Liebe Sandra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Die letzten Wochen waren tatsächlich von einer gewissen Einsamkeit geprägt. Ich sah mein Kind, meinen Mann an den Wochenenden, und ganz gelegentlich meine Freundin. Ich war viel im Homeoffice. Zunächst hatte ich das noch begrüßt. Herrlich, zwischendurch mal aufzustehen, die Wildvögel zu füttern oder mal kurz auf einen der Hügel, die das Dorf umrahmen zu klettern und dann später weiter zu arbeiten. Nach fünf Wochen hatte ich jedoch das deutliche Gefühl, langsam tiefe Furchen in alle Wege getreten zu haben. Ich hatte Sehnsucht danach, mich ordentlich statt notdürftig zu schminken, mich statt in Bequemleggins büroschick zu kleiden und mit meinen Kollegen im Büro Landrat zwischen Terminen und dem üblichen Stress kurz zu plaudern.
Sandra Blume, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Das ist eine knifflige Frage, auf die ich lange keine gute Antwort finden konnte. Es wird so viel gesagt und geschrieben, was wir tun sollten und was geschehen müsste, dass es mir zum Hals heraus hängt. Ich glaube, was wir jetzt vor allem brauchen, ist Geduld. Und Hoffnung. Und den unbedingten Willen daran zu glauben, dass diese schwierige Zeit endet. Und dass dann etwas Neues kommt, das wir gestalten können. Im Moment sind unserer Gestaltungskraft Grenzen gesetzt. Grenzen, die ich akzeptiere, weil auch ich keinen besseren Weg weiß. Ich sehe die vielen Toten, die ich jeden Tag für unseren Landkreis zähle und den Medien mitteile. Und ich denke, dass es angesichts dessen kein großes Opfer ist, wenn ich die Wege um mein Dorf eben noch etwas länger austrete.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Stehen wir vor einem Aufbruch? Ich bin mir nicht sicher. Wir werden unsere Freiheiten intensiver wahrnehmen für eine Weile. Wir werden die Friseure, die Kinos, die Restaurants und hoffentlich auch die Theater und Galerien einrennen – für eine Weile, weil wir wertschätzen, dass wir all dies haben und nutzen können. Viele werden Scherben einsammeln. Ihre Hoffnungen und kleinen Unternehmen zu Grabe tragen. Andere werden kommen und neue Hoffnungen und Ideen zum Leben erwecken. Wir werden sein, wie Menschen immer sind: die einen vergessen und verdrängen, halten sich am Gewohnten fest und die anderen fangen etwas Neues an.
Was liest Du derzeit?
Ich habe mir eine wunderschöne illustrierte Ausgabe des Herrn der Ringe zugelegt. Und genieße es, das Buch mit seiner herrlichen poetischen Sprache nach Jahren wieder zu lesen. Wenn es draußen stürmt und schneit und drinnen ein Feuer prasselt, lässt sich selbst Corona vergessen. Für eine Weile.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„This storm is making me tired,“ said the boy. „Storms are getting tired too,“ said the horse, „so hold on.“
Charlie Mackesy
Vielen Dank für das Interview liebe Sandra, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Karsten, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Für mich hat sich nicht viel geändert. Ich kann zurzeit, wie schon vor der Pandemie, sehr zeitsouverän leben. Für mich als Schriftsteller fühlt sich das gut an, so kann ich frei arbeiten, mir Wege suchen. Obwohl ich schon recht lange schreibe, und bereits vieles ausprobiert habe, bin ich stets auf der Suche nach der besten Tagesstruktur, einer Struktur, in der ich produktiv sein kann. Früher dachte ich, dass ich möglichst viele Sozialkontakte, das heißt den direkten Austausch mit anderen, unbedingt bräuchte, dass ich ohne diese persönlichen Kontakte nicht glücklich sein könnte, aber das hat sich mit der Zeit verändert. Mittlerweile kann ich recht gut mit mir selbst allein sein. Da ich ein visueller Mensch bin und meine Umwelt gerne beobachte, fehlen mir jetzt aber zunehmend Szenen, Ereignisse sowie Blicke und Gepflogenheiten der Menschen. Es fühlt sich alles etwas enger an. Auch das Denken.
Karsten Redmann, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Antwort 1: Sich mit Geschichten zu versorgen, sich Geschichten zu erzählen, um den Alltag erträglich zu machen. Allgemein formuliert: Sich den Künsten zuwenden, um dort nach Antworten zu suchen. Die Kunst bzw. die Beschäftigung mit ihr, kann uns lehren, uns leiten. Wenn wir uns schon nicht im Außen bewegen können, dann doch wenigstens im Innen.
