„Geronimo war ein Kriegshäuptling“ Thomas Podhostnik, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Leipzig 11.5.2022

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Geronimo war ein Kriegshäuptling

Irgendwo sein Ruf nach

Vergeltung im entmenschlichten

Einöd, und niemand hört mehr seinen Namen.



Potemkin, Panzerkreuzer bist du!

Eisenstein, dein Vater war ein Architekt!

Aber wir wissen, wie man filmt, und wir schießen gut.

Chimären aus Zelluloid halten und brennen  langsamer als

Einträge bei Wikipedia. Der Wandel der Geschichte. 



Angst ist unangebracht.



Chihuahua, einmal in der Hölle und zurück. Das Vermächtnis von Pancho Villa:

Habenichtse im eigenen Land.

Auf meiner Reise sah ich zwei Giganten

Noch berühren sie sich nur mit Fingern aus Eis.

Charakterlich sind sie Brüder.

Einst werden sie über uns hereinbrechen.


Thomas Podhostnik, 5.5.2022

Thomas Podhostnik, Schriftsteller

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Thomas Podhostnik, Schriftsteller

http://www.podhostnik.de/

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Walter Pobaschnig _ 5.5.2022.

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„Das Publikum, für die Dauer des Theaterabends, aus Sorgen und Ängsten zu entführen“ Katrin Fuchs_Sängerin und Schauspielerin _ Wien 11.5.2022

Liebe Katrin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich befinde mich gerade in Vorbereitung auf eine Tournee, die ganz im Zeichen der Musik Freddie Mercury’s steht, aufgrund von Corona letzten Winter nicht stattfinden konnte, nun aber im Mai zumindest teilweise nachgeholt werden wird. In dieser Zeit der Vorbereitung bin ich sehr auf mich fokussiert. Mein Tagesablauf besteht aus intensivem Stimm- und Körpertraining um tip top in Form zu kommen. Ich ernähre mich bewusst und versuche Mindsets aus alten Gedankenkonstrukten aufzuspüren, zu hinterfragen und gegebenenfalls durch neue zu ersetzen. Ich bin überzeugt davon, dass auf mentale Aspekte nicht vergessen werden sollte.

Katrin Fuchs_Sängerin und Schauspielerin 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Im Jetzt leben, dankbar sein, helfen, nichts als selbstverständlich nehmen, sich mit Anderen austauschen. Die Corona-Krise war für viele von uns bereits eine Erschütterung im Kleinen, der Ukraine-Krieg ist eine Erschütterung, die kaum in Worte zu fassen ist.

Wir wissen alle nicht was morgen, in 3, 6 oder 12 Monaten passieren kann, trotzdem bin ich der Meinung, dass wir so gut es geht zuversichtlich bleiben sollten. Alles andere, wäre meiner Ansicht nach, ein Tod auf Raten auf mentaler Ebene.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich bin überzeugt davon, dass Theater und Musik, generell alle kreativen Künste, mehr denn je als „Seelendoktor“ fungieren. Aufgrund von mehreren Gesprächen habe ich den Eindruck gewonnen, dass das Publikum das Angebot an Veranstaltungen derzeit bedachter selektiert als in der Vergangenheit. Ein Großteil möchte derzeit explizit unterhalten werden und empfindet „Problemstücke“ als zusätzliche Erschwernis und Last. Für uns Darsteller ist es, besonders in von Krisen gebeutelten Zeiten, eine nicht zu leicht auf die Schulter zu nehmende Aufgabe, das Publikum, für die Dauer des Theaterabends, aus einem meist nicht enden wollenden Gedankenkarussell aus Sorgen und Ängsten zu entführen. Auch wenn die Konkurrenz an Freizeitangeboten durch Streaming-Dienste, Netflix und Co. derzeit so breit aufgestellt ist wie noch nie, glaube ich fest daran, dass diese Branche niemals ein Live-Ereignis ersetzen werden wird.

Was liest Du derzeit?

