50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Dominik Brun, Schriftsteller _ Engelberg/CHE
Bachmannpreisnominierter 1981
Lieber Dominik, Du hast 1981 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?
Dass eine grosse Delegation von Schweizer Autorinnen und Autoren nach Klagenfurt flog, fast so viele wie heute insgesamt aus dem ganzen deutschsprachigen Raum eingeladen werden.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Das Spontane und doch meist Hochstehende. Dass man in kurzer Zeit öffentlich erleben kann, wie vermutlich in Bibliotheken und Lesergruppen über ein Werk geurteilt und gesprochen wird.
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Fast in Trance und glücklich, dass mich der von vielen gefürchtete Marcel Reich-Ranicki (den ich als „Landei“ bisher noch kaum zur Kenntnis genommen hatte) nicht vom vermeintlichen Sockel gestoßen hat.
Wie hat sich Dein Preisgewinn für Dein weiteres Schreiben ausgewirkt?
Zweifellos fand ich durch diesen „ausländischen“ Preis leichter Zugang zu allem, was mit Literatur zu tun hatte.
Was braucht der Bachmannpreis an Weiterentwicklung für eine gute Zukunft?
Weiterhin eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Gegenwartsliteratur und keine Jurorinnen und Juroren, die sich selbst gerne reden hören, also sich hauptsächlich selber profilieren möchten.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Sich unverkrampft einem Publikum stellen und das auch als Chance sehen können. Auf viele weitere konstante Jahre in einer ständig sich verändernden Medienwelt.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Dominik Brun, geboren 1948, aufgewachsen in Entlebuch im Kanton Luzern.
Studium der Germanistik. 1977–2010 Lehrer an der Stiftsschule Engelberg. Zahlreiche Publikationen (Auswahl): Notlandung im Entlebuch (1982), Die Nacht, da mein Vater starb (2003), Gegenzüge (2012).
Für sein literarisches Werk erhielt er verschiedene Auszeichnungen, u.a. Literaturförderungspreis von Stadt und Kanton Luzern 1979, Werkhalbjahr Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr 2002, Stipendium des Kulturministeriums Rheinland-Pfalz 2010. Lebt in Engelberg.
dominikbrun.ch | Schriftsteller

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Dominik Brun _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Studio/Kärntner See _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 8.6.26

























































































