„Fallen“ Paul Auer. Roman. Septime Verlag.

Da ist das Aufwachen. Das Gewitter im Kopf. Die Gedanken über Tag, Leben und Auswege. Blitze im Kopf zwischen Kloster und Kugel. Religion und Rasierklinge – „Zittern, beben und heulen…“.

Dann das Alltägliche. Anziehen, Küche, sehen nach den Mitbewohnern. Da ist das Buch – „Eumeswil“. Das Geburtstagsgeschenk.Worte und Verschwinden. Neue Welten. Wiederkehr oder Auferstehung – „Derlei Aufopferung ging an die Substanz, emotional, intellektuell, körperlich…Den Tod wünschte er sich zurück…jedenfalls keine Kompromisse mehr…“.

Das Leben draußen vor der Tür. Außerhalb des Kopfes und der Gedankenflüge. Judit, die neue Nachbarin. Ihre Wege und Träume…

Und die Wolken. Die Sonne, die Wasser, die Früchte und die Flügel. Die Farben – „Da war Lachen und Freude und Spiel…schwiegen wir, so träumten wir, und sprachen wir, so träumten wir…“.

Aber die Farben ändern sich. Schnell und unerbittlich. Bild und Rahmen. Es verschwimmt und zerbricht…alles wird jetzt anders für Christian, Stefan, Tommy…

Der österreichische Autor Paul Auer, der bereits mit seinem Debütroman „Kärntner Ecke Ring“ (2017) begeisterte,legt mit „Fallen“ eine fulminante Reise zu innerster Lebenswahrnehmung und -erfahrung vor, die in Erzählspannung wie ihrem weiten Spektrum von pointierten Denkräumen begeistert. Es geht um den Menschen und seine Lebenskraft von morgens bis abends. Dabei begegnet so viel im Innen und Außen an Sinn und Traum. Und die Grenzen verschwimmen dabei. Wenn es um den Menschen der Gegenwart geht, darf es keine Tabus geben. Dazu braucht es Sprachexperimente und Paul Auer setzt dieses fulminant. Der Autor öffnet im literarischen Kunstgriff Fundamente abendländischen Denkens in den Bewährungsproben und existentiellen Dramen des Alltagslebens von Anforderung und Bedürfnis.

„Ein Roman, der Sinn und (Alb)Traum unvergleichlich in Sprache zu verzaubern weiß.“

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„Die Konsumspirale dreht sich für viele langsamer, manche sind auch rausgeschleudert worden“ PJ Sturm, Schriftstellerin _ Wien 30.10.2020

Liebe Petra Johanna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich gehöre zu jenen, die die letzten Monate als entschleunigend empfunden haben. Nicht gerade im Sommer, da arbeitete ich vertretungsweise in der Redaktion einer Zeitung und saß mitunter bis Mitternacht vorm Computer, aber von März bis Juni war es so. Und jetzt wird es wieder so sein, so die Mutmaßung. Abseits der Sorge um andere, die der Risikogruppe angehören oder weniger privilegiert sind, hat mir persönlich der „Stillstand“ tatsächlich Ruhe und Stille gebracht. Ich hab weniger gemacht, das dafür gründlicher.

Man muss dazusagen, dass Homeofffice für mich ein Normalzustand ist. Ich arbeite seit vielen Jahren selbstständig als freie Journalistin und Texterin. Und als Radhistorikerin und Autorin ist mir auch alles willkommen, was Ablenkung vom Schreibprozess von Außen dezimiert. Auch das Prekäre ist mir bekannt – Aufträge können jederzeit wegfallen, fixe Monatsgehälter sind die Ausnahme. Urlaube verbringe ich ohnehin zumeist abseits der touristischen Zentren, in einsamen Bergdörfer etwa, oder ich bin mit Rad oder Trekkingrucksack unterwegs.

Was jetzt nicht heißt, dass ich sofort ins ungehinderte und unlimitierte Schreiben gekommen wäre. Die ersten Wochen hat mich die Krise sehr beschäftigt (auch die mediale Berichterstattung) und ich musste mich schon auch erst in ihr einrichten.