The Dictionary of Lost Words von Pip Williams

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Folgendes Zitat habe ich neulich in einem Posting der Süddeutschen Zeitung entdeckt und als äußerst treffend empfunden: „Reif ist, wer auf sich selber nicht mehr hereinfällt“ (Heimito von Doderer)

Vielen Dank für das Interview liebe Katrin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Katrin Fuchs_Sängerin und Schauspielerin 

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Foto_Wolfgang Mayer

26.4.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Künstlerische Arbeit ist ein beständiges Brücken bauen zwischen Gestern, Heute und Morgen“ Barbara Marie Hofmann, Schriftstellerin _ Berlin 10.5.2022

Liebe Barbara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

schlafen träumen wachen

aufstehen radio hören viel radio

dann und dabei kaffee trinken

arbeiten mit dem laptop dem handy berichte sehen

mit meiner besten freundin sprechen deren familie aus der ukraine gekommen ist

fragen was und wie und ob man helfen kann mit worten mit taten überhaupt

dann aber auch (und unbedingt) über anderes sprechen über anderes denken

wie die farbe einer kinderjacke oder die unterschiedlichkeit von wochentagen

die arbeit für den tag beenden das was man tut

rausgehen alleine mit anderen

abends: zeichnen schreiben sich fragen was man morgen lesen und hören wird

dann wieder hoffentlich schlafen träumen wachen

Barbara Marie Hofmann, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube wichtig ist es immer, noch da zu sein, hier zu bleiben, mit dem eigenen Kopf. Und nicht in der aufkommenden Panik, den möglichen Zukunftsfragen und Konsequenzen zu verschwinden, aufzugeben. Die Angst ist ein überzeugendes Gewitter. Wenn möglich also irgendwie die eigene Bodenhaftung behalten, um zu sehen, was man von hier aus tun kann, wem oder wie man sinnvoll helfen kann.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Loslassen. Neu beginnen. Auf sich und andere mehr Acht geben. Und Acht geben nicht als etwas Passives, sondern Aktives verstehen.

Und zur Kunst: Für mich ist die künstlerische Arbeit ein beständiges Brücken bauen zwischen Gestern, Heute und Morgen. Reflektieren, weiterdenken. Eine Basis schaffen für Zukünftiges.

Was liest Du derzeit?

Zum zweiten Mal: Margret Kreidl. Eine Schwalbe falten. Eine befreundete Lyrikerin hat es mir geschenkt und mich so auf sie gebracht. Jetzt liebe ich sie sehr und finde mich darin wieder, in ihrer Sprache, ihren Themen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Es sind zwei:

(1)

to be announced:

jede/r hat a angst

leave a reply

reply:

spread the word:

jede/r hat antworten

leave a fear

(Judith Nika Pfeiffer)

(2)

„Einmal wiederholen. Dreimal drehen. Stock oder Feder? Dreimal dreht sich die Seele. Ist das eine Idee? Bitte aufheben.“

(Margret Kreidl)

Vielen Dank für das Interview liebe Barbara, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

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Barbara Marie Hofmann, Schriftstellerin

Fotos_privat.

26.4.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Größe, wälzend im Wahn sich ergötzt, wieder mal“ Stefan Sprang, Schriftsteller_Give Peace A Chance _ Essen/D 10.5.2022

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Größe, wälzend im Wahn sich ergötzt, wieder mal

Ich aber befehle: HINGEBUNG, brülle

Vernichterei f… dich, no Kapital fürs Totenkonto

Einst lichttönende Träume, tief bewegter Kinderschlaf



Peace statt pinturas negras, erinnert

Erbarmen wir uns schlicht unserer selbst

Auftrag: „Imperial“, Inschrift bloß noch für hohe Hotels

Crazy Menschlichkeitsding – komm, Größe, die sich verneigt

Ende im Wettstreitgelände, null Blutdurst und Herzfresserei



Ach,



Crazy Menschlichkeitsding, Narrengedöns, Nachtgebet

HINGEBUNG

Allem Anfang schafft Anfang, denn dem Ende sowieso

Niemand entrinnt, schreien flüsternd die, die erloschen

Crazy Leben, was wärst du bloß

Einmal endlich, endlich einmal: käme Menschlichkeitsding


Stefan Sprang, 1.5.2022

Stefan Sprang, Schriftsteller

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Stefan Sprang, Schriftsteller

Stefan Sprang, geb. 1967 in Essen, lebt dort im Südviertel und in Frankfurt/M. als Radiojournalist und Schriftsteller. Sein Roman-Debüt „Fred Kemper und die Magie des Jazz“ erschien 2011, sein Roman „Ein Lied in allen Dingen. Joseph Schmidt“ folgte 2019 (2. Auflage 2020), 2021 dann ein „Heimatroman“ „Henry Becker und der Sommer der Erinnerung“. Die Produktion seines akustischen Monodramas „Engel“ ist in Vorbereitung (GehörGang, Berlin).1999 „Kurt-Magnus-Preis“ der ARD. 2016 Einladung zur „Bayerischen Akademie des Schreibens“ und 2020 zum Literaturpreis „Irseer Pegasus“.

