„Walküre“ Daniel Zipfel. Roman. Leykam Verlag.

2015. Ein heißer Sommer – nach dem nichts wie vorher war. Emotionale politische Debatten prägen Europa angesichts der dramatischen Fluchtbewegungen, besonders aus den Krisengebieten Syrien, Afghanistan, Irak. Rund 90 000 Flüchtende suchen in diesem Jahr in Österreich um Asyl an. Große Hilfsbereitschaft und Engagement in gesellschaftlichen Institutionen wie der Zivilgesellschaft und auch Polarisierung prägen einen politisch heißen Herbst – „Wir schaffen das“.

In diesem Jahr der großen Herausforderungen, Taten, Diskussionen und Veränderungen setzt der neue Roman des Wiener Autors und Juristen Daniel Zipfel, der in der Asylrechtsberatung tätig ist, an. Sein gleichsam alter ego und Protagonist Benjamin Weiß muss sich dabei zunächst einer Lebensbewegung der besonderen und doch so alltäglichen Art stellen – die Oma, stolze neunundachtzig Jahre, lebt in Deutschland, aber jetzt soll ein Umzug nach Wien und damit die Nähe von Angehörigen Sorgen erleichtern und Sicherheit geben.  Aber Oma will nicht recht, das gewohnte Umfeld, das liebevoll grantige Miteinander vor Ort, fehlt schon in den ersten Gesprächen. Aber der Enkel macht sich samt widerspenstiger Oma auf den Weg nach Wien.

Auf einen Weg, auf dem sie nicht alleine sind. Die Fluchtbewegung führt Menschen aus Kriegs-, Krisengebieten nach Europa, Österreich, Deutschland und diesen begegnen Oma und Enkel am Weg in Blicken aus dem Autofenster. Nah und fern zugleich.

Angekommen in Wien wartet auf Benjamin Weiß, Jurist in einer Beratungsstelle für Geflüchtete, der Fall eines syrischen Flüchtlings, dem auch Kriegsverbrechen zur Last gelegt werden. Wie jetzt vorgehen? Die Fragen im Kopf kreisen. Erinnerungen kreisen auch im Kopf der Oma, angekommen in der neuen und doch alten Umgebung in Wien, kommt die Erinnerung an den Krieg zurück und all das Vergessene im Dunkel von Gewalt und Tod, das sich nun meldet. Benjamin Weiß steht nun mitten und zwischen familiärer Geschichte in allen Abgründen von Zeit und Schuld wie der Gegenwart eines Bürgerkriegslandes. Wie nun Verantwortung und Konsequenz da und dort persönlich wahrnehmen? Was ist zu tun, muss getan werden? Alles ist nun unmittelbar. Drängend und herausfordernd. Und Benjamin Weiß sucht seinen Weg der Entscheidungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart…

Daniel Zipfel legt einen Roman zur Zeit vor, welcher die Fragen von Krieg und persönlicher Positionierung wie Aufarbeitung in einem beeindruckenden literarischen Panorama der Aus-, Weiterwirkungen von Gewalt und Verbrechen spannend wie in vielfacher Perspektive thematisiert. Der Autor versteht es einzigartig Mikro.- und Makrogeschichte in einem lebensnahen Plot zu verweben und situativ zu verdichten wie gesellschaftlich einzuordnen.

„Ein großartiger mitreißender Roman über Krieg, Gewalt einst und heute wie Erinnerung und Verantwortung als Aufgabe von Generationen!“

„Walküre“ Daniel Zipfel. Roman. Leykam Verlag.

Gebunden mit Lesebändchen, 256 Seiten

ISBN   978-3-7011-8395-1

€ 25,50

Walter Pobaschnig 2/26

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„Ich habe behalten, was brennt“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort&Bild _ Romana Ganzoni / Ino Matsou _ Wien 3.2.2026

Ino Matsou, Schauspielerin _acting Ingeborg Bachmann _ Ankunft Wien _
Originalschauplatz _ Wien _
Foto_Vor der ersten Wohnung von Ingeborg Bachmann in Wien. Die Schriftstellerin kam hier 1946 in Wien an.
Walter Pobaschnig, folgende.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

INGEBORG_ Akrostichon

Text _  Romana Ganzoni, Schriftstellerin

Performance _ Ino Matsou, Schauspielerin

INGEBORG

Ich habe behalten, was brennt.

Nichts davon ist Vergangenheit.

Gewalt im Satz.

Ein Wort zu viel.

Brennen als Bedingung.

Ohne Trost.

Reden gegen die Zeit.

Gegen das Schweigen.

Romana Ganzoni, 9.1.2026

Ino Matsou, Schauspielerin _acting _
Walter Pobaschnig, folgende
Ino Matsou, Schauspielerin

Ingeborg Bachmann ist 1946 in Wien angekommen und lebte hier bis 1953. In dieser Lebensphase kommt es zu wesentlichen Begegnungen, Inspirationen, Aufbrüchen in Leben, Liebe, Literatur, die mit dieser Stadt in Wegen, Plätzen, Cafès ganz eng verbunden sind. Es formen sich wesentliche Themen und Schwerpunkte Ihres Schreibens. Ebenso ist es die Zeit erster Anerkennung als Schriftstellerin.

