J.R.R.Tolkien, Der Fall von Gondolin. Herausgegeben von Christopher Tolkien. Neuerscheinung Klett-Cotta Verlag.

 

„Ein ganz besonderes Geschenk für alle Tolkienfans wie Leserinnen und Leser, die eine gute story mit Phantasie und Spannung schätzen“.

 

J.R.R.Tolkien, Der Fall von Gondolin. Herausgegeben von Christopher Tolkien. Neuerscheinung Klett-Cotta Verlag.

Es war ein Leben in und zwischen den großen Kriegskatastrophen des 20.Jahrhunderts, welches der Schriftsteller und Universitätsprofessor J.R.R.Tolkien führen musste. Die Phantasie, das Schreiben, das Erzählen war ihm darin und dabei eine wichtige kreative Kraft- und Trostquelle, um mit den Kriegserlebnissen und –folgen, auch dem persönlichen Verlust von Freunden, umgehen und diese wohl auch bewältigen zu können. Die Kunst war in jedem Fall ein wichtiger Lebensbegleiter eines so reichen und aktiven schriftstellerischen Schaffens. Als Tolkien 1973 starb hinterließ er eine Fülle von Skripten und be- und überarbeiteten Entwürfen zum Hauptwerk „Der Herr der Ringe“ und dessen textlichem Umfeld, die von seinem jüngsten Sohn Christopher Tolkien betreut und in den Folgejahren kontinuierlich ediert wurden. Jetzt in seinem vierundneunzigsten Lebensjahr legt Christopher Tolkien erneut eine beeindruckende Edition vor.

Der „Fall von Gondolin“, eine der zentralen Erzählungen des Zyklus des Mittelerde Zeitalters, wird von Christopher Tolkien zu einer geschlossenen Romanfolge, welche die unterschiedlichen Textentwürfe und Editionen beeindruckend überblickt, zusammenfasst und so ganz neu vorstellt. Es ist ein großer Gewinn für Tolkien Fans und Leserin/Leser einen neuen oder ersten Zugang zu einer „spannenden story“ zu gewinnen, welche dann weitere Vertiefungen in den komplexen Kosmos der Mythologie zulässt. Beeindruckend sind auch die Illustrationen von Alan Lee, der es versteht im persönlichen Stil sich einer Phantasiewelt und deren Charakteren und Topographien faszinierend zu nähern. Ein umfangreicher Anhang mit Namensverzeichnis, Worterklärungen, Stammbaum und einer Landkarte rundet diese Edition sehr gelungen ab.

 

Walter Pobaschnig, Wien 10_2018

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„Poetiken des Traumas“ Annette Vieth. Neuerscheinung Königshausen&Neumann Verlag.

 

„Poetiken des Traumas“ Annette Vieth. Neuerscheinung Königshausen&Neumann Verlag.

Trauma. Es ist ein Zerstörtsein. Eine Überforderung von Sinn und Sinnen. Es zieht einem den Boden unter den Füßen weg. Ein Erdbeben, dessen Trümmer in den folgenden Lebensschritten schwer auf der Seele lasten. In allem. Doch wie damit umgehen? Wie sich befreien? Ist es möglich? Das Sprechen, Erzählen ist ein Weg. Das Dunkle, Schwere ist aus dem Schatten getreten. Ins Wort. Es ist da. Es ist benannt. Es ist geteilt…

Annette Vieth, Literaturwissenschaftlerin und assoziiertes Mitglied der Arbeitsstelle Interkulturelle Literatur- und Medienwissenschaft, Hamburg, legt eine umfassende Studie zu literarischen Zugängen und Prozessen des individuellen wie kollektiven Traumas/der Traumata vor. Die umfassende beeindruckende Analyse gliedert sich in sieben Schwerpunktkapitel, die einführend Begriff und Methode klären (Definition des Traumas, Traumtheorie, literarische Entwürfe) und anschließend literarische Grundlagenwerke erläutern und befragen

