„Literatur muss weiterhin zwischen den Stühlen hocken und dennoch Standpunkte finden“ Timo Brandt, Schriftsteller_ Wien 29.11.2020

Liebe Timo, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

An meinem Tagesablauf hat sich in den Zeiten von Corona nur insofern etwas geändert, als dass ich viel bewusster meine Räumlichkeiten verlasse, ganz gleich ob das Ziel ein Supermarkt, ein Treffen mit Freund*innen oder ein Ort des Broterwerbs ist; oft versuche ich mehrere dieser Ziele miteinander zu verbinden, das fühlt sich gerade irgendwie richtig an.

Sonst tue ich, was ich auch schon vor Corona getan habe: viel lesen, viel schreiben und Dinge suchen, die mit ersteren Aktivitäten möglichst wenig zu tun haben und mich dennoch umtreiben können, was ein seelisches Gleichgewicht ermöglicht. Die Auswahl ist da derzeit eingeschränkt und das tangiert natürlich auch mich, aber ich kann nicht behaupten, dass mein Tagesablauf deswegen grundlegend anders ist.

 

foto_timo-brandt-2 _Foto_Dilan Tas_

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Was meint in diesem Fall „alle“? Alle Künstler*innen? Alle Menschen? Alle, die zum alle dazugehören wollen?

Ich denke, sehr wichtig ist, dass wir die Rücksicht, auf der in diesen Zeiten ein besonderes Augenmerk liegt, verinnerlichen. Sie ist eine gute Eigenschaft, auch jenseits von Corona.

Ferner ist, selbstverständlich, wichtig, dass niemand jetzt durch Corona in finanzielle Not gerät, ganz gleich ob er*sie Künstler*in oder Restaurantbetreiber*in oder Altenpfleger*in (etc.) ist – und wenn wir schon dabei sind, deren Nöte zu sichten, könnten wir ja auch noch weiter über den Tellerrand schauen, wo wir viele Menschen sehen würden, deren Nöte auch vor Corona schon groß waren und es auch danach sein werden, wenn wir nicht grundlegend umdenken. Ja: wichtig ist, jetzt nicht nur eine Heilung für Corona zu finden und das Thema abzuhaken, sondern zu schauen, welche Probleme und Nöte diese Krise offengelegt hat. Sie nicht wieder zuzuschütten, sondern sie anzupacken.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich glaube, die Aufgabe der Kunst wird sich nach Corona nicht geändert haben. Sie muss weiterhin zwischen den Stühlen hocken und dennoch Standpunkte finden, sie muss differenzieren, präzisieren, auffächern.

Vor allem darf sie nicht aufhören, Geschichten zu erzählen, Narrative zu finden, zentrale Aspekte zu bündeln. Wir leben in Zeiten, in denen der Kampf der Narrative gewaltige Ausmaße angenommen hat, so gewaltig, dass die Kunst eigentlich ihre „Rolle“ nur noch selten ergattern und spielen kann, weil die Konkurrenz so groß ist: von überall hagelt es Narrative, Geschichten und Gegenschichten, Fakten und Fake-News, etc. – die Stimme der Kunst ist im Medienrummel nur eine von vielen.

Ich weiß nicht, ob Kunst überhaupt noch eine Rolle jenseits von Unterhaltung und (partieller) Besinnung spielen kann, ob sie also die Kraft hat, transformierende Ideen und Impulse in die Welt zu setzen oder sie nur noch frequentieren, adaptieren, transportieren kann. Aber wenn doch, dann wohl nur, wenn sie einen Weg findet, irgendwo zwischen den höchsten Ansprüchen und den glattesten Oberflächen einen Weg zu finden, auf dem ihr genug Menschen folgen können. Ob dieser Weg allerdings wirklich erstrebenswert ist …

 

 

Was liest Du derzeit?

Vor kurzem habe ich Philipp Bloms neues Buch „Das große Welttheater“ fertiggelesen (ein Autor, den ich nur empfehlen kann, z.B. auch „Was auf dem Spiel steht“). Davor habe ich viel von afroamerikanischen Autor*innen gelesen, darunter Toni Morrison und Ta-Nehisi Coates. Und viel Lyrik, darunter „RÆNDERN“ von Christoph Szalay, „Kollektive Amnesie“ von Koleka Putuma und „Approximanten“ von Saskia Warzecha. Letzteres werde ich wohl noch eine ganze Weile immer wieder zur Hand nehmen – ein großartiger, facettenreicher Gedichtband

Jetzt gerade lese ich Gedichte von Angélica Freitas, Alexandru Bulucz und Nadja Küchenmeister, nebst einem Sachbuch über die Wiedervereinigung Deutschlands. Romanempfehlungen: Leander Fischers „Die Forelle“, ein Buch, das mir praktisch das literarische Lesen ganz neu beigebracht hat und Valeria Luisellis „Archiv der verlorenen Kinder“.

