Constanze Sophie Passin, Schauspielerin _ reenacting „Malina“ Ingeborg Bachmann _ Wien 2021 _ Foto_folgende_Walter Pobaschnig _ am Romanschauplatz „Malina“ Wien.
1956. Die aus Kärnten gebürtige und nun in Rom lebende Schriftstellerin ist dreißig Jahre alt. Der Literaturpreis der Gruppe 47, das Coverbild des Spiegel, eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Komponisten Hans Werner Henze liegen hinter ihr. Ihr langerwarteter zweiter Gedichtband erscheint. Ihre poetische Sprache, die gleichsam Fragen nach Leben und Zukunft, Himmel und Erde, aus dem Herz der Zeit reißt und ohne Kompromisse in faszinierender Formkraft mit der Welt teilt, begeistert. Preise, neue Aufgaben und Herausforderungen, und eine neue Liebe folgen…der Gedichtband „Anrufung des großen Bären“ ist das Fundament für all das was an Licht, Schatten und Dunkelheit in Literatur, Liebe und Leben folgen wird…
„…Wir wanderten im Wunder und wir streiften
die alten Kleider ab und neue an.
Wir sogen Kraft aus jedem neuen Boden
und hielten nie mehr unseren Atem an…“
Von einem Land, einem Fluss und den Seen _ Ingeborg Bachmann
Constanze Sophie Passin, Schauspielerin _ reenacting „Malina“ Ingeborg Bachmann _ Wien 2021 _ Fotos_Walter Pobaschnig _ am Romanschauplatz „Malina“ Wien.
Der sechste Band der großartigen und literaturwissenschaftlich wegweisenden Ingeborg Bachmann Werkausgabe, Salzburger Edition, schließt an die vorangehenden in fundierter wie umfassender Präsentation in Aufarbeitung des umfangreichen Nachlassmaterials in Wort und Bild, hervorragendem Kommentar wie der Verbindung dieser literaturwissenschaftlichen Parameter in fließender wie spannender Lesbarkeit an. Neugierde, Interesse und Überraschung begleiten dabei gleichermaßen mitreißend Seite um Seite. Literaturwissenschaft als sensationelle Werkgeschichte im zeitgeschichtlichen wie biographischen Kontext. Eine ganz außerordentliche Leistung eines außerordentlichen Gesamtprojektes!
„Wie spannend mitreißend Literaturgeschichte sein kann, zeigt die Salzburger Ingeborg Bachmann Edition mit jedem neuen Meisterstück!“
Fotos_Constanze Sophie Passin, Schauspielerin _ reenacting „Malina“ Ingeborg Bachmann.
Alle Fotos_Walter Pobaschnig_2021 _ Romanschauplatz _ Malina _ Wien_
Neue kreative Ideen und Lösungen miteinander finden und kreieren. Ungewöhnlich denken und handeln. Sich der eigenen Vergänglichkeit bewußt sein, Lebensqualität im Alltag entdecken. Sich auch im Miteinander bewegen.
Impulse und Inspirationen fühlen können und in Handlungsabläufe verwandeln.
Wichtig ist gerne zu leben und unbedingt das eigene Leben zu wollen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Eine Besinnung auf das Wesentliche erscheint notwendig. Über unterschiedliche Gesellschaftsformen hinaus Konsensfähigkeit anstreben und vertiefen, Gemeinsamkeiten entwickeln und stärken. Eine Kulturrevolution wird stattfinden. Das gestalterische und bildhafte Denken von Kulturschaffenden und Künstlern-Künstlerinnen ist mehr denn je erforderlich, um Krisen zu regulieren.
Was liest Du derzeit?
Power from within-Anthony Martin von Sager Die Biographie eines Menschen, vom Rollstuhl zum Weltmeister. Durch die Kraft des Willens.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
The sky is not the limit !
Vielen Dank für das Interview lieber Ingolf, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lola Lindenbaum (alle weiteren) _ IM KONKRETEN FREIEN FALL _ 160×120 Öl, Acryl, Ölkreide auf Leinwand_6/2022
IM KONKRETEN FREIEN FALL
VOM YUPPIE
ZUM PUPPIE
TRÖSTET DANDY
MIT HEISSEM
BAKER MILLER
EIS
„Room with a view“ 160×120, Öl, Acryl, Ölkreide, Asche, Spray auf Leinwand_2022
Liebe Lola, herzlichen Dank für die Einladung in Dein beeindruckendes neues Atelier „Kunstraum Tabaktrafik“ im Herzen Wiens!
