„Das Bewusstsein gesellschaftlicher Fragilität und eine neue Wertschätzung realer Sozialkontakte könnte uns bleiben“ Felix Kucher_Schriftsteller_ 5 Fragen an KünstlerInnen _17.3.20

Felix Kucher_

 

 

Lieber Felix, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da ich im Brotberuf Schulleiter bin, verbringe ich die Vormittage derzeit in der Schule und im Homeoffice, von wo aus ich auf alle wichtigen Systeme zugreifen kann. Das E-Learning funktioniert sehr gut, den Umstieg haben alle Beteiligten reibungslos geschafft.
Dann koche ich! Für mich sehr ungewohnt, da ich sonst jeden Tag irgendwo mittagesse.
Der Nachmittag ist dem Lesen, der Hausarbeit und dem Spazierengehen gewidmet.
Nach wie vor schreibe ich am liebsten, wenn es dunkel ist.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, die sozialen Kontakte über die verschiedenen Netzwerke weiter zu pflegen. Vernachlässigte Kontakte wiederbeleben. Die Zeit zu nutzen fürs Lesen und Musik hören. Und natürlich in jeder Form respektvoll gegenüber den Mitmenschen zu leben.

 

In Deinem aktuellen Roman „Kamnik“ geht es um Lebenskatastrophen und Lebenswege im Kontext des Krieges. Es geht dabei um die Herausforderungen und belastenden Prozesse eines Neubeginns. Auch jetzt wird es ein Neubeginn sein, von dem wir gesellschaftlich und persönlich stehen bzw. stehen werden. Was ist dabei wesentlich?

Wenn man derzeit die Visionen für die Zeit „danach“ liest, so fallen einem die vielen optimistischen Entwürfe auf (z.B. bei Matthias Horx), die von einer „Kaskade von sozialen Innovationen“ und Paradigmenwechseln beim Thema Klimaschutz (Stichworte: Blauer Himmel in Tokio, Delfine in Triest) reden, die uns bevorstehen sollen.

Ich bin da eher skeptisch und fürchte, dass sich in Wirtschaft und Gesellschaft sehr schnell alte Muster wieder durchsetzen werden. Bleiben könnte am ehesten das Bewusstsein der Fragilität unserer globalisierten und wachstumsorientierten Gesellschaft und eine neue Wertschätzung realer sozialer Kontakte.

 

Was liest Du derzeit?

Karin Peschka: Putzt euch, tanzt, lacht!
Tonio Schachinger: Nicht wie ihr
Drago Jančar: Wenn die Liebe ruht
Haruki Murakami: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Hörbuch)

 

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Welches Zitat, welche Textstelle aus Deinem aktuellen Romanprojekt möchtest Du uns mitgeben?

„Es geht ja nicht nur um die Frauen, es geht um Gleichberechtigung für alle! Und dafür haben wir unterschrieben. Das Ziel bleibt eine klassenlose Gesellschaft ohne Herren und Diener. Und in einer solchen Gesellschaft ist die Frau selbstbestimmt, ob dir das passt oder nicht, Kichi.“

(Die Szene spielt im Jahr 1920, angesprochen ist Carl Sadakichi Hartmann)

 

Vielen Dank für das Interview lieber Felix, viel Freude und Erfolg beim Schreiben Deines Romans und alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Felix Kucher, Schriftsteller

Aktueller Roman: Kamnik, 2018, Picus Verlag

http://felix.kucher.at/

 

 

17.3.2020_Interview_Walter Pobaschnig

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https://literaturoutdoors.com

 

 

 

 

 

 

„Ich sehe Angst immer als Potential für Mut. “ Cornelia Travnicek _ Schriftstellerin_Interview _Station bei Hansi Lang_Wien.

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Grundsätzlich betritt jeder Mensch mit seinen Möglichkeiten, Interessen eine Stadt anders. Eine Stadt ist viele Städte und hat einfach viele Ebenen.

 

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Die Jungs in meinem neuen  Roman „Feenstaube“ stehen außerhalb sichtbarer Stadträume. Anknüpfungspunkte von Ihnen im gesellschaftlichen Leben sind nicht gewünscht. Sie sollen möglichst unauffällig und mit der Stadt nicht verwachsen sein. In Städten gibt es ja grundsätzlich ein Parallelleben, Parallelräume. Je nach gesellschaftlicher Position werden mehr und sichtbarere Räume besetzt.

 

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Die Jugendlichen in „Feenstaub“ haben Sehnsüchte. Sie sprechen über die Möglichkeiten „wie es wäre“.

Verlorene, ausgebeutete, missbrauchte Jugend, das ist ein Phänomen weltweit.

 

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Die Topographie der Insel im Roman lässt ja viele Zugänge zu. Ist der Nebel real, metaphorisch, imaginiert oder suggeriert? Ist es der Nebel im Kopf von den Jungs oder das Schweigen einer Gesellschaft, welche diese Insel nicht sehen will? Ich schätze es, wenn im Schreiben diese offenen Möglichkeiten des Lesens geschaffen werden.

 

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Jede Stadt hat „Inseln“. Räume und Möglichkeiten von Sozietät, Individualität und Kreativität, Freiheit. Wenn ich in ein Kaffeehaus ein Buch mitnehme, kann das meine Insel sein. Eine Insel ist immer das was wir daraus machen.

 

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Es ist wichtig in einer Stadt viele und unterschiedliche Inseln für alle zu haben. Ob dies FreundInnen, Vereine oder einfach öffentliche Raummöglichkeiten sind.

 

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Menschen sollen sich auch von ihren eigenen Inseln aus bewegen, nicht bloß darauf sitzenbleiben – im Nebel.

 

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Städte haben Risiken. Die individuelle Erwartungshaltung ist dabei auch wesentlich.

 

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Der Mensch ist auch ein „Angsttier“ und speichert Erfahrungen, Erzählungen anderer. Das kann eine Stadt dunkler, unsicherer machen.

 

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Jeder bewegt sich in Wahrheit durch seine eigene Stadt.

 

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Kunst kann die verschiedenen Inseln in unserer Gesellschaft sichtbar machen. Kunst kann Brücken-Bauen zwischen den unterschiedlichen Inseln.

 

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Das Spiel ist unerlässlich zur Selbst-, Körpererfahrung und der eigenen Grenzen.

 

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Kunst kann die verschiedenen Inseln in unserer Gesellschaft sichtbar machen. Kunst kann Brücken-Bauen zwischen den unterschiedlichen Inseln.

 

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Kunst, etwa Literatur, Film, gibt die Möglichkeit Fenster zu öffnen, authentische Erfahrungen im Blick auf anderes, andere zu machen.

 

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Der Austausch im künstlerischen Raum ist ganz wichtig. Kunstfiguren können Emotionen auslagern und Diskussionen ermöglichen.

 

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Ein Ort kann Sehnsuchts- oder Verlustort sein. Verbunden oder gebunden.

 

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Orte sind Momente in der Zeit wie im Raum. Orte verändern sich.

