„Danke dafür, dass Sie sich für alles Schwache und Unterdrückte und für die Poesie eingesetzt haben! Ihr Leben war viel zu kurz, aber Sie haben sehr viel getan und viel erreicht“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Klara Hurkova, Schriftstellerin _ Aachen/D 17.10.2026

Ingeborg Bachmann _ Klára Hůrková

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann in Rom, 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

im Interview _ Klára Hůrková, Schriftstellerin  _ Aachen/D.

Liebe Klára, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Bachmann wurde in Prag der 70. und 80. Jahre, als ich zu Schule und zur Uni ging, nicht ein Teil des Curriculums – sie gehörte wohl zu den sogenannten „bourgeoisen Schriftsteller*innen“, die das damalige Regime ablehnte. Deshalb lernte ich ihr Werk erst viel später kennen, durch eine deutsche Freundin, die über „Malina“ ihre Abschlussprüfung gemacht hat. Ich mag vor allem Bachmanns Gedichte und Erzählungen, zum Beispiel „Undine geht“. Schon seit meiner Kindheit war ich von Feen, Rusalkas, kleinen Meerjungfrauen, Nymphen und Undinen fasziniert – Ich glaube, Ingeborg Bachmann war selbst so ein Wesen…

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?

Sie denkt und schreibt in sehr eigenen, wunderschönen Metaphern und Vergleichen. Gleichzeitig ist ihre Sprache musikalisch. Beides – das Bildhafte und das Musikalische – macht die große Poesie aus. Sie will immer die Tiefe berühren, die Wahrheit finden, und obwohl sie über eine umfangreiche Kenntnis der abendländischen Ideenwelt verfügt, geht sie kompromisslos von ihren eigenen subjektiven Wahrnehmungen und Bewertungen aus, die sie artikuliert, strukturiert und durch ihre Kunst auf eine allgemeine Ebene hebt.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?

Ich bewundere ihre Gedichte aus den beiden Sammlungen „Die gestundete Zeit“ und „Anrufung des Großen Bären“. Mit zwei Freundinnen habe ich im privaten Kreis über das Buch „Der Fall Franza“ diskutiert, in dem sie ihre großen Themen behandelt – die Unterdrückung der Frauen und die männliche Dominanz, die Krankheit und den Tod. Wir fanden das Buch sehr bedrückend. Ich kann sehr gut verstehen, warum Bachmann die Arbeit daran abgebrochen hat. Die Wahrheitsfindung tut manchmal richtig weh. Jetzt muss ich an Franz Kafka denken, dessen Romane auch Fragmente geblieben sind – vielleicht aus demselben Grund. Bei „Malina“ ist es Bachmann immerhin gelungen, das Werk zu vervollständigen.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich würde ihr sagen: „Danke dafür, dass Sie sich für alles Schwache und Unterdrückte und für die Poesie im weitesten Sinne eingesetzt haben! Ihr Leben war viel zu kurz, aber Sie haben sehr viel getan und viel erreicht.“

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich schreibe wie immer Gedichte über alles, was mich berührt und beschäftigt. Darüber hinaus versuche ich schon seit langem, Prosa zu schreiben über mein Ankommen in Deutschland und die ersten Jahre meiner Emigration. Aber das ist sehr schmerzhaft und ich breche es immer wieder ab…

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

„Deck mir, Nacht, die Augen / mit dem Narrenhut.“ (Heimweg. In: Anrufung des Großen Bären)

Herzlichen Dank für das Interview!

Klára Hůrková, Schriftstellerin 

Zur Person/über mich: – Vita

Website: https://www.hurkovaklara.de/ 24.9.2026

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Klára Hůrková _ privat

Walter Pobaschnig, 24.9.2026

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„rom gibt mir kraft und gleichzeitig löscht es mich aus“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Todestag _ Text & Performance _ Christoph Kleinhubbert/Ingala Fortagne _ Herne/D/Wien 17.10.2026

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance Originalschauplatz „Malina“ Wien.

INGEBORG _ Akrostichon

Text _  Christoph Kleinhubbert, Schriftsteller _ Herne/D

Performance _ Ingala Fortagne _ Sopranistin, Schauspielerin_ Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Rom _ Lebensmittelpunkt von Ingeborg Bachmann _1965 – 1973
„da fiel mir Leben zu…“
Ingala Fortagne _ Sopranistin, Schauspielerin_ Wien _
acting _ Originalromanschauplatz „Malina“ Wien.
Via Giulia, Rom _
Am Weg zum Wohnhaus/letzte Wohnung Ingeborg Bachmanns Rom _
Palazzo Sacchetti _
letzte Wohnung von Ingeborg Bachmann (1971-73) _ folgende
Innenhof Palazzo Sacchetti _ Ingeborg Bachmann wohnte im 1.Stock. Hier ereignete sich der schwere Brandunfall, an dessen Folgen die Schriftstellerin am 17.Oktober 1973 in Rom verstarb

INGEBORG

in meinen tagträumen ist das leben gefangen im kampf gegen verfall und siechtum

nachts liege ich wach und denke oft ich sei in der falschen stadt geboren

geboren in besetzter zone

einem verlorenen habe ich mich anvertraut … wollte mich auf augenhöhe mit ihm messen

bald ist auch das eine alte geschichte … eine weitere lieblose legende

ordnung … hab meine notizen geordnet … gestern schrieb ich: schreiben ist ein totentanz

rom gibt mir kraft und gleichzeitig löscht es mich aus

gestundet ist die zeit … die sonne kommt ans licht

Christoph Kleinhubbert, 3.5.26

Rom/Ospedale Sant’Eugenio _
Ingeborg Bachmann starb hier am 17.10.1973
_ folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance Originalschauplatz „Malina“ Wien.

