„fließend und fesselnd“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Elizabeta Lindner, Schriftstellerin _ Berlin 15.7.2026

Ingeborg Bachmann _ Elizabeta Lindner/Kostadinovska

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann am Schreibtisch,
Bocca de Leone, Rom, um 1970

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Elizabeta Lindner/Kostadinovska, Schriftstellerin, Künstlerin _ Berlin

Liebe Elizabeta, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Als Germanistin war es für mich schon während des Studiums selbstverständlich, an Bachmanns Werk zu kommen. Insbesondere weil sie eine der wenigen Frauen ist, die es geschafft hat, aufs große, von Männern beherrschte Feld der Literatur, gleichberechtigt mitzumachen. Ihre Präsenz in der deutschsprachigen Literatur ist wie Teilnahme aller Schriftstellerinnen, sie war damals schon unsere Stimme. Bachmann, wie alle guten und zeitlosen Schrifsteller:innen, kann man immer wieder lesen – und deswegen freue mich über dieses Interview, weil ich einfach in mein Buchregal greifen musste und wieder problemlos in ihr Werk eintauchen. Eine eigene Hausbibliothek ohne Bachmann ist, denke ich, immer noch undenkbar.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Das, was das gute Schreiben im Allgemeinen ausmacht: ehrlich, direkt und tiefgreifend, aber dennoch spontan und verspielt, mit einer besonderen Leichtigkeit, die sich sprachlich und stilistisch so wunderbar liest, egal ob es Schmerz, Trauer oder Witz darin vorkommt, sehr guter „Flow“, obwohl es sich um keine einfache Textmaterie handelt. Und das ist die Kunst des Schreibens: fließend und fesselnd. Da meine ich die Prosa, die für mich poetisch genug ist. Bei den Gedichten ist es manchmal zu viel, zu dicht, zu strukturiert, zu ernst – passend für den schriftstellerischen Durchbruch,- einige Gedichte mag ich sehr, aber ich muss manchen noch eine konzentrierte Chance geben*.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Viele ihrer Erzählungen mag ich, ich habe die Gesamtausgabe und es fehlt mir schwer, mich festzulegen. Fast alle haben ihren eigenen Wert. Aber „Malina war so ein unvergesslicher „Lesetrip“, denn es ist definitiv ein Meisterwerk. Deswegen wollte ich den Roman unbedingt ins Mazedonische übersetzen, aber eine meine Kollegin war schneller… zumindest habe ich mir den Wunsch erfüllt, Meisterwerke von Thomas Bernhard zu übersetzen. Aber es kann immer noch sein, dass ich irgendwann einige Geschichten oder Essays auswähle und sie übersetze. Ich will mich unbedingt mit ihren Essays mehr beschäftigen*. Die Briefe zwischen ihr und Paul Celan (den ich ins Mazedonische übersetzt habe) finde ich interessant, aber dennoch sehr privat und ich bin mir nicht sicher, ob Menschen das wirklich wollen, ihre intimen Worte und Gedanken publik machen. Ich glaube alle Autor:innen haben etwas, was sie nicht veröffentlichen wollen… Vielleicht muss man dann Sachen mit einem Testament regeln oder vielleicht sie doch verbrennen, bevor sie als Nachlass bleiben.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Sie ist leider immer noch sehr aktuell und zutreffend. Heutzutage wäre so eine Schriftstellerin wie Bachmann womöglich runtergespült, denke ich, weil wir viele schreibende Frauen haben und man sich heutzutage eher mit einfacheren und oberflächlicheren Themen beschäftigt, Themen die nicht reizen und eher eine Wohlfühlatmosphäre vermitteln – oder Themen aus der Geschichte oder der zeitgenössischen Geschehnissen (Geschlechtsumwandlungen, Nicht-Binarität, Hipsterismus) schildern, oder sich mit langweiligen Familien- oder Coming-of-Age-geschichten oder pseudo-intellektuellem Unterhaltungskramm auf dem Büchermarkt platzieren, denn Schreiben wird heutzutage an Instituten gelernt und mit ChatGPT betrieben… natürlich gibt es nebenbei auch was Gutes, aber wir haben immer noch das Problem der Ignoranz gegenüber starken und intelligenten Frauen. Man beachtet heutzutage Frauen als Quoten und nicht als Qualität. Damals war Bachmann vielleicht sogar besser am Platz als heute, heute würde sie eventuell in der belanglosen Quantität des Büchermarkts untergehen. Und das wäre großer Verlust, denn der Mangel an starken kritischen Frauenstimmen ist leider einer der Gründe, warum das Patriarchat unter der Regenbogenflagge weiterhin problemlos existiert, weil die Quotenquantität erfüllt ist, aber dadurch kein Fortschritt entsteht. Die Nachfolger:innen Bachmanns (mit wenigen Ausnahmen) werden unter den Teppich gekehrt oder eben aussortiert. Damals gab es keine große Mainstream-konkurrenz und Bachmann war einfach die beste – und bleibt auch für immer eine literarische Größe. Aber das zähe Patriachat müssen wir weiterhin bekämpfen, weil Kritik heute noch viel mehr verpönter ist als damals und die festen patriarchalen Strukturen bestehen weiterhin und bringen neue Kriege – auch wenn die Quotenfrauen manchmal als StrohmännerInnen eingesetzt werden. Dass wir nichts aus der Geschichte lernen, ist auch klar. Bachmann wäre heute zutiefst empört und enttäuscht. Aber Frauen wie Francesca Albanese, Greta Thunberg, Kirsten Hilbig – und viele andere, machen zumindest politisch einen Unterschied und sorgen für Balance.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Liebe, genau, die Treibkraft des gesamten Lebens… die uns in viele Zustände versetzt. Starke Frauen wie Bachmann lieben ganz stark, obwohl sie extrem empfindlich in ihrem Inneren sind – und diese Liebe können (nicht alle) Männer verkraften… und das macht sie leider eben „unheilbar krank“, weil sie immer das Falsche machen oder eben obwohl unglücklich, lieber im sicheren Nest oder auf dem sicheren Terrain bleiben, keine Risiken mit Künstler:innen eingehen. Frauen wie Bachmann sind nur Geliebten und „unerfüllte Lieben“, weil der Mut dazu fehlt, sie ganz und richtig zu lieben. Frau muss sich damit abfinden und keine Erwartungen von der großen Liebe haben. Falls sie doch passiert, hat man/frau vielleicht ein Geschenk vom Universum bekommen und das wäre auch schön. Ansonsten kann man immer über die unglücklichen Lieben schreiben oder sich davon inspirieren lassen. Liebe ist überall, genauso wie der Schmerz, wir sind Sensoren und Katalysatoren – und das hat nur manchmal mit der Sexualität zu tun. Die Liebe ist stärker als der Körper, deswegen muss man sehr gut auf sich aufpassen. Sowohl Bachmann als auch Paul Celan (und viele Künstler:innen) hatten einen tragischen und mysteriösen Tod, nachdem sie ihren Körper / Gesundheit vernachlässigt haben – weil ihr Geist vorher von zu viel Liebe geschwächt wurde… Denn Liebe an sich kann eben „unheilbar krank“ machen, und eines Tages, eher früher, stirbt man daran…

