„Sie kamen wie aus einer anderen Welt, einer Welt, die sich ihrer selbst bewusster ist, als der ganz im Kopf wohnende Alltagsmensch, der im Regionalzug maximal durch irgendwelche Internetseiten scrollt und hofft, möglichst bald zu Hause, jedenfalls woanders zu sein“ _ Erinnerung an +Monika Helfer, Schriftstellerin _ Robert Petschar, Schriftsteller _ Feldkirch/Vorarlberg 10.9.2026

Monika Helfer _ Robert Petschar
Monika Helfer, Schriftstellerin (*18.10.1947 Vorarlberg +2.8.2026)

Zu Monika Helfer/Monika Helfer-Köhlmeier:

Monika Helfer, Schriftstellerin (*18.10.1947 Vorarlberg +2.8.2026)

Monika Helfer, Schriftstellerin _ hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffentlicht. Für ihre Arbeiten wurde sie unter anderem mit dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur, dem Solothurner Literaturpreis und dem Johann-Peter-Hebel-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen bei Hanser ihre Romane »Vati« (2021), mit dem sie für den Deutschen Buchpreis nominiert war, »Löwenherz« (2022) und »Die Jungfrau« (2023), »Wie die Welt weiterging« (2024) sowie »Der Bücherfreund« (2025). Monika Helfer-Köhlmeier | Hanser 3.8.2026

Monika Helfer (ganz links) als Nominierte
bei der Verleihung des österreichischen Buchpreises 2025 in den Wiener Praterateliers :_ folgende
Monika Helfer und ihr Mann Michael Köhlmeier

Im Interview _  Robert Petschar, Schriftsteller _ Feldkirch/Vorarlberg

Lieber Robert Petschar, welche Erinnerungen gibt es für Dich an Monika Helfer?

Früher waren die Regionalzüge im Ländle noch mit Halteschlaufen aus Leder mit Aluminiumgriffen ausgestattet, die während der Fahrt gegeneinanderschlugen und ein monotones Geräusch erzeugten. Die Sitze waren orange-braun bezogen, der ganze Innenbereich war in Orange gehalten, flackernde Neonröhren, die Ansagen vom Schaffner noch persönlich und live gesprochen.

Als regelmäßiger Regionalzug-Fahrer begegnete ich hie- und da dem Ehepaar Köhlmeier-Helfer. Ein bisschen exaltiert, sie mit Häkel-Handschuhen, er im Sakko, sah man sofort – ein Künstler-Paar ist ins Gespräch vertieft. Ein anderes Mal betraten sie den Wagon und nahmen ihre Plätze ein und es schien mir so, dass sie nicht allein des Personentransportes wegen im Zug saßen, sondern dass dies auch dem Menschenstudium dienen könnte, denn damals wie heute gilt: über die zufälligen Begegnungen im öffentlichen Raum könnte man manchmal Bücher schreiben.

Für mich waren diese Begegnungen immer ein kleines Highlight. Sie waren mir sympathisch, weil sie einander so liebevoll zugewandt waren, das war der eine Grund.  Sie kamen wie aus einer anderen Welt, einer Welt, die sich ihrer selbst bewusster ist, als der ganz im Kopf wohnende Alltagsmensch, der im Regionalzug maximal durch irgendwelche Internetseiten scrollt und hofft, möglichst bald zu Hause, jedenfalls woanders zu sein. Das war der andere Grund. Sie hoben den banalen Moment aus dem Alltag und brachten ihn in eine literarische Form und plötzlich wurde daraus die Erzählung, mit der es gelang, das eigene Leben zu reflektieren, zu verstehen.

Ich habe mit Monika Helfer leider nie ein Wort gewechselt und bedauere es sehr, ihr nie direkt begegnet zu sein. Zu einer Lesung im Heimatmuseum in Bezau im letzten Jahr konnte ich leider nicht kommen. Ich schrieb ihr einmal über den Verlag Hanser eine Mail und lobte sie für das Buch „Löwenherz“, das mich ganz besonders berührte. Es war mir ein Bedürfnis ihr das mitzuteilen und ich habe dies noch nie nach dem Lesen eines Buches gemacht. Ich bedauere es heute, dass ich es ihr nicht persönlich sagen konnte, wie schön sie ihren Bruder beschrieb: so ehrlich, schonungslos und behutsam zu gleich. Gemeinsam mit den anderen Büchern, die sie ihrer Herkunftsfamilie widmete, entstand etwas ganz Besonderes. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.

Eine ganz außergewöhnliche Frau wird in Zukunft fehlen, ihre Art, sich zu geben, zu schreiben und sprechen. Sie wird mir persönlich fehlen, in ihrer Klarheit und Direktheit zu formulieren, in ihrer Bescheidenheit. Sie war eine ganz Große – große Menschen zeichnet vor allem genau das aus: Bescheidenheit. Danke Monika!

Robert Petschar, 10.9.2026

Robert Petschar, Schriftsteller

Zur Person: Robert Petschar, geboren 1971 in Bludenz, aufgewachsen und wohnhaft in Feldkirch, Mitglied bei der Johann-August-Malin-Gesellschaft, schreibt autobiografische Texte, Prosa, Haikus, Feuilleton und Gebrauchstexte für Zeitungen. Seine Themenschwerpunkte sind Identität und Entwicklung. Literatur Vorarlberg | Petschar Robert 10.9.2026

Foto: Monika Helfer _  Salvatore Vinci/Hanser Verlag

Fotos: Monika Helfer _ Verleihung des österreichischen Buchpreis 2025 _ Walter Pobaschnig

Foto: Robert Petschar _ privat

Walter Pobaschnig, 9_26

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