„Die Literatur gibt in diesem Kontext Trost“ Brigitte Anna Oettl, Schriftstellerin _ Wien 30.11.2020

Liebe Brigitte, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich habe bedingt durch Covid-19 (nach Kurzarbeit) im Juli meinen Arbeitsplatz als Trainerin/Coach verloren – das war das Beste, das mir passieren konnte. Nach einer kurzen, intensiven Jobsuche hatte ich plötzlich fünf Angebote und mich entschieden in meinen Grundberuf der Kommunikationsarbeit (Journalismus/Öffentlichkeitsarbeit) zurückzukehren. Bei den Überlegungen spielte wesentlich mit, dass wir noch länger in einer Pandemie leben würden und ich eine gewisse Stabilität für mich und meine Kinder (als Alleinerziehende) suchte. Seit September mache ich die Öffentlichkeitsarbeit für ein großes Architekturbüro und ich bin sehr glücklich damit. Ich arbeite bewusst nur Teilzeit; ich rechne meine Lebenszeit so: Die Woche hat sechzig (Wach)-Stunden, dreißig Stunden, also etwa die Hälfte der Arbeitswoche gehören der Erwerbsarbeit, der Rest der Zeit gehört mir – und damit meine ich auch den Kindern, dem Schreiben, dem Haushalt, der Bewegung, der Natur und meinen Freund*innen – mit wechselnder Reihenfolge und Prioritätensetzung.

Viel Zeit zum Schreiben bleibt allerdings nicht, das wird sich erst mit zunehmendem Alter der Kinder ändern, und ändert sich bereits allmählich (Teenager). Schreiben ist für mich Grundbedürfnis eines guten Lebens, als „In-der-Welt-Sein“, als Selbstvergewisserung und lustvolles Sprachspiel; mir geht und ging es nie um Veröffentlichung, aber natürlich ist es wunderbar, ein Stück weit das Innerste literarisch ins Außen zu bringen und mit eigenen Texten auch andere Menschen zu berühren.

Brigitte Anna Oettl, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das Zuhören und das Hinhören, die Verbindung miteinander und der Zusammenhalt untereinander. In meinem Umfeld hat die Pandemie die Menschen wieder enger zusammenrücken lassen, es gab viele gute, qualitative Zusammenkünfte und sogar Versöhnungen. Auch mit sich selbst. Das ist die gute Seite der Krise. Oberflächliches, Unnötiges, Ungesundes, Überflüssiges fliegt raus. Egal ob beim Kochen, in Beziehungen oder in der Gestaltung der Arbeit und in der Selbstfürsorge – den bewussten und wertschätzenden Umgang mit unser aller Zeit halte ich für wesentlich im Leben allgemein.

Die Krise hat frühere Werte und Bedürfnisse, die im „Systemfunktionieren“ mit Arbeit, Kindern und Haushalt auf der Strecke geblieben waren, wieder in den Fokus gerückt. Wir haben hochwertig gekocht, im Hinterhof einen kleinen Garten angelegt, viel miteinander geredet, gute Musik gehört, getanzt und Federball gespielt. Und den restlichen (Waren-)Konsum weggelassen. Es braucht sehr wenig, um ein gutes Leben zu führen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Jetzt am Beginn des zweiten Lockdowns, der morgen in Kraft tritt, am Anfang eines dunklen Winters macht es mir wirklich Sorgen, die persönlichen Begegnungen mit Menschen (wieder) reduzieren zu müssen. Keine social media Plattform kann den direkten physischen Kontakt oder Umarmungen ersetzen. Aus eigener schmerzlicher Erfahrung als Alleinerziehende weiß ich, wie wichtig ausreichend Sozialkontakte, Intimität und Zärtlichkeit sind und wie schädlich tatsächlich Einsamkeit im Sinne mangelnder direkter sozialer Interaktionen ist. Das richtige Maß an Interaktion ist natürlich individuell verschieden; ich persönlich brauche viele Interaktionen, um gesund zu bleiben. Nicht umsonst gilt in manchen Ländern die Einsamkeit als anerkannte medizinische Diagnose. Auf sich selbst und einander gut aufzupassen, hinzuschauen, wie geht es den Leuten in meinem Umfeld, meinen Nachbar*innen und Freund*innen, halte ich für ein Grundbedürfnis der Menschen, und wenn dieses eingeschränkt oder gefährdet ist, müssen wir gegenhalten.

Die Literatur gibt in diesem Kontext Trost. Bücher sind wie gute Freunde, sagt meine Tochter, die eine Leseratte ist, und genauso verhält es sich auch für mich. Ich habe für gewisse Gefühlszustände sehr spezielle Lektürebedürfnisse, um in eine Welt einzutauchen, mir diese zu erschließen, die eigene zu bereichern, aufzubrechen oder zu erklären. Und sich damit in seiner Existenz selbst zu vergewissern. Literatur und Lesen machen Sinn. Literatur berührt uns. Literatur verbindet uns Menschen miteinander. Literatur macht uns vermutlich erst zu Menschen. Gesellschaftlich betrachtet hat Literatur natürlich auch die Aufgabe gegenzuhalten, gegen die Missstände einer Gemeinschaft oder der Weltpolitik etwa, gegen die Vereinnahmung oder den Missbrauch durch Machtverhältnisse und für das Aufbrechen problematischer Strukturen und Denkweisen. In erster Linie aber verbindet sie uns Menschen, auch im Diskurs.

