Schönheit. Simone Weils Lektüre der Welt. Wolfgang Müller. Schwabe Verlag.

Simone Weil (* 3.2.1909 Paris +24.8.1943 Ashford/GB) ist eine der faszinierendsten Persönlichkeiten moderner europäischer Geistes- und Politgeschichte und ihr Leben und Werk ist bis heute eine ganz vielfältige Quelle der intellektuellen Auseinandersetzung und Inspiration.

Wolfgang W. Müller, emeritierter Professor für Dogmatik und bis 2021 Leiter des Ökumenischen Instituts an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern, stellt im vorliegenden Buch anhand des Schwerpunktes philosophischer Ästhetik eine sehr spannende Kategorie im Werk Simone Weils vor.

Ausgehend von einer umfassenden Einordnung und Erläuterung zu Leben und existenz-, gesellschafts- und religionsphilosophischen Positionen Simone Weils kommen dann Schönheit und hier im Schwerpunkt Musik in den analytischen Fokus des Autors. Umfassend werden musiktheoretische Konzepte der Antike bis in die Moderne vorgestellt und anschließend die Zugänge der Philosophin herausgearbeitet. Danach werden musikalische Zugänge zum Werk Simone Weils vorgestellt und runden so dieses Buch als umfassendes wissenschaftliches wie gleichsam performatives ab – sehr spannend und gelungen!

Schönheit. Simone Weils Lektüre der Welt. Wolfgang Müller. Schwabe Verlag.

290 Seiten

Gebundenes Buch

Format: 22.5 x 15.9 x 2.3 cm

S/W-Illustrationen: 2

ISBN 978-3-7965-5518-3

38 EUR

E-Book 34,99 EUR

Walter Pobaschnig 7/26

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„Bachmann greift Sicherheiten an“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Nina-Alexandra-Kupczyk, Regisseurin _ Berlin 24.7.2026

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

im Interview _  Nina-Alexandra-Kupczyk- Regisseurin_Schriftstellerin _ Berlin

Liebe Nina, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

Mein Zugang zu Ingeborg Bachmann ist kein literarhistorischer Sicherheitsabstand. Ich lese Bachmann nicht, um sie zu bewundern, sondern weil ihre Texte bis heute beunruhigend präzise sind.

Bachmann greift Sicherheiten an. Sie zeigt, dass Liebe, Sprache, Familie, Kultur und Institutionen oft längst von Gewalt durchzogen sind. Damit nimmt sie der bürgerlichen Welt die Möglichkeit, sich für unschuldig zu halten.

Für mich liegt darin der entscheidende Zugang: Bachmann beschreibt nicht nur Verletzung, sondern Systeme, die Verletzung produzieren und sich dabei zivilisiert nennen. Deshalb kann man sie nicht folgenlos lesen.

Ich komme vom Schreiben, aber die Bühne ist für mich ein entscheidender Denk- und Erfahrungsraum. Dort stellt sich die Frage besonders scharf: Was darf Kunst heute noch behaupten, wenn Frieden, Demokratie und Menschenwürde erodieren? Ich lese Bachmann als Verbündete in dieser notwendigen Zumutung.

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?

Genau daraus entsteht für mich die besondere Kraft ihres Schreibens: Bachmann ist unerbittlich genau. Sie schreibt nicht schön im dekorativen Sinn. Ihre Sprache hat eine ungeheure Musikalität, aber sie ist nie harmlos. Sie legt frei. Sie schneidet.

Das Besondere ist, dass sie das Private politisch liest, ohne es zu vereinfachen. Liebe, Angst, Krankheit, Begehren, Schweigen, Sprache, Vater, Staat, Krieg, Faschismus: Bei Bachmann hängt das alles zusammen. Sie zeigt, dass Geschichte nicht vorbei ist, nur weil sie bürgerlich eingerichtet wurde.

Diese Verbindung von poetischer Form und politischer Erkenntnis macht ihr Schreiben so gegenwärtig. Es interessiert sich nicht für Trost, sondern für Wahrheit. Und Wahrheit ist bei Bachmann nie abstrakt. Sie geht durch den Körper, durch Beziehungen, durch Sprache.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Diese Genauigkeit zeigt sich für mich besonders in „Die gestundete Zeit“, „Anrufung des Großen Bären“, „Malina“ und dem „Todesarten“-Projekt.

„Die gestundete Zeit“ ist schon im Titel eine Kampfansage gegen Verdrängung. Die Zeit ist nicht einfach da. Sie ist aufgeschoben, gefährdet, politisch.

