

Zu Monika Helfer/Monika Helfer-Köhlmeier:
Monika Helfer, Schriftstellerin (*18.10.1947 Vorarlberg +2.8.2026)
Monika Helfer, Schriftstellerin _ hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffentlicht. Für ihre Arbeiten wurde sie unter anderem mit dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur, dem Solothurner Literaturpreis und dem Johann-Peter-Hebel-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen bei Hanser ihre Romane »Vati« (2021), mit dem sie für den Deutschen Buchpreis nominiert war, »Löwenherz« (2022) und »Die Jungfrau« (2023), »Wie die Welt weiterging« (2024) sowie »Der Bücherfreund« (2025). Monika Helfer-Köhlmeier | Hanser 3.8.2026

bei der Verleihung des österreichischen Buchpreises 2025 in den Wiener Praterateliers :_ folgendes

Im Interview _ Daniel Wisser, Schriftsteller und Musiker _ Wien.
Lieber Daniel, welche Erinnerungen gibt es für Dich an Monika Helfer?
Ich habe Monika Helfer vor ein paar Jahren bei einer Lesung in Vorarlberg kennengelernt und es hat mir imponiert wie unprätentiös und geradlinig sie im Gespräch war. Man konnte mit ihr über alles reden und kam auch sofort zum Punkt. Wir haben uns ein paar Mal getroffen, aber meistens per E-Mail kommuniziert. Zuletzt habe ich Monika bei den Literaturtagen Steyr gesehen, wo sie heuer die Eröffnungslesung hielt.
Was macht für Dich das Besondere ihres Schreibens aus?
Monika Helfer hatte eine ganz seltene Fähigkeit: Sie zog ihre Leser mit einem Satz mitten ins Geschehen und führte sie mit sicherer Hand durch die gesamte Erzählung. Dabei machte es nichts aus, wenn der Text einen bizarren Verlauf nahm, Szenen mit harten Schnitten wechselten und Handlungsstränge im Nichts endeten. Ich kann mich an die Passagen in „Vati“ erinnern, in denen der Vater die Bücher der Hotelbibliothek, die aufgelöst wird, retten will. Seitenweise werden seine Anstrengungen beschrieben und schließlich versteckt er die ganze Bibliothek im Wald. Danach kommen die Bücher im Roman nicht mehr vor. Nur einmal sagt die Erzählerin, sie wisse selbst nicht, was dann eigentlich aus den Büchern wurde.
Möchtest Du bestimmte Bücher hervorheben und warum?
Zunächst möchte ich das Hörspiel „Oskar und Lilli“ hervorheben. Das war mein erster Text von Monika. Sie besaß enorm viel Lebenserfahrung, kannte das Leben mit Kindern, kannte Familien, Beziehungen und Freundschaften. Und diese Beziehungsgeflechte sind das Zentrum all ihrer Texte. Was sie schrieb, war absolut wahrhaftig. Auch die beiden Romane bei Jung & Jung möchte ich hervorheben: „Die Welt der Unordnung“ und „Schau mich an, wenn ich mit dir rede!“ Sie haben mir noch besser gefallen, als die Trilogie, die dann bei Hanser folgte, weil die Familiensituation härter und gnadenloser geschildert wird.
Wie hast Du Monika Helfer bei Lesungen, als Kollegin erlebt?
Sie war unkompliziert und hat sich nicht beklagt. Dabei war die Kritik ja nicht immer nett zu ihr, beziehungsweise wurde sie eben lange als „Ehegattin“ und nach dem schrecklichen Tod ihrer Tochter als „Mutter“ gesehen. Letztlich erhielt sie sehr spät – das hat sie selbst gesagt – durch die Trilogie im Hanser-Verlag die Anerkennung, die sie verdient hat.
Darf ich abschließend um ein Zitat/eine Textstelle aus Monika Helfers Werk bitten?
Weil es mich so an meine Kindheit auf dem Land erinnert, eine kleine Stelle aus der „Bagage“:
„Die Bagage kniete hinten in der letzten Bank. Auf der Frauenseite. Alle eng beieinander. Auch als Josef noch da war, knieten, standen und saßen sie hinten auf der Frauenseite. Die meisten Männer waren während der Messe draußen und politisierten, rauchten, kauten Tabak und spuckten, sodass der Schnee voller brauner Flecken war, zur Wandlung kamen sie herein, knieten sich neben ihre Söhne, wischten sich Kreuzzeichen übers Gesicht und machten verlegenen Mienen, als würden sie bei etwas Peinlichem erwischt. Josef beteiligte sich nicht an den Diskussionen draußen, er blieb bei der Familie, was immer bei den Seinen geblieben in der Kirche. Er glaubte nicht an den Himmel und schon gar nicht an die katholische Kirche, die Pfaffen hielt er für überflüssige Existenzen, Nichtsnutze, an die Heiligen glaubte er auch nicht, an die glaubte seine Frau, eher an die Heiligen glaubte Maria als an den lieben Gott, der war ihr zu weit weg und hatte selber nichts erlebt, über die Heiligen gab es immerhin Geschichten.“
Herzlichen Dank für das Interview!

Station bei Ernst Jandl _ Wien 9/25.
Literatur outdoors 9/25
Zur Person: Biografie – Daniel Wisser 22.8.2026
Aktueller Roman: Daniel Wisser: „Smart City“ , Luchterhand 2025
Website: Daniel Wisser – Schriftsteller
Foto: Monika Helfer _ Salvatore Vinci/Hanser Verlag
Fotos: Monika Helfer _ Verleihung des österreichischen Buchpreis 2025 _ Walter Pobaschnig
Foto: Daniel Wisser _ Station bei Ernst Jandl/Wien _ Walter Pobaschnig 9/25
Walter Pobaschnig, 21.8.2026























































