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 1.5.2022.

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„: Gib“ Alice Grünfelder, Schriftstellerin _Give Peace A Chance _ Zürich 9.5.2022

: Gib

Ihnen Waffen!!!

Vermutlich werden sie trotzdem

::::::: :::::::::::::::: :::: ::::::::::::::::

Erschossen

: Pass sie ab!

Entwaffne sie mit einem

aufrührerischen Lächeln.

Chrysantheme zwischen Trümmern

.:.:.:.

Erschießt er dich, zeigt sich die Fratze des



Aggresssors

ô ô ô




: Chrysantheme, MUT brauchst du ———-

Hör! Solange

Alle Wege ____________.________________._____________

Noch nicht gegangen sind,

Chrysantheme*, ist

Ein Friede vielleicht möglich

¿

Alice Grünfelder, 6.5.2022

Alice Grünfelder, Schriftstellerin

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Alice Grünfelder, Schriftstellerin

Homepage

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Walter Pobaschnig _ 6.5.2022

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„Gegen die Böen des Ostwindes bleibt sie ungehört die Stimme“ Regina Lehrkind, Schriftstellerin _Give Peace A Chance _ Hagen/D 9.5.2022

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Zähmung des Sturmgesangs

Gegen die Böen des Ostwindes bleibt sie ungehört die Stimme

Im Tosen der schlagenden Wellen

Verwehen Worte, zermahlen sich im Sand

Ein aufkommender Sturm peitscht fröstelnde Kälte über die Landschaft



Packt und zerrt an den Schultern, treibt Eiszapfen in die Herzen, lässt sie erfrieren

Eine höhere Gewalt

Aufbrausend, launisch zerklüftet sie das Land unserer Väter

Cholerisch und ohne Verstand, vergiftet die Atemluft

Ein Erhalten des sicheren Hafens scheint unmöglich im blutgetränkten Raum



Ausnahmezustand in der keine Hoffnung stranden mag



Chaos unter zersplitterten Sternen

Herausgerissene Herzen, starre Gesichter, offene Münder

Ausufernd toben die Gedanken im Takt der Sanduhr

Nichts kehrt zurück. Eine Rose blüht im Farbton der unschuldig Hingerichteten.
Carpe Diem! Abgerissen ein Tag im ausgeuferten Bodenlosen.

Er zieht vorbei. Hinter geschlossenen Augen – Zähmung des Sturmgesangs – ICH darf sein!


Regina Lehrkind, 29.4.2022

Regina Lehrkind, Schriftstellerin

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Regina Lehrkind, Schriftstellerin

https://reginalehrkind.de/

Foto_Studioline Photography.

Walter Pobaschnig _ 29.4.2022.

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„Es gibt die Putins dieser Welt, aber halt auch die Musik von Miles Davis“ Yvonne-Stefanie Moriel, Saxophonistin & Komponistin _ Wien 9.5.2022

Liebe Yvonne-Stefanie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf (ohne Termine) ist momentan:

Aufstehen – Kaffe trinken – wichtigste ToDos erledigen – ins Studio fahren – üben – Organisationskram – üben/schreiben/Musik auschecken – heimfahren – Sport/Essen/auf ein Konzert gehen/diverse soziale Dinge/probieren vor 12 im Bett zu sein.

Yvonne-Stefanie Moriel, Saxophonistin & Komponistin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Was für alle wichtig ist, weiß ich nicht, aber ich schätze mal etwas haben für das man brennt und das einem wirklich was gibt hilft sicher dabei, seinen Fokus nicht auf die schlechten Dinge im Leben zu legen, was schon schnell mal passiert. Die scheinen ja grad sehr gehäuft aufzutreten, aber in Wahrheit gibts die immer irgendwo – das gleiche gilt aber auch für die schönen Dinge, die gibts auch immer irgendwo. So ein bisschen im Sinne von: Es gibt die Putins dieser Welt, aber halt auch die Musik von Miles Davis, und die Macht von Zweiterem sollte hier nicht unterschätzt werden.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt der Musik, der Kunst an sich zu?