INGEBORG _ Akrostichon

Text _  Christoph Kleinhubbert, Schriftsteller _ Herne/D

Performance _ Ingala Fortagne _ Sopranistin, Schauspielerin_ Wien 

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Christoph Kleinhubbert, Schriftsteller
Ingala Fortagne _ Sopranistin, Schauspielerin

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Christoph Kleinhubbert _ privat.

Fotos: Ingala Fortagne _ Sopranistin, Schauspielerin_ Wien _
acting Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) _
100.Geburtstag _Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _

Fotos: Ingeborg Bachmann revisited _ Rom _ Via Giulia/Palazzo Sacchetti_ Ospedale _ Walter Pobaschnig 10/21

Walter Pobaschnig, 3.5.26

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„Das ist das Geheimnis großer Literatur: Sie überdauert die Person.“ _ Todestag Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann, Autor _ Oxford/GB 17.10.2026

Festrede _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ 25.6.1926

Klagenfurt _ Henselstraße 26

Dr.Heinz Bachmann, Geologe, Autor _ Oxford/GB

Bruder von Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Henselstraße _ Juni 2026

Henselstraße 26, 9020 Klagenfurt _ ehemaliges Wohnhaus der Familie Bachmann, in dem die Geschwister Ingeborg Bachmann wie Heinz Bachmann  und Isolde Moser (geb.Bachmann) aufwuchsen.

Henselstraße/Klagenfurt _ 2020 _
Ingeborg Bachmann und ihre Schwester Isolde Moser (geb.Bachmann _ Vordergrund) _
Familienarchiv Bachmann, folgendes
Heinz Bachmann
Ingeborg Bachmann, Rom 1962 _
Portraitserie von Heinz Bachmann

Rede zum 100.Geburtstag von Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt  +17.10.1973 Rom

25.6.2026 Klagenfurt, Henselstraße 26

Dr.Heinz Bachmann

Dr.Heinz Bachmann, Geologe, Autor

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

liebe Freundinnen und Freunde des Werkes meiner Schwester Ingeborg, als ich vor 53 Jahren in der Henselstraße stand — an jenem schweren Herbsttag des Jahres 1973, als wir Abschied nehmen mussten von Ingeborg, viel zu früh, viel zu plötzlich —,

hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich eines Tages hierher zurückkehren würde, um ihren hundertsten Geburtstag zu feiern. Dass ich als ihr Bruder, als der Jüngere, der sie so gut kannte und vielleicht doch nie ganz kannte, vor Ihnen stehen würde —

in dieser Straße, in dieser Stadt.

Klagenfurt, unser Klagenfurt.

Bachmannweg _ Klagenfurt/Kreuzbergl

Was seitdem geschehen ist, übersteigt alles, was wir als Familie je zu hoffen gewagt hätten. Aus dem Haus in der Henselstraße ist das Ingeborg-Bachmann-Haus geworden — ein wunderbarer Ort der Erinnerung, der Forschung, der Begegnung. Wer heute durch diese Räume geht, betritt nicht nur eine Biografie, sondern betritt eine Welt aus Sprache, aus Kindheit, aus der Sehnsucht eines Mädchens, das schon früh wusste:

Die Welt lässt sich nicht hinnehmen, wie sie ist. Sie muss erzählt, befragt ,herausgefordert werden.

Und seit vorgesten steht hier im Garten das Werk Anselm Kiefers „DIE ORDEN DER NACHT“ gewidmet meiner Schwester Ingeborg. Das Werk wurde begleitet von einem bewegenden Brief Anselms übermittelt durch Waltraud Forelli, die wir heute hier begrüßen können.

Wer hätte das gedacht oder gehofft. Diese Würdigung berührt mich sehr, vor allem da sie auf das Gedicht „An die Sonne“ anspielt, das mein Lieblingsgedicht ist. Ich denke da an den Frühling 1945 als Ingeborg schreibt:

(Textauszug „Kriegstagebuch“ Ingeborg Bachmann)

„Aber ich kann nicht mehr in den Bunker gehen, stundenlang wenn das Wasser an den Felswänden herunterrinnt und die Luft so schlecht wird, dass man halb ohnmächtig wird. Es ist zwar Sprechverbot wegen der Luft, aber diese stumpfen, stummen Massen sind auch unerträglich. Der Ge­ danke, dort womöglich mit allen wie in einer Vieh­herde zugrundezugehen, ist mir schauerlich. We­nigstens im Garten. Wenigstens in der Sonne…“

Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _ performing _
Walter Pobaschnig 5/26, folgende

und 12 Jahre später schreibt Ingeborg:

(Textauszug „An die Sonne“ Ingeborg Bachmann)

Schöner als der beachtliche Mond und sein geadeltes Licht,

Schöner als die Sterne, die berühmten Orden der Nacht,

Viel schöner als der feurige Auftritt eines Kometen

Und zu weit Schönerem berufen als jedes andre Gestirn,

Weil dein und mein Leben jeden Tag an ihr hängt, ist die Sonne.