Aber dann ging es, und ich hab – ganz Corona-Klischee – an meinem ersten Roman gearbeitet. Und ich habe auch künstlerische Projekte verwirklicht, die ich vielleicht sonst nicht gemacht hätte. Gemeinsam mit anderen kurze Filme machen etwa, sich eine Flötenrevue ausdenken, die im Kongressbad umgesetzt wurde, oder mit einer Performerin gemeinsam Radreigen-Workshops geben auf leeren Plätzen in der Stadt: Menschen tanzen per Rad miteinander, fahren Loops und bilden Formationen, ihre Räder mit Boxen bestückt.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube, wirklich viele Menschen haben die letzte Monate gespürt, wie durchdrungen unser aller Leben von Konsum und der steten Anhäufung von Dingen ist. Die Konsumspirale dreht sich für viele langsamer, manche sind auch rausgeschleudert worden. Man muss den Schutz der Umwelt und einen Umbau der Produktionsweisen jetzt unbedingt zusammen denken. Beuys hat sich 1973  in Filz gewickelt und drei Tage mit einem Coyoten in ein Hotelzimmer eingesperrt. Müssen wir als Gesellschaft tatsächlich in einen mehrmonatigen Lockdown, um zu begreifen, dass wir nachhaltigere Produktionsweisen brauchen? In dieser Umgestaltung stecken Gemeinsinn, Empathie, Gleichheit und Zusammenhalt, alles was eine Gesellschaft und letztendlich jeder einzelne von uns doch am dringendsten bräuchte, nicht nur in der Krise, möchte man meinen. Wenn es jetzt nicht um das Wesentliche geht, wann dann?

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich denke Kunst kann Veränderungen anregen, ihnen Ausdruck verleihen oder sie begleiten, im besten Fall gibt sie ihnen eine Seele. Ich glaube bei Literatur schreibt sich das Gesellschaftspolitische zunehmend in die Figuren ein. Gut so! Literatur kann die Widersprüche aufzeigen, die Einstellungen und Menschen anhaften, kann Komplexität versuchen. Literatur muss nicht den Weg der Populisten gehen und vermeintlich eindeutige Wahrheiten und Überzeugungen verkaufen. Besser Ambivalenzen aushalten lernen, weniger werden sie die nächsten Monate sicher nicht.

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Was liest Du derzeit?

Ich mische gerne Literatur, Theorie, aktuelles und historisches

momentan lese ich u.a.:

„Zur Kritik der Weiblichkeit“ von Rosa Mayreder

Schön, ganz in ein Textwerk hineinzugehen, von dem ich vorher nur  Ausschnitte kannte.

„Annette, ein Heldinnen-Epos“ von Anne Weber, in knapper Form wird Wesentliches erfasst, Brüchen in der Biografie Platz gegeben und eine „Heldin“ mit allen Widersprüchen, die in vielen ihrer Handlungen und Entscheidungen liegen, porträtiert.

„Vom Land“ von Dominik Barta, in immer mehr Romanen bekommen Lebensumstände und soziale Milieus, die lange nicht als literarisch genug galten, eine Stimme, das finde ich super.

„Lebhafte Materie. Eine politische Ökologie der Dinge“ von Jane Bennett

Macht klar, warum es Sinn macht uns selbst und unsere nichtmenschliche Umwelt fundamental auf andere Weise zu begreifen.

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Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Hmm, vielleicht gleicht etwas aus dem letztgenannten Buch, daran denke ich vor jedem Gang zum Mistkübel:

„Wozu sich für die Vitalität der Materie aussprechen? Weil ich vermute, dass das Bild einer toten oder durch und durch instrumentalisierten Materie die menschliche Hybris und unsere die Erde zerstörenden Eroberungs- und Konsumfantasien nährt“ (Jane Bennett)

Das klingt auf den ersten Blick nach Katastrophenalarm, ist aber total logisch, oder?

