Verena Dolovai, Schriftstellerin__ Wien _ performing_ Originalschauplatz Wien _ Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Fotonovel am Originalschauplatz _ „Malina“ Roman/ Ingeborg Bachmann im III.Wiener Gemeindebezirk „Ungargassenland“_ Walter Pobaschnig f.,
INGEBORG
ich bin
nicht immer wie ich
gewollt hab zu sein
es hat mir abverlangt
beinah zu viel für die
ohren der anderen das
richtige zu sagen, doch ich hab nur
gelogen
Verena Dolovai,10.1.2026
Verena Dolovai, Schriftstellerin__ Wien _ performing_ Originalschauplatz Wien _ Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Fotonovel am Originalschauplatz _ „Malina“ Roman/ Ingeborg Bachmann im III.Wiener Gemeindebezirk „Ungargassenland“_ Walter Pobaschnig f.,
MALINA Text/Performance _ Originalschauplatz
Verena Dolovai, Schriftstellerin__ Wien _ performing „Malina“ _
Walter Pobaschnig _ Idee/Regie/Fotos
Ingeborg Bachmann Rom 1962
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Ingeborg Bachmann auf der Terrasse ihrer Wohnung/Bocca de leone, Rom um 1971
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Im Interview: Lojze Wieser, Verleger, Autor
Lieber Lojze, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Als ich knapp zwanzig Jahre war, las ich das Honditschkreuz, das Ingeborg Bachmann mit siebzehn Jahren, noch während des Krieges, geschrieben hat. Sie eröffnet die Geschichte mit der Erwähnung der „Windischen“. Das war zu der Zeit, Mitte der Siebziger Jahre in meinen Augen (und vieler in Kärnten lebender Slowenen) ein politisch verbrauchtes Wort, dass die slowenische Sprache deformierte. Wie sie es gebrauchte, darüber machte ich mir keine Gedanken, das Politische überwog das Literarische. (siehe Anhang)
Viel später las ich die Gedichte Prag Jänner 1964 und Böhmen liegt am Meer sowie die Vorlesung Umgang mit Namen von Sigrid Weigel zum Zauberatlas von Ingeborg Bachmann und habe erst im Laufe der Jahre sie und ihr Werk zu verstehen begonnen. Ich schämte mich regelrecht über mein jugendliches Ungestüm, zumal ich nicht verstand, dass die junge Bachmann schon damals auf der Suche danach war, wo sie hingehört.
Siehe Anhang: WINDISCH
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ich möchte Hans Höller antworten lassen, der vor zehn Jahren in Der Standard schon alles sagte, was zu Ingeborg Bachmann heute lesen zu sagen wäre:
Balzac hätte sie beneidet um diese lyrischen Ausbrüche, diese weit zurückhörenden Erinnerungsfetzen, diese Gedichte in der Romanprosa, in deren evokative, freche und ungehobelt schöne Sprache sogar der nüchterne Bruder in Das Buch Franza verfällt, wenn er die Schwester in ihrer einstigen Jugendgestalt beschwört in seiner Anrufung, die eine Litanei aus Kärnten ist, aus der österreichisch-slowenischen Dorfwelt, voll von magischen und antiken Einsprengseln: „Enigma, meine einzige Schwester, anima, meine Dorfelektra, meine Wilde von Tschinowitz und von den Blechhütten, meine Schwimmerin aus der Gail, meine anima. Meine Blöde vom Land, meine kleine Idiotin, meine gegrillte Seele, wenn ich eine habe, meine einzige und meine nicht vorhandene“ (Das Buch Franza (Todesarten)).
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Das Honditschkreuz, das Frühwerk der Autorin, dem ich in meiner Jugend unrecht getan habe. Auch hier soll Hans Höller zu Wort kommen:
Die Erzählerin hätte aber noch immer auch den alten Mut, die Unbekümmertheit, die Freiheit und den Glanz, die in ihren Büchern leuchten, die „goldne gallizische Haut“, die man ihr so oft abziehen wollte – und ihre kärntnerisch-slowenische Empörung aus der Zeit der NS-Verbrechen gegen die österreichisch-slowenische Bevölkerung, als sie 1943 mit 17 Jahren die Erzählung Das Honditschkreuz schrieb.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Im Erzählen!,„… getragen von einer geradezu organischen Sympathie für den gekränkten, krankgemachten Menschen und seine Verstörung im Wahnsinn einer gewaltbereiten Welt.“ (Hans Höller)
„Wie der Schriftsteller die anderen zur Wahrheit zu ermutigen versucht durch Darstellung, so ermutigen ihn die anderen, wenn sie ihm, durch Lob und Tadel, zu verstehen geben, dass sie von ihm fordern und in den Stand kommen wollen, wo ihnen die Augen aufgehen. Die Wahrheit nämlich ist dem Menschen zumutbar“, sagt Ingeborg Bachmann anlässlich der Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden 1959 in Bonn. Wie ist dieses wohl berühmteste Zitat Bachmanns heute als Künstlerin:er in Werk, Leben und Gesellschaft zu verstehen?
