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„Aufregend, aufwühlend, banal, interessant“ Anna Prizkau_Schriftstellerin_Bachmannpreisteilnehmerin 2021_Berlin 20.6.2021

Rückblick_Bachmannpreis 2021_

Interview – Anna Prizkau_Schriftstellerin_Berlin_Bachmannpreisteilnehmerin 2021

Liebe Anna, herzlichen Dank für Deine Teilnahme, Deinen spannenden Text wie Lesung!

Lesung_Anna Prizkau, Schriftstellerin_Bachmannpreistelnehmerin 2021

Liebe Anna, wo und wie hast Du die Preisverleihung und den Abschluss der Literaturtage in Klagenfurt heute miterlebt?

In Berlin, am Zionskirchplatz, um die Ecke  von meinem Lieblingscafé, wo ich gleich einen Prosecco auf die Gewinner trinken werde.

Wie sieht Dein Rückblick auf die Literaturtage aus?

Aufregend, aufwühlend, banal, interessant.

Welche Inspirationen nimmst Du für Deine Literaturprojekte mit?

Keine.

Was sind Deine nächsten Schreibprojekte?

Wenn ich’s weiß, werde ich es verraten.

Vielen Dank für das Interview, liebe Anna! Viel Freude und Erfolg weiterhin wie schönen Sonntag und Sommer!

Bachmannpreis 2021_Rückblick:

Anna Prizkau, Schriftstellerin_Bachmannpreistelnehmerin 2021

Anna Prizkau (D) – Bachmannpreis (orf.at)

Walter Pobaschnig 20.6.2021. Das Interview wurde online geführt.

Foto_screenshot_ORF

https://literaturoutdoors.com

„Den Platz der Literatur behaupten, ihn uns wiederholen“ Thomas Lang, Schriftsteller_München 20.6.2021

Lieber Thomas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Früh aufstehen, laufen (oder nicht), Frühstück mit der Familie (alle eher so im Vorbeigehen), mit dem Rad ins Büro. Arbeiten (schreiben). Kochen (oder nicht). essen mit der Familie (Teilen davon). Daheim hocken und was machen oder mit Freunden (je einem) draußen raumlaufen und reden (oder je ein Bier trinken).

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zuversicht, echte.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Siehe oben: Zuversicht. Wenn Literatur und Kunst nicht als wichtig erkannt wurden, müssen wir diesen Platz behaupten, ihn uns wiederholen, relevant sein und das zeigen. Überzeugen, viele.

Was liest Du derzeit?

Herman Melville: Omu. Wie die Kehrseite von Moby-Dick, leicht und hell und wie unbedarft, aber nicht unbedarft, dieser Roman über eine jungen, auf Tahiti gestrandeten Matrosen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Ich beuge mich unter dem Sturm, entschlossen, mich bei der ersten Gelegenheit wieder zu erheben.“ (August Strindberg)

Vielen Dank für das Interview lieber Thomas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Thomas Lang, Schriftsteller

thomas lang – t h o m a s l a n g . n e t

Foto_Peter von Felbert

29.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Literatur wird vieles sichtbar machen“ Daniela Chana, Schriftstellerin_Wien 19.6.2021

Liebe Daniela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin morgens immer am produktivsten, daher stehe ich relativ früh auf und setze mich an den Schreibtisch. Zum Ausgleich mache ich nachmittags gern längere Pausen, gehe Radfahren oder ähnliches. Derzeit arbeite ich an einem Roman und – so wie immer – an neuen Gedichten und anderen Texten für diverse Publikationen. Da ich jetzt mehr zuhause bin als sonst, habe ich zwischendurch etwas mehr Muße zum Kochen und Blumengießen. Einiges, was mir früher Zeit und Nerven geraubt hat, fällt derzeit weg, wie etwa die langen Fahrten von A nach B oder lästige Einladungen, zu denen man sich nicht traut, „Nein“ zu sagen. Ich kann daher meine Zeit etwas effizienter nutzen als früher. Das ist aber freilich nur eine ganz subjektive Erfahrung.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Darauf würde ich keine pauschale Antwort geben wollen. Die Situationen der Menschen sind so unterschiedlich, mit und ohne Krise. Daran sollte man sich vielleicht immer wieder erinnern: dass man die eigene Erfahrung und das eigene Erleben nicht auf alle anderen übertragen kann.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Es vollzieht sich wohl ein Schritt in Richtung Digitalisierung, dem ich durchaus einiges abgewinnen kann. Abgesehen davon würde ich keine Prognosen abgeben wollen. Ich vermute, dass die Literatur, ebenso wie die anderen Kunstformen, in den kommenden Jahren dazu beitragen wird, vieles sichtbar zu machen, was in der gegenwärtigen Wahrnehmung noch ein bisschen untergeht: unterschiedliche Einzelschicksale, die jetzt vielleicht nicht so viel Beachtung finden, aber auch schöne Erlebnisse, Glücksmomente und dergleichen. Rückblickend versteht man ja viel mehr. Die Kunst hilft dabei.