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Künstler:in zu sein ist tatsächlich eine seltsame, absonderliche Art zu existieren. Und wenn man sich dafür entscheidet, diese Existenz nicht aufzugeben, muss man bereit sein das „Martyrium“ zu akzeptieren, bzw. sich dann damit abzufinden und das Beste daraus zu machen. Man muss verstehen, dass dieses Leben gleichzeitig verdammt und gesegnet ist, die dunkle Seite als Begleiterin zu haben, auf dem Weg zum un-erreichbaren Licht. Und das ist genau, was die Kunst ausmacht, aus der Dunkelheit ans Licht zu kommen, also sie und das Leben verschmelzen und leiden gemeinsam – ab und zu unterbrochen von magischen Momenten, wenn das Licht sich bemerkbar macht. Aber Kunst ist gleichzeitig auch die bessere Psychotherapie, also das Leiden wird dadurch gelegentlich gemildert, aber man kann sich natürlich in der Kunst auch auflösen oder sich ihr vollkommen ergeben, dann ist das Leben auch egal…und damit auch die Realität und der eigene Körper.

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Der sprachliche Aspekt – oder der Aspekt der Sprache. Wittgenstein ist auch für mich eine sehr große Inspiration und freue mich, dies mit Bachmann zu teilen. Ein Langgedicht von mir, das auf Veröffentlichung wartet, lehnt an Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen Bachmann schafft eine hervorragende Darstellung der Persönlichkeiten durch ihre eigene Sprache.. Für mich als Linguistin, mehrsprachige Autorin und Übersetzerin sind die Aspekte der Sprache und der Mehrsprachigkeit sehr spannend. Die meisterhaft eingesetzte oder komponierte Sprache, die die Persönlichkeiten ihrer Protagonist:innen entblößt – die eigene Sprache als Dasein, nicht die Beschreibung der Charaktere (auch großartig). Dann auch ihre Worte und Sätze aus anderen Sprachen oder auch die Kombinationen und Assoziationen sind reizend, weil sie oft auch psychologisch eingesetzt werden. Wenn man eine Erzählung mit „Bože moj“ anfängt, dann muss das sprachlich und inhaltlich dramatisch sein: In der Erzählung „Simultan“ finde ich eben diesen verspielten Umgang mit Sprachen so großartig: lost in translation goes Babylon, oder: eine Sprache für jede Laune. Da ist die Protagonistin mehrsprachige Dolmetscherin, ein Beruf, den man nur wegen des Geldes machen würde, und ich finde ihre alltäglichen mehrsprachigen Gedanken bzw. Gespräche mit dem Begleiter und die geistige Erschöpfung in ihrem Dasein als Dolmetschen sehr authentisch und verspielt dargestellt – und als Gegensatz dann die langen Gedankenmonologe – und wie in allen ihren Geschichten, kann man auch hier Vieles zwischen den Zeilen und zwischen den Sprachen lesen und eventuell auch verstehen. Das Unbekannte der Fremdwörter, die für ihre Bedeutung und nicht nur für ihre Melodie und Lautmalerei in einen Text eingesetzt werden, finde ich spannender und verspielter, aber auch mysteriös und reizend – manchmal ist es ärgerlich, denn man will alles verstehen und keine Lücken haben. (Heutzutage sind wir gut aufgehoben mit DeepL, um schnell was übersetzt zu bekommen).

Mehrsprachigkeit ist ähnlich wie das künstlerische Dasein: Fluch und Segen gleichzeitig… Weil es nicht mainstreamtauglich ist, wird es ignoriert oder anders klassifiziert, wenn Menschen mehrere Sprachen in Wort und Schrift beherrschen. Dann verliert sich das Nationale (deutsche, österreichische … Schriftstellerin). Ob Bachmann auf Italienisch geschrieben hat, weiß ich nicht, aber ich denke, sie könnte sich bestimmt auch in der anderen Sprache literarisch gut ausdrücken – das wäre vielleicht eben die italienische Bachmann gewesen. Auf jeden Fall war sie als Übersetzerin tätig, hat Gedichte von Ungaretti ins Deutsche übersetzt und kennt sich mit Sprachen aus – denn Bachmann hat in diesem Text (Simultan) auch sehr deutlich gemacht, dass die Fähigkeit zum Dolmetschen und zum Übersetzen eine andere ist, und dieser Moment hat mir besonders gut gefallen, als die Dolmetscherin beim kurzen Bibelzitat auf italienisch ins Schwanken kommt und nur mühsam Worte findet, um es (mündlich) ins Deutsche zu übertragen – und dabei findet sie sich „nutzlos“. Mehrsprachige Personen sind sehr selbstkritisch, wenn es um Sprache geht, aber das liegt auch am tieferen Denken, das damit in Verbindung steht – es ist das Gegenteil von dem, was man mit Worten sonst macht, wie wir in der heutigen Welt sehen: je einfacher, dümmer und gefährlicher sie sind, desto lauter werden die Worte rausgeschrien, aber dennoch stiehlt uns die Propaganda die schönen Worte – schon wieder. Die Sprache ist Teil des Systems, aber der Kontext und die Mehrsprachigkeit, die durch Übersetzung und Assoziationen präsent ist, geben den „eroberten“ Worten (und Gedanken) die Möglichkeit, ihre Grenzen noch mehr zu erweitern.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Mit solchen Persönlichkeiten kann man sich über Vieles austauschen. Über Sprache, über das Leben, über den (Welt)Schmerz, über Wittgenstein, über Thomas Bernhard. Über das heutige Patriarchat und die Fehler der Frauen.  Über das Gesundheitssystem (darüber schreibe ich gerade einen Essay) und die Rückschritte der „modernen“ Welt. Aber auch über Liebe, ihr Unglück und über unsere Gesundheit. Ich hätte sie gefragt, ob sie mit der Veröffentlichung der Briefe einverstanden wäre.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

