„Von innen heraus auf die äußeren Um- und Zustände einzuschreiben versuchen“ Maximilian Christian Baron Scheffold, Schriftsteller _ Wien 12.3.2021

Lieber Maximilian, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Zunächst mal recht früh aufstehn, dann meine Freundin nochmal gescheit zudecken, je nachdem, die schläft dann noch zwei Stunden, die Schlafmütze, und mir einen Kaffee holen gehn. Das aber so oder so. Kein Tag ohne Kaffee. Und wieder mit dem Rauchen begonnen, also eher versuchen wieder damit aufzuhören, bei meiner ersten Tschick zum Kaffee. Klo gehn, mich dort derweil über tagespolitische Sachen auf Facebook und Konsorten aufregen, mich über die Regierung aufregen, und über Internetnutzer*innen im Allgemeinen. Aber bloß kurz nur. Erst danach beginnt so richtig mein Tag.

Setz mich an den Schreibtisch, mach Sachen für die Uni, schieb sie doch auf, mach sie dann trotzdem, meistens, oder so. Und schreiben, ganz viel schreiben. Gegen die inneren Zustände anschreiben, von innen heraus auf die äußeren Um- und Zustände einzuschreiben versuchen, so viel wie geht, das aber trotzdem eigentlich im Stillen in meinem Zimmer, und hoffen dass die Hoffnung mal aufgeht, naja.

Spazieren geh ich auch recht viel, zu unterschiedlichen Zeiten am Tag, Corona hat ja Struktur so ziemlich im Privaten wie im Öffentlichen weitgehend aufgelöst, also zuverlässige, dementsprechend der ständige Versuch, Struktur einzuführen in mein Leben, von Tag zu Tag. Aber halt Spazierengehen. Und die Unruhe. Die Unruhe an der Unruhe, und das kratzen daran. Ein wenig Werther spielen und sich leidenschaftlich auf die Nerven dabei gehn, die Strukturentleerung durch Corona und die Rigidität der monotonen Gleichförmigkeit jeden Tages ohne Möglichkeit zum wirklich mal was machen (kann man ja jetzt ENDLICH wieder ins Museum gehn, yay) lässt mich halt mich in meine eigenen Dramen mehr reinsteigern, beziehungsweise Dramen zu erzeugen, wo bloß vielleicht Mücken, eigentlich. Und dann das wieder erschreiben.

Und dann doch wieder ein klein wenig Exzess, ein zwei Bier am Abend, egal welcher, die Wochentage haben für Studierende und Schreibende ja herzlich wenig Bedeutung, also jetzt nicht jeden Tag und nicht die ganze Zeit, ach, ich meinte halt auch hin und wieder unter der Woche. Und dann wieder das Reflektieren des Exzesses und eventuell die nächste Wertheraktion. Hab mir meine Haare abrasiert, hab mir zwei Piercings gestochen, hätte gerne eine Tätowiermaschine zuhause. So wird mir eigentlich eh nie wirklich fad. Zumindest aber nicht meinen Mitbewohner*innen und meiner Freundin. Ein wenig Inszenierung halt und ein wenig Spaß. Also nix mit fad die meiste Zeit über, außer manchmal dann beim Schreiben und Studieren wiederum. Ach ja, lesen ganz viel, ein wenig Ruhe um die Unruhe aushalten zu können. So schauts mal aus, derweil.

Maximilian Christian Baron Scheffold, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube, Transparenz. Transparenz in allen Regierungsentscheidungen, Klarheit in ihren Forderungen, ihren Aktionen etc. Bitte nicht falsch verstehen, ich bin kein Querdenker, Corona ist real, der Staat muss intervenieren, Maßnahmen sind notwendig, eindeutig. Bloß in der Kommunikation zu den Bürger*innen würde ich mir doch etwas mehr Transparenz und Klarheit wünschen und in den Regierungsentscheidungen, und nicht ständig dieses Hin und Her, dieses Wischiwaschi, machen wir mal auf und dann wieder zu und dann wieder auf, obwohl rundherum, also zumindest in Deutschland, der Lockdown einfach mal durchgezogen wird. Österreich ist und bleibt – ich hoffe jedoch, nicht für immer, bitte nicht – eine Weißspritz-Nation, zumindest im politischen Feld: man ist weder ganz Wein, noch ganz Soda, mach ma mal die Hälfte, trink ma mal halt was, und dann schaun ma weiter, vielleicht nachm nächsten Glaserl Halb-Halb, a bisserl bsuffn samma ja schon, ist ja lustig. Oder anders: Österreich, wie mir mal ein Freund gesagt hat, ist halt ein Operettenland ohne Wiener Schluss, es gibt viel Drama, dann wirds wieder lustig, ein wenig traurig, spannend auch, doch versöhnlich wirds leider nie; die Operette Österreich kommt nie wirklich aus dem Lustigdramatischen raus, was mehr als bloß tragisch für die Bevölkerung ist, eigentlich zum Kotzen dieser ganze geheuchelte Kitsch, der mehr Verdrängung als Glänzen.

