„Es geht nicht um Leben und Tod, das meine ich ganz im Ernst“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Martina Hefter, Schriftstellerin _ Leipzig 23.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Martina Hefter, Schriftstellerin _ Leipzig

Bachmannpreisnominierte 2005

Liebe Martina, Du hast 2005 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Erstens: Lustige und lange Zugfahrten mit einigen lieben Kolleginnen und Kollegen nach Klagenfurt und wieder zurück.

Zweitens, dass ich mit einem halbgaren, unfertigen Text hinfuhr, mit dem ich selber nicht zufrieden war. Ich hatte mich nicht beworben, sondern wurde von einer Jurorin eingeladen, mich zu bewerben. Ich hatte damals aber keinen neuen Text, da mein Roman gerade erst erschienen war, und musste mir irgendwas aus den Fingern saugen. Damals habe ich intensiv mit Lyrik begonnen und dann relativ unmotiviert einen Prosatext geschrieben.

Ich war nicht erfahren genug, um die Einladung auszuschlagen, das habe ich später bereut.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Dass er im Fernsehen übertragen wird. Das ist ein Stück weit natürlich auch eine Crux, aber auch eine Chance für Sichtbarkeit und Vermittlung. Eine größere Öffentlichkeit kann Schreibweisen entdecken und sehen, wie über Literatur gesprochen werden kann.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Dafür, dass ich so unzufrieden war mit meinem Text, war die Diskussion ganz gut. Es gab ein paar Meckereien von wenigen Juroren, bei denen ich es sowieso erwartet hatte. Sonst aber viel Lob.

Bei der Preisverleihung – ich hatte mit gar nichts gerechnet- ist mir dann dieses typische Schicksal passiert, das öfter vorkommt: Mein Name wurde für alle Preise außer dem Hauptpreis genannt, es gab ja noch diese Abstimmungen mit Zetteln und mehreren Runden, und ich bin dann immer durchgerutscht und am Ende ganz ohne Preis rausgegangen. Das fand ich aber nicht schlimm.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Das war meine allererste Begegnung überhaupt mit einem größeren Literaturbetrieb, und damals erschien mir das Ganze ein bisschen wie eine Bussi-Bussi-Gesellschaft. Das war sicher übersteigert von mir wahrgenommen, aber es hat mich zu der Zeit ziemlich abgestoßen, und ich habe mich tatsächlich lange Zeit gefragt, ob ich mich da überhaupt bewegen will.

Das sehe ich jetzt aber entspannter. Ich bewerbe mich zwar keinesfalls nochmal, die Vorstellung, beim Bachmannpreis zu lesen, fände ich sehr, sehr merkwürdig. Aber so aus Spaß würde ich eigentlich sehr gerne nochmal in den Wörthersee springen. Allein schon wegen meiner Tattoos.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Das kann ich ganz schwer sagen. Vielleicht weiterhin so gute Juror*innen wie jetzt gerade. Ich mag die derzeitigen Leute alle sehr, tatsächlich. Ich finde, sie haben auch wirklich eine Entwicklung durchgemacht, vielleicht sogar in kathartischem Sinne 🙂 im Ernst, ich finde, die sind an sich gewachsen und haben an sich gearbeitet, sowas mag ich.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Vielleicht so viel: Es geht nicht um Leben und Tod, das meine ich ganz im Ernst.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Martina Hefter, Schriftstellerin

Zur Person: Martina Hefter ist Schriftstellerin und arbeitet auf dem Gebiet der Performance. Sie lebt in Leipzig, wo sie am Deutschen Literaturinstitut studierte. Ihr Roman »Hey guten Morgen, wie geht es dir?« wurde 2024 mit dem Deutschen Buchpreis sowie dem europäischen Prix Grand Continent ausgezeichnet und war ein SPIEGEL-Bestseller. Für ihre schriftstellerische Arbeit erhielt Martina Hefter den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds und den Wiesbadener Literaturpreis. Zuletzt erschienen von ihr die Gedichtbände »Es könnte auch schön werden« und »In die Wälder gehen, Holz für ein Bett klauen«. (Text/Verlag _ Klett-Cotta)

Aktueller Roman:

„Tagsüber hilft Juno ihrem schwerkranken Mann Jupiter dabei, seinen Alltag zu meistern. Außerdem ist sie Künstlerin, tanzt und spielt Theater. Und nachts, wenn sie wieder einmal nicht schlafen kann, chattet sie mit Love-Scammern im Internet. Martina Hefter hat einen berührenden Roman über Bedürfnisse und Sehnsüchte im Leben geschrieben. Und darüber, wie weit man bereit ist, für die Liebe zu gehen.

