„Es ist alles, was die Leute seit der Antike lieben“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Sibylle Severus, Schriftstellerin _ Zürich 11.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Sibylle Severus, Schriftstellerin _ Zürich

Bachmannpreisnominierte 1998

Liebe Sibylle, Du hast 1998 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Ich erzähle über meine Erinnerungen – nach der Frage:
Wie ich die Sache erlebt habe.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Es ist das Wesen des Wettbewerbs. Das grandiose Gewinnen und ein erschütterndes, grausames Verlieren. Es ist alles, was die Leute seit der Antike lieben: die eigene und die geteilte Begeisterung, Schadenfreude, Voyeurismus – den Helden zuzusehen beim Häuten der eigenen Person.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Hatte meine Erfahrungen literarisch verarbeitet.
Der Text erschien 2001, im Passauer Pegasus:

IMMER AN DIESEM SEE VOLLER WÖRTER, DAS KLAGEN                    

Das erste Zeichen war der Traum mit dem Schwein.
Ich hielt das Schwein für einen Glücksbringer, ein Schwein, das glühte wie eine vergessene Herd­platte: Wun­dervoll! Dazu die angenehme Kälte im Flug­zeug, statt der lastenden Sommerhitze draußen.

Die Füße in den leichten Sanda­len sind schon vor dem Start eiskalt. Sie werden in Zeitungen verpackt, damit der Kopf nicht ständig an die Füße denkt.
Ich hatte meinen Sitz A, zweite Reihe – contre coeur – dem Journalisten angeboten. Er sagte übellaunig, er habe be­wusst gewählt, er wolle lesen.
Man liest in Flugzeugen!, presst nicht die Stirn an dreckige Fenster. Ich schon. Auch beim hundertsten Flug noch. Bedauerte, links zu sitzen, das Gebirge ist rechts:von Zürich aus.

Das kleine Schwein war in einem leeren Raum auf einer Platte wie festgeschraubt gestanden. Auf einer Fläche, die sich immer mehr erhitzte, die das Tier durchglühte, bis es ganz durchsichtig geworden war. Es zerfiel jedoch nicht. Ich schrie vor Entsetzen im Traum und erwachte. Mit pochen­dem Herz sagte ich mir, ein Schwein bringe Glück, besonders ein erleuchtetes und so weiter –
Einem realistischen Menschen hätte die Summe der Vorzei­chen genügt. Er hätte sich Masern auf die Haut gemalt und wäre still zurück nach Hause gefahren mit dem Liebchen.
Ich war nicht nur von einem Traum gewarnt wor­den, sondern auch von einem Weisen. Allgemeines Abraten stachelt mich an. So kam ich im Lauf der Zeit zu sieben Geschichten, deren Figuren mir nah wie Töchter waren. Jede hatte einen anderen Vater. Männer, die sich nach dem Aufschreiben einfach verliefen. Die Töchter aber wurden nach ihren Vätern benannt. Ottilia Liebchens Vater war ein Otto.

Angekommen in der Stadt, fahre ich an einem walfischgrossen Drachen vorbei, vor dem Georg eine Holzpatsche schwingt. Es fallen mir Puppen und Plüschtiere ein, die in der Kindheit alle mit ins Bett kamen.  Der Lauf der Welt wollte es, dass eines der Spielzeuge jeweils außen liegen musste: ungeschützt den Geistern und Nachtmah­ren ausge­setzt. Ich sagte stets zur äußersten Puppe, mein Liebchen dürfe morgen ganz innen schlafen, zuallerin­nerst! Die Spielzeuge wurden Nacht für Nacht umge­schichtet, absolut gerecht. Auch für die Reise wählte ich jene Tochter, die zu diesem Zeitpunkt an der Reihe war, eine Chance zu bekommen: Ot­tilia mit dem runden Kopf und Augen, deren unteres Lid nach außen abwärts verläuft. Ottilia sieht aus, als hätte sie einen Schlag auf den Kopf bekom­men, sie erinnert an den abnehmenden Mond. Aber das täuscht. Ottilia Liebchen ist nicht dumm!
An dem Wettbewerb unter dem Motto, Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar, nehme ich mit Ottilia teil. Sieben Leute urteilen über die Dar­bie­tungen. Sieben Ka­meras filmen, sie befördern das Spektakel in eine Welt, die Freund wie Feind vor dem Bildschirm vereint.
Ich drehe und wen­de die Ottilia, hebe ihr Röck­chen, lasse sie tänzeln, klappe dreißig Minuten den Mund auf und zu. Dann reden die sieben Leute lange über mein Liebchen. Es entsteht, trotz des Zan­kens und Zausens, eine platte Stille, wie eine bleierne De­cke senkt sie sich herab. Sie ist an seidenen Fäden aufgehängt, die das Ge­wicht aushalten – wenn noch ein gu­tes Wort, ein für Ottilia günstiges, aus den Mün­dern kommen sollte. Nach jedem Satz hoffe ich auf den nächsten, denke: Hut ist weg, Stock ist weg, August, der sitzt im Dreck.
Sehe mich als Kind, das vom Kinderwagen aus, den Bauch eines Pferdes streichelt.
Das Brauereipferd beißt die Mutter in die Schulter.
Noch immer kein günstiger Satz.
Ottilialieb sieht mich in einem Halb­kreises sitzen, inmitten von sieben Rössern, sieht, wie sich Pferde mit Händen in die Mäh­nen greifen, hört sie wiehern; sieht, wie Ober­lippen von Zähnen gezogen werden, beobachte Pferde­ohren, die sich nervös vor- und zurückbewegen. Links wie rechts sehe ich Profile mit je einem braunen Auge, das über mich hin­weg­schaut. Ich weiß, was in den großen Köpfen los ist: Sie mögen mein Liebchen nicht, nein, sie mögen es nicht. Sie verurteilen es, nein, sie ver­urteilen es nicht. Sie den­ken, mein Liebchen sei ein dummes Lieschen. Nein, sie denken nicht ‚dumm’, sie sagen laut – ach, was sagen sie nicht alles … Davon werden sie müde. Köpfe sinken auf stattlichen Hälsen herab, bebende Nüstern erlahmen. Doch ein haarumschäumter Kopf reißt sich noch einmal hoch. Ein gutes Wort? Nein! Er steigert sich, er schnaubt, er beißt… Ich, die schweigt, die jede Ritze dicht macht, die nicht mehr hört, was jemand zu jemand sagt.
An vielen Leuten vor­bei gehe ich aus dem Saal, hinaus in den Park, in dem noch viel mehr Men­schen stehen. Die teilen sich augenblick­lich, kehren mir den Rü­cken, bilden eine Furt.
Ich gehe trocke­nen Fußes hindurch: Unsichtbar, zu Luft geworden, inner­halb einer Stunde.