Schöne Sonne, die aufgeht, ihr Werk nicht vergessen hat

Und beendet, am schönsten im Sommer, wenn ein Tag

An den Küsten verdampft und ohne Kraft gespiegelt die Segel

Über dein Aug ziehn, bis du müde wirst und das letzte verkürzt.

Ohne die Sonne nimmt auch die Kunst wieder den Schleier,

Du erscheinst mir nicht mehr, und die See und der Sand,

Von Schatten gepeitscht, fliehen unter mein Lid.

Schönes Licht, das uns warm hält, bewahrt und wunderbar sorgt,

Dass ich wieder sehe und dass ich dich wiederseh!

Nichts Schönres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein …“

Für dieses Doppeljubiläum wurden Biografien geschrieben. Interpretationen verfasst. Ihr Werk wurde in dutzende Sprachen übersetzt, an Universitäten auf allen Kontinenten gelehrt, von Leserinnen und Lesern geliebt, die Ingeborg nie persönlich gekannt haben und sie doch — durch ihre Worte — besser kennen als mancher, der ihr in Persona begegnet ist.

Das ist das Geheimnis großer Literatur: Sie überdauert die Person.

Ingeborg hat sich behauptet. Sie hat — wenn ich so sagen darf — überlebt; …durch die Kraft ihrer Sprache.

IJnd heute, in diesem Jahr des hundertsten Geburstags, in dieser Zeit, spüren wir, wie aktuell sie geblieben ist. Wie erschreckend aktuell.

Sie hat einmal geschrieben, und ich zitiere diese Worte, weil sie mich seit Wochen nicht loslassen und in den Straßen der Stadt überall zu sehen sind:

„Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, bräuchten wir die Waffen nicht.‘

Hannelore Schmid, Schauspielerin, Regisseurin _ Wien _
Romanjubiläum Malina _

Walter Pobaschnig 6/21

Meine Damen und Herren — wann hätten diese Worte mehr gegolten als heute? In einer Zeit, in der Kriege toben, in der Sprache vergiftet, missbraucht, zur Waffe gemacht wird. Ingeborg hat das geahnt. Sie hat darunter gelitten. und sie hat dagegen geschrieben, mit jeder Zeile, bis zuletzt. Das ist ihr Vermächtnis, das sie uns hinterlassen hat.

Anna Possarnig, Tänzerin, Choreographin _ performing _
Romanschauplatz Malina/Wien _

Walter Pobaschnig 6/2020

Ich spreche heute im Namen der ganzen Familie, wenn ich sage: Wir sind bewegt. Wir sind dankbar. Wir schätzen es außerordentlich, wie liebevoll und ernsthaft Ingeborg hier in Klagenfurt, in Österreich, in der Welt gefeiert und gewürdigt wird.

Familien Bachmann/Moser _
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Sie lebt — in den Lesungen, in der Forschung, in den Gesprächen. Sie lebt in jedem jungen Menschen, der zum ersten Mal ein Gedicht von ihr aufschlägt und merkt: Das trifft mich.

„Station bei Bachmann _ Literatur outdoors_
Constanze Sophie Passin, Schauspielerin_ performing _
Romanschauplatz _ Malina _ Wien _
Walter Pobaschnig 12/2021

Ich danke Ihnen von Herzen, dass sie so zahlreich gekommen sind.

Heinz Bachmann, Oxford/GB, Klagenfurt 25.Juni 2026

Aktuelles Buch von Heinz Bachmann:

„Ingeborg Bachmann, meine Schwester“, Heinz Bachmann. Erinnerungen und Bilder. Mit 40 Fotos aus dem Privatarchiv. Piper Verlag. | Literatur outdoors – Worte sind Wege

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt  +17.10.1973 Rom
Grab von Ingeborg Bachmann _ Klagenfurt/Annabichl
Isabel Belherdis, Künstlerin _ Graz _ performing _
Walter Pobaschnig 8/23, folgende

Fotos _ Ingeborg Bachmann Portraits/Familienfotos _ Heinz Bachmann/Familienarchiv Bachmann

Alle weiteren Fotos _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig 10/26

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„Immer auf der Suche“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text&Performance _  Anne Mai/Elena Platon _ Saarland//Wien 16.10.2026

Elena Platon, Schauspielerin _Wien _
acting Malina/Ingeborg Bachmann _
Walter Pobaschnig 5/21 folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance Originalschauplatz „Malina“ Wien.

INGEBORG_ Akrostichon

Text _  Anne Mai, Schriftstellerin _ Saarland

Performance _ Elena Platon, Schauspielerin _Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Elena Platon, Schauspielerin _Wien _
acting Malina/Ingeborg Bachmann _
Walter Pobaschnig 5/21 folgende
Elena Platon, Schauspielerin _Wien _
acting Malina/Ingeborg Bachmann _
Walter Pobaschnig 5/21 folgende

INGEBORG


I
mmer auf der Suche

Nach dem großen Gefühl

Gegen alle

Erfahrung, alle Enttäuschung.

Blumen und Bilder hast du der Lyrik geschenkt,

Orte entdeckt und wieder verloren.

Rastlos warst du deiner Kunst ergeben, ihrer

Ganzheit in Worten und Klang.

