Constanze Sophie Passin, Schauspielerin _ Romanschauplatz _ Malina _ Wien _ Walter Pobaschnig 12/21, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance
MALINA _ Akrostichon
Text _ Gero Ulbricht, Schriftsteller, Künstler
Performance _ Constanze Sophie Passin, Schauspielerin
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Constanze Sophie Passin, Schauspielerin _ Romanschauplatz _ Malina _ Wien _ Walter Pobaschnig 12/21, folgende
MALINA
M ondstunden
A m Nachthimmel
L ass mich frei sein
I im Herzen
N ur Liebe und Wahrhaftigkeit zählen
A bsurd die Gier nach Anerkennung
Gero Ulbricht, 6.2.2026
Constanze Sophie Passin, Schauspielerin _ Romanschauplatz _ Malina _ Wien _ Walter Pobaschnig 12/21, folgende
MALINA Text/Performance _ Originalschauplatz
Text _ Gero Ulbricht, Schriftsteller, Künstler
Performance _ Constanze Sophie Passin, Schauspielerin
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Im Interview _ Gero Ulbricht, Schriftsteller, Künstler
Lieber Gero, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ich habe erst in meinen reiferen Lebensjahren mit der Literatur Ingeborg Bachmanns Kontakt aufgenommen, was in verschiedenen Ursachen begründet ist. Für mich erschließt sich hier ein großer Fundus an Gedanken zum eigenen künstlerischen Weg, welcher jedoch noch jung ist an Ideen, die sich langsam schälen und entwickeln. Antiquarische Buchausgaben, reich an Jahren, füllen die Bibliothek, immer in Reichweite, um darin die Schätze an Gedanken und Sprache zu entdecken und zu ergründen.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Für mich sind es solche Sätze wie: “Eine Sonnenlache schwimmt in seinem Zimmer.“, poetisch im Bild. Ihre Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen Themen, wie Vorurteile, Recht und Unrecht, zum Thema Freiheit regen zum eigenen Denken und Überdenken an. Die Komplexität und Intensität ihres Schreibens ist eine intellektuelle Herausforderung, kraftvoll und fragil zugleich.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Ich kann mich, auch des späten Zuganges wegen, nicht festlegen, welches Werk ich hervorheben sollte. Die Lyrik ergreift mich beim Lesen und Ingeborg Bachmanns Erzählungen geben mir viel Raum für eigene Gedanken und zur Sprache.
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Wir leben im 21. Jahrhundert, sollten aufgeklärt sein über ein Miteinander in unseren Gesellschaften. Täglich erreichen uns Nachrichten aus vielen Teilen dieser Welt, wo das noch nicht angekommen scheint. Kriege, Femizide, Clankriminalität usw. – immer wieder von Männern verursacht. Trotzdem möchte ich entgegenhalten, es änderts sich vieles und hat sich vieles geändert. Es ist seltsam wie sehr sich die Verrohung in Sprache und die Gewalt sich im Miteinander wieder durchsetzen. Wir waren m.E. schon ein weiter und lassen es erneut zu, dass Menschen und ganze Menschengruppen dieser Verrohung und Gewalt ausgesetzt sind. Ingeborg Bachmanns Kritik hat viel Anstoß gegeben, um sich thematisch mit der patriarchalen Welt auseinanderzusetzen. Ihre Kritik ist aktuell! Das scheint mir ein unendliches Thema zu sein, welches sich nur gemeinschaftlich und in einem noch lange währenden Prozess verdünnen wird, jedoch niemals auflösen. Es ist an uns, dass wir uns weiterhin damit auseinanderzusetzen, die Dinge, die Verantwortungsträger und uns selbst infrage zu stellen, Antworten zu finden und dafür zu sorgen, dass uns die Menschlichkeit nicht vollends abhandenkommt.
