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Fotografie, Literatur, Theater, Film, Kunst. Mail: walter.pobaschnig8@gmail.com

John Howe, Reise durch Mittelerde – Illustrationen von Beutelsend bis Mordor. Klett-Cotta Verlag.

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John Howe, Reise durch Mittelerde – Illustrationen von Beutelsend bis Mordor. Klett-Cotta Verlag.

Der 1957 geborene kanadische Grafiker legt mit Reise nach Mittelerde eine wunderbare visuelle Reise zum fantastischen Erzählkosmos des Jahrhundertautors  J.R.R.Tolkien wie auch zur Filmreihe Der Herr der Ringe/Der Hobbit vor. Es ist ein Eintauchen und intensives Umgebensein mit Erzählfiguren, Orten und Ereignissen von Büchern und Film, die eine große Ansprache austrahlen und so für Fans wie Interessierte eine Augenweide und Freude sind.

John Howe, der bei den Verfilmungen von „Der Herr der Ringe“ (2001 – 2003) wie „Der Hobbit“ (2012 – 2014) mitgearbeitet hat und für zahlreiche Entwurfsideen verantwortlich zeichnet, ist einer der wesentlichen Künstler, die sich über Jahrzehnte mit dem umfangreichen Erzählkosmus von J.R.R.Tolkien beschäftigt haben und dabei immer wieder neue Erfahrungen, Entdeckungen und visuelle Umsetzungsmöglichkeiten finden. Es ist eine ganz enge Verbindung von erzählerischen Werk und künstlerischer Inspiration in den Zeichnungen zu sehen und zu spüren. Die Bilder von John Howe, größtenteils in reduziertem Schwarzweiß gehalten, lassen, ganz im Sinne des Buchtitels, nach Mittelerde reisen  und dabei Begegnungen erleben, die ganz zart und still und damit umso direkter und intensiver sprechen und ansprechen.

Es ist ein weiteres Meisterwerk des Künstlers John Howe, der schon ein Teil der Tolkien Welt geworden ist und sich in dieser mit dem Anspruch der Umsetzung von Detailgenauigkeit der Erzählung wie grafischer Annährung in Abbildung des Wortes wie Inspiration desselben in bewunderswerter Ernsthaftigkeit wie Leichtigkeit bewegt.

„Eine gleichsam künstlerische Pauschalreise in Wort und Bild, die alles bietet was an Traum und Erwartung bei Fans und Interessierten da ist.“

 

Walter Pobaschnig, Wien 10_2019

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„Das Leben und die Kunst sollten keine Bühne sein. Es geht um Existenz und Erkenntnis – um Wahrheit“ Bella Pretiosa, Künstlerin. Station bei Bachmann_10.10.2019.

Tiefgründigkeit und Ehrlichkeit sind für mich ganz wesentliche Bedeutungsträger der Kunst. Steine, eine Baustelle sind ein wunderbares Beispiel dafür. 

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Das Leben und die Kunst sollten keine Bühne sein. Es geht immer um das wahre Selbst. Das wird meist versteckt. Es geht um Existenz und Erkenntnis.

 

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Kunst soll immer etwas Dauerndes haben. Ein Morgen muss immer am Horizont der Kunst sein.

 

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Das Malen ist ein wesentlicher Teil meiner Seele.

 

„Explosionen einer ungerechten Freiheit“_Bella Pretiosa

Explosionen einer ungerechten Freiheit _ Bella Pretiosa

 

Es war immer ein Drang zu malen da. Ich musste malen. Seit ich einen Pinsel/Stift halten konnte, male ich. Es dürfte wohl auch in meinen Genen liegen, wenn man sich das anmaßen darf (Otto Prossinger ist mein Großonkel und Hans Markart mein Urgroßonkel).

Ich habe sehr spät von dieser künstlerischen Familiengeschichte erfahren. Mit 19 Jahren. Meine Großmutter war dann auch eine treibende Kraft für meine Kunst. Mach`, sagte sie.

