„Ist die Subkultur 2021 schon tot?“ Christina Scherrer, Schauspielerin_ Wien, 28.12.2020.

Liebe Christina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jeder Tag ist etwas anders strukturiert, je nachdem was zu tun ist. Ich bin sehr schlecht im nichts tun. Aber gut im mich selbst beschäftigen. Seit Anfang Dezember frische ich meine Spanisch-Kenntnisse auf, lese viel – bis auf die täglichen Coronazahlen auch gerne Zeitung – bin jeden Tag an der frischen Luft, koche gerne und nehme mir Zeit um meine Coronanotizen zu schreiben (ein Schreibprozess in dem ich zu verarbeiten versuche was seit der Pandemie so los ist mit mir).

ABER: an manchen Tagen packt mich die Unlust. Das Auftrittsverbot nagt ordentlich an meiner Künstlerinnenseele. Wenn ich für ein Theaterstück probe will ich es auch spielen. Ja, vor Publikum und nicht für einen Online-Live-Stream!

„Kulturverliebte kritisieren die Schließung der Kulturstätten“ sagte Sebastian Kurz im Ö1 Morgenjournal. Darauf kann ich nur sagen: Vernarrt und verschossen in sie, abhängig von ihr und lebensunfähig ist die Menschheit ohne Kultur!

An manchen Tagen plagt mich die Zukunftsangst: wie viele Jobs wird es im nächsten Jahr weniger geben?, werden Theater, Bars und Veranstaltungsstätten zusperren müssen?, ist die Subkultur 2021 schon tot? und überhaupt: wann darf ich wieder auf der Bühne stehen?

Christina Scherrer, Schauspielerin _ Wien

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Den Kontakt zueinander nicht zu verlieren. Solidarisch zu handeln und unter der Maske das Lächeln nicht vergessen! Ist schwierig, ich weiß, aber machbar.

Ich geb ein einfaches Beispiel: Eine Dame in der Schlange vor Kassa 2 dreht sich um und gibt dem Herrn hinter ihr ein paar -25% Bons in die Hand. „Hab ich gerade gefunden, wir teilen uns das.“ Oder: Die Kassiererin im DM fragt, ob ich eine kleine Spende für die Obdachlosen geben möchte: „Sicher, gerne!“ antworte ich und hoffe, dass die Dame hinter mir dasselbe tut. Kleine Gesten, große Wirkung. Da ist noch viel Luft nach oben, aber ich glaub`, es ist klar worauf ich hinaus will.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Seit jeher ist Kunst Vermittlerin, Spiegel und Kritikerin der Gesellschaft. Seltsam stumm ist es aber geworden im Laufe der Pandemie. Keiner scheint mehr laut zu schreien, verhalten hinter den Masken hört man hie und da noch leichte Zwischenrufe der Empörung. Dabei wär gerade jetzt die Zeit so wichtig um die Weichen für einen „Neubeginn“ zu stellen. Ich würde es lieber „Aufbruch in die Gleichstellung“ nennen. Wie kann es sein, dass die HeldInnen der Krise die großen VerliererInnen sind? Meist Frauen, oft alleinerziehend und immer unterbezahlt. Um nur ein kleines Beispiel zu nennen: Im Interview mit dem Standard sprach REWE-Chef Haraszti darüber, seinen VerkäuferInnen (den HeldInnen) eine Prämie von 2mal 200 Euro in Form von Gutscheinen zu bezahlen, die auch bei REWE einzulösen sind. Ich empfinde dies als blanken Hohn.

Die Kunst muss mehr als lästig sein. Das ist ihre Aufgabe. Wenn die bösen Buben und Mädchen dieser Welt über Kunst transportierte Systemkritik (z.B.: ein  Gedicht) zur Staatsaffäre machen, fürchten sie um ihre Macht. Genau dann ist Kunst aber auch gut und richtig gemacht. Also wer Kunst mit Kritik nicht verträgt, der soll doch bitte Diktator werden ;-).

„Die Kunst muss nichts. Die Kunst darf alles.“ (Ernst Fischer)

Wir müssen dafür sorgen, dass das auch so bleibt.

Was liest Du derzeit?

„Der Traum des Kelten“ von Mario Vargas Llosa, „Sternstunden der Menschheit“ von Stefan Zweig, „Bus nach Bingöl“ von Richard Schuberth und „Sexismus“ von Susan Arndt – ist von meiner Tagesverfassung abhängig, in welche Welt ich eintauchen möchte oder nicht.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Folgendes Zitat hat mich unter anderem zum Theater gebracht und behält bis heute seine Gültigkeit:

„Die Macht, und zwar jede Macht, fürchtet nichts mehr als das Lachen, das Lächeln und den Spott. Sie sind Anzeichen für kritischen Sinn, Phantasie, Intelligenz und das Gegenteil von Fanatismus. Ich bin nicht mit der Idee zum Theater gegangen, Hamlet zu spielen, sondern mit der Ansicht, ein Clown zu sein, ein Hanswurst.“ (Dario Fo, anlässlich der Verleihung des Nobelpreises für Literatur 1997 in Stockholm)

Vielen Dank für das Interview liebe Christina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Christina Scherrer, Schauspielerin

Christina Scherrer Schauspielerin

Foto_Flo Waitzbauer

19.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die gegenwärtige Krise zeigt deutlich die Schwachstellen in unseren Systemen auf“ Thomas Kolle, Schauspieler_ Wien 27.12.2020

Lieber Thomas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Als der erste Lockdown im Frühjahr kam, waren wir mit dem Aktionstheaterensemble gerade mitten in der Stückentwicklung des „Bürgerlichen Trauerspiels“. Wie so viele Theater habe wir unsere Proben online fortgesetzt und nach dem Lockdown das Stück fertiggestellt, um es dann im September aufführen zu können.  Seit Anfang Oktober ist es ziemlich still, was das Theater betrifft. Ich habe großes Glück, neben meiner Tätigkeit als freischaffender Schauspieler auch eine Lehrstelle als Assistent für Körperliche Gestaltung am Max Reinhardt Seminar zu haben. Der Unterricht läuft nämlich weiter. Wir wechseln immer wieder zwischen Präsenz- und Onlineunterricht, kommt darauf an, was die Maßnahmen gerade zulassen. Es ist herausfordernd, eine Materie, die von physischer Präsenz und persönlichem Kontakt lebt, über Zoom oder mit Abstandsregeln und Masken zu vermitteln. Aber wir machen das Beste daraus und es ist schön zu sehen, was trotz der Einschränkungen alles entsteht.