Was liest Du derzeit?

Ich lese immer eine wilde Mischung aus Klassikern und Neuerscheinungen, abwechselnd und zum Teil parallel: zuletzt die Romane von Thomas Hardy, dicht gefolgt von Juli Zeh, zwischendurch Lyrik-Neuerscheinungen, die ich rezensiere. Dazwischen ganz sehnsuchtsvoll diverse Bücher über das Wandern und die Natur, weil ich mich schon darauf freue, wenn das Wetter endlich besser wird und ich wieder häufiger Wandern und Radfahren gehen kann. Nebenbei habe ich in den letzten Tagen auch Sigmund Freuds „Zur Psychopathologie des Alltagslebens“ wiedergelesen, da ich das in Hinblick auf meinen Roman noch einmal auffrischen wollte.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Die Parkbänke wurden lichter. / An manchen Wochentagen / saßen dort nur Erinnerungen.“ (aus dem Gedicht „Der gleiche Oktober“ von Alexander Peer, erschienen in seinem Gedichtband „Der Klang der stummen Verhältnisse“, Innsbruck: Limbus Verlag, 2017, S. 96.)

Vielen Dank für das Interview liebe Daniela, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Daniela Chana, Schriftstellerin

Sagt die Dame (limbusverlag.at)

Foto_Wilhelm Chana, 2020

18.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ich fühle mich als kinderloser Autor privilegiert“ Tobias Reußwig, Schriftsteller_ Greifswald 19.6.2021

Lieber Tobias, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich  beginne die meisten meiner Tage mit einer Kanne grünem Tee auf meinem Balkon, wo ich Ideen, Textentwürfe und Gedanken handschriftlich auf zwei Seiten eines A4-Notizheftes festhalte. Zusammen mit dem Vogelgezwitscher, der Sonne und der Luft hilft es mir, etwas Ordnung in mein Gedankenchaos zu bringen, was leider nach wie vor der Normalzustand meines Kopfes nach dem Aufstehen ist.

Danach geht es entweder in mein Arbeitszimmer, wo ich an literarischen Texten und Projekten arbeite, oder ins Wohnzimmer, wo ich, seit dem Auftauchen der Virusmutante, meiner Nebentätigkeit nachgehe und Sprachunterricht oder Nachhilfe im digitalen Raum gebe. Das läuft meistens über big blue button, was sogar den ein oder anderen Vorteil gegenüber Unterricht in persona bietet. Einige Schüler unterrichte ich auch weiter in der kleinen Nachhilfeschule, in der wir dann beide für 90 Minuten mit FFP2-Maske sitzen und vorher einen Schnelltest absolvieren.

Arbeitspausen fülle ich mit Yoga oder Meditation, und versuche einen Feierabend um 19 Uhr einzuhalten, was allerdings noch nicht so gut funktioniert, wie ich es mir wünschen würde.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das hängt sehr von unseren individuellen Bedürfnissen ab, nicht? Die offensichtliche Antwort ist: Zusehen, dass wir die Ausbreitung des Virus so gut wir können eindämmen, und dass wir uns impfen lassen, wenn wir die Möglichkeit haben. Nicht bloß, um uns selbst Long Covid oder Schlimmeres zu ersparen, sondern auch ganz direkt um andere zu schützen und eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern.

Im März 2020 hatte ich einmal den hübschen Gedanken, dass all die Zeit alleine uns als Gesellschaft helfen könnte, mehr in Einklang mit uns Selbst und unseren Bedürfnissen zu kommen. Eine Art stiller Einkehr auf nationaler Ebene. Das war aber natürlich bevor ich mit all den berufstätigen Eltern in meinem Freundeskreis gesprochen habe.

Ich fühle mich als kinderloser Autor, als jemand, dem zwar Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten verloren gehen, immer noch privilegiert gegenüber all den Menschen, die in essentiellen Berufen arbeiten. Also dem medizinischen Personal, das auf Covid-Stationen täglichen Kontakt mit einer Vielzahl von Infizierten hat, bei denen weniger die Frage ist, ob sie sich infizieren werden, als wann. Den Angestellten in Supermärkten, die ihre Arbeit natürlich auch nur mit Kundenkontakt durchführen können, und denen in den Gesundheitsämtern, die die Sisyphusarbeit der Infektionskettenverfolgung  zu leisten haben.