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Der römische Philosoph Seneca hat einst geschrieben: „Wer ein besserer Mensch werden will, der muss riskieren, dass man ihn für dumm und närrisch hält.“ Mehr Narretei, mehr Mut zum Unbeholfenen, bitte.

 

 

Vielen Dank für das Interview lieber Timo viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Timo Brandt, Schriftsteller

http://www.literaturhaus.at/index.php?id=11629

Foto_Dilan Tas.

 

24.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wesentlich wird sein im Augenblick zu leben und die Tage mit Sinn zu erfüllen“ Sabine M.Gruber, Schriftstellerin _ Wien 29.11.2020

Liebe Sabine, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich lebe in den Tag hinein. Erstaunlich. Endlich verstehe ich Schrödingers Katze. Etwas kann sein oder auch nicht, ich weiß es erst, wenn die Box geöffnet wird. Dabei bin ich gleichzeitig die Katze, die in der Box sitzt und nicht weiß, was mit ihr geschieht, und eine, die draußen steht und überlegt, die Box zu öffnen oder auch nicht. Ich bin flexibel und spontan geworden. Ich sage mir: wenn etwas nicht geht, mach was anderes. Mach das, was geht, und zwar sofort, morgen wird es vielleicht verboten sein. Das hat sich in den letzten Monaten bewährt.

Sabine M.Gruber, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir und Uns sind für mich fast anachronistische Begriffe geworden, seit die weltweit verordnete Vereinzelung die Gesellschaft spaltet, zersplittert, Menschen systematisch trennt und voneinander fern hält, per Gesetz und durch das Sprachrohr der Medien. „Nähe ist nur ein Gefühl“, „Entfernung rettet Leben“, „Masken sind ein Akt der Nächstenliebe“, „Virtuell ist das neue Real“. Wichtig ist, trotz aller verordneten Hindernisse zwischenmenschliche Beziehungen zu pflegen und aufrechtzuerhalten, wo immer es möglich ist. Der Mensch ist und bleibt ein soziales Wesen, er kann ohne physische Nähe, ohne das vollständige Spektrum des Ausdrucks, ohne unmittelbares Erleben des Anderen auf Dauer nicht (über)leben. Das Fehlen von all dem macht ihn krank – seelisch und körperlich.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ein Neubeginn wird nicht stattfinden, fürchte ich. Aufbruch – wohin? Ziele und Visionen verlieren ihre Bedeutung, im täglichen Kampf ums Überleben, seelisch, geistig, existenziell. Jeder noch so bescheidene Plan kann sich morgen schon in Luft auflösen. Daran wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern. Die Kunst wird eine untergeordnete Rolle spielen. Gesellschaftlich. Für den einzelnen wird sie wichtiger denn je sein, als Quelle der Kraft und der Freude. Die Literatur wird endgültig im Mainstream des Akzeptierten und Erlaubten ertrinken. Das Spektrum der zulässigen Worte hat sich beängstigend schnell verengt, das erstickt freies Denken schon im Keim, es führt letztlich zu vorauseilender Gedankenselbstkontrolle. In eine Dystopie kann man nicht flüchten, denn die Gegenwart, die weit in die Zukunft weist, übertrifft alles, was man sich ausdenken könnte. Hat Literatur jemals etwas verändert? Ich glaube nicht. Das Problem ist, dass nun nicht mehr eine bestimmte Kunst politisch verunmöglicht wird, sondern, durch die Hintertür diverser unverdächtig erscheinender Hygiene-Ge- und Verbote, jede Kunst. Das ist die große Gefahr.

Wesentlich wird sein, dass jeder für sich lernt, im Augenblick zu leben und auch in der neuen Unnormalität, die sich schleichend etabliert, jeden der ihm beschiedenen Tage mit Sinn zu erfüllen.

Was liest Du derzeit?

„Munin oder Chaos im Kopf“ von Monika Maron und „Psychologie der Massen“ von Gustave Le Bon.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Die letzte der menschlichen Freiheiten besteht in der Wahl der Einstellung zu den Dingen.“ Viktor Frankl

Vielen Dank für das Interview liebe Sabine, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur-, Textprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Sabine M.Gruber_Schriftstellerin

http://www.sabine-m-gruber.at/

Fotos_Paul Feuersänger.

