„Die Jury stellte sich als durch und durch hierarchisch gegliederte und autoritär geführte Gruppe dar“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Elfi Hartenstein, Schriftstellerin _ Regensburg/D 18.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Elfi Hartenstein, Schriftstellerin _ Regensburg/D

Bachmannpreisnominierte 1985

Liebe Elfi, Du hast 1985 am Bachmannpreis in Klagenfurt, dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Draußen Schönwetterstimmung, drinnen erwartungsvolles Schweigen, eher ernste Stimmung, als handelte es sich um einen Gerichtsprozess. (1985 waren die Regeln und damit die Atmosphäre nicht so locker wie jetzt!) Alles eher förmlich.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Das Besondere am Bachmannpreis ist – und war es früher auch – dass sich Menschen, Autorinnen und Autoren, vornehmlich aus dem deutschsprachigen Raum, gegenübertreten, die sich sonst vielleicht nie über den Weg gelaufen wären. Dass man Einsicht ins Schaffen Anderer bekommt, und vielleicht auch mit dem einen oder anderen Verlag Kontakt knüpfen kann.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Ein freundliches, interessiertes Publikum; ich war nicht aufgeregt, weil mir klar war, dass ich als Kandidatin von Ingeborg Drewitz keinen Blumentopf gewinnen würde; eine Jurydiskussion, die ganz auf die beiden Platzhirsche Reich-Ranicki und Kaiser zugeschnitten war, die mit verteilten Rollen spielten – wenn der Eine einen Text lobte, hielt der Andere dagegen – ein ziemlich abgekartetes Spiel (Reich-Ranicki sagte z.B. „aber den Besten haben wir noch gar nicht gehört“ – er meinte Hermann Burger). Die Jury stellte sich als durch und durch hierarchisch gegliederte und autoritär geführte Gruppe dar. Ich habe das als Zirkus empfunden und mich amüsiert. Die Preisverleihung? Na ja, wie eine Preisverleihung halt abläuft.

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?

Ich glaube, für mich hat sich nichts verändert. Es hatte ja keine Kritik an meinem Stil gegeben. Und nach dem Ausspruch von Reich-Ranicki: „So eine begabte Frau, aber immer die falschen Themen …!“ wagte sich ohnehin kein für mich neuer Verlag an mich heran. 

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Ich kann da keine Ratschläge geben. Die Öffnung nach außen und die ganze Umorganisation (z.B. dass die Texte schon im Vorhinein an die Jurymitglieder verteilt werden, was 1985 noch nicht der Fall war) hat dem Ganzen gut getan und es demokratischer gemacht. Die größere Nähe zum Publikum tut gut.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Die Videovorstellungen finde ich nicht so gut, weil sie davon abhängen, wie fotogen und interessant sich jemand präsentieren kann, was ja nicht  unbedingt etwas über seine Schreibe aussagt. Aber insgesamt soll es auf jeden Fall weitergehen, und die neuen jungen AutorInnen ihren eigenen Stil einbringen.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Elfi Hartenstein, Schriftstellerin

Zur Person: Elfi Hartenstein Autorin, Schriftstellerin, Übersetzerin, Seminare 18.6.26

Website der Autorin: Elfi Hartenstein Autorin, Schriftstellerin, Übersetzerin, Seminare

Bachmannpreis _ ORF Studio Kärnten

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Bachmannpreisgründer und langjähriger Juror, Autor und Journalist _  Humbert Fink
Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Rizzibrücke _ Klagenfurt/Lendkanal
Abendstimmung _ Wörthersee

Foto: Elfi Hartenstein _ privat

Foto: Humbert Fink _ privat

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt-Wörthersee_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 18.6.2026

https://literaturoutdoors.com

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