„den Mut zu fassen, Kunst in die Welt zu setzen“ _ 5 Fragen _ Esther Wratschko, Musikerin _ Wien 1.10.2026

5 Fragen an Künstler:innen

Esther Wratschko _ Sängerin, Musikerin, Chorleiterin, Kulturarbeiterin _ Kuratorin Klezmore Festival ab 2024_

Esther Wratschko (ganz links, Vordergrund) _
Sängerin, Musikerin, Chorleiterin, Kulturarbeiterin

Di, 10.11.2026 (19:30 Uhr) ORF RadioKulturhaus
Großer Sendesaal
1040 Wien, Argentinierstraße 30a
Konzert & CD-Präsentation
ESTHER WRATSCHKO – Fli, mayn foygl _
23. KlezMORE Festival Vienna _ 7. – 15. 11. 2026

Liebe Esther, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus

Da ich gerade in Karenz bin, sind die Tage ganz unterschiedlich gestaltet, aber drehen sich viel um meine kleine Tochter, die das Tempo vorgibt. Ich bin trotz Karenz viel am Arbeiten, da ich dieses Jahr beim Klezmore Festival mein Debütalbum “Fli, mayn foygl” präsentiere, am 10.11.2026 um 19.30 im Radiokulturhaus. Glücklicherweise habe ich ein tolles Supportsystem mit meinem Partner und in meiner Familie, die es möglich macht, Kind und Kunst zu vereinbaren.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zusammenhalten, aufeinander schauen, und auf sich selbst- am besten mit gutem Essen und schöner Musik- zu hören zB beim Klezmore Festival im November.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Kunst bietet die Möglichkeit, Konflikte und Emotionen auf einer anderen Ebene auszuverhandeln, bietet eine andere Sprache als die Sprache, die nur auf Konfrontation aus ist- daher ist es so wichtig, gerade in konfliktreichen Zeiten, der Kunst ihren Raum zu geben.

Was liest Du derzeit?

Ehrlich gesagt findet sich zwischen Kind und Leben leider sehr wenig Zeit für meine große Leidenschaft zum Lesen. Wenn ich dazu komme lese ich momentan “Das Buch, von dem du dir wünschst, deine Eltern hätten es gelesen (und deine Kinder werden froh sein, wenn du es gelesen hast)“, in dem es um transgenerationales Trauma geht und um die Wichtigkeit, sich seinen Traumata zu stellen um möglichst wenig davon an seine Kinder weiter zu geben.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“Unsere ererbten Verhaltensmuster finden sich (dort) wieder, wie wir mit uns selbst sprechen, (…) ein kontinuierliches Geplapper  (das wir selbst kaum wahrnehmen), aber eine harte innere Kritikerin sein kann.”

Gerade beim Kunstschaffen ist es teilweise unglaublich hart, über diese innere Kritikerin hinweg zu kommen und den Mut zu fassen, Kunst in die Welt zu setzen. Umso glücklicher bin ich, mich meiner eigenen Kritikerin gestellt zu haben und mein Debütalbum “Fli, mayn foygl” im November heraus zu bringen.

Vielen Dank!

Esther Wratschko _
Sängerin, Musikerin, Chorleiterin, Kulturarbeiterin

Zur Person/über mich: MAG.ART ESTHER WRATSCHKO, BA (Kuratorin Klezmore Festival ab 2024) _

Geb. 1990, Sängerin, Musikerin, Chorleiterin, Kulturarbeiterin. Ab 1.1.2024: Kuratorin Klezmore Festival (gemeinsam mit Isabel Frey)

Berufserfahrung Kulturarbeit

Seit 2019 Künstlerische Leitung /Intendanz

Friling Festival: Festival für jiddische Musik & Klezmer in der Oststeiermark

Leitung Kulturverein Friling : Generalsekretärin-Stv

Vienna Klezmer Sessions

Seit 2012 Chorleitung / Assistenz bei uA.