Aber naja, Transparenz, das ist es, was wir, glaub ich, besonders brauchen würden bzw. was wichtig wär. Was sonst? Bücher, vielleicht, auch ein paar Bier und Kaffee. Und vermutlich ein kleines bisschen weniger Rechtspopulismus, wenn ich bitten dürfte. Und die Grünen wieder grün. Ach ja, und eine Käseglocke auf Tirol.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Hm, die Rolle der Literatur. Ich leih mir da mal kurz ein paar Worte: Reinhard Priessnitz meinte einmal in einem Interview, dass Literatur nicht „die verantwortung oder sogar die fähigkeit hat, dinge in der empirischen welt zu verändern.“ Wenn man also etwas schreibe oder anderweitig mache, meint Priessnitz, so sei das immer schon „ein ausdruck von freiheit und damit auch von opposition zum status quo.“ Ich stehe dieser Aussage seitens Priessnitz ja recht ambivalent gegenüber, so sehr ich ihn auch schätze. Zum einen verdammt er den literarischen Ausdruck zum bloßen Ausdruck bereits strukturell präsenter Möglichkeiten, also zum Ausdruck von durch die Struktur bereitgestellten und damit auch erlaubten Oppositionsmöglichkeiten zum Status Quo. Sprich, die Möglichkeit der Literatur wäre damit bloß die Möglichkeit des Status Quo, ganz hart gestrafft jetzt, natürlich. Und davor grauts mir massiv. Zum anderen aber baut er trotzdem auf das revolutionäre Potential von Literatur, es unterliegt halt gewissen Beschränkungen. So sehr ich mich dagegen auch aussprechen möchte, sehe ich das leider dennoch als zutreffend, beide Seiten nun, für die Zukunft, oder besser gesagt, Gegenwart von Kunst und Literatur, ich möchte ja nur sehr ungern diese beiden Begriffe getrennt voneinander benutzen, impliziert das doch, dass Literatur keine Kunst wäre, das aber nur mal so im Dranvorbeigehen, – also Literatur (ich beschränke mich nun auf diesen Begriff einfach mal), zumindest in Österreich, hat leider nicht uneingeschränktes Potential zum gesellschaftlichen Eingriff. Seit Corona noch viel weniger denn je, leider, aber auch schon davor noch unter SchwarzBlau, ähm, TürkisBlau, also unter der blauen EinserPasch-Regierung, und so wahrscheinlich auch noch weiterhin, wenn die Regierung, selbst unter „Mitwirkung“ der Grünen, weiterhin nichts mehr als bürokratisierte Freunderlwirtschaft und Hintertür verbleiben sollte, und Türkis die Kulturlandschaft noch weiter zum Ergrauen verdammt. Alle Schreibenden und Kunstschaffenden (upps, schon wieder diese Trennung), müssen, meiner Meinung nach, gegen dieses Verhaftetsein im Status Quo, gegen dieses Verhaftetsein des künstlerisch-revolutionären (großes Wort, aber mein Gott..) Potentials in eben diesem Status Quo, bereitgestellt vom Staat – Kunst also zu kurz kommend –, anschreiben. Immer weiter, mehr. Aber es ist schon verständlich, dass die Kritik- und Interventionsfähigkeit der Literatur, vor allem im Lyrik-Bereich, natürlich stark leidet und eingeschränkt bleibt und wird, wenn Schriftsteller*innen hauptsächlich von Förderungen, Preisen, Stipendien, etc. etc. – kauft ja niemand so Zeugs, schade – abhängig sind, also von vom Staat bereitgestellten Strukturen, nicht nur um Kritik überhaupt üben zu können, sondern um bloß schon einfach nur zu überleben. Daher glaube ich leider nicht so wirklich an die Fähigkeit von Literatur, ins gesellschaftliche Leben hart und tief eingreifen zu können, momentan zumindest, doch aber glaube ich dafür um so mehr an ihre Verantwortung diesbezüglich, so paradox das auch klingt wahrscheinlich. Also schließe ich mich cum grano salis Priessnitz an, halt umgemünzt auf die heutige und voraussichtlich auch momentan mal anhaltende Situation. Aber noch kurz nochmal zurück zur eigentlichen Frage: was wird wesentlich sein? Ich glaube Kritik, sofern möglich halt, denk ich mir. Den Kurz beim Schopfe packen, also, selbst ohne Aussicht auf großartigen noch kleinen Erfolg, naja. Ein ewiges „und aber“ halt, vermutlich mit Hunger.

Was liest Du derzeit?

