„Putzt euch, tanzt, lacht“ Karin Peschka. Roman. Neuerscheinung Otto Müller Verlag.

 

„Putzt euch, tanzt, lacht“ Karin Peschka. Roman. Neuerscheinung Otto Müller Verlag.

Fanni. Sie ist siebenundfünzig Jahre alt. Mann und Auto. Die Kinder, Friedl und Ines, außer Haus. Nicht ganz aber doch. Dann, eines Tages, steigt Fanni in das Auto und fährt los. Doch nicht zum vereinbarten Erstgespräch mit der Therapeutin. Sie fährt weiter. Westausfahrt. Und weiter und weiter. Fort…

Weiter geht es zur Hütte in den Bergen. Und zu Begegnungen und Erinnerungen. Wie alles anfing, das Leben. Und wie es den anderen jetzt ergeht. Und jetzt – wie geht es mir selbst? Gespräche und Gedanken. Eine Reise beginnt im Kopf und überallhin…zurück und wohin?

„Mitgespielt hab ich“, sage ich…“Mein zweiter Name war Beschwichtigung“ so war ich erzogen worden: Sei keine Last. Sondern Quell reiner Freude…“

Und wann wird nun die Heimfahrt sein zu Zeitungspapier unterm Schuh und dem Staub des Häuslbauens der Tochter? Oder?

– wo und wohin kann/darf/soll/wird die Ausfahrt sein?…

 

Die vielfach ausgezeichnete österreichische Autorin Karin Peschka, Publikumspreisträgerin 2017_Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt, legt mit „Putzt euch, tanzt, lacht“ eine hintergründige Reise in die Lebensmitte und deren Fragen, Wegen und Auswegen vor. Es ist ein existentielles roadmovie, welches in rasanter mitreißender Erzählung einem Leben und dessen feinem Gewebe von Erfahrungen, Möglichkeiten und Brüchen folgt.

Die Autorin ist eine Meisterin der Sprache und des variantenreichen Seelenblickes in Witz und Ironie. Komödie und Tragödie treffen dabei in das Herz einer Zeit, die Ja und Nein eintauscht gegen das täglich gefaltete Papier unterm Straßenschuh.

 

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„Herzklappen von Johnson&Johnson“ Valerie Fritsch. Roman. Suhrkamp Verlag

 

„Herzklappen von Johnson&Johnson“ Valerie Fritsch. Roman. Suhrkamp Verlag

Da ist der Weg in die Welt. Das Haus der Eltern als großes Geheimnis. Die Eroberung der Dinge. Der Zauber der Natur. Die Vogelstimmen. Alles beginnt poetisch und endet?

Für Alma wird das Aufwachsen zwischen Erlebnis und Erfahrung auch zum Versteck vor der Macht des Krieges. Der sich tief in die Seele und Seelen von Großeltern und Eltern frisst. Und immer wieder auf dem Tisch serviert wird. Schonungslos für Alma. Auch unter dem Tisch gibt es kein Entkommen…

Alma versucht Aufmerksamkeit zu gewinnen für das Dunkle und das Werdende. Einen Weg zu finden ins Leben zu treten und ins Leben zu begleiten. Dazu braucht es Stille, Zuhören, die Liebe und die Weite der Welt…

Es ist ein ständiges Aufbrechen und Ankommen – für den Moment….

 

Valerie Fritsch, Autorin und Fotografin, Gewinnerin des Publikumspreises und des Kelag Preises beim Bachmannpreis 2015 in Klagenfurt, legt mit ihrem neuen Roman „Herzklappen von Johnson&Johnson“ ein Meisterwerk von Sprache und kritischer Reflexion vor. Es ist die poetische Bildsprache, die begeistert und neue Möglichkeiten des Erzählens wie Sprechens eröffnet. Eine kritische Ansprache an Wachsamkeit und Aufmerksamkeit jeder Generation und eine Vision des Lebens im Grenzüberschreiten und Verbinden von Mensch und Welt.

Valerie Fritsch katapultiert die Kraft und Möglichkeit von Sprache fulminant in das neue Jahrzehnt einer Generation, welche Erinnerung, Aufmerksamkeit, Phantasie und Poesie braucht, um überleben zu können.

 

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„Der empfindsame Titan“ Ludwig van Beethoven im Spiegel seiner wichtigsten Werke_Christine Eichel. Blessing Verlag.

