„Das Theater verleiht einem das Gefühl, an etwas teilzuhaben“ Florian-Raphael Schwarz, Schauspieler_ Neulengbach/NÖ 14.2.2021

Lieber Florian-Raphael, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Durch den ganzen Trubel, der uns seit letztem Jahr begleitet, schaue ich noch mehr auf mich und habe begonnen darauf zu hören, was mir gut tut. Also beginnt mein Tag mit einer guten Runde Yoga und Atemübungen. Dann geht’s, anders als den Großteil von 2020 wieder ans Proben, worüber ich mich glücklich schätze und endlich wieder meine kreativen Energien raus lassen kann. Organisieren und Planen kommt auch ganz oft vor, speziell wenn so wie jetzt wieder die Maßnahmen in geplante Projekte eingreifen. Nichts ist wirklich fix, also heißt es planen, warten, ob etwas angekündigt oder verordnet wird, um dann womöglich wieder umzuplanen. Was leider auch die Folge hat, dass man teilweise Projekte absagen muss, weil diese sich auf einmal überschneiden. Da hab ich letztes Jahr schon viel Geduld gelernt. In Nichtpandemiezeiten würde ich auch regelmäßig als Zuseher ins Theater gehen. Das fällt natürlich jetzt weg, genauso wie Freunde treffen, ins Kino gehen, Restaurants, und und und… Stattdessen bemühe ich mich durch Spaziergänge, Wanderungen und Sport genügend Bewegung zu bekommen, die für mich sehr wichtig ist. Mein Abend endet meistens gemütlich beim Film/Serie schauen, Lesen, Zocken oder mal bei ein bisschen Tai Chi, je nachdem worauf ich Lust habe.

Florian-Raphael Schwarz_Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Einerseits die Ruhe und das Vertrauen, dass diese ganze Situation besser wird, wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt und Verantwortung übernimmt. Und da geht es nicht darum, irgendjemandem oder einer Seite Schuld hinzuschieben, sondern darum, gemeinsam dran zu bleiben und Geduld zu haben. Andererseits ist es nun auch wichtig, dass wir uns darüber Gedanken machen, wie wir weiter machen möchten.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich würde mir wünschen, dass es vermehrt weggeht vom „Ich“, dem Ego, und mehr zu einem „Wir“, einem Miteinander. Das meine ich nicht nur untereinander, sondern auch in der Politik, in der Wirtschaft, zwischen den Ländern. Ich würde mir wünschen, dass wir realisieren, was wir Ungeheures gemeinsam schaffen können – viel mehr als alleine oder gegeneinander ankämpfend. Dass jeder Verantwortung trägt und einen Teil beitragen kann, damit alle ein schönes Leben auf diesem wundervollen Planeten haben. Und ja, ich weiß, das klingt vielleicht zu optimistisch, um wahr zu sein… aber nur vielleicht.

Die Kunst hat, genau wie jeder einzelne von uns, die Möglichkeit sich wieder neu zu finden, neu zu erfinden und mehr denn je, Dinge aufzuzeigen. Kunst schafft es auch zu unterhalten, Erfahrungen und Perspektiven zu liefern, egal in welcher Form auch immer.

Wir haben aber auch gesehen, wie selbstverständlich für viele die Kunst und das Theater war. Hier gilt es sich wieder seinen Platz zu erkämpfen und aufzuzeigen, wie wichtig unsere Arbeit als Schauspieler und das Ganze, das am Theater geschieht, eigentlich ist. Es ist ein Ort, wo man durch das Geschehen auf der Bühne Geschichten und Situationen live mit- und durcherleben kann. Es ist ein Ort, der eine einzigartige Verbindung zwischen den Schauspielern und dem Publikum entstehen lässt, welche von keinem Fernseher oder Stream abgelöst werden kann. Das Theater verleiht einem das Gefühl, an etwas teilzuhaben. Denn nach der Vorstellung tauscht man sich aus, hört anderen dabei zu oder behaltet das Erlebte für sich. Emotionen zu teilen und sich auszutauschen ist ein wichtiger Bestandteil von uns Menschen, der nicht ersetzt werden kann. Genau deswegen brauchen wir einen Ort wie das Theater, wo Verbindungen geschaffen, gesehen, besprochen und gefühlt werden können.

Was liest Du derzeit?

„Der arme Spielmann“ von Franz Grillparzer.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Auch das geht vorüber, oder die Nacht ist am dunkelsten vor dem Morgen.

Florian-Raphael Schwarz_Schauspieler

Vielen Dank für das Interview lieber Florian-Raphael, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Florian-Raphael Schwarz, Schauspieler

Alle Fotos_Walter Pobaschnig_reenacting _ Malina_Roman_Ingeborg Bachmann_Wien 2_2021.

7.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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