„Damals“ Siri Hustvedt. Roman. Neuerscheinung Rowohlt Verlag.

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„Damals“ Siri Hustvedt. Roman. Neuerscheinung Rowohlt Verlag.

Es ist der heiße Sommer 1978 als die junge Frau in Manhattan ankommt. Eine Insel, die jetzt zum Abenteuerland für die Studentin aus Minnesota werden sollte. So der Wunsch, die Erwartung und der Wille. Bevor es zu den langen Tagen und Nächten der Prüfungsvorbereitungen in den Bibliotheken der Universität geht, soll aber noch eine Welt im Schreiben entstehen. Soll sich Phantasie und Realität im Wort drehen. Hier im schäbigen dunklen Apartment, das Freiheit und Interesse jetzt endlich Raum gibt. So viel gibt es jetzt zu entdecken in der neuen Stadt. Endlose Spaziergänge zu Buchhandlungen, Restaurants und Überraschungsorten werden zu Impulsen des Schreibens und der persönlichen Erfahrung. Das Tagebuch wird zum Begleiter für das eigene Erleben und die Gedanken und Reflexionen der SchriftstellerInnen und DenkerInnen der Zeit und der Vergangenheit. Ebenso aber wird das unmittelbare Leben Tür an Tür, Wand und Wand, zur Herausforderung von Wahrnehmung und Handlung. Die rituellen Gesänge der Nachbarin werden mehr und mehr zu Rufen in Schrecken und Angst und jetzt gilt es sich den Geheimnissen und täglichen Abgründen der Welt zu stellen und damit auch den Weg zu sich selbst zu finden…

Der neue Roman, der Bestsellerautorin, Essayistin und Literaturwissenschaftlerin, Siri Hustvedt, ist eine fulminante moderne Abenteuergeschichte, die einen biographischen wie geistesgeschichtlich gesellschaftshistorischen Bogen erzählerisch zu spannen vermag, der bis zum Finale in Atem hält. Die literarische Konstruktion in Rückblick, Reflexion und Ausblick schenkt Leserin und Leser auch Räume persönlicher Erinnerung und erzeugt so eine dialogische Ansprache, die einzigartig ist. Das erzählerische Experiment der Autorin wird so zu einem Leseerlebnis, das kritisch Rollenbilder und Denkwege moderner Gesellschaft in packender story öffnet und auch mutig Position bezieht.

Bemerkenswert ist auch die grafische Illustration (Zeichnungen) der Autorin im Text, die sehr fein Erzählung und Gedankenwelt begleitet und auch eine neue künstlerische Seite Siri Hustvedts öffnet.

„Ein Roman, der in Spannung und Anspruch mutige neue Wege geht und damit alles gewinnt.“

Walter Pobaschnig, Wien 3_2019

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„Über die Ferne der finsteren Fluren hebt mich mein Stern…“ Paul Celan, Lebensorte _ Wien

 

Paul Celan (23.11.1920 Czernowitz/Rumänien +20.4.1970
Paris)
Der Dichter erreichte im Dezember 1947 Wien und fand
zunächst Aufnahme in einer Flüchtlingsunterkunft
(adaptierte Schule) in Hernals. Städtische Hilfe und
Freunde ermöglichten ihm wesentlich seinen weiteren Weg.
Alle Fotos: Walter Pobaschnig

„Imagine.John.Yoko.“ Neuerscheinung Edel Verlag.

Cover _ Imagine„Imagine.John.Yoko.“ Neuerscheinung Edel Verlag.

Es ist ein respektvolles Begegnen mit dem vorliegenden Bild/Textband, welches das erste Blättern und Sehen begleitet…

Erinnerungen an Musik und Zeit, Aufbruch und Vision einer Generation, einer Epoche – zentral darin John Lennon in genialer Komposition und kompromissloser Authentizität – werden lebendig. An seiner Seite als ebenso geniale Künstlerin, Yoko Ono, die für den gefeierten Star neue Horizonte öffnet. Die Verbindung von Kunst und Leben. Aufmerksamkeit und Engagement. Im Kleinen, im Großen, Im Lauten, im Stillen. Ebenso faszinierend die liebenden Künstler. Das Dasein im gemeinsamen Weg in größten privaten wie Spannungen der Zeit. Und dann das Attentat 1980 in New York. Der Tod John Lennons. Und die Trauer einer Generation und weit darüber hinaus. In der Mitte natürlich der Song Imagine. Der Traum vom Überwinden der Grenzen in dieser Welt, eine umfassende Vision von Frieden…

All das ist im weißen Coverrahmen, dem schlichten Foto, im feinen himmelblauen Buchschnitt schon zu spüren – der Buchzauber wirkt sofort! – und die ersten großartigen Fotos, Zeichnungen und Texte nehmen dann gleich ganz zur Reise von   – Imagine/John/Yoko – mit.