Indem man danach handelt und es nicht laufend zitiert!
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Beim Tanz mit Peter Handke damals: Wer von Euch übernahm beim Tanz die Führung? Und: An welche Kindheitsspeise erinnerst Du Dich gerne?
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Das Archiv des Wieser Verlages seit 1987 bis 2024 und des Drava Verlages 1980 -1986 mit erfahrenen Bibliothekarinnen und Bibliothekaren und Archivaren so weit aufzuarbeiten, dass es der Wissenschaft zur weiteren Forschung übergeben werden kann. Es soll zeigen, wie die slowenische Literatur in die weite – deutschsprachige – Welt trat und wie sich süd-ost europäische Literatur in dieser Gehör verschaffte. Weiters bin ich dabei, zu jedem Buch der von mir verantworteten rund 1.800 Bücher einen Kommentar zu schreiben. Warum haben wir uns – als Verlag, im Lektorat und ich als Verleger – entschlossen, dieses Buch ins Programm zu heben und zu finanzieren.
Es wird wohl auch einige Lesungen mit meiner Frau Barbara und die eine oder andere Culinaire L`Evrope Veranstaltung mit Martin Kušej geben.
Es gibt noch viel zu tun. – Lesen, lieben schreiben, kochen, essen, trinken, reisen…
Herzlichen Dank für das Interview!
Lojze Wieser, Verleger
Zur Person: Lojze (Alois) Wieser, * 9. Juni 1954 Klagenfurt, Verleger, Autor.
Biografie
Wieser wuchs im Südkärntner Ort Tschachoritsch (Čahorče), Teil der zweisprachigen Gemeinde Köttmannsdorf (Kotmara vas) auf. Nach der Volksschule besuchte er das slowenische Gymnasium in Klagenfurt. In weiterer Folge absolvierte er eine Buchhandelslehre und gründete eine eigene Druckerei in Wien. Von 1981 bis 1986 leitete der Kärntner Slowene den Drava Verlag, der sich auf slowenische Bücher bzw. Übersetzungen slowenischer Literatur ins Deutsche spezialisierte. 1987 gründete er den Wieser Verlag, den er bis 2024 leitete. 2016 übernahm dieser auch den Drava Verlag.
Ausgehend von der Überzeugung, dass Literatur Vorurteile abbauen und Brücken zwischen Kulturen errichten kann, begann er, slowenische, kroatische, serbische, albanische, bulgarische, rumänische, ungarische, tschechische, slowakische und polnische Belletristik in deutschen Übersetzungen zu publizieren und damit fremdsprachige Klassiker im deutschen Sprachraum bekanntzumachen. Er begründete die Reihen „Europa erlesen“, das Kulinarikjournal „Der Geschmack Europas“ und die „Wieser Enzyklopädie des Europäischen Ostens“. Laut Verlagswebsite verlegte Wieser fast 1.000 Werke, darunter rund 350 Übersetzungen aus dem ostmittel- und südosteuropäischen Raum. Er ist selbst Autor und Herausgeber einer Vielzahl an Publikationen zur Kultur im weitesten Sinn (inklusive der Kulinarik).
Von 2013 bis 2024 betrieb Lojze Wieser in ORF und 3sat die eigene Sendereihe „Der Geschmack Europas“. In deren Rahmen er durch europäische Länder und deren Küchen streift, auf außergewöhnliche Menschen trifft und unerwartete Blicke auf Geschichte und Kultur Europas eröffnet. Er zehrt aus eigenen Reiseerfahrungen, erforscht kulturgeschichtliche Hintergründe, gewürzt mit Anekdoten eines weitgereisten Feinschmeckers und Hobbykochs.