„Anrufung des Großen Bären“ verbindet dunkle Welterfahrung mit poetischer Gegenmacht. Da ist etwas Archaisches, Beschwörendes, aber nichts Eskapistisches.

Und dann natürlich „Malina“. Dieser Text ist für mich kein Beziehungsroman. Er ist ein Tatort. Dort wird sichtbar, was Bachmann meint: Es gibt Todesarten, die gesellschaftlich organisiert sind. Nicht jeder Mord sieht aus wie ein Mord. Manche tragen Anzug, Titel, Bildung, Stimme.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Gerade in „Malina“ wird für mich deutlich, wie aktuell Bachmanns Gesellschaftskritik ist. Sie zeigt eine patriarchale Welt nicht als bloßes Geschlechterproblem, sondern als Ordnung der Zerstörung.

Wenn Bachmann 1971 im Gespräch sagt: „Die Männer sind unheilbar krank“, dann ist das keine private Laune. Es ist die Diagnose einer Ordnung.

Ich lese diesen Satz nicht als biologistische Aussage über Männer. Ich lese ihn als Angriff auf ein patriarchales System, das alle beschädigt, aber Frauen, queere Menschen, neurodivergente Menschen, arme Menschen und marginalisierte Körper besonders verwundbar macht.

Diese Welt ist zerstörend und selbstzerstörerisch. Sie verwaltet Gewalt, statt sie zu beenden. Sie spricht von Empathie, während sie Abhängigkeiten produziert. Sie redet von Diversität, während sie Menschen benutzt. Sie nennt sich professionell, wenn sie eigentlich nur Besitzstände schützt.

Darum ist Bachmann für mich auch eine Autorin, mit der man den heutigen Kulturbetrieb lesen kann: Institutionen, die von Empathie sprechen, aber Macht verwalten; die Relevanz behaupten, aber Konflikte entschärfen.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns. „Die Männer sind unheilbar krank …“ sagte Bachmann 1971 in einem Interview. Wie lieben wir nach oder mit Bachmann?

Auch Liebe beschreibt Bachmann nie unschuldig. Genau darin liegt ihre Radikalität.

Sie zeigt Liebe als Glück und Verhängnis, als Sehnsucht und Gewaltzone, als Rettungsversprechen und als Ort der Auslöschung. Nach Bachmann kann man Liebe nicht mehr als reine Privatsache behandeln. Man muss fragen: Wer darf begehren? Wer darf sprechen? Wer wird gesehen? Wer verschwindet? Wer nennt Besitz Liebe?

Mit Bachmann zu lieben hieße für mich: nicht mehr an Verschmelzung als Ideal zu glauben. Nicht mehr an die romantische Lüge, dass Liebe automatisch gut sei. Liebe muss sich an Freiheit messen lassen. An Würde. An Sprache. An der Frage, ob der andere durch mich größer wird oder kleiner.

Das gilt für private Beziehungen, aber auch für Kunst: Liebe ist keine Besitzform, sondern eine Praxis der Aufmerksamkeit.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton-Wildgans-Preises 1971 Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, ist die Kunst immer auch eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Aus dieser Radikalität heraus verstehe ich Bachmanns Satz über das Schreiben. Ich misstraue dem Wort Martyrium, weil es Leid verklärt. Kunst braucht keine Heiligenlegenden. Aber Kunst verlangt etwas. Sie verlangt, dass man nicht wegschaut.

Wer wirklich arbeitet, steht oft quer zur Welt. Nicht aus Pose, sondern weil Wahrnehmung Konsequenzen hat.

Aber ich will das nicht romantisieren. Kunst muss nicht selbstzerstörerisch sein. Ich habe kein Interesse an einem Betrieb, der Künstlerinnen erst beschädigt und ihre Verletzung dann als Tiefe verkauft.

Das eigentliche Martyrium liegt heute vielleicht weniger im Schreiben selbst als in den Systemen, in denen Kunst entstehen soll: Hierarchien, Abhängigkeiten, Intendantenmacht, Förderlogiken, ästhetische Modebegriffe, Angst. Viele Intendanten verhalten sich wie neutrale Psychiater. Aber Neutralität in einem missbräuchlichen System ist nicht unschuldig. Sie stabilisiert das System.

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Neben der Gesellschaftskritik interessiert mich bei Bachmann vor allem ihre Arbeit an Wahrnehmung. Sie fragt immer: Wer sieht? Wer darf sehen? Wer wird für verrückt erklärt, weil er genauer sieht als die anderen?

