50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview_ John von Düffel, Schriftsteller, Dramaturg _ Berlin
Bachmannpreisnominierter 1998
Gewinner des Ernst-Willner-Preises
Lieber John, Du hast 1998 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?
Das Schwimmen im Wörthersee und das Schwimmen im Wörtersee.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Der Live-Charakter von Lesen und Jurydiskussion bei gleichzeitiger Öffentlichkeit durch die Kamera. So aufgeregt ist man bei einem Text selten, noch dazu weil er unveröffentlicht ist und zum ersten Mal gelesen wird.
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
In einer Mischung von Panik, Schock und Überlebenseuophorie.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deine literarische Öffentlichkeit wie Deinen weiteren persönlichen literarischen Weg, Deinen Schreibstil, ausgewirkt?
Für meinen Debütroman „Vom Wasser“ war der Ernst-Willner-Preis eine erste Auszeichnung, die dem Buch den weiteren Weg geebnet hat. Damit war er in der Welt.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Gute Texte, einlassende Autor*innen und einen langen medialen Atem in einer immer schnelllebigeren Medienwelt mit immer kürzeren Aufmerksamkeitsspannen.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Geht’s schwimmen, nicht baden!
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: John von Düffel, geboren 1966 in Göttingen, aufgewachsen in u.a. Londonderry, Irland, Vermillion South-Dakota (USA) und Oldenburg i. O/Niedersachsen
Studium der Philosophie und Volkswirtschaft in Stirling/Schottland und Freiburg im Breisgau. Promotion 1989 über Erkenntnistheorie
Journalistische Tätigkeit als Theater- und Filmkritiker
2025 Intendant ETA Hoffmann Theater Bamberg
2009 – 2024 Dramaturg am Deutschen Theater Berlin
2000 – 2009 Schauspieldramaturg am Thalia Theater Hamburg
Seit 1991 Dramaturg und Autor an verschiedenen Theatern in Stendal, Oldenburg, Basel und Bonn
Lehrtätigkeit
Professur für Szenisches Schreiben UdK Berlin seit 2009
Poetik-Professur an der Georg-August-Universität Göttingen 2010
Poetik-Professur an der Universität Duisburg-Essen 2010
Verleihung der Honorarprofessur der Universität Hildesheim aufgrund besonderer Leistungen auf dem Gebiet der Dramaturgie 2008
Poetik-Professur an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg 2008
Stiftungsprofessur am Institut Medien & Theater an der Universität Hildesheim 2007,
Leitung der Master Class des ITI Suisse in 2004 und 2006
Seit 2003 Leiter des Dramatiker-Workshops des Berliner Theatertreffen
Professur für Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin 2002
Gastprofessur für Szenisches Schreiben am Literaturinstitut Leipzig 2000

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: John von Düffel _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Studio _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 8.6.26