„Meine Sex Pistols Geschichte“ Steve Jones. Hannibal Verlag.

1970er Jahre. Eine britische Band zertrümmert gleichsam in ihrer Musik die Mauern von Gesellschaft und Konvention um eine junge Generation, die starr und schwer auf ihr lasten. Jetzt gilt es neue Wege zu gehen, selbstbewusst, frei, kreativ…

Die Musik in ihrem Anspruch von Authentizität in Emotion und Reflexion ist dabei ein Ankerplatz für die jungen britischen Musiker, deren Bandname schon den Protest gegen die  vielen Tabus einer Zeit ausdrückt. Und dies bestimmt auch das weitere Band-, Bühnenleben, das von musikalischer Genialität, Sensation und Provokation bestimmt ist.

Das so kometenhafte wie nur wenige Jahre andauernde Bandleben in den 1970er Jahren wird zum Mythos umwobenen Musikgeschehen, das so viele weitere Musiker*innen bis heute inspirierte und inspiriert.

In den Berichten über die „Sex Pistols“ gibt es viele storys und Zugänge, die unterschiedlich Einblicke bieten. Die nun vorliegende Autobiographie des Gitarristen der Band, Steve Jones, gibt aus erster Hand unmittelbare Erlebnis- und Erfahrungshorizonte wieder und macht so eine Musikära in allem Licht und Schatten lebendig. Eine Achterbahnfahrt von Musik und Leben, die einzigartig ist.

„Ein einmaliges Zeitzeugnis einer Musikepoche!“

Walter Pobaschnig 5_22

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„Eingetaucht in die Stille der Nacht.“ Romina Achatz, Intermediale Künstlerin _ Give Peace A Chance _ Wien 16.5.2022

GIVE PEACE A CHANCE

G azellen

I nnigst

V erwoben

E ingeschlafen, entgrenzt



P foten

E ingerollt

A bendsonne atmend

C Chiffren

E rmüden, fallen



A bgeblättert umher



C höre des Himmels

H egen Hoffnung

A uf Frühling

N ebelspuren

C landestin

E ingetaucht in die Stille der Nacht.

Romina Achatz, 11.5.2022

Romina Achatz, Intermediale Künstlerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Romina Achatz, Intermediale Künstlerin, Journalistin und Wissenschafterin

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 11.5.2022.

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„dass sich viel mehr ändern müsste, als hier und da ein bisschen zu verzichten“ Peter Karoshi, Schriftsteller _ Wien 16.5.2022

Lieber Peter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich habe, so wie auch schon vor der Coronazeit, immer am Abend geschrieben, gelesen und korrigiert. Die Zeit bis dahin war und ist gut aufgeteilt mit Arbeit, Familie und Freizeit. Das wird auch genau so weitergehen.

Peter Karoshi, Schriftsteller 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich kann mir vorstellen, was jetzt wichtig wäre. Die Frage nach dem, was jetzt wichtig ist, setzt ja fast schon einen Kompromiss voraus: nach dem, wozu die Menschen jetzt in der Lage wären. Das übersieht aber, dass es nicht genügen wird, ein bisschen am Rädchen der fossilen Energie zu drehen, weniger Fleisch zu essen usw. Ich stelle mir also vor, dass sich viel mehr ändern müsste, als hier und da ein bisschen zu verzichten oder umweltfreundlicher zu agieren – aber dazu werden letztlich nicht viele Menschen bereit sein.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich glaube nicht, dass es zu einem besonders großartigen Aufbruch kommen wird, weder gesellschaftlich noch persönlich. Ich halte es sogar für viel verständlicher und nachvollziehbarer, dass viele Menschen sich jetzt eine alte Zeit, die ja auch nicht besonders weit zurück liegt – was sind schon zwei Jahre? -, zurückwünschen werden. Sie werden also genauso wie vorher viel einkaufen, reisen, und im weitesten Sinne konsumieren.

Was Literatur hier zu leisten imstande ist, sich über dieses Gesättigtsein lustig zu machen, oder zumindest die Saturiertheit des modernen westlichen Menschen zu thematisieren. Mich interessiert das zumindest.

Was liest Du derzeit?

