Lisa-Marie Bachlechner, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina am Originalschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 7/21
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance Originalschauplatz „Malina“ Wien.
Performance _Lisa-Marie Bachlechner, Schauspielerin_ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Lisa-Marie Bachlechner, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina am Originalschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 7/21
MALINA
M E T A L L E
A B G R U N D
L U F T
I H R
N I R G E N D W O
A L S
Hannah Dübgen, 23.4.2026
Lisa-Marie Bachlechner, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina am Originalschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 7/21
Lisa-Marie Bachlechner, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina am Originalschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 7/21
Originalschauplatz Malina _ Wien
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance Originalschauplatz „Malina“ Wien.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Hannah Dübgen, Schriftstellerin, Dramaturgin _ Berlin
Lisa-Marie Bachlechner, Schauspielerin_ Wien _ Romanschauplatz Malina _ Wien
Es ist eines der ganz großen, nicht nur literarischen, Jubiläen in diesem Jahr – der 100.Geburtstag von Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin, geboren am 25.6.1926 in Klagenfurt, gestorben an einem tragischen Brandunfall am 17.Oktober in Rom, beigesetzt im Familiengrab im Friedhof Annabichl/Klagenfurt.
Ingeborg Bachmann ist zu einer Chiffre von Freiheit und Mut in allen Lebens-, Liebes-, Gesellschaftsbereichen geworden. Es ist ein Name, ein Werk, ein Leben, das weit über das Wort ausstrahlt und wesentliche Parameter moderner Existenz-, Gesellschaftskritik und -analyse, in sich birgt und in Diskussion weiterträgt. Eine Stimme, die Wahrheit in Denken und Sein einfordert und dies in jeder Generation neu inspiriert. Ein Frauenleben das Beziehungsschalen, -gitter zertrümmert und diesen eine Vision von Liebe als Utopie entgegenstellt „ein Tag wird kommen“. Eine Sprachvirtuosin, die das Aufbrechen in neue Worte als wesentliche Mitte jeder Gesellschaft in Emanzipation und Freiheit postuliert.
Andrea Stoll legt nun eine umfassende Biographie Ingeborg Bachmanns vor, die in der Familie, Kindheitstagen ansetzt und über die weiteren Stationen von Leben und Werk einen beeindruckenden Bogen an Information zu Existenz-, Familien-, Gesellschafts- und Kulturgeschichte spannt, der vor allem in seiner narrativen Zusammenschau einzigartig ist. Es entsteht einem Gemälde gleich eine Zusammenfügung unterschiedlichster Farbtöne eines Lebens und die sehr versierte Autorin setzt dazu einen Rahmen, der sich in großer Sensibilität und Zuwendung auszeichnet. Es geht hier nicht um die Sensation, um neue Schlussfolgerungen und Interpretationen, Spekulationen zu biographischen Leerstellen, vielmehr ist es gleichsam ein zur Ruhe kommen eines literarischen und persönlichen Lebens im Sturm, auch des Nachlebens, das hier zum großen Gedenkjahr gerundet wird.
Zahlreiche Fotos begleiten die in 22.Kapitel gut strukturierte Biographie und ein ausführlicher Anhang bietet Erklärungen, Erläuterungen wie weiterführende Infos.
„Andrea Stolls Bachmann Biographie beeindruckt in Wissen und Sensibilität in außerordentlicher Erzählkraft!“
„Zwei Menschen sind in mir“ Ingeborg Bachmann. Die Biografie | Zum 100. Geburtstag der Dichterin. Andrea Stoll. Piper Verlag.
im Interview _ Michael Augustin, Schriftsteller _ Bremen.
