Gegeben, der Herr hat`s genommen – wer das glaubt –
Ist mit
Verlaub´
Einfältig, denn schau´: Der
Passionsblume am Wegesrand, wird ohne Grund der Kopf vom Stil getrennt.
Einfach
Aus Langeweile und
Charakterschwäche. Ich –
Empfehle hier altersweise zu mehr
Achtsamkeit, mit (ver)zweifelndem Blick auf die Y-
Chromosomen, die für die Ausbildung der
Hoden
Ausschlaggebend sein sollen.
Never, ever, give up hope! Oder besser: Nutze deine
Chance(n)
Eigensinnig an (d)einer neuen Welt zu werken!
(Inspiriert durch Bachmanns Ausspruch: „Wir sterben immer an den anderen“)
Riccarda Gleichauf, 11.5.2026
Riccarda Gleichauf, Schriftstellerin
GIVE PEACE A CHANCE
Riccarda Gleichauf, Schriftstellerin
Zur Person:Riccarda Gleichauf blieb den Büchern nach einer Buchhändlerinnenlehre in Frankfurt am Main treu und studierte anschließend dort Philosophie und Germanistik. Es folgten Veröffentlichungen im Bereich Kurzprosa und Kinderbuch. Sie ist Herausgeberin der Textland-Anthologien zum gleichnamigen, jährlich stattfindenden Literaturfestival. Als Literaturrezensentin und Bloggerin gehört sie zur Redaktion des Kulturportals textor.online. Aussichten einer Empfangsdame ist ihr Romandebüt.
„Eine hochqualifizierte Akademikerin findet sich plötzlich hinter einem Empfangstresen wieder. Zwischen Telefonen, Besucherausweisen und dem täglichen Mantra der „flachen Hierarchien“ wird sie zur Schnittstelle eines Unternehmens, das von Effizienz spricht, aber Abhängigkeiten produziert. Während sie freundlich lächelt und Termine koordiniert, beginnt sich innerlich ein Riss zu öffnen: zwischen dem eigenen Selbstbild und der Rolle, die sie ausfüllen muss, zwischen geistigem Anspruch und funktionaler Dienstbarkeit.
Aussichten einer Empfangsdame erzählt mit präziser Beobachtungsgabe von prekärer Arbeit, verdeckten Machtspielen und der stillen Erosion einer Bildungsbiografie – und fragt, wie viel Selbst im System der Erwerbsarbeit bestehen bleiben kann.“ Pressetext/Verlag
Aussichten einer Empfangsdame, Riccarda Gleichauf. Roman. Verlag NeuWerk
Liebe Riccarda, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Broterwerb. Schreiben, Broterwerb, Broterwerb, schreiben. Broterwerb, Broterwerb, Broterwerb, schreiben. Alles wird teurer.
Riccarda Gleichauf, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
(Auch) positiven Erzählungen über die Welt zu lauschen und Energie und Widerstandskraft aus ihnen zu ziehen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur sollte weiter den Möglichkeitssinn beschwören. Gerade wenn uns die Wirklichkeit noch so düster zuwinkt.
Was liest Du derzeit?
Tomer Gardi: Liefern.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Aber die Liebe, sagte sie und schloss das Notizbuch. Pst, pst, sagte sie, sie schläft in den Resten der Asche.“ (U. Gruenter. Epiphanien, abgeblendet.)
Vielen Dank für das Interview, liebe Riccarda, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Riccarda Gleichauf, Schriftstellerin
Zur Person:Riccarda Gleichauf blieb den Büchern nach einer Buchhändlerinnenlehre in Frankfurt am Main treu und studierte anschließend dort Philosophie und Germanistik. Es folgten Veröffentlichungen im Bereich Kurzprosa und Kinderbuch. Sie ist Herausgeberin der Textland-Anthologien zum gleichnamigen, jährlich stattfindenden Literaturfestival. Als Literaturrezensentin und Bloggerin gehört sie zur Redaktion des Kulturportals textor.online. Aussichten einer Empfangsdame ist ihr Romandebüt.