Für die Freude lese ich gerade Jan Potocki, Die Handschriften von Saragossa und Markus Werner, Zündels Abgang …

Für die Arbeit lese ich u.a. über die Geologie der Grenzregion zu Italien: Hans Peter Schönlaub u.a., Der wilde Westen der Karnischen Alpen. Und immer wieder Gérard Genette, Die Erzählung …

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Armin Falk, Professor für Volkswirtschaftslehre in Bonn und Direktor des briq-Instituts für Verhalten und Ungleichheit hat letztes Jahr in der Zeit unter dem Titel „Solidarisch aus Eigennutz“ sehr schön über Kooperation geschrieben: „Von Kooperation sprechen Sozialwissenschaftler immer dann, wenn sich neben individuellen Vorteilen einer Handlung auch Vorteile für andere ergeben.“ Es wäre gut, wenn viel mehr Menschen erkennen würden, dass es sich auch für uns selbst auszahlt, wenn wir an andere (mit)denken und dementsprechend handeln.

Vielen Dank für das Interview lieber Peter, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Peter Karoshi, Schriftsteller 

Zu den Elefanten

Foto_Walter Seidl.

27.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Einer Geschichte aufmerksam zuhören, mitfühlen und seine eigene Wahrheit danach überdenken“ Karoline Troger, Schauspielerin _ Schwaz/T 15.5.2022

Liebe Karoline, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nach dem Aufstehen ist erst mal Yoga an der Reihe. Falls ich zu spät dran bin wird im Notfall nur kurz gedehnt. Dann geht’s ab ins Bad und anschließend genieße ich ein richtig tolles Frühstück. Wenn es um´s Frühstücken geht, ist bei mir jeden Tag Sonntag.

Um 09:00 Uhr findet dann schon die erste von zwei Vorstellungen im Theater statt. Momentan bin ich Teil des Kinderstückes beim Theaterfestival Steudltenn. Am Nachmittag habe ich dann Zeit um Emails zu beantworten, zu planen, zu organisieren und das Wichtigste: einen Kaffee zu trinken. Und dann versuche ich, vollgepumpt mit Koffein, noch Text für die nächste Produktion zu lernen, bevor ich langsam auf Feierabendmodus umschalte.

Karoline Troger, Schauspielerin, Sängerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht vergessen zu atmen und das zu machen was uns guttut. Damit meine ich aber nicht unbedingt dem inneren Schweinehund nachzugeben, denn manchmal kann „guttun“ auch bedeuten aus unserer Komfortzone herauszugehen, auf andere Menschen zuzugehen oder etwas Neues auszuprobieren. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich habe mal gelesen, dass jeder Mensch, egal in welcher geschichtlichen Epoche, den Eindruck hat in einer Zeit zu leben, die die größte Veränderung für die Menschheit bringt. Wahrscheinlich stimmt das sogar, da sich alles immer im Wandel befindet und nichts stehen bleibt. Jeder Mensch versucht in diesem Strom der Neuerung sein Leben irgendwie zu meistern und dabei entstehen so viele spannende Lebensgeschichten. Meiner Meinung nach geht es im Theater und in der Kunst darum diese Geschichten zu erzählen und damit für einen Moment die Perspektive des Publikums zu wechseln. Eintauchen in eine womöglich völlig neue Sichtweise. Einer Geschichte aufmerksam zuhören, mitfühlen und seine eigene Wahrheit danach überdenken- das sind Schritte, die unsere Gesellschaft sehr weit führen könnten.

Was liest Du derzeit?

Woman code von Alisa Vitti

Darum geht es um den weiblichen Zyklus und die Kraft, die darin steckt. Ich kann dieses Buch jeder Frau empfehlen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen. Konfuzius

Vielen Dank für das Interview liebe Karoline, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Karoline Troger, Schauspielerin, Sängerin

https://www.karolinetroger.de/

Foto_Camilo Linares

11.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gestern war der Abend sonnenhell“ Ursula Maria Wartmann, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance – Dortmund 15.5.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gestern war der Abend sonnenhell

In den Wäldern lag die Division

Violetter Käfer im Unterholz

Enterte Stämme der Birken die Bauten der Biber am Fluss.



Pausenloses Marschieren. Kolonnen.

Eine im Schweigen beschuppte oder

Auch: in hartem Glanz gepanzerte

Corona der kalten Entschlüsse:

Ende heißt Sieg heißt Vernichtung.



Aufgaben, diverse, stehen auf dem Weg dorthin an.