Juno schreibt online mit Männern, die Frauen online ihre Liebe gestehen und so versuchen, sie um ihr Geld zu bringen. Doch statt darauf hereinzufallen, werden genau diese Männer zu einer Form von Freiheit für Juno. In den Gesprächen kann sie sein, wer sie will und sagen, was sie will – und das vermeintlich ohne Konsequenzen. Ganz im Gegensatz zu ihrem sonstigen Leben, in dem sie immer unterwegs, immer besorgt um Jupiter, immer beschäftigt und eingebunden ist. Also flüchtet Juno ab und zu vor ihrem Alltag ins Internet und spielt dort Spielchen mit Männern, die sie anlügen. Sie selbst wird zur Lügnerin. Aber ist es nicht so, dass man sich beim Lügen zuallererst selbst belügt?

Eines Tages trifft Juno auf Benu, der ihre Behauptungen ebenso durchschaut wie sie seine. Und trotz der Entfernung zwischen ihnen entsteht eine Verbindung. »Hey guten Morgen, wie geht es dir« ist ein tiefgehender Roman, aber so leichtfüßig wie eine Komödie.“ (Pressetext/Verlag)

13. Druckaufl., 2024, Erscheinungstermin: 13.07.2024, 224 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

ISBN: 978-3-608-98826-0

22 EUR

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Martina Hefter _ Maximilian Gödecke Photography

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt _  Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 9.6.2026

https://literaturoutdoors.com

„dass der Autor Lothar Seiler nach mehreren Stichwahlen den Bachmannpreis 2007 gewonnen hätte“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Lutz Seiler, Schriftsteller _ Wilhelmshorst/D 23.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Lutz Seiler, Schriftsteller _ Wilhelmshorst/D

Bachmannpreisnominierter 2007

Lieber Lutz, Du hast 2007 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Ich erinnere mich, dass die weithin etablierte Nachrichtenagentur dpa nach der Bekanntgabe des Bachmannpreises 2007 die Nachricht herausgab, dass „der 47jährige in Berlin lebende Schriftsteller Lothar Seiler nach mehreren Stichwahlen“ den Ingeborg-Bachmann-Preis 2007 gewonnen hätte – nichts davon stimmte: Weder das Alter noch Wohnort Berlin, weder „Lothar“ noch „Stichwahl“. Alle großen Medien haben dann, wie üblich, erstmal die dpa-News übernommen … Eine Zeit lang war es lustig, sich vorzustellen, wo der Mensch von dpa bei der Preisverkündung eventuell gerade war und in welchem Zustand – oder was er eigentlich gemacht hat in diesem Moment, ehe er seine Nachricht erfunden hat …

Jedenfalls war traumhaft schönes Wetter damals in Klagenfurt. Am schönsten war der Nachmittag des Fußballspiels, ich glaube eine deutsche Autorenauswahl gegen eine österreichische Auswahl, bei sehr guter Stimmung. Auch Trinkpausen wurden schon damals gemacht, weil es so heiß war. Den Lesewettbewerb hab ich vom Hotelzimmer aus im Fernsehen verfolgt. Eine Stunde vor meinem eigenen Auftritt bin ich losgegangen und hab in der Maske ein großes Bier getrunken – zur Beruhigung, denn aufregend ist das Ganze in jedem Fall.     

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Ohne Zweifel ist das die Situation des Auftritts vor laufender Kamera plus öffentliche Diskussion nach der Lesung plus Live-Übertragung in einem Fernsehsender. Jede und jeder muss sich vorher sehr gut überlegen, ob sie oder er sich dem aussetzen möchte. Gut finde ich den Modus, dass die Jurymitglieder Vorschläge für den Kreis der teilnehmenden Autorinnen und Autoren machen können, damals jedenfalls war es so, jedes Jurymitglied brachte zwei Leute mit. Die Jury ist auf diese Weise mitverantwortlich für das Niveau des Wettbewerbs.    

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Ich hatte das große Glück, von Ilma Rakusa vorgeschlagen worden zu sein. Ilma war dafür bekannt, dass sie auch in schwierigen Diskussionen zu „ihren“ Autorinnen bzw. Autoren stand, ihnen zur Seite stand, auch wenn der Zug vielleicht gerade in eine andere Richtung fuhr. Sie wäre nie auf diesen Zug aufgesprungen, was ja gar nicht so selten geschah, öfter auch mal nur, um als Kritikerin oder Kritiker für den Moment zu glänzen und ein irgendwie gelungenes Bonmot anzubringen.