Die Einschnitte für die Kulturszene sind ohne Zweifel hart, aber wir müssen nicht zusehen, wie unser Publikum getrennt von ihren Liebsten in Isolationszimmern verreckt.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Erfahrung der Pandemie, als auch die anschließende Rückkehr zur Normalität (wann auch immer das sein wird, und wie auch immer sie aussehen wird) wird sicher Thema der Literatur sein. Ich weiß nicht, was für mich persönlich der wichtigste Aspekt sein wird. Ich freue mich sehr darauf, wieder mehrfach die Woche in großer Gruppe Kontaktsport machen zu können, aber wie sich das in meinem Schreiben niederschlagen wird, weiß ich nicht. Wird auf die vielen introspektiven, beobachtenden Pandemie-Texte eine Vielzahl von Texten zu ausufernden Clubabenden folgen? Eine Phase der Rückgewöhnung an persönlichen Kontakt im Öffentlichen, und statt Zweifeln an der Sprache ein Zweifeln an Validität und Echtheit des sozialen Miteinanders?

Was ich mir wünschen würde, wäre eine Thematisierung von Verschwörungsmythen aus Sicht der Literatur, da diese so stark von „althergebrachten“ Erzählmustern leben (wenn z.B. QAnon ganz typische Topoi von uralten antisemitischen Verschwörungstheorien, also geheime Eliten, Kindermorde, Bluttrinken, etc…, einfach auf ein neues Feindbild überträgt). Da scheint es mir angemessen, wenn schon literarische Verfahren in dieser Form ausgenutzt werden, aus Sicht der Literatur Stellung dazu zu nehmen und aufzuzeigen, wie solche Methoden der Sinngenerierung funktionieren, und dass sie viel weniger mit der Wirklichkeit als unserem Umgang mit Geschichten über die Welt zu tun haben. Der Erfolg von Dan Brown kommt nicht aus dem Nichts, bedeutet aber in keinster Weise, dass Geheimgesellschaften die Geschicke der Welt lenken.

Was liest Du derzeit?

Oh je, das ist der Teil des Interviews, in dem ich a) durch die Wahl von möglichst unbekannten Texten zeige, wie esoterisch meine Lektüre als Künstler ist, nicht? Oder sollte ich b) mich durch geschickte Wahl von bekannten Autoren und/oder Verlagen einer poetologischen oder theoretischen Richtung zuordnen? Oder c) die Gelegenheit nutzen, Bücher, die meiner Meinung nach ein größeres Publikum erreichen sollten, vorzustellen? Sollte ich versuchen, alle drei Aspekte zu unterlaufen, und einen theoretisch völlig trivialen, redaktionell erstellten und für kurzweiliges Amüsement geschriebenen Text auswählen? Oder jedes analysieren der Frage zurückstellen und das oberste Buch von dem peinlich hohen Stapel auf meinem Nachttisch wählen?

Ich lese zur Zeit, mal mehr, mal weniger intensiv:

Meister Eckehardt, Predigten und Traktate, herausgegeben und übersetzt von Josef Quint.

Außerdem:

Denkzettelareale, junge Lyrik herausgegeben von Aron Koban und Annett Groh, erschienen bei Reinecke und Voß.

Und zuletzt:

Evan Dahm. Island Book, erschienen bei First Second.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Nachdem ich vor kurzem gelesen habe, dass jetzt, wo die Impfungen voranschreiten, eine neue Theorie unter Masken- und Impfgegnern aufgekommen ist, die behauptet, geimpfte würden gefährliche mRNA-Proteine ausatmen, und einige dieser Maskengegner deshalb nun überlegen, eine Maske zu tragen, um sich vor diesen Proteinen zu schützen … scheint mir Robert Anton Wilson der richtige Kandidat:

„You simply cannot invent any conspiracy theory so ridiculous and obviously satirical that some people somewhere don’t already believe it.“

– Robert Anton Wilson, Everything is Under Control.

Tobias Reußwig, Schriftsteller

Vielen Dank für das Interview lieber Tobias, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Tobias Reußwig, Schriftsteller

Tobias Reußwig | Facebook

Fotos_1 Caroline Barth; 2 Ann-Kathrin Güttner.

