„Die Geschichten der Menschen verstehen und nachfühlen zu wollen“ Clemens Martin Fröschl, Schauspieler _ Wien 28.6.2022

Lieber Clemens, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe auf und muss dann entweder zur Probe fürs Sommertheater oder auf die Uni. Nach getaner Arbeit versuche ich so viel Zeit wie möglich draußen zu verbringen, treffe Freunde oder gehe ins Theater. Meistens trifft man mich dann abends bei einem guten Gespräch und kühlen Bier im Schanigarten.

Clemens Martin Fröschl _ Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir gesund bleiben und arbeiten und spielen können. Wir sollten den Sommer genießen, gute Menschen treffen und unsere Zeit so schön wie möglich ausnützen. Dabei aber nicht vergessen in welcher Schräglage sich die Welt momentan befindet und überlegen was jede:r Einzelne dafür tun kann sie ein Stück weit besser zu machen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Aufbruch? Neubeginn? Wovon? Also wenn es um Corona geht, so glaube ich, hat sich dadurch gesellschaftlich auch nicht viel geändert. Risse und Hass waren davor auch schon da.

Im Theater werden wir nach wie vor darum kämpfen, die die ohnehin schon belehrt sind weiter zu bestärken und die Menschen achtsam zu machen. Achtsam dafür auch bei anderen hinzuhören, die Geschichten der Menschen verstehen und nachfühlen zu wollen. Wer ein bisschen mehr Empathie an den Tag legt, liegt wohl nie falsch.

Was liest Du derzeit?

Medea. Alle möglichen Fassungen, von Euripides über Grillparzer bis hin zu Dea Loher und Christa Wolf.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Genau über folgendes Zitat habe ich mich erst letzthin mit Freunden unterhalten. Es stammt von Erich Kästner. Ich glaub`, ich muss daran jetzt nichts erklären.

„An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die Schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“

Vielen Dank für das Interview lieber Clemens, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Clemens Martin Fröschl _ Schauspieler

Foto_Fabian Steppan

8.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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Bachmannpreis 2022 _ „Ich hätte mir von der Jury etwas mehr Professionalität gewünscht“ Behzad Karim-Khani, Schriftsteller _ Bachmannpreisteilnehmer _ Klagenfurt 27.6.2022

Behzad Karim-Khani, Schriftsteller _ Berlin _
Bachmannpreisteilnehmer 2022

Lieber Behzad, wo liegen die Wurzeln, Inspirationen Deines Klagenfurt-Textes? Wieviel Autobiografie steckt darin?

Es ist kein autobiografischer Text. Ich war nie im Gefängnis.

Ich schreibe aus einem Milieu, das ich kenne und in dem ich aufgewachsen bin, aus dem ich aber auch raus bin. Es gibt da diese Szene im Text mit den beiden Brüdern und beide bin ich selbst in a way. In beiden steckt ähnlich viel Fiktives drin.

Behzad Karim-Khani, Lesung _ ORF Gartenbühne

Was waren Gründe für diese Figuren Wahl im Text?

Vielleicht war eine Ästhetik des Widerstandes ein Ausgangspunkt, das Durchspielen fiktiver Biografie.

Diese beiden Figuren – Saam und Nima – wären darin gleichsam mögliche Endpunkte eines Schicksalsparameters. Was wäre, wenn ich größer, kräftiger, gewalttätiger gewesen wäre? Wenn ich Saam geworden wäre? Was wäre, wenn ich feiger, diplomatischer, vielleicht opportunistischer gewesen wäre und der jüngere Bruder Nima geworden wäre? Ich habe diese beiden Figuren in einen Raum gestellt, um mal zu sehen, was die so miteinander machen.

Wie hast Du die Jurydiskussionen Deines Textes erlebt?

Größtenteils konnte ich sehr vieles nachvollzuziehen, was gesagt worden ist.

An ein paar Stellen hätte ich mir von der Jury etwas mehr Professionalität gewünscht. Teilweise auch ein etwas genaueres Lesen. Gewünscht hätte ich mir eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Text selbst und etwas weniger diese Dynamiken in der Jury.

