„Sie zog alle Blicke auf sich, wie sie da freudig von Seminarleitern und Dichterkolleginnen begrüßt wurde und strahlte“ _ Erinnerung an +Monika Helfer, Schriftstellerin _ Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien 1.9.2026

Monika Helfer _ Barbara Deissenberger
Monika Helfer, Schriftstellerin (*18.10.1947 Vorarlberg +2.8.2026)

Zu Monika Helfer/Monika Helfer-Köhlmeier:

Monika Helfer, Schriftstellerin (*18.10.1947 Vorarlberg +2.8.2026)

Monika Helfer, Schriftstellerin _ hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffentlicht. Für ihre Arbeiten wurde sie unter anderem mit dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur, dem Solothurner Literaturpreis und dem Johann-Peter-Hebel-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen bei Hanser ihre Romane »Vati« (2021), mit dem sie für den Deutschen Buchpreis nominiert war, »Löwenherz« (2022) und »Die Jungfrau« (2023), »Wie die Welt weiterging« (2024) sowie »Der Bücherfreund« (2025). Monika Helfer-Köhlmeier | Hanser 3.8.2026

Monika Helfer (ganz links) als Nominierte
bei der Verleihung des österreichischen Buchpreises 2025 in den Wiener Praterateliers :_ folgendes

Im Interview _ Barbara Deissenberger, Schriftstellerin  _ Wien

Liebe Barbara, welche Erinnerungen gibt es für Dich an Monika Helfer?

Bei einem Sommer-Literaturworkshop im Waldviertel, den ich vor vielen Jahren bei Robert Schindel machte, tauchte in der Mittagspause im Restaurant eine apart in Schwarz gekleidete Frau auf. Sie zog alle Blicke auf sich, wie sie da freudig von Seminarleitern und Dichterkolleginnen begrüßt wurde und strahlte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich „Bevor ich schlafen kann“ von ihr gelesen, wusste aber nicht, wie sie aussah. Ich hatte sie noch nie vorher getroffen.

Was macht für Dich das Besondere ihres Schreibens aus?

Monika Helfer schreibt in einer tendenziell reduzierten Sprache, vor allem in ihrer autofiktionalen Familientrilogie. Gleichzeitig evoziert ihr Stil eine dichte, fein gesponnene Atmosphäre, die mich an die subliminiale Melancholie in Romanen von Marguerite Duras erinnert. Ich kann auch viel mit den Themen und Motiven ihrer Bücher anfangen: Suche nach den eigenen Wurzeln, Außenseitertum, Verflechtung von weitergegebenen Mustern über Generationen hinweg, Heuchelei, Bigotterie und Neid am Land, Überleben in Kriegszeiten.

Möchtest Du bestimmte Bücher hervorheben und warum?

Mit der „Bagage“ habe ich Monika Helfer für mich wiederentdeckt. Diesen Roman schlug ich als Lektüre in einem Literaturzirkel der Volkshochschule, den ich leitete, vor. So habe ich mich näher mit dem Text beschäftigt. Die erzählende Ich-Figur gibt sich gleich anfangs als Enkelkind der Familie, über die sie schreibt, zu erkennen. Ihre Spurensuche ist auch Teil des Texts, etwa wenn sie Auskunft über den Ursprung ihrer Informationen gibt. Dabei spielen Fiktion und Autobiografisches zusammen. Monika Helfer hat in einem Interview eine schöne Definition ihrer Autofiktion gegeben: „Für mich dauert die Wahrheit in meinem Roman maximal zehn Zeilen lang, dann galoppiert die Phantasie in die Geschichte, hält inne bei dem Unglück mit Paula, jedes Mal, ob ich will oder nicht, die Fiktion rettet mich und macht mich mutig.“ (Literaturblatt Schweiz). Der Roman verwebt auch Vergangenheit und Gegenwart kunstvoll miteinander. Wenn etwa ein Leben in der Erzählgegenwart endet und unmittelbar darauf in der Vergangenheit weiter erzählt wird. Das ist tröstlich.

Wie hast Du Monika Helfer bei Lesungen, als Kollegin erlebt?

Sie war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die – aber das nur meiner persönlichen Wahrnehmung nach – zu lange öffentlich eher als Michael Köhlmeiers Frau gesehen wurde. Es ist gut, dass ihre autofiktionale Roman-Trilogie „Die Bagage“, „Vati“ und „Löwenherz“ schließlich breit rezensiert und sie so einem größerem Lesepublikum bekannt wurde.

Darf ich abschließend um ein Zitat/eine Textstelle aus Monika Helfers Werk bitten?  

„Ich ließ die Gedanken schweifen, ich glaube, damals hatte ich zum ersten Mal das Gefühl glücklichen Alleinseins, nach dem ich mich bis heute sehne und das sich nicht machen lässt, es kommt oder kommt nicht. Und macht am glücklichsten, wenn es unverhofft kommt.“                                           aus dem Roman „Löwenherz“

Herzlichen Dank für das Interview!

 Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien _
Foto: performing „Undine geht“  _ Wien/Lobau _ Walter Pobaschnig

Zu Person/Werk _ Website: Barbara Deissenberger | Barbara Deißenberger

Foto: Monika Helfer _  Salvatore Vinci/Hanser Verlag

Fotos: Monika Helfer _ Verleihung des österreichischen Buchpreis 2025 _ Walter Pobaschnig

Foto: Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien _
performing „Undine geht“  _ Wien/Lobau _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig   8_26

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„Niemand hört!“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin _ Wien 1.9.2026

Undine geht _
_ Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin _ Wien
performing Undine geht/Donau Wien _
_ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Wien _
Walter Pobaschnig 7/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance  _ Donau/Wien

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text & Performance _ Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin _ Wien.