Anne Mai, 14.4.26

Elena Platon, Schauspielerin _Wien _
acting Malina/Ingeborg Bachmann _
Walter Pobaschnig 5/21 folgende
Elena Platon, Schauspielerin _Wien _
acting Malina/Ingeborg Bachmann _
Walter Pobaschnig 5/21 folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance Originalschauplatz „Malina“ Wien.

INGEBORG_ Akrostichon

Text _  Anne Mai, Schriftstellerin _ Saarland

Performance _ Elena Platon, Schauspielerin _Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Anne Mai, Schriftstellerin
Elena Platon, Schauspielerin _Wien

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Foto: Anne Mai _ privat.

Fotos:  Elena Platon, Schauspielerin _Wien _ acting Malina/Ingeborg Bachmann_
Walter Pobaschnig 5/21

Walter Pobaschnig, 14.4.26

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„Man findet sich berührt vor einem Spiegel der eigenen Umgebungsnatur“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Klaus Oberrauner, Autor _ Wien 16.10.2026

Ingeborg Bachmann _ Klaus Oberrauner

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann in Rom auf der Terrasse in ihrer Wohnung in der Bocca de Leone

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

im Interview _ Klaus Oberrauner, Autor, Kulturvermittler, Textkünstler _ Wien

Lieber Klaus, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?  

Ingeborg Bachmann ist für mich eine jener Autorenpersönlichkeiten, die immer wieder aufs Neue dazu einladen, entdeckt zu werden. Ich persönlich kam ihr relativ spät auf die Spur. Wie einem exotischen Tier, dem man voller Begeisterung, Faszination, Staunen aber auch voller ehrfürchtigem Respekt gegenübersteht. Etwas, das unnahbar scheint und lockt – aber doch so nahe und sogar Teil von einem selbst ist. Und ich bin noch immer dabei, sie zu entdecken und weiter kennen zu lernen.

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus? 

Die Zeitlosigkeit und die persönliche Tiefe ihrer „Welten“, wissen gleichermaßen aufzurütteln, zu erschüttern. Man findet sich berührt vor einem Spiegel der eigenen Umgebungsnatur. Ganz besonders schätze ich ihre Poetik – wie sie mit kleinen Wortstrichen klare Empfindungsmosaike und Gesellschaftskaleidoskope

Entwirft. Eine Facette, die ich persönlich auch besonders finde: die textlichen Brücken und Beziehungen hin zu Musik und Theater.  

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?

Ganz besonders schätze ich ihre Gedichte. Sie lassen nicht nur empfinden. Sie lassen nach-lesen, nach-denken. Buchstäblich in sich kehren – und gar nicht kalt. 

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt? 

Sie schreiben mir aus der Seele. Lassen Sie uns nun auch über Musik sprechen.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne? 

Ich tüftle gerade an neuen Ideen, Wegen und Kooperationen für die neuen Bild Lyrik-Projekte. Je nach Inspirationsstatus spiele ich auch mit Gedanken an dramatische Texte. 

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten? 

„Wir brauchen Musik. Das Gespenst ist die lautlose Welt.“ 

Herzlichen Dank für das Interview!

Klaus Oberrauner _ Autor, Kulturvermittler, Textkünstler

Zur Person/über mich: Klaus Oberrauner _ Wortschöpfer. Geschichtenausdenker. Klangsucher. Ideenvermittler, Projekterzähler. In der medialen Kreativwerkstatt.

Studium der Musik- und Tanzwissenschaft in Salzburg sowie der Kunst- und Kulturvermittlung in Wien. Danach, davor und dazwischen Erfahrungsstationen bei Rundfunk, Zeitung und Theater in Österreich und Deutschland. Sowie Redakteur für eine österreichische Tageszeitung, danach für ein Wirtschafts- und Kulturmagazin.
Umblicke aus dem Kulturleben. Für diverse Print- und Onlinemedien. Regelmäßig Konzerteinführungen.

Seit 2014 Mitgestalter für TV-Dokus (ORF III, arte).

Als Autor Pflege der kleinen literarischen Form. Kurzprosa und Gedichte. Auch
Romaneskes im historischen Kontext.

Immer wieder Brückenschlag zwischen den Disziplinen. Gemeinsam mit
bildenden Künstlern. Mit Sprechern. Mit Schauspielern.

Lebt derzeit in Wien.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Klaus Oberrauner _ privat

Walter Pobaschnig, 27.7.2026

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„Mein Leben in Sätzen“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Romana Ganzoni/Christoph Prückner _ Wien 15.10.2026

Christoph Prückner, Regisseur, Schauspieler _acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Wien _
Walter Pobaschnig 6/23, folgende.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

MALINA_ Akrostichon

Text _  Romana Ganzoni, Schriftstellerin

Performance_ Christoph Prückner, Regisseur, Schauspieler


MALINA

Mein Leben in Sätzen.

Angst als Grundform.

Liebe, kein Versprechen.

Ich sage: ich. Es antwortet: Krieg.

Nichts endet.

Alles spricht weiter.