Bei meinem Text hatte ich zwar jetzt weniger dieses Gefühl, aber bei anderen mehr, dass man seitens der Jury Texte nur reinschmeißt, dass es diese „Kämpfe“ in der Diskussion geben kann. Und diese sind stellenweise etwas unsachlich.

Jury Diskussion _ Übertragung Gartenbühne ORF

Wie hast Du das Lesesetting auf der Gartenbühne erlebt?

Ich fand es toll, fand es sehr gut. Ich fand die ganze Atmosphäre sehr entspannt. Den Umgang der Autor:innen miteinander fand ich sehr schön.

Wir sind hier auch total schön empfangen worden, auch das Hotel ist sehr schön.

Ich fühlte mich sehr willkommen.

Vor der Preisverleihung _ ORF Kärnten _ von links _ Usama Al Shahmani, CH/IQ; Elias Hirschl, A; Juan S. Guse, D; Behzad Karim Khani, D; Leona Stahlmann, D; Andreas Moster, D
Vor der Lesung _ ORF Gartenbühne _ Behzad Karim-Khani, Schriftsteller _ Berlin _
Bachmannpreisteilnehmer 2022

Lieber Behzad, herzlichen Dank für das Interview und das Dabeisein in Klagenfurt, viel Freude und Erfolg weiterhin!

Im Interview _ Behzad Karim-Khani, Schriftsteller _ Berlin _
Bachmannpreisteilnehmer 2022

46.Bachmannpreis _ Klagenfurt 22. – 26.6.2022

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _

Walter Pobaschnig 6_22

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Bachmannpreis 2022 _ „Ich mache gerne einen literarischen Stunt“ Mara Genschel, Schriftstellerin, Bachmannpreisteilnehmerin 2022 _ Klagenfurt 27.6.2022

Mara Genschel, Schriftstellerin _ Berlin
_ Bachmannpreisteilnehmerin 2022

Liebe Mara, wo liegen die Wurzeln, Inspirationen Deines Textes?

Ich wollte eine Erzählung über den Entstehungsprozess einer Erzählung schreiben. Der Text ist in der Corona Zeit im Winter entstanden, in diesem Lockdown-Pandemie Zustand, wo man ja nicht vor die Tür gegangen ist und wenig input abseits der screens, dem Internet und dem Sehen im absoluten Nahbereich hatte. Das Fenster ist eine Art Metapher dafür.

Diese Art von passiver resignativer Grundhaltung habe ich versucht zu analysieren und anderseits auch zu persiflieren, weil ich diese nicht für eine Lösung erzählerischen Schreibens halte.  

Es ist auch eine Art Selbstportrait im move des Beobachtetwerdens. Dabei verwendete ich auch Approximation-Markierungen, etwa im Titel „Das Fenster zum Hof“.

Lesung ORF Gartenbühne _ Mara Genschel

Mich interessieren auch immer performative Strukturen, das Text-Verhalten. Deshalb habe ich dann überspitzt diese absolute Inhaltslosigkeit mit wenig dürren blassen Bezügen zu Klassikern, die im übertragenen Sinne direkt auf dem Regalbrett liegen, in Beziehung gesetzt. Der Film „Das Fenster zum Hof“ von Hitchcock ist natürlich strukturell supercool gemacht.

Ist Interdisziplinarität in der Kunst für Dich ganz wesentlich im Schreiben?

Ja, aber ich möchte mich nicht unbedingt auf diesen Begriff festzurren. Ich denke eher an Textlichkeit außerhalb literaturbetrieblicher Textbeschaffenheit.

Wie hast Du die Jurydiskussion Deines Textes erlebt?

Also, ich muss ganz ehrlich sagen, diese ist etwas an mir vorbeigerauscht – aus akustischen Gründen und auch weil meine Konzentration noch woanders war. Ich habe mich aber über Zuspruch und bestimmte Schlagworte gefreut. Michael Wiedersteins Begriff des „Stunt“ fand ich super. Ich mache gerne einen literarischen Stunt.

Philipp Tingler provoziert eine Auseinandersetzung, die in diesem Konstrukt nicht möglich ist. Das ist das eigentliche Dilemma. Vielleicht nicht einmal die Art wie er ist, sondern, dass man nicht „zurückschlagen“ kann, weil wir nicht selbst im Studio sind. Das ist vielleicht eine strukturelle Fehlkonstruktion von diesem Setting Versuch.