Wann hast Du Dein Atelier bezogen und welche Pläne hast Du jetzt hier?
Ich habe den Raum zu Beginn des Sommers übernommen, also taufrisch. Aufgrund sommerbedingter Reisetätigkeit habe ich das Atelier bisweilen nur rudimentär genutzt, aber im September findet die offizielle Eröffnung mit einem Salongespräch mit Prof. Robert Pfaller statt. Dann wird es im Herbst „open evenings“ geben, bei denen man die aktuelle Ausstellung bildender Arbeiten besichtigen kann. Die Ankündigung erfolgt unter http://www.kunstraumtabaktrafik.com .
Fix geplant sind ein Herbst-, Winter-, Frühlings- und Sommersalon sowie auch in weiterer Folge Gemeinschaftsausstellungen.
Import-Export Handel mit Zähren aller Art, 250×120 Öl, Acryl, Spray auf textilisiertem Holzrahmen 2022
Es stand: Ein Vogel wollte Hochzeit machen…Sie sprachen: A murds Lackl, a trum kund, 80×120, Öl, Acryl, Ölkreide, Spray, Collageelemente auf textilisiertem Holzrahmen 12/2021
Hast Du den Lebens- und Kunstraum um Dein Atelier schon etwas kennenlernt?
Da ich seit einigen Monaten in der Nähe wohne, ja. Der 2.Bezirk ist so spannend zu entdecken, er liegt einerseits sehr zentral, andererseits fühle ich mich wie in einer eigenen Stadt in der Stadt – das ist großartig. An vielen Ecken, wie eben dem Czerninviertel, finde ich ein geheimnisvolles, unentdecktes Wien vor. Die Atmosphäre beispielsweise links von der Praterstrasse, also im Rotensternviertel oder Kameliterviertel, empfinde ich ganz anders als rechts v.d.Praterstrasse, im Czerninviertel- und genau diese Unterschiede machen die Gegend so spannend und bereichernd. Sie sehen schon, ich liebe das Grätzel.
Abhängen mit Schuh, 120×180 Öl, Acryl, Ölkreide auf textilisiertem Holzrahmen 4/2022
Abhängen mit Schuh
Nichts vor mit Lichterkette
Macht skeptisch am Teppich
Flugmodus gut gegen Klugscheisser
Fliegenpilz schön fürs Auge
Heugeigen besser als Ruf
Maggi-Halter aus der Mode
Himmel meerblau
Miami Vice geht immer
Wie waren/sind Reaktionen des Lebensumfeldes hier?
Da die Tabaktrafik lange leer stand, erweckt die neue Nutzung großes Interesse, vor allem auch weil ich zu völlig unregelmäßigen Zeiten vor Ort bin. Ich habe dann meist die Eingangstüre offen stehen und die am Gehsteig vorbeiziehenden Leute bleiben stehen und fragen Dinge wie: “Was machen sie denn da?“ oder konkreter “Ich habe eine Freundin, die ist Künstlerin, hat die die Möglichkeit hier auszustellen?“….
Es ist eine Mischung aus skeptischer Neugier und Interesse. Ich beantworte oft mehr Fragen, als mir beim Arbeiten eigentlich lieb ist.
Was schätzt Du jetzt schon besonders hier in der Leopoldsstadt, dem zweiten Wiener Gemeindebezirk?
Ich sage immer:“ Der 2.Bezirk drängt sich einem nicht auf“.
Ich habe, seit ich in Wien lebe, schon in vielen unterschiedlichen Bezirken gelebt und gearbeitet, aber das Gefühl in einer eigenen Welt zu sein, erlebe ich hier- im Mikrokosmos Leopoldstadt- am intensivsten.
Welche Schwerpunkte hast Du derzeit in Deinen Kunstprojekten?