Lieber Michael, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ich habe ihre Gedichte ja schon als Schüler gelesen, Ende der Sechzigerjahre in Lübeck, wo sie übrigens im März 1966 mal für den Norddeutschen Rundfunk öffentlich aus dem Manuskript ihrer Todesarten vorgetragen hat. Die Aufnahme gibt es noch im Deutschen Rundfunkarchiv und im Archiv des NDR. Aber da war ich als fast 13jähriger noch nicht wirklich fit für Veranstaltungen solcher Art, obwohl mir unvergessen ist, wie just in jener Zeit Bachmanns Kollege Hans Erich Nossack bei uns in der Schule gelesen hat aus seinem ungeheuerlichen Buch Der Untergang. Darin ging es zwar um den verheerenden Feuersturm nach der Bombardierung der Stadt Hamburg 1943, wovon ich natürlich aus den Erzählungen meiner Hamburger Großtante Grete wusste, aber was der Bombenkrieg in meiner Heimatstadt Lübeck angerichtet hat, das habe ich first hand aus den Erzählungen meiner Mutter erfahren, die ja dabei gewesen ist als Kind. Auch in den Sechzigerjahren waren die Kriegsspuren für jeden lesbar im Stadtbild. Aus dem Fenster meines Klassenzimmers in der Schule, in der Nossack uns damals vorlas, konnten wir auf die Trümmer einiger Backsteinmauern blicken, die zu noch längst nicht wiederaufgebauten Teilen des Lübecker Doms gehörten. Und obendrauf, das seh ich noch vor mir, waren seit Kriegsende ein paar Bäumchen gewachsen. Warum erzähle ich das? Weil diese eigenen Beobachtungen damals, die verbliebenen Trümmer, die noch frischen Erinnerungen meiner Mutter und meiner Großeltern, das Holzbein eines Nachbarn, die für Kriegsversehrte reservierten Plätze in den Stadtbussen und die spärlichen, nur widerstrebend abgegebenen Kriegsberichte meines (wie Ingeborg Bachmann 1926 geborenen) Vaters, der als 18jähriger noch Soldat werden musste und seine ostpreußische Heimatstadt Tilsit nie wiedergesehen hat – weil all das mein Bewusstsein als Nachkriegskind, als Nachgeborener geprägt hat und mir damit Tür und Tor geöffnet hat zu den Gedichten Ingeborg Bachmanns. Was mir aber möglicherweise erst viel später in dieser Deutlichkeit bewusst geworden ist. Wohl noch nicht in Lübeck damals. Aber doch schon in Kiel, wo ich 1972 mein Abitur gemacht habe und wo mir klar wurde, dass für mich ein Leben ohne Gedichte nicht infrage kommt.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Der Sound, ja, es ist der Sound, der Ton, der Klang, auch der Rhythmus. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich ihre Gedichte wohl gelesen haben mag, bevor ich sie zum ersten Mal im O-Ton hören konnte. Gedichte habe ich immer laut gelesen zu Hause, wenn ich mir einen Lyrikband aus der Bibliothek geholt oder vom Taschengeld zusammengespart hatte. Angefangen mit Brecht, Günter Eich, Johannes Bobrowski, Ilse Aichinger, Johannes Schenk, Enzensberger, auch Günter Grass, Marie Luise Kaschnitz, Günter Kunert, Sylvia Plath, Reiner Kunze, Rolf Dieter Brinkmann, Richard Brautigan, Ferlinghetti und eben Ingeborg Bachmann. Für die Jüngeren heute kaum vorstellbar, dass man damals nicht einfach Youtube oder Lyrikline konsultieren konnte, wenn einem der Sinn nach einer O-Ton-Autorenlesung stand. Der helle Wahnsinn, als ich im Kieler Amerikahaus zum ersten Mal auf nicht ausleihbarer Schallplatte gehört habe, wie T.S.Eliot sein Gedicht The Waste Land liest! Und Dylan Thomas erst! Was für ein akustischer Vulkanausbruch! Wir hatten Glück in Kiel, denn der Buchhändler Cordes war berühmt für die von ihm in schöner Regelmäßigkeit veranstalteten Autorenlesungen. Erich Fried, Peter Handke, Günter Grass, Elias Canetti, Peter Bichsel, Uwe Johnson, sogar Haldor Laxness durften wir mit roten Ohren lauschen. Viel Prosa, aber eben auch viel Lyrik, Gedichte vom Allerbesten. Ingeborg Bachmann war nicht darunter. Vielleicht habe ich sie verpasst? Jedenfalls habe ich sie niemals live erlebt, auch Celan nicht oder Jandl. Ich muss