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

UNDINE GEHT

U
nten im Wasser

N acht ohne Tag,

D röhnende Stille der Leere im

I nnern.

N iemand hört!

E wiges Schweigen.



G estrandet in sprachloser

E insamkeit. Und keine

H and, um meine

T ränen zu trocknen.

Elfriede Schüsseleder, 5.8.26

Undine geht _
_ Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin _ Wien
performing Undine geht/Donau Wien _
_ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Wien _
Walter Pobaschnig 7/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance  _ Donau/Wien

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text & Performance _ Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin _ Wien.

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann.

Fotos: Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin _ Wien_ 
performing Undine geht/Donau Wien _
_ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Wien _
Walter Pobaschnig 7/26.

Walter Pobaschnig, 5.8.2026

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„Die Spur der Hasen“ Eine Grablegung. Christoph Geiser. Roman. Secession Verlag Berlin.

„Ich bin Medea! Soll sie zu Mama gesagt haben, als Mama sie im Irrenhaus besuchte, und: Hier stinkt es! und: Sie hat mich gestoßen! Als es um einen ominösen Sturz ging, bei dem sie sich eine Oberschenkelhalsfraktur zugezogen hatte…“

Die überlieferten Worte der Großmutter

„Ein Phantom. Oder ein Phantasma. Die Fremde. Grandmama russe…“

Und jetzt beginnt die Spurensuche nach einem Leben in allen Dunkelheiten der Zeit, der Kriege, der Vernichtung, der Verstoßung und der letzten Tage…

„In den Schoel hinabsteigen…diesen Wartsaal der Finsternis, Raum der Fragen, des Verlangens, des Forderns, Ort der Ödnis, der Verwüstung, des Staubs…“

Der in der Schweiz geborene und in Bern und Berlin lebende Schriftsteller Christoph Geiser ist eine der herausragendsten Stimmenmoderner deutschsprachiger Literatur.

In seinem Werk stellt er sich konsequent und sprachlich virtuos Existenz und Zeit und kommt dem Menschen in seinem Mikro- und Makrokontext von Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, Chancen und Verhängnissen literarisch so nahe, dass es erschüttert wie fasziniert. Dem umfangreichen Recherchieren, im vorliegenden Roman der Lebensweg der in Russland geborenen und in Basel verstorbenen Großmutter zwischen Schoa und persönlicher, familiärer Tragik, folgt eine sprachliche Ausdrucksform, die Leben und Wort gleichsam auf dem Drahtseil von Augenblick und Fall der Existenz balancieren lässt und bis zur letzten Seite fesselt. Der Autor versteht es einzigartig, Leserin und Leser mit den Protagonisten :innen mitgehen zu lassen und filmgleich im Geschehen von Biographie, Geschichte und Phantasie erschütternd da zu sein.

„Christoph Geisers Bücher sind ein geniales Gesamtkunstwerk, das Leben, Zeit und Phantasie in ein faszinierendes Karussell von Sprache setzt und dann virtuos zurück- und fortfliegen lässt.“

„Die Spur der Hasen“ Eine Grablegung. Christoph Geiser. Roman. Secession Verlag Berlin.

Die Spur der Hasen (Band 13)

Der Abschluss der dreizehnbändigen Werkausgabe.

HRSG. VON MORITZ WAGNER UND JULIAN REIDY MIT EINEM NACHWORT VON CASPAR BATTEGAY MIT LESEBÄNDCHEN

ETWA 150 SEITEN

CA. € (D) 24.00 I € (A) 24.70

ISBN 978-3-96639-155-9

ISBN 978-3-96639-156-6 (E-BOOK)

Walter Pobaschnig 8/26

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„Für mich ist es immer wichtig, von vorne anzufangen, keine Angst zu haben, Neues auszuprobieren“ Julia Solovieva, Autorin, Regisseurin _ Hamburg 31.8.2026

5 Fragen an Künstler:innen

Julia Solovieva _ Autorin, Regisseurin _ Hamburg

Julia Solovieva _ Autorin, Regisseurin

Liebe Julia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf hängt davon ab, was gerade ansteht. Ich lese, führe Interviews, schreibe und arbeite mit jungen Schauspielerinnen zusammen. Besonders mag ich die frühen Morgenstunden, in denen ich allein bin. Dann gehe ich mit einer Tasse grünem Tee um den Block spazieren und genieße den Rosenduft. Gestern habe ich die Besitzerin eines wunderschönen Rosenbusches angesprochen, die gerade im Garten war. Ich fragte sie, ob ich eine Rose abschneiden dürfte. „Ja”, sagte sie, „machen Sie das, aber am besten im nächsten Juni, dann können sich Rosen richtig gut durch Stecklinge vermehren und Wurzeln schlagen.“ Danach fügte sie hinzu: „Wissen Sie, ich kann meine Rosen nicht mehr riechen! Seit ich Corona hatte, rieche ich gar nichts mehr.“

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Im Gespräch, im Dialog bleiben…

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz/Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Für mich ist es immer wichtig, von vorne anzufangen, keine Angst zu haben, Neues auszuprobieren, nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten zu suchen, sich neuen Herausforderungen zu stellen und grundsätzlich offen für Neues zu bleiben.

Was liest Du derzeit?

Florian Illies: Liebe in Zeiten des Hasses

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich musste zur Konferenz nach Porto, ich dachte, da werden Ukrainer sein. Ich hatte Angst vor ihnen und freute mich zugleich auf sie. Und als mir klar wurde, dass niemand aus der Ukraine da war, entstand so eine … Leere, eine komische Leere. So eine Art Abgrund. Ich würde mir schon wünschen, dass es eine Möglichkeit zum Dialog gäbe, sei es auch zu einem kleinen, mag er vorerst noch so schwierig sein, so aggressiv sein, aber irgendein Versuch von Gespräch. Weißt du, diese Leere, diese Stille macht mir Angst!