11.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Es ist schrecklich zu sehen, welchen Stellenwert die Kultur politisch einnimmt“ Nina Weisz, Schauspielerin _ Berlin 29.11.2020

Liebe Nina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Früh aufstehen, Frühstück machen, Kaffee trinken und eine Runde Karten mit der Jüngsten spielen. Wenn keine Castings oder Drehs anstehen, verbringe ich viel Zeit damit an meinem alten Hymer Wohnmobil zu basteln, oder fahre mit dem Rad durch die Stadt. Dann lasse ich die Berliner Stadtteile auf mich wirken. Mich fasziniert wie jeder Kiez seinen ganz speziellen Rhythmus und seine eigene Energie hat. Das wirkt ja auch auf einen selber. Ich würde jetzt gerne auch sagen, dass ich lange
Spaziergänge mit meinem Hund mache, aber leider hasst mein Hund sowas.

Nina Weisz _ Schauspielerin


Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Weg von diesem Egoismus. Im Kleinen und im Großen erst recht. Und bei all dem Schrecklichen was um uns herum passiert, den Blick auf das Schöne niemals vergessen!


Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle
gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein
und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Im Moment begegnet uns sehr viel Verunsicherung und Angst. Das birgt natürlich eine große gesellschaftliche Gefahr aber auch eine Gelegenheit zur Verbesserung, denn wir finden ja oft nur in der Not einen Antrieb zur Veränderung. Das Wesentliche kann dann nur Liebe sein! So einfach ist das…eigentlich.


Die Rolle der Kunst ist in solchen schwierigen Zeiten umso wichtiger. Es ist schrecklich zu sehen, welchen Stellenwert die Kultur politisch einnimmt. Die Kunst könnte heilsam wirken, kann sie aber nicht, wenn sie nur als schicker Zeitvertreib gesehen wird. Kultur ist kein Luxus sondern Notwendigkeit!


Was liest Du derzeit?

Panikherz von Benjamin von Stuckrad Barre und Heinz Strunk in Afrika. Und als nächstes Land in Sicht von Ilona Hartmann und Nerds von Sibylle Berg. Ich kann mich noch nicht entschieden welches zuerst…


Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Es gibt kaum ein Wort heutzutage, mit dem mehr Missbrauch
getrieben wird als mit dem Worte frei. Ich traue dem Wort nicht,
aus dem Grunde, weil keiner die Freiheit für alle will; jeder will sie
für sich.“

Otto von Bismarck

Vielen Dank für das Interview liebe Nina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen

Nina Weisz, Schauspielerin

http://www.ninaweisz.com/

Foto _Alan Ovaska

4.9.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kunst ist da, um dafür zu sorgen, dass die Welt niemals gänzlich dunkel wird“ Oliver Welter, Musiker_ Klagenfurt 29.11.2020

Lieber Oliver, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe zeitig auf, trinke Kaffee und beantworte und schreibe dabei Mails.
Dann, circa jeden zweiten Tag, laufe ich eine Runde. Anschließend beginne ich mit der Arbeit. Ich schreibe und komponiere Musik, werke an Texten und diversen Konzepten. Und das für den Großteil des Tages.
Da ich im Grunde auf und von der Bühne lebe, die meisten davon aber immer noch geschlossen sind und wohl auch noch länger geschlossen bleiben, sind die Abenden, im Gegensatz zu „früher“, nun frei. Das bedeutet zwar mehr Freizeit, aber leider auch weniger Einkommen.

Oliver Welter_Musiker, Autor

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Im Grunde dieselben Tugenden, die in allen Zeiten wichtig sind und immer Gültigkeit besitzen sollten: Empathie, Solidarität, Mut und Durchhaltevermögen. Mit diesen Eigenschaften – von Gesellschaft und Politik gelebt und getan – sollte jede Krise überwunden werden. Die Realität sieht aber leider ganz anders aus.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik und der Kunst an sich zu?

Ich hatte zu Beginn der Pandemie wirklich die Hoffnung, dass sich durch dieses globale Ereignis notgedrungen einiges ändern würde:
Deglobalisierung, eben größere Solidarität – innerstaatlich, wie auch weltweit – sowie empathisches Zusammenwirken von Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und auch Kunst. Diese Hoffnung habe ich mittlerweile aber wieder aufgegeben. Sieht man davon ab, dass es ein kollektives Massenbesäufnis wie einst in Ischgl oder auf Mallorca länger nicht mehr geben wird, und die Maske auch zukünftig viele von uns tragen werden, ist keinerlei Änderung zu erwarten. Der Kunst (und dazu gehört auch die Musik) wird das alles nichts anhaben können. Sie ist da, um für alle Zeiten zu bleiben und dafür zu sorgen, dass die Welt niemals gänzlich dunkel wird. Ohne die Kunst hätten wir vor zig tausenden Jahren gleich auf den Bäumen hockenbleiben sollen…

Was liest Du derzeit?

