„Zu zeigen, dass wir sehr wohl relevant sind“ Stefan Ofner, Schauspieler_Villach 13.5.2021

Lieber Stefan, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Diese Frage wurde mir in unterschiedlichen Ausführungen in den letzten Monaten immer wieder gestellt und ich stelle sie mir selbst auch beinahe täglich. Als es mir einmal zu blöd war, habe ich mir die Antwort von Georg Danzer ausgeborgt: „Was soll i machen, i wixx, sonst nix.“ Doch zurück zur harten Realität.

Mein Tagesrhythmus hat sich seit Beginn der Pandemie verschoben. Ich war zuvor ein notorischer Frühaufsteher, jetzt beginne ich den Tag zumeist so um acht Uhr und frühstücke in Begleitung einer Tageszeitung am Tisch und der „Bezaubernden Jeannie“ im Fernsehen.

Die meiste Zeit verbringe ich im Moment mit dem Vorbereiten von kommenden Projekten in diesem und im nächsten Jahr. Die letzten Wochen über quälte ich mich durch diverse Förderanträge – because money makes the Theater World go round. Wenn mich die Muse küsst, schreibe ich am Programm für die nächste Produktion unter meiner künstlerischen Leitung, die „LustGARTEN Revue – Simply the Rest“, die im August stattfinden wird. Diese Comedy-Revue ist sozusagen das „Lockdown Baby“ von mir und meinen Kolleg:innen und findet heuer zum zweiten Mal statt. Daneben arbeitete ich an der Fertigstellung meines ersten Solokabaretts „Wieso?“ und zwischendurch habe ich auch das Vergnügen für das Sommertheater und ein Kinderstück proben zu können. Die Proben finden momentan aber nur sporadisch statt und sind vom „Normalbetrieb“ weit entfernt.

Davon abgesehen koche ich, versuche an der frischen Luft den Kopf freizubekommen und gehe Radfahren oder mache den fünftausendsten Corona Spaziergang – und täglich grüßt der Lockdown. Zwischendurch treffe ich mich mit einem der Handvoll Freunde, die ich momentan regelmäßiger sehe. Aber im Grunde habe ich vom Pandemiealltag die Nase voll und harre jeden Tag dem Moment, an dem heißen wird: hiermit erklären wir diese Pandemie für beendet! Was mir in den letzten Monaten besonders bewusst geworden ist, ist der Umstand, wie sinnlos sich für mich ein Tag anfühlt, an dem ich nicht meiner Arbeit nachgehen kann. Insofern versuche ich, jeden Tag mit Sinn zu füllen und mir meinen Humor zu bewahren.

Stefan Ofner, Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Am wichtigsten ist es auf uns zu schauen und zu wissen, was tut uns gut und was kann ich für andere tun, damit wir diese Zeit möglichst unbeschadet überstehen. Nicht nur jetzt sondern immer gilt, wer sich schlecht fühlt, wer Probleme hat, soll sich Hilfe holen! Ich kann mir nicht vorstellen, dass das letzte Jahr an irgendeiner Psyche spurlos vorübergegangen ist. Zudem sollten wir alle so schnell wie möglich geimpft werden und unsere Regierung kapiert hoffentlich bald, dass Theater/ Kino/ Kulturveranstaltungen mit Sicherheitskonzepten nicht nur möglich, sondern sehr sehr sicher sind, siehe der Versuch in Spanien oder Liverpool. Hier hoffe ich sehr auf die Zeit nach dem 19. Mai.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, dem Theater, der Kunst an sich zu?

Ich glaube nicht, dass sich die Rolle des Theaters oder der Kunst an sich durch die Pandemie verändern wird. Wir haben weiterhin die Aufgabe, den Menschen neue Sichtweisen aufzuzeigen, aktuelle Themen anzusprechen unbequem zu sein und ihnen manchmal auch einfach nur ein temporäres Ausbrechen aus ihrem Alltag zu ermöglichen.

Ich denke aber, dass es wichtig sein wird all denjenigen, die im vergangenen Jahr meinten, wir seien nicht relevant, zu zeigen, dass wir sehr wohl relevant sind. Dass Kunst, abgesehen von einem sehr starken Wirtschaftszweig in diesem Land, der Sauerstoff ist, den Seele und Geist zum Atmen brauchen. Ich freue mich einfach darauf, wenn es so weit ist, meinem Publikum zeigen zu können, wie sehr ich es vermisst habe.

