Im März 2026 ist mein neuer Roman „Prosopon“ (Luftschacht) erschienen. Seither verfolge ich seine Entwicklung voller knisternder Freude mit, ganz so, wie Eltern die ersten Schritte ihres Kindes mitverfolgen.
Im Interview _ Annette Mingels, Schriftstellerin _ Sausalito/USA
Bachmannpreisnominierte 2006
Liebe Annette, Du hast 2006 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?
Meine ersten Erinnerungen daran sind die gemeinsamen Essen mit vielen alten und neuen Bekannten aus dem Literaturbetrieb, das gespannte Zuhören im Wettbewerb, die Aufregung vor dem eigenen Auftritt.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Das Besondere am Bachmann-Wettbewerb ist für mich, dass die Literatur im Zentrum steht. Vier Tage lang geht es mit großem Engagement ums Schreiben – wo hat man das schon mal?
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Das Lesen selbst hat mir Spaß gemacht. Schwieriger fand ich es, an den Punkten der anschließenden Diskussion zu schweigen, an denen ich merkte, jetzt geht es weniger um meinen Text als um die Selbstprofilierung des Jurors.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deine literarische Öffentlichkeit wie Deinen weiteren persönlichen literarischen Weg, Deinen Schreibstil, ausgewirkt?
Das ist schwer zu sagen. Ich habe mehr Aufmerksamkeit bekommen, das sicher. Und das anschließende Buch wurde häufiger besprochen. Aber auf lange Sicht sehe ich da keinen sehr großen Effekt. Das wäre sicher anders gewesen, wenn ich einen Preis gewonnen hätte.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Zukunft?
Der Bachmann- Wettbewerb braucht weiterhin die Aufmerksamkeit der Medien, glaube ich. Ohne die Fernsehübertragung und ohne Rezeption im Feuilleton würde er eine marginale Rolle spielen.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Genießt die Zeit in Klagenfurt, vor allem die Begegnungen mit anderen AutorInnen, und betrachtet die Aussagen der JurorInnen als das, was sie sind: subjektive Einschätzungen, keine sakrosankten Wahrheiten. Und natürlich: Geht im Wörthersee baden!
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Annette Mingels, Schriftstellerin
Zur Person: Annette Mingels wurde 1971 in Köln geboren. Sie studierte Germanistik, Linguistik und Soziologie in Frankfurt, Köln, Bern und Fribourg und schloss mit einer Promotion in Germanistik ab. Von 1997 bis 2009 lebte sie in der Schweiz; neben der deutschen besitzt sie die schweizerische Staatsbürgerschaft. In der Schweiz hatte sie Lehraufträge an den Universitäten Neuenburg und Fribourg, außerdem am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Von 2009 bis 2011 lebte sie in Montclair (USA), anschließend in Hamburg. Von 2018 bis 2021 lebte sie in San Francisco, seitdem bei Berlin. Sie ist mit dem SPIEGEL-Redakteur Guido Mingels (geb. Egli) verheiratet und hat mit ihm drei Kinder.
Für ihre Bücher erhielt Annette Mingels zahlreiche Stipendien und Werkbeiträge. Für ihr Buch “Was alles war” (Knaus, 2017) außerdem den Buchpreis Familienroman der Stiftung Ravensburger Verlag. Biographie — Annette Mingels 18.6.26
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Bachmannpreis-Empfang der Stadt Klagenfurt _ Schloss Loretto/Wörthersee
Foto: Annette Mingels _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt-Wörthersee_ Walter Pobaschnig
Undine geht _ Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien _ performing _ Thematisch-szenisches Fotoshooting _ Wien/10_23 _ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Walter Pobaschnig, folgende
Barbara Deissenberger _ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien 19.1.2026 _ Undine geht, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance
UNDINE GEHT _ Akrostichon
Text&Performance _ Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien
Performance _ durch die Jahreszeiten _ Donau/Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
INGEBORG
Innere
Narben
Günstigen
Elysische
Blütenlese
Oneiroi
Riefen
Göttliches
Barbara Deissenberger, 29.1.2026
Undine geht _ Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien _ performing _ Thematisch-szenisches Fotoshooting _ Wien/10_23 _ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Walter Pobaschnig
Barbara Deissenberger _ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien 19.1.2026 _ Undine geht, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig
Ingeborg Bachmann ist 1946 in Wien angekommen und lebte hier bis 1953. In dieser Lebensphase kommt es zu wesentlichen Begegnungen, Inspirationen ihrer Texte. Ebenso ist es die Zeit erster Anerkennung als Schriftstellerin. Mit Wien bleibt die später in Rom lebende Schriftstellerin zeitlebens verbunden. Ihr einziger Roman Malina spielt in Wien, ebenso nehmen viele Gedichte darauf Bezug.
