„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ (1961) und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse in Macht und Zerstörung. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Im Interview _ Josef Golderer, Schriftsteller _ Köln
Lieber Josef, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Meine erste Begegnung mit ihrer Poesie war in meiner Schulzeit – ganz klassisch mittels des Deutsch-Lesebuch. Da war ein Ton, der mich jungen Schüler sehr mitgenommen hat, ohne dass ich es damals in eigene Worte zu fassen vermochte – zu begreifen, was mich ergriff. Viele Jahre später denke ich, es war gut so. Die Wortlosigkeit gegenüber dem poetischen Wort darf sein, auch wenn das nicht in den Schulalltag passt. Das Gedicht ist mir noch immer als schwebende Erinnerung gegenwärtig. Jedenfalls hatte es mich so beeindruckt, dass ich einen Auszug daraus viel später in einem eigenen Romanentwurf übernommen habe. Ein Zitat daraus wird an späterer Stelle in diesem Interview noch folgen.
Hinzu kommt, dass ich Bachmanns Dichtung und dann biographische Informationen als junger Schüler fast genau zu der Zeit kennenlernte, als sie auf so tragische Weise ums Leben gekommen war. Schon aus dieser persönlichen Erfahrung heraus ist ihre poetische Sprache für mich mit einer in der Tiefenstruktur angelegten existentiellen Verlorenheit konnotiert, vielleicht so, wie es vielen mit der Musik von Mozart ergeht, die hinter den luftig schwebenden vordergründig so schönen Klängen den frühen Tod in der Struktur der Musik zu erahnen vermögen.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Das, was ich in jungen Jahren schon erahnen durfte, sollte sich bestätigen, als ich im späteren Leben einen breiteren und tieferen Zugang zu ihrem Werk fand. Ich fühlte mich angesprochen – von ihren Gedichten, von ihren Essays, ihrem erzählerischen Werk – in einer tief beunruhigenden und verstörenden Weise, Kafkas Axt im gefrorenen Meer. Ich lernte, ihre Sprache mit den Mitteln der Literaturwissenschaft zu untersuchen, die metrische Form ihrer Gedichte zu bestimmen, die Stilmittel ihrer Prosawerke mit dem Werkzeugkasten der Literaturwissenschaft zu analysieren – und fand: Nichts! Jedenfalls keine Antworten, die jenseits des formal technischen Aufbaus und der poetischen Struktur mir eine befriedigende Erklärung liefern konnte, was die manifeste Dunkelheit in der Tiefenstruktur hinter der sprachlichen Schönheit ausmacht. Es zeigt sich etwas zutiefst Unauflösbares: „Es gibt keine letzte Verlautbarung“, schreibt Bachmann in ihrer Untersuchung über „Das schreibende Ich“, und weiter, es gäbe über das „Ich keine Einigung – als sollte es keine Einigung geben über den Menschen, sondern immer nur neue Entwürfe. (…) Als wäre eine Fastnacht für das Ich veranstaltet, in der es bekennen und täuschen, sich verwandeln und preisgeben kann, dieses Ich, dieses Niemand und Jemand, in seinen Narrenkleidern. (…) Es gibt keine letzte Verlautbarung.“ Wenden wir dies auf ihr wohl bekanntestes Prosa-Werk an, den Roman Malina, so erweist sich das in literarischer Praxis in aller phänomenologischen Abgründigkeit des auktorialen weiblichen Ichs. Sehen wir sie, in Venedig, an Wien denkend: „“Ich allein bin eine dunkle Geschichte. Es ist nur der Motor zu hören, es ist schön auf dem See, ich stehe auf und halte mich am Fensterrahmen fest, am anderen Ufer sehe ich schon eine schäbige Lichterkette, verloren und übernächtig, und meine Haare wehen im Wind.“ Und dann aus dem off: „und kein Mensch außer ihr lebte, und sie hatte die Orientierung verloren“. Es steht immer etwas auf dem Spiel. Es steht alles auf dem Spiel.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Ich mag ihre frühen Gedichte, nicht nur, weil dort die erste Begegnung der Jugendzeit mitschwingt. Das, was Michael Maar an Bachmann als Erfindungsreichtum der Sprache rühmt, weniger eine Form von Neologismen als vielmehr eine oft verblüffende Übertragung von Worten, die phänotypisch in einen anderen, genuin unpoetischen Bereich gehören. Siehe etwa die „gestundete Zeit“- Stundung, ein Terminus, der in die Finanz- und Juristensprache gehört.