Was liest Du derzeit?

Ich habe im Winter vor dem ersten Lockdown meine Bibliothek mit über Tausend Büchern vom Vorzimmer ins Wohnzimmer übersiedelt, dabei sehr viele Bücher weggegeben und gleichzeitig wieder viele in meine Wahrnehmung geholt. Seither lese ich sehr viel nach. Und ich lese gleichzeitig. Zur Zeit liegen „Flammenwerfer“ von Rachel Kushner, „Freiheit“ von Jonathan Franzen, „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara, „Verzeichnis einiger Verluste“ von Judith Schalansky sowie Kurzgeschichten von Alice Munro und mehrere Titel von Virginie Despentes neben dem Bett. Allerdings bin ich eine untreue Leserin, wenn ich nicht berührt bin, lege ich ein Buch für eine gewisse Zeit oder auch ganz weg. Das habe ich mir vor einigen Jahren erlaubt. Auf dem Couchtisch liegen noch einige Gedichtbände von Rimbaud und Baudelaire, „Die Dinge“ von Georges Perec sowie „1984“ von George Orwell und „Salz auf unserer Haut“ von Benoite Groult, ich konnte einfach nicht widerstehen, sie kürzlich aus dem offenen Bücherschrank mitzunehmen. Meine Lektüre ist sehr vielseitig.

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Etwas zum Schmunzeln: „Du denkst also darüber nach, und dein Mut verlässt dich irgendwann, wenn du begreifst, in was für einem Chaos wir leben und welche Kleinigkeiten uns an der Oberfläche halten. Je mehr du nachdenkst, desto mehr Gründe gibt es, besorgt zu sein. Logisch, nicht wahr, es wäre total blöd, wenn dich bei dem Gedanken, dass heute früh irgendwo ein Auto aus einer Garage gefahren ist, um dich umzubringen, Euphorie ergreifen würde, der Pfeil ist abgeschossen und so weiter. Du begreifst, dass man nur sorglos und ruhig leben kann, wenn man seine Birne nicht dafür nutzt, die Dinge miteinander in Verbindung zu bringen. Dann braucht man nicht ständig Schiss zu haben, während alle anderen an diversen Ängsten und anderen Syndromen leiden. Du kapierst, dass die Situation verkehrt ist, dass die Irren ganz okay im Kopf sind und dass die Gesunden eigentlich irre sind, verstanden?“

(Aus: „Stalins Birne“ von Edo Popovic)

Vielen Dank für das Interview liebe Brigitte, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schreibprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Ich habe zu danken! Alles Gute und bleib gesund, lieber Walter!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Brigitte Anna Oettl, Schriftstellerin

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2.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Tagesabläufe können sich ändern, der Balanceakt bleibt.“ Stéphanie Divaret_Schriftstellerin_ Waldkirch/D _ 30.11.2020

Liebe Stéphanie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin viele. Und egal, wie die Rahmenbedingungen sich ändern, meine Rollen im Alltag bleiben dieselben – es ist ein Balanceakt zwischen dem Dasein als Mutter, der Verantwortung im Brotberuf und dem Schaffen von sehr notwendigen Freiräumen dazwischen, in denen ich lesen und schreiben kann. Tagesabläufe können sich ändern, der Balanceakt bleibt. Fordernd. Sehr fordernd mitunter.  

Stèphanie Divaret

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für mich klingt es abgedroschen, weil selbstverständlich, aber es scheint mehr denn je geduldig wiederholt werden zu müssen: Respekt, Toleranz, Empathie. Sie geraten schnell zu polierten Hülsen. Eigentlich steckt in ihnen viel Unbequemes; jeden Tag müssen sie mit Inhalt gefüllt werden, das kann ziemlich anstrengend sein. Da wir schon mit der recht attraktiven Gabe des Denkvermögens ausgestattet sind, sollten wir sie nicht dazu gebrauchen, uns gegenseitig in die Pfanne zu hauen, sondern uns gegenseitig die richtigen Fragen zu stellen: Wo kommst du her? Wie sieht es da aus? Was hat man dir als Kind erzählt? Was haben wir gemeinsam? Was nicht? Wie kommen wir da weiter? Das ist vermittel-, erlernbar.

 

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich stelle mir eher die Frage nach dem Spannungsverhältnis von Aufbruch und Kontinuität. Aufbruch lässt sich auch so verstehen, dass Räume aufgebrochen und ausgeleuchtet werden – dunkle Räume, und im Moment sind es einige, in denen im Verborgenen kontinuierlich Missstände und Ungerechtigkeiten angewachsen sind. Aufbrüche gibt es immer wieder, weil irgendwelche „dark rooms“ auch immer fortbestehen. Aufmerksam zu bleiben, aufzubrechen oder sich zumindest mit den Aufbrechenden solidarisch zu zeigen, ist wichtig. Genauso wichtig scheint mir aber, im allgemeinen Getöse der sozialen Medien immer wieder Besonnenheit zu üben, im guten alten, tugendhaften Sinn. Und wir müssen bei allen derzeit im Berufsleben gefeierten vermeintlichen Vorzügen der digitalen Vernetzung sehr aufmerksam sein, welches Potenzial KI für oder gegen uns als von Natur aus sterbliche Wesen entfalten kann.