Antwort 2: Sich bei Laune halten, sage ich mal so lapidar. Aber auch immer wieder zu versuchen die sich ständig wandelnden Umstände zu begreifen, neue Informationen zu ordnen, zu gewichten, Risiken (für sich und die anderen) abzuwägen, und an eine mögliche und offene Zukunft zu denken.
Antwort 3: Ich spreche nicht gerne für ein WIR. Wer ist denn dieses UNS ALLE? Grundsätzlich glaube ich, dass jeder für sich am besten weiß oder es zumindest herausfinden sollte was zu tun ist. Wobei ich natürlich auch verstehe, wenn Leute ängstlich werden, unruhig werden, sich nicht mehr wohlfühlen ob der akuten Probleme unserer Zeit. Wenn ich eine naheliegende Empfehlung aussprechen darf – dann, dass ich uns allen ans Herz lege, sich bestmöglich auszutauschen, um besser mit etwaigen Unsicherheiten und Unwägbarkeiten umgehen zu können.
Antwort 4: Eine gefühlte Nähe in der Distanz herstellen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich bin eher skeptisch was den angesprochenen Aufbruch und Neubeginn angeht. Ich gehe nicht davon aus, dass sich die Gesellschaft neu erfindet. Dafür sind die etablierten Institutionen und die sehr tief reichenden Werteinstellungen innerhalb der Gesellschaft zu wirkmächtig. Viele Institutionen verfolgen weitestgehend Eigeninteressen. Warum sollten sich diese Interessen plötzlich verschieben? Außerdem bräuchte ein Um- und Neudenken Möglichkeitsräume – dafür müssten Ressourcen freigesetzt werden. Klar ist: Eine Gesellschaft muss den Wandel schon wollen. Diesen Willen sehe ich nicht. Zumindest bisher nicht. Die wirkmächtigen Diskurse verlaufen in alten Bahnen. Welche Rolle der Kunst/der Literatur zukommen? Die Kunst kann sich nur schwerlich durchsetzen. Das zeigt sich immer wieder und leider überall. Wer sollte ihr größeres Gewicht verleihen? Der Kunstmarkt? Die Künstlerinnen und Künstler selbst? Oft ist sie nur Beiwerk. Ich persönlich würde der Kunst innerhalb der Gesellschaft gerne mehr Gewicht und Einfluss geben wollen, denn ich sehe sie als wesentliches Element geistiger Entwicklung und Menschwerdung – auch wenn sich das ein wenig pathetisch anhört. Klar ist: Wir brauchen Menschen in Machtpositionen, die den Wert der Kunst erkennen, diesen Wert dann auch fördern, nur dann wird sich etwas ändern.
Was liest Du derzeit?
Habe „Kindeswohl“, den schmalen Roman von Ian McEwan, neben meinem Bett liegen, lese hin und wieder, aber ich werde nicht so ganz warm damit. Ganz anders erging es mir mit dem kürzlich zu Ende gelesenen Roman „In Transit“ von Rachel Cusk. Dieser Text hat mich schon sehr beeindruckt. Auch darf ich ab und an, und zwischendurch, die Texte meiner Freundin kritisch gegenlesen, das mache ich gerne und mit großer Leidenschaft. Es trifft sich gut, dass wir beide schreiben. Ein anderer (auch fremder) Blick auf das Eigene kann nicht falsch sein. Was das Ureigene angeht: Selbstverständlich lese ich mein in Arbeit befindliches Romanmanuskript wieder und wieder. Streiche Absätze, ergänze Passagen. Hoffe, im Frühsommer den Roman abschließen zu können. Es wird aber auch Zeit.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Vor nicht allzu langer Zeit bin ich auf folgendes Zitat gestoßen: „Wenn ich von Poesie spreche, betrachte ich sie nicht als ein Genre. Poesie ist ein Bewusstsein für die Welt, eine besondere Art, sich auf die Realität zu beziehen. Poesie wird also zu einer Philosophie, die einen Menschen durch sein Leben führt.“ Das Zitat stammt vom Sowjet-Regisseur Andrei Tarkowski, dessen Arbeiten ich sehr schätze. Seine Bildsprache ist außergewöhnlich. Mit Ingmar Bergman gehört er zu meinen Heroen einer eigenen Bildsprache. Ein kurzer Einblick in die besondere Sprache der beiden Filmemacher findet sich hier – in diesem wunderschön gemachten visuellen Essay: https://www.youtube.com/watch?v=Wfbkn21yvr4
Schon sehr früh dachte ich, die Welt ist mehr als nur das rein Sichtbare, rein Hörbare. Es war mir, als wäre da immer noch etwas anderes da, ein Schwingen, ein Öffnen, ein Raum hinter dem Raum, ein Dahinter. Und ja – dieser besondere Blick auf die Welt, die Poesie als Philosophie, geben alldem was ist, und womöglich sein wird, ein Gewicht. Ohne diese Schwere, ohne dieses Ziehen im Leib, würde mir etwas Wesentliches fehlen.
