„Einer Geschichte aufmerksam zuhören, mitfühlen und seine eigene Wahrheit danach überdenken“ Karoline Troger, Schauspielerin _ Schwaz/T 15.5.2022

Liebe Karoline, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nach dem Aufstehen ist erst mal Yoga an der Reihe. Falls ich zu spät dran bin wird im Notfall nur kurz gedehnt. Dann geht’s ab ins Bad und anschließend genieße ich ein richtig tolles Frühstück. Wenn es um´s Frühstücken geht, ist bei mir jeden Tag Sonntag.

Um 09:00 Uhr findet dann schon die erste von zwei Vorstellungen im Theater statt. Momentan bin ich Teil des Kinderstückes beim Theaterfestival Steudltenn. Am Nachmittag habe ich dann Zeit um Emails zu beantworten, zu planen, zu organisieren und das Wichtigste: einen Kaffee zu trinken. Und dann versuche ich, vollgepumpt mit Koffein, noch Text für die nächste Produktion zu lernen, bevor ich langsam auf Feierabendmodus umschalte.

Karoline Troger, Schauspielerin, Sängerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht vergessen zu atmen und das zu machen was uns guttut. Damit meine ich aber nicht unbedingt dem inneren Schweinehund nachzugeben, denn manchmal kann „guttun“ auch bedeuten aus unserer Komfortzone herauszugehen, auf andere Menschen zuzugehen oder etwas Neues auszuprobieren. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich habe mal gelesen, dass jeder Mensch, egal in welcher geschichtlichen Epoche, den Eindruck hat in einer Zeit zu leben, die die größte Veränderung für die Menschheit bringt. Wahrscheinlich stimmt das sogar, da sich alles immer im Wandel befindet und nichts stehen bleibt. Jeder Mensch versucht in diesem Strom der Neuerung sein Leben irgendwie zu meistern und dabei entstehen so viele spannende Lebensgeschichten. Meiner Meinung nach geht es im Theater und in der Kunst darum diese Geschichten zu erzählen und damit für einen Moment die Perspektive des Publikums zu wechseln. Eintauchen in eine womöglich völlig neue Sichtweise. Einer Geschichte aufmerksam zuhören, mitfühlen und seine eigene Wahrheit danach überdenken- das sind Schritte, die unsere Gesellschaft sehr weit führen könnten.

Was liest Du derzeit?

Woman code von Alisa Vitti

Darum geht es um den weiblichen Zyklus und die Kraft, die darin steckt. Ich kann dieses Buch jeder Frau empfehlen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen. Konfuzius

Vielen Dank für das Interview liebe Karoline, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Karoline Troger, Schauspielerin, Sängerin

https://www.karolinetroger.de/

Foto_Camilo Linares

11.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Gestern war der Abend sonnenhell“ Ursula Maria Wartmann, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance – Dortmund 15.5.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gestern war der Abend sonnenhell

In den Wäldern lag die Division

Violetter Käfer im Unterholz

Enterte Stämme der Birken die Bauten der Biber am Fluss.



Pausenloses Marschieren. Kolonnen.

Eine im Schweigen beschuppte oder

Auch: in hartem Glanz gepanzerte

Corona der kalten Entschlüsse:

Ende heißt Sieg heißt Vernichtung.



Aufgaben, diverse, stehen auf dem Weg dorthin an.



Chlorophyll der Blätterdächer

Hibiskus. Blüten. Früh

Am Tag junge Männer verwundet

Narkotisiert vom Rauschen der Wolken den

Chorälen dem stillen Duft des

Erinnerns, dunkel, an die sanfte Schönheit der Welt.

Ursula Maria Wartmann, 6.5.2022

Ursula Maria Wartmann, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Ursula Maria Wartmann, Schriftstellerin

https://www.ursula-maria-wartmann.de/

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 6.5.2022

https://literaturoutdoors.com

„Gott. Eine Anatomie“, Francesca Stavrakopoulou. Piper Verlag

„Denken Sie mal zurück. Wann sind sie das erste Mal mit einer Bibel in Berührung gekommen?“  so eröffnet Francesca Stavrakopoulou, Professorin für hebräische Bibelgeschichte und Antike Religionen an der Universität Exeter/GB ihr Buch zur Thematik des Verständnisses „des göttlichen Körpers im Wandel der Zeit“ im Judentum und Christentum.

