„Sie zog alle Blicke auf sich, wie sie da freudig von Seminarleitern und Dichterkolleginnen begrüßt wurde und strahlte“ _ Erinnerung an +Monika Helfer, Schriftstellerin _ Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien 1.9.2026

Monika Helfer _ Barbara Deissenberger
Monika Helfer, Schriftstellerin (*18.10.1947 Vorarlberg +2.8.2026)

Zu Monika Helfer/Monika Helfer-Köhlmeier:

Monika Helfer, Schriftstellerin (*18.10.1947 Vorarlberg +2.8.2026)

Monika Helfer, Schriftstellerin _ hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffentlicht. Für ihre Arbeiten wurde sie unter anderem mit dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur, dem Solothurner Literaturpreis und dem Johann-Peter-Hebel-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen bei Hanser ihre Romane »Vati« (2021), mit dem sie für den Deutschen Buchpreis nominiert war, »Löwenherz« (2022) und »Die Jungfrau« (2023), »Wie die Welt weiterging« (2024) sowie »Der Bücherfreund« (2025). Monika Helfer-Köhlmeier | Hanser 3.8.2026

Monika Helfer (ganz links) als Nominierte
bei der Verleihung des österreichischen Buchpreises 2025 in den Wiener Praterateliers :_ folgendes

Im Interview _ Barbara Deissenberger, Schriftstellerin  _ Wien

Liebe Barbara, welche Erinnerungen gibt es für Dich an Monika Helfer?

Bei einem Sommer-Literaturworkshop im Waldviertel, den ich vor vielen Jahren bei Robert Schindel machte, tauchte in der Mittagspause im Restaurant eine apart in Schwarz gekleidete Frau auf. Sie zog alle Blicke auf sich, wie sie da freudig von Seminarleitern und Dichterkolleginnen begrüßt wurde und strahlte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich „Bevor ich schlafen kann“ von ihr gelesen, wusste aber nicht, wie sie aussah. Ich hatte sie noch nie vorher getroffen.

Was macht für Dich das Besondere ihres Schreibens aus?

Monika Helfer schreibt in einer tendenziell reduzierten Sprache, vor allem in ihrer autofiktionalen Familientrilogie. Gleichzeitig evoziert ihr Stil eine dichte, fein gesponnene Atmosphäre, die mich an die subliminiale Melancholie in Romanen von Marguerite Duras erinnert. Ich kann auch viel mit den Themen und Motiven ihrer Bücher anfangen: Suche nach den eigenen Wurzeln, Außenseitertum, Verflechtung von weitergegebenen Mustern über Generationen hinweg, Heuchelei, Bigotterie und Neid am Land, Überleben in Kriegszeiten.

Möchtest Du bestimmte Bücher hervorheben und warum?

Mit der „Bagage“ habe ich Monika Helfer für mich wiederentdeckt. Diesen Roman schlug ich als Lektüre in einem Literaturzirkel der Volkshochschule, den ich leitete, vor. So habe ich mich näher mit dem Text beschäftigt. Die erzählende Ich-Figur gibt sich gleich anfangs als Enkelkind der Familie, über die sie schreibt, zu erkennen. Ihre Spurensuche ist auch Teil des Texts, etwa wenn sie Auskunft über den Ursprung ihrer Informationen gibt. Dabei spielen Fiktion und Autobiografisches zusammen. Monika Helfer hat in einem Interview eine schöne Definition ihrer Autofiktion gegeben: „Für mich dauert die Wahrheit in meinem Roman maximal zehn Zeilen lang, dann galoppiert die Phantasie in die Geschichte, hält inne bei dem Unglück mit Paula, jedes Mal, ob ich will oder nicht, die Fiktion rettet mich und macht mich mutig.“ (Literaturblatt Schweiz). Der Roman verwebt auch Vergangenheit und Gegenwart kunstvoll miteinander. Wenn etwa ein Leben in der Erzählgegenwart endet und unmittelbar darauf in der Vergangenheit weiter erzählt wird. Das ist tröstlich.

Wie hast Du Monika Helfer bei Lesungen, als Kollegin erlebt?

Sie war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die – aber das nur meiner persönlichen Wahrnehmung nach – zu lange öffentlich eher als Michael Köhlmeiers Frau gesehen wurde. Es ist gut, dass ihre autofiktionale Roman-Trilogie „Die Bagage“, „Vati“ und „Löwenherz“ schließlich breit rezensiert und sie so einem größerem Lesepublikum bekannt wurde.

Darf ich abschließend um ein Zitat/eine Textstelle aus Monika Helfers Werk bitten?  