Für seine Verdienste um die Kultur-, insbesondere Literaturvermittlung, wurden der Verleger und seine Werke mehrfach ausgezeichnet. Wieser war aber auch das Ziel von Morddrohungen und Anschlägen. 1994 war er einer der Adressaten einer von Franz Fuchs im Zuge dessen Anschlagserie verschickten Briefbombe.
Im Wieser Verlag wurden bis dato um 1.300 Bücher, darunter um 400 Übersetzungen aus dem ostmittel- und südosteuropäischen Raum publiziert.
Im Drava Verlag ist Lojze Wieser von 1980 – 1986 für knapp 100 Buchveröffentlichungen und ab 2016 – 2024 für weitere 250 Werke verantwortlich.
Anhang: Die Windischen
Von Janez Stergar
Der Begriff „Windisch“ fungiert als Bezeichnung für die in nationaler Hinsicht nicht bewusste slowenische Bevölkerung in Kärnten. Das alte deutsche Ethnonym für die Slowenen bzw. Slawen – Wenden, Winden, Windische – hat seit der Durchsetzung der modernen Bezeichnung vor allein in Kärnten und in der Steiermark seit den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts eine abwertende oder sogar beleidigende Bedeutung bekommen, da dieser Begriff dort mit dem subalternen gesellschaftlichen Status der slowenischen Bevölkerung sowie mit der vermeintlichen Unterentwickeltheit bzw. „Minderwertigkeit“ der slowenischen Sprache verbunden wurde.
Schon vor dem Ersten Weltkrieg (so etwa in dem Buch Die Wahrheit über Kärnten, 1914), vor allem aber im darauffolgenden Konflikt um die Kärntner Südgrenze wurde mit dem Begriff der „Windischen“ die „deutschfreundlichen“ und „österreichisch-heimattreuen“ Kärntner Slowenen bezeichnet, deren slowenischer Dialekt aufgrund der großen Zahl deutscher Lehnwörter von den deutschnationalen Ideologen als selbständige, „windische Sprache“ betrachtet wurde.
Der Historiker Martin Wutte, der in seinen wissenschaftlichen Arbeiten selbst nur von zwei Ethnien in Kärnten spricht, entwickelte für die deutschnationale Publizistik und Politik die sogenannte „Windischentheorie“, mit den „Windischen“ als einer eigenen ethnischen Gruppe, als einem „Mischvolk“ mit eigener Landes- oder Regionalidentität (Deutsch – Windisch – Slowenisch, 1927). Wuttes Nachfolger behaupteten sogar bis Ende des 20. Jahrhunderts, dass die „Windischen“ gar nicht slowenischer Herkunft seien, sondern Nachkommen alter germanischer Stämme, der Wenden, oder gar der Veneter, obgleich Wuttes „Windischentheorie“ von Sprachwissenschaftler und Historiker sowohl aus Österreich wie auch aus Slowenien wissenschaftlich längst widerlegt wurde.
Eine neue Stufe des Missbrauchs der „Windischentheorie“ als Instrument der Trennung des national nicht bewussten Teiles der slowenischen Bevölkerung in Kärnten (in der slowenischen Publizistik werden dafür meist die Ausdrücke „nemčur“ und „nemškutar“ – slowenische Deutschtümler– verwendet) vom national bewussten Kern der Minderheit, von der Zugehörigkeit zur slowenischen Nation sowie vor allem von der Verbindung mit seinem Mutterland nach dem „Anschluss“ stellten die Delegierung eines gewissen Mikula als Abgeordneter der Kärntner „Windischen“ zur Nationalversammlung sowie die Volkszählung vom 17. 5. 1939 dar. In der „Ostmark“ wurde auch die Zahl der Sprecher des „Windischen“ erhoben: demnach wurden in Kärnten 21.478 (5,15 % der Bevölkerung) als „Windische“ gezählt, neben einem Bevölkerungsanteil von 21.701 Slowenischsprachigen; in der Steiermark waren es 161. In Kärnten bekannten sich weiters 106 Menschen als Angehörige des „windischen Volkes“.
