„Was machen Sie denn da?“ Station im Atelier _ Lola Lindenbaum, Künstlerin – Kunstraumtabaktrafik Wien 23.8.2022

Lola Lindenbaum, Künstlerin _ Atelier _ Kunstraum Tabaktrafik _ Wien_1020
Lola Lindenbaum (alle weiteren) _ IM KONKRETEN FREIEN FALL _
160×120 Öl, Acryl, Ölkreide auf Leinwand_6/2022

IM KONKRETEN FREIEN FALL

VOM YUPPIE

ZUM PUPPIE

TRÖSTET DANDY

MIT HEISSEM

BAKER MILLER

EIS

„Room with a view“
160×120, Öl, Acryl, Ölkreide, Asche, Spray auf Leinwand_2022

Liebe Lola, herzlichen Dank für die Einladung in Dein beeindruckendes neues Atelier „Kunstraum Tabaktrafik“ im Herzen Wiens!

Wann hast Du Dein Atelier bezogen und welche Pläne hast Du jetzt hier?

Ich habe den Raum zu Beginn des Sommers übernommen, also taufrisch. Aufgrund sommerbedingter Reisetätigkeit habe ich das Atelier bisweilen nur rudimentär genutzt, aber im September findet die offizielle Eröffnung mit einem Salongespräch mit Prof. Robert Pfaller statt. Dann wird es im Herbst „open evenings“ geben, bei denen man die aktuelle Ausstellung bildender Arbeiten besichtigen kann. Die Ankündigung erfolgt unter http://www.kunstraumtabaktrafik.com .

Fix geplant sind ein Herbst-, Winter-, Frühlings- und Sommersalon sowie auch in weiterer Folge Gemeinschaftsausstellungen.

Import-Export Handel mit Zähren aller Art,
250×120 Öl, Acryl, Spray auf textilisiertem Holzrahmen 2022
Es stand: Ein Vogel wollte Hochzeit machen…Sie sprachen: A murds Lackl, a trum kund,
80×120, Öl, Acryl, Ölkreide, Spray, Collageelemente auf textilisiertem Holzrahmen 12/2021

Hast Du den Lebens- und Kunstraum um Dein Atelier schon etwas kennenlernt?

Da ich seit einigen Monaten in der Nähe wohne, ja. Der 2.Bezirk ist so spannend zu entdecken, er liegt einerseits sehr zentral, andererseits fühle ich mich wie in einer eigenen Stadt in der Stadt – das ist großartig. An vielen Ecken, wie eben dem Czerninviertel, finde ich ein geheimnisvolles, unentdecktes Wien vor. Die Atmosphäre beispielsweise links von der Praterstrasse, also im Rotensternviertel oder Kameliterviertel, empfinde ich ganz anders als rechts v.d.Praterstrasse, im Czerninviertel- und genau diese Unterschiede machen die Gegend so spannend und bereichernd. Sie sehen schon, ich liebe das Grätzel.

Abhängen mit Schuh,
120×180 Öl, Acryl, Ölkreide auf textilisiertem Holzrahmen 4/2022

Abhängen mit Schuh

Nichts vor mit Lichterkette

Macht skeptisch am Teppich

Flugmodus gut gegen Klugscheisser

Fliegenpilz schön fürs Auge

Heugeigen besser als Ruf

Maggi-Halter aus der Mode

Himmel meerblau

Miami Vice geht immer

Wie waren/sind Reaktionen des Lebensumfeldes hier?

Da die Tabaktrafik lange leer stand, erweckt die neue Nutzung großes Interesse, vor allem auch weil ich zu völlig unregelmäßigen Zeiten vor Ort bin. Ich habe dann meist die Eingangstüre offen stehen und die am Gehsteig vorbeiziehenden Leute bleiben stehen und fragen Dinge wie: “Was machen sie denn da?“ oder konkreter “Ich habe eine Freundin, die ist Künstlerin, hat die die Möglichkeit hier auszustellen?“….

Es ist eine Mischung aus skeptischer Neugier und Interesse. Ich beantworte oft mehr Fragen, als mir beim Arbeiten eigentlich lieb ist.

Was schätzt Du jetzt schon besonders hier in der Leopoldsstadt, dem zweiten Wiener Gemeindebezirk?

Ich sage immer:“ Der 2.Bezirk drängt sich einem nicht auf“.

Ich habe, seit ich in Wien lebe, schon in vielen unterschiedlichen Bezirken gelebt und gearbeitet, aber das Gefühl in einer eigenen Welt zu sein, erlebe ich hier- im  Mikrokosmos Leopoldstadt- am intensivsten.

Welche Schwerpunkte hast Du derzeit in Deinen Kunstprojekten?

Ich arbeite ja schon seit längerem mit textilen Strukturen, aktuell fokussiere ich mich diesbezüglich auf Großformate, was technisch besondere Anforderungen mit sich bringt. Das heißt das Bespannen  der großen Holzrahmen ist ein vorbereitender, aber prägnanter Arbeitsschritt für mich- das Bild ist schon im Entstehen, ich stehe praktisch selten vor der berühmt berüchtigtem weißen Leinwand.