 

„Der empfindsame Titan“ Ludwig van Beethoven im Spiegel seiner wichtigsten Werke_Christine Eichel. Blessing Verlag.

Wir schreiben das Ende des 18.Jahrhunderts. In Europa tobt die Revolution. Blutig ist der Weg zu einem neuen Bild des Menschen in Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. In Wien tobt ein anderer Krieg. Die Messer und die Guillotine sind da subtiler. Es geht um Positionen, um Macht und Erscheinen. Ein täglicher Kampf in den Salons fern der Realitäten auf Straßen und Dörfern. Im Mittelpunkt auch die Musik. Das Prestige der Virtuosität der Hausgäste im höchsten Klang und Widerhall bei geschlossenen Fenstern.

Und da kommt er aus Nussdorf. Der Vorstadt Wiens. Die langen Spaziergänge zu den Weinbergen schätzt er. Die Stille und das Alleinsein. Die Stille, die ihn auch innerlich immer mehr umgibt und seinen Körper gnadenlos raubt. Aber nicht seinem Geist. Da schätzt er den Klang der Neuen Zeit, das Streben des Menschen zu Freiheit und Glück. Die Tastatur des Mutes und Überraschenden, Unvorhersehbaren. Wie auch seine Kompositionen sind. Tief aus der Seele, der Empfindung. Ja, ein Titan, der sich jetzt zum Wettstreit ins Palais auf den Weg macht…

Und auf den auch im Heimkommen eine geheimnisvolle unsterbliche Geliebte warten wird…

 

Christine Eichel, Literatur- und Musikwissenschaftlerin, Regisseurin und langjährige Kulturressortleiterin der Magazine „Cicero“ und „Focus“ legt mit „Der empfindsame Titan“ ein mitreißendes Porträt des genialen Komponisten Beethoven und seiner Zeit vor. Zum 250.Geburtstag des Komponisten gelingt es der renommierten Autorin das Leben des genialen Musikers in Talent, Leidenschaft und Tragik lebendig werden zu lassen. Es ist der direkte Sprachstil, die unmittelbare einmalige Erzählweise, die dieses historische Lebensbild zu einem Erlebnis werden lässt. Das Lesen wird zur Entführung aus der Gegenwart und zum Wiederfinden an Klavier, Inspiration und einsamen Spazierweg des Komponisten durch Leben und Zeit…

„Eine Biographie als mitreißende Sinfonie von Leben und Zeit“

 

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Foto_Model_Daniela Schimpl, Sportwissenschafterin, Yoga Lehrerin, Delphintherapeutin_ im Beethovenmuseum Wien_1_20.

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„Kunst ist ganz wichtige Präsenz des Augenblicks“ Yvonne Schneider, Tanzpädagogin, Model _ Station bei Bachmann _ Romanschauplatz „Malina“ _ Wien_18.2.20

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„Malina“ – dieser Roman ist ein Spiegel von Mensch und Welt, in dem ich mich auch selbst gut erkennen kann. Diese Klarheit der Worte, der Sprache hat bis heute nichts an Bedeutung verloren.

 

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Ich habe Ingeborg Bachmann in diesem szenischen Fotoprojekt auf den Spuren des Romans „Malina“ jetzt neu entdeckt. Sie ist eine Autorin, die mitreißend wie mitfühlend schreibt.

 

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Ingeborg Bachmann beschreibt im Roman „Malina“ das Verliebtsein in allem Enthusiasmus der „rosaroten Brille“ aber auch den Realismus darin. Da ist sehr viel Menschen- und Gesellschaftsbild wie auch Psychologie.

 

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Ich sehe mich selbst zwischen diesen Polen von Träumerin und Realistin. Diese Spannung trägt ja auch den Roman. Da ist wohl der Grund warum dieses Kunstprojekt in Verbindung von Fotografie und Text so bewegt.

 

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Der Roman lädt ein, den eigenen Gefühlen nachzugehen, dem Glück wie dem Unglück, den Prozessen von Liebe und Freundschaft. Unseren Ansprüchen daran und auch unserem Scheitern. Das ist eine spannende künstlerische Herausforderung und Aufgabe.

 

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Es ist für mich eine ganz besondere Erfahrung in diese Romanrolle einzutauchen. Dieses Haus erzählt gleichsam selbst eine/seine Geschichte. Es hat Ansprache, die stark wirkt.

 

 

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Es ist an diesem Romanschauplatz in der Ungargasse das literarische Vermächtnis zu spüren, dieser Ort hat eine sehr starke Präsenz.

