„Ich, Chave M., bisherige Angestellte bei…, langjährige Expertin der Temporary Eternal Collection, reiche hiermit meine Kündigung und den versprochenen Bericht ein…“
Und jetzt beginnt der Bericht, eine Reise der Erinnerung über den Menschen in allen Gefühls-, Wahrnehmungswelten…eine Reise, die nach Kosmo, ein griechisches Felsendorf führte…
„Und doch erinnere ich mein Ich in dieser Zeit als eine entgrenzend entgrenzte Existenz in Askese, eine zügellose Versuchsanordnung der Abgeschiedenheit…“
Ein Blick in das Innere, eine Erfahrung des Inneren im Weg, Sturm der Zeit…
„Ich glaubte mich bereit, zugrunde zu gehen, kroch ins Bett und wartete darauf, dass etwas geschehen möge, dass nichts mehr geschehen möge…“
Isabella Breier ist eine der innovativsten und außergewöhnlichsten literarischen Stimmen der Gegenwart. Die in Wien lebende, vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin, legt mit „Kosmo“ einen Roman vor, der in Raffinesse und Spannung thrillergleich von den ersten Sätzen an mitnimmt und nicht loslässt. Es ist ein Eintauchen in Existenz-, Zeit-, Bedeutungsebenen von Mensch und Gesellschaft in großartiger Sprachwelt und Textkonstruktion, die wie Wasser und Wind umgeben, einem fliegenden Teppich gleich tragen und in facettenreichen Stationen von Erfahrung, Wagnis, Selbsterkenntnis und Überraschung ankommen lässt. Eine geniale literarische Reise zum Wunder und Geheimnis Mensch, Welt, Sinn!
Rom war nach ihrem Aufbruch aus Wien 1953 und verschiedenen kürzeren Arbeits- und Lebensstationen der Lebensmittelpunkt der 1926 in Klagenfurt geborenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann. In zahlreichen Texten nimmt sie darauf Bezug. „Da fiel mir Leben zu“, schreibt sie im Gedicht „Das erstgeborene Land“. Freunde berichten von Lebenslust und zahlreichen Unternehmungen in der glitzernden ewigen Stadt.
Am 17.Oktober 1973 stirbt Ingeborg Bachmann an den schweren Verletzungen eines Brandunfalles in ihrer Wohnung in der Via Giulia. Sie ist in Klagenfurt/Friedhof Annabichl beigesetzt.
Felix Kucher, Schriftsteller _ vor den Rosenhügel Filmstudios Wien _ Bezugspunkt zu seinem aktuellen Roman „Von Stufe zu Stufe“, Picus Verlag 2025 _
Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in der Bocca de Leone, Rom um 1970
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Im Interview _ Anna Friedwagner – Celenca, Schriftstellerin
Liebe Anna, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Mich zum Beispiel, berührt die Stimme Ingeborg Bachmanns auf eine ganz besondere Art und Weise. Dies zu benennen, dieses subtile Gefühl, welches das Vortragen ihrer Werke, ihr Klang der Sprache, in meinem Herzen auslöst, lässt sich für mich am Besten so beschreiben: Die „Tiefe“ jedes Einzelnen ihrer gesprochenen Worte klingt lange in mir nach, beschäftigt mich zutiefst, macht mich sehr nachdenklich und lässt mich gleichzeitig ganz still werden. Es ist ihre Seele, die mich berührt, der Ausdruck in ihren Gedichten, so leicht und frei, ohne Anstrengung, aber dennoch selbstverständlich ihr begnadetes Können, ihre Klugheit, ihr gesamtes Charisma.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Die Intensität ihrer Sprache, Ihr Auflehnen gegen jegliche Form der Gewalt und Unterdrückung. Die Fragen nach dem „wer bin ich“, was bedeutet das Leben als Solches, was ist die Liebe in ihrer Ganzheit und in ihrer Zerrissenheit. Eine unerschöpfliche Thematik, damals und gerade auch jetzt
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Ganz besonders tief berühren mich ihre Gedichte, denen ich zum Glück schon in meiner Kindheit begegnen durfte.
So viele einzelne Passagen daraus. Ihre Botschaften machen mich immer wieder aufs Neue atemlos und aus tiefstem Herzen dankbar, beinahe fassungslos, ob deren Kraft, Mut und Stärke. Dankbar, ihren Spirit darin fühlen zu dürfen, der ganz lange in mir weiterwirkt, ich wage vorsichtig zu sagen, mich „verbindet“, von Seele zu Seele, von Mensch zu Mensch, von Frau zu Frau.