Orte hängen sehr mit individueller Erfahrung zusammen. Persönliche Erinnerungen, die sich auf einen Ort drauflegen und für andere nicht sichtbar sind.

 

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Die Topographien im Roman sind Schlaglichter auf verschiedene Städte, die ich bereist habe oder die ich mir in der Phantasie erdacht habe.

Die Stadt im Roman ist eine, die überall und nirgends sein kann oder überall gleichzeitig ist.

 

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Das „Keine Angst!“ hier an der Gedenksäule vor dem Wohnhaus von Hansi Lang erinnert mich an einen Asterix Band, in dem sich die Normannen auf den Weg machen, um die Angst kennenzulernen. Sie haben gehört, dass die Angst Flügel verleiht und sie wollen Fliegen lernen. Am Ende stellt sich heraus, nur wer die Angst kennt, kann auch wirklich mutig sein. Ich sehe Angst immer als Potential für Mut.

 

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Jeder meiner Romane funktioniert anders von Struktur, Atmosphäre. In diesem Roman war viel Bedarf an Weißraum. Es geht darum Platz zu machen für die Poesie und Phantasie- Reflexionsräume an sich.

 Mein Schreiben ist organisch. Ein natürlicher Prozess. Ein Wachsen.

 

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Ich bin ein großer Fan des Nicht-Erzählens. Ich muss nicht alles in ein Buch reinschreiben.

Worte, Texte brauchen auch Hallraum, ein Echo, die eigenen Gedanken von Leserin und Leser.

 

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Literatur ist ganz direkt. Da gibt es kein Rausnehmen aus den eigenen Gedanken, dem eigenen Kopf, eigenem Leben. Es ist eine sehr intime Kunstform.

 Literatur ist auch immer Selbsterfahrung.

Geschichten sind neben der Höhlenmalerei die älteste Kunstform, Unterhaltung des Menschen. Geschichten wird es immer geben.

 

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Ich denke Leserin und Leser beim Schreiben immer mit. Es muss da Platz sein für jemand anders. Inspiration ist dabei der Gedanke im Kopf, von dem Du nicht weißt, woher er kommt. Ich trage immer ein Notizbuch bei mir.

 Jedes meiner Bücher hat in seiner Entstehung auch mit Musik zu tun. Beim aktuellen Roman „Feenstaub“ war es Instrumentalmusik, sphärische Klänge.

Was wird gespielt? Was ist Wahrheit? Mein Roman stellt diese Fragen.

 

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Cornelia Travnicek, Schriftstellerin _ Romanneuerscheinung „Feenstaub“ 3_20.  

Vielen Dank liebe Cornelia für den Fotospaziergang durch Wien und das Interview!

 

Alle Fotos_Interview _ Walter Pobaschnig 28.2.2020_Wien.

 

„Verdrängtes Sehnen kommt zurück, irgendwann.“ Karin Peschka _Schriftstellerin. Interview station by station_ Wien

 

 

IMG_4273aIch treffe Karin Peschka, Schriftstellerin, Trägerin des ALPHA Literaturpreises (2015) und des Bachmann Publikumspreises (2017), an einem öffentlichen Verkehrsknotenpunkt Wiens, Urban Loritz Platz. Alles ist in Bewegung hier. Wie auch im neuen Roman „Putzt euch, tanzt, lacht“ der österreichischen Autorin, der Ende Februar dieses Jahres erschienen ist. Menschen machen sich darin auf die Suche nach Möglichkeiten und Modellen des Lebens und Zusammenlebens. Hinterfragen das Vorhandene, das Innen und Außen, und sind unterwegs. Zentral dabei Fanni, eine 57jährige Supermarktverkäuferin. Alles ist zunächst geordnet bei ihr, mit Ehemann, erwachsenen Kindern und Haus, die Pension in Sichtweite. Doch dann die Ausfahrt aus diesem Leben, plötzlich – „So hatte etwas Neues begonnen…“.

 

Ich mache mich nun mit Karin Peschka auf den Weg. Es geht mit der Straßenbahn 49 zur West_Ausfahrt Wien, dem Romanschauplatz zu Buchbeginn.

 

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Liebe Karin, heute ist Valentinstag, ich darf Dir im Namen Deiner begeisterten LeserInnen ein süßes Herz überreichen. Danke für Dein so spannendes, mitreißendes wie auch nachdenkliches Schreiben!

 

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Der Valentinstag führt auch zu meiner ersten Frage. Lebenswege mit Herz, Sinn und Mut im persönlichen Orientieren, Hinterfragen und Ankommen sind auch eine Mitte Deines neuen Romans. Was lässt Liebe dauern?

 

Karin Peschka: Geduld und Realismus. Was ich beobachte ist, dass der Übergang vom Verliebtsein zur Liebe oft nicht funktioniert. Es ist wie das Scheitern an einer Illusion. Was suche ich in einer Beziehung, was erwarte ich, wie ehrlich bin ich zu mir, zu meinem Partner – das sind wesentliche Fragen. Sich selbst nicht zu verleugnen ist vielleicht ein wesentlicher Schlüssel für Moment und Dauer in einer Partnerschaft.

 

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Im Roman bricht Fanni aus ihrer Ehe mit Bernhard, ihrem langjährigen Partner, aus. Mit ihm hat sie Kinder großgezogen, ein Haus gebaut. Sie steigt ins Auto und fährt davon. Wie wichtig ist es in der Liebe eine Reißleine zu ziehen und aufzubrechen?

Karin Peschka: Liebe kennt verschiedenste Formen. Fanni verlässt nicht ihre Familie, ihre „Liebe“, wenn man so will, sondern bricht vielmehr aus ihrem alten Leben aus. Sie hasst ihren Mann nicht, mit dem sie eine jener Kompromiss-Beziehungen führt, die auch gut funktionieren können. Fanni hat sich verloren und sucht einen Weg.

 

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Fanni und Bernhard führen ja ein sehr geordnetes Leben. Schließlich scheitert dies. Nicht laut und nicht im Rosenkrieg. Aber es geht zu Ende. Wie viel Ordnung und Unordnung braucht Liebe, um bestehen zu können?

Karin Peschka: Jede und jeder braucht Ordnung und Struktur in einem eigenen, individuellen Ausmaß, als Orientierung und Halt. Die einen mehr, die anderen weniger. Gewisse Gewohnheiten und Rituale etwa, die sich über die Jahre in der Partnerschaft mit meinem Lebensgefährten etabliert haben, schätze ich sehr. Und habe bemerkt, dass ich sie zum Teil auch dann beibehalte, wenn er nicht bei mir ist, wie etwa bei meinem StadtschreiberInnenaufenthalt in Klagenfurt (2018) oder letztes Jahr beim Schreibprojekt im Kosovo. Pedanterie mag ich nicht, aber Gewohntes mit einer gewissen Lässigkeit beizubehalten, habe ich zu schätzen gelernt.

 

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Fanni ist am Weg zum Erstgespräch mit einem Therapeuten. Aber Sie fährt einfach weiter und weg. Was lässt Fanni zum Punkt des Verlassens von Vertrautem und Gewohntem kommen?