Ein Buch, das ich die längste Zeit zu lesen aufgeschoben habe, nämlich Cervantes „Don Quijote von der Mancha.“

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich empfehle einen Satz des französischen Philosophen Roland Barthes, den ich seit Jahren immer wieder persönlich als Abschluss von Briefen; Mails etc. verwende. Wie ich finde, passt dieser recht genau zu mir und im Moment womöglich auch zu vielen anderen. Er lautet: „Immer verzweifelt, nie entmutigt.“

Vielen Dank für das Interview lieber Oliver, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Oliver Welter_Musiker, Autor

Naked Lunch

Foto_Johannes Puch

1.10.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Sich in Krisenzeiten zu fragen, bei was sollte ich in Aktion kommen und welche Ereignisse erfordern eine Ruhephase“ Cornelia Böhnisch_Künstlerische Leitung Toihaus Theater Salzburg _ 29.11.2020

Liebe Cornelia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ende des Sommers sah mein Tagesablauf scheinbar wieder wie vor dem Lockdown im März aus. Ich brachte meine Tochter in den Kindergarten und probte für die Saisoneröffnung am Toihaus Theater.

Cornelia Böhnisch _ Foto _ Martin Holtkamp, Tokyo

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Balance zwischen Ruhe und Unruhe zu finden.
Sich in Krisenzeiten zu fragen, bei was sollte ich in Aktion kommen und welche
Ereignisse erfordern eine Ruhephase, finde ich sehr wichtig.

Vor einem Aufbruch, Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und
persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt
dabei dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Die Kunst kann uns lehren, dass ein zielloses Kneten des Tones durchaus eine
Skulptur zustanden bringen kann.

Was liest Du derzeit?

„Faszination Ikebana. Kulturgeschichte der japanischen Blumenkunst“ von
Franziska Ehmcke

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wie der Sternenhimmel: Still und bewegt!
Friedrich Hölderlin

Vielen Dank für das Interview liebe Cornelia, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte am Toihaus Theater Salzburg wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Cornelia Böhnisch_Künstlerische Leitung Toihaus Theater_ A 5020 Salzburg 

Cornelia Böhnisch

Foto_Martin Holtkamp/Tokyo

30.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Nicht die Nerven verlieren, die Realität nicht leugnen, trotzdem offen sein und neugierig“ Johanna Orsini-Rosenberg, Schauspielerin _ Wien 29.11.2020

Wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im September des Jahres war alles“ fast“ normal, ich habe begonnen am Landestheater Linz zu arbeiten, wobei wir alle mit Masken durch das Haus gingen/gehen und dann auch absurde Situationen entstehen wo man mit einem Kollegen auf der Bühne spielt und dann am Gang sich mit Maske unterhält obwohl niemand anderer da ist  weit und breit, es ist am Theater ein großes Thema und eine berechtigte  Angst da, aber alle bemühen sich sehr und wir sind so dankbar, dass wir wieder proben dürfen (und spielen durften) !

Noch hat die Schule nicht wieder begonnen, aber bald werden wir wissen ob es gut geht. Es bleibt eine Ungewissheit, die ist immer da.

Johanna Orsini Rosenberg _ Foto _ Ingo Pertramer

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht die Nerven verlieren, die Realität nicht leugnen, trotzdem offen sein und neugierig und das was uns fehlt, anders kompensieren, noch mehr Aufmerksamkeit anderen Menschen gegenüber pflegen.

Vor einem Aufbruch, Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich denke, wir alle können nur noch mehr wertschätzen, was es bedeutet auf der Bühne zu stehen, miteinander zu spielen, zu arbeiten, ein Publikum zu haben und vice versa. Das ganze online Dings war/ist schrecklich!

Es geht nichts über den Moment und den direkten Kontakt. Initiativen wie der Kultursommer Wien waren für uns essentiell! Solche Ideen wird es weiterhin brauchen! Nicht nur finanziell war es wichtig,  wir konnten so unser Projekt ( Konrad Bayer Chansons) retten und es ist nicht“ verhungert“, wir sind in der Übung geblieben und konnten es weiter entwickeln. Spontanität und über den Horizont hinaus denken!

Was liest Du derzeit?

Ivan Klima: „Liebende für eine Nacht, Liebende für einen Tag“

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich empfehle die Lektüre von Elfriede Gerst.

Wird schon nix gutes sein, wenn man das beste daraus machen muss..