Mit Wien bleibt die später in Rom lebende und verstorbene Schriftstellerin zeitlebens verbunden. Ihr einziger Roman Malina spielt in Wien, ebenso nehmen viele Gedichte darauf Bezug.

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

INGEBORG_ Akrostichon

Text _  Romana Ganzoni, Schriftstellerin

Performance _ Ino Matsou, Schauspielerin

Romana Ganzoni, Schriftstellerin

Aktueller Roman von Romana Ganzoni: Magdalenas SündeRoman, Diogenes, 2022 ISBN 978-3-257-24656-8  https://romanaganzoni.ch/buecher/

Ino Matsou, Schauspielerin _ Wien

Fotos:

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Foto: Romana GanzoniAnna Positano

Fotos: Ino Matsou _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig   1_26

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„Ihre Gedichte eröffneten mir eine neue Welt in der neuen Welt.“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Slavica Klimkowsky, Schriftstellerin _ Berlin 3.2.2026

Ingeborg Bachmann _ Slavica Klimkowsky

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann auf der Terrasse ihrer Wohnung/Bocca di leone,
Rom um 1971

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Slavica Klimkowsky, Schriftstellerin

Liebe Slavica, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Nachdem ich Ende der siebziger Jahre ein paar ihrer Gedichte gelesen habe, wollte ich alles über die Schriftstellerin und ihr Werk erfahren. Da lebte ich seit kurzer Zeit in Berlin (kam im Herbst 1978 aus dem ehem. Jugoslawien) und studierte Medizin an der Freien Universität. Die Gedichte, so tiefsinnig und voller Energie, eröffneten mir eine neue Welt in der neuen Welt.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Die Schwere der existentiellen Last der Frau und die Suche nach weiblicher Subjektivität, Stimme, Identität und persönlicher Wahrheit. Ingeborg Bachmann war eine faszinierende Persönlichkeit und authentische literarische Stimme der Zeit, eine linguistische Schöpferin, fleißig und klug.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

„Malina“, ihr erster und einziger Roman, der mich tief berührt hat, 1. Teil einer Trilogie, die sie nicht vollenden konnte.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Doch hat sie mit ihren Gedichten Anfang der fünfziger Jahre, vom patriarchal geprägtem Literaturbetrieb, viel Aufmerksamkeit erfahren. Nach ihrer intensiven, fast zwei Jahrzehnte langen Auseinandersetzung mit der Kunst, der Welt und der Kritik an eben dieser, wird sie, in der nach wie vor patriarchal dominierten Literaturwelt, ins Abseits gedrängt. Sachverhalte erkennen und sie beim Namen nennen, kam nicht gut an. Dennoch war/ist es wichtig – damals wie heute! Dafür wurde sie von ihren Leserinnen und Lesern verehrt.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Dass das Schreiben von literarischen Werken eine einsame Tätigkeit ist, wissen wir alle. Aber wenn der persönliche Anspruch und die Forderungen an die Kunst/Dichtung immer mehr „hochgeschraubt“ werden, mit jedem neuen Werk noch besser, noch präziser zu sein, kann die Arbeit zu einem „Martyrium“ werden. Manchmal ist es aber auch die Unzulänglichkeit der Sprache, die Qualen bereitet und eine/n Schriftsteller*in zur Verzweiflung bringen oder zum Schweigen verdammen kann.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Wie gern ich sie gelesen habe und immer noch lese.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Aktuell arbeite ich an der Endfassung meines Lyrikbandes „Inselschimmer“, erscheint im Sommer 2026

Herzlichen Dank für das Interview!

Slavica Klimkowsky, Schriftstellerin

Slavica Klimkowsky, lebt und arbeitet als freie Schriftstellerin, Dozentin für Kreatives Schreiben und Literaturvermittlerin in Berlin, vielfach ausgezeichnet sowohl für ihre Literatur in Einfacher Sprache als auch ihre Kurzprosa und Lyrik, beschäftigt sich in ihren Texten mit der Komplexität menschlicher Charaktere und Lebenswege. Seit ihren Studientagen schreibt sie Rezensionen, Essays, Lyrik  und Kurzprosa und veröffentlicht in Anthologien.

Sie ist Herausgeberin zweier Anthologien und Co-Autorin zweier Mosaik-Romane. Slavica Klimkowsky arbeitet gern mit internationalen Kolleg*innen zusammen an Projekten, die verschiedene Sprachen und Kulturen zusammen bringen.

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Foto: Slavica Klimkowsky: Margherita de Benetti.