Romana Ganzoni, 9.1.2026

Christoph Prückner, Regisseur, Schauspieler _acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Wien _
Walter Pobaschnig 6/23
.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962 

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

MALINA_ Akrostichon

Text _  Romana Ganzoni, Schriftstellerin

Performance_ Christoph Prückner, Regisseur, Schauspieler

Romana Ganzoni, Schriftstellerin
Christoph Prückner, Regisseur, Schauspieler

Aktueller Roman von Romana Ganzoni: Magdalenas Sünde. Roman, Diogenes, 2022 ISBN 978-3-257-24656-8  https://romanaganzoni.ch/buecher/

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Foto: Romana Ganzoni: Anna Positano

Fotos: Christoph Prückner, Regisseur, Schauspieler _acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Wien _ Walter Pobaschnig 6/23

Walter Pobaschnig   1_26

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„so ein Schreibworkshop bei Ingeborg Bachmann, das wäre etwas, oder?“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Julia Grinberg, Schriftstellerin _ Wiesbaden/D 15.10.2026

Ingeborg Bachmann _ Julia Grinberg

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

im Interview _ Julia Grinberg, Schriftstellerin _ Wiesbaden/D

Liebe Julia, welche Zugänge gibt es für Dich zum Werk von Ingeborg Bachmann?

Mein Zugang war ein Umweg. Ich habe Bachmann zunächst auf Russisch gelesen, das hat mich sofort beeindruckt – die Dichte, Bildhaftigkeit, Eigenartigkeit der Texte. Als ich sie später auf Deutsch gelesen habe, war ich schlicht überwältigt, als wäre meine Empfindung schärfer, lauter und klarer gestellt worden. Es war die Entdeckung einer nächsten sprachlichen Dimension. Gleichzeitig merkte ich, wie schutzlos ein Text vor einer Übersetzung sein kann.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Für mich ist es der radikale Einfallsreichtum, als hätte sie mehr Sinne als ein Normalsterblicher. Dass die Sprache sich ihr dermaßen unterordnet – sie ist die Schöpferin ohne Wenn und Aber, die Sprache fügt sich. Dass sie keine Angst hat, Schöpferin zu sein.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Ja, die Gedichte natürlich – Die gestundete Zeit ist eh ein Muss. Auch die Erzählungen mag ich sehr, ihre Erzählungen und die Gattung im Allgemeinen. Das passt wunderbar zu meiner Art zu lesen: nicht von A bis Z vollständig, sondern wiederkehrend, Wirkung auf Abstand prüfend. Und Bachmanns Texte wirken lange nach.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Diese Kritik wirkt heute erstaunlich nah und zeigt, wie Machtverhältnisse nicht nur öffentlich und offensiv, sondern auch subtil im Verborgenen wirken – in Beziehungen, in der Sprache, im Alltag. Gewalt ist selten nur ein Ereignis; sie ist eine allgegenwärtige Struktur. Das macht ihre Texte leider so zeitgenössisch.

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema bei Bachmann – wie lieben wir nach oder mit ihr?

Die Liebe bei Bachmann ist nie nur privat, sondern immer auch von Macht, Projektion und Verletzbarkeit durchzogen. Beziehungen finden nicht außerhalb gesellschaftlicher Strukturen statt. Das macht ihre Texte ehrlich. Man findet sich darin wieder.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Für mich nicht. Eher das Gegenteil. Schreiben ist eine Form des Kanalisierens. Ohne Schreiben wäre vieles schwer auszuhalten. Wenn überhaupt, dann liegt das Martyrium für mich eher darin, nicht schreiben zu können.

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Musikalität und Rhythmus der Sprache, Ambivalenz und Verschiebungen, Experimente mit Bewusstseinsströmen, Reflexivität, Sinnlichkeit, Detailvernarrtheit. Habe ich etwas vergessen? Bestimmt.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Wie sie Angst vor der Konsequenz ihrer eigenen Erkenntnisse überwindet. Ob Schreiben für sie auch etwas Vorwegnehmendes hatte – nicht im Sinne einer Prophezeiung, sondern als Sensibilität für Entwicklungen, die sich später bestätigen. Ich hätte sie auch um Ratschläge gebeten – genau, so ein Schreibworkshop bei Ingeborg Bachmann, das wäre etwas, oder?

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Derzeit arbeite ich an einem Projekt, das sich tatsächlich mit struktureller Gewalt und Sprache beschäftigt – damit, wie sich gesellschaftliche Ordnungen in Wahrnehmung und Selbstverständnis einschreiben. Mich interessiert dabei besonders, wie sich Zugehörigkeit und Fremdheit im Inneren abbilden.

Herzlichen Dank für das Interview!

Julia Grinberg, Schriftstellerin

Zur Person/Website: Julia Grinberg – Lyrik, Prosa, Bilingual 5.8.26

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Julia Grinberg _ Alexander Paul Englert

Walter Pobaschnig, 4.8.2026

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Mühlviertler Feuer. Eva Reichl. Kriminalroman. Gmeiner Verlag.

Da war die Nacht. Die Ruhe. Roswitha und Karl und ihr Hund. Der Schlaf, das beschauliche Leben inmitten der sanften Hügel, Wälder des Mühlviertel. Der Takt der Tage ist ein regelmäßiger Rhythmus der Jahreszeiten. Licht und Dunkelheit. Sonne und Mond.