In der Stadt werden vierzig Grad gemessen oder mehr. Ich klebe am Laken des Ho­telbetts fest. Hitze steigt aus Bo­den, glüht mich weich, verformt mich, nimmt mir die Luft, treibt mich aus dem Zimmer, jagt mich zum See.

Mit dem Liebchen sitze ich am Ufer. Ein Schwan schaukelt herbei, be­trachtet die Denkenden, fließt weg, dunkelgraue Füße im Wasser nach­ziehend. Hinter dem Rü­cken das Aufheulen eines Mo­torrads. Hellgraue Schäumchen schwappen auf und ab.
Schwarze Frau tritt Pedale eines dunkel­blauen Bootes.
Das Brummen einer Propellermaschine, die im Himmel hängt.
Immer an diesem See voller Wörter, das Klagen der I.B.: – da gibt es doch nur lauter Mei­nungen, schneidige Behaup­tungen, Meinungen über Meinungen (-)‘

Ottilialieb folgt Undines Gesang; sie geht tiefer und tiefer ins Wasser, das sich sogleich wieder nahtlos wellt. Das ist etwas ganz gewöhnliches, ja, es ist das Allergewöhnlichste.“  
Mond trödelt am Himmel. Nacht verspricht keine Abkühlung

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deine literarische Öffentlichkeit wie Deinen weiteren persönlichen literarischen Weg, Deinen Schreibstil, ausgewirkt?

Ein ‚Weiser‘ sagte damals: „Wenn du verlierst, bis du eine lange Zeit out!“
Ich brauchte Jahre, um bei Verlagen und Redaktionen erneut Chancen zu bekommen. Meiner persönlichen Art , eine Geschichte zu erzählen, blieb ich treu; die Kunst der Formulierung hat sich mit dem Fortschreiben naturgemäß weiterentwickelt.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Ein hohes Niveau der Texte. Ab und zu ein Genie.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Den Teilnehmer:innen: eine Ritterrüstung, mit  geschlossenem Visier.
Dem Publikum: Weltenöffnende, nie gehörte Texte.
Der Jury:  Der Versuchung, geistesblitzend zu brillieren, zu widerstehen.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Sibylle Severus, 1937 in Oberbayern geboren, lebt in Zürich. „Nauenfahrt“ ist die Fortsetzung ihrer beiden ersten Romane „Zum Mond laufen“ (1981) und „Seiltanz“ (1984).

Die Ich-Erzählerin in ihrem neuen Roman erfährt von einer Frau, deren Biographie erstaunliche Parallelen zu ihrer eigenen Lebensgeschichte aufweist. Geschichten werden erzählt. Imaginierend versetzt sich die Erzählerin in Luise oder Louise, in ein oszillierendes Ich oder Wir. Der spielerische Umgang mit der Fiktion, die Überlistung des Endlichen, die Relativierung der Schwermut durch Witz, aber auch die Magie eindrücklicher Landschaften und die leidenschaftliche Teilnahme an der Welt machen das Buch zu einem Lese-Erlebnis. Einmal mehr gelingen der Autorin eindringliche Bilder und Benennungen für bodenlose Verlorenheit.

Sibylle Severus, Nauenfahrt. Roman. Studienverlag.

ISBN 978-3-7066-2151-9

144 Seiten, broschiert

19,90 €*

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Lenndkanal_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 9.6.2026

https://literaturoutdoors.com

„Es braucht Neugier und Frustrationstoleranz“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Rolf Schönlau, Schriftsteller _ Schlangen/D 10.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview: Rolf Schönlau, Schriftsteller _ Schlangen/D  

Bachmannpreisnominierter 2004

Lieber Rolf Schönlau, Du hast 2004 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Eine interessante Erfahrung.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Lange Lesedauer, Kritik direkt im Anschluss, hohe mediale Aufmerksamkeit.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Lesung: gute Atmosphäre; Jurydiskussion: nicht immer unvoreingenommen, manchmal zu viel Geltungsbedürfnis der Juroren; Preisverleihung: keine besondere Erinnerung.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Einige Monate Schreibhemmung, dann neuer Schwung.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Selbstkritik der Jury.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Frustrationstoleranz, Neugier, noch viele Jahre Bestehen.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Rolf Schönlau, Schriftsteller

