
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) _ Wien _
Walter Pobaschnig 5/26
Liebe Anke, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf ist eher strukturiert, würde ich sagen. Aufstehen um 4:30 Uhr Pferde versorgen, Hunde versorgen. Stall machen und danach beginnt oft meine Schreibzeit, für etwa zwei bis drei Stunden. Ich versuche täglich zu schreiben. Leider gelingt das nicht immer. Besonders an den Tagen, an denen ich noch zur Arbeit in der Klinik eingeteilt bin. Ich arbeite seit 1998 in einer Rehaklinik in der Eifel. Fachgebiet dieser Klinik ist Psychosomatik. Psychologie ist ein Thema, welches mich schon immer begeistert hat und es heute noch tut. Ich arbeite dort in recht langen Spätdiensten und Nachtdiensten und ich merke leider, je älter ich werde, wie schwer mir diese Dienstzeiten und Schichtarbeit fallen.2007 habe ich ein Aufbaustudium zur experientiellen Reittherapeutin, Focussingbegleiterin, Stresstherapeutin und Sozialtherapeutin absolviert. Ich habe bis dato, außerhalb meiner Dienstzeiten in der Klinik, nebenberuflich hier auf dem Hof gearbeitet, mit Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung und mit Menschen mit psychischen und somatischen Störungsbildern. Diese Arbeit habe ich vor kurzem beendet, weil meine Pferde zu alt wurden. Nun widme ich mich dem Schreiben und Malen, ein Hobby, das mich seit frühster Kindheit begleitet. An manchen Tagen ist es schwer dies alles in 24 Stunden unterzubringen, aber ich gebe mein Bestes.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Dazu kann ich nur sagen, dass es viele Dinge gibt, die für uns wichtig sind und die ich mir für alle Menschen wünschen würde. Zuhören, miteinander reden, verstehen, Akzeptanz, Kongruenz und Empathie, drei Basisvariablen, die im Alltag mehr und mehr untergehen. Jemanden abzuholen wo er steht, jemanden so anzunehmen, wie er ist, ist meiner Meinung nach ein wertschätzendes Verhalten, was in den Menschen mehr und mehr verloren geht. Ich würde mir für die Menschen „innerliche“ Entwicklung wünschen, dass sie nicht immer auf veraltete Mittel zurückgreifen müssen, wie Krieg und Verwüstung. Ich wünsche mir ebenso für alle, dass wir lernen nachzudenken und positive Alternativen zu entwickeln. Dass wir uns wirklich bewegen und nicht stehen bleiben. Das erinnert mich an ein Zitat, das ich einmal gehört habe, der Verfasser ist unbekannt, aber es sagt aus, was ich denke und empfinde: „Es gibt drei Arten vom Menschen, die erste Art sind die, die unbeweglich sind. Die zweite Art sind die, die beweglich sind und die dritte Art sind die, die sich tatsächlich bewegen.“ Ich möchte eindeutig zur dritten Art gehören und ich wünsche mir für alle anderen, dass sie das auch tun. Bewegung ist Entwicklung, Entwicklung ist Bildung, die uns formt und stärkt, die uns Selbstbewusstsein schenkt, uns sicherer macht und unser Selbstbild verändert. Bewegung formt das Selbst. Nur so kommen wir vom Stehen zum Gehen. Ich denke sie verhindert ein auf der Stelle treten und bringt uns dazu vorwärts zu gehen und unser „Ich“, „Über-Ich“ und unser „Es“ zu entwickeln, denn nur diese drei Instanzen, machen den Menschen komplett und bringt uns dazu, vorwärtszugehen. Ebenfalls finde ich Liebe wichtig und auf der Suche zu bleiben, nach sich selbst und dem Sinn des Lebens. Ich denke das diese Suche für jeden anders ist und für jeden etwas anderes bedeutet. Durch diese Dinge entwickeln wir Antennen und diese möchte ich als „Reichtümer des Lebens“ beschreiben.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Meine Kernbotschaft:
Ein Aufbruch braucht innere Bewegung: Empathie, Reflexion und Bildung sind die Voraussetzungen für persönlichen und gesellschaftlichen Wandel.
Zuhören und Annahme: Menschen dort abholen, wo sie stehen, statt zu verurteilen.
Bildung und Selbstreflexion: Wissen über Mechanismen (z. B. Angst, Traumata) schafft Handlungsspielräume.
Mut zur Veränderung und konkretes Handeln: Beweglichkeit darf nicht nur gedanklich bleiben, sondern muss in politische und soziale Praxis münden.
Gemeinschaft und Verantwortung: Solidarisches Handeln verhindert Stillstand und schafft Sicherheitsräume für Entwicklung.
Rolle der Literatur und Kunst:
Spiegel und Perspektivwechsel: Bücher öffnen Zugänge zu anderen Innenwelten und fördern Empathie.
Sprache für das Unsagbare: Kunst kann Traumata benennen und damit Heilungsschritte möglich machen.
Möglichkeitsraum: Literatur zeigt Alternativen auf und inspiriert zu neuen Wegen.
Konkretes Wirken: Lesungen, Schreibgruppen, therapeutische Erzählarbeit und Bildungsangebote bringen Kunst in Alltage und Institutionen.
Meine literarische Arbeit — psychologisch fundiert und empathisch — kann genau die Räume öffnen, die Menschen zum Bewegen und Verändern brauchen.