Als großen Aufbruch nehme ich das jetzt gar nicht war, in Bewegung sein und sich weiterentwickeln sollte doch eigentlich normal sein. Die Kunst ist eh meistens ganz vorne dabei bei der Weiterentwicklung, vielleicht weil es für Kunstschaffende eigentlich recht alltäglich ist, sich ständig aus diversen comfort zones rauszuschmeissen, um überhaupt irgendwohin zu kommen. Da gewöhnt man sich dran, neue Wege zu erkunden, Gegenwind zu trotzen und Möglichkeiten im Unbekannten zu sehen. Und so entsteht Fortschritt. Also würde ich schon sagen dass der Kunst eine Kernrolle zukommt bei Veränderungen jeglicher Art.

Was liest Du derzeit?

„Alte weiße Männer“ von Sophie Passmann

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

– I’m always trying to prove to my 17-year-old self that I can do creative things I thought weren’t possible –

Virgil Abloh

Yvonne-Stefanie Moriel, Saxophonistin & Komponistin

Vielen Dank für das Interview liebe Yvonne-Stefanie, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Yvonne-Stefanie Moriel, Saxophonistin & Komponistin

https://yvonnemoriel.com/dates

Fotos_ 1 Elif Çay; 2 Tobias Paal.

8.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Pute vs. Märchenvogel“ Nikola Anne Mehlhorn_Schriftstellerin _Give Peace A Chance _ Kronprinzenkoog/Nordsee/D 8.5.2022

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„Pute vs. Märchenvogel“

Gott! dachte Katya und schreckte auf.

In ihrer Wohnung machten plötzlich Gegenstände Geräusche:

Vasen, Becher, Gläser wackelten auf den Regalen und Tischchen.

Einige tanzten Hopak und Huzalka auf ihren Unterflächen.



Perfekt, freute sie sich, ein Tänzchen zu meinem Geburtstag.

Ein wahrhaftes Kosakengeschenk zu meinem

Achzigsten! Wenn sonst schon niemand sich rührte,

Carl nicht, weil er tot war, sowieso so viele tot waren,

Einzig Katya noch existierte.



AIIIHHH! hörte sie von draußen.



Carl und sie hatten das gleiche Geräusch gehört, bevor er gestorben war,

am Karsamstag in seinem Lehnstuhl – Katya war gerade aus seiner

Wohnungstür geschlurft, da kamen das AIIIHHH und dann ein Krach.

HRCHOSCH!? Katya erhob sich schwerfällig von ihrem üppig mit

Klöppeldeckchen bedeckten Sofa, auch der Schöne Märchenvogel

lag da aus weißer Spitze, Symbol der menschlichen Seele und

ihrer Freiheit; sie ging ans Fenster.

AIIIHHH! hörte sie und sah dann direkt vor ihrem Wohnhaus

sandigen Boden aufwirbeln.

Nein! sagte sie, ist das mein Geburtstagsgeschenk? Von dieser Pute

aus der Russerei? Sie sprach kein Diabolisch, er verstand die Sprache

des Märchenvogels nicht. Waren Puten doch kollernd und aggressiv,

der Schöne Vogel hingegen voller Grazie und Gemüt.

Carl musste Katya verlassen, ob er wollte oder nicht; sollte dieser

laute Lärm nun sie ebenso….

Einen Augenblick lang sträubte Katya sich, dann flog auch sie mit

einem HRCHOSCH! und dem Märchenvogel empor in ein besseres

Universum.

Nikola Anne Mehlhorn, 4.5.2022

Nikola Anne Mehlhorn_Schriftstellerin

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Walter Pobaschnig _ 4.5.2022

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„Stell dir vor, es ist Krieg“ Christine Teichmann, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Graz 8.5.2022

