„Der Medienrummel, die Sensationen, eine Art Gladiatorenkämpfe der Literatur. “ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Daniel Grolle, Schriftsteller _ Hamburg 24.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _ 

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt 

Im Interview _ Daniel Grolle, Schriftsteller _ Hamburg

Bachmannpreisnominierter 1986

Gewinner des Ernst Willner Preises/Stipendium

Lieber Daniel, Du hast 1986 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen? 

Das war eine tolle Zeit. Ich war sehr jung. Ich war verliebt und wir haben zwischen all den Literaten und Geistesgrößen rumgeknutscht. 

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Der Medienrummel, die Sensationen, eine Art Gladiatorenkämpfe der Literatur. 

Wie hast Du Deine Lesung, die Jury Diskussion und die Preisverleihung erlebt?

Die Lesung habe ich als Show erlebt. Ich erinnere mich an die Kameras, die während ich las auf mich zukamen… oder war das später bei der Diskussion? Die Argumente für und gegen meine Texte konnte ich nachvollziehen und fand sie ok. Eigentlich schön, mal so ehrlich und fachmännisch über meine Texte streiten zu hören. 

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt? 

Mein literarischer Stil hat sich nicht verändert. Es war eine gesellschaftliche Anerkennung. Ich habe gemerkt: Das was ich schreibe spielt eine Rolle. Es interessiert die Menschen. Das ist deutlicher als der Verkauf von Büchern und auch deutlicher noch als Lesungen oder sonst Medienauftritte. Es hat mir auch das Gefühl gegeben Teil einer kulturellen Gemeinschaft zu sein. 

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung? 

Mich hat damals die Lust an menschlichem Versagen abgestoßen. Da waren Kollegen, die verrissen wurden, die dann begannen zu weinen und die Kameras krochen ihnen dann in die Tränenkanäle. Ich weiß, so geht Unterhaltung. Die Menschen lieben das. Aber ich bin nicht gerne Teil davon. 

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen? 

Ich beglückwünsche die Menschen, die Literatur lieben, nicht unter die Räder geraten, sondern auf ihnen tanzen können. 


Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Daniel Grolle, Schriftsteller

Zur Person: Daniel Grolle, Veröffentlichungen als Schriftsteller bei Rowohlt, Luchterhand und anderen Verlagen, Literaturpreise.  Er lebte als Abenteurer und Filmemacher mit Filmreisen unter anderen mit Rüdiger Nehberg bei den Yamomami Indianern in Brasilien. Tai Chi seit 1980. Er lernte zunächst bei Christel Proksch und später bei über 30 der weltbesten Lehrer in China, den USA, Europa und Deutschland. Er rief das Netzwerk Taijiquan und Qigong eV. ins Leben, das heute der stilübergreifende Verband von Tai Chi Lehrern in Deutschland ist. 

Er unterrichtet im In- und Ausland, war mehrfach Europameister in verschiedenen Disziplinen des Tai Chi und hat einige Tai Chi Spezialanwendungen entwickelt wie Tai Chi für MS Erkrankte, für Tinitus, Migräne, Blinde, Inhaftierte, Musiker. Er hat einen Tai Chi Kampftanz entwickelt, Kinder Tai Chi, eine alternative Form von Tai Chi Wettkämpfen sowie Alternativen zu den herkömmlichen Prüfungen in Tai Chi Schulen und Verbänden. Er leitet eine Tai Chi Schule in Hamburg, wo er unterrichtet, ausbildet und Coaching im Einzelunterricht gibt. Neben Tai Chi und Meditation spielt er besonders gerne Push hand als Kunst der Begegnung.  Aus seinem Unterricht sind viele gute Tai Chi Lehrer hervorgegangen, die bei ihm einen sehr eigenständigen Umgang mit dem Tai Chi erlernt haben.  BACOPA ReferentInnen: Daniel Grolle | BACOPA BILDUNGSZENTRUM 24.6.26

Website des Autors: Tai Chi Schule Hamburg | Daniel Grolle | Ausbildung | Workshops | Onlinekurse

großes Publikumsinteresse beim Bachmannpreis im ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Wörthersee

Foto: Daniel Grolle _ privat

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 24.6.26

https://literaturoutdoors.com

„Ewig weitermachen und mutig bleiben“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Iris Radisch, Bachmannpreisjuryvorsitzende 2003-2008 _ Hamburg 24.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _Iris Radisch, Literaturkritikerin, Redakteurin, Autorin _  Hamburg

Bachmannpreisvorsitzende 2003 bis 2008

Bachmannpreisjurorin 1995 bis 2001

Liebe Iris, Du warst langjährige Jurorin und Juryvorsitzende beim Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum. Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die Lebendigkeit, das Unvorhergesehene, der Zusammenstoß der Temperamente und Köpfe, das noch Unbegradigte der Literatur, man ist hier nah an der Quelle der literarischen Kreativität.

Wie hast Du als Jurorin die Lesungen, die Jurydiskussionen, die Preisverleihungen und die Begegnungen rundum erlebt?

Eigentlich ist es eine Überforderung für alle, für die Zuschauer und Zuschauerinnen, die Lesenden, für die Jury. Aber das ist gerade der Reiz, alle gehen an ihre Grenzen und manchmal darüber hinaus. Es gibt kein Skript, man weiß nie, was passiert. Es gibt wenig derartig Authentisches, das auch noch live im Fernsehen übertragen wird.