Almut Tina Schmidt (Zweite von rechts), 3sat Preisträgerin _ Bachmannpreis 2025
Almut Tina Schmidt (rechts) mit Karin Bernhard, ORF Direktorin Kärnten _ Veranstalter Bachmannpreis
Im Interview _Almut Tina Schmidt, D/A_ Schriftstellerin _ Wien
Bachmannpreisnominierte 2025, 3sat Preisträgerin.
Liebe Almut, Du hast 2025 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine ersten Erinnerungen nach knapp einem Jahr? Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Der Bachmannpreis ist zwar ein Wettbewerb, aber vor allem ein Branchentreffen, das die Widersprüche des Literaturbetriebs widerspiegelt: einerseits geht es sehr kompetitiv zu, was dem Ganzen seine Spannung gibt; andererseits gibt es da viele sympathische Leute, die sehr gut wissen, dass sie mit ihrer Leidenschaft für die Literatur allmählich zu einer immer weniger beachteten Minderheit werden – und umso mehr von der Öffentlichkeit abhängen, die dieses Event auch bedient. Die sommerliche Atmosphäre in der eher kleinen Stadt Klagenfurt hat genau das vermittelt: es war nervenaufreibend und entspannt zugleich.
Bachmannpreis Nominierte 2025
Wie kam es zu Deiner Nominierung und wie hast Du Dich im Vorfeld vorbereitet?
Ich habe mich mit Unterstützung einer befreundeten Lektorin bei einer Jurorin beworben. Und dann noch Lesen geübt.
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion danach erlebt?
Ich habe versucht, mich von den Fernsehkameras nicht irritieren zu lassen und mich auf meinen Text zu konzentrieren. Die Jurydiskussion war sehr wohlwollend. Dass nicht alle alles aus dem Text herausgelesen haben, was ich meinte, überdeutlich hineingepackt zu haben – das passiert auch sonst mal.
Almut Tina Schmidt _ nach der Lesung/Jurydiskussion
Bachmannpreisjury 2025 _ Vorsitzender Klaus Kastberger (Mitte)
Du hattest in Klagenfurt auch Deine Familie, Deinen Mann, Thomas Stangl, Schriftsteller, Telekom Austria Preisgewinner 2007 in Klagenfurt und Deine Tochter, als Begleitung vor Ort. Wie wichtig ist eine gute Unterstützung in diesem Wettbewerb bei der Lesung und rundum?
Ich fand es sehr hilfreich, nicht allein in Klagenfurt zu sein. Allerdings war die Atmosphäre angenehm genug, dass ich sagen würde: man kann es auch ohne Begleitung überstehen.
Entspannung im Garten _ Almut Tina Schmidt und Thomas Stangl, Schriftsteller, Telekom Austria Preisträger 2007 in Klagenfurt
Du wurdest 2025 mit dem 3sat-Preis in Klagenfurt ausgezeichnet. Wie hat sich dies ausgewirkt?
Seitdem erkennen mich gelegentlich Leute, die ich nicht kenne.
Publikum _ ORF Studio
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Vor allem sollte diese Institution, die über so viele Jahre ihre Relevanz bewiesen hat, noch lange weiterbestehen!
Almut Tina Schmidt mit Brigitte Schwens-Harrant (Jurorin), Natascha Gangl (Bachmannpreisträgerin 2025), Hannelore Schmid, Autorin/Regisseurin/Schauspielerin (von links)
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Gebt alles! Aber nehmt es locker (so locker wie möglich).