„Eine hochqualifizierte Akademikerin findet sich plötzlich hinter einem Empfangstresen wieder. Zwischen Telefonen, Besucherausweisen und dem täglichen Mantra der „flachen Hierarchien“ wird sie zur Schnittstelle eines Unternehmens, das von Effizienz spricht, aber Abhängigkeiten produziert. Während sie freundlich lächelt und Termine koordiniert, beginnt sich innerlich ein Riss zu öffnen: zwischen dem eigenen Selbstbild und der Rolle, die sie ausfüllen muss, zwischen geistigem Anspruch und funktionaler Dienstbarkeit.
Aussichten einer Empfangsdame erzählt mit präziser Beobachtungsgabe von prekärer Arbeit, verdeckten Machtspielen und der stillen Erosion einer Bildungsbiografie – und fragt, wie viel Selbst im System der Erwerbsarbeit bestehen bleiben kann.“ Pressetext/Verlag
Aussichten einer Empfangsdame, Riccarda Gleichauf. Roman. Verlag NeuWerk
Iris Pollak, Schauspielerin _ Wien _ acting _ Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig 7/25 folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance
MALINA UNDINE GEHT INGEBORG _ Akrosticha
Text& Performance _ Sada Sultani, Schriftstellerin und Liedermacherin _ Berlin
Performance _ Iris Pollak, Schauspielerin _ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Iris Pollak, Schauspielerin _ Wien _ acting _ Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig 7/25 folgende
Iris Pollak, Schauspielerin _ Wien _ acting _ Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig 7/25 folgende
MALINA _ UNDINE GEHT _ INGEBORG
Melancholie
Als ich dich verlass1
Lachte mich das Leben aus
Ich verlor mich im Nirgendwo
Nichts war wie früher/ Anfangs
Auch Ali2
Und
Nilofar2
Die japanischen Kirschen blüteten aber weiter
Ich kehrte mich weiter in mich zurück
Niemanden interessierte das, Niemanden interessiert das
Egal ob Ali, egal ob Nilofar …
„Ghami gherefte Jahan ra keh Aftab az Bahr/ cho Abr ba Mozheje ashkbar mikhizad“3
Ersehnte ich mir das Schicksal, oder das Schicksal mich?
Ersehne ich das Richtige daraus?
Haben mich auch die Hindukusch-Gebirge4 vergessen?
Tempelhofer Feld und der Sonnenuntergang …
Ich sehne mich nach dir
Nichts kann mich trösten
Gazahl5 auch
Elend hat doch was Befreiendes
Berlin kennt das irgendwie
Oma hatte vielleicht Recht
„Ruzegar ayineh ra mohtaj e khakester konad.“6
Gabriel7 fragt: Wie es mir geht?
1: „Verließ“ wurde absichtlich „Verlass“ geschrieben
2: meine Geschwister
3: Nazem Herawi: „Die Welt erfasst eine tiefe Traurigkeit/ Wenn die Sonne/ wie eine Wolke/mit tränengefüllten Augen/aus dem Meer aufsteigt“
4: Gebirge in Zentralasien, liegt größtenteils in Afghanistan
5: Traditionsreiche lyrische Gedichtform
6: Persisches Sprichwort:
„Die Zeit verwandelt einen Spiegel in Asche“ verweist auf die drastischen Veränderungen der Zeit. Es bedeutet, dass sich ein Mensch in einer Situation wiederfinden kann, in der er die niedrigsten und wertlosesten Dinge (Asche) benötigt, während er einst sehr wertvoll war (ein Spiegel)
Kernaussage-> die Verderbtheit der Welt: Die Zeit kann einen liebenswerten oder arroganten Menschen demütig und bedürftig machen.
7: Guter Freund und toller Autor/Lyriker
Sada Sultani, 25.4.26
Iris Pollak, Schauspielerin _ Wien _ acting _ Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig 7/25 folgendeIris Pollak, Schauspielerin _ Wien _ acting _ Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig 7/25 folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance
MALINA UNDINE GEHT INGEBORG _ Akrosticha
Text& Performance _ Sada Sultani, Schriftstellerin und Liedermacherin _ Berlin
im Interview _ Sada Sultani, Schriftstellerin und Liedermacherin _ Berlin
Liebe Sada, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Über Ingeborg Bachmann wurde ich aufmerksam erst seitdem ich in Deutschland lebe.Ich bin neugierig und interessiert mehr von ihr zu lesen.