Karin Peschka: Fanni erinnert sich an ihre Sehnsüchte, die sie als siebzehnjähriges Mädchen, als junge Frau hatte. An die Lebensentwürfe, von denen sie damals träumte. Ich denke, je konkreter Träume, Wünsche und Ideen sind, die man für sich entwirft, umso eher kommen diese zu einem zurück. Besonders an diesen Kreuzungen im Leben, die einen Richtungswechsel fast schon heraufbeschwören. In schwierigen Zeiten, meine ich. Dann kann die Frage schon mit Vehemenz vor einem stehen: Wie weit lässt sich eine Sehnsucht verwirklichen, was versuche ich, worauf bin ich bereit zu verzichten? Verdrängtes Sehnen holt einen irgendwann im Leben ein. Sich ihm zu stellen, ist eine Herausforderung.

 

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Holen Fanni also um Ihre Lebensmitte Ihre ungelebten Träume ein?

Es ist in ihrem Leben nicht zum ersten Mal so, vielleicht war es nur noch nie so deutlich.

Ich vermute, dass für Frauen oft eine typische Haltung gilt: Ich habe Verantwortung übernommen und jetzt muss ich mich kümmern, ohne mich bricht das System zusammen. Das Ich-habe-zu-funktionieren-Gen, das fordert, erst soll es allen anderen gut gehen, dann bin ich an der Reihe. Das Wohlergehen der Familie als Zentrum der Welt. Das ist per se nichts Verwerfliches, natürlich. Solange es einen nicht auffrisst. Und/oder in eine Krise stürzt, wenn zum Beispiel die Kinder eigene Wege gehen. Braucht es nicht spätestens dann eine neue Dynamik von Verantwortung, Freiheit und Sinnfindung? Dieser Perspektivenwechsel oder diese innere Fragestellung sind wichtig. Fanni geht diesen Weg, zwar sehr spontan und ohne anfangs groß darüber nachzudenken. Aber letztlich konsequent.

 

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Was lässt Fanni aufbrechen?

Karin Peschka: Sie weiß das selbst nicht genau und kommt erst nach und nach auf mögliche Gründe. Klar ist ihr von Beginn an nur, es geht nicht darum, Bernhard zu verlassen, sondern dem eigenen inneren Schwung zu folgen.

 

 

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Ist der neue Weg Fannis auch eine Selbstkritik an ihrer Rolle als Mutter, da ja Ihre Tochter dasselbe Modell von Liebe und Ordnung gewählt hat?

Karin Peschka: Nein, Fanni wählt ihren persönlichen Weg, ohne Modelle von Liebe und Partnerschaft grundsätzlich abzulehnen. Auch nicht jenen ihrer Tochter Ines, deren Entscheidung sie akzeptiert. Was hätte sie auch sonst tun sollen? In der Charakterisierung von Ines im Roman hinterfrage höchstens ich, als Autorin, etwas. Nachbetrachtet glaube ich, dass Ines als Figur tragischer ist, als ich es beim Schreiben erkannt habe.

 

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Bei Fanni und Bernhard ist Sex kein Thema (mehr). Welche Rolle kommt der Sexualität heute im Anspruch von Partnerschaft in verschiedenen Lebensphasen zu?

Karin Peschka: Ob Sexualität zwischen den beiden kein Thema mehr ist, wird im Buch nicht erwähnt, das ist eine Annahme, die man treffen kann, die aber nicht zutreffen muss. Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht.

Dem einen Paar genügen drei Umarmungen im Monat, das andere will bis ins hohe Alter lustvolle Sexualität leben. Dazwischen gibt es hundertausend Schattierungen. Sex ist Sex, in diversen Formen und Intensitäten, nicht mehr und nicht weniger.

Die Vorgaben allerdings können zum Problem werden. Was man machen soll, kann, muss. Was zu einer Art Norm wird, erzeugt doch im Umkehrschluss immer Unsicherheit. Ständig auf die Körperform, auf Ausstrahlung, auf sexuelle Attraktivität zu achten, ist anstrengend.

Ich kenne viele „best ager“, die Singles sind und denen es gut damit geht. Menschen, Lebensentwürfe sind vielfältig.

 

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Fanni lebt auch Sexualität in ihrem Neubeginn wieder. Was bedeutet Sexualität für sie?

Karin Peschka: Fanni entdeckt sich wieder. Um es ganz profan zu sagen: Sie ist auf dem Weg zu sich selbst. Je besser ihr das gelingt, umso mehr ergibt sich alles andere ganz natürlich.

 

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Fanni bricht auf und kehrt zu früheren Lebensorten zurück. Erinnerungen kehren zurück, Begegnungen, Gespräche ereignen sind dort. Wie wichtig sind Lebensorte für uns?

Karin Peschka: Ist nicht der wesentliche Ort zuallererst immer in einem selbst? Eine Landschaft, die man in sich trägt. Die Frage ist, wie wohl man sich darin fühlt, wie neugierig man ist, das zu erkunden. Ich habe erlebt, dass ich mich so gut auf eine fremde Umgebung, auf andere Länder und Lebensumstände einlassen kann.

 

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Welche Anziehungskraft und Notwendigkeit haben Orte in verschiedenen Lebensphasen?

Karin Peschka: Die, die man ihnen zugesteht. Der Ort ist doch per se neutral. Ob ich dort bin oder nicht, ob ich eine Landschaft schön finde, mich darin wohlfühle, sie bewundere, ablehne, mich darin verliere, ist komplett nebensächlich. Der Ort ist, ob ich da bin oder nicht. Seine Bedeutung entsteht durch das, was ich erlebe – und hängt auch von den Menschen ab, die mir begegnen oder eben nicht begegnen. Sie haben wohl einen großen Anteil an der Bedeutung, die man Orten zumisst.

 

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Fanni kehrt zurück zu Träumen und Orten – ist das Leben immer eine Bewegung hin nach einem Sehnsuchtsort?

Karin Peschka: Fanni macht sehr vieles nicht aus bewusster Überlegung. Sie ist in einer Krise und lässt sich treiben. Das Treibenlassen führt zu Orten, die für sie überraschend sind, die sie nicht erwartet hat. Sicherlich spielt das Unbewusste eine große Rolle. Ob es immer eine Bewegung hin zu einem Sehnsuchtsort gibt? Das weiß ich nicht.

 

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Der Aufbruch von Fanni ist auch von einem biblischen Zitat begleitet „Haltet mich nicht auf, denn Gott hat Gnade zu meiner Reise gegeben“ (Mose 24,56). Warum hast Du diesen Bezug gewählt?

Karin Peschka: Ich habe in den Psalmen gestöbert, um ein gutes Zitat zu finden. Dabei bin ich auf diese Mose-Stelle gekommen, die genau zur Intention des konsequenten Aufbruches passte. Ich bin nicht bibelfest und war nur in meiner Jugend religiös. Damals, vor allem in der Kindheit, hatte das Römisch-Katholische logischerweise Einfluss auf mich.

