„Kirchen als Gemeinschaftswerk“ Zu den wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen frühneuzeitlichen Sakralbaus. Peter Hersche. Schwabe Verlag.

Es sind strahlende Mittelpunkte städtischer Architektur wie der baulichen Landschaftsstruktur an sich. Kirchen, Kapellen, Wallfahrsorte bestimmen Stadt- und Ortsbild und weisen auf die religiöse wie sozialgesellschaftliche und ökonomische Verfasstheit der Zeit hin.

Doch wie waren diese beeindruckenden Bauten möglich? Wie wirkte die Gesellschaft mit? Welche Möglichkeiten und Herausforderungen gab es da?

Der Schweizer Historiker und Universitätsprofessor Peter Hersche legt mit „Kirchen als Gemeinschaftswerk“ ein spannendes historisches wie gesellschaftliches Kapitel der engeren und weiteren Kirchengeschichte der Neuzeit offen und lässt in Vorgänge und Prozesse der Planung, Entstehung und Verwirklichung kirchlicher Bauprojekte im mitteleuropäischen Raum blicken.

In vier Kapitel, in denen Kapitel zwei und drei „Voraussetzungen des Bauens“ wie „Die Durchführung eines Neubaus“ die unmittelbaren Entstehungsvorgänge beschreiben und Einleitung/Schluss einen Rahmen des Themas bilden, gelingt eine außergewöhnliche Darstellung in geschichtlicher, sozialer wie architektonischer Zusammenschau, die wunderbar informiert wie auch sehr anregend und spannend zu lesen ist.

Es ist eine schöne Unmittelbarkeit, die hier aus den Seiten spricht und gleichsam das Bauwerk vor den interessierten Leseaugen entstehen lässt.

„Ein ganz besonderes kirchen- wie gesellschaftshistorisches Buch, das vielfältig begeistert“

Walter Pobaschnig

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„Dass die Menschen besser lernen, im Dialog zu sein“ Sandra von Siebenthal, Schriftstellerin _ Romanshorn, CH 31.1.2022

Liebe Sandra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe zwischen 5 und halb 6 auf, schreibe mir bei einer Tasse Ingwertee ein paar Seiten von der Seele, danach gehe ich auf die Yogamatte. Ich habe früher als Yogalehrerin gearbeitet, heute mache ich nur noch für mich Yoga – jeden Morgen die gleichen Übungen, was mir einen guten Blick auf meine Tagesform gibt. Die Auseinandersetzung mit mir selber ist mir wichtig, da ich denke, dass sie bei einem bewussteren Umgang mit den Herausforderungen des Tages hilft. Danach gibt es Kaffee, dazu lese ich oder schreibe das eine oder andere, gehe meine Mails durch. Später der zweite Kaffee, Hundespaziergang, einkaufen, wenn nötig, und zurück an den Schreibtisch bis am Mittag. Nach dem Hundespaziergang folgt ein kleiner Imbiss, danach wieder lesen und schreiben, oft auch Recherche für Projekte. Das Abendessen ist mir die liebste Mahlzeit, weswegen ich mir bei der Zubereitung auch gerne Zeit nehme und oft neue Rezepte ausprobiere. Häufig finden die auch mit lieben Gästen statt, wonach der Abend dann mit Gesprächen verläuft. Alleine gehe ich nach dem Nachtessen gerne nochmals an den Schreibtisch zurück.

Ich mag diesen geregelten Tagesablauf, der ganz meinem Naturell entspricht. Dadurch, dass ich in meinem Leben fast nie mit von außen gegebenen Strukturen gearbeitet habe, fand ich in einer selbstgewählten Tagesstruktur auch einen gewissen Halt, der für einen so freischwebenden Geist wie mich hilfreich ist.

Sandra von Siebenthal,Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Was für andere Menschen persönlich wichtig ist, kann ich nicht beurteilen, jeder geht mit Situationen anders um. Für uns als Gesellschaft würde ich mir wünschen, dass die Menschen besser lernen, im Dialog zu sein, aufeinander zu achten, anderen Meinungen und dahinterstehenden Ängsten und Sorgen offen gegenüberzutreten. In einer Demokratie bleibt es nicht aus, dass es nicht immer der eigenen Meinung entsprechend geht – das bedingt auch, dass man die Mehrheitsmeinung mitträgt.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Rolle von Kunst und Literatur ist schwer konkret zu definieren. Ich denke, die beiden waren immer Spiegel der Gesellschaft, waren aber auch gut, Freude, Trost und Weltenfluchten zu bieten. Es gibt viele Berichte von Menschen, die in schwierigen, gar lebensbedrohlichen Situationen waren, und da in der Literatur Halt fanden. Ich möchte die Kunst nicht in die Pflicht nehmen, dies zu erfüllen, ich finde es aber wichtig, dass im Hinblick auf die Kunst im Auge zu halten, so dass ihr die Wichtigkeit, die sie hat in unserer Gesellschaft, ich möchte fast sagen, in unserem Menschsein, zugestanden wird. Es wäre schön, wenn Fragen wie „Wozu Kunst?“ nicht mehr gestellt würden.

Was liest Du derzeit?

Ich lebe meistens mehrere Bücher parallel, manche aus reiner Neigung, andere für Projekte oder für Rezensionen (die Einteilung sagt aber nichts über die Freude am Lesen aus). Im Moment lese ich Norbert Gstreins „Der zweite Jakob“, „Thomas Mann, der Amerikaner“ und Thomas Manns „Felix Krull“. Daneben immer auch Gedichte.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest.“

Sandra von Siebenthal,Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Sandra, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Sandra von Siebenthal, Schriftstellerin

https://sandravonsiebenthal.com/ich/

Fotos_privat.