Reenactment_sw_C_Atelier Falsoni_Jens Lindworsky.

Vielen Dank für das Interview liebe Petra Johanna, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur-, Textprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

PJ Sturm, Schriftstellerin

Fotos_1,2,3 PJ Sturm; 4 _  Atelier Falsoni/Jens Lindworsky,

23.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Solidarität. Und: Ins Schweigen hineinschreien“ Petra Kislinger, Schriftstellerin _Wien_29.10.2020

Liebe Petra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein epischer Tagesablauf gerät zu einem wahren Durcheinander.

Petra Kislinger

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Solidarität. Und: Ins Schweigen hineinzuschreien.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Kunst als Spiegel der Gesellschaft muss ständig in Bewegung bleiben und immer auch provozieren.

 

Was liest Du derzeit?

Judith Butler: Vom Unbehagen der Geschlechter.

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wer den Raum der Kunst benutzen kann, wird so leicht kein Terrorist.“ C. Schlingensief.

Vielen Dank für das Interview liebe Petra, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Petra Kislinger, Schriftstellerin

Foto_privat

20.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„John Lennon – Genie und Rebell“ Lesley-Ann Jones. Piper Verlag.

1980. New York. Es ist eine vorbereite Rückkehr des Superstars der 1960/70er Jahre in die Musikwelt eines neuen Jahrzehnts. Die Jahre davor hatte John Lennon seiner Familie gewidmet und war mit neuen Musikproduktionen nicht an die Öffentlichkeit getreten. Der so talentierte, engagierte und schillernde Musiker, der zunächst mit den Beatles in den 1960er Jahren (Trennung 1970) neue Maßstäbe in moderner Musik setzte und danach mit seiner Solokarriere und den Friedensprojekten weltweit Impulse setzte, zog sich Mitte der 1970er Jahre familiär zurück.

Gemeinsam mit seiner Frau, der japanischen Künstlerin Yoko Ono, plant er nun einen neues Musikalbum und die Arbeiten dazu sind im vollen Gange. Oft geht es spätnachts nachhause zum Hotel Dakota Building. So auch an dem Abend des 8.Dezember. Lennon und Yoko Ono kehren gegen 23.00h vom Studio zurück. Lennon lässt den Fahrer vor dem Hotel halten und geht mit Yoko Ono zu Fuß in das Gebäude. Als sie den Torbogen passieren fallen Schüsse. John Lennon bricht getroffen zusammen. Lennon wird ins Roosvelt General Hospital eingeliefert und stirbt noch vor Mitternacht.

Eine Flamme und Feuer in Genialität, Geist und Engagement verlischt mit vierzig Jahren. Ein Leben, so voll von Träumen, Erfolgen und Inspirationen. Ein Leben, dem zu folgen anlässlich des 40.Todestages eine so lohnende Aufgabe ist…

Die renommierte Journalistin und Autorin Lesley-Ann Jones geht nun in Ihrer Biografie des britischen Musiksuperstars John Lennon (1940 – 1980) den Anfängen, Aufstieg und den Höhepunkten wie privaten Lebensphasen des genialen Musikers nach und lässt diese Stationen in mitreißendem Wort wie beeindruckenden Fotos folgen.

„Ein beeindruckendes Musikerleben und eine mitreißende Biografie, die auch für die Gegenwart Inspiration und Impuls sind“

Walter Pobaschnig 10_20

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„Literatur ist kritisch, frei, darf sich nichts und niemandem anbiedern“ Erwin Uhrmann, Schriftsteller _ Wien 28.10.2020