„Ich ließ die Gedanken schweifen, ich glaube, damals hatte ich zum ersten Mal das Gefühl glücklichen Alleinseins, nach dem ich mich bis heute sehne und das sich nicht machen lässt, es kommt oder kommt nicht. Und macht am glücklichsten, wenn es unverhofft kommt.“                                           aus dem Roman „Löwenherz“

Herzlichen Dank für das Interview!

 Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien _
Foto: performing „Undine geht“  _ Wien/Lobau _ Walter Pobaschnig

Zu Person/Werk _ Website: Barbara Deissenberger | Barbara Deißenberger

Foto: Monika Helfer _  Salvatore Vinci/Hanser Verlag

Fotos: Monika Helfer _ Verleihung des österreichischen Buchpreis 2025 _ Walter Pobaschnig

Foto: Barbara Deissenberger, Schriftstellerin _ Wien _
performing „Undine geht“  _ Wien/Lobau _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig   8_26

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„Niemand hört!“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin _ Wien 1.9.2026

Undine geht _
_ Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin _ Wien
performing Undine geht/Donau Wien _
_ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Wien _
Walter Pobaschnig 7/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance  _ Donau/Wien

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text & Performance _ Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin _ Wien.

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

UNDINE GEHT

U
nten im Wasser

N acht ohne Tag,

D röhnende Stille der Leere im

I nnern.

N iemand hört!

E wiges Schweigen.



G estrandet in sprachloser

E insamkeit. Und keine

H and, um meine

T ränen zu trocknen.

Elfriede Schüsseleder, 5.8.26

Undine geht _
_ Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin _ Wien
performing Undine geht/Donau Wien _
_ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Wien _
Walter Pobaschnig 7/26, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance  _ Donau/Wien

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text & Performance _ Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin _ Wien.

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann.

Fotos: Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin _ Wien_ 
performing Undine geht/Donau Wien _
_ „Undine geht“ Ingeborg Bachmann (1961) _ Wien _
Walter Pobaschnig 7/26.

Walter Pobaschnig, 5.8.2026

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„Die Spur der Hasen“ Eine Grablegung. Christoph Geiser. Roman. Secession Verlag Berlin.

„Ich bin Medea! Soll sie zu Mama gesagt haben, als Mama sie im Irrenhaus besuchte, und: Hier stinkt es! und: Sie hat mich gestoßen! Als es um einen ominösen Sturz ging, bei dem sie sich eine Oberschenkelhalsfraktur zugezogen hatte…“

Die überlieferten Worte der Großmutter

„Ein Phantom. Oder ein Phantasma. Die Fremde. Grandmama russe…“

Und jetzt beginnt die Spurensuche nach einem Leben in allen Dunkelheiten der Zeit, der Kriege, der Vernichtung, der Verstoßung und der letzten Tage…

„In den Schoel hinabsteigen…diesen Wartsaal der Finsternis, Raum der Fragen, des Verlangens, des Forderns, Ort der Ödnis, der Verwüstung, des Staubs…“

Der in der Schweiz geborene und in Bern und Berlin lebende Schriftsteller Christoph Geiser ist eine der herausragendsten Stimmenmoderner deutschsprachiger Literatur.

In seinem Werk stellt er sich konsequent und sprachlich virtuos Existenz und Zeit und kommt dem Menschen in seinem Mikro- und Makrokontext von Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, Chancen und Verhängnissen literarisch so nahe, dass es erschüttert wie fasziniert. Dem umfangreichen Recherchieren, im vorliegenden Roman der Lebensweg der in Russland geborenen und in Basel verstorbenen Großmutter zwischen Schoa und persönlicher, familiärer Tragik, folgt eine sprachliche Ausdrucksform, die Leben und Wort gleichsam auf dem Drahtseil von Augenblick und Fall der Existenz balancieren lässt und bis zur letzten Seite fesselt. Der Autor versteht es einzigartig, Leserin und Leser mit den Protagonisten :innen mitgehen zu lassen und filmgleich im Geschehen von Biographie, Geschichte und Phantasie erschütternd da zu sein.

„Christoph Geisers Bücher sind ein geniales Gesamtkunstwerk, das Leben, Zeit und Phantasie in ein faszinierendes Karussell von Sprache setzt und dann virtuos zurück- und fortfliegen lässt.“

„Die Spur der Hasen“ Eine Grablegung. Christoph Geiser. Roman. Secession Verlag Berlin.

Die Spur der Hasen (Band 13)

Der Abschluss der dreizehnbändigen Werkausgabe.

HRSG. VON MORITZ WAGNER UND JULIAN REIDY MIT EINEM NACHWORT VON CASPAR BATTEGAY MIT LESEBÄNDCHEN

ETWA 150 SEITEN

CA. € (D) 24.00 I € (A) 24.70

ISBN 978-3-96639-155-9

ISBN 978-3-96639-156-6 (E-BOOK)

Walter Pobaschnig 8/26

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