18.10.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Viel bewerben, mal kleinere Jobs, viel Sport“ Simon Heidegger, Schauspieler _ Wien 30.1.2022

Lieber Simon, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Das variiert von Tag zu Tag, von Woche zu Woche. Viel bewerben, mal kleinere Jobs, viel Sport und mein Arbeiten bei einer NGO hält mich für den Schauspielbereich fit

Simon Heidegger, Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Den Mut nicht zu verlieren, auch wenns schon eine ausgelutschte Rederegung ist und das Thema jeden nur mehr anfeit. Aber es wird besser, es muss besser werden und deswegen sollte man die Hoffnung nicht verlieren und sich daweil auf die Sachen konzentrieren, die man auch auch in einem möglich Lockdown tun kann. Wichtig ist auch Kontakt mit seinen Liebsten zu Suchen. So viel Zeit für sich selbst und die Familie/Freunde wird man vielleicht nie mehr haben

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Wieder mehr Offenheit und der Mensch muss sich wieder daran gewöhnen, dass er ursprünglich ein Rudeltier war.

Das Theater muss dabei mehr auf junge Leute zu gehen und die Mischung aus Klassíschem und Moderem finden, da sich das Publikum langsam, aber sicher sich vom Theater abwendet bzw. nur mehr Ältere Menschen oder Schauspielstudenten ins Theater gehen.

Was liest Du derzeit?

Ich les meistens mehrere Bücher gleichzeitig, hab dabei die seltene Angewohnheit nachdem ich sie über längere Zeit gelesen habe und sie meist Schinken um die 1000 Seiten sind wegzulegen und erst Jahre später wieder neu anzufangen. Aber aktuell lese ich „ Die Pest“ von Albert Camus, was auch gut zur aktuellen Zeit passt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“ (John Lennon)

Vielen Dank für das Interview lieber Simon, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Simon Heidegger, Schauspieler

Foto_Barbara Maria Hutter

25.1.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Romy Schneider hat für ihren Beruf gelebt“ Miriam Fontaine, Schauspielerin_40.Todesjahr_Romy Schneider _ Wien 30.1.2022

Miriam Fontaine_Schauspielerin_Wien

Liebe Miriam, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?

Ich war immer verzaubert und fasziniert von Romy Schneider. Als Kind von ihr in den Sissi Filmen, denn, das muss ich an der Stelle unbedingt hervorheben: Auch wenn das purer Kitsch war und obwohl sie Zeit ihres Lebens versucht hat sich von Sissi zu befreien, was ja auch verständlich ist, wenn man bedenkt, dass die Leute einfach nicht begriffen haben, dass Romy Schneider nicht diese Rolle ist – sie war darin absolut hinreißend.

Dann habe ich ihre späteren Filme entdeckt, da wurde es richtig interessant – das war schauspielerisch natürlich nochmal eine ganz andere Ebene.

Ich habe viel über sie und ihr Leben gelesen und schaue mir sehr gerne Fotografien von Romy Schneider an.

Besonders gerne mag ich den Fotoessay von Will McBride. Ich liebe einfach dieses Gesicht, man kann so viel darin lesen.

Ich bin seit jeher voller Bewunderung für diese große Schauspielerin.

Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?

Es gibt so viele tolle Romy Schneider Filme, aber um hier einen zu nennen: besonders gerne mag ich „Les Choses de la Vie“ von Claude Sautet.

Generell finde ich Geschichten interessant, die das Leben schreibt- so gibt es ja auch oft diese Dreierkonstellationen. Natürlich – es ist ein Drama aber ich finde, es braucht keine großen Effekte oder spektakulären Fantasiegeschichten.

Am interessantesten ist es doch immer noch Menschen zu sehen, die etwas erzählen und einen berühren.

Romy Schneider und Michel Piccoli sind einfach umwerfend zusammen als Paar. Der Film hat so etwas Pures und so eine Ästhetik, das finde ich fantastisch.

Wie ein Gemälde aber überhaupt nicht statisch, das hat primär mit Romy Schneider, ihrer ungeheuren Präsenz, ihrem Spiel zu tun.

Dazu das von ihr gesungene Chanson d´Hélène. Diese Melancholie, dieser Schmerz. Für mich ist „Les Choses de la Vie“ ein klassischer „Romy Schneider – Film“.

Dieses Unaufgeregte, das man ja von früheren Filmen kennt, nicht viel Tamtam, einfach ein Gesicht, eine Aktion, eine Reaktion, ein Blick. Auch mag ich persönlich Rückblenden als Erzählform sehr gerne.

Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Leben und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich?

Es erscheint mir anmaßend mich hinsichtlich Romy Schneiders Spannungsverhältnis von Leben und Beruf zu äußern.

Generell würde ich sagen, dass die Grenzen natürlich leicht verschwimmen. Man geht nicht nach acht Stunden nachhause und lässt den Job vor der Tür.

Abgesehen davon, dass es ja kaum diese geregelten Arbeitszeiten gibt, gehört ja beispielsweise Recherche, Rollenarbeit, etc. genauso dazu wie das Spielen an sich. Wo beginnt da der Beruf und wo hört er auf? Ganz zu schweigen vom emotionalen und psychischen Aspekt. Das frage ich mich wirklich sehr häufig. Neben administrativen und organisatorischen Dingen oder auch Marketing, das gehört ja alles dazu, muss man sich ständig mit sich auseinandersetzen.

