„Reigen“ _TAG Theater Wien_mitreißende Uraufführung_11.2.2020

 

 

IMG_8831a

 

Da sind die Muskeln am Podest. Der Körper als bloße Fassade von Stärke und Größe. So steht er jetzt da und erwartet die käufliche Liebe. Doch hinter der Fassade die blanke Angst. Die Kamera wird zum Auge, zur Linse der Sehnsucht. Zum Autofocus der leeren Seele. Die ganz ohne Training, ohne Offenheit und Klarheit bleibt, bleiben muss…

 

IMG_8900ab

 

Ob die Krawatte wohl sitzt im Büro? Und dann Platz genommen zum Gespräch mit der Kollegin. Die berufliche Welt ist dieselbe und die private doch verschieden im Generationenalter, oder? Dann plötzlich springen die Seelentüren des Gegenübers sperrangelweit auf. Der fehlende Sex mit der eigenen Frau und die Suche jetzt noch neuen Ufern wird zum Thema. Ob die junge Kollegin da Rat weiß und Tipps hätte für einen eleganten Seitensprung?

 

IMG_8988aa

 

IMG_9012ava

 

Und dort das Gespräch an der Bettkante über die Nachtruhe unter der Decke. Schon so lange. Und die Sehnsucht nach dem jungen Liebhaber. Doch was erwartet dieser sich? Zuerst mal Küsse, kann das sein? Woanders das engagiert arrangierte Liebensnest in Pelz und auf dem Berg? Und dort wieder…

 

IMG_9026a

 

IMG_9053a

 

IMG_9888ab - Kopie

IMG_9893bn

IMG_9794a

 

Ein Reigen überall…blind, sehnsuchtsvoll, seelenleer…liebe mich! Jetzt! Wo, was, wie jetzt??…

 

IMG_9183v

 

In der Uraufführung von „Reigen“ im TAG Theater Wien konzipieren Thomas Richter (Text) und Dora Schneider (Regie) den dialogischen Schnitzler Klassiker als grandioses Bühnenkatapult zu Seele, Sehnsucht, Sex der Zeit.

Der tragische Reigen der Liebe als Spiegel einer narzisstisch untergehenden Gesellschaft, den der österreichische Dramatiker Arthur Schnitzler (1862 – 1931) vor gut hundert Jahren in die zerbrechende Monarchie genial setzte, findet in dieser Neuinszenierung eine mitreißende dramatische Mitte. Text, Inszenierung und dem hervorragenden Ensemble gelingt es punktgenau in einem Brennpunkt der modernen Gesellschaft zu landen und die Spielarten von Sexsuche als ein Aufbrechen von Einsamkeit und Angst in Witz, Ironie und Tragik in Szene zu setzen. Der moderne Mensch bleibt nach dem Zerbrechen überkommener Sinnmodelle in seiner Nacktheit über. Ganz unmittelbar und direkt. Nichts als Leistung als Selbstanforderung bleibt. Bis zum Zerbrechen. An Schreibtisch und Bett. Der Körper soll jetzt liefern was Sinn und Seele fordern. Schnell und nachhaltig. Bilder gibt es ja genug dazu. Draußen und drinnen. An Bildschirm und Desktop. Im Kopf. Tagtäglich. Doch die kreisen nur und zerschmettern den Rest dieser Welt…

IMG_9552aa

 

IMG_9456a

 

Es ist ganz feine Seelenarbeit in höchstem szenischen Anspruch von Rollenwechsel/Dialog und Ausdruck/Ansprache, die hier großartig von Theater geleistet wird.

Schnitzlers „Reigen“ als beeindruckende Neuinszenierung, die variantenreich und mitreißend über die austauschbaren Abziehbilder unserer modernen Seele zu erzählen weiß. Witzig, traurig, nachdenklich.

Gratulation!

 

IMG_0009a

REIGEN _ Uraufführung

von Thomas Richter/Regie Dora Schneider

Frei nach „Reigen“ von Arthur Schnitzler

Es spielen Jens Claßen, Michaela Kaspar, Raphael Nicholas, Lisa Schrammel, Petra Strasser, Georg Schubert

 

Regie Dora Schneider

Text Thomas Richter

Ausstattung Ilona Glöckel

Musik und Video Thomas Richter

Dramaturgie Tina Clausen

Regieassistenz Renate Vavera

Ausstattungsassistenz Sandra Moser

Kostümbetreuung Daniela Zivic

Regiehospitanz Stefanie Elias

Maske Beate Lentsch-Bayerl

Licht Hans Egger, Katja Thürriegl

Ton und Videotechnik Peter Hirsch

Bühnentechnik Andreas Nehr

 

PREMIERE_DI 11. FEBRUAR 2020, 20.00

Weitere Vorstellungen:

Do 13., Fr 21., Sa 22., Di 25.* und Mi 26. Februar 2020, 20.00

Mi 4., Sa 7., Mo 9. und Di 10. März 2020, 20.00

Fr 3. und Sa 4. April 2020, 20.00

 

TAG, Theater an der Gumpendorfer Straße

Gumpendorfer Straße 67

1060 Wien

 

 

Besprechung und alle Fotos_Walter Pobaschnig

6.2.2020

https://literaturoutdoors.com/

 

„Das Loch“ Simone Hirth. Briefroman. Neuerscheinung Kremayr&Scheriau Verlag.