Was liest Du derzeit?

Vorwiegend „dienstliche“ Literatur, nämlich die Textbücher für die nächsten Produktionen oder Recherchematerial für die Texte die ich schreibe. Ansonsten recycle ich bereits gelesenes aus meinem Bücherregal, darunter waren unter anderem „München“ von Robert Harris, Flemings „Goldfinger“ und „Hannibal“, Ta Ta.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Eines stammt von Nietzsche, eines von mir, möge das Raten beginnen:

„Alle Lust will Ewigkeit – will tiefe, tiefe Ewigkeit!“

„Kunst ist in der Lage die Seele zu heilen, man muss es nur zulassen.“

Stefan Ofner, Schauspieler

Vielen Dank für das Interview lieber Stefan, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Stefan Ofner, Schauspieler

www.stefanofner.at

Fotos_Julian Pirker.

4.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Der Literatur bieten sich jetzt online neue Möglichkeiten“ Hartwig Mauritz, Schriftsteller_ Vaals/NL 12.5.2021

Lieber Hartwig, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Der Alltag verläuft ähnlich wie in Vor-Corona-Zeiten. Unter der Woche steht viel Arbeit an. In meinem Brotberuf bin ich Lehrer an einem Berufskolleg in Alsdorf tätig. Auch in den Ferien und an den Wochenenden muss ich mich auf den Unterricht vorbereiten, der durch den Online-Unterricht ein besonderes Format erhalten hat und jeweils immer wieder neu erstellt werden muss. Hinzu kommt die Umstrukturierung unserer Schule, und der Einsatz in neuen Lerngruppen und Fächern seit Schuljahresbeginn, der sehr zeitraubend ist.

Ab dem 12.April war ich wieder fast 10 Stunden am Tag in der Schule. Ich lebe hinter der deutsch-niederländischen Grenze im Aachener Grenzort Vaals und muss seit Dienstag 06.April alle 72 Stunden einen Corona-Schnelltest beibringen, weil an der Grenze seit diesem Tag kontrolliert wird. Man muss sich über die aktuelle Corona-Lage informieren, um nicht böse Überraschungen zu erleben und seit dem 06. April muss ich mich zwei Mal in der Woche testen lassen, um nicht an der Grenze abgewiesen zu werden.

Zum Lesen und Schreiben komme ich in den Pausen zwischendurch und am Wochenende.

Hartwig Mauritz, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für uns ist es nun wichtig, gesund zu bleiben und in diesen Corona-Zeiten nicht die Nerven zu verlieren, wegen der vielen Maßnahmen und Restriktionen, der Ungewissheit über den Fortgang der Pandemie. Auch ist es wichtig, seine sozialen Beziehungen nicht einschlafen zu lassen und die technischen Möglichkeiten zu nutzen, die uns die Digitalisierung bietet, um mit den Mitmenschen in Kontakt zu treten, damit Freundschaften nicht abreißen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Während der Pandemie hat die Digitalisierung in der Gesellschaft stark zugenommen. Das Format der Videokonferenz hat im Geschäfts-, Schul- und Universitäts-Bereich Eingang gefunden und die Kommunikation im beruflichen Umfeld dominiert. Vereine und Kirchen halten Sitzungen und Veranstaltungen über Videokonferenzsysteme ab. So hat auch die Kultur dieses Format übernommen. Museen bieten Onlineführungen an. Konzerte können gestreamed werden, Lesungen und Seminare finden online statt und bieten somit für die Verbreitung von Literatur neue Möglichkeiten auch über die Pandemiezeit und über die lokale Begrenzung hinaus.

Was liest Du derzeit?

Derzeit lese ich von Stefan Zweig „Drei Dichter ihres Lebens“. Die Lektüre der Gedichtbände „sonnengesang“ von Norbert Hummelt und „im glasberg“ von Nadja Küchenmeister habe ich gerade abgeschlossen. Meist lese ich einen Lyrik- und einen Prosaband parallel.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Aus Hölderlin „Die Nacht“

„Seid gegrüßt, ihr zufluchtsvolle Schatten,

Ihr Fluren, die ihr einsam um mich ruht;“

Vielen Dank für das Interview lieber Hartwig, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Hartwig Mauritz, Schriftsteller

Hartwig Mauritz | Zur Person | Poetenladen

Foto_privat.