Gero Ulbricht _ „Die Auseinandersetzung zum Thema Krieg und Umweltzerstörung als Auswirkung patriarchaler Machtstrukturen in der menschlichen Gesellschaft. Das Überleben der Spezies Mensch als kleiner Teil im Gefüge dieses Planeten wird infrage gestellt.„
„Krieg und Frieden“ (für Olesya Dzhuraeva) Collage 2022, Format A4 Beteiligung an einer Ausstellung für die ukrainische Künstlerin Olesya Dzhuraeva als Bekundung der Solidarität mit der Künstlerin und dem Volk der Ukraine anlässlich des verbrecherischen Überfall Russlands am 24.02.2022
Bild&Text _ Gero Ulbricht, folgende
„I never give up hope“ Schnitt auf Forex-Kunststoff 2023, Format A4 Beteiligung an Body & Soul 41, Corvinus Presse Berlin zum Thema „I will survive“ Im Motiv die Auseinandersetzung zu Mensch-Industrie-Natur, den Folgen dieses Wechselspieles für das Überleben des Menschen in der Hoffnung eines Überdenkens der Rolle des Menschen in seiner Vergangenheit und einer zukünftigen Entwicklung zu mehr Verständnis und Nachhaltigkeit seines Umgangs mit den Ressourcen des Planeten Erde und gesteigerter Achtsamkeit gegenüber der Fauna und Flora
„Überleben“ Schnitt auf Forex-Kunststoff 2023, Format A4 Beteiligung an Body & Soul 41, Corvinus Presse Berlin zum Thema „I will survive“
In dieser zweiten Arbeit zur Thematik des Umgangs des Menschen mit der Natur wird seitens des Künstlers die These aufgestellt, dass der Mensch den „Kampf gegen die Natur“ nicht gewinnen kann, sondern sich als ein Teil dieser Natur stellen muss, um zu überleben.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Ich kann hier nur für mich sprechen. In meinem persönlichen künstlerischen Wirken begegne ich dem Martyrium der gegenwärtigen Zeit, dem bloßen Funktionieren, der Zerstörungen und Ignoranz. Mir gibt die Kunst in all ihren Formen einen Sinn und Halt, sie rettet mich. Im Prozess des Schreibens oder am Bearbeiten eines Bildes bin ich auf mich gestellt und vertiefe mich in die Zeit. Einsam erscheint mir das nicht zu sein. Ich leiste mir den Luxus von Pausen, ein Broterwerb sichert mein Leben. Wenn Kunst mir zum Martyrium wird höre ich damit auf!
Gero Ulbricht _ „Das Martyrium heißt Funktionieren, in und mit der Masse, die Individualität schwindet, die Zeit fließt gnadenlos davon und es bleiben kaum noch Orte des Rückzugs. Die emotionale Kälte in der Gesellschaft erhält Zuwachs.„
„Martyrium“ Schnitt auf Forex-Kunststoff 2024, Format 50 x 60 cm
Auseinandersetzung mit den Zwängen des bloßen Funktionierens in der menschlichen Gesellschaft, dem gnadenlosen Fluss der Zeit in beengter „Großstadtidylle“ und dem Fehlen des Blickes für die Schönheiten, welche die Menschen umgeben. Das Göttliche und Mystische verfliegt, während es für die meisten Menschen in ihren Gesellschaften kein Entrinnen gibt.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich hatte ihr für ihre Lyrik, ihre Erzählungen und Gedanken gedankt.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich plane, mich thematisch für einen Bildzyklus zu entscheiden. Geplant ist ein dritter Gedichtband mit eigenen Illustrationen. Einen Anfang dazu habe ich bereits gemacht.
Vielen Dank für die Möglichkeit, mich diesen Fragen stellen zu dürfen.
Herzlichen Dank für das Interview!
Gero Ulbricht, Schriftsteller, Künstler
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann
Fotos: Gero Ulbricht/Portrait-Kunstwerke _ privat.
„Shakespeares sämtliche Werke leicht gekürzt“ Inszenierung: Christoph Prückner Mit: Anais Marie Golder, Viktoria Hillisch, David Stöckl _ Theater-Center-Forum Wien _ 11. – 28. Februar 2026 – Forum II _ Walter Pobaschnig, folgende
Es ist ein sensationeller Theaterabend, in dem britischer Humor wie seine Wiener Schwester des Dunklen, Absurden in allen Registern moderner Bühnenkunst zu einem sensationellen Shakespeare speed dating einladen, das rundum begeistert!
Das britische Kultstück der 1980er Jahre erfährt eine grandiose Neuinszenierung, in der Regisseur und Ensemble in höchster variantenreicher Inszenierungs- und Schauspielvirtuosität brillieren!
