„Letztendlich ist das ganze Leben ein Theaterstück, in dem wir mitspielen“ Monika Jantschnig _ Künstlerin_ Wien 31.7.2020

Liebe Monika, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Es fühlt sich ein wenig an, wie eine Mischung aus Traum, Wirklichkeit und Abenteuer….irgendwie unwirklich…. Meist wundere ich mich, wie ich es letztendlich doch immer wieder schaffe mit beinahe traumwandlerischer Sicherheit am Ende des Tages wieder heil in meinem Bett zu landen….oder war ich nie aufgestanden?

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

…dass wir uns selbst und unseren Träumen und Werten treu bleiben.

 

 

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Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz, dem Theater,  der Kunst an sich zu?

Letztendlich ist das ganze Leben ein Theaterstück, in dem wir mitspielen und die Welt die Bühne und der Tanz eine Sprache ohne Worte, die wir alle von klein auf beherrschen….aber es ist schön, wenn es einige von uns nie verlernen diese Sprache zu sprechen und auch die Anderen wieder dazu anregen es zu tun….Aufbruch….Neubeginn….kann letztendlich nur jeder in sich selbst finden…es wird noch etwas dauern, aber wir sind auf einem guten Weg dorthin….

 

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 Was liest Du derzeit?

Im Moment gerade das Buch „Die Quantengöttin“ von Lotte Ingrisch & Helmut Rauch“….ein Buch über die Rätsel der Quantenphysik und die hintergründigen Geheimnisse unserer Wirklichkeit….

Parallel dazu lese ich Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ in Vorbereitung auf ein kommendes Projekt, das Ende November (20.-22.11.) im Pygmalion Theater aufgeführt wird..

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Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

von David Lynch: „Das Wichtigste ist, das zu tun, woran du glaubst und es so gut wie möglich zu machen und dann siehst du, wie es in der Welt läuft…“

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Vielen Dank für das Interview liebe Monika, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Schauspiel- und Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Monika Jantschnig aka Harley Quinn: Künstlerin, Modedesignerin

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13.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wir benötigen Perspektiven auf Arbeitsmöglichkeiten“ Chris Pichler, Schauspielerin_Wien 30.7.2020

Liebe Chris, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf richtet sich nach dem was zu tun ist, oder ich mir zu tun suche. Ich habe mir da eine gewisse Disziplin angewöhnt, mir selber eine Struktur zu schaffen, sollte ich sie von aussen nicht bekommen, das hat mir jetzt sehr geholfen.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir uns und die anderen schützen und indem wir uns nach wie vor an die Abstands- und Hygieneregeln halten. Betriebe im Umfeld unterstützen, regionale Produkte kaufen, Urlaub im eigenen Land um die Betriebe zu unterstützen. Wir benötigen Perspektiven auf Arbeitsmöglichkeiten und damit wieder die Würde zurück zu bekommen die eigenen Fähigkeiten auszuüben und auch damit Geld verdienen zu können.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Film, dem Theater und der Kunst an sich zu?

Ein Ort des Analogen und der Begegnung zu sein, wo wir mit allen Sinnen erleben und spüren und durch das Spüren Mut bekommen neue Wege zu erkennen und zu gehen. Theater und Kunst im weitesten Sinn stellt gesellschaftliche Verhältnisse zur Diskussion und kann uns unseren Stand darin bewusst machen- Es klopft Gegebenheit, Gewohnheiten, gesellschaftliche Normen auf ihre Tauglichkeit ab, weist auf Ungereimtheiten und Ungerechtigkeiten hin, bringt uns zum Denken und Lachen, bietet Abstand zum Alltag durch hochdramatisches oder höchst unterhaltendes.

 

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Was liest Du derzeit?

Im Grunde gut– eine neue Geschichte der Menschheit. Rutger Bregmannn, einer der jungen Denker Europas, stellt darin die radikale These auf, dass nicht Argwohn und Egoismus den Fortschritt der Menschheit ermöglichen, sondern  Vertrauen und Kooperation.

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Puh mit Sprüchen tue ich mir schwer. Aber Fragen habe ich viele, die mich anregen zum handeln. Könnte diese Zeit auch eine Chance beinhalten, dass wir als Gesellschaft mit dem Vorhandenem (bereits Erwirtschaftetem) zufrieden sein können und nicht noch mehr Wachstum nötig ist? Können wir in diesen  massiven  gesellschafts-gesundheits-politischen Veränderungen auch eine Möglichkeit für Innovation und Verbesserungen unserer Lebensformen erkennen – in eine Richtung die für mehr Menschen Gleichberechtigung und Arbeitsmöglichkeiten schafft? Können wir uns der Natur in Achtsamkeit nähern und mit ihr in einen Kreislauf des Gebens und Nehmens von Ressourcen kommen? Könnten uns die anderen so wichtig sein, dass wir auch kleine Einschränkungen auf uns nehmen, damit wir sie schützen?