Ich arbeite ja schon seit längerem mit textilen Strukturen, aktuell fokussiere ich mich diesbezüglich auf Großformate, was technisch besondere Anforderungen mit sich bringt. Das heißt das Bespannen der großen Holzrahmen ist ein vorbereitender, aber prägnanter Arbeitsschritt für mich- das Bild ist schon im Entstehen, ich stehe praktisch selten vor der berühmt berüchtigtem weißen Leinwand.
Achtung! Lichtung! 160×120, Öl, Acryl, Ölkreide, Spray auf Leinwand_2022Jenes Alter, 160×120, Öl, Acryl, Ölkreide auf Leinwand_2022
Jenes Alter, als er das Bouquet des erträumten Lebens aufsog, liegt weit zurück
und doch kann er an guten Tagen noch erahnen, wie es gerochen haben könnte.
Dufte! Er lächelt milde
Wir haben als Thema für das Fotoshooting in Deinem Atelier die Zeit der 1970er Jahre gewählt. Welche Zugänge gibt es für Dich zu dieser Epoche?
Nun, dass die Tendenz besteht, dass man retrospektiv Epochen oder Lebensgefühle glorifiziert oder Aspekte in der Nachsicht ausspart, ist ein bekanntes Phänomen. Jedoch glaube ich, dass sich viele Menschen in den 1970ern der Glamourösität dieses Zeitgefühls bereits bewusst waren, nicht erst retrospektiv betrachtet.
Was unterscheidet die 70er von den Jahrzehnten davor/danach?
Rein von der Formensprache und Ästhetik symbolisieren die 70er Fülle, Lebensfreude, Glamour und Leichtigkeit.
HIER SOIR, 200×100 Öl, Acryl, Spray auf Leinwand_6/2022new years eve 8 120×160 Öl,Ölkreide,Acryl a.Leinwand 31.12.2021
Was zeichnete die Mode und die Gegenstände/Accessoires der Lebenswelt damals aus?
Die Mode war natürlich von den Auswirkungen der sexuellen Revolution ab 1968 geprägt- kurz, bunt, lebensfroh. Die bevorzugte geometrische Form war rund, das zeigt sich in Tapetenmustern, Möbeln, Schriftzügen und Karosserieelementen. Das Interieur konnte nicht bunt genug sein, wobei man sich hier meist in Bereich des warmen Farbsegments bewegte- orange, braun, beige, ocker. Die Einrichtung von Colombo-Häusern war der Inbegriff des damaligen Ästhetikbegriffs.
Was schätzt Du besonders an den 70er und fließt dies auch in Deine Kunstprojekte ein?
Meine Arbeiten sind füllig und bunt, alles ist erlaubt. Die Manifestierung von Lebensgefühlen ist ein wesentlicher Motivator für meine Arbeiten, dazu gehören auch Gefühlswelten die ich anachronistisch verorte. Und als Kind der 1970er ist diese Welt zumindest auch unbewusst immer prägend für die eigene Arbeit.
Living room, 120×80 Öl, Acryl, Ölkreide auf textilisiertem Holzrahmen 2022Vertreten, 160×120 Öl,Ölkreide, Acryl a.Leinwand, 2022,
Vertreten
Das gesellschaftliche Ich tanzt mit dem eigentlichen tritt auf den Anspruch des Standpunkts mit Füßen vertreten werden darf.
Gibt es einen Film der Zeit, den Du hervorheben möchtest?
Ich habe unlängst „Der Eissturm“ wiedergesehen, ein Film des taiwanesischen Regisseurs Ang Lee, der zwar 1997 herausgekommen ist, jedoch im Jahr 1973 spielt und sich-dramatisch- mit den Eigenheiten der amerikanischen Gesellschaft in den 70ern auseinandersetzt. Hier geht es – eingebettet in vordergründige Glamourösität – um die innerpsychologischen Tücken und gesellschaftlichen Dramen der Zeit des Vietnamkriegs und der Watergate-Affäre.
Diese werden nun in der warmen, emsigen Stube geraucht.
Tüchtig, sehr tüchtig.
Du hast in Modestil und Accessoires eine perfekte Zeitreise in die 70er erschaffen! Welche Schwerpunkte hast Du dabei ausgewählt?
Psychodelische oder florale Muster in feinem Strick – und ein weißer Filzhut. Große Ohrringe, Ringe und Ketten in Bronze oder Gold.