 

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Konsequenz im Weg von Leben und Liebe drückt sich im biblischen Kontext aus. Isaak lernt seine spätere Frau Rebekka in einem fremden Land kennen und hält an ihr über Landesgrenzen hinweg fest. Ist Konsequenz im persönlichen Weg von Leben und Liebe auch ein Charakterzug von Fanni?

 

Karin Peschka: Ja, vielleicht. Sie lebt ja davor konsequent und bricht konsequent auf, als die innere Qual sehr groß wurde.

 

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Was hat Dich zur Themenwahl Deines neuen Roman geführt?

Karin Peschka: Ich wollte dieses Buch schreiben, wollte dabei auch ein Risiko eingehen und sehen, wohin es mich führt. Dass es eher freundlich geworden ist, hat mich zuerst überrascht, aber dann nicht mehr groß gewundert. Nach den dystopischen Bildern in „Autolyse Wien“ war es das Schreiben an „Putzt euch, tanzt, lacht“ vielleicht auch eine Art Konsequenz.

 

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Liebe Karin, herzlichen Dank für das Gespräch und viel Freude und Erfolg für Deinen neuen Roman!

Buch-Neuerscheinung: „Putzt euch, tanzt, lacht“ Karin Peschka. Roman. Otto Müller Verlag.

 

Interview_alle Fotos _ Walter Pobaschnig 14.2.2020. 

 

 

„Orte sind wie Musik“ Simone Rapp, Shiatsu-Praktikerin, KEM Trainerin, Model für_ Station bei Bachmann 13.3.20_Wien.

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Es sind schon beim ersten Betreten und Wahrnehmen hier sehr intensive Eindrücke. Für mich ist es gut nachvollziehbar diesen Ort als einen Romanschauplatz zu wählen.

 

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Das Erzählen wie Geschichte an sich ist hier zu spüren.

 

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Das Einlassen auf diesen Ort fällt leicht. Dieser lädt gleichsam ein zu sehen – nach Außen wie nach Innen.

 

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Ingeborg Bachmann thematisiert im Roman Malina die Zerrissenheit, die Fragen und auch die Ausweglosigkeiten des Menschen, der Frau zwischen der persönlichen Familiengeschichte und dem eigenen Weg in die Gesellschaft. Damit trifft Sie in das Herz der Zeit. Damals und auch über diesen gesellschaftshistorischen Kontext hinaus.

 

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Es geht im Roman um Loslösung aber auch um den Anspruch und die Schwierigkeiten neuer persönlicher Orientierung wie Konsequenz. Was ist das neue Bild von mir, wo soll ich hin? Da ist viel Mut aber auch Einsamkeit in diesem Prozess.

 

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Wir leben in einer Zeit, in der es auch wesentlich darum geht persönlich Weiblichkeit und Männlichkeit wahrzunehmen und zu leben – gesellschaftlich und individuell.

 

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Es geht um das Finden einer Balance des Selbst, auch um ein Ausbrechen von traditionellen Rollenbildern.

 

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Wir müssen uns selbst neu entdecken.

 

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Die Sichtbarkeit ist wesentlich für die Frau. Aktivität. Für Männer geht es darum, ihre Emotionen wahrzunehmen und damit umzugehen. Der Roman spricht ja von diesen Themen – offen und kritisch, das ist sehr wichtig, auch heute.

 

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Die Festigung der authentischen Persönlichkeit von Frau und Mann erfordert Vertrauen und Zutrauen.

 

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Gesellschaftliche Unsichtbarkeit ist etwas, das noch immer sehr präsent ist. Das Thema des Verschwindens am Romanende thematisiert das ja sehr drastisch.

 

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Auch ich kenne diese Erfahrungen, Prozesse von Unsichtbarkeit und Sichtbarkeit.

 

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Unsichtbarkeit ist ein Verlust von Bedürfnis und Ziel, auch eine Resignation, eine Kraftlosigkeit, ein Stehenbleiben – ein Verschwinden in einer Wand, die sich vor einem auftut, wie es ja auch Ingeborg Bachmann beschreibt.

 

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Ich habe sehr früh mit Shiatsu begonnen, dann auch die Ausbildung dazu gemacht. Jetzt gebe ich Wissen und Technik gerne in Seminaren weiter. Das ist auch ein spannender Weg des Dialoges und der Weiterentwicklung für mich.

 

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Shiatsu, das heißt aus der Kraft der Stille zur Sichtbarkeit, der Präsenz zu kommen – in allem. Es heißt auf Türen, Lebensräume  zugehen. 

 

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Stille lädt zur Selbstauseinandersetzung ein, das kann auch Angst auslösen. Aber das ist der Beginn des Weges, der schmerzliche Beginn, der wichtig ist.

Stille ist frisches Wasser.

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Leidenschaft ist ein Impuls und über den Moment hinaus eine Balance zwischen Verstand und Emotion, Kreativität. Davon erzählt der Roman.

 

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Partnerschaft ist einer der schönsten wie schlimmsten Spiegel unseres Selbst.

 

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Orte sind Ereignis und Geschichte. Orte leben und berühren. Sie sind wie Musik.

 

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Ich bin an einem Ort eine Zuhörende, eine Spürende, auch eine Vorsichtige. Es geht um ein Kennenlernen und um Lernen – was will mir der Ort sagen? Wie will er mich begleiten?

 

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Orte sind auch ein Speicher von Erfahrungen. Das ist zu spüren. Der Roman Malina, Geschichten an sich erzählen ja davon. Auch Geistergeschichten sind ja ein Ausdruck davon.

 

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Die Wendeltreppe hier im Haus steht auch für das Weitergehen, den Blick nach Vorne, für das Nicht-Stehenbleiben.

 

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Meine Vision, meine Ziele wandeln sich – mit jeder Erfahrung. Ich habe mich im letzten Jahr von der Starre strikter Ziele gelöst.

 

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Die Offenheit für die Zukunft ist sehr wichtig.

 

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Begegnung in Achtsamkeit und Aufmerksamkeit bedeutet Wachstum und damit auch Verstehen.

 

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Die Löwen hier an der Tür stehen für Leidenschaft und Mut. Je mehr wir darauf zugehen, umso mehr nähern wir uns der vergessenen Kraft unserer vielen Persönlichkeitsanteile.

 

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Schreiben und Lesen sind immer auch Prozesse des Loslassens und des Neu-Orientierens, Findens. Jedes Buch ist ein Impuls dazu, ein wesentlicher.

 

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Simone Rapp, Shiatsu-Praktikerin, KEM Trainerin _ am Romanschauplatz „Malina“_Wien_

Vielen Dank liebe Simone für Dein großartiges Bemühen in der Vorbereitung in Kostüm, Requisite wie Textzugängen und das beeindruckende Einlassen auf die Romanszenerie und das interessante Gespräch!

 

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Idee, Regie, alle Fotos_Walter Pobaschnig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Feenstaub“ Cornelia Travnicek. Roman. Neuerscheinung Picus Verlag.

 

„Feenstaub“ Cornelia Travnicek. Roman. Neuerscheinung Picus Verlag.