 

Vielen Dank für das Interview liebe Chris, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Theater-, Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Chris Pichler, Schauspielerin

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Fotos: privat

 

13.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Literatur vermag das Grauen aber auch das Schöne, die Wunder in Worte zu fassen“ Barbara Rieger, Schriftstellerin_ Wien 29.7.2020

Liebe Barbara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Während dem Corona Lockdown habe ich meinen Roman „Friss oder stirb“ fertig geschrieben und bin aufs Land gezogen. Daher war ich sowieso die meiste Zeit zu Hause. Auch jetzt sieht mein Tagesablauf noch aus wie immer.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich will nicht für alle sprechen, ich denke für jedeN von uns ist etwas anderes wichtig, jedeR hat andere Bedürfnisse, befindet sich in einer anderen Lebenssituation. Wir leben in einer Gesellschaft, in der das trotz vieler Missstände und Ungerechtigkeiten möglich ist. So eine Gesellschaft zu erhalten bzw. ihr noch näher zu kommen, vielleicht.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Mut zur Veränderung, weder in Wut und Hysterie, noch in Selbstmitleid und Lethargie zu verfallen, Empathie und Solidarität, Zuversicht, Achtsamkeit.

Literatur vermag den Wahnsinn, das Grauen, die Absurditäten, Ungerechtigkeiten unserer Welt, aber auch das Schöne, das Magische, die Wunder in Worte zu fassen.

Literatur (und Kunst) kann aufrütteln, aufzeigen, erschüttern, ver- und entführen und verzaubern. Ich finde es besser, wenn die Kunst die Verführung und Verzauberung übernimmt und nicht etwa die Politik.

 

 

Was liest Du derzeit?

Gerade habe ich Helene Adlers „Infantin“ gelesen, als nächstes möchte ich „Echos Kammern“ von Iris Hanika anfangen. Außerdem freue ich mich schon sehr auf die Bücher meiner KollegInnen aus dem Herbstprogramm von Kremayr & Scheriau. Und dann gibts da noch einen Stapel mit Büchern über Babys …

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wenn so das Menscheninnerste riecht, dann kann nicht alles verloren sein.“ aus „Ich an meiner Seite“ von Birgit Birnbacher.

 

 

Vielen Dank für das Interview liebe Barbara, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Literaturprojekte und Deinen neuen Roman („Friss oder stirb“ August 2020) wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Barbara Rieger, Schriftstellerin

https://www.kremayr-scheriau.at/autoren/barbara-rieger/

Foto_Alain Barbero

 

13.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ich halte Freiheit für unabdingbar. Wie eh und je“ Susanne Toth, Schriftstellerin_Wien 28.7.2020.

Liebe Susanne, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Vereinzelt. Und zerspragelt. Es gibt ein drinnen. Es gibt ein draussen. Zwischen beiden Extremen pendelnd, verlaufen die Tage, unfix und teilverplant, in jeder Frühe öffne ich die Samtvorhänge, für das Licht, und den Freiblick in den Himmel.

Meditieren, Körperübungen, Gedichtzeilen schreiben, Texte tippen, Lage bedenken, was tun mit den übervollen Speicherzuständen, meinen Humor zum Assistenzeinsatz rufen, in Büchern lesen, Textarbeit, mit Familie, Freunden, Kolleginnen kommunizieren, social media versorgen, mich grämen über gestern versäumte Veranstaltungen, neue Wohnung suchen, künstlerische Kooperationen visionieren, Aufenthalte anderswo auftun, dem Wind in den Blättern lauschen, innehalten, atmen, Heimbüro, aufräumen, kochen, essen, Kaffee brauen, intensive Blumenfarben bewundern, zeichnen, globales Chaos betrachten, Kopf schütteln, Anteil nehmen, Blicke lösen, Schlüsse ziehen, kritzeln, schreiben, Terminkalender aktualisieren, Fenster auf Luft rein, Fenster zu Lärm raus, tagesadäquate Kleidung finden, Flucht ergreifen. Rad fahren. Barfuß über eine Wiese gehen. On the road die Welt via smartphone zusammenhalten.

Die beiden Seelen die ich trage /
gehen getrennte Wege täglich /
einmal kreuzen sich diese nur /
nachts reisen sie zusammen.

 

Susanne Toth _ Christina Gohli

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Human Kindness. Geistesgegenwart und Mitgefühl. Selber denken.
Bäume, Wiesen, tief atmen. Menschen umarmen, mit Kindern sein, viel und laut lachen. Kunst genießen und erschaffen. Lieben!

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst zu?

Hui! das sind große Fragen…

Ich halte Freiheit für unabdingbar. Wie eh und je. Und Respekt, vor dem wie für das Leben.
Ein Ende der globalen Misogynie, parallel zur absoluten Entwaffnung und Entmilitarisierung. Gesellschaftlich fallen mir Vielfaltsein, Gemeinschaft, Solidarität als zusammenhörig fürs Überleben ein, also bedingungslose Grundversorgung, und natürliche Lebensmittel.

Literatur ist da, in ihrer Gesamtheit. Vom Anfangswort bis zur jüngsten örtlichen Neuerscheinung.

Der Menschheit vorenthaltene Literatur, geheimgehalten, weggesperrt, fehlt dieser schmerzlich in ihrer Entwicklung. Eine Öffnung ist essenziell. Es gibt endenlos literarische Schätze zu heben.

Kunst als Manifestation menschlicher Ausdrucksfähigkeit. Eine Freiheit (s.o.).

