„gesellschaftlich eine neue sachlichkeit fordern“ Klammerzu Klammerauf, Schriftsteller_Unterach/A 30.9.2021

Lieber Klammerzu Klammerauf, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?   

die coronapandemie hat meinen tagesablauf nicht im geringsten beeinflusst: ich wandere wie gewohnt nach dem ersten kaffee hinter’m haus (in unterach am attersee) hoch den berg und drehe eine große runde zum egelsee. an der frischen luft kommen mir die besten ideen, was heute die suche nach einem visuellen ersatzportrait für dein interview beinhaltete, da ich öffentlich anonym auftrete (siehe erläuterung im nahbell-interview auf poesiepreis.de bzw visuellepoesie.at). suchen ist dabei für mich eine art meditativer gebetshaltung: ich beschäftige mich beim wandern nicht aktiv mit dem problem, sondern lasse es im hintergrund von alleine arbeiten. darauf habe ich dank guter erfahrungswerte gelernt zu vertrauen, es war schon meine „geheime“ taktik in früheren marketingjobs als grafiker: gegenüber chefs und kollegen unglaublich ernst und beschäftigt zu wirken, aber in wahrheit innerlich leer und tiefenentspannt zu sein, um sich von automatischen eingebungen inspirieren zu lassen…

wenn ich am frühen nachmittag heimkomme, wird der computer hochgefahren, während das essen kocht (meine frau ist eine leidenschaftliche gourmetköchin, sie überrascht mich tagtäglich als ihren vorkoster neuer kreationen), und die tüftelei an den neuen ideen beginnt. in unserem falle hier hatten sich während der wanderung wortpaare wie SELBSTPORTRAITIERUNG/STORNIERUNG, SELBSTBEBILDERUNG/TILGUNG und GESICHTSERKENNUNG/ICHNENNUNG im bewusstsein hervorgetan, aber mehr wie ein assoziationsrätsel denn echte lösung. die ergebnisfindung kann durchaus bis zum schlafengehen andauern (wie jetzt das gewünschte „foto“ hier für dich: mit identitätskern als überbelichteter lücke) oder sich auch erst am nächsten morgen beim aufwachen herausschälen und lässt die anfänglichen wortspiele oftmals nicht mehr erahnen. am abend treffe ich meist freunde, wir sitzen im seegarten und plaudern über unser früheres arbeitsleben, die peinlichen anekdoten aus der hysterischen designwelt voller prominenter profilneurotiker gehen uns ebenso wenig aus wie der gute hiesige wein.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

die frage fällt mir schwer. was ist überhaupt wichtig, was gibt es an erkenntniszuwachs? die schockierenden oder romantischen geschichten der steinalten und die idealistischen sehnsüchte der jungen generation, das sind die beiden wichtigsten pole, zwischen denen ich als mensch mittleren alters pendel. das wichtigste daran ist wohl, unsere ehrlichen gefühle zu akzeptieren, nicht gleich zu verlachen, was wir selber im grunde nur verdrängen wollen, sondern den mut aufzubringen, uns zuzuhören und uns zu zeigen, was uns bewegt und berührt. psychologisches und moralisches taktgefühl kann verhindern, wut anzustauen, die dann irgendwann destruktiv und asozial ausbricht.

ja, das ist es: SACHZWÄNGE! das wichtigste ist jetzt, nicht mehr an sachzwänge zu glauben, sondern die sachliche realität zu sehen: klima und krankheiten kennen keine sachzwänge, sie brennen mit furchterregender urgewalt irreparable schneisen in die gemeinschaft und die landschaft! ich würde gesellschaftlich eine neue sachlichkeit fordern, eine „innovative sachlichkeit“, um eine dystopische zukunft zu verhindern, in der unsere enkel unnötig leiden anstatt auch so glücklich zu leben wie wir es einige jahrzehnte seit dem ende des letztens weltkrieges noch konnten!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

die rolle von literatur und kunst ist für mich ein januskopf: einerseits als dionysisches prinzip anarchistisch/hedonistisch frei zu bleiben von jeglicher ideologie, andererseits sich für soziale belange zu engagieren (als apollinische kraft). das war schon immer beinahe paradox an jeder form von kreativität – kunst, die hilft, weniger angst vor dem offenen an sich zu empfinden, mehr urvertrauen und die schönheit der begegnung, der anteilnahme und hilfsbereitschaft. am ende liegt nämlich jeder auf seinem sterbebett und heult seine eigene dummheit ins kissen, mit der man sich durchs leben mogelte. lieber schon vorher ein bisschen offener werden für das jetzt an sich, das immerwährende, mehrdimensionale „jetzt“, denn nirgends sonst lauert der anspruch des lebens an das geschöpf, selber schöpferisch zu werden.