Wie gelingt es Objektivität zu bewahren?

Das gelingt überhaupt nicht und sollte in meinen Augen auch nicht der Anspruch sein. Gerade das Offene und manchmal auch Emotionale gehört dazu. Auch der Irrtum. Man kann Literatur nicht wie im Labor messen und sollte es in Klagenfurt vielleicht auch nicht versuchen. Da die Jury ja sehr groß ist, korrigieren sich die schlimmsten Dummheiten und Fehlurteile schon wieder. Der lebendige Streit und die unplanbare Diskussion über Literatur ist für mich lehrreicher als der höfliche Austausch von unangreifbaren Argumenten. Fehler passieren in so einem Zirkus natürlich, aber ist das wirklich so schlimm?

Wie hat sich diese Funktion auf Deinen weiteren beruflichen Weg ausgewirkt?

Dass ich hinterher auch wieder sehr gerne lange, möglichst objektive Literaturkritiken am Schreibtisch geschrieben habe – zum Ausgleich.

Was braucht der Bachmannpreis für eine zukünftige gute Entwicklung?

Tapfere Juroren und Jurorinnen, die sich trauen, überraschende Texte und ungewöhnliche Schreibweisen zu nominieren, auch mal wieder solche, die nicht schon sämtliche Verlagslektorate und Literaturagenturen durchlaufen haben.

Was möchtest Du aktuellen Juroren:innen, Teilnehmer:innen und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Ewig weitermachen und mutig bleiben.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

_Iris Radisch, Literaturkritikerin, Redakteurin, Autorin

Zur Person: Iris Radisch, geboren 1959 in Berlin, ist Literaturkritikerin, Redakteurin und Buchautorin. Seit 1990 schreibt sie für die Wochenzeitung Die Zeit, deren Feuilleton sie von 2013 bis 2021 leitete. Sie gehörte zum Team der ZDF-Sendung «Das literarische Quartett» und war Mitglied der Jury des Ingeborg-Bachmann-Preises, deren Vorsitz sie fünf Jahre innehatte. 2013 erschien das Buch Camus − Das Ideal der Einfachheit, das viele Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste stand. Ebenfalls bei Rowohlt erschienen Die letzten Dinge – Lebensendgespräche (2015) und Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben (2017). Iris Radisch | Rowohlt Verlag 22.6.2026

großes Publikumsinteresse beim Bachmannpreis im ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Wörthersee Abendstimmung

Foto: Iris Radisch _ Thorsten Wulff_Rowohlt Verlag

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 22.6.2026

https://literaturoutdoors.com

„Dass man was riskiert. Sich dem aussetzt.“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Birgit Birnbacher, Schriftstellerin _ Salzburg 24.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Birgit Birnbacher, Schriftstellerin _ Salzburg

Bachmannpreisträgerin 2019

Liebe Birgit, Du hast 2019 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Es war ein wilder Ritt. Mein Juror Stefan Gmünder und ich waren aus unterschiedlichen Gründen stark vom Bewerb abgelenkt. Wir haben kein einziges Vorbereitungsgespräch gemacht. Ich würde mal sagen, wir hatten, wenn überhaupt, Außenseiterchancen.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Dass man was riskiert. Sich dem aussetzt. Und dass es immer Überraschungen gibt, weil so Vieles abhängig von Dynamik ist.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Meine Lesung war vom ersten Augenblick an durch den Kreislaufzusammenbruch einer Jurorin überschattet. Der Moderator hat mir bedeutet, weiterzulesen und die Kameraleute haben einfach auf mich draufgehalten. Für mich war es von Vorteil, krisenfest zu sein- ich hörte an den Stimmen der Sanitäter, die in den Raum kamen, dass es nicht wirklich ernst- im Sinne von gefährlich- ist. Trotzdem habe ich mir natürlich Sorgen um sie gemacht. Unter diesen Umständen zu lesen, war eine Zumutung – ich wusste bis dahin gar nicht, dass ich den Text auswendig kann.

Wie hat sich Dein Preisgewinn für Dein weiteres Schreiben ausgewirkt?

Schon sehr. Ich habe das ehrlich gesagt unterschätzt und finde es immer noch bemerkenswert, wie viel Wert in unserer Branche auf diesen Preis gelegt wird, da es ja doch sehr von Dynamik und auch Zufällen geprägt ist, wer ihn schließlich bekommt. 

Was braucht der Bachmannpreis an Weiterentwicklung für eine gute Zukunft?

Der Bachmannpreis schafft Aufmerksamkeit für Texte, Schreibende und Literatur im Gesamten, insofern schafft er Aufmerksamkeit fürs Aufmerksamsein. Das ist in Zeiten wie diesen wichtiger denn je.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Ich fühle mich nicht in der Position, irgendwem was mitzugeben. Ich habe oft das Gefühl, die Jüngeren wissen ohnehin immer genau, was sie tun. Vielleicht, dass sie nicht immer alles so genau wissen sollen und nicht dauernd von Vorschüssen reden. Mir kommt vor, dass dieses dauernde Schielen auf den Betrieb wie so eine bittere Galle ist, die die Poesie versaut. Das eine ist die Ökonomie, das andere ist die Poesie. Man kann beides wollen, aber das muss nicht dauernd vermischt werden, das versaut die Prosa, diesen Geschmack kriegst du, wenn der mal drin ist, nie wieder raus.