Es ist permanente Arbeit an und im besten Fall auch für sich. Dass man da Privates, Persönliches einfließen lässt, lässt sich ja gar nicht vermeiden bzw.dass man viel auch mit ins private Leben (auf)nimmt ist nicht verwunderlich.

Man muss halt gut auf sich aufpassen, achtsam sein, seine Grenzen wahren, auf Ausgleich achten. Ich persönlich neige dazu mich, v.A. emotional, zu verausgaben. Diese Gefahr besteht in dem Beruf natürlich sehr.

Und ich denke, es ist auch eine Typfrage – manche können Privatleben und Beruf eher trennen, bei anderen verwischen sich die Grenzen.

Bei Romy Schneider trifft wohl letzteres eher zu. Aber sie hat ja auch für ihren Beruf gelebt. Wenn man mit Leib und Seele dabei ist lässt sich das wohl gar nicht vermeiden.

Ihre Großmutter, Rosa Albach-Retty, hat es ja ziemlich treffend auf den Punkt gebracht: „Wer sich so hemmungslos von seinen Emotionen, Leidenschaften und Begierden treiben lässt, denkt sicher nicht daran, dass eine Kerze, die man an zwei Enden anzündet, auch schneller verbrennt.“

Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Schauspielberuf?

Der Beruf birgt ein enormes Entwicklungspotenzial. Klar – man ist ja ständig in Situationen, die einen herausfordern, einen aus der Komfortzone holen.

Man kommt gar nicht drumrum als sich mit sich, inneren Prozessen und dem Leben auseinanderzusetzen.

Das ist quasi der Bonus, den man zusätzlich bekommt und gleichzeitig Voraussetzung – ein großes Geschenk.

Was kann eine junge Schauspielerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?

Die Liebe und Passion für den Beruf hat man oder nicht.

Inspirierend an Romy Schneider finde ich ihre Einstellung zum Beruf, den Wunsch sich weiterzuentwickeln, weiterzukommen, Verschiedenes, auch Schwieriges, auszuprobieren.

Sie hat französisch so gut gelernt, dass sie in Frankreich drehen konnte. Meines Wissens hatte sie auch eine große Liebe zum Theater und einen Riesenrespekt davor, wohl auch verbunden mit großen Ängsten und Nervosität. Sie hat sich dem gestellt und auch Theater gespielt.- auch auf französisch wohlgemerkt.

Darüberhinaus hat sie ja auch wirklich schwierige Rollen angenommen, die sicherlich sehr an die Substanz gingen und oft auch sehr nah an ihr als Person und ihrem Schicksal waren. Da ist natürlich wieder die Frage, ist das noch gesund?

Wo ist die Grenze zwischen Engagement, Hingabe und Selbstzerstörung?

Aber prinzipiell finde ich es sehr bewunderswert und inspirierend, dass sie sich so viel getraut hat, so mutig war und sich nicht mit dem, das am einfachsten funktioniert hat, zufrieden gegeben hat.

Und mit welcher Intensität sie ihre Rollen gespielt hat. Das begeistert mich sehr.

Man glaubt ihr alles, man fühlt alles.

In ihrem Gesicht, in ihren Augen – da ist alles da.

Gibt es etwas typisch Wienerisches bei Romy Schneider?

Ich weiß nicht, typisch wienerisch würde ich nicht sagen. Aber ich finde sie klingt teilweise nach Wien.

Obwohl sie natürlich wunderschön gesprochen hat, manchmal kann man etwas Wienerisches durchhören. Das ist aber mehr ein Gefühl als tatsächlich akustisch wahrnehmbar.

Vielleicht ist es die Sehnsucht nach ZuHause, den Wurzeln, dem Papa, der Großmutter,…

Was bedeutet Dir Wien und welche Erfahrungen hast Du hier im Schauspielberuf gemacht?

Ich liebe Wien und schätze mich glücklich hier leben zu können.

Es ist einfach eine wunderbare Stadt, ich wurde hier geboren, hab die meiste Zeit meines Lebens hier gelebt und bin insofern natürlich sehr mit der Stadt verbunden.

Die Lebensqualität ist unschlagbar, es gibt das Urbane und die Natur, gutes Wasser (sehr wichtig!) und diesen historischen Kern. Ich genieße es in einer geschichtsträchtigen Umgebung zu sein, in der man spürt, dass sich hier viel ereignet hat – das ist in Wien zweifelsfrei der Fall.

Von Würstelstand – und Beiselkultur über K.u.K-Vergangenheit, Moderne Architektur, Wiener Schmäh,…dieses bunte Potpourrie ist einmalig. Zwar bin ich auch immer wieder an dem Punkt, wo ich mal hier raus muss, manchmal geht mir dieser Wiener Grant ziemlich auf die Nerven aber ich komme immer wieder gerne zurück nachHause.

Ich habe in Wien bisher auch die meisten meiner Jobs gemacht bzw. Engagements gehabt, die Szene ist im Vergleich zu anderen Städten eher klein, was ich meist mag.

Ich habe eine Zeit lang in New York gelebt und da ist man erstmal wirklich nur eine Nummer, es ist ungeheuer schwer sich in einer solchen Umgebung zurechtzufinden, zu connecten, geschweige denn sich einen Namen zu machen. Ich finde Wien hat eine feine und vielseitige Theaterlandschaft und auch der Film hier hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt und auch international einen bemerkenswerten Platz eingenommen.