Die Veranstaltung selbst, die Menschen im Raum und das Geräusch der kleinen Brandung, wenn im Publikum die Seiten des gerade gelesenen Textes umgeblättert wurden – diese ganze Aufmerksamkeit und Ernsthaftigkeit, auch in der Diskussion der Texte, war schon sehr besonders. Bewegend auch die Lieder auf dem Schloss und grandios das Schwimmen im See, dazu die phantastische Gegend mit Musil-Museum, Christine Lavant und Ingeborg Bachmann; ich glaube, der Ort ist ideal für ein paar Tage Literatur.   

Wie hat sich Deine erfolgreiche Teilnahme, der Preisgewinn, auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit und weiteren Weg ausgewirkt?

Die Erzählung „Turksib“, die ich damals gelesen habe, war meine erste veröffentlichte Erzählung, mein Eintritt in die Prosa, von den Essays einmal abgesehen. Der Stoff beschäftigt mich bis heute – „Auszug aus einem langen Prosatext“ stand damals noch im Untertitel, aber es ist mir in Folge nicht gelungen, diesen Roman auch zu schreiben, die Idee schien mir dann doch zu speziell, aber irgendwie ging es immer weiter damit, jedenfalls in meinen Notizen und Notizbüchern der letzten zwanzig Jahre, und auf gewisse Weise habe ich jetzt diesen Roman geschrieben: „Das tickende Herz“ wird in diesem Herbst erscheinen.

Und davon abgesehen: Durch die Auftritte im Wettbewerb bin ich auf Autoren aufmerksam geworden, die ich seitdem regelmäßig lese und großartig finde, Thomas Stangl zum Beispiel; „Reisen und Gespenster“, das damals ein paar Jahre nach Klagenfurt erschien, ist noch heute eines meiner Lieblingsbücher.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Mehr Werkstatt vielleicht – was hieße, dass die lesende Autorin oder der Autor stärker eingeladen werden, mitzureden in der Diskussion des Textes.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

„Ein Geld muss eins da sein“, sagt der Mann vor dem Supermarkt in Fassbinders Film  „Katzelmacher“ (ich glaube, bevor er den Laden ausraubt). Also: Reichlich Finanzen durch Land und Sender, mindesten für nochmal fünfzig Jahre. 

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Lutz Seiler, Schriftsteller

Zur Person: Leben / Lutz Seiler 22.6.2026

Website des Autors: Lutz Seiler

Bachmannpreis _ ORF Studio

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Bachmannpreisgründer und langjähriger Juror _ Autor und Journalist Humbert Fink
Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Musilmuseum Klagenfurt
Wörthersee

Foto: Lutz Seiler _ Jürgen Bauer

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 22.6.2026

https://literaturoutdoors.com

„Ich habe aus einem viel zu umfangreichen Projekt gelesen, das funktionierte nur bei einigen Juroren – Adolf Muschg etwa“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ O. P. Zier, Schriftsteller _ St.Johann/Pongau 22.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ O. P. Zier, Schriftsteller _ St.Johann/Pongau

Bachmannpreisnominierter 1978

Lieber Othmar Peter, Du hast 1978 am zweiten Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Mir war das damals nicht bewusst.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die umgehende Reaktion auf die Texte.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Ich habe aus einem viel zu umfangreichen Projekt gelesen, das funktionierte nur bei einigen Juroren – Adolf Muschg etwa, soweit ich mich erinnere.

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?

Gar nicht.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Gute Autorinnen und Autoren und gute Jury.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Gelassen bleiben.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

O. P. Zier, Schriftsteller

Zur Person: O. P. Zier, geboren 1954, aufgewachsen in Lend (Salzburg), lebt als Schriftsteller in St. Johann und Eschenau. Zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften, Arbeiten für Hörfunk und Fernsehen. O. P. Zier wurde mehrfach ausgezeichnet und hat zahlreiche Romane veröffentlicht, „Tote Saison“ (2007) und „Mordsonate“ (2010), „Komplizen des Glücks“ (2015). O. P. Zier 22.6.2026

Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Wörthersee _ Strandbad Klagenfurt

Foto: O. P. Zier _ Lukas Beck

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 22.6.2026

https://literaturoutdoors.com

„„Mein Großvater hieß Franz Kafka““ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Walter Müller, Schriftsteller _ Salzburg 22.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview  _ Walter Müller, Schriftsteller _ Salzburg