Viel und wenig, eigentlich. Recht unsystematisch relativ viel Lyrik, hie und da stöber ich im Thomas Kling umher, haben seine Gedichte ja wieder teilweise mehr Relevanz denn je (Stichwort „tiroler hai“, „lamentiertes tirol“ etc.). Und natürlich immer wieder mal im Stefan Schmitzer herumgewühlt, herrlich lustig und politisch und einfach nur wahr, oder zumindest scharf treffend, aber lustig. Sehr gut auf jeden Fall. Dann hab ich grad das neueste Buch von meiner guten Freundin Raphi Edelbauer gelesen, „Dave“, sehr gutes Ding, Empfehlung an alle, jetzt, kaufen, sofort. Hab grad mit „Auwald“ von Jana Volkmann begonnen, da bin ich auch sehr gespannt. Ansonsten halt wie immer hie und da in „Dessen Sprache du nicht verstehst“ von Marianne Fritz reingestöbert, hoffe ja noch immer, das irgendwann mal auch komplett durchzuhaben, 3300 Seiten sind ja ein wenig eine Zumutung, aber meines Erachtens nach eines der wichtigsten Werke österreichischer Literatur (proletarischer Gegenmythos zum bürgerlichen Narrativ vom 1. Weltkrieg und Österreich im Allgemeinen, was will man mehr? Also stark verkürzend jetzt dargestellt, versteht sich ja von selbst..). Und auch mal wieder „Geometrischer Heimatroman“ von Gert Jonke vor kurzem gelesen, lohnt sich das Ding, echt, Anti-Heimatsachen sind schon was Schönes, Herzwärmendes, vielleicht auch mehr Werner Schwab lesen daher, naja, ist jetzt eine Empfehlung mal. Dementsprechend möchte ich mir auch gern mal wieder bald Klaus Hoffers „Bei den Bieresch“ zugute führen. Ansonsten les ich grad Juri Lotman, geniale Raumsemiotische Theorie, auch wiederum gut auf Österreich anwendbar, sein Spätwerk zumindest, jedenfalls auf den komischen Lokalpatriotismus, den unsere kleine aber feine (aber oho!) Staatsoperette so vehement übt. Aber ja, noch eine Empfehlung noch?: Mehr Lyrik lesen, jetzt! Wär schon cool, find ich.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„[…]

sprachs adam vor dem sündenfall lachten sie irr / und flogen das blaue vom himmel – versus – / „‚die wenigen die was davon erkannt‘ / – wovon eigentlich?“ so etwa wird es enden.

[…]“

aus Ulf Stolterfoht, „Fachsprachen I-IX“

und (wieder ein Österreich-Bezug):

„Es war das Land, in dem belohnt wurde die Willkür. Und bestraft, der nicht vergessen konnte.“

aus Marianne Fritz, „Dessen Sprache du nicht verstehst“

und zum Abschluss noch was lustiges, tröstliches, vielleicht (aber auch nicht):

„[…]

scheiß kunst. scheiß sozialer frieden. scheiß bedürfnisstruktur, noch einmal scheiß kunst. […]

scheiß voraussetzungen für die scheiß voraussetzungslosigkeit. sag neuer mensch, sag es anders, sag am besten gar nichts mehr.

scheiß einfamilienhaus-cluster, scheiß alter, scheiß kunst, scheiß wiederholungszwang, scheiß zwang.

scheiß sozialer frieden.“

aus Stefan Schmitzer, „scheiß sozialer frieden“

jetzt und aber schluss.

Vielen Dank für das Interview lieber Maximilian, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

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Maximilian Christian Baron Scheffold, Schriftsteller

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11.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ich frage mich: Was ist das, „Normalität“?“ Andrea Behnke, Schriftstellerin _ Bochum 12.3.2021

Liebe Andrea, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Der Lockdown heißt für mich: Meine Arbeit findet nur noch am Schreibtisch statt. Ich schreibe. Lesungen und Workshops gibt es derzeit nicht, sie fehlen. Gerade ist mein neuer Kinderroman erschienen, „Die Verknöpften“ (Ariella Verlag) – Veranstaltungen dazu müssen warten. Somit kommt den „Sozialen Medien“ noch mehr Bedeutung zu.

Momentan schreibe ich eine Geschichte für den Hörfunk. Da ich ohnehin am besten daheim an meinem eigenen Schreibtisch arbeiten kann, hat sich beim Schreiben nichts geändert für mich. Äußerlich zumindest. Innerlich war das letzte Jahr ein Auf und Ab – und nicht immer konnte ich kreativ sein.

Was mir fehlt, ist ein Ausgleich: Treffen mit Freund/innen oder Kolleg/innen, Musik machen mit anderen, ein Konzert- oder Theaterbesuch.

Jeden Tag raus zu gehen und zu laufen – unabhängig vom Wetter – ist für mich eine Routine, die mir den Kopf frei bläst.

Andrea Behnke, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich finde es wichtig, nicht nur sich selbst im Blick zu haben, sondern auch die anderen, die Gesellschaft. Ich habe das Gefühl, dass die Menschen jetzt sehr auf sich zurückgeworfen sind und es oft nicht gelingt, über den eigenen kleinen Tellerrand zu schauen. Ich habe das Gefühl, dass sich Fronten verhärten.