Die Schwerpunkte liegen dabei auf der Analyse der Romane „Malina“ von Ingeborg Bachmann – die Autorin sucht darin kontextuell die Nähe zur Psychoanalyse und entwirft eine Erzählstruktur, die in bahnbrechender Weise Ambivalenzen von Bewusstsein und Unbewussten biographisch thematisiert – sowie „Stille Zeile Sechs“ von Monika Marion und „Alle Tage“ von Terezia Mora, in denen es um historische Traumata (DDR) und deren existentielle Bezüge und Abgründe geht. Begegnungen und Bilder im Kopf werden dabei zu beklemmenden Schlüsselszenen historischer Ereignisse.

Vieth gelingt es in bestechender interdisziplinärer Fachkenntnis den Anspruch und die Kraft von Literatur in Auseinandersetzung mit dem geschichtlich wie biographisch Unsagbaren herauszuarbeiten und damit auch einzuladen, sich dieser Literatur zu „stellen“, um Ort und Weg eines Landes und eines Lebens besser verstehen zu können.

Annette Vieth, Poetiken des Traumas. Mit Analysen zu Ingeborg Bachmanns Malina, Monika Marons Stille Zeile Sechs und Terezia Morars Alle Tage. Königshausen&Neumann Verlag.

Walter Pobaschnig, Wien 10_2018

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„Schlafende Männer“ Martin Crimp. Begeisternde österreichische Erstaufführung am Schauspielhaus Wien. 9.11.2018.

 

Die ZuschauerInnen betreten über die Bühne den Theaterraum. Eine Frau und ein Mann sitzen sich da in einem großzügigen Atelier gegenüber. Julia, Kunsthistorikerin, und Paul, Musikproduzent. Ihre räumliche Distanz jetzt entspricht der ihrer Alltagswirklichkeitswirklichkeit. Leben, Arbeiten – aber ihre Liebe? Im Hintergrund sind Filmsequenzen zu sehen – „Wer hat Angst vor Virginia Wolf?“ (1966, Mike Nichols). Ein Filmklassiker, der die psychologischen Abgründe der Beziehungsrealitäten eines Ehepaares fulminant inszeniert. Dann klingelt es an der Tür…

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Ein nächtlicher Besuch. Josefine, die neue Assistentin von Julia, und Tilmann stehen plötzlich vor der Tür. Nähe und Distanz in Begegnung und Gespräch der Paare werden nun zu ambivalenten Episoden zwischen psychologischen, aktionistischen und surrrealen Nachtbildern. Alles verliert jetzt den festen Boden im Blick vom abgründigen Seelenbalkon von Lebensweg und möglicher wie verpasster –richtung. Der freie Fall aus der Persönlichkeitsrolle im Tageslicht wird zum emotional explosiv-expressiven Szenario, dem niemand hier entgeht…doch wie wird es schließlich enden im Morgengrauen?

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Das Schauspielhaus Wien zeigt mit der österreichischen Erstaufführung von „Schlafende Männer“ (Martin Crimp) modernes Theater, das in zahlreichen wie vielfältigen künstlerischen Referenzen gesellschaftliche Realitäten reflektiert. Die Fülle und Spannung der ästhetischen wie psychologischen Bezüge im Stück des gefeierten Autors Crimp macht es Inszenierung und Regie grundsätzlich nicht leicht. Eine Dramaturgie zu finden, die da für einen spannenden Theaterabend funktioniert, ohne zu viele kunsthistorische Voraussetzungen (Wiener Aktionismus, Maria Lassnig) einzubauen, ist eine Herausforderung, der Regisseur und Ensemble aber hervorragend gerecht werden. Vom ersten Bühnensetting und –dialog an wird eine Aufmerksamkeit erzeugt, die dem dramatischen Fortgang gebannt folgen lässt. Hervorragendes Schauspiel in stop and go motion trägt einen Abend, der auch in dem direkt ansprechenden ästhetisch-psychologischen Reflexionstransfer von Bühne und Publikum bestens greift. Sehen und Denkanstoss springen ausgezeichnet über. Es wird zerstört, aber auch aus den Trümmern eines Wohnzimmers an einem reflektierenden Menschenbild gebaut. Die kritische Einladung der Inszenierung, auch in hervorragendem Bühnenbild/Kostüm/Technik, kommt in Zeit und Leben der Gegenwart an – Gratulation!