Thomas Kolle, Schauspieler _ Foto_Eva Mayer

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Positive Bilder, Vorbilder und Gedanken.

Ich lese gerade das Buch „Im Grunde gut“ von Rutger Bregman, einem niederländischen Autor, Aktivisten und Historiker. Darin hinterfragt und dekonstruiert Bregman unser vorherrschendes Menschenbild, von einem Menschen, dem der Egoismus und „das Böse“ innewohnt, welches lediglich durch die Zivilisierung in Schach gehalten wird.  Bregmann trägt zahlreiche Beweise von SoziologInnen, PsychologInnen, AnthropologInnen und ArchäologInnen zusammen, die dieses Menschenbild widerlegen. Er zeigt auf, dass zahlreiche wissenschaftliche Experimente, Theorien und Geschichten, die unser vorherrschendes Menschenbild prägen, überholt, manipuliert oder erlogen sind. Obwohl das Buch vor dem Ausbruch der Pandemie veröffentlicht wurde, beschreibt Bregmann anhand anderer Katastrophen u.a. ein Phänomen, dass wir alle im ersten Lockdown erlebt haben und das bis heute anhält.

Thomas Kolle, Schauspieler_Vordergrund_Foto_Stefan Hauer

Bei den Hamsterkäufen zu Beginn des ersten Lockdowns kam die Angst der Menschen vor einem Zusammenbruch der Zivilisation zum Vorschein.  Auch in mir hat der Anblick eines leeren Milch-, Eier-, Nudel- oder Konservenregals, Unbehagen ausgelöst und ich habe mich dazu hinreißen lassen, zumindest ein paar Dosen zuhause zu horten. Ich glaube, die wenigsten konnten sich gegen dystopischer Zukunftsgedanken wehren.

Im Rückblick denke ich mir, unsere Vorstellungen der Zukunft waren und sind das Produkt jahrelanger negativer Berichterstattung, dem schnellen Konsum von Medien und dem Overload an Negativbeispielen aus Büchern, Filmen und Serien über die gesellschaftlichen Folgen einer Pandemie. Die meisten Filme, die mir zu diesem Thema einfallen, beschäftigen sich damit, dass nach Ausbruch einer Pandemie Anarchie herrscht.

Was aber ist wirklich im ersten Lockdown geschehen?

Die große Mehrheit der Bevölkerung, begann sich in der Krise miteinander zu solidarisieren und aufeinander zu achten. In der Zeit des ersten Lockdowns hatte ich mehr Kontakt zu meinen NachbarInnen als in den letzten vier Jahren zuvor. Es wurde einander Hilfe angeboten, Lebensmittel wurden weitergegeben, wir haben für andere Menschen Erledigungen übernommen und andere haben für uns gesorgt. Auf Menschen, die von dieser Pandemie besonders gefährdet sind, wurde entsprechend geachtet. Und die Kriminalitätsrate ging um 46,4 % zurück.

Und auch nach 10 Monaten, in denen mal mehr mal weniger in unser Privatleben eingegriffen wurde und wird, ist es immer noch so, dass sich die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung an die Maßnahmen hält und aufeinander Acht gibt.  

Es erscheint mir wichtig, im Bewusstsein zu haben, dass die negativen Bilder aus den Medien immer wieder korrigiert und an die Wirklichkeit angepasst werden müssen. Ich glaube, es tut gut, sich immer wieder daran zu erinnern, dass um uns herum Menschen sind, die auf uns Acht geben, uns im Notfall helfen und die „im Grunde gut“ sind, Menschen, mit denen wir auch diese Krise gemeinsam überwinden werden.

Foto_Patrick Wally

Motivation:

Eine große Online-Shoppingfirma wirbt aktuell mit einem mehrstöckigen Werbebanner gegenüber vom Westbahnhof mit dem Slogan „Wir werden uns wieder umarmen“. Ich kann nicht an diesem Plakat vorbeigehen, ohne das Gefühl von Sehnsucht, Sentimentalität und Hoffnung zu verspüren. Perfide ist, dass diese Message von einer Firma kommt, die distanziertes Onlineshopping groß gemacht hat. Dennoch berührt  mich diese Botschaft, wenn ich daran vorbeigehe. Ich fühle mich wahrgenommen in meinen Sehnsüchten und im selben Moment von dieser Firma verarscht.  

Doch die Frage, wann wir uns wieder nah sein können und uns wieder umarmen werden, beschäftigt mich jeden Tag. Was mir Mut macht, ist diese Sehnsucht in Motivation umzuwandeln, die Kraft und Sicherheit gibt. So sehr ich auch wünschte, ich hätte diesen Satz nicht einem Werbeplakat entnommen, muss ich zugestehen, er motiviert mich.

„Wir werden uns wieder umarmen“

Foto_Alexander Gotter

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Ich sehe es auch so, dass wir als Gesellschaft vor einem Aufbruch stehen und dass wir als Künstlerinnen und Künstler eine wichtige Rolle in diesem Veränderungsprozess haben.

Die gegenwärtige Krise zeigt deutlich die Schwachstellen in unseren Systemen auf. Wir sehen noch deutlicher als zuvor, was an ihnen funktioniert und was nicht, für welche Menschen diese Systeme greifen und welche Menschen nicht ausreichend oder überhaupt nicht unterstützt werden und wie sehr sie auf der Ausbeutung von Menschen, Tieren und Umwelt basieren.

Alleine, dass fair produzierte und/oder biologische Produkte einen Besonderheitsstatus genießen und noch immer Nischenprodukte sind, zeigt die Schieflage, in der wir uns schon seit langem befinden. Ausbeutung ist aktuell das Grundprinzip auf dem unser Konsum basiert und wir als KonsumentInnen entscheiden, ob wir das weiterhin akzeptieren und unterstützen oder nicht.

Diese Krise zeigt aber auch, was alles möglich ist, wenn der Wille und die Dringlichkeit da sind, etwas zu verändern. 

Ich finde es schade, dass sich die Kunst im gegenwärtigen Prozess weitgehend ins Abseits drängen lässt. Sie fehlt als gesellschaftliches Korrektiv, als Raum in dem Themen, Emotionen und Werte bearbeitet und Perspektiven verhandelt werden können. Wir als Theaterschaffende sollten schnellstmöglich Wege finden, trotz Einschränkungen wieder als Stimme präsent zu sein. Meines Erachtens hat der Auf-Bruch schon damit begonnen, dass diese Missstände deutlich sichtbarer geworden sind und unsere Verantwortung als Künstlerinnen sehe ich darin,  darauf Acht zu geben, dass diese Themen bearbeitet und notwendige Veränderungen umgesetzt werden.