Von ihren Prosawerken sicherlich Malina – ein Brennpunkt ihrer Themen zu Fragen nach Identität, Ichzersplitterung, Gewalt in Beziehungen und Grenzen von Sprache, gerade weil sich nichts darüber hinaus Verweisendes finden lässt. Alles was das Ich ausmacht, ist seine Sprache. Dahinter ist nur die metaphysische Leere.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Immer geht es ihr auch um Machtverhältnisse in ihrem Schreiben. In ihrer Sprache, in den dort verhandelten Beziehungen und Selbstzuschreibungen, als Muster, dass sich bis heute vielleicht in ein wenig subtilerer Form aber offensichtlich erschreckend hartnäckig bewahrt hat, gegen alle Bewegungen, Aufklärungsansätze, die es in den letzten 50 Jahren gegeben hat. Insofern ist ihr Schreiben erschreckend aktuell. Beunruhigend wirken auch die Formen, deren sich die Autorin bedient um das Zerstörerische bis hin in die Psyche festzustellen, teils als eine furchtbare Form von Masochismus, die sich vielleicht als dunkler Ausweg erweist, wenn gegenüber der Ohnmacht des unerbittlichen Ausgeliefertsein an die Grausamkeit der Machtstrukturen nichts, aber auch gar nichts übrigbleibt. Michael Maar hat das ein wenig ratlos als eine subtil-schwarze Form von Humor katalogisiert, wenn die Erzählerin konstatiert: „Ich, zum Beispiel, war sehr unzufrieden, weil ich nie vergewaltigt worden bin. (…) Aber außer ein paar Betrunkenen, ein paar Lustmördern (…) hat kein normaler Mann mit normalen Trieben die naheliegende Idee, daß eine normale Frau ganz normal vergewaltigt werden möchte.“ Wie kann man die Zerstörung einer Seele durch den Überdruck patriarchaler Gewalt drastischer zum Ausdruck bringen?
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
„Innerhalb der Grenzen aber haben wir den Blick gerichtet auf das Vollkommene, das Unmögliche, Unerreichbare, sei es der Liebe, der Freiheit oder jeder reinen Größe“ – so heißt es der Preisrede der Dichterin von 1959 mit dem Titel „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“. Darin drückt sich explizit ihr erlebtes und geschriebenes Verhältnis zur Liebe aus. Nicht nur die Wahrheit über sondern auch die Liebe selbst bleibt dem Menschen zumutbar. Darin spricht natürlich auch ihre eigene Erfahrung in den komplizierten Herzensbeziehungen zu den Dichterkollegen Paul Celan und Max Frisch. Heute würde man wohl beide Beziehungen als mehr oder wenige toxische einstufen. Sie hat es versucht – so wir es heute dennoch immer wieder versuchen. Wir lieben also vielleicht nicht anders als Bachmann – wir lieben mit Bachmann. Und immer noch wird weiter gerungen um das Phänomen, auch poetisch, wie schon immer, seitdem die Menschen ihre Welt literarisch zu verarbeiten suchen, ob sie nun Sappho oder Ovid heißen, Ingeborg Bachmann oder in jüngster Zeit Elke Schmitter oder Thomas Hettche.
Für Bachmann stellt sich Liebe als ein „dunkler Erdteil“ dar (so der Titel eines Gedichtes), welcher der Logik des Bildes nach sowohl als unheimlich unvertrauter Ort ängstigt als auch den Forscher- und Abenteuergeist des Menschen herausfordert. „Der Panter steht allein im Liebesraum. Er setzt herüber aus dem Tal des Todes, und seine Pranke schleift den Himmelssaum“ Und wenn Bachmann als weltverlorenes Wesen aus der dunklen Abgründigkeit des Wassers, als mythopoetisches weibliches Ur-Wesen, als Undine, notwendig scheitert am Ideal der Liebe und in dialektisch-tragischer Wandlung nur den Tod hinterlassend, wie schon in der dunklen Romantik Friedrich de la Motte-Fouqués, aus der Tiefe nur ihre Trauer, ihre Wut hinausrufen kann – dann ist hier dennoch die Bewegung bemerkenswert. Von Bitterkeit und Wut über die „Ungeheuer mit Euren Frauen“ über Verständnislosigkeit (haben sich Liebende je verstanden in der Tiefe außerhalb des Wassers), bis hin zu vorsichtig tastender Anerkennung und dem erstaunlichen Finale, nicht mehr als ein hauchzarter, fast schon wieder im Moment des Aussprechens verklungener Ruf, transportiert zwischen den Elementen Luft und Wasser:
„Komm. Nur einmal. Komm“
Wir machen weiter. Dennoch.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Daraus würde ich kein apodiktisches Urteil bilden. Ich kenne die Person der Autorin natürlich nicht, ich habe nur ihre Texte und keine wirklich intime Innenschau, von der ich sprechen könnte.