Ich wünsche jedem Menschen die Möglichkeit einer solchen Kunst- und Welt-Betrachtung. Für mich liegt darin, in dieser Erfahrung, ein außerordentlicher Wert. Es ist der eigentliche Impuls zu schreiben, das Leben einzufangen, es greifbar, nahbar und fühlbar zu machen.
Vielen Dank für das Interview lieber Karsten, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Andrea, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?
landmarkensuche im alleintag. wie immer. prospektiere die tageslandschaft. buchstabengeländer zum festhalten. texte entstehen langsamer. eine zoomkonferenz. eine einladung zum storytelling. online. ein spaziergang in gesellschaft. büro. telefon und skype.
Andrea Karimé _ Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
ich denke wieder, ich kann nicht mehr. aber es ist ja ein westliches privileg, dass ich das jetzt erst denke und nicht schon mein ganzes leben. im libanon können viele schon viel länger nicht mehr und machen weiter und in syrien, und moria und an den anderen unglücksorten der welt die weit weg sind von uns. also #leavenoonebehind. ich stelle mich ein auf größeres teilen und lerne brückensprachen und schnüre die schuhe. es gibt was stand-halten lässt. sinne offenhalten. lächeln auffädeln. gemeinsam. immer und zb gegen rechts. für menschlichkeiten. „nicht müde werden/ sondern dem wunder/ leise …“
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
poesie bringt sinne zum klingen. kann zursprachebringen sichtbarmachen. künstlerische sprachen und geschichten tragen. literatur sammelt und öffnet welten. dokumentiert komponiert neue zusammenhänge. schichtet dichtet wahrnehmungen. kann aufrütteln irritieren. etwas zusammenbrechen lassen. kleingeistiges aus dem gebüsch locken. zum lachen bringen.
trösten. „ein wort ist ein mond. es leuchtet“ (Aya, 9).
Was liest Du derzeit?
maya angelous autobiografie: „Ich weiß warum der gefangene Vogel singt.“ dieser stolz eines schwarzen mädchens in schwierigstem leben, der das ganze buch durchstrahlt. außerdem ihre gedichte: „Phänomenale Frauen“ in der zweisprachigen ausgabe. wenn ich mehrl zeit habe: „Das Meer der Libellen“ von Yvonne Adhiambo Owour. die das Meer aufbaut, sollten das jetzt lesen.
„… blasse Lichtrahlen, …, die Hoffnung gaben, man könne darauf bauen, dass die Zeit selbst die größten Katastrophen in ferne Echos zu verwandeln vermochte.“
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„alone/ all alone/ nobody/ but nobody/ can make it out here alone“
(maya angelou)
Vielen Dank für das Interview liebe Andrea, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Die Uraufführung von der „Reigen“ in Berlin/Wien wurde 1921 zu einem der größten Theaterskandale der Geschichte. Die gesellschaftlichen Spielformen der Sehnsucht und Liebe, das Wiener „Pantscherl“(Affäre, Verhältnis), vom Grafen bis zum Stubenmädchen querbeet, wird zum gerichtlichen „öffentlichen Ärgernis“. Der Instanzenweg endete schließlich auf Seiten der Kunst und des Wiener Autors, Arztes und Schriftstellers Arthur Schnitzler (1862 – 1931). Schnitzler selbst ersuchte jedoch 1922 seinen Verlag von weiteren Aufführungen Abstand zu nehmen (1982 aufgehoben). Die Spannung von Kunst und Zeit lässt Schnitzler, der das verdeckte, verdrängte Innere einer doppelbödigen Gesellschaft ins Bühnenlicht stellte wie kein anderer, hier zurückziehen.