Der Mond über der Stille der Landschaft, dessen Schein jetzt ihr Gesicht berührt. Sie erwacht

„Gejaule drang an ihr Ohr“… “Du bist dran“, murmelte Roswitha…

Roswitha liebte es, wenn Karl an der Reihe war, mitten in der Nacht mit dem Hund Gassi zu gehen…“

Der vertraute Weg mit dem Hund. Hundertmal. Auch in der Dunkelheit. Dann aber ein Geräusch und die französische Bulldogge sprintet los. Karl hinterher.

Ein Haus. Licht.

„Er trat näher an das Haus heran und spähte durchs Fenster. Das Licht war gar kein Licht.

Es war Feuer!“

Und dann der Tag. Asche und Tod. x3.

Das Telefon läutet bei Chefinspektor Oskar Stern. Sein Fall.  

Und jetzt hinein in die Tagesidylle rundum und hin zu Asche und Glut und den tödlichen Geheimnissen zwischen Wegen, Mühlen und Abgründen…

Bestsellerautorin Eva Reichl legt einen weiteren Mühlviertler Kriminalroman vor und dieser ist gleichsam ein roter Himmel abgründiger menschlicher Abendämmerung, der strahlend und intensiv Charaktere in sensationeller fesselnder Spannungsdichte zeichnet und in zerreißenden Lebensbanden offenlegt.

Es ist eine ganz feine wie messerscharfe soziale und psychologische literarische Klinge, mit der die in Oberösterreich lebende Autorin in das Herz und den Schmerz, den Zorn und die Rache von Existenz und Gesellschaft, Zeit hinter den typisch Mühlviertler grau-weißen Granitstein-Fassaden –  „Steinbloßstil“ (Steinbloß-Bauweise) – schneidet und zu Tisch, Bett, Stube und allen Abgründen darin blicken lässt und menschliche Fassadenmasken zerreißt.

„Eva Reichl ist die Donna Leon des modernen deutschsprachigen Krimis!“

Mühlviertler Feuer. Eva Reichl. Kriminalroman. Gmeiner Verlag.

320 Seiten, 12,5 x 20,5 cm, Paperback, E-Book

Print 15,50 € / E-Book 11,99 €

ISBN 978-3-8392-8168-0

Fotos: Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreographin _ Wien _ performing „Malina“ _ Walter Pobaschnig 6/25

Foto: Cover _ Verlag

Walter Pobaschnig  10/26

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„Mein Name sei…“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Ana Maria Blanco/Lisa-Marie Lealahabumrung _ Baden Württemberg/D/Wien 14.10.2026

Lisa-Marie Lealahabumrung, Sängerin, singer- songwriter _ Wien _
performing Malina _ Originalschauplatz Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 8/26 f.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz „Malina“ Wien.

MALINA_ Akrostichon

Text _  Ana Maria Blanco, Autorin, Klangkünstlerin und Vokalistin _ Baden Württemberg/D

Performance _  Lisa-Marie Lealahabumrung, Sängerin, singer- songwriter _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

MALINA

M
ein Name sei…

Auch ich schrieb, weil es mich schmerzte

Liebend bin ich ein wir, ein

Ich, dass sich nicht beugen mag,

Nicht um der Liebe willen

An deine Ufer gespült, Atem tauschen, Worte finden

Ana Maria Blanco, 23.8.2026

Lisa-Marie Lealahabumrung, Sängerin, singer- songwriter _ Wien _
performing Malina _ Originalschauplatz Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _

Walter Pobaschnig 8/26

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance Originalschauplatz „Malina“ Wien.

MALINA_ Akrostichon

Text _  Ana Maria Blanco, Autorin, Klangkünstlerin und Vokalistin _ Baden Württemberg/D

Performance _  Lisa-Marie Lealahabumrung, Sängerin, singer- songwriter _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Ana Maria Blanco, Autorin, Klangkünstlerin und Vokalistin
 Lisa-Marie Lealahabumrung, Sängerin, singer- songwriter

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Foto: Ana Maria Blanco _ privat

Fotos: Lisa-Marie Lealahabumrung, Sängerin, singer- songwriter _ Wien _
performing Malina _ Originalschauplatz Wien _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _
Walter Pobaschnig 8/26

Walter Pobaschnig, 23.8.2026

https://literaturoutdoors.com

„Leider wird Bachmann immer aktueller. Rechtskonservative Strömungen verstärken sich, die Frauen sollen wieder ausschließlich im Privaten tätig sein und die Familie zusammenhalten. Sie sollen Kinder bekommen und sich nur äußern, wenn der Mann dies gestattet.“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Ana Maria Blanco, Schriftstellerin _ Baden Württemberg/D 14.10.2026

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann auf der Terrasse in ihrer Wohnung in Rom,
Bocca de Leone, um 1970
Ana Maria Blanco, Autorin,
Klangkünstlerin und Vokalistin

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _  Ana Maria Blanco, Autorin, Klangkünstlerin und Vokalistin _ Baden Württemberg/D

Liebe Ana Maria, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ich habe Ingeborg Bachmann in der Schule kennengelernt. Da ich bereits als kleines Mädchen viel geschrieben und gelesen habe, war ich die Einzige, die der Lyrik im Unterricht etwas abgewinnen konnte. Ich hatte bereits in der Grundschule einen lila Ordner, indem ich alles sammelte, was ich schrieb. Comics, selbstgebastelte Schatzkarten, Theaterstücke-kamen später dazu-Rätsel, Bilder und Gedichte. Es war ein Mitbringsel meines Vaters aus der Joghurt-Fabrik, in der er damals arbeitete. Zwei meine Texte wurden in der Heilbronner Stimme veröffentlicht, da war ich in der 10.Klasse.

