Barbara Deissenberger _ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien 19.1.2026 _ Undine geht, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance
UNDINE GEHT _ Akrostichon
Text&Performance _ Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Barbara Deissenberger _ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien 19.1.2026 _ Undine geht, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig, folgende
UNDINE GEHT
Umflossene
Nixe
Durchtauche
Ich
Nereidens
Eisvögel
Gratwanderin
Eines
Herzstillstehenden
Tods
Barbara Deissenberger, 29.1.2026
Barbara Deissenberger _ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien 19.1.2026 _ Undine geht, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance
UNDINE GEHT _ Akrostichon
Text&Performance _ Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Im Interview _ Barbara Deissenberger, Schriftstellerin
Liebe Barbara, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ich habe vor allem während des Literaturwissenschaftsstudiums viel von ihr gelesen. Aber nicht, um ihre Texte für Arbeiten zu analysieren, sondern nur für mich. Begonnen habe ich mit den Kurzgeschichten, die mich sofort in ihre hochpräzise und hochpoetische Weltwahrnehmung – sowohl im Emotionalen als auch im Rationalen – hineinzogen. Es folgte „Malina“, das mich nicht nur vom Inhalt, sondern auch von der Struktur her fasziniert: diese Kombination vieler verschiedener Elemente in einem Roman: fragmentarische Telefongespräche, Interviewantworten auf Fragen, die man nicht immer erfährt, Musikfragmente, Märcheneinschübe, Briefantworten, Gedichte, Geschichtenanfänge, Traumvariationen, Zeitungs- und Radionachrichten … – O.K. man merkt, ich kann auch privat ein gewisses Analysieren nicht lassen. Aber Bachmanns Texte fordern das heraus. Sie war ja auch promovierte Philosophin. Ihre Texte sind komplex strukturiert und sie verdichtet abstrakte Reflexionen in literarischer Form darin. „Malina“ ist der erste Band der von ihr geplanten Todesarten-Triologie. Auch darin findet sich in hochkonzentrierter Form viel von der vorangegangenen Sprach-und Gedankenarbeit für den ganzen Romanzyklus wieder. Nach Bachmanns Prosatexten stieß ich auf ihre Hörspiele. Erst später begann ich ihre Lyrik zu lesen, diese dafür immer wieder: als Harnisch gegen die Sprach- und Gedankenverarmung unseres Überinformations-Zeitalters, zum Aufrichten in Krisen, zum Innehalten in Genuss und als Erinnerung daran, was zählt im Menschenleben.
Barbara Deissenberger _ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien 19.1.2026 _ Undine geht, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig, folgende
Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?
Die Verbindung eines präzisen, höchst ausgebildeten Intellekts mit hoher Emotionalität, Empathiefähigkeit und scheinbar unbegrenzten poetischen Ausdrucks- und Darstellungsmöglichkeiten, auch in anderen Sprachen. Letzteres zeigt sich etwa in Text-Einsprengseln aus dem Slowenischen, Italienischen, Ungarischen, Französischen und Englischen.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Ich finde, die Kurzgeschichten „Jugend in einer österreichischen Stadt“, „Unter Mördern und Irren“ und „Undine geht“, ihr Roman „Malina“ und das Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ sollten in jedem offiziellen und inoffiziellen Bildungskanon deutschsprachiger Schulen aufgenommen werden.
Als Schriftstellerin und Mensch berührt mich außerdem immer wieder auch ihr Gedicht “Mein Vogel“. Hier einige Zeilen daraus:
Was auch geschieht:
die verheerte Welt sinkt in die Dämmerung zurück,
einen Schlaftrunk halten ihr die Wälder bereit,
und vom Turm, den der Wächter verliess,
blicken ruhig und stet die Augen der Eule herab.
Was auch geschieht: du weißt deine Zeit, mein Vogel, nimmst deinen Schleier und fliegst durch den Nebel zu mir.
(…)
Mein eisgrauer Schultergenoss, meine Waffe,
mit jener Feder besteckt, meiner einzigen Waffe!
Mein einziger Schmuck: Schleier und Feder von dir.
Diese Zeilen sind – wie fast alles von Bachmann – zeitlos und geben mir Halt, wenn rundherum die Welt in Krisen zusammenzubrechen scheint. „Was auch geschieht …“ – Die Hoffnung auf ein Ausatmen, Ruhe und einen neuen Tag soll bleiben und eine Kunst, die auch die meine sein darf, zu mir kommen.