 

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Kunst kann eine besondere Präsenz des Augenblicks ausdrücken. Dieser Moment umfängt wie befreit Mensch, Leben, Welt in starker Kraft. Das fasziniert mich.

 

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Ein Kunstprojekt wie dieses lässt nach dem Innersten fragen und dieses reflektieren. Die eigene Empfindung ist ja in der Szene zunächst in Distanz. Das Posieren, setzen der Texte, bewegt dann ganz. Daraus bildet sich ein persönlicher Dialog, der sich fortsetzt – ins Leben hinein. Ich denke dies ist auch ganz die Intention Bachmanns.

 

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Diese Rolle hier ist für mich nicht so sehr ein Spiel. Es ist eher eine Begegnung. Gerade auch mit mir selbst. Der Roman lässt ja viele Zugänge zu.

 

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Bachmann trifft im Roman diesen Zwiespalt des Lebens, der Liebe punktgenau. Dem nachzugehen – im Lesen oder Spielen – ist immer auch ein Schritt zu sich selbst.

 

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Wenn ich vor der Kamera stehe dann mit ganzer Persönlichkeit. „Malina“ fordert das ja auch und lässt es nicht anders zu. Wie das Schreiben Bachmanns an sich.

 

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Leidenschaft ist das Feuer, das bewegt. In der Liebe, der Kunst, dem Leben. Es ist eine Richtung, die nach Vorne weist. Unmittelbar, direkt. So entsteht Begeisterung. Bewegung für sich und andere.

 

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Ich habe keinen Ort, von dem ich sagen würde, ich würde alles dafür geben diesen niemals zu verlieren. Jeder Ort hat Schönheit, auch in aller Unscheinbarkeit.

 Es kommt darauf an im Leben die Augen zu öffnen. Für Orte. Für die Geschichten, die sie zu erzählen haben.

 

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Persönlich liebe ich Italien. Kultur, Sprache, diese Lebendigkeit. Eine große Inspiration. Das verbindet mich wohl auch stark mit Bachmann.

An Wien liebe ich Kunst und Kultur. Auch die Überraschungen und die Geheimnisse dieser Stadt im Entdecken von Tradition und Moderne.

 

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Ich lese viel und gerne. Schätze Rilke und Dichtung an sich. Auch Philosophie und die psychologische Thematisierung, Analyse des Menschen im Verhalten und Erleben interessiert mich.

Musik und Tanz sind mir auch sehr wichtig. Es gibt keinen Tag ohne Musik.

 

 

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Liebe und Leidenschaft lassen oft im Moment ja nur einen Weg zu. Eine Art dies zu leben. Damit gilt es dann im Ende Frieden zu schließen. Irgendwann. Und mit der Schönheit dieser Erinnerung zu leben.

 

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Die Löwen an den Haustoren hier erinnern auch an das existentielle Kämpfen im Leben, wenn es um viel oder alles geht. Dem Herz zu folgen. Mit ganzem Herzen oder gar nicht. So ist es in Liebe und Leben. Sollte es sein.

 

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 Im Leben braucht es wohl beides – Stärke und Sanftheit. Den Löwen und die Behutsamkeit der Tür und der Schritte. In jedem Fall Mut und Begeisterung. 

 

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Vielen Dank liebe Yvonne für Dein großartiges Bemühen in der Vorbereitung in Kostüm, Requisite wie Textzugängen und das wunderbare gemeinsame Umsetzen der Romanszenerie und das interessante Gespräch!

 

Station bei Bachmann _ Roman Malina _ Yvonne Schneider, Tanzpädagogin, Model _ Wien_Romanschauplatz 18.2.2020

 

Idee, Regie, Interview und alle Fotos _ Walter Pobaschnig 2_20

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„Mein Fall“ Josef Haslinger. Neuerscheinung Fischer Verlag-

 

„Mein Fall“ Josef Haslinger. Neuerscheinung Fischer Verlag-

Der sexuelle Missbrauch in der Internatszeit. Dann die Versuche damit zu leben. Irgendwie. Jetzt Jahrzehnte später scheint das Grauen erfolgreich verdrängt zu sein. Irgendwie da aber nicht mehr unbedingt hier. Fern. Vermeintlich distanziert – „Ich gab, wenn ich von Freunden darauf angesprochen wurde…zynische Antworten: Ach, das ist ewig her. Irgendwer muss einem ja in die Sexualität einführen“