Susanne Toth _Christina Gohli

 

Was liest Du derzeit?


„Milkman“  von Anna Burns (im Juni hab ich 4 Bücher von Agota Kristof verschlungen) und vor mir liegen „Annette, ein Heldinnen-Epos“ von Anne Weber und „Americanah“ von Chimamanda Adichie

 

Welchen literarischen Impuls möchtest Du uns mitgeben?

Fame is a bee.
It has a song—
It has a sting—
Ah, too, it has a wing.

(Emily Dickinson)

 

Vielen Dank für das Interview liebe Susanne, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Susanne Toth, Schriftstellerin

Bücher

Fotos: Christina Gohli

 

12.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kritisch bleiben, selbstbestimmt, feministisch, neue Wege denken und an der Umsetzung arbeiten“ Alexandra Streit Weinrich, Künstlerin _ Wien 27.7.2020

Liebe Alexandra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Der hat sich nicht wesentlich geändert.

Ich bin Frühaufsteherin, der Tag beginnt meistens schon um 5:00 Uhr mit Kaffee im Bett und so einer Art morgendlichem Kreativ Tagebuch, da schreibe ich 3 A4 Seiten unzensuriert, was immer mir in den Sinn kommt – eine Technik aus dem Buch „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron, die sich für mich sehr bewährt hat. Danach mache ich Sport. Dann geht es entweder ins Atelier oder ich arbeite von zu Hause an Skizzen und Konzepten. Bin da eher Marke Beamtenkünstlerin. Ich habe für mich herausgefunden, dass es eine feste Struktur und viel Disziplin braucht, um dem Ideenrausch Form zu verleihen. Verspreche aber, dass ich mich, sobald mein Kleiderschrank von weißen Blusen und Faltenröcken überquillt und sich nervöses Hüsteln oder eine ähnliche Macke bemerkbar macht, erwartungsgemäß wilden Orgien hingebe und meine Gin Flasche beim Vornamen nenne. 😉

 

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ein längst anstehender Paradigmenwechsel, Aufklärung und Transparenz als Voraussetzung

Ich habe ganz zu Beginn der Krise einen Text verfasst, den ich nie veröffentlicht habe. Ich denke es ist jetzt der richtige Zeitpunkt :

#Paradigmenwechsel

So meine Lieben, nach etlichen Tagen Klopapier, niedlichen Kinderfotos, Kettenbriefen also jeder Menge light entertainment –  sicher in diesen Tagen auch berechtigt – beschleicht mich das vage Gefühl, wir könnten uns in Brot und Spielen grad selbst einlullen.

Also jetzt mal ehrlich – auch ich habe Angst. Es gibt Menschen, die ich mehr liebe als mein Leben, die zu Risikogruppen  zählen. Das kann was. Nun sitze ich hier und denke: ANGST, ANGST, ANGST….der Titel meiner letzten Ausstellung war Sex und Angst. Eine der Fragen dahinter: wann verschwindet der Einzelne in der Masse, hat das Gefühl nichts mehr bewirken zu können und wie geschieht das? Wie werden Massen bewegt bis hin zu Kriegsparolen wie “ Es lebe der Tod“?! Ich bin auf 2 wesentliche Zutaten gestoßen: Etwas, das  uns Alle betrifft (bei meinem Thema Sündenfall war es Sex) und – Angst. Heute haben wir Corona und Angst. Und ich behaupte nicht, dass diese unberechtigt ist, die Bilder aus Bergamo sind bedauerlicherweise kein Fake. Ich bin auch für die Quarantänemaßnahmen und durchaus froh im Moment in Österreich zu leben. Aber: es gibt auch Ungereimtheiten. Und wir befinden uns in der Situation auch, weil unser Gesundheitssystem (nicht nur das unsere btw!) systematisch an die Wand gefahren wurde und nun blüht uns das Gleiche mit unserer Wirtschaft. Klar Gesundheit steht an 1. Stelle – ein AHA Erlebnis…

Weitere könnten folgen. Was mich stutzig macht:

  • die allerersten Bilder aus Hubei , die gehen mir nicht aus dem Kopf– da sind die Menschen auf offener Straße wie Schachfiguren umgefallen, das war wie aus einem billigen Science Fiction Roman, könnt ihr euch erinnern? Ich glaube an die Gefahr der Erkrankung, allerdings ist das Bild, dass sich heute hier abzeichnet doch ein Anderes.
  • Warum wird nicht vermehrt auf jene geachtet, welche die Krankheit bereits überstanden haben? Wenn diese tatsächlich immun sind, wieder in´s gesellschaftliche Geschehen zurückkehren und helfend eingreifen sieht es mit der Isolation doch weitaus weniger drastisch aus. Warum wird nicht mehr getestet?Also aktuell sind die Zahlen der Registrierten bei rund 4000, die meisten milde Verläufe.
  • Der Satz: dafür ist jetzt nicht die Zeit!!! Der lässt die Alarmglocken so richtig bimmeln: und – wir machen mit! Schicken uns Klopapierrollen in allen Varianten anstatt uns die Frage zu stellen, die längst ansteht: wie geht das mit uns weiter? Ein Corona Bonus für alle, die jetzt unser System am Laufen halten und dann Business as usual? Oder generell eine Umverteilung und ein Überdenken unseres Wertesystems? Warum ist jetzt nicht die Zeit über bedingungsloses Grundeinkommen nachzudenken? Gibt es tatsächlich keine Überlegungen, wie es mit der Wirtschaft nach Corona weitergeht? Banken, Währung, Digitalisierung des Geldes Europa, Grenzen – dafür ist keine Zeit, ich kann das nicht wirklich glauben. Verpflichtende geteilte Karenz? Was tun mit leerstehenden Nutzflächen? Darüber ob und warum ein Mädchen mit Zöpfen vor kurzem noch unser größtes Feindbild war (dabei haben wir Orbans, Trumps,…)? Was bedeuten Kunst und Kultur für die Gesellschaft, was würde das Verschwinden derselben bedeuten? Flüchtlingskrise, wir schaffen das…ja unbedingt, aber WIE? Jetzt ist nicht die Zeit sich über anderes Gedanken zu machen….ja, aber warum? Und wie steht es mit uns? Wie sieht es nun aus mit dem Einzelnen und der Masse? Zeigt uns die Zeit, dass der Einzelne wichtig ist oder nicht? Wenn die Verantwortlichen jetzt nicht die Zeit haben – wir haben sie! Was machen wir damit? Die Witzchen sind ja nett, aber die kleine Schwester von nett kennen wir auch und die gesellt sich langsam dazu. Und Angst haben viele von uns, aber die große Schwester von Angst ist Mut. Wollen wir die Corona Klobrille abnehmen und gemeinsam überlegen wohin die Reise nach Corona gehen soll, welche Gesellschaft wir uns wünschen? Ich würde das sehr gerne – also meine Frage an euch: wie wäre es mit einem Gedankenaustausch unter #Paradigmenwechsel ?

 

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„Die Künstlerin und Ihr Über Ich“, Fotoarbeit zu einer Plexiglasmasken Artist Edition in Kooperation mit Maria Magdalena Ianchis 

 

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„Vulva Cantata“ , Installation aus der Ausstellung Sex & Angst

 

 

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„Ich habe heute leider keinen Apfel für dich“, Acryl auf Leinwand aus der Ausstellung Sex & Angst

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

Kritisch bleiben, selbstbestimmt, feministisch, neue Wege denken und an der Umsetzung arbeiten – nicht anders als zuvor, allerdings mit einer neuen Dringlichkeit. Wachsam bleiben, ganz besonders in Bezug auf Digitalisierung und Algorithmen, die den derzeitigen Bewusstseinszustand einzementieren. Der Kunst sollte mehr Bedeutung zukommen und nicht weniger – die derzeitige Entwicklung stimmt mich bedenklich.  Diese Wertigkeit beginnt in einem Schulsystem, das einer radikalen Reformation bedarf. Ich sehe die Kunst als den Atem der Gesellschaft und sie sollte als Spiegel der Zeit einen unumstrittenen Stellenwert haben. Ich selbst widme mich, als ehemalige Studentin der Meisterklasse bei Prof.A.Frohner, vermehrt Medien wie Fotografie und Performance, die mich nicht nur aufgrund Ihrer Formsprache und Ausdruckskraft ergänzend zur Malerei faszinieren, sondern auch die Möglichkeit bieten in einer schnelllebigen Zeit schneller zu reagieren.

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„another day in paradise“

 

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„another day in paradise“

 

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Performance zur Ausstellung „Sex & Angst“

 

 

Was liest Du derzeit?

„Unsichtbare Frauen“  Caroline Criado -Perez

„Duell“ Joost Zwagermann

„Wie frei ist die Kunst?“ Hanno Rauterberg

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Lerne die Regeln gut, damit du weißt WIE du sie (bei Bedarf) ändern kannst.

 

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Vielen Dank für das Interview liebe Alexandra, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Alexandra Streit Weinrich: Künstlerin

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12.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Es geht jetzt um Verbindung der Menschen, Katharsis, Stärkung“ Eva Maria Neubauer, Schauspielerin_Wien 26.7.2020

Liebe Eva Maria, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Hm, eigentlich sehr verschieden. Aber momentan mache ich viel Bewegung. Ich habe gerade viel Freude meinen Körper zu spüren, nicht in Gedanken oder Befürchtungen abzuhauen. Es fühlt sich ja alles ein bisschen unsicher und neu an. Radfahren hilft. Ich genieße es täglich mein Essen frisch zuzubereiten, ernähre mich ja seit 8 Jahren roh-vegan und wenn mir viel Zeit zur Verfügung steht, liebe ich es auch was Neues zu kreieren und das auch mal bei einem Picknick zu zweit oder mit Freunden genüsslich zu verspeisen. Ich suche die beruhigende Natur, das ,,auf der Erde sitzen’’.