Die Themen ihrer Werke finde ich sehr ansprechend, da sie sich mit Weiblichkeit, Feminismus und Politik befassen. Genauer gesagt, befasste sie sich mit der patriarchalen Gewalt in der Welt und der Suche nach der weiblichen Identität. Diese Themen verarbeite ich auch in meinen Werken.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Das Besondere an ihren Werken ist, dass sie sich intellektuell und zugleich auch emotional ausdrücken konnte.
Sie hat nicht nur Geschichten geschrieben, sondern auch die Grenzen der Sprache getestet.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
Ich liebe ihre Lyrik. Vielleicht weil ich eine Perserin bin. Perser lieben Poesie.
Besonders gefallen mir die Gedichte “An die Sonne” und “Die gestundete Zeit”.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Lass uns Freundinnen sein. Wollen wir Freundinnen werden?
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Zurzeit befinde ich mich in der Fachweiterbildung zur psychiatrischen Fachpflege für Psychiatrie, und bin dabei eine empirische Facharbeit zum Thema “Traumatisierte Frauen auf der Flucht und Einsamkeit” zu schreiben.
Bei der Überlegung über das Thema konnte ich feststellen, wie viele Frauen ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Wie es sie traumatisiert hat und mit welchen Problemen sie zu kämpfen hatten.
Dabei kam ich auf die Idee eine biografische Geschichte daraus zu machen, in der auch ein paar Bewältigungsstrategien vorkommen.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
Meine zwei Lieblingszitate von ihr:
“Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht.”
“Eine neue Sprache muss eine neue Gangart haben, und diese Gangart hat sie nur, wenn ein neuer Geist sie bewohnt.”
Herzlichen Dank für das Interview!
Sada Sultani, Schriftstellerin und Liedermacherin _ Berlin
Lisa-Marie Bachlechner, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina am Originalschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 7/21
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance Originalschauplatz „Malina“ Wien.
Performance _Lisa-Marie Bachlechner, Schauspielerin_ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Lisa-Marie Bachlechner, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina am Originalschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 7/21Lisa-Marie Bachlechner, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina am Originalschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 7/21
INGEBORG
I N S E L
N I E
G E N A U E R
E N T S P R I C H T
B L Ä U E
O D E R
R A U S C H
G E H , G E D A N K E
Hannah Dübgen, 23.4.2026
Lisa-Marie Bachlechner, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina am Originalschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 7/21
Lisa-Marie Bachlechner, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina am Originalschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 7/21
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance Originalschauplatz „Malina“ Wien.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
im Interview _ Wolfgang Scherreiks, Schriftsteller _ Berlin
Lieber Wolfgang, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ingeborg Bachmann gehört zu meinen späten Entdeckungen. Zwar hatte ich eine grobe Ahnung von ihren Werken. Dazu wird ja gern Biographisches und sehr Privates über die Schriftstellerin öffentlich breitgetreten. Aber erst Recherchen zu meinem neuen Roman führten zum Einstieg in ihre Texte. Ich räume ein, ich bin immer noch dabei, sie zu lesen. Die Weitergabe autoritärer Erfahrungen bis in intime Beziehungen hinein mit den Mitteln der Literatur zu untersuchen und dafür eine Poetik zu erarbeiten, das hat mich zuerst angezogen. Ein ferner Bezug zum geographischen Referenzraum meiner eigenen Arbeit war auch das Wüstenbuch ihrer Ägyptenreise. Bald ein Jahr lang besaß ich bis vor Kurzem sämtliche Bände ihres Todesarten-Projekts aus der Berliner Staatsbibliothek. Erstaunlicherweise hatte die selbst im Jahr ihres 100. Geburtstag über diese lange Zeit niemand sonst entliehen.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Sie ringt um das, was für mich eine gute Schriftstellerin oder einen Schriftsteller unter anderem ausmacht: Eine Sprach- und Formsuche, hinter der eine existenzielle Not oder jedenfalls ein Begehren steht.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Lieber eine Edition. Ich weiß, dass die erzwungene Struktur der Kritischen Ausgabe des Todesarten-Projekts von Piper nicht jedem gefiel. Ich las darin weniger akademisch. Überhaupt eintauchen zu können in die Textvarianten mit ihren Vor- und Korrekturstufen, ist sehr faszinierend.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Auch wenn das Patriarchat (in den Medien) ein lautes Comeback feiert und sein Militarismus erstaunlich unkritisch in den Köpfen von Männern und Frauen zurück ist, würde ich in Bachmanns Texten zwei Kontexte mitlesen: Die historische Gegenwart, in der diese Texte entstanden, sowie ihre eigene Erfahrung. Dass sich seit ihrer Zeit im gesellschaftlichen Bewusstsein nun gar nichts nirgendwo geändert hat, wird man nicht ernsthaft behaupten können.