22.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Der Schwalbenkönig“ Franzobel_ mitreißende Uraufführung des Theaterprivat_1090 Wien_18.6.2021

Freitag, 18.6.2021. Die Europameisterschaft im Fußball ist im vollen Gange. Am Abend spielt England gegen Schottland. Hochspannung im Mutterland des Fußballs und weit darüber hinaus. Am Vortag hat Österreich verloren. Aber wenn Arnautovic gespielt hätte? Wenn der Elfmeter nicht gewesen wäre? Wenn wir…Hinter den abendlich hell erleuchteten Fenstern Wiens diskutieren vermutlich die vielen Fußballteamchefs…

Wohl auch hinter den Fenstern um den Bühnenhof der Canisiuskirche, 1090 im Herzen Wiens, auf dem jetzt die interessierten Blicke von oben auf die sich füllenden Zuschauerplätze fallen. Am Sportplatz pfeifen Regisseurin Alice Mortsch und das Ensemble theaterprivat ihre neueste Inszenierung, die Uraufführung „Der Schwalbenkönig“ von Franzobel, an. Und welch besseren Bühnenort könnte es geben, wenn es um die Seele des Fußballs und all seine Emotionen zwischen Himmel und Hölle in 90 Minuten geht, den heiligen Rasen einer Nation…

In der Aufführung steht ein Nonnenkloster und dessen soziales Engagement im Mittelpunkt. Im Hof des Klosters wird über die Seele des Fußballs gesprochen, über die glänzenden Stars und all die Neuigkeiten auf und abseits des Platzes. Um Abseits, die vielen Aufgaben, die eine Gesellschaft außerhalb ihrer Outlinie offenlässt, geht es auch den Nonnen und ihrer Oberin. Doch das Geld fehlt und was könnte jetzt die jahreszeitliche Sommer-Lösung sein?

Na klar, ein Fußballspiel, ein Benefizfußballspiel – gegen Real Madrid! Ein auf seinen Asylbescheid wartender begeisterter Fußballfan, der wegen vermeintlichem Kirchendiebstahl vom Hausmeister gefasst wird, kommt gleich mit ins Nonnen-Team. Jetzt heißt es für alle trainieren. Vor allem die Philosophie des Fußballs. Also welche? Die eine oder die andere und wieder die andere oder doch die… ? Ein österreichischer Seelenreigen über den Zauber und die Abgründe des runden Leders und einer Gesellschaft in ihrem Jubel und ihrem Abseits in und außerhalb des Rasens beginnt…

Regie und Ensemble verstehen es hervorragend in glänzend gespielten komödiantischen, tragisch-komischen Momentaufnahmen österreichischer (Fußball)Seele das Publikum abzuholen und bis zum pointierten Ende mitzunehmen. Die Darstellung in Sprache, Körper, Ensemblespiel wie Ausdrucksvariation (Wort/Musik/Bewegung) ist mitreißend in Pointe wie hintergründigem Charme. Hervorzuheben ist auch die feine ironische Klinge, die Sehnsüchte wie Unzulänglichkeiten privaten Alltags wie gesellschaftlicher Institution auf den Elfmeterpunkt bringt. Auch die musikalischen Elemente, etwa die mitreißende Interpretation „Es lebe der Sport“, sind Höhepunkte dieses variantenreichen Theaterabends mit Witz und Sinn.

Ein fulminanter Kantersieg von Regie und Ensemble!

Der Schwalbenkönig

Franzobel

Es spielen: David Bosnjakovic, Karin Frank, Gerald Hochegger, Angelika Killmann, Bernhard Kobler, Christoph Sautter, Kerstin Zimmermann

Musik: Fabian Sparlinek, Severin Steiner

Poetry Slam: Alexander Hoffelner

Regie: Alice Mortsch

Premiere 18. Juni 2021 um 20:00 Uhr

weitere Aufführungen:

19. / 21. / 22. / 23. / 24. / 26. / 27. Juni 2021 jeweils um 20:00 Uhr

Sportplatz der Canisiuskirche_Canisiusgasse 12, 1090 Wien

theater privat

Walter Pobaschnig 6_21.

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„Kunst lässt in eine andere Welt abschweifen und eintauchen“ Sandra Bell, Schauspielern_Wien 18.6.2021

Liebe Sandra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich habe versucht, die unfreiwillig gewonnene Zeit so gut wie möglich zu nutzen. Sonst bin ich oft nur zum Schlafen zuhause, das hat sich ja schlagartig geändert, da ist die Gefahr groß, dass einem schnell die Decke auf den Kopf fällt. Ich starte den Tag meistens mit Sport, sei es Yoga, Radfahren oder ein Krafttraining, je nachdem, was der Körper an diesem Tag braucht.

Sandra Bell, Schauspielern, Sängerin

Gegen Mittag starten dann meistens die Zoom- und Skype calls. Da bin ich wirklich dankbar, was mithilfe der Technik möglich ist, dass selbst Gesangs- und Schauspielunterricht, Tanzklassen, Produktionsmeetings oder Leseproben relativ unproblematisch online abgehalten werden können. Danach steht dann meistens noch eine Runde Sport auf dem Plan. Ich nehme mir wirklich jeden Tag bewusst Zeit zum üben und trainieren, um in bestmöglicher Form zu sein, wenn wir dann endlich wieder auf die Bühne dürfen. 

