„Die Menschen sind weltweit höchst dankbar für jede Art der Unterhaltung“ Lutz Graf-Ulbrich „Lüül“, Musiker _ Berlin 25.11.2020

Lieber Lutz, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Eher ruhig, lange schlafen, kurz soziale Medien abarbeiten, möglichst wenig Massenmedien-Nachrichten lesen, Telefonate mit Veranstaltern führen, ob und wie Auftritte möglich sind. Musik machen, an neuen Stücken arbeiten. Mit Freunden telefonieren, wie sie so drauf sind.

„Lüül“ Lutz Graf Ulbrich, Musiker

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Jede(r) muss hinterfragen, wie er/sie sich informiert und ob die Informationen, die er bekommt, wirklich seriös belegt sind. Ich habe für mich festgestellt, dass die öffentlich-rechtlichen und üblichen Medien das nicht mehr gewährleisten. Offen sein für andere Meinungen, austauschen und kritisch bleiben. Herz öffnen und auf sein Herz hören.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt gesellschaftlich und persönlich stehen. Welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Ich merke, dass wir mit unseren Live-Stream Konzerten und auch jetzt mit den Live Konzerten viel Positives bewirken. Die Menschen sind weltweit höchst dankbar für jede Art der Unterhaltung und da sind wir als Musiker natürlich gefragt. Wenn auch die momentanen Bedingungen das nur begrenzt zulassen, ist es ganz wunderbar zu erleben, wie sehr alle das genießen und das erfüllt mich mit großer Freude.

Lutz Graf Ulbrich (Gitarre) und Nico_PopularUno Magazin

Was liest Du derzeit?

Der Weg des Spielmanns – ein Buch, das ich beim Rudolstadt Festival gekauft habe, da ich selbst mal eine CD „Spielmann“  produziert habe. Danach lese ich „Based on a true Story – not a Memoir“ von Norm Mcdonald – kanadischer Stand up Comedian.

Welches Zitat, welche Textstelle möchtest Du uns mitgeben?

Da fällt mir jetzt keine spezielle ein.

Aber ein Zitat des Dalai Lama:“Falls du glaubst, dass du zu klein bist, um etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist.“

Lutz Graf-Ulbrich „Lüül“ Musiker

Vielen Dank für das Interview lieber Lutz, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Lutz Graf-Ulbrich „Lüül“, Musiker

Fotos_Porträt_Max Schwarzlose

20.10.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Als Schriftsteller bin ich es gewohnt, allein im Zimmer zu bleiben und durchzuhalten“ Friedrich Ani, Schriftsteller, München _ 24.11.2020

Lieber Friedrich, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf hat sich wenig geändert, aufstehen kurz nach sieben, danach am Schreibtisch, schauen, was passiert. Als Schriftsteller bin ich es gewohnt, allein im Zimmer zu bleiben und durchzuhalten. Natürlich vermisse ich die Gastronomie, die Begegnungen, das Unbeschwerte im Alltag. Und viel zu oft bleibe ich in bestimmten sozialen Medien hängen, erstaunt über die Hingabe unendlich vieler User an Blödsinn und Oberflächlichkeiten. Sind die alle arbeitslos, frage ich mich, haben die alle so viel Zeit und sonst nichts zu tun, als Dinge zu kommentieren mit dem Gestus, sie hätten eine Ahnung von irgendwas? Nachmittags eine Runde um den Block drehen, lesen und die frühe Dunkelheit ertragen. Abends Filme auf streaming-Diensten.

Friedrich Ani, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Achtsamkeit, Mitgefühl, Geduld und Nächstenliebe. Das gilt für alle Zeiten, auch außerhalb jeder Pandemie.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Neubeginn? Aufbruch? Bisher habe ich nicht den Eindruck, dass viele Menschen an einem Neubeginn interessiert sind. Und wie sollte der auch aussehen? Dass plötzlich alle aufeinander Rücksicht nehmen? Die Rolle der Literatur in der Gesellschaft ist nicht mein Fachgebiet, ich bin Schriftsteller, kein Soziologe, ich schreibe für den Einzelnen oder – um einen Buchtitel von Lobo Antunes zu variieren – für jene, die im Dunkeln sitzen und auf mich warten. Warten wir’s ab.

Was liest Du derzeit?

Zurzeit lese ich den neuen Roman des großen Portugiesen António Lobo Antunes, „Für jene, die im Dunkeln sitzt und auf mich wartet“, und den abgefahrenen Kriminalroman des Japaners Fuminori Nakamura, „Die Maske“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Vielen Dank für das Interview lieber Friedrich, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Friedrich Ani, Schriftsteller

Foto_privat.