Was liest Du derzeit?

ach, ich arbeite mich allmählich durch die aktuelle ausgabe 104/105 des grazer magazins „perspektive“ und warte auf den beitrag, der mein herz jubilieren lässt. die zeitgenössische avantgarde ist mir tatsächlich zu epigonal dionysisch, selten wird da etwas fokussiert ausgedrückt, das mir persönlich weiterhilft oder existenziell gut tut. gleichzeitig sind aber die meisten beiträge, was die p104|105 betrifft, auch überraschend verspielt, witzig, überbordend nervös, zynisch und wie gewohnt herrlich betriebsbashend und im jargon zeitgemäß, das macht ungeheuer freude beim lesen! desweiteren sauge ich nebenbei das neue werk „post corona“ von scott galloway auf, das aus der pandemiebuchblase (die natürlich erst platzt, wenn alle bestseller verkauft sind) positiv hervorsticht, was ich vom bald erscheinenden buch „open“ von johan norberg ebenfalls erhoffe.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

oh, das wäre eine stelle aus meinem lieblingstext von bodo hell: „nicht in allen Weltgegenden benützt man Gabel und Messer, doch überall essen die Leute, so auch wir, mit dem Mund“ (auf seite 94 im buch „schöpfungszeiten – wie was zustande kommt“, 2000)

Vielen Dank für das Interview lieber Klammerzu Klammerauf, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

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Klammerzu Klammerauf_Schriftsteller

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3.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Bei uns bleiben, aktiv und schöpferisch“ Annerose Kirchner, Schriftstellerin_Gera/D 29.9.2021

Liebe Annerose, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jetzt, nach anderthalb Jahren Corona, hat sich eigentlich kaum etwas verändert. Die ersten Wochen im Frühjahr 2020 mit Corona waren schon etwas beunruhigend, weil so wenig Fakten über das Virus bekannt waren, und auch Menschen in meiner Umgebung erkrankten und auch starben, leider. Das beschäftigt mich natürlich.

Da wir Autoren ja immer in aller Stille und allein wirken, ist der Tagesablauf überschaubar. Meine beste Schreibzeit ist am Morgen bis Mittag, gelegentlich auch bis in den späten Abend. Wenn Alltägliches dazwischen kommt, ändert sich der Rhythmus. Während der ersten Corona-Phase habe ich viel notiert, Filme gesehen und Musik gehört. Und es gab auch ein paar Veröffentlichungen in Anthologien.

Die schönste Entdeckung und Erfahrung dieser Zeit machte ich mit der russischen Sprache, die ich seit 2019 wieder intensiv lerne. Das hängt mit meinem nächsten Schreibprojekt zusammen. Was ich nie geglaubt hätte – heute lese ich russische Gedichte zum Beispiel von Lermontow, Jessenin, Zwetajewa, Tarkowski und anderen im Original und kann sehr gut mit den Übertragungen ins Deutsche vergleichen. Das Gehirn wird durchs Sprachenlernen aktiviert. Das ist großartig.

Durch Corona habe ich auch einen anderen Blick auf das Thema „Zeit“ bekommen, wenn es Zeit denn überhaupt gibt…? Die Erfahrung, wie die Natur uns reich beschenkt, wie die Stille eine besondere Harmonie vermittelt, wie man sich auf Wesentliches konzentrieren kann… Ich bin ein Mensch der Stille, das erlebe ich immer wieder. Sie ist notwendig, um Schreiben zu können.

Annerose Kirchner, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns wichtig?

Die gesellschaftlichen Prozesse, Veränderungen und Einschnitte weltweit geschehen rasant. Was die Zukunft für Deutschland bringen wird? Als Schriftstellerin möchte ich auch in Zukunft wach bleiben, auch mit dem Blick zurück auf die eigene Vergangenheit. Ich bin ein positiv denkender Mensch, solidarisch, aber auch kritisch eingestellt, und denke, es gibt Hoffnung in der Welt. Es ist ja immer die Frage, ob man standhalten kann oder lieber flüchten will. Das Schreiben von Gedichten, das Lesen von Büchern, alles, was mit Kunst, Literatur und Musik zu tun, hilft dabei. Ich bin dankbar, dass ich diese, meine Arbeit, meine Berufung, ob Lyrik oder Prosa, ausüben kann, dass ich in Kontakt mit geschätzten Kollegen bin, dass ich wundervolle Bücher lesen kann. Überhaupt, jetzt im Alter spüre ich besonders, wie wichtig es ist, sich Welt intensiv aneignen zu können. Lesen und Schreiben lernen – das ist der Ursprung des Weges zu einem guten Leben, vielleicht. Und es gibt so viele Menschen auf der Welt, das klingt jetzt banal, die dieses Glück nicht erfahren können… Also: Wir sollten bei uns bleiben, aktiv und schöpferisch, das denke ich, ist das Wichtigste.

Was liest Du derzeit?

Mit dem Hinweis auf meine Beschäftigung mit der russischen Sprache, lese ich Bücher über ein schweres Thema: Stalinismus, Großer Terror, die Jahre 1937/1938 und später, Gulag… Die Literatur dazu ist vielfältig. Derzeit entdecke ich die im Geheimen verfassten Tagebuch-Notizen von Michail Prischwin. Als Ausgleich liegen der Roman „Unsichtbare Tinte“ von Patrick Modiano, der Band „Karst“ von Jan Röhnert und die neuen Gedichte von Lutz Seiler auf dem Schreibtisch.

Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wenn wir uns heute, den heutigen Nöten und Forderungen gegenüber, einigermaßen menschlich und anständig halten, wird auch die Zukunft menschlich sein können.“

(Aus: Hermann Hesse, „Lektüre für Minuten. Gedanken aus seinen Büchern und Briefen“, Suhrkamp Verlag, 1985)

Annerose Kirchner, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Annerose, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

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23.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„In einer Beziehung „wischt“ man heute schnell weiter“ Daniela Mitterlehner, Schauspielerin_ Romanjubiläum Malina_Wien 29.9.2021

Daniela Mitterlehner_Schauspielerin_
am Romanschauplatz_Malina_Wien

Orte sind für mich immer etwas zum Kennenlernen, Entdecken. Ich verbinde sie ganz stark mit Reisen.

Ich fühle mich auch schnell an Orten zuhause, weil ich immer viel unterwegs war.

Ich habe viel Tourneetheater gemacht und dabei verschiedenste Orte kennengelernt. Das ist sehr spannend und ich möchte auch bald wieder auf Tournee gehen. Es gibt konkrete Pläne dafür.

Ich liebe Wien, es ist eines meiner Daheims (neben meiner Geburtsstadt Linz und der Stadt Leipzig, in der ich aktuell lebe), ich habe lange hier gewohnt, immer liebend gerne. Es ist eine wunderschöne Stadt.

Ein Großteil meiner Freude lebt in Wien, dieser kulturell unglaublich tollen Stadt. Ich liebe den Wiener Schmäh, den Humor und habe hier auch für mehrere Kabarett-Programme Regie geführt. Ich mag die Mehlspeisen (lacht).

An vertrauten Orten, versuche ich, Menschen wiederzusehen und schöne Erinnerungen aufleben zu lassen, die mich wieder an diese Orte führen.

Neue Orte entdecke ich meist, indem ich vom Bahnhof rausgehe und mich dann immer geradeaus halte. Die meisten Städte, besonders in Deutschland, sind so angelegt, dass der Weg vom Bahnhof direkt in die Innenstadt führt. Da braucht es auch kein Fragen, sondern ich lasse mich da von meinem Gefühl leiten und wenn mich eine Gasse anspricht, spaziere ich da durch. Am besten einen Tag lang spazieren und einfach schauen in einer neuen Stadt (lacht).

Mich interessieren die Sehenswürdigkeiten in einer Stadt, die ich noch nicht kenne, aber mehr noch wie die Menschen leben und wie die normalen Gassen der Stadt aussehen.

Die Verbindung zu Menschen – auch an entfernten Orten – ist für mich stark mit direktem Kontakt, Reisebesuchen, verbunden. Ich war vor Corona oft hier in Wien und in Linz, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Dann waren es Telefongespräche, Verbindung über soziale Medien, die Besuche ersetzen mussten, aber den Kontakt hielten. Das war auch ein gegenseitiges Energiegeben. Ein Motivieren durchzuhalten. Einfach trotzdem füreinander da sein und Teil des Lebens der jeweils anderen Person bleiben.

Bei richtig guten Freunden ist es egal wie lange man sich nicht gesehen hat. Man trifft sich und es kommt einem vor, es wäre gestern gewesen als man sich zuletzt gesehen hat. Und man knüpft wieder an, das ist das Schönste (lacht).

Ich telefoniere auch gerne vor beruflichen Entscheidungen mit einer guten Freundin. Es ist hilfreich und gut da einen Austausch zu haben, auch mit jemandem, der nicht in der Kunst tätig ist.

Ingeborg Bachmann ist eine unglaublich beeindruckende Frau und Schriftstellerin. Ich mag ihre Sprache sehr.

Kunst führt für mich mehr zu sich selbst als dass man sich von sich selbst entfernt. Die Erarbeitung einer Rolle und deren Umfeld ist immer auch eine Selbstreflexion. Ich stelle mir immer auch die Frage: „Was habe ich mit dieser Person gemeinsam?“ Der Anspruch des Verstehens einer Rolle ist immer auch ein Blick in den Spiegel.

Reflexion ist im Theater und Schauspiel allgemein sehr wichtig, um sich nicht zu verlieren, die Bodenhaftung zu verlieren. Das ist etwa der Fall, wenn es Rollenabsagen oder auch viele Angebote gibt.

Der Weg zum Schauspiel – da gibt es tausend Möglichkeiten.

Ich habe mit sechszehn Jahren am Linzer Landestheater in einer der Jugendgruppen begonnen zu spielen und auch selbst Texte geschrieben. Und dann war es für mich sehr schnell klar, dass es das ist, was ich mein Leben lang machen will. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen. In jedem anderen Beruf würde ich wahrscheinlich irgendwann krank und traurig werden, weil mir das Spielen und die Menschen im Theater und beim Film fehlen würden. Das würde ich gern verhindern (lacht).

Meine erste Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule klappte nicht, da ich frisch verliebt und mein Kopf ganz woanders war (lacht). Ich begann dann ein „Vernunftstudium“, habe aber ständig nebenbei gespielt, Workshops besucht, Privatlehrer gehabt, Veranstaltungen moderiert, Jonglageshows gemacht und alles getan, um zur Bühne zu kommen. Und dann mit 25 Jahren – einem Alter, in dem man an den meisten Schauspielschulen schon nicht mehr genommen wird – ergab sich durch einen Workshop die Möglichkeit, doch noch eine Schauspielausbildung zu machen – sogar mit staatlich anerkanntem Abschluss – und ich habe sofort alles hingeschmissen und mich ganz ins Schauspiel gestürzt. Ich habe das bisher keinen Tag bereut. Ich hatte auch das Glück, dass es nach der Ausbildung sehr schnell gut weiterging und ich davon leben konnte.