Aus meinem Interview mit einer russischen Therapeutin, 2025

Vielen Dank!

Julia Solovieva _ Autorin, Regisseurin

Zu Person/Werk: Julia Solovieva kommt aus Moskau, lebt in Hamburg, sie ist Autorin und Theaterschaffende

Zuletzt als Autorin:

Essay: Carlsbad, bei der altonale 2019

– Gefühle in Zeiten des Krieges, SWR 2025. https://www.swr.de/swrkultur/doku-und-feature/das-verborgene-ans-licht-holen-gefuehle-in-zeiten-des-krieges-essay-2025-02-16-100.html

Feature:

Die Russen

Ein Feature in vier Teilen, kommt am 20. Und 27. September 2026, NDR

Pascol. Fünf Frauen, zwei Kriege und eine Band https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:a794decf1a023018/

Theaterstück:

Um acht ist es hier schon hell. Ein Dramedy über das totalitäre Moskau. Szenische Lesung, 2025, Schauspielhaus Hamburg. https://schauspielhaus.de/stuecke/um-acht-ist-es-hier-schon-hell

Co-Autorin als Teil des Kollektivs Mädchen von Jupiter:

Verbotene Gefühle in Zeiten des Krieges, Hamburger  Literaturpreis 2025

Co-Regisseurin, in Zusammenarbeit mit Evgeni Mestetschkin:  

Carlsbad, ein multimedialer Parcours über die Träume und Nachtträume, bei der altonale 2019 im Allgemeinkrankenhaus Altona.

 „…und die Juden: von Schmerz, Lust und Weiterleben im Weißen Hotel“. Ein Theaterprojekt mit jüdischen und nicht jüdischen Hamburgerinnen und Hamburger, bei der altonale 2021 im Altonaer Museum Hamburg.

Die Zofen von Jean Genet mit Schülerinnen und Schülern der iact schauspielschule für film und theater in Hamburg, 2023.

Artjom Retten!? Ein deutsch-ukrainisch-russisches Theaterprojekt. Premiere 2025-2026, Lichthof Theater Hamburg.

Aktuelle Produktion _ Gastspiel in Wien:

Artjom retten!? Ein dokumentarisches Theaterprojekt von Julia Solovieva
und Evgeni Mestetschkin

Gastspiel in Wien: 11. und 12. September 2026 im DAS Margareten

Dana Anofrenkova und Paul Smollich in „Artjom retten?“, folgende

Artjom retten? Mich retten? Die Menschlichkeit retten?
Im September 2022, mitten in Moskau, rezitiert der russische Dichter Artjom Kamardin
Gedichte gegen den Krieg in der Ukraine. Unmittelbar danach wird er brutal festgenommen und später zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nimmt „Artjom retten!?“ die Geschichte Kamardins zum Ausgangspunkt für eine persönliche und politische
Auseinandersetzung: Was bedeutet Menschlichkeit in Zeiten des Krieges? Und wo liegen die Grenzen unseres Verständnisses für andere?

Auf der Bühne begegnen sich die Ukrainerin Dana und der Deutsche Paul. Sie sprechen über Krieg, Verantwortung, Angst, Loyalität und die Schwierigkeit, widersprüchliche Positionen auszuhalten. Bin ich bereit, meinen Freund zu verstehen, der nicht an die Front ziehen möchte? Und bin ich dann auch bereit, den russischen Dichter Artjom zu verstehen, der vor seiner Verhaftung für das Militär gearbeitet hat?

Das Stück fragt nicht nach einfachen Antworten. Es untersucht die Grauzonen zwischen Empathie und Abgrenzung, zwischen persönlicher Haltung und gesellschaftlicher Funktion: Wo bleibe ich Mensch – mit meinen Gefühlen, Widersprüchen und möglichen
Fehlern? Und wo werde ich zu einer Funktion?
Dabei wird auch das Publikum Teil der Auseinandersetzung. Fragen, Emotionen, Reflexionen und persönliche Erfahrungen dürfen in den Theaterabend einfließen.
Dokumentarisches Theater zwischen persönlicher Perspektive und politischer Realität.


Julia Solovieva und Evgeni Mestetschkin sind ein in Hamburg tätiges Autoren-,
Regie- und Theaterduo, das sich in seinen dokumentarischen und dramatischen Projekten
intensiv mit gesellschaftlichen und politischen Themen auseinandersetzt. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen reale Geschichten und Schicksale, die sie mit persönlichen Perspektiven und aktuellen politischen Fragestellungen verbinden.

„Artjom retten!?“ beleuchtet das Schicksal politischer Gefangener und die Frage nach
individueller Verantwortung in Zeiten politischer Repression und Krieg. Die Produktion wurde
2025 in Hamburg entwickelt und unter anderem an den Hamburger
Kammerspielen gezeigt. Nun kommt das dokumentarische Theaterprojekt nach Wien ins

„Artjom retten!?“ DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater.
Mit: Dana Anofrenkova und Paul Smollich
Regie & Autorenschaft: Julia Solovieva und Evgeni Mestetschkin
Ton: Sandra Berkefeld

Termine:
Freitag, 11. September 2026, 20:00 Uhr
Samstag, 12. September 2026, 19:30 Uhr
DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater
Margaretenstraße 166. 1050 Wien

DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater | Theater | Margaretenstraße 166, Vienna, Austria

Presseinformation: Bianca Anne Braunesberger _ DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater

Fotos: Julia Solovieva/Produktion.