Ich kann ihr nur wünschen, dass ein wenig Wandlungskraft neben persönlichem Leid aus Schreibkraft flösse, ein wenig so, wie Goethe seinen tragischen Dichterhelden Torquato Tasso sprechen lässt: „Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, Gab mir ein Gott zu sagen, wie ich leide.“
Vielleicht dies – oder ist es zu schmerzhaft, dieses „to turn blood into ink“, mit T.S: Eliot zu sprechen? Spricht daraus eine Wahrheit, die nicht nur den Lesern zumutbar ist sondern auch für sie eine Zumutung bleibt? All das bleibt wohl für immer verborgen – irgendwo in der Tiefe des Wassers.
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Das – so scheint mir – habe ich in den vorhergehenden Fragen implizit schon mit erörtert und herausgehoben. Der Rest sei Schweigen.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Sie ist nun schon lange verstorben, und zu ihren Lebzeiten war ich noch Kind, viel zu jung für die substantiellen Fragen, die mich heute bewegen würde. Eine Zeitmaschine zurück in ihre Zeit, schwer vorstellbar. Nach einem halben Jahrhundert liegt doch schon eine Ferne zwischen ihr und uns, den Epigonen des 21. Jahrhunderts. Aber ich möchte etwas aufgreifen, was ich schon in einer vorhergehenden Frage dargestellt habe:
Am ehesten in der Phantasie vorstellen kann ich mir eine Séance – bei der ich ihren melancholischen Geist (ich kann mir nicht anders vorstellen) fragen würde, ob sie eine Möglichkeit gesehen hätte, irgendwann auch im Leben Frieden und Ruhe zu finden in der Kraft ihrer Sprache, ihrer Poesie, durch all die Unruhe hinter ihren Worten hindurch – oder ob beides, Sprache und Leben, immer ein Kampfplatz bleiben müsse.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Längst begonnene Projekte (eine Erzählung und ein Romanentwurf, weitere Gedichte) warten darauf, sie bald wieder aufzunehmen. Ich hoffe, das gelingt mir bald, in den nächsten Wochen.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
Im Interview _ Ulrike Damm, Schriftstellerin und Künstlerin _ Berlin
Liebe Ulrike, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ich habe ein Buch über sie gemacht – über sie und Anna Achmatova. „schweige wund das wort“ ist die Gegenüberstellung der beiden Dichterinnen. Es erschien 2015 im Damm und Lindlar Verlag und ist eines der Bücher, die ich bis heute am meisten liebe. Damals war mir Ingeborg Bachmann noch fremd, Achmatova fremder. Gerade deshalb suchte ich ihre Gesellschaft. Wie in der Liebe gibt es Gründe, die Menschen zusammenführen – und wie dort geschieht dies in überschwänglichen Herzens- und Erkenntnisblitzen. Aus ihnen ist das Buch hervorgegangen.
Durch Bachmanns Texte habe ich erkannt, wie sehr das Politische im Intimen verankert ist. Es zeigt sich in ihrem Werk ebenso wie im Leben der anderen Dichterinnen und Dichter, die in dem Buch eine Rolle spielen: Anna Achmatova,Paul Celan und Ossip Mandelstamm. In politisch extremen Zeiten – ein formelhafter Satz, der leider wieder an Bedeutung gewonnen hat – begegnen sich diese vier Menschen immer wieder: in Verehrung, in künstlerisch-kritischer Auseinandersetzung, in Nähe und Distanz. Was sie verbindet, ist das Schweigen. Es ist das Motiv meines Buches – und die gemeinsame, zugleich unterschiedlich ausgelebte Form des Schweigens bei Bachmann, Achmatova, Celan und Mandelstamm. Sie alle haben erfahren, wie Gewalt, Faschismus und Macht als Strukturen in Beziehungen, in Sprache und im Denken wirksam werden und wie wenig das Private dabei unschuldig bleibt. Ihre Texte zeigen, dass dieses Schweigen keine Annäherung an Wahrheit ermöglicht. Also wurde geflüstert und weitergeschrieben. In dieser poetischen Widerstandskraft fanden sie ihre je eigenen Worte.