Dem Bachmannpreis wünsche ich ein langes Leben.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Birgit Birnbacher, Schriftstellerin

Zur Person: Birgit Birnbacher, geboren 1985, lebt als Schriftstellerin in Salzburg. Ihr Debütroman »Wir ohne Wal« (2016) wurde mit dem Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung ausgezeichnet, darüber hinaus erhielt sie zahlreiche Preise und 2019 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Bei Zsolnay erschienen zuletzt die Romane »Ich an meiner Seite« (2020), »Wovon wir leben« (2023) und »Sie wollen uns erzählen« (2026). (Pressetext _ Verlag)

Aktueller Roman:

„Ein literarischer Roman über die brennenden Themen der Gegenwart: Das neue Buch der Bachmannpreisträgerin Birgit Birnbacher

Birgit Birnbacher, der Meisterin der „unpathetischen Empathie“ (Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau), gelingt es, die Frage, wie und wovon wir leben wollen, in einer packenden und poetischen Sprache zu stellen.
Ein einziger Fehler katapultiert Julia aus ihrem Job als Krankenschwester zurück in ihr altes Leben im Dorf. Dort scheint alles noch schlimmer: Die Fabrik, in der das halbe Dorf gearbeitet hat, existiert nicht mehr. Der Vater ist in einem bedenklichen Zustand, die Mutter hat ihn und den kranken Bruder nach Jahren des Aufopferns zurückgelassen und einen Neuanfang gewagt. Als Julia Oskar kennenlernt, der sich im Dorf von einem Herzinfarkt erholt, ist sie zunächst neidisch. Oskar hat eine Art Grundeinkommen für ein Jahr gewonnen und schmiedet Pläne. Doch was darf sich Julia für ihre Zukunft denken?“ (Pressetext/Verlag)

Eröffnung des 43.Bachmannpreises _ Nominierte Bachmannpreis 2019 _ Birgit Birnbacher, dritte von links.
Preisträger:innen 2019 _ Bachmannpreisträgerin Birgit Birnbacher vierte von links.

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Jury 2019 _Vorsitzender Hubert Winkels (Mitte) _ links Klaus Kastberger, Vorsitzender 2026
Abendstimmung Wörthersee/Schloss Loretto _ Empfang der Stadt Klagenfurt


Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Birgit Birnbacher/Bachmannpreis 2019/Klagenfurt _  Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 9.6.2026

https://literaturoutdoors.com

„Sich ganz auf dieses Klagenfurter Literaturparadies einzulassen“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Alexandru Bulucz, Schriftsteller _ Berlin 24.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Alexandru Bulucz, Schriftsteller _ Berlin

Bachmannpreisnominierter 2022

Deutschlandfunkpreisträger

Lieber Alexandru, Du hast 2022 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Ich habe nur gute Erinnerungen daran – Österreich war immer gut zu mir. Die Verbundenheit unseres Jahrgangs hat mich beeindruckt – fast hätten wir Teilnehmende das gesamte Preisgeld unter uns allen aufgeteilt. Ich denke gern zurück an die Zeit mit Hannes Stein, Usama Al Shahmani, Leona Stahlmann – eigentlich müsste ich alle nennen. Und vor allem bin ich Insa Wilke dankbar, mir damals meinen Auftritt ermöglicht zu haben – sie hatte mich eingeladen.

Zum Glück war ich dann schon zuhause in Berlin, als mich die Punktevergabeliste erreicht hatte – ihr kann man das Taktieren der Kritikerinnen und Kritiker ablesen, jedenfalls dann, wenn man ihre Punktevergaben mit ihren in den Teilnehmenden bestimmte Erwartungen weckenden Diskussionsbeiträgen abgleicht. Taktieren, das machen wohl alle, wenn es darauf ankommt, die eigenen Eingeladenen zu schützen oder ihnen gar eine höhere Platzierung zu ermöglichen. Es tut halt nur weh, wenn man davon betroffen ist als Teilnehmender. Das ist der verzichtbare Aspekt des Bachmannpreises.

Alexandru Bulucz _ Lesung _ pandemiebedingt auf der Bühne im ORF Garten _
Bachmannpreis 2022, folgende

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die Aufmerksamkeitsökonomie, unter der die Literatur und die Literaturkritik stehen. Die Intensität der literaturkritischen Rezeption von Literatur. Der Wörthersee. Die ständige Begleitung der Erinnerung an die Namensgeberin Ingeborg Bachmann. Der Sandwirth als Begegnungsstätte. Josef Winkler, den ich so sehr liebe als Schriftsteller. Ach, die Liste könnte weitergehen.

Alexandru Bulucz und Büchnerpreisträger Josef Winkler

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

In der Lesung war ich im Tunnelblick, nichts konnte mehr schief gehen. Die Diskussion war fair. Selbst die Kritikpunkte, die Philipp Tingler vorgetragen hat, konnte ich nachvollziehen. Mara Delius und Michael Wiederstein fand ich großartig!

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Die finanzielle Unterstützung seitens der Politik und das Vertrauen der Sender. Alles andere ergibt sich schon.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Sich ganz auf dieses Klagenfurter Literaturparadies einzulassen. Den Teilnehmenden rate ich nur, sich von harter Kritik nicht allzu sehr mitnehmen zu lassen. Literaturkritik in Klagenfurt hat stets auch eine Showkomponente an sich. Das war immer so und wird es bleiben. Am Vortag der Lesung keinen Alkohol trinken und nicht zu spät ins Bett gehen.