24.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Auch wenn das Geschichtenschreiben nicht systemrelevant ist, so hoffe ich doch, dass ich es noch lange tun kann“ Hannelore Commenda, Schriftstellerin_Enns _ 24.11.2020

Liebe Hannelore, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich steh um fünf Uhr morgens auf. Eine Stunde Frühstücken, danach an meinem Romanprojekt arbeiten. ….Hausarbeit, lesen, schreiben, Körperliche Betätigung, wechseln am Tag mehrmals.

Hannelore Commenda, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich kann nicht für uns alle reden. Meine Situation ist anders als die der meisten. Ich lebe schon eine Weile allein. Mein Tagesrhythmus ist während der Pandemie nicht wesentlich anders als sonst. In den Wintermonaten befinde ich mich in Schreibquarantäne, meine sozialen Kontakte beschränken sich auf Facebook.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich kann das Zeitgeschehen nicht ändern und wenn auch das Geschichtenschreiben nicht systemrelevant ist, so hoffe ich doch, dass ich es noch lange tun kann.

Was liest Du derzeit?

Fachbücher über Psychologie; Märchen; Biografien; Weltgeschichte; Fachartikel über politische; soziologische und umweltrelevante Themen; den Roman von Xaver Bayer – Geschichten mit Marianne.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Von Andre Heller – Die wahren Abenteuer sind in deinem Kopf, und sind sie nicht in deinem Kopf, dann sind sie nirgendwo.

Hannelore Commenda, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Hannelore, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

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Hannelore Commenda, Schriftstellerin

HANNE von Hannelore Commenda – faltershop.at

Fotos_privat

20.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Mutig sein passiert nicht nur mit Schild, Pferd und glänzender Rüstung – Es ist ein guter Begriff für diese Zeit.“ Larissa Ha, Künstlerin _ Neusiedl/See – 24.11.2020

Liebe Larissa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im Blick zurück: In den Sommerferien von meinem „Brotjob“  (ich arbeite in der Schule kreativ mit Kindern), war ich sehr entspannt was alltägliche Verpflichtungen betrifft. Kleine Fenster für Projekte taten sich auf. Aber auch die Gelassenheit und Ruhe Dinge auch mal zu versäumen, haben einen wichtigen Platz in meinem Leben gefunden.

War ich oftmals ruhelos und hatte Angst etwas zu versäumen, versuche ich nun, den Leerstellen auch eine Bedeutung einzuräumen. Ich pendle seit fast zwanzig Jahren zwischen zwei Orten. Alltag am Land und in der Stadt sieht jeweils anders aus. In Spitzenzeiten, wenn ich zwischen Job, Mutterschaft und Kreative herumhetze, bin ich von 7-17h nonstop auf den Beinen, und das Funktionieren-Müssen kann ziemlich mühsam sein. Gleichzeitig braucht meine sehr wechselhafte und neugierige Natur auch ein sicheres Konzept. In meinem Alltag versuche ich jetzt den richtigen Ausgleich zwischen Ruhe und Tatkraft zu schaffen.

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 Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nachhaltiges Denken und Handeln sollte schon lange ein wichtiger Bestandteil unserer aller Leben sein. Zusammenhängend Denken, Verantwortung übernehmen für unsere Handlungen. Aufhören zu kategorisieren und ständig Begrifflichkeiten für etwas zu schaffen. Selbstständig denken. Zusammenwachsen statt  zu spalten. Im Kollektiv denken und nicht vergessen das alles immer zusammenhängt.

 

Vor einem Aufbruch, Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Die Kunst in jeglicher Form war schon immer Kanal um die Stimmung einer Gesellschaft auszudrücken, Missstände zu verarbeiten, neue Wege aufzuzeigen, Revolten zu beginnen. Als Künstler wohnt einem ein tiefes Verständnis für das Unausgesprochene inne, welches man in vielen Formen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen kann. Manchmal spürt man Bewegungen und Stimmungen noch bevor sie kollektiv werden.

Manchmal ist es schön, oft unbequem, oft verschlüsselt, aber Kunst ist immer die „kultivierteste“ Form Dinge aufzuzeigen oder aufzubegehren und auch gelegentlich zu provozieren. KünstlerInnen* sind WegbereiterInnen* für neue Ideen und Werte. Wir sind VisionärInnen* und EroberInnen* neuer Zustände. Dafür gehört viel Mut und die Willenskraft an bestehenden Formen zu rütteln.

 

Was liest Du derzeit?

Neben meinem Bett stehen ca 20 Bücher die ich parallel lese. Im Winter grundsätzlich mehr als im Sommer. Ich lese ein Buch über jüdische Tradition und Religion, einen Roman von Margaret Atwood, dazwischen Sachbücher über Hirnforschung und Quantenphysik.