(E. Gerstl)

Vielen Dank für das Interview liebe Johanna, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Johanna Orsini-Rosenberg_Schauspielerin

https://www.johannaorsinirosenberg.com/

5.9.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Denn was wären wir ohne unsere Träume? Nichts.“ Ulrike Schrimpf, Schriftstellerin_Wien 29.11.2020.

Liebe Ulrike, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Die Augen aufschlagen und offenhalten.

Einatmen. Ausatmen.

Dunkle Gedanken wegschieben.

Ulrike Schrimpf, Schriftstellerin

Drei Söhne in den Tag schicken.

Musik hören.

Mindestens zwei Tassen Kaffee trinken.

Mindestens ein Schokoladencroissant essen.

Dankbar sein für jeden Tag, an dem die Kinder das Haus verlassen.

Dankbar sein für jede Stunde, in der ich arbeiten kann.

Die Sonne suchen in der Birke vor meinem Fenster.

Ulrike Schrimpf, Schriftstellerin

Lesen. Schreiben. Vermissen.

Dunkle Gedanken wegschieben.

Schreiben. Lesen. Dinge ausmalen.

Dankbar sein für jeden Menschen, der gesund ist.

Mails schreiben, Haushalt machen, Mittagessen kochen. Über Unfug kichern.

Dankbar sein für jeden Tag, an dem die Kinder heimkehren.

Zuhören, streicheln, spielen, Kastanienmännchen basteln. Erklären, was ein Quader ist. Streithähne besänftigen.

An dem Zimmer für mich allein vorbeigehen. Sehnsucht haben. Nach dem Bücherstapel auf dem Wohnzimmertisch schielen.

Aufräumen. Laut werden. Kopfschmerzen bekommen. Klebehände im Gesicht haben. Luftküsse fliegen lassen.

Dunkle Gedanken wegschieben.

Abendessen zubereiten, Geschichten erzählen, gemeinsam lachen. Kinder baden, frische Kleider für den nächsten Tag suchen.

Im Bett liegen, vorlesen, nahe sein. Körper spüren und riechen. Ruhig werden.

Sich zusammen sammeln. Aufstehen. Die Nacht betrachten.

Alleinsein.

Pläne schmieden. Helle Träume –

ausdenken.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Anstand. Demut. Zuversicht. Humor. Zusammenhalt. Engagement. Mitgefühl. Kunst.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Kunst ist an sich. Sie war und ist immer notwendig und existentiell. Damit braucht und will Kunst keine Funktion, keine Aufgabe oder Rolle, kein Ziel und keinen Zweck. Die Gedanken sind frei, und die Kunst ist frei. Daran glaube ich fest. Ich stehe daher jeder Funktionalisierung und Vereinnahmung von Kunst grundsätzlich kritisch gegenüber. Da Kunst aber einem grundlegenden menschlichen Drang zur Imagination, zum Schöpferischen, zum Entkommen aus faktischen Gegebenheiten entspringt, wird sie umso lebensnotwendiger, desto prekärer die realen Lebensumstände werden. Denn was wären wir ohne unsere Träume? Nichts.

Was liest Du derzeit?

Die Zeiten, in denen ich mich nur und ausschließlich einem einzigen Buch widmen konnte, sind leider lange vorbei. Jetzt sammeln sich die Bücher, die ich lese, immer in mindestens vier Stapeln auf Schreib-, Nacht- und Wohnzimmertisch.

Auf einem Stapel befinden sich die Bücher, die ich für meinen Literaturpodcast „Drachen-Bücher“ besprechen möchte. Derzeit lese ich von ihnen Thomas Hardys Roman „Far from the Madding Crown“ („Am grünen Rand der Welt“).

Der zweite Stapel setzt sich aus Büchern zusammen, die ich zur Recherche für meine verschiedenen literarischen Projekte lese. Das sind momentan u. a. Bücher zu verschiedenen medizinischen Themen, der Roman „Nichts, was uns passiert“ von Bettina Wilpert und die von Lina Muzur herausgegebene Erzählungssammlung „Sagte sie. 17 Erzählungen über Sex und Macht“.

Der dritte Stapel sind Bücher, die ich zum reinen Vergnügen, aus Neugier und Wissensdurst, zur Unterhaltung und zum Abtauchen lese. Gerade sind das zum Beispiel die Romane „Die Infantin“ von Helena Adler, „Die Vegetarierin“ von Han Kang und „Die Natur der Dinge“ von Georg Thiel, Short Stories von Lucia Berlin und Essays von Virginia Woolf und Siri Hustvedt.