Die nationalsozialistische Praxis wurde auch von der Statistik der Zweiten Republik für die Zählungen zwischen 1951 und 1991 in Kärnten übernommen, wobei 19.728 (4,16 %), 11.469, 3.972, 2.354 und 888 (0,16 %) Bewohner „mit windischer Umgangssprache“ gezählt wurden, bei der letzten Zählung in der Steiermark waren es nur noch 2. Dieses statistische „Aussterben“ des „Windischen“ illustriert faktisch den Übergang von der slowenischen zur deutschen Sprache, die sog. Germanisierung. Eine genaue Analyse zeigt, dass bei der Sprachenzählung „Windisch“ als Umgangssprache „vorwiegend von der bäuerlichen, ländlichen, älteren und weniger gebildeten Bevölkerungsgruppe“ angegeben wurde (J. Zupančič), die dem Assimilationsdruck sowie den Suggestionen und auch nachgewiesenen Fälschungen der Volkszähler selbst stärker ausgeliefert war.
Im Nachkriegsjahrzehnt der britischen Verwaltungszone in Kärnten war allein schon die Bezeichnung „Windisch“ im öffentlichen Gebrauch verboten. Unmittelbar nach der Wiedererlangung der staatlichen Souveränität Österreichs jedoch sorgten antislowenische Kreise dafür, dass am 13. 5. 1956 – wieder nach nationalsozialistischem Vorbild – zwei Vertreter der „Windischen“ in den Kärntner Landtag gewählt wurden, Valentin Einspieler (auf der Liste der ÖVP) und Erich Silla (auf der Liste der FPÖ). Ein Jahr danach wurden sie zum Präsidenten bzw. Vizepräsidenten des Bundes der Windischen gewählt, der sich an den damals neugegründeten antislowenischen Heimatdienst anschloss. Der „Bund der Windischen“ soll nie mehr als zwei Dutzend Mitglieder gehabt haben, ihr Vorsitzender stellte in Bezug auf dieses „Völkchen aus der Retorte“ (Andreas Moritsch spricht von einer „Pseudoethnie“) selbst fest, es läge bei dieser Gruppe „die Tragik darin, dass sie keine geschulte Intelligenz“ gehabt habe, weil diese zur „deutschen Intelligenz“ übergegangen sei. Nach Auffassung des österreichischen Experten Theodor Veiter „war die Erfindung eines windischen Volkes, das mit dem slowenischen nichts gemein haben sollte, in der Zwischenkriegszeit eines der Hauptinstrumente zur Diskriminierung der Kärntner Slowenen, und wie es sich später zeigte, auch eines der effektivsten“.
Literatur:
L. Ude, Koroško vprašanje, Ljubljana 1976; T. Zorn, Vindišarska „teorija“ na avstrijskem Koroškem po drugi svetovni vojni (in: Koroški koledar 1978, Celovec 1977, 162-175); R. L. Lencek, The terms Wende – Winde, Wendisch – Windisch in the historiographic tradition of the Slovene lands (in: Slovene Studies 12/1, 1990, 93-97); A. Moritsch, Das Windische – eine nationale Hilfsideologie (in: Problemfelder der Geschichte und Geschichtsschreibung der Kärntner Slowenen / Problemska polja zgodovine in zgodovinopisja koroških Slovencev, Celovec-Ljubljana-Dunaj 1995, 15-31 (Unbegrenzte Geschichte / Zgodovina brez meja, 1); T. Priestly, Zur Rechtfertigung des Unentschuldbaren: Politische Manipulationen ethnischer Bezeichnungen in Gebieten mit slowenischen Minderheiten in Österreich und Ungarn (in: Slowenische Steiermark, Wien 1997, 297-344; J. Zupančič, Slovenci v Avstriji / The Slovenes in Austria, Ljubljana 1999 (Geographica slovenica, 32).
Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Lieber Andreas, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Da gibt es wenig Zugang, weil ich kaum etwas von ihr gelesen habe. Und das Letzte, was ich von ihr gelesen habe, nämlich die im Suhrkamp Verlag veröffentlichen Briefe an Max Frisch, hat mich eher abgeschreckt und mir den weiteren Zugang zu ihrem Werk versperrt.
Während der Vorlesungen in meinem Germanistik-Studium wurde Ingeborg Bachmann bestenfalls als temporäres Mitglied der Gruppe 47 erwähnt. Meine männlichen Professoren haben eher das Werk bundesrepublikanischer Autoren hervorgehoben, als da wären Grass, Böll, Lenz, Johnson und, als Österreicher, der frühe Peter Handke. Zu Ingeborg Bachmann hieß es dann, sie habe mit einigen Autoren der Gruppe 47 sexuellen Umgang gehabt. So sah das Studium in der 80er Jahren aus.
