„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
im Interview _ Angelika Stallhofer, Schriftstellerin _ Wien
Liebe Angelika, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Bachmann wurde und wird immer noch viel Aufmerksamkeit zuteil. Was viel Aufmerksamkeit bekommt, ist oft von minderer Qualität, aber nicht immer. Das ist hier anders.
Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?
Ihre Literatur ist in meinen Augen eine aufrechte und auch aufrichtige Literatur.
Das bedeutet nicht, dass sie nicht mit Geheimnissen arbeitet, im Gegenteil. Das kommt mir sehr entgegen, ich interessiere mich nicht für geheimnislose Literatur.
Bachmanns Worte sind gleichermaßen dunkel wie hell, und etwas funkelt darin, eine Art Wahrheit. Es mag manchmal ihre persönliche Wahrheit sein, mit der nicht alle resonieren. In mir bringt sie etwas zum Klingen.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
Zum ersten Mal kam ich in der Schule mit Bachmann in Berührung. Ich las die Gedichte „Schatten Rosen Schatten“ und „Im Gewitter der Rosen“. Ich verstand sie nicht, aber mochte sie. Es war ein Rätsel, das ich lösen wollte. Und zugleich wollte ich, dass es ungelöst bleibt. Später prägten mich besonders „Undine geht“ und andere Erzählungen. Es gibt eine Passage in „Undine geht“, die sehr bedeutsam für mich ist. Malina war herausfordernder, doch das störte mich nicht.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich denke nicht, dass ich gern mit ihr gesprochen hätte, ich habe auch keine Fragen an sie. Ich hätte ihr vielleicht geschrieben, ein paar Zeilen nur, ein Gedicht, etwas, das keine Antwort braucht.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich arbeite an einem Roman. Es wird um Gewalt darin gehen, sichtbare und mehr noch unsichtbare.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„Weil ich zu keinem Gebrauch bestimmt bin und ihr euch nicht zu einem Gebrauch bestimmt wußtet, war alles gut zwischen uns.“ (Undine geht)
Lieber Andreas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Im Grunde wie seit Jahren schon: In der ersten Wochenhälfte stehe ich früh auf, lese oder höre Nachrichten, arbeite im Homeoffice in meinem Brotjob und spiele nachmittags ein bisschen Feierabend. Und in der zweiten Wochenhälfte gehe ich in die sehr schöne Bibliothek um die Ecke, um zu schreiben. Und abends treffe ich Freund:innen, gehe ein Bier trinken oder in ein Konzert, ins Kino, zu einer Lesung. Und ansonsten: versuche ich die Lücken zu schaffen, in die alles andere eben hineinpassen muss.
Andreas Lehmann, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Auch hier wahrscheinlich: mehr oder weniger dasselbe wie immer. Solidarität und Gemeinschaft, dazu das Recht auf Privatheit, das Recht, allein zu sein. Wachheit und Neugier auf den Lauf aller Dinge einerseits, Ruhe- und Rückzugsorte andererseits. Kühle, klare Urteilskraft, dabei Empathie und ein Blick oder Gespür für das Schöne: Zuversicht und produktiver Pessimismus.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Die Literatur schafft Räume, in denen wir unsere Ängste und unsere Traurigkeiten betrachten können, ohne uns vor dieser Konfrontation zu fürchten. Das sind Räume der Freiheit und der offenen Möglichkeiten, Räume, in denen wir uns selbst begegnen und Erfahrungen machen können, die ans Eingemachte gehen, ohne dass wir uns davor schützen müssen. Sie öffnet in uns, was uns selbst verschlossen ist, und das ist immer stärkend, befreiend.
Literatur macht Mut, sich etwas vorzustellen: ein anderes Leben, eine andere Welt (die unserer verblüffend ähnlich sieht), ein alternatives Ich (das dem unseren geschwisterlich zur Seite steht). Ohne den Spiegel der Kunst könnten wir nie sicher sein, dass es uns gibt.
Was liest Du derzeit?
Eigentlich ständig und immer wieder: Kafka-Briefe (die an Felice Bauer, die an Milena Jesenská), außerdem viel Lyrik (quer durch das Beet, in dem ja ständig so viel wächst und blüht). Zudem Short Stories von Tobias Wolff und Joyce Carol Oates.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Frühaufsteherin
Wozu mit ihr streiten?
Zahlen
beeindrucken sie nicht.