Sandra Bell, Schauspielern, Sängerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir waren jetzt sehr lange gezwungen, uns mehr mit uns selber auseinanderzusetzen als wir es gewohnt waren… ich habe oft das Gefühl, dass viele in dieser Zeit ein wenig den Blick auf Andere verloren haben. Das ist ganz wichtig, dass wir da wieder mehr Gespür entwickeln und Augen und Ohren offen halten, wie es anderen geht und ob jemand vielleicht Hilfe braucht.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, der Musik, der Kunst an sich zu?

Kunst in jeglicher Form hat es schon immer verstanden, Menschen zum Denken anzuregen, sowohl kritische Gedanken zu behandelten Themen, als auch Gedanken, die einen für eine kurze Zeit in eine andere Welt abschweifen und eintauchen lassen. Beides ist gerade dringend nötig.

Was liest Du derzeit?

 Ich lese gerade die Sherlock Holmes Romane von Arthur Conan Doyle

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„What you do makes a difference, and you have to decide what kind of difference you want to make”

—Jane Goodall

Sandra Bell, Schauspielern, Sängerin

Vielen Dank für das Interview liebe Sandra, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Sandra Bell, Schauspielern, Sängerin

Sandra Bell » Musicaldarstellerin / Schauspielerin (sandra-bell.com)

Alle Fotos _Walter Pobaschnig _ Hotel Regina Wien _ 6_21

15.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Und wie geht das überhaupt mit den Menschen?“ Lara Körte, Schauspielerin, Zürich 18.6.2021

Liebe Lara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich würde gerne schreiben, dass ich um sechs Uhr aufstehe und dieser Pandemiezeit mit fester Struktur trotze, aber das hat bei mir noch nie funktioniert. Ohne Inspiration geht bei mir gar nichts und darum geht dann manchmal auch gar nichts. Und ich brauche ewig, um allein diese fünf Fragen zu beantworten. Glücklicherweise kann ich immer wieder mit dem Maison_du_Futur zusammenarbeiten. Ein Verein, der sich gegründet hat, um Kultur auch in Pandemiezeiten möglich zu machen. Ich bereite dann beispielsweise Lesungen vor und interviewe die Autorinnen.

Zuschauer*innen stehen mit Kopfhörern im Freien und können uns Lesende durch ein Fenster sehen und hören. Auch sonst mache ich live Lesungen, lese in Literatursendungen im Radio und Fernsehen. Es ist auf jeden Fall ein Glück, als freie Schauspielerin in dieser Zeit arbeiten zu können und es hilft sehr, sich wieder mit Energie aufzuladen.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die letzten 15 Monate habe ich wie eine Art Realitätsverlust erlebt. Ein wichtiges Instrument meiner Arbeit besteht aus Menschenbeobachtung, Erforschung menschlicher Verhaltensweisen, Zusammenhänge, Kommunikation. Genau diese Dinge lagen brach – und für mich ist es nun wichtig, diese Realität zurückzuerobern. Mich wieder an Menschen zu gewöhnen. Wie geht es den Menschen und wie geht das überhaupt mit den Menschen? Was will ich von ihnen und sie von mir? Wie geht Gesellschaft? Das hat mich vorher auch schon beschäftigt – aber weil das Miteinander, vor lauter sich aus dem Weg gehen müssen, keine Selbstverständlichkeit mehr hat, stellen sich mir diese Fragen wieder neu. Ich muss mich also erst einmal resozialisieren.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich merke, die Leute wollen Trost, Spaß, Freude, Wellness und nicht mit etwas konfrontiert werden, was sie zu sehr angreift. Ich schließe mich da selbst mit ein, aber ich hoffe, dass wir bald wieder eine dickere Haut und Selbstbewusstsein entwickeln, um kraftvoll, unbequem, kritisch gestalten und in Frage stellen zu können. Aber eben, erst einmal müssen wir uns alle entspannen und wieder neugierig und offen werden.

Was liest Du derzeit?

“Nichts tun“ von Jenny Odell

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Und drei große Erregungen rollten über ihn hinweg: Verstehen; eine unermessliche Menschenliebe; und schließlich ein ununterdrückbares, köstliches Entzücken; als ob in seinem Gehirn, durch fremde Hand, Schnüre gezogen, Fensterläden bewegt würden, und er, der nichts damit zu tun hatte, stünde doch am Eingang endloser Avenuen, die er, wenn er sich entschloss, entlangwandern könnte…

Virginia Woolf, Mrs Dalloway

Vielen Dank für das Interview liebe Lara, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Lara Körte, Schauspielerin

www.larakoerte.net

Foto_Janine Guldener

20.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Lonely Ballads Eins+Zwei“ Mitreißende Uraufführung Aktionstheater Ensemble _ Werk X, Wien – 16.6.2021

Da ist der leere Raum. Und da ist der Mensch. Ein Mensch. Immer nur ein Mensch. Kein Mit- nur ein Nebeneinander…

Und da ist die Musik, die Bewegung, das Wort. An das DU. Das Verlorene. Hinter der Wand. An die Menschen. Die Verlorenen. Hinter der Wand. Da und dort….