Was können wir aus den 70er in Leben und Kunst in das Heute mitnehmen?
Es schleicht sich heute wieder eine vermehrte Prüderie ein, da kann die Offenheit als Maxime der 70er sicher als Impulsgeber dienen.
Was wünscht Du Dir für den Kunst- und Lebensraum in „Deinem“ Bezirk hier?
Die Unverwechselbarkeit und das Anachronistische möge länger erhalten bleiben, als in anderen Innenstadtbezirken – die mögliche Zeitreise möge lange währen.
Herzlichen Dank, liebe Lola, viel Freude und Erfolg weiterhin!
Szene 1: Junge Frau im Yogatop mit Katze auf der Couch, ihr Handy in der Hand
G Give peace a chance tippst du in dein Social Media Profil
I im warmen Wohnzimmer auf dem Sofa –
V verdammter Krieg, Je suis Charlie, Stand up for Ukraine.
E Eine Meinung braucht schließlich jeder – me too.
Szene 2: Präsident in seiner 4. Amtszeit, allein am langen Tisch des prunkvollen Saals der Weltpolitik sitzend
P Patria und Parolen triefend vor Pathos
E Ehre, immer geht es um die Ehre. Ehre um jeden Preis.
A Atomwaffen zur Not, wo Panzer nichts mehr ausrichten. Der
C Choleriker am Hebel verbirgt mühsam das altersschwache Zittern seiner Hand.
E Es hat sich nichts geändert seit dem Mittelalter.
A Aber die Welt dreht sich noch. Dreht sich weiter. Weiter.
Szene 3: Eine Gruppe Menschen hat sich in einem Keller verbarrikadiert, Alte und Kinder und eine verstörte Katze, in der Ferne dumpfes Kanonengrollen
C Chaos draußen. Stille hier unten.
H Habseligkeiten in Plastiktüten. Stumm hocken sie da. Leere Gesichter.
A Aus Angst wird Apathie, während dort oben die Stadt zerreißt. Ringsum wird gestorben. Und
N nichts entgegenzusetzen.
Leise erklingt der 4. Satz von Beethovens 9. Sinfonie
C Chor:Freude schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium … alle Menschen werden Brüder …
Schwestern!, tippt die junge Frau auf dem Sofa in ihr Handy.
E Es gibt keine einfache Formel, um den Frieden herbeizuschreiben. Wir müssen ihn leben (auch auf Instagram, aber nicht nur). Jeder von uns. Täglich. Immer wieder. Auch dann, wenn keiner zuschaut. Auch dann, wenn es schwerfällt. Vor allem dann.
„Von Zeit zu Zeit – zu allen heiligen und unheiligen Zeiten – aufs Ganze gehen!…“,
schreibt Peter Handke zu Beginn dieses weiteren einzigartigen Bandes seiner Aufzeichnungen, die gleichsam eine ganz neue Form des Erzählens setzen. Es ist ein Aufbrechen traditioneller Formen der Literatur hin zu einer Art dialogischem Fragment im Sinne eines Selbst- wie Zeit- und Sinndialoges. Handke nimmt dabei Traditionen sokratischen Dialoges auf und lässt diese gleichsam über Jahrhunderte folgender Geistesgeschichte in der Gegenwart ankommen und hier „aufs Ganze“ im Sinne von Leben und Erkenntnis zu gehen. Aufs existentielle Ganze von Sprache, Sinn und Zukunft.
Die Gedanken, Themen sind dabei ein ruhiger wie reißender Fluss und umfassen dabei Existenzfragen, Gedanken zu literarischen Projekten, persönliche Erinnerungen wie umfassende Referenzen zu Sprache und Sinn in der Geistesgeschichte der Menschheit. Und dies in einzigartiger Reflexion, Empathie und Selbstironie.
Es ist eine Reise, zu der Peter Handke in all seinen Büchern einlädt. Eine Reise der Sprache in das Herz des Lebens und der Welt. Mit und aus der unendlichen Zärtlichkeit und des Mutes von Wörtern zu aller Zeit. Und des so großen, immer wieder neu zu erfahrenen, erlernenden Horizontes von Sprache im Anblick des Menschen, der Welt im Spiegelbild.