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Diese pauschale Gültigkeit sehe ich heute in vielen Ländern unserer Zivilisation nicht mehr. Wo der Wille zur Entwicklung, eine gewissen Offenheit und womöglich noch das Zusammenleben mit einer Frau da sind, können die blinden Flecken im androzentrischen Weltbild eines Mann schon „geheilt“ werden. Empathie kann man weitergeben und bis zu einem gewissen Grad auch lernen. Das schreibe ich als Mutter eines Sohns. Wenn das, was man heute social skills nennt, höher geschätzt würde als Konkurrenz- und Leistungsdenken, könnte es sich auch durchsetzen. Damit wäre viel gewonnen. Es sind nicht alle Männer unheilbar krank, aber das Patriarchat als Gesellschaftssystem eines Großteils unserer Welt ist womöglich unausrottbar. Selbst wenn es mit imperialistisch-ökonomischen Dominanz-Strukturen den Planeten soweit zerstört hätte, dass das Leben aller zum reinen Überleben wird, könnte das Recht des Stärkeren (weiter) regieren bis zum Ende. Da bin ich pessimistisch.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Nein, sicher nicht. Bachmann beschrieb mit solchen Aussagen wohl eher die Reaktionen und Zuschreibungen der Gesellschaft auf eine Schriftstellerin in ihrer Zeit. Verdammt, einsam und asozial wird man doch durch die anderen: ein Fremdbild verzerrt im vermeintlichen Spiegel eines Selbstbilds. Sie sagte ja auch: „Ich existiere nur, wenn ich schreibe.“ Damit drückt sie die Notwendigkeit aus, die manche Menschen scheinbar mehr als andere dazu treibt, eine bestimmte Kunst zu schaffen. Für mich ist es seelische und geistige Bereicherung, Kunst betreiben zu können. Und ein Luxus, weil ich materiell nicht davon leben kann.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ohne Ihr Werk wäre die Welt ärmer und viele aus dieser Generation könnten sagen: „Wir haben es damals nicht besser gewusst.“ Mit Ihrem Schreiben aber haben Sie einen sprachgewaltigen Wall des Wissens dagegen errichtet. Ich danke Ihnen.
Fragen würde ich sie: „Warum haben Sie sich/Ihrem Körper das angetan?“
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Mein neues Roman-Manuskript aus dem Genre Climate Fiction erwartet noch den letzten Schliff und wird hoffentlich im nächsten Jahr publiziert. Aktuell schreibe ich an zwei kurzen Texten, um mich für einen Preis und für eine Lesung zu bewerben. Danach möchte ich mich meinem ersten Lyrik-Band widmen. Sobald das bestehende Roman-Manuskript unter Dach und Fach ist, werde ich wohl auch frei genug sein, um den nächsten Roman zu beginnen. Die Idee dafür habe ich schon. Er würde sich diesmal unter anderem stark um Musik drehen – auch eine Kunst, die ich in meinem Leben nicht missen möchte.
Barbara Deissenberger _ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien 19.1.2026 _ Undine geht, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig, folgende
Herzlichen Dank für das Interview!
Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann
Fotos: Barbara Deissenberger _ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien 19.1.2026 _ Undine geht, Ingeborg Bachmann, 1961 _ Walter Pobaschnig
Ingeborg Bachmann auf der Terrasse in ihrer Wohnung Bocca de Leone, Rom
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Im Interview _ Harald Kappel, Schriftsteller
Lieber Harald, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ihre Lyrik ist hochmusikalisch. Es gibt Pausen, harte Schnitte, Rhythmisierungen, Wiederholungen. Man könnte sie auch als Partituren bezeichnen. Der Atem bricht an der richtigen Stelle und wird zum Widerstand gegen sich selbst.
Dies ist für mich nicht nur ein Zugang, denn mein letzter Gedichtband „KárKár“ basiert auf Onomatopoesie, Lauten und musikalischen Textrhythmen.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ihre Rolle als Verwüsterin des Inneren bei gleichzeitiger Neukomposition der Sprache.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
„Die gestundete Zeit“…weil man hier die Gedichte hören muss, um ihre Spannung, ihren Rhythmus und ihre Liedartigkeit zu fühlen.