Du hast Dich auch selbst in der Jurydiskussion zu Wort gemeldet. Das kommt sehr selten vor. Was war Dir dabei wichtig?

Ich finde es generell gut, diese Möglichkeit zu haben und es wurde ja eine Steilvorlage geliefert. Erlebt habe ich es dann, dass es gar nicht so leicht ist, einzugreifen. Erstens aus technischer Hinsicht und zweitens, weil die Diskussion so eine Dynamik hat und man aus verschieden Gründen – etwa Höflichkeit, Neugier, Faulheit – nicht richtig reinkommt.

Ich kann mir vorstellen, dass ich nicht die Einzige war, die Bock hatte, sich da so zu zeigen. Aber das ist nicht leicht und je nachdem wie die Diskussion verläuft, geht das halt dann gar nicht. Ich hatte einfach das Glück, dass ich eine schöne kleine Steilvorlage gekriegt habe.

ORF Studio _ vor der Preisverleihung Bachmannpreis _
Mara Genschel, Juan S.Guse (Deutschlandfunk Preisträger 2022), Maskenbildnerin Michaela Haag, Andreas Moster, Eva Sichelschmidt und Leona Stahlmann (alle erste Reihe von links)

Wie hast Du das Lese-, Jury-, Publikumssetting heuer erlebt?

Das kann ich nicht vergleichen, ich kenne ja Klagenfurt nicht anders.

Eigentlich mag ich Gartenlesungen nicht. Aber diese Gartenlesung war superschön. Es war gelöstes, lockeres Publikum da.

Es war eine sehr starke Live_Situation. Mehr als ich das konzipiert hätte. In der Vorbereitung für meine Lesung habe ich sehr stark über das Fernsehen nachgedacht. Wie sind die Bilder im Fernsehen? Wo ist die Kamera? Wo gucke ich hin?

Ich dachte, ich lasse die Live-Situation etwas außen vor aber dann hat sie mich überwältigt, weil sie einfach cool war. Well es eine schöne Stimmung war.

Wie hast Du die Schnurrbartmaske gestylt?

Es ist Echthaar, ich war beim Frisur und habe es dann zur Maskenbildnerin Michaela Haag im ORF mitgebracht. Und sie war ganz toll, hat sofort verstanden, was ich will und fand das super – bart&crime.

Mara Genschel, Schriftstellerin _ Berlin
_ Bachmannpreisteilnehmerin 2022

Liebe Mara, herzlichen Dank für das Interview und das Dabeisein in Klagenfurt, viel Freude und Erfolg weiterhin!

Im Interview _ Mara Genschel, Schriftstellerin_Berlin _ Bachmannpreisteilnehmerin 2022

46.Bachmannpreis _ Klagenfurt 22. – 26.6.2022

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _

Walter Pobaschnig 6_22

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Bachmannpreis 2022 _ „Entfremdung ist auch eine Art Befreiung“ Ana Marwan, Schriftstellerin _ Bachmannpreisträgerin 2022 _ Klagenfurt 27.6.2022

Liebe Ana, herzliche Gratulation zum Bachmannpreis 2022!

Wo liegen die Ursprünge, literarischen Wurzeln, Inspirationen Deines Siegerintextes?

In meiner Entwurzelung vielleicht (lacht). Ich bin jetzt in ein Dorf gezogen, zu dem ich vorher keine Verbindung hatte. Am Anfang habe ich mich sehr fehl am Platz und fremd gefühlt. Ich habe mich da sehr mit den Gedanken beschäftigt wie ein Baum Wurzeln in den Boden schlägt, schlagen kann.

Ich habe da auch eine Art Freiheit gefunden, weil ich gesellschaftlich so ungebunden war, dass ich keinen Erwartungen gerecht werden musste und ich habe jetzt ein paar Jahre das getan, was mir in den Kopf gekommen ist. Das war eine Phase in meinem Leben. Die Entfremdung war dann auch eine Art Befreiung.

Ana Marwan, Schriftstellerin _ Bachmannpreisträgerin 2022

Wann hast Du zu schreiben begonnen?