Walter Pobaschnig   1_26

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„Mir schwant a taffe oide soitat jezd wo“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort&Bild _ Monika Vasik, Schriftstellerin _ Wien 2.2.2026

Monika Vasik, Schriftstellerin _ Wien

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

MALINA _ Akrostichon

Text _   Monika Vasik, Schriftstellerin

Fotos _ Hermann Vasik

MALINA

ir schwant a taffe oide soitat jezd wo

A ufmuckn wieda haßt bluat spuckn

L  iaba sofuat ia pappaladur hoitn bevua‘s

I   ns gras des liaben badriarchads beißt a

N et aneckn soitat‘s wo auf amoi wieda

A ufreibn haßt zähnd speibn gleißt

Monika Vasik, 18.1.2026

Monika Vasik, Schriftstellerin

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962

Ingeborg Bachmanns Schreiben kennzeichnet sich in dem Bemühen Klarheit in der Sprache und damit in Leben, Liebe, Geschichte zu bekommen und immer weiter daran zu arbeiten. Literatur ist dabei immer auf diesen Prozess existentieller wie gesellschaftlicher Identitätsfindung bezogen. Die in Klagenfurt geborene und begrabene Schriftstellerin, 1964 mit dem Büchnerpreis ausgezeichnet, bezog in Reden, Interviews wie der Unterstützung von gesellschaftlichen Initiativen immer wieder Stellung zu Brennpunkthemen der Zeit.

„Man weiß nicht, ob Hoffnung ist, aber wenn keine Hoffnung ist, so ist es jetzt doch nicht ganz furchtbar, es dämpft sich, es muß nicht Hoffnung sein, kann weniger sein…“ Ingeborg Bachmann, Dankesrede Büchnerpreis, 1964

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Fotos: Monika Vasik _ Hermann Vasik.

Walter Pobaschnig   18.1.2026

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„Wer sonst hat so intensiv und poetisch über Abschiede geschrieben“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Gabriele Vasak, Schriftstellerin _ Wien 2.2.2026

Ingeborg Bachmann _ Gabriele Vasak
Ingeborg Bachmann _
Rom um 1971

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Gabriele Vasak, Schriftstellerin _ Wien

Liebe Gabriele, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Meine Mutter hat mir zu meinem 16. Geburtstag den Band „Sämtliche Erzählungen“ von Ingeborg Bachmann geschenkt, und ich hab diese Erzählungen „gefressen“ und war und bin begeistert davon. Vor allem „Ihr glücklichen Augen“ hat mich damals wie heute beschäftigt: Darin ist die Rede von den „kranken optischen Systemen“ der Protagonistin Miranda, die ihr schlechtes Sehen als „ein Geschenk des Himmels“ bezeichnet, weil es sie davor bewahrt, das, was die anderen Menschen sehen und mitansehen müssen, aushalten zu müssen. Das empfinde ich als eine brillante Darstellung von Aspekten wie Außenseitertum und Rückzug aufgrund eines Mangels, aber auch das Schaffen von Nischen, in denen verletzliche Menschen sich ihr höchstpersönliches Leben einrichten. Außerdem gibt es da auch ein Identifikationsmoment für mich, da ich selbst nicht sehr gut sehe und meine Brille oft nicht trage, um die Dinge nicht so genau sehen zu müssen….

Gabriele Vasak, Schriftstellerin _ Wien _homestory _
Literatur outdoors _ Wien 1_26. folgende

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

„Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar“  hat Ingeborg Bachmann nicht nur gesagt, sondern wohl auch gelebt. Ich denke, sie hat es als Aufgabe aller Schreibenden gesehen, den Menschen die Wahrheit zuzumuten.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Das ist schwierig, weil alles so gut ist, aber ich liebe die Erzählungen immer noch sehr und auch viele Gedichte – hier vielleicht besonders „Wenn einer fortgeht“:

Wenn einer fortgeht, muß er den Hut

mit den Muscheln, die er sommerüber

gesammelt hat, ins Meer werfen

und fahren mit wehendem Haar,

er muß den Tisch, den er seiner Liebe

deckte, ins Meer stürzen,

er muß den Rest des Weins,

der im Glas blieb, ins Meer schütten,

er muß den Fischen sein Brot geben

und einen Tropfen Blut ins Meer mischen,

er muß sein Messer gut in die Wellen treiben

und seinen Schuh versenken,

Herz, Anker und Kreuz,

und fahren mit wehendem Haar!

Dann wird er wiederkommen.

Wann?

Frag nicht.

Wer sonst hat so intensiv und poetisch über Abschiede geschrieben….

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Seit 1971 hat sich einiges verändert, aber wir leben noch immer in einer patriarchalen Weltordnung oder -unordnung, nur dass wir heute andere Spielarten dieser zerstörerischen und selbst zerstörerischen Ordnung kennen und leben. Es ist vielleicht einen Versuch wert, sich dem entgegenzustellen, indem man und frau sie nicht ernst nimmt, in Nischen eine eigene Welt aufbaut und darin lebt.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Es hat schon etwas Seltsames, sich dem Schreiben auszusetzen und die meiste Zeit in relativer Einsamkeit zu arbeiten, aber ich empfinde es nicht als Martyrium allein zu sein, solange zwischendurch Kontakt und Austausch mit anderen stattfindet. Außerdem kann das alleine Arbeiten auch zu wunderbaren Flows führen – das erlebe ich immer wieder.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Mich hätte ihre Haltung zum Tod interessiert.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich arbeite derzeit an einem literarischen Experiment, bei dem nicht klar ist und auch nicht klar sein soll, ob es ein Dorfroman, ein literarisches Rätsel, eine Liebesgeschichte oder einfach Autofiktion ist. Das ganze wird ein Doppel-Roman, die beiden Teile sind als zusammengehörige, aber eigenständige Romane zu verstehen, die eine gemeinsame Geschichte erzählen, wobei im ersten Teil Rätsel auftauchen, die teilweise erst im zweiten Teil aufgelöst werden, und ich habe unglaublichen Spaß an der Sache.

