schriftsteller _
Station bei Malina _ Romanschauplatz Wien _
Walter Pobaschnig 5/19,

Zur Person: Leander Fischer, geb. 1992 in Vöcklabruck / Österreich, absolvierte ein Studium des Kreativen Schreibens und des Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Er veröffentlichte mehrfach in Zeitschriften und war Mitherausgeber der Jahresanthologie der Studierenden des Studienganges Literarisches Schreiben an der Universität Hildesheim (2018). 2019 nahm er am Ingeborg-Bachmann-Preis teil und wurde dort mit dem Deutschlandfunk-Preis ausgezeichnet. 2020 gewann er für seinen Debütroman »Die Forelle« den Österreichischen Buchpreis für das beste Debüt.

Bücher: Wallstein Verlag Autoren: Leander Fischer

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Leander Fischer _ Leander Fischer, Schriftsteller _
Station bei Malina _ Romanschauplatz Wien _

Walter Pobaschnig 5/19.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis _  Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 3.6.26

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„Wahrheit, Humor und Spiel-Lust“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Kerstin Hensel, Schriftstellerin _ Berlin 9.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Kerstin Hensel, Schriftstellerin _ Bachmannpreisnominierte 1989  _
damals aus Berlin-Ost/DDR

Im Interview  _ Kerstin Hensel, Schriftstellerin _ Berlin

Liebe Kerstin, Du hast 1989 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Ich war im Juni 1989 nach Klagenfurt geladen. Es war meine erste Reise ins „kapitalistische Ausland“, die mir von DDR-Seiten aus gestattet wurde. Keine drei Monate später sollte die Mauer fallen. Dass diese Reise ins Ingeborg-Bachmann-Land ging, war ein Glück für mich und nicht unwichtiger als der Preis-Wettbewerb selbst.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Für mich: das Neue, das Andere. Der über allem schwebende „Geist“ der verehrten Namensgeberin. Die Stadt. Die Landschaft. Menschen, die ich dort getroffen habe, mit denen ich heute noch befreundet bin. Widersprüche, die sich als produktiv erwiesen. Kluge Geselligkeit. Landübergreifendes. Das war, wie gesagt, vor 37 Jahren.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Das Los hat bestimmt, dass ich nach einer zechseligen Nacht früh morgens als erste an den Start musste. Ein Jurymitglied schlief in der ersten Reihe vor mir. Nach seinem Erwachen hatte es eine bewundernswert feste Meinung über das Nicht-Wahrgenommene. Unter dem ausgeschlafenen Publikum erinnere ich die Diskussion als lebhaft und mir zugewandt. Da mein Charakter nicht auf wetteifernde Konkurrenzveranstaltungen ausgerichtet ist, konnte ich alles weitere als spannendes Schauspiel genießen.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Anhaltende Liebe zur Literatur. Kenntnisse, die nicht vom Zeitgeist korrigiert werden. Humor. Spiel-Lust. Marktunabhängige Maßstäbe. Mut zur poetischen Wahrheit. Licht in verdunkelten Zeiten.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Den Teilnehmern: „Fürchtet euch oder fürchtet euch nicht!“

Dem Publikum: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar!

Der Jury: „Seht zu, daß ihr wachbleibt!“

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Kerstin Hensel, Schriftstellerin

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Kerstin Hensel _ Renate von Mangoldt

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Lesestuhl ORF Studio _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 26.5.26

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„Aufregende Texte und eine aufregende Jury“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Julia Schoch, Schriftstellerin _ Potsdam 9.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Julia Schoch, Schriftstellerin _ Potsdam

Bachmannpreisnominierte 2005

Gewinnerin des Preises der Jury

Liebe Julia Schoch, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt, dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen und was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die Mehrtägigkeit. Die Urlaubsstimmung. Das südliche Flair des Ortes (von Berlin aus gesehen). Das gemütliche Ambiente des Studios mit Garten. Die angenehmen Seiten der Provinz. Die Heiligkeit der Literatur und die Heiterkeit des Drumherums.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Als eine große Anspannung davor und eine ebenso große Erleichterung danach.

