
2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann
Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Im Interview _ Heike Suzanne Hartmann-Heesch, Autorin
Liebe Heike, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Oh, den ersten Zugang zu Bachmann gab es im Grundstudium an der Uni in einem Bachmann-Proseminar. Der Titel der damals in diesem Seminar von mir zu schreibenden Hausarbeit lautete (habe ich nie vergessen): „Literatur- und Sprachtheorie im Werk von Ingeborg Bachmann. Die Abgrenzung von Philosophie und Literatur in der Dissertation und den Wittgenstein-Essays.“
Das hat mich als damals (Anfang 1990) 20-Jährige komplett überfordert! Nie vorher hatte ich thematisch mit Philosophie/Literatur, mit utopischen und todesphilosophischen Aspekten, mit Logik (oder auch Logikbefangenheit) befassen müssen – und ich fand damals keinen richtigen Zugang. Die Arbeit habe ich zwar geschrieben, aber Bachmann war für mich lange Zeit nicht lesbar, eigentlich erst wieder, als ich viele Jahre später in einer existenziell (lebens-) bedrohlichen Lebensphase war.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Schmerz, Mut – und immer irgendwie das Zurückkommen auf „Sagbares und Unsagbares“: dass Sprache dort an ihre Grenzen stößt, wo das Sagbare ins Schweigen übergeht.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
„Simultan“, Erzählungen: die Klarheit der Sprache, trotz aller Zwischentöne, im Schmerz und in der Erschütterung im Erkennen dessen, was war, was ist und was hätte sein können
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Manchmal hätte ich ihr wohl gern zugerufen, auf „Neudeutsch“: I feel you.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich habe gerade die Arbeit an meinem neuen Buch „Windschief Seelen ausbessern – Die Geschichte einer Entliebung“ beendet, das voraussichtlich noch in diesem Jahr erscheinen wird.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„[…] sie sagte sich, es ist eine Pflicht, ich muß, ich muß leben, und nach einem zwanghaften Blick auf die Uhr kehrte sie um, um sich nicht zu verspäten, und sie verbesserte sich, aber was sage ich mir da, was heißt das denn, es ist keine Pflicht, ich muß nicht, muß überhaupt nicht, ich darf. Ich darf ja und ich muss es endlich begreifen, in jedem Augenblick und eben hier, und sie sprang, flog, rannte weiter mit dem, was sie wußte, ich darf, mit einer nie gekannten Sicherheit in ihrem Körper bei jedem Sprung. Ich darf, das ist es, ich darf ja leben.“ (aus: Simultan, erschienen in Simultan, Erzählungen, dtv)
Herzlichen Dank für das Interview!

Zur Person: Heike Suzanne Hartmann-Heesch
geb. 1969, studierte Anglistik, Germanistik, Pädagogik und Pädagogische Psychologie. Seit 2005 schreibt sie, unterbrochen durch einen dreijährigen Krankenhausaufenthalt 2009-2011, hauptsächlich autofiktionale Erzählungen und Lyrik.
Bislang erschienen sieben Bücher, zuletzt der Erzählband „Möwen hatte ich doch gemeint“. Diverse Veröffentlichungen in Anthologien. Sie ist Walter-Kemposki-Literaturpreisträgerin, gehört zu den Preisträger:innen sowohl des Kurzgeschichtenpreises der Hamburger Autorenvereinigung als auch des Preises für Autor:innen mit Behinderung.
Sie lebt und arbeitet in Hamburg-Ottensen.
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann.
Foto: Heike Suzanne Hartmann-Heesch _ privat.
Walter Pobaschnig, 21.4.26









































