Ingeborg Bachmanns Rolle in der Aufarbeitung der Nationalsozialistischen Diktatur und der anhaltenden verkrusteten Machtstrukturen, die nicht zuletzt die wirkliche Emanzipation der Frau, und auch und vor allem der künstlerisch tätigen Frau, behinderten, war in ihren Texten allgegenwärtig und hat mich sehr beeindruckt.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Ingeborg Bachmanns Texte sind sprachlich präzise und gleichzeitig bildreich metaphorisch. Sie ermöglichen damit einen intellektuellen und gleichzeitig einen unmittelbar emotionalen Zugang.

Ihre Texte sind zeitlos, es ist erstaunlich, dass trotz des immanenten Zeitbezugs ihre Texte auch heute noch mit den Lesern in Beziehung treten. Ich habe mich immer stark von ihren Natur-Metaphern und Bildern angesprochen gefühlt. Sie sind auch ein wesentliches Element in meinen Texten. Obwohl der Mensch ein Homo technicus geworden ist im Zeitalter des Transhumanismus, holen uns Sterblichkeit, Krankheit und Naturkatastrophen immer wieder auf den Boden unseres allzu fleischlichen Körpers. Wir existieren nur scheinbar abgekoppelt von der Natur. Hat der der gläubige Mensch seine Unsterblichkeit im transzendentalen Ewigkeitsversprechen monotheistischer Religionen gesucht, glaubt der Homo technicus seine Verletzlichkeit mit den Mitteln der Medizintechnologie zu bannen. Wann hört der Mensch auf, Mensch zu sein? Spätestens dann, wenn seine Gedanken, Wünsche und Werke in einer Cloud gespeichert sind? Wie im philosophischen Dilemma „ Schiff des Theseus“ ergeben sich existenzielle Fragen nach dem Überleben des Subjekts.

Ingeborg Bachmanns Texte führen uns vor Augen, dass der Mensch immer noch ein „Homo natura“ ist. Mit dem Einbrechen der Nacht kommen die Zweifel und die Angst „meine Zweifel, bitter und ungestillt“ eine Zeile aus „Dem Abend gesagt“ in sämtliche Gedichte, Piper Verlag.
Nietzsche hat den Begriff des „Homo natura“ geprägt und wies uns darauf hin, dass wir nicht nur Geistwesen sind, sondern auch Natur- und Körperwesen.
Hier soll sich der Mensch zwar eben nicht nur als animalisches Prinzip erweisen, sondern durch den „Willen zur Macht“ als Mensch selbst erschaffen, um überhaupt als ein Subjekt in der Natur zu existieren. Nur der Wille zur Transformation und Entwicklung macht aus Homo ein Homo natura. Der „Wille zur Macht“ wurde ja im Nationalsozialismus pervertiert und umgedeutet. Nietzsche meinte allerdings nicht die Idee einer Herrenrasse, die alles vernichtet was nicht ins Konzept passt, sondern die Schaffenskraft des Menschen, die den Menschen erst zum Menschen macht.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Sämtliche Gedichte, erschienen im Piper Verlang :„Die gestundete Zeit“, 1953 erschienen, ist eines meiner Lieblingsgedichte. Enthalten ist auch der Band „Anrufung des Großen Bären“.
„Wir haben es nicht gut gemacht“ .Der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch.

Hinweisen möchte ich auch auf ihre Hörspiele, die um 1989 im SWR 2 liefen: Zitat: https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:episode:923b4fd198955190/:
“Ingeborg Bachmann schuf drei bedeutende Original-Hörspiele, die als Klassiker der Literaturgeschichte gelten. Ihre Werke prägten das moderne Hörspiel als eigenständige Kunstform“.

 Der gute Gott von Manhattan (1958) und Die Zikaden (1955).

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Leider wird sie immer aktueller. Rechtskonservative Strömungen verstärken sich, die Frauen sollen wieder ausschließlich im Privaten tätig sein und die Familie zusammenhalten. Sie sollen Kinder bekommen und sich nur äußern, wenn der Mann dies gestattet. In Afghanistan erleben wir, dass eine Frau weder singen, noch sonst irgendwie in der Öffentlichkeit präsent sein darf. Das Netz ist voll mit irgendwelchen Alpha-Männern, die eine Form der Maskulinität befeuern, die sich durch Gewalt und Dominanz äußert. Statt im Einklang mit der Natur zu leben, wird gegen die Natur gelebt. Klimakrisen und Zerstörung der Lebensgrundlagen werden geleugnet für ein „wir machen weiter wie bisher“. Die Welt ginge auch morgen nicht unter, sagte Minister Friedrich Merz unlängst.

Alte Männer führen wieder Krieg gegeneinander, statt auf Kooperation und Verständigung zu setzen.
Während Frauen etwas verändern möchten- Fridays for Future hat, neben Luisa Neubauer und Greta Thunberg ( kontroverse öffentliche Person), viele Frauen als Mitglieder- werden aktuell reaktionäre Kräfte mit völkischem Denken immer stärker. Allerdings muss ich auch anmerken, dass nicht wenige Frauen sich der AfD anschließen und Trump auch von vielen Frauen gewählt wurde. Eine Katastrophe!