Und ich bereite eine Aufnahme von meinen klassischen und zeitgenössischen  Lieblingssongs vor. Zur Abwechslung nicht meine Eigenen. Singen ist überhaupt für mich eine Art Seelendusche. Da fängt alles wieder an sich einzupendeln, und es befriedigt mich tief. War ja auch meine erste Liebe vor dem Schauspiel. Ich greife auch wieder zur Viola, die ich ja sonst nur dann spiele wenn ich sie für Konzerte brauche. Jetzt, wo die Zeit noch großzügig ist, weil wir noch nicht aufführen können, fühlt es sich richtig an, an meiner Kunst zu feilen, sie auch da und dort zu überprüfen- oder einfach nur rum zu spielen.

Mit anderen Menschen an ihrer Sprache und Stimme zu arbeiten, sie zu begleiten, hilft mir sehr, nicht als Künstlerin in eigener Nabelschau stecken zu bleiben.

Ja, und ich versuche am Tag immer wieder still zu werden. Den hohen Frequenzen in mir zu lauschen. Das brauche ich sehr um meinen Kompass wieder nach zu justieren.

 

Eva Maria Neubauer _ M.Giefing

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Auf jedem Gebiet ,,Inventur’’ zu machen. Zu schauen was trägt noch und was ist eigentlich nicht mehr passend. Von den mitmenschlichen Beziehungen bis zur Art mit unserer Erde umzugehen.

In der Coronazeit waren wir alle auf einen kleinen Kreis an Menschen bezogen. Eine Art Biedermeier in den 2020ern. Das kann verbinden oder auch von einander trennen. Durch die Erklärung der Regierung und andererseits das ,,InFrageStellen’’ der getroffenen Maßnahmen sind zwei Gruppen entstanden, die sich nicht und nicht einigen können, auch wenn beide Meinungen für sich nachvollziehbar sind. Für mich ist dieser Ausbruch mit der Reaktion der Welt kein Zufall. Es ist für uns scheinbar wichtig erkennen zu lernen, was Wahrheit und Unwahrheit ist. Das ist oft nicht leicht, aber einfach Mitschwimmen geht, glaube ich, nicht mehr wirklich… und trotz allem das Verbindende zu suchen und zu finden, den Herzenskontakt. Nicht die Technik wird uns in den Kontakt bringen, auch kein 5G. Selbst wenn wir alle in dieser Zeit froh waren um die Möglichkeiten des Internets, sehe ich das enorme, atemlose Drängen mehr Digitales in unser Leben zu bringen, sehr kritisch. I want the real thing! Ich finde es enorm wichtig immer im Auge zu behalten, das die Technik für uns da ist und nicht umgekehrt. Maschinen werden nie unsere Fähigkeiten des Herzens ersetzen. Und das ist das eigentliche Wunder. Der Funke der den Baum zum Blühen bringt, das Herz das lieben kann! Das schafft keine künstliche sogenannte Intelligenz. Lassen wir uns niemals einreden, dass das Künstliche mehr ist als die Natur.

Auch Viren sind Natur, und je weiter wir uns von ihr entfernen, und ein denaturiertes Leben leben, desto mehr werden wir glauben, uns schützen zu müssen, weil wir verlernt haben mit den abermillionen kleinen Mitbewohnern im Einklang zu sein. Solange wir jedes Unkraut ausreißen, und sogar den Tod, der zum Leben gehört, zu vermeiden versuchen, desto härter wird uns alles noch Kommende, nicht Voraussagbare überwältigen. Das Lebendige, auch in uns Menschen zu achten und schützen, das ist lohnend. Weil wir selbst Natur sind.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Film, Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Die Kunst hat immer schon die Freiheit genossen alles sagen zu dürfen. Auch gegen den Konsens aufzustehen und die Gesellschaft und ihre Entwicklung zu hinterfragen. Gerade jetzt wünsche ich mir ein mutiges und beherztes Theater.

Mutig nicht weil wieder jemand nackt ist oder weil ein Stück zur Unkenntlichkeit auseinander genommen wird, sondern weil die Figuren sich trauen ihre Meinung zu sagen. Moralisch hat das Theater eine Verantwortung Meinungsfreiheit zu verteidigen. Figuren, die ihr Gesicht zeigen und das auch dürfen. Immer wieder stehen Stücke auf dem Programm, die von Nazigräuel und Geschichten erzählen in denen Menschen enormes Leid zugefügt wurde. Das Theater rühmt sich da eine moralische Instanz zu sein und wir glauben immer, wir hätten zur Zeit des 3. Reichs Zivilcourage gezeigt. Ich bin mir da leider nicht so sicher. Wenige würden, glaube ich, den Mund aufmachen… ihr Visier heben… weil wir durch die sozialen Medien mitbekommen was mit Menschen geschieht, die ihre Meinung öffentlich zum Ausdruck bringen. Selbst auf fachlicher Ebene… dass dann der Andersdenkende bekämpft werden muss. Das beunruhigt mich. Und da sehe ich die Aufgabe des Theaters: diese Memes zu entlarven, die nicht mehr sachlich hinterfragt werden dürfen.