Ich bin von Linz nach Wien gezogen, um hier zu studieren, aber auch weil mich diese tolle Stadt einfach angezogen hat und habe hier auch die Schauspielschule besucht und bin dann noch einige Jahre geblieben. Natürlich gibt es in Wien viele Schauspielerinnen und Schauspieler und ich habe mich dann im ganzen deutschsprachigen Raum beworben. Ich habe viele Engagements in Deutschland bekommen und pendelte erstmal, bis ich nach Deutschland, jetzt Leipzig, zog. Ich habe da sehr viel mit der Kulturschule Leipzig, einem Kinder- und Jugendtheater, zusammengearbeitet und war etwa mit dem Stück „Ich.Anne“ auf Tourneereise an Schulen. In dem Stück hatte ich die Ehre, Anne Frank zu spielen. Auch Präventionstheater war da ein Schwerpunkt. Leipzig ist auch eine schöne Stadt und die Leute sind sehr gut gelaunt (lacht). Ich war aber auch mit anderen Tourneetheatern in ganz Österreich und ganz Deutschland unterwegs.

Der Roman Malina thematisiert das Leben, die Position der Frau in einer Männerwelt. Kann man sich als Frau da behaupten? In den 1960/70er geschrieben, ist das auch heute noch ein Thema. Es gibt noch viel zu tun und zu überwinden, aber ich denke, dass sich da auch hoffentlich noch ganz viel ändern wird.

Bei mir persönlich war die Position Frau/Mann beruflich nicht so ein Thema bisher. Ich verdiente etwa immer dasselbe wie meine Kollegen. Auch privat hatte ich selten mit dem Thema zu kämpfen, aber ich kriege rundherum sehr viel mit, was anderen Frauen passiert und bin darüber häufig ganz schön schockiert. In der Schulzeit begegnete mir mal ein Lehrer der sagte, das Fach Informatik wäre nichts für Frauen. So etwas weckt bei mir immer meinen Ehrgeiz und nach einem halben Jahr sagte er das nicht mehr (lacht). Auch so sind mir ab und zu mal Machos begegnet, aber zum Glück recht selten und ich wurde im Normalfall ganz gut mit ihnen fertig. (lacht) Was mir manchmal auffällt ist die Dreistigkeit mancher Männer in den sozialen Medien.

Das Thema Vernunft und Sehnsucht ist auch ein wesentliches Thema des Romans. Und wem ist da zu folgen? Malina oder Ivan?

Malina ist Mitbewohner, bester Freund, Supporter, der ihr hilft, ihr beisteht, mit dem sie über ihre Probleme reden kann, der sie aber auch nicht zu100 % versteht, wie auch, ihr Problem ist ja jenes einer Frau in einer Männerwelt, unter anderem, neben vielen Problemfeldern.

Malina ist die emotionale, positive Komponente. Aber da ist auch eine Strenge.

Ivan, da ist große Sehnsucht und Begehren, wie das Scheitern daran.

Ivan ist ein unerreichbares Wunschziel, das sie ständig vor Augen hat. Das ist ein kleines Bisschen vergleichbar mit einer Sachertorte in einer Vitrine, deren Schlüssel jemand weggeworfen hat. Und ich als Naschkatze sitze davor und komme nicht dran. (lacht)

Ivan macht es ihr nicht leicht. Er kann nicht aus seiner Haut wie sie nicht aus ihrer kann.

Es ist ein so großes Verlangen nach Ivan und sie kann über Alternativen nicht nachdenken.

Sie bekommt nicht das zurück, was sie Ivan gibt.

Wenn man merkt, dass man in einer Situation nicht glücklich werden kann, sollte man diese ändern. Auch wenn eine Änderung erstmal weh tut, irgendwann hört der Schmerz auf und die neue Situation ist dann hoffentlich viel besser als die vorige und bietet neue Möglichkeiten. Und wenn nicht, wird es eben Zeit, nach einer weiteren Alternative zu suchen.

Es ist für viele schon schwer einen ungeliebten Job aufzugeben und bei einer hochemotionalen Beziehung ist es natürlich doppelt schwer.

Ihr Ausweg ist Ausweglosigkeit. Es geht in Richtung Selbstmord.

Ich bin ein Mensch, der immer Auswege, Möglichkeiten  zu sehen und zu gehen sucht und versucht, immer auch das Gute und Schöne zu sehen und wenn noch kein neuer Weg da ist, dann muss man sich eben einen schaffen. Wenn man wirklich will und mit ein Bisschen Optimismus an die Sache geht, dann gelingt das in den meisten Fällen.

Im Normalfall kann man heute sozial gesehen, persönlich wie gesellschaftlich, eine Beziehung auch beenden. Das ist anders als vor 50 Jahren mit den vielen noch größeren sozialen Abhängigkeiten.