Der Fluss und die Stadt. Dazwischen der Nebel. Die Brücke. Das Unwägbare und Unvermeidbare. Wenn die Schatztruhe da ist, heißt es liefern. Bis er zufrieden ist. Der Krakadzil. Dann wird der Nebel wieder leichter und alles heller. Töne kommen. Es scheint weit zu sein – „In mir wohnt eine wiederkehrende Melodie. Und manchmal würde ich sie gerne singen…“.

Und da ist das Gold der Feen. Der Staub. Die Sehnsucht und die Flucht. Das Niemandsland. Das Laufen. Irgendwohin. Noch weiter in die Kindheit. Oder schon längst aus ihr heraus?…

Begegnungen. Hin und wieder. Die Nixe. Dann das Mädchen Marja. Ein wenig miteinander. Lachen. Gehen. Hin und zurück. Wer weiß das schon…

Doch wohin werden jetzt Wege und Wunder führen? Fort von hier oder tiefer hinein? In Fluss, Nebel und dunkler Geheimnisse Ziel…

 

Die vielfach ausgezeichnete österreichische Schriftstellerin Cornelia Travnicek legt mit „Feenstaub“ einen Roman vor, der in Sprache und Handlungsfolge selbstbewusst experimentiert und Leserin und Leser zu einer poetischen Reise einlädt, die voller Überraschungen und Spannung ist.

Es ist ein ganz außergewöhnliches Stück moderner Literatur, welches die Autorin hier öffnet. Leserin und Leserin werden zu einem assoziativen Dialog mit dem Text eingeladen. Die Sprache wird zum Transferimpuls, die zu Gedankenräumen einlädt und so wechselseitig Text und Phantasie betreten lässt. Ein ganz besonderer literarischer Kunstgriff.

„Feenstaub“, das ist ein wunderbarer Roman mit Abenteuern in alle Richtungen – Sprache, Phantasie und Sinn.

 

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„Ich bin neugierig auf Geschichten“ Sophie Mashraki, Regie, Künstlerin. Station bei Bachmann_Malina _ 10.3.2020

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Jeder Ort hat eine Geschichte, eine Story. Hat Qualität und Besonderheiten. 

 

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Orte laden zu Aufmerksamkeit ein. Den Menschen und die Kunst.

 

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Ein Ort entwickelt sich auch im künstlerischen Prozess. Menschen kommen hinzu und es entsteht eine Dynamik, ein Ereignis. Es ist sehr spannend dies vorzubereiten und aufzunehmen.

 

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Wenn ich als Regisseurin Geschichten erzähle, möchte ich Menschen in meine Welt einladen. Für das Publikum ist es eine neue, andere Welt. Diese Begegnung ist ganz wichtig. Für beide Seiten. 

 

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Ich frage mich derzeit wie und was kann ich erzählen? Was kann ich aufnehmen und zurückgeben? Welche Form wird sich dafür finden? Das experimentelle Schreiben bei Ingeborg Bachmann in „Malina“ ist dabei auch eine interessante Inspiration. 

 

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Ich suche derzeit einen Ort in Wien für meine Pläne, Projekte. Das ist herausfordernd und spannend. Es gibt viele Orte, die gleichsam auf die Kunst warten.

 

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Ich bin Regisseurin. Es ist eine große Liebe für Geschichten und deren Inszenierung. Ich liebe auch die Wahrnehmung der Reaktion des Publikums. Und ich bin auch neugierig auf ihre Geschichten. Es geht da um den Transformationsprozess.

 

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Die Gemeinschaft der KünstlerInnen ist etwas besonders. Da ist eine große Unterstützung und auch so viele persönliche Geschichten, die inspirieren und motivieren.

 

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Der Ort hier, der Romanschauplatz von „Malina“, hat etwas Schweres und auch Verstecktes. Da ist vielleicht so etwas wie ein Geheimnis eines Rückzuges. Aber auch ein Lächeln, eine Leichtigkeit. Das spiegelt sich ja auch im Text und der Persönlichkeit Ingeborg Bachmanns.

 

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Ich bewundere wie Ingeborg Bachmann ihre künstlerische Richtung, die Form, auch selbstbewusst veränderte. Sie war da sehr entwicklungsorientiert und auch persönlich mutig.

 

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Ingeborg Bachmann ging ihren Weg als Künstlerin und als Frau. Sie hat ihre Kunst geatmet.

 

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Ich liebe Wien. Das Klassische und das Punkige in dieser Stadt. Den Reichtum der Kunstszene.

 

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Sophie Mashraki , Regie/Produktion, Künstlerin _ Fotos am Romanschauplatz „Malina“_Wien_Station bei Bachmann _ 10.3.2020.

Vielen Dank liebe Sophie für Dein großartiges Bemühen in der Vorbereitung in Kostüm, Requisite wie Textzugängen und das beeindruckende Umsetzen der Romanszenerie und das interessante Gespräch!

 

Station bei Bachmann _ 10.3.2020.

Idee, Regie, alle Fotos_Walter Pobaschnig

„Theater ist ein Spiel aus dem Herzen ohne Urteil“ Miriam Strasser, Schauspielerin_Szenische Darstellung_Malina_Wien

 

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Schon mit zwei Jahren wollte ich auf der Bühne stehen. Meine Mutter musste immer den großen Koffer bringen und ich stellte mich drauf und spielte. Das war meine erste Bühne.

 

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Nach der Matura habe ich Biologie studiert und wurde nach dem Bachelor eingeladen auf der Uni Wien mitzuarbeiten. Es gab für mich auch ein Angebot für ein Stipendium zum Masterstudium einer Universität aus den USA. Ein Professor hat mich dazu eingeladen. Der Weg in die Wissenschaft war auch lange ein für mich interessanter. Ich habe aber zu diesem Zeitpunkt schon gewusst, dass mein Weg ein anderer sein sollte. So lehnte ich die Angebote der Universitäten dankend ab und ging nach Spanien, um eine Schauspielausbildung zu machen. Ich habe damals konsequent angefangen, dies zu machen was ich immer machen wollte. Was ich schon mit zwei Jahren wusste. So ist es bis zum heutigen Tag.

Manchmal gibt es eine Wehmut, dass ich nicht schon früher in Richtung der Kunst gegangen bin. Aber ich misse auch die Jahre des Studiums nicht, weil ich da sehr viel lernen und erfahren durfte.

 

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Ingeborg Bachmanns Texte sind mir erstmals in der Schule begegnet. Es ist ein großer Name der österreichischen Literatur. Immer wieder hörte und höre ich von ihr. Ich habe großen Respekt vor ihr als Autorin. Ihre Themen finde ich sehr wichtig.

Das „Verschwinden“, das ich hier im Lebensraum Ingeborg Bachmanns in Wien darstelle, hat eine starke Symbolik aber auch immer wieder neue ganz reale aktuelle Bezüge, wenn es darum geht in einer Gesellschaft gesehen, gehört, wahrgenommen zu werden. Bachmann schreibt davon – von der Angst und Unsicherheit aber auch von Mut und Vision.

 

Szenische Darstellung „Verschwinden“ – Stadtpark Wien.