Auch im Film ist die zigste Auflage von Wer-war-der-Mörder irgendwie entbehrlich. Es braucht positive Visionen und Themen die heutige Missstände aufzeigen und mutige, starke und lebendige Menschen portraitieren. Und die Zeit des eitlen, zynischen, Hybris-getue am Theater hat für mich keine Kraft mehr. Es geht jetzt um Verbindung der Menschen, Katharsis, Stärkung. Für mich ist das Theater und der Film Heilstätte. Die Zuschauer sollen etwas Lebendiges, eine Mut machende Vision erleben. Wir müssen wieder durch Mitgefühl  verbunden werden. Darum ist es wichtig Geschichten zu erzählen die Kraft haben und sie dann mit Hingabe und Liebe zu verwirklichen. Ich erinnere mich an Aufführungen vor 25 Jahren die immer noch tief in meiner Seelenlandschaft auffindbar sind… aber auch noch heute, zuletzt im National Theatre in London, eine Vorstellung von,, Jane Eyre’’. Tief berührt und befriedigt wacht man aus so einer liebevoll erzählten Geschichte auf… ohne Zynismus, aber mit viel Humor und Wahrhaftigkeit.- Und natürlich Musik.

Wir brauchen jetzt Künstler, die uns kritisch denken, aber vor allem mit dem Herzen fühlen lassen. Miteinander. Als große Menschheitsfamilie. Diese Künstler gibt es.

 

Eva Maria Neubauer _ M.Giefing _

 

Was liest Du derzeit?

Das rote Buch, von C. G. Jung

Italienische Kurzgeschichten

Jeden Tag weniger ärgern. Von Vera F Birkenbihl 😉

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

 

Es gibt Dinge, die sind unbekannt,

Es gibt Dinge , die sind bekannt.

Dazwischen gibt es Türen.  ( William Blake 1757-1827)

Und weil`s so schön ist:

 

Es ist das Ende der Welt sagte die Raupe.

Es ist erst der Anfang, sagte der Schmetterling.

(Frei nach Laotse)

 

Vielen Dank für das Interview liebe Eva Maria, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Schauspiel- und Musikprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Eva Maria Neubauer: Schauspielerin, Sängerin

http://www.evamarianeubauer.com/index.php?site=vita

Fotos: M.Giefing

 

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„Viele politische Entscheidungen sind deutlich von finanziellen Interessen mitgeprägt“ Peter Clar, Schriftsteller _ Wien 25.7.2020

Lieber Peter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Gar nicht so anders als sonst, da ich als (mehr oder wenig freiwillig) Selbstständiger ohnehin zumeist von zu Hause aus arbeite. Allerdings ist zeitlich alles wesentlich enger gedrängt als sonst. Ich bin ja nicht allein Schriftsteller sondern auch Literaturwissenschaftler und als solcher gerade als Karenzvertretung einer ÖAD-Lektor_innenstelle in Bratislava tätig. Das hieß in den letzten Monaten online-Lehre für sieben Kurse (plus einen in Wien), das heißt Vorbereitungen für 13 (!) Lehrveranstaltungen im kommenden Semester. Was natürlich ein Ding der Unmöglichkeit ist. Nebenbei arbeite ich – typisch für uns Prekäre – an Anträgen, (unbezahlt) an zwei Herausgeberschaften etc. Da bleibt leider nicht viel Zeit um konzentriert literarisch zu arbeiten.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Eigentlich nichts, was nicht sonst auch wichtig wäre, vor allem (wie immer) Solidarität. Und zwar mit allen, mit den Älteren wie mit den Jüngeren, mit den Österreicher_innen wie mit den ‚Ausländer_innen‘, mit den Künstler_innen wie mit den Verkäufer_innen und und und. Aber wie im ‚normalen Leben‘ scheint mir auch in Corona-Zeiten diese Solidarität begrenzt zu sein. Wie sonst kann man es sich erklären, dass in Griechenland die Flüchtlingslager immer noch geöffnet haben oder immer noch diskutiert werden muss, ob die EU gemeinsam Schulden aufnimmt, um einander gegenseitig zu helfen, oder – im Kleinen – dass immer noch Menschen ohne Maske in die öffentlichen Verkehrsmittel einsteigen?

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Da bin ich schon bei Deiner Fragestellung skeptisch. Für mich deutet sich nicht unbedingt ein Neubeginn an. Klar, momentan sind alle geschockt und sprechen davon, dass man gelernt hätte, was des Wesentliche sei, dass man gar nicht so viel brauche (nicht so viel Konsum, nicht so viel Reisen etc.). Aber zugleich sind viele Entscheidungen, ob das nun die Grenzöffnungen betrifft, die Lokalöffnungszeiten, die Öffnung der Fußballstadien etc., deutlich von finanziellen Interessen mitgeprägt (warum sonst durften Konzerne – und was anderes sind die nicht – wie Bayern München, Red Bull Salzburg, Rapid Wien etc. Fußball spielen als der Schulsport noch verboten war?). Es zeigt sich jetzt schon, dass die Maxime „Geht es der Wirtschaft gut, geht es uns allen gut“, deren Unrichtigkeit allen, die halbwegs gesellschaftspolitisch interessiert sind bewusst ist, und die nicht zuletzt für die momentane Krise mitverantwortlich ist weiterhin die ist, an die sich die Politik hält (auch weil viele Menschen die Politiker_innen die diese Politik vertreten wählen – das muss schon auch gesagt werden).

 

 

Was liest Du derzeit?