An die Liebe, an die Kindheit, an die Gegenwart. An das Vergessen. werden. Vergessen geworden sein...

Und die Wut. Über das Erdrückende. Jetzt und von Anfang an...

Und wo war das nun? Der Punkt – als sich das Leben drehte? Wer hat verloren? Ich mich? Du dich? Oder wir uns?…

Immer wieder geht der Tag, der Mensch verloren. Da und dort. Laut oder leise. Jetzt bleibt das Ringen. Mit der Leere. Das einsame. 1, 2, 3, 4 – hallo! Ich bin noch hier! Sehnsucht, Lust, Verzweiflung, Macht, Unverständnis…das Ringlspiel des Lebens….

Lass mich erzählen. Wie es ist. Lass mich erzählen. Immer weiter. Ich will ein Mensch sein auf meine Art. Lass mich reden…

Lass mich. Meine Geschichte. Meine Ballade. …

Es bleibt die Musik. Bis zum Schluss…

1, 2, 3 und Leben 4 und dann sind wir nicht mehr hier. Lonely Ballads…

Die Uraufführung „Lonely Ballads Eins + Zwei“ des Aktionstheater Ensembles im Werk X Wien, 1120 trifft punktgenau in das zerrissene, blutende Herz von Mensch und Zeit.

In einzigartiger dramatischer Wucht und Hintergründigkeit setzen das hervorragende Aktionstheater Ensemble Team mit dem genialen Regie-Dramaturgie Duo Martin Gruber und Martin Ojster, den hervorragenden Ausnahmeschauspieler*innen Isabella Jeschke, Thomas Kolle, Benjamin Vanyek, Tamara Stern und der großartigen Musik mit und von Kristian Musser, Nadine Abado, Andreas Dauböck, Simon Gramberger, Joachim Rigler, Simon Scharinger Pfeil um Pfeil aus dem brodelnden Seelenköcher des alltäglichen Scheitern des Menschseins auf die Bühne. Und diese brennt, und wie!

Inszenierung und Darstellung entlarven in einer unglaublichen Intensität von Sprach- und Körperspiel einen melancholischen Narzissmus als gesellschaftliche Mitte der Zeit, dessen dunkler wie gefährlicher Grund Angst und Einsamkeit ist. Die erfahrenen Todesarten persönlicher Kränkung in Biographie und Beziehung werden zu Keimzellen der vielen gesellschaftlichen Todesarten von Verachtung und Gewalt. Man stirbt an dem, was einem angetan wird und in diesem Sterben wird es anderen angetan. Der Ausgangspunkt erfahrener Lebensfeindlichkeit wird zum Wiederholungszwang, der nicht zu brechen ist. Oder doch?

Ganz außergewöhnlich funktioniert auch der dramaturgische Transfer von Bühne und Publikum. Die Darstellung exemplarischer Lebenswelt zündet von Anfang an und lässt bis zum Finale nicht los. Das Publikum ist sofort mittendrin in Lachen wie betroffener Stille.

Genial sind alle exemplarischen Lebensbeispiele, die in einem furiosen schauspielerischen Crescendo – vom Beamerkauf mit Schwangerschaftsfolge, dem Küchennazi in der Pfanne, der „Tschuldigung“ Karottentorte im Wiener Cafè oder dem Buam und dessen lebenslanges im Kreisfahren zwischen Bim und Familie – welches die Publikumsaufmerksamkeit in Lachen wie Stille mitreißend zünden lässt. Was die Ausnahmeschauspieler*innen Isabella Jeschke, Thomas Kolle, Tamara Stern und Benjamin Vanyek hier an bitter melancholisch-narzisstischen Erfahrungsstriptease bieten, ist einfach Klasse und ein Geschenk an Publikum und das Theater an sich. Im atemberaubenden Tempo wird hier eine Soloperformance gesetzt, die Sprache und Körper gleichsam immer wieder explodieren lässt. Zu bewundern ist dabei auch die darstellerische Konzentration und Kondition bei sengender Hitze im Bühnenraum. Zweifellos gehört dies zum Besten was auf den Gegenwartsbühnen zu sehen ist.