Die renommierte Wissenschaftlerin verbindet in ihrer religionsgeschichtlichen Darstellung einen sehr anschaulichen, unmittelbaren Zugang zu Wahrnehmung und Erfahrung von Gottesbildern in Leben und Gesellschaft mit dem neuesten Forschungsstand der Religionswissenschaft und Theologie.

Das Buch gliedert sich in fünf Kapitel, die nach der Körperanatomie in Füße und Beine, Genitalien, Torso, Arme und Hände wie Kopf göttlicher Darstellung in der Bibel wie religiöser Tradition strukturiert sind. Dies weist auch auf den ganzheitlichen theologischen und traditionsgeschichtlichen Ansatz des Buches hin, der das Gottesbild in seiner Gesamtheit und seinem Wandel in Zeit und Gesellschaft darstellt. Dabei kommen sehr viele interessante Perspektiven ans Licht und es gelingt eine spannende theologische Reise in Vergangenheit und Gegenwart, die außergewöhnlich ist.

Hervorzuheben ist auch der sprachliche Stil, der eine sehr flüssige und einladende Lesbarkeit erzeugt und auch komplexe theologische Zusammenhänge sehr gut veranschaulicht.

„Ein Buch, das Gott in bestem Sinne auf die Füße stellt und viele spannende Einblicke und Erkenntnisse zu Mensch, Religion und Gesellschaft bietet“

Walter Pobaschnig 5_22

https://literaturoutdoors.com

„Ruhm kommt mit einer großen Bürde“ Irina Imb _Schauspielerin_ 40.Todesjahr Romy Schneider _ Wien 15.5.2022

Irina Imb _Schauspielerin, Make-Up Artist _Wien
_ reenacting Romy Schneider

Liebe Irina, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?

Meine ersten Berührungspunkte mit Romy Schneider waren, wie bei den meisten in meinem Alter denke ich, die Sissi Filme im ORF. Ich kann jetzt nicht mehr sagen wie alt ich damals gewesen sein werde. Aber es war die Zeit zu der ich mit meiner Mutter recht viele von den österreichischen Filmen auf ORF2 geschaut habe. Günther Phillip, Peter Alexander und dann eben Romy Schneider.

Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?

Da kenne ich leider zu wenige.

Gab es Berührungspunkte zu Werk und Leben Romy Schneiders in Deinen bisherigen Schauspiel-, Kunstprojekten?

Nicht wirklich.

Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Leben und Schauspielberuf bei Romy Schneider an sich?

Es ist mittlerweile besser, aber Romy Schneider lebte noch in einer Zeit wo vor allem Schauspielerinnen, als öffentliches Gut angesehen wurden. Es besserte sich in den letzten Jahren immens das Verständnis dafür, dass es am Ende des Tages auch nur Menschen sind. Leider sind wir noch weit vom Ideal entfernt.

Ruhm kommt mit einer großen Bürde.
Wenn ich Sie in Interviews sehe in den späteren Jahren, finde ich sieht man enorm, wie Ihr das zusetzt.

Ich kann mir gut vorstellen, dass der Umzug nach Frankreich auch eine Art war sich ihr Leben ein Stück weit zurückzuholen.

Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Schauspielberuf?

Ich kann mir vorstellen, dass es eine gute Entscheidung war das Land zu verlassen, um sich schauspielerisch neu erfinden zu können.

In Österreich und Deutschland war sie Sissi. Und wenn sie es nicht war, war Sie es aber dann halt doch irgendwie doch.
Wie lange war Matthew McConaughey ein Star für Liebeskomödien und wurde als Schauspieler für ernste Rollen ignoriert.


Sobald man für Leute mal in einer Schublade ist, ist es gar nicht so leicht da wieder herauszukommen. Ein Neustart ist da vielleicht eine ganz gute Möglichkeit.

Was kann eine junge Schauspielerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?

Den eigenen Weg zu gehen. Auch wenn es beängstigend ist und man auf viel Widerstand trifft. Tu was du liebst, dann ist es nie falsch.