Andreas Frank, Schriftsteller
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Da müsste ich in die Sekundärliteratur schauen, oder gleich in Wikipedia. „Ingeborg Bachmanns Gedichte und Erzählungen gehören zu den frühesten feministischen Äußerungen in der deutschsprachigen Literatur der Nachkriegszeit.“ Das wird es wohl sein. Was ich über offensives feministisches Schreiben weiß, habe ich mir bei anderen Autorinnen angelesen. Elfriede Jelinek oder Sibylle Berg. Oder bei den Klassikerinnen der amerikanischen Literatur, von Gertrude Stein über Susan Sontag zu Joyce Carol Oates. Oder bei den Französinnen Catherine Millet und Virginie Despentes.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Vor allem ein Gedicht ist mir im Gedächtnis geblieben, das in vielen Anthologien veröffentlicht wurde: Die gestundete Zeit. Davon habe ich mir in jüngeren Jahren ein klein wenig abgeschaut und dann auch ziemlich dreist abgeschrieben.
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Das ist mir zu allgemein und hört sich eher nach den Überschriften aus den frühen Emma-Magazinen an. Wenn sie es 1971 gesagt hat, passt es zumindest in die Zeit.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Schreiben ist Inspiration + Zeitaufwand + Übung und Erfahrung + Leidenschaft. So würde es der alte weiße Mann in mir formulieren. Ein persönliches Martyrium kann ich darin nicht erkennen.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Muss das denn alles so schwer sein?
Im Ernst, ich weiß es nicht. Als ich mich in die Korrespondenz zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch vertieft habe, musste ich mich ständig fragen, wie zwei offenbar hochbegabte und sensible Menschen sich über Jahre hinweg in einer derart zermürbenden toxischen Beziehung verfangen konnten. Dann hätte ich beiden am Liebsten zugerufen: Macht endlich Schluss miteinander!
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich suche weiterhin nach einem Verlag, der meinen zweiten Gedichtband „Im Zeitalter der Stürme“ veröffentlicht. Mein erstes Büchlein „Hier unten gibt es nichts“ ist im Songdog-Verlag erschienen (damals noch in Wien ansässig), doch mittlerweile schreibe ich viel besser.
Herzlichen Dank für das Interview!
Andreas Frank, Schriftsteller
Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.
2015. Ein heißer Sommer – nach dem nichts wie vorher war. Emotionale politische Debatten prägen Europa angesichts der dramatischen Fluchtbewegungen, besonders aus den Krisengebieten Syrien, Afghanistan, Irak. Rund 90 000 Flüchtende suchen in diesem Jahr in Österreich um Asyl an. Große Hilfsbereitschaft und Engagement in gesellschaftlichen Institutionen wie der Zivilgesellschaft und auch Polarisierung prägen einen politisch heißen Herbst – „Wir schaffen das“.
In diesem Jahr der großen Herausforderungen, Taten, Diskussionen und Veränderungen setzt der neue Roman des Wiener Autors und Juristen Daniel Zipfel, der in der Asylrechtsberatung tätig ist, an. Sein gleichsam alter ego und Protagonist Benjamin Weiß muss sich dabei zunächst einer Lebensbewegung der besonderen und doch so alltäglichen Art stellen – die Oma, stolze neunundachtzig Jahre, lebt in Deutschland, aber jetzt soll ein Umzug nach Wien und damit die Nähe von Angehörigen Sorgen erleichtern und Sicherheit geben. Aber Oma will nicht recht, das gewohnte Umfeld, das liebevoll grantige Miteinander vor Ort, fehlt schon in den ersten Gesprächen. Aber der Enkel macht sich samt widerspenstiger Oma auf den Weg nach Wien.
Auf einen Weg, auf dem sie nicht alleine sind. Die Fluchtbewegung führt Menschen aus Kriegs-, Krisengebieten nach Europa, Österreich, Deutschland und diesen begegnen Oma und Enkel am Weg in Blicken aus dem Autofenster. Nah und fern zugleich.