„Und der dort auf der anderen Straßenseite, wer ist das?“ „Ja, wer?“
„Innere Dialoge an den Rändern 2016-2021. Peter Handke. Jung und Jung Verlag
Lieber Salih wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Schriftstellerzeugs. (ganzes Programm)
Salih Jamal, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Es ist schwer, das alles zu ertragen und mit anzusehen, wie wir uns in Kriegen und Massakern gegenseitig abschlachten, unterdrücken, foltern und versklaven, vergewaltigen und die Natur in Asche legen. Täglich sehen wir Betrug, Bestechung, Korruption, Gift, Diebstahl und Rebellion. Terror und Kannibalismus. Es ist grausam, das alles zu begreifen, und man verleugnet seine hochgesteckten Ideale mit jedem kleinen Egoismus. Wie kann man sich nicht wünschen, dass all das aufhört?
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich glaube es war Max Frisch, der mal gesagt hat, dass alle Antworten in den Museen der Welt in Öl hängen, und die Fragen auf einer Postkarte Platz gefunden hätten. Wir sollten uns fragen was wirklich wichtig ist, denn die Antworten haben wir ja schon in uns drin. Wir sollten so gut es geht danach handeln. Und wer die Antwort in sich noch sucht, der lese ein Buch oder soll sich Kunst anschauen. Die Axt und das gefrorene Meer ist ein bisschen drüber. Ich finde ein Buch sollte ein Keil sein, der den Nebel in uns spaltet.
Was liest Du derzeit?
Ich lese parallel. Aktuell über das Drehbuchschreiben. Masterpiece von Elisabeth George (klug), Arbeit und Struktur von Herrndorf (muss man auch ab können), Alle Galgenlieder von Christian Morgenstern (wieso können die Rehlein ihre Zehlein falten???), Falscher Garten von Ute Cohen (brilliant), König Alkohol von Jack London (zeitlos) Henry, June und ich von Nin (weil es wahr ist)
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Du sprichst mit Gott?“ Ich war überrascht.
„Ja, wieso nicht?“
„Also, so richtig. So wie wir zwei jetzt gerade?“
„Ja.“
„Und? Was antwortet er?“
„Er sagt nicht viel. Meist höre ich wie er tief und langsam ausatmet und seufzt.“
„Das ist kein Gespräch.“
„Doch. Er meint: Es ist ok. Es ist ok.“
Vielen Dank für das Interview lieber Salih, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Josef, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
An Werktagen recht diszipliniert. Aufstehen zwischen 6.00h und 7.00h. Arbeiten im homeoffice für meinen Brotjob. Daneben und danach, mitunter davor abarbeiten, was sonst so ansteht. Eine Lektion Italienisch lernen, Gitarre üben, Schreiben. Lesen, Kommunikation mit lieben und wichtigen Menschen auf allen Kanälen.
Josef Golderer, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Durchhalten. Nicht die Nerven verlieren. Besonnen bleiben. All das Gute und Wertvolle von Menschen anzunehmen, was immer möglich ist, mitunter auf phantasievolle Art und Weise in diesen fürwahr „kontaktgestörten“ Zeiten.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Im Durcheinander unserer Krisenzeiten, die anscheinend kein Ende nimmt (von der Finanz- über die Flüchtlings- über die Erstarkung-der-Rechten – über die Klimakrise bis gegenwärtig zur Pandemiekrise) schauen, was wichtig ist. Was wirklich wichtig ist. Unser Verhalten erneut in Frage zu stellen. Was kann ich beitragen, damit die Küche in der Welt am Kochen bleibt aber kein Feuer fängt. Wieviel Luxus, Urlaub, Fernreisen, Konsum, Arbeit, Termine, brauche ich, die mir gut tut? Die die Welt noch verkraften kann? Ab wo geht es in den Bereich der hedonistischen Zerstreuungen hinein, die ablenkt von dem, wo ich nicht hinschauen mag. Was sollen wir tun, was dürfen wir hoffen, um zwei der berühmten Kant´schen Fragen hier anzuführen. Kunst und Literatur sind immens wichtig, um tiefgehende Denk- und Anschauungsfelder zu öffnen, Phantasie und Imagination am Leben zu erhalten.