Preisverleihung 2022_
Alexandru Bulucz, Deutschlandfunkpreisträger 2022 _
mit einladender Jurorin Insa Wilke

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Alexandru Bulucz, Schriftsteller _ Lesung Bachmannpreis 2022 _
ORF Gartenbühne

Zur Person: Alexandru Bulucz, geboren 1987 im rumänischen Alba Iulia, wo er seine ersten 13 Jahre verbrachte, studierte Germanistik und Komparatistik in Frankfurt am Main. Er ist Lyriker, Herausgeber, Übersetzer und Kritiker. Sein Lyrikdebüt Aus sein auf uns erschien 2016. Für Gedichte aus was Petersilie über die Seele weiß erhielt er 2019 den Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis. 2022 wurde er in Klagenfurt im Rahmen der  Tage der deutschsprachigen Literatur mit dem Deutschlandfunk-Preis ausgezeichnet. 2024 bekam er mit dem Hölty-Preis den höchstdotierten Lyrikpreis Deutschlands. Er lebt in Berlin. Alexandru Bulucz – Schöffling Verlag 20.6.2026

Bachmannpreis _ Studiosetting

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Wörthersee

Fotos: Alexandru Bulucz/Lesung Bachmannpreis _ Walter Pobaschnig; Alexandru Bulucz/Josef Winkler im ORF Garten _ privat.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt-Wörthersee_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 20.6.2026

https://literaturoutdoors.com

„Ich sah Reich-Ranicki an und dachte, wenn Sie meinen _ mein Buch kommt. Und es kam“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Elisabeth Plessen, Schriftstellerin _ Berlin 24.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Elisabeth Plessen, Schriftstellerin _ Berlin.

Premierenteilnehmerin 1977

Liebe Elisabeth, Du hast am ersten Bachmannpreis 1977 in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Ich hätte nicht hinfahren sollen, war privat in einer sehr labilen Situation, kein glücklicher Ausgangspunkt für eine solche Einladung, zumal ich Ingeborg Bachmann mehrmals begegnet war, in Wien, in Rom in ihrer Wohnung in der Via Bocca Leone, bei Hans Werner Henze in La Leprara

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Ich nahm im ersten Jahr teil, zusammen mit meinen Freunden Gerd Jonke und Jörg Läderach. Das war wichtig der Front der Kritiker gegenüber. Da war man nicht so allein und ihren ad-hoc-Urteilen ausgeliefert. Wir waren sehr aufgeregt und versuchten, uns gegenseitig zu beruhigen…

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Ich las aus der 1. Fassung meines 2. Romans ’Kohlhaas‘, und Marcel Reich-Ranicki, der Jury-Vorsitzende, erklärte im Vollton der Überzeugung: ‚Dieses Buch kommt nie über die Rampe.‘ Ich sah ihn an und dachte, wenn Sie meinen – es kommt. Und es kam. Die 2. Fassung wurde zum gerade von Günter Grass gestifteten Döblin-Preis eingereicht. In der Jury: Hans Werner Richter, Prof. Hans-Dieter Zimmermann und Fritz J. Raddatz. HWR und Zimmermann wollten mir den Preis zuteilen. Der Einwand von Raddatz: Der erste Döblin-Preis kann unmöglich an eine Frau gehen. Danach hatte ich genug von diesem ‚Ringen‘.

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?

Auf meinen Stil hatte die Teilnahme keinen Einfluss.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Ich kann es nicht sagen, habe das Prozedere nicht hinreichend weiterverfolgt.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Dass die Tage vergnüglich werden und sich für die Autoren neue Begegnungen eröffnen. Das Drumherum damals – nicht nur das Schwimmen im See – war das Lebendige.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Elisabeth Plessen, Schriftstellerin

Zur Person: Elisabeth Plessen | internationales literaturfestival berlin 20.6.2026

Bachmannpreis _ Jury (1986)

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Bachmannpreisgründer und langjähriger Juror, Autor und Journalist _ Humbert Fink
Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt _ Innenstadt
Wörthersee

Fotos: Elisabeth Plessen _ 1 Renate von Mangoldt (1976); 2 Petra Seeger.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt-Wörthersee_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 20.6.2026

https://literaturoutdoors.com

„Als der Bachmannpreis mit Gert Jonke nach Paris kam“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Heinz Schwarzinger, Schriftsteller _ Paris 23.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Heinz Schwarzinger, Schriftsteller, Übersetzer, Regisseur und Schauspieler  _ Paris

Bachmannpreisjuror 1990

Lieber Heinz, Du warst 1990 Juror beim Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Eine anziehende Stadt, noch dazu meine Geburtsstadt. In der ich nie gelebt habe. Oder nur wenige Monate, die ersten nach Kriegsende. Dann in der Südsteiermark. Aber der Tonfall des Kartnerischen ging mir nie mehr aus dem Ohr, und blieb mir immer lieb. Nahe Verwandtschaft sorgte dafür.

