„Ich war nicht der Ossi, den das Publikum erwartet hatte“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Fritz Hendrick Melle, Schriftsteller _ Berlin 17.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Fritz Hendrick Melle, Schriftsteller _ Berlin

Bachmannpreisnominierter 1991

Lieber Fritz Hendrick, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Wolf Donner konnte mich nicht unterstützen, da er krank geworden war. Frau Löffler stand die ganze Zeit auf ihren Mundwinkeln. Herr Karasek versuchte, möglich viele junge Schreiberinnen um sich zu versammeln. Nebenan begann gerade der Jugoslawien-Krieg.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die ungewohnt große Öffentlichkeit, der direkte Dialog. Die massive Konzentration von Eitelkeit.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Ich war nicht der Ossi, den das Publikum erwartet hatte.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Ich habe danach viele Jahre als Werbetexter gearbeitet. Das erschien mir das ehrlichere Geschäft

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Humor

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Genießt euch selbst. Der Rest wird sich finden.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Fritz Hendrick Melle, Schriftsteller

Zur Person: Fritz Hendrick Melle, 1960 in Karl-Marx-Stadt geboren, Studium Theologie in Naumburg und Kommunikation in Berlin/W. Heizer, Texter, Whiskey-Produzent, Zen-Schüler und Autor. Romane: Richtiges Leben, die Amazone vom Kollwitzplatz, Wurst und Stadt ohne Götter. Daneben zahlreiche Beiträge in Magazinen und Antologien. Keine Literatur-Preise, aber einige Reklame-Auszeichnungen.

Bachmannpreis _ im ORF Garten

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf Ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Wörthersee _ Abendstimmung

Foto: Fritz Hendrick Melle _ privat

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt-Wörthersee_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 12.6.26

https://literaturoutdoors.com

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