Mich interessiert daran, dass Wahrnehmung bei Bachmann nie neutral ist. Sie ist politisch, körperlich, gefährdet. Wer anders sieht, stört die Ordnung. Wer genauer sieht, wird schnell pathologisiert, vereinzelt oder zum Schweigen gebracht.

Für das Theater ist das zentral, weil Theater selbst mit Blicken, Körpern, Geräuschen, Reiz, Rhythmus und Sprache arbeitet. Wenn wir andere Wahrnehmungen ernst nehmen, reicht es nicht, sie als Thema auf die Bühne zu bringen. Dann müssen wir fragen, wie sie Formen verändert: Probenprozesse, Räume, Erzählweisen, Zeitlichkeiten und Hierarchien.

Bachmann ist darin radikal modern. Sie zeigt, dass Wahrnehmung politisch ist. Wer anders wahrnimmt, stört die Ordnung. Und genau dort beginnt Kunst.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt oder gefragt?

Vielleicht würde ich nicht mit einer literarischen Frage beginnen, sondern mit einer existenziellen.

Ich hätte ihr gesagt: Du hattest recht. Nicht als Denkmal, sondern als Warnung.

Ich hätte sie gefragt, wie man weiterarbeitet, wenn man zu viel sieht. Wie man sich nicht zerstören lässt von der eigenen Genauigkeit. Wie man eine Sprache findet, die nicht vom Betrieb verschluckt wird.

Und ich hätte sie gefragt, was sie heute zur Oper sagen würde: zu Institutionen, die politische und soziale Themen ästhetisch verwenden, ohne Verantwortung zu übernehmen.

Ich glaube, sie hätte wenig Geduld mit dieser Oberfläche gehabt.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich arbeite derzeit an mehren Linien: an meiner Promotion, an Buchprojekten, an Audioproduktionen sowie natürlich neuen Bühnenarbeiten.

Meine Promotion beschäftigt sich mit Neurodiversität und Wahrnehmung. Ich untersuche, was es bedeutet, anders wahrzunehmen, und wie sich daraus andere Formen von Sprache, Raum, Körper, Musik und Theater entwickeln lassen.

Daraus entstehen zwei Buchprojekte: eine Kinderbuchreihe über Unterschiedlichkeit und verschiedene Arten, Welt wahrzunehmen, sowie ein Fachbuch über theatrale Ausdrucksformen. Darin geht es um Körper, Stimme, Raum, Bild, Rhythmus und Assoziation als eigene Sprachen.

Diese Frage nach Wahrnehmung verbindet sich für mich mit meiner Arbeit an der Schnittstelle von Kunst, Psychologie und internationaler Organisationsberatung. Der Blick auf Wahrnehmung, Macht und Veränderung prägt meine künstlerische Arbeit und schärft mein Interesse daran, wie Menschen, Gruppen und Institutionen Wirklichkeit herstellen oder ausblenden.

Mit meinem Ensemble Transform23 arbeite ich an neuen Audioproduktionen, Musikalben, Hörspiel.

Für die Bühne arbeite ich an Uraufführungen und neuen Musiktheaterformen. Konkret beschäftigen mich Stoffe zu Krieg und Frieden, Demokratieverlust, Verletzlichkeit, Verantwortung und veränderter Wahrnehmung.

Mich interessiert Oper dort, wo sie mehr ist als Repertoirepflege: als extreme Form aus Stimme, Körper, Musik und Bild. Gerade weil Oper künstlich, übersteigert und eigentlich unmöglich ist, kann sie etwas sichtbar machen, was anders kaum sagbar wäre.

Unterhaltung, Leichtigkeit und Poesie gehören für mich dazu. Entscheidend ist, ob eine Form notwendig ist: ob sie etwas öffnet, Wirklichkeit anders sichtbar macht und dem Unsagbaren eine Stimme gibt.

Darf ich abschließend um ein Bachmann-Zitat oder einen Bachmann-Text bitten?

Am Ende komme ich immer wieder zu diesem Satz zurück:

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

Für mich ist das kein schönes Schlusswort, sondern ein Auftrag: an das Publikum, an die Institutionen, an die Oper, an die Kunst. Wenn Kunst diese Wahrheit nicht mehr zumutet, sondern nur noch verwaltet und entschärft, verliert sie ihre Notwendigkeit.