Wie hat sich Dein Preisgewinn für Dein weiteres Schreiben ausgewirkt?

Das Geld hat mich beruhigt.

Was braucht der Bachmannpreis an Weiterentwicklung für eine gute Zukunft?

Aufregende Texte und eine aufregende Jury.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Einfach machen. Auf die kommenden 50 Jahre!

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Julia Schoch wurde in Bad Saarow geboren und wuchs in Mecklenburg auf. Von 1992 – 98 studierte sie Romanistik und Germanistik in Potsdam, Paris und Bukarest. Sie lebt seit 2003 als Schriftstellerin und Übersetzerin in Potsdam und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb und den André-Gide-Preis. Zuletzt erschien ihr Roman Das Liebespaar des Jahrhunderts als zweiter Teil ihrer Biographie einer Frau bei dtv.

Leben / Julia Schoch

Bachmannpreis, Jury 2025, Vorsitzender Klaus Kastberger

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Humbert Fink, Autor, Journalist

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt/Lendkanal

Foto: Humbert Fink _ privat

Foto: Julia Schoch _ Jürgen Bauer

Motive: Bachmannpreis/Jurydiskussion/Klagenfurt-Lendkanal _ Walter Pobaschnig.

Walter Pobaschnig, 8.6.26

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„Ich bin dankbar, dass ich dabeisein durfte“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Angelika Overath, Schriftstellerin _ Sent/CH 9.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Angelika Overath, Bachmannpreisnominierte 2006

Im Interview _  Angelika Overath, Schriftstellerin _ Sent/CH

Bachmannpreisnominierte 2006 _ Gewinnerin des Ernst Willner Preises

Liebe Angelika, Du hast 2006 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Es war wunderbar. Wir hatten mit Freunden ein kleines Häuschen direkt am See gemietet und uns dort etwas eingestimmt. Mein damals 6-jähriger Sohn Matthias lernte mit meinem Lektor Thorsten Ahrend schwimmen. Zu den Lesetagen bin ich dann, wie die anderen Autoren, ins gemeinsame Hotel.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Ja, für mich schon auch der See! Ich weiß noch, wie ich mit meiner Agentin Karin Graf in Maria Loretto saß und sie mir ihren Badeanzug über den Tisch geschoben hat, damit auch ich schnell ins Wasser springen könne.

Ich finde die Atmosphäre in Klagenfurt schön. Schreiben ist ein einsames Geschäft, ich bin sehr gerne mit anderen Autoren zusammen. Auch wenn wir verschieden sind, verbindet uns doch das Lesen, das Schreiben. Unser gemeinsames Gegenüber ist die Sprache. Das verbindet. Und die Gastlichkeit Klagenfurts ist vermutlich einmalig.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Ich war aufgeregt, natürlich. Dann fand ich die Jurydiskussion gut. Ich meine, ich war schon damals selbst Kritikerin, ich kenne dieses Geschäft.

Wie hat sich Dein Preisgewinn für Dein weiteres Schreiben ausgewirkt?

Das kann ich nicht sagen. Vermutlich hat mir Klagenfurt etwas Aufmerksamkeit gebracht. Ich habe nach Klagenfurt, trotz meines wunderbaren Lektors Thorsten Ahrend, den Verlag gewechselt, aber das war mir vorher schon klar.

Was braucht der Bachmannpreis an Weiterentwicklung für eine gute Zukunft?

Eigenständige Juroren, die sich für eine breite Palette von Literatur interessieren, und ein Publikum, das mit Freude dabei ist.  

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Ich wünsche dem Bachmannpreis weitere 50 Jahre! Ich bin dankbar, dass ich dabeisein durfte.

Klagenfurt ist ein Gesellschaftsspiel! Wer nicht verlieren kann, sollte nicht mitmachen. Und, so oder so, darf man Literaturwettbewerbe nicht zu ernst nehmen. Auch Erfolg und Misserfolg sind nicht unbedingt Indikatoren für gute oder schlechte Literatur. Goethes Schwager Christian August Vulpius war mit seinem Räuberroman „Rinaldo Rinaldini“ viel erfolgreicher als Goethe. Und die literarischen Stars dieser Zeit waren August von Kotzebue und August Wilhelm Iffland.

