„Der Tag – in der Balance zwischen Mutter und Künstlerin sein“ Sophie Resch, Schauspielerin _ Wien 29.11.2020

Liebe Sophie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Meist beginnt der Tag für mich eher unausgeschlafen um 6Uhr. Dann richte ich Frühstück für meinen kleinen Sohn, spiele mit ihm, verrichte Dinge im Haushalt und nutze dann die 2h Mittagschlaf von meinem Kleinen für das, was ich gerade als „am Wichtigsten“ erachte.  Erarbeite neue Vorsprechmonologe, lerne Text für Dreharbeiten, oder arbeite an meinem Sprechereel usw.(Kurze Notiz dazu: In der Stillzeit und müde Text lernen, ist ein etwas schleppendes Unterfangen) – Im Sommer bereitete ich meine Moderation für den Kultursommer in Wien vor, Ja und so geht der Tag dahin…in der Balance zwischen Mutter und Künstlerin sein.

Das was sich durch C19 verändert hat, ist die Ungewissheit ob die Dinge, auf die ich mich vorbereite, auch tatsächlich stattfindenJ

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Im Großen und Ganzen:

Auch wenn die jetzige Situation rund um C19 uns völlig in Beschlag nimmt, dürfen wir die wirklich dringlichen und wichtigen Dinge nicht aus den Augen verlieren. Wir sollten um jeden Preis weitere von Menschen gemachte Umweltkatastrophen vermeiden und die Natur schützen, in dem wir endlich ehrliche, radikale und gute Klima- und Umweltpolitik machen und zwar weltweit und kompromisslos.

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Im Kleinen:

finde ich wichtig, dass man der Angst keinen zu großen Raum geben sollte. Und damit meine ich nicht den Respekt vor dem Virus, sondern die Angst, dass man den Lebensstandard, den man immer hatte verliert, Angst vor einschlägigen Veränderungen in der Gesellschaft und vor allem in der Wirtschaft , Angst vor Neuem, Angst vor Einschränkung, Angst davor, dass einem andere Menschen, etwas wegnehmen oder vor Fremden und man deshalb aufhört menschlich zu sein, und und und.

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Und im kleinsten Sinne:

Ausgewählte liebste Menschen um einen!

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Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Insgesamt wäre es schön, wenn wir alle es schaffen würden, zuversichtlich, solidarisch und voller Mut in diese neuen Zeiten hineinzugehen. Das schafft viele neue Möglichkeiten und gewisse Dinge könnten sich dadurch von Grund auf ändern. Ich bin z.B: eine starke Befürworterin für das bedingungslose Grundeinkommen und glaube, dass dieses auch viele positive Veränderungen in der Gesellschaft mit sich bringen kann.

Kunst kann Menschen neue Denkweisen näher bringen und sie erlebbar machen. Im Theater z.B. kann man einfach eine neue Gesetzmäßigkeit etablieren und diese gelten dann für das ganze Stück. Der Zuseher akzeptiert diese meist sehr schnell und unbewusst. Diese Flexibilität unserer Vorstellungskraft zu trainieren und die Akzeptanz von neuen Gesetzen und Grenzen, empfinde ich als sehr wichtig. In den Köpfen fängt die Veränderung an… So glaube ich, dass die Kunst weiterhin als Spiegel oder Zerrbild der Gesellschaft funktionieren wird. Und natürlich als Ventil, das brauchen wir gerade (so kommt es mir vor) mehr denn je.

Die Gesellschaft verändert sich gerade, die Systeme nach und nach auch, die Kunst/ das Theater muss und wird darauf reagieren.

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 Was liest Du derzeit?

„Die kleine Raupe Nimmersatt“ von Eric Carle J

und

 „Unorthodox“ von Deborah Feldman

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Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Und ich möchte sie, so gut ich es kann, bitten Geduld zu haben, gegen alles Ungelöste in ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind. Forschen sie jetzt nicht nach den Antworten, die ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum alles zu leben. Leben sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben sie dann allmählich, ohne es zu merken eines fernen Tages in die Antwort hinein.“

Rainer Maria Rilke

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Vielen Dank für das Interview liebe Sophie, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Sophie Resch, Schauspielerin

Alle Fotos_Walter Pobaschnig_Station bei Ingeborg Bachmann _Romanschauplatz „Malina“_Wien_9_20.

29.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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