Sie kommt von jenseits
der Wahrscheinlichkeitsrechnung.
Hoffnung –
Frühaufsteherin
am schwärzesten Tag.
(Rainer Malkowski)
Vielen Dank für das Interview, lieber Andreas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Andreas Lehmann, Schriftsteller
Zur Person:Andreas Lehmann, geb. 1977 in Marburg, dort aufgewachsen, hat Buchwissenschaft, Amerikanistik und Komparatistik in Mainz studiert, lebt in Leipzig. Er war zweimal Teilnehmer des Open Mike-Wettbewerbs der Literaturwerkstatt Berlin und hat Werkstattstipendien der Jürgen-Ponto-Stiftung, der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin und der Romanwerkstatt im Literaturforum des Brecht-Hauses Berlin erhalten. Robert Gernhardt Preis 2022, Bad Godesberger Literaturpreis 2023. 2018 erschien sein Debütroman Über Tage, 2021 der Roman Schwarz auf Weiß, 2023 der Erzählband Lebenszeichen und 2026 der Erzählband Kummerflimmern, alle im Karl Rauch-Verlag, Düsseldorf.
Zur Person:Andreas Lehmann, geb. 1977 in Marburg, dort aufgewachsen, hat Buchwissenschaft, Amerikanistik und Komparatistik in Mainz studiert, lebt in Leipzig. Er war zweimal Teilnehmer des Open Mike-Wettbewerbs der Literaturwerkstatt Berlin und hat Werkstattstipendien der Jürgen-Ponto-Stiftung, der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin und der Romanwerkstatt im Literaturforum des Brecht-Hauses Berlin erhalten. Robert Gernhardt Preis 2022, Bad Godesberger Literaturpreis 2023. 2018 erschien sein Debütroman Über Tage, 2021 der Roman Schwarz auf Weiß, 2023 der Erzählband Lebenszeichen und 2026 der Erzählband Kummerflimmern, alle im Karl Rauch-Verlag, Düsseldorf.
Im Interview _ George K. Maurer, Liedermacher _ Klagenfurt.
Lieber George, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Mein Versuch besteht darin, über den Begriff „Frieden“ einen Zugang zu finden. In „Malina“ fehlt mir jedoch ein direkter Friedensentwurf. Da zeigt Ingeborg Bachmann eher, warum Frieden nur schwer möglich ist, beziehungsweise Sprache als Schlüssel und Problem gesehen werden muss. Frieden erscheint bei ihr eher als Abwesenheit von Gewalt, aber diese Abwesenheit wird nie erreicht. Was sich insbesondere im „Traumkapitel“, in dem der Vater als Täterfigur beschrieben wird, zeigt.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Es ist für mich schon ein bisschen Herausforderung, den detaillierten, oft in langen Schachtelsätzen verpackten Ausführungen Bachmanns konzentriert zu folgen. Wenn ich mich aber darauf einlasse, entführt der Text in eine Bilderwelt, in eine große Gefühlswelt, die wahrscheinlich nur so beschrieben werden kann.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
Besonders zugetan bin ich dem lyrischen Werk von Ingeborg Bachmann. Dazu fällt mir das großartige Gedicht „Die gestundete Zeit“ ein …
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Bachmann sieht, so meine ich, in der Aufdeckung von Gewalt einen Friedensansatz. Und da spielt Sprache eine wesentliche Rolle. Meine Frage an sie wäre: Könnte eine neue, unverbrauchte Sprache, ein Sprechen, das nicht zerstört, zu Frieden führen?
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Bin als Liedermacher natürlich von den aktuellen Geschehnissen um mich herum und in der ganzen Welt in meinem Schreiben beeinflusst. Mich rückbesinnend auf die 60er und 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, bäume ich mich in meinen Texten auf gegen Hass, gegen Gewalt und gegen Rechtsradikale, die demokratische, politische Systeme zerstören wollen. So heißt auch mein derzeitiges Programm „Love Peace & Freedom“, angelehnt an große Vorbilder wie Pete Seeger, Joan Baez, Woody Guthry oder Hannes Wader. Mit meinem Trio CrossTones freue ich mich auf jede Einladung zu einem Konzertauftritt.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
George K. Maurer, Liedermacher Sandra Bell, Schauspielerin, Sängerin
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
im Interview _ Christa Issinger, Schriftstellerin _ Brixen/Südtirol
Liebe Christa, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Mein Zugang zu Ingeborg Bachmann entsteht vor allem über ihre Sprache. Beim Lesen habe ich oft das Gefühl, dass sie Sprache nicht einfach benutzt, sondern sie selbst infrage stellt.