Walter Pobaschnig 30.8.2026

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„Glauben Sie an den Frieden?“ _ Give Peace A Chance _ Julia Solovieva, Autorin, Regisseurin _ Hamburg 31.8.2026

Dana Anofrenkova und Paul Smollich in „Artjom retten?“ _ dokumentarischesTheaterprojekt von Julia Solovieva und Evgeni Mestetschkin.

GIVE PEACE A CHANCE


G       Glauben Sie an den Frieden?

I        Irren Sie sich vielleicht?

V       Verwechseln Sie Freund und Feind?

E       Erkennen Sie Lügen?


P        Protestieren Sie gegen Antisemitismus?

E       Erleben Sie Ungerechtigkeit?

A       Antworten Sie auf eine Bosheit?

C       Chillen Sie, obwohl Handeln erforderlich ist?

E       Erzählen Sie vielleicht zu viel von Ihren Erfolgen?


A       «Angst essen Seele auf» – deshalb haben Sie keine Angst!


C       Checken Sie nicht nur Ihre E-Mails, sondern auch, was in Ihrer Umgebung los ist!

H       Hören Sie auf, auf Hassbeiträge zu reagieren!

A       Arbeiten Sie mit talentierten Menschen zusammen, dann macht es richtig Spaß!

N       Nerven Sie Ihre Nächsten nicht mit Kleinigkeiten! Seien Sie großzügig!

С       (Das) Café ist ein toller Treffpunkt! Verbringen Sie mehr Zeit dort – alleine oder mit Freunden!

E       Erlauben Sie Menschen, so zu sein, wie sie sind.

Julia Solovieva, 30.8.2026

Julia Solovieva _ Autorin, Regisseurin

Zu Person/Werk: Julia Solovieva kommt aus Moskau, lebt in Hamburg, sie ist Autorin und Theaterschaffende

Zuletzt als Autorin:

Essay: Carlsbad, bei der altonale 2019

– Gefühle in Zeiten des Krieges, SWR 2025. https://www.swr.de/swrkultur/doku-und-feature/das-verborgene-ans-licht-holen-gefuehle-in-zeiten-des-krieges-essay-2025-02-16-100.html

Feature:

Die Russen

Ein Feature in vier Teilen, kommt am 20. Und 27. September 2026, NDR

Pascol. Fünf Frauen, zwei Kriege und eine Band https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:a794decf1a023018/

Theaterstück:

Um acht ist es hier schon hell. Ein Dramedy über das totalitäre Moskau. Szenische Lesung, 2025, Schauspielhaus Hamburg. https://schauspielhaus.de/stuecke/um-acht-ist-es-hier-schon-hell

Co-Autorin als Teil des Kollektivs Mädchen von Jupiter:

Verbotene Gefühle in Zeiten des Krieges, Hamburger  Literaturpreis 2025

Co-Regisseurin, in Zusammenarbeit mit Evgeni Mestetschkin:  

Carlsbad, ein multimedialer Parcours über die Träume und Nachtträume, bei der altonale 2019 im Allgemeinkrankenhaus Altona.

 „…und die Juden: von Schmerz, Lust und Weiterleben im Weißen Hotel“. Ein Theaterprojekt mit jüdischen und nicht jüdischen Hamburgerinnen und Hamburger, bei der altonale 2021 im Altonaer Museum Hamburg.

Die Zofen von Jean Genet mit Schülerinnen und Schülern der iact schauspielschule für film und theater in Hamburg, 2023.

Artjom Retten!? Ein deutsch-ukrainisch-russisches Theaterprojekt. Premiere 2025-2026, Lichthof Theater Hamburg.

Aktuelle Produktion _ Gastspiel in Wien:

Artjom retten!? Ein dokumentarisches Theaterprojekt von Julia Solovieva
und Evgeni Mestetschkin

Gastspiel in Wien: 11. und 12. September 2026 im DAS Margareten

Artjom retten? Mich retten? Die Menschlichkeit retten?
Im September 2022, mitten in Moskau, rezitiert der russische Dichter Artjom Kamardin
Gedichte gegen den Krieg in der Ukraine. Unmittelbar danach wird er brutal festgenommen und später zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nimmt „Artjom retten!?“ die Geschichte Kamardins zum Ausgangspunkt für eine persönliche und politische
Auseinandersetzung: Was bedeutet Menschlichkeit in Zeiten des Krieges? Und wo liegen die Grenzen unseres Verständnisses für andere?

Auf der Bühne begegnen sich die Ukrainerin Dana und der Deutsche Paul. Sie sprechen über Krieg, Verantwortung, Angst, Loyalität und die Schwierigkeit, widersprüchliche Positionen auszuhalten. Bin ich bereit, meinen Freund zu verstehen, der nicht an die Front ziehen möchte? Und bin ich dann auch bereit, den russischen Dichter Artjom zu verstehen, der vor seiner Verhaftung für das Militär gearbeitet hat?


Julia Solovieva und Evgeni Mestetschkin sind ein in Hamburg tätiges Autoren-,
Regie- und Theaterduo, das sich in seinen dokumentarischen und dramatischen Projekten
intensiv mit gesellschaftlichen und politischen Themen auseinandersetzt. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen reale Geschichten und Schicksale, die sie mit persönlichen Perspektiven und aktuellen politischen Fragestellungen verbinden.