Abends höre ich in den „Tagesthemen“ den abschließenden Satz „Bleiben Sie zuversichtlich“. Das ist ein guter Wunsch, doch es gibt Tage, an denen muss ich arg daran arbeiten, zuversichtlich zu bleiben – nicht nur wegen der Pandemie, sondern auch wegen einiger Strömungen in der Gesellschaft.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Viele sprechen von der „Normalität“, zu der wir zurückkehren wollen, sollen. Ich frage mich: Was ist das, „Normalität“? Gibt es so etwas überhaupt? Wie wollen wir in Zukunft leben?

Kunst – und gerade auch Literatur – kann Impulse geben. Erweitert den Horizont, lässt uns in andere Welten eintauchen, die Welt mit anderen Augen sehen. Theater, Musik, Literatur, bildende Kunst – sie regen Diskussionen, Debatten an. Auch politische. Und das ist gerade in dieser Zeit wichtig. Sie sorgen für Begegnungen – hoffentlich bald wieder im öffentlichen und nicht nur im digitalen Raum.

Was liest Du derzeit?

Thomas Hettche: „Herzfaden – Roman der Augsburger Puppenkiste“
Ilka Piepgras (Hrsg.): „Schreibtisch mit Aussicht“
… und ziemlich viele Sachtexte für eine neue Projektidee

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

In dem Buch „Schreibtisch mit Aussicht“ (Verlag Kein & Aber) sagt Anne Tyler (S. 29): „Während die Außenwelt immer unzuverlässiger wird, baue ich meine Innenwelt immer weiter aus …“ – das passt zu diesen Zeiten.

Vielen Dank für das Interview liebe Andrea, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Andrea Behnke, Schriftstellerin

Ich schreibe Geschichten. | ANDREA BEHNKE

Foto_privat.

13.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wir müssen an uns selber glauben“ Klaus Ditz, Schauspieler_Wien 11.3.2021

Lieber Klaus, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Eigentlich bin ich ein Frühaufsteher , was sich seit dem Lockdown etwas geändert hat. Als
erstes gibt es Kaffee und den Saft einer halben Grapefruit. Während ich die Nachrichten auf Ö1 höre, mache ich nebenher meine Turnübungen. Sie sind nur ein Ersatz zu dem Training im Fitnessstudio. Ich versuche mir einen Tagesplan zu machen. Es gibt Arbeiten am Schreibtisch und die Wohnung möchte auch nicht vernachlässigt werden. Ich brauche unbedingt ein Mittagessen also versuche ich immer etwas ohne großen Aufwand zu zaubern. Das gelingt mir ganz gut.

Am frühen Abend spaziere ich dann in die Innenstadt. Meist belohne ich mich mit einer Extrawurstsemmel (sehr österreichisch) oder einer Mehlspeise. An das Essen im Freien haben wir uns ja mittlerweile schon gewöhnt. Danach genieße ich den Spaziergang im 1. Bezirk. Immer wieder entdeckt man was Neues und Schönes. Ich empfinde es als großes Geschenk, in einer Stadt wie Wien leben zu dürfen.

Klaus Ditz_Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir müssen an uns selber glauben.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Der Zusammenhalt der Gesellschaft wäre sehr wichtig. Ich hoffe sehr, dass uns das gelingt. Die Politik vergisst im Moment gerne auf Kunst und Kultur- das dürfen wir nicht zulassen. Wir müssen gemeinsam an schönen Projekten arbeiten. Wenn der Spuck (hoffentlich bald) vorbei ist, werden wir Kulturveranstaltungen noch intensiver aufnehmen.

Was liest Du derzeit?

Im Moment lese ich fast nur Nachrichten. Beim Einschlafen gerne mal Gedichte. Ein
Gedichtband von Rainer Maria Rilke ist immer griffbereit.

Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Pessimismus ist der Feind vom Optimismus

Vielen Dank für das Interview lieber Klaus, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

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Klaus Ditz, Schauspieler

Foto_Ulrik Hölzel

9.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Der Aufbruch muss oder müsste auf Basis einer wohlinformierten Gesellschaft beruhen“ Katharina Pressl, Schriftstellerin_ Wien 11.3.2021

Liebe Katharina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nicht ausschließlich von der Pandemie bedingt, arbeite ich zur Zeit Teilzeit in einem Kindergarten. Das heißt ich steh um halb 7 auf, fahr eine Stunde in die Arbeit, betreue und arbeite dort mit 20 Kindern und fahr nach 5 bis 8 Stunden wieder eine Stunde zurück. Danach bin ich K. O., geh spazieren, leg mich in die Badewanne oder spiel mit meinem Freund nicht unpeinlicherweise ein kooperatives Harry-Potter-Brettspiel. In seltenen Fällen komm ich zur Zeit zum Schreiben. Sad but true.