Achtung! Lichtung!
160×120, Öl, Acryl, Ölkreide, Spray auf Leinwand_2022
Jenes Alter,
160×120, Öl, Acryl, Ölkreide auf Leinwand_2022

Jenes Alter,
als er das Bouquet des erträumten Lebens aufsog,
liegt weit zurück

und doch kann er an guten Tagen noch erahnen, wie es gerochen haben könnte.

Dufte! Er lächelt milde

Wir haben als Thema für das Fotoshooting in Deinem Atelier die Zeit der 1970er Jahre gewählt. Welche Zugänge gibt es für Dich zu dieser Epoche?

Nun, dass die Tendenz besteht, dass man retrospektiv Epochen oder Lebensgefühle glorifiziert oder Aspekte in der Nachsicht ausspart, ist ein bekanntes Phänomen. Jedoch glaube ich, dass sich viele Menschen in den 1970ern der Glamourösität dieses Zeitgefühls bereits bewusst waren, nicht erst retrospektiv betrachtet.

Was unterscheidet die 70er von den Jahrzehnten davor/danach?

Rein von der Formensprache und Ästhetik symbolisieren die 70er Fülle, Lebensfreude, Glamour und Leichtigkeit.

HIER SOIR,
200×100 Öl, Acryl, Spray auf Leinwand_6/2022
new years eve 8
120×160 Öl,Ölkreide,Acryl a.Leinwand 31.12.2021

Was zeichnete die Mode und die Gegenstände/Accessoires der Lebenswelt damals aus?

Die Mode war natürlich von den Auswirkungen der sexuellen Revolution ab 1968 geprägt- kurz, bunt, lebensfroh. Die bevorzugte geometrische Form war rund, das zeigt sich in Tapetenmustern, Möbeln, Schriftzügen und Karosserieelementen. Das Interieur konnte nicht bunt genug sein, wobei man sich hier meist in Bereich des warmen Farbsegments bewegte- orange, braun, beige, ocker. Die Einrichtung von Colombo-Häusern war der Inbegriff des damaligen Ästhetikbegriffs.

Was schätzt Du besonders an den 70er und fließt dies auch in Deine Kunstprojekte ein?

Meine Arbeiten sind füllig und bunt, alles ist erlaubt. Die Manifestierung von Lebensgefühlen ist ein wesentlicher Motivator für meine Arbeiten, dazu gehören auch Gefühlswelten die ich anachronistisch verorte. Und als Kind der 1970er ist diese Welt zumindest auch unbewusst immer prägend für die eigene Arbeit.

Living room,
120×80 Öl, Acryl, Ölkreide auf textilisiertem Holzrahmen 2022
Vertreten,
160×120 Öl,Ölkreide, Acryl a.Leinwand, 2022,

Vertreten

Das gesellschaftliche Ich tanzt mit dem eigentlichen tritt auf den Anspruch des Standpunkts mit Füßen vertreten werden darf.

 Gibt es einen Film der Zeit, den Du hervorheben möchtest?

Ich habe unlängst „Der Eissturm“ wiedergesehen, ein Film des taiwanesischen Regisseurs Ang Lee, der zwar 1997 herausgekommen ist, jedoch im Jahr 1973 spielt und sich-dramatisch- mit den Eigenheiten der amerikanischen  Gesellschaft in den 70ern auseinandersetzt. Hier geht es – eingebettet in  vordergründige Glamourösität –  um  die innerpsychologischen Tücken und gesellschaftlichen Dramen der Zeit des Vietnamkriegs und der Watergate-Affäre.

rosalie verschenkte 3 punkte
80×120 Öl, Acryl, Ölkreide,.Spray a.textilisiertem Holzrahmen, 12/2012

Rosalie verschenkte drei Punkte.

Diese werden nun in der warmen, emsigen Stube geraucht.

Tüchtig, sehr tüchtig.

Du hast in Modestil und Accessoires eine perfekte Zeitreise in die 70er erschaffen! Welche Schwerpunkte hast Du dabei ausgewählt?

Psychodelische oder florale Muster in feinem Strick – und ein weißer Filzhut. Große Ohrringe, Ringe und Ketten in Bronze oder Gold.

Was können wir aus den 70er in Leben und Kunst in das Heute mitnehmen?

Es schleicht sich heute wieder eine vermehrte Prüderie ein, da kann die Offenheit als Maxime der 70er sicher als Impulsgeber dienen.

 Was wünscht Du Dir für den Kunst- und Lebensraum in „Deinem“ Bezirk hier?

Die Unverwechselbarkeit und das Anachronistische möge länger erhalten bleiben, als in anderen Innenstadtbezirken – die mögliche Zeitreise möge lange währen.

Herzlichen Dank, liebe Lola, viel Freude und Erfolg weiterhin!

Lola Lindenbaum, Künstlerin _ Atelier _ Kunstraum Tabaktrafik _ Wien_1020

Atelierbesuch_

Station bei Lola Lindenbaum, Kunstraumtabaktrafik, 1020 Wien

http://www.kunstraumtabaktrafik.com

Lola Lindenbaum, Künstlerin, Wien

https://www.lolalindenbaum.com/de/

Alle Bilder/Texte: Lola Lindenbaum

Kostüm/Accesoires: Lola Lindenbaum

Interview und alle Fotos_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig 8_22

https://literaturoutdoors.com

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