Doch dann die Begegnung am Flughafen. Zwei Männer in Ordenskleidung. Im zufälligen Gespräch werden die Erinnerungen an die Internatszeit wieder gegenwärtig – „Diese Begegnung löste einen dieser Schübe in mir aus, bei denen ich, wie aus dem Nichts heraus, damit beginne, mich auch öffentlich, mit meiner Missbrauchsgeschichte zu befassen…“

Jetzt ist die Zeit gekommen, es zu erzählen. Festzuhalten. Vom Weg zur Opferschutzkommission und dann dem Schreiben. Dem genauen Erinnern. Das Geschehene, Erlittene und die Gedanken im Kopf dazu. Die verkehrte Welt ohne Wahrheit. Und sie drehte sich weiter und weiter. Da und dort. Und niemand hält, kann sie für stellvertretend anhalten. Doch jetzt ist es so weit. Der Weg zurück, dem Grauen nach, beginnt…

„Ich war zehn Jahre alt als Pater…sich für meinen Penis zu interessieren begann…“

 

Der österreichische Schriftsteller und Professor für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, Josef Haslinger, legt mit „Mein Fall“ einen sehr persönlichen, erschütternden Bericht über sexuellen Missbrauch in der Kindheit vor. Die Schilderung des unmittelbaren Geschehens wird im sozialen wie psychologischen Kontext zur Reflexion von Sexualität und Gewalt und deren Mechanismen an sich. Der Autor stellt damit wesentliche Fragen zu Gesellschaft und Verantwortung jeder Generation.

„Ein Buch, das erschüttert und Mahnmal wie kritischer Auftrag jeder Gesellschaft und Generation ist“

 

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„Reigen“ _TAG Theater Wien_mitreißende Uraufführung_11.2.2020

 

 

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Da sind die Muskeln am Podest. Der Körper als bloße Fassade von Stärke und Größe. So steht er jetzt da und erwartet die käufliche Liebe. Doch hinter der Fassade die blanke Angst. Die Kamera wird zum Auge, zur Linse der Sehnsucht. Zum Autofocus der leeren Seele. Die ganz ohne Training, ohne Offenheit und Klarheit bleibt, bleiben muss…

 

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Ob die Krawatte wohl sitzt im Büro? Und dann Platz genommen zum Gespräch mit der Kollegin. Die berufliche Welt ist dieselbe und die private doch verschieden im Generationenalter, oder? Dann plötzlich springen die Seelentüren des Gegenübers sperrangelweit auf. Der fehlende Sex mit der eigenen Frau und die Suche jetzt noch neuen Ufern wird zum Thema. Ob die junge Kollegin da Rat weiß und Tipps hätte für einen eleganten Seitensprung?

 

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Und dort das Gespräch an der Bettkante über die Nachtruhe unter der Decke. Schon so lange. Und die Sehnsucht nach dem jungen Liebhaber. Doch was erwartet dieser sich? Zuerst mal Küsse, kann das sein? Woanders das engagiert arrangierte Liebensnest in Pelz und auf dem Berg? Und dort wieder…

 

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Ein Reigen überall…blind, sehnsuchtsvoll, seelenleer…liebe mich! Jetzt! Wo, was, wie jetzt??…

 

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In der Uraufführung von „Reigen“ im TAG Theater Wien konzipieren Thomas Richter (Text) und Dora Schneider (Regie) den dialogischen Schnitzler Klassiker als grandioses Bühnenkatapult zu Seele, Sehnsucht, Sex der Zeit.

Der tragische Reigen der Liebe als Spiegel einer narzisstisch untergehenden Gesellschaft, den der österreichische Dramatiker Arthur Schnitzler (1862 – 1931) vor gut hundert Jahren in die zerbrechende Monarchie genial setzte, findet in dieser Neuinszenierung eine mitreißende dramatische Mitte. Text, Inszenierung und dem hervorragenden Ensemble gelingt es punktgenau in einem Brennpunkt der modernen Gesellschaft zu landen und die Spielarten von Sexsuche als ein Aufbrechen von Einsamkeit und Angst in Witz, Ironie und Tragik in Szene zu setzen. Der moderne Mensch bleibt nach dem Zerbrechen überkommener Sinnmodelle in seiner Nacktheit über. Ganz unmittelbar und direkt. Nichts als Leistung als Selbstanforderung bleibt. Bis zum Zerbrechen. An Schreibtisch und Bett. Der Körper soll jetzt liefern was Sinn und Seele fordern. Schnell und nachhaltig. Bilder gibt es ja genug dazu. Draußen und drinnen. An Bildschirm und Desktop. Im Kopf. Tagtäglich. Doch die kreisen nur und zerschmettern den Rest dieser Welt…

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Es ist ganz feine Seelenarbeit in höchstem szenischen Anspruch von Rollenwechsel/Dialog und Ausdruck/Ansprache, die hier großartig von Theater geleistet wird.