Zur Person: Rolf Schönlau, geb. 1950, Schriftsteller, Übersetzer und Literaturwissenschaftler, lebt und arbeitet in Schlangen (NRW) und Rom. Literaturpreis der Stadt Georgsmarienhütte 2000, Einladung zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2004, Stipendium im Künstlerdorf Schöppingen 2016, Stipendium im Künstlerhaus Lukas Ahrenshoop 2023, Residency in Hawthornden Castle 2025. Wichtige Veröffentlichungen: Nölting oder Die Erfindungsfolter, Axel Dielmann Verlag: Frankfurt am Main 2008; Das Hibernat, WDR 3 Hörspiel: Köln 2013; Geoästhetik, Online-Katalog der imaginären Ausstellung, http://www.geoaesthetik.de, 2020; Die Erkundung von Selborne durch Reverend Gilbert White, Übersetzung, Die Andere Bibliothek: Berlin 2021; Ich Grabbe – Das Werk am Stück, Berliner Hörspiele: Berlin 2023; John Milton: Paradies verloren – erzählt, übersetzt, kommentiert, Friedenauer Presse: Berlin 2024; Lesebuch – Rolf Schönlau, Nylands Kleine Westfälische Bibliothek 136, Aisthesis Verlag: Bielefeld 2025.

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

 Humbert Fink _ Autor und Journalist, Bachmannpreisgründer

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Wörthersee/Schloss Loretto _ Empfang der Stadt Klagenfurt

Foto: Rolf Schönlau _ privat

Foto: Humbert Fink _ privat

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Schloss Loretto_Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 10.6.26

https://literaturoutdoors.com

„seine Weltberühmtheit“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _  Kurt Oesterle, Schriftsteller _ Tübingen 10.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Kurt Oesterle, Schriftsteller _ Tübingen

Bachmannpreisnominierter 2007

Lieber Kurt Oesterle, Du hast 2007 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine ersten Erinnerungen?

Wie viele freundliche, bescheidene und gesprächsbereite Menschen es im Publikum gab – ohne Ansehen des Autors … 

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Seine Weltberühmtheit

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Größtenteils gerecht – sie hat die eigenen Zweifel am vorgetragenen Text bestätigt!

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Ich fürchte, nicht bis kaum, dazu war ich am Ende wohl nicht gut genug plaziert; Dabeisein ist eben doch nicht alles.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Gute Texte!

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Teilnehmer-innen: Furchtlosigkeit

Jury: Scharfsinn

Publikum: Geduld

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Kurt Oesterle, Schriftsteller

Zur Person: Kurt Oesterle, 1955 in Oberrot/Nordwürttemberg geboren, studierte Literatur, Geschichte und Philosophie, Dr. phil., Zeitungsjournalist von 1988 bis 2009 insbesondere für das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung und beim Schwäbischen Tagblatt, Tübingen.

Von 1996 bis 2010 mehrere Gedichtinterpretationen in Marcel Reich-Ranickis „Frankfurter Anthologie“ in der FAZ.

Monographien über die Schriftsteller Wolfgang Koeppen und Peter Weiss (die 1989 zuerst erschienene Doktorarbeit über die „Ästhetik des Widerstands“ kann beim Verfasser bezogen werden). Essays u.a. zu Schiller und Uhland („Ich hatt‘ einen Kameraden“), wofür er 1997 den Theodor-Wolff-Preis erhielt.

1995 erschien von ihm der Band „Nordwand und Todeskurve“, zwei Sportgeschichten, zwei Sportlerporträts aus der deutschen Nachkriegszeit.
Neuauflage 2008: Mordwand und Todeskurve

Der Roman „Der Fernsehgast oder wie ich lernte die Welt zu sehen“ erschien im Jahre 2002. Das Buch wurde noch im selben Jahr mit dem Berthold-Auerbach-Preis ausgezeichnet und von der Darmstädter Jury zum Buch des Monats gewählt.

„Stammheim. Die Geschichte des Vollzugsbeamten Horst Bubeck“ erschien im Jahre 2003.

Website: Kurt Oesterle | Aktuelle Bücher, Vorträge & Essays

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Wörthersee/Schloss Loretto _ Bachmannpreis-Empfang der Stadt Klagenfurt

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Kurt Oesterle _ Da Maddalena

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt _  Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 9.6.2026

https://literaturoutdoors.com

„eine Bestätigung für das Dialogische der Literatur“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Zsuzsanna Gahse, Schriftstellerin _ Müllheim/CHE 10.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Zsuzsanna Gahse, Schriftstellerin _ Müllheim/CHE

Bachmannpreisnominierte 1983

1986 Gewinnerin des Preises der Stadt Wiesbaden (Partnerstadt von Klagenfurt)

Liebe Zsuzsanna, Du hast 1983 und 1986 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Teilgenommen hatten damals weitaus mehr Schreibende als heute, so dass sich neben den Lesungen kleinere Gruppen zusammenfanden, um intensiv über Literatur zu reden.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Dass die Diskussionen prominent wahrgenommen werden, dass sie in einigen Medien zeitgleich verfolgt werden können.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Bei meiner Teilnahme 1983 las ich unmittelbar nach Rainald Götz, der sich die Stirnhaut aufgeschlitzt hatte und vor aller Augen blutete. Das Publikum und ich waren benommen, die eigene Lesung war im Grunde eine geistesabwesende Autofahrt. Den Sommer über träumte ich von braunen Stiefeln.