Walter Pobaschnig 11.2.2025
„Shakespeares sämtliche Werke leicht gekürzt“
Inszenierung: Christoph Prückner
Mit: Anais Marie Golder, Viktoria Hillisch, David Stöckl
Liebe Dana, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Mein Zugang zu Ingeborg Bachmann ist erstmal ein biografischer: Ich entdeckte sie in den 90er-Jahren, den Wendejahren, als ich Schülerin war an der Deutschen Schule Bukarest. Der deutschen Sprache war ich kaum mächtig, musste jedes zweite Wort im Wörterbuch nachschlagen, und die rumänische Sprache war sehr floskelhaft, nach der 40-jährigen Diktatur, also drückte ich mich darin immer etwas antiquiert aus, wie in der Literatur der Zwischenkriegszeit. Ingeborg Bachmann wurde für mich sofort eine Schwester, über Zeiten und Landesgrenzen hinweg, denn auch für sie war die Sprache kein verlässliches Instrument, sondern oft ein schneidendes, dass ihre Verletzlichkeit preisgab. Zugleich hatte sie einen unbedingten Willen, der Sprache etwas abzuringen – das hat auch mich befeuert im Kampf mit dem Ausdruck, auf Deutsch wie auf Rumänisch.
Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?
Das Besondere an ihrem Schreiben ist das Kreisen um Machtverhältnisse, um Gewalt, die oft leise und unsichtbar ist, und um die Frage, wie sehr Sprache selbst Teil dieser Gewalt sein kann. Sie hat eine radikale Ernsthaftigkeit, einen tiefen moralischen Anspruch an die Literatur. Diese Haltung empfinde ich heute als besonders herausfordernd und nötig.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Ja, die Erzählungen aus „Das dreißigste Jahr“, vor allem die Texte „Unter Mördern und Irren“ und „Alles“. Hier zeigt sich Bachmanns präziser Blick auf Nachkriegsgesellschaften, auf Verdrängung, Anpassung und stille Brutalität. Ich interessiere mich stark für diese Zwischenzonen der Freiheit: dort, wo keine offenen Diktaturen herrschen, aber Freiheit dennoch beschädigt ist – durch Konvention, Angst, Schweigen.
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Ich kann mir vorstellen, wie Ingeborg Bachmann rauchend und mit Sonnenbrille dies sagte. Dass sie die patriarchale Welt ihrer Zeit kritisieren wollte, ist völlig legitim, gewiss, aber sie wollte mit radikalen Aussagen auch provozieren, von sich zu reden geben – fast sehe ich ihren Instagram-Account …
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Für sie ja, für mich nicht. Ich bin dankbar, dass ich zur Literatur gefunden habe, mein Leben lesend und schreibend verbringe. Ich muss beim Schreiben immer auch lachen.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich wäre gerne mit ihr spazieren gegangen, durch Wien, Kärnten oder durch Rom. Sie war, wie ich, eine leidenschaftliche Spaziergängerin. Gespräche hätten sich im Bewegungsfluss ergeben, sicher gute.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Mein neuer Roman, «Tanzende Frau, blauer Hahn» erscheint jetzt im März, ein Roman über Liebesvariationen. Ich freue mich auf die Lesungen daraus und überhaupt auf die Orte, an die mich die Lesereise bringen wird. Im April ist zudem das Literaturfest München, dessen aktuelle Ausgabe, zum Thema «Freiheit», ich kuratiere.
Constanze Sophie Passin, Schauspielerin_ Salzburg _ acting „Malina“ _ Romanschauplatz _ Wien _ Walter Pobaschnig 12/21, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance
MALINA_ Akrostichon
Text _Dana Grigorcea, Schriftstellerin
Performance _ Constanze Sophie Passin, Schauspielerin
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Constanze Sophie Passin, Schauspielerin _ Salzburg _ acting „Malina“ _ Romanschauplatz _Wien _ Walter Pobaschnig 12/21, folgende
MALINA
Mehr als gesagt
An den Rändern gedacht
Lustvoll durch die weiten Räume
Immer weiter, wenn ich säume
Nah dem Ende strahlt das Licht
Auf dem Weg verlier‘ mich nicht!
Dana Gigorcea, 6.2.26
Constanze Sophie Passin, Schauspielerin _ Salzburg _ acting „Malina“ _ Romanschauplatz _Wien _ Walter Pobaschnig 12/21, folgende
Constanze Sophie Passin, Schauspielerin _ Salzburg _ acting „Malina“ _ Romanschauplatz _ Wien _ Walter Pobaschnig 12/21, folgende
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Undine geht_ Clara Montocchio, Sängerin, Schauspielerin_acting _ Donau/Wien _ Walter Pobaschnig 5/24, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Wort & Bild
INGEBORG _ Akrostichon
Text _ Harald Darer, Schriftsteller
Performance_ Clara Montocchio, Sängerin, Schauspielerin
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
INGEBORG
Im
Nebel
Gleichen
Engel
Bettlern
Oder
Räudigen
Geliebten
Harald Darer, 8.1.2025
Undine geht_ Clara Montocchio, Sängerin, Schauspielerin_acting _ Donau/Wien _ Walter Pobaschnig 5/24, folgende
Ingeborg Bachmann ist 1946 in Wien angekommen und lebte hier bis 1953. In dieser Lebensphase kommt es zu wesentlichen Begegnungen, Inspirationen ihrer Texte. Ebenso ist es die Zeit erster Anerkennung als Schriftstellerin. Mit Wien bleibt die später in Rom lebende Schriftstellerin zeitlebens verbunden. Ihr einziger Roman Malina spielt in Wien, ebenso nehmen viele Gedichte darauf Bezug.