Wie siehst Du die Möglichkeiten als junge Schauspielerin in Wien/Österreich?

Die Szene hier ist überschaubar, das hat Vor – und Nachteile: zwar kann man sich relativ rasch vernetzen und Kontakte knüpfen andererseits gibt es einfach unglaubliche viele SchauspielerInnen – überall – auch in Wien und Österreich. Prinzipiell glaube ich, dass es hierzulande definitiv gute Ausbildungsmöglichkeiten und Lehrkräfte auf dem Gebiet gibt.

Ich habe das Gefühl, dass, v.A. in Österreich, immer EIN Typ gefragt ist. Das wechselt zwar alle paar Jahre, aber da fände ich es sehr schön, wenn es etwas mehr Diversität gäbe. Und das ist eigentlich sehr interessant, weil ja seit einiger Zeit ganz viel bezüglich Offenheit und Diversität gepredigt wird aber tatsächlich immer sehr ähnliche Typen zu sehen sind.

Es hängt also von verschiedenen Faktoren ab, abgesehen von Talent und der Bereitschaft hart zu arbeiten braucht man natürlich Glück und die „richtige Zeit“. Da Österreich aber ja ein sehr priviligiertes Land ist sind hier die Möglichkeiten prinzipiell gut, in vielen Bereichen, auch in diesem Beruf.

Was wünscht Du Dir für den Schauspielberuf?

Generell wünsche ich mir, dass es mehr Bewusstsein dafür gibt, was dieser Beruf erfordert. Hierfür finde ich das Bild des Eisbergs immer sehr passend: die Spitze ist der Erfolg, der Glanz und Glamour. Unter der Oberfläche, und das ist der Großteil, sind Zurückweisung, Unsicherheit, (Selbst)zweifel, (mitunter Existenz)ängste, harte Arbeit, Blut, Schweiß, Tränen, oft ein Gefühl des Ausgebranntseins, viel Training, Übung, Weiterbildung, schlaflose Nächte, oft umfangreiche Vorbereitung für einen Job, den man nicht bekommt,…

Ich habe so oft das Gefühl, dass Leute dazu überhaupt keinen Zugang haben. Die, die sich für dieses Metier nicht interessieren, sowieso nicht, das ist ja auch in Ordnung. Aber auch viele Kunst – und Kulturinteressierte, die vielleicht ein Abo für die Burg oder die Oper haben, haben ja meist keine Ahnung, was da so alles dazugehört.

Oder in den Medien wird höchstens von irgendwelchen Premieren berichtet, das soll natürlich auch so bleiben, aber warum nicht mal näher hinschauen? Warum nicht mal SchauspielstudentInnen zeigen, die erst ganz am Anfang stehen? Das finde ich hier in Österreich immer ein bisschen schwierig, dass man zwar so stolz ist auf die Kultur – und Kunstszene und sie so gerne vorzeigt aber dem, was es braucht, sodass sie so lebendig ist, der Weg dahin und das ganze Drumherum, dem wird kaum Beachtung geschenkt.

Für mich persönlich wünsche ich mir immer interessante, vielschichtige Rollen- vor Allem im Film aber gerne auch auf der Bühne sowie mit inspirierenden Menschen arbeiten zu können.

Wenn dann auch noch die Chemie mit KollegInnen und Regie stimmt und man beim Arbeiten ganz frei sein kann ist das überhaupt der Jackpot.

Und dass es mir gelingt noch besser mit meinen Energien haushalten zu können. Ich arbeite dran.

Was möchtest Du Schauspielstudenten*innen mitgeben?

Es fühlt sich seltsam an, hier Ratschläge an StudentInnen zu vergeben, wo ich doch selber auf der Reise und oft auf der Suche bin. Ich bin 33, klar, ich habe schon Erfahrungen gemacht aber da können andere KollegInnen bestimmt nützlichere und umfangreichere Tipps geben. Aber wenn es Eines gibt, das ich diesbezüglich sagen kann, ist es: vorausgesetzt es ist für einen absolut klar diesen Weg gehen zu wollen, zu müssen, dann diesen mit ruhiger Kraft und Beharrlichkeit zu gehen.

Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?

Oh, da gibt es so vieles und nicht nur eine konkrete Frage.

Am liebsten würde ich mit ihr feiern gehen – trinken und ganz ausgelassen und frei tanzen, das stelle ich mir schön vor.

Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Schneider Achrostikon bitten?

Radikal

Obsessiv

Mysteriös

Youthful (Gilt das?)

Miriam Fontaine_Schauspielerin_Wien

Herzlichen Dank, liebe Miriam, für Deine Zeit in Wort und szenischem Porträt! Viel Freude und Erfolg für alle Theater-, Schauspielprojekte!

