„eine bis zum Letzten entschlossene Sprache“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Heinz Kröpfl, Schriftsteller _ St,Michael/Stm. 23.2.2026

Ingeborg Bachmann _ Heinz Kröpfl
Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in der Bocca de Leone/Rom, um 1970

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _  Heinz Kröpfl, Schriftsteller

Lieber Heinz, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ich habe sie eher spät gelesen, das eine oder andere Gedicht zwischendurch, und 2013 dann ihren Roman „Malina“ entdeckt. Ein Buch, das mich sehr berührt und beeindruckt hat.

Ob ich in meiner Schulzeit am Stiftsgymnasium Admont mit der Literatur von Ingeborg Bachmann in Berührung gekommen bin, kann ich mich nicht erinnern – nebenbei, mit der „Todesfuge“ von Paul Celan hingegen, mit dem sie ja eine Liebesbeziehung unterhielt, aber sehr wohl, die Wendung „schwarze Milch“ ist mir seither unvergesslich geblieben.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Für mich ist das die bis zum Letzten entschlossene und zugleich fragil wirkende Poesie ihrer Sprache sowie dass sie aus der Singularität des Individuellen bzw. des erzählerischen Ichs Gleichnisse des Allgemeingültigen geschaffen hat, die kompromisslos in die Tiefe der menschlichen Existenz gehen. Natursymbolik und Sprachgewalt verstärken die Anschaulichkeit und Aussagekraft insbesondere ihrer Lyrik.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Da ich selbst immer wieder eine gewisse Vorliebe für biblische Themen und Motive in meiner Literatur habe, möchte ich das Gedicht „Die gestundete Zeit“ als ein Beispiel anführen. Es beeindruckt mich auch deshalb bei jedem Lesen dermaßen gewaltig aufs Neue, da es in knapper, doch nicht hermetischer Sprache neben mythologischen Motiven den Abschied mit dem Verbot des Umsehens verknüpft, das Lot beim Verlassen von Sodom auferlegt wurde.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerenden wie selbstzerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Diese Aussage ist wohl in erster Linie aus biografischem Erleben und in bewusst provokant-überspitzter Form erfolgt, nehme ich an. Einerseits ist der Polarität dieser Bestandsaufnahme auch heute in gewisser Weise zuzustimmen. Auf der anderen Seite: In einer Welt, in der die Grenzen immer mehr verschwimmen, verschmelzen, sich auflösen und dabei zugleich zahlreicher und individueller werden, ließe sich „Männer“ durchaus auf „Menschen“ erweitern.

In „Malina“, Ingeborg Bachmanns großen und einzigen Roman (1971), stehen Hell und Dunkel der Existenz, die Liebe „es ist immer Krieg“, wie die Traumata eines Landes in Erinnerung von Shoa, Weltkrieg im thematischen Vordergrund. Wie siehst Du ihren literarischen Zugang hier und wie müssen wir heute in Literatur und Existenz mit Geschichte umgehen?

„Malina“ ist ein äußerst vielschichtiges, tiefgründiges und für mich unverhüllt persönliches Buch, fraglos auch ein Dokument der (damals schon vergangenen, aber nicht überwundenen oder verblassten) Zeit und dabei doch großartig zeitlos. Mit „persönliches Buch“ meine ich nicht nur die Persönlichkeit und Person der Autorin selbst, sondern dass es auch in der Lektüre stark in (m)eine persönliche Ebene eindringt.

Zu dem Punkt, wie wir heute in Literatur und Existenz mit Geschichte umgehen müssen: Welch spannende Frage, gerade wenn ich da wieder an das Gedicht „Die gestundete Zeit“ denke, vielmehr an Lots Frau, die das Verbot des Zurückschauens missachtet hat und zur Salzsäule erstarrt ist. Sollten wir daraus irgendwelche Schlüsse ziehen? Und wenn ja, welche?

In der österreichischen Literatur ist (Weltkriegs-)Geschichte derzeit (wieder) sehr präsent. Im persönlichen Bereich erlebe ich das Gegenteil. Wäre es überhaupt legitim, jemandem den Umgang mit Geschichte vorzuschreiben?