„Artjom retten!?“ beleuchtet das Schicksal politischer Gefangener und die Frage nach
individueller Verantwortung in Zeiten politischer Repression und Krieg. Die Produktion wurde
2025 in Hamburg entwickelt und unter anderem an den Hamburger
Kammerspielen gezeigt. Nun kommt das dokumentarische Theaterprojekt nach Wien ins

„Artjom retten!?“ DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater.
Mit: Dana Anofrenkova und Paul Smollich
Regie & Autorenschaft: Julia Solovieva und Evgeni Mestetschkin
Ton: Sandra Berkefeld

Termine:
Freitag, 11. September 2026, 20:00 Uhr
Samstag, 12. September 2026, 19:30 Uhr
DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater
Margaretenstraße 166. 1050 Wien

DAS Margareten – Raum für lebendiges Theater | Theater | Margaretenstraße 166, Vienna, Austria

Fotos: Julia Solovieva/Produktion.

Walter Pobaschnig 30.8.2026

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„Im Augenschein der Dinge“ Petra Ganglbauer. Lyrikzyklus. Edition Melos.

Auf der Hut

Vor dem Unbegrenzten,

Den Möglichkeiten,

Den Versauerten (Ozeanen)!

das Wasser weiß, wir sind

Es nicht

Und noch viel mehr,

Ist da, was wir nicht

Wissend sind

Petra Ganglbauer, eine der variantenreichsten und immer wieder neu überraschenden literarischen wie künstlerischen Stimmen moderner Literatur, legt einen Gedichtband vor, dessen Poesie in wunderbarer bibliophiler Editionsform sich gleichsam als kritisch klarer, benennender wie anklagender, wie auch sanft meditativer Sprach- und Gedankenspaziergang zu Herz und Seele von erschüttertem Mensch, wankender Welt und Sinn für Leserin und Leser öffnet und einlädt mit- und weiterzugehen im Wahrnehmen von Zerstörung und Veränderung (Natur) und dies in Reflexion von Existenz und Sein aufzunehmen – gegen Gleichgültigkeit und Gedankenlosigkeit.

Die Autorin versteht es einmalig in Wort und Aussage Welterfahrung poetisch zu verdichten und dabei aber auch immer Räume zu öffnen, offenzuhalten, in denen Mut und Veränderung der Angst und dem Abgrund der Zeit entgegenzutreten hat. Wie auch die Kraft der Erde selbst, die wie der Mensch Leben und Zukunft will.

„Ein poetisches Manifest, das grandios die Sprache den Dunkelheiten der Zeit entgegensetzt.“

„Im Augenschein der Dinge“ Petra Ganglbauer. Lyrikzyklus. Edition Melos.

Gebunden, Fadenheftung, Lesebändchen, Schutzumschlag

ISBN: 978-3-903686-06-9

60 Seiten

30,- EUR / 47,- CHF

Juli 2026

Walter Pobaschnig 8/26

https://literaturoutdoors.com

„Unter nächtlichen Dächern“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Andreas Pavlic/Miriam Fontaine _ Wien 30.8.2026

Miriam Fontaine_Schauspielerin_Wien _ acting
_ Originalschauplatz/Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 8/21

UNDINE GEHT

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz „Malina“ Wien.

UNDINE GEHT_ Akrostichon

Text Andreas Pavlic, Schriftsteller _ Wien.

Performance _  Miriam Fontaine_Schauspielerin, Sängerin _Wien.

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Miriam Fontaine_Schauspielerin_Wien _ acting Malina _ Originalschauplatz/Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 8/21

UNDINE GEHT

U nter

N nächtlichen

D ächern

I n

N arkotischer

E insamkeit


G eht

E ine

H ält

T ausend

Andreas Pavlic, 4.5.26

Miriam Fontaine_Schauspielerin_Wien _ acting Malina _ Originalschauplatz/Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 8/21
Miriam Fontaine_Schauspielerin_Wien _ acting Malina _ Originalschauplatz/Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 8/21

UNDINE GEHT

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz „Malina“ Wien.

UNDINE GEHT_ Akrostichon

Text Andreas Pavlic, Schriftsteller _ Wien.

Performance _  Miriam Fontaine_Schauspielerin, Sängerin _Wien.

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

Andreas Pavlic, Schriftsteller 

Aktueller Roman von Andreas Pavlic:

Margit, Amela, Gerda und Carla haben vor 30 Jahren voll jugendlicher Tatkraft in Funkberg gegen den Bau eines Kraftwerkes demonstriert. Nun trommelt Gerda die alte Truppe wieder zusammen. Das Funkberger Kloster soll heimlich an Immobilienhaie verhökert und in ein Kongresszentrum umgewandelt werden. Gemeinsam mit der Studentin Bezé und Angelika, der letzten im Kloster lebenden Nonne, wollen sie das bedrohte Kulturgut der Stadt retten. Bei ihren Nachforschungen legen die Frauen eine unglaubliche Geschichte frei, die sie bis zu den Beginen ins 14. Jahrhundert führt. Und damit zu einer der ersten Frauenbewegungen, die weit mehr war als eine religiöse Gemeinschaft.

Andreas Pavlic zeigt in seinem neuen Roman humorvoll und eindrücklich, dass es für zivilen Widerstand immer einen Weg gibt. (Pressetext/Verlag)

Selige Unruhe, Andreas Pavlic. Roman. Edition Atelier.

248 Seiten

Selige Unruhe | Edition Atelier

www.andreaspavlic.com

Miriam Fontaine_Schauspielerin_Wien _ acting Malina _ Originalschauplatz/Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 8/21

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann.