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Heinz Bachmann (Bruder von Ingeborg Bachmann) gratuliert
Almut Tina Schmidt, Schriftstellerin
Zur Person: Almut Tina Schmidt, Schriftstellerin _ zahlreiche Bucherscheinungen und Auszeichnungen
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Dichter Terminplan in der Bachmannpreiswoche
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Almut Tina Schmidt/Bachmannpreis 2025 _ Walter Pobaschnig
im Interview _ Manfred Mixner, Autor, Hauptabteilungsleiter für Radioliteratur im ORF 1984-86
Bachmannpreisjuror 1984-85
Lieber Manfred, Du warst in den 1980er Jahren Juror beim Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum. Was sind Deine Erinnerungen?
1984 und 1985 war ich als Literaturprogramm-Verantwortlicher für Ö1 Mitglied der Jury des Bachmannpreises – und ich war es nicht gerne. Meine Aufgabe im öffentlichen Rundfunk war es, unabhängig von meinen Vorlieben und meinen subjektiven Kriterien zur Beurteilung von Literatur ein möglichst umfangreiches Spektrum der Literatur der Gegenwart zu vermitteln, mit dem Schwerpunkt auf das Schaffen österreichischer Autoren, aber auch darüber hinaus.
Die Intrigen und die Hahnenkämpfe, wer denn den größten Einfluss als Kritiker oder Literaturwissenschaftler auf den „Literaturbetrieb“ im deutschen Sprachraum hat, wer denn „Literaturpapst“ oder einer solchen Rolle gewachsen sei, interessierten mich nicht wirklich. Trotzdem war es lehrreich, mit Marcel Reich-Ranicki, Joachim Kaiser, Walter Jens, Klara Obermüller, Martin Gregor-Dellin, Gert Ueding, oder Heinrich Vormweg über Qualitäten von Texten zu diskutieren, die handwerklichen Kriterien der als Juroren mitwirkenden Autoren wie Peter Härtling, Friederike Roth oder Ingeborg Drewitz kennen zu lernen, das waren wichtige Erfahrungen, die sich auf mein Verständnis von Literatur ausgewirkt haben.
Es gab damals Momente des sehr genauen und sehr ehrlichen Abwägens von formalen und inhaltlichen Textqualitäten, aber es gab halt auch immer wieder die mir nicht sympathischen publikumswirksamen Selbstdarstellungen und eitel anmaßenden Pointierungen von „Urteilen“. Mir taten manche Autoren, deren Texte nicht recht geglückt waren, leid, dass sie zu Objekten solcher Art „hinrichtender“ Diskussionen wurden. Ich war jedenfalls froh, mich in den folgenden Jahren der Jury-Mitwirkung entziehen zu können.
Ich habe mir als Leser mein Interesse an der Literatur bis heute bewahrt, aber das an solcherart öffentlicher Jury-Tätigkeit gänzlich verloren. Die publizistischen Voraussetzungen des Literaturbetriebs der Siebziger- und Achtzigerjahre des Zwanzigsten Jahrhunderts gibt es nicht mehr. Das kann man bedauern, beklagen – aber das ist nicht meine Sache. Zum gegenwärtigen Zustand des „Literaturbetriebs“ fällt mir nichts ein, ich will damit nichts mehr zu tun haben.
Manfred Mixner, 16. Juni 2026
Herzlichen Dank für die Erinnerungen und alles Gute!
Manfred Mixner, Autor
Zur Person:Manfred Mixner, geboren 1947 in Graz, lebt seit 2023 wieder in Graz.
Diplom-Medienberater. Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie in Graz und Berlin. 1970 – 1971 Kulturredakteur der Grazer Tageszeitung NEUE ZEIT, 1972 dramaturgische Mitarbeit am Grazer Schauspielhaus, 1973 bis 1979 freie publizistische Tätigkeit für Zeitungen, Hörfunk und Fernsehen, 1979 bis 1983 Abteilungsleiter für Literatur, Hörspiel und Kulturberichterstattung im ORF-Landesstudio Graz, 1984 bis 1986 Hauptabteilungsleiter für Radioliteratur im ORF in Wien, 1987 bis 2002 Leiter der Abteilung Hörspiel/Radiogeschichten/Radiokunst am Sender Freies Berlin.
Zahlreiche literatur- und medienwissenschaftliche Aufsätze und Bücher, u.a. Peter Handke – Werkmonographie (1977), Verstrickt in Geschichten – Versuche, Reden, Miszellen (2012). Als Hg. u.a.: Der geschärfte Sinn – Texte aus dem Grazer Funkhaus (1982); Die verführte Zeit – Die Autobiographie des Hans Flesch-Brunningen (1988); Die Welt im Trüben – Vom Fischen und Dichten (1998).
