„Diese Selbst- und Fremd-Ausbeuterei im Kultur- und Literaturbetrieb müsste aufhören“ Anja Nora Schulthess, Schriftstellerin_Luzern 19.7.2020

Liebe Anja, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Immer anders, ich arbeite an der Struktur, wobei ich diese, falls sich überhaupt eine etabliert, dann gerne wieder umwerfe. Wenn ich mich nicht um meine vierjährige Tochter kümmere, schreibe oder recherchiere ich morgens und gehe nachmittags zum See, lese, höre Musik. Abends bin ich meistens zuhause –  corona- und schwangerschaftsbedingt – koche, gieße Pflanzen, erzähle meiner Tochter die immergleichen Gute-Nacht-Geschichten. Gerade geht es eher unspektakulär zu und her.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es scheint mir etwas anmaßend, diese Frage für die Allgemeinheit zu beantworten, aber gut: Wichtig ist vermutlich diese Unsicherheit auszuhalten, nicht vereinfachenden Narrativen zu verfallen, kritisch zu bleiben und solidarisch – wobei ich nicht jene geheuchelte und «gehashtagte» Solidarität meine, sondern Rücksichtnahme und Umsicht im Stillen.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich hoffe, dass wir vor einem Aufbruch stehen, bezweifle es jedoch auch immer wieder. Wesentlich wäre eine radikale Umwertung von Arbeit. Diese Klatscherei für die Systemrelevanz braucht niemand. Es braucht faire Löhne, gerade für Care-Arbeit und Wertschätzung, auch in finanzieller Hinsicht, für unbezahlte Reproduktionsarbeit in der Familie. Und diese Selbst- und Fremd-Ausbeuterei im Kultur- und Literaturbetrieb müsste aufhören.

Was die Rolle der Literatur und Kunst betrifft, sofern man das verallgemeinern kann, würde ich meinen, dass sie die Aufgabe hat uns zu stören und zu irritieren, unsere Seh-, Hör- und Denkgewohnheiten zu durchbrechen und dadurch den Blick zu öffnen. Das ist jetzt sehr emphatisch. Ich finde: auch kluge Unterhaltung und Katharsis haben ihre Berechtigung.

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Was liest Du derzeit?

Prosa von Natalia Ginzburg, «Glück» von Dragica Rajčić, Interviews mit Ilse Aichinger, Reportagen von Niklaus Meienberg, «Chaos gegen den Terror» von Pasolini und viele Kinderbücher.

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

 „Für mich wird der Umgang mit der normalen Sprache immer schwieriger. Sie kommt mir so leer vor, wie leere Patronenhülsen … Je unmöglicher für mich die Sprache wird und klischeehafter –wenn man schon sagt »Wie geht es Ihnen«, das stimmt ja alles nicht mehr! – desto mehr ist es vonnöten, mit der Sprache wieder etwas zu sagen; vielleicht dadurch, dass man sie aufbricht.“

(Ilse Aichinger, Es muss gar nichts bleiben, Interviews)

 

Vielen Dank für das Interview liebe Anja, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Anja Nora Schulthess, Schriftstellerin

http://www.anjanoraschulthess.ch/

Anja Nora Schulthess, geb. 1988, studierte Philosophie, Kulturanalyse und Literaturwissenschaft in Zürich. Sie schreibt kulturwissenschaftliche Texte, Essays, Lyrik und Prosa. 2017 erschien ihr Lyrikdebüt «worthülsen luftlettern dreck». Ihr Buch «Müllern, Spotten, Brechen!» zu den Untergrundzeitungen der Zürcher Jugendbewegung erscheint im Herbst 2020 im Limmat Verlag. Sie lebt mit ihrer Tochter in Luzern. 

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9.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Der Kunst kommt alles zu“ Tanja Salbrechter, Künstlerin _ Klagenfurt 18.7.2020

Liebe Tanja, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jetzt. Ich stehe oft früh auf. Ich liebe die kühle, frische Luft morgens und das Licht, wenn die Sonne noch nicht ganz da ist. Nach dem 2. Kaffee gehe ich mit meinen Hunden spazieren. Dabei saug` ich Bilder der Natur auf, wie ein Kind, dass das erste Mal sieht.