40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Miriam Fontaine_Schauspielerin_Wien

http://www.miriamfontaine.com/miriam_fontaine/welcome.html

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien

Hotel am Stephansplatz_Wien _ 14.1.2022

Hotel

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Walter Pobaschnig 1_22

„Ich wünsche mir eine baldige Überwindung des „Produktionsstaus“ der Theater“ Nikolaij Janocha, Schauspieler _ Berlin 29.1.2022

Lieber Nikolaij, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wenn ich gerade keine Proben oder einen Dreh habe: Aufstehen gegen 9:00, Kaffee bei einer kleinen Runde vor meiner Nintendo Switch (mein ältestes Hobby – thank you, Mario), danach Mails beantworten etc. – “Bürokram” halt. Derzeit bin ich am Text wiederholen für eine anstehende Tournee mit dem Stück „Amadeus“ im Februar und März. Dann zweiter Kaffee. Wenn ich mich überwinde eine runde Joggen (gerade läufts gut, Notiz an mich selbst:weiter so!).Im Anschluss vielleicht ein Spaziergang durch Berlin, Einkauf fürs Abendessen und kochen – Die Pandemie mit der vielen Zeit zu Hause hat meine Kochkünste stark verbessert zum Glück. Abends hau ich mir dann wie viele irgendeine Serie oder nen guten Film rein (zuletzt begeistert hat mich “Atlanta” von und mit Donald Glover).

Nikolaij Janocha, Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Kontakt halten mit Freund*innen (auch über die Distanz), solidarisch bleiben, nicht grantig werden und geht’s impfen, herrje!

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Für mich persönlich ist Theater Lebensunterhalt, also hoffe ich natürlich auf wenig Absagen dieses Jahr – und dass das neue Stück unseres freien Theaters “Theater Grand Guignol”, was wir im Herbst aufführen wollen, üppig gefördert wird. Insgesamt wünsche ich mir eine baldige Überwindung des „Produktionsstaus“ der Theater (weil so viel abgesagt werden musste wird nun vielerorts das gespielt was schon seit einiger Zeit “fertig” geprobt ist – darum gibt es weniger neue Produktionen und deshalb auch weniger Rollen zu besetzen für uns freie Schauspieler*innen). Für die Gesellschaft insgesamt hoffe ich, dass bald wieder jede Art von Kultur des gemeinsamen Erlebens – also Theater, Konzert, Museum, Tanz wie auch das kleine Livekonzert im Pub oder die Clubnacht am Wochenende sicher und ohne Bedenken möglich sind, das bringt uns Menschen einfach zusammen und ohne diesen Austausch wird man langsam aber sicher irre.

Das muss also bitte nicht heißen, dass nun alle Theater thematisch die Pandemie beackern müssen – ich glaube, das schwingt eh mit in der Arbeit – denn, dass ein geniales Theaterstück die Gesellschaft retten wird, glaub ich eher nicht. Aber, dass die Menschen wieder Lust aufs Gemeinsame haben, das glaube ich schon. Da sollten die Theater die Türen öffnen und Abende zeigen, die zum Austausch einladen.

Was liest Du derzeit?

„Mit Elfriede durch die Hölle“ von Katharina Tiwald – da erlebt Elfriede Jelinek eine absurde Reise zum Flughafen Schwechat wie in Dante Aligheris „Inferno“ mit bekannten Zeitgenoss*innen Österreichischer und internationaler Prominenz als gequälte Seelen, Teufel, Erzengerl – herrlich seltsam zu schmökern.

Außerdem habe ich wieder den Sci-Fi-Meilenstein „Snow Crash“ von Neal Stephenson angefangen, da gibt es statt Staaten nur mehr sich bekriegende Großkonzerne und mittendrin coole Held*innen  die gegen einen üblen (Computer-)Virus kämpfen – aus dem Buch stammen die Begriffe „Metaverse“ und „Avatar“ für unser virtuelles Alter-Ego – also mal wieder überprüfen wie weit die Realität noch davon entfernt ist!

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“Wer zu enge Hosen kauft, hat noch Hoffnung.” – Anna-Sophie Fritz    

Nikolaij Janocha, Schauspieler

Vielen Dank für das Interview lieber Nikolaij, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Nikolaij Janocha, Schauspieler

Fotos_1 u. 4 Lena Meyer; 2 Nikolaij Janocha in “Dickhäuter”, Salzburger Festspiele, 2021, Foto_Erika Mayer; 3 Nikolaij Janocha in WASTED, Werk X Petersplatz, Wien 2019, Foto_Alex Gotter.

Künstlerbio Nikolaij Janocha:

Nikolaij Janocha absolvierte sein Schauspielstudium an der Universität Mozarteum in Salzburg.Erste Hauptrollen (Mephisto in “Faust I”, Ariel in “Der Sturm”, Jean in “Fräulein Julie”) spielte er am Zimmertheater Rottweil und war danach von 2014-2016 Ensemblemitglied am Jungen Staatstheater Braunschweig:Dort war er an erfolgreichen Produktionen mit Regisseur*innen wie Juliane Kann (“Das Tierreich”), Mareike Mikat (“Léonce und Lena”, ausgezeichnet am Hart am Wind – Festival 2015) und Martin Grünheit (“35 Kilo Hoffnung”) beteiligt.

Seit 2017 ist er freischaffend tätig und war in Wien am Werk X – Eldorado in der Uraufführung „Mutterseele“ von Thomas Perle zu sehen.Danach gastierte er für zwei Stücke am Schweizer Theater Kanton Zürich: “Die Schwarze Spinne” von Jeremias Gotthelf (Regie: Elias Perrig) sowie „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf (R:Johanna Böckli).

Seit 2018 steht Janocha immer wieder an den Schauspielbühnen Stuttgart auf der Bühne: Zunächst in “Willkommen” von Lutz Hübner und Sarah Nemitz (R:Schirin Khodadadian), 2019 in “Zwei Tauben für Aschenputtel” (R:Catja Baumann) und zuletzt 2021 als Venticello in ”Amadeus” (R:Udo Schürmer).

