„Wir müssen verstehen lernen, dass gesellschaftlicher Frieden ein proaktiver Prozess ist, an dem sich alle beteiligen müssen“ _ 5 Fragen _ Markus Keimel, Musiker _ Graz 23.9.2026

5 Fragen an Künstler:innen

Markus Keimel _ Musiker, Schriftsteller, Künstler, Journalist  _ Graz

Lieber Markus, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jeder Tag beginnt mit einer Tasse Tee, denn ohne Tee geht bei mir gar nichts. Fenchel, Thymian-Spitzwegerich und Kamille sind meine größten Freunde, wenn es um ein gelungenes Morgenritual geht. Der Ablauf danach ändert sich je nach Jobs, Aufgaben und Projekten. Zweimal eine Stunde Bewegung gehört allerdings zum festen Bestandteil meines Tagesablaufs. Aktuell dreht sich natürlich viel um die Promotion und Öffentlichkeitsarbeit zu meiner neuen Single „Flowerz“. Das nimmt einen großen Raum ein. Zudem arbeite ich bereits intensiv an der Vorproduktion einer neuen Single. Ich habe nach einer längeren Pause auch die Schreibarbeiten für meinen neuen Roman wieder aufgenommen. Von langweiligen Tagesabläufen kann ich also zum Glück nicht berichten.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir wieder lernen uns als Ganzes zu betrachten und damit aufhören, uns in derart absurde Kleinstpartikel zu spalten, wie das zunehmend der Fall ist. Ich kann das inflationär und leider völlig unbedacht verwendete „N-Wort“ nicht mehr hören. Und auch dieses unnötige Auseinanderdividieren unterschiedlicher Generationen, etwa durch spaltende Begrifflichkeiten aus der Soziologie, die im bürgerlich verwendeten Kontext weniger Konflikte beschreiben, als dass sie sie schüren…das macht mich doch sehr traurig. Zwischen den Generationen liegt nämlich kein Abgrund – lediglich Zeit, der wir viel zu viel Bedeutung schenken. 

Wir müssen auch verstehen lernen, dass gesellschaftlicher Frieden ein proaktiver Prozess ist, an dem sich alle beteiligen müssen. Frieden ist ein fragiler Zustand, den man sorgsam behandeln muss. Man kann einander auch Freund nennen, wenn man ein unterschiedliches Weltbild hat. Akzeptanz statt Ignoranz, Diskussion statt Gegendemo, Hände reichen statt Fäuste ballen, Brücken statt Gräben, das wäre wünschenswert und aus meiner Sicht sehr wichtig. 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Bedingt durch die Entwicklung rund um KI empfinde ich zum ersten Mal in meinem Leben reale Angst, dass Kunst und Musik für zukünftige Generationen tatsächlich redundant und bedeutungslos werden könnten. Ich würde mir schon wünschen, dass wir als Gesellschaft besser und möglichst rasch verstehen lernen, dass Freiheit, Realität und Menschlichkeit, erstens analog, und zweitens, existenziell für eine fortschrittliche und freie Zivilisation sind.

Welche Rolle Kunst und Musik dabei spielen, lässt sich wohl variabel auslegen. Ich finde: Kunst darf politisch und kritisch sein, sie muss es aber nicht zwangsläufig! Kunst darf auch lediglich virtuos sein, sich der Ästhetik verschreiben und so eine weitaus höhere Aufgabe bekleiden, als bloß ein gesellschaftspolitischer Spiegel zu sein. Politische Kunst läuft häufig Gefahr, ein Spielball von Ideologien zu werden. Dafür sollte sie nicht herhalten müssen. Ein Künstler trägt im öffentlichen Raum ja auch eine bestimmte Verantwortung, der er sich bewusst sein sollte.

Was liest Du derzeit?

Ich komme leider kaum zum Lesen, da ich derart viel schreibe. Erst vor wenigen Wochen bin ich mit meinem ersten Kinderbuch fertig geworden. Aktuell bin ich in den Arbeiten für meinen neuen Roman verstrickt. Im nächsten Urlaub würde ich aber gerne die Originalfassung von Gulliver’s Reisen lesen, der besonders sprachlich ein Leckerbissen ist. Ich habe auch tatsächlich noch so manchen Klassiker der Weltliteratur nachzuholen: beispielsweise Onkel Toms Hütte von Harriet Beecher Stowe. Alles schafft man eben irgendwie nicht. Aber das steht auf meiner Liste ganz oben.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Da nehme ich gerne eine Metapher meiner neuen Single-Veröffentlichung zum Anlass. Menschen sind wie Blumen: In einem Umfeld voller Respekt, Wertschätzung und Liebe können sie aufblühen und ihre ganze Schönheit entfalten. Werden sie hingegen ständig verletzt oder klein gemacht, beginnen sie zu verwelken. Schaffen wir also gemeinsam ein Umfeld, das uns als Nährboden zum Blühen dient.