Lieber Erwin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe um 7 Uhr auf und arbeite mich durch den Tag. Im Unterschied zu früher bin ich an den Abenden mehr zu Hause, weil es derzeit kaum Veranstaltungen gibt. Im Februar habe ich an einem neuen Roman zu schreiben begonnen. Während des Lockdowns ist es mir schwerer gefallen, daran zu arbeiten. Es gab jedoch genug andere Dinge zu tun, wie etwa mit den Autor*innen der Lyrikreihe, die ich im Limbus Verlag herausgebe, an einer Videoserie mit Wohnzimmerlesungen zu arbeiten. Nachdem alle zu Hause waren, ließ es sich gut koordinieren. Schließlich habe ich bis zum Sommer einige kürzere Texte geschrieben, wie etwa einen Essay für das Buch „Die Windhose vom 13. Oktober 1870“ von Gregor Mendel, für das meine Frau Johanna Uhrmann die Illustrationen gemacht hat. Während des Lockdowns haben wir beide an diesem Projekt gearbeitet, was schön war. Den Mendel-Text haben wir letzten Sommer im Mendel Museum in Brünn entdeckt. Das Buch erscheint jetzt im Herbst im Limbus Verlag.

Anfang Juli bin ich wieder gut in den Schreibprozess und in die Welt meines Romanprojekts hineingekommen.

Erwin Uhrmann - Foto - Julian Tapprich

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Trotz der momentan getrübten Sicht auf die Welt ist es notwendig das große Ganze zu sehen, in der Vogelperspektive zu bleiben. Es gibt einen rapiden Klimawandel, humanitäre Katastrophen, ein globales Ungleichgewicht. All das passiert gleichzeitig, kann richtig unübersichtlich werden und einen überfordern. Die Folge ist Verdrängung. Deshalb ist es wichtig, das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Die Klimabewegung und Black Lives Matter machen Hoffnung. Solidarität und Empathie sind – trotz all des Zanks in den sozialen Medien – notwendiger denn je.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schreiben, der Kunst an sich zu?

Die Rolle der Literatur oder eben auch der Kunst an sich bleibt unverändert, egal, was passiert. Das bedeutet: sie ist kritisch, frei, darf sich nichts und niemandem anbiedern. Für mich ist die Lyrik eine der freiesten Kunstformen, sicher auch weil sie am Buchmarkt eine so geringe Rolle spielt.

 

 

Was liest Du derzeit?

Eben fertiggelesen: Ur und andere Zeiten von Olga Tokarczuk.

Gerade angefangen: Logbuch eines Schwimmers von Roger Deakin und Nach der Natur von W.G. Sebald

Lyrikbuch, das ich gerade lese: Jahrbuch der Lyrik 2020, herausgegeben von Christoph Buchwald und Dagmara Kraus bei Schöffling

Herbstneuerscheinung, auf die ich mich schon freue: Am Ufer meines Setzkastens von Gabriele Petricek

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein Zitat aus dem Gedicht „Wien, Lerchenfelder Straße“ von Timo Brandt aus seinem aktuellen Gedichtband „Das Gegenteil von Showdown“, das lyrische Ich steht am Fenster und schaut auf die Straße.

Woher kommt der Wunsch,
das alles zu verstehen?
Mein Wunsch, mehr zu sehen,
als ich sehe?

 

 

Vielen Dank für das Interview lieber Erwin, viel Freude weiterhin für Deine so großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Erwin Uhrmann, Schriftsteller

http://www.erwinuhrmann.com/

Foto_Julian Tapprich

 

20.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wir können im Theater ein Miteinander erzeugen“ Anna Rieser_ Schauspielerin _ Linz 27.10.2020

Liebe Anna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im Sommer hatte ich keinen geregelten Tagesablauf, jeder Tag war anders. Das genoss ich. Eine Schildkröte lief mir zu, ich habe in Berlin gearbeitet und dann wieder die Stube eines alten Bauernhauses ausgemalt.

Ich versuche im Hier und Jetzt zu sein, was mir mal mehr, mal weniger gelingt.

Anna Rieser

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Rücksicht, Respekt, Wertschätzung.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt gesellschaftlich und persönlich stehen. Was ist dabei wesentlich und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ob es tatsächlich ein Neubeginn ist, vor dem wir stehen? Das wäre erstrebenswert, nach der Entschleunigung, die so viele von uns erlebt haben / erleben mussten. Meine Beobachtung ist allerdings eine andere. Ist das Leben in unserer Gesellschaft nicht wieder genauso hektisch, genauso einsam und selbstbezogen wie vor dem lockdown?