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden wie selbstzerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Das Patriarchat tritt in ihren Texten als unsichtbare Gewalt auf. Ihre Sprache wird zu Tatorten. Es ist keine körperliche Gewalt notwendig, um Täter zu sein. M.E. hat sich bis heute in den meisten Ländern nicht allzu viel geändert. Manchmal scheint es sogar das Gegenteil zu sein.
In „Malina“, Ingeborg Bachmanns großen und einzigen Roman (1971), stehen Hell und Dunkel der Existenz, die Liebe „es ist immer Krieg“, wie die Traumata eines Landes in Erinnerung von Shoa, Weltkrieg im thematischen Vordergrund. Wie siehst Du ihren literarischen Zugang hier und wie müssen wir heute in Literatur und Existenz mit Geschichte umgehen?
Chronologien bestehen aus Lügen und werden von den Mächtigen für ihre Zwecke umgedeutet. Die Geschichte ist kein Hintergrund, sondern der Täter. Die Literatur muss weh tun, sie darf die Historie nicht beruhigen, weder die aktuelle, noch die vergangene und auch nicht die zukünftige.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Wenn ich ihre Gedichte nachspreche, verändert sich meine Stimme.
Und warum hat ihnen das Lieben so weh getan? Warum?
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich habe einen neuen Gedichtband abgeschlossen, der zur Leipziger Buchmesse 2027 im wunderbaren kul-ja!publishing Verlag erscheint.
Ein kleines Kinderbuch ist letzte Woche fertig geworden und begibt sich (hoffentlich) auch auf eine literarische Reise…und ganz aktuell arbeite ich an einem Roman, der meine Gedanken sehr beschäftigt. (…es geht um Raum und Zeit, das Ich und das Verschwinden…)
Darf ich abschließend zu einem persönlichen Bachmann Zitat/Text bitten? Dann natürlich:
„Ich weiß nicht, wer ich bin, ich weiß nur, dass ich verschwinde.“
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Harald Kappel, Schriftsteller
Lisa Fertner, Schauspielerin
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.
Foto: Portrait Harald Kappel _ Künstlerin „Márti“
Fotos: Lisa Fertner, Schauspielerin _ Salzburg_ performing „Undine geht“ _ Donau/Wien _ Walter Pobaschnig 8/24
Im Interview _ Karla Mahler, Künstlerin, Model _ Wien.
Liebe Karla, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Als Frau finde ich mich sehr in ihren Texten wieder. Sie sind tief und klar.
Karla Mahler, Künstlerin, Model _ Wien _ performing „Malina“ _ Originalschauplatz Wien _ Walter Pobaschnig, 2/26, folgende. Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Meiner Meinung nach haben ihre Texte genau die richtige Dosis Surrealismus, um bis ins Mark zu treffen.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Nein, aber eine Passage. Die hebe ich mir auf für das Zitat, denn da erzählt sie von einem Traum. Sie schafft es so elegant, all diese surrealen Elemente plastisch und zeitlich stringent darzustellen.
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerenden wie selbstzerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Aktuell wie eh und je. Leider erleben wir einen wieder aufkeimenden Konservativismus, der sich für mich aus den unerledigten Aufgaben erklären lässt, die Männer vor sich hergeschoben haben. Das alte, hierarchisch aufgeladene Bild der „Männlichkeit in Beziehung“ ist bei vielen noch nicht durch eine Version ersetzt worden, die in Gleichwertigkeit mit Frauen leben und gedeihen kann, sondern hat sich nur in Ratlosigkeit und Vorwürfe gegen Frauen zersetzt. Als hätte die Gleichberechtigung ihnen etwas genommen, klammern sie sich an Klischees von Männlichkeit, als ginge es um ihr Leben. Stichwort „Male loneliness epidemic“: Je unsicherer das Ego, desto gekränkter trifft sie, dass Frauen lieber alleine bleiben, als der Zerrspiegel von ihnen zu werden und sich von Möchtegern-Alphamännchen dominieren zu lassen.
In „Malina“, Ingeborg Bachmanns großen und einzigen Roman (1971), stehen Hell und Dunkel der Existenz, die Liebe „es ist immer Krieg“, wie die Traumata eines Landes in Erinnerung von Shoa, Weltkrieg im thematischen Vordergrund. Wie siehst Du ihren literarischen Zugang hier und wie müssen wir heute in Literatur und Existenz mit Geschichte umgehen?