Herzlichen Dank für das Interview!

Gabriele Vasak, Schriftstellerin _ Wien

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Fotos: Gabriele Vasak _ homestory _ Literatur outdoors _ Walter Pobaschnig 1/26

Walter Pobaschnig   1_26

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„Mir schwant a taffe oide soitat jezd wo“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text&Performance _ Monika Vasik, Schriftstellerin _ Wien 2.2.2026

Monika Vasik, Schriftstellerin _ Wien

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

MALINA _ Akrostichon

Text _   Monika Vasik, Schriftstellerin

Fotos _ Hermann Vasik

MALINA

M ir schwant a taffe oide soitat jezd wo

A ufmuckn wieda haßt bluat spuckn

L  iaba sofuat ia pappaladur hoitn bevua‘s

I   ns gras des liaben badriarchads beißt a

N et aneckn soitat‘s wo auf amoi wieda

A ufreibn haßt zähnd speibn gleißt

Monika Vasik, 18.1.2026

Monika Vasik, Schriftstellerin

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Ingeborg Bachmanns Schreiben kennzeichnet sich in dem Bemühen Klarheit in der Sprache und damit in Leben, Liebe, Geschichte zu bekommen und immer weiter daran zu arbeiten. Literatur ist dabei immer auf diesen Prozess existentieller wie gesellschaftlicher Identitätsfindung bezogen. Die in Klagenfurt geborene und begrabene Schriftstellerin, 1964 mit dem Büchnerpreis ausgezeichnet, bezog in Reden, Interviews wie der Unterstützung von gesellschaftlichen Initiativen immer wieder Stellung zu Brennpunkthemen der Zeit.

„Man weiß nicht, ob Hoffnung ist, aber wenn keine Hoffnung ist, so ist es jetzt doch nicht ganz furchtbar, es dämpft sich, es muß nicht Hoffnung sein, kann weniger sein…“ Ingeborg Bachmann, Dankesrede Büchnerpreis, 1964

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Fotos: Monika Vasik _ Hermann Vasik.

Walter Pobaschnig   18.1.2026

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„Eine Wildnis an Ursprung und Nachhaltigkeit von Sprache“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Susanne Sommer, Schriftstellerin _ Mörbisch/See/Bgld. 1.2.2026

Ingeborg Bachmann _Susanne Sommer
Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _  Susanne Sommer, Schriftstellerin, Januar 2026

Liebe Susanne, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ingeborg Bachmann bin ich zuerst in der Schule im Unterricht begegnet. In lyrischer Form. In der Schule konnte keine rechte Verbindung zur Poesie entstehen. Zwischen Interpretationen und Benotung gehen die wahren Berührungspunkte verloren. Ich selbst ließ mir aber die Flamme, die Ingeborg Bachmanns Worte in mir entzündet hatte, nicht auslöschen. In meiner Studienzeit kam ich ihr, ihren Worten und mir selbst dann auf tiefere Weise näher. Und las auch ihren Roman „Malina“ und ihre Erzählung „Undine geht“. In mir blieben damals viele Fragen. Fragen, die ich Ingeborg Bachmann, Malina, Ivan, Udine, Hans und „den Menschen“ gerne gestellt hätte. Es brauchte ein Reifen in mir. Ein Reifen hin zu mir selbst. Mehr und mehr. Um immer tiefer in Ingeborg Bachmanns Schreiben, Beschreiben, Aufschreiben, Wortuniversenschreiben einzutauchen. Um es zu durchdringen. Nicht als Schablone anderer Menschen. Sondern als Susanne Sommer mit ihren hauteigenen Erfahrungen. Je mehr ich der Frau zuwachse, die ich bin, umso mehr wachse ich auch Ingeborg Bachmanns Sein und Tun zu. In bewusst gewählten Abständen lese ich ihre Gedichte, Erzählungen, Essays heute regelmäßig. Entdecke immer wieder Neues. Verstehe, begreife tiefer – aus mir heraus. Bin berührt, fasziniert, inspiriert, dankbar. Sprache als DAS zentrale Thema unter uns Menschen – ja, so ist es, kann und möchte ich dazu nur sagen.