In Wien in der Nationalbibliothek läuft eine Sonderausstellung Thomas Bernhard heute, und begleitend dazu werden 40 seiner Übersetzer:innen mit spannenden Interviews Teil davon und der Publikation dazu – ich freue mich eine von denen zu sein! Leider konnte ich nicht zur Eröffnung kommen, aber Ich warte sehnsüchtig auf die Publikation und plane meinen nächsten Wienbesuch zur Ausstellung und vielleicht performe ich wieder im Wiener Underground (es gibt noch Zeit, die Ausstellung läuft bis Februar 2027).

In Berlin ist eine internationale Gruppenausstellung (Fresh Legs 2026) im Juni, wo zwei abstrakte Gouache-Zeichnungen von meiner neuen Kunstserie zu sehen sein werden; einige kleinere Gruppenausstellungen danach. Im Winter eventuell auch meine erste Einzelausstellung in Berlin (um meine 20 Jahre Berlin zu feiern).

 Momentan schreibe ich neue Texte: Prosa auf Deutsch (Essay, beunruhigende Geschichte), aber auch Gedichte auf Englisch zu manchen der abstrakten Zeichnungen (und übersetze sie dann in mehrere Sprachen). Und natürlich als „Nebenjob“ verwalte ich die Veröffentlichung des Langgedichts.

Ab Herbst plane ich wieder mehr im Tonstudio zu sein, neues Material für mein avantgardistisches Multimediaprojekt Wortschmerz ‡ noisedestotrotz vorzubereiten – mehrere Auftritte ab Oktober sind bereits geplant.

Im Winter plane ich eine neue spezielle Ausgabe des interdisziplinären text-visual-sound Art Happening SlovoKult :: intersession 2026 zu organisieren; denn neben dem Jubiläum 20 Jahre Berlin sind für mich auch 25 Jahre Deutschland und 10 Jahre SlovoKult :: mehrsprachige Online-Zeitschrift für Text- und bildende Kunst und ihre ersten Veranstaltungen (in Skopje).

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

Ingeborg Bachmann/Ein Schritt nach Gomorrha (Auszug)

Nein, erst wenn sie alles hinter sich würfe, alles verbrennte hinter sich, konnte sie eintreten bei sich selber. Ihr Reich würde kommen, und wenn es kam, war sie nicht mehr meßbar, nicht mehr schätzbar nach fremdem Maß. In ihrem Reich galt ein neues Maß. Es konnte dann nicht mehr heißen: sie ist so und so, reizvoll, reizlos, vernünftig, unvernünftig, treu, untreu, anständig oder skrupellos, unzugänglich oder verabenteuert. Sie wußte ja, was zu sagen möglich war und in welchen Kategorien gedacht wurde, wer dieses oder jenes zu sagen fähig war und warum. Immer hatte sie diese Sprache verabscheut, jeden Stempel, der ihr aufgedrückt wurde und den sie jemand aufdrücken mußte – den Mordversuch an der Wirklichkeit. Aber wenn ihr Reich kam, dann konnte diese Sprache nicht mehr gelten, dann richtete diese Sprache sich selbst. Dann war sie ausgetreten, konnte jedes Urteil belachen, und es bedeutete nichts mehr, wofür jemand sie hielt. Die Sprache der Männer, soweit sie auf die Frauen Anwendung fand, war schon schlimm genug gewesen und bezweifelbar; die Sprache der Frauen aber war noch schlimmer, unwürdiger – davor hatte ihr schon gegraut, seit sie ihre Mutter durchschaut hatte, später ihre Schwestern, Freundinnen und die Frauen ihrer Freunde und entdeckt hatte, daß überhaupt nichts, keine Einsicht, keine Beobachtung dieser Sprache entsprach, den frivolen oder frommen Sprüchen, den geklitterten Urteilen und Ansichten oder dem geseufzten Lamento.

*Fußnote

Noch während des Interviews, begann ich nach „verpassten“ Büchern und Schriften von ihr zu suchen, und habe dann einige Essays, Reden und kurze Schriften gelesen, die mich absolut ansprechen und begeistern. Etwas würde ich gerne übersetzen, aber ich werde mich auch anders damit weiterbeschäftigen. Auch ihre unveröffentlichte Poesie habe ich gelesen, die noch in Notizbüchern war, und erst 2000 erschienen ist, mit Fotos von der Originalschrift. Diese Gedichte waren mir sehr nah, einfach großartig…Manchmal fand ich sogar, dass wir ähnlichen Stil haben, mit meinen 2020 veröffentlichten Gedichten. Im Unterschied zu den frühen Gedichten, merkt man hier die „reife“ Bachmann, die ihre eigene poetische und besondere Denkweise und den entsprechenden Ausdruck sehr gut kennt. Und manche dieser Gedichte würde ich auf jeden Fall übersetzen wollen.

Das Interview hat mich sehr inspiriert (deswegen so lang geworden), und ich habe auch „Alle Tage“ ins Mazedonische übersetzt. Herzlichen Dank für die Einladung!

Herzlichen Dank für das Interview!

Elizabeta Lindner/Kostadinovska, Schriftstellerin, Künstlerin

Zur Person: Elizabeta Lindner / Kostadinovska

Übersetzerin, Herausgeberin, Kuratorin / mehrsprachige Autorin, visuelle, interdisziplinare und experimentelle Künstlerin und avantgardistische Multimedia Performerin

geboren in Skopje, Mazedonien, Studium der Germanistik und Slawistik in Skopje (Dipl. Phil., 2001) und Regensburg (M.A., 2005). Im Wintersemester 1999/2000 war sie DAAD-Semesterstipendiatin an der TU Dresden. Seit 2001 in Deutschland, seit 2006 lebt und arbeitet sie in Berlin.