Gibt es etwas typisch Wienerisches bei Romy Schneider?

Das kann ich nicht sagen.
Dafür „kenne“ ich sie zu wenig.

Du bist in Wien aufgewachsen. Was bedeutet Dir Wien und welche Erfahrungen hast Du hier im Schauspielberuf gemacht?

Wien ist und bleibt für mich Heimat. Ich kann mir gut vorstellen in meinem Leben noch auszuwandern und woanders zu leben, doch ich glaube am Ende wird mich mein Weg immer wieder zurück nach Wien führen.

Wir haben in Wien auch viel Kreatives, Talente, leider fehlt hier aber oft das Budget, wodurch wir im internationalen Vergleich leider manchmal ein bisschen hinterherhinken. Aber es gab in den letzten Jahren so viele schöne Projekte, fern von Kommerz und mit viel Einfluss unserer ganz eigenen Erzählweise.

Wie siehst Du die Möglichkeiten als junge Schauspielerin in Wien/Österreich?

Schauspieltechnisch könnte man wo anders sicherlich bessere Chancen haben. Wien ist dann im Vergleich halt doch ein Dorf. Und wie man auch bei Romy Schneider sieht, sind Schauspielerdynastien keine Seltenheit. In Österreich lebt ein Großteil der Kunst von Förderungen und es ist nicht selten der Fall, dass Förderungen nur im Zusammenhang mit namhaften Schauspielern vergeben werden. Ich denke in diese Welt mal einen Fuß zu bekommen ist nicht leicht. Aber Hartnäckigkeit kann sich auszahlen. Ich denke es geht darum wie viel man bereit ist, zu geben.

Was wünscht Du Dir für den Schauspielberuf?

Ich hoffe, dass sich in Zukunft für kleinere Projekte auch Aufmerksamkeit und Geld finden lässt.

Vielfalt in jederlei Hinsicht.

Was sind Deine kommenden Projekte?

Mein nächstes Projekt ist kein Schauspielerisches. Ich habe vor mit einem Freund ein Lokal aufzusperren. Es soll auch ein Ort für Kunst, Kultur und Diversität werden.
Aber ich möchte mich auch in Zukunft weiterhin künstlerisch betätigen, vielleicht in ein paar eigenen Projekten.

Was möchtest Du Schauspielstudent*innen mitgeben?

Das ist schwer zu sagen, ich sehe mich selbst nicht wirklich in einer Position Ratschläge zu geben.

Ich denke in diesem Beruf ist es wichtig, sich nicht so ernst zu nehmen.

Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?

Am schönsten würde ich einen zwanglosen Gedankenaustausch finden. Ganz ohne Erwartungen. Zwei Leute, die sich unterhalten.

Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Schneider Achrostikon bitten?

Relevant

Outstanding

Marvelous

Youthful

Irina Imb _Schauspielerin, Make-Up Artist _Wien

Vielen Dank, liebe Irina, viel Freude und Erfolg für alle Projekte!

40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Irina Imb _Schauspielerin, Make-Up Artist _Wien

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_20.2.2022

Hotel am Stephansplatz_Wien

https://literaturoutdoors.com

Walter Pobaschnig 2_22

„wie mit dem erleben von ohnmacht umgegangen wird“ Benedikt Steiner, Dichter & Künstler _ Wien 14.5.2022

Lieber Benedikt, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

vormittags und bis in den früheren nachmittag hinein arbeite ich jeweils an unterschiedlichen texten und projekten. meist entwickle ich mehrere texte gleichzeitig. sei es für einen auftrag, für eine lesung oder als schreibübung für mich selbst, um in den tag zu kommen. zwischendurch arbeite ich auch an übersetzungen und text-dialogen mit befreundeten dichter:innen, tatsächlich eine meiner liebsten tätigkeiten und eine ganz eigene form des austauschs. an jedem zweiten nachmittag hole ich meine tochter vom kindergarten ab, danach gehen wir je nach wetter raus zum spielen, treffen freunde oder gehen zu mir nach hause. derzeit leite ich zudem jeden zweiten dienstagnachmittag eine schreibwerkstätte mit pensionist:innen – das sind jedes mal sehr bereichernde und lebendige stunden.