Susanne Sommer _ Romanschauplatz „Malina“ _ Wien, folgende

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Für mich ist Ingeborg Bachmanns Schreiben ein Eintauchen in einen unendlich tiefen Ozean aus Worten und Beobachtungen. Nichts erscheint zufällig. Ein organisches Ökosystem. Eine Wildnis an Ursprung und Nachhaltigkeit. Eine Schöpfung. Ihre Art zu schreiben, hat für mich etwas Soghaftes. Die Rhythmik, die Bildhaftigkeit, die Lebendigkeit nimmt mich mit. Webt mich ein in einen Wortteppich aus Kraft. Ich werde entführt, gepackt, gerissen in eine Welt voll Detail, voll Gesellschaft, Geschichte und Mensch. Ich gerate in ein Klanggewebe, das ich am liebsten mit meinen Lippen, meiner Stimme selbst in die Welt hineinerschaffe. Und mich an den Worten erfreue, in regem Genuss. Ingeborg Bachmanns Schreiben hat für mich etwas zutiefst Sinnliches. Etwas, das ich nicht nicht mit allen Sinnen erspüren und genießen kann. Und ich liebe die Wahrheit ihrer Sprache. Ihre Idee, ihren Anspruch, mit Worten in die Tiefe, auf den Grund zu gehen. Und dadurch Bewusstheit zu schaffen und zu leben.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Also ganz spontan fallen mir ein (und dann sind das vielleicht genau die Werke, die besonders viel in mir berührt haben): die Gedichte „Ich“, „Enigma“, „Erklär mir, Liebe“, „An die Sonne“ und „Die gestundete Zeit“; die Erzählung „Undine geht“ (ich liebe den Mythos an sich und das, was Ingeborg Bachmann damit und daraus macht). Ich mag auch ihre Büchnerpreisrede. Na und das Briefwechsel-Buch „Herzzeit“ – ach, so berührend … no further comment needed … der Roman„Malina“ hat mich beeindruckt und wird mich immer beeindrucken aufgrund seiner Komposition. Ich mag die abgebrochenen Telefongespräche, die Wortfetzen, die hineingeträumten Gedanken, die Traumsplitter, die Poesie im Alltag. Es ist ein rhythmischer Sog. Eine Wort-Collage aus Leben.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden wie selbstzerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Ingeborg Bachmann hat nicht nur mit diesem Satz, sondern mit ihrem Werk die Tatsachen, Entwicklungen und Auswirkungen des Patriarchats ausgedrückt. Auszudrücken versucht. Sie sie selbst hat „gut hingeschaut“. Und wollte wohl auch, dass „andere“ hinsehen. Naja, und wenn wir heute hinschauen: Das Patriarchat ist da, wirkt, erschafft. Auch wenn Veränderungen passiert sind, so haben wir nach wie vor Ungleichbehandlung der Geschlechter, was Bezahlung, finanzielle Absicherung und Chancen betrifft. Als Mitglied der #igFem – Interessensgemeinschaft feministische Autorinnen, Mutter, Schriftstellerin, Partnerin und Frau beschäftige ich mich damit – nicht nur im Literatur- und Kunstbetrieb – ausgiebig: mit dem Aufzeigen der produzierten und ungleichen Bedingungen. Denn das Aufzeigen, das Hinschauen ist der erste Schritt. Seit Jahren läuft auch die internationale Aktion „Orange the World – 16 Tage gegen Gewalt an Frauen“. 2025 war ich zu einer Lesung zu diesem Thema eingeladen. Und durfte, musste feststellen: Allein in Österreich wird – statistisch gesehen – alle drei Wochen eine Frau durch einen ihr nahestehenden Mann ermordet! Jede dritte Frau in Österreich ist (ab ihrem 15. Lebensjahr) von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen. Mehr als jede vierte Frau erlebt sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Mehr als jede fünfte Frau ist von Stalking betroffen. Was ich hier aufzähle, ist natürlich ein „wilder Auszug“. Ohne Anspruch und Vermögen auf Vollständigkeit. Schon gar nicht weltweit gesehen. Und es ist auch nicht dafür gedacht, „alle Männer über einen Kamm zu scheren“. Ich denke auch nicht, dass Ingeborg Bachmann das mit ihrer Aussage meinte oder tat. Sie beschrieb eine von Männern erschaffene und dominierte und ausagierte Leistungs- und Funktionsgesellschaft. In der nicht nur Frauen und das Weibliche keinen Platz haben. Sondern auch anders denkende, fühlende und handelnde Menschen nicht. Und definitiv auch nicht der Friede. Wir sehen und erleben es heute wie damals. Ich erachte es als essentiell: Ereignisse, Bewegungen, Entwicklungen mit Worten sichtbar zu machen, beim Namen zu nennen. Im Sinne Ingeborg Bachmanns: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

In „Malina“, Ingeborg Bachmanns großen und einzigen Roman (1971), stehen Hell und Dunkel der Existenz, die Liebe „es ist immer Krieg“, wie die Traumata eines Landes in Erinnerung von Shoa, Weltkrieg im thematischen Vordergrund. Wie siehst Du ihren literarischen Zugang hier und wie müssen wir heute in Literatur und Existenz mit Geschichte umgehen?