Würde ein Neubeginn denn nicht gerade am Miteinander etwas ändern? Eine größere Aufmerksamkeit für das Gegenüber schaffen, für die Umwelt?

Wir können im Theater ein Miteinander erzeugen, zumindest für kurze Zeit. Ein gemeinsames Denken, vielleicht Umdenken. Und vielleicht nimmt das dann jemand mit nach draußen. Das Gemeinsame.

Was liest Du derzeit?

Die Politiker von Wolfram Lotz. Das wird eine meiner ersten Arbeiten in Wien am Theater sein.

Nebenher lese ich derzeit noch Robert Seethalers „Das Feld“ und „Gott ist nicht schüchtern“ von Olga Grjasnowa.

Welches Zitat, welche Textstelle möchtest Du uns mitgeben?

Aus „Wofür es sich zu leben lohnt“ von Robert Pfaller:

Herr Pfaller, wofür lohnt es sich zu leben?

Robert Pfaller: Die Antworten kennt jeder: Mit Freunden ein Bier trinken, in einem zärtlichen Moment eine Aussicht genießen, beim Kaffee eine Zigarette rauchen, Ballspielen an einem Maiabend. Für verschwindend kleine Dinge.

Vielen Dank für das Interview liebe Anna, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Filmprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Anna Rieser, Schauspielerin

https://www.landestheater-linz.at/public/Person%20Details?pid=2793

30.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Keine Berieselung mehr zulassen, weder in der Politik noch sonst wo“ Petra Ganglbauer, Schriftstellerin _ Wien 26.10.2020

Liebe Petra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich habe nicht so viel verändert. Ich lebe, abgesehen von wichtigen Terminen, immer schon ziemlich zurückgezogen.

Petra Ganglbauer _ Foto - Marko Lipus

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Achtsamkeit im Umgang mit uns selbst, mit anderen Menschen, mit der gesamten Umwelt. Vielleicht sind wir ja gerade dabei, das zu erlernen!

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich denke, dass gerade die Literatur, die Kunst aufzeigen können, worauf wir unser Augenmerk legen sollten: etwa Bewusstheit im Hinblick auf alles, was wir tun, was um uns geschieht. Keine Berieselung mehr zulassen, weder in der Politik noch sonst wo.

 

Was liest Du derzeit?

Barbara Rieger: Friss oder Stirb. Kremayr & Scheriau, Wien, 2020.

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Jede dunkle Nacht hat ein helles Ende.“ (Nisami, persischer Dichter, etwa 1141-1209)

Vielen Dank für das Interview liebe Petra, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Petra Ganglbauer, Schriftstellerin

http://ganglbauer.mur.at/

Foto_Marko Lipus

19.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Malvita“ Irene Diwiak. Roman. Zsolnay Verlag.

Christina träumte, während der Zug in Richtung Süden rollte. Das Nachhause-Kommen, die Stiege und der Geruch, das Zimmer und dann das Erschrecken. David und Miri nackt im Bett. Und sie mit den Einkaufstüten davor. Ein Schrei…

Christina erwachte jetzt, blickte zu den vorbeiziehenden Mohnblumenfeldern. Dann zur Kamera. Das war der Grund der Reise. Eine Hochzeit in der italienischen Verwandtschaft. Und Christina sollte fotografieren. Die Mutter hatte das arrangiert und damit eine Reise in Gegenwart und Vergangenheit und den Geheimnissen darin…

Und dann das Ankommen. Am Bahnhof stand Elena, ihre Cousine. Ein Model. Und auch der Ort stand da:  Malvita, Toskana, Kopfsteinpflaster und Kirche, Fabrikshalle, das Gewordensein über Jahrhunderte. Alles scheint hier festzustehen. Seine Ordnung und seinen Platz zu haben…

