50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Helga Schubert, Schriftstellerin _ Schwerin/D
Bachmannpreisträgerin 2020
Liebe Helga, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Dass wegen Corona meine Teilnahme im Jahr 2020 nur digital war, dass ich meinen Beitrag also vorher in unserem Garten las.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Die sofortige öffentliche Reaktion auf einen literarischen Text durch Fachleute.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt? Die Lesung im zeitlichen Vorfeld empfand ich als entspannt, denn ich hätte ja Fehler machen können.
Die Jurydiskussion war für mich sehr angenehm, weil die ja ebenfalls digital war. Sie hatte etwas Unwirkliches- ich verglich sie mit meiner eigenen Juryarbeit vor 30 Jahren, die ja vor Ort stattfand.
Die Preisverleihung war für mich überraschend, da ich nicht damit gerechnet hatte, tatsächlich den Preis zu bekommen. Außerdem war alles im Studio ohne Publikum- eben wegen Corona.
Wie hat sich Bachmannpreis bzw. Preisgewinn/Teilnahme auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?
Fundamental, denn ich hatte als 80-Jährige mit meinem Leben als öffentlich wirkende Schriftstellerin abgeschlossen. Nun kam ich in die Bestsellerliste, veröffentlichte weitere, auch frühere, vergriffene Bücher. Ich wurde zu vielen Lesungen, Diskussionen, auch u Tagungen eingeladen.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Auch weiter einen ausreichenden Sendeplatz und das Wohlwollen der Literaturinteressierten.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Ich wünsche den Teilnehmenden Selbstsicherheit im Vergleich mit den Mitbewerbern und Mitbewerberinnen, der Jury eine Achtung vor den Mutigen und eine respektvolle Beziehung zur literarischen Tradition. Und dem Bachmannpreis-Wettbewerb wünsche ich noch viele ertragreiche Jahre.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Helga Schubert, geboren 1940 in Berlin, war Psychotherapeutin und Schriftstellerin in der DDR. Sie zog sich aus der literarischen Öffentlichkeit zurück, bis sie 2020 mit der Geschichte ›Vom Aufstehen‹ den Ingeborg-Bachmann-Preis gewann. Der gleichnamige Erzählband erschien 2021 bei dtv und war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. 2023 erschien ›Der heutige Tag. Ein Stundenbuch der Liebe‹, 2024 wurde Helga Schubert mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Landeskulturpreis MV ausgezeichnet. Helga Schubert 15.6.2026


Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.


Foto: Helga Schubert _ ORF screenshot/Walter Pobaschnig
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/screenshots_Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 14.6.2026