Katharina Pressl, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Überlegen, was nötig wäre, damit sich langfristig und realistischerweise unser Leben in allen Aspekten verändert und verbessert. Und dann zusehen, dass es umgesetzt wird.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Der Aufbruch muss oder müsste auf Basis einer wohlinformierten Gesellschaft beruhen, in der progressive Ideen vorherrschen und in der klar ist, was tatsächlich wichtig ist und was bloß seit Ewigkeiten als wichtig dargestellt wird. Die Literatur müsste in diesem Fall die Realität so spiegeln, dass sie auf progressivere Ideen schließen lässt oder selber Formen des Aufbruchs versuchen durchzuspielen. Es gibt und wird nie die eine Rolle der Literatur geben. Sie deckt so viele verschiedene Funktionen ab, dass Bestimmungen immer nur bestimmte Facetten betreffen können.

Was liest Du derzeit?

Abgesehen von den 1 – 4 Bilderbüchern pro Tag, nochmal von Maggie Nelson Die Argonauten. 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Glücklichsein ist kein Schutz, und es ist ganz bestimmt keine Verantwortung. Die Freiheit, glücklich zu sein, schränkt die menschliche Freiheit ein, wenn man nicht frei ist, nicht glücklich zu sein. Aus beiden Freiheiten können Gewohnheiten werden, und nur man selbst weiß, für welche man sich entschieden hat. (Maggie Nelson, Sara Ahmed zitierend (kursiv))

Vielen Dank für das Interview liebe Katharina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Katharina Pressl, Schriftstellerin

Katharina Pressl (residenzverlag.com)

Foto_Aleksandra Pawlof

13.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Es ist im Theater nicht genug, darauf zu warten, dass wir wieder alles wie vorher machen können“ Martin Vischer, Schauspieler _ Wien 10.3.2021

Lieber Martin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Bis vor kurzem war der Tag noch durch Proben an der Josefstadt strukturiert. Rechnitz (der Würgeengel). Mit ungewissem Premierendatum, also Phantomproben quasi. Ich bin sehr gespannt auf die Begegnung der Josefstadt mit Elfriede Jelinek. Die Auseinandersetzung mit diesem Stoff war äußerst spannend. Ich bin fasziniert davon, wie Frau Jelinek mit ihrem Text gräbt und gräbt, mit ihrer Sprache die Wunde offenhält, und im Grunde klarmacht, dass es keine Antworten gibt auf diese Fragen, die zu stellen aber der einzig mögliche Umgang mit diesen Greueln ist. Die Fragen immer wieder zu stellen.Jetzt ist es eher der familiäre Alltag, der meinen Tagesplan definiert. Dasgenieße ich. Mir ist bewusst, dass es ein unglaubliches Privileg ist, in dieserSituation finanziell abgesichert zu sein. Die Zeit, die mir nun zur Verfügung steht, nutze ich nun unter anderem fürs Lieder schreiben. Das ist viel zu lange viel zu kurz gekommen.

Martin Vischer, Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir die richtigen Schlüsse ziehen aus dieser Katastrophe. Was bringt die Pandemie ans Tageslicht? Dass unser Wachstumsdenken zu kurz greift. Sowohl sozial, als auch global. Wir werden die drängenden Probleme unserer Zeit nicht lösen, indem wir uns immer mehr einkapseln. Solidarität muss neu definiert werden. Wenn wir nur uns selber retten, geht der Rest vor die Hunde und dann im Umkehrschluss auch wieder wir selbst. Das betrifft alle großen Fragen unserer Zeit, allen voran natürlich den Klimawandel.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei Dem Theater/ Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Mich erstaunt es, dass das Theater, dass sich selbst so gern als Spiegel der Gesellschaft bezeichnet, so sehr in der Schockstarre ist. Warum sind große Theater nicht Gastgeber für kleine Theater, die mit fünfzig Zuschauern ausverkauft wären und in einem größeren Raum überleben könnten? Warum spielen die großen Theater nicht im Fußballstadion mit zweitausend anstatt zwanzigstausend Zuschauern? Wegen der Miete? Wer sagt, dass es diese Art der Solidarität nicht geben kann? Und allgemeiner: Was ist Theater? Was muss es können? Ab wann ist es unmöglich? Ich habe auf diese Fragen keine Antworten, aber ich möchte, dass sie gestellt werden. Es ist nicht genug, darauf zu warten, dass wir wieder alles wie vorher machen können. Dass die Theater betonen, dass sie wichtig sind ist schon ok. Ich denke aber,man sollte die Wichtigkeit definieren. Weil für eine barbarische, rein gewinnorientierte Gesellschaft sind sie überhaupt nicht wichtig. Dort stören sie eher. Weil sie ja Geld kosten. Und da sind wir ganz schnell bei ganz anderen Fragen: Was ist ein gutes Leben? Was für eine Gesellschaft wollen wir sein?

Was liest Du derzeit?

„Dicht“ von Stefanie Sargnagel, erschienen bei Rowohlt. „Der mitteleuropäische Reinigungskult“ von Bernhard Moshammer, erschienen beim Milena Verlag- Und den Falter, die Wochenzeitung aus Wien

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Eine Zeile aus einem fast fertigen Song, den ich gerade schreibe: und was uns bleibt, ist die Luft nach oben.