Die Rolle der Literatur ist ganz offensichtlich: Wir sind Sprache, die Zeichen, die wir uns geben. Durch sie sind wir manipulierbar, berührbar, hinterfragbar. Literatur bietet Räume, in denen wir uns die richtigen Fragen stellen können, gegenseitig oder allein. Bestenfalls ohne die Erwartung letzter Antworten.

 

Was liest Du derzeit?

Ovid, Lukrez, Ulrike Draesner, José F. A. Oliver

Kein Tag ohne Gedicht.

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Verdächtig kurz scheint die Geschichte mancher Länder,

und ähnlich hier: Du weißt, dass du zu wenig ahnst.

Wissen ist Erfrischung für den casual Verwender.

So wie dein guter Freund mit seinem kargen Wanst

gibt es dir nie mehr Küsse, als du tragen kannst.

Denn eigentlich wird wesentlich sein, einen einzigen

Kuss zu verfolgen, wohin er dich immer bringt.

Dort seiend, weißt du, du erlebst nur einen winzigen

Teil alles anderen – doch der Teil singt.

(Ann Cotten: Verbannt!)

Vielen Dank für das Interview liebe Stéphanie, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen

Stéphanie Divaret, Schriftstellerin

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21.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Mögest Du Dir die Zeit nehmen, die stillen Wunder zu feiern“ Kerstin Pukowski, Schriftstellerin_ Nürnberg 30.11.2020

Liebe Kerstin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich arbeite seit über dreißig Jahren bei einem bayerischen Autohersteller im Büro und Gott sei Dank, blieb mir ein längeres Homeoffice erspart. Dennoch spürt man eine große Verunsicherung, was noch alles kommen wird. Tägliche Änderungen, die kaum überschaubar sind, bringen einen an seine persönlichen Grenzen, ob nun finanziell oder auch körperlich und seelisch. Dies muss jeder für sich selbst abstecken, doch es führt nicht selten zu Spannungen, welche eigentlich nur auf einem begründet sind: Unsicherheit vor der Zukunft. Ich versuche, mich nicht in diesen Strudel mit hineinziehen zu lassen, und tanke viel Kraft und Zuversicht, wenn ich schreibe. Es entführt mich für einige Momente in eine Welt, die ich so gestalte, wie ich sie gerne sehen und leben würde. Da es sich um Kriminalromane handelt, ist es somit keine „perfekte“ Welt, aber eine, in der man in dieser herausfordernden Zeit auch in die eine oder andere Rolle der Protagonisten schlüpfen würde.

Kerstin Pukowski _ Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Einen kühlen Kopf zu bewahren und sich nicht verunsichern zu lassen. Wie oft passierte es in den letzten Wochen und Monaten, dass Dinge gesagt wurden, die augenscheinlich der Wahrheit entsprachen und kurze Zeit später wieder revidiert werden mussten. Ich persönlich versuche, die Dinge objektiv zu betrachten und mir eine eigene Meinung zu bilden. Für mich als Autorin ist dies eine Bewährungsprobe wie für viele andere auch. Wir sind gezwungen, neue Wege zu gehen und können nicht sicher sein, ob sie auch morgen noch in dieser Form gegangen werden können oder wir wieder neu definieren müssen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

In Zeiten wie diesen ist die Literatur und Kunst umso wichtiger denn je. Die Leute möchten unterhalten werden, schöne Dinge sehen, Geschichten lesen, die sie hinwegtragen, von dem, was ihnen tagtäglich begegnet. Änderungen, Neuerungen und Vorgaben, die morgen schon nicht mehr gelten. Eine ungewisse Zukunft, die in vielen Menschen Ängste und Verunsicherung schürt und manch einen zu ersticken droht. Umso wichtiger ist es, sich auszutauschen und Abstand vom Alltag zu gewinnen. Ich selbst durfte diese außergewöhnliche neue Erfahrung vor nicht allzu langer Zeit machen, als ich einen Freundschaftsvorschlag in einem sozialen Netzwerk erhielt. Es handelte sich um einen indischen Künstler, auf dessen Seite einige seiner Bilder dargestellt wurden, welche mich für diesen kurzen Augenblick all das Geschehen der Welt vergessen ließen.

Was liest Du derzeit?

Hidden Feelings – William und Nilam von Sonju DiCarmen. Ein Roman der ganzen anderen Art, wie ich sie normalerweise lese. Die Besonderheit dieses Buches besteht für mich darin, dass hier die Grenzen und Toleranzen ausgelotet werden und dies auf eine Art und Weise, wie ich sie bisher nicht sah und kannte, denn es handelt sich um eine Gay Romance zwischen einem Engländer und einem indischen Mann. Welten, die nicht weiter voneinander entfernt sein könnten, und dennoch verbindet sie eine tiefe Verbundenheit. Eine Liebe, welche in dem einen Land zum Tode führt und nicht so toleriert wird, wie es für die heutige Zeit wünschenswert wäre. Dieses Buch macht Mut, verkrustete Konventionen aufzubrechen und neue Wege zu gehen.

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Mein Herz hängt sehr an Irland und deren Segenswünsche. Einer davon hat mich stets begleitet und bedarf keiner weiteren Worte, denn seine sind aussagekräftig genug: Mögest Du Dir die Zeit nehmen, die stillen Wunder zu feiern, die in der lauten Welt keine Bewunderer haben.