 

 Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich mag das Wort „Mut“, es ist inspirierend. Betrachte Ich es als Ganzes mit meinem inneren Auge, spuckt es eine Bandbreite von Zuständen und Eigenschaften aus: Vision, Stärke, Aufrichtung, Aufrichtigkeit, Willenskraft, Optimismus. Mut kommt nach einer Lücke, es ist das Produkt eines Prozesses, welcher mit der Erkenntnis einhergeht, das Scheitern, Fallen und Aufrichten essentiell sind, um das Leben in seiner Vollkommenheit zu erfassen. Mutig sein passiert nicht nur mit Schild, Pferd und glänzender Rüstung, sondern ganz gerne im Stillen. Es ist ein guter Begriff für diese Zeit. Es bringt uns weg von düsteren Ahnungen und Ängsten. Es aktiviert Kräfte und hat nichts endgültiges an sich denn ihm wohnt etwas vorwärtsstrebendes, erschaffendes inne. Den Mut etwas neues auszuprobieren, etwas zu beenden, wieder aufzustehen, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen, zu scheitern, für etwas/jemanden zu sprechen….

Vielen Dank für das Interview liebe Larissa, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Larissa Ha, Künstlerin

https://dynamofaktur.jimdofree.com/

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5.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„In der Kunst sind Visionen das Wichtigste. Und auch in der Gesellschaft.“ Helena Sternstaub_ Künstlerin_ Alkoven OÖ_24.11.2020

Liebe Helena Maria Christina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Meistens stehe ich um 6 Uhr auf und mache mir Kakao oder Kaffee und nimm mir ein paar Minuten Zeit um dankbar zu sein und mit positiven Gedanken in den Tag zu starten. Checke dank Mails und lese die Nachrichten in den oö Nachrichten u, der Presse. Anschließend bereite ich Frühstück für meinen 10 jährigen Sohn Loris vor und bringe ihn in die Schule.

127093976_1743123495865617_4143199987448619218_nVormittags habe ich meine kreativste Phase und Inspirationen und nutze die Zeit wenn Loris in der Schule ist, um zu zeichnen , malen und die nächsten Projekte vorzubereiten. Am besten gelingt das mit Musik und in der Natur.

125887844_2738893493042084_5702495519769666676_nNebenbei erledige ich Einkäufe und den Haushalt und hole Loris um 12 Uhr mittags wieder von der Schule ab. Nach dem Mittagessen erledigen wir die Hausaufgaben. Nachmittags verbringen wir sehr gerne Zeit im Garten mit unseren Tieren, machen ein Lagerfeuer oder Ausflüge mit Freunden. Abends sehen wir meistens einen Film gemeinsam, mein Sohn liest zum Glück auch gerne Bücher. Sobald er schläft, gehe ich ins Atelier und arbeite, jedoch nicht zu lange da ich am nächsten Tag wieder fit sein muss und den Laden schupfe. Bin sehr dankbar Mama und Künstlerin zu sein und mit viel Disziplin und Verzicht ist das auch beides möglich.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für uns alle wichtig sind nun denke ich Werte, Zusammenhalt und positive Visionen. Da ja wesentliche Veränderungen notwendig sind und verstärkt Gesundheit, Soziales, Umweltbewusstsein im Fokus stehen nach dem Lockdown, sehe ich im Grunde eine Chance, dass sich viele festgefahrene alte Strukturen sowohl für jeden einzelnen als auch für alle gemeinsam verändern. In meiner Arbeit sind Visionen das Wichtigste. Wie stellen wir uns ein Zusammenleben vor – Arbeit, Schule, Ernährung, Wertschätzung für Tiere und Natur?

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Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein, und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Als Künstlerin sehe ich es auch als meine Aufgabe meine Stimme zu nutzen, um aufzustehen und mich einzusetzen für Menschen, vor allem Kinder und auch Tiere, die keine Stimme haben. Hier können wir nur alle an einem Strang ziehen, das Volk mit der Politik und umgekehrt.

Kunst ist ein wesentlicher Bestandteil des Systems und wird es jetzt noch mehr wie man sehen konnte. Musik ,Bilder, kreative Kurse usw. sind sehr heilsam und in uns allen verankert, da wir alle ein kreatives Potenzial in uns tragen, wie auch immer sich das ausdrückt.

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Was liest Du derzeit?

Ich lese sehr gerne! Im Moment faszinieren mich das alte Wissen indigener Völker, alternative Heilmethoden und Techniken in allen Bereichen.

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Einstein kennt jeder.

Der alte Mann mit den langen, grauen Haaren. Steht vor der Kreidetafel und streckt dir frech die Zunge raus. Entdecker der Relativitätstheorie und naturwissenschaftliches Universalgenie.

Wie kein anderer verkörpert Einstein noch lange nach seinem Tod den Begriff genialer Forschung und steht für Wissenschaft, Technologie und Fortschritt.

Neben seinen bahnbrechenden Erkenntnissen, die die moderne Physik geprägt und unsere Weltanschauung massiv verändert haben, zeichnet sich Einstein aber besonders durch seine Weitsicht und sein moralisches Feingefühl aus. Aus diesem Grund habe ich dieses Zitat welches mich zu tiefst berührt ausgewählt.

„Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt.“

Vielen Dank für das Interview liebe Helena Maria Christina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

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Helena Maria Christina Sternstaub „Elle Fee“_Künstlerin

ABOUT ELLEFEE

Fotos_privat

25.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ich wünsche mir ein stärkeres Miteinander und weniger Wut“ Britta Avalon Kagels_ Schriftstellerin _ Berlin 23.11.2020

Liebe Britta, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich arbeite hauptberuflich als Sozialarbeiterin in einer Schule. Daher ist mein Tagesablauf sehr strukturiert. Zur Schule gehen, unterrichten, betreuen, mit den Jugendlichen arbeiten. Am Wochenende schreibe ich, alles ist genau getaktet. Mein Alltag hat sich nur wenig geändert. 

Britta Avalon Kagels_Schriftstellerin _ Berlin.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Rücksicht, Verantwortung, Empathie, Zusammenhalt, Respekt. Jeder von uns geht mit dieser Krise anders um, jedem geht es anders, jeder hat andere Sorgen oder Ängste. Das sollte man respektieren. Menschen fürchten den Tod, die Arbeitslosigkeit oder die Zukunft. Ich beobachte immer mehr den aggressiven Diskurs, höre Verschwörungstheorien, die gerade erblühen. Das macht mir etwas Sorgen. Die Menschen sind emotional sehr aufgeladen, das sorgt für Gewitter. Ich wünsche mir ein stärkeres Miteinander und weniger Wut.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich denke dass unsere Vulnerabilität und Sterblichkeit als Menschheit gerade immer sichtbarer wird. Nicht zuletzt durch Corona. Wir sind nun dazu angehalten, verantwortungsvoller zu handeln. Für die Umwelt und die Mitmenschen.
Literatur kann eine Gegenwart konservieren. Viel mehr noch, es gelingt ihr, ein Geschehen wie dieses aus verschiedensten Perspektiven zu bearbeiten und emotional zu färben. Als es im März losging, schrieb ich über den Tod, jedoch humorvoll. Das war meine Art den Tod mit seiner zugeschriebenen Grausamkeit zu entkräften. Wie Kästner schon sagte, Humor ist der Regenschirm der Weisen. Ich wollte es versuchen. Kunst ist für mich ein ständiger Versuch Eindrücke, Ängste, andere Emotionen und Prozesse zu verwandeln. Dort, wo viele Gefühle sind, kann man kreativ werden. Die Kunst bietet die Möglichkeit absoluter Freiheit in den Begrenzungen.

Was liest Du derzeit?

Im Herbst lese ich immer Gedichte. Gerade wieder die von Mascha Kaléko. Ansonsten habe ich gerade mit der Schachnovelle von Stefan Zweig begonnen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Aus:  Der kleine Prinz

Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Vielen Dank für das Interview liebe Britta, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schreibprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Britta Avalon Kagels, Schriftstellerin

Foto_privat.

2.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Lasst uns Ideen entwerfen! Pflegt Kontakte, träumt und plant!“ Mark Klenk, Schriftsteller _ Wien 23.11.2020

Lieber Mark, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wärme und Kälte. Meditation und Sport. Lesen und Schreiben. Flow-Erlebnisse und Ruhe.

Mein Tagesablauf als Schriftsteller besteht darin, die alltägliche Arbeit zu erledigen (davon bleibt niemand verschont) und gleichzeitig meine Umgebung TROTZ des Alltags durchgehend wahrzunehmen. Das Schöne und das Oh-Gott-das-kann-nicht-so-sein-Unschöne im Leben MUSS ich verstehen, herausfordern und zum Ausdruck bringen. MUSS, weil diese Leidenschaft in mir brennt. Das ist mein Alltag. Brennen und Abkühlen. Das Gewöhnliche, das Alltägliche aus anderen Perspektiven sehen und meine Mitmenschen, meine Leser und Leserinnen, damit herausfordern, das Gleiche zu tun.

Kaffee und Wasser. Sehr wichtig!

Mark Klenk, Schriftsteller, Lyriker, Projektkoordinator

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für uns Kreative ist es besonders wichtig während dieses Lockdowns (und leider Gottes auch bei den voraussichtlich noch kommenden Lockdowns), Kooperationen zu suchen und uns nichts gefallen zu lassen. Wir Künstler wollen alles allein machen, aber wir Künstler und Künstlerinnen ergänzen einander! Schriftsteller sollen mit Musikerinnen zusammen etwas tun. Fotografinnen mit Lyrikern. Filmmacher mit Gärtnerinnen. Das ist auch die Chance in dieser immer wieder akut werdenden Krise.