Mit dem Morosis.Kollektiv realisierte er 2019 die Österreichische Erstaufführung von “WASTED”(Kate Tempest) in Wien.Nikolaij Janocha lebt in Berlin und ist Mitglied der Theatergruppe THEATER GRAND GUIGNOL mit bisher drei Uraufführungen in Braunschweig, das Stück “Ein Leben lang kurze Hosen tragen” war 2020 beim Festival BEST OFF nominiert.

Instagram: @nikolaijjanocha

25.1.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Es muss ein echter politischer Diskurs stattfinden“ Daniela Dett, Schauspielerin _ Linz 28.1.2022

Liebe Daniela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin in der privilegierten Situation durch die Anstellung am Musiktheater Linz auch einen geregelten beruflichen Alltag zu haben. Ein Tag, wenn es nicht gerade ein Sonntag ist, sieht ungefähr so aus: So  gegen 7:30 stehe ich auf und beginne mit Kneipp-Dusche, Kaffee und ein paar Sonnengrüßen den Tag. Von 10 bis 13:45 probe ich das Stück „Titanic“. Nachmittag ist Freizeit, in der ich aber zumeist an anderen Projekten arbeite. Abends ist entweder von 19 bis 22 Uhr erneut Probe oder ich sitze ab 17:30 in der Maske für eine Vorstellung von „Wie im Himmel“ oder „Priscilla“. Um ca. 22 Uhr wird geduscht und abgeschminkt und dann gehts aufgrund der Ausgangsbeschränkung leider sofort ab nach Hause.

Daniela Dett _ Schauspielerin, Sängerin,
Gesangspädagogin, Sprecherin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir wieder zueinander finden. Die einzige Chance für eine Gesellschaft ist ein respektvolles Miteinander. Bewusstes aufeinander Zugehen anstatt auszugrenzen, einen Dialog mit anders Denkenden führen und das Verbindende, nicht das Trennende suchen. Wir stecken schließlich alle da mit drin und haben die selben oder zumindest ähnliche Ängste, Zweifel und Fragen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Musik, der Kunst an sich zu? 

Ein kleiner Virus schafft es, eine vermeintlich hochentwickelte Zivilisation lahmzulegen und Gräben durch die Gesellschaft zu treiben. Unser Lebensstil hat uns in vielen Bereichen in eine Sackgasse geführt und wird uns weiter gegen die Wand drücken, wenn wir nicht grundlegend umdenken. Kleine Adaptionen/Anpassungen und halbherziges Handeln zur Gewissensberuhigung reichen nicht mehr aus, es muß ein echter politischer Diskurs über Lösungen für das Gesamtwohl der Bevölkerung und die Erhaltung unseres Lebensraumes stattfinden, nicht dieses verantwortungsscheue, inhaltslose und bloß auf Wahlergebnisse abzielende Geschwafel der handelnden PolitikerInnen. Jeder und jede Einzelne hat die Wahl, das eigene Denken und Tun zu hinterfragen und neue Wege zu gehen.

An erster Stelle stehen klarerweise die offensichtlichen (und immens wichtigen) Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit, aber ich denke dass sich daneben auch aus Überlegungen zu viel persönlicheren Aspekten eine bessere neue Normalität konstruieren lässt.

Ich persönlich habe meine Prioritäten neu geordnet, Begriffe wie Freiheit, Solidarität, Eigenverantwortung und Selbsthilfe neu definiert und mein Konsumverhalten überlegter und nachhaltiger gestaltet. Ich bin voller Hoffnung, dass mir und den Mitmenschen der Ernst der Lage bewusst ist und jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten künftig Verantwortung übernehmen wird.

Die Rolle der Kunst ist und bleibt eine Entscheidende. Wir brauchen sie zum Leben. Sie kann uns Menschen eine Stütze und Reibungsfläche zur Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit sein, öffnet Horizonte, ist spannend, vielfältig, macht nachdenklich und schenkt Freude. Sie hilft uns dabei, nicht im Alltagstrott zu ersticken und bietet uns die Freiheit, Grenzen zu überschreiten und Neues zu entdecken. Sie schafft Identität und Verbundenheit. Richard von Weizsäcker hat es auf den Punkt gebracht: „Kultur ist kein Luxus, den wir uns leisten oder nach Belieben streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere innere Überlebensfähigkeit sichert.“

Was liest Du derzeit?

Derzeit liegen zwei Bücher auf meinem Nachtkästchen: Zum einen „Die Letzte Nacht der Titanic“ von Walter Lord und zum anderen der großartige Roman „Schöne Ungeheuer“ von Wilfried Steiner (offizieller Erscheinungstermin 14. März)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Du bist deine eigene Grenze, erhebe dich darüber!

Vielen Dank für das Interview, liebe Daniela! Viel Freude und Erfolg für Deine großartigen vielseitigen Schauspiel-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Daniela Dett, Schauspielerin, Sängerin, Gesangspädagogin, Sprecherin

Foto_Klaus Huemer

15.1.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„…damit man halt über die Runden kommt“ Martin Mak, Schauspieler_ Völkermarkt/K 27.1.2022 

Lieber Martin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe zwischen 6:00 und 7:00 Uhr auf und mache mir einen Kaffee. Dann muss ich ca. eine halbe Stunde Turnübungen für meinen Rücken machen, weil ich zur Zeit an einem Bandscheibenvorfall leide. Wenn sich jetzt einer fragt: „Von was bekommt den der einen Bandscheibenvorfall?“, dann kann ich nur sagen, dass ich mir dieselbe Frage auch schon gestellt habe.

