„Kunst ist da, um dafür zu sorgen, dass die Welt niemals gänzlich dunkel wird“ Oliver Welter, Musiker_ Klagenfurt 29.11.2020

Lieber Oliver, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe zeitig auf, trinke Kaffee und beantworte und schreibe dabei Mails.
Dann, circa jeden zweiten Tag, laufe ich eine Runde. Anschließend beginne ich mit der Arbeit. Ich schreibe und komponiere Musik, werke an Texten und diversen Konzepten. Und das für den Großteil des Tages.
Da ich im Grunde auf und von der Bühne lebe, die meisten davon aber immer noch geschlossen sind und wohl auch noch länger geschlossen bleiben, sind die Abenden, im Gegensatz zu „früher“, nun frei. Das bedeutet zwar mehr Freizeit, aber leider auch weniger Einkommen.

Oliver Welter_Musiker, Autor

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Im Grunde dieselben Tugenden, die in allen Zeiten wichtig sind und immer Gültigkeit besitzen sollten: Empathie, Solidarität, Mut und Durchhaltevermögen. Mit diesen Eigenschaften – von Gesellschaft und Politik gelebt und getan – sollte jede Krise überwunden werden. Die Realität sieht aber leider ganz anders aus.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik und der Kunst an sich zu?

Ich hatte zu Beginn der Pandemie wirklich die Hoffnung, dass sich durch dieses globale Ereignis notgedrungen einiges ändern würde:
Deglobalisierung, eben größere Solidarität – innerstaatlich, wie auch weltweit – sowie empathisches Zusammenwirken von Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und auch Kunst. Diese Hoffnung habe ich mittlerweile aber wieder aufgegeben. Sieht man davon ab, dass es ein kollektives Massenbesäufnis wie einst in Ischgl oder auf Mallorca länger nicht mehr geben wird, und die Maske auch zukünftig viele von uns tragen werden, ist keinerlei Änderung zu erwarten. Der Kunst (und dazu gehört auch die Musik) wird das alles nichts anhaben können. Sie ist da, um für alle Zeiten zu bleiben und dafür zu sorgen, dass die Welt niemals gänzlich dunkel wird. Ohne die Kunst hätten wir vor zig tausenden Jahren gleich auf den Bäumen hockenbleiben sollen…

Was liest Du derzeit?

Ein Buch, das ich die längste Zeit zu lesen aufgeschoben habe, nämlich Cervantes „Don Quijote von der Mancha.“

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich empfehle einen Satz des französischen Philosophen Roland Barthes, den ich seit Jahren immer wieder persönlich als Abschluss von Briefen; Mails etc. verwende. Wie ich finde, passt dieser recht genau zu mir und im Moment womöglich auch zu vielen anderen. Er lautet: „Immer verzweifelt, nie entmutigt.“

Vielen Dank für das Interview lieber Oliver, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Oliver Welter_Musiker, Autor

Naked Lunch

Foto_Johannes Puch

1.10.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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