 

 

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„Schlafende Männer“

Autor: Martin Crimp

Regie: Tomas Schweigen

Besetzung: Vera von Gunten, Alina Schaller, Sebastian Schindegger, Anton Widauer

 

Bühne: Giovanna Bolliger

Kostüme: Anne Buffetrille

Musik: Dominik Mayr

Video: Tim Hupfauer

Dramaturgie: Tobias Schuster

Licht: Oliver Matthias Kratochwill

Ton: Benjamin Bauer

Regieassistenz: Sophia Fischer

 

Weitere Spieltermine: 14., 15., 16., 17.11 und 4., 5., 7., 8., 12., 13., 14. Und 15.12.2018

Schauspielhaus Wien, Porzellangasse 19, 1090 Wien

Tel: +43 1 317 01 01 18 (Kartenvorverkauf)

Tel: +43 1 317 01 01 (Büro 10 – 18 Uhr)

Fax: +43 1 317 01 01 99 00

karten@schauspielhaus.at (Kartenvorverkauf)

www.schauspielhaus.at

 

Walter Pobaschnig 11_18

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„So wahr wie ich wirklich bin“ Hanne Orstavik. Neuerscheinung Rauch Verlag.

 

„Hier trifft sich beste hintergründige skandinavische Erzähltradition mit Sprachtiefe und-eleganz.“

 

„So wahr wie ich wirklich bin“ Hanne Orstavik. Neuerscheinung Rauch Verlag.

Am Morgen ist alles anders hier. Die Tür ist verschlossen und die Mutter fort. Ein Flugzeug taucht am Himmel auf. Sie sieht jetzt Ivar vor ihr. Eigentlich sollte sie ihn jetzt am Flughafen erwarten. Sie wollen fort. Ganz wo anders hin. Ganz ein anderes Leben. Es ist ein starkes Band, das auf dieser Begegnung liegt. Johanne ist bereit. Doch es ist ein großer Schritt und sie macht sich oft still Gedanken. Im Zwiegespräch mit Gott, im Gebet. Sie geht jetzt wieder zum Fenster. Streckt den Körper. Die Gedanken kommen wieder. Ihre Lebenswünsche. Und auch die Frage der Schuld. Ein neuer Weg könnte den Knoten lösen. Freiheit bringen. Es braucht einen Plan. Gelingt der Weg durch diese geschlossene Tür und alle geschlossenen Türen der Seele? Johanne greift nach ihrem Leben umgeben von stummen Mauern…

Die norwegische Erfolgsautorin Hanne Orstavik legt mit „So wahr wie ich wirklich bin“ eine vieldeutige und hintergründige Reflexion über Leben und Liebe vor, die in reduzierter wie fokussierter Spracheleganz beeindruckt. Die Autorin lässt Leserin und Leser beklemmend in das innere Ringen der jungen Studentin Johanne blicken, die zwischen Freiheit und überfordernden Zwängen im symbolisch wie real verschlossenen Lebensraum gefangen ist. Der Prozess des Erwachsenwerdens in schmerzhafter persönlicher Identitätsbildung in Überlegung, Entscheidung und Handlung wird von der Mutter zur verordneten „Tageshaft“ für die Tochter und so zum Ausdruck großer Beziehungsproblematik in Wortlosigkeit und Aggression. Die Bezüge zur moralischen und religiösen Sozialisation lassen den Roman zu einem Mystery-Psychothriller werden, der immer wieder neue Bedeutungs- und Spannungsebenen öffnet und keine völlige Auflösung zulässt.

 

Hanne Orstavik, So wahr wie ich wirklich bin. Rauch Verlag.

