50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Artur Becker, Schriftsteller _ Frankfurt/Main
Bachmannpreisnominierter 2001 und 2004
Lieber Artur, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt, dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum, teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Der Müßiggang am Wörthersee ‒ in beiden Fällen, da ich 2001 und 2004 dort gelesen habe. Der See ist wunderschön und man kann sich dort prächtig erholen. Auch von den langen Nächten … und Lesungen.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Die Live-Lesung im TV. Alle fiebern mit, die dich kennen. Es ähnelt das Ganze ein bisschen einem mega Sportereignis.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
In beiden Fällen positiv, sowohl 2001 und 2004. Letztendlich ist es nur eine Lesung von 15 Minuten. Ich wurde gelobt und kritisiert. Ich war jung und hatte außerdem Lampenfieber. Im Großen und Ganzen eine schöne Erfahrung. Und Vorbereitung auf spätere Auftritte. Ich habe damals viel Zuspruch von älteren Kolleginnen und Kollegen erhalten. Mein Gott, manche Menschen leben nicht mehr.
Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?
Beim 2. Mal wurde ich von Journalisten gefragt, warum ich mir das überhaupt noch einmal geben würde. Na ja, der Wettbewerb tut jungen Autorinnen und Autoren gut – sie lernen den Literaturbetrieb besser kennen, egal, ob sie was gewinnen oder nicht. Schließlich wollen sie nur schreiben und veröffentlichen. Also, in meinem Fall war die Teilnahme schon eine Art Entrance, auch wenn Ruhm schnell verblasst, wie alles Übrige auch.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Das weiß ich nicht, weil ich den Wettbewerb kaum verfolge. Nicht aus Ignoranz – ich habe einfach viel zu tun. Auf dem Schreibtisch. Aber so ein Wettbewerb braucht vor allem gute Leute, auf beiden Seiten, und das scheint doch bisher ziemlich gut zu funktionieren. Seit 50 Jahren. Ist zumindest mein Eindruck. Aber ich mag mich täuschen.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Ich möchte allen viel Erfolg wünschen, den kommenden Gewinnern jetzt schon gratulieren und den kommenden Verlierern jetzt schon sagen: Kopf hoch, Klagenfurt ist nicht das Ende der Welt, nach dem Wettbewerb geht es mit dem Schreiben weiter ‒ seht es sommerlich-sportlich an dem schönen Wörthersee! Dem Publikum wünsche ich viel Vergnügen, der Jury ein gutes Händchen und den Organisatoren und den vielen Mitarbeitern aus der Gastronomie und Hotellerie viel Geduld ‒ diese wunderbaren Leute, die Knochenarbeit leisten, vergisst man nämlich immer.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Artur Becker, 1968 geboren als Sohn polnisch-deutscher Eltern in Bartoszyce (Masuren), lebt seit 1985 in Deutschland. Schreibt Romane, Erzählungen, Gedichte und Aufsätze, auch als Übersetzer tätig.
Artur Becker ist Mitglied im P.E.N.-Zentrum Deutschland und im Exil-P.E.N.-Club sowie im Verband deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di. Vita 22.6.2026
Website des Autors: Artur Becker Aktuell


Foto: Artur Becker _ Alex Cio
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis_ Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 22.6.2026