Da es im Moment mit Engagements nicht so rosig ausschaut, hab ich beim Heunburgtheater als Haustechniker angeheuert, um wenigstens ein paar Euros zu verdienen…damit man halt über die Runden kommt. Das heißt, am Vormittag wird die alte Spielsaison nach- und die nächste vorbereitet und die Burg immer wieder etwas adaptiert.

Am Nachmittag mach ich dann ein bisschen Sprechtechnik und arbeite am neuen Kabarettprogramm „Die nächsten zwei Wochen werden entscheidend sein“ welches am 19. März 2022 in der neuen Burg in Völkermarkt seine Premiere feiert. Wie vor zwei Jahren hab ich das Programm gemeinsam mit meiner Kollegin Katrin Winkler-Jandl ausgearbeitet. Die Schreibarbeit hat aber hauptsächlich sie geleistet, weil mein 2-Finger-Adlersuchsystem nur zu Sehnenscheidenentzündungen aber zu keinem fertigen Skript führen würde.

Martin Mak, Schauspieler und Kabarettist

Am Abend gehe ich manchmal für meine Mutter und meine Tanten einkaufen, weil die sich in ihrem fortgeschrittenen Alter etwas schwerer tun. Aber wenn ich für mich sowieso etwas besorgen muss, ist das kein Mehraufwand.

Dann koche ich mir meist etwas Feines und danach lese ich ein Buch oder eine Zeitschrift oder arbeite meine e-Mails auf. Ich muss aber gestehen, dass ich gerade jetzt sehr oft auch eine Serie oder einen Film über einen Streaming-Dienst anschaue, anstatt mir Theaterstücke oder Monologe einzuverleiben. Da hat dann der innere Schweinehund gesiegt…

Das Bett sieht mich meistens zwischen 23:00 und 1:00 Uhr um mich für einen kurzen Powernapp zu begrüßen.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Definitiv „Zusammenhalt“! Die Kunst ist ohne den Betrachter nur ein Werk ohne Wert. Der Künstler ist ohne sein Publikum nur ein Alleinunterhalter, aber in dem Sinne, dass er sich alleine unterhaltet. Ich bin ohne meine Freunde und Familie nicht komplett.

Es gibt fast keine Konzerte oder Theateraufführungen, und wenn, dann nur mit 2G-Regel. Es gibt leider zwei Gruppen bei uns und eine darf nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Das sind Betrachter. Das ist das Publikum. Das sind Freunde und Familienangehörige. Wir dürfen da keinen Unterschied machen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Wesentlich wird sein, dass wir mit dem Virus umgehen lernen und jeder Mensch mit Eigenverantwortung auf seine Umwelt aufpasst und andere schützt.

Als Schauspieler sollte man immer kritisch sein. Diese Aufgabe wird das Theater mehr den je haben. Frei nach dem Motto: „Mitdenken erlaubt!“

Was liest Du derzeit?

Ich will jetzt nicht wie ein Streber klingen, wenn ich sage: „ Ich lese gerade Stanislawskis Die Arbeit des Schauspielers an sich selbst.“, aber es ist wirklich so. Ich hab schon gesagt, dass ich zur Zeit kein Theaterengagement habe. Leider rostet man da gerne etwas ein und wird fauler – vor allem die Sprechwerkzeuge. Meine Freundin hat gesagt: „Mach was dagegen. Sonst verlierst du den Anschluss.“ und sie hat recht (nur fürs Protokoll: Ich habe meiner Freundin gerade recht gegeben! – sollte sie es zufällig lesen).

Ansonsten lese ich alles mögliche daneben:
            Harari – Die kleine Geschichte der Menschheit
            Stipsits – Die Kopftuchmafia
            Selber machen (Magazin) – Wie baue ich selber eine Gartenhütte?
            Micky Maus – alle Geschichten
Anmerkung der Redaktion: Die letzten beiden am stillen Örtchen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Über etwas, was man nicht glaubt, kann man keine Tränen vergießen.“ – K. S. Stanislawski

Martin Mak, Schauspieler und Kabarettist

Vielen Dank für das Interview lieber Martin, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspiel-, Kabarettprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Martin Mak, Schauspieler und Kabarettist

http://www.martinmak.com/

Fotos_Alexander Settari.

21.1.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Salonfähig“ Elias Hirschl. Roman. Zsolnay Verlag.

Jetzt ist es zu Ende. Alles liegt jetzt auf dem Tisch. Herz, Milz, Leber, Hoden. Alles was drin ist, drin war. Ärzte öffnen den Körper und legen alles in silbernen Metallschalen ab. Das sieht spannend aus, denkt er sich und sieht sich alles an. Dann steht er auf und geht…

Es war ein Traum.

Und der wird gleich notiert. Denn das sagt Julius und auch die Rhetoriktrainern. Dann wird es so gemacht. So wie es Julius macht.

Wie Julius sein. Reden und beobachten wie. Das ist alles. Täglich. Der Spiegel ist ein gutes Mittel dazu. Und etwas für Julius tun dürfen. Etwa die Blumen gießen. Zelebrieren.

Und es geht weiter und weiter. Bis alles am Tisch liegt. Ausgeweidet. Das Innere und Äußere…bis es endet….