Vielen Dank!

Ich danke ebenso und wünsche alles Liebe!

Markus Keimel _ Musiker, Schriftsteller, Künstler, Journalist  

Zur Person/über mich: Markus Keimel ist ein österreichischer Musiker, Künstler, Schriftsteller und Journalist. Er wurde 1987 in der Steiermark geboren, wo er im zarten Alter von zwölf seine ersten Songs zu schreiben begann und bereits mit vierzehn Jahren im Grazer Orpheum sein erstes Konzert spielte.

Seine Lieder bezeichnet Keimel als Friedensstifter und Seelenstreichler. „Wer meine Musik hört, soll darin abtauchen können und dieser Welt für einen wunderschönen und schwerelosen Augenblick entfliehen.“ Markus Keimel fokussiert sich dabei auf harmonische und einprägsame Melodien, smoothe Sounds und anspruchsvolle handgemachte Musik. Der Stil des Singer-Songwriters knüpft in Keimels Klangnetz zwar den roten Faden, durch die Beimengung von Einflüssen aus unterschiedlichen Genres wie Pop, Rock oder Jazz knotet sich daraus allerdings eine Art Slackline, auf der man angenehm hin und her balanciert, ohne jemals das Gleichgewicht zu verlieren. Markus Keimel bedient sich dabei an einem breiten Instrumentarium, das von Gitarren, Bass, Klavier, Schlagzeug bis hin zu Streichern und E-Gitarren reicht.

„Für mich ist jedes Lied ein eigenständiges Kind mit ebenso eigenständigen Bedürfnissen. Da ich sehr darauf bedacht bin, genau auf diese zu hören und einzugehen, klingt am Ende auch keines gleich. Diese Abwechslung in der Musik ist mir wichtig“, sagt Keimel. Die Texte sind inhaltlich allesamt aus dem Leben gegriffen. Sie handeln von besonderen Erlebnissen, Liebe, Kummer, Sorgen, Träumen, Freundschaft oder anderen Geschehnissen, die dem Sänger am Herzen liegen.

Als Musiker und Sänger veröffentlichte er bisher mehrere Tonträger unterschiedlicher Genres (Rock, Pop, elektronische Musik) und spielte mehrere Hundert Konzerte in Europa. Keimel komponiert, spielt und schreibt all seine Lieder und Texte selbst. Er ist Sänger, beherrscht das Gitarren- und Bassspiel und komponiert für Streichinstrumente sowie Klavier. Weiters schreibt und publiziert Keimel Aphorismen, Sprüche, Lebensweisheiten und Texte, die mittlerweile täglich von Politik, journalistischen und sozialen Medien sowie Wirtschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz zitiert werden.

Aktuelle Single: ´FLOWERZ´ inklusive Musikvideo über das österreichische Plattenlabel „Konkord Records“ veröffentlicht https://www.youtube.com/watch?v=k3JtmbnJPLk

Markus Keimel: „Mit dem Lied „Flowerz“ möchte ich ein Zeichen gegen Mobbing setzen. Der Song ist daher allen Menschen gewidmet, die Ausgrenzung oder Ungerechtigkeit erfahren haben, und soll Mut machen, den eigenen Wert niemals aus den Augen zu verlieren. Warum „Flowerz“? Weil Menschen wie Blumen sind: In einem Umfeld voller Respekt, Wertschätzung und Liebe können sie aufblühen und ihre ganze Schönheit entfalten. Werden sie hingegen ständig verletzt oder klein gemacht, beginnen sie zu verwelken. Mit „Flowerz“ möchte ich daran erinnern, dass jeder Mensch die Chance verdient, aufzublühen – und dass Mobbing niemals Akzeptanz erfahren darf.

Foto: privat

Walter Pobaschnig _ 20.9.2026

https://literaturoutdoors.com

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