Frank Rudkoffskys Dezemberfieber  (eine für mich etwas ungewöhnliche Lektüre, gefällt mir aber ganz gut),

Roland Barthes Fragmente einer Sprache der Liebe (weil ich dieses wunderbare Buch immer wieder hernehme und reinlese – und weil ich mit einer Kollegin an einem Buch dazu arbeite)

und sonst viel Lyrik, Sophie Reyer, Astrid Nischkauer, Fabjan Hafner.

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die absolute Gastfreundschaft erfordert, dass ich mein Zuhause (chez-moi) öffne, und nicht nur dem Fremden […] sondern auch dem unbekannten, absolut Anderen (eine) Statt gebe (donne lieu), dass ich ihn kommen lasse, ihn ankommen und an dem Ort (lieu), den ich ihm anbiete Statt haben (avoir lieu) lasse ohne von ihm eine Gegenseitigkeit zu verlangen (den Eintritt in einen Pakt) oder ihn nach seinem Namen zu fragen. (Jacques Derrida: Von der Gastfreundschaft, S. 27)

 

Vielen Dank für das Interview lieber Peter, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Peter Clar, freier Schriftsteller und Literaturwissenschaftler

Lyrik-Prosa-Literaturwissenschaft

 

 

 

25.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ich denke, dass das Theater eine gesellschaftliche Verpflichtung hat“ Ines Schiller, Schauspielerin_Linz 24.7.2020

Liebe Ines, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Durch das Theaterspielen hat man immer einen ganz genau vorgegebenen Tagesablauf. Auch wenn ich weiß, dass ich abends eine Vorstellung spiele, lebe ich den Tag anders. Dieser Tagesablauf hat sich nun verändert: Ich mache die Dinge, die ich will, was mich eigentlich sehr glücklich macht, obwohl ich das Theaterspielen sehr vermisse. Ich versuche, mich mit all den Dingen zu beschäftigen, die ich schon immer machen wollte oder die mich wirklich interessieren. So ist während der Quarantäne ein Film entstanden, den ich selbst geschnitten, inszeniert und gespielt habe. Das hätte ich zuvor einfach nicht geschafft.

 

Ines Schiller

 

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich habe gelernt, dass aus der Quarantäne, also aus dem Stillstand heraus, sehr viel passieren kann. Wenn wir uns jetzt verweigerten, so wie davor weiterzumachen, uns also bewusst für die Isolation zu entscheiden, dann würde das System wohl in sich selbst zusammenbrechen. Dann gäbe es den Raum für Formen des Zusammenlebens, die unsere kapitalistische, Menschen ausbeutende Weltsicht verneinen. Das heißt, dass wir vermutlich versuchen würden, selbstständig Entscheidungen zu treffen, ohne dass wir uns ständig einer Institution oder vorgesetzten/zuständigen Person anvertrauen müssen.

Ich habe die Situation in Österreich sehr frappierend gefunden. Dass plötzlich so viel Geld da war, das diese eine Regierung für die Flüchtlinge stets verweigert hat. Corona hat uns gezeigt, was alles möglich ist, wenn eine sogenannte Krise stattfindet. Doch ist die Krise schon vor Corona da gewesen. Ich finde es wichtig, dass wir die Möglichkeit bekommen haben, zu sehen, wie fragil dieses System ist, und dass es jetzt an uns liegt, etwas zu verändern. Wir müssen nicht arbeiten gehen, wir können auch zuhause bleiben. Würden dann die kapitalistisch geprägten Strukturen, in denen wir uns bewegen, zusammenbrechen? Arbeit ist systemrelevant: wenn wir wirklich etwas verändern wollen, unter dem Motto “Eine Andere Welt ist möglich”, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich bewusst dafür oder dagegen zu entscheiden und diese Entscheidung für sich selbst zu vertreten.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater , der Kunst an sich zu?

Ich denke, dass das Theater eine gesellschaftliche Verpflichtung hat. Es kann nicht sein, dass Kultur und Kunst an letzter Stelle kommen, denn aus ihnen sind stets relevante Kritiken entstanden. Mittlerweile entpuppt sich das Theater immer häufiger als Sprachrohr für oberflächliche Meinungen und Belustigungen genutzt. Es muss immer mehr und immer schneller produziert zu werden, um im Gespräch zu bleiben. In diesem Getriebe ist es sehr schwierig für Schauspieler*innen, die eigene Haltung zur Welt zu vertreten. Gerade jetzt ist es wichtig, nicht aufzugeben, sich nicht neuen Richtlinien zu unterordnen, sondern genau hinzusehen und zu beobachten, was wirklich wichtig ist zu erzählen: Welche Geschichten wirklich etwas dazu beitragen, dass die Menschen etwas empfinden, wenn sie die Theaterräume verlassen. Auf diesem Weg wäre es meiner Meinung nach wichtiger, sich mit dem Inhalt von Stücken, Büchern, Filmen, Performances usw. auseinander zu setzen, als eine Form, ein Spektakel, einen Konsens zu bedienen. Das heißt grundsätzlich, sich nicht dem allgemeinen Konsens unterzuordnen, sondern endlich die Stücke zu spielen, die wirklich etwas mit unserem Leben zu tun haben.