Ich sehe, wie Geschichte durch sie wirkt, wie sie versucht, Unsagbares greifbar zu machen. Dies trifft auf die historische Ebene meiner Meinung nach genauso zu, wie auf ihre persönliche Geschichte. Bei beidem deutet sich Grauen an, das sich der Verständlichkeit entzieht. Ob wir nun in uns hinein- oder in die Welt hinaussehen, historisches Verständnis zum Gewesenen ist immer essentiell, sonst sind wir zur Wiederholung verdammt.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich wäre mit ihr spazieren gegangen, durchs Ungargassenland. Hätte lieber langsam angefangen. Still, nebeneinander her spazierend. Bei einer Zigarette und einem Kaffee im Malipop hätte ich sie dann vielleicht gefragt: „Warum?“ Damit hätte ich einfach eine Einladung ausgesprochen, so offen wie sie möchte, über sich zu erzählen. In einem journalistischen Rahmen würde man das ein unstrukturiertes Interview nennen. Zum Beispiel, warum sie nach Wien gezogen ist, warum sie sich für ihre Studienrichtungen entschieden hat, warum Malina eigentlich Malina heißt. Eine offene Frage zu stellen hätte es ermöglicht, so zu antworten, wie die Bachmann es als passend empfunden hätte. Von seicht bis tief ist bei dieser Frage alles möglich.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Meine nächsten Texte kann man auch wieder im Magazin buntesAT lesen. In der ersten diesjährigen Ausgabe gibt es Interview mit Etchika Pollex zu lesen und anschließend, in der Frühlingsausgabe, wahrscheinlich ein Text zum Thema Widerstand. In meinem nächsten Fotoprojekt werde ich mich mit Cyanotypien beschäftigen. Ich bin schon gespannt, wie die werden.
Darf ich abschließend zu einem persönlichen Bachmann Zitat/Text bitten?
„Die Elemente der Welt sind noch da, aber in einer so schaurigen Zusammensetzung, wie sie noch nie jemand gesehen hat. Autos rollen herum, von Farben triefend, Menschen tauchen auf, grinsende Larven, und wenn sie auf mich zukommen, fallen sie um, sind Strohpuppen, gebündelte Eisendrähte, Pappfiguren, und ich gehe weiter in dieser Welt, die nicht die Welt ist, mit geballten Fäusten, ausgestreckten Armen, um die Gegenstände, die Maschinen, abzuwehren, die auf mich auffahren und zerstieben, und wenn ich vor Angst nicht mehr weiterkann, mache ich die Augen zu, doch die Farben, leuchtend, knallig, rasend, bekleckern mich, mein Gesicht, meine nackten Füße,…“ (Bachmann. Malina. 31. Aufl. Suhrkamp, Berlin:183)
Karla Mahler, Künstlerin, Model _ Wien _ performing „Malina“ _ Originalschauplatz Wien _ Walter Pobaschnig, 2/26, folgende. Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Herzlichen Dank für das Interview!
Karla Mahler, Künstlerin, Model _ Wien _ performing „Malina“ _ Originalschauplatz Wien _ Walter Pobaschnig, 2/26, folgende. Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.
Fotos: Karla Mahler, Künstlerin, Model _ Wien _ performing „Malina“ _ Originalschauplatz Wien _ Walter Pobaschnig, 2/26 _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Vielen Dank für die freundliche Kooperation an „Teppiche Tarani“ und „Timmy`s cut“ _ Ungargasse, Wien 1030.
Karla Mahler, Künstlerin, Model _ Wien _ performing „Malina“ _ Originalschauplatz Wien _ Walter Pobaschnig, 2/26, folgende. Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz
INGEBORG MALINA UNDINE GEHT _ Akrosticha
Text& Performance _ Karla Mahler, Künstlerin, Model _ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Karla Mahler, Künstlerin, Model _ Wien _ performing „Malina“ _ Originalschauplatz Wien _ Walter Pobaschnig, 2/26, folgende. Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
INGEBORG MALINA UNDINE GEHT
Ich in ihrer Haut beim Lesen, ob
Nass triefend nun das Haar kleine Bäche über den Rücken formt, oder
Gleichgültigkeit in den leblosen Augen eines Gegenübers
Einen Schatten über das Leben legt.