100 Jahre später kommt es nun zu einem außergewöhnlichen literarischen Transferprojekt der österreichischen Schriftstellerin Barbara Rieger, welche Schnitzlers Bühnendialog aufnimmt und zehn österreichische SchriftstellerInnen – Gertraud Klemm ∙ Gustav Ernst ∙ Daniel Wisser ∙ Bettina Balàka ∙ Michael Stavarič ∙ Angela Lehner ∙ Martin Peichl ∙ Barbara Rieger ∙ Thomas Stangl ∙ Petra Ganglbauer – einlädt, diesen im 21.Jahrhundert ankommen zu lassen. „Es war ein Experiment, ein Weiterschreiben, ein Reagieren auf den Text des Vorgängers/der Vorgängerin, ein Übernehmen der Figuren, ein Bezugnehmen auf Schnitzler“, umreißt die Herausgeberin Barbara Rieger dieses bemerkenswerte interaktive Literaturprojekt. Literarischer Impuls und Dialog geben nun den Blick frei auf Sehnsucht, Bedürfnis, Drama der Gegenwart. Nehmen im genialen Sprachlicht mit auf die Hochschaubahn, das Riesenrad von Gefühl und Einsamkeit im Tanzen und Stolpern der Liebe. Die literarischen Variationen und Ideen begeistern in ihrem bunten Menschen-, Emotionenfächer.
Der Originaltext Schnitzlers wie ein Vorwort der Literaturwissenschaftlerin Daniela Strigl runden dieses geniale „Darf/kann ich lieben?“.
Lieber Petrus, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
ich arbeite zur zeit als fachkraft im dreischichtsystem in der vollstationären pflege. eine coronainfektion mit zahlreichen toten haben wir gerade hinter uns, auch ein großteil der mitarbeit*erinnen war in quarantäne. diese arbeit so nebenher. also meist kurz nach vier aufstehen, arbeiten, essen, kunst machen, pferd versorgen, essen, duschen, schlafen.
ich arbeite wie immer an vier bis fünf büchern. es sind ganz wunderbare projekte, wie ich finde. das alles verlangt eine gute zeiteinteilung. leider habe ich gerade meine zeitliche orientierung verloren. also die wochentage. alle sind gleich. nun, es gibt kalender.
Petrus Akkordeon, Künstler, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
hoffnung. einfach nicht aufhören.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
ohne eine zukunft macht weder ein neubeginn, aufbruch oder weiter keinen sinn. also muss die erde erhalten werden. als gesundes lebewesen. und wenn wir nicht lernen uns zu lieben, das meint die anderen und uns selbst, dann wird das nichts werden mit der menschheit.
die kunst gibt es nicht. aber es gibt lebewesen, deren sprache ist poesie. die sagt uns was wesentlich ist. der rest ist eventuell gar nicht so wichtig.
ganz persönlich hoffe das wir alle sehr viel sensibler werden. da können kunstwerke aller art helfen uns zu erschüttern oder zu berühren. mal mehr oder weniger sanft und in allen sprachen. gerne sanft.
Was liest Du derzeit?
all die manuskripte, die mich erreichen, weil sie nach bildern suchen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„halt dich an deiner liebe fest“
ton steine scherben
Vielen Dank für das Interview lieber Petrus viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunst-, Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Petrus Akkordeon, Künstler, Schriftsteller
Foto__privat
21.1.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
„Jeanne d`Arc – Seherin, Kriegerin, Heilige“ Eine Biographie. Gerd Krumreich. Beck Verlag.
Es ist ein Jahrhundert des Krieges zwischen englischen und französischen Machtansprüchen, welche die Zeit von der Mitte des 14.Jahrhunderts bis zur Mitte des 15.Jahrhunderts im Westen Europas prägen. Konflikte um die Thronfolge, um die Rolle des Adels, um Macht und Territorium prägen diese Zeit, in der auch eine Pestepidemie wütet. Eine Zeit der Unsicherheiten in allem und einer herausfordernden gesellschaftlichen Zukunft…
Und es sind Persönlichkeiten, welche diese Epoche prägen. Könige, Feldherren aber auch eine junge Frau, deren Lebensweg und Rolle seit Jahrhunderten Gegenstand von Reflexion und Auseinandersetzung ist – Jeanne d`Arc.
Es ist eine junge Frau, die sich in einer Vision berufen sieht und sich an die Spitze französischer Soldaten stellt und in den Krieg zieht. Ihr Weg ist ein gefeierter wie tragischer. Der Blick auf Ihr Leben und Wirken wie Ihren grausamen Tod gibt bis auf den heutigen Tag verschiedenste Zugänge zu Mensch, Politik und Gesellschaft frei.