Was liest Du derzeit?
Verschiedenens. Frühstückszeit ist Philosophenzeit. Derzeit Spinozas tractatus theologico-politicus. Abends derzeit noch Michael Maar: Die Schlange im Wolfspelz. Zwischendurch in Susan Sontag: Standpunkt beziehen. Fünf Essays. Lyrisches querbeet immer wieder von Sappho bis zur Moderne.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Es gibt eine Menge kluger und wichtiger und wohl auch der Zeit angemessener Zitate aus schönen Texten. Ich möchte hier allerdings gern einen Spruch aus der Serie Star Trek: Picard hinterlassen (ich bin übrigens kein „Trekkie“), gesprochen von der weiblichen Figur Raffi:
„Immer ein Ding der Unmöglichkeit nach dem anderen!“
Vielen Dank für das Interview lieber Josef, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Josef Golderer, Schriftsteller
Foto_privat.
28.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Widerstand, Mut und Gemeinschaft zeichnet die jungen deutschen Studenten aus, die sich zur Widerstandsbewegung der „Weißen Rose“ gegen Krieg und Nationalsozialismus im II.Weltkrieg zusammenschließen und denen sich auch Sophie Scholl, die Schwester des Mitbegründers Hans Scholl, anschloss.
Das Morden des Krieges veranlasst die „Weiße Rose“ in Briefen und Flugblättern ab 1942 zur Beendigung desselben und zum Sturz des Regimes aufzurufen. Und dabei riskieren sie alles…
Doch es ist auch in allem Schrecken eine Zeit des Lebens und damit eine unwiederbringliche Zeit der Liebe, die in diesen Dunkelheiten um das Licht der Hoffnung und eine gemeinsame Zukunft ringt…in allen „Flammenzechen“…
Der renommierte Journalist und Autor, Hauke Friederichs, legt mit „Flammenzeichen“ einen besonderen Beitrag zur Geschichte der „Weißen Rose“ vor und stellt dabei die freundschaftlichen Beziehungen der Gruppe wie die Liebesbeziehung von Sophie Scholl zu Fritz Hartnagel in den Mittelpunkt.
Der Autor öffnet die so dramatische Geschichte der jungen Studenten:innen im Kontext der kriegerischen wie gesellschaftlichen Entwicklungen der Zeit und beschreibt Kriegs- wie Gesellschaftsgeschehen umfassend.
„Ein Buch als erschütternde Zeitreise wie ganz wichtiges Dokument für Mut und Widerstand im schonungslosen Einsatz für Demokratie und Freiheit“
Flammenzeichen. Stalingrad, der Kampf der Weißen Rose und eine zerrissene Liebe“ Hauke Friederichs. dtv Verlag
Liebe Peta, wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?
Ingeborg Bachmann´s „Undine geht“ ist ein sehr moderner text, ich fühle mich direkt angesprochen, und er wirkt heutig auf mich. enttäuschte wut ist die grundhaltung, das Du, der andere, dieser Hans hat Undine´s erwartungen nicht erfüllt. wobei nicht passive verletzung die stimmung dominiert, auch keine anklage, sondern scharfe, schonungslose konfrontation und ein klares, direktes an- und aussprechen der misslage.
„Undine geht“ wurde vor 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?
wenig. viel. alles. nichts.
ich denke, genau dieses spannungsfeld – das eben jetzt, 2022 die verschiedensten formen und facetten von frau-mann beziehungen möglich sind, ist die antwort. damals, denke ich, waren die menschen auch in ihren beziehungen mehr in äußeren normen und ideen, wie (privat)leben zu sein hat, festgefahren. heute gibt es alle möglichkeitem der beziehungsgestaltung, sie ist bei allen sozialen und moralischen vorstellungen mehr ins eigenverantwortliche verlagert, – mit den vor- und nachteilen dieser errungenschaft von freiheit.
Mir begegnen empathische, rücksichtsvolle, reflektierte männer und auch rüpel, besitzergreifend, so richtige machos, alles da.