Bachmannpreisnominierter 1979

Text „Apokalypso“ _ Gewinn des Stipendiumpreises

Lieber Walter, Du hast 1979 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Ich wurde in letzter Minute nachnominiert, da ein Schriftsteller aus der DDR kein Einreisevisum bekommen hatte und somit einer von insgesamt 27 „Leseplätzen“ zur Verfügung stand. Meinen Text („Apocalypso“) hab ich in der Nacht vor der Abreise von Salzburg nach Klagenfurt ins Reine geschrieben. Die Texte mussten noch nicht vorab von einem Jurymitglied begutachtet werden. Die Auslosung für die Startreihenfolge hab ich in meinem Pensionszimmer buchstäblich verschlafen, kein Mensch wusste, ob ich überhaupt angekommen war. Zum Glück wurde ich „in Abwesenheit“ für einen Termin notiert … falls „Müller aus Salzburg doch noch auftauchen sollte“.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Das schmerzhaft-emotionale Ausgeliefertsein des Autors, der Autorin an famose, redebegabte Beurteiler und Beurteilerinnen (nicht zynisch gemeint!)

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Ich war 29, Journalist und Musiker – und eine leere, weiße Seite im Literaturbetrieb, Juror Rudolf Walter Leonhard schrieb in seinem Bachmann-Preis-Bericht: „…auch emsigen Verfolgern der Gegenwartsliteratur bis dato unbekannt.“

Also setzte ich mich ohne große Aufregung oder gar Erwartung an den Lesetisch. Unmittelbar vor meinen ersten Sätzen protestierten junge Kärntner Kunstschaffende für ein Kulturzentrum und gegen Marcel Reich-Ranitzki. Aber auch das ging vorbei. In meiner Geschichte kommt dieser Satz vor: „Mein Großvater hieß Franz Kafka.“ In der Jurydiskussion meldete sich Reich-Ranitzki vorwurfsvoll: „Man kann doch den Namen Franz Kafka nicht in so einem Text verwenden!!!“ Damals herrschte absolutes Redeverbot für die Wettbewerbs-Teilnehmer während der Beurteilungen durch die Literaturgrößen. Da war eisernes Schweigen angesagt. „Mein Großvater hieß aber wirklich Franz Kafka“, der Satz ist einfach so aus meinem Mund herausgesprungen. Gelächter im Publikum, Mitgefühl und Zuspruch von anderen Juroren – und am nächsten Tag eine Schlagzeile in einer Kärntner Zeitung: „Mein Großvater hieß wirklich Franz Kafka“. Nur soviel: Er war nicht der Schriftsteller sondern ein Lastwagenfahrer, der im Zweiten Weltkrieg vermisst gemeldet worden ist.

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?

Wie gesagt: Ich war ein Newcomer, ich hatte nichts zu verlieren und hätte viel zu gewinnen gehabt. Nach dem Bewerb und dem Stipendien-Gewinn kamen Anfragen von großen namhaften Verlagen aus Österreich und Deutschland. Mein Pech: Ich hatte noch nicht sehr viel geschrieben und ließ mir zu viel Zeit, bis das Interesse verraucht war oder ich „auf die Schnelle“ die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Bestärkt hat mich die Anerkennung in meinem Interesse am Geschichten-Recherchieren, den Stil beim Schreiben hab ich mehrmals für mich neu entdeckt. Der Großvater im Text hat mich zum Ergründen der eigenen Familiengeschichte gebracht („Die Häuser meines Vaters“ etc.) – Neben der literarischen Arbeit, neben zwei Dutzend Büchern auch zwei Dutzend Theaterstücke, hat mich die Tätigkeit als Abschiedsredner voll und ganz begeistert – („Wenn es einen Himmel gibt“ z.B.)

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Themenvielfalt, mutige Autorinnen und Autoren, mit überraschenden Einblicken von allen Seiten in und auf diese Welt, zum Bersten neugierige Juroren und Jurorinnen, waches, begeisterungsfähiges Publikum.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

All das, was ich grad formuliert habe, Glück, Segen, Tumult, Aufbegehren, Kühnheit, den Glauben an das Wort, die Sprache, das Schweigen, das Lachen und den vitalisierenden Zauber der Wörthersee-Wellen.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Walter Müller, Schriftsteller

Zur Person: Walter Müller, Schriftsteller, Journalist, Dramaturg, 1950 geboren in Salzburg, Hat bisher 17 Bücher veröffentlicht, zwei Dutzend Theaterstücke, drei CDs mit eigenen Liedern für Kinder; er schreibt Essays und Feuilletons, ist Trauerredner und wurde mit etlichen Preisen und Auszeichnungen bedacht, unter anderem mit dem Ingeborg Bachmann-Förderpreis, dem Rauriser Förderungspreis und dem Georg-Trakl-Stipendium. Die Stadt Salzburg ehrte ihn für seine kulturellen Verdienste mit dem Stadtsiegel in Silber und in Gold. Müller Walter – Edition Tandem – Verlag Salzburg Wien 22.6.26