Chlorophyll der Blätterdächer

Hibiskus. Blüten. Früh

Am Tag junge Männer verwundet

Narkotisiert vom Rauschen der Wolken den

Chorälen dem stillen Duft des

Erinnerns, dunkel, an die sanfte Schönheit der Welt.

Ursula Maria Wartmann, 6.5.2022

Ursula Maria Wartmann, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Ursula Maria Wartmann, Schriftstellerin

https://www.ursula-maria-wartmann.de/

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 6.5.2022

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„Gott. Eine Anatomie“, Francesca Stavrakopoulou. Piper Verlag

„Denken Sie mal zurück. Wann sind sie das erste Mal mit einer Bibel in Berührung gekommen?“  so eröffnet Francesca Stavrakopoulou, Professorin für hebräische Bibelgeschichte und Antike Religionen an der Universität Exeter/GB ihr Buch zur Thematik des Verständnisses „des göttlichen Körpers im Wandel der Zeit“ im Judentum und Christentum.

Die renommierte Wissenschaftlerin verbindet in ihrer religionsgeschichtlichen Darstellung einen sehr anschaulichen, unmittelbaren Zugang zu Wahrnehmung und Erfahrung von Gottesbildern in Leben und Gesellschaft mit dem neuesten Forschungsstand der Religionswissenschaft und Theologie.

Das Buch gliedert sich in fünf Kapitel, die nach der Körperanatomie in Füße und Beine, Genitalien, Torso, Arme und Hände wie Kopf göttlicher Darstellung in der Bibel wie religiöser Tradition strukturiert sind. Dies weist auch auf den ganzheitlichen theologischen und traditionsgeschichtlichen Ansatz des Buches hin, der das Gottesbild in seiner Gesamtheit und seinem Wandel in Zeit und Gesellschaft darstellt. Dabei kommen sehr viele interessante Perspektiven ans Licht und es gelingt eine spannende theologische Reise in Vergangenheit und Gegenwart, die außergewöhnlich ist.

Hervorzuheben ist auch der sprachliche Stil, der eine sehr flüssige und einladende Lesbarkeit erzeugt und auch komplexe theologische Zusammenhänge sehr gut veranschaulicht.

„Ein Buch, das Gott in bestem Sinne auf die Füße stellt und viele spannende Einblicke und Erkenntnisse zu Mensch, Religion und Gesellschaft bietet“

Walter Pobaschnig 5_22

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„Ruhm kommt mit einer großen Bürde“ Irina Imb _Schauspielerin_ 40.Todesjahr Romy Schneider _ Wien 15.5.2022

Irina Imb _Schauspielerin, Make-Up Artist _Wien
_ reenacting Romy Schneider

Liebe Irina, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?

Meine ersten Berührungspunkte mit Romy Schneider waren, wie bei den meisten in meinem Alter denke ich, die Sissi Filme im ORF. Ich kann jetzt nicht mehr sagen wie alt ich damals gewesen sein werde. Aber es war die Zeit zu der ich mit meiner Mutter recht viele von den österreichischen Filmen auf ORF2 geschaut habe. Günther Phillip, Peter Alexander und dann eben Romy Schneider.

Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?

Da kenne ich leider zu wenige.

Gab es Berührungspunkte zu Werk und Leben Romy Schneiders in Deinen bisherigen Schauspiel-, Kunstprojekten?

Nicht wirklich.

Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Leben und Schauspielberuf bei Romy Schneider an sich?

Es ist mittlerweile besser, aber Romy Schneider lebte noch in einer Zeit wo vor allem Schauspielerinnen, als öffentliches Gut angesehen wurden. Es besserte sich in den letzten Jahren immens das Verständnis dafür, dass es am Ende des Tages auch nur Menschen sind. Leider sind wir noch weit vom Ideal entfernt.

Ruhm kommt mit einer großen Bürde.
Wenn ich Sie in Interviews sehe in den späteren Jahren, finde ich sieht man enorm, wie Ihr das zusetzt.

Ich kann mir gut vorstellen, dass der Umzug nach Frankreich auch eine Art war sich ihr Leben ein Stück weit zurückzuholen.

Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Schauspielberuf?

Ich kann mir vorstellen, dass es eine gute Entscheidung war das Land zu verlassen, um sich schauspielerisch neu erfinden zu können.