Mich hat es einfach gleichermaßen begeistert wie beeindruckt, wie sie das persönliche mit dem globalen, dem gesellschaftlichen Trauma verwebt und in Verbindung bringt. Denn so ist es. Heute lässt es sich sogar wissenschaftlich nachweisen (wenn es nicht ohnehin zutiefst spürbar ist): Trauma wirkt. Im Körper. Und Trauma wirkt transgenerational. Ja, es wird tatsächlich vererbt. Alles, was uns traumatisch widerfährt (das sind Krieg, Erbeben, Naturkatastrophen im Großen, aber genauso alle Erfahrungen im Kleinen, die wir nicht „halten“ konnten mit unserem Nervensystem – sprich sämtliche unbegleitete Erlebnisse der Kindheit), bleibt in uns, formt unser Verhalten. Und wirkt über uns hinaus. In der Gegenwart. Und sogar bis in die Zukunftsgene unserer Nachkommen. Und es bedingt sich. Das gesellschaftliche Trauma erzeugt das persönliche. Und das persönliche Trauma wiederum wirkt sich auf die Gesellschaft aus. Denn all die kleinen Entscheidungen, die wir täglich treffen, tragen entweder mehr zum Frieden oder mehr zum Krieg bei. In uns selbst. In unserem Gegenüber. Und in Folge im größeren Gefüge. Ingeborg Bachmann war sich dieser Zusammenhänge bewusst. Und erschuf einen Roman, der die Stränge wie ein Netz zusammenführt. Was wir uns nach wie vor in der Literatur, in der Wissenschaft, in der Geschichtsschreibung und in unserer persönlichen Entwicklung fragen dürfen: Wie möchte ich mit mir und meinen Erfahrungen umgehen? Als Opfer oder als Sehende,als Ermächtigte? Wie möchte ich mit anderen Menschen umgehen? Möchte ich meine Wunden unreflektiert „an ihnen ausleben“ und weiterwuchern lassen? Auch umgekehrt: Möchte ich zulassen, dass andere Menschen ihre unreflektierten, unbewussten, unbesehenen Körper- und Herzerfahrungen in mich eingießen, mir aufdrängen? Selbstverantwortung – das ist für mich ein zentraler Weg. Und dieses Wort nicht nur „als schönes Wort“ zu verwenden. Sondern es durch mich selbst erleben, aus mir selbst heraus verstehen. Wissen, was es für mich bedeutet. Was ich damit tun kann und will. Ingeborg Bachmann hatte einen hohen Anspruch an die Sprache: Echt sollte sie sein; alles aufzeigend. Ja, sie hat so recht damit. Weg von den Floskeln. Weg von den Nachahmungen. Weg von den Moden. Weg von dem, was uns zwar vielleicht im Geist gefällt, was wir aber aus unserem eigenen Herzen und Erfahrungsschatz heraus noch nicht wirklich ausfüllen und bedienen können. Hin zu Authentizität. Zu Individualität. Auch zwei „Worte diese Zeit“. Lasst sie uns bitte mit Leben auskleiden. Mit uns und unserer Wahrheit.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich hätte sie gerne gefragt, ob sie mit mir einen Whisky trinkt. 😉 Und ob sie sich vorstellen kann, mit mir über diesem Glas Whisky „einfach zu plaudern“. Und mir „ihre Wahrheiten zuzumuten“. Wäre ich mit ihr intim und eng befreundet gewesen, hätte ich auch gerne mehr über Paul Celan gewusst. 😉 Und: Wie und ob sie ihre schreiberischen Ideen, Impulse, Inspirationen „sinnvoll“ ordnen konnte. Ich habe nämlich für mich bis heute keinen wirklichen Weg gefunden.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich schreibe derzeit an einem Manuskript (Gedichte und Kurzgeschichten) für den burgenländischen Verlag „LexLiszt12“. Außerdem organisiere ich das neue Jahr „in Lesungs- und Veranstaltungshinsicht“. Die Termine gibt es alle auf meiner Website: www.textbewegungen.at. Hervorheben möchte ich aktuell die Veranstaltungen in der Alten Schmiede in Wien, im Literaturcafé Anno, im Café Amadeus, im Alten Kino im Mörbisch. Außerdem habe ich etliche Projekte mit der #igFem am Laufen: Da gibt es den Autorinnen-Chor, die KriLit, das Symposium im Herbst, eine Anthologie für den FZA-Verlag, mindestens eine Gemeinschaftslesung (in der wunderbaren Bibliothek im burgenländischen Litzelsdorf). Was ich auch unbedingt „angehen möchte“: ein neues Lyrik-Performance-Programm und meine Geburtserfahrungsgewalt-Gedichte.

Darf ich abschließend zu einem persönlichen Bachmann Zitat/Text bitten?

Ich schenke Dir sogar zwei Zitate, lieber Walter. 😉

Also erstens aus „Malina“, weil ich diese haus-, stiegen-, taschen-besetzende Sucht von mir selbst zu 100% kenne:
Lesen ist ein Laster, das alle anderen Laster ersetzen kann oder zuweilen an ihrer Stelle intensiver allen zum Leben verhilft, es ist eine Ausschweifung, eine verzehrende Sucht. Nein, ich nehme keine Drogen, ich nehme Bücher zu mir, Präferenzen habe ich freilich auch, viele Bücher bekommen mir nicht, einige nehme ich nur am Vormittag ein, andere nur in der Nacht, es gibt Bücher, die ich nicht loslasse, ich ziehe herum in der Wohnung mit ihnen, trage sie vom Wohnzimmer in die Küche, ich lese stehend im Korridor …“

Und zweitens aus „Alles“:
„Alles ist eine Frage der Sprache.“

Herzlichen Dank für das Interview!

SEHR gerne, lieber Walter! Immer wieder gerne.