Wenn ich arbeite, ich bin Assistenz für Menschen mit Behinderung, habe ich jeden Tag das Gefühl wertvoll zu sein. Wenn ich nicht arbeite, male ich. Beim Malen verliere ich jedes Gefühl für Zeit oder Raum.

Der Geruch der Farben, das Geräusch des Pinsels oder des Stiftes. Beim Malen werden alle meine Sinne eins. Ich male, weil ich male.

Die Zeit jetzt ist gut. Anfangs, als der Lockdown kam, war ich zwei Wochen in sozusagen Schockstarre. Oida, was geht da ab?

Dann explodierte ich in Bildern.

Jetzt. Ich mache weiter wie bisher, mit dem Unterschied, dass ich mir noch mehr bewusst bin, dass alles unsicher ist. Alles. Das ist JETZT nicht schlecht gemeint. Ich denke, es ist sogar gut, sich nicht zu sicher zu sein.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, für jeden ist etwas anderes besonders wichtig. Weil wir anders sind, jeder einzelne für sich und doch ähnlich. Für mich zum Beispiel ist es wichtig Zeit zum Spazierengehen und Malen zu haben. Keinen Schub zu bekommen (Autoimmunerkrankung). Keine Schmerzen zu haben. Und dass es nicht zu heiß ist.

Auf die Zeit wegen, nach, mit covid-19-2 bezogen und was wichtig ist, besonders? Ich denke, wie vorher auch schon, dass wir uns gegenseitig helfen und unterstützen. Einfach ausgedrückt: ich habe 5 Kartoffel und brauche nur 3, daher gebe ich 2 Kartoffel, demjenigen der keine hat. Dafür bekomme ich einen Strauß Petersilie. Ja, ich weiß, ein wenig träumerisch.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

Gesellschaftlich, wäre es nett, wenn sich nicht alle zerfleischen. Okay Scherz beiseite.

Wesentlich ist, dass aus Kunst keine Kunst gemacht wird.

Der Kunst kommt alles zu. Kunst ist für mich Kreativität. Arbeit. Flow. Lächeln, weinen, staunen. Gefühl, Berührung, hinschauen. Wegschauen.

 

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Was liest Du derzeit?

Rechtsextremismus in Österreich nach 1945, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. 5. Auflage. Wien 1981, Österreichischer Bundesverlag.

Hermann Hesse, Die Gedichte, Erster Band, suhrkamp. “Alle Lyrik ist Spiegelung der Welt im vereinzelten Ich, Antwort des Ich auf die Welt, ist Klage, Besinnung und Spiel einer ganz und gar bewußt gewordenen Vereinsamung”

So B. It – Sarah Weeks, Road-Novel, Deutscher Taschenbuch Verlag

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung

Turn the pain into power

Und ja, ohne Enten geht’s nicht

 

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Vielen Dank!

Danke – WTD – What the duck

 

Vielen Dank für das Interview liebe Tanja, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Tanja Salbrechter, Künstlerin

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8.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Für mich ist Ingeborg Bachmann die bekannteste Klagenfurterin. Interessant, dass es kein Ehrengrab hier ist.“ Ronya Othmann, Schriftstellerin_ Stadtschreiberin Klagenfurt _ 15.7.2020

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„Ich bin jetzt seit zwei Wochen in Klagenfurt. Ich gehe gerne schwimmen, war schon öfters beim See, etwa beim Loretto Bad, und bin durch die Stadt gelaufen. Die Stadt und die Nähe zum See ist besonders. In den Parkanlagen schätze ich auch die Ruhe. Ich arbeite auch an Gedichten hier“

 

Wir sind am Weg zum Friedhof Annabichl und dem Grab von Ingeborg Bachmann.

 

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„Erinnerung hat immer mit Geschichtsschreibung zu tun. An wen und was erinnert man? Erinnern ist immer politisch. Ich beschäftige mich in meinen Texten etwa mit dem Erinnern im Zusammenhang der Kulturen der Jesiden, Armenier und der Shoa.

Erinnern ist ein Prozess, der Orte und Menschen einbezieht. Viel bleibt vor Ort ungesagt, verdrängt, vergessen“

 

 

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(Mahnmal _Den Opfern für ein freies Österreich – Friedhof Annabichl)

 

„Schreiben als Frau?