Außerdem sprechen mich die Spannungen in ihren Texten an – zwischen Nähe und Distanz, zwischen persönlicher Erfahrung und gesellschaftlichen Strukturen. Ihre Texte geben keine einfachen Antworten, sondern bleiben bewusst offen.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Das Besondere an Bachmann ist für mich, dass sie sehr genau schreibt, sich aber trotzdem nicht festlegt. Sie zeigt Gefühle und Beziehungen nicht als etwas Klares, sondern eher als etwas Widersprüchliches.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Ich lese hauptsächlich ihre Lyrik, vor allem „Die gestundete Zeit“ und „Anrufung des Großen Bären“. Da merkt man schon sehr stark, wie sie mit Sprache arbeitet und Bilder schafft, die hängen bleiben.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Ihre Gesellschaftskritik ist immer noch sehr aktuell. Gerade weil sie zeigt, dass Macht nicht nur in großen gesellschaftlichen Strukturen steckt, sondern auch im Privaten.
Das sieht man besonders in Beziehungen oder Rollenbildern. Und genau das lässt sich auch heute noch gut wiederfinden, wenn auch in anderen Formen.
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
Bei Bachmann ist Liebe selten einfach oder harmonisch. Sie ist oft etwas “zwischen den Polen” – zwischen Nähe, Abhängigkeit und Verletzlichkeit.
Für mich heißt, “nach Bachmann lieben“ deshalb: nicht alles zu romantisieren, sondern auch die schwierigen Seiten mitzudenken. Also zu sehen, dass Liebe immer auch mit Macht und Erwartungen zu tun hat.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Ich würde das eher als eine sehr persönliche Aussage verstehen, nicht als allgemeine Regel fürs Schreiben.
Bei Bachmann spürt man, dass Schreiben für sie etwas sehr Intensives war, das auch an Grenzen gehen kann. Ob man das dann „Martyrium“ nennt, ist aber letztlich eine Frage der Perspektive.
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Neben den bekannten Themen finde ich besonders spannend, wie Bachmann mit Sprache selbst umgeht. Sie zeigt, dass Sprache nie ganz ausreicht.
Auch ihr fragmentarischer Stil ist wichtig – sie bricht bewusst geschlossene Bedeutungen auf und lässt vieles offen.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich würde ihr sagen, dass mich ihre Gedichte an Stellen treffen, für die ich selbst keine Sprache habe. Ich würde sie fragen: Wenn sie nur noch ein einziges Gedicht schreiben dürfte, worüber es auf keinen Fall handeln dürfte.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Zurzeit schreibe ich gerade kontinuierlich an eigenen Gedichten und bin regelmäßig bei Lesungen dabei. Im Moment geht es mir vor allem um das stetige Arbeiten, weniger um ein einzelnes großes Projekt.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht.“
„Eigentlich lese ich keine Heimatromane. Aber an den Heimatromanen Ingeborg Bachmanns habe ich Gefallen gefunden…“
So beginnt Ingeborg Gleichauf ihren Essay und stellt damit gleich zu Beginn klar, dass sich der Begriff „Widerspenstigkeit“ im Titel auch auf die so renommierte Freiburger Autorin selbst und ihre Zugänge zu Werk&Leben Ingeborg Bachmanns bezieht. Es geht hier nicht um die Übernahme gängiger Interpretationswege der „Ikone“ deutschsprachiger Literatur, sondern um den Kern von Text, Sprache, Thema und den literarischen Weg Bachmanns, ausgehend von der Herkunft zu den Todesarten der Gegenwart. Da gilt es kritisch und aufmerksam anzusetzen, um die Widerspenstigkeit wie Kunstfertigkeit erkennen zu können und nicht am Cover von Klischees zu Werk&Leben da und dort hängenzubleiben wie es bei schlechten Heimatromanen der Fall ist. Und jene Bachmanns gehören zu den besten dieser modernen Form schonungsloser Innenschau als Spiegel von Gesellschaft und Welt. Hier geht es um nichts weniger als um alles. Um jedes Wort, jeden Satz, jedes Schweigen von, zu, über Mensch, Heimat, Sinn. Damals und heute – „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“.