Der vierte Stapel sind Lyrik-Bände. Mein Leben lang lese ich immer auch Gedichte, neben allem Anderen. Im Moment haben es mir wieder die Gedichte von Jorge Luis Borges und Konstantinos Kafavis besonders angetan, aber auch die von Anne Sexton und der zeitgenössischen brasilianischen Dichterin Angélica Freitas, deren Gedichte ich beim Elif-Verlag entdeckt habe: „Der Uterus ist groß wie eine Faust“ heißt der dort jüngst erschienene Band.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

pastellfarbenes licht

liegt auf der welt und

du stellst es dir kaum vor

legst nur das gesicht in den

wind der uns bewegt dort

wo wasser sich sammelt

weißt du es gibt eine richtung

Vielen Dank für das Interview liebe Ulrike, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Ulrike Schrimpf_Schriftstellerin

https://www.ulrike-schrimpf.de/

Fotos_Andrea Peller

5.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Liebe. In erster Linie zu uns selbst, zu allem Leben, zur Natur.“ Sandra Pascal, Schauspielerin _ Wien 29.11.2020

Liebe Sandra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jeder Tag ist anders. Meistens bestehen die Tage jedoch daraus sich neu zu erfinden. Ansonsten zu viel Bürokram, Text lernen, planen, schaffen, ausprobieren, Menschen treffen und so oft auf den Berg wie es geht. Von dort oben sehen unsere Probleme klein aus.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Liebe. In erster Linie zu uns selbst, zu allem Leben, zur Natur. Dann kommt die Kraft aus uns heraus, unabhängig von den Umständen. Wir müssen auch aufpassen, unsere Freiheit nicht beschneiden zu lassen und zusammenhalten, auch wenn wir unterschiedlicher Ansicht sind, was derzeit richtig ist.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Film und der Kunst an sich zu?

Wesentlich wird sein zu unterscheiden, was zu ändern und was zu akzeptieren ist.

Das Spannendste, was ich mir derzeit künstlerisch erhoffe, sind Zukunftsutopien, sowie die Besinnung auf das Verbindende, Wahre, Schöne.

Was liest Du derzeit?

„Das Buch der Freude“ Dalai Lama und Desmond Tutu

„Was ich im Wasser sah“ Katharina Köller (Roman einer wunderbaren Frau, gerade erschienen)

„Das geheime Band zwischen Mensch und Natur“ Peter Wohlleben

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“Man gibt immer den Umständen die Schuld für das, was man ist. Ich glaube nicht an Umstände. Diejenigen, die in der Welt vorankommen, gehen hin und suchen sich die Umstände, die sie wollen und wenn sie sie nicht finden können, schaffen sie sie selbst”. G. B. Shaw

„Die Welt ist wie wir sind.“ (Verfasser unbekannt- aus der GEA Zeitschrift)

Vielen Dank für das Interview liebe Sandra, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Sandra Pascal, Schauspielerin

Fotos_Sandra Pascal in „Ein Geschäft mit Träumen“ (Ingeborg Bachmann) 28.7.2018_Theater Heunburg_Kärnten

„Ein Geschäft mit Träumen – Ingeborg Bachmann“ Begeisternde österreichische Erstaufführung am Heunburgtheater_Kärnten 28.7.2018

Alle Fotos_Walter Pobaschnig

23.9.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahrnehmungen und Welt-Verbindungen“ Karin Ivancsics, Schriftstellerin_Wien 29.11.2020

Liebe Karin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin erst Anfang November von meinem Sommerdomizil im Burgenland in die Wiener Wohnung übersiedelt, und dann gleich zweiter Lockdown und dann gleich Terroranschlag am Abend nach der In memoriam-Veranstaltung im Literaturhaus, das war heftig. Es ist eine ziemliche Umstellung, weil ich nun nicht einfach die Türe aufmachen und in den Garten gehen kann.

Der erste Lockdown passierte ja, nachdem ich am Freitag, den 13. 3. von einer Reise aus Sansibar zurück kam – nach zwei Wochen zog ich aufs Land und blieb dort, mit ein paar Abstechern in die Stadt. Ich empfand es als großes Privileg und lernte die Natur dadurch noch mehr zu schätzen als ich es eh schon tue: Sie heilt und gibt Kraft. Es war ein arbeitsamer und herausfordernder Sommer und Herbst, vor allem in organisatorischer Hinsicht (ich arbeite auch als Kuratorin/Programmgestalterin). Phasenweise hatte und habe ich natürlich Zeit für Notizen, Projektentwicklung, Weiterarbeiten an meinem Sansibar-Buch und dem Schreiben neuer Texte.

Einen geregelten Tagesablauf habe ich nicht, er ergibt sich aus dem, was anfällt; Mail-Beantworten und Bürokram, „das Lästige“ erledige ich gerne am Vormittag. Zurzeit bin ich mit der Überarbeitung der „Aufzeichnungen einer Blumendiebin“ beschäftigt, sie sollen im Frühjahr bei KLEVER neu aufgelegt werden, worüber ich mich sehr freue. Zusätzlich schreibe ich an einem Textbeitrag anlässlich 100 Jahre Burgenland.