Vielen Dank für das Interview lieber Martin, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Martin Vischer, Schauspieler

Fotos_Florian Mooshammer

3.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Dass es auch wieder Zeiten geben wird, in denen die Kunst aufblüht“ Stepan Sobanov, Komponist, Wien 10.3.2021

Lieber Stepan, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin bemüht mich an die aktuellen Umstände anzupassen und meinen kreativen Output etwas umzulenken: statt Kompositionen für große Ensembles schreibe ich für kleine Besetzungen, kombiniere diese evtl. mit Samples oder produziere gleich direkt meine Ideen am PC. Abgesehen davon haben wir mit meiner Verlobten seit diesem Jahr einen jungen Hund zuhause, die viel Aufmerksamkeit braucht – ich bin also diesen Winter glücklicherweise mehr an der frischen Luft als in den Jahren zuvor.

Stepan Sobanov_Komponist

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für uns KünstlerInnen ist es jetzt wichtiger mental und körperlich gesund zu bleiben als die ganz großen Leistungen zu erbringen und von sich selbst zu erwarten, dass man sich wieder einmal zum Vorjahr steigern kann. Lieber mal eine Stunde früher Feierabend machen und dem Burnout coronagerecht von Weitem zu winken. Aber trotzdem nicht vergessen, dass es auch wieder Zeiten geben wird, in der die Kunst wieder aufblüht und uneingeschränkt dargestellt werden kann. Diejenigen, die heute an ihrem Kunsthandwerk auch im Stillen arbeiten, werden morgen vermutlich besonders gefragt sein.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen.
Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der
Kunst an sich zu?

Ich bezweifle, dass es wirklich einen Aufbruch geben wird – und hoffe
gleichzeitig, dass ich unrecht habe.

Was liest Du derzeit?

Die Autobiographie des Komponisten Philipp Glass, „Words Without Music“

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

In other words, there could be many correct solutions to a musical problem.
Those many correct solutions came under the rubric of technique. However,
the particular way a composer solved the problem, or (to put it another way)
his or her predilection for one solution over several others, became the audible
style of the composer. Almost like a fingerprint.

Vielen Dank für das Interview lieber Stepan, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Stepan Sobanov, Komponist

Stepan Sobanov

10.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wir machen, was wir am besten für unser Überleben können – Kunst!“ Zoltan Lesi, Schriftsteller_ Wien 9.3.2021

Lieber Zoltan, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich mache gerade ein Theaterstück aus meinem letzten Buch „In Frauenkleidung“. Ich habe ein Stipendium bekommen, bei dem ich mit Dramaturg*innen, Theaterregisseur*innen arbeiten kann in intensiven Werkstätten. Parallel dazu arbeite ich an meinem nächsten Buch mit dem brasilianischen Künstler Ricardo Portilho.

Vor Covid-Zeiten war ich viel zwischen Ungarn und Österreich unterwegs und habe Familie, Freunde und Kulturveranstaltungen besucht. Diese Lücke ist schwer in meinem Tagesablauf zu füllen. Um den unnötigen Stress abzubauen, bin ich regelmäßig im Wienerwald mit dem Rad unterwegs, obwohl ich vor Bäumen große Angst habe. Beim Bergrunterfahren denke ich oft an Ödön von Horváth, der in Père Lachaise gestorben, weil ein großer Ast auf seinen Kopf gefallen ist.

Zoltan Lesi, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Beim Theaterstückschreiben redet man regelmäßig mit den Figuren. Genau diese Frage stellte ich letzte Woche zwei Teenager-Charakteren und ihre Antwort war: Internet für alle! Mit ihrer bitteren Ironie reflektieren sie Fakenews. Es ist kein neues Phänomen, aber eines der wichtigsten Herausforderungen der Informationsgesellschaft.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Es ist die Zeit der Krisen, Gesundheitskrisen, Umweltkrisen, Ökonomiekrisen, Krise der menschlichen Psyche. Und leider auch der Kunst. Aber wir machen, was wir am besten für unser Überleben können – Kunst!

Was liest Du derzeit?

Ödön von Horváth: Jugend ohne Gott

Franz Kafka: Der Prozess

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Kunst ist, wenn man trotzdem lacht.“

Joseph Beuys

Vielen Dank für das Interview lieber Zoltan, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Zoltan Lesi, Schriftsteller

Österreichische Gesellschaft für Literatur: Biografien (ogl.at)

IN FRAUENKLEIDUNG von Zoltán Lesi – faltershop.at

Foto_Gergely Máté Oláh

8.3.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kreativität und Kunst als wichtigen Bestandteil des Lebens zu etablieren“ Simon Mayer, Performer_Wien 9.3.2021

Lieber Simon, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufwachen. Ein bisschen Angst haben was so alles passiert auf dieser Welt gerade. Tief ein- und ausatmen. Ah es wird leichter! Kalt duschen und meditieren. Ah es wird noch leichter mit allem umzugehen ohne dass ich`s umgeh. Orgaarbeiten oder Online Coachings machen oder irgendeinen Onlinekurs leiten. Besprechung mit meiner kaufmännischen Leitung. Planen – absagen/Stress – neu planen – Absage/Erleichterung – neu planen. Natur, spazieren mit Freunden und auftanken. Residency und Vorbereitung fürs nächste Stück. Mit Team und Masken im Studio. Man tut das gut Menschen zu spüren! Davor gemeinsam Tests machen. Am Abend wieder mal versuchen keine Nachrichten zu schauen und trotzdem informiert zu bleiben.