Susanne Sommer, Schriftstellerin _
Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _ 1/26

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Fotos: Susanne Sommer _ performing „Malina“ Originalschauplatz Wien _ Walter Pobaschnig 1/26

Walter Pobaschnig   26.1.2026

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„Unfassbar“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort&Bild _  Ines Edith Oppitz/Naoko Muneoka _ Wien 1.2.2026

Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _ performing _
„Undine geht“ Donau Wien _
Walter Pobaschnig 7/24, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

UNDINE geht _ Akrostichon

Text _  Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin _ Wels/OÖ

Performance_ Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien

Undine geht

Unfassbar

Nah

Du und Ja

Im

Nimmermehr

Eins


Geläutert

Entschleiert

Hochzeit und Farce

Tod eines Traums

Ines Edith Oppitz, 5.1.2026

Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _ performing _
„Undine geht“ Donau Wien _
Walter Pobaschnig 7/24

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse in Macht und Zerstörung. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962 _
Foto: Heinz Bachmann

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Undine geht _ Akrostichon

Text _  Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin _ Wels/OÖ.

Performance Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien.

Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin _ Wels/OÖ.
 Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _
und Walter Pobaschnig _ „Undine geht“ 7/24
Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _
Romanschauplatz „Malina“ Wien _
Walter Pobaschnig 7/25

Foto _ Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto _  Ines Edith Oppitz _ privat.

Fotos _ Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _ performing „Undine geht“ Donau/Wien _ Walter Pobaschnig 7/24

Literatur outdoors 1/26

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„Unterwasser“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Joanna Godwin-Seidl, Schauspielerin, Regisseurin _ Text/Performance _ Wien 31.1.2026

Undine geht“ _
Joanna Godwin-Seidl performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz erster Wohnort/Wohnung 1946 von Ingeborg Bachmann im IX. Wiener Gemeindebezirk _
Walter Pobaschnig f.,

Undine geht“ _ Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

Joanna Godwin-Seidl performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Undine geht“ _
Joanna Godwin-Seidl performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz erster Wohnort/Wohnung 1946 von Ingeborg Bachmann im IX. Wiener Gemeindebezirk _
Walter Pobaschnig f.,

UNDINE GEHT

Unterwasser

Nymphe

Durst

Ich-mich-mein

Nicht-gehört-werden

Endlosigkeit

Gehen

Entgehen

Hintergehen

Trostlos

Joanna Godwin-Seidl, 22.1.26

Undine geht“ _
Joanna Godwin-Seidl performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz erster Wohnort/Wohnung 1946 von Ingeborg Bachmann im IX. Wiener Gemeindebezirk _
Walter Pobaschnig f.,

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962

UNDINE GEHT
Joanna Godwin-Seidl _ Akrostichon & Performance_
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Joanna Godwin-Seidl, Schauspielerin, Regisseurin _ Wien

Aktuelle Produktion von Joanna Godwin-Seidl:

MY OLD LADY  by Israel Horovitz

Foto: Gernot Ottowitz

Stage Director: Joanna Godwin-Seidl

Starring: Bronwynn Mertz-Penzinger, Dave Moskin, Kathy Tanner

viennatheatreproject.com 

A production of vienna theatre project

9. – 21. Februar 2026, Di–Sa um 20 Uhr

Performance in English

Theater Drachengasse
Fleischmarkt 22, Eingang Drachengasse 2
1010 Wien

https://www.drachengasse.at/spielplan_detail.asp?id=1213

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Foto:Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann, 1962

Fotos/Performance _ Walter Pobaschnig 12/25

Walter Pobaschnig   22.1.2026

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„eine rigorose literarische Emanzipation“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Sebastian Görtz, Schriftsteller _ Halle/Saale 31.1.2026

Ingeborg Bachmann _ Sebastian Görtz
Ingeborg Bachmann auf der Terrasse ihrer Wohnung/Bocca di leone,
Rom um 1971

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Sebastian Görtz, Schriftsteller

Lieber Sebastian, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ihre Texte haben eine Stimme, der man sich schlichtweg nicht entzieht. Beim Lesen wird durch diese Stimme schnell Zugang zu einer eigentlich verborgenen Welt gewährt: der Innenwelt.

Man merkt das deutlich an dem populär gewordenen Gedicht „Reklame“ von 1956, das zwei Erzählebenen enthält: innere Betrachtungen und eingestreute, kursiv gesetzte Werbeslogans voller Heiterkeit. Die munteren Slogans sorgen für unentwegte Beschallung und entsprechen etwas tatsächlich Hörbarem, vielleicht aus dem Radio oder einem Lautsprecher. Trotzdem ist die eigentlich nicht vernehmbare, die gedachte oder gefühlte Stimme der inneren Betrachtungen das Textelement, das tatsächlich aufhorchen lässt.

Man ist also ab dem ersten Wort mittendrin. In den Tiefen.

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?

Die Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie sprach 2009 in einer bedeutenden Rede von den Gefahren, die aus einem allgemeingültigen Literaturverständnis resultieren, „danger of a single story“. Wenn immer nur eine Position Literatur bestimmt, geht der Welt viel verloren.

Ingeborg Bachmann setzte mit ihren Texten einer über Jahrhunderte von Männern dominierten Literaturtradition eine eigene Erzählhaltung entgegen. Es ging nicht allein darum, sich als Frau unter Männern zu behaupten und damit die Verbindlichkeit von bestehenden Kriterien zu verfestigen. Vielmehr stellte Ingeborg Bachmann eigene literarische Prinzipien auf und orientierte sich an selbstgewählten Einflüssen.