11.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Und während alles vergeht, leben wir weiter. Als Poeten, Eiferer, Gezeichnete“ Alexandra Friewald, Künstlerin_Wien 12.5.2021

Liebe Alexandra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da mein Leben gerade im Umbruch ist, stellt sich auch mein Tagesablauf gerade um. Mit meiner neu gewonnenen Freiheit kann ich nun endlich noch mehr Zeit und Energie in meine künstlerischen Tätigkeiten investieren und mich bisher vernachlässigten Projekten widmen. Da vieles eingeschränkt ist – von einem Lockdown zum nächsten – habe ich nun auch die Ruhe, nach einem jahrelangen Kunstprojekt alles neu zu überdenken und in ein neues Gewand zu kleiden. So arbeite ich an einer neuen Website, an der Neuauflage meiner Lyrikbände und an einem Kunstband für meine Aquarell-Reihe.

Mein derzeitiger Tagesablauf – ohne feste Reihenfolge: Meine Projekte am PC bearbeiten, Yoga/Meditation, im Zuge meiner psychosozialen Ausbildung habe ich auch immer wieder Präsenz- oder Onlinetermine, an die frische Luft gehen, malen, schreiben und viel lesen.

Alexandra Friewald, Künstlerin_Malerin, Lyrikerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Flexibel sein. Annehmen können, was ist. Dankbar sein für das, was man hat. Aufs Wesentliche besinnen.

Aber auch: Treten wir einen Schritt zurück und durchleuchten wir. Legen wir uns auf die Lauer. Befragen wir unsere ganz eigene Mitte. Bleiben wir intim. Lassen wir unsere Augen akribisch hineinsehen. Suchen wir nach dem roten Faden. Nutzen wir unsere Hände und greifen wir nach dem, was ist. Erkunden wir unseren Geist und gleichen wir ab. Suchen wir nach dem Kontext. Schütteln wir uns den Staub von den Füßen. Mit Herz und Verstand. Mit innigster Weisheit.

Und: Wenn man es nicht schon hat, wäre es gut, sich „Höhlenkompetenz“ anzueignen. Das heißt zu lernen, auch gut und liebevoll mit sich selbst zurechtzukommen. Grundsätzlich ist dies ein „Überlebens-Skill“.

„Aber wenden wird es sich, immerhin“ Alexandra Friewald_ Aquarell

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Wesentlich und ausschlaggebend für jeden Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft an sich wird der Mut und die Hingabe zur Flexibilität sein. Wie beweglich sind wir – im Denken, Fühlen und Handeln? Vertraute Strukturen lösen sich auf, alles ist im Wandel, teils existenziell.

Dies betrifft natürlich auch die Kunst, die seit letztem Jahr leider immer weiter in die Ecke „Luxusprodukt“ gerückt ist. Der Maslowschen Bedürfnispyramide nach ist es verständlich, was aber nicht bedeutet, es nicht auch von anderer Seite aus betrachten zu dürfen: Unsere Psyche, unser „Herz“ braucht ebenso Energie wie unser Körper.

„We are all stories, in the end“ – diese Geschichten, die wir uns selbst erzählen und die die Gesellschaft sich erzählt, werden ausschlaggebend sein, machen uns aus. Und dafür brauchen wir unsere Phantasie, Schöpferkraft, Kreativität, einen Flow, in den wir uns immer wieder hineinlegen können. Und genau das ermöglicht uns Kunst, ob als Schaffende oder Betrachter, Hinterfragende, Begreifende.

Hier möchte ich einen Auszug aus einem meiner Texte zitieren:

Das Künstlerdasein ist so eng verwoben mit dem Menschendasein. Jede Unebenheit, jeder Stein und jedes Kreuz, selbst das geringste Dunkel leben darin. Es lässt sich nicht verschieben, in keine Nacht. Wenn es regnet, trägst du die Farben des Wassers im Gesicht. Und während alles vergeht, leben wir weiter. Als Poeten, Eiferer, Gezeichnete, immer wieder Fragende. Mit anderen Sichtweisen, mit solchen, die eine emotionale Aufgeladenheit besitzen.