Die Partner/innenauswahl ist heute ungleich größer, was es auch schwieriger machen kann. Das wirkt sich auch auf die Problemlösungsfähigkeit in einer Beziehung und den Willen dazu aus. Man „wischt“ da schnell weiter.

Daniela Mitterlehner_Schauspielerin_
am Romanschauplatz_Malina_Wien

50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Daniela Mitterlehner_Schauspielerin_Leipzig

https://filmmakers.de/daniela-mitterlehner

Station bei Ingeborg Bachmann_Romanschauplatz_Malina.

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_9_2021.

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„Kunst kann uns helfen, die Welt anders und Anderes zu sehen“ Jens Schröter, Schriftsteller – Netphen/D 28.9.2021

Lieber Jens, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin, natürlich, viel zuhause, arbeite viel, am Rechner, ich male jetzt wieder mehr, gehe eigentlich nur zum Sport raus und natürlich zum Einkaufen. Aber mit den Lockerungen habe ich dann wieder Freundinnen und Freunde getroffen… und es war schön wieder einmal Essen zu gehen. Ganz banal eigentlich.

Jens Schröter_Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir sollten vorsichtig, aber ohne Angst wieder Freundinnen und Freunde treffen. Wieder sozialer werden. Aber wir sollten auch darüber nachdenken, was uns die Pandemie und mehr noch: der Klimawandel über die Welt sagen, in der wir leben. Was müssen wir anders machen? Wir sollten dabei auch eingespielte Gewohnheiten in Frage stellen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wie schon gesagt: Wenn nicht jetzt der Zeitpunkt ist, Gewohntes in Frage zu stellen, wann dann? Müssen wir unsere Ökonomie wirklich über Märkte und Geld organisieren? Gäbe es da nicht andere Formen? Braucht man 300 verschiedene Zahnbürsten im Supermarkt? Muss immer alles noch schneller gehen? Literatur und Kunst können – das mag ein Klischee sein, stimmt aber immer noch, gewohnte Wahrnehmungs- und Denkmuster in Bewegung versetzen. Sie können uns helfen, die Welt anders und Anderes zu sehen.

Was liest Du derzeit?

Wolfgang Koeppen, Ben Lerner, Joscha Wullweber, Iain Banks, Peter Handke, Jorge Luis Borges, Hannah Arendt….

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Als wir ihn ein zweites Mal lasen, stellten wir hinter seiner streng sachlichen Schreibweise eine grundlegende Verschwommenheit fest.“

Vielen Dank für das Interview lieber Jens, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

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Jens Schröter_Schriftsteller, Medienwissenschaftler

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9.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die Themen liegen da. Hinschauen. Annehmen.“ Gabriela Kasperski, Schriftstellerin_Zürich 27.9.2021

Liebe Gabriela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Stehe früh auf, (bin eine zum Morgenmensch mutierte Nachtmenschin und daher permanent unausgeschlafen). Schicke meine Tochter in die Schule, (der Rest der Familie ist erwachsen und muss nicht geschickt werden). Mache den Versuch, 5000 Schritte zu gehen, (bin Geherin), setze mich ins Homeoffice (an den Laptop am Küchen-Wohnzimmer-Gartentisch, war schon immer so, nur seit der Pandemie hats halt einen Namen), erledige Brot-und Kreativjobs, je nachdem was gerade mehr gefragt ist, arbeite bis gegen Abend durch. Schwimme 5000 Schritte (also 1 Kilometer im Zürichsee, sehr privilegiert, sehr wunderbar), hoffe, jemand aus meiner Familie hat gekocht. Arbeite weiter oder auch nicht, lese und schaue ITV-News (Sucht, bin UK-affin, trotz allem).

Gabriela Kasperski, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Themen liegen da.
Reich und nicht arm, need anstatt greed,  
Ungerechtigkeit.
Umwelt. Klima.
Post Pandemie. Isolationweg, Einsamweg, Abstandeinwenigweg.
Kriegweg.
Hungerweg. Foodwasteweg. Plastikweg.
Socialmediaeinwenigweg.
 
Uff. Die total Überforderung.

Was für alle gilt, gilt das auch für mich? Bin ich alle? Sind alle ich? Gibt’s überhaupt Platz für ein Ich? Zusammen gegen den Rest der Welt. Zusammen mit dem Rest der Welt.

Keine Ahnung. Würde meine Tochter sagen, sweet 13.

Die Themen liegen da. Hinschauen. Annehmen. Weitermachen.  



Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt der Literatur, der Kunst an sich zu?

Aufbruch und Neubeginn sind zentral, das können wir eigentlich gut. Erleben wir im Kleinen jeden Morgen, jeden Montag, jeden Frühling. Jedes Neujahr. Ein Konzept, das sich bewährt hat über Jahrhunderte.

Der Neubeginn ist immer eine Chance. Immer. Nur schon die Chance an sich ist eine Chance. Achtung: Jede Chance birgt das Scheitern. Vielleicht sollten wir lernen, das Scheitern als Teil des Prozesses zu akzeptieren und dennoch, gerade weil, umso mehr weitermachen, in dem was uns bewegt, was wir bereit sind, dieser reichen Welt zurückzugeben. Klingt das zu pessimistisch? Ich hoffe nicht. Hoffnung ist auch Teil des Prozesses.