Drei Jahre später war es schön, dass die Jury für meine Darstellungsweise gestimmt hatte. Mein Text hatte mit „dann, dann, dann“ nichts zu tun, ich hatte ein szenisches Projekt vorgestellt, kurze Zeit später in meiner „Abendgesellschaft“ zu finden.  

Wie hat sich Dein Preisgewinn für Dein weiteres Schreiben ausgewirkt?

Für mich ist Literatur seit jeher ein Dialog mit der Sprache, mit fiktiven und erlebten Episoden (die ich Erzählinseln nenne), ein Gespräch mit früheren und heutigen Autoren und mit meinen Lesern. Entsprechend anregend fand ich die öffentlichen Dialoge bei der Tagung. Sie bleiben eine Bestätigung für das Dialogische.

Bei meiner Teilnahme gab es weniger Preise als nun in den letzten Jahren, und den damals einmalig vergebenen Preis der Stadt Wiesbaden erhalten zu haben, eine Auszeichnung von Klagenfurts Partnerstadt, gefällt mir bis zum heutigen Tag. Natürlich hätte ich den Hauptgewinn nicht abgelehnt.

Was braucht der Bachmannpreis an Weiterentwicklung für eine gute Zukunft?

Das ältere Modell, bei dem die Jury auf Texte zu reagieren hatte, die sie nicht kannte, fand ich interessanter, lebendiger. Solche Begegnungen wären auch zukünftig spannend.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Allen wünsche ich das Beste und vor allem gute Gespräche auch jenseits der Lesungen.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zsuzsanna Gahse, Schriftstellerin

Zur Person: ZSUZSANNA GAHSE ist eine österreichisch deutsch schweizerische Schriftstellerin, geb. 1946 in Budapest. Nach ihrer Gymnasialzeit in Wien und Kassel lebte sie mehr als ein Vierteljahrhundert in Stuttgart, seit Ende 1998 in Müllheim, TG, Schweiz.

ZSUZSANNA GAHSE – Autorin, Schriftstellerin

Bachmannpreis/ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

„Ingeborg Bachmann – wie ich Sie in Rom sah“ Ausstellung von Heinz Bachman,
Musilmuseum Klagenfurt 2016
Wörthersee

Fotos _ Portrait: Zsuzsanna Gahse _ 1 Ch.Rütimann; 2 Yves Noir

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Studio/Musilmuseum/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 8.6.26

https://literaturoutdoors.com

„Mehr als das“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Anja Knafl, Schauspielerin _ Klagenfurt 10.6.2026

Anja Knafl _ Ingeborg Bachmann _
ehemalige Schule von Ingeborg Bachmann in Klagenfurt
Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _
performing „Jugend in einer österreichischen Stadt“ Ingeborg Bachmann, 1961 _
Originalschauplatz Klagenfurt _
Fotos: Walter Pobaschnig 3/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz _

„Jugend in einer österreichischen Stadt“ Ingeborg Bachmann, 1961

ZEUGNIS _ Akrostichon

Text & Performance  Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin Klagenfurt.

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann besuchte hier von 1938-44 das Ursulinengymnasium/Oberschule für Mädchen/Klagenfurt
Das Schulmädchen Ingeborg Bachmann (1934)

ZEUGNIS

Zahlen stehen auf dem Papier, doch sie erzählen nie die ganze Geschichte.

Ein Zeugnis wirkt wie ein Urteil, obwohl es nur ein Ausschnitt ist.

Unter jeder Note liegen Mühe, Zweifel und Entwicklung.

Gut und schlecht sind oft zu einfache Kategorien.

Nicht alles, was zählt, wird bewertet.

In jedem Menschen steckt mehr als das, was sichtbar wird.

So entsteht ein Bild, das nie vollständig sein kann.

Anja Knafl, 29.4.26

Ingeborg Bachmann besuchte anlässlich eines Klagenfurt Aufenthaltes 1968 auch ihre ehemalige Schule, an der sie 1944 maturierte (Ursulinengymnasium/Oberschule für Mädchen)

„Das Ursulinengymnasium hat jetzt eine verschlossene Tür, an der ich noch einmal gerüttelt habe…“ Malina, 1971

„Das Ursulinengymnasium hat jetzt eine verschlossene Tür, an der ich noch einmal gerüttelt habe…“ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971

„Und eines Tages stellt den Kindern niemand mehr ein Zeugnis aus, und sie können gehen. Sie werden aufgefordert ins Leben zu treten…“ „Jugend in einer österreichischen Stadt“ Ingeborg Bachmann, 1961

Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _
performing „Jugend in einer österreichischen Stadt“ Ingeborg Bachmann, 1961 _
Originalschauplatz Klagenfurt _
Fotos: Walter Pobaschnig 3/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz _

„Jugend in einer österreichischen Stadt“ Ingeborg Bachmann, 1961

ZEUGNIS _ Akrostichon

Text & Performance  Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin Klagenfurt.

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, 1968, an der Türe ihrer ehemaligen Schule, dem Ursulinengymnasium (Oberschule für Mädchen), an der sie 1944 maturierte

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Die in Klagenfurt geborene Schriftstellerin und Büchnerpreisträgerin nimmt in ihren Werken immer wieder auf konkrete Topographien ihrer Kindheit/Jugend Bezug („Jugend in einer österreichischen Stadt“ 1961; „Malina“ 1971) und bearbeitet diese literarisch.