Diese Welt braucht Denker, Besinner, Empathen, Träumer. Die Schraffur der Ungewissheit, die alles überzieht, ist unsere Spielwiese. Die einzige, die wir haben.

Poetisiert euch!

„Ein Wagnis hinter den Rippen“ Alexandra Friewald_ Aquarell

Was liest Du derzeit?

Wie so oft lese ich parallel mehrere Bücher:


Die große Kunst, die Wahrheit zu sagen – essayistischen Arbeiten von Herman Melville

Sachbuch: Die Berufung für Hochsensible – von Luca Rohleder

Roman: Im Garten Numen – von Erik R. Andara

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Kunst ist wie alles Kreative eine Möglichkeit, mit sinnlichen Mitteln den Geist zu erheben und dient dazu, dem Schmerz einen Sinn abzugewinnen und den Ursprung des Schönen zu ergründen.

(John Ruskin)

„Der ewige Traum vom Meer“ Alexandra Friewald_ Aquarell

Vielen Dank für das Interview liebe Alexandra, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Alexandra Friewald_ Künstlerin_Malerin, Lyrikerin

Alexandra Friewald – deep passion water art (alexandra-friewald.at)

Alle Fotos_Alexandra Friewald.

13.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Dieser Roman kommt nicht aus dem Kopf“ Elena Platon_Schauspielerin_Wien_ 50 Jahre Malina_12.5.2021

Wir leben gerade in der Energie des Romans. Unsicherheit, Erwartung, Veränderung. Wir warten alle jetzt.

Die Gegenwart ist eine Dekonstruktion. Eine Reflexion und ein Sehen was passiert. Auch ein Weg zu uns selbst. Eine Zerstörung, wie in Malina.

Unsere Welt war sicher. Wir wussten wer wir sind. Und jetzt plötzlich dieser Prozess von Identität. Wie integriere ich Veränderungen? Wo gehe ich hin? Das sind auch die Fragen des Romans.

Verstand und Leidenschaft. Wir wollen beide Welten und unterdrücken viel dabei.

Empathie würde vieles verändern – zwischen uns.

Wie ist mein Weg im Schauspiel jetzt? Es ist eine riesige Arbeit mit und zu sich selbst.

Du musst in der Kunst auf Dich aufpassen. Eine gute Basis ist wichtig.

Kunst ist ein Lernen, es ist Technik. Ein emotionales Arbeiten.

Bachmann geht da ganz in die Tiefe der Persönlichkeit, in Richtung des Instinktes. In Licht und Dunkel. Scheut keine Fallhöhe.

Es gibt dieses Verständnis, diesen Instinkt von ars vita. Etwa bei Fellini, La strada. Sie muss sterben, dass er sich verändert. Es ist ein Selbstopfer. Es gibt dieses Momentum von Kunst. Das Opfer. Das Feuer.

Ivan und Malina sind Sehnsüchte. Beides braucht es.

Ivan ist kein Mann für das Leben. Aber Leidenschaft kannst Du nicht kontrollieren.

Hoffnungslos ist niemand.

Selbstverzeihung und Selbstliebe ist der Weg zueinander. Es ist schwer aus sich rauszukommen.

Frauen haben die Kraft nein zu sagen.

Malina gibt jetzt 50 Jahre danach Impulse wie das Verschwinden zu verhindern ist. Es geht darum als Frau eine Kraft zu entwickeln, die eigene Identität auszudrücken. Auch zu wissen, Du kannst alles!

Es braucht starke Rollenvorbilder für Frauen in einer männerdominierten Welt.

Das Problem ist, wir hören nicht zu. Wir sind zu beschäftigt. Es liegt in der Kommunikation.

Das Patriarchat ist sehr stark. Das zeigt sich etwa in der Umweltkrise.

Männer können sich oft nicht vom Patriarchat lösen. Es ist ein Problem des Selbstwertes. Das ist auch stark kulturabhängig.

Es gibt noch Männer wie Ivan aber auch Fortschritte darin. Männer bewegen sich.

Leidenschaft verbrennt. Das kann nicht lange dauern. Aber wir brauchen das.

Liebe auf den ersten Blick gibt es. Ich glaube an die Liebe.

In der Liebe musst Du im Moment sein. Präsent sein. Das ist das Problem heute. Wir sind immer irgendwo.