Ingeborg Bachmann würde es vielleicht so beantworten wie in „Malina“: „Falls ich die Frage anders verstehen darf, zur Zeit im allgemeinen, zu einer für alle, dann bin ich keine Instanz, nein, ich will sagen, nicht maßgeblich, meine Meinung ist nicht maßgebend, ich habe auch gar keine Meinung.“

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Wenn wir auf die Liebe verzichten, verzichten wir auf Schuld – ist es besser, Schmerz und Wahrheit zu ertragen und mit der Schuld zu leben oder aufgrund der Unmöglichkeit reiner Erfüllung von vornherein auf die Liebe zu verzichten und dadurch auch den zwangsläufigen Schmerz zu vermeiden und die Schuld, die wir auf uns laden und die wir erdulden?

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Am 2. März 2026 erscheint im Verlag Königshausen & Neumann mit dem Roman „Tollwut“ mein achtzehntes Buch. Ich bin in gespannter, freudiger Erwartung!

Auch, aber nicht nur in Verbindung damit stehen schon – gar nicht so wenige – Lesetermine bis gegen Ende des Jahres fest, vorerst einmal in der Steiermark und in Wien. Das geht von Einzellesungen bis hin zu Gruppenlesungen etwa der GAV (Grazer Autorinnen Autorenversammlung).

Daneben habe ich ein neues Romanmanuskript in Arbeit, das – ich spanne den Bogen weiter – von zwei biblischen Themen als Leitmotiv bestimmt ist.

Und ich verfasse immer wieder kurze Texte, Lyrik, die ich dann zum Teil bei Ausschreibungen einreiche – manchmal darf ich mich einer Veröffentlichung erfreuen.

Darf ich abschließend zu einem persönlichen Bachmann Zitat/Text bitten?

„Meine Existenz ist eine andere, ich existiere nur, wenn ich schreibe, ich bin nichts, wenn ich nicht schreibe, ich bin mir selbst vollkommen fremd, aus mir herausgefallen, wenn ich nicht schreibe.“ (Aus der Rede anlässlich der Verleihung des Anton-Wildgans-Preises am 2. Mai 1972)

Herzlichen Dank für das Interview!

Heinz Kröpfl, Schriftsteller

Aktuelle Buchneuerscheinung von Heinz Kröpfl:

Heinz Kröpfl

Tollwut, Roman

ca. 220 Seiten

ISBN: 978-3-8260-9438-5

https://verlag.koenigshausen-neumann.de/product/9783826094385-tollwut/

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Foto: Heinz Kröpfl _ Anuradha Sarup

Foto_ Buch_Verlag.

Walter Pobaschnig, 26.1.2026

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Tollwut, Heinz Kröpfl. Roman. Königshausen&Neumann Verlag

Da ist das Ankommen, der Neubeginn nach dem Herzinfarkt und der Hoffnung auf Ruhe mit Balkon in der neuen Wohnsiedlung.

„Jetzt war er fünfundvierzig. Ein Fußballmatch dauerte regulär neunzig Minuten. Halbzeit also – der Vergleich mit dem Nachmittag des Lebens kam schon hin. Und er fühlte sich bereit dafür, das Spiel vollends zu drehen…“

Und dann die Polizei auf der Suche. Die Stille bricht. Worum geht es da?…Und dann Susanne, die überlegt ob es jetzt mit ihrer kürzlichen online Bekanntschaft zu tun haben könnte….

Was geht hier vor? In dieser Siedlung, die nur auf den ersten Blick eine Idylle zu sein scheint…

Heinz Kröpfl, sehr vielseitiger in Graz lebender Autor, legt einen neuen Roman vor, welcher wiederum die so gelungenen Zutaten von Spannung, Sprachvirtuosität und so großer Erzählkraft in der Verbindung und Verdichtung von Lebens-, Gesellschaftssituationen, in denen nach und nach die Fassaden, Masken zu bröckeln beginnen und das Leben in seiner ganzen Bandbreite von Hell und Dunkel zutage tritt, vereint. Ein Roman, der vom ersten Satz an packt und nicht loslässt.