Nebenberufliche Lehrtätigkeit in Graz, Salzburg, Klagenfurt, Wien, Berlin und Jena. Seit 2002 im Ruhestand, im selben Jahr Übersiedlung nach Schweden.
Seine in Schweden entstandenen Erzählungen und Romane und seine Essays und wissenschaftlichen Arbeiten sind seit 2012 in Grazer Keiper Verlag erschienen. Mixner, Manfred – Edition Keiper
Bachmannpreis _ Jury Setting
Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Klagenfurt_Bachmannpreisankündigung
Ossiacher See
Foto: Manfred Mixner _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Ossiacher See _ Walter Pobaschnig
Im Interview _ Anna Mitgutsch, Schriftstellerin _ Linz/OÖ
Bachmannpreisnominierte 1985
Liebe Anna, Du hast 1985 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Es war kurz vor meinem Einstieg in die Literaturszene vor einundvierzig Jahren, wenige Monate nach Erscheinen meines ersten Romans („Die Züchtigung“), der damals noch gar nicht wahrgenommen worden war. Ich war vorher im universitären Bereich tätig gewesen und alles war mir gleichermaßen neu und fremd.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Sie gab mir als Anfängerin Sichtbarkeit im Literaturbetrieb. Es hieß, Dabeisein ist alles.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Die Jurymitglieder von damals sind alle bereits gestorben, es war eine andere Generation, u.a. Gertrud Fussenegger und Reich-Ranicki. Ich erinnere mich nur mehr an die beiden, Fussenegger, die mit alten literarischen Topoi aufwartete und Reich-Ranicki, der meinen Text lobte, aber unter vier Augen meinte, er habe schon auch gravierende Mängel.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?
Überhaupt nicht. Die Einladung kam zu kurzfristig, ich verwendete einen älteren Text, den ich eigentlich schon hinter mir gelassen hatte. Wie weit die Teilnahme am Bachmann-Wettbewerb dem Buch zu seinem Erfolg verhalf, kann ich nicht sagen.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Ich verfolge ihn schon seit längerem nicht mehr. Das müssen Jüngere bestimmen.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Mitmachen und nicht zu ernst nehmen, man sollte keine Form der literarischen Rezeption zu ernst nehmen, das Urteil kommt von Menschen, die in ihrer Biografie, ihrer Zeit und ihrem literarischen Geschmack gefangen sind und sich kraft ihrer Position für die letzte, allgemeingültige Instanz halten. Unbeeindruckt das weitermachen, was und wie man es am besten kann.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Anna Mitgutsch bei der Verleihung des Adalbert Stifter-Preises 2019
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann, Rom, um 1970
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Abendstimmung Wörthersee
Foto: Anna Mitgutsch _ Bernhard Holub
Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze
Fotos: Bachmannpreis/Wörthersee_ Walter Pobaschnig
Im Interview _Gabrielle Alioth, Schriftstellerin _ Termonfeckin/Irland
Bachmannpreisnominierte 1991
Liebe Gabrielle, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Die Erinnerung an einen Zirkus, in dem die Jury die Texte der eingeladenen Autorinnen und Autoren als Ausgangspunkt benutzte, sich selbst medienwirksam in Szene zu setzen.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Er war damals (1991) die erste bedeutendere TV-Show, die sich mit Literatur bzw. konkreten Texten befasste. Der Auftritt der Autorinnen und Autoren hat etwas von einer öffentlichen Hinrichtung, die offenbar ein Zuschauerbedürfnis erfüllt, das inzwischen aber wohl besser durch andere Reality-TV-Shows gestillt wird.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Es war damals – ich hatte gerade meinen ersten Roman mit einigem Erfolg veröffentlicht – eine gute Übung vor laufender Kamera zu lesen und die Diskussion auszuhalten.
Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?