Benedikt Steiner, Dichter & Künstler 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

vor- und nachsicht im miteinander, geduld und liebevolles, aufmerksames zu- und hinhören – nach außen wie auch nach innen. zudem glaube ich, dass es wichtiger denn je ist, im kleinen und bei uns selbst zu beginnen, frieden zu stiften. seit geraumer zeit lasse ich mich daher von der frage „wo stiftest du frieden?“ begleiten.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

ich glaube fest, dass kunst und literatur uns dabei unterstützen können, unsere vorstellungskraft lebendig zu halten; unsere fantasie und unser potential, utopien zu denken und widersprüche auszuhalten. literatur erzählt und schafft bzw. vermittelt dadurch erst welt(-en). kunst vermag es, unsere seh-, hör- und fühlgewohnheiten zu irritieren. zwei wichtige aspekte, wenn es darum geht, in bewegung zu kommen bzw. zu bleiben und wach zu sein für die uns umgebenden welten und die welten in uns.

zudem glaube ich, dass alle sich in zukunft die frage, „wie wollen wir leben“, noch viel intensiver werden stellen müssen und den darauf gefundenen antworten auch taten folgen sollten. ich würde sagen, im alltag lassen sich gewisse antworten vergleichsweise einfach leben, sobald die macht der gewohnheit durchbrochen ist. doch im großen bedingt dies auch eine politik, die gehör für die neu gefundenen antworten einer gesellschaft hat und keinen aufwand scheut, um auch im sinne dieser gesellschaft zu handeln. denn nur so fühlen sich menschen gehört und ernstgenommen und bleiben nicht ohnmächtig und mit dem gefühl, nichts bewirken zu können, zurück. ich meine, eine hauptursache für lethargie, unfrieden und gewalt in allen formen, im kleinen wie auch im großen, ist ohnmacht. also das erleben von kontrollverlust, von nicht-gehörtwerden und von der unwirksamkeit eigener handlungen mit damit einhergehenden gefühlen der sinn- und ausweglosigkeit. natürlich kommt es trotz allem auch darauf an, wie mit dem erleben von ohnmacht umgegangen wird. manchmal gilt es sie vorerst vielleicht auch einfach auszuhalten, bis veränderung möglich wird.

Was liest Du derzeit?

architectures of healing (david bergé, milica ivić, antigone samellas, valentina karga), das primat der wahrnehmung (maurice merleau-ponty), wie zusammen leben (roland barthes), wir zukunftslosen (johannes siegmund).

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„der mensch steht der welt nicht gegenüber, sondern ist teil des lebens, in dem die strukturen, der sinn, das sichtbarwerden aller dinge gründen.“ (das sichtbare und das unsichtbare, maurice-merleau ponty)

Vielen Dank für das Interview lieber Benedikt, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Benedikt Steiner, Dichter & Künstler 

Foto_Romina Achatz.

29.4.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Geborgt nur war die stille Zeit“ Tina Schlegel, Schriftstellerin – Give Peace A Chance _ Unterallgäu 13.5.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Geborgt nur war die stille Zeit

In der töricht wir uns sicher glaubten

Voller Hoffnung auf die schöne Dauer

Endlos langen Lichtes vor der Nacht.



Prachtvoll bleibt der Trost der blauen Stunde

Ewigkeit für einen kühnen Augenblick.

Auf mäanderndem Goldgelb am Horizont

Choräle aus Rosarot und dunklem Blau

Elegisch-stolze Abschiedsdramaturgie.



Aber irgendwo muss Hoffnung sein.



Cerberus ruht am Rand der alten Welt,

Hält geduldig Wache dort zur Nacht

Am Ende des uns einst geliehenen Glücks

Neigt er sein Haupt, lauscht den fernen

Celloklängen und barmherzig seufzt er:

Es ist geöffnet, Freunde, tretet ein.