„Heinz Kröpfl ist ein virtuoser Erzähler, der Spannung und Sprachspiel beeindruckend vereint!“

Tollwut, Heinz Kröpfl. Roman. Königshausen&Neumann Verlag

Broschürt, ca. 220 Seiten

17,00 €

ISBN: 978-3-8260-9438-5 

Walter Pobaschnig 2/26

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„Angst“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Heinz Kröpfl/Ina Solea _ Leoben/Wien 23.2.2026

 Ina Solea, Schauspielerin, Model _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _
Walter Pobaschnig 7/21, folgende _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA _ Akrostichon

Text _ Heinz Kröpfl, Schriftsteller

Performance _ Ina Solea, Schauspielerin, Model

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

MALINA


M
eine alte

Allumfassende Angst

Liegt groß und tief

In einem urtümlichen

Nicht auslöschbaren

Abgrund des Seins

Heinz Kröpfl, 26.1.2026

 Ina Solea, Schauspielerin, Model _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _
Walter Pobaschnig 7/21, folgende _
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA _ Akrostichon

Text _ Heinz Kröpfl, Schriftsteller

Performance _ Ina Solea, Schauspielerin, Model

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Heinz Kröpfl, Schriftsteller
 Ina Solea, Schauspielerin, Model _ Wien

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Foto: Heinz Kröpfl _ Anuradha Sarup

Fotos:  Ina Solea, Schauspielerin, Model _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _ Walter Pobaschnig 7/21

Walter Pobaschnig, 26.1.2026

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„eine eigentlich unmögliche Zeitlosigkeit“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Andreas Unterweger, Schriftsteller _ Graz 22.2.2026

Ingeborg Bachmann _ Andreas Unterweger

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann in ihrer Wohnung in Rom, Bocca de Leone,
um 1970

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Andreas Unterweger, Schriftsteller, Herausgeber der Literaturzeitschrift manuskripte_ Graz

Lieber Andreas, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

In meiner Jugend war Ingeborg Bachmann Teil des innersten literarischen Kanons – als eine der ganz wenigen Frauen. Tatsächlich war sie dermaßen kanonisiert, dass sie eigentlich gar nicht mehr als Autorin galt. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer Exfreundin, das so begann: „Welche Frauen liest du? Und sag jetzt nicht Bachmann!“ Ich habe erst Jahre später verstanden, was sie damit gemeint haben könnte.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch Ulrike Draesners Gedanken zum Überhang männlichen Sprechens in Bachmanns Arbeiten (etwa in Das dreißigste Jahr), auf die ich vor Kurzem in ihrem Essayband Schöne Frauen lesen gestoßen bin. Und ihre Wortschöpfungen „Ingemann“ und „Bachborg“.

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?

In den für mich beeindruckendsten Momenten erreicht Bachmanns Literatur eine eigentlich unmögliche Zeitlosigkeit. Ich meine damit einzelne Sätze oder auch ganze Gedichte, die den Eindruck erwecken, dass es sie „schon immer“ gegeben hat – vergleichbar etwa mit manchen Songs von Bob Dylan, die oft für Traditionals gehalten werden (Blowin‘ in the Wind, I shall be released, Knockin‘ on Heaven’s Door …).

Bei Bachmann entsprächen dem etwa Gedichte wie An die Sonne, Böhmen liegt am Meer, Anrufung des großen Bären, Wahrlich oder Erklär mir, Liebe. Einzelne Sätze oder Motive daraus scheinen mir ins kollektive österreichische Bewusstsein eingegangen zu sein. Ähnlich wie es auch mit Texten des praktisch gleich alten, aber doch so anders schreibenden Ernst Jandl geschehen ist.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Wie bei den meisten waren auch für mich die beiden populären Erzählbände Das dreißigste Jahr und Simultan, die sich in der Bibliothek meiner Eltern fanden, der Einstieg in das Werk Ingeborg Bachmanns. Drei Wege zum See führte mich zu Josef Roth und seinem Märchenslowenischen, bis heute einer meiner Lieblingsschriftsteller, eines meiner Lieblingsthemen.