Schon sehr früh. Ich habe als Kind schon sehr bald so getan, als ob ich schreiben könnte und in Bücher gekritzelt. Meine Eltern habe ich dabei gebeten, mich nicht zu stören, weil ich jetzt schreibe (lacht).

So mit sechs Jahren habe ich mein erstes Gedicht geschrieben. In der Volksschulzeit habe ich jeden Abend ein paar Verse geschrieben. Ich fand das Reimen der Worte sehr schön, die Verbindungen der Wörter zu finden.

Ich schreibe eigentlich schon mein ganzes Leben. Ich hatte auch Unterbrechungen, etwa als ich in einem Büro gearbeitet habe. Der Zugang zu Berufen als Literaturwissenschaftlerin, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, war für mich schwierig. Eigentlich war es unmöglich da einen Job zu finden.

Einen Job mit meinem Wunsch zu schreiben zu vereinen, war sehr schwierig. Es war nicht die Zeit das Problem, sondern die Inspiration, die gehemmt wurde. Und da habe ich vor fünf Jahren beschlossen, mich nur mehr dem Schreiben zu widmen. Ich freue mich sehr darüber, dass ich diese Möglichkeit habe.

Wie hast Du die Literaturtage hier in Klagenfurt erlebt?

Es freut mich, dass so viele Leute hier slowenisch sprechen und ich immer wieder in meiner Muttersprache reden kann.

Ana Marwan, Schriftstellerin _ Bachmannpreisträgerin 2022

Liebe Ana, herzlichen Dank für das Interview und herzliche Gratulation zum Bachmannpreis 2022, viel Freude und Erfolg weiterhin!

Im Interview_Ana Marwan, Schriftstellerin, SLO _ Bachmannpreisträgerin 2022 _

46.Bachmannpreis _ Klagenfurt 22. – 26.6.2022

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _

Walter Pobaschnig 6_22

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„Von der Kunst kann Anziehungskraft zum Verzicht ausgehen“ Bea Kemer, Schriftstellerin _ Berlin 27.6.2022

Liebe Bea, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf variiert. Häufig ist er aber so: Nach dem Aufstehen setze ich mich zuerst an den Schreibtisch. Dann frühstücke ich, lese Zeitung, erledige Dinge. Dann wieder Schreibtisch und abends gehe ich aus. Am Wochenende ist auch Gartenarbeit angesagt.

Bea Kemer, Schriftstellerin 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir Kraft, Mut und Stimmung behalten.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wesentlich wird sein, dass die Menschen zum Verzicht bereit sind. Dass sie sich vom Materiellen zum Immateriellen hinwenden. Da kann von der Kunst Anziehungskraft ausgehen.

Was liest Du derzeit?

Die Erfindung der Sprache von Anja Baumheier.

(ich lese Bücker nicht parallel)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Vielleicht stellte sich durch einen Sichtwechsel Beruhigung ein?“ (Aus dem oben genannten Roman)

Vielen Dank für das Interview liebe Bea, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Bea Kemer, Schriftstellerin 

Foto_privat.

18.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Malina“ Umjubelte Uraufführung von Theater Wolkenflug _ Klagenfurt 26.6.2022

25.Juni 2022. Es ist auf den Tag, oder auf die Nacht genau, der 96.Geburtstag Ingeborg Bachmanns, an dem Ihr Roman „Malina“ den Weg „nachhause“ findet. Da wo ein Leben, ein Schreiben, ein Sehen, ein Fragen und Benennen begann.

Der Uraufführungsort von „Malina“ ist ein Ort mit reicher, kulturell blühender – von der Gründung einer wegweisenden Bildungseinrichtung in der Reformationszeit bis zum Museum moderner Kunst in der Gegenwart – wie schmerzvoller Leidensgeschichte in der NS-Zeit, als die GESTAPO hier verfolgte, quälte, mordete.

Es könnte keinen besseren Ort für diesen Romanstoff geben, der genau in diese, immer wieder aufbrechenden, Wunden verdrängter Geschichte und deren unerbittlichen Folgen in unvergleichlicher Sprachwucht, und -kraft hineinstößt.