Wo sind unsere Grenzen? Auch während der Pandemie gibt es keine! Ich höre täglich wie frustriert die Kunstszene ist. Ja, es ist mühsam, weil wir nicht auftreten können. Nichts ist wie gewohnt. Nützen wir diese Zeit trotzdem! Lasst uns üben und Ideen entwerfen! Pflegt Kontakte, träumt und plant! Es gibt keine Grenzen, nur die in unseren Köpfen.  

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Das Schreiben ist ein Werkzeug. Die Literatur soll aufbauen, zerstören, formen, sägen, hämmern und Aufmerksamkeit erregen. Ich stimme für Werkzeuge, die viel Krach machen und nachhaltige, lebensverändernde Werke bauen! Reißen wir mit unseren Werken vermorschte Bauten nieder und bauen wir etwas Stabiles und etwas Stärkeres auf. Ich glaube, dies ist lebenswichtig, nicht nur in der Politik oder mit aktuellen Themen, sondern weil die Menschen uns brauchen! Egal ob Buch, Film, Musik, Theater, Tanz…. Wenn der Mensch nicht mit einem Aha-Erlebnis weggeht, machen wir etwas falsch. Bringt die Menschen zum Denken. Das bringt Veränderung und Lebensfreude – mit oder ohne Pandemie.

Was liest Du derzeit?

Ich habe einen Berg von Büchern und e-Büchern, die auf mich warten, aber momentan springe ich nach Lust und Laune zwischen drei Büchern hin und her:

Tschick – Wolfgang Herrndorf

Das Buch der Lebenskunst – Anselm Grün

Heiligenblut (Schock-Lyrik Anthologie mit Till Lindemann) – Hrg. Jörg Martin Munsonius

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ora et labora et lege! (Grundsatz der Benediktiner)

Sinn der Sache ist die Sache des Sinnes. Finde deine Mitte, finde das, was dich im Leben wahrlich glücklich macht. Das Leben ist schön! Gewinne diese Erkenntnisse für dich, damit du sie auch weitergeben kannst, um deine Freude zu vervielfachen. (Mark Klenk)

Mark Klenk, Schriftsteller, Lyriker, Projektkoordinator

Vielen Dank für das Interview lieber Mark, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Mark Klenk_Schriftsteller, Lyriker, Projektkoordinator

https://www.markklenk.com/

Fotos_1_privat 2,3,4 _Roxana Pircher

19.11..2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ich bin müde. Müde von der Arbeit, müde von den Diskussionen, müde von diesem Jahr“ Peter Bevc, Regisseur_Wien 23.11.2020

Lieber Peter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin ja kein selbstständiger Künstler im beruflichen Sinne, sondern arbeite für meinen Lebensunterhalt in einem Fotogeschäft. Das ist dieses Jahr etwas anstrengender als normalerweise. Es ist mühsam wenn man ständig Menschen auf die Maskenpflicht aufmerksam machen muss, besonders wenn diese Kunden Passbilder benötigen, wo sie die Masken wieder runternehmen können. Man kommt sich dabei oft sehr blöd vor, und die Kunden, die dann mit einem zum Diskutieren anfangen als wäre ich Sebastian Kurz persönlich, nun, ich habe nicht einmal vernünftige Gegenargumente.

Mit dem Soft Lockdown war plötzlich noch mehr los als zuvor. Man merkt wie konsuminfiziert unsere Gesellschaft inzwischen geworden ist. Gibt’s keine Gastro und keine Kultur dann ist den Menschen fad, dann gehen sie halt shoppen. Am Besten noch in großen Gruppen und ohne Maske ins Geschäft, dann großartig mit mir streiten wegen Bill Gates und was weiß ich. Ich befolge ja selber nur blind was mir gesagt wird. Das kommt mir alles noch irgendwie vernünftig vor bis zu dem Zeitpunkt als das Leben plötzlich daraus besteht ,dass man tagsüber hakelt wie ein Depperter und wenn man heimkommt hat man dann Ausgangsbeschränkung. Ich bin ja nicht konkret dagegen, aber hätte mich vor zwei Jahren noch jemand mit dem Begriff „Ausgangsbeschränkung“ konfrontiert, hätte ich mich ziemlich kräftig darüber aufgeregt. Ich weiß ja sowieso nicht mehr mit wem ich mich identifizieren soll. Verstehen tu ich derzeit so ziemlich alle Seiten. Ich verstehe die Alten, die sich aufregen, wenn die Teenager in den Parks große Partys schmeißen, doch verstehe ich die Teenager, die gerade hormongepumpt sind, nur an erste Erfahrungen mit Alkohol und dem anderen Geschlecht denken, und dann sind sie offiziell dazu verdammt daheim zu sitzen und zu masturbieren. Wäre das meine Jugend, ich würde mich doch auch aus dem Haus schleichen. Es gibt Momente da verstehe ich sogar die Coronaleugner, oder verstehe ich zumindest das Bedürfnis einen Sündenbock, einen Schuldigen zu besitzen. Ist das Gleiche jeden einzigen Schritt der Regierung heftig zu kritisieren. Ich bin auch kein Fan von der Regierung, doch habe ich in meinem Geschäft beobachtet, dass nicht die Regierung allein daran Schuld besitzt, dass die Maßnahmen nicht so funktionieren wie geplant. Aber ich verstehe das Bedürfnis sie zu kritisieren, ich habe es auch!