Simon Mayer_ Performer, Tänzer, Choreograf und Musiker.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Den Fokus auf die inneren und äußeren Ressourcen zu richten. Hineinzoomen in die Momente und Umstände, die so richtig guttun. Und sich bei scheinbaren Kleinigkeiten – einem warmen Sonnenstrahl auf der Haut, freundlich lächelnde Augen über einer Maske – groß aufzutanken. Sich verbinden mit der kindlichen Neugier, die Dinge immer wieder ohne Vorurteile von neuem entdecken kann. Die Qualität des Differenzierens. Um nicht alles in einen Topf zu werfen. Souveränität zu leben. Auch wenn es grade viele Regelungen gibt ist ganz wichtig die Selbstverantwortung zu trainieren und kreativ zu sein mit den Dingen die trotzdem noch möglich sind. Don t break the rules but bend them. Aber mit Herz und Hirn. Damit die psychische Gesundheit erhalten bleibt um die physische zu gewährleisten. Wenn ich jemanden treffen will, dann kann ich das auch tun. Schnelltest is the door to heaven! Und echt kein Aufwand! Und wenn ich mich durch all diese positiven Ereignisse die ich durch Selbstverantwortung und Selbstliebe als Ressourcen in mein Leben geholt habe und pflege, aufgetankt habe. Wenn ich wieder inneren Raum habe. Dann schau ich wieder ganz genau hin, was gerade alles schief läuft in mir und im außen. Denn neben der Ressourcenpflege ist das Hinschauen auf die tägliche Traumatisierung, die gerade vor sich geht wirklich wichtig. Sich damit beschäftigen und wirklich zu fühlen was zu fühlen ist. Das regelmäßige Hinschauen und Fühlen ist für mich der 2. Schlüssel zum Integrieren und Verarbeiten dessen was gerade vorgeht auf dieser Welt. Denn nur wenn die Scheinwerfer angehen ist die Bühne sichtbar.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Performance, der Musik, der Kunst an sich zu?

Kreativität und Kunst als wichtigen Bestandteil des Lebens zu präsentieren und zu etablieren. Das beginnt bereits jetzt. Kreativ zu sein mit den Möglichkeiten die zu Verfügung stehen. Ändern statt ärgern – ein toller Spruch, den mir die wundervolle Maja Osojnik mal ins Ohr geflüstert hat. Und dafür braucht`s Kreativität. Das schöpferische Potential und die verspielte Naivität, die das Destruktive und dem Pessimismus zum Dialog einlädt und umarmt.

Kunst in all ihren Formen (Performance, Musik, etc.) spielt bereits jetzt eine starke Rolle im vielfältigen Aufzeigen von Missständen und vom Lebensbejahenden. Und das wird auch in Zukunft sehr wichtig sein. Kunst ist ein unglaublich kraftvolles Werkzeug zum Entgiften des gesellschaftlichen Darms. Im Moment leiden viele von uns an einer Verstopfung. Scharfe Regeln, picksüße Unsicherheit, ungewohnt saure Veränderung, gemischt mit persönlichen Unverträglichkeiten und fehlenden Bauchstreicheleinheiten. Das legt sich grade alles an in unseren Schlingen. Da tut s schon mal echt gut sich ein bisschen zu bewegen bei einem online Dancefloor oder ein beruhigend verdauendes Konzert zu hören oder sich dann endlich wieder von einer echten Hand den Bauch streicheln lassen, wenn man im Theater sitzt. Ich denke Kunst als gesellschaftliches Event wird viel Wertschätzung bekommen. Endlich wieder mal gemeinsam sein und Menschen spüren!

Was liest Du derzeit?

Ein Buch über Selbstliebe und Tantra.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Auftanken – Hinschauen – Ändern statt ärgern.

Und…. Dankbarkeit! … als tägliche Praxis zum Erkennen, voll Auskosten und integrieren der nährenden Momente.

Simon Mayer_ Performer, Tänzer, Choreograf und Musiker.

Vielen Dank für das Interview lieber Simon, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Performance-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Simon Mayer_ Performer, Tänzer, Choreograf und Musiker

Kopf Hoch! | Simon Mayer

Alle Fotos__Franzi Kreis.

16.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Hotel Weitblick“ Renate Silberer. Roman. Kremayr&Scheriau Verlag.