Ingeborg Gleichauf spannt in ihrem Essay einen beeindruckenden Bogen zu Werk, Briefwechsel, Interviews, Vorlesungen Bachmanns und lädt Leserin und Leser zu Stationen im Wort Bachmanns ein, die als Eckpfeiler im so reichhaltigen literarischen Kosmos zu sehen sind.
Ausgehend vom Schlüsselroman „Malina“, der alle Raffinesse und Vielseitigkeit Bachmanns beeindruckend öffnet und doch gleichzeitig ein Labyrinth ist, dessen Ausgang (gibt es einen?), Interpretation geheimnisvoll bleibt, werden weitere wesentliche literarische Texte (Undine geht/Drei Wege zum See) wie Gedichte und die umfassende Korrespondenz nach ihrer Mitte befragt und es ist beeindruckend wie erstaunlich wie Ingeborg Gleichauf das Bachmann-Wimmelbild von Text, Leben, Sensation mutig und kompetent durchquert und dabei nicht nur den Faden nicht verliert sondern spannend und aussagekräftig zusammenknüpft. Ingeborg Bachmann – eine widerspenstige Entdeckung und beeindruckende Neuentdeckung, herzlichen Dank!
„Ingeborg Gleichauf hält eine Geburtstagsrede für Ingeborg Bachmann, die neue Maßstäbe setzt!“
Ingeborg Gleichauf, 1953 geboren, studierte Germanistik und Philosophie. Dissertation über Ingeborg Bachmann. Drei Töchter. Lebt in Freiburg. Zahlreiche Veröffentlichungen, u.a. über Hannah Arendt, Simone de Beauvoir, Max Frisch und Gudrun Ensslin. Zuletzt veröffentlichte sie »Martha Nussbaum. Philosophin des guten Lebens« (Mitteldeutscher Verlag, 2022). Sie lebt in Freiburg.
Auszeichnungen: 2008 Preis der Jungen Kritiker Wiens
Gegeben, der Herr hat`s genommen – wer das glaubt –
Ist mit
Verlaub´
Einfältig, denn schau´: Der
Passionsblume am Wegesrand, wird ohne Grund der Kopf vom Stil getrennt.
Einfach
Aus Langeweile und
Charakterschwäche. Ich –
Empfehle hier altersweise zu mehr
Achtsamkeit, mit (ver)zweifelndem Blick auf die Y-
Chromosomen, die für die Ausbildung der
Hoden
Ausschlaggebend sein sollen.
Never, ever, give up hope! Oder besser: Nutze deine
Chance(n)
Eigensinnig an (d)einer neuen Welt zu werken!
(Inspiriert durch Bachmanns Ausspruch: „Wir sterben immer an den anderen“)
Riccarda Gleichauf, 11.5.2026
Riccarda Gleichauf, Schriftstellerin
GIVE PEACE A CHANCE
Riccarda Gleichauf, Schriftstellerin
Zur Person:Riccarda Gleichauf blieb den Büchern nach einer Buchhändlerinnenlehre in Frankfurt am Main treu und studierte anschließend dort Philosophie und Germanistik. Es folgten Veröffentlichungen im Bereich Kurzprosa und Kinderbuch. Sie ist Herausgeberin der Textland-Anthologien zum gleichnamigen, jährlich stattfindenden Literaturfestival. Als Literaturrezensentin und Bloggerin gehört sie zur Redaktion des Kulturportals textor.online. Aussichten einer Empfangsdame ist ihr Romandebüt.
„Eine hochqualifizierte Akademikerin findet sich plötzlich hinter einem Empfangstresen wieder. Zwischen Telefonen, Besucherausweisen und dem täglichen Mantra der „flachen Hierarchien“ wird sie zur Schnittstelle eines Unternehmens, das von Effizienz spricht, aber Abhängigkeiten produziert. Während sie freundlich lächelt und Termine koordiniert, beginnt sich innerlich ein Riss zu öffnen: zwischen dem eigenen Selbstbild und der Rolle, die sie ausfüllen muss, zwischen geistigem Anspruch und funktionaler Dienstbarkeit.
Aussichten einer Empfangsdame erzählt mit präziser Beobachtungsgabe von prekärer Arbeit, verdeckten Machtspielen und der stillen Erosion einer Bildungsbiografie – und fragt, wie viel Selbst im System der Erwerbsarbeit bestehen bleiben kann.“ Pressetext/Verlag
Aussichten einer Empfangsdame, Riccarda Gleichauf. Roman. Verlag NeuWerk