Gerd Krumreich, em.Professor für Neuere Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf,legt in der vorliegenden Biographie eine umfassende Darstellung von Leben und Wirken Jeanne d`Arcs wie der gesellschaftlichen Voraussetzungen und Entwicklungen vor. Beeindruckend sind die detaillierte historische Schilderung und Auffächerung der Lebensstationen im Kontext der politischen Wegmarken. Für Leserinnen und Leser entsteht so immer eine Zusammenschau, die erläutert und einordnet wie Impulse zur Reflexion liefert. Es ist gleichsam ein spannendes historisches Begleiten und faszinierendes Hinsehen auf Mensch und Zeit.
„Eine historische Darstellung, die im biographischen Detailwissen wie der gesellschaftlichen Gesamtschau begeistert.“
Liebe Franziska, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf ist ein Kreislauf zwischen Tag und Nacht im Homeoffice; unter dem Motto „My Home is my Castle“ mit variablen Knotenpunkten und Entwicklungspotenzialen. Pandemiezeit-bedingt fliessen Minuten, Stunden und Wochentage ineinander, oft ohne erkennbare Grenzen und klaren Konturen.
Franziska Streun, Schriftstellerin
Trotzdem folgt der Tagesablauf gewissen Strukturen.
Nach dem Erwachen bleibe ich gerne für einen Moment im Bett liegen und gehe den Tag in Gedanken und bildlich durch. Einem inneren Justieren gleich. Danach Kraft- und Dehnungsübungen. Meinem Körper und meinem Geiste zuliebe. Manchmal hechte ich auch mit sprudelnden Ideen oder Erinnerungen an Pendenzen aus dem Bett und direkt an den Computer oder zum Notizblock.
Bei Kaffee und Müesli lese ich Zeitungen, notiere Dies und Das. Die Flut an Mails sichte ich je nach Möglichkeit erst zwei oder drei Stunden später. In meinem Atelier schreibe ich dem Zeitbudget entsprechend mehr oder weniger Stunden an meinem neuen Buch, oft auch noch oder wieder spät am Abend. Erstmals ein vollständiger Roman. Er ist mir gleichzeitig Inspiration, Herausforderung und innerer Dialog – ein Balanceakt zwischen Imagination und Ausdauer.
Zwischendurch lese ich in dosierten Mengen Corona-News, halte Ausschau nach überraschenden Zeitungsberichten oder lese in den Büchern weiter, die mich parallel begleiten. Belletristik, Recherchen, Biografien, Sachbücher, was immer. In müden Phasen pausiere ich mit einem Spaziergang am See, alleine oder mit einer Freundin, oder schaue einen Krimi. Mich faszinieren starke Figuren in psychologisch komplexen Geschichten. Dramaturgisch und szenisch gekonnte Regieumsetzungen zu studieren, liebe ich.
Mein Tagesablauf punkto Tätigkeit unterscheidet sich kaum von der Zeit vor „Corona“: Homeoffice als Autorin. Neu hinzugekommen ist dagegen das zusätzliche Homeoffice mit meiner 50-Prozent-Anstellung als Journalistin und Redaktorin mitsamt den unterschiedlichen Diensten. Zudem sind die sozialen Kontakte reduziert und verändern teilweise auch ihre Inhalte. Ich warte darauf, dass die verschobenen Lesungen und andere Anlässe stattfinden dürfen.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ein Rezept, das für alle stimmt, sehe ich keines. Zu unterschiedlich wirkt sich die Pandemiezeit aus, zu unterschiedlich ist die jeweilige Konstellation im beruflichen und privaten Umfeld, zu unterschiedlich sind wir Menschen im Umgang mit uns selbst und dem, was gerade ist.
Als wichtig empfinde ich jedoch zwei Elemente: Zum einen den Fokus verstärkt auf das zu lenken, was möglich ist und uns stärkt. Zum anderen in den unliebsamen Dingen einen Sinn oder Zweck finden, damit sie uns weniger belasten oder es uns leichter fällt, sie zu erledigen. Ein nützlicher Kompass für die Richtung ist mir dabei etwa der Grad meiner Freude.
Als Hilfsmittel wähle ich etwa die Distanz oder den Blickwinkel, mit dem ich das Geschehen beobachte. Die Pandemie erzeugt Gewinner und Verlierer, zeigt Schwächen und Stärken und das wahre Gesicht in ganz unterschiedlichen Themen. Richtig spannend wird es, sobald die vielschichtigen Veränderungen bei uns, im Umfeld und in der Welt fassbar werden und sich zeigen.