Ingeborg Bachmann auf der Terrasse ihrer Wohnung/Bocca di leone, Rom um 1971
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Im Interview _ Harald Darer, Schriftsteller
Lieber Harald, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Zunächst über die persönliche Biografie, die ja sehr spannend ist, später über ihren Umgang mit Sprache und Form und ihrem Zweifel an allem.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Obwohl die Sprache lyrisch ist, liegt in ihr – meiner Meinung nach – ein starker Realismus, Konflikte, die in persönlicher und gesellschaftlicher Zerrüttung begründet sind.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Malina, und die Briefwechsel mit verschiedenen Zeitgenossen (zB „halten wir einander fest und halten wir alles fest!“)
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Da ist freilich nach wie vor einiges im Argen beziehungsweise, kommt mir vor, dass wir schon mal weiter gewesen sind. Die Angst vor tatsächlicher Gleichberechtigung scheint immer noch eine große Bedrohung für manche Männer zu sein, man hat sich schließlich gemütlich eingerichtet im patriarchalen Wohnzimmer, ich miteingeschlossen. Alles was damit zu tun hat, wird sofort als woker Faschismus beweint. Aber man kann die derart Beunruhigten leicht beruhigen: Schlagen sie die Zeitung auf und lesen vom x-ten Frauenmord des Jahres, können sie sich mit dem guten Gefühl, dass sich manche Dinge zum Glück nie ändern, entspannt zurücklehnen.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Ich glaube, das hat viel mit der individuellen Verfasstheit des Einzelnen zu tun, der Sicht auf die Welt, Verlust, das Scheitern, das eigene Leben und den eigenen Tod, unabhängig von der beruflichen Tätigkeit. Was weiß man schon vom Leid des nächsten Menschen, der einem auf der Straße begegnet und wie er es erträgt?
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich hätte ihr gerne etwas von ihrer Traurigkeit genommen.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich habe gerade mit der Arbeit an einem neuen Roman begonnen.
Herzlichen Dank für das Interview!
Harald Darer, Schriftsteller
Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.
Fotos: Harald Darer _ „Station bei Jandl“ _ Walter Pobaschnig 8/25
Sigrid Redl, Schauspielerin _ Wien _ acting _ Originalschaupltz Wien _ Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Fotonovel am Originalschauplatz _ „Malina“ Roman/ Ingeborg Bachmann im III.Wiener Gemeindebezirk „Ungargassenland“_ Walter Pobaschnig f.,
Ingeborg Bachmann kam 1946 in Wien an und lebte hier bis 1953. Später bezeichnet sie den Weg von ihrer Heimatstadt Klagenfurt nach Innsbruck, Graz und schließlich Wien als „längsten“ und beschreibt damit die Suche nach Beruf, Identität und Auseinandersetzung mit Geschichte und Herkunft. Diese Themen werden auch zur Mitte ihres Schreibens, besonders im Roman „Malina“ (1971), der topographisch am Hauptschauplatz „Ungargassenland“ des III.Wiener Gemeindebezirk angesiedelt ist, der auch der Lebensmittelpunkt der Schriftstellerin war.
„Mein Königreich, mein Ungargassenland, das ich gehalten habe mit meinen sterblichen Händen, mein herrliches Land“Malina, 1971
INGEBORG
Io sono detta, non intera
Nächte, die Sprache führen
Namen im Mund des Wassers
Gegen das Meer eine Taube
Es ist Nacht, Mond wächst
Bocca ferita, dire o scomparire
Ohne Antwort der Gedanke
Rottura senza ritorno
Gegen das Meer die Taube, unbehaust
Martina Caluori, 27.1.2026
Sigrid Redl, Schauspielerin _ Wien _ acting _ Originalschaupltz Wien _ Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Fotonovel am Originalschauplatz _ „Malina“ Roman/ Ingeborg Bachmann im III.Wiener Gemeindebezirk „Ungargassenland“_ Walter Pobaschnig f.,
Ingeborg
Text/Performance _ Originalschauplatz
Martina Caluori_ Text/Akrostichon
Sigrid Redl _ acting
Walter Pobaschnig _ Idee/Regie/Fotos
Martina Caluori, Schriftstellerin
Sigrid Redl, Schauspielerin _ Wien _ acting _ Originalschaupltz Wien _ Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Fotonovel am Originalschauplatz _ „Malina“ Roman/ Ingeborg Bachmann im III.Wiener Gemeindebezirk „Ungargassenland“_ Walter Pobaschnig f.,
100.Geburtstag von Ingeborg Bachmann – was macht für Dich das Besondere Ihres Schreibens aus?