Der Mut und das Vertrauen von Regie, Dramaturgie wie Ensemble wird mit intensiver Publikumsaufmerksamkeit begeistert belohnt.

Sensationell ist auch wie im individuellen Setting gesellschaftliche Themen geöffnet und verdichtet werden. Etwa die historische Unkenntnis in unqualifizierten Vergleichen in Covid-Zeiten – Anne Frank-Covid Isolation – als gefährliche Angst-Melange der Zeit. Oder die Stellung von Kunst und Gesellschaft, wenn Isabella Jeschke über das Leben als Künstlerin in Covid-Zeiten mitreißend pointiert wie gesellschaftlich entlarvend erzählt. Ob Kaufhaus, Küche, Cafè oder Straßenbahn, es geht immer um Mensch und Gesellschaft und das unter Tränen des Lachens und Weinens.

Ebenso ist das Musik-Ensemble hervorragend. Die Songs sind mitreißend ausdrucksstark und wie hier in Wechsel, Dialog und dramatischem Spannungsaufbau mit Wort und Spiel interagiert wird, ist Sonderklasse.

Das Theaterkonzept Martin Grubers ist einzigartig. Über den Menschen in solch schonungsloser Offenheit zu erzählen, in Sprache und Körper, diese Intensität braucht auch etwas, um die Wucht des Ausdruckes aufzufangen, zu begleiten. Es braucht die Musik, wenn das alltägliche Grauen in solcher Dramatik spielerisch benannt wird, sonst würde es Bühne und Publikum zerreißen.

Die Musik trägt in dieser stellvertretenden Reise in die Abgründe des Lebens. Das Bühnenlicht geht an und geht aus. Doch bei Martin Gruber ist Analyse zugleich immer Utopie. Das Wort des Menschen ist vor Einsamkeit laut oder stumm schreiend in den vier Wänden. Aber da ist auch ein Leiserwerden, eine Stille. Und hier ist Aufmerksamkeit, hinsehen und hinhören eine Chance. Da lebt auch eine ganz kräftige Utopie für Mensch und Leben. In und aus der Einsamkeit. Ein Tag wird kommen? Und Musik weiß hier vielleicht am Besten Impulse zu geben. Laut und leise in der Einsamkeit.

Herzlichen Dank Martin Gruber und Aktionstheater Ensemble für dieses geniale mitreißende Spiegelkabinett von Mensch und Zeit!

LONELY BALLADS EINS + ZWEI

Uraufführung von Martin Gruber und aktionstheater ensemble in Koproduktion mit Kulturservice der Landeshauptstadt Bregenz im Rahmen des internationalen Festivals Bregenzer Frühling in Kooperation mit WERK X

Konzept, Regie, Choreografie: Martin Gruber | Text: Martin Gruber, aktionstheater ensemble | Dramaturgie: Martin Ojster | Musikalische Leitung: Kristian Musser, Nadine Abado, Andreas Dauböck | Bühne, Kostüme: Valerie Lutz | Video: Maximilian Traxl | Regieassistenz: Pia Nives Welser | Mitarbeit: Felix Dietlinger, Hacer Göcen Mit: Isabella Jeschke, Thomas Kolle, Tamara Stern, Benjamin Vanyek und Nadine Abado, andreas Dauböck, Simon Gramberger, Kristian Musser, Joachim Rigler, Simon ScharingerDauer: 2h 30min, inklusive 15min Pause

Premiere_ Mi 16. Juni 2021, 19.30 Uhr, Uraufführung.

Weitere Termine: Do 17. Juni 2021, 19.30 Uhr, Fr 18. Juni 2021, 19.30 Uhr, So 20. Juni 2021, 19.30 Uhr, Mo 21. Juni 2021, 19.30 Uhr, Mo 21. Juni 2021, 19.30 Uhr

Szenische Fotos_Gerhard Breitwieser.

Schlussapplaus Fotos_Walter Pobaschnig.

Walter Pobaschnig 17.6.2021

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„Literatur ermöglicht fremde Erfahrungen“ Lukas Maisel _ Schriftsteller_Zürich 17.6.2021

Lieber Lukas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufstehen, Duschen, Schreiben. Später Tacos essen an der Donau. Und noch später zuhause Nusrat Fateh Ali Khan hören, einen pakistanischen Qawwali-Sänger.

Lukas Maisel _Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht den Verstand zu verlieren, das bedeutet: nicht in einfache Erklärungen zu flüchten, auch wenn sie auf den ersten Blick so verlockend erscheinen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Einen Aufbruch sehe ich nicht kommen. Der Literatur kommt dieselbe Rolle zu wie vor der Pandemie: Fremde Erfahrungen zu ermöglichen. Darum wird auch niemand einen Corona-Roman lesen wollen: Wir alle haben diese Erfahrung gemacht.