Es ist eine ganz besondere Buchausgabe rund um die Entstehung von „Imagine“, den genialen tiefgründigen Klassiker moderner Musik, der jede Generation neu anzusprechen weiß, welche der Edel Verlag hier in deutscher Übersetzung vorlegt. Kurz gesagt, ist es ein großes Geschenk, das in Form und Präsentation wie in der inhaltlichen Variation und Fülle von Fotos, Texten, Interviews und multimedialer Erinnerungen begeistert. Das Öffnen des Buches gleicht einem Zeitsprung, der in hervorragenden eindringlichen Fotos umfängt, die zu gut abgestimmten Textelementen gesetzt sind. Erstaunlich wie die Fülle unveröffentlichter Fotos ist auch die Bandbreite der Interviews von unmittelbaren MusikollegInnen bis zur Nachtportierin im Studio, die sich an die Studioarbeiten zum Album Imagine (1971) und die Songs erinnern, die im Buch chronologisch vorgestellt werden.

Ein Buch als umfassendes Kunstwerk, welches das Musikgenie John Lennon anhand seines einflussreichsten Albums Imagine in Bild, Text und Erinnerungen in atemberaubender Weise vorstellt.

Walter Pobaschnig, Wien 3_2019

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Clemens J.Setz, Der Trost runder Dinge, Erzählungen. Neuerscheinung Suhrkamp Verlag.

 

Clemens J.Setz, Der Trost runder Dinge, Erzählungen. Neuerscheinung Suhrkamp Verlag.

Es ist eine kurze Nacht ohne Traum. Es ist die Nacht vor dem Abflug. Kanada. Für vier Wochen. Ein Literaturfestival. Er ist nicht der einzige Österreicher da. Das Morgengespräch mit Marianne kommt zwischen Musik, Avocados und dem Reisegedanken langsam in die Gänge. Er ist oft auf Reisen. Und diesmal sollte es mit Kanada klappen. Doch am Flughafen kommt es zu Verzögerungen. Schließlich doch das Einstiegen. Das Anrollen. Doch dann ein plötzlicher Halt. Die Passagiere müssen aussteigen. Er macht sich auf den Weg nach Hause. Doch als er die Tür öffnet, ist alles anders. Menschen kauern überall in der Wohnung. Am Flur, in der Küche, im Schlafzimmer. Marianne gibt ihnen zu trinken, sucht Decken und beugt sich sorgend zu ihnen. Er ist zunächst starr und folgt still Marianne, die in dieser Dramatik jedoch ganz zu sich gekommen scheint. Jeder Schritt, jede Bewegung, jedes Wort von ihr zeigt jetzt eine tiefe Verbindung mit der Welt, die er mit ihr bisher so nicht erlebte. Was geschieht hier? Was ist jetzt mein (schreibendes) Leben und was tragende Liebes-/Lebens_Realität? Und warum kommt ihm wieder der Name des Schriftstellers in den Sinn…dieses Rätsel ist in jedem Fall schwieriger zu lösen als jenes in der Wartezeit am Flughafen…

„Südliches Lazarettfeld“ ist der Titel der ersten Erzählung im neu erschienenen vorliegenden Sammelband des vielfach ausgezeichneten österreichischen Kultautors Clemens J.Setz, der Leserin und Leser wieder eindringlich wie begeistert mit der Sprachvirtuosität und Gedankenhochschaubahn vertraut macht, die mit Leichtigkeit aus und in die alltägliche Welt springt und staunend wie gespannt folgen lässt. Ob in der Frage der ersten Erzählung, was nun eigentlich Welt und Liebe in und mit schreibender Existenz sein kann oder im dramatischen Kosmos von Komödie und Tragödie, Leben und Verhängnis weiterer ProtagonistInnen der Erzählungen, der Autor weiß in einzigartiger Weise mit der Sprache am alltäglichen Leben zu rütteln und hintergründig eben nach diesem in Wahrheit, Liebe und Freiheit zu fragen. Ein genialer Erzähler, von dem es nicht genug zu lesen geben kann.

Ein faszinierendes Nacktbaden der Gedanken im literarischen Zerfetzen von Sprach- und Weltroutine.  

 

Walter Pobaschnig, Wien 3_2019

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Nico – Biographie eines Rätsels“ Tobias Lehmkuhl. Neuerscheinung Rowohlt Verlag.