Bin ein Teil ihrer Geschichte, die sich kollektiv in Fragmenten in uns allen findet.
Orte wechseln, Namen sind anders.
Rastlosigkeit wird gefühlt und bearbeitet, aufgelöst in der
Gegenwart, wo alles ist, was sich sagen lässt.
,
Mir ist sie nah, mit all den
Andeutungen und dem Versuchen und dem naiven
Lieben wollen.
Innerlich treiben wir alle beim Lesen in diesem Meer an Halbheiten, an
Nichts, das alles Mögliche mit sich fortschwemmt bis
Ans Ende der Geschichte.
&
Und wenn wir uns einmal treffen würden, im Ungargassenland,
Nebenher würde ich gehen, neugierig auf das was kommt,
Die typische Situation:
Ich wäre fremd;
Nicht gesehen im Auge der Bachmann,
Ein Wimpernschlag in der Zeitlosigkeit. Und doch:
Gesehen in den
Erzählungen.
Hinein in die Aufarbeitung hat sie sich schreiben getraut.
Ein Spalt hat sich geöffnet und hindurch gegangen sind wir. Wer wir waren, sind wir nicht mehr.
Nie mehr gehen wir zurück.
Karla Mahler, 8.2.2026
Karla Mahler, Künstlerin, Model _ Wien _ performing „Malina“ _ Originalschauplatz Wien _ Walter Pobaschnig, 2/26, folgende. Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz
INGEBORG MALINA UNDINE GEHT _ Akrosticha
Text& Performance _ Karla Mahler, Künstlerin, Model _ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Karla Mahler, Künstlerin, Model _ Wien
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.
Fotos: Karla Mahler, Künstlerin, Model _ Wien _ performing „Malina“ _ Originalschauplatz Wien _ Walter Pobaschnig, 2/26 _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Vielen Dank für die freundliche Kooperation an „Teppiche Tarani“ und „Timmy`s cut“ _ Ungargasse, Wien 1030.
Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _ Romanschauplatz Malina Wien _ Walter Pobaschnig 1/26, folgende _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz
MALINA _ Akrostichon
Text& Performance _ Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _ Romanschauplatz Malina Wien _ Walter Pobaschnig 1/26, folgende _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971
MALINA
Musikalische
Analysen
liefern
Insights
nur
ansatzweise.
Roman Seeliger, 27.1.2026
Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _ Romanschauplatz Malina Wien _ Walter Pobaschnig 1/26, folgende _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz
MALINA _ Akrostichon
Text& Performance _ Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _ Romanschauplatz Malina Wien _ Walter Pobaschnig 1/26 _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.
Fotos: Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _ Romanschauplatz Malina Wien _ Walter Pobaschnig 1/26_ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971
Vielen Dank für die freundliche Kooperation an „Teppiche Tarani“ und „Timmy`s cut“ _ Ungargasse, Wien 1030.
Im Interview _ Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist
Lieber Roman Seeliger, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ingeborg Bachmann wollte ursprünglich Komponistin werden, und so schwingt die Musik in manchem ihrer Werke mit oder rückt zum Teil sogar in den Fokus ihrer Betrachtungen. Schon als jungen Pianisten haben mich ihre Fragen aufgerüttelt: „Was aber ist Musik?“ „Was hat dich so gebeugt und was hat dich so erhoben?“ „Was ist es?! Gib Antwort! – ‚Still!'“
Die Musiktheorie, sei es die Harmonielehre, sei es die Formenlehre, sind meines Erachtens nur analytische „Kochrezepte“, können aber das Mysterium der Musik nicht zur Gänze erklären. Musik und ihre Wirkungen bleiben ein wundersames Geheimnis. Ingeborg Bachmann hat mir das durch einen ihrer Essays sprachlich verdeutlicht.
Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _ Romanschauplatz Malina Wien _ Walter Pobaschnig 1/26, folgende _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Für mich waren ihre symbolhaften sprachlichen Bilder prägend. Manche Sätze aus dem Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ haben mich im Deutschunterricht angeregt, sie weiterzudenken. Ich konnte mich der Magie ihres sprachlichen Ausdrucks nicht entziehen. „DU KANNST ES NICHT HALT!“ Auch die Sinnlosigkeit der Anhäufung von Gütern in unserem Leben wurde mir durch Bachmann stärker bewusst. Zumindest habe ich in diesem Hörspiel die Stimmen ohne Timbre (die daher in Blockbuchstaben und ohne Punkt und Beistrich geschrieben sind) als Gymnasiast so gedeutet: „GEHEN BEI GRÜNEM LICHT WEITERGEHEN – DENK DARAN SOLANGE ES ZEIT IST – DU KANNST ES NICHT MIT DIR NEHMEN“.
Außerdem berührte mich ihre Erkenntnis, dass es Grenzen der Sprache gibt, obwohl die Sprache möglicherweise unser bestes Kommunikationsmittel ist. Hier gibt es für mich eine Parallele zu Wittgenstein. „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ ist ja der berühmte Satz aus dem „Tractatus logico-philosophicus“. Vielleicht fängt die Musik (oder eine andere Kunstrichtung) an, wenn wir im Wittgenstein’schen Sinn schweigen müssen. Ob die Bachmann das so verstanden hat?
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Wie gesagt, ihre Essays über die Musik und ihr Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Bachmann war eine Kämpferin für die Gleichberechtigung der Frau. Seit der Zeit ihres Wirkens sind die Rechte der Frau in den Gesetzen und in der Praxis deutlich gestärkt worden. Mich würde interessieren, welchen Weg sie vorschlagen würde, um heute eine völlige Gleichstellung zu erwirken.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Derzeit spiele ich meine schwarze musikalische Komödie „Veto gegen Keto“ in Wien, Niederösterreich und Oberösterreich.
Unter dem Motto „Kulinarische Diäten und musikalische Leckerbissen“ stelle ich die Fragen: Wie wird man alt? Mit Sport? Mit Verzicht? Mit einer Keto-Diät, die Kohlenhydrate verteufelt?
Es ist eine Kabarett-&Klaviershow über den ewigen Traum vom langen Leben. Ich schlüpfe in die Rollen unterschiedlicher Persönlichkeiten, die sich mit der Frage herumschlagen, ob maßvoller Genuss vielleicht die bessere Strategie ist als grenzenloser Verzicht.
Sowohl als Komödiant als auch als Jurist ist mir klar, dass ich jede Haftung für ein Leben bis 100 und darüber hinaus ausschließen muss, um das Thema unterhaltsam, satirisch und mehrdeutig verarbeiten zu können. In einer musikalischen Nummer präsentiere ich mich daher als Dummy, der Wahrheiten, die kaum jemand hören möchte, in die schonende Watte eines Harlekins packt („Dem Hofnarren wird niemand grollen, wo’s doch nur hat ein Spaß sein sollen. Ich kann sagen, was ich mag, ich hafte nicht, was ich auch sag‘.“).
Mein Ziel ist es also, das Publikum musikalisch, humoristisch und dramaturgisch zu überraschen. Wie sagen wir Künstler:innen, wenn uns jemand „Toi, toi, toi“ wünscht? Es wird schon schief gehen.
Termine:
Theater Center Forum 1090 Wien, Porzellangasse 50 Donnerstag, 12.2.2026, 20:00 Uhr Donnerstag, 19.2.2026, 20:00 Uhr Karten (28 Euro) unter +43 1 3104646 oder kassa@theatercenterforum.com
Haus der Kunst 2500 Baden, Kaiser Franz-Ring 7 Sonntag, 12.4.2026, 11:00 Uhr (Matinee) Karten (25 Euro) unter +43 699 12345054 oder romanspianobar@gmx.at
Hotel Austria (Museum der Stadt Bad Ischl) 4820 Bad Ischl, Esplanade 10 Samstag, 1.8.2026, 15:00 Uhr (Nachmittagsvorstellung) Karten (15 Euro, Museumsbesuch inkludiert) unter +43 6132 25476 oder info@stadtmuseum.at
Herzlichen Dank für das Interview!
Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _ Romanschauplatz Malina Wien _ Walter Pobaschnig 1/26, folgende _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.
Fotos: Roman Seeliger, Pianist, Kabarettist _ performing Ivan in „Malina“ _ Romanschauplatz Malina Wien _ Walter Pobaschnig 1/26_ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971
Vielen Dank für die freundliche Kooperation an „Teppiche Tarani“ und „Timmy`s cut“ _ Ungargasse, Wien 1030.