Was liest Du derzeit?

„Im Grunde gut – Einen neue Geschichte der Menschheit“ von Rutger Bergman,

„Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari,

zwei Bücher, die ich allen sehr empfehle! –

und ich habe gerade begonnen, „Das Theater Meyerholds und die Biomechanik“ von Jörg Bochow zu lesen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Der Mensch geht immer nur so weit, wie er glaubt, dass die Welt geht.“

Thomas Bernhard – Frost

Vielen Dank für das Interview lieber Thomas, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Thomas Kolle, Schauspieler _ Foto_Eva Mayer

5 Fragen an KünstlerInnen:

Thomas Kolle, Schauspieler

25.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Für mich sind Kultur und Kunst so wichtig wie mein Essen“ August Klar, Schriftsteller, Porta Westfalica _ 27.12.2020

Lieber August, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Der sah schon vorher immer unterschiedlich aus. Je nachdem welcher Auftritt oder Workshop gerade so ansteht. Diese bestimmten im Prinzip den Tagesablauf von Woche zu Woche. Wenn es ging – möglichst immer auspennen! Ich brauch das. Mein Körper braucht das. Dafür kann ich abends ewig lang wach bleiben. Macht sich gut für Auftritte. Ich hab nicht mal Rituale, wie andere das haben: Kein Kaffee, kein Tee, kein Rauchen oder sowas. Aber dennoch haben die Auftritte und Aufgaben eine gewisse Regelmäßigkeit gebracht, eine Art Ablauf. Der ist jetzt im „harten“ Lockdown völlig weg. Das Gute: Mir wird nie langweilig: Ich esse, lese, gucke YouTube Videos, Spiele Videospiele, sehe meine Freundin und nehme an der einen oder anderen Online-Sache teil. Ich lebe quasi mehr in den Tag hinein. Ich sollte vielleicht etwas fleissiger an meinem Album und an kommenden Auftritten arbeiten. Je nachdem wann das sein wird. Vielleicht fang ich damit jetzt gleich an.

August Klar, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich hab absolut keine Ahnung. Ich könnte jetzt Phrasen dreschen, nach dem Motto „Zusammenhalt“ oder „Durchhalten“ ist jetzt super wichtig. Im Prinzip sollte das Gesundheitssystem gestärkt werden, alle, die jetzt besonders belastet sind müssen jetzt und in Zukunft mehr entlastet werden. Und alle, die jetzt zwangsweise kein Geld verdienen, brauchen natürlich ausreichende Unterstützung und zum Teil klappt das ja. Ansonsten ist wohl „Ruhe bewahren“, auch wenn es floskelig klingt, schon wichtig. Ich bin kein Fan von „lauten“ Menschen  und irgendwelchen abstrusen Theorien in alle möglichen Richtungen. Überall gibt es immer diese und jene Lager: Die Linken, die Rechten, die Ökos, die Gutmenschen, usw. Irgendwie schotte ich mich immer mehr von sowas ab. Teils hat man in der Familie dann Gespräche über diese und jene Lager und politische Richtungen und ich habe das Gefühl, dass diese Gespräche zu absolut nichts Nützlichem führen. Also zur Frage, was wichtig ist: Vielleicht mehr runde Tische, mal in groß, mal in kleiner, an denen möglichst diverse Menschen sitzen. Mit Zielen. Und das möglichst progressiv und weniger auf Zank und Geschrei aus. Ich denke selbst das klingt so phrasig von mir. Ich halt mich weiter eher zurück und beobachte. Vielleicht auch falsch. Im Endeffekt kann ja nur jeder für sich selbst sagen, was er für wichtig hält. Ich finde zusammen  Lösungen finden wichtig, aber in sachlichem Ton. Und Familie und Freunde. Zur Not eben erstmal nur digital. Müssen da ja alle durch.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Ich hoffe und vermute, dass Kunst bzw. Kultur wohl ein wenig einen Höhenflug erlebt. Dass Leute richtig Bock auf Theater, Poetry Slams, Konzerte,  Shows, usw. haben. Also falls es irgendwann mal wieder „normal“ werden kann. Zum Beispiel durch den Impfstoff. Das wäre grandios. Für mich ist Kultur und Kunst so wichtig wie mein Essen. Meine Eltern hatten zwar irgendwie damals Recht  als ich mich selbstständig machte, dass die Leute erst mal satt sein müssen und dann kommt die Kultur. Aber meine Güte, was und wo wäre ich ohne diese ganzen phantastischen Filme, Bücher, Spiele, Konzerte, Events. Mein Leben wäre unfassbar langweilig und trist. Meine Psyche braucht das. Vor allem muss allen klar sein, dass sehr viele Formate digital einfach nicht stand halten können mit der Live Erfahrung. Das darf nicht alles zunehmend digital werden. Poetry Slams  Konzerte, Theater usw muss man live sehen. Hätte ich als Kind damals nicht für möglich gehalten, ich war ein absolutes Zocker Kind. Aber seit vielen Auftritten weiß ich wie geil das ist auf der Live Bühne zu stehen und steil zu gehen. Oder jemandem beim „steil gehen“ zuzugucken. Kunst macht glücklich. Kunst verändert dich. Kunst schweißt zusammen. Kunst ist so wichtig. Egal welche Form. Das darf nicht verloren gehen. Die muss gewertschätzt werden. Klingt schon etwas pathetisch, aber das isso.

Was liest Du derzeit?

Ich bin ein fauler Leser. Ein schlechter Leser, wenn man so will. Ich fange viel an und beende dann wenig. Ich lese viel im Internet: verrückte Kurzgeschichten, Blogs, Artikel, Essays. Kürzlich stieß ich auf Benjamin Weissinger Genießerscheibe. Grandioser Typ. Geniale innovative, kleine Geschichten und Versatzstücke. Ansonsten bin ich ein ziemlicher Film/YouTube Mensch: ich schaue/höre viele Dokus, „Do it yourselfs“, Streamende, Video-Essays zu allen möglichen Themen und alles, was man so findet.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Puh. Ich find’s immer ziemlich gruselig wenn Menschen in Kommentarspalten oder auf Webseiten irgendwelche (meist deplatzierte) Zitate vorbringen. Alle werfen mit Zitaten um sich, in der Hoffnung ganz weltoffen und allgemeingebildet zu wirken „Sich mit Dingen auskennen“. Und dann Albert Einstein oder irgendeine/n Künstler/in zitieren, um das eigene Argument zu untermauern. Also wenn es ein Zitat gibt, das ich einigermaßen vertreten kann, dann ists wohl „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, von Albert Einstein (Kleiner Spaß).