 

Walter Pobaschnig, Wien 10_2018

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„Adrian oder: Die unzählbaren Dinge“, Angelika Stallhofer. Roman. Neuerscheinung Kremayr&Scheriau Verlag.

 

„Adrian oder: Die unzählbaren Dinge“, Angelika Stallhofer. Roman. Neuerscheinung Kremayr&Scheriau Verlag.

Hier ist keine Zeit zu verlieren. Es geht um das Geschäft. Ein Werbetext. Das Manuskript wird begutachtet. Die Minuten bis zur Antwort der Marketingleiterin sind jetzt endlos lang. Bilder vom Besuch beim Vater kreisen im Kopf. Bilder der Kindheit. Und die Gedanken an Anna. An den Chat von gestern Nacht. Dann zerreißt die unbehagliche erwartungsvolle Stille. Die Marketingleiterin sagt: „Es genügt nicht“. 48 Stunden bleiben jetzt für die Überarbeitung. Arbeitszeit. Lebenszeit. Anforderungen und Wünsche. Die Smartwatch zählt die Schritte. Im Notebook fordert der Werbetext. Häusermann spricht im Cafe vom Puls der Zeit. Anna kann für Momente alles leicht machen. Ein Gedicht am Morgen. Ein Anruf. Ein Ausflug. Das Schreiben. Doch das Schwere der Sorgen in Beruf und Leben umfasst die Stunden. Und die Suche nach Ausgleich und Auswegen beginnt – zwischen all der Macht der unzählbaren Dinge der Tage…

Angelika Stallhofer, Gewinnerin des Ö1-Literaturwettbewerbes „Geld und Gier“, legt mit „Adrian oder: Die unzählbaren Dinge“, einen Roman vor, der in packender Erzählung das moderne Leben in der Spannung von beruflicher Anforderung und persönlichem Glück an der Seele packt und Leserin und Leser gebannt staunen und folgen lässt. Die Autorin zeichnet eine außergewöhnliche psychologische Aufmerksamkeit aus, die in reduzierter direkter Sprachform Gedanken, Emotionen und Reflexionen der Charaktere auf den Punkt bringt. Die genaue Herausarbeitung von Lebensansprüchen (Berufsorientierung, private Verantwortung/Pflege, Begegnungen) ist eine große Stärke des Romans. Diesen wohnt jedoch immer eine Alternative, ein Ausweg, eine Hoffnung inne, die Offenheit, Mut und Konsequenz erfordern. Das Leben ist eine Reise, in welcher der Blick aus dem Fenster nicht genügt. Es ist nötig, sich Fragen persönlicher Entscheidung zu stellen und Aufmerksamkeit als Lebenswert und –aufgabe anzuerkennen. Die Autorin lädt in einem wunderbaren Roman dazu sein.

 

Walter Pobaschnig, Wien 10_2018

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„So tun als ob es regnet“ Iris Wolff. Roman in vier Erzählungen. Otto Müller Verlag.

„Ein Roman, der viel von Stille und Aufmerksamkeit der Worte weiß und deshalb dem pochenden und blutenden Lebensherz von Generationen faszinierend in Gänsehaut nahekommt“

„So tun als ob es regnet“ Iris Wolff. Roman in vier Erzählungen. Otto Müller Verlag.

Krieg. 1915. Im Zug geht es an Dörfern, Feldern entlang. Alles sieht hier gleich aus, denn die Gedanken sind immer woanders. Fern von hier. Jacob liest es in den Briefen der Soldaten. Er entwirft die Menschentypen dazu. Die „Dichter“ führen ein Tagebuch und schreiben die längsten Briefe. Dann fallen Schüsse, doch Jacob kann nicht mehr töten. Mit einem Gedicht des Salzburger Dichters Georg Trakl im Kopf geht das nicht. Jetzt verändert sich alles. Das Leben kommt wieder näher, wie auch der Tod…