Während die Postmoderne zeitgleich Strategien nutzte, mit denen Bestehendes dekonstruiert und neu zusammengesetzt wurde, bedeutete Ingeborg Bachmanns Werk keine Zerschlagung und Neuaneignung, sondern eine selbstbestimmte Erkundung, eine rigorose Emanzipation.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Mit der Erzählung „Undine geht“ von 1961 zeigt sich das literarische Verfahren ganz deutlich. Die mythologische Undine-Figur, dieser weibliche Wassergeist, war Inspiration für etliche von Männern geschaffene Werke. Das gilt für Literatur, Theater, Musik, Ballett, Malerei und Film. Nicht nur, dass sich Ingeborg Bachmann als Schriftstellerin nun auch diesem Undine-Stoff widmete: Sie schrieb dabei nicht über Undine, sondern nutzte die Ich-Perspektive. Sie gab Undine eine Stimme, einmal mehr solch eine präsente innere Stimme, die jetzt eine weibliche Stimme war. Sie ließ also die Figur zu Wort kommen, über die sonst so viel geäußert wurde.

Dass solche Positionswechsel geeignete Mittel gegen die Gefahr allzu einseitiger Perspektiven sind, zeigen zum Glück auch weitere Bücher – dazu gehören etwa Christa Wolfs Erzählung „Kassandra“ von 1983 oder Percival Everetts Roman „James“ von 2024.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Bemerkenswert ist Ingeborg Bachmanns Aussage in einem Interview: „die Männer sind unheilbar krank … sie sind es, wussten Sie das nicht? Alle …“  Ich meine, dass es in ihrem berühmten Gedicht „Die gestundete Zeit“ aus den frühen 1950er-Jahren eine Art Gegenstück gibt, nämlich den Vers: „er findet sie sterblich“.

Etwas Männliches unterstellt dem Weiblichen dabei Sterblichkeit, also Vergänglichkeit, zeitliche Beschränkung, das unaufhaltsame Zusteuern auf einen Endpunkt. Das Wort „er“ wird in dem Gedicht mit Sand gleichgesetzt, also einem Sediment, das an einer Art überdauerndem Endpunkt angekommen ist, das überall eindringt und das in Sanduhren die Zeit bestimmt. Der relativierten Aussage „er findet sie“ begegnete Ingeborg Bachmann später mit einer nicht-relativierten Feststellung: „die Männer sind“. Und dass Männer „unheilbar krank“ seien erscheint im Vergleich zu „sterblich“ als ein fortdauerndes Siechtum ohne Endpunkt.

Ich möchte einer zerstörerischen Gegenwart vor allem Empathie empfehlen, denn sowohl Formen von Sterblichkeit als auch Krankheit sind ja zunächst keine Kampfbegriffe, sondern die verdienen Mitgefühl von außen und innerliche Auseinandersetzung. Sie werfen Fragen auf: Wer stellt wem Befunde aus? Woran lässt sich eine Diagnose festmachen? Wie lässt sich helfen?

Literatur kann Medizin sein, und hier beziehe ich mich vorrangig auf Texte von Autorinnen. Ihre Erzählpositionen bieten bis heute Heilung an, um die allgemeine Versandung in einer „single story“ in den Griff zu bekommen und ihr etwas Unsterbliches entgegenzusetzen. Denn einseitige Rollenbilder schaden allen Geschlechtern.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Zu meinem eigenen Schreiben oder auch zum Lesen habe ich einen durchaus nüchternen Bezug, selbst in solchen Momenten, in denen es mich in seinem Bann hat. Doch dass Ingeborg Bachmann das Wort „verdammt“ nutzte, ist überaus reizvoll, da sowohl Verdammnis als auch Verdammung anklingen.

Von akribische Formvirtuosen bis hin zu den routiniertesten Groschenroman-Textern und Bestseller-Stars: Schreiben bedeutet für viele sicherlich im besten Sinne eine Verdammnis zu nicht-abschaltbaren Kreativprozessen oder eine Verdammung in Denkräume, die nur von ihnen betreten werden können.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Mich würde ihre Sicht auf ihre Lesebiografie interessieren. Mit welchen Büchern ist sie aufgewachsen? Was brachte beim Lesen etwas in ihr zum Klingen? Wo spürte sie Reibungspunkte, wo atmete sie auf?

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich arbeite seit langer Zeit im Museumsbereich und genieße es sehr, seit einigen Jahren in einem Barockschloss tätig zu sein. Das Schreiben begleitet mich in meinem Alltag, doch ich investiere derzeit wenig Energie, dass am Ende etwas Gedrucktes entsteht. Mein Literaturbegriff ist weit. Ein fast unbegrenzter Raum, aber eben doch ein Raum, in dem ich ganz regelmäßig anzutreffen bin. Ich lasse mich durchaus finden.

Herzlichen Dank für das Interview!

Allerbesten Dank für deine unermüdliche Arbeit, Stimmen aus der Kultur einzufangen – gerade im konkreten Fall, wenn es um die Würdigung der großen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann geht.

Sebastian Görtz_Schriftsteller

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Fotos: Sebastian Görtz _ privat.

Walter Pobaschnig   1_26

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