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Stell dir vor, es ist Krieg

Stell dir vor, es ist Krieg, und niemand geht hin

Stell dir vor, es ist Krieg, und niemand sieht hin

Stell dir vor, der Krieg kommt zu dir

und du gehst weg

und lässt alles zurück

die Wohnung, für die du ein halbes Leben gespart hast

den Bücherschrank, den du ein ganzes Leben gefüllt hast

die Fotoalben mit mehreren Leben

das Puppenhaus, das du für deine Enkel aufhebst

und das ist alles ganz gleich

und tut gar nicht weh

zumindest heute nicht

Heute schmerzt der Abschied von deinem Mann, deinem Sohn, deinem Freund

der bleiben muss oder bleiben will

Stell dir vor, es ist Krieg, und jemand geht hin

Geht hin, um sich entgegen zu stellen

damit der Krieg nicht noch näher kommt

Und dein Glauben an den Frieden bröckelt ab

und darunter kommt ein golden glänzendes Heldenepos zum Vorschein

das alsbald blutverschmiert im Dreck landen wird

Denn Krieg ist nicht heroisch

auch wenn es Tapferkeit gibt

Krieg ist krank und tut weh



Der Krieg, zu dem niemand hingehen braucht, ist der

den wir vor Jahren hätten verhindern können

wenn wir unsere Geschäfte moralisch geführt hätten und nicht gewinnmaximiert

wenn wir den Menschen beigestanden wären

und nicht den Systemen



Stell dir vor, es ist Krieg

Stell dir vor, es ist Krieg

Christine Teichmann, 25.4.2022

Christine Teichmann, Schriftstellerin

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Christine Teichmann, Schriftstellerin

Christine Teichmann

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Walter Pobaschnig _ 27.4.2022.

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„Literatur kann ein Gefühl des Aufgehobenseins erzeugen“ Kristine Bilkau, Schriftstellerin, Hamburg 8.5.2022

Liebe Kristine, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Regelmäßig und strukturiert. Das Kind muss in die Schule, also geht es hier morgens früh los, obwohl das frühe Aufstehen nicht meine Stärke ist. Wenn die Umstände mehr Raum geben für zeitliche Verschiebungen, bin ich bis spät in die Nacht wach und gehe den kommenden Tag langsam an, mit Tee, Radio, Lesen; vor dem frühen Nachmittag schreibe ich dann zwar keine Zeile, dafür drehe ich aber abends wieder richtig auf. Im Alltag also viel Disziplin, dazwischen diese kostbaren, langsamen, aus der Form geratenen Tage.

Kristine Bilkau, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Solidarität mit allen, die vor Krieg und Krisen flüchten müssen. Wohlwollen und Geduld im Umgang miteinander. So komplex wie das eigene Leben ist, so widersprüchlich, anstrengend, ernüchternd und durcheinander es sich anfühlt, so komplex sieht es auch im Leben der Anderen aus. Nie kann man ganz erkennen, was einen anderen Menschen wirklich bewegt und belastet, man wird immer nur einen Ausschnitt wahrnehmen können. Und es zählt, einen aufmerksamen, kritischen Blick auf die Welt zu bewahren, sich an nichts zu gewöhnen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?  

Dort, wo Sprache die Situation von Menschen unsichtbar machen will, die Sprache der Macht, Unterdrückung, Ausbeutung, Gleichgültigkeit, Achtlosigkeit, dort können Kunst und Literatur etwas dagegensetzen. Sie können die Oberflächen immer wieder aufrauen und aufbrechen. Sie können in ihrer Unruhe und ihrem Widerstand ein Gefühl des Aufgehobenseins erzeugen. Oder wie Herta Müller in einem Gespräch mit Swetlana Alexijewitsch gesagt hat: Literatur könne behüten ohne zu lügen. Literatur könne trösten ohne zu täuschen.

Was liest Du derzeit?

„Taghaus, Nachthaus“ von Olga Tokarczuk. „Sommer“ von Ali Smith. „Nostalgie“ von Barbara Cassin. Und immer wieder nehme ich „Übungen im Fremdsein“ von Olga Tokarczuk zur Hand.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Das Unbedeutende und Kleine, das Zufällige und Überflüssige, das Verdrängte stehen im Mittelpunkt meines Interesses, weil es niemals zum Objekt der Beute werden wird, von der Walter Benjamin in seinem Essay Über den Begriff der Geschichte schreibt, die Beuteobjekte, die die Sieger aus der Gegenwart in die Zukunft mitnehmen, aus denen sich – wie aus Ziegelsteinen – das historische Narrativ der Herrschenden zusammensetzt.“

Aus „Glückliche Fälle“ von Yevgenia Belorusets

Vielen Dank für das Interview liebe Kristine, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Kristine Bilkau, Schriftstellerin

Aktueller Roman : „Nebenan“ Kristine Bilkau, Luchterhand Verlag 2022

Foto_privat.

1.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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