E. Lindner: vielfach ausgezeichnete Literaturübersetzerin (mehr als 30 Titel Prosa und Poesie), Herausgeberin (Bücher, Anthologien), Gründerin von SlovoKult (Portal 2007/8-2016), ab 2016 zweisprachigen Online-Zeitschrift für mehrsprachigen Text und visuelle Kunst, und Kuratorin für alle Projekte in Skopje, Berlin aber auch andere Städte, mittlerweile als interdisziplinäre + Multimedia Echtzeit-Art-Sessions als Polyphonie aus mehrsprachigem Text und improvisiertem Sound sowie Videoausstellung als Projektion.

E. Kostadinovska: mehrsprachige Autorin (Deutsch, Mazedonisch, Englisch), die in (Online) Zeitschriften, Anthologien und eigenständigen Publikationen: Gedichte, Essays, Kurzgeschichten und experimentelle Texte (und Bilder) veröffentlichte; visuelle und interdisziplinäre Künstlerin, die mit abstrakten (Gouache und Stift) und experimentellen (Collagen, mixed media mit Text) Kunstwerken an verschiedenen Gruppenausstellungen und Veranstaltungen (in Berlin, Skopje, Gevgelija, Riga, Düsseldorf) teilgenommen hat. Sie verbindet drei Künste miteinander und experimentiert interdisziplinär: Text- + Bild- + Klangkunst – und seit 2017 präsentiert sie live in Multimedia Performance, seit 2022 mit avantgardistischen Elementen: mehrsprachige Polyphonie + Kunstvideo + Klang/Noise live mit ihrem Projekt Wortschmerz ‡ noisedestotrotz (div. Kollaborationen mit Soundkünstler:innen), seit 2025 auch Solo (Klang: Tocante, Gitarre, Electronics).

Mehr: https://www.slovokult-literatur.de/index.php/lyrik/elizabeta-lindner-kostadinovska/

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Foto: Elizabeta Lindner/Kostadinovska _ privat

Walter Pobaschnig, 13.5.2026

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 „Unterm Wasser kann man besser denken“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Elizabeta Lindner/Nora Krehan _ Berlin/Wien 15.7.2026

Nora Krehan, Schauspielerin, Model _ Wien _
performing „Undine geht“ Donau/Wien _
Undine geht, Ingeborg Bachmann, Erzählung 1961 _
Walter Pobaschnig 8/25, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance _ Donau/Wien

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text  Elizabeta Lindner/Kostadinovska, Schriftstellerin, Künstlerin _ Berlin

Performance _ Nora Krehan, Schauspielerin, Model _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Nora Krehan, Schauspielerin, Model _ Wien _
performing „Undine geht“ Donau/Wien _
Undine geht, Ingeborg Bachmann, Erzählung 1961 _
Walter Pobaschnig 8/25, folgende
Nora Krehan, Schauspielerin, Model _ Wien _
performing „Undine geht“ Donau/Wien _
Undine geht, Ingeborg Bachmann, Erzählung 1961 _
Walter Pobaschnig 8/25, folgende

UNDINE GEHT


U
nterm Wasser kann man besser denken

Niemand da, der mit Worten Herzen bricht

Der sich verstellt und verirrt im Drang

Immer verlogen unterwegs, der

Niemals sich selbst sein muss, aber:

Es ist endgültig Schluss. Abgang.


Gedanken neugestalten

Endgültig entscheiden

Heuchelei und Liebelei vom

Traum unbedingt unterscheiden

Elizabeta Lindner, 13.5.2026

Nora Krehan, Schauspielerin, Model _ Wien _
performing „Undine geht“ Donau/Wien _
Undine geht, Ingeborg Bachmann, Erzählung 1961 _
Walter Pobaschnig 8/25, folgende
Nora Krehan, Schauspielerin, Model _ Wien _
performing „Undine geht“ Donau/Wien _
Undine geht, Ingeborg Bachmann, Erzählung 1961 _
Walter Pobaschnig 8/25, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance _ Donau/Wien

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text  Elizabeta Lindner/Kostadinovska, Schriftstellerin, Künstlerin _ Berlin

Performance _ Nora Krehan, Schauspielerin, Model _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse in Macht und Zerstörung. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Elizabeta Lindner/Kostadinovska, Schriftstellerin, Künstlerin 
Nora Krehan, Schauspielerin, Model

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Elizabeta Lindner/Kostadinovska _ privat

Fotos: Nora Krehan, Schauspielerin, Model _ Wien _
performing „Undine geht“ Donau/Wien _
Undine geht, Ingeborg Bachmann, Erzählung 1961 _
Walter Pobaschnig 8/25.

Walter Pobaschnig, 13.5.2026

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„Möwenschrei“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Maja Loewe/Natalie Campbell _ Lübeck/Wien 14.7.2026

  Natalie Campbell, Schriftstellerin, Tänzerin, Künstlerin _ Wien   performing Malina _
 Originalschauplatz Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 8/23, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz Wien

MALINA _ Akrostichon

Text  _   Maja Loewe, Schriftstellerin, Künstlerin _ Lübeck

Performance _  Natalie Campbell, Schriftstellerin, Tänzerin, Künstlerin _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

  Natalie Campbell, Schriftstellerin, Tänzerin, Künstlerin _ Wien   performing Malina _
 Originalschauplatz Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 8/23, folgende
  Natalie Campbell, Schriftstellerin, Tänzerin, Künstlerin _ Wien   performing Malina _
 Originalschauplatz Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 8/23, folgende

MALINA

Möwenschrei

Aus traumsatten Tagen

Lupinen brennen

In schneeweißen Gärten

Neue Kleider

Aus alten Koffern

Maja Loewe, 18.5.2026

  Natalie Campbell, Schriftstellerin, Tänzerin, Künstlerin _ Wien   performing Malina _
 Originalschauplatz Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 8/23, folgende
  Natalie Campbell, Schriftstellerin, Tänzerin, Künstlerin _ Wien   performing Malina _
 Originalschauplatz Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 8/23, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz Wien