Wer schreiben muss, wird schreiben. Und wer nicht schreiben muss, könnte es auch sein lassen.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Angelika Overath, Schriftstellerin

Zur Person: Angelika Overath (Autorin, Herausgeberin, Übersetzerin) – Bücher (penguinrandomhouse.de)

www.schreibschule-sent.ch

Aktueller Roman: „Calanda oder Alvas Antwort“ Roman. Angelika Overath, Luchterhand 2026.

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

ORF Studio Klagenfurt
Empfang der Stadt Klagenfurt/Schloss Loretto/Wörthersee

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Angelika Overath _ Franziska Barta

Fotos: Bachmannpreis/ORF Studio/Empfang Schloss Loretto/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 1.6.2026

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„ein Sprung ins kalte Wasser des Literaturbetriebs“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Sabine Scholl, Schriftstellerin _ Berlin 9.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur

Im Interview _  Sabine Scholl, Schriftstellerin, Wissenschaftlerin _ Berlin

Bachmannpreisnominierte 1992 _ Bachmannpreisjurorin 1996

Sabine Scholl, Schriftstellerin, Wissenschaftlerin

Liebe Sabine, Du warst 1996 Jurorin beim Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Eine falsche Zahnarztentscheidung. Unbedingt sollte ein Backenzahn gezogen werden, obwohl der sich massiv wehrte. Meine Wange war danach extrem geschwollen, ich musste Antibiotika nehmen, die ich nicht vertrug. Mit diesen Voraussetzungen und viel Stress, ob ich nicht vor Kamera zusammenklappen würde, fuhr ich nach Klagenfurt und war die ganzen Tage schwer beeinträchtigt vom Verlust des Backenzahns. Folgewirkungen bis heute.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Aus Perspektive der Lesenden das Live Vortragen und Beurteiltwerden, sowie das zum Schweigen Angehaltenwerden und Dasitzenmüssen. Aus der Perspektive der Jury: Damals erhielten wir die Texte nicht vorab, wir mussten also spontan Kriterien ausfindig machen, nach denen wir über die Texte sprachen. Das war sehr viel schwieriger und anfälliger für Fehlurteile, da ein Text auch in die Zeit wirkt, also nach dem Lesen noch ein Verarbeitungsprozess stattfindet. Seit jedes Jurymitglied jeden Text vorab erhält, sind die Diskussionen auch profunder geworden, weniger ungerecht und subjektiv.

Wie hast Du als Juror/Jurorin die Lesungen, die Jurydiskussionen, die Preisverleihungen und die Begegnungen rundum erlebt?

Aufgrund der oben geschilderten gesundheitlichen Anstrengungen sehr ermüdend.

Wie gelingt es als Jurorin Objektivität zu bewahren?

Genaue Vorablektüre, siehe oben, hilft.

Wie hat sich diese Funktion auf Deinen weiteren beruflichen Weg ausgewirkt?

Null. Ich bin kurz darauf nach Chicago gegangen, um dort an der Universität zu unterrichten. In Klagenfurt konnte ich keine nennenswerte Verbindungen aufbauen, die mir in irgendeiner Weise weitergeholfen hätten. Es war sozusagen wie ein Sprung ins kalte Wasser des Literaturbetriebs, Schock und Rückzug. Österreich blieb ich danach bis 2019 fern…

Was braucht der Bachmannpreis für eine zukünftige gute Entwicklung?

Geld.

Was möchtest Du aktuellen Juroren:innen, Teilnehmer:innen und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Keep up. Der Wettbewerb ist nur eine Station im Leben des Schreibenden. Da kann noch viel nachkommen. Für Juror:innen gilt das gleiche. Wie gesagt, ich habe danach meine Arbeit als Lehrende an diversen Universitäten fortgesetzt, aber meist im Ausland, schreibe weiter Romane, Rezensionen, Essays.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Humbert Fink, Autors und Journalist

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Sabine Scholl _ privat.