Dann plötzlich wieder Komplett Lockdown. Na gut. Den ersten Lockdown habe ich noch ausgiebig genutzt um zu schreiben, Musik zu machen, Bücher zu lesen, etc. Doch diesmal bin ich müde. Müde von der Arbeit, müde von den Diskussionen, müde von diesem Jahr. Ich schlafe den Großteil des Tages und bin froh wenn ich einmal pro Tag eine ordentliche Mahlzeit zu mir nehme. Ich will die Zeit nicht mehr nutzen um mich zu verwirklichen, um zu arbeiten, um was weiterzubringen. Der neoliberale Kapitalismus und egoistische Leistungsdruck reitet uns doch eh schon alle ins Grab. Mein Winterschlaf nun liegt also keiner Depression zu Grunde, sondern es ist ein effektives Weigern gegenüber der Gesellschaft so weiterzumachen. Immer nur sich selber zu optimieren und weiterzuarbeiten. Ich will jetzt einfach nur schlafen. Und derweil ich diesen Text schreibe erhellen Blaulichter meine Straße, und ein maskierter Feuerwehrmann klopft an meiner Tür. Es gibt keinen Grund zur Panik, aber in einer Wohnung im Gebäude brennt es. Und das ist mein Alltag im Jahr 2020.

Peter Bevc, Regisseur

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich rede mit vielen Freunden von mir in Telefongesprächen darüber. dass jede Krise auch die Chance auf enorme Veränderungen in sich trägt. Ich wünsche mir ein großes Aufwachen in der Gesellschaft, einen Umschwung, eine Revolution. Ich denke jetzt ist der Zeitpunkt wo wir alle einmal wirklich kräftig darüber nachdenken sollten auf was für einen Weg wir uns alle gemeinsam befinden. Der Coronavirus ist nicht die letzte Herausforderung die der Menschheit gegenübersteht, besonders nicht in Zeiten des Klimawandels, der Umweltverschmutzung, der Flüchtlingsbewegungen, etc. Und keine dieser Probleme wird einfacher zu bewältigen sein in einer Gesellschaft die darauf getrimmt wird nur auf ihre eigenen Bedürfnisse zu schauen, mit dem Ellbogen im Gesicht des Anderen.

Wir müssen umdenken was unsere Konsumverhalten, unsere Selbstoptimierung und unsere Einstellung gegenüber unseren Mitmenschen angeht. Und wir dürfen in dieser Zeit nicht verlernen einander nahe zu sein. Ich will nicht auf eine Welt zusteuern in der man einander nur mehr vorsichtig umarmt. Mein schönster Tag meines erwachsenen Lebens war das Oh Sees Konzert in der Arena Wien am 29.09.2019. Menschen sind von der Bühne ins Publikum gehüpft und sind crowdgesurft, Jugendliche haben gemosht wie Irre und wildfremde Menschen haben ihre T-Shirts weggeschmissen und sich umarmt. In der jetzigen Situation unvorstellbar, doch ich bin optimistisch solche Abende in Zukunft wieder erleben zu dürfen. Doch hoffe ich, dass so eine Offenheit und Freundschaft gegenüber fremden Menschen nicht nur mehr in Rock Konzerten zu finden sein wird, sondern überall. Ich denke es ist jetzt gerade am Wichtigsten im Kollektiv umzudenken, da bleibe ich stur naiv und optimistisch in meinem Hippie Denken.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, dem Film, der Kunst an sich zu?

Ich glaube Kunst ist ein ganz wichtiges Werkzeug für viele Menschen für die psychische Heilung. Viele Kunstenthusiasten werden wissen was damit gemeint ist. Ein gutes Buch, ein tiefer Film, eine emotionale Musikkomposition, ein starkes Bild, all das kann einem Menschen viel schenken was man im Alltag vielleicht versäumt wird. Doch auch im Konsum von Kunst wünsche ich mir ein Umdenken der Menschen. Weg von Trillionen Dollar Disney Produktionen, die alle nur Werbung für den nächsten Film sind und verwerfliche amerikanische Werte propagieren, Kinder sollten keine Superhelden zum Vorbild haben, die nur dadurch stark sind, dass sie stinkreich sind und in ein gesellschaftliches Schönheitsideal passen. Menschen sollten sich von Konzernen wie Netflix und Spotify abwenden, die einem die Illusion einer großen Auswahl vermitteln, doch einem eigentlich nur einschränken und per Fließband mit Mittelmaß füttern wie ein medialer McDonalds. Kunst ist wichtig um sich als Mensch weiterzuentwickeln, um Empathie gegenüber Anderen zu lernen, um spirituelle Erkenntnisse zu erlangen, und noch für so viel mehr. Doch sollte man wieder aktiv nach solchen Erfahrungen suchen, anstatt sich von der Konsumballerei der modernen Gesellschaft so ermüden zu lassen, dass man am Abend nur mehr die Energie hat irgendeine hirntote Serie zu schauen und SAGT ER IHR JETZT ENDLICH DASS ER SIE LIEBT ODER NICHT ?!