Karin Ivancsics, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Weiterhin Masken verwenden und Hände waschen. Zuhause bleiben.

Und: Geduld und Zuversicht. Alles endet, auch diese Pandemie. Als ich im März in den Lockdown hineinplatzte, platzte mir auch teilweise der Kragen ob der Wehleidigkeit und der Ansprüche meiner europäischen Mitmenschen! Ich kam aus einem afrikanischen Land, in dem der Durchschnittsverdienst 250 € beträgt: jährlich!, und musste mitansehen, wie die Leute hier schier ausrasteten, Klopapier horteten usw. Ich verstehe, dass es vielen reicht und dass wir alle müde sind und erschöpft von den Corona-Maßnahmen – und dennoch: wir haben es vergleichsweise gut getroffen in diesem reichen Land. Wir sind durch die Gnade der Geburt seit vielen Jahrzehnten von realen, uns unmittelbar betreffenden, wirklich schlimmen und todbringenden Kriegen verschont geblieben – ein wenig Demut und sich Zurücknehmen wäre angebracht, das fällt in einer von Individualisten geprägten Gesellschaft anscheinend schwer.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich bin nicht sicher, ob es einen Neubeginn geben bzw. wie sich dieser gestalten wird. Anfangs stimmte ich in den Hoffnungskanon ein: Vielleicht zeigten sich die Menschen tatsächlich einsichtig und würden erkennen, dass die sozialen Verzichte, die sie – auf ungewisse Zeit – zu leisten genötigt waren, weniger schlimm waren als befürchtet und dass sie Kosmetik- und Friseurbesuche, tägliches Essengehen in Restaurants oder Shopping als Freizeitbeschäftigung beiseite lassen konnten ohne zu verzweifeln, vielleicht würden sie dieses Virus als Folge unseres unverantwortlichen Konsumverhaltens und der Zerstörung der Natur begreifen? Aber denkste, diese Illusion habe ich mittlerweile als solche entlarvt  – kaum waren zwischenzeitlich die Möglichkeiten da, Geld für Klamotten rauszuschmeißen, in Flugzeuge zu steigen und den AI-Urlaub anzutreten etc., hat das Gros der Mitbürger*innen diese wieder genutzt – ich weiß wovon ich spreche: in der Nähe meines burgenländischen Zweitwohnsitzes befindet sich das Outlet-Center!

Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahrnehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es oftmals gerade der Bruch mit dem Gewohnten, der unseren Zukunftssinn und unsere Kreativität wieder freisetzt, die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch und vor allem zum Besseren. Man sollte diesem Bruch mit der Routine, dem wir uns derzeit alle nicht entziehen können – mehr Chancen geben, ihn willkommen heißen und schauen, was passiert: das unter anderem tut die Kunst und die Literatur.

Was liest Du derzeit?

Nachdem ich im Sommer vor allem Fahnen von Neuerscheinungen als Vorbereitung auf die Literaturtage im Weinwerk gelesen habe, genieße ich es, in die großartigen fertigen Bücher nochmals hinein zu blättern. Andererseits darf ich mich nun auch gänzlich „zweckfrei“ spannender Literatur hingeben, was für ein Luxus! Zurzeit lese ich zwei Bücher parallel, die mir Ilija Trojanow geschenkt hat: „Töchter Afrikas“ ist ein Sammelband schwarzer Autorinnen, die er Mitte der 1990er-Jahren in seinem Marino Verlag veröffentlichte ,wir kommen viel zu selten mit dieser Literatur in Kontakt – „Eine Weltliteratur ohne afrikanische Literatur ist wie ein Orchester, dem einige Instrumente fehlen“, so Doris Lessing. Das zweite ist die ungekürzte Neufassung von Gandhis Autobiografie „Mein Leben“ (C. H. Beck), mit einem wunderbaren Nachwort von Trojanow ergänzt, in dem er über die Widersprüchlichkeit der Person Ghandi und Paradoxien als Instrumente der Erkenntnis und Entwicklung schreibt.

Lesen ist das Betreten fremder Welten; für mich als passionierte Reisende finden Reisen zurzeit im Kopf statt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich habe zwei:

Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann. – Leo Tolstoi

Und:

Mit jedem Verlust habe ich auch etwas gewonnen. – Ishraga Mustafa Hamid, die ich bei den Literaturtagen im Weinwerk kennenlernen durfte; gebürtige Sudanesin und seit 27 Jahren eine „Schwarze Wienerin“, wie sie sich gerne selbst bezeichnet.