Vielen Dank für das Interview liebe Kerstin, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

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Kerstin Pukowski, Schriftstellerin

https://shop.falter.at/liste.php?namen=Kerstin%20Pukowski

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19.10.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Noch fehlt der Abstand zum Geschehen, also die Weitsicht.“ P.B.Fuchs_ Schriftstellerin _ Frankfurt/Main _30.11.2020

Liebe P. B. Fuchs, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Es hat sich nicht groß etwas verändert, bis auf Home-Office, das hatte ich vorher nicht. Leider kann ich meine Freunde nicht mehr umarmen und küssen; auf der anderen Seite entfällt das – mir äußerst lästige – Händeschütteln im Job.  

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für alle kann ich die Frage nicht beantworten. Für mich gilt: sich nicht so ernst nehmen und über sich selbst lachen können. Es ist schon lustig, wie ich mich nach meinem Urlaub über die Franzosen aufrege, weil sie die Maskenpflicht in geschlossenen Räumen nicht ernst genug nehmen; und wie ich dann eine halbe Stunde später im Supermarkt meine eigene Maske am Handgelenk baumeln sehe.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt  dabei dem Schreiben, der Kunst an sich zu?

Ich bin noch in der Phase des Reagierens und immer wieder Korrigierens. Vieles mag aus später Sicht falsch gewesen sein, doch noch fehlt der Abstand zum Geschehen, also die Weitsicht. Mein Schreiben ist dabei vielfältig. Es gibt mehrere Tagebücher, wenn ich verreise auch Reisebücher, die Momentaufnahmen konservieren, oder auch die Träume festhalten, weil ich oft das Gefühl habe, etwas schon mal geträumt zu haben. (Beweisen konnte ich das bisher nicht.)  Dann der ernsthafte Versuch etwas sehr Lustiges zu schreiben. Der angefangene Roman, an dem ich zurzeit nicht weiterarbeiten kann, weil ich (Corona bedingt) nicht regelmäßig ins Büro fahre. Kontinuierlich an einem Werk kann ich nur in der U-Bahn schreiben.

 

 

Was liest Du derzeit?

 „Die Geschichte des Prinzen Genji“, von Murasaki Shikibu.

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Lasst uns die Nacht überstehen, und dann das Kranksein, und dann die Liebe“

– Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge (Rilke)

 

 

Vielen Dank für das Interview liebe P.B.Fuchs, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

P.B.Fuchs, Schriftstellerin

https://www.autorenwelt.de/person/p-b-fuchs

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29.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kunst soll zum Nachdenken bringen“ Tina Schlegel, Schriftstellerin_ Unterallgäu_30.11.2020

Liebe Tina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Eigentlich wie immer. Ich lebe seit vielen Jahren in dem glücklichen Umstand, Zuhause arbeiten zu können, und so war die Corona-Krise keine Umstellung für mich. Dass meine Tochter schulfrei hatte, haben wir als gemeinsame Zeit sehr genossen.

Als Schriftstellerin arbeite ich sehr gern in den frühen Morgenstunden, wenn alles um mich herum noch schläft und die Stille so ein schönes Gefühl von Geborgenheit vermittelt …

 

Tina Schlegel_Autorin _ Unterallgäu

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich hatte am Beginn der Corona-Krise große Hoffnungen. Die Natur erholte sich sichtbar, das ganze hektische Treiben trat in den Hintergrund, wir hatten Zeit für das, was eigentlich das Leben ist. Menschen saßen in Gärten, spielten mit ihren Kindern, gingen spazieren. Meine Hoffnung war, dass wir das mitnehmen aus der Krise. Meine Hoffnungen haben sich inzwischen zerschlagen, dennoch werde ich nicht aufgeben, dafür einzutreten, dass die Menschen sich auf andere Werte zurückbesinnen. Ein schönes Wort eigentlich: zurückbesinnen. Dass wir alle ein paar Schritte mit unseren Ansprüchen zurückgehen.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schreiben, der Kunst an sich zu?

Darüber habe ich viel nachgedacht – schon bevor die Krise unser Leben veränderte. Welche Aufgabe und Verantwortung kommt der Kunst zu? Ich schreibe Bücher und habe vor allem mit meinem ersten Roman „Schreie im Nebel“ gewiss polarisiert, weil ich mich sehr kritisch mit einem gesellschaftlichen Problem auseinandergesetzt habe. Doch noch immer schreiben mich Menschen an, die daraufhin ihren Lebensstil hinterfragt und manche sogar geändert haben. Das finde ich ein unglaubliches Kompliment und natürlich eine Bestätigung, dass Kunst etwas bewirken kann. In meinem Roman „Der Wolf vom Bodensee“ ging es um Wölfe. Meine Figuren beziehen immer deutlich Stellung, auch wenn es unbequem ist, anders kann ich mir das für mich gar nicht vorstellen. In meinem nächsten Roman „Still schweigt der See“, das am 20. August erscheint,  geht es um Hass im Internet. Ich will immer mehr als nur Unterhaltung bieten. Als Kulturjournalistin schreibe ich auch über Kunst und habe die Diskussion mit Künstlern immer wieder gesucht: Soll ein Künstler seine Haltung in sein Werk bringen? Sind wir dazu verpflichtet, ist es unsere Verantwortung? Ich denke, für mich gilt das. Künstler zu sein, in der Öffentlichkeit zu stehen, auch wenn sie noch sehr klein ist, bedeutet, die Verpflichtung zu haben, die Öffentlichkeit zu nützen. Ich möchte diese Verantwortung so gut wie möglich positiv nützen. Man kann sich heute nicht aus allem heraushalten. Kunst soll die zwischenmenschlichen Töne anregen, zum Nachdenken bringen, als Ausgleich für die bisweilen rohe und brutale Gesellschaft dienen, einen Spiegel vorhalten – bewegen.