 

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Ein Ort kann inspirierend sein aber dieser ist eigentlich nur eine Art Kulisse für Menschen, Begegnungen, Handlungen – also das was um Orte herum passiert, das ist mir sehr wichtig.

 

 

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Ein schöner Ort gewinnt seine Bedeutung, seine schöne Form durch Menschen und Ihre Wege, ihre Träume, Ideen.  Ein Ort kann aber auch sehr angstvoll besetzt sein – durch Erfahrungen, Ereignisse.

 

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Es ist eine Wehmut in den Texten Bachmanns zu spüren und ich verstehe woher das kommt. Es ist ein wichtiger Generationenweg, den Bachmann da gegangen ist.

 

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In der Kunst ist es mir sehr wichtig innere Prozesse darzustellen, in abstrakter Form zu erzählen. Ich schätze sehr das Groteske, also das was wir nicht gerne zeigen, nicht gerne fühlen, verdrängen – dies sichtbar zu machen, ist sehr spannend und ganz wichtig. Um auch dahinzukommen, dass wir an unseren Schatten, Dämonen arbeiten, diese öffnen und damit diese vielleicht auch verschwinden zu lassen. Das ist ja auch der Weg des Schreibens bei Ingeborg Bachmann.

 

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Clownerie schätzte ich sehr. Die Absurdität des Seins, das absurde Spiel, welches ja eine große Offenheit erfordert. Auf der Bühne und im Publikum. Das ist mir sehr wichtig, diese verletzlichen, zerbrechlichen Seiten des Menschseins zu zeigen. Gerade in einer Gesellschaft, die dies verdrängt.

 

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Theater ist ein Spiel aus dem Herzen ohne zu verurteilen. Zu beurteilen. Das ist eine große Schönheit und Stärke.

 

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Der Überlebenswille im Kampf zwischen den Welten – davon spricht der Roman Malina. Es sind Fragen, die da geöffnet werden: Wie kann ich trotz allem einen Weg der Existenz finden? Wie findet der Mensch, ein Mensch seinen Lebensraum und behauptet diesen? Wo ist die Nische für mich, wie die einer Blume, die in der Stadt aus dem Asphalt ihren Weg zum Licht sucht und findet?

 

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Realität und Surrealität im Roman Malina von Bachmann erinnert mich auch an die japanische Butoh Kunstform. Gerade auch der Blick in die Seele im Ineinander von Raum, Zeit und Existenz.

 

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Butoh habe ich in Spanien kennengelernt. Es ist eine sehr transformatorische japanische Kunstform. Es geht dabei etwa im tänzerischen Ausdruck um die pure Existenz, um Leben und Tod. Um Achtsamkeit und Wahrnehmung, um Schönheit und Dunkelheit der Seele und der Zeit. Das Unbewusste ist dabei ganz wichtig. Auch in Wien gibt es ein sehr engagiertes Butoh Theater. Ein wichtiger künstlerischer Weg für mich. 

 

Gefühle sind immer universell und zugänglich.

 

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Die Themen Bachmanns, etwa Geschlechterrollen und Macht sind immer noch brisante, wichtige Themen. Etwa der Sexismus.

 

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Ich wünsche mir mehr Wertschätzung für die Kunst in unmittelbarer Anerkennung und Ermöglichung. Kunst wird gerne gesehen aber es ist dann oft kein Geld dafür da. Kunst, das ist viel Arbeit und viel Energie, die KünstlerInnen aufbringen. Das ist auch wichtige Seelenarbeit für eine Gesellschaft.

 

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Kunst ist Seelennahrung jeder Gesellschaft.

 

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Miriam Strasser in der szenischen Rolle der „Eiskönigin“ und dem „Verschwinden in der Wand“ _ im Roman Malina, Ingeborg Bachmann.

 

Vielen Dank liebe Miriam für Dein großartiges Bemühen in der Vorbereitung in Kostüm, Requisite wie Textzugängen und das beeindruckende Umsetzen der Romanszenerie und das interessante Gespräch!

 

Station bei Bachmann _ Roman Malina _ Miriam Strasser, Schauspielerin _ Wien_Romanschauplatz 11.2.2020

Herzlichen Dank an den Eislaufverein Wien für die freundliche Kooperation!

 

Idee, Regie, Interview und alle Fotos _ Walter Pobaschnig 2_20

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„Kunst muss da sein und etwas bewegen“ Ino Matsou, Schauspielerin _ Station bei Bachmann, Wien_6.3.2020

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Ich liebe die Atmosphäre von Orten. Das gestaltete Leben in Geschichte und Gegenwart, die Architektur und die Bewegungen des Lebens darin, herum. Es ist eine Ansprache, die mich fasziniert.

 

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Grundsätzlich bin ich eher ein Stadtmensch. Städte bedeuten mir sehr viel. Ich brauche Menschen und das Überraschende. Die Dynamik und das Entdecken im um die Ecke biegen, sehen.

 

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Ich bin 2009 nach Wien gekommen. Dieser neue Lebensraum war nicht Liebe auf den ersten Blick. Aber es ist in den Jahren für mich eine faszinierende Stadt in Stil, Geschichte und Moderne und eine tiefe, starke Liebe geworden.

 

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Als Schauspielerin in einer neuen Stadt gibt es Träume und Erwartungen. Natürlich auch die Realitäten. Ich kann mich durchaus einfühlen in das Ankommen von Ingeborg Bachmann in Wien. Ihr Weg und Wille sich künstlerisch auszudrücken, auch unter schwierigen Voraussetzungen, das ist auch mein Wunsch, mein Anspruch.

 

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Als ich nach Wien kam, habe ich meine Master Ausbildung in Zahnmedizin abgeschlossen und wurde auch eingeladen an der Universitätsklinik Wien tätig zu sein. Dann kam meine Tochter auf die Welt. Und als ich in Griechenland dann in einem Theater saß, dachte ich über meine Ziele, mein Leben nach und wusste – ich will auf die Bühne. Das tat ich dann auch und bin bis heute glücklich mit diesem Weg.

 

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Ein griechisch-österreichisches Theaterensemble ermöglichte mir dann den Weg auf die Bühne in Wien. Ich bin jetzt seit vielen Jahren Ensemblemitglied. 

Ich habe die Bühnenreifeprüfung in Wien absolviert. Das war natürlich eine große Freude und Motivation. Jetzt bin ich eine diplomierte Schauspielerin und gespannt auf die kommenden Möglichkeiten und Herausforderungen.

 

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Aktuell probe ich für das Stück „Die strahlende Blume“ im Theater Arche, Wien. Es ist ein mythologischer Stoff. Es geht auch um Verliebtsein, das erste Verliebtsein. Das ist ganz wunderbar.

Ich spiele hier in Wien in verschiedenen Sprachen – Deutsch, Englisch, Griechisch. Ich liebe das.

 

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Musik war mir schon in der Kindheit wichtig. Da habe ich mit der Bürste in der Hand gesungen. Allerdings war ich da noch etwas schüchtern und habe das Rampenlicht einer Bühne gemieden. Später änderte sich das und ich war als Sängerin teil einer Band. Elektronische Popmusik – diese Live Gigs waren eine interessante Erfahrung.