Und ich erinnere mich, dass mir das Gedicht Reklame als 19- oder 20-jährigem aus der Seele sprach – oder eher in sie hinein. Inhaltlich ist dieser Text pure Avantgarde. Mehr als ein halbes Jahrhundert vor der Nomophobie (Angst, ohne Handy zu sein) stellt es die Gretchenfrage unserer Zeit: „was aber geschieht / […] wenn Totenstille // eintritt?“

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Diesen Aspekt habe ich erst lange nach den ersten Lektüren im vollen Ausmaß begriffen, und ich fürchte, dass die Vehemenz ihrer Kritik heute ebenso angebracht ist, wie sie es damals war.

Zum Glück wird sie in den Arbeiten vieler zeitgenössischer Schriftstellerinnen fortgesetzt, etwa in Hannah K Bründls Gedichtband schilfern (Ritter 2025).

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Das habe ich nie so gesehen, für mich ist das Schreiben, sobald es um den Akt an sich geht, eigentlich pure Freude. Natürlich gibt es Unangenehmes rundherum: das ständige Drübernachdenken (das etwa Hemingway strikt verbietet), dass man nicht genug Geld verdient, manche Kritiker*innen, die Rückenschmerzen … Aber ein „Martyrium“ sieht ganz anders aus, und Wörter wie „asozial“, „einsam“ oder „verdammt“ erinnern eher daran, wie sich z. B. an Depressionen leidende Menschen fühlen, ob sie nun schreiben oder nicht.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich hätte sie gefragt, ob sie den manuskripten bitte einen Text schicken möchte. Neben Thomas Bernhard ist Ingeborg Bachmann die einzige wirklich bedeutsame Stimme der österreichischen Literatur nach 1945, die nicht in unserer Zeitschrift publiziert hat.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Theoretisch schreibe ich an einem Buchessay über die Landschaft südlich von Graz und an einem neuen Gedichtband. In der Praxis stehen freilich jede Menge Auftragstexte an. Darunter ein Kurzessaypingpong mit der ungarischen Autorin Kinga Tóth für die Internationalen Literaturdialoge, ein Manifest mit Max Höfler für die kulturpolitische Notwehr-Plattform #kulturlandretten, ein literarischer Reisebericht über meine Lesereise nach Indien für die Reiseblog-Initiative des Außenministeriums, eine Marginalie für die manuskripte 251, utopische Gedichte für eine Anthologie des Gans Verlages, Variationen über Texte der französischen Renaissancedichterin Louise Labé für das Unabhängige Literaturhaus Niederösterreich, Übersetzungen aus dem Französischen von Salomé Baffrey, Laure Gauthier und Guillaume Métayer sowie Akrosticha für Literatur Outdoors. 😊

Herzlichen Dank für das Interview!

Andreas Unterweger, Schriftsteller,
Herausgeber der Literaturzeitschrift manuskripte_ Graz

Weblinks: https://andreasunterweger.wordpress.com/category/manuskripte/

http://www.andreasunterweger.at/

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Foto: Andreas Unterweger _ Nikolaus Lackner.

Walter Pobaschnig, 1.2.26

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„Mansplain mir, Liebe!“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text/Performance _ Andreas Unterweger/Nataya Sam _ Wien 22.2.2026

Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien _
performing Malina _ Originalschauplatz Wien _
Malina, Ingeborg Bachmann, Roman 1971 _
Walter Pobaschnig, 3/25, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA _ Akrostichon

Text _ Andreas Unterweger, Schriftsteller _ Graz

Performance  _  Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien _
performing Malina _ Originalschauplatz Wien _
Malina, Ingeborg Bachmann, Roman 1971 _
Walter Pobaschnig, 3/25, folgende

MALINA

Mansplain mir, Liebe!

Aber, aber – ich bin doch nicht hysterisch.

Liebe ist männlich

in den Sprachen des Selbstmords, der Liebe …

Niemand, der diesen Satz nicht unterschriebe,

amore, mon amour.

Andreas Unterweger   1-2-26

Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien _
performing Malina _ Originalschauplatz Wien _
Malina, Ingeborg Bachmann, Roman 1971 _
Walter Pobaschnig, 3/25

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962
Andreas Unterweger, Schriftsteller,
Herausgeber der Literaturzeitschrift manuskripte_ Graz
Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien

Weblinks:  https://andreasunterweger.wordpress.com/category/manuskripte/ http://www.andreasunterweger.at/

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Foto: Andreas Unterweger _ Nikolaus Lackner.