Bachmannpreisjury _ Vorsitzender Marcel Reich-Ranicki

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Bachmannpreisgründer und langjähriger Juror _ Autor und Journalist Humbert Fink
Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt/Rathaus _ Bachmannpreisankündigung
Wörthersee

Foto: Walter Müller _ Anna Aicher

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/ORF Archiv_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 22.6.2026

https://literaturoutdoors.com

„Die Kritiker haben beim Bachmannpreis mehr zu gewinnen und weniger zu verlieren“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Martin Ahrends, Schriftsteller _ Berlin 22.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Martin Ahrends, Schriftsteller _ Berlin

Bachmannpreisnominierter 1989 und 1992

Lieber Martin, Du hast 1989 und 1992 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen? 

Der unterschwelligen Herablassung seitens der Jury war ich nicht gewachsen, etwas davon wollte ich oberwellig zurückgeben und bin vom Dampfer gehopst. Hab mich von Deck – in voller Montur, vor laufender Kamera – mit Schmackes herabgelassen.  

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die Kritiker sind und bleiben weit namhafter als die Autoren. Sie haben dort mehr zu gewinnen und weniger zu verlieren.  

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Ich nahm den Wettbewerb schon 1989 viel zu ernst, wusste aber nicht, worauf ich mich einlasse, Herr Karasek fühlte sich „angekitscht“ und ich mich völlig missverstanden.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt? 

Vor meiner zweiten Teilnahme 1992 hatte mein Verlag (KiWi) eine Lesereise mit meinem Romanerstling geplant, der im Herbst erscheinen sollte, das Plakat war schon gedruckt; es wurde eingestampft, die Reise abgesagt, mein Roman als „Weglasser“ vermarktet, also von den Verlagsvertretern – trotz sehr guter Rezensionen – nicht empfohlen. Ich hab lange gebraucht, bis ich wieder Wind unter die Flügel bekam.  

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung? 

Der Wettbewerb ist jetzt wohl ein anderer.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen? 

Dass man seitens der Kritik eher synthetisch als analytisch vorgehen möge.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Martin Ahrends, Schriftsteller

Zur Person: Martin Ahrends wurde 1951 in (West-)Berlin Zehlendorf geboren, er zog mit den Eltern 1957 nach Kleinmachnow (DDR). Abitur 1970 in Potsdam, Studien der Musik, Philosophie, Theaterregie in Berlin, wo er als Redakteur einer Zeitschrift für ernste Musik und als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Komischen Oper tätig war. Nach einem politisch begründeten Arbeitsverbot stellte er 1982 einen Ausreiseantrag, dem 1984 stattgegeben wurde. In Hamburg war er zwischen 1986 und 94 Redakteur und freier Mitarbeiter der Wochenzeitung DIE ZEIT, seither ist er freier Autor. Neben zahlreichen publizistischen Arbeiten hat er literarische Texte veröffentlicht: Erzählungen, Essays, Romane u. a. bei Kiepenheuer & Witsch in Köln, bei Wallstein in Göttingen und im Aufbau Verlag Berlin. Martin Ahrends – Autorenlexikon 22.6.26

Bachmannpreis _ Publikum _ ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt _ Innenstadt
Wörthersee

Foto: Martin Ahrends _ privat

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis _ Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 20.6.2026

https://literaturoutdoors.com

„eine rasche Rückkehr zum Prinzip der Spontan-Kritik“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Gert Ueding, Bachmannpreisjuror von 1981-86/1992 _ Heidelberg 22.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Gert Ueding, Literaturkritiker, Universitätsprofessor, Mitglied zahlreicher Literaturjurys.

Bachmannpreisjuror von 1981-86 und 1992

Lieber Gert, Du warst von 1981 bis 1986, und dann noch einmal 1992 mit Peter Demetz, Juror beim Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Ich habe gerne teilgenommen. Die Atmosphäre war kollegial, Stadt, Landschaft, Wörther See spielten sozusagen mit. Die Mischung aus literarischer Diskussion, entspanntem Beisammensein im Restaurant, bei der gemeinsamen Bootsfahrt usw. war im damaligen literarischen Leben einmalig.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die Spontankritik war der wichtigste und reizvollste Bestandteil der Veranstaltung. Das hochkonzentrierte Zuhören, die direkte Konzentration mit Autor und Text, die Diskussion mit den Kollegen, das Risiko der spontanen Reaktion, die unverstellte Urteilsbildung, die nicht durch verfremdende Vorbereitung und langatmige, am Schreibtisch angefertigte Referate gestört wurde.