Angekommen in Wien wartet auf Benjamin Weiß, Jurist in einer Beratungsstelle für Geflüchtete, der Fall eines syrischen Flüchtlings, dem auch Kriegsverbrechen zur Last gelegt werden. Wie jetzt vorgehen? Die Fragen im Kopf kreisen. Erinnerungen kreisen auch im Kopf der Oma, angekommen in der neuen und doch alten Umgebung in Wien, kommt die Erinnerung an den Krieg zurück und all das Vergessene im Dunkel von Gewalt und Tod, das sich nun meldet. Benjamin Weiß steht nun mitten und zwischen familiärer Geschichte in allen Abgründen von Zeit und Schuld wie der Gegenwart eines Bürgerkriegslandes. Wie nun Verantwortung und Konsequenz da und dort persönlich wahrnehmen? Was ist zu tun, muss getan werden? Alles ist nun unmittelbar. Drängend und herausfordernd. Und Benjamin Weiß sucht seinen Weg der Entscheidungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart…
Daniel Zipfel legt einen Roman zur Zeit vor, welcher die Fragen von Krieg und persönlicher Positionierung wie Aufarbeitung in einem beeindruckenden literarischen Panorama der Aus-, Weiterwirkungen von Gewalt und Verbrechen spannend wie in vielfacher Perspektive thematisiert. Der Autor versteht es einzigartig Mikro.- und Makrogeschichte in einem lebensnahen Plot zu verweben und situativ zu verdichten wie gesellschaftlich einzuordnen.
„Ein großartiger mitreißender Roman über Krieg, Gewalt einst und heute wie Erinnerung und Verantwortung als Aufgabe von Generationen!“
„Walküre“ Daniel Zipfel. Roman. Leykam Verlag.
Gebunden mit Lesebändchen, 256 Seiten
ISBN 978-3-7011-8395-1
€ 25,50 (A), € 25,- (D), sFr 35,70 (CH)
Zum Autor:
Daniel Zipfel, Schriftsteller
Daniel Zipfel 1983 in Freiburg geboren, lebt und arbeitet in Wien als Autor und Jurist in der Asylrechtsberatung. Sein Roman »Eine Handvoll Rosinen« (Kremayr & Scheriau 2015) wurde von der Kulturabteilung des österreichischen Bundeskanzleramts als »besonders gelungenes Debüt« ausgezeichnet.
Zuletzt erschien »Nichts als Papier« (Leykam 2023). Alle seine Romane erhielten die Buchprämie der Stadt Wien. (Presseinfo/Verlag)
Ino Matsou, Schauspielerin _acting Ingeborg Bachmann _ Ankunft Wien _ Originalschauplatz _ Wien _ Foto_Vor der ersten Wohnung von Ingeborg Bachmann in Wien. Die Schriftstellerin kam hier 1946 in Wien an. Walter Pobaschnig, folgende.
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Wort & Bild
INGEBORG_ Akrostichon
Text _ Romana Ganzoni, Schriftstellerin
Performance _ Ino Matsou, Schauspielerin
INGEBORG
Ich habe behalten, was brennt.
Nichts davon ist Vergangenheit.
Gewalt im Satz.
Ein Wort zu viel.
Brennen als Bedingung.
Ohne Trost.
Reden gegen die Zeit.
Gegen das Schweigen.
Romana Ganzoni, 9.1.2026
Ino Matsou, Schauspielerin _acting _ Walter Pobaschnig, folgende
Ino Matsou, Schauspielerin
Ingeborg Bachmann ist 1946 in Wien angekommen und lebte hier bis 1953. In dieser Lebensphase kommt es zu wesentlichen Begegnungen, Inspirationen, Aufbrüchen in Leben, Liebe, Literatur, die mit dieser Stadt in Wegen, Plätzen, Cafès ganz eng verbunden sind. Es formen sich wesentliche Themen und Schwerpunkte Ihres Schreibens. Ebenso ist es die Zeit erster Anerkennung als Schriftstellerin.
Mit Wien bleibt die später in Rom lebende und verstorbene Schriftstellerin zeitlebens verbunden. Ihr einziger Roman Malina spielt in Wien, ebenso nehmen viele Gedichte darauf Bezug.
Ingeborg Bachmann auf der Terrasse ihrer Wohnung/Bocca di leone, Rom um 1971
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Im Interview _Slavica Klimkowsky, Schriftstellerin
Liebe Slavica, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Nachdem ich Ende der siebziger Jahre ein paar ihrer Gedichte gelesen habe, wollte ich alles über die Schriftstellerin und ihr Werk erfahren. Da lebte ich seit kurzer Zeit in Berlin (kam im Herbst 1978 aus dem ehem. Jugoslawien) und studierte Medizin an der Freien Universität. Die Gedichte, so tiefsinnig und voller Energie, eröffneten mir eine neue Welt in der neuen Welt.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Die Schwere der existentiellen Last der Frau und die Suche nach weiblicher Subjektivität, Stimme, Identität und persönlicher Wahrheit. Ingeborg Bachmann war eine faszinierende Persönlichkeit und authentische literarische Stimme der Zeit, eine linguistische Schöpferin, fleißig und klug.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
„Malina“, ihr erster und einziger Roman, der mich tief berührt hat, 1. Teil einer Trilogie, die sie nicht vollenden konnte.