Literatur, Kunst? Auch das ist zentral, und das können wir auch gut. Erleben wir im Kleinen seit immer. Indem wir Geschichten, Stories, Narrative auf künstlerische Weise verdichtet, zu einem Roman, einem Bild, einem Musikstück, einer Skulptur, einer Performanc, indem wir diese Geschichten erleben, wird unser Horizont weit. Die Verzweiflung wird weniger, die Hoffnung mehr. Schaffenskraft überträgt sich.

Aber das klingt alles ein wenig geschwurbelt, gell.

Weil, ich bin doch ich. Was mache ich denn?

Ich persönlich lebe die Themen, die mich schon immer bewegen. Gender und Rassismus. Dafür setze ich mich ein, auf meine Weise. Indem ich meine Bücher (Krimis&Kinderromane) divers halte, neugierig und offen bin, und versuche, jeden Tag etwas von dem Reichtum, den ich erfahre, weiterzugeben.  

Was liest Du derzeit?

Mein Sub (Stapel ungelesener Bücher) ist mächtig. Als Autorin besuche ich viele Buchhandlungen. Aus keiner komme ich raus, ohne mindestens ein Buch. Darum freu ich mich so auf die Sommerferien. Da schreibe ich meinen nächsten Roman. Erforsche meine kleine Bretagnewelt.
Und lese, lese, lese.

In meinen Koffer packe ich darum:

Jeanluc Bannalec: Bretonische Idylle (Ferienfeeling)

Bernardine Evaristo: Girl, Woman, other (Ein Must)

Helen MacCarthy, Women of the world (Recherche)

Nicci French, The lying room (Topkrimi, les ich zum dritten Mal)

Emilia Roig, Why we matter (stellt Fragen, gibt Antworten, very important)

Pia O’Connell: ein irischer Todesfall (Autorinnenkollegin)

Kate Russo, Super Host (Entspannung)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

All the world’s a stage,

And all the men and women merely players, aus As you likeitI, von William Shakespeare. 
Begleitet mich seit meiner Jugend.
Finde Shakespeare gross. Finde , er findet die richtigen Wortfindungen.  

Gabriela Kasperski, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Gabriela, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

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Gabriela Kasperski, Schriftstellerin

Gabriela Kasperski war als Moderatorin im Radio- und TV‑Bereich und als Theaterschauspielerin tätig. Heute lebt sie als Autorin mit ihrer Familie in Zürich und ist Dozentin für Kreatives Schreiben, Figurenentwicklung und Synchronisation.

www.gabrielakasperski.com

Gabriela Kasperski: Home

Alle Fotos_Kasperski

24.6.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Sag nie, es gäbe nur den Tod für uns“ Judy Batalion. Die vergessene Geschichte jüdischer Freiheitskämpferinnen. Piper Verlag.

Polen. Ein Land, das im II.Weltkrieg zum ersten Angriffsziel des nationalsozialistischen Regimes wurde und in den folgenden Kriegs- und Besatzungsjahren größten Mordwellen und Greuel ausgesetzt war. Millionen jüdische Bürger*innen wie politisch und anderwertig Verfolgte wurden dabei ermordet. Eine Maschinerie aus Tod und Grausamkeit überrollte das Land und tauchte es immer wieder in Blut und unvorstellbarem Leiden.

Widerstand kam dabei etwa von Partisaneneinheiten in Wäldern wie auch in den jüdischen Ghettos, etwa in Warschau. Es waren todesmutige Widerstandskämpfer, die sich einem skrupellosen Regime entgegenstellten. Doch es waren nicht nur Kämpfer, auch Frauen stellten sich in vielfältiger Form in den Dienst von Freiheit und Widerstand. Voller Mut wie auch oft Aussichtslosigkeit…

Judy Batalion, in Kanada geborene Wissenschaftstheoretikerinund Kunsthistorikerin, greift nun Lebenswege von jüdischen Widerstandskämpferinnen in Polen während des Zweiten Weltkrieges auf und stellt diese in das erschütternde Panorama von Zeit und Mensch.

Die Autorin schildert dabei in beeindruckendem Sachwissen der politischen, organisatorischen wie persönlichen Umstände die Situation der Widerstandskämpferinnen und ihrer dramatischen Lebensumstände. Beeindruckend ist auch die Konstruktion dieses Werkes, das in erstaunlich anschaulicher Weise erzählt und gleichsam wie in einem Film Stationen des Lebens, des Kampfes und des Sterbens mitverfolgen lässt. Es ist da auch eine erstaunliche literarische Qualität zu erkennen, zu der nur zu gratulieren ist.

Ein ausführlicher Anhang mit Bibliographie, Fotonachweis und weiteren Informationen rundet dieses außergewöhnliche wie wichtige Werk sehr gut ab.

„Eine großartige Spurensuche und Darstellung weiblichen Widerstandes und Mutes in schlimmster Zeit –  ein Denkmal, Fanal und Auftrag für Demokratie und Freiheit zu jeder Zeit!

Walter Pobaschnig 9_21

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„Kunst braucht Raum, und zwar dreidimensionalen“ Katharina Klein, Schriftstellerin _ Wien 26.9.2021

Liebe Katharina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich lese oder höre die Nachrichten, dann meditiere ich, um die Nachrichten wieder zu vergessen. Ich bin viel zuhause, zeichne öfter und schreibe weniger.