Gibt es das? Böse gesagt, ist die Lyrik nicht herausragend, um nicht zu sagen banal, und die Prosa prätentiös. Verglichen mit der Lavant oder der Mayröcker sind ihre Gedichte bieder. Und der vielgelobte Roman Malina ist verquaste Prosa ohne Spannung.
Aber es gibt auch eine Unbedingtheit und Unmittelbarkeit in der Sprache, die fasziniert, weil man das Ringen um Wahrhaftigkeit spürt, das Kämpfen um den richtigen Ausdruck, den Willen zur Schönheit. Das Phänomen Bachmann hängt an ihrer Person, ihrer unbedingten Suche nach Liebe. Weigel, Celan, Henze, Frisch, Enzensberger, … sie hat niemanden ausgelassen, der bei drei nicht auf den Bäumen war.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Ich finde die Briefwechsel mit Celan und Frisch am interessantesten.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden undzerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Die Bachmann war das erste IT-Girl der Nachkriegsliteratur, ein erstes Fräuleinwunder, mit allen Nachteilen, als sie älter wurde. Der Literaturbetrieb war damals komplett in Männerhand, geprägt von machoiden Rollenbildern. Heute hat sich das gedreht, wird man als alter weißer Mann benachteiligt, was ich persönlich jetzt nicht so prickelnd finde.
Ingeborg Bachmann als erste Schriftstellerin am Cover des Hamburger Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ _ August/1954, Foto: Herbert LIst
Die Welt wird natürlich noch immer von Männern an Abgründe geführt, was auch nicht toll ist. Aktuell tanzen wir noch auf dem Vulkan, aber das Brodeln der heißen Lava ist schon zu spüren, die giftigen Dämpfe sind bereits in der Luft.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in einer Vorlesung. Ist das Schreiben, die Kunst immer eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Ich empfinde das nicht so drastisch. Natürlich gibt es Momente des Zweifels, Phasen, in denen die Diskrepanz zwischen Wollen und Ungenügen einen fast zerreißt. Hinzu kommt, dass man als Schriftsteller sein Werk nie wirklich beurteilen kann. Ein Maler tritt vor sein Bild, ein Komponist kann sich im Konzertsaal zurücklehnen, aber als Romanautor braucht man Tage, um das Geschriebene überhaupt nur zu lesen.
Schreiben ist zeitintensiv, extrem fordernd, sozialen Kontakten eher abträglich, aber es gibt auch das Glück der Stimmigkeit, wenn sich Stoffe und Motive zu einem Ganzen fügen, etwas funktioniert, das so nicht geplant war, man vom Material belohnt, Sprache lebendig wird.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Bestimmt etwas Banales. Vielleicht nach ihrem Lieblingsort in Rom. Sie muss faszinierend und inspirierend gewesen sein. Sehr intensiv. Eine Affäre hätte ich schon gerne gehabt mit ihr, aber das ist sich nicht ganz ausgegangen. Obwohl? Vor ein paar Tagen hat jemand zu meiner Freundin gesagt, dass sie ausschaut wie die Bachmann …
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Gerade arbeite ich an einem sehr heiklen, schwierigen, aber auch interessanten Projekt – einem Roman über den Nationalsozialismus aus Sicht der Eva Braun. Ein Buch, das ich vielleicht gar nicht schreiben will, aber muss, weil es angesichts der überall aus dem Kraut schießenden Faschisten notwendig ist, um das langsame Abgleiten in den Wahnsinn nachvollziehen zu können.
Danach kommt ein historischer Abenteuerroman, und zwischendrin erscheint aktuell noch eine kleine witzige Kulturgeschichte des Klos.
Herzlichen Dank für das Interview!
Franzobel, Schriftsteller _ Wien
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.
Foto: Franzobel _ Walter Pobaschnig im Prater/Wien 5/2022.