Im Sinne einer Suchenden bin ich Bachmann nah. Im Sinne abgeschlossener Erkenntnis habe ich sie nie verstanden. Herzens- und Erkenntnisblitze sind Segen und Fluch zugleich: Sie geben Antworten, deren Mittel nicht ausreichen, und die manchmal ihren Kern verfehlen.
Was macht das Besondere am Schreiben von Ingeborg Bachmann aus?
Über ihr Werk ist viel gesagt worden. Erklär mir, Liebe – dieser Satz verlangt etwas und unterläuft sich selbst. Er verlangt zu viel: von der Sprache, vom Gegenüber, von sich selbst. Dem Zuviel steht dem Zuwenig gegenüber. Ingeborg Bachmann weist dieses Ungleichgewicht – das durchaus wechseln kann – in der Beschreibung von Liebesverhältnissen nach. Darin wird sichtbar, wer spricht, wer bestimmt, wer sich anpasst.
In Malina etwa spricht eine Frau mit dem Mann, den sie liebt, und jedes Gespräch zeigt, wie wenig gemeinsame Sprache es gibt: Er hört anders, antwortet anders, setzt andere Maßstäbe. Aus Nähe wird Überlegenheit, aus Zuneigung Ordnung. So funktioniert Sprache, wirkt Macht. Wenn sich der Ton langsam ändert, beginnt man zu verstehen, wie ein Mensch den anderen bestimmt, wie eine Antwort zur Korrektur oder ein Satz zur Festschreibung wird. Gespräche gehen über in Drohung, Nähe wird zu Kontrolle, Verständigung endet im Aneinander-vorbei-Sprechen. Sätze wiederholen sich, verlieren Absicht und Richtung und werden umso insistierender. Dies alles geschieht fast beiläufig. Und ganz beiläufig zeigt Ingeborg Bachmann, wie Beziehungen in Sprache zerfallen.
Auch bei Paul Celan sind Liebe, Verlust und Geschichte miteinander eng verbunden. Aber seine Gedichte arbeiten mit Reduktion: wenige Wörter, harte Fügungen, Brüche im Satzbau. Bedeutung entsteht aus dem, was weggelassen wird. Jedes Wort steht isoliert, oft gegen den Zusammenhang, und gewinnt daraus seine Schärfe.
Sowohl Bachmanns als auch Celans Art der Erkenntnisblitze markieren Momente, in denen etwas klar wird, was im nächsten Satz wieder infrage steht. Und beide Arten – so unterschiedlich sie sind – gehen mir ins Herz.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich hätte Ingeborg Bachmann gefragt, ob die Genauigkeit der Sprache in ihrem Versagen liegt. Und vielleicht hätte sie geantwortet, dass dieses Versagen dazugehört, dass die Sprache es aushalten muss, wenn Wörter etwas anderes tun, als sie behaupten, und dass ihre Genauigkeit darin liegt, zu zeigen, wozu sie nicht in der Lage ist. Es entstehen Löcher, eleganter gesagt: Leerstellen. Wir müssen sie selbst füllen. Vielleicht ist das der Grund, warum ihre Sätze so viel von uns verlangen und manchmal weh tun.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Das Manuskript meines neuen Romans ist abgeschlossen. Der Arbeitstitel ist forget me not. Es geht darin um drei Frauen, die zwischen 1909 und 1920 in verschiedenen psychiatrischen Kliniken gelebt haben. Diese Frauen hat es wirklich gegeben. Getroffen haben sie sich aber nie. Sie lebten und arbeiteten unter unfrohen Bedingungen und wurden während ihres jeweiligen Klinikaufenthalts zu Künstlerinnen. Im Roman überführe ich das historische Setting in ein literarisches, in dem die Frauen aufeinander treffen. Da man über ihr Leben heute wenig weiß, lege ich im Text eine Idee davon über sie und ihr Werk. Im Zentrum stehen ihre jeweilige psychische Disposition und ihr Alltag in der Klinik. Die Patientinnen Agnes, Emma und Jane, für die es die Kategorie Kunst nicht gab, haben Werke geschaffen, die später zu den berühmtesten Exponaten der Sammlung Prinzhorn gehören sollten. In welchem äußeren Umfeld diese Arbeiten entstanden sein könnten, erzähle ich im Roman.