Vielen Dank für das Interview lieber August, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

August Klar, Schriftsteller

Fotos_Florian Wintels

8.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Der Vorhang ist jetzt weit aufgezogen, die ungerechten Verhältnisse und Strukturen liegen offen zutage“ Thomas Köck, Schriftsteller _ Berlin 27.12.2020

Lieber Thomas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Eigentlich nicht recht viel anders als sonst. Spazierengehen ist neu hinzugekommen. Ich war ja nie so der Spaziergänger, das hab ich mir jetzt angewöhnt. Mir fehlt eher so das Unterwegssein. Lesungen, Shows usw. die einen in andere Städte führen, dort lernt man zufällig neue Menschen kennen, daraus entstehen wiederum neue Impulse für Leben & Arbeit usw. Das fehlt dann doch sehr in meinem täglichen Sein.

Thomas Köck, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Auch da würde ich sagen, das Gleiche wie bisher, nur noch mehr davon. Sich noch mehr in Solidarität üben als sonst. Sich noch mehr in Empathie üben als zuvor. Einfach noch bedingungsloser lieben, egal was passiert. Und noch viel klarere Kante gegen Nazis, gegen rechts, gegen Spaltung zeigen als je zuvor. Aber auch viele andere Sachen. Aktiv soziale Kontakte aufrecht erhalten, zur Psychohygiene, physical distancing ja, aber kein social distancing. Und vor allem müssen wir begreifen, dass es eine vierte Welle geben wird (und eine fünte, sechste, usw.), namens Klimawandel. Was wir gerade erleben ist, gelinde gesagt
ein Lärcherlschas gegen das, was an natürlichen Katastrophen ins Haus steht, wenn man nicht schleunigst sich vom Kapitalismus verabschiedet. Und es ist schon ein bisschen erstaunlich und ironisch, dass gerade jetzt viele Politker*innen auf die Wissenschaft hören und betonen, dass man den wissenschatlichen Fakten Aufmerksamkeit schenken muss, aber wenn die gleichen Expertinnen vom drohenden ökologischen Kollaps berichten, dann
werden diese Fakten verwaschen, bedrohen den Wirtschaftsstandort oder werden schlicht als Panikmache abgetan. Zeit für eine ordentliche Vermögenssteuer, um zB das Pflegepersonal angemessen zu entlohnen, wärs auch schön langsam mal.


Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und
persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt
dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Auch da glaube ich, die gleiche Rolle wie bisher, nur ist der Vorhang jetzt weit aufgezogen, liegen jetzt die ungerechten Verhältnisse und Strukturen, auf denen diese Gesellschaft ruht, offen zutage. Man kann nicht mehr hinwegsehen und die systemischen Wunden und Ausbeutungen, die vorher noch mit neoliberaler Rhetorik geputzt und kaschiert werden konnten, werden noch eine Weile Wundwasser absondern. Also Heilung. So oder so. Und oft braucht es Gift (in kleinen Dosen, dann allerdings) um Gift zu bekämpfen.


Was liest Du derzeit?

Ich schaue gerade viele Filme tatsächlich, Sion Sono, Kim-Ki Duk wieder, Khavn de la Cruz hab ich entdeckt und gefeiert, Queens Gambit war eine schöne Ablenkung gegenüber den vielen schlecht geschriebenen Serien, die über diverse Streamingplattformen irren, ich hab viel Hildur Guðnadóbr gehört, Caterina Barbieri immer wieder, Winged Victory for the Sullen fand ich zuletzt recht schön auch, Rafael Anton Irisarri heilt wundervoll oder Ian William Craig, und das letzte Album von Fauna war glorios! Ansonsten lese ich gerade alles von Oeessa Moshfegh und Clarice Lispector, meine Entdeckungen im Lockdown. Deniz Ohdes Streulicht fand ich umwerfend und durch Unlearning Imperialism von Ariella Aïsha Azoulay arbeite ich mich auch. Und viele Theorien
über Müll.


Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Eins meiner aktuellen Lieblinsgzitate ist aus dem frz. Film Tous le dieux du ciel,
da fragt ein älterer Herr namens Simon ein Mädchen: „Do you believe in
ghosts?“ und das Mädchen namens Zoe antwortet: „I don’t know. I know they
exist.“


Vielen Dank für das Interview lieber Thomas, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Theater-, Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Kein Problem. Ebenso.
Und liebe Grüße!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Thomas Köck, Schriftsteller, Dramatiker

Foto_privat.

16.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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Vielen Dank!

„Kunst muss hinschauen und ohne falsche Rücksichten von den herrschenden Verhältnissen erzählen“ Gudrun Lerchbaum, Schriftstellerin _ Wien, 26.12.2020

Liebe Gudrun, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nach dem Frühstück – Tee, Obstsalat, Ei, Zeitung – erledige ich vormittags eher Routinearbeiten, es sei denn, ich bin im Endspurt eines Projekts. Danach, setzte ich mich auf den Hometrainer, mache Yoga oder einen ausgiebigen Spaziergang mit Freund:innen oder einer meiner Töchter. Die regelmäßige Bewegung ist neu, eine Notwehrmaßnahme gegen die coronabedingte Reduktion im Räumlichen.

Den Nachmittag widme ich fokussiert dem Schreiben oder anderer Kreativarbeit. Das läuft nicht viel anders als ohne Pandemie. Doch die Verunsicherung durch den lebendigen Austausch mit anderen und die Erkundung neuer Orte fehlen mir als Input. Ich kann auf Erfahrungen zurückgreifen, doch auf Dauer, fürchte ich, werden die Farben entweder flau oder zu grell, wenn mangels realer Erlebnisse kein Abgleich mehr stattfinden kann. Social Media sind ein unvollständiger und unbefriedigender Ersatz. Aber immerhin das.

Abends koche ich und esse mit meinem Mann und wir tun, was man halt tut, wenn man nicht ausgehen darf und Angst vor der Nähe anderer Menschen haben muss.