 

 

Was liest Du derzeit?

Ich lese gerade „Der kleine Hobbit“. Meine Tochter ist zehn und liest seit langem Unmengen an Bücher selbst, aber dieses Buch, ein Buch aus meiner Kindheit, wollen wir jetzt in den Sommerferien zusammen lesen. Das genieße ich sehr.

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich habe unlängst mal wieder einen Krimi von Nesbo gelesen und blieb an einer Stelle hängen, weil sie unerwartet kam, weil sie so treffsicher formuliert ist:

„So führte das Wachstum der Bevölkerung dazu, dass der Mensch nicht mehr nur auf die Jagd ging, sondern auch Fleisch produzierte! Allein das Wort Fleischproduktion, allein die Idee! Menschen hielten Tiere in Gefangenschaft, nahmen ihnen all ihre Freude und Entwicklungsmöglichkeiten, entfremdeten sie der Natur, damit sie unfreiwillig Milch und extra zartes Fleisch lieferten, nahmen ihnen ihre Kinder, kaum dass sie auf der Welt waren, hörten die verzweifelten Schreie der Muttertiere, nur um sie gleich wieder zu schwängern. […] Die Menschheit machte das nun schon so lange, dass niemand mehr über die ausgeklügelte Grausamkeit nachdachte, die die moderne Nahrungsmittelproduktion voraussetzte. Gehirnwäsche!“

Aus: „Durst“ von Jo Nesbo

 

 

Vielen Dank für das Interview liebe Tina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielfältigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Tina Schlegel, Schriftstellerin

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31.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Nur die Liebe ist real, alles andere ist Fiktion.“ Koushal Choudhary, Künstler_Mumbai, Indien _ 30.11.2020

Lieber Koushal, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Es gibt für mich keinen geregelten Tagesablauf, weil jeder Tag für mich eine neue Herausforderung und Möglichkeit zum Lernen mit sich bringt.

Während des viermonatigen Lockdowns 2020 in Mumbai hatte ich einen geplanten Tagesablauf. Ich stand um fünf Uhr morgens auf und meditierte während des ganzen Tages alle drei Stunden, bis ich um 23.00 Uhr wieder schlafen ging. Dazwischen arbeitete ich in den sozialen Netzwerken, um meine Arbeiten zu präsentieren.

Nachdem der Lockdown vorüber war, kehrte ich wieder in die Bollywood Welt zurück, wo ich wieder die Art Direktion für Fernsehwerbung übernahm. Eine Arbeit, welche die unterschiedlichsten Zeiten und Anforderungen an einen stellt. Dies dient als finanzielle Unterstützung und stillt meinen Durst nach Kunst, da ich hierbei meine Leidenschaft zur Architektur, Malerei, Bildhauerei und der Fotografie ausleben kann.

Koushal Choudhary, Künstler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

In der Gegenwart, der Vergangenheit oder auch der Zukunft ist für uns nur eines wichtig: die Liebe. Mit der Kraft der Liebe kann man jede Situation überstehen. Nur die Liebe ist real, alles andere ist Fiktion.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

Als Künstler entsteht bei jedem Verkauf eines Gemäldes oder einer meiner Arbeiten das Gefühl eines Neuanfangs. Die Kunst begleitet mich seit meiner Kindheit und war immer ein Teil von mir. Corona oder andere Situationen mögen das Leben derer Menschen beeinflussen, die nicht mit sich selbst verbunden sind, aber nicht Künstler wie mich. Denn Kunst hat in meinem Leben immer eine große Rolle gespielt und war eine Art Meditation, die es mir ermöglicht, mich mit meinem Inneren zu verbinden.

Was liest Du derzeit?

Cliffs of Moher – Dunkle Geheimnisse von Kerstin Pukowski.

Ich möchte gerne einen Film über diese Geschichte machen, da sie Liebe, Spannung und Nervenkitzel beinhaltet

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Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wir bekommen das, was wir anstreben, aber wir sind gesegnet, unser eigenes Schicksal zu beeinflussen.

Vielen Dank für das Interview lieber Koushal, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Koushal Choudhary_Künstler

https://www.saatchiart.com/koushal

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5.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Es gibt bis heute kein einheitliches Vorgehen, jeder Nationalstaat versucht das Beste für sich und seine Wirtschaft herauszuholen“ Tanja Paar, Schriftstellerin _ Wien_30.11.2020 

Liebe Tanja, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Für mich ist Struktur wichtig. Obwohl ich selbstständig und frei arbeite, unterscheide ich strikt zwischen Arbeitstagen und freien Tagen, halte also das Wochenende und Feiertage ein. Mir hilft das, wenn nicht jeder Tag dem anderen gleicht. Ich halte auch Arbeitszeiten ein, obwohl ich zu Hause arbeite: ich setze mich recht pünktlich um neun Uhr hin, mache gegen eins eine Mittagspause und höre gegen 18 Uhr auf.