MALINA _ Akrostichon

Text  _   Maja Loewe, Schriftstellerin, Künstlerin _ Lübeck

Performance _  Natalie Campbell, Schriftstellerin, Tänzerin, Künstlerin _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Maja Loewe, Schriftstellerin, Künstlerin
Natalie Campbell, Schriftstellerin, Tänzerin, Künstlerin

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Maja Loewe  _ privat

Fotos: Natalie Campbell, Schriftstellerin, Tänzerin, Künstlerin _ Wien   performing Malina _Originalschauplatz Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 8/23, folgende

Walter Pobaschnig, 18.5.2026

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„eine neue Perspektive der Weiblichkeit“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Maja Loewe, Schriftstellerin _ Lübeck 14.7.2026

Ingeborg Bachmann _ Maja Loewe

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _  Maja Loewe, Schriftstellerin, Künstlerin _ Lübeck

Liebe Maja Loewe, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

Ich habe sofort ihre Stimme im Ohr, wenn ich an sie denke. Manchmal, in besonderen Stimmungen, poetisiert sie in meinem Kopf aus dem Off.


Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Ihre Sprache, die Bilder, der Rhythmus – es ist ein eigener Kosmos, in dem ich mich gerne bewege und verliere.


Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Ich liebe ihre Gedichte, wie „Die große Fracht“ und höre sie mir gerne und immer wieder auf Lyrikline.org an. Irgendwie gehört für mich ihre Art zu sprechen, dazu… Ich mag auch ihre Erzählungen. „Ein Schritt nach Gomorrha“ hat mich sehr fasziniert, weil sie da für mich eine neue Perspektive auf Weiblichkeit aufgemacht hat, die mich nachhaltig beschäftigt hat.


Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Für mich reicht ihre Stimme bis in die Gegenwart und hat nichts an ihrer Kraft verloren. Vielleicht weil sie über die Essenz der Dinge schreibt. Ihr Werk schlägt etwas an, dass keinen immanenten Zeitkern hat – wie eine Ur-Wahrheit als Hintergrundfolie ihres Schreibens.

Ihre Worte sind eine universelle Mahnung an die Menschlichkeit.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Vorsichtiger, achtsamer… Darauf bedacht, sich nicht selbst zu zerstören.


„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

In einer bestimmten Lebensphase ‚ja‘. Schreiben und dabei die Welt sezieren, erdet nicht. Als hätte man Luftwurzeln und sucht ständig in Worten nach Halt. Doch die sind mitunter flüchtig. Ich denke, es ist wichtig, zu lernen und zu erkennen, wer man ist. Vielleicht darf man sich und seine Identität nicht mit dem Schreiben verwechseln, sich nicht gänzlich darin auflösen… der Schmerz von Ingeborg Bachmann ist bis ins Heute spürbar.


Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Ihren Sprachkosmos und die eigentümliche Magie, die ihren Texten innewohnt. Durch sie verwandelt sich eine einfache Möwe, in einen Schrei, der bis in die Gegenwart hallt…

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich hätte gerne mit ihr beieinandergesessen und mit ihr geschwiegen.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Momentan beschäftigte ich mich mit den Schnittstellen von Lyrik und den Möglichkeiten von KI. Ich habe die virtuelle Person „Frida Frei“ erschaffen, die als gesellschaftskritisches Sprachrohr funktioniert – ein Versuch künstlicher Intelligenz eine Seele einzuhauchen, zur universellen Projektionsfläche zu machen – im foucaultschen Sinne, ein mächtiges mediales Werkzeug für ‚das Gute‘ zu gebrauchen.

Zu Frida Frei & aktueller Song _ open spotify

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?


„Der Krieg wird nicht mehr erklärt,

sondern fortgesetzt.“

Aus „Alle Tage“

Herzlichen Dank für das Interview!

  Maja Loewe, Schriftstellerin, Künstlerin

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Maja Loewe _ privat

Walter Pobaschnig, 18.5.26

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„Mord war es“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text&Performance _ Claudia Freund/Dagmar Strobl _ St.Lambrecht/D/Wien 13.7.2026

Dagmar Strobl, Model _ Wien _ performing Malina _
Originalschauplatz „Malina“ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 11/21

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz „Malina“ Wien.

MALINA_ Akrostichon

Text  _ Claudia Freund, Schriftstellerin _ St.Lambrecht/D

Performance _ Dagmar Strobl, Model _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Dagmar Strobl, Model _ Wien _ performing Malina _
Originalschauplatz „Malina“ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 11/21
Dagmar Strobl, Model _ Wien _ performing Malina _
Originalschauplatz „Malina“ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 11/21

MALINA

Mord war es

Atemlos stand die Zeit

Lüge

Ich verschwand

Niemand sah mich

Abgründe

Claudia Studt-Freund, 28.4.26

Dagmar Strobl, Model _ Wien _ performing Malina _
Originalschauplatz „Malina“ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 11/21
Dagmar Strobl, Model _ Wien _ performing Malina _
Originalschauplatz „Malina“ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 11/21

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz „Malina“ Wien.

MALINA_ Akrostichon

Text  _ Claudia Freund, Schriftstellerin _ St.Lambrecht/D

Performance _ Dagmar Strobl, Model _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Claudia Freund, Schriftstellerin
Dagmar Strobl, Model _
Ungargasse/Wien

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann.

Foto: Claudia Freund _ privat.

Fotos: Dagmar Strobl, Model _ Wien _ performing Malina _
Originalschauplatz „Malina“ Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 11/21

Walter Pobaschnig, 28.4.26

https://literaturoutdoors.com

„ein Rhythmus, fast ein musikalischer Klang“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Claudia Freund, Schriftstellerin _ Lambrecht/D 13.7.2026

Ingeborg Bachmann _ Claudia Freund

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann auf der Terrasse ihrer Wohnung in Rom/Bocca de Leone, um 1970

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _Claudia Freund, Schriftstellerin

Liebe Claudia, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Mein erster Kontakt mit Ingeborg Bachmann war ihr Buch “Malina”. Ich musste es in der Schule lesen. Es war allerdings keine Qual, sondern es wurde ein Vergnügen. Später habe ich mich auch mit ihrer Lyrik beschäftigt

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Besonders bei ihrer Lyrik ist mir aufgefallen, dass ihre Zeilen einen Rhythmus haben, fast einen musikalischen Klang, der aber oft im Gegensatz zum Inhalt steht, der oft nicht das Schöne in der Welt hervorhebt.