Was liest Du derzeit?

Habe gerade Antkind vom genialen Filmregisseur und Autor Charlie Kaufman gelesen. Ein sehr monumentales, schwieriges Werk, welches eher umständlich zu Lesen war aber aus kreativer Sicht auch massiv befriedigend. Definitiv kein Einstiegswerk für Menschen, die seine Kunst nicht kennen, doch wer Ihn kennt weiß eh schon ungefähr auf was er sich einlässt. Zwei Bücher die ich seit Längerem nebenbei lese sind „Das Buch der Fünf Ringe“ von Myamoto Musashi und „Die dämonische Leinwand“ von Lotte H. Eisner. Beide Bücher lese ich in der Absicht dadurch ein besserer Regisseur zu werden. „Die dämonische Leinwand“ ist das ultimative Lehrbuch zum deutschen Expressionismus der Stummfilmära, „Das Buch der Fünf Ringe“ ist eine Anleitung dazu ein perfekter Samurai zu werden. Ich habe dieses Jahr beim Dreh meines Kurzfilms „Lichten“ das Gefühl bekommen dass Regisseur sein und Samurai sein vielleicht nicht so weit auseinander liegen. Nur hat man eine Kamera und kein Schwert. Man muss dieses Werkzeug aber sehr präzise und überlegt einsetzen und dabei viel Selbstdisziplin beweisen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„It’s time for a revolution“

-Frank Zappa

Vielen Dank für das Interview lieber Peter, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Filmprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Peter Bevc_Regisseur

Foto_privat.

18.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Mit Kleindenken, Egoismus und Gartenzäunen kommen wir nicht mehr weiter“ Devi Saha, Bühnen-, Kostümbildnerin _ Wien 22.11.2020

Liebe Devi, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Anfang November dieses Jahres war ich wieder in vollem Tages-, Arbeitslauf: Früh aufstehen, meine Tochter in die Schule bringen, in´s Atelier eilen, arbeiten, soviel gemeinsame Zeit mit meiner Tochter und meinem Liebsten verbringen, wie wir brauchen. Deadlines einhalten, Anproben, Überweisungen, … Eine Form von Alltag, die sich beinahe anfühlte wie AC (Ante Corona). Beinahe. Und noch. Jetzt der nächste Lockdown und ich kann, wie die meisten Österreicher nur ahnen, wie er sich auf unser Leben und meine Arbeit auswirken wird.

Devi Saha, Bühnen-, Kostümbildnerin _ Foto_Walter Mussil

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für jedes Individuum ist etwas Anderes wichtig.

Allen hilft wahrscheinlich: selbständig und selbstverantwortlich denken und handeln, das Herz aufmachen.

„This is what happened in the telephone booth“, ein Tanztheaterstück des „bernhard ensemble“. Regie: Ernst Kurt Weigel, Choreographie: Leonie Wahl, Komposition: ASFAST _2019_ Bühnenbild_Devi Saha_Foto_Walter Mussil

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Die bildenden und darstellenden Künstler tun kontinuierlich, was sie am besten können: historische und politische Zusammenhänge herstellen, zum Nachdenken bringen, ärgern, das Herz öffnen, ängstigen, ernst sein, einfach nur mal stellvertretend blöd sein, tief erschüttern, das Leben der Rezipienten verändern, … wir werden damit niemals aufhören, auch, wenn die Rituale sich verändern müssen.

Ebendiese Veränderung müssen wir nun wohl alle in unsere Leben integrieren. Wer jetzt so weitermachen will wie immer, hat schon verloren. Den Werbeslogan „schau auf dich, schau auf mich“ können wir auf die Menschengemeinschaft auf der ganzen Welt anwenden. Mit Kleindenken, Egoismus und Gartenzäunen kommen wir nicht mehr weiter.

„Der Wind in den Weiden“, ein Kindertheaterstück für das Burgtheater im Kasino/Schwarzenbergplatz 2018, Regie: Alexander Wiegold, Bühne: Vanessa Eder-Messutat, Kostümbild und Anfertigung der großen Menschenköpfe_Devi Saha _ Szenenfoto_Reinhard Werner

Was liest Du derzeit?