Foto: Andreas Pavlic _ Jorghi Poll _ Edition Atelier

Fotos: Miriam Fontaine_Schauspielerin_Wien _ acting Malina _ Originalschauplatz/Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 8/21

Walter Pobaschnig,4.5.2026

https://literaturoutdoors.com

„Das Wichtige war für Ingeborg, dass diese Freundschaft bis zu ihrem Lebensende gehalten hat“ _ 100.Geburtstag Hans Werner Henze/100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann, Oxford/GB 30.8.2026

100.Geburtstag Hans Werner Henze, Komponist _

* 1. Juli 1926 in Gütersloh/D  † 27. Oktober 2012 Dresden

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin _

*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom

Hans Werner Henze und Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Hans Werner Henze und Ingeborg Bachmann

„Mir ist völlig klar, dass die Freundschaft mit Dir die wichtigste menschliche Beziehung ist, die ich habe, und das soll auch so bleiben. Ich habe immer an Dich geglaubt, und an Dich werde ich immer glauben bis ans Ende meines Lebens. Und wo und wann sich unsere Wege auch immer kreuzen werden, es wird ein Fest sein.“ Ingeborg Bachmann an Hans Werner Henze (1956) Briefe einer Freundschaft von Ingeborg Bachmann und Hans Werner Henze | PIPER

Hans Werner Henze zählt zu den bedeutendsten Komponisten moderner Musik. Auf der Tagung der Gruppe 47 (Schriftsteller:innenkreis) lernt er 1952 Ingeborg Bachmann kennen. Daraus entsteht eine lebenslange intensive Zusammenarbeit und Freundschaft.

Zu Leben/Werk_ Hans Werner Henze: Leben

Ingeborg Bachmann prägte die moderne deutschsprachige Literatur in größtem Maße. Ihr bahnbrechendes Werk in Lyrik, Prosa, Hörspiel, Essays ist wegweisend und impulsgebend weit über die Literatur hinaus. Die Bedeutung und die Referenz zur Musik ist wesentlicher Teil davon.

Zu Leben/Werk_ Ingeborg Bachmann: Ingeborg Bachmann: Bücher, Gedichte & Leben

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Im Interview: Dr.Heinz Bachmann (Bruder von Ingeborg Bachmann) _ Oxford/GB

Lieber Herr Dr.Bachmann, welche Gedanken bewegen Dich zum 100.Geburtstag von Hans Werner Henze?

Das Wichtige war für Ingeborg, dass diese Freundschaft bis zu ihrem Lebnesende gehalten hat.

Welche Bedeutung hatte die Freundschaft und Zusammenarbeit mit H.W.Henze für Deine Schwester Ingeborg Bachmann? 

Die beiden waren ja geistige Zwillinge, daher die wichtigen geimeinsamen Opernprojekte, aber auch sonst‚ Henzes freundschaftlicher Druck: „Arbeite!“ . Die musikalische „Umrahmung“ des Hörspiels „Die Zikaden“. Natürlich auch viel Komik und Trauriges wird im Briefwechsel sichtbar.

Welche Bedeutung hatte Musik für Ingeborg Bachmann und für Dich, Eure Familie insgesamt?

Musik war für unsere Familie in meiner frühesten Kindheit sehr wichtig. Unsere Mutter wollte in ihrer Jugend Opernsängerin werden, was ihr Vater untersagte. Unser Vater spielte Geige. Es wurde also musiziert bis durch die Kreigsereignisse das Klavier, das einen wunderbaren Klang hat, in Klagenfurt blieb und ich bis zu meinem 10. Lebensjahr im Gailtal das Klavier nicht zu sehen bekam. Die Geige wurde schlecht gelagert und  ist nicht reparabel. Ich selbst bin daher nie in den Genuss des Musizierens gekommen.

Hast Du H.W.Henze persönlich getroffen, wenn ja, wo, in welchem Zusammenhang? 

Leider habe ich Henze erst als Ingeborg gerade gestorben war, kennengelernt. Es waren die schrecklichen Umstände des Unfalls und auch das Thema wo Ingeborg begraben werden sollte, die verhinderten, dass noch ein weiterer Kontakt oder gar Freunschaft hätten entstehen können.

Was möchtest Du bitte noch zu Leben/Werk von H.W.Henze sagen? 

Im Rückblick danke ich ihm für seine Freunschaft und Unterstützung, die meine Schwester durch ihn hatte. Diese Unterstützung war natürlich gegenseitig! Er hat so viele Opern komponiert, die ich kaum kenne. Ich kann mich daher nur auf „Der Prinz von Homburg“ und „Der Junge Lord“ beziehen. Der Junge Lord gefällt mir besser! H.W.Henze hat, wenn ich das aus Gesprächen mit Ingeborg richtig verstanden habe, versucht aus der Zwangsjacke der 12-Tonkomposition herauszukommen und zu einer neuen Harmonie (?) zu kommen. Das war ein fast messianisches Bestreben! Das wird auch im neuen Film über Hernze von Nina di Majo angedeutet.

Wie kam es zur Ausgabe des Briefwechsels von Hans Werner Henze und Ingeborg Bachmann?

Wir hatten ein Gespräch mit dem Piper Verlag, was man als nächstes von Ingeborg veröffentlichen könnte. Isolde und ich plädierten für diesen Briefwechsel. Wir kannten zwar H. W. Henzes Briefe, die wir als schön, komisch, bewegend und interessant empfanden, aber nicht Ingeborgs Briefe, die ja im Besitz Henzes sein mussten. Der Verlag sezte sich mit Henze in Verbindung, der sehr positiv reagierte und spontan die Briefe zur Verfügung stellte. Diese Ausgabe veränderte den Blick der Forschung auf entscheidende Weise. Man hatte angenommen, dass das Elternhaus und Klagenfurt eine untergeordnete Rolle gespielt hätten. Viele der Ingeborg- Briefe wurden in Klagenfurt geschrieben und viele Briefe Henzes gingen nach Klagenfurt. Das Buch wurde ein erstaunlicher Erfolg.

Herzlichen Dank für das Interview!