Ich wurde zum Beispiel oft gelobt, dass mein Deutsch so gut ist, aber ich bin in Deutschland aufgewachsen. 

Wir leben in einem Patriarchat. Bücher von Frauen werden seltener rezensiert, bekommen weniger Aufmerksamkeit, werden anders rezensiert…

Man kann die Situation nicht ändern, sich höchstens wehren, verweigern“

 

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(Grab der in Klagenfurt geborenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann 1926 – 1973;  Friedhof Annabichl)

 

„Ein relativ schlichtes Grab. Ich finde es cool, dass es ein normales Grab ist, dachte ja auch Ingeborg Bachmann wäre in Rom begraben. Es ist kein Tempel – das weist auf die Wichtigkeit von Texten hin. Das ist ja das Wesentliche“

„Zu Gräbern zu gehen, wenn man die Person nicht kennt, ist immer auch merkwürdig. Es hat etwas von „Pilgern“ – erinnert an ein Heiligtum, Gebeine von Heiligen, wie etwa zentrale Heiligtümer in der Jesidischen Religion. 

Ingeborg Bachmann hat für jede Leserin eine andere persönliche Bedeutung, sie ist kanonisiert, Schullektüre, vor allem Lyrik.

Sie ist eine der wesentlichen Autorinnen des 20.Jahrhunderts. Ihre Texte sind präsent“

 

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„Ich bin gegen eine Mystifizierung von Schriftstellerinnen. Es soll um Texte gehen, das „Erschriebene“. Texte sollen als Texte gelesen, nicht nur auf die Person bezogen werden. 

Man schöpft zwar aus seinem Leben aber schreibt ja nicht über sich selber.

Hier in Klagenfurt ist kein Personenkult zu sehen – es ist ein normales Grab von Ingeborg Bachmann.

Interessant, dass es kein Ehrengrab ist. Für mich ist Ingeborg Bachmann die bekannteste Klagenfurterin. Wer bekommt ein Ehrengrab?“

 

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Herzlichen Dank liebe Ronya Othmann für den gemeinsamen Stadtweg auf den Spuren Ingeborg Bachmanns!

 

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Ronya Othmann: Schriftstellerin, Autorin, Journalistin, BKS Publikumspreisträgerin 2019 (Stadtschreiberin Klagenfurt)

https://bachmannpreis.orf.at/v3/stories/2978634/

 

Vielen Dank an die Stadtwerke Klagenfurt für die Bereitstellung eines Gratistickets der öffentlichen Verkehrsmittel!

 

Alle Fotos_Walter Pobaschnig 15.7.2020

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„Wir können mit unserer Kunst die Menschen wieder zum Träumen bewegen“ Melanie Leyendecker, Schauspielerin_ München 17.7.2020

Liebe Melanie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich schlafe jetzt länger, da die Schule später beginnt, also sehr entspannt mit Frühstück mit den Kindern und dann entweder Homeschooling oder Schule/Kindergarten. Danach meditiere ich oder mache Yoga. Dann setze ich mich an den Rechner und schreibe weiter an meinem Projekt und recherchiere den aktuellen Produktionsspiegel und was gerade im TV, Streaming oder Kino läuft.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir aufeinander Acht geben, Respekt haben und Empathie zeigen. Einfach mal versuchen, mein Gegenüber zu verstehen und mich in ihn hineinzuversetzen, höflich sein, freundlich sein. Anderen Erfolge gönnen und sich für sie freuen. Nicht immer nur an sich selbst denken.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

In der Krise zeigt der Mensch sein wahres Ich. Viele haben persönliche Abgründe und Abscheulichkeiten aber auch wundervolle neue Seiten an sich selbst und dem direkten Umfeld erlebt. Wir Künstler können mit all diesen Seiten anfangen zu spielen, sie weiterentwickeln in Zukunftsszenarien, sie neu interpretieren, die Gegenwart neu schreiben und erspielen.

Wir können mit unserer Kunst die Menschen wieder zum Träumen bewegen, sie für eine kurze Zeit aus ihrem anstrengenden, sonderbaren Alltag herausholen und in eine andere Realität versetzen. Sie glücklich machen, zum Nachdenken anregen und den Moment der Realität vergessen lassen. Das ist unsere Aufgabe, das ist unser Talent, deshalb gibt es uns alle.