 

„Das Loch“ Simone Hirth. Briefroman. Neuerscheinung Kremayr&Scheriau Verlag.

„Das Schreiben des Briefes nimmt mir das Gefühl von Einsamkeit…“ Alles ist jetzt anders geworden. Erst das werdende Leben in mir und jetzt unser Leben. Frau, Mann, Kind. Ganz neue Horizonte und Herausforderungen. Tag und Nacht verändern ihren Rhythmus. Und dieser neue Rhythmus fordert heraus. Darum der Brief an einen Felsbrocken jetzt. Und an das Murmeltier. Und an das Loch. Und an den Frosch. Schreiben und erzählen…

„Liebster Sohn, ich kann dir nicht viel mit auf den Weg geben…“ Aber Wörter sollen es sein. Weil sie mir helfen und auch dir einmal, vielleicht. Wörter sind ein Weg. Jetzt, zu mir. Dann, zu mir – für dich, vielleicht…. „ich küsse dich, Deine Mama“…

Und die Politik? Liebe Frauenministerin. Das Leben hier und dort. Das Alltägliche hier und das alltägliche dort. Fragen und Antworten. Es geht weiter…

Lieber Zweifel, Liebe Revolution, Lieber Werther… es gibt viel zu schreiben, also hört mal zu…

 

Die vielfach ausgezeichnete deutsche Autorin Simone Hirth legt mit „Das Loch“ eine mitreißende Reise in die Gedankenwelt einer Frau und jungen Mutter vor. Fragen, Anklagen, Freuden und Hoffnungen werden in Briefform von der brennenden Seele geschrieben.

Die Autorin wählt eine Textstruktur, die an das große Vorbild Goethes und dessen „Werther“ erinnert. Auch hier ist es ein Mensch an der Grenze, der sich seiner Gefühle und Möglichkeiten besinnt und schonungslos in „das Loch“ einer Leere blickt. Die persönliche Perspektive weitet sich dabei zu umfassender Kritik an Mütter_Klischees wie Zeit- und Gesellschaftskritik an sich.

Ein Roman, der in Form und Inhalt mutige wie spannende Wege zu gehen und zu begeistern weiß.

 

Walter Pobaschnig 1_20

https://literaturoutdoors.com/

 

„Begeisterung für die Sprache(n), dies war schon beim Schüler Peter Handke ein Charakteristikum“ HR Dir.Mag.Gerhard Hopfgartner_ Station bei Handke_Europagymnasium, Klagenfurt 4.2.2020

IMG_8395g

 

HR Dir.Mag.Gerhard Hopfgartner, Schulleiter des Europagymnasiums Klagenfurt seit 2008. Studium der Germanistik und kath:Theologie in Innsbruck. Pädagoge, Pressearbeit, Herausgeber von zwei Büchern in Kooperation.

Zum Schüler/Maturanten Peter Handke:

Peter Handke ist mit 17 Jahren hier an unsere Schule, das Europagymnasium Klagefurt 9020, gekommen und hat zwei Jahre später im Schuljahr 1960/61 hier maturiert. Er war ein ausgezeichneter Schüler (8B Klasse) und maturierte auch mit Auszeichnung.

Unsere Schule wurde bereits 1552 als humanistisches Gymnasium gegründet, damals am Standort Domplatz der Stadt.

 

IMG_8598a

 

Die Begeisterung für Sprache macht ja auch wesentlich das Schreiben Peter Handkes aus.

Sein Interesse für Sprache zeigte sich schon in unserer Schule in seiner Wahl der Freifächer – Slowenisch, Italienisch, Englisch. Dazu kam natürlich das humanistische Pflichtprofil mit Griechisch und Latein, Deutsch.

Es gab auch ein zweistündiges Freifach „Literaturpflege“ zu der Zeit an unserer Schule.

 

IMG_8430

 

Peter Handke maturierte mündlich in Philosophie/Psychologie, Griechisch und Mathematik. Die Noten waren jeweils ein „Sehr gut“.

In seiner philosophischen Maturaprüfung waren die Diskussion der Geschichtsauffassungen im „idealistischen oder ökonomischen“ Ansatz das Thema wie die psychologische Reflexion von Aufmerksamkeit, Assoziation und Gedächtnis.