Fotos: Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _ Malina, Ingeborg Bachmann, Roman 1971 _
Walter Pobaschnig, 3/25

Walter Pobaschnig, 1.2.26

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„Mangel an Liebe ist“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text&Performance _ Christina Jonke/Nataya Sam _ Wien 21.2.2026

Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _
Malina, Ingeborg Bachmann, Roman 1971 _
Walter Pobaschnig, 3/25, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA_ Akrostichon

Text _  Christina Jonke, Schriftstellerin _ Klagenfurt

Performance _ Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien

Text/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _
Malina, Ingeborg Bachmann, Roman 1971 _
Walter Pobaschnig, 3/25, folgende

MALINA

Mangel

An

Liebe

Ist

Nie

Antwort genug, um Hass zu erklären.

Christina Jonke, 12.1.2026

Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _
Malina, Ingeborg Bachmann, Roman 1971 _
Walter Pobaschnig, 3/25
.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

MALINA_ Akrostichon

Text _  Christina Jonke, Schriftstellerin _ Klagenfurt

Performance _ Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien

Text/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Christina Jonke, Schriftstellerin
Nataya Sam, Schauspielerin

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Foto: Christina Jonke _ privat.

Fotos: Nataya Sam, Schauspielerin _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _
Malina, Ingeborg Bachmann, Roman 1971 _ Walter Pobaschnig, 3/25
.

Walter Pobaschnig 12.1.26

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„An Ingeborg Bachmann kommt man nicht vorbei“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Christina Jonke, Schriftstellerin _ Klagenfurt 21.2.2026

Ingeborg Bachmann _ Christina Jonke

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Christina Jonke, Schriftstellerin _ Klagenfurt

Liebe Christina, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

An Ingeborg Bachmann kommt man nicht vorbei – und das ist gut so. Ich finde es großartig, dass wir dieser spannenden Literatin hier in Klagenfurt mittlerweile ganzjährig begegnen: Zitate aus ihrem Werk zieren Liegestühle, die im öffentlichen Raum zum Verweilen einladen. Stetig werde ich daran erinnert, dass ich mich wieder einmal intensiver mit ihren Gedichten beschäftigen möchte. Ich dem nachspüren möchte, wie sich mein Zugang über die Jahre vielleicht verändert hat.

Klagenfurt _ Bachmannpreis 2025

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?

Ingeborg Bachmanns Figurenführung erscheinen mir mal schemenhaft, mal traumwandelnd und sind doch so dicht gewebt, dass sie mich nicht so schnell loslassen. Sie erzeugen Lust, sich mit ihnen zu beschäftigen. 

Bachmannpreis 2025 _ letzte Vorbereitungen für die Eröffnung im ORF Studio Klagenfurt: Hier finden auch Lesungen/Diskussion statt.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Persönlich bin ich besonders von dem Hörspiel „Geschäft mit Träumen“ fasziniert, das einerseits märchenhafte Züge hat und dann doch wieder so in die Realität transponiert werden kann.

Alles bereit für den Bachmannpreis 2025 im ORF Garten

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Sie hat immer noch Recht, denn Geschlechtergerechtigkeit gibt es immer noch nicht, auch wenn Frauen zumindest vordergründig gleichgestellt werden sollen. Noch immer sind sie aber sowohl in Führungsetagen, in akademisch-freiberuflichen Branchen als auch in Kunst und Kultur an maßgeblichen Stellen unterrepräsentiert. Themen der weiblichen Gesellschaftsrealität werden von patriarchalen Struktur-Erhaltern immer noch als irrelevant, hysterisch oder privat abgetan.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Die Arbeit in der Kunst ist ganz oft eine einsame, in Literatur, bildender Kunst, Komposition. Das Gebären braucht Konzentration, nach Innen schauen und hören. Erst in einem weiteren Schritt kommen andere Menschen dazu, was aber noch lange nicht heißt, dass diese neue Kunst auf Verständnis, Interesse oder gar Liebe stößt. Genau da fängt das Martyrium meines Erachtens an: Kunst ist Kommunikation, stößt aber immer wieder auf Schweigen. Das schmerzt. Unverständnis und Ablehnung schmerzen.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