 

 

Was liest Du derzeit?

„Das achte Leben“ Nino Haratischwili

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wenn Inneres sich bewährt, ist Gutes zu erkennen.

Es ist zu würdigen, von Menschen zu benennen,

ist anwendbar, wie sehr die Menschen widerstreben

Es ist zu achten,

nützt

und ist nötig in dem Leben.

“ Das Gute“ Friedrich Hölderlin

 

Vielen Dank für das Interview liebe Melanie, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Film-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Melanie Leyendecker, Schauspielerin

http://www.melanieleyendecker.com/index.php

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8.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Es obliegt der Kunst neue Systeme zu testen und vorzuleben“ Anna Possarnig, Tänzerin, Performerin_ Wien 16.7.2020

Liebe Anna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Kein Tag gleicht dem anderen, aber das ist wohl eher der Alltag in der freien Szene.

Ich versuche dennoch einen für mich zuträglichen Rhythmus und einen gewissen Rahmen zu etablieren. Tägliches Tanztraining oder Bewegung gehört auf jeden Fall dazu. Außerdem versuche ich jeden Tag etwas von meiner ToDoListe abzuhacken.

Abgesehen davon gönne ich mir gerade viel Zeit mich mit meinen Gedanken und Gefühlen auseinanderzusetzen, mich der Produktivität und dem Leistungsgedanken zu entziehen und Raum für “Normalität” zu schaffen.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Neu zu bewerten.

Die Situation gibt uns die Möglichkeit für einen Moment auszusteigen und den Ist-Zustand von außen zu betrachten. Fehler im System treten zu Tage, sowohl im privaten wie auch im öffentlichen Bereich, und ich würde mir wünschen, wir ergriffen die Chance grundlegende Veränderungen einzuleiten.

 

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Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, dem Film, der Kunst an sich zu?

Es ist an der Zeit unsere gesellschaftlichen Normen neu zu bewerten und neue Formen des Zusammenlebens zu etablieren. Themen wie struktureller Rassismus, Diskriminierung von Minderheiten und Frauen und die ungleiche Verteilung von Wohlstand und Reichtum sind gerade allgegenwärtig und ich sehe die Möglichkeit tatsächliche Veränderung zu initiieren.

Dabei muss obliegt es der Kunst neue Systeme zu testen und vorzuleben. Es wird also nicht nur wichtig werden was die Kunst produziert, sondern auch wie. Außerdem räume ich der Kunst eine wichtige Rolle darin ein den Menschen tiefer zu berühren, als es herkömmliche intellektuelle und logische Prozesse können und ihn so empfänglicher für einen rücksichtsvolleren Umgang mit Menschen und Umwelt zu machen.

 

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 Was liest Du derzeit?

Im Grunde gut” von Rutger Bregman.

Ein Buch auf das unsere Gesellschaft zu lange warten musste und das aktueller nicht sein könnte.

 

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Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“It’s better than sex. Reading delivers the promise that sex raises but hardly ever can fulfil — getting larger cause you’re entering another person’s language, cadence, heart and mind.”

Chris Kraus, I love Dick

 

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Vielen Dank für das Interview liebe Anna, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Tanz-, Performance und Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen

Anna Possarnig, Tänzerin, Performerin, Choreografin

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8.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Geschichten mit Marianne“ Xaver Bayer. Roman. Jung und Jung Verlag.

 

Vom Fenster aus sind die Toten in der Stadt zu sehen. Auf den Straßen. In den Geschäften, Häusern wurden Geiseln genommen. Er ist jetzt mit Marianne in der Wohnung Ihrer Eltern. Gewehre sind auch da. Doch erst wird gekocht. Die Champagnergläser dürfen auch nicht fehlen. Marianne zaubert ein Menü, das sie ihm auf Büttenpapier zur Ansicht reicht. Vom Omelette Tegethoff bis zum Metternich-Pudding. Die Politik der Jahrhunderte am Teller. Dazu Weiß- und Rotweine, Likör, Kaffee und Zigarren. Als die Radetzky-Kipferl drankommen, inspiziert er die Gewehre. Zwei Mannlicher Schönauer Kaliber 6,5×54. Patronen sind auch im Koffer dabei. Sie gehen zum Fenster. Marianne schießt zuerst. Die Polizisten erwidern das Feuer. Marianne bricht zusammen. Dann schießt er in diese Stadt des Todes…