Genau deshalb bleibt Bachmann für mich Gegenwart: eine Zumutung, eine Verbündete, eine Waffe gegen Oberfläche, Feigheit und das bequeme Schweigen.

Herzlichen Dank für das Interview!

Nina-Alexandra-Kupczyk- Regisseurin_Schriftstellerin

Zur Person: Nina Kupczyk I Regie und Text

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann.

Foto: Nina-Alexandra-Kupczyk _ Max van der Rose.

Walter Pobaschnig, 1.6.26

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„Lange zählt das Ich die Stäbe, bis jedes Wort ein Gitter trägt“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Nina-Alexandra, Kupczyk/Lisa Karner _ Berlin/Wien 24.7.2026

Lisa Karner, Tänzerin, Choreografin_ Wien _ acting Malina _
Ungargasse/Romanschauplatz Malina _ Wien
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 8/21

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz Wien

MALINA _ Akrostichon

Text  _  Nina-Alexandra-Kupczyk- Regisseurin_Schriftstellerin _ Berlin

Performance _ Lisa Karner_Tänzerin, Choreografin _ Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Lisa Karner, Tänzerin, Choreografin_ Wien _ acting Malina _
Ungargasse/Romanschauplatz Malina _ Wien
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 8/21

MALINA

M
an nennt es Kultur: Im Käfig brütet der Schwan den Frühling aus.

Aus Kinderreimen tropft Pflicht: Milch, Zahn, Zügel.

Lange zählt das Ich die Stäbe, bis jedes Wort ein Gitter trägt.

Im Fenster presst der Baum seine Narben in die Fensterhaut.

Nester hängen im Gewitter, aus Federn, Licht und fremdem Namen.

Aber Urkunst erstickt in Form, verwaltet bis zur weißen Null.

Nina Kupczyk, 1.6.2026

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz Wien

MALINA _ Akrostichon

Text  _  Nina-Alexandra-Kupczyk- Regisseurin_Schriftstellerin _ Berlin

Performance _ Lisa Karner_Tänzerin, Choreografin _ Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

 Nina-Alexandra-Kupczyk- Regisseurin_Schriftstellerin
Lisa Karner, Tänzerin, Choreografin

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Nina-Alexandra-Kupczyk _ Max van der Rose.

Fotos: Lisa Karner, Tänzerin, Choreografin_ Wien _ acting Malina _
Ungargasse/Romanschauplatz Malina _ Wien
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 8/21

Walter Pobaschnig, 1.6.26

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„Statt mundtot zu werden, steht da die Schrift, das Wort.“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Anja Hirsch, Schriftstellerin _ Berlin 23.7.2026

Ingeborg Bachmann _ Anja Hirsch

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

im Interview _ Anja Hirsch, Schriftstellerin _ Berlin

Liebe Anja, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Eingetaucht war ich in ihre Texte schon früh, in „Malina“, „Der Fall Franza“, interessanterweise zuerst die Prosa, und zwar zunächst rein identifikatorisch. Endlich ein Hallraum für die eigene Dunkelheit! Dann habe ich im Germanistikstudium Anfang der 90er eine Hausarbeit über die Erzählung „Ein Wildermuth“ geschrieben.  Dieser Richter, der durch einen Angeklagten gleichen Namens in die eigene Vergangenheit gezogen wird und im Laufe der Verhandlung die Fassung verliert, großartig erzählt. Und mit Wittgenstein, den ich natürlich dazu förmlich inhalierte, so glasklar aufzufächern! Ohne sonstigen theoretischen Unterbau nah am Text zu bleiben. Habe eben meine geniale Hausarbeit überall gesucht und nicht gefunden. Was seltsam ist, da ich sicher war, sie aufbewahrt zu haben. Stattdessen habe ich „Malina“ als Lektüretipp in einem Uniordner von damals in einer Literaturliste zur feministischen Literaturwissenschaft entdeckt. Jetzt erinnere ich mich an meine Angst von damals, dass dieser Ansatz meine geliebte Ingeborg Bachmann reduziert. Wo ich doch die Sprachgewalt wichtiger fand als alle damit verhandelten Themen.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Für mich war es immer die Genauigkeit des Worts. Es zu zerlegen in seine Bestandteile und auf Bedeutungspartikel abzuklopfen. Es ernst zu nehmen und weiterzuentwickeln, durchaus logisch. Sich in der Logik dann verheddern und zum poetischen Kern vorzudringen. Dieser Prozess nimmt mich jedesmal mit und fasziniert mich bis heute.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