Elemer lebt allein. Es fehlt der Schlaf wie die Menschen um ihn. Es sind Nachbarn, die ihn besuchen. Es geht um Politik. 1930er Jahre. Die Zeiten ändern sich. Seine Tochter Alma lebt mit ihren Töchtern an der Schwelle dieser neuen Zeit. Henriette ist aufmerksam in allen. Sie ist zielstrebig und greift nach dem Leben. Sie besucht gern ihren Großvater Elemer, schätzt die „Gesellschaft der Schlaflosen“. Henriette wächst heran zwischen all den Erinnerungen und Tagen, die wie Regenwolken am Himmel ziehen…

  1. Die Mondlandung. Das Sterben hat jetzt noch etwas Zeit hier auf der Erde. Mit Liane beginnt der nächste Tag. Eine Reise steht bevor. Doch Hedda bleibt das Alleinsein und die vielen Gedanken ihrer Großmutter im Tagebuch. Auch der Ring von Henriette. „Trag` ihn“, sagte Sie. Lebenskreise schließen und öffnen sich. Schritte der Menschen und Menschheit in Traum und Staub…

Iris Wolff, Ernst-Habermann-Preisträgerin 2014, entwirft im vorliegenden Roman ein existentielles Kaleidoskop, in welchem in mehrfacher Spiegelung wechselnde Lebenswege sich drehen und zusammenfügen und als Muster eines Jahrhunderts erscheinen. Die Erzählfolgen werden zu einem Fernrohr, das Charaktere der Generationen freigibt, welche Lebensraum und Weg verbindet. Der Autorin gelingt eine ganz besondere Aufmerksamkeit und Verdichtung der Sprache. Es ist keine spektakuläre Zeit- und Lebensrevue, die hier geboten wird, sondern eine Einladung lesend still wahrzunehmen was Leben war und ist. Beeindruckend.

 

Walter Pobaschnig, Wien 10_2018

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„Toni und Moni“ Oder: Anleitung zum Heimatroman. Petra Piuk. Neuerscheinung Kremayr-Scheriau Verlag.

 

„Eine satirisch kritische Reflexion von Zeit und Leben im kongenialen Sprachexperiment.“

 

„Toni und Moni“ Oder: Anleitung zum Heimatroman. Petra Piuk. Neuerscheinung Kremayr-Scheriau Verlag.

Der Weg in die Welt. Neujahr. Das Foto in der Zeitung. Archiviert in Klarsichthülle in der Stubengalerie. Neben Gesangsverein und Kameradschaftsbund. Der Beginn muss klar sein. Denn hier hat alles seine Ordnung. Und seine Erwartungen. Geburt. Leben. Liebe. Tod. Das Dazwischen, das sind nummerierte Tageskapitel. Oben und unten. Beistrich und Punkt. Mama und Mizzi-Oma. Gekochte Rinderzunge und Poldi-Opa. Jäger-Sepp und Schlagerglück. Aus und fertig. Mittendrin die Moni und der Toni und das alles in Schöngraben…

Und jetzt darüber schreiben. Was so gesagt und geschwiegen wird im Dorf. Na dann. Die Welt ist was der Fall ist. Los geht`s. Auf Wiedersehen bei der Lesung im Dorfgasthaus…oder doch nicht?

Petra Piuk, ausgezeichnet mit dem Literaturpreis des Landes Burgenland 2016, legt mit „Toni und Moni“ ein fulminantes Sprachexperiment vor, das in Form und Inhalt Maßstäbe setzt. Da treffen Satire, Psychoanalyse und innovativer Schreibstil, mit viel Selbstironie, sehr dynamisch und akzentuiert aufeinander. Was ist Wirklichkeit? – fragen hier gleichsam Qualtinger, Freud und Wittgenstein im Dorfgasthaus. Es ist eine fulminante experimentell literarische Brücke, von welcher die Autorin Leserin und Leser in den tosenden Wildbach gesellschaftlicher, persönlicher und politischer Täler und Abgründe blicken lässt.

 

Walter Pobaschnig, Wien 10_2018

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