„Wenn´s mir nicht so gut geht, lese ich gerne Kinderbücher: Mira Lobe, Christine Nöstlinger, sowas in der Art“ Daniela Emminger, Schriftstellerin _ Wien 25.12.2020

Liebe Daniela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich sag´s mal so: Es fällt mir zunehmend schwer, positiv und motiviert zu bleiben, die Corona-Situation belastet langsam auch mich: sei es bei Zoom-Konferenzen oder Telefonaten; die allgemeine Stimmungslage ist doch eher betrüblich. Hätte ich in den letzten Wochen nicht meine Kollegin Judith Nika Pfeifer und unser gemeinsames Projekt ueber.tv gehabt (ein neues Online-Buchformat, das wir gemeinsam entwickelt und produziert haben), es wäre mir sehr schwer gefallen, täglich in die Gänge zu kommen. Mein neues Buchprojekt, ein NYer Bauernroman, ist seit März auf Eis gelegt, ich musste leider meine NY-Residency frühzeitig abbrechen, wann es damit weitergehen kann, ist und bleibt fraglich.

Daniela Emminger, Schriftstellerin _Lesung im Future Garden, Wien 2019 _Foto_Nina Keinrath

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Humor. Leichtigkeit. Positiver Input. Zumindest mir geht es so, dass in schwierigen Zeiten mein Bedürfnis nach Zuckerwatte, Pfützenspringen und Ponyhofatmosphäre steigt. Ich erlaube mir, wann immer es geht, kindisch zu sein, weil mir das Kraft und Zuversicht gibt. Wenn´s mir nicht so gut geht, lese ich gerne Kinderbücher: Mira Lobe, Christine Nöstlinger, sowas in der Art. Ich erlaube mir sozusagen literarisch die Flucht in eine heile Welt, um wieder aufzutanken. Was auch wichtig ist: freundlich sein, die eigenen Launen nicht in die Welt zu schleudern, Ärger mal für sich zu behalten, Komplimente und Lob verteilen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wenn uns die Krise etwas lehrt, dann doch, dass Veränderungen und schwer aushaltbare Schwebezustände in gewisser Weise normal sind und zum Leben dazuzugehören. Normalerweise sind wir nicht damit konfrontiert, halten an eigenen Gewohnheiten und Konventionen fest, hinterfragen diese nicht permanent, weil das anstrengend wäre. Ich fühle schon lange so, dass es einen Zustand der Sicherheit nicht gibt. Corona zeigt das ganz deutlich. Alles verändert sich, ständig, man selbst ist nicht allzu wichtig, nur ein Pünktchen im Universum. Ich versuche mir immer wieder aufs Neue klarzumachen, dass ich mich nicht so wichtig nehmen muss, dass es um etwas Größeres geht. Wir alle sind betroffen. Wir alle sind gleich. Wir sollten lieb zueinander sein.

Was liest Du derzeit?

Kongs große Stunde von Alexander Kluge, Gretchen hat Hänschenkummer von Christine Nöstlinger, Tausend Serpentinen Angst von Olivia Wenzel. Wer Buchtipps braucht: http://www.ueber.tv

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Mein all-time-favorite von Thomas Bernhard aus seinem Buch Gehen: Es ist ein ständiges zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Kopfes Denken und zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Hirns Empfinden und zwischen allen Möglichkeiten eines menschlichen Charakters Hin- und Hergezogenwerden.

In diesem Sinne: lasst uns weitergehen.

Vielen Dank für das Interview liebe Daniela, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Auch vielen Dank!

Daniela Emminger _ Foto _DieGoldkinder Wien, 2020

5 Fragen an KünstlerInnen:

Daniela Emminger, Schriftstellerin

15.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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