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Doch hat sie mit ihren Gedichten Anfang der fünfziger Jahre, vom patriarchal geprägtem Literaturbetrieb, viel Aufmerksamkeit erfahren. Nach ihrer intensiven, fast zwei Jahrzehnte langen Auseinandersetzung mit der Kunst, der Welt und der Kritik an eben dieser, wird sie, in der nach wie vor patriarchal dominierten Literaturwelt, ins Abseits gedrängt. Sachverhalte erkennen und sie beim Namen nennen, kam nicht gut an. Dennoch war/ist es wichtig – damals wie heute! Dafür wurde sie von ihren Leserinnen und Lesern verehrt.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Dass das Schreiben von literarischen Werken eine einsame Tätigkeit ist, wissen wir alle. Aber wenn der persönliche Anspruch und die Forderungen an die Kunst/Dichtung immer mehr „hochgeschraubt“ werden, mit jedem neuen Werk noch besser, noch präziser zu sein, kann die Arbeit zu einem „Martyrium“ werden. Manchmal ist es aber auch die Unzulänglichkeit der Sprache, die Qualen bereitet und eine/n Schriftsteller*in zur Verzweiflung bringen oder zum Schweigen verdammen kann.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Wie gern ich sie gelesen habe und immer noch lese.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Aktuell arbeite ich an der Endfassung meines Lyrikbandes „Inselschimmer“, erscheint im Sommer 2026
Herzlichen Dank für das Interview!
Slavica Klimkowsky, Schriftstellerin
Slavica Klimkowsky, lebt und arbeitet als freie Schriftstellerin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Literaturvermittlerin in Berlin, vielfach ausgezeichnet sowohl für ihre Literatur in Einfacher Sprache als auch ihre Kurzprosa und Lyrik, beschäftigt sich in ihren Texten mit der Komplexität menschlicher Charaktere und Lebenswege. Seit ihren Studientagen schreibt sie Rezensionen, Essays, Lyrik und Kurzprosa und veröffentlicht in Anthologien.
Sie ist Herausgeberin zweier Anthologien und Co-Autorin zweier Mosaik-Romane. Slavica Klimkowsky arbeitet gern mit internationalen Kolleg*innen zusammen an Projekten, die verschiedene Sprachen und Kulturen zusammen bringen.
Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.
Ingeborg Bachmanns Schreiben kennzeichnet sich in dem Bemühen Klarheit in der Sprache und damit in Leben, Liebe, Geschichte zu bekommen und immer weiter daran zu arbeiten. Literatur ist dabei immer auf diesen Prozess existentieller wie gesellschaftlicher Identitätsfindung bezogen. Die in Klagenfurt geborene und begrabene Schriftstellerin, 1964 mit dem Büchnerpreis ausgezeichnet, bezog in Reden, Interviews wie der Unterstützung von gesellschaftlichen Initiativen immer wieder Stellung zu Brennpunkthemen der Zeit.
„Man weiß nicht, ob Hoffnung ist, aber wenn keine Hoffnung ist, so ist es jetzt doch nicht ganz furchtbar, es dämpft sich, es muß nicht Hoffnung sein, kann weniger sein…“ Ingeborg Bachmann, Dankesrede Büchnerpreis, 1964
Im Interview _ Gabriele Vasak,Schriftstellerin _ Wien
Liebe Gabriele, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Meine Mutter hat mir zu meinem 16. Geburtstag den Band „Sämtliche Erzählungen“ von Ingeborg Bachmann geschenkt, und ich hab diese Erzählungen „gefressen“ und war und bin begeistert davon. Vor allem „Ihr glücklichen Augen“ hat mich damals wie heute beschäftigt: Darin ist die Rede von den „kranken optischen Systemen“ der Protagonistin Miranda, die ihr schlechtes Sehen als „ein Geschenk des Himmels“ bezeichnet, weil es sie davor bewahrt, das, was die anderen Menschen sehen und mitansehen müssen, aushalten zu müssen. Das empfinde ich als eine brillante Darstellung von Aspekten wie Außenseitertum und Rückzug aufgrund eines Mangels, aber auch das Schaffen von Nischen, in denen verletzliche Menschen sich ihr höchstpersönliches Leben einrichten. Außerdem gibt es da auch ein Identifikationsmoment für mich, da ich selbst nicht sehr gut sehe und meine Brille oft nicht trage, um die Dinge nicht so genau sehen zu müssen….