Der Wiener Schriftsteller und Musiker, Elias Hirschl, legt mit „Salonfähig“ einen fulminanten Roman vor, der in mitreißendem Sprach- und Erzählstil moderne Typologien von Identität als inhaltsleeres gesellschaftliches Erfolgsmodell bloßstellt und gleichsam zerfetzt. Wirkung als Authentizität, Skrupellosigkeit als Lebenskonzept, Sinnentleerung und Gefühlsabstumpfung als Erfolgskriterium werden im genialen literarischen Kunstgriff entlarvt.

Exemplarisch wird die Wertfreiheit gesellschaftlicher „Aufsteigerbiographien“ seit den 1980er Jahren beschreiben, die vorwiegend von jungen, erfolgreichen Menschen geprägt war, die sich in Managementpositionen wie in politischen Schlüsselpositionen etablierten. Erfolg als Inhalt und Ziel. Die Kunst des Scheins und die Kunst dies zu leben, lieben, zelebrieren zu wollen, finden im Roman ein einmaliges sprachliches Grab- wie Denkmal.

„Ein geniales literarisches Requiem einer politischen Gesellschaftsepoche“

Walter Pobaschnig 1_22

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„Dass wir das scheinbar Normale und Alltägliche wieder mehr wertschätzen“ Tobias Sommer, Schriftsteller _ Bad Segeberg 26.1.2022

Lieber Tobias, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Als Autor ist man ja ständig im Homeoffice. Schon vor der Pandemie war das Schreiben eine Tätigkeit, die ich eher alleine für mich in meinem heimischen Büro gemacht habe. Mit der Coronazeit ist auch mein Brotberuf (der nichts wirklich Literarisches fordert) in die eigenen vier Wände gerückt. So vermischen sich diese beiden Tätigkeiten und ich versuche, einen Tagesablauf zu finden, der diese trennt. Und vielleicht ist aus diesem Grund mein Tagesablauf mit Familie, Brotberuf, Haushalt und Schreiben nun etwas strukturierter.  

Tobias Sommer, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Immer wieder hört man den Wunsch nach „Mehr Normalität“. Vielleicht ist das ein kleiner positiver Aspekt in dieser Zeit. Dass wir das scheinbar Normale und Alltägliche wieder mehr wertschätzen.

Bei dem riesigen Überangebot an Möglichkeiten wusste man häufig das Einzelne nicht mehr zu schätzen. Heute ist eine Lesung, ein Kinoabend oder der Museumsbesuch etwas Besonderes, auf das man sich freut, das man bewusst wahrnimmt und genießt. Es wäre schön, wenn wir uns dieses Gefühl bewahren, daran zurückdenken, wenn die Terminkalender und Eventhallen wieder voll sind.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Möglichweise genau die oben beschriebene Wertschätzung.

Ich glaube, besonders die Literatur/Kunst, die erst in 10-20 Jahren entsteht und die sich dann ausgiebig mit dieser Pandemie beschäftigt, wird wirklich interessant, denn sie wird zeigen, ob und was wir aus dieser Zeit gelernt und mitgenommen haben.

Was liest Du derzeit?

Ich lese immer mehrere Bücher gleichzeitig. Es gibt einen Stapel mit Büchern, die ich als Autor lese, weil ich sie für neue Projekte brauche. Und es gibt natürlich einen Stapel (eher Berg) mit Büchern, die ich als Leser lese.

Als Autor lese ich gerade Kafkas „Amerika“ und als Leser „Ruthchen schläft“ von Kerstin Campell. 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Schwierig. Vielleicht ein Zitat von einem meiner Lieblingsautoren, von Hans Erich Nossack:

„Was sich nicht träumen lässt, hat keine Wirklichkeit.“

Vielen Dank für das Interview lieber Tobias, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Tobias Sommer, Schriftsteller

Foto_Juliane Hesse.

3.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Rom brennt!“ Nero und das Ende einer Epoche, Anthony A.Barrett _ wbg Verlag


Es ist ein dramatisches Ereignis, das nicht nur in der Weltgeschichte der Antike
zentral ist, sondern weit darüber hinausgeht – der Brand Roms zur
Regierungszeit des Kaisers Nero (37-68).

Bilder der Kunstgeschichte davon begleiten dabei bis in die Gegenwart. Etwa
der Lyra spielende Kaiser dargestellt von Peter Ustinov im Film „Quo vadis?“
(1951). Ustinov wurde dafür mit dem Golden Globe ausgezeichnet und für den
Oscar nominiert. Das Bild des Kaisers als skrupelloser selbstverliebter Tyrann
prägte auch nachfolgende Zugänge zu Leben, Werk und Bild Neros. Und diese
bilden bis heute wesentlich einen Archetypos, der viel über Mensch und Zeit
aussagt…aber welche Zeit?

Anthony A.Barrett, Professor Emeritus an der University of British Columbia
und Gastprofessor an der Universität Heidelberg, legt nun ein umfassendes
Porträt der antiken Welt Roms zur Zeit Neros wie neue Zugänge zu Leben und
Herrschaft des Kaisers vor.

Dabei nimmt der renommierte Wissenschaftler die historische Quellenlage
genau in den Blick wie auch die weiterführende Wirkungsgeschichte. Es werden
gleichsam die Schablonen von Überlieferung und Interpretation verglichen und
einer kritischen Überprüfung unterzogen. Es entsteht so ein umfassendes Bild
von Zeit und Leben, das so manche Überraschungen bietet und viele Impulse
kritischer Geschichtsbetrachtung bietet.


Geschichte gleichsam als kritische, spannende Detektivarbeit“

Walter Pobaschnig 1_22

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