Erste Erinnerung also ein Gefühl von Zugehörigkeit, von Heimat, gleich wieder zerstört von der leiblichen Anwesenheit des Landeshauptmanns J Haider, welcher von Publikum und Teilnehmenden jedoch konsequent ignoriert wurde.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Das Auswahlsystem: Die Juroren wählen ihre Kandidat.innen aus und können sich im Voraus mit ihnen besprechen. Der Bekanntheitsgrad der Autor.innen spielt keine Rolle, sie müssen nur in deutscher Sprache schreiben.

Die Möglichkeit, vor Ort Vertreter großer und kleiner Verlagshäuser mit den Autor.innen bekannt zu machen.

Wie hast Du als Juror die Lesungen, die Jurydiskussionen, die Preisverleihungen und die Begegnungen rundum erlebt?

Die Juroren wählen im vorab die Texte bzw. Auszüge in Absprache mit den Autor.innen aus. Das ist der „private“ Teil der Veranstaltung. Bei der Jurydiskussion betätigt sich der.die Juror.in als Fürsprecher bzw. Verteidiger des Kandidatin. Außerhalb des Versammlungorts steht es dem.r Juror.in frei, mit seinem.r Kandidaten.in zu verkehren.

Ich erinnere mich an einen Kandidaten, T.M., der im letzten Moment die Textauswahl änderte und im Radiosaal einen Auszug vorlas, über den wir nicht gesprochen hatten. Schlecht darauf vorbereitet, konnte ich ihm beim Jurygespräch nur notdürftig beistehen.

Wie gelingt es Objektivität zu bewahren?

Indem man den Auswahltext unter allen möglichen Gesichtspunkten untersucht und beurteilt, wenn „Objektivität“ auch nicht unbedingt unabdingbar ist.

Wie hat sich diese Funktion auf Deinen weiteren beruflichen Weg ausgewirkt?

Ein paar Jahr nach meiner Teilnahme in Klagenfurt habe ich in Paris in der Maison de la Poesie den Bachmannpreis einmal nachvollzogen, mit Gert Jonke z.B. als „Kandidat“, entsprechende Textauszüge wurden ausgewählt, übersetzt und von Schauspielern gelesen. Die Veranstaltung wurde von der Presse interessiert besprochen, Bachmann ist auch in Frankreich eine bekannte Autorin, aber zu weiteren derartigen Veranstaltungen kam es meines Wissens nicht.

Was braucht der Bachmannpreis für eine zukünftige gute Entwicklung?

Gute Autor.innnen und vielleicht Schauspieler.innen, die statt der Autor.innen die Texte lesen.

Was möchtest Du aktuellen Juroren:innen, Teilnehmer:innen und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Viel Spaß und viel Glück! Auf dass die Veranstaltung andauere! Und schönes Wetter am See.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Heinz Schwarzinger_ freier Übersetzer, Autor, Regisseur und Schauspieler

Zur Person: Heinz Schwarzinger lebt als freier Übersetzer mit dem Schwerpunkt auf zeitgenössische Dramatik, sowie als Autor, Regisseur und Schauspieler in Paris.

Schwarzinger studierte Theaterwissenschaft in Wien und Paris, 1969 erfolgte seine Promotion. Seit 1972 übersetzt er Theatertexte ins Französische, meist unter dem Pseudonym “Henri Christophe”. Seit 1986 konzipiert und leitet und konzipiert Schwarzinger die Österreichischen Theaterwochen in Paris und die seit 1991 bestehenden Französischen Theatertage in Wien. Daneben leitet er Übersetzungsseminare und Workshops in Österreich, Deutschland und Frankreich. Schwarzinger ist Herausgeber der Theaterwerke von Ödön von Horváth und Arthur Schnitzler in französischer Sprache. 1991 wurde er mit dem Österreichischen Staatspreis für literarisches Übersetzen ausgezeichnet. Heinz Schwarzinger – Literaturhaus Wien 23.6.26

Bachmannpreis _ Publikum

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Wörthersee _ Abendstimmung

Foto: Heinz Schwarzinger _ Eva Trummer/Verlag der Autoren

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 23.6.2026

https://literaturoutdoors.com

„Die Hervorhebung der einen bedeutet eben die Zurücksetzung der anderen“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Engelbert Obernosterer, Schriftsteller _ Hermagor 23.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Engelbert Obernosterer, Schriftsteller _ Hermagor/Kärnten

Bachmannpreisnominierter 1978 und 1982

Die Interviewfragen wurden dem im Kärntner Gailtal lebenden Autor per Brief übermittelt und kamen per Brief zurück. Die Antworten des Autors folgen als Foto nach den Fragen.

Herzlichen Dank an Ilse Kilic, Schriftstellerin, Präsidentin der Grazer Autoren:innenversammlung, Wien, für die so freundliche engagierte Vermittlung dieses Brief-Interviews!

Fragen: Lieber Engelbert, Du hast 1982 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit und den weiteren Weg ausgewirkt?