 

          „Die Besinnung des Geschehenen und die Ironie der Rückkehr“ _ Bella Pretiosa

Die Besinnung des Geschehenen und die Ironie der Rückkehr

 

Die Musik spielt eine große Rolle als Inspiration. Besonders Richard Wagner. Etwa  Tristan und Isolde. Bach höre ich auch gerne.

Da mein Malprozess ein intensiver ist, sind längere Musikstücke ideal. Impulsiv, aussagekräftig, emotional – diese Musikstücke schätze ich.

                                   

                                          Die Dissoziation _ Bella Pretiosa

 

Die Dissoziation

 

Die Farben in meinen Werken sind immer sehr intensiv, sehr kräftig. Meistens Rot und Blau. Diese Farben sind schon zu so etwas wie meinem Markenzeichen geworden. Ich klatsche diese sehr dick auf die Wand.

Ich male in Öl, manchmal kommen Strukturstoffe dazu. Manchmal auch Blattgold. Kein Plastik.

Ingeborg Bachmann. Ihr Leben hat mich inspiriert. Ihr Weg, ihr Kampf, das Erlebte.  Sie hat mich sowohl als Künstlerin wie als Frau inspiriert. Sehr sogar.

Ihr bewegtes Leben, geprägt durch Widerstand und Kampf. Das „Ich will“ war zentrale Mitte. Ich habe großen Respekt vor ihr. Überhaupt für Ihren Weg in Ihrer Zeit.

Als Frau etwas zu schaffen in einer dominierenden  Männerwelt, da war Ingeborg Bachmann ein Vorbild. Stark zu sein, ein Selbst zu sein, sich etwas zu trauen.

 

  „Des Teufels Paradies“ – Bella Pretiosa

 

Des Teufels Paradies _ Bella Pretiosa

 

Das Leben besteht aus Lernen. Dies betrifft auch wesentlich die Kunst. Wir werden immer lernen.

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Es gibt immer Neues zu entdecken.

 

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Kunst hat viel mit Respekt zu tun. In der Innen- und Außenwelt.

 

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Steine, Bausteine sind ein großartiges Symbol für den Weg der Kunst. Im Aufbau wie Abbruch. Immer kann daraus etwas entstehen. Etwas gemacht werden. Es sind Möglichkeiten. Es ist Freude wie Herausforderung im Prozess wie im Geschaffenen.

 

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Kunst ist ein Element des Ursprunges von uns Menschen. Es geht dabei um Rhythmus, um Takt.

 

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Kunst ist mit Gehen, Wandern, Laufen, Spazieren vergleichbar. Du gehst los bis Du ankommst.

 

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Station bei Bachmann_10.10.2019, Wien „Ungargassenland“

Bella Pretiosa, Artist.

https://www.bellapretiosa-art.net/

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Alle Fotos_Porträt_Walter Pobaschnig

Alle Bilder_Bella Pretiosa

 

 

 

 

„Zerrissenheit und die Suche nach Anerkennung – Alma Mahler fasst den Menschen der Gegenwart an seiner Seele“ Lola Lindenbaum, Artist. Station bei Franz Werfel, 10.10.2019.

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Alma Mahler ist ein Inbegriff von Lebendigkeit. Es gab keinen Stillstand. In Kunst, Leben, und Liebe.

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Hier im Haus begegnete Sie dem jungen Schriftsteller Franz Werfel. Sie war immer Muse und Motivatorin und hat essentiell dazu beigetragen, dass Ihre Männer so schöpferisch waren.

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Es war auch ein Spiel der Nähe und Unerreichbarkeit. Alma beherrschte das. Da war viel Demütigung gegenüber den Männern. Aber als feministischer wie künstlerischer Anspruch.

Sie wollte alles haben. Und sie hat viel von dem bekommen, was sie wollte.

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In meinen Collagen sind Frauenfiguren an sich inspirierend. Das sind literarische Figuren wie Anna Karenina oder Madame Bovary und eben ganz wesentlich Alma Mahler.