Reflektieren, hinschauen und erforschen, was ist, wie ich es mir wünschte und was ich wie optimieren kann, erachte ich als wesentlich. Neugierig bleiben, experimentieren, Ich-Zeit nutzen und in sich selbst und die eigene Entwicklung investieren. Sozusagen als Selbst- oder Überlebensstrategie, um optimistisch und voller Energie bleiben zu können. Und dies trotz zum Beispiel ständig verschobener Lesungen und sonstigen Anlässen, Social Distancing und verringerten Einnahmen, trotz der zunehmenden Ungewissheit, den Tragödien womöglich im eigenen Umfeld oder in der Welt und den ewigen Good-, Bad- und Fake-News rund um die Uhr.
Denn auf unsere aktive Rolle und persönliche Verantwortung für uns, unser Tun oder Nicht-Tun können wir in der Regel direkt Einfluss nehmen. Zwar wandelt die außergewöhnliche Zeit mehr als üblich zwischen Freud und Leid auf dem Grat des Handelns und Akzeptierens. Doch sie ist oder kann auch eine Chance sein – und diese zu sehen und zu nutzen, das können wir alle versuchen. Wenigstens in gewissen Bereichen.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Jeder Tag ist ein endloser Aufbruch. Das Wort Aufbruch trägt die Bewegung in sich. Weil sich alles ständig bewegt. Die Konstellation der Begegnungen, die Komposition der Situation, das Empfinden im Körper. In jeder Sekunde ist gleichzeitig Gegenwart und wird Zukunft gestaltet. Je mehr dabei Unveränderbares – wie zum Beispiel, dass aktuell Pandemie-Zeit ist – und Neues integriert werden kann, desto mehr ist möglich.
Die Natur und das Universum sind in ihrer Vollkommenheit und Vielfalt ein unermessliches, in seiner Gesamtheit unkopierbares Kunstwerk – und von Menschenhand gestaltete Kunst ist ein Ausdruck menschlicher Existenz. Alles, was ist, enthält Kunst; hohe Kunst, ausgedrückte, beeinflusste, improvisierte, wissenschaftliche, experimentelle – und Literatur ist eine von unzähligen Formen im Versuch, das Leben zu fassen. Worte sind Ausdruck von Gefühlen, Gedanken, Vorstellungen, Wünschen, Abenteuern, Tragödien. Poetisch, philosophisch, dramatisch, wissenschaftlich, kurz oder lang.
Kunst mag rechnerisch für viele Leute wenig bis alles andere als systemrelevant sein, sondern Luxus, Hobby oder Freizeit und in seltenen Fällen ein Investitionsfeld, mit dem sich Geld verdienen lässt. Doch Kunstformen geben Zeitgeist und Geschehen weiter. Als Zeugin und Gesicht von Gegenwart. Ohne menschliche Existenz gäbe es kein menschenkreiertes Wirken. Jeglicher Inspiration gehen Energie und Impulse von lebenden Menschen voraus. Jegliche von ihm gestaltete Form ist im Ursprung ein Ausdruck menschlicher Existenz.
Der Mensch ist ein Kunstwerk des Lebens auf dieser Welt. Alles Lebende ist in seiner gesamten Komplexität ein Wunder, das für andere und oft sogar auch für uns selbst lediglich in Facetten fassbar und ergründbar ist. Um sich zu entfalten, zu erkennen und zu inspirieren oder je nachdem sogar seine Zeit füllen oder innere Leere auffüllen zu können, braucht es Kunst.
Kunst als Folge und Ergebnis von Schaffen, Kreieren, Erzeugen, Erkennen, Mitteilen in unzähligen Varianten ist existenziell – und in diesem Kontext ist Literatur genauso systemrelevant wie jede Form der Kunst und viele andere Dinge.
Was liest Du derzeit?
„Der Apfelbaum“ von Christian Berkel, „Die Schlange im Wolfspelz“ von Michael Maar, „Männer in Kamelhaarmänteln“ von Elke Heidenreich, „Und was hat das mit mir zu tun?“ von Sacha Batthyani, „Das Gedächtnis des Körpers“ von Joachim Bauer und „Die Jahre“ von Annie Ernaux
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Wer zur Kunst keine naive Beziehung hat, das heisst, wer nur durch Edukation dazu gebracht worden ist, Kunst für eine ernste Sache zu halten, wir sich nie damit abfinden, dass das Kunstwerk mehr ist als ein Anlass zur Interpretation. Es ist eine Existenz per se.“ (Max Frisch)
Vielen Dank!
