„Für mich sind Kultur und Kunst so wichtig wie mein Essen“ August Klar, Schriftsteller, Porta Westfalica _ 27.12.2020

Lieber August, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Der sah schon vorher immer unterschiedlich aus. Je nachdem welcher Auftritt oder Workshop gerade so ansteht. Diese bestimmten im Prinzip den Tagesablauf von Woche zu Woche. Wenn es ging – möglichst immer auspennen! Ich brauch das. Mein Körper braucht das. Dafür kann ich abends ewig lang wach bleiben. Macht sich gut für Auftritte. Ich hab nicht mal Rituale, wie andere das haben: Kein Kaffee, kein Tee, kein Rauchen oder sowas. Aber dennoch haben die Auftritte und Aufgaben eine gewisse Regelmäßigkeit gebracht, eine Art Ablauf. Der ist jetzt im „harten“ Lockdown völlig weg. Das Gute: Mir wird nie langweilig: Ich esse, lese, gucke YouTube Videos, Spiele Videospiele, sehe meine Freundin und nehme an der einen oder anderen Online-Sache teil. Ich lebe quasi mehr in den Tag hinein. Ich sollte vielleicht etwas fleissiger an meinem Album und an kommenden Auftritten arbeiten. Je nachdem wann das sein wird. Vielleicht fang ich damit jetzt gleich an.

August Klar, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich hab absolut keine Ahnung. Ich könnte jetzt Phrasen dreschen, nach dem Motto „Zusammenhalt“ oder „Durchhalten“ ist jetzt super wichtig. Im Prinzip sollte das Gesundheitssystem gestärkt werden, alle, die jetzt besonders belastet sind müssen jetzt und in Zukunft mehr entlastet werden. Und alle, die jetzt zwangsweise kein Geld verdienen, brauchen natürlich ausreichende Unterstützung und zum Teil klappt das ja. Ansonsten ist wohl „Ruhe bewahren“, auch wenn es floskelig klingt, schon wichtig. Ich bin kein Fan von „lauten“ Menschen  und irgendwelchen abstrusen Theorien in alle möglichen Richtungen. Überall gibt es immer diese und jene Lager: Die Linken, die Rechten, die Ökos, die Gutmenschen, usw. Irgendwie schotte ich mich immer mehr von sowas ab. Teils hat man in der Familie dann Gespräche über diese und jene Lager und politische Richtungen und ich habe das Gefühl, dass diese Gespräche zu absolut nichts Nützlichem führen. Also zur Frage, was wichtig ist: Vielleicht mehr runde Tische, mal in groß, mal in kleiner, an denen möglichst diverse Menschen sitzen. Mit Zielen. Und das möglichst progressiv und weniger auf Zank und Geschrei aus. Ich denke selbst das klingt so phrasig von mir. Ich halt mich weiter eher zurück und beobachte. Vielleicht auch falsch. Im Endeffekt kann ja nur jeder für sich selbst sagen, was er für wichtig hält. Ich finde zusammen  Lösungen finden wichtig, aber in sachlichem Ton. Und Familie und Freunde. Zur Not eben erstmal nur digital. Müssen da ja alle durch.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Ich hoffe und vermute, dass Kunst bzw. Kultur wohl ein wenig einen Höhenflug erlebt. Dass Leute richtig Bock auf Theater, Poetry Slams, Konzerte,  Shows, usw. haben. Also falls es irgendwann mal wieder „normal“ werden kann. Zum Beispiel durch den Impfstoff. Das wäre grandios. Für mich ist Kultur und Kunst so wichtig wie mein Essen. Meine Eltern hatten zwar irgendwie damals Recht  als ich mich selbstständig machte, dass die Leute erst mal satt sein müssen und dann kommt die Kultur. Aber meine Güte, was und wo wäre ich ohne diese ganzen phantastischen Filme, Bücher, Spiele, Konzerte, Events. Mein Leben wäre unfassbar langweilig und trist. Meine Psyche braucht das. Vor allem muss allen klar sein, dass sehr viele Formate digital einfach nicht stand halten können mit der Live Erfahrung. Das darf nicht alles zunehmend digital werden. Poetry Slams  Konzerte, Theater usw muss man live sehen. Hätte ich als Kind damals nicht für möglich gehalten, ich war ein absolutes Zocker Kind. Aber seit vielen Auftritten weiß ich wie geil das ist auf der Live Bühne zu stehen und steil zu gehen. Oder jemandem beim „steil gehen“ zuzugucken. Kunst macht glücklich. Kunst verändert dich. Kunst schweißt zusammen. Kunst ist so wichtig. Egal welche Form. Das darf nicht verloren gehen. Die muss gewertschätzt werden. Klingt schon etwas pathetisch, aber das isso.

Was liest Du derzeit?

Ich bin ein fauler Leser. Ein schlechter Leser, wenn man so will. Ich fange viel an und beende dann wenig. Ich lese viel im Internet: verrückte Kurzgeschichten, Blogs, Artikel, Essays. Kürzlich stieß ich auf Benjamin Weissinger Genießerscheibe. Grandioser Typ. Geniale innovative, kleine Geschichten und Versatzstücke. Ansonsten bin ich ein ziemlicher Film/YouTube Mensch: ich schaue/höre viele Dokus, „Do it yourselfs“, Streamende, Video-Essays zu allen möglichen Themen und alles, was man so findet.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Puh. Ich find’s immer ziemlich gruselig wenn Menschen in Kommentarspalten oder auf Webseiten irgendwelche (meist deplatzierte) Zitate vorbringen. Alle werfen mit Zitaten um sich, in der Hoffnung ganz weltoffen und allgemeingebildet zu wirken „Sich mit Dingen auskennen“. Und dann Albert Einstein oder irgendeine/n Künstler/in zitieren, um das eigene Argument zu untermauern. Also wenn es ein Zitat gibt, das ich einigermaßen vertreten kann, dann ists wohl „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, von Albert Einstein (Kleiner Spaß).

Vielen Dank für das Interview lieber August, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

August Klar, Schriftsteller

Fotos_Florian Wintels

8.12.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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