Auf der zweiten Ebene geht es um den Aufbau der Sammlung durch den jungen Assistenzarzt Franz Sternberg. Er ist dem Psychiater und Kunsthistoriker Hans Prinzhorn nachempfunden und wird in forget me not literarisch weitergeführt. Im Roman verändert er im Laufe der Zeit seinen Blick auf die Werke und deren Schöpferinnen, auf ihr Leben in der Klinik, auf die Begriffe Medizin und Kunst. Seine eigene Aufgabe stellt er in Frage, hat mit ergiebigen Zweifeln zu tun. Aktuell verschaffe ich mir – wie bei all meinen Romanen – einen visuellen Zugang zu forget me not. Ich möchte wissen, wie dieser Text aussieht.
Ich zeichne – im wahrsten Sinne des Wortes – den Weg der Figuren auf unterschiedliche Weise nach, erzähle sie neu. Da der Roman vielstimmig ist, werden den Stimmen der Protagonistinnen Materialien und Bildformen folgen. Es werden visuelle Psychogramme entstehen, die unterschiedliche psychische Dispositionen abbilden. Daran arbeite ich gerade. Es ist für mich der zweite Teil meiner Auseinandersetzung mit dem Text. Erst dann ist er vollständig für mich, und ich kann ihn loslassen. Erst dann habe ich alles über meine Figuren gesagt und ich kann Abschied nehmen.
Darf ich abschließend um ein Bachmann Zitat/Text bitten?
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.
Als meine Mutter schwer krank wurde, habe ich diesen Satz so schmerzhaft wie hilfreich empfunden.
Herzlichen Dank für das Interview!
Ulrike Damm, Schriftstellerin und Künstlerin
Zur Person:Ulrike Damm studierte Visuelle Kommunikation in Mainz. Seit 2015 schreibt sie Romane und Kurzgeschichten. Als Künstlerin entstehen neben ihren Büchern begehbare Texte, sichtbar in Ausstellungen und Installationen. Ihr Roman „Die Poesie des Buchhalters“ erschien im März 2025 bei DRAVA.
Karin Frank, Schauspielerin, Malerin, Model _ Wien _ performing Undine geht _ Donau/Wien _ Undine geht, Ingeborg Bachmann, Erzählung 1961 _ Walter Pobaschnig 8/25 folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz Wien
UNDINE GEHT _ Akrostichon
Text _ Ulrike Damm, Schriftstellerin und Künstlerin _ Berlin
Performance _ Karin Frank, Schauspielerin, Malerin, Model _ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Karin Frank, Schauspielerin, Malerin, Model _ Wien _ performing Undine geht _ Donau/Wien _ Undine geht, Ingeborg Bachmann, Erzählung 1961 _ Walter Pobaschnig 8/25 folgende
Karin Frank, Schauspielerin, Malerin, Model _ Wien _ performing Undine geht _ Donau/Wien _ Undine geht, Ingeborg Bachmann, Erzählung 1961 _ Walter Pobaschnig 8/25 folgende
UNDINE GEHT
Untiefen
Nehmen das Wort
Das nichts behält
Im Wahren
Nicht zu fixieren
Einmal mehr ein Anfang
Gehen und verschwinden im Text
Endlicher Ort
Hinter der Sprache
Trägt er seine Spuren
Ulrike Damm, 15.5.2026
Karin Frank, Schauspielerin, Malerin, Model _ Wien _ performing Undine geht _ Donau/Wien _ Undine geht, Ingeborg Bachmann, Erzählung 1961 _ Walter Pobaschnig 8/25 folgende
Karin Frank, Schauspielerin, Malerin, Model _ Wien _ performing Undine geht _ Donau/Wien _ Undine geht, Ingeborg Bachmann, Erzählung 1961 _ Walter Pobaschnig 8/25 folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz Wien
UNDINE GEHT _ Akrostichon
Text _ Ulrike Damm, Schriftstellerin und Künstlerin _ Berlin
Performance _ Karin Frank, Schauspielerin, Malerin, Model _ Wien
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Karin Frank, Schauspielerin, Malerin, Model
Karin Frank, Schauspielerin, Malerin, Model _ Wien _ performing Undine geht _ Donau/Wien _ Undine geht, Ingeborg Bachmann, Erzählung 1961 _ Walter Pobaschnig 8/25 folgende
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Ulrike Damm _ privat
Fotos: Karin Frank, Schauspielerin, Malerin, Model _ Wien _ performing Undine geht _ Donau/Wien _ Undine geht, Ingeborg Bachmann, Erzählung 1961 _ Walter Pobaschnig 8/25.