Was liest Du derzeit?

“As I Lay Dying” von Faulkner, “For Whom The Bell Tolls” von Hemingway und “Die Verwirrungen des Zöglings Törleß” von Robert Musil.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Dietmar Dath zitiert in „Niegeschichte“ den 1977 in der DDR erschienenen Roman „Die ersten Zeitreisen“ von Reinhard Heinrich und Erik Simon: „Die Phantastik ist heute ausgestorben, war aber an der Wende vom zweiten zum dritten Jahrtausend von grosser Bedeutung und schuf die Grundlagen für die Entstehung der Symbolliteratur, die solch wahrhaft unsterbliche Werke hervorbrachte wie die des Anton Kornelius – des grössten Poeten des vierundzwanzigsten Jahrhunderts -: ‚Rotkäppchen und der Wolf‘ und ‚Dornröschen‘.“ Ich frage mich, welche seltsamen Fehler sich im Rückblick auf unsere Zeit einst einschleichen werden.

Vielen Dank für das Interview lieber Lukas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Lukas Maisel _Schriftsteller

Lukas Maisel | Autor

Foto_Walter Pobaschnig _ Hotel Royal _ Wien 11.6.2021

11.6.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ich hätte viel lieber die echte Aufregung vor Ort gehabt“ Leander Steinkopf, Schriftsteller_ Bachmannpreisteilnehmer 2021 _ München 17.6.2021

Lieber Leander, herzliche Gratulation zur Teilnahme am Bachmannpreis!

Wo lebst Du und wie war Dein Weg zum Schreiben und als Schriftstellerin bisher?

Literarisch geschrieben habe ich schon immer, anfangs schlecht, später besser, dazu gestanden habe ich lange nicht, mich stattdessen auf eine Identität als Wissenschaftler oder Journalist konzentriert. Ich habe keine Schreibschule absolviert und keinen der einschlägigen Literaturkurse, so habe ich mich erst mit der Veröffentlichung meines ersten Buchs, der Erzählung „Stadt der Feen und Wünsche“, als Schriftsteller begriffen. Seitdem gibt es viel auf und ab, hin und her, aber mittlerweile habe ich ein Verständnis davon, was man erwarten kann und was man befürchten muss.

Leander Steinkopf, Schriftsteller_Bachmannpreisteilnehmer 2021

Wie kam es zu Deiner Teilnahme am Bachmannpreis 2021 und wie gehst Du jetzt innerlich darauf zu?

Mir fehlte und fehlt der Verlag für meine Belletristik, da sah ich den Bachmann-Wettbewerb als Gelegenheit vielleicht Verbindungen zu knüpfen. Außerdem hatte ich eine passende Erzählung, die zum Vorlesen vor Publikum taugt. Ich stellte mir vor, wie ich von meinem Text aufschaue und in lachende Gesichter blicke. Dazu kommt es nun leider nicht.

Es ist eine komische Situation die Lesung längst aufgenommen zu haben und dann doch live zu einem Wettbewerb anzutreten. Es ist eine sehr ungewöhnliche, unnatürliche Anspannung. Ich hätte viel lieber die echte Aufregung vor Ort gehabt.

Was war Dir bei Deiner aufgezeichneten Lesung wichtig und wie bereitest Du Dich jetzt auf die digitalen Literaturtage vor?

Mir fällt es oft schwer bei Lesungen zuzuhören, meine Gedanken wandern, etwas lenkt mich ab. Deshalb bemühe ich mich darum nicht monoton zu lesen. Außerdem würde ich nie einen Text vorlesen, der nicht das Potential hat für eine halbe Stunde zu unterhalten.

Meine Vorbereitungen bestehen darin das zugeschickte Equipment anzuschließen. Sonst bleibt mir nicht viel zu tun, für dieses Dabeisein ohne Anwesenheit.

Wie gehst du mit Anspannung um?

Schlecht.

Ich bitte Dich noch um ein Bachmannpreis-Achrostikon:

Bei aller Chance hat man allerdings nicht nur positive Reaktionen. Egal, ist so.

Herzlichen Dank für das Gespräch, lieber Leander, alles Gute und viel Freude und Erfolg für den Bachmannpreis!

Bachmannpreis 2021_teilnehmende Schriftsteller*innen im Gespräch:

Leander Steinkopf, Schriftsteller_Bachmannpreisteilnehmer 2021

Leander Steinkopf (D) – Bachmannpreis (orf.at)

Foto_Jeannette Steinkopf.

Interview_online_Walter Pobaschnig _ 6_2021.

https://literaturoutdoors.com

Infos Bachmannpreis 2021_ Bachmannpreis (orf.at)