Mit Malina kehrt gleichsam Ingeborg Bachmann selbst für einen Abend als kritische, mahnende Stimme der Generationen im schweren Erbe von dunkler Vergangenheit und davon belasteter Gegenwart im zwischenmenschlichen Miteinander zurück. Das ist ein großartiger topographischer Prolog als Theaterkunstgriff der Produktion.

Die Inszenierung von Ute Liepold ist eine kraftvolle, direkte, die ganz auf die literarische Stimme setzt und diese im virtuosen beeindruckenden Wechselspiel der großartigen Schauspielerinnen Birgit Fuchs, Magda Kropiunig, Grischka Voss mit dem wunderbaren ausdrucksstarken Farbenspiel-Bühnenbild von Elisabeth Wedenig wirken lässt.

Es gehört sehr viel Mut dazu sich an diesen gleichsam „unspielbaren“ Prosatext zu wagen und eine Konzeption zu entwickeln, die in 90 Theaterminuten funktioniert. Und das tut es!

Leben, Liebe, Abgrund, Mord als wiederkehrende, weil nie verarbeitete, Todesarten werden in außergewöhnlicher Präsenz von Körper-, und Sprachspiel eindrücklich geöffnet.

Ein Abend, der mitreißend auf die Hochschaubahn von Liebe und Abgrund, Tragik wie Komik katapultiert!

„Ein grandioses Geburtstagsgeschenk an Ingeborg Bachmann wie an Mensch und Zeit!“

Burghof Klagenfurt
Malina _ Bühnenblid _ Elisabeth Wedenig
Malina _Ensemble_ Birgit Fuchs, Grischka Voss, Magda Kropiunig (von links)

Malina von Ingeborg Bachmann

SPIELORT: Burghof Klagenfurt, Burggasse 8 (Eingang Domgasse)

INSZENIERUNG / BÜHNENFASSUNG: Ute Liepold
BESETZUNG: 
Birgit Fuchs, Magda Kropiunig, Grischka Voss
BÜHNENBILD: Elisabeth Wedenig
TECHNIK: 
Philip Kandler
ASSISTENZ: 
Stephanie Sihler

PREMIERE:
25. Juni 2022
20:30 Uhr

TERMINE:
29. und 30. Juni 2022
1., 6., 7., 8., 9. Juli 2022
jeweils um 20:30 Uhr

Alle Fotos_Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig 26.6.2022

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„Gib mir die Schatten zurück, die sich wie Brücken verlängern“ Marco Grosse, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Bonn 26.6.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gib mir die Schatten zurück, die sich wie Brücken verlängern

und unter unserem Dahinschreiten streckten, als hätte es nur richtige Wege gegeben, in der Vielzahl der Möglichkeiten.

In ihren entlegenen Rändern befand sich unsere Heimat.

Verdeckt von Übergängen, von Zeit, vom täglichen Geben und Nehmen, spürten wir unsere Schläfen und das Trommeln unserer Füße.

Es müssen Verzweifelte sein, die versuchen, Feuer in ihren Händen zu halten, ohne sich zu verbrennen.



Planspiele mit Petroleum oder Pferdeflüsterer? Präsidenten oder Premiers? Wir schalten die Nachrichten ab. Planeten gaben immer Orientierung, jetzt sind sie verdeckt vom Rauch unnützer Worte. Immer der Sonne nach, sagst du, während unsere Schuhe am heißen Asphalt kleben.

Ein Gedanke ist schon ein Gebet, denke ich, und in diesem Denken erfüllt sich die Aussage, und als ich dir davon erzählen will, sprichst du von deinen Gedanken, die die Spiegelung der meinigen sind, als könntest du Gedanken lesen.

Auf unseren Köpfen rieseln Kondensstreifen. Wir legen uns flach auf den Boden, als könnten wir so ausharren und eins werden mit dem Pulsieren der Erde.

Camouflage, flüsterst du, während unsere Köpfe eine Mulde in das Feld drücken und unsere Zungen den Humus berühren.

Eines Tages werden wir die Leere der Herzen begreifen, mit Träumen zu füllen versuchen, doch was ist jetzt?



Antworten suchen wir, die uns nicht den Mut nehmen, die im Wendekreis des Krebses der Freiheit ein Denkmal setzen.



Carabiner, Colts, Caliber, Crediteintreiber. Calibrieren. Cretino. Cosa credi?