„Würde es Sie glücklich machen zu sehen, wie sehr Sie heute als Literatin hofiert und verehrt werden? Oder macht es für Ihr Schaffen ohnehin keinen Unterschied?“

Letzte Ruhestätte von Ingeborg Bachmann im Familiengrab in Klagenfurt/Annabichl

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Aufgrund der extrem prekären finanziellen Situation im Kulturbereich in Kärnten habe ich mich mit Kolleginnen und Kollegen auf das weniger aufwändig zu gestaltende LeseTheater verlegt. In diesem Zusammenhang zeigen wir am Tag des 100. Geburtstags von Ingeborg Bachmann (25. Juni 2026) „Der gute Gott von Manhattan“.

Ingeborg Bachmann _ Fotografien von Heinz Bachmann, Rom 1962 _Ausstellung Musilmuseum Klagenfurt 2016 _

Herzlichen Dank für das Interview!

Christina Jonke, Schriftstellerin

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Foto: Christina Jonke _ privat.

Fotos: Bachmannpreis 2025/Klagenfurt/ORF _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig   1_26

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„Umflossene Nixe“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _  Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien 20.2.2026

Barbara Deissenberger _ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien 19.1.2026 _
Undine geht, Ingeborg Bachmann, 1961 _
Walter Pobaschnig, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text&Performance _ Barbara Deissenberger, Schriftstellerin  _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Barbara Deissenberger _ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien 19.1.2026 _
Undine geht, Ingeborg Bachmann, 1961 _
Walter Pobaschnig, folgende

UNDINE GEHT


U
mflossene

Nixe

Durchtauche

Ich

Nereidens

Eisvögel


Gratwanderin

Eines

Herzstillstehenden

Tods


Barbara Deissenberger, 29.1.2026

Barbara Deissenberger _ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien 19.1.2026 _
Undine geht, Ingeborg Bachmann, 1961 _
Walter Pobaschnig

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text&Performance _ Barbara Deissenberger, Schriftstellerin  _ Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

 Barbara Deissenberger, Schriftstellerin  _ Wien

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Fotos: Barbara Deissenberger _ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien 19.1.2026 _
Undine geht, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 29.1.26

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„als  Harnisch gegen die Sprach- und Gedankenverarmung“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien 20.2.2026

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _  Barbara Deissenberger, Schriftstellerin

Liebe Barbara, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

Ich habe vor allem während des Literaturwissenschaftsstudiums viel von ihr gelesen. Aber nicht, um ihre Texte für Arbeiten zu analysieren, sondern nur für mich. Begonnen habe ich mit den Kurzgeschichten, die mich sofort in ihre hochpräzise und hochpoetische Weltwahrnehmung – sowohl im Emotionalen als auch im Rationalen – hineinzogen. Es folgte „Malina“, das mich nicht nur vom Inhalt, sondern auch von der Struktur her fasziniert: diese Kombination vieler verschiedener Elemente in einem Roman: fragmentarische Telefongespräche, Interviewantworten auf Fragen, die man nicht immer erfährt, Musikfragmente, Märcheneinschübe, Briefantworten, Gedichte, Geschichtenanfänge, Traumvariationen, Zeitungs- und Radionachrichten  … – O.K. man merkt, ich kann auch privat ein gewisses Analysieren nicht lassen. Aber Bachmanns Texte fordern das heraus. Sie war ja auch promovierte Philosophin. Ihre Texte sind komplex strukturiert und sie verdichtet abstrakte Reflexionen in literarischer Form darin. „Malina“ ist der erste Band der von ihr geplanten Todesarten-Triologie. Auch darin findet sich in hochkonzentrierter Form viel von der vorangegangenen Sprach-und Gedankenarbeit für den ganzen Romanzyklus wieder. Nach Bachmanns Prosatexten stieß ich auf ihre Hörspiele. Erst später begann ich ihre Lyrik zu lesen, diese dafür immer wieder: als  Harnisch gegen die Sprach- und Gedankenverarmung unseres Überinformations-Zeitalters, zum Aufrichten in Krisen, zum Innehalten in Genuss und als Erinnerung daran, was zählt im Menschenleben.

Barbara Deissenberger _ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien 19.1.2026 _
Undine geht, Ingeborg Bachmann, 1961 _
Walter Pobaschnig, folgende

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?

