50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt

im Interview _ Christoph W. Bauer, Schriftsteller _ Innsbruck
Bachmannpreisnominierter 2002
erster Publikumspreisträger des 2002 neueingeführtem Preises
Lieber Christoph, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Dass ich mich nicht sehr wohl gefühlt habe in meiner Haut, nix wie weg, hatte ich mir gedacht. Angespannt war ich und auch überfordert vom Interesse an meiner Person, das beginnt ja alles schon Wochen zuvor mit Video-Drehs etc.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Zunächst einmal der Name Ingeborg Bachmann, und dass Autorinnen und Autoren für kurze Zeit eine Öffentlichkeit erreichen – wie später vielleicht nie mehr.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Die Lesung war der entspannteste Teil, da konnte ich ganz bei mir bleiben, mich auch ein wenig hinter dem Text verstecken. An die Jurydiskussion habe ich kaum Erinnerungen, vielleicht verdränge ich sie auch aus meinem Gedächtnis. Aber das ist alles lange her, ich habe 2002 dort gelesen, damals wurde zum ersten Mal ein Publikumspreis vergeben, ich hatte das Glück, ihn zu bekommen, eine schöne Erinnerung.
Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?
Ich habe damals in Klagenfurt Freundschaften geschlossen, Wegbegleiter gefunden wie Mirko Bonné oder Raphael Urweider.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Gute Literatur und eine Jury, die diese erkennt.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Alles Gute, seid unerschrocken, bleibt heiter!
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Christoph W. Bauer, geb. 1968 in Kolbnitz/Kärnten, lebt als Schriftsteller und Herausgeber in Innsbruck. Zahlreiche Publikationen, zuletzt Lärm. Novelle (Haymon 2026), Trotta und Ich. Pariser Depeschen, Reportagen, Porträts (Haymon 2024), an den hunden erkennst du die zeiten. Gedichte (Haymon 2022) und Niemandskinder. Roman (Haymon 2019); diverse Auszeichnungen und Stipendien u.a. Tiroler Landespreis für Kunst (2015), Outstanding Artist Award (2015), Preis für künstlerisches Schaffen der Stadt Innsbruck (2021), Anton-Wildgans-Preis (2023) und Robert-Musil-Stipendium (2023)
Christoph W. Bauer – Haymon Verlag

Bachmannpreis/ORF Studio Klagenfurt
Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Christoph W. Bauer _ Fotowerk Aichner
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt-Wörthersee_ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 19.6.2026