Ihre Sprache im Allgemeinen ist sehr philosophisch. Sie arbeitete auch mit Bildern. Ihre Sätze sind oft abgehackt. Niemals benutzte sie mehr Worte als nötig. Trotzdem hatte sie die Gabe alles auf den Punkt zu bringen.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?

Obwohl ich “Malina” zwar richtig gut fand, aber auch sehr anstrengend, ist es das Werk, das mich am meisten beeindruckt hat. Die eigentliche Aussage ist, dass Frauen durch Kriege, aber auch durch Sprache und Ignoranz getötet werden. Am Ende wird das weibliche Ich ausgelöscht, damit sie überleben kann. Das hat mich sehr beeindruckt und nachdenklich gemacht. Bis heute beschäftigt mich die Aussage dieses Buches

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Kann man bei all dem tiefen Wissen um die Menschen glücklich sein?

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Mein derzeitiges Projekt ist die Arbeit als Redakteurin bei den “literatur-fetzen”, einem großartigen Literaturmagazin

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

“Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar”

Herzlichen Dank für das Interview!

Claudia Freund, Schriftstellerin

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze.

Foto: Claudia Freund _ privat.

Walter Pobaschnig, 28.4.26

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„die Unverwechselbarkeit ihrer Sprache“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Arno Dahmer, Schriftsteller _ Mainz 12.7.2026

Arno Dahmer _ Ingeborg Bachmann

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Arno Dahmer, Schriftsteller

Lieber Arno, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Vor allem die „Lyrizität“ ihrer Prosa hat mir einen Zugang eröffnet. Ich sehe da ein eigenes Schreibideal verwirklicht: die Rhythmik und Melodik von Gedichten zu einem Element der Prosa werden zu lassen.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Das ist sicherlich ein von der Literaturkritik überstrapazierter Begriff – trotzdem würde ich sagen: die Unverwechselbarkeit ihrer Sprache.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?

Die Erzählung „Das dreißigste Jahr“ – hier sind Lyrik und Prosa sogar im Schriftbild verschränkt: Durch gelegentliche Zeilenbrüche wandelt der Text seine Gestalt von Prosa zu Lyrik und wieder zurück. Erstmals las ich diese Erzählung in dem Jahr, als ich selbst dreißig wurde, und sie hinterließ vielleicht auch aus diesem Grund einen starken Eindruck bei mir.

Des Weiteren das Gedicht „Reklame“, das auf drastische Weise zeigt, wie die Warenwelt, die Werbung uns Trost, Hoffnung, gleichsam eine Antwort auf alle Fragen versprechen – dieses Versprechen aber natürlich nicht einlösen können.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Mit der Person Bachmann, ihrer Vita, habe ich mich wenig beschäftigt. Eine Frage, die sich mir beim Lesen aufdrängte, war, woher die tiefe Verzweiflung rühren mag, die sich mir in all ihren Texten – soweit ich sie kenne – auszudrücken scheint. Allerdings ist das ja die Art von Frage, die man niemandem stellen würde bzw. sollte.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich arbeite schon seit einigen Jahren an einem neuen Roman. Das Projekt hat sich ausgewachsen – es waren viel mehr Überlegungen und Recherchen notwendig als ursprünglich gedacht. Dies hat insbesondere damit zu tun, dass die Geschichte an realen Schauplätzen spielt und in der Subkultur der Felskletterer, einem Milieu also, das die Mehrheit der Leser/-innen nicht unbedingt kennt. Ich bin aber zuversichtlich, dieses Jahr fertigzuwerden.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

Soll ich einen Gedanken gefangennehmen,
abführen in eine erleuchtete Satzzelle?
Aug und Ohr verköstigen
mit Worthappen erster Güte?
erforschen die Libido eines Vokals,
ermitteln die Liebhaberwerte unserer Konsonanten?

[aus dem Gedicht „Keine Delikatessen“]

Herzlichen Dank für das Interview!

Arno Dahmer, Schriftsteller

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Foto: Arno Dahmer  _ privat.

Walter Pobaschnig, 20.4.26

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„In Niemandem“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Pia Schiel, Schauspielerin _Wien 12.7.2026

Pia Schiel, Schauspielerin _ Wien _ performing „Ingeborg“ _
Originalschauplatz Wien _
Lebensort von Ingeborg Bachmann in Wien 1946-49 _
Walter Pobaschnig 6/26

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

INGEBORG  _ Akrostichon

Text & Performance _ Pia Schiel, Schauspielerin _Wien.

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Pia Schiel, Schauspielerin _ Wien _ performing „Ingeborg“ _
Originalschauplatz Wien _
Lebensort von Ingeborg Bachmann in Wien 1946-49_
Walter Pobaschnig 6/26

INGEBORG

In

Niemandem

Gibt

E

Besondere

Orchideen.

Ruhe 

Gut.

Pia Schiel, 1.7.2026

Pia Schiel, Schauspielerin _ Wien _ performing „Ingeborg“ _
Originalschauplatz Wien _
Lebensort von Ingeborg Bachmann in Wien 1946-49 _
Walter Pobaschnig 6/26

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

INGEBORG  _ Akrostichon

Text & Performance _ Pia Schiel, Schauspielerin _Wien.

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Pia Schiel, Schauspielerin _ Wien

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Pia Schiel, Schauspielerin _ Wien _ performing „Ingeborg“ _
Originalschauplatz Wien _
Lebensort von Ingeborg Bachmann in Wien 1946-49 _
Walter Pobaschnig 6/26

Walter Pobaschnig   2.7.26

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„Genug gesehen“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Melina Nicolussi, Schauspielerin _ Wien 11.7.2026

Melina Nicolussi, Schauspielerin_ Wien_performing „Undine geht“ _ Donau/Wien _
Undine geht, Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961 _

Walter Pobaschnig 6/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance _ Donau/Wien

UNDINE GEHT  _ Akrostichon

Text & Performance   Melina Nicolussi, Schauspielerin _ Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

UNDINE GEHT

U nverständlich ist mir

N ur

D as.

I ch möchte

N un

E ntlassen werden.



G enug gesehen –

E rlöst bin ich.