Wie hast Du als Juror die Lesungen, die Jurydiskussionen, die Preisverleihungen und die Begegnungen rundum erlebt?

Eine nicht spannungsarme, aber dadurch kontrastreiche Fülle von Begegnungen, die von freundschaftlicher Nähe bis zu kritischer Distanz eine ganze Skala von Möglichkeiten bot.

Wie gelingt es Objektivität zu bewahren?

Objektivität ist weder Ziel, noch Sinn von Kritik, und sowieso nicht möglich. Gerade die prononcierte Individualität der Urteile machte den Reiz aus und die Vielheit der kritischen Meinungen zeigte den jeweiligen Text und Autor in einem Reichtum an Perspektiven, die von der Zeitungskritik, wenn überhaupt, dann nur sehr selten erreicht werden kann.

Wie hat sich diese Funktion auf Deinen weiteren beruflichen Weg ausgewirkt?

Stärkung meiner literaturkritischen Tätigkeit für Presse, Funk und Fernsehen.

Was braucht der Bachmannpreis für eine zukünftige gute Entwicklung?

Vor allem eine schleunige Rückkehr zum Prinzip der Spontan-Kritik.

Was möchtest Du aktuellen Juroren:innen, Teilnehmer:innen und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Ziel sollte eine lebendige, auch unterhaltsame kritische Diskussion über die ausgewählten/eingereichten, aber erst durch Lesung des Autors der Runde bekannt werdende Texte sein.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Gert Ueding, Literaturkritiker, Universitätsprofessor, Mitglied zahlreicher Literaturjurys.

Zur Person: Gert Ueding, 1942 geboren, lebt bei Heidelberg, bis 2009 Ordinarius für Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen, bis 2012 Gastprofessor an der Universität St. Gallen. Essayist, Literaturkritiker verschiedener großer Zeitungen, u. a. der FAZ und der Welt. Mitglied zahlreicher literarischer Jurys, u. a. der Jury zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels sowie der Jury der Bücherbestenliste des SWR. Bei Klöpfer & Meyer hat er über viele Jahre die renommierte Essayreihe Promenade herausgegeben. 2016 erschien, hoch gelobt, in drei Auflagen: Wo noch niemand war. Erinnerungen an Ernst BlochGert Ueding – Kröner Verlag 22.6.26

Bachmannpreis _ Jury 1980er Jahre (nicht alle am Bild)

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Bachmannpreis Empfang der Stadt Klagenfurt _ Schloss Loretto/Wörthersee

Foto: Gert Ueding _ Kröner Verlag

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis _ Archiv ORF; Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 22.6.2026

https://literaturoutdoors.com

„Mann – Ach“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text & Performance _ Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wien 22.6.2026

Station bei Malina_
Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wienperforming Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann_ 
Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _
Walter Pobaschnig 11/23, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

MALINA _ Akrostichon

Text & Performance _ Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Station bei Malina_
Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wienperforming Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann_ 
Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _
Walter Pobaschnig 11/23, folgende

MALINA

M ann –

A ch

L iebes

I ch

N enne damit doch

A uch Dich, die Frau

Zarah Weiss, 11/23

Station bei Malina_
Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wienperforming Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann_ 
Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _
Walter Pobaschnig 11/23, folgende
Station bei Malina_
Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wienperforming Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann_ 
Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _
Walter Pobaschnig 11/23, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Text & Performance am Originalschauplatz

MALINA _ Akrostichon

Text & Performance _ Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wien

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wienperforming Malina

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Fotos: Station bei Malina_
Zarah Weiss, Schriftstellerin _Wienperforming Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien  
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann_ 
Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom) _
Walter Pobaschnig 11/23.

Walter Pobaschnig   11/23

https://literaturoutdoors.com

Im Schatten der Kraniche, Bernadette Németh. Roman, Wieser Verlag.

Die Träume. Der Flug der Vögel. Jetzt hier hilflos im Krankbett. Die große Angst des Stimmverlustes wird bei der Sängerin Ida ganz real. Das Wort fehlt. Sprachlosigkeit, die auch Ausdruck der stillen, erlittenen, verschwiegenen und verleugneten Geschichte am Ort und am Weg eines Landes, einer Familie hier im österreichischen Burgenland sind. Doch Namen, Gesichter, Leid und Verzweiflung kehren zurück und lassen zurückblicken…

Ihre Mutter Anna steht jetzt am Krankbett. Erkundigt sich nach dem Befund und den Perspektiven. Der Blick muss nach vorne gehen. In die Zukunft von Ida und allen rundum. So war es immer. Doch immerfort?