Besonders hervorheben darf ich an dieser Stelle:
Nebelland
An die Sonne
„Ich“
Die gestundete Zeit
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Ich denke schon etliche Zeit über einen Satz nach:
„ich schreibe niemals gegen Männer, ich schreibe gegen eine Gewalt, die Nähe schwächt und Zärtlichkeit ins Lächerliche zieht. „
Ein Credo welches niemals enden darf. Ein Ruf gegen die Brutalitäten der Welt.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Auf jeden Fall, zumindest für mich ganz persönlich. Schreiben darf und kann einem selbst weh tun. Einmal noch, und noch einmal, und nocheinmal. Vielleicht auch , oder gerade deshalb, um das Leben manchesmal zu ertragen.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Das ist eine unglaublich wundervolle und bedeutsame Frage für mich, dessen Beantwortung in mir ein zutiefst starkes Gefühl von Ehrfurcht hervorbringt. Oder vielleicht zeigt mir diese Frage am Ende meine eigenen, tiefsten Wunden auf?
Nun, vielleicht würde ich sie fragen, ob Schreiben Erlösung sein kann, für einen selbst, mag sein auch für so manch Andere?
Vielleicht würde ich sie auch fragen, wie sehr das Brennen in der Brust lodern kann, um aufzuschreiben, was so traurig macht und ernst?Vielleicht wäre ihre Antwort auch nur ein Nicken, ein leiser Blick, ein Verstehen, das gar keiner Worte bedarf.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Meine Pläne wären, endlich meine losen, unzähligen Seiten und Gedanken zu binden (zumindest in meinem Herzen)
Ein Spaziergang. Der Garten. Die Wiese. Der Wald. Der See – und rundum das Wunder Natur. Ein Genuss der Sinne. Kraftquelle zu allen Jahreszeiten. Und gerade jetzt im kommenden Frühling.
Doch welche Kräuter, Beeren, Pilze, welches blühende Naturleben ist nicht nur ein visueller Genuss sondern auch in der Küche eine Gaumenfreude mit wohltuender Wirkung auf Leib und Seele? Da ist Vorfreude wie auch Kompetenz und genaue Kenntnis geboten.
Ein wunderbarer Leitfaden auf allen Kräuter/Beeren/Pilzwegen liegt nun in einer kompakten Taschenbuchausgabe des renommierten Ulmer Verlag vor. Und dieser ist ebenso ein Sinnesgenuss, der in einer großartigen visuellen und informativen Aufbereitung die Wunder der Natur beschreibt, erklärt und zum Sammeln, Genießen perfekt anleitet.
In vier großen Überblickskapitel Wildkräuter/Heilkräuter/Beeren/Pilze erläutern die Diplom-Biologin sowie Naturpädagogin Christine Schneider wie die langjährigen Kräuter- und Pilzprofis Rudi Beiser & Maurice Gliem in sehr ansprechender, kurzgefasster wie kompetenter Weise den Genussraum Natur.
„Eine kompetente wie visuell wunderbar gestaltete Anleitung zum genussvollen wie sicheren Kräuter-, Beeren-, Pilzesammeln und -aufbereiten“
„Wild- und Heilkräuter, Beeren und Pilze finden“ Der Blitzkurs für Einsteiger _ Christine Schneider, Rudi Beiser, Maurice Gliem _ Ulmer Verlag.
