„Das Bewusstsein gesellschaftlicher Fragilität und eine neue Wertschätzung realer Sozialkontakte könnte uns bleiben“ Felix Kucher_Schriftsteller_ 5 Fragen an KünstlerInnen _17.3.20

Felix Kucher_

 

 

Lieber Felix, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da ich im Brotberuf Schulleiter bin, verbringe ich die Vormittage derzeit in der Schule und im Homeoffice, von wo aus ich auf alle wichtigen Systeme zugreifen kann. Das E-Learning funktioniert sehr gut, den Umstieg haben alle Beteiligten reibungslos geschafft.
Dann koche ich! Für mich sehr ungewohnt, da ich sonst jeden Tag irgendwo mittagesse.
Der Nachmittag ist dem Lesen, der Hausarbeit und dem Spazierengehen gewidmet.
Nach wie vor schreibe ich am liebsten, wenn es dunkel ist.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, die sozialen Kontakte über die verschiedenen Netzwerke weiter zu pflegen. Vernachlässigte Kontakte wiederbeleben. Die Zeit zu nutzen fürs Lesen und Musik hören. Und natürlich in jeder Form respektvoll gegenüber den Mitmenschen zu leben.

 

In Deinem aktuellen Roman „Kamnik“ geht es um Lebenskatastrophen und Lebenswege im Kontext des Krieges. Es geht dabei um die Herausforderungen und belastenden Prozesse eines Neubeginns. Auch jetzt wird es ein Neubeginn sein, von dem wir gesellschaftlich und persönlich stehen bzw. stehen werden. Was ist dabei wesentlich?

Wenn man derzeit die Visionen für die Zeit „danach“ liest, so fallen einem die vielen optimistischen Entwürfe auf (z.B. bei Matthias Horx), die von einer „Kaskade von sozialen Innovationen“ und Paradigmenwechseln beim Thema Klimaschutz (Stichworte: Blauer Himmel in Tokio, Delfine in Triest) reden, die uns bevorstehen sollen.

Ich bin da eher skeptisch und fürchte, dass sich in Wirtschaft und Gesellschaft sehr schnell alte Muster wieder durchsetzen werden. Bleiben könnte am ehesten das Bewusstsein der Fragilität unserer globalisierten und wachstumsorientierten Gesellschaft und eine neue Wertschätzung realer sozialer Kontakte.

 

Was liest Du derzeit?

Karin Peschka: Putzt euch, tanzt, lacht!
Tonio Schachinger: Nicht wie ihr
Drago Jančar: Wenn die Liebe ruht
Haruki Murakami: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (Hörbuch)

 

DSC_0068_Felix Kucher

 

 

Welches Zitat, welche Textstelle aus Deinem aktuellen Romanprojekt möchtest Du uns mitgeben?

„Es geht ja nicht nur um die Frauen, es geht um Gleichberechtigung für alle! Und dafür haben wir unterschrieben. Das Ziel bleibt eine klassenlose Gesellschaft ohne Herren und Diener. Und in einer solchen Gesellschaft ist die Frau selbstbestimmt, ob dir das passt oder nicht, Kichi.“

(Die Szene spielt im Jahr 1920, angesprochen ist Carl Sadakichi Hartmann)

 

Vielen Dank für das Interview lieber Felix, viel Freude und Erfolg beim Schreiben Deines Romans und alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Felix Kucher, Schriftsteller

Aktueller Roman: Kamnik, 2018, Picus Verlag

http://felix.kucher.at/

 

 

17.3.2020_Interview_Walter Pobaschnig

Fotos_Felix Kucher

 

https://literaturoutdoors.com

 

 

 

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s