Wenn Marianne zum Zirkus des Grauens will, ist er dabei. Und er bleibt bis zum Schluss. Bis er allein nachhause fährt und zu den Sternen blickt…

Dann im Winter bricht die Versorgung zusammen und alles wird verheizt, was in der Wohnung ist. Alles, bis es kalt und kälter wird…

Geschichten mit Marianne im Wandel, Dunkel der Zeiten…

 

Der österreichische Autor Xaver Bayer legt mit „Geschichten mit Marianne“ einen Roman vor, der in Textstruktur und Inhalt überrascht wie begeistert. Es sind mitreißende storys der beiden Protagonisten, die alle Untiefen und Abgründe modernen Stadtlebens ausloten. Sie haben keine Angst vor der Erfahrungsvielfalt und stürzen sich in diesen Kick ohne Rücksicht auf einen guten Ausgang. Das Jetzt und das Erlebnis. Ein Pärchen wie Pumpkin und Honey Bunny unterwegs als Major Tom zwischen hier und irgendwo. No risk, no fun…

Xaver Bayer ist ein grandios hintergründiger wie mitreißender Erzähler. Er ist der Quentin Tarantino der modernen Literatur.

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„Aufbrüche finden die ganze Zeit statt. Einen Neubeginn gibt es nicht“ Franziska Füchsl, Schriftstellerin_Wien 15.7.2020

Liebe Franziska, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Lieber Walter, wahrscheinlich sehe ich den Ablauf nicht. Am ehesten hat sich einer eingeschlichen in den drei Monaten des ±Runter- und Rauffahrens±. Bin ein Tåppnåchi, eine, die stets zu spät kommt, verhatsch eher die Tage und immer wieder kommt ein »Interg’haschblad«, aus dem mehr wird.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

»Seelsorge und Gleitgel« – habe *anonym um eine Antwort auf diese Frage gebeten.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt gesellschaftlich und persönlich stehen. Was ist dabei wesentlich und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Aufbruch und Neubeginn – da will ich widersprechen… Man kann sich jetzt ganz gut betroffen fühlen, von Verunsicherung und Nicht-Planbarkeit, wirtschaftlichen Tiefen und einmal mehr von einem ziemlich disparaten Europa. Gleichzeitig zeigt sich auch ein beachtlich heiteres Gemüt à la der Virus habe gezeigt, was wirklich wichtig sei: frohgemut, freundlich und genügsam zu sein. Das müsste allein schon deshalb Misstrauen wecken, weil es etwas ist, das sich nur über das Einbleuen transportiert. Aufbrüche finden die ganze Zeit statt. Einen Neubeginn gibt es nicht. Als ließe sich die Kontinuität von Krieg, Hass, intersektionaler Diskriminierung, Klanbildung… links liegen lassen.

 

Was liest Du derzeit?

Irmtraud Morgner: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura.

 

Welches Zitat, welche Textstelle möchtest Du uns mitgeben?

Den Zirkusdirektor amüsierte der Vortrag. Er klatschte, holte zwei Gläser und eine Schnapsflasche aus seinem Schreibtisch und schenkte sich und Beatriz ein. Der Vorgang suggerierte der Trobadora Gewißheit. Nach dem Zuprosten erwartete sie das Engagement. Als der Direktor den Schnaps grimassierend geschluckt hatte, bedauerte er jedoch, Beatriz in ihrem Fach nicht beschäftigen zu können. Alle derzeitigen Programme der einzelnen ihm unterstehenden Zirkusunternehmen wären mit Musikalclownnummern versehen. Auch sonst vollständig. Lediglich eine hochqualifizierte Dresseurin würde ihm fehlen. Unfallhalber. […]

Der Direktor sprach über das Berufsrisiko der Artisten und andere Nachteile, die das Wanderleben mit sich brächte. Beatriz sprach über die Vorteile des Wanderlebens. Da sprang die Klappe zum Luftschacht auf. Der Direktor erschrak. Seltsame Klagelaute waren zu hören. Dann der Satz: »Die Menschen glauben große Wahrheiten eher in unwahrscheinlichen Gewändern.«

aus Irmtraud Morgner: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura.