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Ein direkt von Alma-inspiriertes Bild aus 2011 ist „Zug gen Orpheus“: Fülle, pralles Leben, New York, Venedig, Perlen….und nichts mehr am Zettel, was zu erledigen wäre, wenn der Zug gen Orpheus fährt…

 

Zug gen Orpheus_2011

 

Ebenso Alma-Fülle/Exzess/Glamour/Überschwang/Lebendigkeit (Bild_Liebe im rechten Winkel _im Übergang zw.Groupius/Kokoschka/Werfel

 

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Im künstlerischen Prozess meiner Collagen geht es immer um Fülle und Idee. Metaphorisch gesehen dem Leben Alma Mahlers nicht unähnlich.

 

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Von Alma ist auch viel in meinen Installationen zu spüren/sehen.

„Alma was here. And she forgot her cape“

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Persönlichkeiten waren ihr wichtig in ihrer Umgebung. Kunst wie Politik bestimmten Ihre Abendgesellschaften. Sie war eine eloquente Gastgeberin. Wusste über alle Facetten des Lebens Bescheid und testete die Grenzen in allem.

 

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In ihren Partnerschaften ist auch ein großer Wachstumsimpuls zu spüren. Erweiterung des Ich. Wohl auch motiviert in der Suche nach Anerkennung – seht mich, hier bin ich.

 

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Die Persönlichkeit Almas ist sehr faszinierend und durchaus auch als kritisches Symbol über „die Zeiten hinweg“ zu sehen – Ambivalenz, Zerrissenheit und die Suche nach Anerkennung – Alma Mahler fasst auch den Menschen der Gegenwart an seiner Seele.

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Das sprachliche, poetische Talent hat sie an Werfel von Anbeginn fasziniert. Er konnte schrieben, sie schätzte das nicht nur, sie liebte es. Sie war alles für ihn bis zu seinem Tod.

 

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Auch ich liebe das Spiel mit Worten. Lyrik lässt sehr viel Offenheit zu, in alle Richtungen. Ich schätze diese Freiheit sehr. Der Leser ist dabei gestaltend für sich selbst.

 

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Lola Lindenbaum _ Artist   http://www.lolalindenbaum.com

Alma Mahler _ Station bei Franz Werfel.

Fotos_Wohnsitz des Schriftstellers Franz Werfel in Wien_während des Sommers 1918.

Alle Collagen _ Lola Lindenbaum

Alle Fotos_Walter Pobaschnig.

 

 

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„Peter Grant – Ein Leben für Led Zeppelin“ Die Geschichte des größten Rockmanagers aller Zeiten, Mark Blake. Hannibal Verlag.

 

„Peter Grant – Ein Leben für Led Zeppelin“ Die Geschichte des größten Rockmanagers aller Zeiten, Mark Blake. Hannibal Verlag.

Da war immer viel Geheimnis um Led Zeppelin. Einer der Kultbands der 1970/80er Jahre, die neue Maßstäbe in der Musik und deren modernen Möglichkeiten von Ausdruck, Intensität und Inszenierung setzte. Und da war auch immer viel Geheimnis um ihren Manager Peter Grant, der das bombastische Band-Flagschiff des Rock´n´Roll durch ausverkaufte Stadien, spektakuläre Videoinszenierungen und gigantisches Fan- und Medieninteresse manövrierte. Und Grant war so etwas wie ein Kapitän am Steuer in die schier unendlichen Welten des Rock`n`Roll…

Peter Grant wurde 1935 in Surrey, England geboren. Er war das einzige Kind seiner alleinerziehenden Mutter. Über seinen Vater ist nichts bekannt. Grant wollte zeitlebens nie darüber sprechen. Seine Schulzeit fiel in den Krieg und Mutter und Kind zogen mehrmals um. Es war eine harte Zeit immer neu beginnen zu müssen. Schon in seiner Jugend faszinierte ihn Kunst und Theater und so suchte er Jobs in verschiedenen Varieties und Bühnen. Dann kamen die Jahre im Militärdienst. Schließlich die Rückkehr zum Theater und dem aufstrebenden Rock`n`Roll. Jetzt öffneten sich Türen und Grant stand genau da. Im wahrsten Sinne des Wortes und auch im sinnbildlichen. Er war da wo sich Türen öffneten – bei und in den neuen Möglichkeiten von Musik und Business. Und er wusste diese selbstbewusst zu nutzen. Jetzt begann eine Reise, die auch er selbst nicht für möglich gehalten hatte und es ging weiter und weiter…