„Das dreißigste Jahr“ mit dreißig zu lesen, müsste Pflicht sein, könnte aber heute verstören? In ihrer motivischen Dichte finde ich immer noch die Erzählungen entdeckenswert. Neben den Gedichten, natürlich. „Malina“ ist so sehr an mein frühes Ich gebunden, dass ich nicht weiß, wie es auf Leser*innen heute wirkt. Die neu zu entdeckenden Briefe lese ich mit einer mir unheimlichen Freude, nicht sicher, ob es richig ist, und nur in kleinen Dosen.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Hellsichtig! Und das zu einer Zeit, da dies nicht in aller Munde lag. In der Wand zu verschwinden (Malina), ist ja keine Sozialtheorie, sondern eine Handlung, die man aktiv oder passiv lesen kann, aber jedenfalls ist es ein starkes Bild, das einen förmlich  hineinzieht. Statt mundtot zu werden, steht da die Schrift, das Wort. Ein Gegenüber, das ich formen kann und in das ich auch etwas einlegen, einarbeiten kann. Die ganze Not, aber auch die Hoffnung auf Veränderung.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Hoffentlich nicht zu vorsichtig! Lieben hat was mit Mut zu tun. Bei aller Leidenschaft in den Lieben Ingeborg Bachmanns können wir uns ruhig auch ein Quantum Mut von ihr borgen und die Freude am Austausch. Sich Briefe zu schreiben, ist ja leider etwas aus der Mode kommen. Aber es ermöglicht doch, bei allem Risiko, ein tiefes sich Einlassen auf ein Du. Falls wir nicht nur monologisieren. Diese dialogische Kraft mag ich sehr. Die Gefahren des (falsch verstandenen) Worts liefert sie zwar gleich mit. Aber sie macht uns dadurch eben auch sensibel für den Verlust des Eigenen innerhalb von Beziehungen. Das auszuhandeln, erscheint mir wichtig. Über die unterschiedlichen Bedürfnisse von Nähe und Distanz zu sprechen. Gerade in unseren oft immer noch festgefahrenen, vorgelebten Rollen. Wenn wir dieser Art verzweifeltem Austausch etwas mehr Leichtigkeit und Humor hinzufügen, lässt sich lieben, und zwar nicht nur in der Literatur.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Mit sich allein zu sein, ohne verrückt zu werden, ist schon eine der höchsten Künste, finde ich. Ständig mit anderen zu sein, aber auch! Dazwischen leuchten das Schreiben und andere Ausdrucksmöglichkeiten als „Damm“, wenn wir Ingeborg Bachmann in diesem Zitat wieder wörtlich nehmen. Mir scheint, dass sie kein Wort unüberlegt gebraucht. Sie zwingt uns, genau hinzuhören. Und wenn wir dieses „verdammt“ sein abklopfen, bricht es für mich in diesen Grenzwall auf. Etwas ist aufgestaut, nichts kann fließen. Sich das klar zu machen, ist schon der erste Schritt, daran zu kratzen. Und ja, dieser Prozess kann beim Schreiben auch manchmal arg werden!

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Das Handwerk: Man merkt das Hauen und Klöppeln und Meißeln. Hier mal Beispiele heraussuchen und in der Schule selbst schreiben lassen. Um die Freude am eigenen Formulieren zu erwecken.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich hätte mich gerne für ihre Sprache bedankt, die zu entdecken ein Wendepunkt in meinem Leben war. Nie hätte ich mich sonst aller Worte beim eigenen Schreiben bedient. In meinen frühen Texten noch mehr. Diese Spielwiese war klasse. So ein Satz von mir, irgendwann mit Anfang zwanzig mit Schreibmaschine aufs Papier gehackt, als Anfang einer Geschichte mit dem dramatischen Titel „Bewohnt“: „Ich bin randvoll mit den Ausdunstungen der Anderen.“ Das würde ich heute nicht mehr so schreiben. Aber dass ich mich damals in dieses Überforderungsgefühl hineingetraut habe!

Gefragt hätte ich sie vielleicht, was ihr Hoffnung macht und wie sie Schwergewichte und Schönheit beim Schreiben austariert.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich sitze nach einigen verworfenen Projekten an einem Stoff, der immer da war. Jetzt höre ich genau zu und stelle alles andere in den Hintergrund. Hoffentlich wird daraus bald mein fertiger, zweiter Roman.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

„Meine Situation wird immer gespenstischer.“ Das ist aus einem Brief an Celan 1952. Aus dem Kontext gerissen, drückt es alles aus. Wir könnten es wenden in „unsere“ Situation.