Natalie Campbell, Schriftstellerin, Tänzerin, Künstlerin _ Wien _ performing Undine geht _ Donau/Wien _ Undine Geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig 4/24, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance _ Donau/Wien
UNDINE GEHT _ Akrostichon
Text _ Florian Birnmeyer, Schriftsteller _ Nürnberg
Performance _ Natalie Campbell, Schriftstellerin, Tänzerin, Künstlerin _ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Natalie Campbell, Schriftstellerin, Tänzerin, Künstlerin _ Wien _ performing Undine geht _ Donau/Wien _ Undine Geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig 4/24, folgende
Natalie Campbell, Schriftstellerin, Tänzerin, Künstlerin _ Wien _ performing Undine geht _ Donau/Wien _ Undine Geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig 4/24, folgende
UNDINE GEHT
Und an mir
Nagen
Die
Inneren
Nöte in
E ndlosschleifen
Geht
Eine
Heiterkeit
Tief tauchen
Florian Birnmeyer, 14.4.2026
Natalie Campbell, Schriftstellerin, Tänzerin, Künstlerin _ Wien _ performing Undine geht _ Donau/Wien _ Undine Geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig 4/24, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance _ Donau/Wien
UNDINE GEHT _ Akrostichon
Text _ Florian Birnmeyer, Schriftsteller _ Nürnberg
Performance _ Natalie Campbell, Schriftstellerin, Tänzerin, Künstlerin _ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse in Macht und Zerstörung. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Im Interview _ Florian Birnmeyer, Schriftsteller _ Nürnberg
Lieber Florian, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ich kenne Ingeborg Bachmann vor allem durch ihre Lyrik, durch Gedichte wie „Die gestundete Zeit“ oder „An die Sonne“. Mein Lieblingsgedicht von ihr ist tatsächlich „An die Sonne“. Besonders berührt mich auch, wie sie es selbst in Videoaufnahmen vorträgt: mit einer getragenen, ernsten und zugleich zarten Stimme.
Weniger anfangen kann ich mit dem Phänomen Bachmann, d. h. mit der starken Überhöhung ihrer Person. Wenn Künstlerinnen oder Künstler zu sehr zum Mythos werden, irritiert mich das immer ein wenig. Trotzdem verstehe ich gut, warum Bachmann als Person für viele so bedeutsam ist: als Frau, als Schriftstellerin und als Mensch mit einer besonderen Geschichte in einer Zeit, in der schreibende Frauen noch nicht selbstverständlich sichtbar waren.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Die Texte von Ingeborg Bachmann wirken auf mich sehr bewusst gestaltet, fast wie Musikstücke. Sie entfalten eine faszinierende Wirkung: eine Komposition aus Rhythmus, Bildern, Metaphern und literarischen Bezügen und Querverweis, die einen fesseln und in Beschlag nehmen.
Zugleich erscheint ihre dichterische Welt oft in sich geschlossen, beinahe hermetisch. Es ist, als hätte jedes Wort und jedes Bild für das lyrische Ich eine ganz eigene Bedeutung. Als Leser spürt man diese Bedeutung, kann sie aber nicht immer vollständig entschlüsseln. Gerade daraus entsteht für mich ein Teil der Faszination: Bachmanns Texte sind mysteriös, deutungsoffen und doch zugänglich auf einer emotionalen und klanglichen Ebene.
Man kann sich ihnen über genaue Lektüre, über intertextuelle Bezüge und literarische Kontexte vielleicht annähern. Aber vielleicht müssen sie sich auch gar nicht ganz auflösen lassen. Und vielleicht wollte Bachmann eher Gesamtkunstwerke schaffen, denn literaturwissenschaftliche Untersuchungsgegenstände.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
Ich habe bisher vor allem die „Sämtlichen Gedichte“ von Ingeborg Bachmann gelesen, erschienen bei Piper. Wie immer, wenn ich Lyrik lese, lese ich mich nicht von vorn bis hinten durch einen Band, sondern bleibe hängen, blättere, wähle aus, kehre zurück. Manche Gedichte werden zu Lieblingsgedichten, andere sprechen mich weniger an.