Verein Superar  Kinderchorleitung

Wiener Bach-Ha(e)ndel-Chores

Wiener Singakademie

Leitung des Chor des KSŠŠD-  Chor des Klubs Slowenischer Student*innen in Wien

Leitung Chorworkshops bei: Yiddish Summer Weimar, Yiddish New York, YEN etc.

Musikprojekte (Auswahl)

Seit 2014 uA

Duo Wratschko/Ninić: Esther Wratschko (Gesang), Slavko Ninić (Gesang, Gitarre)

Wratschko Trio: Esther Wratschko (Gesang, Klavier), Maciej Golebiowski (Klarinette), Fabian Pollack (Gitarre)

Soveles  Esther Wratschko & Isabel Frey (Gesang)

Esther & the Shvester:  Esther Wratschko (Gesang, Klavier), Lili Weinhandl (Cello)

Auftritte national & international (Klezkanada, Shtetl Berlin, New York, Boston, Klezmore Festival, Kultursommer uvm

Akademischer Werdegang

Seit Oktober 2022  Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien

Masterstudium Ethnomusikologie

2011-2017 Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien

Diplomstudium Musikerziehung mit Hauptfach Chorleitung| Abschluss Juli 2017

2008-2013 Universität Wien

Bachelor in Germanistik | Abschluss Jänner 2013

AKTUELLES PROJEKT:

23. KlezMORE Festival Vienna _ 7. – 15. 11. 2026

Jahresthema: Sounding the Archive. Historische Quellen als Ausgangspunkt neuer Klangwelten

Sa., 7.11.2026 (19:30 Uhr) Stadtsaal / Eröffnungskonzert
1060 Wien, Mariahilfer Straße 81
THE KLEZMATICS _
Foto: Adrian Buckmaster

SPIELORTE: Ehemalige Synagoge St. Pölten; Ehemalige Synagoge Kobersdorf; Jüdisches Museum Wien; Liberale Jüdische Gemeinde Or Chadasch, Österr. Volksliedwerk, RadioKulturhaus, Sargfabrik, Schutzhaus Zukunft, Theater Akzent, YUNG YIDISH Wien 

Mi., 11.11.2026 (19:30 Uhr) Theater Akzent
1040 Wien, Theresianumgasse 18
Konzert & CD-Präsentation
LEA KALISCH & DER ŠENSTER GOB _
Foto: Martina Adlerova

Mit The Klezmatics, Lea Kalisch & Der Šenster Gob, Black Rooster Kapelye, Anna Lowenstein und weiteren internationalen Gästen lädt das KlezMORE Festival Vienna von 7. bis 15. November 2026 zur 23. Ausgabe ein. Unter dem Titel „Sounding the Archive“ widmet sich das Festival der Frage, wie historische Lieder, Texte und musikalische Sammlungen heute weiterleben können – nicht als museale Zeugnisse, sondern als Ausgangspunkt zeitgenössischer künstlerischer Praxis.

Seit über 20 Jahren verbindet das Festival Erinnerungskultur mit einem lebendigen Blick auf jüdische Musik und schafft Räume für die Auseinandersetzung mit jüdischer Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Die Ausgabe 2026 richtet den Blick auf Archive als Orte der Erinnerung und zugleich als Ausgangspunkte neuer künstlerischer Prozesse. Vor dem Hintergrund der durch die Shoah unterbrochenen kulturellen Überlieferungen zeigen die eingeladenen Künstler:innen, wie historische Quellen weitergeführt und in heutige musikalische Zusammenhänge übersetzt werden können.

„Das KlezMORE Festival macht jüdische Kultur als lebendige Gegenwart erfahrbar und schafft Räume für Begegnung, Austausch und künstlerischen Dialog. Gerade in Zeiten, in denen Erinnerungskultur neu verhandelt wird, ist es wichtiger denn je, diese Stimmen sichtbar und hörbar zu machen“, sagt Lisa Reimitz, Co-Intendantin des KlezMORE Festival Vienna.