Dr.Heinz Bachmann, Geophysiker _
Bruder von Ingeborg Bachmann

Zur Person: Heinz Bachmann, geboren 10. Juni 1939, Kindheit und Jugend verbrachte er in Klagenfurt und Obervellach bei Hermagor. Er besuchte die Mittelschule in Klagenfurt, maturierte 1957, studierte Geologie in Graz und spezialisierte sich beruflich auf Geophysik und arbeitete weltweit in der Öl- und Gasaufschließung vorwiegend in Afrika, dem Mittleren Osten und Europa. Heirat mit Sheila in London 1971. Nach dem Tod seiner Schwester Ingeborg 1973 war er zusammen mit seiner Schwester Isolde für ihren Nachlass verantwortlich. Viele Jahre verbrachte er mit seiner Familie in Spanien. Nach dem Ende der beruflichen Laufbahn 2006 widmete er sich intensiver dem Werk seiner Schwester Ingeborg mit Buchvorstellungen und Vorträgen in Deutschland, Österreich, und vereinzelt auch in den USA, London und Paris. Seit 1995 ist er mit Unterbrechungen in der Nähe von Oxford wohnhaft. Heinz Bachmann Bücher & Biografie | PIPER 29.8.26

Buchhinweise: Ingeborg Bachmann, meine Schwester von Heinz Bachmann | PIPER

Heinz Bachmann, der 13 Jahre jüngere Bruder, war seiner Schwester Ingeborg ihr Leben lang verbunden. Er kannte sie wie sonst niemand, auch als sie längst zur berühmten Dichterin geworden war. Sie liebte ihren Bruder und wollte ihm die Welt zeigen, nachdem sie früh aus Klagenfurt fortgegangen war. Nun legt Heinz Bachmann einen sehr persönlichen Band vor, in dem er aus dem gemeinsamen Leben erzählt, von Wien und Paris bis nach Zürich und Rom. Ingeborgs tragischer Unfalltod und die Trauer, die die ganze Familie erfasste, kommen ebenso zur Sprache wie ihre Dichterfreunde und ihr Schreiben.

Mit 40 Fotos aus dem Privatarchiv

Briefe einer Freundschaft von Ingeborg Bachmann und Hans Werner Henze | PIPER

Foto: Hans Werner Henze und Ingeborg Bachmann _ Hans Werner Henze Stiftung

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Heinz Bachmann _ Walter Pobaschnig

Fotos: Cover _ Piper Verlag

Walter Pobaschnig 8/26

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Die Leiden des mittelalten Herbies. (Be-)Gattungslos. Rebecca Ramlow. Roman. Novum Verlag.

„Trotz sexueller Revolution und schriller Pop-Musik scheinen die Eltern des Kindes die 68er erfolgreich übersprungen zu haben. Stattdessen dockten sie nahtlos an die 50er an. Staubsauger fein säuberlich geparkt an Staubsauger. Wie konnte das gelingen?…“

Die Erfahrungswelt des Herbie Bräutigam, der seinem Familienunglück zu entkommen sucht, wird zu einer tour de force von Lebensbeginn an. Der einengenden Welt der Kindheit sucht Herbie zu entkommen und fällt weiter in innerliche und äußerliche Abgründe im Loslösungs- und Bindungschaos des Lebens…

„Hallo Mama, lieber Papa! Ich möchte euch heute meinen Fang, wie Du es bezeichnen würdest, Mama, Anna vorstellen. Wir lernten uns in keiner geringeren als der Psychiatrie kennen…“

Und sein Weg geht weiter im Labyrinth von Verlust und Suche in Begegnung, Scheitern und Einsamkeit…

Rebecca Ramlows Romandebüt ist ein Feuerwerk an Sprachvariation und schonungsloser existentiell gesellschaftlicher Innenschau am Kern von Liebe, Identität, Bewusstsein, Gesellschaft und Verhängnis. Mensch und Zeit werden in einzigartiger Sprachkunst in allen Wegen und Ausweglosigkeiten in Drama wie Witz genial und zeitkritisch in Szene gesetzt.

Die Leiden des mittelalten Herbies. (Be-)Gattungslos. Rebecca Ramlow. Roman. Novum Verlag.

Format: 12 x 19 cm, Broschürt

Seitenanzahl: 464

ISBN: 978-3-903468-08-5

18,95 EUR

Walter Pobaschnig 9/26 

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„Wo die Logik an ihre Grenze stößt, beginnt für sie die Poesie“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Ali E. Danabas, Schriftsteller _ München 29.8.2026

Ingeborg Bachmann _ Ali E. Danabaş

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann auf der Terrasse in ihrer Wohnung in der Bocca de Leone/Rom, um 1970

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

im Interview _  Ali E. Danabaş, Schriftsteller _ München.

Lieber Ali, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Als Kind keine. Später in der Schule und im Studium auch nicht. Autorinnen waren im Deutschunterricht und in den Germanistikseminaren eine Rarität. Wahrscheinlich auch deshalb, weil Lehrer und Professoren fast ausnahmslos Männer waren. Heute bin ich überzeugt, dass Frauen nicht zufällig ausgelassen wurden. Die subtile Botschaft war: Frauen sind nicht talentiert genug zum Schreiben.

Ingeborg Bachmann habe ich erst nach Annette von Droste-Hülshoff, Else Lasker-Schüler, Isolde Kurz, Rose Ausländer und Sarah Kirsch entdeckt. Literarisch haben mich Frauen stärker inspiriert als Männer. Vor allem, weil sie Machtstrukturen sichtbar machen.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

In ihrem Essay über Wittgenstein stellt Ingeborg Bachmann die Frage, ob unserer Sprache nicht vielleicht genau das Wort fehlt, auf das es ankommt. Der Satz aus dem Tractatus „Gott offenbart sich nicht in der Welt“ gehört für sie zu den bittersten überhaupt. Er bringt die schmerzliche Einsicht auf den Punkt, dass es Dinge gibt, die sich unserer Sprache entziehen.