Schnitzlers „Reigen“ als beeindruckende Neuinszenierung, die variantenreich und mitreißend über die austauschbaren Abziehbilder unserer modernen Seele zu erzählen weiß. Witzig, traurig, nachdenklich.

Gratulation!

 

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REIGEN _ Uraufführung

von Thomas Richter/Regie Dora Schneider

Frei nach „Reigen“ von Arthur Schnitzler

Es spielen Jens Claßen, Michaela Kaspar, Raphael Nicholas, Lisa Schrammel, Petra Strasser, Georg Schubert

 

Regie Dora Schneider

Text Thomas Richter

Ausstattung Ilona Glöckel

Musik und Video Thomas Richter

Dramaturgie Tina Clausen

Regieassistenz Renate Vavera

Ausstattungsassistenz Sandra Moser

Kostümbetreuung Daniela Zivic

Regiehospitanz Stefanie Elias

Maske Beate Lentsch-Bayerl

Licht Hans Egger, Katja Thürriegl

Ton und Videotechnik Peter Hirsch

Bühnentechnik Andreas Nehr

 

PREMIERE_DI 11. FEBRUAR 2020, 20.00

Weitere Vorstellungen:

Do 13., Fr 21., Sa 22., Di 25.* und Mi 26. Februar 2020, 20.00

Mi 4., Sa 7., Mo 9. und Di 10. März 2020, 20.00

Fr 3. und Sa 4. April 2020, 20.00

 

TAG, Theater an der Gumpendorfer Straße

Gumpendorfer Straße 67

1060 Wien

 

 

Besprechung und alle Fotos_Walter Pobaschnig

6.2.2020

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„Das Loch“ Simone Hirth. Briefroman. Neuerscheinung Kremayr&Scheriau Verlag.

 

„Das Loch“ Simone Hirth. Briefroman. Neuerscheinung Kremayr&Scheriau Verlag.

„Das Schreiben des Briefes nimmt mir das Gefühl von Einsamkeit…“ Alles ist jetzt anders geworden. Erst das werdende Leben in mir und jetzt unser Leben. Frau, Mann, Kind. Ganz neue Horizonte und Herausforderungen. Tag und Nacht verändern ihren Rhythmus. Und dieser neue Rhythmus fordert heraus. Darum der Brief an einen Felsbrocken jetzt. Und an das Murmeltier. Und an das Loch. Und an den Frosch. Schreiben und erzählen…

„Liebster Sohn, ich kann dir nicht viel mit auf den Weg geben…“ Aber Wörter sollen es sein. Weil sie mir helfen und auch dir einmal, vielleicht. Wörter sind ein Weg. Jetzt, zu mir. Dann, zu mir – für dich, vielleicht…. „ich küsse dich, Deine Mama“…

Und die Politik? Liebe Frauenministerin. Das Leben hier und dort. Das Alltägliche hier und das alltägliche dort. Fragen und Antworten. Es geht weiter…

Lieber Zweifel, Liebe Revolution, Lieber Werther… es gibt viel zu schreiben, also hört mal zu…

 

Die vielfach ausgezeichnete deutsche Autorin Simone Hirth legt mit „Das Loch“ eine mitreißende Reise in die Gedankenwelt einer Frau und jungen Mutter vor. Fragen, Anklagen, Freuden und Hoffnungen werden in Briefform von der brennenden Seele geschrieben.

Die Autorin wählt eine Textstruktur, die an das große Vorbild Goethes und dessen „Werther“ erinnert. Auch hier ist es ein Mensch an der Grenze, der sich seiner Gefühle und Möglichkeiten besinnt und schonungslos in „das Loch“ einer Leere blickt. Die persönliche Perspektive weitet sich dabei zu umfassender Kritik an Mütter_Klischees wie Zeit- und Gesellschaftskritik an sich.

Ein Roman, der in Form und Inhalt mutige wie spannende Wege zu gehen und zu begeistern weiß.

 

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