Dann das Zimmer in der Villa Esposito. Die Familie. Die erste Nacht. Der lange, gute Schlaf. Dann beginnt der Tag. Das Kennenlernen. Eine ungeahnte Reise beginnt jetzt für Christina. Zu Gründen und Abgründen von Sehnsucht und Absturz einer Familie und des Lebens. Liebe und Drama. Mohn und Gedächtnis…

Wenn Irene Diwiak schreibt ist das wie ein Tandemflug von einmaliger Sprachvirtuosität und mitreißendem Seelenlandschaftsblick wehender Emotionen, Träume, Hoffnungen und deren sanften und harten Landungen zwischen Sein und Schein. Die Autorin setzt einen Stil von Direktheit und Hintergründigkeit, der schonungslos in Witz und Ironie Welt und Zeit offenlegt.

Irene Diwiak, Schriftstellerin

„Ein Sprachereignis und Leseerlebnis mit Fingerspitzengefühl und Hintergründigkeit, das einmalig ist.“

Walter Pobaschnig 10_20

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„Tue das, wovon Du überzeugt bist mit all Deiner Leidenschaft!“ Tanja Prusnik_Künstlerin _ Wien 25.10.2020

Liebe Tanja, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Intensiv und so wie ich ihn gestalte, auch genießend, zuerst kommt Kaffee, ohne den beginnt kein Tag, ein Überblicken meines Umfeldes, dankbar hier sein zu dürfen. Familie, dann ins Atelier.

Dann wartet wieder meine Familie auf mich. Und Freunde.

Im Sommer war das Atelier am Meer. Das Schöne daran war, dass ich nach der physischen Arbeit ins Meer springen konnte, traumhaft.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Reflexion, Besinnung auf das Wesentliche, Familie, Freunde, Zusammenhalt und Solidarität.

 

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

Die Kunst ist ein Spiegel der Gesellschaft, sie kann etwas vorgeben, etwas anzeigen, zu etwas anregen. Das Tun und Handeln obliegt dann dem Rezipienten.

 

Was liest Du derzeit?

„Gämsen auf der Lawine“ , „Gamsi na plazu“ von Karel Prušnik-Gašper zeitgleich in beiden Kärntner Landessprachen und „Zum Frühstück ins Freie – Manet, Monet und die ursprüngliche Malerei“ von Ross King

 

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Tue das, wovon Du überzeugt bist mit all Deiner Leidenschaft!

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Foto_ Die Künstlerin Tanja Prusnik  in der Galerie GPL vor hinter ihren Arbeiten, Bild im Hintergrund von Stefan Waibel.

Vielen Dank für das Interview liebe Tanja, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

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Tanja Prusnik

BLOG

19.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wir brauchen eine zeitgemäße politische Literatur“ Alexander Graeff, Schriftsteller _ Berlin 24.10.2020

Lieber Alexander, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Juli und August sind bei mir immer Schreibmonate, in denen ich mir Zeit nehme für meine eigene Literatur. Auch in diesem Jahr habe ich an meinem Romanmanuskript gearbeitet. In den Monaten davor war der tägliche Ablauf natürlich stark beeinträchtigt durch die coronabedingten Einschränkungen. Nach dem Messe-Reinfall Mitte März bedeutete dies monatelang zuhause zu bleiben, stündlich die Pandemie-Dashboards zu studieren, komische Träume zu träumen, zu viel Junkfood zu essen und unter der Tatsache zu leiden, eine Fernbeziehung zu haben. Ich bin froh, dass diese Phase vorbei ist.

Alexander Graeff _ Foto _ Charlotte Werndt

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Was für uns alle wichtig ist, kann ich nicht beantworten. Für uns alle dringlich und politisch notwendig ist meiner Meinung nach, dass wir noch mehr strukturelle Probleme unserer Gesellschaft aufdecken; den queeren Blick kultivieren; dahin schauen, wo es weh tut. Wenn ich mir die Debatten der letzten Wochen anschaue, scheint dies vor allem die Sprache zu sein.