Gudrun Lerchbaum, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich kann nicht für alle sprechen. Mir hilft es, gedanklich nicht in den jetzt notwendigen Einschränkungen steckenzubleiben, sondern an die Tage zu denken, in denen wir uns wieder freier bewegen und uns in die Arme schließen werden. Dann werden wir die Möglichkeit haben, es besser zu machen. Hoffentlich nutzen wir sie.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich hoffe, dass wir durch die Krise gelernt haben, dass die Menschheit nur mit Solidarität weiterkommt. Und dass wir diese Erkenntnis in eine globale Bewältigung der Klimakrise und für mehr Verteilungsgerechtigkeit einbringen.

Kunst muss hinschauen und ohne falsche Rücksichten von den herrschenden Verhältnissen erzählen, um so Türen zu neuen Erkenntnissen zu öffnen.

Was liest Du derzeit?

Das Alphabet der Puppen von Camilla Grudova, Culturbooks

und

Schnelles denken, langsames Denken von Daniel Kahnemann, Penguin

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wohin flüchten wir, wenn uns die Angst vor der Unendlichkeit packt?

Vielen Dank für das Interview liebe Gudrun, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Gerne!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Gudrun Lerchbaum, Schriftstellerin

g:textet | Gudrun Lerchbaum . Schriftstellerin.

Foto_Stephan Frisch

16.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Und das Leben trotzdem feiern, seine Schönheit, seine Schatten“ Cornelia Becker, Schriftstellerin_ Berlin 26.12.2020

Liebe Cornelia, wie sieht jetzt dein Tagesplan aus?

Während des ersten Lockdowns ist mein Lebensgefährte Ahmed nach zweijähriger Krankheit gestorben. Wir waren 27 Jahre, mit Kind und Kegel zusammen. In den Monaten der Krankheit haben sich viele Projekte und Jobs aufgelöst. Der Krebs fraß nicht nur ihn, sondern auch unser soziales Leben auf. Jetzt bin ich allein, die äußeren Strukturen und Haltegriffe sind weggebrochen. Alles ist auf das Wesentliche reduziert. Ich bin eine Eremitin geworden. Die Verarbeitung dieser harten Zeit wirkt hinein in jeden Lebensbereich, die alltäglichen Dinge – kochen, essen, schlafen – sind davon beeinflusst. Es ist, als hätte ich die eigenen Bedürfnisse in eine Kiste verpackt und nun, da ich sie endlich wieder auspacken kann, bin ich ihnen entwachsen, oder sie mir, nichts passt mehr,  es ist zu eng oder zu weit, es gehört nicht mehr zu mir.

Die Trauer fährt überall hinein wie ein Blitz, unkontrollierbar, ein Tagesablauf ist schwer planbar. Am Morgen aus dem Bett kommen, versuchen, das zu tun, was gerade möglich ist. Essen im Stehen, nebenbei in der Küche, wenn der Hunger mich überfällt. Stundenlang hänge ich wie ein Junkie am Smartphone. Das Bling des Messenger verbindet mich mit der Welt.

Trost gibt mir die Lyrik und die Musik. (Ahmed war Musiker) Ich arbeite die „Sudelbücher“, die ich während seiner Krankheit gefüllt habe, durch, gehe wieder und wieder die Stationen ab. Finde darin schrecklich schöne Gedanken, poetische Fragmente. Ich versuche ihnen eine lyrische Form zu geben. Diese Suchbewegung  gibt mir eine Mitte, ist sinnstiftend. Ich kann mich nicht auf die großen Prosastücke, an denen ich früher täglich, neben Projekten und Jobs und Familie gearbeitet habe, einlassen. Schaffe keine langen Strecken. Schon zu Anfang des Jahres konnte ich kaum noch lesen oder schreiben. Jetzt lerne ich das Lesen wieder. Die Arbeit an einem Gedicht, die Konzentration darauf ist eine dem Nichts abgerungene Höchstleistung! Füllt die Leere, die sein Tod hinterlassen hat und plötzlich kann da wieder etwas Eigenes aufscheinen. Manchmal gelingt mir ein Tag; zwei Stunden schreiben, Yoga, wieder schreiben, nebenbei etwas essen.  Am Nachmittag ein Spaziergang. Besser noch: eine Verabredung mit einer Freundin am Telefon oder im Park. Das sind wundervolle Stunden, für die ich sehr dankbar bin.

Der erste Lockdown veränderte die kollektive Wahrnehmung, endlich rückten unsere Themen: Krankheit, Pflege, Sterben in den Mittelpunkt. Es fühlte sich nicht mehr so einsam an. Der  zweite Lockdown haut mich zurück, ich war gerade wieder so weit, mehr in die Welt und mit der Welt in Kontakt zu gehen. Ich bin weiterhin eine Eremitin. Die Kunst heilt und hält mich. Ich werde es schaffen!

Cornelia Becker, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube es war Spinozas Idee der Ethik, die sagt: nur wenn es allen gut geht, kann es auch mir gut gehen. Der Virus zeigt, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind. Die Krise fordert, dass wir Mitgefühl entwickeln, Solidarität und gleichzeitig größere Selbstverantwortung übernehmen.  Die große Lehre dieser Monate: auch in schwierigen Zeiten, noch etwas aus der Situation zu lernen, das Beste aus ihr herauszuholen, für mich, für die Gemeinschaft. Uns der Angst stellen. Kontrolle abgeben und mit dem Risiko leben.  Akzeptieren, dass das Leben endlich ist. Und es trotzdem feiern, seine Schönheit, seine Schatten. Das Leben langsamer angehen, es gewinnt an Intensität!

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein? Welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst zu?

Die weltweite Pandemie fordert kollektive Verantwortung und Kooperation. Ein globales Umdenken, bei allen Problemen – Menschenrechte, Grüne Bewegung, etc. – ist angezeigt. Uns als gemeinsame Bewohner dieses Planeten begreifen und voneinander lernen. Hierarchisches Denken abbauen. Neue Krisen und Veränderungen werden als Folgen der Coronazeit unweigerlich folgen. Eine große Herausforderung werden die digitalen Medien sein/bleiben. Die virtuelle Kommunikation wird nach der Pandemie weiterhin unser aller Leben bestimmen und  geht einher mit größerer individueller Freiheit, aber auch mit mehr Verantwortung. Künstler haben in der Krise neue Räume in den digitalen Plattformen entdeckt, haben sich und ihre Kunst dort aktiv eingebracht.  