Foto: Humbert Fink _ privat

Fotos: Bachmannpreis _ Studio/Jury/Wörthersee/Rathaus Klagenfurt _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 7.6.2026

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„Hurra! Ich hab was gewonnen!“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Markus Orths, Schriftsteller _ Karlsruhe 9.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Markus Orths, Schriftsteller

Bachmannpreisnominierter 2008

Gewinner des Telekom-Austria Preises

Lieber Markus, Du hast 2008 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Hurra! Ich hab was gewonnen!

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Es ist eine Möglichkeit gerade für unbekannte Autor:innen, Aufmerksamkeit zu erlangen; begleitet von einem großen Risiko des „öffentlichen Scheiterns“.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Überraschend gut! Aber es ging alles sehr schnell.

Wie hat sich Dein Preisgewinn für Dein weiteres Schreiben ausgewirkt?

Das Schreiben an sich hat sich nicht geändert. Die Wahrnehmung vor allem im Ausland damals aber schon. Durch Bachmann goes Europe wurde das Buch Das Zimmermädchen in zehn Sprachen übersetzt.

Was braucht der Bachmannpreis an Weiterentwicklung für eine gute Zukunft?

Menschlichkeit, und eine Kritik, die nicht urteilt, sondern Texte begleitet, in Frage stellt, Möglichkeiten und Lesarten aufzeigt.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Mehr Existenzphilosophie: Dass hier Menschen miteinander Literatur und Kunst feiern und sich inspirieren und begegnen. Menschen sind lebendige Existenzen, denen es in ihrem Sein um ihr Sein geht. Menschen sind von Erfahrungen und Stimmungen geprägt, bringen sich selber zum Ausdruck und gelangen mit anderen Menschen und anderen Kunstschaffenden in einen kreativen und existenziellen Austausch. Das bedeutet: Kunst und Kultur ist eine wesentliche, äußerst wichtige Form menschlicher Weltwahrnehmung. Um dies zu bewahren und zu schützen, muss der gerade rasant um sich greifenden Vereinnahmung, Korruption, Verdinglichung und Technisierung der Kunst durch die sogenannte Künstliche Intelligenz mit aller Entschiedenheit etwas entgegensetzt werden: das Kunstwerk als prozesshafter Ausdruck eines gewachsenen Menschen und zugleich als Aufschlag zu einer tief reichenden existenziellen Kommunikation untereinander.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Markus Orths, Schriftsteller

Zur Person: Markus Orths wurde 1969 in Viersen geboren, studierte Philosophie, Romanistik und Anglistik und lebt in Karlsruhe.

Bislang erschienen sechzehn Romane und Erzählbände, unter anderem LehrerzimmerDas ZimmermädchenAlpha & Omega, MaxPicknick im Dunkeln und Mary & Claire. Im Februar 2026 erschien Die Enthusiasten im Galiani Verlag. 

Einige seiner Bücher wurden in insgesamt neunzehn Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Stipendium des Deutschen Literaturfonds. Orths hielt Poetikvorlesungen in Paderborn und Bamberg.

Das Stück Femme de Chambre gewann den Prix Théâtre 13. In Baden-Baden wurde Die Entfernung der Amygdala uraufgeführt. Das Zimmermädchen Lynn kam 2015 in die Kinos. WDR, NDR, SWR und HR produzierten acht Hörspiele.

Inspiriert durch seine eigenen Kinder entstanden zuletzt auch Kinderbücher. 2026 erscheint der fünfte Band der Crazy-Family-Reihe: Crazy Family – Die Hackebarts rocken die Schule! Das Kinderbuch Opa fliegt wurde vom Komponisten Michael Langemann vertont und im Juni 2024 in der Berliner Philharmonie uraufgeführt.

Markus Orths – Autor – Kurzbiographie

Markus Orths – Autor

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt/Schubertpark

Foto: Markus Orths _ Olaf Kutzmutz

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Studio/Klagenfurt _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 8.6.26

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