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Antworten _ Engelbert Obernosterer:

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

 Engelbert Obernosterer, Schriftsteller

Zur Person: Engelbert Obernosterer * 1936 in St. Lorenzen im Lesachtal/Kärnten

Studium der Germanistik und Geschichte in Wien; danach Tätigkeit als Volks- und Hauptschullehrer, ab 1975 Kunsterzieher an einer AHS. Zur Zeit lebt er als freier Schrifsteller in Hermagor. Er veröffentlichte unter anderem »Ortsbestimmung« (1975); »Am Zaun der Welt« (1988); »Verlandungen« (1993); »Vom Ende der Steinhocker« (1998) sowie »Grün. Eine Verstrickung« (2001). Eine Werkausgabe ist in Vorbereitung. Biografien: Österreichische Gesellschaft für Literatur 22.6.2026

Publikum _ Bachmannpreis _ ORF Studio Kärnten

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Bachmannpreisgründer und langlähriger Juror, Autor und Journalist _  Humbert Fink
Bachmannpreis, 1980er Jahre _
Juryvorsitzender Marcel Reich-Ranicki

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Gerlitzen _ Kärnten
Ossiacher See

Foto: Engelbert Obernosterer _ C.Russwurm

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Gerlitzen/Ossiacher See _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 22.6.2026

https://literaturoutdoors.com

„wie Züge durch die Nacht“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Anja Knafl, Schauspielerin _ Klagenfurt 23.6.2026

Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _
performing „Drei Wege zum See“ am Originalschauplatz Klagenfurt _
„Drei Wege zum See“, Erzählung, Ingeborg Bachmann 1972 _
Fotos: Walter Pobaschnig 3/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz _ „Drei Wege zum See“

„Sie kam immer am Bahnsteig II an und fuhr vom Bahnsteig I weg.“

BAHNSTEIG 2 (Ankunft)  _ Akrostichon

Text & Performance  _ Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt.

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _
performing „Drei Wege zum See“ am Originalschauplatz Klagenfurt _
„Drei Wege zum See“, Erzählung, Ingeborg Bachmann 1972 _
Fotos: Walter Pobaschnig 3/26, folgende

BAHNSTEIG 2 (Ankunft)

Bachmann schrieb nie über Landschaften, ohne auch über Menschen zu schreiben.

Angst, Liebe und Einsamkeit rasen in ihren Texten wie Züge durch die Nacht.

Hinter jedem Satz liegt eine Wahrheit, die man nicht laut aussprechen will.

Nichts ist stärker als ein Mensch, der beginnt, sich selbst zu erkennen.

Sie schrieb über Frauen, die unterwegs sind, weil Stillstand nicht tragbar geworden ist.

Träume können Türen sein, aber manchmal auch Labyrinthe.

Erst wenn wir zurückblicken, merken wir, wie weit wir gegangen sind.

In ihren Geschichten bleibt immer ein Rest von Schweigen zurück.

Genau in diesem Schweigen beginnt Literatur.

Anja Knafl, 8.3.2026

Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _
performing „Drei Wege zum See“ am Originalschauplatz Klagenfurt _
„Drei Wege zum See“, Erzählung, Ingeborg Bachmann 1972 _
Fotos: Walter Pobaschnig 3/26, folgende
Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _
performing „Drei Wege zum See“ am Originalschauplatz Klagenfurt _
„Drei Wege zum See“, Erzählung, Ingeborg Bachmann 1972 _
Fotos: Walter Pobaschnig 3/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz _ „Drei Wege zum See“

„Sie kam immer am Bahnsteig II an und fuhr vom Bahnsteig I weg.“

BAHNSTEIG 2 (Ankunft)  _ Akrostichon

Text & Performance  _ Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt.

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann am See _ Kärnten, um 1938 _
Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

„Drei Wege zum See“ Ingeborg Bachmann, 1972

Die Erzählung erschien im letzten Erzählband von Ingeborg Bachmann „Simultan“ ein Jahr vor ihrem Tod in Rom. In der Erzählung kehrt die Protagonistin Elisabeth (Fotografin) zu einem Besuch in ihr Elternhaus in Klagenfurt zurück. Auf den regelmäßigen Spaziergängen am nahen Kreuzbergl, alleine und mit dem Vater, begleiten Erinnerungen von Zeit und Leben wie Geschichte und Gesellschaft in Gedanken und Reflexion auf vertrauten Wegen der Kindheit

Ingeborg Bachmann entwirft eine historische Rück- und Zusammenschau österreichischer Geschichte im Dialog zu Existenzfragen um Familie, Liebe, Beruf. Die Verbindung eines individuellen Lebens- und Herkunftspanoramas mit zahlreichen literarischen Referenzen (Joseph Roth) macht den Text zu einem der Schlüsseltexte zu Leben und Werk Bachmanns.

Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _

Fotos: Ingeborg Bachmann_ Familienarchiv Bachmann, Heinz Bachmann.

Fotos: Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _
performing „Drei Wege zum See“ am Originalschauplatz Klagenfurt _
„Drei Wege zum See“, Erzählung, Ingeborg Bachmann 1972 _
Walter Pobaschnig 3/26

Walter Pobaschnig 8.3.2026

https://literaturoutdoors.com

„In Klagenfurt fühlt man sich wie in einem Spiel: Man gewinnt, man verliert“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Boris Schumatsky, Schriftsteller _ Berlin 23.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Boris Schumatsky, Schriftsteller _ Berlin.