Anna erinnert sich jetzt der Wunden des Krieges, die lange noch nicht verheilt, ja benannt sind. Das Zusammenleben der Menschen, das Schicksal der Volksgruppen, es muss durch diese dunklen Stunden der Erinnerung hindurchgehen in vielen Erinnerungssteinen am Weg der Generationen und im Licht ein neues Bewusstsein finden, erschaffen…die Schrecken hier im Steinbruch, der Mord in den Kriegstagen ist überall unter der nur scheinbaren stillen Erde bedeckt vom Schweigen der Menschen hier. Und es sind Namen, die diese Geschichte in sich tragen, von Generation zu Generation…

Bernadette Németh, sehr facettenreiche und vielfach ausgezeichnete österreichische Schriftstellerin, legt mit „Im Schatten der Kraniche“ ihren vierten Roman vor. Und das ist ein ganz großer literarischer Wurf, der österreichische Zeit- und Regionalgeschichte in einem sehr innovativen wie gelungenen Erzählkonzept verbindet und Leserin und Leser auf eine erschütternd dramatische wie spannende Spurensuche von Frauenwegen im 20.Jahrhundert mitnimmt.

Die im Burgenland lebende Autorin verwendet Textmontagen, in denen Sie die Erzählperspektiven variiert und damit eine große Lebendigkeit erzeugt wie die Bedeutung von individuellen Erinnerungen als Gesamtkonzept von Identität hervorhebt. Geschichte hat viele Stimmen, die in unterschiedlichen Ton- und Existenzlagen Ereignisse wiedergeben und Erinnerungen verbinden. Das Erzählen ermöglicht eine Zukunft. Und dazu sind die Frauenpersönlichkeiten im Buch bereit und öffnen so die schwere dunkle Erde von Geschichte in der Möglichkeit und Hoffnung eines Weitergehens am Ort und in der Familie.

„Ein Roman, der Geschichte und Generationenfolge einzigartig und literarisch sensationell thematisiert und aufarbeitet. Ein Ereignis!“

Im Schatten der Kraniche, Bernadette Németh. Roman, Wieser Verlag.

Hardcover, 294 Seiten

ISBN: 978-3-99029-699-8

€24.00 inkl. MwSt.

Walter Pobaschnig 6/26

https://literaturoutdoors.com

„der Wettbewerb tut jungen Autorinnen und Autoren gut – sie lernen den Literaturbetrieb besser kennen, egal, ob sie was gewinnen oder nicht.“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Artur Becker, Schriftsteller _ Frankfurt/Main 22.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Artur Becker, Schriftsteller _ Frankfurt/Main

Bachmannpreisnominierter 2001 und 2004

Lieber Artur, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt, dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum, teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Der Müßiggang am Wörthersee ‒ in beiden Fällen, da ich 2001 und 2004 dort gelesen habe. Der See ist wunderschön und man kann sich dort prächtig erholen. Auch von den langen Nächten … und Lesungen.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die Live-Lesung im TV. Alle fiebern mit, die dich kennen. Es ähnelt das Ganze ein bisschen einem mega Sportereignis.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

In beiden Fällen positiv, sowohl 2001 und 2004. Letztendlich ist es nur eine Lesung von 15 Minuten. Ich wurde gelobt und kritisiert. Ich war jung und hatte außerdem Lampenfieber. Im Großen und Ganzen eine schöne Erfahrung. Und Vorbereitung auf spätere Auftritte. Ich habe damals viel Zuspruch von älteren Kolleginnen und Kollegen erhalten. Mein Gott, manche Menschen leben nicht mehr.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Beim 2. Mal wurde ich von Journalisten gefragt, warum ich mir das überhaupt noch einmal geben würde. Na ja, der Wettbewerb tut jungen Autorinnen und Autoren gut – sie lernen den Literaturbetrieb besser kennen, egal, ob sie was gewinnen oder nicht. Schließlich wollen sie nur schreiben und veröffentlichen. Also, in meinem Fall war die Teilnahme schon eine Art Entrance, auch wenn Ruhm schnell verblasst, wie alles Übrige auch.   