Die große Kompetenz der Künstler besteht darin, Widersprüche auszuhalten, Perspektiven zu wechseln, sich für Neues zu öffnen und mit unerwarteten Tools zu verbinden. Sie sind geübt im Umgang mit Krisen, dem Improvisieren und Erfinden. Die Kunst könnte uns also lehren, uns für neue Ideen zu öffnen, andersherum zu denken, vor allem auch fremde/andere Denk- und Verhaltensstrukturen zuzulassen. Krisen flexibel zu begegnen und Brachflächen zu erforschen und mit neuen Mustern zu bespielen.

Was liest du derzeit?

Louise Bourgeois  „Konstruktionen für den freien Fall“, Keri Hulme  „Unter dem Tagmond“, Ted Hughes „Der Tiger tötet nicht“, Uwe Timm „Rot“, Federico Garcia Lorca „Theorie und Spiel des Dämons“, Norbert Elias „Über die Einsamkeit des Sterbenden“, Fatima Mernissi „ Geschlecht, Ideologie, Islam“ usw. Lese alles durcheinander. Spannend wird’s, wenn ich die unterströmigen Verbindungen erkenne!

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?

„Mein frühes Werk ist die Angst, zu fallen. Später wurde daraus die Kunst, zu fallen. Wie man fällt, ohne sich zu verletzen. Noch später – die Kunst auszuharren.“ Louise Bourgeois

„Es gibt keine Liebe ohne Erinnerung, keine Erinnerung ohne Kultur, keine Kultur ohne Liebe. Deshalb ist jedes Gedicht ein Faktum der Kultur wie ein Akt der Liebe und ein Blitzlicht der Erinnerung, und ich würde anfügen – des Glaubens.“ Joseph Brodsky

Cornelia Becker, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Cornelia, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Cornelia Becker, Schriftstellerin

Fotos_privat

22.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Literatur kann uns an unsere eigenen Versprechen und Ideale erinnern“ Katharina Goetze, Schriftstellerin_ Berlin 26.12.2020

Liebe Katharina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Äußerlich betrachtet, nicht sonderlich originell: Aufstehen, Tee trinken, Schreiben, Home Office, irgendwo dazwischen mal 20 Minuten YouTube Yoga, Lesen. In der Mittagspause oder am Abend ein bisschen spazieren gehen. Das Sozialleben passt sich dem jeweilig vorherschenden Lockdown-Stadium an.

Katharina Goetze, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich will nicht für alle sprechen, aber für mich ist der Kontakt zu Familie und Freunden im letzten Jahr um einiges dringlicher geworden, als das zuvor der Fall war. Obwohl – oder gerade, weil – wir einander viel weniger sehen als zuvor, gibt es umso mehr Telefonate, Nachrichten, Voice Messages. Auch wenn ich manchmal tagelang niemanden so richtig treffe, fühle ich mich doch zum Glück ständig in irgendeiner Form verbunden.

Darüberhinaus ist für mich auch eine Tagesstruktur wichtig, gerade die Morgenroutine gibt mir Halt. An der hat sich auch gar nicht so viel geändert – nur dass ich jetzt gerade eben in Berlin ins Home Office gehe (das heißt also: am selben Schreibtisch sitzenbleibe), während ich vorher beruflich für einige Zeit in Addis Abeba war und dort jeden Morgen ins Büro gelaufen oder gefahren bin.

Außerdem merke ich immer wieder, wie sehr mich kreative (und manchmal auch soziale) Projekte beflügeln.

Die Autorin Dorina Marlen Heller und ich arbeiten gerade an unserem zweiten gemeinsamen Theaterstück. Das erste ist bereits vor Corona in einem virtuellen Miteinander über Ländergrenzen hinweg entstanden, diese Arbeitsweise ist uns also schon vertraut.

Eine große Rolle hat für mich seit dem Frühjahr auch das von Marlen Schachinger initierte Projekt rund um die „Fragmente“-Anthologie, das Hörbuch und den Film „Arbeit statt Almosen“ gespielt. Marlen hat sich den Gedanken eines solidarischen Miteinanders im Literaturbetrieb ganz groß auf die Fahnen geschrieben und mit einer unfassbaren Energie über das Jahr 2020 hinweg Schriftstellerinnen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum in diesem Projekt zusammengebracht. Das war wirklich großartig!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich frage mich, inwieweit wir es schaffen werden, Erkenntnisse und Einsichten, die wir in den letzten Monaten über unsere Gesellschaften und uns selbst gewonnen haben, auch über die Pandemie hinaus zu beherzigen und etwas daraus zu machen.

2020 hat mich sicher gelehrt, ein wenig langsamer und bewusster zu leben. Werde ich mich daran erinnern, wenn ein anderes Leben wieder möglich ist?

Wird ein Prozess einsetzen, der dazu führt, dass diejenigen, die unsere Gesellschaften auch in einer Krise am Laufen halten, fairer behandelt werden? Oder werden wir, sobald es geht, wieder genauso viel konsumieren, reisen, von unseren Bucket Lists abhaken wie zuvor?

Ich tippe auf „Jein“.

Literatur kann uns aber in jedem Fall zurechtrütteln, und uns an unsere eigenen Versprechen und Ideale erinnern.

Was liest Du derzeit?

“The small backs of children” von Lidia Yuknavitch, “Der letzte Kaiser von Afrika – Triumph und Tragik des Haile Selassie” von Asfa-Wossen Asserate, “Emergency Sex And Other Desperate Measures: True Stories from a War Zone”, “Trigger-Warnung. Identitätspolitik zwischen Abwehr, Abschottung und Allianzen“

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Keines Menschen Schmerz ist größer als der Comer See.“ (Karen Duve)

Vielen Dank für das Interview liebe Katharina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Katharina Goetze, Schriftstellerin

5 Fragen an KünstlerInnen:

Katharina Goetze, Schriftstellerin

Katharina Goetze

Foto_Ricardo Sarmiento Ramírez

22.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Grundsätzlich denke ich, wird es wichtig sein, einander wieder zu erreichen“ Shirina Granmayeh, Schauspielerin_Wien, 25.12.2020

Liebe Shirina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Tagesablauf, das ist eine sehr gute Frage. Der ist derzeit so unregelmäßig, dass er beinahe inexistent ist. Es fühlt sich eher an wie ein Tagesverlauf und im Laufe dieses Tagesverlaufes, verlaufen sich so manche Dinge.