Vielen Dank für das Interview liebe Karin, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Karin Ivancsics, Schriftstellerin

http://www.karinivancsics.at/karinivancsics/Willkommen.html

Foto_Alain Barbaro

10.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Der Tag – in der Balance zwischen Mutter und Künstlerin sein“ Sophie Resch, Schauspielerin _ Wien 29.11.2020

Liebe Sophie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Meist beginnt der Tag für mich eher unausgeschlafen um 6Uhr. Dann richte ich Frühstück für meinen kleinen Sohn, spiele mit ihm, verrichte Dinge im Haushalt und nutze dann die 2h Mittagschlaf von meinem Kleinen für das, was ich gerade als „am Wichtigsten“ erachte.  Erarbeite neue Vorsprechmonologe, lerne Text für Dreharbeiten, oder arbeite an meinem Sprechereel usw.(Kurze Notiz dazu: In der Stillzeit und müde Text lernen, ist ein etwas schleppendes Unterfangen) – Im Sommer bereitete ich meine Moderation für den Kultursommer in Wien vor, Ja und so geht der Tag dahin…in der Balance zwischen Mutter und Künstlerin sein.

Das was sich durch C19 verändert hat, ist die Ungewissheit ob die Dinge, auf die ich mich vorbereite, auch tatsächlich stattfindenJ

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Im Großen und Ganzen:

Auch wenn die jetzige Situation rund um C19 uns völlig in Beschlag nimmt, dürfen wir die wirklich dringlichen und wichtigen Dinge nicht aus den Augen verlieren. Wir sollten um jeden Preis weitere von Menschen gemachte Umweltkatastrophen vermeiden und die Natur schützen, in dem wir endlich ehrliche, radikale und gute Klima- und Umweltpolitik machen und zwar weltweit und kompromisslos.

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Im Kleinen:

finde ich wichtig, dass man der Angst keinen zu großen Raum geben sollte. Und damit meine ich nicht den Respekt vor dem Virus, sondern die Angst, dass man den Lebensstandard, den man immer hatte verliert, Angst vor einschlägigen Veränderungen in der Gesellschaft und vor allem in der Wirtschaft , Angst vor Neuem, Angst vor Einschränkung, Angst davor, dass einem andere Menschen, etwas wegnehmen oder vor Fremden und man deshalb aufhört menschlich zu sein, und und und.

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Und im kleinsten Sinne:

Ausgewählte liebste Menschen um einen!

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Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Insgesamt wäre es schön, wenn wir alle es schaffen würden, zuversichtlich, solidarisch und voller Mut in diese neuen Zeiten hineinzugehen. Das schafft viele neue Möglichkeiten und gewisse Dinge könnten sich dadurch von Grund auf ändern. Ich bin z.B: eine starke Befürworterin für das bedingungslose Grundeinkommen und glaube, dass dieses auch viele positive Veränderungen in der Gesellschaft mit sich bringen kann.

Kunst kann Menschen neue Denkweisen näher bringen und sie erlebbar machen. Im Theater z.B. kann man einfach eine neue Gesetzmäßigkeit etablieren und diese gelten dann für das ganze Stück. Der Zuseher akzeptiert diese meist sehr schnell und unbewusst. Diese Flexibilität unserer Vorstellungskraft zu trainieren und die Akzeptanz von neuen Gesetzen und Grenzen, empfinde ich als sehr wichtig. In den Köpfen fängt die Veränderung an… So glaube ich, dass die Kunst weiterhin als Spiegel oder Zerrbild der Gesellschaft funktionieren wird. Und natürlich als Ventil, das brauchen wir gerade (so kommt es mir vor) mehr denn je.

Die Gesellschaft verändert sich gerade, die Systeme nach und nach auch, die Kunst/ das Theater muss und wird darauf reagieren.

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 Was liest Du derzeit?

„Die kleine Raupe Nimmersatt“ von Eric Carle J

und

 „Unorthodox“ von Deborah Feldman

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Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Und ich möchte sie, so gut ich es kann, bitten Geduld zu haben, gegen alles Ungelöste in ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind. Forschen sie jetzt nicht nach den Antworten, die ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum alles zu leben. Leben sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben sie dann allmählich, ohne es zu merken eines fernen Tages in die Antwort hinein.“

Rainer Maria Rilke

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Vielen Dank für das Interview liebe Sophie, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Sophie Resch, Schauspielerin

Alle Fotos_Walter Pobaschnig_Station bei Ingeborg Bachmann _Romanschauplatz „Malina“_Wien_9_20.

29.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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