Vielen Dank für das Interview liebe Franziska, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Vielen Dank lieber Walter Pobaschnig – für deine Arbeit und das Interview, die tolle Idee mit den fünf Fragen und dem Universum an Antworten und Gedanken, die dadurch innerhalb der Literaturszene und darüber hinaus ausgetauscht werden können.
PS: Heute ist für mich – rein zufällig am selben Tag, an dem ich dir die Antworten maile – ein Feiertag. Am Mittag sind die Belegexemplare von der 5. Auflage meiner Romanbiografie „Die Baronin im Tresor“, Zytglogge Verlag, eingetroffen.
Gratuliere, liebe Franziska, viel Erfolg weiterhin!
Liebe Maria, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?
Da mein Lebensweg bisher anders, vielfältiger und ungewisser verlief, als bei vielen anderen, hat das, finde ich, jetzt Vorteile. Ich finde mich dadurch in Krisenzeiten vielleicht besser zurecht, bin flexibler, wendiger, aber auch strukturierter – zumindest habe ich den Eindruck. …. Daher ein Plädoyer für eine kreativ-künstlerische Ausbildung an allen Schulen bereits von der Grundstufe weg, WIE ICH SIE HABEN DURFTE. Später das auch in den wirtschaftlichen und technischen Zweigen fortsetzen.
Maria Publig, Autorin, Journalistin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Grundoptimismus und eine positive Lebenshaltung sollten auch jetzt bei jeder/m erhalten bleiben. Das stärkt auf jeden Fall das Immunsystem. Ich habe bei manchen allerdings das Gefühl, dass ihnen ihr Leben regelrecht weggerutscht ist oder sie glauben, künftig keines mehr zu haben. Denn ohne sie geht halt nix. Warum bloß? Die Erde dreht sich weiter. Trotz allem. Wir sind da! Gewiss: in einer Ausnahmesituation. Keiner ungefährlichen sogar. In der Gesamtheit. Doch es gibt Social Media, Skype, Handy, finanzielle Hilfe, auch begrenzte Möglichkeiten der Begegnung mit Freunden und der Familie. Meist sind PartnerInnen und Kinder bei uns. Es ist möglich, Neues zu entdecken. Gemeinsam. Im Kleinen. Die ungewöhnliche Zeit gibt uns Aufgabe und Freiheit zugleich, das zu tun.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich hoffe, dass die Gesellschaft nicht mehr nur jenen, die höher, öfter, weiter als andere springen, applaudiert. Sondern auch jenen wie KünstlerInnen und LiteratInnen, die in ihren Werken innere Prozesse freilegen. Bewegen. Gesellschaft spiegeln. Kreative Langsamkeit wiederentdecken. Perspektiven eröffnen. Sich künstlerisch mit Ängsten beschäftigen, Betroffenheit zeigen, Zuversicht spenden, das Leben geistreich und fantasievoll abbilden. Da Konzerne durch die Pandemie immensen Reichtum anhäufen konnten, wäre dieser selbstverständlich mit der gesamten Welt zu teilen. Gerecht. Kunst sollte auch dafür passende Worte finden.
Was liest Du derzeit?
Stefan Zweig ist für mich immer ein Erlebnis. Seine „Schachnovelle“ nahm ich jetzt nach langem wieder zur Hand.
Orhan Pamuks türkisches Epos „Diese Fremdheit in mir“ habe ich kürzlich gelesen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Gib das, was dir wichtig ist nicht auf, nur weil es nicht einfach ist.“ (Albert Einstein)
Maria Publig, Autorin, Journalistin
Vielen Dank für das Interview liebe Maria, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Textprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Svenja, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich ziehe mich kaum mehr an, ich gehe kaum mehr raus und wenn, dann in den Wald, ich schreibe wenig, schleife eher, lese viel, die Wohnung ist recht eng, wir sind zu viert und alle ziemlich groß, mir wächst langsam ein Bart.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
…zu fragen, wer und was bei dem „wir“ alles dabei ist. Literatur und Kunst sind im besten Fall selbst der Aufbruch.
Was liest Du derzeit?