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
Ich weiß nur, dass wir sehr unterschiedlich lieben. Das Bachmann-Zitat bietet natürlich eine Steilvorlage für die dichotomische Anlage gegenwärtiger Debatten, die wenig lösungsorientiert auf Trennendes setzen. Vielleicht ist die Aussage aber nicht so 1 zu 1 auf Individuen zu lesen. Steht ihre „Krankheit der Männer“ nicht eher als Bild für die zerstörerische Energie des Patriarchats? Populär missverstanden, blockiert ein gegenseitiges Pathologisieren jedenfalls den Dialog zwischen den Geschlechtern. Das Patriarchat außergeschlechtlich zu begreifen und ihm gesamtgesellschaftlich-emanzipatorisch entgegenzutreten, scheint mir ein gesunderer Weg zu sein.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Märtyrer bedeutet ja Zeuge. Verdammter Zeuge also. Oder zum Zeugnis verdammt. Ich halte viel vom persönlichen Impuls, der die Sache vorantreibt. Die Selbstzerstörung des Künstlers ist für diese Passion unnötig. Warum sollte der verdammte Zeuge die Transformation in Kunst nicht als Reise von der metaphorischen Hölle ins Paradies durchlaufen, als deren Begleiter oder zumindest zu deren Ende die Möglichkeit von Liebe steht? „L’amor che move il sole e l’altre stelle“, endet die Commedia.
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Ihre Verbindung von Innen mit der Geografie finde ich sehr interessant.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Vermutlich etwas enttäuschend Unliterarisches. Aus meiner ewigen Retterfantasie heraus und in dem Wunsch, dass sie uns noch länger erhalten geblieben wäre, hätte ich ihr etwas aus dem Werkzeugkasten der Suchtberatung gesagt…
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Derzeit lässt die Unruhe um die Vorstellung meines Romans »Goldberg« wenig Zeit für die Konzentration auf ein neues Projekt. Allerdings existiert die erste Rohfassung eines neuen Romans. Darin wird es um eine Reise gehen. Ich möchte mich mit dem gesellschaftlich wie politisch inzwischen scheinbar utopischen Thema Vergebung auseinandersetzen. Und was uns der Mythos dazu für Angebote macht. Bereits der »Goldberg« probiert, im Schauen andere Perspektiven auszuloten. Es gilt, diese Aufmerksamkeitspoetik des Nature Writing auf eine Ding- und Porträtbeschreibung zu übertragen. Dazu ist es mein Wunsch, mehr ins Erzählen zu kommen. Und dabei erneut mein spielerisches Gebot des Happy Ends jenseits der Klischees zu berücksichtigen. Aufgaben genug.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
Dann zur Literatur als Utopie aus den Frankfurter Poetikvorlesungen:
„Die Literatur aber, die selber nicht zu sagen weiß, was sie ist, die sich nur zu erkennen gibt als ein tausendfacher und mehrtausendjähriger Verstoß gegen die schlechte Sprache – denn das Leben hat nur eine schlechte Sprache – und die ihm darum ein Utopia der Sprache gegenübersetzt, diese Literatur also ist zu rühmen wegen ihres verzweiflungsvollen Unterwegsseins zu dieser Sprache und nur darum ein Ruhm und eine Hoffnung der Menschen.“
Wundervolle Waldküche. Köstliche Rezepte aus Blüten, Blättern, Früchten, Beeren und Zapfen. Aurélie Valtat, Wiebke Krabbe. Ulmer Verlag.
Brennnessel. Das Multitalent – von Salat bis Seife. Natasja van der Meer, Wiebke Krabbe. Ulmer Verlag.