„Alles Wesentliche im Leben einer Schriftstellerin passiert in der Kindheit“ Malina

Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin 

Fotos: Ingeborg Bachmann_ Familienarchiv Bachmann.

Fotos: Anja Knafl, Schauspielerin, Schriftstellerin _ Klagenfurt _
performing „Jugend in einer österreichischen Stadt“ Ingeborg Bachmann, 1961 _
Originalschauplatz Klagenfurt _

Walter Pobaschnig 4/26

Walter Pobaschnig 29.4.2026

https://literaturoutdoors.com

„Panik, Schock und Überlebenseuophorie“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ John von Düffel, Schriftsteller _ Berlin 10.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview_ John von Düffel, Schriftsteller, Dramaturg _ Berlin

Bachmannpreisnominierter 1998

Gewinner des Ernst-Willner-Preises

Lieber John, Du hast 1998 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Das Schwimmen im Wörthersee und das Schwimmen im Wörtersee.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Der Live-Charakter von Lesen und Jurydiskussion bei gleichzeitiger Öffentlichkeit durch die Kamera. So aufgeregt ist man bei einem Text selten, noch dazu weil er unveröffentlicht ist und zum ersten Mal gelesen wird.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

In einer Mischung von Panik, Schock und Überlebenseuophorie.

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deine literarische Öffentlichkeit wie Deinen weiteren persönlichen literarischen Weg, Deinen Schreibstil, ausgewirkt?

Für meinen Debütroman „Vom Wasser“ war der Ernst-Willner-Preis eine erste Auszeichnung, die dem Buch den weiteren Weg geebnet hat. Damit war er in der Welt.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Gute Texte, einlassende Autor*innen und einen langen medialen Atem in einer immer schnelllebigeren Medienwelt mit immer kürzeren Aufmerksamkeitsspannen.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Geht’s schwimmen, nicht baden!

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

John von Düffel, Schriftsteller, Dramaturg

Zur Person: John von Düffel, geboren 1966 in Göttingen, aufgewachsen in u.a. Londonderry, Irland, Vermillion South-Dakota (USA) und Oldenburg i. O/Niedersachsen

Studium der Philosophie und Volkswirtschaft in Stirling/Schottland und Freiburg im Breisgau. Promotion 1989 über Erkenntnistheorie 

Journalistische Tätigkeit als Theater- und Filmkritiker

2025 Intendant ETA Hoffmann Theater Bamberg

2009 – 2024 Dramaturg am Deutschen Theater Berlin

2000 – 2009 Schauspieldramaturg am Thalia Theater Hamburg

Seit 1991 Dramaturg und Autor an verschiedenen Theatern in Stendal, Oldenburg, Basel und Bonn

Lehrtätigkeit

Professur für Szenisches Schreiben UdK Berlin seit 2009

Poetik-Professur an der Georg-August-Universität Göttingen 2010

Poetik-Professur an der Universität Duisburg-Essen 2010

Verleihung der Honorarprofessur der Universität Hildesheim aufgrund besonderer Leistungen auf dem Gebiet der Dramaturgie 2008

Poetik-Professur an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg 2008

Stiftungsprofessur am Institut Medien & Theater an der Universität Hildesheim 2007, 

Leitung der Master Class des ITI Suisse in 2004 und 2006

Seit 2003 Leiter des Dramatiker-Workshops des Berliner Theatertreffen

Professur für Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin 2002

Gastprofessur für Szenisches Schreiben am Literaturinstitut Leipzig 2000

John von Düffel

Bachmannpreis _ Publikum/ORF Studio

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Bachmannpreis 2015 Klagenfurt

Foto: John von Düffel _ privat

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Studio _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 8.6.26

https://literaturoutdoors.com

„und am Abend im Hotelzimmer weinte ich“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Martin Amanshauser, Schriftsteller _ Wien 10.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Martin Amanshauser _ Bachmannpreisnominierter 2000

Im Interview _ Martin Amanshauser, Schriftsteller _ Wien

Bachmannpreisnominierter 2000

Lieber Martin, Du hast 2000 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

ich bin froh, beim bachmannpreis dabeigewesen zu sein. nach über 25 jahren erinnert man sich nur mehr punktuell. der bürgermeisterempfang war gut, ich beziehe mich auf die brötchen-qualität, denn wer bürgermeister war, hab ich vergessen. ich war auch gerne am see, am liebsten bei maria loretto. ich glaube, es war damals fußball-em, und ich litt sehr, als ein burgenländischer schiedsrichter einen vermutlich eh korrekten hands-elfer für frankreich gegen portugal gab. es war ein streitfall. damals fand ich ihn unkorrekt. fußball und literatur vernebeln einem derart das gehirn, oft urteilt man sehr biased. ich erinnere mich auch, dass ich vor meiner lesung extrem optimistisch war. ich zog ein grün-gelbes oberteil an, das ich mich recht beengte. ich wirkte vielleicht etwas blader, als ich war, aber da ich nicht besonders blad war, ging es eh. ich fand, ich sah gut drin aus. ich mochte die farben. das dress war mir wichtig.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

die unmittelbarkeit, die brutalität der kritik, der direkte austausch mit dem publikum und die live-übertragung. vor 25 jahren hatte das tv noch einen viel höheren stellenwert, ich fand es atemberaubend, dass menschen einen text, den ich geschrieben habe und vorlese, irgendwo, überall im deutschsprachigen raum, live ansehen können. ich mochte auch die sommerliche atmosphäre. klagenfurt ist meine österreichische zweitlieblingsstadt. ich komme aus salzburg, wo ja auch, zumindest architektonisch, eine italienische stimmung herrscht. klagenfurt dagegen hat weniger barock-architektur, aber trotzdem einen viel südlicheren flair. ich mochte und mag auch immer die kärntnerische sprachmelodie. in diesem ambiente bachmann entfaltet sich so eine art wandertag, ein sommerausflug der literatur-branche. für mich war bachmann eine sympathische veranstaltung.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