Tina Schlegel, 3.5.2022

Tina Schlegel, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Tina Schlegel, Schriftstellerin

https://tinaschlegel.de/

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 3.5.2022.

https://literaturoutdoors.com

„dass sich selbst Gutes zu tun auch Gutes ins Allgemeine, ins Viele, einspeist“ Iris Julian, Performance Künstlerin_Wien 13.5.2022

Liebe Iris, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich mag das Adverb „jetzt“ in Deiner Frage – es lässt mich fragen wieviel Zeit „jetzt“ umspannt. Diese Woche? Dieser Monat? Dieses Jahr? Soll ich einen bestimmten Tag in meinem Leben auswählen? Oder eine Zusammenfassung bilden? Ich habe mich für die zweite Möglichkeit entschieden: Jetzt stehe ich morgens auf und mache ein bestimmtes körperliches Training, wobei ich bewusst mit meinem Geist experimentiere. Welche Bewegungen kann ich vor dem Ausführen genau visualisieren? Von welchen Bewegungen habe ich keine genaue physische Vorstellung? Im Anschluss, natürlich, eine schöne Tasse Kaffee und damit mache ich mich an die englische Übersetzung meines PhD. Im Zuge dieser Arbeit traf ich – purer Zufall – einen Lektor, den mir Scribendi (Native Check) zuwies. Wir kommunizieren über Scribendi, ich kenne seinen Namen nicht und dennoch wird aus seinen mitunter scharfen, immer präzisen, Anmerkungen ein Dialog, der uns über den Atlantik hinweg verbindet.

Iris Julian_Performance Künstlerin, Kulturwissenschafterin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Was für uns alle wichtig ist, kann ich nicht sagen. Für „uns“ zu sprechen, Plural zu sein, das ist eine Geste aus dem Bereich der Politik, die sich durch das Sprechen einer Stimme für viele auszeichnet. Stattdessen möchte ich fragen, wie andere das Verhältnis von Einem und Vielen, Singular und Plural, denken: Neben meiner Beschäftigung mit westlichen Philosoph*innen insbesondere der politischen Philosophie, die versucht Vielheit und Singularität zu denken, habe ich in der Zeit des Lock-Downs begonnen, mich mit buddhistischen philosophischen Ansätzen zu auseinanderzusetzen. Dort findet sich ebenfalls die Idee, dass wir immer bereits am Mit-Sein partizipieren. Vielleicht ließe sich daraus schließen, dass sich selbst Gutes zu tun auch Gutes ins Allgemeine, ins Viele, einspeist.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz/Theater, der Kunst an sich zu?

Welche Rolle und Erwartungen von der Gesellschaft an den Tanz (Anm.: mein Fokus ist zeitgenössischer Tanz und Performance Arts) herangetragen werden, lässt sich gegenwärtig kaum sagen. Vor 10 Jahren dachte man noch, dass Tanzperformances und das Theater sich gänzlich konzeptuellen und experimentellen Zugangsweisen zuwenden würden, also eine totale Loslösung von bisherigen Traditionen im Theater. Momentan scheint eher das Gegenteil der Fall. In Anbetracht unserer prekären Lebenssituation überträgt sich die Sehnsucht nach Sicherheit auch auf ästhetische Bereiche, das heißt Rückkehr zu traditionellen Formaten. Ich denke übrigens, dass das Prekärwerden von Lebensbedingungen bereits eine viel längere Entwicklung ist, die erst jetzt – vor Pandemie und Krieg – sichtbar wird. Lohnerhöhungen hinken Teuerungen seit langem hinterher. Meine Vision sind Lohnerhöhungen und Kampf der Ausbeutung, damit die Gesellschaft transparent bleibt. Was das Theater meiner Meinung leisten kann – durch alle Zeiten – ist das Einüben in ein Miteinander. Das liegt in der Natur der Sache: Für ein Stück (selbst ein Solo), bedarf es vieler Mitwirkender. Einüben ins Miteinander heißt auch mit Kritik umgehen zu lernen und selbst Kritik zu üben – wohlbemerkt – auf eine produktive Weise. Am zeitgenössischen Theater faszinieren mich Techniken, die für ein Miteinander-Sein entwickelt wurden, egal ob für den Auftritt auf der Bühne oder auch hinter den Kulissen, ich denke etwa an Feedback Sessions.

Was liest Du derzeit?