Do., 12.11.2026 (19:30 Uhr) Sargfabrik / Doppelkonzert
1140 Wien, Goldschlagstraße 169
PAVEL SHALMAN & BOKI RADENKOVIC
KLEZMER & WIR & ELECTRIC ROSE _
Foto: Julia Wesely
KLEZMER & WIR & ELECTRIC ROSE _
Foto: Zisl Slepovitch

Internationale Positionen jüdischer Musik

Zu den Höhepunkten zählt das Jubiläumskonzert von The Klezmatics, die ihr 40-jähriges Bestehen feiern und zu den prägenden Ensembles der internationalen jüdischen Musikszene gehören. Lea Kalisch und das Prager Ensemble Šenster Gob verbinden jiddische Musik mit Humor, Chuzpe und zeitgenössischer Performance. Die Black Rooster Kapelye erschließt selten aufgeführte baltisch-jüdische Musikquellen und überführt diese in eine gegenwärtige musikalische Sprache.

„Mit Sounding the Archive präsentieren wir Künstler:innen, die historische Quellen auf höchstem künstlerischen Niveau in die Gegenwart übersetzen. Das Programm zeigt die Vielfalt jüdischer Musik heute – innovativ, international und eng mit ihrer Geschichte verbunden“, ergänzt Isabel Frey, Co-Kuratorin des Festivals.

Jüdische Geschichte an historischen Orten erleben

Auch 2026 erweitert das Festival seinen Radius über Wien hinaus und bespielt erneut die ehemaligen Synagogen in St. Pölten und Kobersdorf. Damit rückt die jüdische Geschichte auch in den Regionen in den Fokus und verbindet historische Orte mit zeitgenössischer künstlerischer Praxis.

Im Rahmen der KlezMORE Landpartie präsentiert die in Großbritannien lebende Musikerin Anna Lowenstein ein neues Programm, das persönliche Erinnerungen an das Aufwachsen in einer chassidischen Nachbarschaft Londons musikalisch verarbeitet. Eine gemeinsame Busanreise ab Wien sowie eine Führung durch das jüdische Kobersdorf ergänzen das Konzert und machen den historischen Ort selbst zum Teil der künstlerischen Erfahrung.

Vermittlung, Begegnung und lebendige jüdische Praxis

Neben den Konzerten setzt das Festival auf Vermittlung und Begegnung. Die Reihe „Kol Ishe – Jüdische Frauenstimmen“ in der liberalen jüdischen Gemeinde Or Chadasch eröffnet Einblicke in zeitgenössische liturgische Praxis aus weiblicher Perspektive. Mit der New Yorker Kantorin Sarah Myerson ist eine internationale Vertreterin jüdischer Liturgie zu Gast.

Führungen im Jüdischen Museum Wien und Workshops im Österreichischen Volksliedwerk schaffen zusätzliche Zugänge zur jüdischen Musikpraxis und richten sich auch an Menschen ohne Vorkenntnisse.

Archive als klingende Gegenwart

Beim Festival Finale mit der Black Rooster Kapelye steht im Schutzhaus Zukunft nochmals jene transkulturelle Perspektive im Mittelpunkt, die das Festival prägt: Musik als Ort des Austauschs, der Erinnerung und der künstlerischen Erneuerung.

Sa., 14.11.2026 (19:30 Uhr) Schutzhaus Zukunft
1150 Wien, Verlängerte Guntherstraße
BLACK ROOSTER KAPELYE _
Foto: Aija Pastore

FESTIVALINFO:

http://www.klezmore-vienna.at

office@festivalbuero.at

Fotos_ Esther Wratschko _ 1 David Višnjić; 2 reithofer media

Walter Pobaschnig 30.9.2026

https://literaturoutdoors.com