Herzlichen Dank für das Interview!

Anja Hirsch, Schriftstellerin

Zu Person/Werk: Anja Hirsch ist Autorin, Journalistin, Literaturwissenschaftlerin und Life Script® Coach. 2021 erschien ihr Debütroman »Was von Dora blieb« (C. Bertelsmann). 2006 wurde sie in Germanistik mit einer Arbeit zu Wilhelm Genazino promoviert. Viele Jahre Journalistin für überregionale Medien (u.a. Deutschlandfunk, FAZ, WDR), gibt sie heute auch Kurse im biografischen wie kreativen Schreiben. 1969 in Frankfurt am Main geboren, studierte sie in Freiburg im Breisgau, Kanada und Bielefeld Germanistik und Musikwissenschaft. Sie lebt in Unna und Berlin.

http://www.anjahirsch.com

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann.

Foto: Anja Hirsch _ Johannes T.Melcher

Walter Pobaschnig, 2.6.2026

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Schuldbuch und Schwelle. Zu Ingeborg Bachmanns »Salz und Brot«. TomMcCarthy. Diaphanes Verlag.


100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Ein ganz besonderer Beitrag dazu ist der vorliegende literarische Essay zum Gedicht „Salz und Brot“ von Ingeborg Bachmann (1953).

Der in Berlin lebende Schriftsteller Tom Carthy stellt „Salz und Brot“ in einen umfassenden Werkskontext, der insbesondere auch auf den Roman „Malina“ eingeht und darin das Verständnis von Existenz im Gebundensein von Geschichte und Nachwirkung, Trauma und Gesellschaft wie Mensch und Gegenwart in Perspektive und Zukunft öffnet. Weitere literarische Referenzen gehen auf die Topoi des Übergangs „Schwelle“ in Weg und Grenze ein. Es ist eine sehr spannende literarische Reise zu Leben und Werk Bachmanns entlang eines zentralen lyrischen Textes.

Schuldbuch und Schwelle. Zu Ingeborg Bachmanns »Salz und Brot«. Tom
McCarthy. Diaphanes Verlag.

Translated by Marie Glassl
Softcover, 80 pages
EUR 16


Walter Pobaschnig 7/26
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„Tod findend und verjagend“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Siegfried Völlger/ Sarah Zaharanski _ Text & Performance _ Augsburg/Wien 23.7.2026

Sarah Zaharanski, Schauspielerin_performing „Malina“ _
am Original-Romanschauplatz_Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 6/21

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz „Malina“

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text _  Siegfried Völlger, Schriftsteller _ Augsburg/D

Performance _ Sarah Zaharanski, Schauspielerin _Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Sarah Zaharanski, Schauspielerin_performing „Malina“ _
am Original-Romanschauplatz_Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 6/21
Sarah Zaharanski, Schauspielerin_performing „Malina“ _
am Original-Romanschauplatz_Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 6/21

UNDINE GEHT


U
nter der Schar der

Nackten des Geistes

Der Geistesleere und

In der Schlichtheit des Daseins

Nicht übersehen bitte

Engelserscheinungen, verkleidet

Gottlose Gestalten

Eifrigen Tuns

Hilfe suchend

Tod findend und verjagend

Siegfried Völlger, 28.3.26

Sarah Zaharanski, Schauspielerin_performing „Malina“ _
am Original-Romanschauplatz_Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 6/21
Sarah Zaharanski, Schauspielerin_performing „Malina“ _
am Original-Romanschauplatz_Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 6/21

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz „Malina“

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text _  Siegfried Völlger, Schriftsteller _ Augsburg/D

Performance _ Sarah Zaharanski, Schauspielerin _Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

UNDINE GEHT

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ (1961) und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse in Macht und Zerstörung. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

 Siegfried Völlger, Schriftsteller _ Augsburg/D
 Sarah Zaharanski, Schauspielerin _Wien 

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Foto: Siegfried Völlger _ privat.