die lesung war großartig. ich hatte, trotz der anspannung, vorher noch nie so souverän und so gut einen eigenen text vorgetragen. die lesung selbst fand ich wirklich beglückend, ich spürte, wie die zuschauer mit jedem satz mitgingen, mitzitterten, es war eine dieser lesungen, wo du das publikum direkt erreichst und den respons fühlst als welle von energie. ich erinnere mich, dass viele schüler/innen dort im publikum saßen, und dass ich mich nie verlas. als die lesung zu ende war und der applaus begann, hatte ich ausschließlich positive gefühle. sobald allerdings die jury zu debattieren begann, änderte sich das. meine geschichte hoieß „el examen“. sie war sehr linear erzählt, in der tradition der amerikanischen short story. es war wohl nicht der richtige text für klagenfurt, aber ich hatte ihn mir eingebildet. ich war davon ausgegangen, dass der handwerkliche aspekt bei der jurydiskussion im vordergrund stehen würde. das tat er nicht. ich dachte, sie müssten sagen, wie gut das geschrieben sei. ich merkte, darum ging es denen gar nicht so. selbstredend litt ich, als kritik geäußert wurde und ich – wie man mir vorher ja geraten hatte – mich dabei nicht gegenäußern konnte, sondern dem zuhören musste wie der ochs vor dem berg, falls man das so sagt. vor jedem der jurymitglieder stand ein wasserglas, nur ich hatte als einziger keines. das machte mich wütend. als eine kritikerin etwas negatives sagte, stand ich auf, ging langsam und drohend auf sie zu und schnappte mir mit grimmigem gesicht ihr wasser. im saal gab es einige lacher deswegen, aber man sagte mir später, im tv sei das nur am rande sichtbar gewesen. eine einzige juryfrau war voll auf meiner seite, das spürte ich, sie kam wenig zu wort, das tat mir leid. sie gehörte nicht zu den alpha-tieren der jury. sie kam dann auch am nächsten tag auf mich zu und entschuldigte sich, weil ihr mein text ur gut gefallen habe, sie mich aber in der diskussion nicht ausreichend unterstützt haben können. ich fand das echt nett von ihr. das problem war, dass bei den meisten autorinnen ca. 25 minuten diskussion stattfand, über meinen text (wohl durch einen werbeblock oder irgendwas anderen unfaires, tv-bedingtes, was da vorfiel) nur ca. 10-15 minuten gesprochen wurde. am ende war ich enttäuscht. ich trank an diesem tage viel alkohol, und am abend im hotelzimmer weinte ich.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

ich hätte das system immer schon gerne verändert: nachdem die jurymitglieder die texte vorher kennen, sprechen sie oft in auswendig gelernten und vorbereiteten sprachtools. in meiner idealen bachmann-veranstaltung würde nur jeweils das eine jurymitglied, das einen nominiert, den text kennen. die anderen würden ihn zum ersten mal hören und müssten spontan gescheite dinge zu texten sagen. damit würde man viel literatur-gelaber verhindern. ich weiß aber nicht, ob das überhaupt umsetzbar ist, denn auch jurymitglieder sind menschen bzw tratschonkel und -tanten, die würden sich die texte wohl gegenseitig schicken. die würden garantiert schummeln.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

ich wünsche dem bachmannpreis weitere 50 jahre, prosit! … der jury würd ich sagen, versucht bitte, noch mehr enetrtaining zu sein, sonst schalten die leute auf einen anderen sender. den teilnehmern würde ich sagen – fahrt hin mit möglichst großer bescheidenheit, es läuft in dieser welt alles mögliche anders als man denkt. ich war damals 29 oder so, vielleicht 31, jedenfalls war ich zu sehr von meiner eigenen großartigkeit und der großartigkeit meines texts überzeugt. ich dachte ja vorher, dass ich das ding gewinne, jedenfalls, wenn alles mit rechten dingen zugeht. es lief aber ganz anders, fast so wie bei dem elfmeter, den der burgenländische schiedrichter für frankreich gegen portugal gab. hätte ich den siegertext von damals vorher gehört, hätte ich ihm null chance gegeben, einen preis zu kriegen. „da sind zu viele platte adjektive drin“, hätte ich geurteilt, „ein solcher text kann niemals einen preis gewinnen. da liegt doch völlig offen, dass der autor nicht schreiben kann, dass er sich schwer tut, worte zu finden, dass er nur herumprotzt und nichts dahinter ist.“ naja, man irrt sich im leben manchmal.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Martin Amanshauser, Schriftsteller

Zu Person&Werk: Martin Amanshauser

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Martin Amanshauser _ privat.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/ORF Studio _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 26.5.26

https://literaturoutdoors.com

„Ich lese Bachmann heute ökofeministisch“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Seraina Kobler, Schriftstellerin _ Zürich 10.6.2026

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1973

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

im Interview _ Seraina Kobler, Schriftstellerin _ Zürich

Bachmannpreisnominierte 2026

Liebe Seraina, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ich bin ihr zuerst zu früh, von der anderen Seite ihres Werks begegnet. Und dann nochmals später, fast vom Anfang. Beim zweiten Anlauf hat es gefunkt. 

