„Radikale Ehrlichkeit. Große Durchlässigkeit und auch körperliche Beweglichkeit bis ins hohe Alter. Dazu gehört unglaubliche Kraft und Disziplin.“ _ Erinnerung an +Erni Mangold _ Alexandra Maria Timmel, Schauspielerin _ Wien 14.9.2026

+Erni Mangold _ Bruno Max
+Erni Mangold, Schauspielerin, Regisseurin _
* 26.1.1927 Großweikersdorf/NÖ +5.9.2026 Wien

Im Interview _  Bruno Max, Theaterintendant, Regisseur, Schauspieler _ Wien

Lieber Bruno Max, welche Erinnerungen gibt es für Dich an Erni Mangold?

Ich habe Erni von meinem ersten Tag am Reinhardtseminar an als meine wichtigste Schauspiellehrerin kennengelernt. Wir haben auch außerhalb des Seminars einiges an Zeit mit ihr verbracht. Danach hat sie immer meinen Weg begleitet und einiges von meinen Arbeiten gesehen und dann immer  -eben die Erni- auf die ihr eigene schonungslos ehrliche Weise kommentiert. Wenn sie etwas lustig fand, war ihr spezifischer Lacher aus einem ganzen Zuschauerraum heraus zu hören. Ich erinnere mich an ihren -gefühlt hundertjährigen- Papagei, das Mistviech, und dass sie mir einmal -noch bei ihr im Neunten- wirklich schöne Jugendbilder von ihr gezeigt hat, eine echte Illustriertenschönheit! Ich habe so viel von ihr gelernt. Mit der „späten“ Erni gab es immer ein Ritual: Die ersten fünf Minuten musste sie Grobheiten loswerden, bis sie sich aufgemacht hat und man ein gutes Gespräch führen konnte.

Was macht für Dich das Besondere ihres Schauspiels aus?

Radikale Ehrlichkeit. Große Durchlässigkeit und auch körperliche Beweglichkeit bis ins hohe Alter. Sie muss ja um die 90 gewesen sein, als sie die Maude in Harold und Maude gespielt hat, und gar nicht als nette Oma. Dazu gehört unglaubliche Kraft und Disziplin.

Möchtest Du bestimmte Rollen hervorheben und warum?

Liebe Güte! Sie war bei Gründgens! Und Jahrzehnte an der Josefstadt! Was soll man da extra hervorheben!

Wie hast Du Erni Mangold als Kollegin erlebt?

Leider haben wir nie miteinander gespielt, aber sie war als Lehrerin am Reinhardtseminar Anfang der 80er mit ihrem persönlichen, sensiblen Zugang zu den Schülern eine große Ausnahme.

Was nimmt die Theater/Filmbühne von ihr in die Zukunft mit?

Bei meiner Arbeit – und ich bin wohl nicht der Einzige – denke ich mir oft: „Was würde die Erni dazu sagen“.

Herzlichen Dank für das Interview!

Bruno Max, Theaterintendant, Regisseur, Schauspieler

Zur Person/über mich: Prof. Bruno Max

geboren in Salzburg, absolvierte er das Regiestudium am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Er war vier Jahre Assistent und Schauspieler am Burgtheater in Wien, hatte Gastregien u. a. am Volkstheater, Landestheater Linz, Theater der Jugend und Renaissancetheater. Bruno Max ist Gründer von Theater zum Fürchten, der Festspiele Schloß Liechtenstein und des Theaters im Bunker in Mödling. Er ist künstlerischer Leiter der Wiener Scala sowie des Stadttheaters Mödling. Etwa einmal pro Spielzeit treibt es ihn auch wieder selbst auf die Bühne.

Er hat zahlreiche eigene Bearbeitungen und Bühnenfassungen geschaffen, darunter „Clockwork Orange“ und „Delicatessen!“ und mehr als 100 Inszenierungen sowie Raumlösungen. Zu seinen letzten Arbeiten zählen „Umsonst!“, „Die drei Musketiere“, „Die Kunst der Komödie“, „Aventura“, „Cyrano de Bergerac“, „Good. Ein guter Mensch“, „Network“, „Burke & Hare“ und „Frankenstein“.

Auszeichnungen: 1995 und 2003 Preisträger für „Darstellende Kunst des Landes Niederösterreich“, Goldene Ehrennadel der Stadt Mödling 2013, Professorentitel 2015, Goldenes Ehrenkreuz für Verdienste um das Land NÖ 2022, Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 2025.

Intendanz – Theater zum Fürchten  13.9.26

Foto/Portait: Erni Mangold _ Österreichischen Nationalbibliothek/ÖNB_Photo Simonis; um 1950; Bildarchiv Austria

Foto: Bruno Max _ Bettina Frenzel

Walter Pobaschnig, 13.9.2026

https://literaturoutdoors.com

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