Darauf sucht Bachmann im Schreiben eine Antwort. Sie interessiert sich für das, was sich nicht einfach aussprechen lässt. Darin sehe ich auch eine Nähe zu Wittgenstein: Sie akzeptiert die Grenzen der Sprache, zieht daraus aber eine andere Konsequenz. Während der Tractatus mit dem Satz endet: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen“, versucht Bachmann, dem Unsagbaren und dem Verschwiegenen mit den Mitteln der Dichtung eine Stimme zu geben. Sie will nicht erklären oder beweisen, sondern sichtbar und spürbar machen. Wo die Logik an ihre Grenze stößt, beginnt für sie die Poesie.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Ihr Gedichtzyklus „Lieder auf der Flucht“ ist eine besondere Inspirationsquelle.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Sie hat an Aktualität sogar gewonnen. Die Strukturen sind subtiler und zugleich engmaschiger geworden. Die Sehnsucht mancher Männer, archaische Machtstrukturen im letzten Moment doch noch wiederherstellen zu können, macht sie aggressiver und offensiver. Sie organisieren sich gegen all jene Gruppen, die unabhängiger und selbstbewusster geworden sind und allein durch ihre Existenz die althergebrachten Machtverhältnisse infrage stellen: gegen Frauen, Einwanderer, Menschen mit Behinderungen, Andersgläubige und Menschen mit anderer sexueller Orientierung.

Wir erleben, wie diese Gruppen gegeneinander aufgehetzt werden – und das funktioniert. Ich befürchte, wir werden auch Zeugen davon, wie das Patriarchat seine zwischenzeitlich etwas geschwächte Macht wieder festigt und ausbaut.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Die Liebe fällt nicht vom Himmel. Die Art, wie wir lieben, hängt von vielen Faktoren ab. Ich sage: Wir lieben nicht gut. Wir werden nicht gut geliebt. Und sind weit davon entfernt, unser Potenzial voll auszuschöpfen. Da ist ziemlich krank. Wir sind krank. Ich hoffe nur, dass wir genesen.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Im Gegenteil: Allein zu sein und einsam zu sein, bietet die Möglichkeit, Abstand von der Härte der Welt zu gewinnen. Das größere Martyrium liegt für mich eher in der Weichherzigkeit gegenüber einer ungerechten Welt – in der Sehnsucht, nicht allein zu sein, und gerade dabei etwas von sich selbst aufzugeben. Diese Selbstverleugnung kann am Ende in eine noch tiefere Einsamkeit oder in das Gefühl münden, die eigene Existenz habe keinen Sinn. Für mich ist sie sogar schwerer auszuhalten als die Einsamkeit selbst. Schreiben und Kunst helfen mir, dieses Gefühl der Ausweglosigkeit zu verarbeiten. Diese vielleicht absonderliche Art zu existieren entsteht also nicht durch das Schreiben – vielmehr ist das Schreiben eine Reaktion auf dieses Martyrium. Anders ausgedrückt: Nicht die Kunst erzeugt diese Fremdheit, sondern diese Fremdheit bringt die Kunst hervor.

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Ich sehe sie weniger als Kritikerin denn als Protokollantin ihrer eigenen Gefühlswelt. Mich inspiriert vor allem die Art, wie sie diese für andere erfahrbar macht.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich hätte mich mit ihr bis zum Exzess über alles ausgetauscht.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Eigentlich müsste ich einmal alle meine Gedichte sichern, ausdrucken und ordnen. Doch es gibt keinen Anlass dafür. Also lasse ich es bleiben – und schreibe weiter.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

„Die Fahrt ist zu Ende,
doch ich bin mit nichts zu Ende gekommen, (…)“

(Die Welt ist weit)

Herzlichen Dank für das Interview!

Ali E. Danabaş, Schriftsteller _ München

Zur Person/über mich: Ali E. Danabaş (geb. 1970 in Ankara) ist Lyriker und Schriftsteller. Seit seinem neunten Lebensjahr lebt er in Deutschland. Nach Stationen in Lippstadt, Münster, Ankara, Köln und Bergisch Gladbach wohnt er seit 2004 in der Nähe von München. Er ist Vater zweier Kinder. Nach dem Abi tur studierte er in Münster Philosophie, Publizistik, Politik und Germanistik. Anschließend setzte er sein Studium in Ankara fort und schloss es dort mit dem Diplom als Bildhauer ab. Nach einem Zeitungsvolontariat in Lippstadt (Westfalen) arbeitete Danabaş als Redakteur, unter anderem beim Münchner Merkur. Mitte der 1990er-Jahre war er in Ankara Herausgeber und Verleger der Literaturzeitschrift „Kavram ve Karmaşa“ („Begriff und Komplexität“). Er veröffentlichte seinen Gedichtband „Sokak“ und übersetzte Erich Frieds Werk „Befreiung von der Flucht“ ins Türkische, das im Ankaraner Suteni-Verlag als Buch erschien. Zeitweise war er stellvertretender Generalsekretär des türkischen Schriftstellerverbandes. In dieser Funktion veröffentlichte er eine Monografie über Hasan Ali Yücel, den ersten türkischen Minister für Bildung und Kultur. Neben seiner beruflichen Tätigkeit widmet sich Danabaş weiterhin intensiv der Literatur. Er arbeitet an mehreren Gedichtzyklen, aus denen er regelmäßig einzelne Gedichte in sozialen Medien veröffentlicht. (Ali E. Danabaş, 30.7.2026)

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Ali E. Danabaş _ privat

Walter Pobaschnig, 30.7.2026

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