In Österreich und Deutschland war sie Sissi. Und wenn sie es nicht war, war Sie es aber dann halt doch irgendwie doch.
Wie lange war Matthew McConaughey ein Star für Liebeskomödien und wurde als Schauspieler für ernste Rollen ignoriert.


Sobald man für Leute mal in einer Schublade ist, ist es gar nicht so leicht da wieder herauszukommen. Ein Neustart ist da vielleicht eine ganz gute Möglichkeit.

Was kann eine junge Schauspielerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?

Den eigenen Weg zu gehen. Auch wenn es beängstigend ist und man auf viel Widerstand trifft. Tu was du liebst, dann ist es nie falsch.

Gibt es etwas typisch Wienerisches bei Romy Schneider?

Das kann ich nicht sagen.
Dafür „kenne“ ich sie zu wenig.

Du bist in Wien aufgewachsen. Was bedeutet Dir Wien und welche Erfahrungen hast Du hier im Schauspielberuf gemacht?

Wien ist und bleibt für mich Heimat. Ich kann mir gut vorstellen in meinem Leben noch auszuwandern und woanders zu leben, doch ich glaube am Ende wird mich mein Weg immer wieder zurück nach Wien führen.

Wir haben in Wien auch viel Kreatives, Talente, leider fehlt hier aber oft das Budget, wodurch wir im internationalen Vergleich leider manchmal ein bisschen hinterherhinken. Aber es gab in den letzten Jahren so viele schöne Projekte, fern von Kommerz und mit viel Einfluss unserer ganz eigenen Erzählweise.

Wie siehst Du die Möglichkeiten als junge Schauspielerin in Wien/Österreich?

Schauspieltechnisch könnte man wo anders sicherlich bessere Chancen haben. Wien ist dann im Vergleich halt doch ein Dorf. Und wie man auch bei Romy Schneider sieht, sind Schauspielerdynastien keine Seltenheit. In Österreich lebt ein Großteil der Kunst von Förderungen und es ist nicht selten der Fall, dass Förderungen nur im Zusammenhang mit namhaften Schauspielern vergeben werden. Ich denke in diese Welt mal einen Fuß zu bekommen ist nicht leicht. Aber Hartnäckigkeit kann sich auszahlen. Ich denke es geht darum wie viel man bereit ist, zu geben.

Was wünscht Du Dir für den Schauspielberuf?

Ich hoffe, dass sich in Zukunft für kleinere Projekte auch Aufmerksamkeit und Geld finden lässt.

Vielfalt in jederlei Hinsicht.

Was sind Deine kommenden Projekte?

Mein nächstes Projekt ist kein Schauspielerisches. Ich habe vor mit einem Freund ein Lokal aufzusperren. Es soll auch ein Ort für Kunst, Kultur und Diversität werden.
Aber ich möchte mich auch in Zukunft weiterhin künstlerisch betätigen, vielleicht in ein paar eigenen Projekten.

Was möchtest Du Schauspielstudent*innen mitgeben?

Das ist schwer zu sagen, ich sehe mich selbst nicht wirklich in einer Position Ratschläge zu geben.

Ich denke in diesem Beruf ist es wichtig, sich nicht so ernst zu nehmen.

Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?

Am schönsten würde ich einen zwanglosen Gedankenaustausch finden. Ganz ohne Erwartungen. Zwei Leute, die sich unterhalten.

Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Schneider Achrostikon bitten?

Relevant

Outstanding

Marvelous

Youthful

Irina Imb _Schauspielerin, Make-Up Artist _Wien

Vielen Dank, liebe Irina, viel Freude und Erfolg für alle Projekte!

40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Irina Imb _Schauspielerin, Make-Up Artist _Wien

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_20.2.2022

Hotel am Stephansplatz_Wien

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Walter Pobaschnig 2_22

„wie mit dem erleben von ohnmacht umgegangen wird“ Benedikt Steiner, Dichter & Künstler _ Wien 14.5.2022

Lieber Benedikt, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

vormittags und bis in den früheren nachmittag hinein arbeite ich jeweils an unterschiedlichen texten und projekten. meist entwickle ich mehrere texte gleichzeitig. sei es für einen auftrag, für eine lesung oder als schreibübung für mich selbst, um in den tag zu kommen. zwischendurch arbeite ich auch an übersetzungen und text-dialogen mit befreundeten dichter:innen, tatsächlich eine meiner liebsten tätigkeiten und eine ganz eigene form des austauschs. an jedem zweiten nachmittag hole ich meine tochter vom kindergarten ab, danach gehen wir je nach wetter raus zum spielen, treffen freunde oder gehen zu mir nach hause. derzeit leite ich zudem jeden zweiten dienstagnachmittag eine schreibwerkstätte mit pensionist:innen – das sind jedes mal sehr bereichernde und lebendige stunden.