Bachmannpreisnominierter 2025

Deutschlandfunkpreisträger

Lieber Boris, Du hast 2025 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Auch nach einem Jahr bleibt es eine wichtige Erinnerung, dass ich den Deutschlandfunkpreis gewonnen habe. In Klagenfurt fühlt man sich wie in einem Spiel: Man gewinnt, man verliert. Man bereitet sich auf die Lesung vor wie auf einen Wettlauf, und auch ein Jahr später freut man sich, wenn man eine gute Leistung gezeigt hat. Auch die Jury sah meinen Text „Kindheitsbenzin” sehr positiv, ich habe mich während der Jurydiskussion verstanden gefühlt. Das freut mich besonders, denn in diesem Text sind die wichtigen Motive meines neuen Romans enthalten, der in wenigen Wochen erscheint: das Leben und die Liebe Paul Celans in Paris sowie mein Leben heute in Berlin und früher in Moskau.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

In diesem Jahr wird nicht nur das runde Jubiläum des Bachmannpreises gefeiert, sondern auch das seiner Namensgeberin. Für mich hat das eine besondere Bedeutung, denn Bachmann ist eine Figur in meinem Roman „Die Seine fließt ins Schwarze Meer“. Im Roman ist sie für Paul Celan zwar nicht die Liebe seines Lebens, so doch eine wichtige Geliebte. Ihre Rolle in seinem Leben ist jedoch sehr zwiespältig – sowohl persönlich als auch politisch: Ingeborg Bachmann ist selbst vom Unglück gezeichnet und treibt zugleich andere ins Unglück.

Wie hat sich Deine erfolgreiche Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit und weiteren Weg ausgewirkt?

Mein Schreibstil hat sich durch den Erfolg keinen Millimeter verändert. Erfolge sollten sich idealerweise anders auf das Schreiben auswirken. Schreiben ist ein Risiko, oder sollte es zumindest sein. Wo es Risiken gibt, gibt es auch Ängste. Erfolg ist einer der Faktoren, die dagegenwirken, die einem helfen, trotz allem weiterzuschreiben. So schreiben, wie man sich traut und nicht auf einen Erfolg hin.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Derzeit ist die Preisvergabe für das Publikum und die Teilnehmenden weitgehend eine Blackbox: Alle müssen warten, bis die Jury nach einer geheimen und intransparenten Abstimmung ihr Ergebnis verkündet. Der einzige nennenswerte Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, dass der Hauptpreis als Höhepunkt zuletzt bekannt gegeben wird.

Meiner Meinung nach überwiegen jedoch die Nachteile – eine Kritik, die auch die Literaturwissenschaftlerin und langjährige Jurorin Daniela Strigl bereits geäußert hat. Früher verständigte sich die Jury des Bachmannpreises zunächst intern auf eine Shortlist. Anschließend erfolgte die öffentliche Live-Abstimmung über die verbliebenen Kandidatinnen und Kandidaten. Dabei war jedes Jurymitglied dazu angehalten, seine Entscheidung zu begründen. Dieses Verfahren wurde gegen den Willen der Jury geändert, und ich wäre dafür, die Preisabstimmung wieder so zu gestalten, wie sie bis vor einigen Jahren erfolgreich praktiziert wurde.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Reserviert euch bei der Stadtinformation ein Fahrrad. Glaubt mir, ihr werdet es brauchen.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Boris Schumatsky, Schriftsteller

Zur Person: Boris Schumatsky ist deutschsprachiger Schriftsteller und Publizist. Er ist in Moskau geboren und lebt seit Mitte der 1990er Jahre in Berlin. In seinem ersten Buch „Silvester bei Stalin“ zeichnet er den Weg seiner Familie durch die Zeiten des Krieges und des Terrors nach. 2016 erschien sein Essaybuch „Der neue Untertan. Populismus, Postmoderne, Putin.“ zur Situation der europäischen Politik und Gesellschaften. Sein Roman „Die Trotzigen“, Blumenbar/Aufbau Verlag 2016, spielt am Beginn der neuen Zeit nach dem Zusammenbruch des Sowjetkommunismus. 

Schumatsky studierte in Moskau, St. Petersburg und Berlin Kulturgeschichte und Politologie. Seit 1991 schreibt er für taz, FAZ, NZZ und Die ZEIT und er ist der Autor vieler Hörfunkfeatures bei Deutschlandradio. Seit 2021 kuratiert Schumatsky das Projekt „Stolperworte“, Literaturlesungen an den Stolpersteinen. Er ist Mitglied im PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland und der Gruppe „Writers in Prison“.

2025 erhält Schumatsky den Deutschlandfunk-Preis beim Bachmannwettbewerb. Start < Boris Schumatsky 23.6.2026

Die Preisträger:innen 2025 in Klagenfurt mit Heinz Bachmann (Mitte, Bruder von Ingeborg Bachmann) _ Boris Schumatsky ganz links.

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt _ Neuer Platz
Wörthersee

Foto: Boris Schumatsky _ Milena Schloesser

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 23.6.2026

https://literaturoutdoors.com

„Es geht nicht um Leben und Tod, das meine ich ganz im Ernst“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Martina Hefter, Schriftstellerin _ Leipzig 23.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Martina Hefter, Schriftstellerin _ Leipzig

Bachmannpreisnominierte 2005

Liebe Martina, Du hast 2005 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Erstens: Lustige und lange Zugfahrten mit einigen lieben Kolleginnen und Kollegen nach Klagenfurt und wieder zurück.

Zweitens, dass ich mit einem halbgaren, unfertigen Text hinfuhr, mit dem ich selber nicht zufrieden war. Ich hatte mich nicht beworben, sondern wurde von einer Jurorin eingeladen, mich zu bewerben. Ich hatte damals aber keinen neuen Text, da mein Roman gerade erst erschienen war, und musste mir irgendwas aus den Fingern saugen. Damals habe ich intensiv mit Lyrik begonnen und dann relativ unmotiviert einen Prosatext geschrieben.