Matea Novak, Schauspielerin _ Wien _ acting Romy Schneider _ Romy Schneider, Schauspielerin * 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris _ Fotos _Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien_ Vater/Großmutter von Romy Schneider _ Walter Pobaschnig 1/2024
Station bei Romy Schneider
Text & Performance am Originalschauplatz
Text _ Katrin Arnast, Schriftstellerin _ Nürnberg
Performance _ Matea Novak, Schauspielerin _ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Matea Novak, Schauspielerin _ Wien _ acting Romy Schneider _ Romy Schneider, Schauspielerin * 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris _ Fotos _Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien_ Vater/Großmutter von Romy Schneider _ Walter Pobaschnig 1/2024
Matea Novak, Schauspielerin _ Wien _ acting Romy Schneider _ Romy Schneider, Schauspielerin * 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris _ Fotos _Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien_ Vater/Großmutter von Romy Schneider _ Walter Pobaschnig 1/2024
ROMY SCHNEIDER
Rastlose
obsessiv Suchende, Orientierungslose
mal verletzlich, mal Fordernde
Yves Montand
Schutz Suchende, Sissi –Brei Abschüttelnde
Chauvis Verfallene
hinreißend Charmante
Nähe Suchende
ehrgeizig Getriebene
Ikone des Films
distanzlos Verführende
emotional einsam Gebliebene
Ruhm Gebrochene
Katrin Arnast, 28.3.2026
Matea Novak, Schauspielerin _ Wien _ acting Romy Schneider _ Romy Schneider, Schauspielerin * 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris _ Fotos _Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien_ Vater/Großmutter von Romy Schneider _ Walter Pobaschnig 1/2024
Matea Novak, Schauspielerin _ Wien _ acting Romy Schneider _ Romy Schneider, Schauspielerin * 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris _ Fotos _Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien_ Vater/Großmutter von Romy Schneider _ Walter Pobaschnig 1/2024
Katrin Arnast, Schriftstellerin _ Nürnberg
Station bei Romy Schneider
Text & Performance am Originalschauplatz
Text _ Katrin Arnast, Schriftstellerin _ Nürnberg
Performance _ Matea Novak, Schauspielerin _ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Fotos: Katrin Arnast _ privat.
Fotos: Matea Novak, Schauspielerin _ Wien _ acting Romy Schneider _ Romy Schneider, Schauspielerin * 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris _ Fotos _Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien_ Vater/Großmutter von Romy Schneider _ Walter Pobaschnig 1/2024
Station bei Malina_ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ Walter Pobaschnig 11/23, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz
MALINA _ Akrostichon
Text _ Jozej Strutz, Schriftsteller _ Klagenfurt/Celovec
Performance _ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Station bei Malina_ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ Walter Pobaschnig 11/23, folgende
MALINA
Malina ist der Alltag, Ivan das Café
Allein im Café der Träume
Lieber Ivan schreibt sie ihm ungelenk
Inzwischen habe ich ein Gedicht für dich erfunden
Nimm das Schachbrett mit
Allein mit Ivan
Josef Strutz, 9.3.26
Station bei Malina_ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ Walter Pobaschnig 11/23, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz
MALINA _ Akrostichon
Text _ Jozej Strutz, Schriftsteller _ Klagenfurt/Celovec
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Jozej Strutz, Schriftsteller
Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.
Foto: Jozej Strutz _ privat.
Fotos: Station bei Malina_ Zeynep Alan, Schauspielerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ Walter Pobaschnig 11/23.
Im Interview _ Patricia Brooks _ Schriftstellerin _ Wien
Liebe Patricia, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ich habe großen Respekt vor Bachmanns literarischem Werk, es ist ein Meilenstein in der weiblichen/feministischen österreichischen Nachkriegsliteratur.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ihre messerscharfe Analyse politischer und gesellschaftlicher Strukturen, ihre klare, präzise Sprache, in der immer ein Schmerz mitschwingt und eine Leidenschaft glüht.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Ich schätze ihr Gesamtwerk, auch wenn ich nicht zu allen Texten einen Zugang finde. Im Band „Das dreißigste Jahr“ hat mich zum Beispiel „Undine“ als erste feministische Interpretation dieses Sagenstoffes beeindruckt. Sehr schön finde ich auch die Tonaufnahmen, auf denen sie selbst ihre Gedichte liest.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Brandaktuell. Schauen wir uns die politische und gesellschaftliche Lage der Welt 2026 an, beantwortet sich die Frage von selbst: Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten, in Afrika, despotische Präsidenten, größenwahnsinnige Tech-Bros, weltweite Femizide, Gender-Pay-Gap, etc.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, , verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Das sehe ich für mich persönlich nicht so. Aber für manche Künstlerinnen und Künstler ist es vermutlich so. Ich denke, wie man mit den Schwierigkeiten im Schaffensprozess umgeht ist von Person zu Person verschieden und abhängig auch von Faktoren wie Lebenssituation, finanzieller Lage, etc.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Schön und wichtig, dass es ihr umfassendes Werk gibt.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich schreibe an einem neuen Roman.