Lieber Boris, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Als Poet liegt mir natürlich ihre Lyrik sehr am Herzen, die ungemein kraftvoll und vielschichtig ist. Dabei hat sie sich später ganz von der Lyrik abgewandt, für sie war dies eine Phase, die zu einem gewissen Zeitpunkt abgeschlossen war, es kamen dann nur noch sehr verstreut ein paar Gedichte nach. Diese Entscheidung muss man natürlich respektieren, dennoch beschleicht mich schon ein leises Bedauern angesichts all der ungeschrieben Gedichte, die sie noch hätte verfassen können. Aber sie wollte sich weiterentwickeln, war kompromisslos, sie wollte nicht, wie sie in einem Fernsehinterview sinngemäß zu Protokoll gab, einfach im gleich Stil, den sie nunmehr virtuos beherrschte, immer weiterschreiben und alle 2-3 Jahre einen neuen Gedichtband veröffentlichen; sie suchte nach anderen Entwicklungsmöglichkeiten und Ausdrucksformen. Dennoch steht mir in ihrem Werk die Lyrik am nächsten.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ihre immense Energie, ihr Herzblut, ihre Kompromisslosigkeit, ihre Ernsthaftigkeit. Sie sagte einmal über sich selbst, „ich bin die vollkommene Vergeudung. Exstatisch und unfähig, einen vernünftigen Gebrauch von der Welt zu machen.“ Ihre Texte waren immer sehr ernst, sehr eindringlich, es ging oft um Krieg, Leid, existenzielle Bedrohungen, Tod, und das macht ihre Lyrik auch heute noch so lesenswert, im Moment scheinen ihre Zeilen geradezu bedrückend aktuell, wenn sie etwa schreibt: „Der Krieg wird nicht mehr erklärt, sondern fortgesetzt. Das Unerhörte ist alltäglich geworden.“ Dieses Unerhörte, Ungehörte lässt aufhorchen.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
„Die gestundete Zeit“ und die „Anrufung des großen Bären“ sind Gedichtbände, die ich jedem Literatur- und Lyrikfan nur ans Herz lesen kann. Einzelne Gedichte daraus hervorzuheben, würde mir schwerfallen. Wenn ich jedoch eines herausgreifen müsste, würde ich „Dunkles zu sagen“ nennen, das ist ein Gedicht, das mir persönlich sehr viel zu sagen hat und das mich sehr beeindruckt. Bereits die eröffnenden Verse „Wie Orpheus spiel ich/ auf den Saiten des Lebens den Tod“ erzeugen hier einen ganz eigenen Tonfall, und auch das verspielte „Und ich gehör dir nicht zu“ unterspült Erwartungen, kokettiert mit Verstehen und Unverständnis, bahnt mit wenigen Worten Pfade in die Unwegsamkeit. Dieses feine Gespür für Schattierungen, dass es nämlich eine Verbindung gibt zwischen „hören“ und „gehören“, dem „Gehör“ oder auch dem „Zuhören“ sowie der „Zugehörigkeit“, zeigt sich immer wieder in Ingeborg Bachmanns Gedichten. Daher lohnt sich auch die regelmäßige, vertiefende Wiederbegegnung mit ihren Texten für mich sehr.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Ihr Licht strahlt heute genauso hell wie damals; ihre Kritik ist, leider, immer noch genauso notwendig und wichtig wie zu ihren Lebzeiten. Man muss nur die Nachrichten verfolgen und erhält einen lebhaften Eindruck davon, dass es immer noch in vielen Bereichen sehr schwierig für Frauen ist, Fuß zu fassen. Auch, wenn sich viel getan hat, gibt es immer noch etliche Bereiche, in denen sich ein ungehemmtes, destruktives, herabwürdigendes patriarchalisches Denken festgesetzt hat – sowohl in Deutschland als auch in der ganzen Welt.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Mitunter. Das Schreiben als solches wirft einen natürlich gnadenlos auf sich selbst zurück und ist tatsächlich ein einsamer, sehr intensiver Prozess. Wie Hemingway formulierte, „Es gibt nichts am Schreiben. Alles, was man tut, ist, sich an eine Schreibmaschine zu setzen und zu bluten.