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Ihre unglaubliche Bildkraft, sie setzt Worte so zusammen, dass Bilder entstehen, die gleichzeitig wunderschön und verstörend, leichtfüssig und sehr präzise sind. Und ich frage mich dann, wie kommt man auf diese Kombinationen? Sie brechen das eigene Denken auf gute Art auseinander. Es gibt diese Szene in «Der gute Gott von Manhattan», an der U-Bahn-Station, einfach großartig. 

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Ihre Lyrik, natürlich, «Die gestundete Zeit», «Die Anrufung des grossen Bären», auch mochte ich ihre Beschreibungen etwa von der «Zürcher Seegfrörni» in den Briefen an Max Frisch sehr. Auch wenn ich mir nicht so sicher bin, ob sie goutiert hätte, dass sie einst so breit gelesen werden. 

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Was Bachmann beschreibt, ist für mich längst keine reine Geschlechterfrage mehr. Ich würde ihre Kritik heute ökofeministisch lesen: gemünzt auf eine Logik der Beherrschung, Ausbeutung und Verfügbarkeit, die sich sowohl gegen Menschen, aber eben auch in hohem Masse gegen die Natur richtet. Diese Denkweise begegnet uns in Beziehungen ebenso wie in Wirtschaft und Politik. Die Klimakrise und das Artensterben zeigen, dass es dabei um weit mehr geht als um gesellschaftliche Rollenbilder. 

Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?

Vielleicht lieben wir nach Bachmann gerade nicht, indem wir ein so großes, widersprüchliches Feld an einer einzigen Aussage festmachen. Mich interessierten die Ambivalenzen. 

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Denke ich an meine Altersvorsorge: Ja. Ansonsten: Nein. 

Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?

Mir gefällt sehr, wie Bachmann als Chronistin in ihren zahlreichen Briefwechseln, etwa mit Paul Celan oder Max Frisch, den Geist ihrer Zeit festhält. Immer wieder drückt dort auch etwas Vergnügtes durch, ein Humor, der die Schwere der Themen kontrastiert. 

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Wie gerne hätte ich ihr das heute so mediterrane Zürich gezeigt, das an manchen Ecken vor Italianità nur so strotzt, hatte sie doch auch sehr gelitten an der Stadt bisweilen. 

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Klagenfurt, danach habe ich alle Ferienpläne abgesagt. Und möchte einen Sommer haben, wie ein leeres Blatt Papier. Nach innen hören, vielleicht eine Zeit ohne Internet. Draussen im Zelt schlafen und mit den Kindern umherziehen. 

Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten? (Besagte Szene aus Frage 2)


JAN 

Ich kann die Unterschrift nicht lesen. Kauend. Die Nüsse sind sehr gut, aber wir müssen trotzdem etwas Vernünftiges essen. Was ist vernünftig? 

JENNIFER

Italienisches und Chinesisches, Spanisches und Russisches. Die Artischocken schwimmen in Öl; es gibt bleichen Tee zu Schwalbennestern und Lauch zu den zarten Schlangen, und die Früchte aller Meere vor den Früchten aller Länder. 

JAN

Ich hätte Lust auf Heißluft, weil es so warm ist, und einen Raum mit etwas Dämmerung, auf Schneehühner und ein Getränk, das aus Grönland kommt, mit Eisschollen darin. Und ich möchte Sie ein paar Stunden lang ansehen, kühle Schultern, kühles Gesicht, kühle runde Augen. Glauben Sie, dass das möglich ist? 

Herzlichen Dank für das Interview!

Seraina Kobler, Schriftstellerin

Zur Person: Seraina Kobler, geboren 1982 in Locarno und aufgewachsen in Basel, arbeitete nach dem Studium der Linguistik und Kulturwissenschaften als Journalistin unter anderem bei der ›Neuen Zürcher Zeitung‹, bevor sie sich als Autorin selbständig machte. 2020 erschien ihr Romandebüt ›Regenschatten‹. Soeben ist ihr vierter Roman «Tal der Schwalben» bei Diogenes erschienen. Sie lebt und arbeitet mit ihrer Familie in Zürich.

Aktueller Roman:

Seraina Kobler, Tal der Schwalben. Roman. Diogenes Verlag.

„Die Schweiz in naher Zukunft: Die Städte sind zusammengewachsen zur alles beherrschenden »Metropolitane«, während die Alpen für die Stromversorgung zur Sperrzone erklärt wurden. Der junge Wissenschaftler Alesch kehrt in sein Heimatdorf Pradetta zurück, einen abgelegenen Ort im schwindenden Schatten eines Gletschers. Seltsame Wetterphänomene häufen sich am Berg, und schon bald ist Alesch hin- und hergerissen zwischen urwüchsiger Bergwelt und Hoffnung auf Fortschritt. Denn seine so revolutionäre wie gefährliche Forschung könnte die Antwort auf die Energiekrise bergen. Und dann ist da noch seine Jugendliebe Annetta …“

Hardcover Leinen, 352 Seiten

erschienen am 22. April 2026

ISBN 978-3-257-07377-5

€ (D) 25.00 / sFr 34.00* / € (A) 25.70

Foto: Seraina Kobler _ Franco Tettamanti

Foto: Ingeborg Bachmann _ Jung&Jung Verlag

Walter Pobaschnig, 8.6.2026

https://literaturoutdoors.com

„wie schnell eine Gemeinschaft literaturbegeisterter Menschen entsteht“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Leander Fischer, Schriftsteller _ Wien 9.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Leander Fischer, Bachmannpreisnominierter 2019 (dritter von links)