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Wir leben immer noch zwischen dem Wunsch nach inniger Bindung und dem Bedürfnis nach Selbstständigkeit und Selbstbehauptung. Liebe erfordert Hingabe und genau dann sind wir alle am Verwundbarsten. Literatur braucht auch Hingabe, sich mit allem was man hat und ist, ins Geschehen zu werfen. Das macht Künstler so verletzlich.

Gerade in Beziehungen, die von Künstlern und Musikern geführt werden, ist die schreibende Frau auch immer Konkurrentin. In dem Film(2023) „Anatomie eines Falls“ mit Sandra Hüller, erleben wir, wie die Schriftstellerin und ihr Werk in der Gerichtsverhandlung seziert werden und der Konflikt des Schriftstellerpaares mit der fiktionalen Welt der Literatur kollidiert und verschmilzt. Während die Schriftstellerin immer erfolgreicher wird, leidet ihr Mann an einer Schreibblockade. Ist der Tod des Mannes ein Unfall oder wurde er von seiner Frau getötet? Die bisexuelle Autorin wird vom Staatsanwalt als egoistisch und streitlustig dargestellt, privateste Aufnahmen in der Öffentlichkeit verhandelt.
Die Rollenverteilung und Machtverhältnisse sind in gleichberechtigten Beziehungen Verhandlungsmasse und eine Schriftstellerin, gerade wenn erfolgreich, scheint eine Provokation der Evolution zu sein.

Das Selbstverständnis des Mannes, ist oftmals das eines Eroberers, der sich seiner Frau nur dann gewiss zu sein scheint, wenn diese sich ihm unterordnet. Das widerstrebt der Schriftstellerin.
Im veröffentlichten Briefwechsel von Ingeborg Bachmann und Max Frisch (Wir haben es nicht gut gemacht) erscheint ja der Dialog, dass Frisch der Herr sei und Bachmann die Magd.

Dies ergab sich während einer schweren Krise im Sommer 1959, als die ungleiche Rollenverteilung in ihrer Beziehung im Briefverkehr thematisiert wurde.

Die Begriffe „Herr“ und „Magd“ gehen wohl auf eine von Frisch eingebrachte Metaphorik zurück. Bachmann wehrt sich in einem Brief dagegen, dieses destruktive Machtgefälle aufrecht zu erhalten („Lass uns also nicht Herr und Magd spielen!“), während Frisch entgegnet, er wolle nicht ihr Herr sein.

Simone de Beauvoir und Paul Sartre siezten sich und auf de Beauvoir geht die berühmte Aussage zurück „On ne naît pas femme: on le devient.“ Das lässt sich übersetzen in„Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg
Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

In den Nachkriegsjahren war Ingeborg Bachmann sicherlich eine Pionierin der Literatur im deutschsprachigem Raum. Schreiben findet nicht in der Öffentlichkeit statt und setzt einen gewissen Willen zur Emanzipation von bekanntem und etabliertem voraus. Schreiben gleicht einem Blindflug in unwegsamen Terrain.

Im stetigen Dialog mit sich selbst, um eine neue Sprache ringend, die gleichzeitig von anderen verstanden werden muss, findet eine Entgrenzung statt, eine Entäußerung, die mit Vertrautem bricht. Das alles ohne Netz und doppeltem Boden und damals in der Stille, die nur vom Geklapper der Schreibmaschine begleitet wird.

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Ihre Genussfähigkeit, ihren Mut, ihre Bereitschaft Risiken einzugehen und all das in eine Sprache zu kleiden, die immer noch berührt.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich hätte gerne gewusst, ob sie, neben ihren Erfolgen und der Anerkennung durch die bedeutenden literarischen Zirkel, einsam gewesen ist.
Mich würde es auch interessieren, wie hart es war, sich als Frau zu behaupten, die alle die Forderungen, wie eine Frau zu sein habe, unterlief. Die in Italien lebte, liebte und schrieb und mit einem der bekanntesten Schriftsteller seiner Zeit eine On- Off- Beziehung hatte und sich seiner Kritik und auch Anerkennung stellte.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich arbeite an mehreren Gedichtzyklen „ Die Farben des Wassers“ , „Alltagsfriktion“ und „Kriege“. Gleichzeitig schreibe ich an einem Buch, das sich mit den Themen Migration und Gewalterfahrungen auseinandersetzt. Ich nehme auch immer wieder an Preisen und Ausschreibungen teil.

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?

Im Wintersemester 1959/60 hielt Ingeborg Bachmann als erste Dichterin überhaupt die neu ins Leben gerufene Frankfurter Poetikvorlesung an der Johann Wolfgang-Goethe-Universität. Unter dem Titel „Probleme zeitgenössischer Dichtung“ hielt sie fünf wegweisende Vorträge, die ihre ästhetischen Überzeugungen und ihre strenge Sprachmoral definieren.

„Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht.“ Ingeborg Bachmann äußerte diesen Satz im Jahr 1959 in ihren Frankfurter Poetikvorlesungen (Vorlesung „Figuren und Scheinfragen“).

Herzlichen Dank für das Interview!

Ana Maria Blanco, Autorin,
Klangkünstlerin und Vokalistin

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Ana Maria Blanco _ privat

Walter Pobaschnig, 23.8.2026

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