 

IMG_8460s

 

Ein Textauszug von „Iphigenie auf Tauris“ von Euripides stellte den Schwerpunkt im Fach Griechisch dar.

 

IMG_8480a

 

Kreis, Kegelschnitte waren Aufgabenstellungen in der Maturaprüfung Mathematik.

 

IMG_8535abm

 

 

Peter Handke, Gert Jonke, Egyd Gstättner (BG 2), alle drei Schriftsteller sind Absolventen unserer Schule, und sie verbindet das Eintreten für das Miteinander, das Mitmenschliche, auch der Blick auf das „Menschln“. Sie tragen sicherlich dazu bei, das Europa als Projekt des Miteinander, als Friedensprojekt wesentliche Impulse bekommt.

Das ist auch unser Ziel als erfolgsorientierte Europaschule. Der Begriff Erfolg ist dabei sehr vielschichtig zu sehen. Es geht um Schritte ins Leben. Selbstbewusst, engagiert und frei. Die Literatur ist ein sehr gutes Beispiel, Vorbild dafür. 

 

IMG_8555

 

Ich bin ja selbst Germanist und Theologe. Es ist immer wichtig darauf zu sehen wie Literatur Wurzeln fassen kann. Dies ist eine ständige pädagogische wie humanistische Aufgabe. Schule und Gesellschaft, Leben an sich, verbinden sich hier wesentlich.

Wie geben wir Literatur Raum, wie wirkt Literatur – das sind ganz wichtige Fragen und Transfer-  wie  Reflexionsaufgaben. 

 

IMG_8564

 

Die Frage nach den Ursprüngen ist natürlich eine, die Literatur immer begleitet. Forschung und Lehre trifft und bewährt sich ja in der Schule unmittelbar.

 

IMG_8562a

 

Europa zeichnet sich in seiner Sprachenvielfalt aus. Dies zeigt sich unmittelbar in unserer Namensgebung als Europagymnasium und dem vielfältigen Sprachenangebot, derzeit von Griechisch (auslaufend), Latein bis Italienisch, Russisch, Französisch, Spanisch, Deutsch, Englisch – seit Gründung der Schule 1552,  der Schulzeit Peter Handkes bis zum heutigen Tage. Sprachen sind eine wesentliche Mitte unserer Schule. 

Den Sprachenbegriff selbst sehe ich sehr umfassend. Die Sprache der Musik, der Kunst, der Naturwissenschaft etwa. Sprache bedeutet die Welt. Auch der Musiker und Komponist Thomas Koschat ist Absolvent unserer Schule.

Wir können die Welt nur kennenlernen, erfassen mit der Sprache, mit Sprachen.

 

IMG_8404a

 

Literatur ist wichtig, um seine eigene Position klären zu können, um wertschätzend diskutieren zu können. Um Sichtweisen von anderen verstehen zu können. Wenn es diesen Austausch nicht mehr gibt, geben kann, ist es sehr bedenklich.

 

IMG_8450a

 

Wenn Sprachlosigkeit um sich greift, wird es gefährlich.

 

IMG_8446a

 

Ich selbst schreibe Fachliteratur. Ich habe zwei Bücher in Kooperation herausgegeben. Und Gedichte schreibe ich für mich bzw. sehr vertraute Menschen.

 

IMG_8549a

 

Schule im Lehr- und Lernprozess ist immer über den unmittelbaren Ort hinaus orientiert. Analog oder digital. Sicherlich auch eine Parallele zur Literatur.

 

Türen zu öffnen, Grenzen zu erweitern, dabei in Erfahrung zu begleiten. Das ist eine wesentliche Aufgabe von Schule. Einen Impuls zu geben, um selbst dann Türen öffnen und Grenzen erweitern zu können.

 

IMG_8442

 

Literatur bewegt. In verschiedenster Form. Von Roman, Erzählung, Poesie, Journal bis zu Kochbüchern.

Wenn wir uns auf Literatur einlassen, geben wir selbstverständlich neuen Raum. Das ist ganz wichtig.

 

IMG_8489a

 

IMG_8504a - Kopie

 

 

Unsere Aufgabe in der Schule ist es, Pädagogik wie Literatur hochzuhalten. Raum zu geben – geistig aber auch ganz praktisch als Lern- und Lebensraum, gerade auch in Schularchitektur als Voraussetzung, um Prozesse des Lernens, des Wachsens zu öffnen. Respektvolles Begegnen und Dialog sind dabei der Weg.

 

IMG_8631

 

Ich habe keinen Lieblingstext von Peter Handke. Aber sein Schreiben und das Lesen bedeutet, sich immer wieder auf Neues einzulassen und Gegenwärtiges im unterschiedlichen Licht wahrnehmen zu wollen. Damit ist auch die Pädagogik treffend beschrieben. 