Fotos: Sarah Zaharanski, Schauspielerin_performing „Malina“ _
am Original-Romanschauplatz_Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 6/21

Walter Pobaschnig, 28.3.2026

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„Die Fähigkeit, Sehnsüchte in der Sprache auszuleben“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Jozej Strutz, Schriftsteller _ Klagenfurt/Celovec 22.7.2026

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

im Interview _ Jozej Strutz, Schriftsteller

Lieber Jozej, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

Die zeitkritische Note in der Lyrik Bachmanns ist ein guter Zugang, aber auch das Träumerische, Sehnsuchtsvolle, die „zottige Nacht“ und die „Lieder von einer Insel“.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Die Verschmelzung von Sinnlichkeit und Begrifflichkeit ist spürbarer als bei Paul Celan, eine erotische Sprache („Ausfahrt“) ist das Innere ihrer Lyrik.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Die frühen Gedichtbände, aber auch einige spätere Gedichte sowie Erzählungen, wie Jugend in einer österreichischen Stadt und –  Drei Wege zum See und Simultan – diese Prosa ist von höchster Poetizität, gleichzusetzen mit Kleists und Büchners Prosa, oder auch mit Musils Kurzprosa (s. Die Amsel, Nachlass zu Lebzeiten).

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Eine scharfe und ätzende Kritik, die von einer scharfen Urteilskraft und der Verletzlichkeit der Autorin zeugt, aber auch die Fehler in sich selbst gut einbezieht (Requiem für Fanny Goldmann, Malina, Ein Schritt nach Gomorrha, Simultan)

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns – „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) – wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Wir leiden und genießen, genießen und leiden und vergehen vor Liebe – mit ihr und durch ihr Werk (Der gute Gott von Manhattan, Ein Geschäft mit Träumen).

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

In gewissem Sinne ja, ein Martyrium, ein Leiden an der Zeit, ein übervolles Genießen von Schönheit und Erlebnisfähigkeit, aber es ist auch die Stilisierung einer bewusst gewählten Existenzweise.

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Die Fähigkeit, Sehnsüchte in der Sprache auszuleben (Lieder von einer Insel etc.).

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Warum sie nicht im Gailtal/Ziljska dolina oder in Keutschach/Hodiše gelebt und geschrieben hat.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich habe in meinen Band „Arkadien-Peloponnes 6“ (Ed. Rapial edicija) das Gedicht „Hotel de la Paix“ aufgenommen und ins Slowenische, Griechische und Französische übersetzt.

Darf ich Dich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

Die erste Welle der Nacht schlägt ans Ufer

die zweite erreicht schon dich.

Aber wenn du scharf hinüberschaust,

kannst du den Baum noch sehen,

der trotzig den Arm hebt

— einen hat ihm der Wind schon abgeschlagen

— und du denkst: wie lange noch,

wie lange noch

wird das krumme Holz den Wettern standhalten?

Vom Land ist nichts mehr zu sehen.

Du hättest dich mit einer Hand in die Sandbank krallen

oder mit einer Locke an die Klippen heften sollen.

„Ausfahrt“ Ingeborg Bachmann

Anm: Das Gedicht „Ausfahrt“ eröffnet den ersten Lyrikband von Ingeborg Bachmann, „Die gestundete Zeit“ (Piper, 1953)

 Herzlichen Dank für das Interview!

Jozej Strutz, Schriftsteller

Foto: Jozej Strutz _ privat.

Walter Pobaschnig 6.3.2026

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Liebeslinien. Ingeborg Bachmann in ihren Literaturbeziehungen mit Paul Celan und Max Frisch. Alexander Honold. Schwabe Verlag.

2026 _ 100.Geburtstag von Ingeborg Bachmann. Ein reiches, unerreichtes literarisches Leben. Ein Werk, das bis in die Gegenwart begeistert, inspiriert und Maßstäbe setzt. Diesem epochalen Werk steht ein Leben in der Öffentlichkeit, das von tiefer Liebe, Glück wie auch Tragik umgeben war.

Alexander Honold geht nun in seinem sehr spannenden Beitrag zum Bachmannjubiläumsjahr den literarischen Spuren in den Liebesbeziehungen zu Paul Celan und Max Frisch nach und überrascht wie besticht dabei in seiner facettenreichen Aufschlüsselung, Analyse der literarischen Chiffren wie direkten Verweise der Personen wie auch der detailreichen biographischen Referenzen Bachmanns dazu.

Sehr interessant sind auch die Zugänge zur jeweiligen literarischen Entwicklung im Zusammenhang der gesellschaftlichen Verfasstheit in Moral und Norm der Zeit. Die gute Kapiteleinteilung ermöglicht da eine spannende Gegenüberstellung und bietet neue Einblicke zu Leben und Werk aller drei.

In Summe ein sehr beachtlicher Beitrag zu Werk und Leben Ingeborg Bachmanns wie der vergleichenden modernen Literaturgeschichte.