Ich lese über tibetische Schlaf- und Traummeditationen, verfasst von Tenzin Wangyal Rinpoche parallel mit westlichen Denker*innen wie Isabelle Stengers, Alfred North Whitehead und Gilles Deleuze.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Jean-Luc Nancy „singulär plural sein” (Frz.: 1996/ De.: 2004), S. 19: „Man wiederholt heute oft, dass wir unter Sinnverlust leiden, dass wir Mangel, folglich Bedarf an Sinn haben und folglich auf Sinn warten. […] Der gegenwärtige Diskurs […] macht klar, dass „der Sinn“ derart absolut gebraucht, der entblößte Name unseres Mit-ein-ander-seins ist. Wir „haben“ keinen Sinn mehr, weil wir selbst der Sinn sind, ganz und gar, ohne Rückhalt, unendlich, ohne einen anderen Sinn als „uns“.

Iris Julian_Performance Künstlerin, Kulturwissenschafterin

Vielen Dank für das Interview liebe Iris, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunst-, Wissenschaftsprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Iris Julian_Performance Künstlerin, Kulturwissenschafterin

http://www.iris-julian.com/

Alle Fotos_Walter Pobaschnig 5_22.

19.4.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„gefühlswelten“ Matthias Gysel, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Richterswil/CH 12.5.2022

GIVE PEACE A CHANCE

g efühlswelten

i m strudel des

v ergessens

e inst war das



p andemische  

e rwachen vor dem krieg

a us dem angstkokon hilft

c oolness  

e her nicht hinaus



a uch nicht im



c afé darauf zu

h offen dass der wahnsinn

a lsbald verschwindet  

n ahtfrei mit einem

c opyright für das    

e nde



Haiku Texte_Matthias Gysel, Schriftsteller, 1.5.2022

Matthias Gysel_Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Matthias Gysel_Schriftsteller

HAIKU – Matthias Gysel (haiku-mgy.ch)

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 1.5.2022.

https://literaturoutdoors.com

„Herzensbildung in Sachen Musik ist mir persönlich sehr wichtig“ Claudia K. Gangl, Sängerin _ Wien 12.5.2022

Liebe Claudia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich mache – gefühlt jahrzehntelang – dasselbe 😊 Ich stehe nicht zu früh auf, trinke Earl Grey und lese digitale Medien und meine Mails. Dann sind meine Tiere dran, Hund und Katze, Gassi gehen und diverse Beschäftigungen. Dann wird geübt, da gibt es vieeel zu tun, Bass spielen (was ich ja sehr sehr spät begonnen habe, also das mache ich noch nicht jahrzehntelang) mit Metronom Fingerübungen, meist gepaart mit schamanischen Techniken der inneren Einkehr und diversem Räucherwerk.

Dann ein bisschen die Stimme trainieren, denn da gibt es auch viele Muskeln, die bewegt werden wollen. Wenn ich ganz gut drauf bin, ein wenig Obertonsingen. Dabei fühle ich mich leider gehemmt, weil mein Hund mit seinen guten Ohren sehr empfindlich reagiert und sozusagen zu weinen beginnt.

Am frühen Nachmittag beginne ich an Projekten zu Arbeiten wie momentan an „Bunte Vögl am Johann Nepomuk Vogl Platz“ – eine wöchentliche Spielserie über 2 Sommer- Monate, die ich voraussichtlich wieder veranstalten darf.

Und / oder an der Tournee für meine Band „Viennese Ladies“. Wir haben gerade eine CD aufgenommen und jetzt geht es daran, eine Präsentations-Tournee zu organisieren.

Wenn ich dann noch Kraft und Lust habe, widme ich mich dem Komponieren, oder Texten, da sind immer ganz viele Ideen da und ich arbeite parallel an mehreren Stücken. Man kann sich nicht aussuchen, ob und wann einen die Muse küsst, sprich, ob etwas weiter geht oder nicht. Aber wenn man es tut, gibt es zumindest die Chance, dass einem etwas gelingt.

Nicht alltäglich, aber abends gibt es ab und zu Proben oder Konzerte.