Mark Blake, langjähriges Mastermind des Rockmagazins Q, legt mit seiner Biografie über den Led Zeppelin Manager Peter Grant eine rasante wie spannende Reise in das Lebensgefühl der 1950-80er Jahre und der tragenden Rolle von Musik darin vor. Es ist ein Einblick in Träume und Ziele einer Generation und die innersten Bereiche des Rock`n`Roll und dessen Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und Herausforderungen. Und auch in das intensive Leben auf und abseits der Bühne.

 

„Eine Biographie als schillernder wie wesentlicher Mosaikstein der Geschichte des Rock`n`Roll“

 

Walter Pobaschnig 10_19

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Wasted, Kate Tempest. Fulminanter Theaterabend des Kollektivs Morosis im Werk X Petersplatz, 1010 Wien. 5.10.2019.

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Überall Worte, Zeichen und Bilder am kalten Beton. Gemalt, geritzt, gesprayt. Hinter dem Vorhang die Umrisse von Charlotte, Ted und Danny. Seit den Jugendtagen sind gute 10 Jahre vergangen. Für Danny ging alles viel zu schnell. Für Ted waren es zehn lange Jahre. Charlotte will raus, aus allem hier. Über eine Wahrheit, einen festen Grund für Leben und Liebe können sie nicht erzählen. Da sind sie sich einig. Nur der Tod des Freundes am Ende der Jugend ist so ein Fixpunkt, um den sich auch jetzt alles dreht…

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Der Blick zurück im Spiegel. Dem der Rahmen in der Gegenwart fehlt. Wie die Richtungen, die sich im Kopf voller Fragen drehen wie ein Karussell. Aber jetzt eine Party. Und im Zusammenkommen gibt es viel von Zukunftsplänen zu erzählen. Aber hatten wir das nicht schon mal? Was bewegt sich hier wirklich? Wird Charlotte in den Flieger nach Laos steigen? Ein neues Leben beginnen und nicht mehr ins Klassenzimmer zurückkehren? Alles dreht sich jetzt mit der Musik. Doch wo werden sie am Morgen sein?…

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Vor ausverkauftem Haus im Theater Werk X Petersplatz, 1010 Wien trifft das Morosis Kollektiv mit seiner Inszenierung des Stückes „Wasted“ (Uraufführung 2011 Birmingham) der preisgekrönten britischen Autorin und Sängern Kate Tempest in das Herz der Lebensfragen der Gegenwart. Die Bühne wird zum beeindruckenden Schauplatz des Dramas einer Generation, die ständig im Aufbruch ist, sein muss, ohne anzukommen. Dieser Lebensprozess kostet Kraft und lässt Frustration und Niedergeschlagenheit im ständigen Dialog und Kampf mit Idee und Hoffnung sein. Die Gespräche unter Freunden werden dabei zu gutgelaunten zukunftsorientierten Präsentationsflächen, die im Alleinsein aber im Boden verschwinden lassen. Lebensträume reduzieren sich auf die Faktizität ihres Scheiterns. Immer weniger bleibt davon und das Arrangement mit den Möglichkeiten in Beruf wie Liebe ersetzt das Ideal. Der Aufbruch bleibt immer mehr ein rückwärtsgewandeter. Ein gespielter. Es geht weiter. Mit uns. Aber was bleibt von uns wirklich am Weg?