Die Verbindung eines präzisen, höchst ausgebildeten Intellekts mit hoher Emotionalität, Empathiefähigkeit und scheinbar unbegrenzten poetischen Ausdrucks- und Darstellungsmöglichkeiten, auch in anderen Sprachen. Letzteres zeigt sich etwa in Text-Einsprengseln aus dem Slowenischen, Italienischen, Ungarischen, Französischen und Englischen. 

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Ich finde, die Kurzgeschichten „Jugend in einer österreichischen Stadt“, „Unter Mördern und Irren“ und „Undine geht“, ihr Roman „Malina“ und das Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ sollten in jedem offiziellen und inoffiziellen Bildungskanon deutschsprachiger Schulen aufgenommen werden.

Als Schriftstellerin und Mensch berührt mich außerdem immer wieder auch ihr Gedicht “Mein Vogel“. Hier einige Zeilen daraus:

Was auch geschieht:

die verheerte Welt sinkt in die Dämmerung zurück,

einen Schlaftrunk halten ihr die Wälder bereit,

und vom Turm, den der Wächter verliess,

blicken ruhig und stet die Augen der Eule herab.

Was auch geschieht:
du weißt deine Zeit, mein Vogel,
nimmst deinen Schleier und fliegst durch den Nebel zu mir.

(…)

Mein eisgrauer Schultergenoss, meine Waffe,

mit jener Feder besteckt, meiner einzigen Waffe!

Mein einziger Schmuck: Schleier und Feder von dir.

Diese Zeilen sind – wie fast alles von Bachmann – zeitlos und geben mir Halt, wenn rundherum die Welt in Krisen zusammenzubrechen scheint. „Was auch geschieht …“ – Die Hoffnung auf ein Ausatmen, Ruhe und einen neuen Tag soll bleiben und eine Kunst, die auch die meine sein darf, zu mir kommen.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Diese  pauschale Gültigkeit sehe ich heute in vielen Ländern unserer Zivilisation nicht mehr. Wo der Wille zur Entwicklung, eine gewissen Offenheit und womöglich noch das Zusammenleben mit einer Frau da sind, können die blinden Flecken im  androzentrischen Weltbild eines Mann schon „geheilt“ werden. Empathie kann man weitergeben und bis zu einem gewissen Grad auch lernen. Das schreibe ich als Mutter eines Sohns. Wenn das, was man heute social skills nennt, höher geschätzt würde als Konkurrenz- und Leistungsdenken, könnte es sich auch durchsetzen. Damit wäre viel gewonnen. Es sind nicht alle Männer unheilbar krank, aber das Patriarchat als Gesellschaftssystem eines Großteils unserer Welt ist womöglich unausrottbar. Selbst wenn es mit imperialistisch-ökonomischen Dominanz-Strukturen den Planeten soweit zerstört hätte, dass das Leben aller zum reinen Überleben wird, könnte das Recht des Stärkeren (weiter) regieren bis zum Ende. Da bin ich pessimistisch.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Nein, sicher nicht. Bachmann beschrieb mit solchen Aussagen wohl eher die Reaktionen und Zuschreibungen der Gesellschaft auf eine Schriftstellerin in ihrer Zeit. Verdammt, einsam und asozial wird man doch durch die anderen: ein Fremdbild verzerrt im vermeintlichen Spiegel eines Selbstbilds. Sie sagte ja auch: „Ich existiere nur, wenn ich schreibe.“ Damit drückt sie die Notwendigkeit aus, die manche Menschen scheinbar mehr als andere dazu treibt, eine bestimmte Kunst zu schaffen. Für mich ist es seelische und geistige Bereicherung, Kunst betreiben zu können. Und ein Luxus, weil ich materiell nicht davon leben kann.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ohne Ihr Werk wäre die Welt ärmer und viele aus dieser Generation könnten sagen: „Wir haben es damals nicht besser gewusst.“ Mit Ihrem Schreiben aber haben Sie einen sprachgewaltigen Wall des Wissens dagegen errichtet. Ich danke Ihnen.