Im Interview _ Leander Fischer, Schriftsteller _ Wien

Bachmannpreisnominierter 2019

Deutschlandfunkpreis

Leander Fischer, Schriftsteller _
Station bei Malina _ Romanschauplatz Wien _
Walter Pobaschnig 5/19, folgende

Lieber Leander, Du hast 2019 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Ich erinnere mich daran, mit Freunden, Familie und neuen Bekanntschaften im Garten des Landesstudios zu schwitzen, bei heißem Wetter den anderen Lesenden zuzuschauen und zuzuhören, natürlich auch der Jury, und mich regelmäßig mit Sonnenmilch einzucremen.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Als besonders habe ich auch in den Jahren, in denen ich den Bachmannpreis von zu Hause aus verfolgt habe, empfunden, dass man Autorinnen und Autoren entdecken kann, wie groß das Spektrum heutzutage geschriebener Prosa ist, und wie unterschiedlich auf Literatur geblickt wird. Live dabei zu sein war nochmal anders, da ich erleben durfte, wie schnell während des Bewerbs eine Gemeinschaft literaturbegeisterter Menschen entsteht.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Ich war sehr konzentriert, erst auf die Buchstaben des Textes vor mir und ihre Artikulation, dann auf die Stimmen der Jury und ihre Einschätzungen. Folglich habe ich von meinem Auftritt gar nicht so viel mitgekriegt.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Ich würde mir wenn überhaupt etwas dann ein anderes Jurymodell wünschen, das weniger über bleiben und ausscheiden und mehr über einen Pool einander jährlich oder zweijährig abwechselnder Kritikerinnen und Kritiker funktioniert in etwa nach dem Modell des Schweizer Literaturclubs. Das würde die Kombinationsmöglichkeiten unterschiedlicher Stimmen mit unterschiedlichen Blickwinkeln vervielfachen.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Wenig Blutdurst, viel Neugier

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Leander Fischer, Schriftsteller _
Station bei Malina _ Romanschauplatz Wien _
Walter Pobaschnig 5/19,

Zur Person: Leander Fischer, geb. 1992 in Vöcklabruck / Österreich, absolvierte ein Studium des Kreativen Schreibens und des Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Er veröffentlichte mehrfach in Zeitschriften und war Mitherausgeber der Jahresanthologie der Studierenden des Studienganges Literarisches Schreiben an der Universität Hildesheim (2018). 2019 nahm er am Ingeborg-Bachmann-Preis teil und wurde dort mit dem Deutschlandfunk-Preis ausgezeichnet. 2020 gewann er für seinen Debütroman »Die Forelle« den Österreichischen Buchpreis für das beste Debüt.

Bücher: Wallstein Verlag Autoren: Leander Fischer

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Leander Fischer _ Leander Fischer, Schriftsteller _
Station bei Malina _ Romanschauplatz Wien _

Walter Pobaschnig 5/19.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis _  Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 3.6.26

https://literaturoutdoors.com

„Wahrheit, Humor und Spiel-Lust“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Kerstin Hensel, Schriftstellerin _ Berlin 9.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Kerstin Hensel, Schriftstellerin _ Bachmannpreisnominierte 1989  _
damals aus Berlin-Ost/DDR

Im Interview  _ Kerstin Hensel, Schriftstellerin _ Berlin

Liebe Kerstin, Du hast 1989 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Ich war im Juni 1989 nach Klagenfurt geladen. Es war meine erste Reise ins „kapitalistische Ausland“, die mir von DDR-Seiten aus gestattet wurde. Keine drei Monate später sollte die Mauer fallen. Dass diese Reise ins Ingeborg-Bachmann-Land ging, war ein Glück für mich und nicht unwichtiger als der Preis-Wettbewerb selbst.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Für mich: das Neue, das Andere. Der über allem schwebende „Geist“ der verehrten Namensgeberin. Die Stadt. Die Landschaft. Menschen, die ich dort getroffen habe, mit denen ich heute noch befreundet bin. Widersprüche, die sich als produktiv erwiesen. Kluge Geselligkeit. Landübergreifendes. Das war, wie gesagt, vor 37 Jahren.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Das Los hat bestimmt, dass ich nach einer zechseligen Nacht früh morgens als erste an den Start musste. Ein Jurymitglied schlief in der ersten Reihe vor mir. Nach seinem Erwachen hatte es eine bewundernswert feste Meinung über das Nicht-Wahrgenommene. Unter dem ausgeschlafenen Publikum erinnere ich die Diskussion als lebhaft und mir zugewandt. Da mein Charakter nicht auf wetteifernde Konkurrenzveranstaltungen ausgerichtet ist, konnte ich alles weitere als spannendes Schauspiel genießen.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Anhaltende Liebe zur Literatur. Kenntnisse, die nicht vom Zeitgeist korrigiert werden. Humor. Spiel-Lust. Marktunabhängige Maßstäbe. Mut zur poetischen Wahrheit. Licht in verdunkelten Zeiten.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Den Teilnehmern: „Fürchtet euch oder fürchtet euch nicht!“

Dem Publikum: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar!

Der Jury: „Seht zu, daß ihr wachbleibt!“

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Kerstin Hensel, Schriftstellerin

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Kerstin Hensel _ Renate von Mangoldt

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Lesestuhl ORF Studio _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 26.5.26

https://literaturoutdoors.com