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Die existentielle Mitte der dramatischen Aussage von Wasted wird vom Theaterkollektiv in variantenreichem Spiel ausgezeichnet umgesetzt. Es ist ein sehr körperliches Theater, das den Text unmittelbar in ganzheitlicher Ansprache zu setzen weiß. Die Szene etwa des körperlich ineinander Knotens, Festhaltens und Weiterbewegens als Generationen-Sinnbild von Hoffnung und Angst ist ein grandioses Highlight der Ausdruckskraft modernen Theaters. Morosis stellt sich auch der Herausforderung von Musik und Wort und beherrscht diesen Tempowechsel souverän. Die Akzente der Musiksequenzen wie der gelungene Kostümwechsel tragen die Aussage und heben das Spiel zu Sinnbildern, in denen das Publikum sich über Generationen hinweg wiederfinden kann. Das Stück greift in seiner Ansprache in Spiel und Bühnenbild sehr gut und vermag anzusprechen und zu begeistern.

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Ein Theaterabend, der ein fulminanter Spiegel der Zeit ist.

 

Walter Pobaschnig 10_19

Alle Fotos_Walter Pobaschnig

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WASTED von Kate Tempest

Deutsch von Judith Holofernes

 

Inszenierung: MOROSIS Kollektiv

– Mit: Anna-Sophie Fritz, Nikolaij Janocha, Onur Çağdaş Şahan

– Bühne: Simon Schabert

– Kostüm: Brigitte Schima

– Musik: YOUCANCALLMEOLIVER

– Dramaturgie: Laura Zielinski

– Regie: Magdalena Suss

 

Weitere Spieltermine:

So 06.10., Mi 09.10., Do 10.10., Fr 11.10.,

Sa 12.10., So 13.10.2019,

jeweils: 20.00 Uhr

Ort: WERK X-Petersplatz, 1010 Wien

 

„Und alles wie aus Pappmachè“ Yannic Han Biao Federer. Roman. Suhrkamp Verlag.

 

„Und alles wie aus Pappmachè“ Yannic Han Biao Federer. Roman. Suhrkamp Verlag.

Es ist das Verschwinden und das Wiedersehen. Im Kopf. Die Bilder der Jugend. Eine Galerie der jungen Meister. Das rasante Leben. Sarah. Jetzt als Model auf allen Plakaten. Er muss immer wieder hinsehen. Auf sie und seine Jugend. Alles fern jetzt und nah…

Und da sind Anna und Bobby in Bonn. Ein Unfall stellte für den Motocross Rennfahrer alles auf den Kopf. Von London nach Deutschland. Anna ist an seiner Seite, jetzt, im neuen Leben. Das dritte Zimmer in ihrer Wohnung ist in Untermiete vergeben. Auch ein Bild für ihre Liebe. Das ist Mascha und Anna. Und Bobby und Anna. Das Zimmer der Nähe. Die offene und die versperrte Tür. Und das Gehen oder Bleiben im Kopf. Das Geschrei im Anblick der nackten Körper. Erwischt. Sich selbst?…

Und dann die Bilder von der Schule natürlich. Frau Wagner. Und Georg und Frank. Zwischen Tafel, Aschenbecher und Schwimmbad. Die Gedanken sind immer irgendwo. Bei Anna, bei den Brüsten von Georgs Mutter, bei Annkathrin zwischen Po und Todesstrafe und natürlich Sarah, die vielleicht jetzt im Bikini vorm Fernseher sitzt…

Und die Welt dreht sich im Kopf. Da und dort. Und alles wie aus Pappmachè

 

Der 3sat Preisträger 2019, Yannic Han Biao Federer, legt mit seinem Debütroman „Und alles wie aus Pappmachè“ eine rasante Zeitreise vor, die das fliehende Herz einer Generation, einer Epoche wie des Menschen an sich im mitreißendem narrativen Verve lebendig macht. Der Autor setzt stilistisch ein interessantes cut up und referiert damit auf eine Welt der Bilder, die assoziativ zum existentiellen Schicksal einer Generation wird, die im unruhigen Blickwechsel nach Selbstvergewisserung sucht. Ein Roman, der über das Erdbeben der Seele einer Generation im außergewöhnlichen Sprachexperiment zu erzählen weiß.