 Besonders auch der Tanz ist eine große Leidenschaft von mir.

 

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Mein Weg zum Theater war verschlungen. Ich bin ausgebildete Zahnmedizinerin. Gemeinsam mit einer Freundin entschieden wir uns dann für eine Schauspielausbildung. Das hat auch meine Persönlichkeit sehr bereichert. Ich habe dann immer wieder in einem Ensemble gespielt. Mein Beruf war aber Zahnärztin. Ich war eine theaterspielende Zahnärztin. Das war super. Einerseits Geld und anderseits Bewunderung und Applaus.

 Ich habe mich schon in meinem Beruf als Zahnärztin sehr für die Menschen, die zu mir kamen, interessiert. Meine PatientInnen schätzten diese Aufmerksamkeit. Da ist auch viel Psychologie in diesem Beruf und natürlich auch eine Präsenz, die an Theater und Bühne erinnert.

 

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Mein Beruf als Schauspielerin ist für mich auch ein persönlicher Rollenwechsel. Ich musste da erst neu zu mir selbst finden. Mich mit inneren Fragen, Konflikten auseinandersetzen und mich einer offenen Wahrnehmung stellen.

 Es ist als Schauspielerin in Wien nicht einfach. Die Möglichkeiten sind nicht so groß. Aber ich liebe diesen Beruf und mache es mit Leidenschaft.

 

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In der Wissenschaft braucht es Beweise. Theater, Kunst kommt vom Herzen. Es geht um das Spüren und den Ausdruck. Um Emotionen.

 

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Momentan ist es eine schwierige Phase für das Theater was Produktionsprojekte und Rollenangebote betrifft. Das ist weltweit so. Interessanterweise blüht in Griechenland das Theater derzeit. Es ist für Menschen in Krisensituationen sehr wichtig. Es gibt tolle Produktionen in Athen und vielen Städten.

 

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Kunst findet und öffnet in Krisen Chancen. Das ist ganz wesentlich für jede Gesellschaft.

 

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Die Europäische Union ist ganz wichtig. Für die Idee vom Menschen an sich, für die Werte, die wir haben. Etwa Solidarität. Leider sehe ich das derzeit nicht.

 

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Menschen können sich nicht selbst lieben. Damit beginnen das Leiden und auch der Hass in einer Gesellschaft. Der Weg, die Sicht zu anderen Menschen sind versperrt.

 

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Kunst ist ein Spiegel der Gesellschaft in ihrer Schönheit und den Dunkelheiten. 

 

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Für mich ist das Leben eine Reise. Darin liegt der Sinn. Erfahrung und Entwicklung. Nicht Stehenzubleiben.

Im Moment zu sein. Das ist im Theater wie im Leben sehr wichtig. Da-Zu-Sein, erleben. Die Folge von Momenten annehmen, annehmen können.

 

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Der Mensch sucht den Ausdruck. Kunst beginnt da. Auf allen Lebens- und Gesellschaftsebenen.

 

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Es gibt als Frau in der Gesellschaft den Druck schön zu sein. Es gibt ganz viele unterschiedliche Vorgaben. Du bist zu groß, zu dick, zu sexy, zu fad. Ich sage – wurscht. Es hat wurscht zu sein.

 Ich bin eine glückliche Frau.

 

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Als Frau müssen wir immer an alle Frauen in der Welt denken. Es hat sich vieles verbessert aber es ist ein Kampf und wir müssen weitermachen. Wir haben viel erreicht aber es ist nicht alles.

 

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In der Kunst lernst Du ständig. Du bist nie ohne ein Buch. Und es hört nie auf. Du lernst und lernst und lernst. Das ist toll.

 

 

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Orte sind mir wichtig. Das Sommerhaus der Kindheit am Meer in Griechenland hat eine ganz besondere Bedeutung. Ich bin auch in Gedanken oft dort. Es ist ein großes Gefühl von Geborgenheit. Damals wie heute.

Das Meer, die Sonne, der leichte Wind – da ist so viel Ruhe. Auch in meiner Arbeit als Schauspielerin ist dieser Ort in Entspannung oft bei mir. Es ist Schönheit, die Raum gibt und Räume öffnet. Ganz real und im Kopf. Ich reise immer wieder in der Phantasie dorthin.

 

 

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Ingeborg Bachmann war eine mutige Feministin. Im Schreiben wie im Lebensstil.

 

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Ingeborg Bachmann, damit verbinde ich auch wesentlich Selbstbewusstsein. Weitermachen gegenüber und in Schwierigkeiten.

Da war auch viel Schmerz im Leben dieser beeindruckenden Schriftstellerin. Sie versuchte damit umzugehen. Stellte sich diesem Schmerz mit allem was ihr möglich war. Die Kunst hat da auch eine Kraft der Verwandlung.

 

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Das Theater ist im Prozess der Veränderung. Es kommt etwas Neues, es ist zu spüren. Es bewegt sich sehr viel in den Möglichkeiten von Theater, Film, Video, Fernsehen und ich bin sehr neugierig was kommt.

 

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Die Herausforderungen moderner Kommunikation und Unterhaltung für die Bühne können auch ein push, ein Anstoß für das Theater sein. Theater muss gewinnen. Immer.

 

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Künstler sind Kinder im Körper von Erwachsenen. Eine Gesellschaft braucht diese Phantasie um sich Herausforderungen zu stellen und Neues entwickeln zu können.

 

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Das künstlerische Reisen im Theater, der Kunst zu Epochen und Menschen ist faszinierend. Es ist ein Traum, diese Möglichkeit zu bekommen. 

 

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Für mich ist die Sprache ein ganz wesentlicher Zugang zu einem Bühnenstück. Das eigene Anderssein trifft sich mit dem der Sprache. Sprache ist ein Zauber.

Die deutsche Sprache ist eine große Inspiration. Sie lehrt auch Genauigkeit, eine gewisse Langsamkeit. Ich spreche selbst Griechisch, Deutsch, Englisch und Französisch, Slowakisch.

 

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Ohne Kunst wäre das Leben so fad.

 

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Vielen Dank liebe Ino Matsou für das Interview und Dein wunderbares szenisches Spiel bei Ingeborg Bachmann – viel Freude und Erfolg für alle Projekte und Träume!

Station bei Bachmann _ Ino Matsou, Schauspielerin, 6.3.2020, Wien. 

 

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Interview, szenische Regie und alle Fotos_Walter Pobaschnig _ 6.3.2020.

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„Das zweite Schwert“ Peter Handke. Suhrkamp Verlag.

 

„Das zweite Schwert“ Peter Handke. Suhrkamp Verlag.