Fragen würde ich sie: „Warum haben Sie sich/Ihrem Körper das angetan?“

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Mein neues Roman-Manuskript aus dem Genre Climate Fiction erwartet noch den letzten Schliff und wird hoffentlich im nächsten Jahr publiziert. Aktuell schreibe ich an zwei kurzen Texten, um mich für einen Preis und für eine Lesung zu bewerben. Danach möchte ich mich meinem ersten Lyrik-Band widmen. Sobald das bestehende Roman-Manuskript unter Dach und Fach ist, werde ich wohl auch frei genug sein, um den nächsten Roman zu beginnen. Die Idee dafür habe ich schon. Er würde sich diesmal unter anderem stark um Musik drehen – auch eine Kunst, die ich in meinem Leben nicht missen möchte.

Barbara Deissenberger _ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien 19.1.2026 _
Undine geht, Ingeborg Bachmann, 1961 _
Walter Pobaschnig, folgende

Herzlichen Dank für das Interview!

Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Fotos: Barbara Deissenberger _ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien 19.1.2026 _
Undine geht, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 29.1.26

https://literaturoutdoors.com

„eine Neukomposition von Sprache“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Harald Kappel, Schriftsteller _ Aachen 19.2.2026

Ingeborg Bachmann _ Harald Kappel

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann auf der Terrasse in ihrer Wohnung Bocca de Leone, Rom

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Harald Kappel, Schriftsteller

Lieber Harald, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ihre Lyrik ist hochmusikalisch. Es gibt Pausen, harte Schnitte, Rhythmisierungen, Wiederholungen. Man könnte sie auch als Partituren bezeichnen. Der Atem bricht an der richtigen Stelle und wird zum Widerstand gegen sich selbst.

Dies ist für mich nicht nur ein Zugang, denn mein letzter Gedichtband „KárKár“ basiert auf Onomatopoesie, Lauten und musikalischen Textrhythmen.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Ihre Rolle als Verwüsterin des Inneren bei gleichzeitiger Neukomposition der Sprache.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

„Die gestundete Zeit“…weil man hier die Gedichte hören muss, um ihre Spannung, ihren Rhythmus und ihre Liedartigkeit zu fühlen.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden wie selbstzerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Das Patriarchat tritt in ihren Texten als unsichtbare Gewalt auf. Ihre Sprache wird zu Tatorten. Es ist keine körperliche Gewalt notwendig, um Täter zu sein. M.E. hat sich bis heute in den meisten Ländern nicht allzu viel geändert. Manchmal scheint es sogar das Gegenteil zu sein.

In „Malina“, Ingeborg Bachmanns großen und einzigen Roman (1971), stehen Hell und Dunkel der Existenz, die Liebe „es ist immer Krieg“, wie die Traumata eines Landes in Erinnerung von Shoa, Weltkrieg im thematischen Vordergrund. Wie siehst Du ihren literarischen Zugang hier und wie müssen wir heute in Literatur und Existenz mit Geschichte umgehen?

Chronologien bestehen aus Lügen und werden von den Mächtigen für ihre Zwecke umgedeutet. Die Geschichte ist kein Hintergrund, sondern der Täter. Die Literatur muss weh tun, sie darf die Historie nicht beruhigen, weder die aktuelle, noch die vergangene und auch nicht die zukünftige.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Wenn ich ihre Gedichte nachspreche, verändert sich meine Stimme.

Und warum hat ihnen das Lieben so weh getan? Warum?

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich habe einen neuen Gedichtband abgeschlossen, der zur Leipziger Buchmesse 2027 im wunderbaren kul-ja!publishing Verlag erscheint.

Ein kleines Kinderbuch ist letzte Woche fertig geworden und begibt sich (hoffentlich) auch auf eine literarische Reise…und ganz aktuell arbeite ich an einem Roman, der meine Gedanken sehr beschäftigt. (…es geht um Raum und Zeit, das Ich und das Verschwinden…)

Darf ich abschließend zu einem persönlichen Bachmann Zitat/Text bitten? Dann natürlich:

„Ich weiß nicht, wer ich bin, ich weiß nur, dass ich verschwinde.“

Herzlichen Dank für das Interview!

Harald Kappel, Schriftsteller

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze.

Foto: Harald Kappel _ Künstlerin „Márti“

Walter Pobaschnig   3.2.2026

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