Katharina Klein, Schriftstellerin, Bildende Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Pauschalaussagen finde ich immer schwierig. Wir leben alle in anderen sozialökonomischen, familiären, emotionalen, etc. Verhältnissen, abgesehen davon, will ich hier keinen Wertabsolutismus verteidigen, aber ich denke, dass das, was wichtig ist und war, dasselbe geblieben ist. Dass es nur schärfer hervortritt. Sich uns mehr aufdrängt in Krisen, aber, grundsätzlich, auf jeden Fall: ohne Empathie ist viel verloren.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Ich sehe das pessimistischer. Aufbruch wäre ja gut, aber wohin.

Welchen Wert die Kunst hat, haben uns die Zeiten ja schon schmerzhaft vorgeführt. Inmitten von Leere und Angst wirkt sie oft besser als so manche Antidepressiva. Aber, ähnlich wie psychische Krankheiten, hat sie gesellschaftlich gesehen, dennoch oft den leidigen Stellenwert einer Randnotiz. Wie fehlpositioniert das ist, hat man gesehen. Kunst braucht Raum, und zwar dreidimensionalen.

Was liest Du derzeit?

„Nach dem Gedächtnis“ von Stepanowa, „Digital Minimalism“ von Carl Newport, italienische Zeitungen und immer und immer wieder die Gedichte von Emily Dickinson.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtet Du uns mitgeben?

„Kopf Du Schweig“  irgendwo in Irre von Rainald Goetz gefunden und erinnert mich oft daran, dass man auch da im Hirn mal zwischendurch gern die Fenster zumachen würde und, wenns mal zu sehr windet, vielleicht auch mal sollte.

Vielen Dank für das Interview liebe Katharina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

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Katharina Klein, Schriftstellerin, Bildende Künstlerin

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29.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ich will Klänge malen und greifen“ Fiona Franka Terler, Sängerin_ Wien 25.9.2021

Liebe Fiona, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf sieht immer anders aus. Je nachdem wo ich probe oder woran ich gerade arbeite. Gewisse Dinge wie Sport, Singen, Tanzen, Schauspielen, meditieren, Disziplin, Reisen, gutes Essen, Emotionalität, Spaß, viele Menschen und ein gewisses Maß an Verrücktheit kommen darin immer vor.

Fiona Franka Terler, Sängerin, Musicaldarstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Dinge wertzuschätzen, die unserer Gesundheit und unserer Seele gut tun. Dazu gehört ein nach individuellen Vorlieben  gestalteter Lebensstil soweit dies für jeden einzelnen möglich ist. Gutes Essen, gute Gedanken, Familie, Freunde und schöne Erlebnisse. Einen großen Part für das Wohlbefinden spielt hier auch die Kunst. Ihre Wirkung auf Körper, Geist und Seele darf keinesfalls unterschätzt werden. Darauf möchte ich aufmerksam machen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich kann nur für mich sprechen. Ich bin keine Wahrsagerin, aber von meiner Perspektive aus kann ich sagen: Die Kunst hatte für mich immer eine große Rolle. Sie hat mich verändert, aufgerüttelt, mein Bewusstsein erweitert, wach werden lassen, auf etwas hingewiesen, mich inspiriert,  mich beflügelt, mir Halt gegeben und mich geheilt. Ich bin überzeugt davon, dass sie diese Kraft immer noch hat und immer haben wird. Daher ist sie gerade in diesen Zeiten so wichtig und wird in der Zukunft hoffentlich auch immer wichtig sein, wenn die Menschen dieses Potential erkennen.

Was liest Du derzeit?

Ich lese gerade ein Buch über die Heilung des Inneren Kindes von Stefanie Stahl.

Ich beschäftige mich gerne mit meinem Innenleben, da ich denke, dass Seelenhygiene genauso wichtig ist wie Sport oder Persönlichkeitsentwicklung.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Manchmal ist es stärker schwach zu sein.

Und ein Gedicht von mir „An die Kunst“..

Eine Bitte an die große Kunst
Bitte schenk mir deine Gunst
deine Töne will ich ganz spüren
Mein Herz sollst du verführen
Durchdringe mich gar und ganz
Meine Augen spiegeln den Glanz
Ich kann es fühlen und sehen
Mit dir will ich gemeinsam gehen
Meine Seele schenke ich dir
Das Feuer entfachst du in mir
Ich will Klänge malen und greifen
Mein sein wirst du, nicht nur streifen
Ich will tief in dir schwimmen
Und für dich Großes anstimmen
Ich will dich spüren und halten
Über meine Kräfte sollst du walten
Ich danke für den Zugang zu dir
Leben sollst du für immer in mir.
c. Fiona Franka

Fiona Franka Terler, Sängerin, Musicaldarstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Fiona, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Fiona Franka Terler, Sängerin, Musicaldarstellerin

Alle Fotos_Robert Krenker

28.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Dass alles, was ich tue oder unterlasse, Wirkung hat“ Monika Schilfarth, Schriftstellerin_ Nürnberg 24.9.2021

