„Grundsätzlich denke ich, wird es wichtig sein, einander wieder zu erreichen“ Shirina Granmayeh, Schauspielerin_Wien, 25.12.2020

Liebe Shirina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Tagesablauf, das ist eine sehr gute Frage. Der ist derzeit so unregelmäßig, dass er beinahe inexistent ist. Es fühlt sich eher an wie ein Tagesverlauf und im Laufe dieses Tagesverlaufes, verlaufen sich so manche Dinge.

Nein, ernsthaft gesprochen, stellt eine Routine in einer Zeit wie dieser für mich als Künstlerin eine Herausforderung dar. Es ist eine Mischung aus Dingen, die man sich vornimmt und vielen Dingen, die einem einfach so passieren. Ich versuche nicht zu spät schlafen zu gehen, was mir schwer fällt, da ich schon immer ein Nachtmensch war. Ich beginne dann auch öfter nachts Tätigkeiten, die völlig absurd sind, wie ausmisten. Darüber ärgere ich mich dann zumeist am nächsten Tag, wenn ich im unvollendeten Chaos erwache.

Ich versuche dennoch mich an eine Routine zu halten, ich koche mir zwei Mahlzeiten am Tag, gehe unglaublich viel spazieren und versuche die Sonne einzufangen, wenn sie sich dann doch im grauen Winter mal wieder blicken lässt. Ich schreibe, lese und lerne, bin dankbar für das Leben, das ich leben kann und versuche den Kopf nicht zu verlieren.

Shirina Granmayeh_Sängerin, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Tja auf der Hand läge wohl Geduld. Aber noch wichtiger fühlt sich für mich Vertrauen an. Ich glaube, wir müssen alle daran arbeiten wieder ein Vertrauen in Menschen und Geschehnisse zu finden. Ein Vertrauen, dass wir eine Gesellschaft sind oder sein möchten, in der wir einander trauen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich denke, wie in allen Zeiten, wird es wichtig sein, dass Kunst Position bezieht, auch mal unbequem ist und vielleicht den Einen oder Anderen außerhalb seiner Komfortzone erreicht. Grundsätzlich denke ich, wird es wichtig sein, einander wieder zu erreichen. Es stellt sich ein wenig das Gefühl ein, dass wir zunehmend eine Gesellschaft werden, wo jeder zwar jederzeit zu erreichen ist und man sich dennoch nicht erreicht. Ich denke wir brauchen Offenheit, ein Aufeinanderzugehen, Mut und vor allem viel Humor.

Was liest Du derzeit?

Joachim Meyerhoff, weil er mich zum Lachen bringt und das absolut essentiell ist in einem Jahr wie diesem. Michael Köhlmeier, weil er mich zum Schwelgen bringt und „Unsichtbare Frauen“ von Caroline Criado-Perez, weil es mich in regelmäßigen Abständen in Rage bringt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

An dieser Stelle, bitte ich einmal um das Gedankenexperiment, sich das vergangene Jahr ohne Kunst vorzustellen. Da ja Kunst bekanntlich kaum systemrelevant ist. Eine Pandemie, ohne Musik, ohne Bücher, ohne Filme… in diesem Sinne, ganz kurz und knapp und unpoetisch: The EARTH without ART is just „EH“.

Vielen Dank für das Interview liebe Shirina, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Shirina Granmayeh_Sängerin, Schauspielerin

Sängerin & Schauspielerin – Shirina Granmayeh

Foto_Sternenglückfotografie

25.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s