 

 

Vielen Dank für das Interview liebe Franziska, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schreibprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Franziska Füchsl, Schriftstellerin, 

Foto: Gregor Pirgie

 

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„Ganz nebenbei“ Woody Allen. Autobiographie. Rowohlt Verlag

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„Für Soon-Yi, die Beste.

Sie fraß mir aus der Hand,

und plötzlich fehlte mir der Arm.“

 

Mit dieser Widmung beginnt Woody Allen (*1935 New York), Regisseur und Drehbuchautor, Schauspieler, Komiker und Hobby Musiker, über zwanzigmal für den Oscar (begehrtester Hollywood Filmpreis) in Regie und Drehbuch nominiert und vierfacher Gewinner, seine Autobiographie. Wie sein beeindruckendes und bahnbrechendes Werk moderner Filmgeschichte in hintergründigem Humor und Gesellschaftskritik, weist auch dieser Dreizeiler auf die Grundfragen menschlichen Seins in Leben, Liebe und Verschwinden (Tod) hin, die Woody Allens Kunstschaffen kennzeichnen. Das Öffnen der Hand und das Verlieren derselben in Zuneigung und reißendem Gefühlsstrom ist gleichsam ein poetisches Resümee eines Lebens, das nie den Anspruch auf Verstehen aber immer auf das Bemühen desselben aufweist. Und es ist eine Ode an seine Frau Soon-Yi und ihres gemeinsamen Weges.

Allen beginnt seine langerwartete Autobiographie wie seine Filme mit einem direkten Sprung in das Geschehen eines Lebens und dessen Geschichten und Umfeld. Der Vater als Soldat und Frankreich und dessen langes Leben mit „Silberschopf und Augen eines Adlers“. Der Großvater ein erfolgreicher Handelsvertreter für ein Kaffeeunternehmen, der dann auch ein Kino, Theater kauft und sich der Welt der Kunst zuwendet während auch Kugeln in den 1930er Jahren durch die Straßen New York flirren. Der Vater wird Augenzeuge eines Attentats im Milieu und erzählt dann dem Sohn vorm Einschlafen davon. Dieser beginnt mit dem Lesen erst richtig in der highschool als die Welt der Frauen sich öffnet. Mit dem Wort kommt die Reflexion, der Zweifel wie der Anspruch sich diesem zu stellen – „Mit den Jahren wurde mir dann immer klarer, dass das Leben nicht bloß kurz ist, sondern obendrein auch sinnlos“. Das Leben im Blitzlicht des unverfügbaren Augenblicks. Die Kunst wird zum Ausdrucksmittel der Fragen zu Höhepunkten und Abgründen eines Lebens. Und damit nimmt es kein Ende mit offenen Augen und Gedanken…

 

Woody Allen legt eine Autobiographie, die zahlreiche Zugänge zu Leben und Werk öffnet. Der begnadete Drehbuchautor und Regisseur ist auch im Schreiben, Erzählen eine Ausnahmeerscheinung und versteht es in außerordentlicher Weise das feine und undurchschaubare Gewebe eines Lebens in Zeit und Raum darzustellen. In Witz, Ironie und einer Rasanz, die wiedergibt, dass das Leben dem Denken immer vorausbleiben will (muss).

 

„Eine Autobiographie, die von der Kunst des Erzählens und des Fragenstellens lebt und in diesem Ansatz wie ein Film mitreißt und begeistert“

 

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„Wenn ein Kartenhaus zusammenbricht, wird es anders wiederaufgebaut“ Alexander Peer, Schriftsteller_Wien 14.7.2020

Lieber Alexander, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Der grobe Tagesablauf hat sich durch Corona nicht wesentlich verändert. Es sind ein paar Auftragsarbeiten weggefallen, dadurch habe ich mehr Zeit und Aufmerksamkeit für das Stöbern in älteren Materialien. Es sammelt sich ja bei jedem viel an – ob das Fotos, Filme oder eben Texte oder mehr Fragmente sind – da gehe ich einiges durch, was mich auch froh macht. Selbst wenn es nicht drängend so sein sollte, dass jedes Fragment mehr als ein Fragment sein muss, manchmal reicht ja genau das, dass sich ein Satz oder eine Beschreibung, eine Argumentation ergibt. Ich hoffe immer wieder darauf, dass genau diese Notizen woanders hinführen, nicht zur Verzettelung, aber zu den wesentlicheren Texten (zumindest für mich selbst ‚wesentlicher‘).