also noch ziemlich lange meinen eigenen, meinen selbstgemachten Bachmann-Sound in Kopf und Mund gehabt haben, wenn ich ihre Gedichte vom Blatt las. Ich weiß nicht mehr, wann ich dann zum ersten Mal ihre Stimme gehört habe. Aber ich weiß, dass ich diese Stimme niemals wieder aus dem Kopf bekommen werde. Egal, welche Seite ihrer wohlfeilen Werkausgabe ich auch aufschlage: es ertönt, eindringlich und klar ihre Stimme, die alles verrät über sie, über ihre Prosa und über ihre Gedichte, die ich so nicht missen möchte aus meinem Leben. Für viele Jahre, für mehrere Jahrzehnte, habe ich bei Radio Bremen Lyriksendungen produziert, Lesungen aufgenommen, Poeten moderiert und gelegentlich befragt in ungezählten Sendungen und mit ihnen gemeinsam gelesen. Und ich weiß, dass nicht jede Autorin, jeder Autor ein Performancekünstler sein muss, um das Geschriebene vom Papier an das Ohr der Lauschenden zu befördern. Ich glaube auch nicht, dass Ingeborg Bachmann eine Performancekünstlerin war oder dass es sich bei ihrer Art zu lesen um eine auf Effekt spekulierende Selbstinszenierung handelte. Um also vielleicht die Frage nach dem Besonderen ihres Schreibens zu beantworten: es ist diese Stimme – die aus den Gedichten durch sie spricht.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
Ja, für mich ist es Die gestundete Zeit, erschienen als Band 12 der Reihe studio frankfurt, herausgegeben von Alfred Andersch, mit dessen Lebensgeschichte und dessen unfassbarer Wirkung im Radio der Nachkriegszeit ich mich vor einigen Jahren intensiv beschäftigt habe in einem Projekt für Radio Bremen. Was mich an diesem schmalen Bachmann-Bändchen so reizt, ist die Tatsache, dass es 1953 herausgekommen ist, 8 Jahre nach Kriegsende, genau im Jahr meiner Geburt. So wie es ja Schlüsselromane gibt, ist es für mich in diesem Fall gewissermaßen ein Schlüsselgedichtband, den ich jedesmal neu lese, wenn ich ihn lese, und ich habe ihn oft gelesen.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich hätte wahnsinnig gern von ihr, aus ihrem Munde erfahren, wie sie 1964 in Rom Anna Achmatova erlebt hat. En detail!
Und ich wüsste gern, wie der Tag im März 1966 in Lübeck für sie verlaufen ist, als sie in meiner Heimatstadt aus den Todesarten vorgelesen hat.
Ihr sagen würde ich gern, dass es mir ziemlich auf den Keks geht, wie jeder Editoren-Hans-und-Franz sich mit Sabber vor dem Schnabel an ihrem Liebesleben zu schaffen macht.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Mit dem vor Fantasie strotzenden Illustrator Andreas Röckener arbeite ich gerade an einem neuen Kinderbuch, das höchst merkwürdig kurze Prosagedichte enthalten wird. Und ich harre der Publikation meines irrwitzigen Collagepostkartenwechsels mit meinem Freund, dem 2019 verstorbenen Dichter Günter Kunert.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
Ja, gern, aber sorry, es werden zwei Zitate aus Die gestundete Zeit:
Das erste aus dem Gedicht Alle Tage, in dem sie ja mitteilt, für was in den finsteren Zeiten als Auszeichnung der armselige Stern der Hoffnung verliehen wird. Nämlich dafür:
Für die Flucht von den Fahnen,
für die Tapferkeit vor dem Freund,
für den Verrat unwürdiger Geheimnisse
und die Nichtachtung
jeglichen Befehls.
Und das zweite Zitat stammt aus dem Gedicht Holz und Späne
Zuerst abgedruckt in Die Neue Zeitung, München, am 11.Juni 1953.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Michael Augustin, Schriftsteller _ Bremen
Xiting Shan, Schauspielerin_Wien
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann
Foto: Michael Augustin _ privat.
Fotos: Xiting Shan, Schauspielerin_Wien _ acting Malina _ Roman Ingeborg Bachmann _ Walter Pobaschnig 5/21
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Hartwig Mauritz, Schriftsteller
Yvonne Schneider, Tanzpädagogin, Model
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto: Hartwig Mauritz _ privat.