Nein, ernsthaft gesprochen, stellt eine Routine in einer Zeit wie dieser für mich als Künstlerin eine Herausforderung dar. Es ist eine Mischung aus Dingen, die man sich vornimmt und vielen Dingen, die einem einfach so passieren. Ich versuche nicht zu spät schlafen zu gehen, was mir schwer fällt, da ich schon immer ein Nachtmensch war. Ich beginne dann auch öfter nachts Tätigkeiten, die völlig absurd sind, wie ausmisten. Darüber ärgere ich mich dann zumeist am nächsten Tag, wenn ich im unvollendeten Chaos erwache.

Ich versuche dennoch mich an eine Routine zu halten, ich koche mir zwei Mahlzeiten am Tag, gehe unglaublich viel spazieren und versuche die Sonne einzufangen, wenn sie sich dann doch im grauen Winter mal wieder blicken lässt. Ich schreibe, lese und lerne, bin dankbar für das Leben, das ich leben kann und versuche den Kopf nicht zu verlieren.

Shirina Granmayeh_Sängerin, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Tja auf der Hand läge wohl Geduld. Aber noch wichtiger fühlt sich für mich Vertrauen an. Ich glaube, wir müssen alle daran arbeiten wieder ein Vertrauen in Menschen und Geschehnisse zu finden. Ein Vertrauen, dass wir eine Gesellschaft sind oder sein möchten, in der wir einander trauen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich denke, wie in allen Zeiten, wird es wichtig sein, dass Kunst Position bezieht, auch mal unbequem ist und vielleicht den Einen oder Anderen außerhalb seiner Komfortzone erreicht. Grundsätzlich denke ich, wird es wichtig sein, einander wieder zu erreichen. Es stellt sich ein wenig das Gefühl ein, dass wir zunehmend eine Gesellschaft werden, wo jeder zwar jederzeit zu erreichen ist und man sich dennoch nicht erreicht. Ich denke wir brauchen Offenheit, ein Aufeinanderzugehen, Mut und vor allem viel Humor.

Was liest Du derzeit?

Joachim Meyerhoff, weil er mich zum Lachen bringt und das absolut essentiell ist in einem Jahr wie diesem. Michael Köhlmeier, weil er mich zum Schwelgen bringt und „Unsichtbare Frauen“ von Caroline Criado-Perez, weil es mich in regelmäßigen Abständen in Rage bringt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

An dieser Stelle, bitte ich einmal um das Gedankenexperiment, sich das vergangene Jahr ohne Kunst vorzustellen. Da ja Kunst bekanntlich kaum systemrelevant ist. Eine Pandemie, ohne Musik, ohne Bücher, ohne Filme… in diesem Sinne, ganz kurz und knapp und unpoetisch: The EARTH without ART is just „EH“.

Vielen Dank für das Interview liebe Shirina, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Shirina Granmayeh_Sängerin, Schauspielerin

Sängerin & Schauspielerin – Shirina Granmayeh

Foto_Sternenglückfotografie

25.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Achtsamkeit füreinander, aufeinander, solidarisches Handeln“ Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin _Wels 25.12.2020

Liebe Ines, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf hat sich seit Herbstbeginn insofern geändert, als sich ein gleichsam unruhig strudelnder Bach wieder in ein etwas sanfter fließendes Gewässer verwandelt hat, der Tag wieder planbarer und überschaubarer, das Schreiben betreffend, geworden ist. Ereignisse in meinem sozialen Umfeld, die nur zum Teil mit Covid 19 zu tun hatten, lenkten meine Aufmerksamkeit vom Schreiben weg auf  Lösungsorientiertheit, auf den Alltag und seine Anforderungen.

Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin „Bärli und ich“

Durch die Maßnahmen, die mich und andere vor einer Corona-Infektion schützen sollen, nehme ich an mir eine größere Standfestigkeit, Bestimmtheit mir selbst und anderen gegenüber wahr. Ich gestehe mir durch social distancing mehr Freiraum zu, versuche umzusetzen, was mir wichtig ist, was sonst oft nur nebenbei und stückhaft durchzudenken und zu erarbeiten war. Ich lege anderen gegenüber  – hoffentlich mit gebotenem Respekt und Fingerspitzengefühl -entschiedener fest, wann ich kontaktiert werden will und wann nicht, weil ich gerade an einem Text arbeite, an einem Projekt dranbleiben möchte. Diese Konsequenz habe ich  bisher von mir selbst zu wenig eingefordert, daher wurde sie auch bisweilen von anderen wenig berücksichtigt. 

Da Schreiben ja ohnehin vor allem im home-office vonstatten geht, kommt mir persönlich die Abgrenzung nach außen entgegen. Auch, dass ich an diversen Veranstaltungen im livestream teilnehmen kann, zu denen ich abends in Zug oder Auto steigen, gar auswärts übernachten müsste, so manche Sitzung, Versammlung per Zoom stattfindet, empfinde ich als angenehm und sogar als bereichernd. Was meine Oma als mein Einsiedler-Gen besorgt diagnostizierte, erlebe ich nun in Zeiten von Quarantäne und Lockdowns als wohltuend willkommenes und hilfreiches Geschenk.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Im Frühling und vor dem ersten Lockdown hatte Covid 19 mein Bewusstsein und das Bewusstsein vieler noch nicht so entschieden besetzt. Nun hat sich leider bewahrheitet, dass jeder und jede zumindest jemanden kennt, den das Virus infiziert hat. Es ist in Familien, bei Freunden gleich mehrfach eingezogen. Es ist einem selbst gefährlich nahe gerückt. Unser Verhalten, unsere Entscheidungen verlangen Vernunft, Disziplin, Einsicht in Vorsichtsmaßnahmen, Achtsamkeit füreinander, aufeinander, solidarisches Handeln. Und das Hinhorchen auf fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse, die verständliche Ängste durchaus entwirren und das Gefühl des Ausgeliefertseins dezimieren können.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Das Virus wird uns nicht verlassen, es kennt weder Zeit noch Kalender. Daher wird es wichtig sein, uns und unsere Mitmenschen weiterhin durch jene Maßnahmen zu schützen, es zu versuchen, an die wir uns langsam gewöhnen. Wir dürfen auf eine wirksame Impfung hoffen, und es wäre wichtig, dass auch ohne die Verordnung einer Impfpflicht der Großteil der Bevölkerung die Chance dieser Impfung ergreift. Von Kontraindikationen, die es sicher auch geben wird, abgesehen. Einer Vor-Corona-Zeit nachzutrauern, sie wiederbeleben zu wollen, ist verständlich. Wer möchte nicht, dass unser Leben wieder so werden könnte, wie es war. Es ist aber Aufbruch angesagt, Neuorientierung, Hinhorchen auf Informationen, die uns als Einzelne und als Gesellschaft weiterbringen können, die unser Leben mit Corona wieder lebbar und lebendig machen.