Bei Bachmanns Lyrik ist es aber beinahe so – ähnlich übrigens wie bei Rose Ausländer –, dass fast jeder Text eine sehr gute Qualität besitzt. Ihre Gedichte sind äußerst bewusst gestaltet, komponiert und mit Bedacht angeordnet. Sie hat ihre Gedichtbände mit viel Gespür für die Gesamtwirkung arrangiert.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich hätte Ingeborg Bachmann gefragt, ob sie sich selbst als Feministin verstanden hätte. Gerade weil sie heute oft als wichtige weibliche Stimme und Vorreiterin gelesen wird, fände ich spannend zu wissen, wie sie selbst dieses Label, wie man heute sagt, gesehen hätte.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich habe gerade meinen zweiten Gedichtband „Im Dickicht lebt es sich leichter“(Geest-Verlag, 2026) veröffentlicht. Nun sammle ich Gedichte und Ideen für den weiteren. Eine Idee für einen Roman hätte ich auch.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„Schöne Sonne, der vom Staub noch die größte Bewundrung gebührt, Drum werde ich nicht wegen dem Mond und den Sternen und nicht, Weil die Nacht mit Kometen prahlt und in mir einen Narren sucht, Sondern deinetwegen und bald endlos und wie um nichts sonst Klage führen über den unabwendbaren Verlust meiner Augen.“
aus „An die Sonne“ Ingeborg Bachmann, in „Anrufung des großen Bären“ 1956.
Im Interview _ Margrid F. Gantenberg, Schriftstellerin
Liebe Margrid F. Gantenberg, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Schon vor meinem Studium der Literaturwissenschaften und während des Studiums habe ich mich immer wieder auch mit Ingeborg Bachmann beschäftigt. Zuletzt habe ich ihre sehr schöne Biografie gelesen, die ihr Bruder Heinz geschrieben hat. Das hat mich neugierig gemacht, ihre Werke noch einmal zu lesen.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Die Intensität, das Kompromisslose.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Malina ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Da meine erste Begegnung mit ihren Texten aber schon länger her ist, habe ich mir vorgenommen, jetzt, auch im Kontext meiner eigenen Projekte, noch einmal in ihr Werk einzutauchen. Mich fasziniert bei ihr vor allem die Verbindung von Werk und Leben; ihre Person und ihre kompromisslose Haltung als Künstlerin fand ich immer beeindruckend, wie sie versucht hat, eine Sprache für das Schweigen und für die inneren Abgründe zu finden. Das ist ein Thema, dem ich auch in meiner Dokumentationsarbeit immer wieder begegne.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Im Grunde hat sich an den zugrunde liegenden Strukturen wenig geändert; zudem findet die Gewalt heute auch oft noch subtiler oder digitaler statt.
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
Vermutlich lieben wir heute nicht viel anders als früher. Wir tragen immer noch dieselben Hoffnungen und alten Wunden mit uns herum, die Bachmann so präzise beschrieben hat.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Ich finde, Bachmanns Bild der „verdammten Existenz“ trifft genau dann zu, wenn das Schreiben nur noch ein Zwang ist und so zu einem Martyrium wird. Im Idealfall wirkt das Schreiben jedoch befreiend, da man den Schmerz produktiv nutzen kann. Schwierig wird es erst, wenn die Einsamkeit, die man zum Arbeiten braucht, zur Isolation wird. Wenn man sich nicht mehr freiwillig zurückzieht, sondern sich einsam fühlt. In diesem Spagat zwischen dem eigenen Anspruch, dem finanziellen Druck und der Einsamkeit wird das Schreiben dann zur Last und zur Qual.
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Da meine Beschäftigung mit ihrem Werk schon sehr lange zurückliegt, ist meine Erinnerung an ihre Texte über die Jahre weitestgehend verblasst. Was mir jedoch als starker Eindruck in Erinnerung geblieben ist, ist ihre ganz eigene, kompromisslose Art, mit Sprache umzugehen. Ich erinnere mich heute weniger an konkrete Inhalte als vielmehr an das Gefühl, dass hier jemand eine sehr eindringliche Stimme hat.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich hätte ihr gerne von meinem Lyrikband erzählt, in dem die Natur, genau wie in ihren frühen Gedichten, ein Spiegel für die inneren Räume ist.
In ihrem Gedicht „An die Sonne“ schreibt sie ja diesen wunderbaren Satz: „Nichts Schöneres unter der Sonne, als unter der Sonne zu sein.“ Für mich ist das der Inbegriff des Glücks im Kleinen und der puren Existenz. Ich hätte gerne mit ihr darüber gesprochen, ob dieses Verweilen im Moment tatsächlich das „Versprechen von Morgen“ sein kann, von dem meine Texte handeln.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich beschäftige mich seit Jahren mit der Erinnerungsarbeit. Mein Ziel ist es, Erinnerungen greifbar zu machen. Aktuell arbeite ich an einer Biografie und einer Dokumentation, in denen ich Lebensspuren sichere.