„Ein Roman als mitreißende Galerie junger Meister – das Porträt einer Generation als großer Wurf von Welt und Literatur.“

 

Walter Pobaschnig, Wien, 9_2019

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Foto_Cover Suhrkamp; Bachmannpreis 2019 _ Walter Pobaschnig.

„Ambivalenz ist ein Wesenszug des modernen Menschen.“ Victoria Hauer, Schauspielerin. Porträt_Station bei Bachmann, 20.9.2019

 

Ich bin mit Ingeborg Bachmann schon in frühen Jahren vertraut geworden. Die Einladung zum Interview hat jetzt wieder zu intensiverer Beschäftigung geführt. Das ist sehr spannend.

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Ich denke, Ingeborg Bachmann war eine Suchende, eine mutig und unermüdlich Suchende. Im Leben wie im Schreiben. Da war immer Interesse und Wunsch nach der Welt, nach der Liebe da. Das war sehr direkt und unmittelbar  – aber auch immer in einem umfassenden Sinne. Literarisch wie gesellschaftlich.

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Sie war wohl auch persönlich sehr ambivalent. Sie hatte zwar die Hoffnung und den Glauben an die Liebe, sie hat das nie aufgegeben, aber andererseits war da auch eine Seite, die etwas Zerstörerisches hatte und damit dagegen gewirkt hat.

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Ich merke das auch in der Gegenwart. Ambivalenz ist ein Wesenszug des modernen Menschen.

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Ambivalenz ist wohl letztlich nicht zu begreifen. Es ist wohl einfach zu akzeptieren.

 

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Ingeborg Bachmann hat sich wohl auch jemanden gewünscht, der für Sie da ist und für den Sie auch da sein kann.

 

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Ich bin in Wien aufgewachsen, im Bezirk Josefstadt. Bin aber jetzt gerade umgezogen und mitten in der Wohnungsrenovierung, einer Herausforderung ganz alltäglicher wie umfassender Art.

 

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Wenn mich die Leute fragen, warum ich Schauspielerin geworden bin, sage ich – ich habe das schon immer gewusst, dass ich das machen will.

 

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Ich wollte immer zum Schauspiel, zum Theater, Film. Aber auch die Musik hat mich immer interessiert. Ich singe auch.

 

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Meine Großeltern waren auch am Theater. Meine Großmutter war Tänzerin. Mein Großvater war Schauspieler und Regisseur, er schrieb auch ein eigenes Stück. Ich würde es gern einmal auf die Bühne bringen.

 

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Ich bin die nächste Generation in meiner Familie, die das Schauspiel wieder aufgenommen hat. Aber auch die einzige in dieser. Meine Brüder gehen ganz andere berufliche Wege.

 

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Das Theater, das ist wie eine Stimme in mir – „das machst Du , das ist das wozu Du auch hier bist. Und es wird Dich hoffentlich auch glücklich machen“.

 

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Ich habe jetzt wieder ein Tagebuch als Begleiter für Gedanken und Gefühle. Bin aber zurückhaltend im Schreiben. Vielleicht, weil das Aussprechen oder Niederschreiben von Erlebnissen und Erfahrungen alles wieder so real macht. Es konfrontiert wieder. Das hält mich dann doch manchmal wieder davon ab. Und ich schiebe meine Gedanken und den Stift beiseite.

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Im Beruf als Schauspielerin ist es oft so, dass ein Schritt zurück notwendig ist, um zwei Schritte nach vor zu kommen.

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Sich Zeit nehmen zu schreiben, ist etwas Wunderbares.

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Auf Wünsche zugehen und daran arbeiten wie an ihre Erfüllung glauben, hoffen. Ich denke, ich teile dies auch mit Ingeborg Bachmann.

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Station bei Bachmann_Wien.

Interview_Fotoporträt Victoria Hauer, Schauspielerin, 20.9.2019

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