ändern? Ändern! eine menge, wir sind gerade am beginn einer gleichberechtigungsbewegung, und sehr, sehr deutlich sind die gegenströmungen wahrnehmbar. ich denke, gerade an der gehaltsschere ist natürlich noch einiges zu verbessern, am grundrespekt und dem zugestänis von fähigkeiten, die wir frauen mitbringen und erlernen können und wollen.
andererseits ist da auch eine gewisse verunsicherung bei uns frauen, also, bei mir bemerke ich es, wie ich weiblich zugeschriebene gefühle wie rückzug und heim schaffen, mit dem außen und beruf verbinden, wo die eigenen aufgaben liegen. das ist bei mir permanent im wandel begriffen.
ich erachte es allerdings als glück, in einem land zu leben, wo freie meinungsäußerung und systemkritik ohne freiheitsstrafe (und schlimmeres) endet. deshalb sehe ich es auch als meine aufgabe, den mund aufzumachen. weil ich es kann. weil so viele frauen es nicht können. weil wir es so lange nicht konnten.
Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?
ich empfinde sie als durchwachsen. patriachale macht richtet sich ja zum gleichen teil gegen sich selbst, und dann auch gegen frauen. ich denke, es geht prinzipiell sehr viel um recht haben wollen, um beherrschen, es hat viel mit dem uns anerzogenen mangel-bewusstsein zu tun. das vergleichen, das neid schüren, das gefühl, der, die andere hat mehr, darf mehr, tut mehr und tolleres, das verlernen von zufriedenheit. da reckt man schnell mal die ellenbogen aus. patriachat bedeutet für mich den lebensfokus auf materielles zu richten, auf überbewertung von geld. haben-müssen, besitzen-müssen, dominieren-müssen, bestimmen-müssen. es fällt noch immer schwer, verschiedene denkmuster und kulturen nebeneinander zu akzeptieren, leben und leben lassen.
diese kämpferischen, eroberischen lebensweisen werden, obwohl wohl tief in uns verankert, durch die medien geschürt. auch das internet, die vernetzung kann mensch als übergriffe, als grenzüberschreitungen werten.
leider, und da beginnt der normale lebenskampf ins brutale zu kippen, der den boden für auch femizide, für untergriffige verbale attacken, fürs wegsperren, säureangriffe, vergewaltigungen ebnet, gibt es noch immer auch in unserer breiten die auffassung, MANN sei mehr wert als frau und MANN hat recht und rechte über frauen.
Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander von Mensch und Mensch im gesellschaftlichen Lebens aus. Welche Auswege siehst Du da?
ja, viel hoffnung lässt der text nicht zu. meiner meinung nach sind funktionierende beziehungen von hoher kompromissfähigkeit beider partner getragen, und einem hohen Grad an Toleranzfähigkeit. aber, ich rede jetzt von dingen, in denen ich selbst nicht gut bin.
Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute mitnehmen?
die klarheit in der benennung von tatsachen, von missständen. es ist ein dogma gegen die schweigekultur, die zum teil zwar ein selbstschutz ist, aber auch gebrochen werden soll. muss. ich denke, wie sehr das im privaten stimmig ist, ist ein anderes kapitel, aber in kunst und politik ist es unendlich zwanzig nach zwölf.
Was bedeutet Dir Natur?
sehr viel. es ist mir das wichtigste überhaupt, um ressourcen aufzutanken, um ideen zu finden, zum durchatmen, atem holen. ich liebe es, einfach zu gehen. ich gehe sehr viel.
Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben?
es geht wohl um ein realistisches einschätzen, wie weit das mit all dem gegebene fortschritt tatsächlich möglich ist, und da geht es sehr viel um auf sich selbst hören, die eigene bedürfnisse, und eben die umwelt, mensch wie natur.
wenn mensch einfach seine lebensnotwendigen bedürfnisse deckt, ist das ok.. es macht auch keinen sinn, so zu tun als ob wir nicht kulturellen und sozialen bedingungen ausgesetzt sind, das kind braucht den computer in der schule, und eine heiße dusche ist bei uns usus, nicht luxus. „zurück zur natur“, ein leben als „neue wilde“, das ginge nur in sehr radikaler lebensform eines einzelnen (außer, man zöge diesen stecker… 😉 es gab die erfindung der lok, des flugzeugs, rakete, atomkraftwerk, binnenschifffahrt…das können wir nicht wegträumen, so wir (als mitteleuropäische gesellschaft )wir es auch wollte.wolle wir? es gibt ausplünderung, es gibt immense kapitalistische interessen, es gibt die notwendigkeit, energie und strom zu fördern und es gibt verpackung über verpackung , plastik über plastik im supermarkt und es braucht wirklich kraft und wille, sich (vor allem letzteren) entgegenzustellen und alternativen zu finden, für sich selbst, für die gesellschaft.