Literatur und Kunst sind Kompass und Motor für inneren und gesellschaftlichen Aufbruch.
In Zeiten des Wandels, sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf persönlicher Ebene, wird es entscheidend sein, eine innere Bewegung zu fördern. Empathie, Reflexion und Bildung sind unerlässliche Voraussetzungen, um den Herausforderungen des Lebens zu begegnen und einen echten Aufbruch zu gestalten. Zuhören und Akzeptanz sind fundamentale Prinzipien. Es ist wichtig, Menschen dort abzuholen, wo sie stehen, anstatt sie zu verurteilen. Dies schafft ein wertschätzendes Miteinander, das in unserer schnelllebigen und oft oberflächlichen Welt zunehmend verloren geht. Bildung und Selbstreflexion spielen ebenfalls eine zentrale Rolle, denn Wissen über die Mechanismen von Angst und Traumata kann Handlungsspielräume eröffnen.
Mut zur Veränderung muss gelebt werden; Beweglichkeit darf nicht nur gedanklich bleiben. Wir sollten konkrete Handlungen entwickeln, die über das Nachdenken hinausgehen. Gemeinschaft und Verantwortung sind ebenso wichtig, denn solidarisches Handeln verhindert Stillstand und schafft sichere Räume für individuelle Entwicklungen.
In diesem Kontext wird Literatur und Kunst zu einem entscheidenden Instrument. Sie fungieren als Spiegel, der uns andere Innenwelten offenbart und unser Verständnis für andere Menschen fördert. Zudem bietet Kunst eine Sprache für das Unsagbare und kann uns helfen, Traumata zu benennen und Heilungsprozesse einzuleiten. Überdies zeigt Literatur uns alternative Wege auf und inspiriert zu neuen Möglichkeiten, die im Alltag und im Leben von großer Bedeutung sind.
Lesungen, Kreative Schreibgruppen und therapeutische Erzählarbeit bringen die Kunst in das Leben der Menschen und ermöglichen es uns, aktiv an unserem eigenen Wachstum teilzuhaben. Ich hoffe das meine literarische Arbeit, die psychologisch fundiert und empathisch ist, genau diese Räume öffnen kann, die Menschen benötigen, um sich zu bewegen und zu verändern.
Literatur und Kunst sind die Wegweiser und Antriebskräfte für inneren sowie gesellschaftlichen Aufbruch.
Was liest Du derzeit?
Leider habe ich nicht wirklich viel Zeit in der augenblicklichen Situation viel zu lesen. Ich bin zu sehr beschäftigt mit schreiben. Ich habe das Gefühl meine Gedanken und Gefühle aufs Blatt Papier bringen zu müssen. Das ist das was ich zurzeit will. Angefangen zu lesen habe ich das Buch von Claire Larsen: Neunzehn Jahre. Leider bin ich noch nicht sehr weit gekommen, da mein Alltag ausgefüllt ist und mich erfüllt. Mein Leben ist bunt und spannend, doch leider haben momentan nicht alle Dinge Platz darin. Aber viele Dinge die ich zurzeit tue und die in mir wachsen, empfinde ich als magisch.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Verfolge deine Träume und lebe sie! Denn Träume hängen dann, wenn du hinsiehst, wie reife Früchte an den Bäumen, du musst nur aufstehen und sie pflücken. Und dann, wenn du sie in Händen hältst und sie betrachtest, entfalten sie ihre Magie. Ehre sie, denn sie könnten dein Leben gestalten!“ (Zitat: Rose A. W. Diamond)
Vielen Dank für das Interview, liebe Anke, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) _ Wien _
Walter Pobaschnig 5/26
Zur Person: Rose A. W. Diamond _ Schriftstellerin.
Rose A. W. Diamond ist das Pseudonym von Anke Wagner, Autorin, Illustratorin, Reittherapeutin, Examinierte Krankenschwester, Focussingbegleiterin.
Als examinierte Krankenschwester mit langjähriger Erfahrung in psychosomatischen Kliniken, als ausgebildete Reittherapeutin und Focussingbegleiterin verbindet sie therapeutische Tiefe mit literarischer Fantasie. Ihre Arbeit mit Menschen und Tieren prägt ihre Geschichten: geerdet, einfühlsam und voller innerer Transformation.
2024 debütierte sie mit „Magica – Die Reise durch die Zeit“, den Auftakt ihrer preisgekrönten Fantasy-Trilogie für Leser ab 12 Jahren. Der Roman wurde bei der Koblenzer Buchmesse ausgezeichnet und von Lesern durchgehend mit 5 Sternen bewertet. 2025 folgten „Magica – Die Reise durch die Welten“ Teil 1 & 2. Der Abschlussband erscheint 2026. Illustrator Erhard Sünder gestaltet die visuelle Welt der Reihe.

Rose A. W. Diamond lebt mit ihrem Mann, fünf Pferden, zwei Hunden und vier Katzen auf einem Aussiedlerhof in Rheinland-Pfalz.
Foto: Rose A. W. Diamond _ Walter Pobaschnig, Station bei Malina/Wien 5/26
Foto: Buchinfo _ Rose A. W. Diamond.
Walter Pobaschnig, 16.4.2026
























