Zu Mittag mache ich meist einen langen Spaziergang, im Sommer fuhr ich an die Alte Donau zum Schwimmen. Bewegung ist sehr wichtig für mich als Ausgleich zum langen Sitzen. Beim Gehen kommen auch die Gedanken in Fluss. Ich konzipiere und entwerfe viel im Gehen, am Schreibtisch erfolgt dann die Umsetzung. Ich habe immer ein Notizbuch mit. Manchmal kann ich allerdings meine eigene Schrift nicht lesen –

Früher habe ich sehr viel in der Nacht gearbeitet. Das war jetzt viele Jahre wegen meines Schulkindes nicht möglich. Jetzt, wo es wieder gehen würde, habe ich mich umgestellt, leider. Ich liebe die Nacht. Aber mir hilft es beim Schreiben, wenn ich Ordnung halte. Irgendein Autor sagte einmal: Ich warte auf den Musenkuss, aber die Muse muss wissen, wann sie mich wo findet.

Tanja-Paar-sw-hoch-2 _ Foto _ Pamela Rußmann

 

 Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

In Zeiten von Corona ist es besonders wichtig, gut für einander zu sorgen  und freundlich zu bleiben. Das fällt mir selbst nicht immer leicht. Die Pandemie ist wirklich ein Phänomen, wie es unsere Generation bisher nicht kannte. Ich habe im Standard einen Beitrag zu einem Coronatagebuch geschrieben , https://www.derstandard.at/story/2000115965656/tanja-paar-das-ist-erst-der-anfang

zu dem verschiedene SchriftstellerInnen eingeladen waren. Ich war die erste, alles war ganz frisch. Ich würde das heute anders schreiben, aber Einiges, das ich gesagt habe, stimmt für mich bis jetzt. Zum Beispiel die Sorge, dass wir das Virus auch ohne Symptome weiter geben können. Meine Mutter ist fast 80 Jahre alt und in der Hochrisikogruppe, das hat mein Leben verändert. Auch, was die EU betrifft, haben sich meine Bedenken leider bewahrheitet. Es gibt bis heute kein einheitliches Vorgehen, jeder Nationalstaat versucht das Beste für sich und seine Wirtschaft herauszuholen, die Regelungen bleiben Stückwerk.  

Ich sehe in den Zeiten von Corona eine Radikalisierung, in den sozialen Medien, aber auch in der Stadt. Ein Gespräch zwischen Coronaleugnern, Maskenverweigerern und anderen scheint kaum möglich, mich sorgen die Berichte, dass Busfahrer oder Kontrolleurinnen nieder geschlagen werden, wenn sie die Maske bei Passagieren einfordern. Unsere Politik ist da sehr gefordert, aber ich sehe nur einzelne Erfolge. Unser Bundespräsident Van der Bellen macht zum Beispiel sehr gute Arbeit, kalmierend, besonnen, verbindend, nicht trennend.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Aufbruch und Neubeginn sind sehr wichtige Themen für mich, persönlich, aber auch in meinen Büchern. Die Themen spielen in meinem Debut „Die Unversehrten“ ebenso eine Rolle wie in meinem zweiten Roman „Die zitternde Welt“, der im September 2020 erschien. Im zweiten Buch vielleicht sogar noch stärker als im ersten.

Es geht dabei um eine Frau, die zur Jahrhundertwende Österreich verlässt, um in Anatolien zu leben – also eine umgekehrte Migrationsgeschichte, wenn man so will. Ich habe 2015 begonnen, an dem Buch zu arbeiten, also in der Zeit der großen Fluchtbewegung aus Syrien und dem Irak. Beide Länder sind Nachfolgestaaten des Osmanischen Reichs. Was die Kolonialmächte damals aus Gier nach dem Öl angerichtet haben, hat Auswirkungen bis heute. Mich hat eine gegenläufige Fluchtbewegung interessiert: Maria und Wilhelm gehen als „Wirtschaftsflüchtlinge“ aus Österreich-Ungarn in die heutige Türkei und haben dort ein sehr gutes Leben, bis der Erste Weltkrieg sie vertreibt und wieder zur Flucht zwingt. Heimat, Identität, falsche Papiere, das sind aktuelle Themen, die ich in historischem Gewand behandle.

Und ja, insofern glaube ich, dass Kunst und insbesondere Literatur etwas bewirken kann – und sei es, dass die LeserInnen zum Nachdenken angeregt werden.

https://www.haymonverlag.at/autoren/tanja-paar/

https://www.haymonverlag.at/produkt/8112/die-zitternde-welt/

 

Was liest Du derzeit?

Die Mussolinibiografie „M. Der Sohn des Jahrhunderts“ von Antonio Scurati. Der italienische Philosoph beschreibt darin sehr anschaulich und beängstigend den Aufstieg des Faschismus. Der Verlag nennt das Buch einen „Roman“, aber es ist wirklich eine sehr spezielle Form: Autofiktionale Szenen wechseln sich mit Zeitdokumenten (Briefen, Parlamentsreden, Zeitungsartikeln) ab. Das finde ich formal sehr spannend und auch inhaltlich habe ich viel gelernt. Das Buch ist meine Entdeckung 2020 und ich kann es unbedingt empfehlen! Dabei sind die 800 Seiten erst der erste Teil eines auf drei Bände ausgelegten Werkes.

https://www.klett-cotta.de/buch/Gegenwartsliteratur/M._Der_Sohn_des_Jahrhunderts/112107

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Der große türkische Autor Nâzim Hikmet soll einmal gesagt haben, er habe in seinem ganzen Leben nie ein Gefängnis verlassen, ohne dass alle seine Mitgefangenen lesen und schreiben konnten. Darauf sei er stolz.