Parallel dazu entsteht mein Lyrikband. In diesen Texten zeige ich, dass es oft nur den Duft eines Augenblicks oder das Rauschen des Meeres braucht, um die Welt anzuhalten. Die Gedichte sollen Türen zu jenen Räumen öffnen, die wir längst hinter uns glaubten, und dazu einladen, in die Tiefe der eigenen Geschichte einzutauchen.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
Neben dem schon erwähnten „Nichts Schöneres unter der Sonne, als unter der Sonne zu sein“ ist für mich der Satz „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“ von bleibender Bedeutung. Er ist zeitlos und wirkt gerade heute wieder besonders stark. Das Zitat stammt aus ihrer Rede zur Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden, 1959 in Bonn.
Herzlichen Dank für das Interview!
Margrid F. Gantenberg, Schriftstellerin
Zur Person: Margrid F. Gantenberg ist eine deutsche Journalistin, Autorin und Lyrikerin aus dem Ruhrgebiet.
Nach dem Abschluss ihres Studiums der Germanistik und Politikwissenschaften und einem journalistischen Volontariat arbeitete sie als PR-Beraterin und Unternehmenssprecherin. Sie ist freie Journalistin für verschiedene Medien und Autorin prämierter Biografien sowie Verfasserin von Gedichten, Essays, Reden, Erzählungen und Kurzgeschichten.
Sie beschäftigt sich u.a. mit der Erinnerungskultur, indem sie die Brücke zwischen wissenschaftlicher Historie und persönlichen Schicksalen schlägt. Ihr Fokus liegt dabei vor allem auf der Aufarbeitung der Kriegs- und Industriegeschichte aus der Sicht der Betroffenen.
Es sind legendäre und unerreichte österreichische Fernsehproduktionen wie „Kottan ermittelt“,„Alpensaga“,„Das Dorf an der Grenze“, „Der Fall Jägerstätter“ oder die „Piefke-Saga“ und viele weitere herausragende Spiel- , Literaturverfilmungen,welche Gerald Szyszkowitz als Leiter der Hauptabteilung Fernsehspiel beim ORF von 1973 bis 1994 verantwortete.
P.Turrini, H.Qualtinger, W.Pevny
Es war eine goldene Ära hochwertiger Schauspielproduktionen mit gesellschaftlichem Anspruch, die sich in Makro- und Mikroperspektive historischen und zeitgeschichtlichen Epochen in brillanter Autor-, und Darstellungsqualität widmete. Dieser mutige innovative Projektweg wurde wegweisend und inspirierend für gesellschaftspolitische Aufbrüche. Mensch und Zeit in allen Bedingungen und Bedingtheiten wurden im Medium Fernsehen zur Bühne im Wohnzimmer mit weitreichen Folgen kritischer Erinnerung und Emanzipation bis in die Gegenwart.
Der Fall Jägerstätter, Hauptrolle: Kurt Weinzierl
Dieser Weg mutiger Projektplanung und -umsetzung war jedoch keine „gmahde Wiesn“, sondern eine herausfordernde Etappe, die von Produktion zu Produktion neu in Gespräch, Auseinandersetzung und Entscheidung im Fokus politischer Konstellationen umgesetzt wurde. Die Ergebnisse sind Legende. Der Weg dahin weitestgehend im Dunkeln.
Doch nun öffnet Gerald Szyszkowitz sein persönliches Archiv der Erinnerungen und Begegnungen und lässt Leserinnen und Leser lebendig und spannend wie in einem Fernsehspiel an einer faszinierenden Epoche österreichischer Kunst-, und Gesellschaftsgeschichte teilhaben und Hintergründe erfahren. Zahlreiche Fotos begleiten diese einzigartige Reise zu Mensch, Zeit, Kunst, Politik und Kultur.
„Erinnerungen als österreichischer Kunst- und Politthriller zwischen Kottan und Alpensaga – ein Ereignis!“
„Der Chef will das nicht“ _ Wie »Kottan«, »Alpensaga« und »Arbeitersaga« gegen politische Widerstände im ORF entstanden_Szyszkowitz, Gerald. Praesens Verlag.
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.