Der Frühling beginnt strahlend. Die Natur erwacht und zeigt bei Spaziergängen ihre so vielfältige Welt, die Sinne erfreut und ausruhen und rundum Körper & Seele auftanken lässt. Wiese, Wald – unersätzliche Lebensräume der Ruhe und Erholung.
Doch auch ein vielseitig spannender Lebensraum, dessen Pflanzen, Blüten, Früchte dazu einladen ihre unmittelbare Wirkkraft an- und aufzunehmen. Doch wie kann ich das am Besten umsetzen? Was gibt es alles und wie ist dies zu pflücken und zu verarbeiten?
Hier bietet der Ulmer Verlag zwei wunderbare Frühlingswegbegleiter an, die ein äußerst spannendes Vademecum sind, das Entdeckungsfreude mit knowhow großartig verbindet.
Die renommierten und fachkundigen Autorinnen bieten einen fundierten Überblick in Wort&Bild zu einem Wald- und Küchenspaziergang, der vom Pflücken, Verarbeiten, Konservieren alles beinhaltet was für einen Genuss über das ganze Jahr nötig ist. Und die Bandbreite dabei ist einzigartig – und reicht von Tee, Konfitüren bis zu Eis, Pesto und Likör. Wahre Schatzrezepte laden dazu ein, selbst die Waldküche auf den Tisch zu bringen und genussvoll wie nachhaltig zu begeistern.
Unter den vielen besonderen Pflanzen ist hier die Brennessel hervorzuheben, der eine wunderbare bibliophile Buchausgabe gewidmet ist, in der Beschreibung und Verarbeitung wie Faszination beeindruckend dargestellt sind. Dies reicht von der Kulinarik bis zu Kosmetik und Textilverarbeitung. Die Brennessl – ein faszinierender Allrounder, der im vorliegenden Buch zum ganz neu Entdecken und Genießen einlädt.
„Es sind wunderbare Reiseführer und Wegweiser in Faszination und Genusswelt unserer tagtäglich umgebenden Natur!“
Wundervolle Waldküche. Köstliche Rezepte aus Blüten, Blättern, Früchten, Beeren und Zapfen. Aurélie Valtat, Wiebke Krabbe. Ulmer Verlag.
Brennnessel. Das Multitalent – von Salat bis Seife. Natasja van der Meer, Wiebke Krabbe. Ulmer Verlag.
Liebe Gabrielle, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ich habe Ingeborg Bachmanns Werke gelesen, bevor ich selbst zu schreiben begann. Sie gehörte zusammen mit Christa Wolf, Marlene Haushofer, Barbara Frischmuth, Anne Duden u.a. zu den Schriftstellerinnen, die mich durch ihre weibliche Sicht und Schreibweise beeindruckten und motivierten, meine ersten Schreibversuche zu wagen und das Schreiben ernst zu nehmen.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ihre Verletzlichkeit, die in ihrem Schreiben so deutlich wird, zusammen mit diesem schon fast selbstzerstörerischen Willen, ihren eigenen literarischen Weg zu gehen, ihre Sicht in ihren Werken umzusetzen.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
Undine geht ist sicher die Erzählung, die mich am meisten trifft und betrifft, literarisch wie auch persönlich. Die Geschichte, der Mythos der „anderen“ Frau, die zwar begehrt, dann aber auch verlassen wird, weil sie zu gefährlich ist, zu unabhängig, zu erotisch, beschäftigt mich an sich. Ich habe selbst immer wieder darüber geschrieben, und Ingeborg Bachmanns Monolog hat mich als eine Art Urform einer weiblichen Perspektive dabei begleitet.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Dass Selbstzerstörung keine Lösung ist.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich arbeite (wie immer) an einem nächsten Roman, der vor allem in Basel spielt und in dem die Figuren aus der „entwendeten Handschrift“ nochmals auftauchen. Daneben sammle ich kürzere Geschichten über einen irischen Detektiv (Brophy), der die Welt bereist.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„Dass wir enttäuscht, das heißt ohne Täuschung leben können.“
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Gabrielle Alioth, Schriftstellerin
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto: Gabrielle Alioth _ privat
Fotos: Sylvia Caba, Künstlerin _ Wien _ performing Undine Geht _ Donau/Wien _ Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig 7/25
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.