H ier drüben ist es schöner, oder

T räum ich?

Melina Nicolussi_7.7.26

Melina Nicolussi, Schauspielerin_ Wien_performing „Undine geht“ _ Donau/Wien _
Undine geht, Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961 _

Walter Pobaschnig 6/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance _ Donau/Wien

UNDINE GEHT  _ Akrostichon

Text & Performance   Melina Nicolussi, Schauspielerin _ Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

UNDINE GEHT

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ (1961) und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse in Macht und Zerstörung. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

Melina Nicolussi, Schauspielerin_ Wien

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Melina Nicolussi, Schauspielerin_ Wien_performing „Undine geht“ _ Donau/Wien _ Undine geht, Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961 _
Walter Pobaschnig 6/26.

Walter Pobaschnig   7.7.26

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„Es steht alles auf dem Spiel“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Josef Golderer, Schriftsteller _ Köln 11.7.2026

Ingeborg Bachmann _ Josef Golderer

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Josef Golderer, Schriftsteller _ Köln

Lieber Josef, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Meine erste Begegnung mit ihrer Poesie war in meiner Schulzeit – ganz klassisch mittels des Deutsch-Lesebuch. Da war ein Ton, der mich jungen Schüler sehr mitgenommen hat, ohne dass ich es damals in eigene Worte zu fassen vermochte – zu begreifen, was mich ergriff. Viele Jahre später denke ich, es war gut so. Die Wortlosigkeit gegenüber dem poetischen Wort darf sein, auch wenn das nicht in den Schulalltag passt. Das Gedicht ist mir noch immer als schwebende Erinnerung gegenwärtig. Jedenfalls hatte es mich so beeindruckt, dass ich einen Auszug daraus viel später in einem eigenen Romanentwurf übernommen habe. Ein Zitat daraus wird an späterer Stelle in diesem Interview noch folgen.

Hinzu kommt, dass ich Bachmanns Dichtung und dann biographische Informationen als junger Schüler fast genau zu der Zeit kennenlernte, als sie auf so tragische Weise ums Leben gekommen war. Schon aus dieser persönlichen Erfahrung heraus ist ihre poetische Sprache für mich mit einer in der Tiefenstruktur angelegten existentiellen Verlorenheit konnotiert, vielleicht so, wie es vielen mit der Musik von Mozart ergeht, die hinter den luftig schwebenden vordergründig so schönen Klängen den frühen Tod in der Struktur der Musik zu erahnen vermögen.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Das, was ich in jungen Jahren schon erahnen durfte, sollte sich bestätigen, als ich im späteren Leben einen breiteren und tieferen Zugang zu ihrem Werk fand. Ich fühlte mich angesprochen – von ihren Gedichten, von ihren Essays, ihrem erzählerischen Werk –  in einer tief beunruhigenden und verstörenden Weise, Kafkas Axt im gefrorenen Meer. Ich lernte, ihre Sprache mit den Mitteln der Literaturwissenschaft zu untersuchen, die metrische Form ihrer Gedichte zu bestimmen, die Stilmittel ihrer Prosawerke mit dem Werkzeugkasten der Literaturwissenschaft zu analysieren – und fand: Nichts! Jedenfalls keine Antworten, die jenseits des formal technischen Aufbaus und der poetischen Struktur mir eine befriedigende Erklärung liefern konnte, was die manifeste Dunkelheit in der Tiefenstruktur hinter der sprachlichen Schönheit ausmacht. Es zeigt sich etwas zutiefst Unauflösbares: „Es gibt keine letzte Verlautbarung“, schreibt Bachmann in ihrer Untersuchung über „Das schreibende Ich“, und weiter, es gäbe über das „Ich keine Einigung – als sollte es keine Einigung geben über den Menschen, sondern immer nur neue Entwürfe. (…) Als wäre eine Fastnacht für das Ich veranstaltet, in der es bekennen und täuschen, sich verwandeln und preisgeben kann, dieses Ich, dieses Niemand und Jemand, in seinen Narrenkleidern. (…) Es gibt keine letzte Verlautbarung.“
Wenden wir dies auf ihr wohl bekanntestes Prosa-Werk an, den Roman Malina, so erweist sich das in literarischer Praxis in aller phänomenologischen Abgründigkeit des auktorialen weiblichen Ichs. Sehen wir sie, in Venedig, an Wien denkend:
 „“Ich allein bin eine dunkle Geschichte. Es ist nur der Motor zu hören, es ist schön auf dem See, ich stehe auf und halte mich am Fensterrahmen fest, am anderen Ufer sehe ich schon eine schäbige Lichterkette, verloren und übernächtig, und meine Haare wehen im Wind.“ Und dann aus dem off: „und kein Mensch außer ihr lebte, und sie hatte die Orientierung verloren“.
Es steht immer etwas auf dem Spiel. Es steht alles auf dem Spiel.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
 
Ich mag ihre frühen Gedichte, nicht nur, weil dort die erste Begegnung der Jugendzeit mitschwingt. Das, was Michael Maar an Bachmann als Erfindungsreichtum der Sprache rühmt, weniger eine Form von Neologismen als vielmehr eine oft verblüffende Übertragung von Worten, die phänotypisch in einen anderen, genuin unpoetischen Bereich gehören. Siehe etwa die „gestundete Zeit“-  Stundung, ein Terminus, der in die Finanz- und Juristensprache gehört.