Ich plane einen weiteren Lyrikband.
Ich bereite die Jubiläumsausgabe „Radio rosa 20“ vor – ein von mir vor 20 Jahren initiiertes Performance-Projekt – mit zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern, die in diesen Jahren an den verschiedenen Folgen teilgenommen haben.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Im Interview _ Jörn Birkholz, Schriftsteller, Musiker, Historiker
Lieber Jörn, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Mein Zugang zu Ingeborg Bachmann ist eigentlich ein ganz einfacher: Ich war von ihrer sprachlichen Präzision fasziniert. Sie zwingt einen beim Lesen, genauer hinzuhören – auf die Zwischentöne, auf das, was nicht gesagt wird, auf das Ausgesparte. Das überzeugt mich bis heute mehr als jede große Geste.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ihre Sprache ist reif, sehr verdichtet und radikal ehrlich – immer noch.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Zuerst kam ich mit ihren Erzählungen in Berührung, die ich damals für sehr gut befunden hatte. Kürzlich und mit einem Abstand von etwa fünfzehn Jahren habe ich mir nochmals einige ihrer Novellen („Das dreißigste Jahr“, „Undine geht“, „Alles“, „Drei Wege zum See“ usw. ) vorgenommen und ich stellte fest: keine dieser Geschichten hat mich enttäuscht, bzw. sie haben tatsächlich nichts an ihrer Klarheit und Wucht verloren.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Was ich an Bachmann immer überzeugend fand: Sie zeigt nicht nur die offensichtliche Unterdrückung, sondern diese leisen, inneren Mechanismen – wie Sprache, Rollenbilder oder Beziehungsdynamiken einen klein machen können. Und ehrlich gesagt: Ganz verschwunden ist das ja nicht. Natürlich hat sich seit den Sechzigern viel verändert. Aber ihre Texte wirken heute weniger wie Anklage, sondern eher wie eine frühe, ziemlich klarsichtige Analyse – und vielleicht als Erinnerung daran, wachsam zu bleiben.
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
Bei Bachmann ist Liebe nie nur romantisch, sondern immer auch riskant. Sie kann beglücken, aber eben auch zerstören (Malina).
Nach oder mit Bachmann zu lieben heißt: nicht blind an die große Erlösung zu glauben, sondern aufmerksam zu bleiben, sich nicht selbst zu verlieren – misstrauisch sein.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Persönlich gefragt: nein. Vielleicht liegt das daran, dass ich langsam in ein Alter komme, in dem ich mich – und das Schreiben – nicht mehr überhöhen möchte (falls ich das je ernsthaft getan habe, ich hoffe nicht).
Vieles kann schnell künstlich, aufgesetzt oder aufgeblasen wirken, wenn man nicht aufpasst. Ich hadere auch nach knapp zwanzig Jahren noch mit der Bezeichnung „Schriftsteller“ und nenne mich, wenn es denn sein muss, lieber Autor. Und manchmal frage ich mich durchaus, wer das alles eigentlich noch lesen soll. Das aufrichtige Interesse scheint kleiner zu werden. Vielleicht wird es irgendwann, nur noch eine kleine Elite sein, die sich den ohnehin nicht allzu großen Kuchen teilt. Das wäre womöglich auch nicht das Schlechteste.
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Neben ihrer existenziellen und gesellschaftskritischen Schärfe sagt mir zweierlei zu: Zum einen die Musikalität ihrer Sprache – selbst in der Prosa hört man den Rhythmus. Zum anderen die Radikalität der Innerlichkeit.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Wie war Ihr Spaziergang mit Gombrowicz 1964 durchs „fast menschenleere“ Berlin? Über was haben Sie sich ausgetauscht?
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Unsere neue Platte (DAS LECK – „Die Wirtschaftsweisen“) erscheint im Mai. Immer eine entspannte Ablenkung von der Schreiberei – wobei die Songtexte im Grunde ja auch zur Schreiberei zählen. Manche bekommen für sowas ja sogar Nobelpreise 😉
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
Kann mich schwer entscheiden, daher mal zwei, wenn es mir gestattet ist:
„Ich glaube an das Ungesagte zwischen zwei Menschen.“
„Wir schlafen nicht mehr ruhig. Es ist immer Krieg.“
Jetzt waren es sogar drei, und das letzte wird wohl immer aktuell bleiben.