Es gebe mehr Liebe, wenn wir hier wären, präsent wären.

Gemeinsame Interessen, Aktivitäten verbinden. Das fehlt bei Ivan und Malina.

Ivan ist der Liebhaber. Malina ist der Freund. Idealerweise sollte es eine Person.

Ich liebe Wien.

Ich habe so viele interessante Leute hier kennengelernt. Kunst, Kultur lässt begegnen und verbindet.

Das Theater befand sich immer zwischen Entertainment und Kunst. Es wird jetzt seine Themen verändern. Es wird um Selbsterkenntnis gehen. Um das Verstehen.

Theater muss gut gemacht sein. Das ist das Wichtigste.

Mann muss Mut haben, so etwas zu schreiben.

Dieser Roman kommt aus ganz inneren Persönlichkeitsschichten, das ist nicht erklärbar. Es kommt nicht aus dem Kopf.

Ingeborg Bachmann verkörperte ihr Werk. Das ist ganz ganz besonders.

Ingeborg Bachmann hat nicht vorsichtig gelebt, so soll man leben.

Man muss das Leben lieben.

Theater ist ein sozialer Raum und ein Sinnraum

Das Theater braucht gute Schriftsteller*innen.

Kontrolle ist eine Illusion. You have to commit, sagt mein Yoga-Lehrer.

50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch:

Elena Platon _ Schauspielerin _Wien.

„Wir brauchen gute Geschichten und gute Erzähler*innen, um eine bessere Zukunft zu gestalten!“ Elena Platon, Schauspielerin_ Wien 16.3.2021 | Literatur outdoors – Worte sind Wege

Station bei Ingeborg Bachmann- alle Fotos/Interview_Walter Pobaschnig _ Cafè Prückel_Wien_3_2021

Walter Pobaschnig _ 5_2021

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„Was braucht die Kunst?“ Patricia Büttiker, Schriftstellerin_Zürich 11.5.2021

Liebe Patricia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf hier in Zürich ist trotz der Pandemie gleichgeblieben. Manchmal versuche ich bereits am Morgen aus dem Alltag auszubrechen, indem ich nach dem Duschen mit dem linken Fuß aus der Badewanne steige, statt immer nur mit dem rechten. Bis vor kurzem durfte ich mich über das Krähen eines prächtigen Hahns freuen. Ein Nachbar hat sich während der Pandemie Hühner angeschafft; er war nicht der einzige, wie ich irgendwo gelesen habe. Leider sind die Hühner von einem Fuchs gefressen worden, weil der Nachbar an einem Abend vergaß, das Gatter zu schließen. Den Tag verbringe ich mit Schreiben oder mit meinem Broterwerb. Um zweiundzwanzig Uhr lösche ich das Licht.

Patricia Büttiker, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Vielleicht sollten wir mehr Farbe in unseren Alltag bringen:

Wir könnten den Blumenstrauß, den wir für unseren Liebsten vorgesehen haben, zur Abwechslung einer fremden Person schenken, dürfen dann aber nicht beleidigt sein, wenn sie sich verarscht fühlt. Wir könnten die zu Boden gefallene Kochkelle nach oben werfen und hätten damit der Schwerkraft etwas entgegengesetzt, zumindest für einen Augenblick. Wir könnten den Tauben auch mal den Vortritt lassen, denn weshalb gehen wir davon aus, dass sie ausweichen sollen, wenn wir kommen?

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Von der Literatur, der Kunst wünsche ich mir, dass sie mich überrascht, mir neue Horizonte eröffnet, abseits des Ausgetretenen und der abstrakten Diskurse; dass sie wieder bescheidener wird. Man könnte die Frage auch umdrehen: Was braucht die Kunst? Bringen wir bei all den Ablenkungen noch die Konzentration auf, uns auf Werke der Bildenden Kunst, der Literatur einzulassen? Bei mir stelle ich eine gewisse Ungeduld fest.

Was liest Du derzeit?