Vielen Dank für das Interview liebe Tanja, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Tanja Paar, Schriftstellerin

www.tanjapaar.at

Foto_Pamela Rußmann

28.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die Kunst wird uns das Leben weiterhin erträglicher machen – quasi wie ein permanentes Haustier für Herz, Hirn und Seele“ Georg Rauber, Schauspieler _ Wien, 29.11.2020

Lieber Georg, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Als isolationsgewohnter Mensch nicht viel anders als sonst. Essen, Schreiben, Schlafen.

Lediglich die Schauspieljobs sind im Moment etwas karg gesät, aber das ist in der Branche ja sowieso immer ein Ding.

Für mich persönlich als gewohnter Eremit hat sich also nicht sonderlich viel geändert, was aber auf alle Fälle dazukommt, ist die regelmäßigere Kommunikation mit Freunden und Familie, die mit der Situation nicht so gut umgehen können. Für die ist man dann natürlich da.

Und die Beisln gehen einem naturgemäß natürlich ab. Ich freu mich schon, wenn ich mich wieder ins Café Rüdigerhof setzen kann.

Georg Rauber, Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ruhe bewahren und uns nicht von Informationsüberflüss den Kopf sprengen lassen. Schön langsam. Alles Punkt für Punkt abarbeiten und nicht überfordern lassen, wir schaffen das.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Literatur, der Kunst an sich zu?

Der Mensch ist ein Anpassungstier, also denke ich, dass es wesentlich ist sich gegen notwendige Änderungen nicht zu wehren sondern sie zu akzeptieren. Desto schneller wir das machen desto eher haben wir wieder einen Alltag. Man kann mit allem umgehen.

Die Kunst hat hier wie immer die Rolle des stetigen Begleiters, aus Konsumenten- wie aus Künstlersicht. Sie wird uns das Leben weiterhin erträglicher machen, den Schaffenden wie den Wahrnehmenden. Quasi wie ein permanentes Haustier für Herz, Hirn und Seele.

Was liest Du derzeit?

Ich las zuletzt „Briefe an einen jungen Dichter“ von Rainer Maria Rilke und den Graphic Novel „Dragon Hoops“ von Gene Luen Yang.

Ich lese gerade „The Tortilla Curtain“ von TC Boyle.

Alles sehr empfehlenswert.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Weitermachen, besser werden.

Vielen Dank für das Interview lieber Georg viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspiel-, Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen

Georg Rauber, Schauspieler, Autor

Foto_Daniel Willinger

https://www.georgrauber.com/

Buchneuerscheinung: Georg Rauber, Das Herz ist ein dummer Bastard – aber es weiß was es will. Gedichte. Lyrik_Kampenwand Verlag 11_2020

Unser Verlagsprogramm | Kampenwand Verlag (kampenwand-verlag.de)

10.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Zu brennen – für Werke und Wirken“ AnaMaria Heigl_Künstlerin_Wien 29.11.2020

Liebe AnaMaria, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jeder Tag beginnt anders. Heute begleitet mich:

„Die Nähe“

geringe räumliche Entfernung

enge persönliche und soziale Nähe

Synonyme:

Umfeld: Gesamtheit der natürlichen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse

Gruppe von Menschen, die jemanden umgibt

Verbundenheit, Zusammengehörigkeit, Dankbarkeit

Gegenwörter:

Ferne, Distanz

Oberbegriffe:

Abstand

räumlicher und zeitlicher Zwischenraum

räumliche Entfremdung zwischen zwei Punkten

Gegenwörter: Trennung, Entfremdung

Unterbegriffe: Blickbeziehung

Redewendungen

Aus der Nähe betrachtet

in direkter Nähe

(Quellenangabe: „Wiktionary“ Das freie Wörterbuch)

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(AnaMaria Heigl, Künstlerin)

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

 „soziale Nähe“

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 (Bild„fragile balance“)

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

 

„zu brennen“

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 (Bild: „ein Funke nur“)

Für Ihre Werke und Ihr Wirken

Ihren Träumen Realität schenken

unmittelbar und ganz nah

am Menschen

Was liest Du derzeit?

Nah bei mir, liegen die Werke von

Robert Seethaler: Der letzte Satz

Birgit Birnbacher:  Ich an meiner Seite

Florentina Pakosta: Vorsicht Mensch

und immer Rainer Maria Rilke und Erich Fried

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?

 

„Wenn ich nicht

für mich bin

wer dann?

Doch wenn ich nur

für mich bin

was bin ich?