Er hatte sein Ziel erreicht. Das Ranking passt als Consulter. Der Erfolg im Beruf ist da. „Einkommenssituation:hervorragend“. Doch jetzt ist der Abschied geplant. „Lebenszufriedenheit: verbesserungswürdig“ . Das Ticket liegt schon bereit. Mexiko. Ein Ab- und Aufbruch für ihn…

Da war diese Begegnung im Kaffeehaus. Und die Gedanken über Träume und Wünsche von Berufs- und Lebenswegen in der Kindheit und Jugend.“ …kein Aufbegehren. Die Pubertät ist vorübergezogen, ohne sich bei mir zu melden…“. Der Blick, Weg nach Innen versperrt, verwehrt. All die Jahre…

Jetzt noch das Seminar im Hotel. Das letzte vor dem Abschied. All die Gedanken im Inneren und die Begegnung mit den Menschen. Wünsche und Ziele dort und da. Und dann der leere Sessel.

Wohin führt nun der Weg der Gruppe? Wohin der eigene Weg? Es beginnt…

„Dann formuliere ich meine erste Frage, sie lautet: Was ist tschulpi?“

Renate Silberer, vielfach ausgezeichnete österreichische Schriftstellerin, legt mit „Hotel Weitblick“ ihren ersten Roman vor, der in Spannung und Anspruch begeistert. Die Autorin schafft es, moderne Biographie in Ziel und Erfolg in Dialog zu Fragen nach Persönlichkeit und Gesellschaft zu setzen und damit kritische Horizonte zu Berufs- und Lebensrealitäten zu öffnen, die anschaulich wie kritisch thematisiert werden. Die philosophischen Grundfragen Kants „Was ist der Mensch? Was darf ich hoffen? Was soll ich tun?“ nimmt Silberer in packender story auf und lässt Leserin und Leser in Weg und Seele geforderten Menschseins und Grund und Abgrund von vermeintlichen Fundamenten von Zeit und Gesellschaft blicken.

„Ein Roman, der moderne Mythen von Erfolg zerfetzt und sprachlich fulminant die Frage nach Mensch und Gesellschaft stellt“

Walter Pobaschnig 3_21

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„Kunst, die uns alle verbindet, aufzeigt, die heilt, die uns beim Überleben hilft“ Marion Rottenhofer, Schauspielerin_ Wien 9.3.2021

Liebe Marion, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe gerne früh auf, um den unverbrauchten Tag bei einer großen Tasse Earl Gey in aller Ruhe zu begrüßen, und schreibe ein paar Seiten in mein Tagebuch, ein Ritual das mich seit Jahrzehnten begleitet, und wenn es aus Zeitmangel nur ein paar Sätze sein können, darauf kann ich nicht verzichten, ich schreibe mich in den Tag hinein sozusagen.

Marion Rottenhofer, Schauspielerin

Ich bin ziemlich old school, habe eine To-Do-Liste im Buchkalender und erwarte von mir, jeden Tag so gut wie möglich zu nutzen, immer bereit zu sein auf allen Ebenen und mir auch jeden Tag eine kleine Challenge aufzuerlegen.

Derzeit mache ich einen Französischkurs, arbeite an einem Projekt, das so Gott will im Mai Premiere haben wird und habe Vorproben für ein Stück, das im September gespielt werden soll. Es fühlt sich fast schon wieder normal an, auch die obligatorischen Corona-Tests vorher.

Wichtig ist für mich die Familie, eine selbst gekochte  Mahlzeit pro Tag, Zeit für unsere zwei Katzen, eine Meditation und dann geht sich manchmal schon gar kein Spaziergang mehr aus. Natürlich gibt es die Momente, in denen ich ein wenig den Mut verliere, doch je älter ich werde, desto schneller erinnere ich mich wieder daran – das Leben ist ein Geschenk.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das NICHT WISSEN aushalten lernen. Nicht immer unbedingt recht haben wollen. Aufmerksam sein, genau hinschauen, hinhören, achtsam sein mit sich und den anderen, seine Energie dort investieren, wo sie etwas bewirken kann – und nicht vergessen, am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende…Oscar Wilde

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Es scheint tatsächlich ein Aufbruch in eine neue Zeit zu sein, sogar astrologisch, wir sind ja jetzt im Wassermannzeitalter angekommen – rough sea to be expected … umso größer ist die Bedeutung der Kunst, der Konstanten, die uns alle verbindet, die erhebt, provoziert, aufzeigt, bildet, unterhält, die Kunst, die heilt, den Künstler und den, der die Kunst genießt, die Kunst, die uns beim Überleben hilft.

Was liest Du derzeit?

„Was ich liebte“ von Siri Hustvedt und

„Morgen bist du reich“ von Karl Wozek

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind. Wir sehen sie so, wie wir sind.“

Anais Nin

Marion Rottenhofer, Schauspielerin

Vielen Dank für das Interview liebe Marion, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Marion Rottenhofer, Schauspielerin

MARION ROTTENHOFER •••

Fotos_1_Konrad Filbert_2,4,5_Michaela Krauss-Boneau_3, 6 Wiener Fotoschule_7_Mark Noormann

25.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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