„Für mich ist Ingeborg Bachmann die bekannteste Klagenfurterin. Interessant, dass es kein Ehrengrab hier ist.“ Ronya Othmann, Schriftstellerin_ Stadtschreiberin Klagenfurt _ 15.7.2020

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„Ich bin jetzt seit zwei Wochen in Klagenfurt. Ich gehe gerne schwimmen, war schon öfters beim See, etwa beim Loretto Bad, und bin durch die Stadt gelaufen. Die Stadt und die Nähe zum See ist besonders. In den Parkanlagen schätze ich auch die Ruhe. Ich arbeite auch an Gedichten hier“

 

Wir sind am Weg zum Friedhof Annabichl und dem Grab von Ingeborg Bachmann.

 

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„Erinnerung hat immer mit Geschichtsschreibung zu tun. An wen und was erinnert man? Erinnern ist immer politisch. Ich beschäftige mich in meinen Texten etwa mit dem Erinnern im Zusammenhang der Kulturen der Jesiden, Armenier und der Shoa.

Erinnern ist ein Prozess, der Orte und Menschen einbezieht. Viel bleibt vor Ort ungesagt, verdrängt, vergessen“

 

 

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(Mahnmal _Den Opfern für ein freies Österreich – Friedhof Annabichl)

 

„Schreiben als Frau?

Ich wurde zum Beispiel oft gelobt, dass mein Deutsch so gut ist, aber ich bin in Deutschland aufgewachsen. 

Wir leben in einem Patriarchat. Bücher von Frauen werden seltener rezensiert, bekommen weniger Aufmerksamkeit, werden anders rezensiert…

Man kann die Situation nicht ändern, sich höchstens wehren, verweigern“

 

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(Grab der in Klagenfurt geborenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann 1926 – 1973;  Friedhof Annabichl)

 

„Ein relativ schlichtes Grab. Ich finde es cool, dass es ein normales Grab ist, dachte ja auch Ingeborg Bachmann wäre in Rom begraben. Es ist kein Tempel – das weist auf die Wichtigkeit von Texten hin. Das ist ja das Wesentliche“

„Zu Gräbern zu gehen, wenn man die Person nicht kennt, ist immer auch merkwürdig. Es hat etwas von „Pilgern“ – erinnert an ein Heiligtum, Gebeine von Heiligen, wie etwa zentrale Heiligtümer in der Jesidischen Religion. 

Ingeborg Bachmann hat für jede Leserin eine andere persönliche Bedeutung, sie ist kanonisiert, Schullektüre, vor allem Lyrik.

Sie ist eine der wesentlichen Autorinnen des 20.Jahrhunderts. Ihre Texte sind präsent“

 

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„Ich bin gegen eine Mystifizierung von Schriftstellerinnen. Es soll um Texte gehen, das „Erschriebene“. Texte sollen als Texte gelesen, nicht nur auf die Person bezogen werden. 

Man schöpft zwar aus seinem Leben aber schreibt ja nicht über sich selber.

Hier in Klagenfurt ist kein Personenkult zu sehen – es ist ein normales Grab von Ingeborg Bachmann.

Interessant, dass es kein Ehrengrab ist. Für mich ist Ingeborg Bachmann die bekannteste Klagenfurterin. Wer bekommt ein Ehrengrab?“

 

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Herzlichen Dank liebe Ronya Othmann für den gemeinsamen Stadtweg auf den Spuren Ingeborg Bachmanns!

 

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Ronya Othmann: Schriftstellerin, Autorin, Journalistin, BKS Publikumspreisträgerin 2019 (Stadtschreiberin Klagenfurt)

https://bachmannpreis.orf.at/v3/stories/2978634/

 

Vielen Dank an die Stadtwerke Klagenfurt für die Bereitstellung eines Gratistickets der öffentlichen Verkehrsmittel!

 

Alle Fotos_Walter Pobaschnig 15.7.2020

https://literaturoutdoors.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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