Jetzt ist der Morgen gekommen. Die stille Ansprache vor dem Spiegel wird zum Impuls des Aufbrechens. Des Nachgehens der Worte der Anderen. Das Verletzende im Wort und der Schrift. Das Unvergessene und jetzt im eigenen Spiegelbild fordernde…

Davor war er umhergewandert. Zurückhaltend wie immer mit dem Nachausekommen. Dem Ankommen im Herkommen. Schon seit der Kindheit. Lieber Unterwegsein. Irgendwo sein, besser als da wo alles anfing sein…

Doch nach drei Tagen war er zurück. Und der Rachegedanke da. Es ist die Zeit nach Ostern. Der Frühling. Der Aufbruch von allem….

Das Wort gegen ihn und gegen die Mutter. Jetzt ist alles wieder im Kopf. Fest und schmerzhaft. Dunkel und laut. Der Weg zur Frau, die das geschrieben hat was heute Morgen im Spiegelbild zu lesen war. Die Schritte zur Station der Straßenbahn. Die Fahrt. Und dann der Weg zu ihr…

Es gibt keinen Plan und niemand weiß was geschehen wird…

 

Peter Handke, Nobelpreisträger 2019, legt seine erste Erzählung nach der Entgegenahme des höchsten Literaturauszeichnung in Stockholm vor. Es ist eine poetische Reise in das Wunder der Verwandlung. Im Dunklem wie im Lichtem. Der Autor nimmt dabei auf die christliche Auferstehungsbotschaft Bezug und nimmt die Aussage des Evangeliums von Gnade, Umkehr und Veränderung als narrativen Impuls für den persönlichen Umgang mit Groll und Rache. Die innere Verwandlung wird zu einer Verwandlung der Welt, die nun vom Schauplatz der Rache zum Raum der Begegnung und der Weite und Freude des Lebens wird. Eine Erzählung, die auf die Kraft des Menschen zu Verwandlung und Veränderung setzt und dies der Schwere von Kränkung und dem Impuls der Rache entgegensetzt.

 

„Ein sprachliches Geschenk und eine persönliche Einladung zu Milde und Vergebung. In allem. Peter Handke, ein moderner Prophet im besten Sinne“

 

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„Weiblichkeit ist eine große Stärke“ Monika Jantschnig _Model, Performance Künstlerin_ Station bei Bachmann _ Romanschauplatz Malina _Wien_ 21.2.20

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Orte sind in der Kunst ganz wichtig. Inspiration, Ausdruck, Stimmung hängen wesentlich damit zusammen. Dies trifft für einen Roman, ein Gemälde oder den Tanz, eine Performance zu.

 

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Das „Ungargassenland“ Bachmanns habe ich jetzt in diesem Projekt neu entdeckt. Ich habe es bisher in Spaziergängen gestreift. 

 

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Mir war es wichtig in diesem Projekt an der Authentizität der Rolle in Vorbereitung und Umsetzung zu arbeiten. Mein erster Zugang war dabei die Mode. Ich bin selbst Absolventin der Modeschule Wien_Hetzendorf. Dazu kommt eine grundsätzliche Begeisterung in verschiedene Rollen zu schlüpfen.

 

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Ich finde den Zugang zum Roman mittels der Psychoanalyse Sigmund Freuds sehr spannend. Die Instanzen des Freud_Modells in ES, ICH, ÜBER-ICH im Kontext zu den Romanfiguren zu sehen, ist ein ganz interessanter Zugang und hat mir auch die szenischen Rollen hier nähergebracht.

Der Roman „Malina“ thematisiert auch unsere verschiedenen Persönlichkeitsanteile.  Es ist ein literarisches wie direktes Nachdenken darüber. Ein ganz wichtiges.

 

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Im freudschen Modell geht es um Prozesse der Entwicklung des Ichs, der Persönlichkeit. Dem ES kommt dabei eine sehr elementare Bedeutung zu. Die Symbolik des Wassers trifft dies auch gut. Das ÜBER-ICH stellt ja die gesellschaftlichen Einflüsse, Konditionierungen dar. Darin, in diesen Voraussetzungen und Gegebenheiten, bildet sich, hat sich das Ich zu formen. Das ist eine Aufgabe in allem Risiko. Davon erzählt auch der Roman.

 

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Was bin ich? Wer ist dieses Ich eigentlich? Woher kommt es, wohin geht es? Der Roman stellt diese Fragen eindringlich.

 

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Im Roman geht es um Unabhängigkeit. Auch um Erinnerung und Trauer.

 

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Sinnlichkeit und Leidenschaft, ihre letztliche Unerfüllbarkeit, sind ganz wesentliches Thema im Roman. 

 

 

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Es ist eine Summe von Erfahrung und Erleben, die zu Stärke führt. Ich sehe dieses Thema im Roman. Als Frau aber für den Menschen an sich.

 

 

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Der Roman spricht vom Scheitern aber auch stark vom Zutrauen der Frau. Das ist auch in der Gegenwart ganz wichtig. In der Kunst wie im Leben.

 

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Die Männlichkeit ist im Roman in der Beziehungspolarität sehr stark präsent, auch übermächtig. Ivan, Malina, der Vater. Die anonyme Ich-Erzählerin ringt damit. Aber sie ist stark genug dies zu tun. Und stark genug einen Ausgleich, eine Einheit, eine Lebensform zu finden.  

 

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Weiblichkeit ist eine große Stärke. Es geht um die Besinnung darauf. Das ist weniger ein Kampf gegen etwas als ein Leben davon und dafür.

 

 

 

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Widerstände sind ständige Herausforderungen. Es ist auch wichtig vor Wänden nicht stehenzubleiben sondern weiterzugehen, umzukehren – was auch immer. 

 

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Der Roman ist ein Spiegel von Gesellschaft und spricht das Marionettenhafte eines Lebens an. Die angstvolle Rolle, die Unfreiheit.

 

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Es ist wichtig, sich selbst treu zu bleiben.

 

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„Ich glaube Dir kein einziges Wort. Ich glaube dir nur alle Worte zusammen“ – Ich finde diese Worte von Malina im Roman besonders schön. Es geht dabei um die Macht von Worten aber auch um das Verstehen von Persönlichkeit, auch um Empathie.

 

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Der Romanschauplatz selbst hier bringt das Buch sehr nahe. Es ist eine künstlerische Zeitreise der ganz besonderen Art.

 

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Ingeborg Bachmann, das ist für mich Tiefgründigkeit aber auch Melancholie.

 

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Ingeborg Bachmann ist eine einzigartige Autorin und Persönlichkeit und sie hat Literatur und Kunst stark beeinflusst, bis heute. Der jährliche Ingeborg Bachmann Preis in Klagenfurt ist etwa ganz anschaulicher Ausdruck davon.

 

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Wir sind die Summe unserer Erfahrungen – schlussendlich.

 

 

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Vielen Dank liebe Monika  für Dein großartiges Bemühen in der Vorbereitung in Kostüm, Requisite wie Textzugängen und das wunderbare gemeinsame Umsetzen der Romanszenerie und das interessante Gespräch!

 

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Station bei Bachmann _ Roman Malina _ Monika Jantschnig, Modedesignerin, Performerin_ Wien_Romanschauplatz 21.2.2020

 

Idee, Regie, Interview und alle Fotos _ Walter Pobaschnig 2_20

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