Hüzün. Am nächsten Tag sind wir der Traurigkeit verfallen, scharfe Paprika noch in der Kehle, es gibt keinen Ausweg. In der Wartehalle am Kai schauen wir den Katzen nach, bis die Fähre uns hinausträgt, in die Meerenge am goldenen Horn. Dann zählen wir die Wellen, sehen die Reflektionen des Ganzen, dazwischen den Rücken eines Delphins, der wie ein Seraphim beim Sprung aus den Wogen zu uns blickt, uns vorauseilt, in die Vielfalt der Wirklichkeit, wo die Sonne jetzt unser Verlangen liebkost.

Auf der anderen Seite der Stadt lernten wir mit Wunden zu leben.

Niemand ist Normalnull.

Cinderella stand als Name auf der eisernen Verkleidung, die in sich den Sprengstoff trug: Schau der Wirklichkeit ins Auge, sagten sie, aus Angst, aus Notwendigkeit, aus Gehorsam — sie halten alle Brenngläser in den Händen, haben das Apfelpflücken vergessen und lassen die Früchte auf den Bäumen verrotten.

Erst gestern standen wir abends neben den Anglern auf der Brücke, schauten ihnen zu und glaubten an ihre Zeichensprache, ihre endlose Geduld, während die Muezzinrufe das Dröhnen des Verkehrs durchdrangen. Die Angelleinen, die die Luft durchtrennten, bevor sie hinabsanken, führten geradewegs ins schwarze Wasser, bis ein Fisch anbeißen würde.


Marco Grosse, 1.6.2022

Marco Grosse, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Marco Grosse, Schriftsteller

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 1.6.2022.

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„Die Literatur ist die beste (und preiswerteste) Möglichkeit „barrierefrei“ Vieles zu verarbeiten“ Rotraut Schöberl, Schriftstellerin _ Wien 26.6.2022

Liebe Rotraut, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Das einzige Fixe jeden Tag ist am Morgen, gleich nach Aufstehen und Katze füttern, durchs Gärtchen schlendern und alle Sinne auf den neuen Tag einstimmen, diese 10, manchmal wesentlich mehr, Minuten gehören allerdings schon seit Jahren zu meinem Tagesstart. Der restlichen Tagesablauf wird überwiegend von meinem Terminkalender strukturiert.

Rotraut Schöberl, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wieder mit Menschen von Angesicht zu Angesicht kommunizieren und die Rituale der Coronazeit abzulegen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Literatur ist die beste (und preiswerteste) Möglichkeit „barrierefrei“ Vieles zu verarbeiten, tröstlich auch von Anderen zu lesen und festzustellen: es gibt doch Viele, die so denken wie ich, haben Ähnliches erlebt – wie gehen sie damit um.

Die andere Seite sind die Möglichkeiten von neuen Denkmustern, die wir durch die Literatur und Kunst kennenlernen können, auf die wir selber nicht gekommen wären. Die Dinge anders zu betrachten ist immer ein guter Anfang, egal, worum es geht, sich neue Wege zu erschließen und Verständnis für Andere, Anderes und Fremdes zu entwickeln.

Was liest Du derzeit?

Elizabeth George, Meisterklasse.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

 »Ich habe für bestimmte Dinge nicht mehr die Geduld. Nicht, weil ich arrogant geworden bin, sondern einfach, weil ich einen Punkt in meinem Leben erreicht habe, wo ich keine Zeit mehr vergeuden möchte mit Dingen, die mir missfallen oder weh tun. Ich habe keine Geduld mehr für Zynismus, übertriebene Kritik und Forderungen jeglicher Art. Ich unternehme keine Anstrengungen mehr, denjenigen zu gefallen, die mich nicht mögen, die zu lieben, die mich ablehnen und jenen zuzulächeln, die mir niemals ein Lachen schenken.

Diese Worte sind von José Micard Teixeira, werden aber oft Meryl Streep zugeschrieben.