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich habe einen Essay mit dem Titel „Die Eule der Minerva“ geschrieben, in dem es u.a. um die Erkenntnisse geht, die genau in der Dämmerung möglich sind. Der Flug dieses Symboltiers der Göttin der Weisheit erfolgt, wenn die Sicht nicht klar ist. Wenn ein Kartenhaus zusammenbricht, wird es anders wiederaufgebaut. Mit anderen, ebenso fragilen Baumaterialien vermutlich. Bei Antonio Gramsci findet sich dieser Gedanke zum Übergang, dass „das Alte stirbt, das Neue jedoch noch nicht zur Welt kommen kann.“ Daraus kann man ableiten, die Beurteilung dessen, was stattfindet – die permanent eingefordert wird – hindert auch daran, einigermaßen vorurteilsfrei das Beobachten zu wahren. Was auf der sehr individuellen Ebene deutlich wird, ist die Botschaft, kümmere dich um deine persönlichen Angelegenheiten – eine Botschaft, die jede Krise mitteilt, umso stärker, wenn die Krise eine kollektive ist. Auf der sozialen Ebene stellen sich viele Fragen jetzt ebenfalls deutlicher – es wäre eine gute Chance, den ökologisch-sozialen Wandel zu forcieren. Ganz praktisch gedacht: Wenn es beispielsweise eine Sanierungsmilliarde gibt, dann ist die etwas eingeschlafene Sanierungsbereitschaft gefestigt und Wohnräume werden behaglicher und zukunftstauglicher. Viele ähnliche Beispiele lassen sich leicht finden zu Verkehr, Arbeit usw. Auf europäischer Ebene ist eine einheitlichere Gesundheits-, Sozial- und Fiskalpolitik wünschenswert – leichter gelänge dieser Wandel bestimmt dann, wenn die EU-Politiker sich mehr von ihren nationalen Parteien emanzipieren würden.

Ich möchte das Interview nutzen, um genau auf diese soeben publizierte, sehr anregende Anthologie mit dem Essay „Die Eule der Minerva“ zu verweisen: NOTFALL: COVID-19 im Löcker Verlag http://penclub.at/blog/2020/05/19/notfall-covid-19/

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die fünfte Gewalt im Staat, die Kunst, kann sich jetzt profilieren. Denn in einer Epoche der Verwirrung braucht es Fantasie, Verdichtung und geistige Wendigkeit. Jede Kunstdisziplin fördert diese Qualitäten, so sehr sich die formalen und inhaltlichen Mittel auch unterscheiden mögen. Die Literatur nährt den Mut sich das anzusehen, was man nicht ansehen oder benennen will. Sie hilft das grundsätzliche ‚Unbehagen in der Kultur‘ besser zu meistern und ist der geistige Schutzraum in neoliberalen und autoritären Zeiten (beide Adjektive sind mit Vorsicht zu genießen, da sie inflationär verwendet werden – es erstaunt jedoch schon, dass gerade in Zeiten der Irritation wie 2008 und jetzt durch die Pandemie oft auch von sehr marktgläubigen Interpreten der starke Staat gefordert wird). Auf der Ebene der Weitsicht hilft jede Schulung der Sprachmächtigkeit, wenn ich etwa Pandemie und Pandeismus gegenüberstelle. So allgegenwärtig wie Corona war weltweit im letzten Jahrzehnt kaum ein Thema – bestenfalls vielleicht eine Fußball-WM (selbst da gibt es noch die völlig Uninteressierten, die sich allerdings auch abgrenzen müssen und somit marginal das Thema streifen), und mit erstaunlicher medialer Präsenz die „Fridays for future“-Aktionen zum Klimawandel (wäre das mit den ersten Berichten des „club of Rome“ in den 70er Jahren passiert, wer weiß, wo wir da schon wären!). Die Literatur ist nicht unbedingt sozial in einem Sinn Dostojewskijs, dass ich nach der Lektüre ein sozialer agierender Mensch bin, aber sie ist sozial, weil sie die eigenen Fragen mit den allgemeinen Fragen verbindet und das ist für jede massive Veränderung zentral. Die Besonderheit der Pandemie ist es, dass jeder Mensch gefordert ist, eine Position dazu zu entwickeln – im Sinne einer Demokratisierung und Stärkung der Zivilgesellschaft erscheint mir das förderlich.