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„Nico – Biographie eines Rätsels“ Tobias Lehmkuhl. Neuerscheinung Rowohlt Verlag.

Es sind die Jahre des Krieges und das sich langsam wieder findende Leben nach dem schrecklichen Grauen, die für das Junge Kind und Mädchen in Berlin zum Schauplatz von Angst und Traum werden. In den Trümmern der zerbombten Stadt und der eigenen zerrissenen Familie sucht das Mädchen nach Ausblick und Perspektive. Sie findet diese schon sehr früh in Mode und Kunst. Es gilt der Zeit neue Träume zu geben und dazu trägt Mode viel bei. Schon bald wird sie zum viel gebuchten Model zwischen Berlin, Rom und Paris. Die Modemagazine der Zeit reißen sich um diese makellose Schönheit, die nun etwa das Cover der Vogue und weiterer Illustrierten ziert. Auch das Interesse der Filmwelt ist geweckt und die erste Rolle lässt nicht lange aus sich warten. Dann der mutige Weg nach New York zu Andy Warhol. Experiment und Innovation ziehen das vielgefragte Model an und sie geht jetzt einen ganz neuen Weg in Musik und Performance. In der von Andy Warhol initiierten Musikformation Velvet Underground wird sie als Nico zum charismatischen star neben Lou Reed und John Cale. Weitere beachtliche Musik- wie Kunstprojekte folgen, die den Kreis eines schillerndem wie dunklem mutigen Leben in Sehnsucht und Traum ausdrucksstark wie tragisch schließen lassen…

Der renommierte Journalist und Autor, Tobias Lehmkuhl, legt mit „Nico – Biographie eines Rätsels“ eine bemerkenswerte Spurensuche zu einer der charismatischsten, talentiertesten wie eigenwilligsten KünstlerInnenpersönlichkeiten der Moderne vor. Die Faszination ihrer Musik im sehr reduzierten melodisch-tragischen Ausdruck weckt bis heute das künstlerische Interesse und inspiriert über Generationen hinweg. Die Persönlichkeit der deutschen Künstlerin blieb und bleibt dabei weitestgehend ein Rätsel, das der Autor in Bild- wie biographischen und kulturhistorischen Zugängen variantenreich öffnet und so interessante Einblicke in Leben und Zeit frei gibt. Besonders eindringlich kommt dabei die Kompromisslosigkeit der Künstlerin ans Licht, die stets authentisch ihren Weg suchte und ging.

„Eine beeindruckende biographische Spurensuche zu einem Superstar der Mode, Musik und Kunst der 1950/60er Jahre in Traum, Talent und Tragik.“

 

Walter Pobaschnig, Wien 3_2019

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„Jesolo“ Tania Raich. Roman. Neuerscheinung Blessing Verlag.

 

„Jesolo“ Tania Raich. Roman. Neuerscheinung Blessing Verlag.

Und jetzt der Sommerurlaub. Jesolo. Der Sandstrand, das Meer, das Hotel, die Liegestühle. Alles wie gehabt. Für Andrea und Georg. Ausspannen im Rundumblick zum bunten Sommerleben. Dazwischen leichte Erinnerungen, gemeinsames Lachen, Schwimmen, Spaziergänge am Abend und das Essen im Sonnenuntergang…

Doch das gewohnte sommerliche Ankommen wirft nun bei Andrea Fragen nach der Zukunft auf. Nach dem Ankommen in der Partnerschaft nach der Rückkehr aus dem Sommer. Weitere Schritte mit Georg. Wie ist es jetzt? Wie wird, kann es sein? Am Meer, am See, im Haus, mit Kindern, mit neuen Aufgaben und Herausforderungen…

Dostojewski liegt bei Andrea am Tischchen am Strand. Ihr Blick geht jetzt tief in die Seele und fragt wie strebt nach Lebensstufen. Und auch ihre Welt dreht sich jetzt schneller vorwärts als sie zurückzukommen. Sie ist schwanger und jetzt wird das Leben zum geplanten, in dem sie ihre Rolle und ihr Selbstbewusstsein stets neu zu suchen und zu verteidigen hat…

Die Autorin, Literaturwissenschaftlerin und Historikerin Tania Raich legt mit „Jesolo“ ein fulminantes Romandebüt vor. In direkter Sprachwucht reißt sie der modernen Seele ihre Fassaden und Facetten gesellschaftlicher Rollenerwartung vom Leib und greift nach dem Herz des Menschen im Fokus von Freiheit und Entscheidung. Raich knüpft an große literarische Traditionen an und lässt diese in selbstbewusster Form und Inhalt im 21.Jahrhundert ankommen. Tania Raich sitzt mit Beauvoir und Bachmann am Schreibtisch und macht sich fabelhaft dabei. Jedes Wort, jeder Gedanke trifft und wird zum Spiegel einer Gesellschaft in Nebel und Wahrheit.