Vielen Dank für das Interview liebe Rotraut, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Rotraut Schöberl, Schriftstellerin

Foto_Stefan Knittel

1.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Geflimmer auf dem Bildschirm: Schönes Mädchen“ Natascha Huber, Schriftstellerin_ GIve Peace A Chance _ Passau/D 25.6.2022

GIVE PEACE A CHANCE

G eflimmer auf dem Bildschirm: Schönes Mädchen

I n Folkloretracht. Du erzählst von Stoff & Geschichte, 

V om Land in der Ferne, dessen Flaggen leuchten am

E inheitlich sternlosen Himmel. Wir denken Rauch & hissen



P rofil. Nicht aus dem Rahmen fallen, nicht aus dem Tag, ab heute

E iner nach dem andern. Schritte brechen

A ufeinander zu, so der Kontext, Nachrichten-

                                                                                                       -Ticker-

– Tick-

-Tack-

C lash: Die Realität ist konfrontiert, es gilt

E inhalten, Einatmen. Morgen ist



A uch noch ein Tag….



C hangier das aus, filetier das auf, filter das durch, so die

H erausforderung. Eine Aufforderung des Professors: Wir können

A lles von einem Raum zum nächsten schieben, Semantisierung & Schuld

N ur eine Hülle – Hülse – die zu Boden fällt

C annst du den Aufprall hören? Hier ist Sprache

E ine letzte taumelnde Fehlübersetzung.


Natascha Huber, 7.6.2022

Natascha Huber, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Natascha Huber, Schriftstellerin

Foto_Ela Photography Stuttgart.

Walter Pobaschnig _ 7.6.2022.

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„Mischen wir uns ein, reden wir miteinander, kommunizieren wir übers Schreiben“ Luis Stabauer, Schriftsteller _ Wien 25.6.2022

Lieber Luis, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nach dem Aufstehen in etwa um 7.00 einige Bewegungsübungen und dabei das Ö1 Morgenjournal hören. Danach die Sozialen Medien und Mails durchschauen, eventuell antworten und eigenes schreiben, dann zum Frühstück. Texte überarbeiten und an den letzten Kapiteln für den neuen Roman (Sein Genick brach nicht) schreiben.

Am Nachmittag und Abend eher aktuelle und künftige Projekte, sowie Termine bearbeiten und eventuell noch eine Runde gehen, Freund’innen treffen, Kulturevents besuchen. Bei eigenen Lesungen oder Moderationen liegt der Tages-Schwerpunkt auf diesen Aktivitäten.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Konzentrieren wir uns auf das Schöne, indem wir die Liebe an die Menschheit kreativ ausdrücken und darstellen. Vergessen wir dabei nicht die Liebe und die Notwendigkeiten für die Natur und die Tiere. Mischen wir uns ein, reden wir miteinander, kommunizieren wir übers Schreiben, lassen wir frühere Erfahrungen und Erkenntnisse einfließen. Stehen wir auf!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur schreiben und lesen ist unter anderem das Hineinversetzen in andere Charaktere und komplexe Figuren, sehr häufig anhand von Konflikten oder Spannungen.

Die derzeitige Gesellschaft akzeptiert und lebt Konflikte allerdings vorwiegend als geistige Spaltung und Krieg. Es liegt daher umso mehr an der Literatur, sich in andere hineinzuversetzen, das Verstehen anderer Positionen zu stärken, ohne dabei klare Haltungen aufzugeben, mit kritischen und reflektierten Texten soziales Denken zu fördern, sowie Ungerechtigkeiten, Diskriminierungen, Anhängigkeiten und Unterdrückungen zu hinterfragen.

Literatur und Kunst dürfen nicht aufhören, die emanzipatorische Bildungsarbeit über ihre Instrumente selbst zu betreiben und von den Politiker‘innen einzufordern. Wenn die Bereitschaft dafür nicht erreicht werden kann, wird die Beteiligung am gesellschaftlichen Widerstand ebenfalls zum Auftrag an die Kunst.

Was liest Du derzeit?

„Kilometer Null“, Stefan Kutzenberger,

„Fräulein Vilma und ihr Josef“, Josef Stockinger und

„Poemas de amor“, Mario Benedetti

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wem dient Macht und was passiert, wenn wir sie ablehnen?“

Luis Stabauer_Schriftsteller 

Vielen Dank für das Interview lieber Luis, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Luis Stabauer_Schriftsteller 

http://www.luis-stabauer.at/

Foto_privat.

2.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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