Gedichte: Galal Alahmadi, Maren Kames, Thomas Kling, Schlussworte der Nebenkläger*innen im Halle-Prozess, Theweleit, Haraway, Preciado
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Du hast keine hängenden Schultern, verantwortlich ist / dieses eine heikle Wort.“ Galal Alahmadi, Die Leere der Vase, Secession Verlag Berlin, 2020
Vielen Dank für das Interview liebe Svenja, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Florian-Raphael, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Durch den ganzen Trubel, der uns seit letztem Jahr begleitet, schaue ich noch mehr auf mich und habe begonnen darauf zu hören, was mir gut tut. Also beginnt mein Tag mit einer guten Runde Yoga und Atemübungen. Dann geht’s, anders als den Großteil von 2020 wieder ans Proben, worüber ich mich glücklich schätze und endlich wieder meine kreativen Energien raus lassen kann. Organisieren und Planen kommt auch ganz oft vor, speziell wenn so wie jetzt wieder die Maßnahmen in geplante Projekte eingreifen. Nichts ist wirklich fix, also heißt es planen, warten, ob etwas angekündigt oder verordnet wird, um dann womöglich wieder umzuplanen. Was leider auch die Folge hat, dass man teilweise Projekte absagen muss, weil diese sich auf einmal überschneiden. Da hab ich letztes Jahr schon viel Geduld gelernt. In Nichtpandemiezeiten würde ich auch regelmäßig als Zuseher ins Theater gehen. Das fällt natürlich jetzt weg, genauso wie Freunde treffen, ins Kino gehen, Restaurants, und und und… Stattdessen bemühe ich mich durch Spaziergänge, Wanderungen und Sport genügend Bewegung zu bekommen, die für mich sehr wichtig ist. Mein Abend endet meistens gemütlich beim Film/Serie schauen, Lesen, Zocken oder mal bei ein bisschen Tai Chi, je nachdem worauf ich Lust habe.
Florian-Raphael Schwarz_Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Einerseits die Ruhe und das Vertrauen, dass diese ganze Situation besser wird, wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt und Verantwortung übernimmt. Und da geht es nicht darum, irgendjemandem oder einer Seite Schuld hinzuschieben, sondern darum, gemeinsam dran zu bleiben und Geduld zu haben. Andererseits ist es nun auch wichtig, dass wir uns darüber Gedanken machen, wie wir weiter machen möchten.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich würde mir wünschen, dass es vermehrt weggeht vom „Ich“, dem Ego, und mehr zu einem „Wir“, einem Miteinander. Das meine ich nicht nur untereinander, sondern auch in der Politik, in der Wirtschaft, zwischen den Ländern. Ich würde mir wünschen, dass wir realisieren, was wir Ungeheures gemeinsam schaffen können – viel mehr als alleine oder gegeneinander ankämpfend. Dass jeder Verantwortung trägt und einen Teil beitragen kann, damit alle ein schönes Leben auf diesem wundervollen Planeten haben. Und ja, ich weiß, das klingt vielleicht zu optimistisch, um wahr zu sein… aber nur vielleicht.
Die Kunst hat, genau wie jeder einzelne von uns, die Möglichkeit sich wieder neu zu finden, neu zu erfinden und mehr denn je, Dinge aufzuzeigen. Kunst schafft es auch zu unterhalten, Erfahrungen und Perspektiven zu liefern, egal in welcher Form auch immer.
Wir haben aber auch gesehen, wie selbstverständlich für viele die Kunst und das Theater war. Hier gilt es sich wieder seinen Platz zu erkämpfen und aufzuzeigen, wie wichtig unsere Arbeit als Schauspieler und das Ganze, das am Theater geschieht, eigentlich ist. Es ist ein Ort, wo man durch das Geschehen auf der Bühne Geschichten und Situationen live mit- und durcherleben kann. Es ist ein Ort, der eine einzigartige Verbindung zwischen den Schauspielern und dem Publikum entstehen lässt, welche von keinem Fernseher oder Stream abgelöst werden kann. Das Theater verleiht einem das Gefühl, an etwas teilzuhaben. Denn nach der Vorstellung tauscht man sich aus, hört anderen dabei zu oder behaltet das Erlebte für sich. Emotionen zu teilen und sich auszutauschen ist ein wichtiger Bestandteil von uns Menschen, der nicht ersetzt werden kann. Genau deswegen brauchen wir einen Ort wie das Theater, wo Verbindungen geschaffen, gesehen, besprochen und gefühlt werden können.
Was liest Du derzeit?
„Der arme Spielmann“ von Franz Grillparzer.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Auch das geht vorüber, oder die Nacht ist am dunkelsten vor dem Morgen.
Florian-Raphael Schwarz_Schauspieler
Vielen Dank für das Interview lieber Florian-Raphael, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an KünstlerInnen:
Florian-Raphael Schwarz, Schauspieler
Alle Fotos_Walter Pobaschnig_reenacting _ Malina_Roman_Ingeborg Bachmann_Wien 2_2021.
7.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.