Gabriele Vasak, Schriftstellerin _ Wien _homestory _ Literatur outdoors _ Wien 1_26. folgende
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
„Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar“ hat Ingeborg Bachmann nicht nur gesagt, sondern wohl auch gelebt. Ich denke, sie hat es als Aufgabe aller Schreibenden gesehen, den Menschen die Wahrheit zuzumuten.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Das ist schwierig, weil alles so gut ist, aber ich liebe die Erzählungen immer noch sehr und auch viele Gedichte – hier vielleicht besonders „Wenn einer fortgeht“:
Wenn einer fortgeht, muß er den Hut
mit den Muscheln, die er sommerüber
gesammelt hat, ins Meer werfen
und fahren mit wehendem Haar,
er muß den Tisch, den er seiner Liebe
deckte, ins Meer stürzen,
er muß den Rest des Weins,
der im Glas blieb, ins Meer schütten,
er muß den Fischen sein Brot geben
und einen Tropfen Blut ins Meer mischen,
er muß sein Messer gut in die Wellen treiben
und seinen Schuh versenken,
Herz, Anker und Kreuz,
und fahren mit wehendem Haar!
Dann wird er wiederkommen.
Wann?
Frag nicht.
Wer sonst hat so intensiv und poetisch über Abschiede geschrieben….
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Seit 1971 hat sich einiges verändert, aber wir leben noch immer in einer patriarchalen Weltordnung oder -unordnung, nur dass wir heute andere Spielarten dieser zerstörerischen und selbst zerstörerischen Ordnung kennen und leben. Es ist vielleicht einen Versuch wert, sich dem entgegenzustellen, indem man und frau sie nicht ernst nimmt, in Nischen eine eigene Welt aufbaut und darin lebt.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Es hat schon etwas Seltsames, sich dem Schreiben auszusetzen und die meiste Zeit in relativer Einsamkeit zu arbeiten, aber ich empfinde es nicht als Martyrium allein zu sein, solange zwischendurch Kontakt und Austausch mit anderen stattfindet. Außerdem kann das alleine Arbeiten auch zu wunderbaren Flows führen – das erlebe ich immer wieder.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Mich hätte ihre Haltung zum Tod interessiert.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich arbeite derzeit an einem literarischen Experiment, bei dem nicht klar ist und auch nicht klar sein soll, ob es ein Dorfroman, ein literarisches Rätsel, eine Liebesgeschichte oder einfach Autofiktion ist. Das ganze wird ein Doppel-Roman, die beiden Teile sind als zusammengehörige, aber eigenständige Romane zu verstehen, die eine gemeinsame Geschichte erzählen, wobei im ersten Teil Rätsel auftauchen, die teilweise erst im zweiten Teil aufgelöst werden, und ich habe unglaublichen Spaß an der Sache.
Herzlichen Dank für das Interview!
Gabriele Vasak,Schriftstellerin _ Wien
Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.
Ingeborg Bachmanns Schreiben kennzeichnet sich in dem Bemühen Klarheit in der Sprache und damit in Leben, Liebe, Geschichte zu bekommen und immer weiter daran zu arbeiten. Literatur ist dabei immer auf diesen Prozess existentieller wie gesellschaftlicher Identitätsfindung bezogen. Die in Klagenfurt geborene und begrabene Schriftstellerin, 1964 mit dem Büchnerpreis ausgezeichnet, bezog in Reden, Interviews wie der Unterstützung von gesellschaftlichen Initiativen immer wieder Stellung zu Brennpunkthemen der Zeit.
„Man weiß nicht, ob Hoffnung ist, aber wenn keine Hoffnung ist, so ist es jetzt doch nicht ganz furchtbar, es dämpft sich, es muß nicht Hoffnung sein, kann weniger sein…“ Ingeborg Bachmann, Dankesrede Büchnerpreis, 1964