 

Was liest Du derzeit?

Ich lese in den letzten Wochen viel, auch deshalb, weil etwa Schreibseminare ausgefallen sind, die ich „normalerweise“ im Sommer halte. Das ist ein ziemlich weites und buntes Feld: Lettre international, öst. Gegenwartslit. (immer auch KollegInnen und Kollegen – manchmal auch eine Art Nachholen wie zuletzt Menasses „Die Hauptstadt“ oder auch Unbekannteres wie Dieter Sperls „Random Walker“, Lazars „Leben verboten!“ und dazwischen viele Gedichte, dann wieder Fachbücher zur Neurologie oder auch Essays – aus arbeitstechnischen Gründen, etwa wieder Abhandlungen zur Bedeutung der Geschichte sowie regional zu Südafrika und Namibia, diese Länder spielen für eine Erzählung eine Rolle, die gerade im Entstehen ist – das alles Lektüren der letzten Woche)

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich habe hier nichts verloren, deshalb muss ich suchen.

(aus meiner wachsenden Aphorismen-Sammlung; ich weiß, wer heute noch Aphorismen verfasst, kann leicht als eitel oder elitär betrachtet werden, doch die Zugkraft eines prägnant formulierten Gedankens ist in Zeiten der Über-Information und Textflut wichtiger denn je, zudem: mit dem Paradoxon lassen sich viele Denkräume öffnen)

 

Vielen Dank für das Interview lieber Alexander,  viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schreibprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Alexander Peer Schriftsteller

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Foto: Michael Winkelmann

6.7.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Geheime Quellen“ Donna Leon. Roman. Diogenes Verlag.

„Geheime Quellen“ Donna Leon. Roman. Diogenes Verlag

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Ein heißer Sommertag im Juli. Das glühende Weiß der Sonne und jenes des Pflasters, darauf die Schritte der beiden Commissarii Claudia Griffoni und Guido Brunetti zum Ponte dei Lustraferi führen. Als sie bei der Brücke angekommen sind, bleiben sie plötzlich stehen, gebannt vom Blick auf das Reinigungsschiff, das eine schwarze Masse an Schlamm aus dem Kanal hervorhebt. Ein großer kostenintensiver und technischer Aufwand, der hier von der Stadt betrieben wird. Und das Dunkle, Schwere aus der Tiefe ist auch eine Symbolik, die beide an das Leben und dessen Abgründe erinnert. Ist nicht ihr Beruf ähnlich diesem Bagger, der im Schlamm wühlt, hebt und ans Licht bringt? Still gehen sie weiter…

Als sie im Polizeibüro angekommen sind, läutet das Telefon. Eine Ärztin aus dem Hospiz de Ospedale Fatebenefratelli berichtet von einer Patientin, die im Sterben liegt und nicht einen Priester sondern die Polizei sprechen will. Griffoni macht sich auf den Weg. Vorbei an dem Baggerschiff, dass die schwarze feuchte Masse aus der Tiefe gerade verlädt. Lange blickt Griffoni hin. Ist es im Leben und am Ende des Lebens nicht auch so? Das Schwarze kommt hervor und das letzte (Lebens)Licht ringt damit?

Griffoni sollte Recht behalten. Und jetzt beginnt der Blick in die Tiefe zur dunklen Last des schweren (Mit)Wissens…

 

Bestsellerautorin Donna Leon legt mit „Geheime Quellen“ den neunundzwanzigsten Commissario Brunetti Fall vor und es ist ein sehr gefühlvoller Roman, der Leserin und Leser in das fein Gewobene eines Lebens in Licht und Dunkel sehr poetisch und spannungsgeladen mitnimmt. Die Autorin ist eine Meisterin der Sprache und findet in diesem Roman zu einem weiteren Höhepunkt.

 

„Ein Roman, der Leben, Schuld und Tod spannungsgeladen verbindet“

 

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