Krisen stören die Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten. Insofern macht auch die Corona-Krise deutlich, wie stark patriarchal verfugt unsere Gesellschaft immer noch ist, wie familialistisch Sozialpolitik ist und wie zutiefst hierarchisch Arbeit und berufliche Qualifikation gedacht werden. Die Frage nach Systemrelevanz zum Beispiel sollte fortlaufend gestellt werden.

Auch die vielfältigen Vernetzungen einzelner Bereiche einer Gesellschaft werden durch die Krise deutlich. Man kann – wie man es verwaltungsdeutsch gewohnt ist – eben nicht einfach nur ein weiteres Hygienerahmenkonzept veröffentlichen, darin von Praxisnähe sprechen und dann nicht berücksichtigen, dass geforderte Mindestabstände in den Berliner U-Bahnen ebenso wie in den meisten soziokulturellen Zentren der Stadt schlicht und ergreifend Unsinn sind. Insbesondere, wenn die Räume, in denen sich die Menschen aufhalten, eng sind und begrenzt (wurden).

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur und Kunst verhandeln kulturelle Symbole, die nie unabhängig von sozialen Normen und Kontexten entstehen. Diese Symbole können den gesellschaftlichen Status Quo wieder und wieder aktualisieren oder den normativen Symbolkanon einer Gesellschaft stören, herausfordern, dekonstruieren. Die Kunst tut das schon ganz gut, finde ich, die Literatur in Deutschland hinkt aber dreißig Jahre hinterher.

Es wird also höchste Zeit, die oben erwähnten Strukturen und Vernetzungen in der Literatur zu thematisieren. Nicht, weil ich denke, dass dies Aufgabe der Literatur sei. Sondern weil ich denke, dass eine Literatur, die das tut, auch den Lebensrealitäten von Leser*innen entspricht, vielfältige Identifikationen ermöglicht und Sinnbezüge sichtbar macht, die in der Vergangenheit kulturbedingt unsichtbar gemacht wurden.

Konkret: Wir brauchen mehr Literatur über weibliche Körper, überhaupt über Körper jenseits der maskulinen Mythenproduktion. Wir brauchen mehr Literatur über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, mehr Literatur über Klassismus, Rassismus und Antisemitismus – mehr feministische Literatur, mehr queere Literatur usw. usf.

Wir brauchen eine zeitgemäße politische Literatur, die den hegemonialen Symbolkanon durchqueert, Strukturen und soziale Verfugungen sichtbar macht und so kritische Unterhaltung ermöglicht.

 

 

Was liest Du derzeit?

Ich habe gerade mit Chris Kraus‘ »Torpor« begonnen. Davor habe ich Christian Metz‘ hervorragenden poetologischen Essay »Beugung« gelesen. Wichtiger Text!

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Gerne einen aus dem oben erwähnten Essay:

»Politisch engagierte Lyrik behauptet also keinen sicher abgegrenzten, distanzierten Ort poetischer Autonomie mehr für sich, von dem aus sie die Welt und die Mitmenschen reflektieren könnte. Vielmehr besteht ihr Engagement in der fortlaufenden, gegenseitigen Verschränkung des Eigenen mit dem Fremden. […] Das Fremde ist nicht länger das Ausgegrenzte. Grenzen sind aber auch nicht einfach aufgehoben. Dichten ist nicht gleich Politik oder Ökonomie. In der Poesie interferiert […] das Fremde […] gleichwertig mit dem Eigenen und entfaltet sich so im Vielfältigen […]. Statt eine Metaposition oder gar Autonomie in Anspruch zu nehmen, verortet sie das Dichten gleichwertig im Miteinander- und Ineinanderfließen relationaler Diskurse.« (Christian Metz: Beugung. Verlagshaus Berlin, 2020. S. 25.)

 

 

Vielen Dank für das Interview lieber Alexander, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Alexander Graeff, Schriftsteller

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Foto_Charlotte Werndt

 

 

19.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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