 

IMG_8383a

 

Das Wandern, das Gehen bei Handke. Der bestimmte Ort, das Radln zum See, bei Egyd Gstättner. Die Musik bei Gert Jonke. Die Vielschichtigkeit des Lebens und die Literatur. Die Erfahrung und der Weg. Schule ist einer der wichtigsten, sensibelsten und  besten Orte dafür. 

 

IMG_8389n

Herzlichen Dank Herr HR Dir.Mag.Gerhard Hopfgartner für das Gespräch zum Schulabsolventen und Nobelpreisträger Peter Handke und den beeindruckenden Rundgang durch Ihre traditionsbewusste wie innovative Schule!

http://www.europagymnasium.at/

Alle Fotos_am Standort des Europagymnasiums Klagenfurt.

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig 4.2.2020_

 

 

 

 

„Orte haben einen unverwechselbaren Charakter, der prägt und zu (er)spüren ist“ Alina Nedwed, Anthropologin, outdoor Trainerin_Station bei Bachmann_Klagenfurt _1_2020

IMG_2048a

 

„Orte sind Manifestationen von Geschehnissen, Menschen, Gedanken, Stimmungen, die dort im Laufe der Zeit stattgefunden haben“

 

 

IMG_1841b

 

„Und Orte sind unmittelbar daran beteiligt Geschehnisse zu bestimmen und zu prägen mit/durch ihren Charakter“

 

IMG_20191227_173539

 

„Über die Orte haben ich wesentlich neue Zugänge zu Ingeborg Bachmann gefunden. Das Verständnis von Literatur ist unmittelbarer, menschlicher und damit näher, direkter geworden“

 

IMG_1941

 

„Im Gehen, dem Folgen von Gedanken- und Lebensspuren öffnen sich auch Worte ganz neu. Es ist dann ein Unterwegssein in Ansprache. Vom Text her, der Biographie und meinem Jetzt.“

 

IMG_1905a

 

„Die Rückbindung der Literatur an Lebensorte ist nicht nur eine Erfahrung sondern wesentlich eine Bewegung. Ein Impuls und ein Transfer für den Lebensweg an sich.“

 

IMG_2198

 

„Es braucht Orte zur Bewegung und Begegnung – und natürlich Neugierde“

 

IMG_2099

 

„Orte sind ganz still. Aber gerade darin erzählen sie sehr viel und öffnen eigene Gedanken. Da braucht es viel Respekt und Aufmerksamkeit. Im Hinsehen, Zuhören. Es geht um das einfache Da-Sein. Im Außen wie Innen.“

 

IMG_20191227_173635

 

„Einen Ort im Wandel zu erleben ist ganz besonders. Dem Vertrauten wieder begegnen.  Und mitgehen.

Unser Drei-Wege-See Projekt baut für uns als Veranstalter darauf auf. Orte und Wege öffnen sich neu und damit auch die Ansprache und Präsentation für die Gruppe mit uns am Weg.

 

DSC_0710  Drei Wege zum See_2019 _ Schauspielerin Christina Wuga

19944186_242566432916598_4696536854816365898_o

 

„Ein Ort, Ein Weg, eine Türe, das bedeutet immer eine Vielfalt an Ein- und Ausdrücken. Genauso wie in der Literatur an sich.“

 

IMG_2026af

 

„Meine Arbeit hat thematisch viele Schwerpunkte. Ich bin systemische Erlebnispädagogin, Bergwanderführerin, Kanuguide und outdoor Trainerin.  Es geht um Bewusstseinsbildung, um die Vielfalt der Welt. Um Erfahrung, Anerkennung und Respekt für Kulturen und Natur. Die Wertschätzung ist dabei ganz wesentlich. Und auch die Freude am Entdecken. Lebensschätze, die ganz einfach zu heben sind. „

 

IMG_2104

 

IMG_2106

 

„Ingeborg Bachmann in Klagenfurt  – das ist immer wieder ein besonderer Schwellenschritt, wenn sich dieser Raum öffnet. Im Begegnen und wieder neu den eigenen Bezug zu finden, das Jetzt zu erkennen.“

 

IMG_2216ha

 

„Freiheit, Offenheit und Wahrheit, Selbst zu denken, eigene Wege zu gehen. Ja, das ist Wort und Leben von Ingeborg Bachmann.“

Vielen Dank, liebe Alina! Viel Freude auf allen Wegen.

 

Alina Nedwed_Station bei Bachmann_Klagenfurt _ 27.12.2019

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig

 

Terminankündung: Drei Wege zum See_Ingeborg Bachmann outdoors_Samstag 20.6.2020

Anmeldung: Walter Pobaschnig _ Alina Nedwed