Italo Calvino: Italienische Märchen. Alice Ceresa: Bambine, Geschichte einer Kindheit.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

«Ich kenne nicht sehr viele Worte. Allerdings besitze ich drei Lexika, die ich geschenkt erhielt, und ein Fremdwörterbuch, ebenfalls ein Geschenk, doch benütze ich diese Dinger zum Schreiben nie; es würde mich geradezu ärgern, Worte zu gebrauchen, die sich nicht in meinem Wortschatz befinden.» (Aus: Adelheid Duvanel, «Ein ganz gewöhnlicher Waschtag»)

Vielen Dank für das Interview liebe Patricia, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Patricia Büttiker, Schriftstellerin

www.literaturport.de/Patricia.Buettiker/.

Link zu meiner Veranstaltung an den Solothurner Literaturtagen 14. – 16.5.2021 : www.literatur.ch/gaeste/patricia-buttiker/

Foto_Carl Leyel

7.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„als befände man sich in einem darm“ Juliane Liebert, Schriftstellerin_Berlin 11.5.2021

Liebe Juliane, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

ich arbeite nachts und schlafe dann bis 15 uhr, außer ich muss tagsüber arbeiten, dann stehe ich gegen sechs auf und arbeite tagsüber. manchmal esse ich was. man weiß nie genau wann, denn es ist wichtig, dass man nie das gleiche an zwei aufeinanderfolgenden tagen zur selben zeit tut, sonst beginnt das universum, sich zu langweilen.

Juliane Liebert, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

ffp2 masken! die verhindern (so habe ich gehört), dass sich alle willkürlich ins gesicht husten und wir dann in krankenhausfluren sterben müssen, weil es nicht genug intensivbetten gibt. und impfungen!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

na, wenn es einen aufbruch und neubeginn gäbe, aber es gibt ja nur ein langsames aufhören und dann ein leichtes öffnen und dann geht alles wieder zu, zack. als befände man sich in einem darm (ich weiß nicht genau, wie es sich anfühlt, in einem darm zu sein. ich weiß aber, wie es sich anfühlt, langsam verdaut zu werden. nämlich so. )

und die kunst, die kunst ist immer da. wenn, dann spielen wir eine rolle in ihr.

Was liest Du derzeit?

therese und isabelle von violette leduc, kurt cobains tagebücher.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

angesichts der mietensituation und der mit ihr einhergehenden wut der berliner empfehle ich dieses video:

(ich empfehle es aber auch sonst!)

Vielen Dank für das Interview liebe Juliane, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur-, Textprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Juliane Liebert, Schriftstellerin

Juliane Liebert

Foto_Claude Gerber

18.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gute Gedichte kommunizieren mit Menschen auf vielschichtige und tiefe Weise“ Anne-Marie Kenessey, Schriftstellerin_Zürich 10.5.2021

Liebe Anne-Marie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Alles findet zuhause und online statt. Zwar verbrachte ich den Arbeitstag auch vor der Pandemie schon am Bildschirm, dass aber kulturelle Veranstaltungen, Debatten, Buchpromotionen, Begegnungen und der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen komplett in den virtuellen Raum verschoben wurden, sind große Veränderungen. Wer hier nicht mittun kann oder mag, sei es als VerlegerIn, VeranstalterIn oder AutorIn ist gar nicht mehr präsent, was ich sehr schade finde. Viele Liveveranstaltungen wurden ersatzlos gestrichen. Andererseits erhalte ich jetzt Gelegenheit, Streamings aus Berlin, Wien oder Budapest zu sehen, wo ich früher vor Ort sein musste.

Jeden Morgen stelle ich mir die Frage, was Priorität hat, in letzter Zeit waren es meine Übersetzungsarbeiten aus dem Ungarischen und das Vorbereiten einer Buchpublikation. Im Mai erscheinen ausgewählte Gedichte von Tamás Jónás im Berliner KLAK Verlag. Falls ich Zeit und Ruhe finde, schreibe ich an eigenen neuen Texten. Mein Tag wird immer wieder unterbrochen von Arbeiten im Haushalt, sie scheinen mir in der Pandemie nicht weniger geworden zu sein, zwangsläufig kümmern wir uns mehr um unseren Wohn-, Ess- und Arbeitsraum oder ich helfe meiner Mutter.

Entweder über Mittag oder gegen Abend versuche ich eine Stunde Bewegung einzubauen, sei es ein Spaziergang oder Sport, selbst Trainingseinheiten finden jetzt online statt, Fitness at home nennt sich sowas. Diese Woche schickte unsere Verwaltung ein Rundschreiben wegen Ruhestörung an alle Mieter und Mieterinnen, tja, alles muss zuhause passieren und jetzt ist es auch nicht recht.