Kunst und Kultur sind Ausdruck unserer Gesellschaft. Kunst spiegelt die Sprache ihrer Zeit wider. Ohne Kunst und Kultur wird eine Gesellschaft barbarisch, d. h. sie entfremdet sich von sich selbst. Kunst als Dekor, als Behübschung unseres Daseins misszuverstehen, ist Identitätsraub an der Gesellschaft. Sie als Nebensache zu behandeln, ist skandalös. Ich wünsche mir, dass diese Erkenntnis in das Herz von Politik und Bevölkerung einzieht, sie in ihrer Mitte trifft.

Ich erlebe selbst oft genug, dass mein Schreiben von nichtschreibenden Mitmenschen als Zeitvergeudung und unnötiger Luxus betrachtet wird oder als beschauliche Hingabe an meine Gefühlswelt, die mich der Realität entfremdet. Dass Schreiben, künstlerisches Tun Knochenarbeit ist, wird höchstens Musikern und Komponisten zugestanden. Ein Instrument spielen, gar komponieren kann halt doch nicht jeder ….. Wenn ich sage, dass Schreiben Komponieren mit Worten sei, ernte ich ein belustigtes Lächeln oder nacktes Unverständnis.

Was liest Du derzeit?

Es gibt mehrere Lebensbegleiter durch die Jahre hindurch, z. B. Im Spiegel der Sprache. Warum die Welt in anderen Sprachen anders aussieht. Von Guy Deutscher, Verlag C.H. Beck

Theresia Prammer, ÜBERSETZEN / ÜBERSCHREIBEN /EINVERLEIBEN / Verlaufsformen poetischer Rede; Klever / Essay

Anna Mitgutsch, Die Welt, die Rätsel bleibt; Luchtrerhand

                           Die Grenzen der Sprache; Residenz Verlag

Ich lese stets mehrere Bücher zugleich, je nach Bedürfnis und Interessensschwerpunkt.

Dzt. Clemens J. Setz, Die Bienen und das Unsichtbare, Suhrkamp; Zitat: …., dass man jederzeit, vollkommen ohne Vorwarnung aus der bekannten Welt und ihren geordneten Verhältnissen kippen kann, während man zum Teil, etwa der äußeren Form nach, noch in der alten Ordnung stehenbleibt.

Suhrkamp

Wolf Wondratschek, Selbstbild mit russischem Klavier, Ullstein Verlag

                                 Erde und Papier, ebenfalls Ullstein

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Aus dem Wollen hinaus.

Tiefer

zu einer anderen Grenze.

Der Schwung,

der sie findet,

ist der Anfang ….

                                   Alfred Kolleritsch

Vielen Dank für das Interview liebe Ines, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin

Foto_Monika Primenz.

15.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wenn´s mir nicht so gut geht, lese ich gerne Kinderbücher: Mira Lobe, Christine Nöstlinger, sowas in der Art“ Daniela Emminger, Schriftstellerin _ Wien 25.12.2020

Liebe Daniela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich sag´s mal so: Es fällt mir zunehmend schwer, positiv und motiviert zu bleiben, die Corona-Situation belastet langsam auch mich: sei es bei Zoom-Konferenzen oder Telefonaten; die allgemeine Stimmungslage ist doch eher betrüblich. Hätte ich in den letzten Wochen nicht meine Kollegin Judith Nika Pfeifer und unser gemeinsames Projekt ueber.tv gehabt (ein neues Online-Buchformat, das wir gemeinsam entwickelt und produziert haben), es wäre mir sehr schwer gefallen, täglich in die Gänge zu kommen. Mein neues Buchprojekt, ein NYer Bauernroman, ist seit März auf Eis gelegt, ich musste leider meine NY-Residency frühzeitig abbrechen, wann es damit weitergehen kann, ist und bleibt fraglich.

Daniela Emminger, Schriftstellerin _Lesung im Future Garden, Wien 2019 _Foto_Nina Keinrath

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Humor. Leichtigkeit. Positiver Input. Zumindest mir geht es so, dass in schwierigen Zeiten mein Bedürfnis nach Zuckerwatte, Pfützenspringen und Ponyhofatmosphäre steigt. Ich erlaube mir, wann immer es geht, kindisch zu sein, weil mir das Kraft und Zuversicht gibt. Wenn´s mir nicht so gut geht, lese ich gerne Kinderbücher: Mira Lobe, Christine Nöstlinger, sowas in der Art. Ich erlaube mir sozusagen literarisch die Flucht in eine heile Welt, um wieder aufzutanken. Was auch wichtig ist: freundlich sein, die eigenen Launen nicht in die Welt zu schleudern, Ärger mal für sich zu behalten, Komplimente und Lob verteilen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wenn uns die Krise etwas lehrt, dann doch, dass Veränderungen und schwer aushaltbare Schwebezustände in gewisser Weise normal sind und zum Leben dazuzugehören. Normalerweise sind wir nicht damit konfrontiert, halten an eigenen Gewohnheiten und Konventionen fest, hinterfragen diese nicht permanent, weil das anstrengend wäre. Ich fühle schon lange so, dass es einen Zustand der Sicherheit nicht gibt. Corona zeigt das ganz deutlich. Alles verändert sich, ständig, man selbst ist nicht allzu wichtig, nur ein Pünktchen im Universum. Ich versuche mir immer wieder aufs Neue klarzumachen, dass ich mich nicht so wichtig nehmen muss, dass es um etwas Größeres geht. Wir alle sind betroffen. Wir alle sind gleich. Wir sollten lieb zueinander sein.

Was liest Du derzeit?

Kongs große Stunde von Alexander Kluge, Gretchen hat Hänschenkummer von Christine Nöstlinger, Tausend Serpentinen Angst von Olivia Wenzel. Wer Buchtipps braucht: http://www.ueber.tv

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Mein all-time-favorite von Thomas Bernhard aus seinem Buch Gehen: Es ist ein ständiges zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Kopfes Denken und zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Hirns Empfinden und zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Charakters Hin- und Hergezogenwerden.

In diesem Sinne: lasst uns weitergehen.

Vielen Dank für das Interview liebe Daniela, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Auch vielen Dank!

Daniela Emminger _ Foto _DieGoldkinder Wien, 2020

5 Fragen an KünstlerInnen:

Daniela Emminger, Schriftstellerin

15.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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