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Das weiß ich nicht, weil ich den Wettbewerb kaum verfolge. Nicht aus Ignoranz – ich habe einfach viel zu tun. Auf dem Schreibtisch. Aber so ein Wettbewerb braucht vor allem gute Leute, auf beiden Seiten, und das scheint doch bisher ziemlich gut zu funktionieren. Seit 50 Jahren. Ist zumindest mein Eindruck. Aber ich mag mich täuschen.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Ich möchte allen viel Erfolg wünschen, den kommenden Gewinnern jetzt schon gratulieren und den kommenden Verlierern jetzt schon sagen: Kopf hoch, Klagenfurt ist nicht das Ende der Welt, nach dem Wettbewerb geht es mit dem Schreiben weiter ‒ seht es sommerlich-sportlich an dem schönen Wörthersee! Dem Publikum wünsche ich viel Vergnügen, der Jury ein gutes Händchen und den Organisatoren und den vielen Mitarbeitern aus der Gastronomie und Hotellerie viel Geduld ‒ diese wunderbaren Leute, die Knochenarbeit leisten, vergisst man nämlich immer.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Artur Becker, Schriftsteller

Zur Person: Artur Becker, 1968 geboren als Sohn polnisch-deutscher Eltern in Bartoszyce (Masuren), lebt seit 1985 in Deutschland. Schreibt Romane, Erzählungen, Gedichte und Aufsätze, auch als Übersetzer tätig.
Artur Becker ist Mitglied im P.E.N.-Zentrum Deutschland und im Exil-P.E.N.-Club sowie im Verband deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di. Vita 22.6.2026

Website des Autors: Artur Becker Aktuell

Klagenfurt _ Altstadt
Wörthersee

Foto: Artur Becker _ Alex Cio

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis_ Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 22.6.2026

https://literaturoutdoors.com

„eine Achtung vor den Mutigen“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Helga Schubert, Schriftstellerin _ Schwerin/D 22.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Helga Schubert, Schriftstellerin _ Schwerin/D

Bachmannpreisträgerin 2020

Liebe Helga, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Dass wegen Corona meine Teilnahme im Jahr 2020 nur digital war, dass ich meinen Beitrag also vorher in unserem Garten las.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die sofortige öffentliche Reaktion auf einen literarischen Text durch Fachleute.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Die Lesung im zeitlichen Vorfeld fand ich als entspannt, denn ich hätte ja Fehler machen können. Die Jurydiskussion war für mich sehr angenehm, weil die ja ebenfalls digital war. Sie hatte etwas Unwirkliches- ich verglich sie mit meiner eigenen Juryarbeit vor 30 Jahren, die ja vor Ort stattfand.

Die Preisverleihung war für mich überraschend, da ich nicht damit gerechnet hatte, tatsächlich den Preis zu bekommen. Außerdem war alles im Studio ohne Publikum- eben wegen Corona.

Wie hat sich Bachmannpreis bzw. Preisgewinn/Teilnahme auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

Fundamental, denn ich hatte als 80-Jährige mit meinem Leben als öffentlich wirkende Schriftstellerin abgeschlossen. Nun kam ich in die Bestsellerliste, veröffentlichte weitere, auch frühere, vergriffene Bücher. Ich wurde zu vielen Lesungen, Diskussionen, auch u Tagungen eingeladen.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

 Auch weiter einen ausreichenden Sendeplatz und das Wohlwollen der Literaturinteressierten.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Ich wünsche den Teilnehmenden Selbstsicherheit im Vergleich  mit den Mitbewerbern und Mitbewerberinnen, der Jury eine Achtung vor den Mutigen und eine respektvolle Beziehung zur literarischen Tradition. Und dem Bachmannpreis-Wettbewerb wünsche ich noch viele ertragreiche Jahre.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Helga Schubert, Schriftstellerin _ Lesung Bachmannpreis 2020 _ Garten der späteren Bachmannpreisträgerin

Zur Person: Helga Schubert, geboren 1940 in Berlin, war Psychotherapeutin und Schriftstellerin in der DDR. Sie zog sich aus der literarischen Öffentlichkeit zurück, bis sie 2020 mit der Geschichte ›Vom Aufstehen‹ den Ingeborg-Bachmann-Preis gewann. Der gleichnamige Erzählband erschien 2021 bei dtv und war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. 2023 erschien ›Der heutige Tag. Ein Stundenbuch der Liebe‹, 2024 wurde Helga Schubert mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Landeskulturpreis MV ausgezeichnet. Helga Schubert 15.6.2026

Bachmannpreis 2020 _ Moderator Christian Ankowitsch moderiert pandemiebedingt die online-Jurykritik im leeren ORF Studio
Bachmannpreis-Jury 2020_
Vorsitzender Hubert Winkels (zweite Reihe links)

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Bachmannpreisgründer und langjähriger Juror _ Autor und Journalist Humbert Fink
Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Rizzibrücke _ Lendkanal/Klagenfurt
Abendstimmung _ Wörthersee

Foto: Helga Schubert _ ORF screenshot/Walter Pobaschnig

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/screenshots_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 14.6.2026

https://literaturoutdoors.com