„Omama“ von Lisa Eckhart

„GRM Brainfuck“ von Sibylle Berg

den „Falter“

„die Zeit“

ganz selten Facebook-Postings und -Kommentare

Taschenkollektion, Ausstellung_Galerie V&V und Tiberius Wien_2000 Devi Saha_Foto_Ditz Fejer

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Christof Schlingensief antwortete Benjamin von Stuckrad-Barre 1998 in einem Interview auf die Frage, ob er mal ´ein Musical machen wolle, da könne man die Menschen noch erreichen:

„Man erreicht die Leute da auch nicht. Du erreichst sie nur, wenn du im Flugzeug eine Lautsprecherdurchsage machst: ´die Triebwerke sind ausgefallen, das war´s.´“

aus dem „Falter“ Nr.43/20

„Wild*Things“, ein Kindertanztheaterstück von Tanz*Hotel, 2015, Dschungel Wien nach dem schönen Buch „Where the wild things are“ von Maurice Sendak_Kostümbild_Devi Saha : Foto_Walter Mussil

Vielen Dank für das Interview liebe Devi, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Theater-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Devi Saha und Vanessa Eder-Messutat _ Foto_Carolina Frank

5 Fragen an KünstlerInnen:

Devi Saha, Bühnen- und Kostümbildnerin

https://www.devisaha.com/

Foto_credits _Text.

2.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Eine sehr große Freundschaft“ Klaus Demus zum 100.Geburtag von Paul Celan_Wien 22.11.2020

Ich lernte Paul Celan (Dichter, 1920*Czernowitz 1970+Paris) erst gegen Ende seines Aufenthaltes in Wien kennen (Anm.1947/48). Ingeborg Bachmann vermittelte dies. Meine Frau Nanni (Anna Demus, geb.Maier, Millstatt, Kärnten) war mit Ingeborg Bachmann befreundet. Sie gingen gemeinsam ins Gymnasium in Klagenfurt. Wir trafen uns mit Paul Celan im Cafe Landtmann. Das Interesse für Literatur und Kunst verband uns.

Klaus Demus, Kunsthistoriker; Dichter _ Wien

Er schrieb mir dann aus Paris eine Korrespondenzarte und daraus entstand ein Briefwechsel. Ich hatte daraufhin als Kunsthistoriker ein Stipendium (Schwerpunkt: Moderne Kunst) in Paris und war ein Jahr dort. Celan vermittelte mir ein Hotel. Da begann unsere Freundschaft. Eine sehr große Freundschaft. Die dann auch seine Frau Gisèle Lestrange (1927 -1991), Malerin/Grafikerin, und meine Frau Nanni, Pädagogin, einschloss. Es gab einen regelmäßigen brieflichen Austausch und Besuche.

Wir verbrachten in Paris viel Zeit miteinander. Trafen uns meist täglich. Das Leben war für ihn sehr schwierig als Dichter. Er lebte von Nachhilfestunden, jeder Tag war eine Herausforderung an Perspektive und Bewältigung.

Wir alle rangen mit Zeit und Kunst. Aber wir hatten uns. Ein Band. Es war viel.

Er hat nie über den Tod seiner Eltern während des Zweiten Weltkrieges gesprochen. Seine Mutter wurde ermordet, sein Vater starb an Krankheit im Arbeitslager.

Er selbst war jahrelang als Zwangsarbeiter interniert. Es gab dann eine Selektion mit Namensaufruf. Celan wusste, diese Selektion würde auch ihn treffen. Er erinnerte sich an die jüdische Mystik und murmelte einen Vers daraus, der Unsichtbarkeit verhieße. Er „schwindelte“ sich, im Vers vertiefend, auf die rettende Seite. Da stimmte dann allerdings die Selektionszahl nicht. Alle mussten wieder zurück. Doch es klappte für Celan noch einmal. Er überlebte diese Selektion. Das war das Einzige, das er persönlich über die Zeit der Shoa erzählte.

Verse, die Unsichtbarkeit verheißen (sollen) – das war wohl auch seine Dichtung.

Gisèle gab mir Nachricht aus Paris vom Tod Ihres Mannes. Daraufhin fuhr ich nach Paris. Es hatte länger gedauert die Identität der Leiche festzustellen. Ich war mit Gisèle beim Begräbnis. Wir waren die Einzigen dort. Nur seine Frau und Ich. Keine Geistlichen. Es war ein kleiner Friedhof etwas abseits von Paris. Ich blieb dann noch zwei Tage in Paris und musste dann zurück nach Wien zu meiner Arbeitsstelle als Kunsthistoriker.

Seine Gedichte kamen einfach aus ihm heraus. Ein Strom und ein Schmerz.

Klaus Demus, Kunsthistoriker, Dichter

Klaus Demus, Kunsthistoriker, Dichter_Wien.

Interview_Klaus Demus_Wien 9_2020

Alle Fotos_Video_Walter Pobaschnig

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