 

 

Was liest du zur derzeit?

Ich lese wieder!

Ich habe es jetzt schon 2 mal gelesen, das Buch „99 Prozent Feminismus. Ein Manifest”.

 

 

Welches Zitat welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?

Sie werden schon sehen, dass jede Epoche die Epidemie hat, die sie verdient. Jeder Zeit ihre Pest. (Ödön von Horvath)

 

 

Vielen Dank für das Interview liebe Ines viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater- und Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Ines Schiller, Schauspielerin, Regisseurin

 

24.7..2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Ohne Kunst würden wir verarmen, verrohen, ohne Zärtlichkeit auch“ Susanne Zemrosser, Künstlerin_Wien 23.7.2020

Liebe Susanne, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im Moment wird mein Tagesablauf stark von meiner kleinen Enkelin bestimmt, aber ich gehe natürlich auch ins Atelier und arbeite wie gewohnt. Hin und wieder ein Ausflug in die Natur und Freunde treffen.

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(Susanne Zemrosser, Die hörbare Stille der Bilder, 2007) 

 

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Möglichkeit einer Besinnung, was ist wesentlich…..sich Zeit nehmen, schauen, zuhören, feinere Klänge wahrnehmen, achtsam sein und wach, aufeinander achtgeben, sich an kleinen Dingen erfreuen. Dankbarkeit üben und Freude kultivieren. Lachen und lächeln und sich nicht von Ängsten treiben lassen. Der Seele Gutes tun und Zuversicht und Mut nähren.

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 (Susanne Zemrosser, Reihe Verbundenheiten „Der wundervolle Reisende“ 2020) 

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

Die Pandemie zeigt uns wie verletzlich und verwundbar wir sind und wie verbunden.

Als Künstlerin lebe ich in Verbindung mit dem Publikum. Ich arbeite dzt. an einem Projekt, in dem es um Verbundenheit geht, um Kommunikation und Resonanz. Die Kunst birgt in sich die große Chance, uns zu berühren, mit uns selbst in Berührung zu kommen. Uns zu öffnen und Herz und Blick zu weiten zu mehr Empathie und Zärtlichkeit. Diese Haltung verändert unser Wesen, unsere Hinwendung zu uns und anderen. Ohne Kunst würden wir verarmen, verrohen, ohne Zärtlichkeit auch.

 

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 (Susanne Zemrosser, a kiss for liss 2008/09) 

 

Was liest Du derzeit?

„Zärtlichkeit

Eine Philosophie der sanften Macht“

von Isabella Guanzini

 

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 (Susanne Zemrosser, Reihe – Verbundenheiten, 2020)

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Und es braucht Hände zum Streicheln, die noch feine Verbindungen weben und behutsam die Kanten und Verwicklungen der vielen Lebensgeschichten berühren können, die hier spielen“

Isabella Guanzini, ebd.

 

Susanne Zemrosser

 

Vielen Dank für das Interview liebe Susanne, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Susanne Zemrosser, Künstlerin

http://www.susanne-zemrosser.at/

 

5.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

 

 

„Kunst kann dokumentieren, Gegenentwürfe aufzeigen, Tabus ansprechen“ Maryam Laura Moazedi, Autorin_Graz 22.7.2020

Liebe Maryam Laura, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich frühstücke, Erdnussbutter ist eine Konstante, dann Weiterschreiben an Artikeln, Essays und einem Handbuch, das Semester abschließen. Sport ist auch ein integrierter Bestandteil, oft und liebend gerne schwimmen.

Ohne Pandemie stünde eine Reise ins Ausland auf der Tagesordnung, oder die Planung der nächsten Auslandsreise, oder die Vorfreude darauf … auf jeden Fall etwas mit
Reisen und Ausland bzw. ganz viel davon.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Besinnung, Selbstreflexion, Rücksicht, ja, Rücksicht und Menschlichkeit, und Verstand. Das Virus fordert von den meisten von uns vielmehr andere zu schützen als uns selbst. Das macht es wohl wenig sexy …

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Nachdenken, überdenken, umdenken. Und damit es nicht nur bei schönen Gedanken zu unseren Werten, Prioritäten, Fehlern und tradierten Mustern bleibt, würde in einer perfekten Welt Verhaltensänderung folgen. Kunst spielt dabei sicherlich mehrere Rollen, sie wirkt … kann dokumentieren, Gegenentwürfe aufzeigen, Tabus ansprechen, auf Probleme hinweisen und von ihnen ablenken, wenn es zu viel wird, bei Verarbeitung und Interpretation helfen, atmosphärisch begleiten, …

Was liest du derzeit? 

„Jakob der Lügner“ von Jurek Becker.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wären Leute aus Glas besser? Müssten sie auf andere mehr aufpassen? Der Mensch ist nicht zerbrechlich genug. Mit seiner Sterblichkeit ist es nicht getan. Er müsste zerbrechlich sein.
Elias Canetti

Vielen Dank für das Interview liebe Maryam Laura, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Wissenschaft- und Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Maryam Laura Moazedi, Universität Graz, Autorin

https://www.moazedi.org/

Foto_ 7_20_Walter Pobaschnig.

11.7..2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com