Fotos: Yvonne Schneider, Tanzpädagogin, Model _Wien _ acting Malina _ Romanschauplatz _ Malina _ Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig, 2/22
Ingeborg Bachmann bei der Pressekonferenz zur Premiere von _ Der Prinz von Homburg _ am 22. Mai 1960 in der Hamburgischen Staatsoper _ Fritz Peyer
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Im Interview _ Hartwig Mauritz, Schriftsteller _ Vaals/NL
Lieber Hartwig, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ingeborg Bachmanns Schreiben ist durch eine dichte Bildsprache geprägt. Ihre Werke, insbesondere Lyrik und Prosa wie „Malina“, thematisieren die Gewalt in zwischenmenschlichen Beziehungen, das Erbe des Faschismus und die Auflösung des weiblichen Ichs in einer männerdominierten Welt
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
Die Erzählung „Undine geht“ hat mich schon als jungen Mann wegen ihrer poetischen Sprache sehr beeindruckt. Der Prosamonolog liest sich wie ein Gedicht. In der Erzählung wird das Patriarchat, das mit Hans angesprochen wird, aus der Perspektive der Undine kritisch hinterfragt.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Natürlich interessiert einen Autor immer die Vorgehensweise der Kolleginnen und Kollegen beim Schreiben. Gern hätte ich von ihr erfahren, wie ihre Schreibideen entstanden, welche die auslösenden Momente für ihre Romane und Gedichte waren und wie sie ihren Tag strukturierte, um dieses Werk schreiben zu können.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich schreibe z.Zt. an meinem nächsten Gedichtband, der im weitesten Sinne mit dem Thema Transformation und Epochenbrüche zu tun hat. Darin geht es u.a. um die Folgen der modernen digitalen Technologien und des Rohstoffabbaus in den Ländern des Globalen Südens.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
Frühling. Das Erwachen der Natur in Grün und Blüte. Das Erwachen von Leib&Seele in allen Sinnen, die sich an der Jahreszeit erfreuen dürfen und mit Sonnenkraft erfüllt werden.
Erwachen auch der Heilkraft, die in der Natur ganz offen zu Tage und ins Licht beim Spaziergang in Wald&Wiese oder im Garten tritt. Heilendes umgibt rundum.
Doch nun ist Sachkenntnis geboten. Denn die Vielfalt der Pflanzenwelt bietet so viel Unterstützendes, Kräftigendes – aber auch zwar für das Auge Erfreuendes aber nicht zu Pflückendes, denn es gibt auch Schädigendes, Gefährliches in der Pflanzenwelt. Ein kompetentes Anleitungsbuch zu Pflanzen in Wirkung und Anwendung ist daher genau das Richtige, um hier keine bösen Überraschungen erleben zu müssen.
Michaela Girsch, eine erfahrene Heilpraktikerin, sie betreibt auch seit 1996 eine eigene Praxis – Schwerpunkt ihres Therapieangebotes ist die moderne Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) – legt nun ein wunderbares Heilpflanzenbuch vor, das keine Wünsche offenlässt. In wunderbar aufbereiteten Wort&Bild Kurzbeschreibungen, ein Register ermöglicht auch hervorragend eine Schnellsuche, wird die Pflanzenwelt zum vertrauten Ort, der rundum sicher genießen lässt.
„Ein sehr gelungenes Buch zu Heilpflanzen und Teezubereitung, das informiert und in Wort und Kanne rundum genießen lässt!“
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Anne Mai, Schriftstellerin
Rebecca Celine Richter, Schauspielerin, Sängerin
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann
Foto: Anne Mai _ privat.
Fotos:Rebecca Celine Richter, Schauspielerin, Sängerin _ Wien _ acting Undine geht_Roman Ingeborg Bachmann _ Walter Pobaschnig 5/21
Liebe Anne, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Es gab eine frühe Begeisterung für ihre Gedichte, die ich bis heute herausragend finde. Als ich selbst dreißig wurde, las ich „Das dreißigste Jahr“ und fand darin meine „damalige“ Empfindung bestätigt, dass dieser Geburtstag den Anspruch, sich weiterhin jung zu nennen, konterkarierte. Zu „Malina“ kam ich nach Max Frischs „Mein Name sei Gantenbein“ und las das Buch jetzt zum zweiten Mal. Besonders der mittlere Teil „Der dritte Mann“ mit seiner albtraumhaften Vaterfigur und seiner intensiven Bilderflut im gespenstischen Nachkriegswien ging mir nahe.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Neben der philosophischen Klarheit ihrer Gedanken und dem hohen literarischen Ton ist Ingeborg Bachmanns Schreiben auch eine wiederkehrende „Anrufung der Großen Liebe“, deren rauschhafter Beginn in Enttäuschung mündet, die wiederum eine Art Abrechnung zur Folge hat. Ich denke aber, dass sie wusste, dass eine so besitzergreifende Liebesbeziehung unvereinbar sein würde mit ihrem eigenen künstlerischen Anspruch.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Natürlich ihre Gedichte, deren hohe Wortkunst ungeschmälert fesselt.