Neutral, der Auftritt in Klagenfurt hat mir weder geholfen, noch mich behindert, abgesehen davon, dass ich dort gewisse Freundschaften geknüpft habe, die mir bis heute geblieben sind.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Er scheint mir überholt und man könnte ihn abschaffen.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Bachmannpreisgründer und langjähriger Juror, Autor und Journalist _ Humbert Fink
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Wörthersee
Foto: Gabrielle Alioth _ privat
Foto: Humbert Fink _ privat
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt-Wörthersee_ Walter Pobaschnig
Im Interview _ Friedrich Ani, Schriftsteller _ München
Bachmannpreisnominierter 1992
Lieber Friedrich, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Viel Wein, Fußball in sengender Hitze, merkwürdige Argumente zu merkwürdigen Texten, eine gewisse Hibbeligkeit aller Beteiligten, alles in allem: eine Parallelwelt im Grünen, erholsam und verwirrend.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Es herrscht eine große Ernsthaftigkeit im Umgang mit den Autorinnen und Autoren und deren Arbeit. Man wird wahrgenommen, ein Austausch von Ideen, Zweifeln, Sehnsüchten findet statt, die Illusion entsteht: Aus mir könnte etwas werden.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Da ich wusste, dass mein Text kein Hit sein würde, war ich entspannt und dann erfreut, dass die Kritik ziemlich milde ausfiel – jedenfalls in meiner Erinnerung.
Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?
Ich erhielt ein Stipendium in Berlin, schrieb dort neue Sachen, die mir ein paar Tür öffneten, sodass ich allmählich zum Schriftsteller wurde, dessen Manuskripte gedruckt und gesehen wurden.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Gute Autoren und Autorinnen und eine entspannte Jury ohne Narzissten.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Wer dort liest, weiß, was er tut, und ein Verriss kann ermutigender sein als Beifall, in dem, laut Nietzsche, auch viel Lärm ist. Dem Wettbewerb wünsche ich Glück und stets genügend Geld.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Friedrich Ani, Schriftsteller
Zur Person: Friedrich Ani, geboren 1959, lebt in München. Er schreibt Romane, Gedichte, Hörspiele, Theaterstücke und Drehbücher. Sein Werk wurde in zehn Sprachen übersetzt und vielfach prämiert, u. a. sieben Mal mit dem Deutschen Krimipreis, dem Crime Cologne Award, dem Burgdorfer Krimipreis, dem Adolf-Grimme-Preis, dem Bayerischen Fernsehpreis und der Goldenen Romy. Friedrich Ani ist Mitglied des PEN-Berlin.
Münchner Literaturpreis 2026
Andreas Hoh Krimifestival-Preis 2024
Crime Cologne Sonderpreis 2017
)Bio/Suhrkamp _ 17.6.26)
Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt
Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Wörthersee
Foto: Friedrich Ani _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Im Interview _ Fritz Hendrick Melle, Schriftsteller _ Berlin
Bachmannpreisnominierter 1991
Lieber Fritz Hendrick, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Wolf Donner konnte mich nicht unterstützen, da er krank geworden war. Frau Löffler stand die ganze Zeit auf ihren Mundwinkeln. Herr Karasek versuchte, möglich viele junge Schreiberinnen um sich zu versammeln. Nebenan begann gerade der Jugoslawien-Krieg.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Die ungewohnt große Öffentlichkeit, der direkte Dialog. Die massive Konzentration von Eitelkeit.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Ich war nicht der Ossi, den das Publikum erwartet hatte.
Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?
Ich habe danach viele Jahre als Werbetexter gearbeitet. Das erschien mir das ehrlichere Geschäft
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Humor
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Genießt euch selbst. Der Rest wird sich finden.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Fritz Hendrick Melle, Schriftsteller
Zur Person: Fritz Hendrick Melle, 1960 in Karl-Marx-Stadt geboren, Studium Theologie in Naumburg und Kommunikation in Berlin/W. Heizer, Texter, Whiskey-Produzent, Zen-Schüler und Autor. Romane: Richtiges Leben, die Amazone vom Kollwitzplatz, Wurst und Stadt ohne Götter. Daneben zahlreiche Beiträge in Magazinen und Antologien. Keine Literatur-Preise, aber einige Reklame-Auszeichnungen.
Bachmannpreis _ im ORF Garten
Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.
Ingeborg Bachmann auf Ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970
Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.
Wörthersee _ Abendstimmung
Foto: Fritz Hendrick Melle _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt-Wörthersee_ Walter Pobaschnig