 

Walter Pobaschnig, Wien 4_2019

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„Die Ratten“ Sensationelle Premiere am TAG Theater Wien, 3.4.2019

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„Die Ratten“ Sensationelle Uraufführung am TAG Theater Wien, 3.4.2019

Der Raum hat keine Türen und Fenster. Der Eingang ist ein Geworfensein, ein verzweifeltes an der Wand entlang Tasten, ein starres Verharren oder ein Fliehen. Und so oft ein Zusammenbrechen von Körper, Seele, Mitmensch, Aufgabe, Tag und Nacht. Ein verhängnisvoller Spielort des Lebens in gestundeter Raum_Zeit.

Die junge Frau ist schwanger und allein. Ihr Leben lässt auf das Kommende keinen Ausblick zu. Sie kennt nichts anders als das Allein-Sein im angestrengten Dasein zwischen täglichem Brot und Sorge. Nun lernt sie Frau John kennen, die ein Kind verloren hat und sich weiter mit ihrem Mann so sehnlich Nachwuchs wünscht, um Perspektiven und Sinn zu gewinnen. Frau John setzt nun alles daran, das Kind so schnell als möglich in die schon vorbereitete Wiege zu legen und ein Familienglück um jeden Preis an sich zu reißen. Die junge Frau stimmt in ihrer Verzweiflung zu. Doch dann wendet sich das Blatt und sie will ihr Kind wiedersehen. Jetzt ist der Bruder von Frau John am Zug und ein dramatisches Finale zwischen neugeborenem Leben und Tod setzt ein, in dem alles an Wunsch und Hoffnung in Lüge und Gewalt zerbricht…

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Regisseur Liepold-Mosser und Dramaturgin Tina Clausen gelingt es in Text und Inszenierung in außergewöhnlicher Weise das sozialkritische Drama „Die Ratten“ (1911) von Gerhart Hauptmann (1862-1946) in sprachlicher wie gesellschaftlicher Wucht in die Gegenwart setzen und mit einer mitreißenden Sprachkunst im atemberaubenden Wechsel von absurder Komik und dramatischer Ansprache zu begeistern. Zweifel und Verzweiflung in Leben und Zeit werden in Sprache und Körperausdruck genial eindrücklich in Aktion und Verharrung ausgedrückt. Es sind zweifellos Höhepunkte und Maßstäbe modernen Theaters, die hier von Regie, Dramaturgie, dem hervorragenden Ensemble wie Bühnenbild und dem gesamten Technikteam gesetzt werden.

„Ein Theaterabend als Meisterwerk. Großartig in allem und von allen. Regisseur Bernd Liepold-Mosser, Dramaturgie Tina Clausen und das hervorragende Ensemble Lisa Schrammel Georg Schubert Michaela Kaspar Jens Claßen Raphael Nicholas katapultieren Gerhart Hauptmann einmalig sprachgewaltig und ausdrucksstark in das zerrissene gehetzte Herz des 21.Jahrhundert und erobern Wien.“

 

DIE RATTEN

Uraufführung

Von Bernd Liepold-Mosser

Frei nach Gerhart Hauptmann

Es spielen: Jens Claßen, Michaela Kaspar, Raphael Nicholas, Lisa Schrammel, Georg Schubert

Text und Regie: Bernd Liepold-Mosser

Ausstattung: Karla Fehlenberg

Dramaturgie: Tina Clausen

Musik: Boris Fiala

Licht: Hans Egger, Katja Thürriegl

Ton/Video: Peter Hirsch

Technik: Andreas Nehr

Regieassistenz: Renate Vavera

Regiehospitanz: Ann-Kathrin Pfahler

Kostümbetreuung: Daniela Zivic

Maske: Beate Lentsch-Bayerl

 

TAG

Theater an der Gumpendorfer Straße

Gumpendorfer Straße 67

1060 Wien

Weitere Vorstellungen:

FR 5., SA 6., DI 9.*, DO 11., FR 12., DO 25., FR 26 UND SA 27. APRIL 2019, 20.00

Di 7., Mi 8., Fr 10., Sa 11., Fr 17. und Sa 18. Mai 2019, 20.00

 

Walter Pobaschnig 3.4.2019

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