Beeindruckt hat mich ihr preisgekröntes Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ (1957), in dem sie die Aussichtslosigkeit einer absoluten Liebe thematisiert. Deren Intensität steigt mit den Stockwerken eines New Yorker Hotels, in welchem Jan und Jennifer Quartier bezogen haben, und endet auf der höchsten Etage mit einem Mordanschlag des guten Gottes. Jan flieht in ein gesellschaftlich sanktioniertes Leben und entgeht im Gegensatz zu Jennifer dem Tod. Da der gute Gott mit seiner Tat das geltende Ordnungssystem verteidigt hat, wird er freigesprochen.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Betrachtet man die gesellschaftlichen Strukturen der letzten hundert Jahre, so ist Ingeborg Bachmanns Stimme nicht wegzudenken. Sie vermutet den Ursprung männlicher Machtstrukturen auch in den Familien. Von dort nehme er seinen Weg in Gesellschaft und Politik und treibe die weltweite Kriegsmaschinerie an, um nach kriegerischen Handlungen in die Familien zurückzukehren. Besonders die Töchter seien die Leidtragenden der durch dieses System veränderten Väter. Es ist anzunehmen, dass auch Ingeborg Bachmann dieses erfahren hat. In Malina ist es kaum verschlüsselt nachzulesen.
Was unsere heutige Zeit betrifft, denke ich, dass das Patriarchat dabei ist, zurückzukehren, wenn es denn jemals weg war.
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
Vielleicht löst der Wunsch nach Verschmelzung mit einem anderen Menschen vor allem bei Männern Ängste aus und wird als Bedrohung der eigenen Identität empfunden. So ergeht es auch Jan in „Der gute Gott von Manhattan“. Er flieht vor dem Grenzübertritt in das anarchische Reich der bedingungslosen Liebe.
In Bachmanns Todesjahr 1973 erlebte die Frauenbewegung einen Höhepunkt. Inzwischen sehe ich das weltweite Erstarken der Rechten auch in Verbindung mit der Aufwertung des Patriarchats, das sich weiter die Deutungshoheit erobert.
Letztendlich glaube ich, dass sich die Liebe nach wie vor ihrer Beherrschung entziehen wird. Sie geschieht uns. Und wird uns nichts erklären, wie auch wir sie nicht erklären können. Wunderbar ausgedrückt in Bachmann Gedicht „Erklär mir, Liebe“.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Ganz sicher hat Ingeborg Bachmann am unlösbaren Dilemma gelitten, das Leben mit allen Sinnen (einschließlich Familie, Beziehung, weiblicher Alltag) zu wollen und dennoch das Werk an erster Stelle zu belassen. Ein ständiger Konflikt, an dem sie auch innerlich verbrannt ist.
Ich selbst empfinde das Schreiben als positiven Schaffensprozess, kenne aber durchaus den Zwiespalt, gerade dann nicht schreiben zu können, wenn sich der Wunsch oder ein Flow einstellt.
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Für Bachmann war Schreiben nicht nur materielle Existenz und gesellschaftliche Anerkennung, sondern ein fundamentales Bedürfnis, ihr inneres Erleben in Sprache zu transformieren. Sprache war ihre Brücke nach außen und ihr vielstimmiges Instrument. Sie hat ihr mit großer Begabung und Hingabe gedient.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Wie positiv es ist, dass insbesondere ihr Prosawerk bis heute die Diskurse um Macht und Normen der gesellschaftlichen Strukturen befeuert.
Vielleicht hätte ich sie gefragt, warum sie sich ab 1957 ihrer grandiosen Lyrik verweigert hat, so wie auch Undine sich verweigert. Vielleicht wollte sie durch den fehlenden ständigen Vergleich die Themen ihres Prosawerkes in den Fokus zu rücken. Dieses wurde von der (weitgehend männlichen) Kritik gerne an zweite Stelle gesetzt.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Zurzeit bin ich mit meinem neuen Gedichtband beschäftigt. Er wird im Sommer beim Athena Verlag erscheinen, voraussichtlich unter dem Titel „Mond in den Fischen“.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„So gewiss ist’s, dass nur die Liebe und einer den andern erhöht.“(Römisches Nachtbild – 1956)
„So weit im Leben und so nah am Tod, dass ich mit niemand darum rechten kann, reiß ich mir von der Erde meinen Teil;“ (Strömung – 1957)
Herzlichen Dank für das Interview!
Sehr gerne. Ich habe ebenfalls zu danken, an diesem schönen Projekt teilnehmen zu können.