Und wenn nicht jetzt

wann dann?“

(nach Rabbi Hillel)

Vielen Dank für das Interview liebe AnaMaria, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

AnaMaria Heigl, Künstlerin

http://www.anamariaheigl.at/

Alle Fotos_AnaMaria Heigl

29.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Literatur muss weiterhin zwischen den Stühlen hocken und dennoch Standpunkte finden“ Timo Brandt, Schriftsteller_ Wien 29.11.2020

Liebe Timo, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

An meinem Tagesablauf hat sich in den Zeiten von Corona nur insofern etwas geändert, als dass ich viel bewusster meine Räumlichkeiten verlasse, ganz gleich ob das Ziel ein Supermarkt, ein Treffen mit Freund*innen oder ein Ort des Broterwerbs ist; oft versuche ich mehrere dieser Ziele miteinander zu verbinden, das fühlt sich gerade irgendwie richtig an.

Sonst tue ich, was ich auch schon vor Corona getan habe: viel lesen, viel schreiben und Dinge suchen, die mit ersteren Aktivitäten möglichst wenig zu tun haben und mich dennoch umtreiben können, was ein seelisches Gleichgewicht ermöglicht. Die Auswahl ist da derzeit eingeschränkt und das tangiert natürlich auch mich, aber ich kann nicht behaupten, dass mein Tagesablauf deswegen grundlegend anders ist.

 

foto_timo-brandt-2 _Foto_Dilan Tas_

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Was meint in diesem Fall „alle“? Alle Künstler*innen? Alle Menschen? Alle, die zum alle dazugehören wollen?

Ich denke, sehr wichtig ist, dass wir die Rücksicht, auf der in diesen Zeiten ein besonderes Augenmerk liegt, verinnerlichen. Sie ist eine gute Eigenschaft, auch jenseits von Corona.

Ferner ist, selbstverständlich, wichtig, dass niemand jetzt durch Corona in finanzielle Not gerät, ganz gleich ob er*sie Künstler*in oder Restaurantbetreiber*in oder Altenpfleger*in (etc.) ist – und wenn wir schon dabei sind, deren Nöte zu sichten, könnten wir ja auch noch weiter über den Tellerrand schauen, wo wir viele Menschen sehen würden, deren Nöte auch vor Corona schon groß waren und es auch danach sein werden, wenn wir nicht grundlegend umdenken. Ja: wichtig ist, jetzt nicht nur eine Heilung für Corona zu finden und das Thema abzuhaken, sondern zu schauen, welche Probleme und Nöte diese Krise offengelegt hat. Sie nicht wieder zuzuschütten, sondern sie anzupacken.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich glaube, die Aufgabe der Kunst wird sich nach Corona nicht geändert haben. Sie muss weiterhin zwischen den Stühlen hocken und dennoch Standpunkte finden, sie muss differenzieren, präzisieren, auffächern.

Vor allem darf sie nicht aufhören, Geschichten zu erzählen, Narrative zu finden, zentrale Aspekte zu bündeln. Wir leben in Zeiten, in denen der Kampf der Narrative gewaltige Ausmaße angenommen hat, so gewaltig, dass die Kunst eigentlich ihre „Rolle“ nur noch selten ergattern und spielen kann, weil die Konkurrenz so groß ist: von überall hagelt es Narrative, Geschichten und Gegenschichten, Fakten und Fake-News, etc. – die Stimme der Kunst ist im Medienrummel nur eine von vielen.

Ich weiß nicht, ob Kunst überhaupt noch eine Rolle jenseits von Unterhaltung und (partieller) Besinnung spielen kann, ob sie also die Kraft hat, transformierende Ideen und Impulse in die Welt zu setzen oder sie nur noch frequentieren, adaptieren, transportieren kann. Aber wenn doch, dann wohl nur, wenn sie einen Weg findet, irgendwo zwischen den höchsten Ansprüchen und den glattesten Oberflächen einen Weg zu finden, auf dem ihr genug Menschen folgen können. Ob dieser Weg allerdings wirklich erstrebenswert ist …

 

 

Was liest Du derzeit?

Vor kurzem habe ich Philipp Bloms neues Buch „Das große Welttheater“ fertiggelesen (ein Autor, den ich nur empfehlen kann, z.B. auch „Was auf dem Spiel steht“). Davor habe ich viel von afroamerikanischen Autor*innen gelesen, darunter Toni Morrison und Ta-Nehisi Coates. Und viel Lyrik, darunter „RÆNDERN“ von Christoph Szalay, „Kollektive Amnesie“ von Koleka Putuma und „Approximanten“ von Saskia Warzecha. Letzteres werde ich wohl noch eine ganze Weile immer wieder zur Hand nehmen – ein großartiger, facettenreicher Gedichtband

Jetzt gerade lese ich Gedichte von Angélica Freitas, Alexandru Bulucz und Nadja Küchenmeister, nebst einem Sachbuch über die Wiedervereinigung Deutschlands. Romanempfehlungen: Leander Fischers „Die Forelle“, ein Buch, das mir praktisch das literarische Lesen ganz neu beigebracht hat und Valeria Luisellis „Archiv der verlorenen Kinder“.

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Der römische Philosoph Seneca hat einst geschrieben: „Wer ein besserer Mensch werden will, der muss riskieren, dass man ihn für dumm und närrisch hält.“ Mehr Narretei, mehr Mut zum Unbeholfenen, bitte.

 

 

Vielen Dank für das Interview lieber Timo viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Timo Brandt, Schriftsteller

http://www.literaturhaus.at/index.php?id=11629

Foto_Dilan Tas.

 

24.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com