“ Ob es jedoch auch eine asoziale, sprich von der Gesellschaft abgekehrte, weltabgewandte Existenz ist, weiß ich nicht, ich habe da meine Zweifel. Ich kann jedoch wiederum verstehen, dass man das Schreiben, bei aller Freude, nicht nur als Segen, sondern auch als „Fluch“ empfinden kann, denn dieser Zwang, sich immer wieder in die Tiefen und Untiefen der Sprache zu begeben, kann gleichermaßen zur Erlösung und zur Verdammnis führen – manchmal sogar zeitgleich.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Nun ja, da kann ich als Dichter natürlich nur ehrlicherweise zugeben, dass es mich am meisten interessiert hätte, sie danach zu fragen, was sie von meinen Gedichten hält – falls sie überhaupt zugestimmt hätte, auch nur eine einzige Zeile davon zu lesen. Ansonsten hätte ich ihr gerne gesagt, wieviel ihre tiefe und ausdrucksmächtige Lyrik für mich bedeutet, und was für eine immense Inspiration ihre Verse für mich waren und sind. Ansonsten würde es aber natürlich sehr davon abhängen, wann und wo ich ihr begegnet wäre, in welcher Situation, welcher Gestimmtheit, welchem Kontext. Viel mehr würde mich in jedem Fall interessieren, was sie zu sagen hätte, bevor ich sie mit meinen Gedanken und Fragen konfrontieren würde.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich habe gerade meinen ersten Roman abgeschlossen, einen Kriminalroman, bei dem es um Kunstraub geht, und der auch eine Hommage an die bulgarische Heimat meiner Frau darstellt. Es ist auch ein Schuss Abenteuerroman mit dabei, man erfährt auch etwas über Kunst, Kultur und Historie des Landes. Dieses Buch wird noch in diesem Jahr im Signum Verlag von Christian Dörge erscheinen. Zudem wird es auch einen Band mit Erzählungen geben, den Heinrich Heikamp und Markus Schönrock im VSH Verlag Schönrock und Heikamp veröffentlichen werden, ebenfalls in diesem Jahr. Anders als Ingeborg Bachmann bleibe ich aber trotz dieser Projekte der Lyrik treu, es wird auch noch einen weiteren Gedichtband im Gill Verlag geben, ebenfalls 2026. Zudem mache ich natürlich weiter die Videos, bei denen ich Werke von lieben Kolleginnen und Kollegen vorstellen und vorlesen darf. Weitere Projekte sind in Planung, aber über diese ungelegten Eier möchte ich allerdings jetzt noch nicht gackern…
Herzlichen Dank für das Interview!
Ich danke dir sehr herzlich, lieber Walter, und verneige mich vor Deiner unermüdlichen Arbeit, die vielen, vielen Kulturschaffenden immer wieder neu Stimme und Gesicht gibt.
2026 – der 100.Geburtstag von Ingeborg Bachmann. Zahlreiche Veranstaltungen und nicht zuletzt Interviews zu Leben & Werk, der in Klagenfurt geborenen und 1973 tragisch in Rom verstorbenen Schriftstellerin begleiten und prägen das literarische Jahr – Ingeborg Bachmann, wer?Wie sich Werk und Leben dieser so facettenreichen Persönlichkeit nähern? Was sind ihre Grundansichten zu Sprache, Literatur, Gesellschaft, Leben und Sinn?
Der vorliegende Interviewband versammelt nun wesentliche Gespräche und öffnet sehr spannende Zugänge zu Leben und Werk und zu Grundlagen ihres literarischen Prozesses wie jenes um sie. Zudem wird die öffentliche Person Bachmann und ihr Bewusstsein, Umgang damit deutlich.
Die neun Gespräche umfassen den Zeitraum von 1956 – bis kurz vor ihrem Tod 1973 und wurden von Journalisten:innen wie Autorenkollegen:innen geführt und die kompakte Zusammenfassung hier ist ein sehr spannender Wegbegleiter ins und durch das Bachmannjahr wie weit darüber hinaus.
„Ingeborg Bachmann unplugged – eine sehr spannende Ausgabe von Interviews 1956 – 1973.“
Wir müssen wahre Sätze finden. Ingeborg Bachmann. Gespräche in Rom und anderswo. Kampa Verlag