Claudia K. Gangl, Bassistin, Sängerin, Komponistin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, wir müssen begreifen, dass alle Bewohner auf dieser Welt dasselbe wollen: In Frieden leben, ein Dach über den Kopf und genug zu Essen haben, sprich, dass die Grundbedürfnisse abgedeckt sind und das sollte auch jedem Menschen selbstverständlich zustehen.

Wir müssen uns bewusst sein, dass mehr als 10% der Weltbevölkerung an akutem Hunger und weitere 10% unter schwersten Mangelerscheinungen leiden und wir schmeißen so viel weg und kümmern uns um die falschen Dinge.  

Wir hätten genug für alle, aber die Reichen wollen nicht teilen, das ist ein großes Problem. Ich würde es gut finden, wenn es keine Börsen gäbe und die Leute ihrem Geschäft mit Verantwortung nach gehen könnten. Die Haltung, ich habe eh nix zu sagen, ich kann eh nix bewegen, lähmt jedes einzelne Geschäft und es gibt Frust auf beiden Seiten.

Ich finde, die Grundbedürfnisse eines jeden Mensch müssen gedeckt sein, bevor irgendwelche reiche Menschen irrwitzige Dinge aufführen, wie ins Weltall fliegen oder sowas in der Art. Auf keinen Fall zu einer Zeit, wo Millionen Menschen hungern! Für Waffen gibt es immer genug Geld. Ich finde, es gehört jede Waffenschmiede geschlossen und verboten. Ich weiß, klingt naiv, aber eigentlich ist es das einzig Logische und Richtige.

Ein weiteres Anliegen ist, das Tierleid zu lindern. Diese Massentierhaltung ist eine einzige Katastrophe und auch ein Schuss ins eigene Knie, denn man isst den Stress, die schlechte Ernährung bei der Massentierhaltung sowie die Medikation mit und das bedingt wieder ganz viele Krankheiten beim Menschen. Für mich hat ein Tier auch ein Recht auf ein Leben, wie es seiner Art entspricht und ich finde das Tierleid unerträglich!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Ganz verstehe ich den ersten Satz nicht, aber ich antworte darauf, was ich verstehe 😊

Die Musik ist Stellvertreterin für so viele Gefühle wie Liebe, Angst, Beruhigung, Aufregung, Geborgenheit, verstanden fühlen, Aggressionsabbau etc. etc.. Manchmal ist es sogar so, dass man einen Menschen weniger schätzt, weil er eine Musik hört, die für einen selber blöd oder schlecht ist. Eine gewisse Herzensbildung in Sachen Musik ist mir persönlich sehr wichtig. Egal ob das Herz für Klassik, Jazz, Blues oder Pop schlägt, Hauptsache für eine Art von Wiedergabe, die mit voller Hingabe und Liebe passiert, egal ob mit ohne oder Erfolg. Das kann auch einen langen Weg bedeuten, bis man sich soweit findet, dass das auch für Außenstehende spürbar wird.

Ich denke, das gilt auch für andere Kunstrichtungen. Wenn man sich z.B. ein bisschen mit Malerei beschäftigt, spürt man auch recht schnell was „echt“ ist und was nicht. Ist der/die Künstler/in auf der Suche nach seinem inneren Werk, oder wird gemacht, was gefällt? Ich denke, sowas spürt und sieht man, auch den Weg. Aber das ist meine rein subjektive Betrachtungsweise.

Was liest Du derzeit?

Verschiedenste Bücher über Schamanismus, meist aus der Feder des Anthropologen Michael Harner. Und wenn wir schon bei Anthropologen sind: Da liegen einige Bücher mit vielen kleinen bunten Zettelchen drinnen von Rudolf Steiner.

Als Entspannungsroman habe ich gerade „Kleine Freuden“ von Clare Chambers in der Reißen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Sei gut zu dir und deinen Lieben, es kann sich ganz schnell alles ändern. Und den Satz: „Ich bin halt so“, sollte man ersetzen durch: „Ich arbeite daran, ein besserer Mensch zu werden!“

Claudia K. Gangl, Bassistin, Sängerin, Komponistin

Vielen Dank für das Interview liebe Claudia, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Claudia K. Gangl, Bassistin, Sängerin, Komponistin

Fotos_Gerry Frank.

26.4.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com