Benedikt Steiner, Dichter & Künstler 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

vor- und nachsicht im miteinander, geduld und liebevolles, aufmerksames zu- und hinhören – nach außen wie auch nach innen. zudem glaube ich, dass es wichtiger denn je ist, im kleinen und bei uns selbst zu beginnen, frieden zu stiften. seit geraumer zeit lasse ich mich daher von der frage „wo stiftest du frieden?“ begleiten.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

ich glaube fest, dass kunst und literatur uns dabei unterstützen können, unsere vorstellungskraft lebendig zu halten; unsere fantasie und unser potential, utopien zu denken und widersprüche auszuhalten. literatur erzählt und schafft bzw. vermittelt dadurch erst welt(-en). kunst vermag es, unsere seh-, hör- und fühlgewohnheiten zu irritieren. zwei wichtige aspekte, wenn es darum geht, in bewegung zu kommen bzw. zu bleiben und wach zu sein für die uns umgebenden welten und die welten in uns.

zudem glaube ich, dass alle sich in zukunft die frage, „wie wollen wir leben“, noch viel intensiver werden stellen müssen und den darauf gefundenen antworten auch taten folgen sollten. ich würde sagen, im alltag lassen sich gewisse antworten vergleichsweise einfach leben, sobald die macht der gewohnheit durchbrochen ist. doch im großen bedingt dies auch eine politik, die gehör für die neu gefundenen antworten einer gesellschaft hat und keinen aufwand scheut, um auch im sinne dieser gesellschaft zu handeln. denn nur so fühlen sich menschen gehört und ernstgenommen und bleiben nicht ohnmächtig und mit dem gefühl, nichts bewirken zu können, zurück. ich meine, eine hauptursache für lethargie, unfrieden und gewalt in allen formen, im kleinen wie auch im großen, ist ohnmacht. also das erleben von kontrollverlust, von nicht-gehörtwerden und von der unwirksamkeit eigener handlungen mit damit einhergehenden gefühlen der sinn- und ausweglosigkeit. natürlich kommt es trotz allem auch darauf an, wie mit dem erleben von ohnmacht umgegangen wird. manchmal gilt es sie vorerst vielleicht auch einfach auszuhalten, bis veränderung möglich wird.

Was liest Du derzeit?

architectures of healing (david bergé, milica ivić, antigone samellas, valentina karga), das primat der wahrnehmung (maurice merleau-ponty), wie zusammen leben (roland barthes), wir zukunftslosen (johannes siegmund).

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„der mensch steht der welt nicht gegenüber, sondern ist teil des lebens, in dem die strukturen, der sinn, das sichtbarwerden aller dinge gründen.“ (das sichtbare und das unsichtbare, maurice-merleau ponty)

Vielen Dank für das Interview lieber Benedikt, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Benedikt Steiner, Dichter & Künstler 

Foto_Romina Achatz.

29.4.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Geborgt nur war die stille Zeit“ Tina Schlegel, Schriftstellerin – Give Peace A Chance _ Unterallgäu 13.5.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Geborgt nur war die stille Zeit

In der töricht wir uns sicher glaubten

Voller Hoffnung auf die schöne Dauer

Endlos langen Lichtes vor der Nacht.



Prachtvoll bleibt der Trost der blauen Stunde

Ewigkeit für einen kühnen Augenblick.

Auf mäanderndem Goldgelb am Horizont

Choräle aus Rosarot und dunklem Blau

Elegisch-stolze Abschiedsdramaturgie.



Aber irgendwo muss Hoffnung sein.



Cerberus ruht am Rand der alten Welt,

Hält geduldig Wache dort zur Nacht

Am Ende des uns einst geliehenen Glücks

Neigt er sein Haupt, lauscht den fernen

Celloklängen und barmherzig seufzt er:

Es ist geöffnet, Freunde, tretet ein.


Tina Schlegel, 3.5.2022

Tina Schlegel, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Tina Schlegel, Schriftstellerin

https://tinaschlegel.de/

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 3.5.2022.

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