Ich war nicht erfahren genug, um die Einladung auszuschlagen, das habe ich später bereut.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Dass er im Fernsehen übertragen wird. Das ist ein Stück weit natürlich auch eine Crux, aber auch eine Chance für Sichtbarkeit und Vermittlung. Eine größere Öffentlichkeit kann Schreibweisen entdecken und sehen, wie über Literatur gesprochen werden kann.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Dafür, dass ich so unzufrieden war mit meinem Text, war die Diskussion ganz gut. Es gab ein paar Meckereien von wenigen Juroren, bei denen ich es sowieso erwartet hatte. Sonst aber viel Lob.

Bei der Preisverleihung – ich hatte mit gar nichts gerechnet- ist mir dann dieses typische Schicksal passiert, das öfter vorkommt: Mein Name wurde für alle Preise außer dem Hauptpreis genannt, es gab ja noch diese Abstimmungen mit Zetteln und mehreren Runden, und ich bin dann immer durchgerutscht und am Ende ganz ohne Preis rausgegangen. Das fand ich aber nicht schlimm.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Das war meine allererste Begegnung überhaupt mit einem größeren Literaturbetrieb, und damals erschien mir das Ganze ein bisschen wie eine Bussi-Bussi-Gesellschaft. Das war sicher übersteigert von mir wahrgenommen, aber es hat mich zu der Zeit ziemlich abgestoßen, und ich habe mich tatsächlich lange Zeit gefragt, ob ich mich da überhaupt bewegen will.

Das sehe ich jetzt aber entspannter. Ich bewerbe mich zwar keinesfalls nochmal, die Vorstellung, beim Bachmannpreis zu lesen, fände ich sehr, sehr merkwürdig. Aber so aus Spaß würde ich eigentlich sehr gerne nochmal in den Wörthersee springen. Allein schon wegen meiner Tattoos.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Das kann ich ganz schwer sagen. Vielleicht weiterhin so gute Juror*innen wie jetzt gerade. Ich mag die derzeitigen Leute alle sehr, tatsächlich. Ich finde, sie haben auch wirklich eine Entwicklung durchgemacht, vielleicht sogar in kathartischem Sinne 🙂 im Ernst, ich finde, die sind an sich gewachsen und haben an sich gearbeitet, sowas mag ich.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Vielleicht so viel: Es geht nicht um Leben und Tod, das meine ich ganz im Ernst.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Martina Hefter, Schriftstellerin

Zur Person: Martina Hefter ist Schriftstellerin und arbeitet auf dem Gebiet der Performance. Sie lebt in Leipzig, wo sie am Deutschen Literaturinstitut studierte. Ihr Roman »Hey guten Morgen, wie geht es dir?« wurde 2024 mit dem Deutschen Buchpreis sowie dem europäischen Prix Grand Continent ausgezeichnet und war ein SPIEGEL-Bestseller. Für ihre schriftstellerische Arbeit erhielt Martina Hefter den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds und den Wiesbadener Literaturpreis. Zuletzt erschienen von ihr die Gedichtbände »Es könnte auch schön werden« und »In die Wälder gehen, Holz für ein Bett klauen«. (Text/Verlag _ Klett-Cotta)

Aktueller Roman:

„Tagsüber hilft Juno ihrem schwerkranken Mann Jupiter dabei, seinen Alltag zu meistern. Außerdem ist sie Künstlerin, tanzt und spielt Theater. Und nachts, wenn sie wieder einmal nicht schlafen kann, chattet sie mit Love-Scammern im Internet. Martina Hefter hat einen berührenden Roman über Bedürfnisse und Sehnsüchte im Leben geschrieben. Und darüber, wie weit man bereit ist, für die Liebe zu gehen.

Juno schreibt online mit Männern, die Frauen online ihre Liebe gestehen und so versuchen, sie um ihr Geld zu bringen. Doch statt darauf hereinzufallen, werden genau diese Männer zu einer Form von Freiheit für Juno. In den Gesprächen kann sie sein, wer sie will und sagen, was sie will – und das vermeintlich ohne Konsequenzen. Ganz im Gegensatz zu ihrem sonstigen Leben, in dem sie immer unterwegs, immer besorgt um Jupiter, immer beschäftigt und eingebunden ist. Also flüchtet Juno ab und zu vor ihrem Alltag ins Internet und spielt dort Spielchen mit Männern, die sie anlügen. Sie selbst wird zur Lügnerin. Aber ist es nicht so, dass man sich beim Lügen zuallererst selbst belügt?

Eines Tages trifft Juno auf Benu, der ihre Behauptungen ebenso durchschaut wie sie seine. Und trotz der Entfernung zwischen ihnen entsteht eine Verbindung. »Hey guten Morgen, wie geht es dir« ist ein tiefgehender Roman, aber so leichtfüßig wie eine Komödie.“ (Pressetext/Verlag)

13. Druckaufl., 2024, Erscheinungstermin: 13.07.2024, 224 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

ISBN: 978-3-608-98826-0

22 EUR

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Martina Hefter _ Maximilian Gödecke Photography

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt _  Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 9.6.2026

https://literaturoutdoors.com