„eine Bestätigung für das Dialogische der Literatur“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Zsuzsanna Gahse, Schriftstellerin _ Müllheim/CHE 10.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Zsuzsanna Gahse, Schriftstellerin _ Müllheim/CHE

Bachmannpreisnominierte 1983

1986 Gewinnerin des Preises der Stadt Wiesbaden (Partnerstadt von Klagenfurt)

Liebe Zsuzsanna, Du hast 1983 und 1986 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Teilgenommen hatten damals weitaus mehr Schreibende als heute, so dass sich neben den Lesungen kleinere Gruppen zusammenfanden, um intensiv über Literatur zu reden.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Dass die Diskussionen prominent wahrgenommen werden, dass sie in einigen Medien zeitgleich verfolgt werden können.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Bei meiner Teilnahme 1983 las ich unmittelbar nach Rainald Götz, der sich die Stirnhaut aufgeschlitzt hatte und vor aller Augen blutete. Das Publikum und ich waren benommen, die eigene Lesung war im Grunde eine geistesabwesende Autofahrt. Den Sommer über träumte ich von braunen Stiefeln.

Drei Jahre später war es schön, dass die Jury für meine Darstellungsweise gestimmt hatte. Mein Text hatte mit „dann, dann, dann“ nichts zu tun, ich hatte ein szenisches Projekt vorgestellt, kurze Zeit später in meiner „Abendgesellschaft“ zu finden.  

Wie hat sich Dein Preisgewinn für Dein weiteres Schreiben ausgewirkt?

Für mich ist Literatur seit jeher ein Dialog mit der Sprache, mit fiktiven und erlebten Episoden (die ich Erzählinseln nenne), ein Gespräch mit früheren und heutigen Autoren und mit meinen Lesern. Entsprechend anregend fand ich die öffentlichen Dialoge bei der Tagung. Sie bleiben eine Bestätigung für das Dialogische.

Bei meiner Teilnahme gab es weniger Preise als nun in den letzten Jahren, und den damals einmalig vergebenen Preis der Stadt Wiesbaden erhalten zu haben, eine Auszeichnung von Klagenfurts Partnerstadt, gefällt mir bis zum heutigen Tag. Natürlich hätte ich den Hauptgewinn nicht abgelehnt.

Was braucht der Bachmannpreis an Weiterentwicklung für eine gute Zukunft?

Das ältere Modell, bei dem die Jury auf Texte zu reagieren hatte, die sie nicht kannte, fand ich interessanter, lebendiger. Solche Begegnungen wären auch zukünftig spannend.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Allen wünsche ich das Beste und vor allem gute Gespräche auch jenseits der Lesungen.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zsuzsanna Gahse, Schriftstellerin

Zur Person: ZSUZSANNA GAHSE ist eine österreichisch deutsch schweizerische Schriftstellerin, geb. 1946 in Budapest. Nach ihrer Gymnasialzeit in Wien und Kassel lebte sie mehr als ein Vierteljahrhundert in Stuttgart, seit Ende 1998 in Müllheim, TG, Schweiz.

ZSUZSANNA GAHSE – Autorin, Schriftstellerin

Bachmannpreis/ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

„Ingeborg Bachmann – wie ich Sie in Rom sah“ Ausstellung von Heinz Bachman,
Musilmuseum Klagenfurt 2016
Wörthersee

Fotos _ Portrait: Zsuzsanna Gahse _ 1 Ch.Rütimann; 2 Yves Noir

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Studio/Musilmuseum/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 8.6.26

https://literaturoutdoors.com

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