Liebeslinien. Ingeborg Bachmann in ihren Literaturbeziehungen mit Paul Celan und Max Frisch. Alexander Honold. Schwabe Verlag.

Broschürt, 303 Seiten

Format: 22.0 x 15.4 x 2.3 cm

ISBN 978-3-7965-5493-3

EUR 28,00

Walter Pobaschnig 7/26

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„Lass bleiben“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Melina Nicolussi, Schauspielerin _ Wien 22.7.2026

Melina Nicolussi, Schauspielerin_ Wien_performing „Undine geht“ _ Donau/Wien _
Undine geht, Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961 _

Walter Pobaschnig 6/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance _ Donau/Wien

LIEBE  _ Akrostichon

Text & Performance   Melina Nicolussi, Schauspielerin _ Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

LIEBE

L ass bleiben.

I rgendwo ist

E s

B esser so.

E s wartet Neues.

Melina Nicolussi_7.7.26

Melina Nicolussi, Schauspielerin_ Wien_performing „Undine geht“ _ Donau/Wien _
Undine geht, Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961 _

Walter Pobaschnig 6/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance _ Donau/Wien

LIEBE  _ Akrostichon

Text & Performance   Melina Nicolussi, Schauspielerin _ Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann Rom 1962

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

UNDINE GEHT

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ (1961) und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse in Macht und Zerstörung. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

Melina Nicolussi, Schauspielerin

Zur Person: Melina Nicolussi (sie/ihr)

Schauspielerin _ tätig in Wien und London auf der Leinwand, auf der Bühne und im Puppentheater. Zuletzt gesehen als Leonie im Film „Februar“, als Serena in „The Siren“ oder in verschiedenen Rollen beim Original Wiener Praterkasperl.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Melina Nicolussi, Schauspielerin_ Wien_performing „Undine geht“ _ Donau/Wien _ Undine geht, Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961 _
Walter Pobaschnig 6/26.

Walter Pobaschnig   7.7.26

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„unerschütterliche Logik und brennende Leidenschaft“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien 21.7.2026

Ingeborg Bachmann _ Naoko Muneoka

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien

Liebe Naoko, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Das Fotoshooting mit dir gab mir die Gelegenheit, mich mit einigen ihrer Werke auseinanderzusetzen. Sonst hätte ich diese Chance wohl nicht gehabt, da ich Bücher lieber auf Japanisch lese und Ingeborg Bachmann in Japan allgemein unbekannt ist. Umso mehr freute es mich, dank deiner Einladung, ihre Texte auf Deutsch lesen zu können, und es war doch schön.

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?

Unerschütterliche Logik und ihre feingliedrige, brennende Leidenschaft aus ihrem Tiefsten. Und wie diese zusammen in ihrem Text leben.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?

„Undine geht“. Das sprach mein Gefühl einfach an und geht unter die Haut. Auch das Element Wasser zog mich an.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich würde mich gerne für ihre wunderschönen und beeindruckenden Werke bedanken, und auch dafür, dass sie überhaupt existiert hat.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Im November plane ich eine kleine Ausstellung mit meinen Arbeiten und Arbeiten meines verstorbenen Mannes Josef Kinz. Ansonsten arbeite ich am liebsten allein und in Abgeschiedenheit an meinen Bildern.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

„Ja, diese Logik habe ich gelernt, dass einer Hans heißen muss, dass ihr alle so heißt, einer wie der andere, aber doch nur einer. Immer einer nur ist es, der diesen Namen trägt, den ich nicht vergessen kann, und wenn ich euch auch alle vergesse, ganz und gar vergesse, wie ich euch ganz geliebt habe. Und wenn eure Küsse und euer Samen von den vielen großen Wassern – Regen, Flüssen, Meeren – längst abgewaschen und fortgeschwemmt sind, dann ist doch der Name noch da, der sich fortpflanzt unter Wasser, weil ich nicht aufhören kann, ihn zu rufen, Hans, Hans …“  Undine geht, Ingeborg Bachmann, 1961

Herzlichen Dank für das Interview!

Naoko Muneoka, Künstlerin

Zur Person und Werk: Naoko Muneoka/Malerei :

5 Fragen Interview _ Literatur outdoors

„Das eigene Leben leben können“ Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien 10.5.2024 | Literatur outdoors – Worte sind Wege

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto:  Naoko Muneoka _ Station bei Malina _ Walter Pobaschnig 5/26

Walter Pobaschnig, 30.5.26

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