Von ihren Prosawerken sicherlich Malina – ein Brennpunkt ihrer Themen zu Fragen nach Identität, Ichzersplitterung, Gewalt in Beziehungen und Grenzen von Sprache, gerade weil sich nichts darüber hinaus Verweisendes finden lässt. Alles was das Ich ausmacht, ist seine Sprache. Dahinter ist nur die metaphysische Leere.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Immer geht es ihr auch um Machtverhältnisse in ihrem Schreiben. In ihrer Sprache, in den dort verhandelten Beziehungen und Selbstzuschreibungen, als Muster, dass sich bis heute vielleicht in ein wenig subtilerer Form aber offensichtlich erschreckend hartnäckig bewahrt hat, gegen alle Bewegungen, Aufklärungsansätze, die es in den letzten 50 Jahren gegeben hat. Insofern ist ihr Schreiben erschreckend aktuell.
Beunruhigend wirken auch die Formen, deren sich die Autorin bedient um das Zerstörerische bis hin in die Psyche festzustellen, teils als eine furchtbare Form von Masochismus, die sich vielleicht als dunkler Ausweg erweist, wenn gegenüber der Ohnmacht des unerbittlichen  Ausgeliefertsein an die Grausamkeit der Machtstrukturen nichts, aber auch gar nichts übrigbleibt. Michael Maar hat das ein wenig ratlos als eine subtil-schwarze Form von Humor katalogisiert, wenn die Erzählerin konstatiert: „Ich, zum Beispiel, war sehr unzufrieden, weil ich nie vergewaltigt worden bin. (…) Aber außer ein paar Betrunkenen, ein paar Lustmördern (…) hat kein normaler Mann mit normalen Trieben die naheliegende Idee, daß eine normale Frau ganz normal vergewaltigt werden möchte.“
Wie kann man die Zerstörung einer Seele durch den Überdruck patriarchaler Gewalt drastischer zum Ausdruck bringen?


Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

„Innerhalb der Grenzen aber haben wir den Blick gerichtet auf das Vollkommene, das Unmögliche, Unerreichbare, sei es der Liebe, der Freiheit oder jeder reinen Größe“ – so heißt es der Preisrede der Dichterin von 1959 mit dem Titel „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“.
Darin drückt sich explizit ihr erlebtes und geschriebenes Verhältnis zur Liebe aus. Nicht nur die Wahrheit über sondern auch die Liebe selbst bleibt dem Menschen zumutbar. Darin spricht natürlich auch ihre eigene Erfahrung in den komplizierten Herzensbeziehungen zu den Dichterkollegen Paul Celan und Max Frisch. Heute würde man wohl beide Beziehungen als mehr oder wenige toxische einstufen. Sie hat es versucht – so wir es heute dennoch immer wieder versuchen. Wir lieben also vielleicht nicht anders als Bachmann – wir lieben mit Bachmann. Und immer noch wird weiter gerungen um das Phänomen, auch poetisch, wie schon immer, seitdem die Menschen ihre Welt literarisch zu verarbeiten suchen, ob sie nun Sappho oder Ovid heißen, Ingeborg Bachmann oder in jüngster Zeit Elke Schmitter oder Thomas Hettche.

Für Bachmann stellt sich Liebe als ein „dunkler Erdteil“ dar (so der Titel eines Gedichtes), welcher der Logik des Bildes nach sowohl als unheimlich unvertrauter Ort ängstigt als auch den Forscher- und Abenteuergeist des Menschen herausfordert.
„Der Panter steht allein im Liebesraum.
Er setzt herüber aus dem Tal des Todes,
und seine Pranke schleift den Himmelssaum“

Und wenn Bachmann als weltverlorenes Wesen aus der dunklen Abgründigkeit des Wassers, als mythopoetisches weibliches Ur-Wesen, als Undine, notwendig scheitert am Ideal der Liebe und in dialektisch-tragischer Wandlung nur den Tod hinterlassend, wie schon in der dunklen Romantik Friedrich de la Motte-Fouqués, aus der Tiefe nur ihre Trauer, ihre Wut hinausrufen kann – dann ist hier dennoch die Bewegung bemerkenswert.
Von Bitterkeit und Wut über die „Ungeheuer mit Euren Frauen“ über Verständnislosigkeit (haben sich Liebende je verstanden in der Tiefe außerhalb des Wassers), bis hin zu vorsichtig tastender Anerkennung und dem erstaunlichen Finale, nicht mehr als ein hauchzarter, fast schon wieder im Moment des Aussprechens verklungener Ruf, transportiert zwischen den Elementen Luft und Wasser:

„Komm. Nur einmal.
Komm“


Wir machen weiter. Dennoch.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Daraus würde ich kein apodiktisches Urteil bilden. Ich kenne die Person der Autorin natürlich nicht, ich habe nur ihre Texte und keine wirklich intime Innenschau, von der ich sprechen könnte.

Ich kann ihr nur wünschen, dass ein wenig Wandlungskraft neben persönlichem Leid aus Schreibkraft flösse, ein wenig so, wie Goethe seinen tragischen Dichterhelden Torquato Tasso sprechen lässt:
„Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt,
Gab mir ein Gott zu sagen, wie ich leide.“


Vielleicht dies – oder ist es zu schmerzhaft, dieses „to turn blood into ink“, mit T.S: Eliot zu sprechen? Spricht daraus eine Wahrheit, die nicht nur den Lesern zumutbar ist sondern auch für sie eine Zumutung bleibt? All das bleibt wohl für immer verborgen – irgendwo in der Tiefe des Wassers.

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Das – so scheint mir – habe ich in den vorhergehenden Fragen implizit schon mit erörtert und herausgehoben. Der Rest sei Schweigen.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Sie ist nun schon lange verstorben, und zu ihren Lebzeiten war ich noch Kind, viel zu jung für die substantiellen Fragen, die mich heute bewegen würde. Eine Zeitmaschine zurück in ihre Zeit, schwer vorstellbar. Nach einem halben Jahrhundert liegt doch schon eine Ferne zwischen ihr und uns, den Epigonen des 21. Jahrhunderts. Aber ich möchte etwas aufgreifen, was ich schon in einer vorhergehenden Frage dargestellt habe:

Am ehesten in der Phantasie vorstellen kann ich mir eine Séance – bei der ich ihren melancholischen Geist (ich kann mir nicht anders vorstellen) fragen würde, ob sie eine Möglichkeit gesehen hätte, irgendwann auch im Leben Frieden und Ruhe zu finden in der Kraft ihrer Sprache, ihrer Poesie, durch all die Unruhe hinter ihren Worten hindurch – oder ob beides, Sprache und Leben, immer ein Kampfplatz bleiben müsse.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Längst begonnene Projekte (eine Erzählung und ein Romanentwurf, weitere Gedichte) warten darauf, sie bald wieder aufzunehmen. Ich hoffe, das gelingt mir bald, in den nächsten Wochen.


Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

was aber geschieht
am besten
wenn Totenstille

eintritt

Herzlichen Dank für das Interview!

Josef Golderer, Schriftsteller

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto_ Josef Golderer _ privat.

Walter Pobaschnig, 10.5.26

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