das sind jahrelange, jahrzehntelange prozesse der bewusstseinsschaffung, aber es benötigt auch aktive, reale lösungsalternativen, und da mangelt es.
deshalb zieht es mich ja auch in die utopie des theaters – hier kann ich diese lösungen lebendig werden lassen, in einer kleinen momentaufnahme, in einem kleinen kleis der zusehenden.
Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, zu blühen?
verständnis, achtsamkeit, respekt. und raum, (frei)raum, freiheit.
Was lässt Liebe untergehen?
altlasten, unverarbeitetes, eigene traumata, vorverletzungen, enge und zwänge, überhöhte erwartungen (ein problem gerade unserer zeit des selbst- und fremdperfektionismus, in der überhöhten erwartungen an alles, job, wohnung, partner, kinder, ….) uns nach dingen suchen lassen, die es gar nicht gibt (zum glück!).
Wie war Dein Weg zum Schauspiel?
durchwachsen und verschlungen. von der portraitfotografie in die bildende und performance kunst in diverse schauspielschulen, zur moderation von finanznachrichten, in die performance, zum zircus (ein ganz klein bisschen) und ins tanzen und immer mäandernd hin- und her…
Welche Berührungspunkte/Impulse mit/von Literatur gab es bisher in Deinen künstlerischen Projekten?
ich habe mir zumindest eine basis in dramenliteratur angeeignet, aber im gegensatz zu vielen kolleg*innen oder sonst theateraffinen menschen bin ich da nicht besonders belesen. ich habe grosse ehrfurcht vor diesen zeitreisen, diesen spiegeln, und was ich daraus lernen durfte ist die vergänglichkeit von prinzipien, hierachien, standesvorgaben, moralvorstellungen, gesetzgebungen, kleidungsstilen, werten., wie realtiv das alles ist, wie wandelbar.
Welche Impulse gibt es von der Natur für Dich persönlich?
ich liebe land art. von bildhauen hört man ja auch oft, dass im ausgangsmaterial die figur/skulptur schon vorhanden ist, und dass sie diese sozusagen nur befreien
Was bedeutet Dir das Element Wasser?
ich empfinde tiefe verbundenheit zu diesem element, nicht umsonst heißt die erde blauer planet und wir sind fast gänzlich wasser, für mich ist es medidationsort, träumort, und ich bin auch „nah am wasser gebaut“. ich lerne schwimmend (planschend 😉 text, mein klangkollektiv heißt LIQUIDinfinity. schwimmen ist für mich eine schöne möglichkeit, der materie und aller last zu entkommen. es befreit mich, und es macht mich glücklich. wenn man dick auftragen will, könnte man es fast mein lebenselixier nennen.
Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten?
ehrlich gesagt ignorierend und durch die stromrechnung erinnert. bzw. durch rituelle feste wie ostern und weihnachten. also, ich bin eher in richtung kälte resistent, warme oder sogar heiße zeiten fordern mich heraus, was stimmung und auch lern- und leistungsfähigkeit betrifft.
Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben?
es gäbe so viele nennenswerte stellen, gerade auf den ersten seiten. gut, ich entscheide mich für:
„Nie wart ihr mit Euch einverstanden. Nie mit euren Häusern, all dem Festgelegten. Über jeden Ziegel, der fortflog, über jeden Zusammenbruch, der sich ankündigte, wart ihr froh insgeheim. Gern habt ihr gespielt mit dem Gedanken an Fiasko, an Flucht, an Schande, an die Einsamkeit, die euch erlöst hätten von allem Bestehenden. Zu gern habt ihr in Gedanken damit gespielt.“
Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Achrostikon zu „Undine geht“ bitten? (Wortassoziation zu der Buchstabenfolge – U=Stichwort, N=…..)