Liebe Monika, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Viel freier als früher, weil unsere beiden Söhne Anfang letzten Jahres kurz hintereinander auszogen. Ich wache etwa um sieben Uhr von alleine auf. Braue mir eine große Tasse Tee und schreibe Morgenseiten. Lege Träume, Grübeleien, Gedankenwirrwarr auf diese Art ab. Verscheuche währenddessen mindestens ein Mal den Buntspecht, der jeden Morgen an der Giebelwand unseres Hauses hängt und Löcher in die Isolation hackt. (Löcher, die wiederum Spatzen als Nistplätze nutzen. So wachsen jedes Jahr in der Wand hinter meinem Lyrikregal Jungvögel heran.) Den Vormittag nutze ich für Bewegung, Haushalt, Organisatorisches, Zeug, das eben erledigt werden muss. Der Nachmittag gehört mit einem Cappuccino als Auftakt dem Schreiben und allem, was dazugehört. Ich überarbeite derzeit einen Romanentwurf. Da werden wohl noch einige Überarbeitungsdurchgänge folgen. Nach dem Abendessen mit meinem Mann sitze ich, wenn es das Wetter erlaubt, in dieser Jahreszeit gerne auf der Terrasse, lese, höre den Igel unter den Büschen schmatzen und Mauersegler schreien, beobachte, wie die Spatzenhorde allmählich ihre Schlafplätze in den Büschen einnimmt, sehe die ersten Fledermäuse kreisen …

Und zum Glück gibt es nun wieder Tage, an denen ich Freunde und Verwandte treffe, eine Lesung besuche … An denen mein Tagesablauf ganz anders als eben beschrieben aussieht.

Monika Schilfarth, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für alle kann ich nicht sprechen. Für mich ist es wichtig, eine gewisse Gelassenheit zu bewahren und den Mut zur Veränderung in meinem eigenen Leben nicht zu verlieren trotz der sich überschlagenden Nachrichten über Katastrophen aller Art; das Bewusstsein zu pflegen, dass alles, was ich tue oder unterlasse, Wirkung hat. Auf mein eigenes Leben, meine Umgebung, die Natur …

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich glaube, dass Mitgefühl und Empathie im Zusammenspiel mit Klarheit des Denkens und des Ausdrucks Werte sind, die viel dazu beitragen können, zu einem menschlicheren Miteinander und einem respektvolleren Umgang mit der Natur zu finden. Literatur und Kunst, egal ob in unterhaltender oder ernster Form, können meiner Meinung nach exemplarisch zeigen, inwiefern diese Werte wesentliche Teile der Lösung für persönliche und globale Krisen sein können, ohne in grenzenlose Toleranz, hilflos machendes Mitleid und jämmerliches Selbstmitleid umzuschlagen.

Was liest Du derzeit?

– Andreas Maier: „Ich“ (Frankfurter Poetikvorlesungen 2006)

– Ingo Schulze: „Die rechtschaffenen Mörder“

– Sven Stricker: „Schlecht aufgelegt“

– Und jeden Tag ein wenig Lyrik.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Marie von Ebner-Eschenbach: „Klarheit ist Wahrhaftigkeit in der Kunst“

Vielen Dank für das Interview liebe Monika, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Monika Schilfarth, Schriftstellerin

Foto_privat

23.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Dass man als Künstler*in nicht ständig günstigst oder kostenlos arbeitet“ Massud Rahnama, Schauspieler_ Wien 23.9.2021

Lieber Massud Rahnama, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Das ist jeden Tag anders. Aber was ich immer mache, ist, nach dem Aufstehen ein Glas heißes Wasser mit etwas Kurkuma und wenig Pfeffer, etwas Zitronensaft und Essig zu trinken und Schafkäse mit Brot und Walnüssen zu essen. Dann checke ich meine Mails und gehe in meinen Proberaum. Entweder proben, schreiben oder unterrichten. Am Abend erledige ich meine Telefonate, treffe Freunde oder schreibe.

Massud Rahnama, Schauspieler, Regisseur

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir einander mit Respekt behandeln – das beinhaltet auch nicht zu erwarten, dass man als Künstler ständig günstigst oder kostenlos arbeitet. Es wird immer wieder von uns Künstlern erwartet, dass man Auftraggebern entgegenkommt – es wäre an der Zeit, dass die Auftraggeber endlich einmal uns entgegenkommen. Wenn wir uns ständig dumpen lassen, was kann man dann von der Kulturpolitik erwarten.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

Sozialkritisch sein, politisch bleiben, das ist die große Verantwortung der Einzelperson und daher auch der Kunst.

Was lesen Sie derzeit?

Zum wiederholten Male lese ich den persischen Mystiker Rumi.

Welches Zitat, welche Textstelle möchten Sie uns mitgeben?

Frei ist der, den die Beleidigungen der Menschen nicht schmerzen, und ein Held ist, wer den nicht beleidigt, der es verdient hätte.

Hör mit den Ohren der Toleranz. Sieh durch die Augen des Mitgefühls. Sprich die Sprache der Liebe.

Vielen Dank für das Interview lieber Massud, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Film-, Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Massud Rahnama_Schauspieler, Regisseur

http://massud-rahnama.com/

Foto_privat.

2.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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