Anne-Marie Kenessey, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Den Menschen eine Ausstiegsperspektive zu bieten. Einzig die Impfungen vermögen dies, weshalb sich viele baldmöglichst impfen lassen möchten. Bislang ist in der Schweiz aber erst sieben Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, der wirtschaftlich wichtige Kanton Zürich bildet das Schlusslicht, über Achtzigjährige warten noch auf ihre erste Dosis. Dabei haben wir das teuerste Gesundheitswesen Europas.

Trotz des Unmuts und der verbreiteten Müdigkeit bleibt uns nichts anderes übrig, als uns in Geduld und Gelassenheit zu üben, ein starker Kontrast zur dauererregten Öffentlichkeit.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

An einen größeren Aufbruch, gar Neubeginn glaube ich nicht. Zu viele Menschen sehnen sich nach ihrem alten Leben zurück. Eher werden die gesellschaftlichen und globalen Herausforderungen, die uns vor der Pandemie beschäftigten, wie beispielsweise der Klimawandel oder die Migration, verschärft in den Vordergrund rücken. Elemente des Technologieschubs, den die Pandemie ausgelöst hat, werden erhalten bleiben. Wesentlich für die Menschen, das hat uns Corona sowohl im beruflichen, schulischen als auch privaten Alltag deutlich spüren lassen, wird es sein, die echten Begegnungsräume wieder zu öffnen.

Der Literatur kommt in den westeuropäischen Demokratien schon lange nicht mehr die Rolle zu, Ersatz für fehlende öffentliche Diskussionen zu historischen und politischen Themen zu bieten, gar gesellschaftliche Prozesse anzustoßen, eine Funktion, die sie beispielsweise in Ungarn und anderen Ländern Ostmitteleuropas teilweise bis heute noch innehat. Bei uns steht sie mehr für sich, wobei es sowohl formal als auch thematisch eine große Vielfalt gibt. Gute Gedichte kommunizieren mit Menschen auf vielschichtige und tiefe Weise, regen ihre Fantasie, ihr Hirn an. Solche Momente zu ermöglichen, finde ich wesentlich.

Was liest Du derzeit?

Oh, ich lese kreuz und quer, häufig Gedichte, gestern las ich im Phantasus von Arno Holz. Georg Trakl begegnet mir regelmäßig, jemand postete zu Beginn der Pandemie sein Sonett Dämmerung, ich fand es nicht in meinem Büchlein, also druckte ich es, schnitt es aus und legte es hinein. Ich lese aber nicht nur in deutscher Sprache. Ohne die Pandemie wäre ich jetzt in Budapest und würde mich an den Ständen des internationalen Buchfestivals,das bis 2019 im April stattfand, durch die Neuerscheinungen blättern. Diese Möglichkeit vermisse ich. Im Schoß der Heimat lese ich mit Begeisterung in den Stoffen von Friedrich Dürrenmatt, dessen 100. Geburtstag wir feiern. Die Ausstellung im Museum Strauhof, das ich jedem und jeder literaturinteressierten Zürich-Reisenden empfehlen möchte, konnte ich im Herbst gerade noch besuchen, bevor alles wieder zuging.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Aus der Ballade Minotaurus von Friedrich Dürrenmatt:

„Er wich zurück, sein Spiegelbild ebenso, und allmählich ging ihm auf, daß er sich selber sich gegenüber befand. Er versuchte zu flüchten, doch wohin er sich auch wandte, stets stand er sich selber gegenüber, er war eingemauert von sich selber, überall war er selber, endlos war er selber, vom Labyrinth ins Unendliche widergespiegelt. Er spürte, daß es nicht viele Minotauren gab, sondern nur einen Minotaurus, daß es nur ein Wesen gab, wie er eines war, ein anderes nicht vor ihm und ein anderes nicht nach ihm, daß er der Vereinzelte war, der zugleich Aus- und Eingeschlossene, ….“

Vielen Dank für das Interview liebe Anne-Marie, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Anne-Marie Kenessey, Schriftstellerin

Anne-Marie Kenessey | Poetenladen | Zur Person

Foto_privat.

11.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Mit dem Hobbit unterwegs“ Ein Skizzenbuch, Alan Lee. Klett-Cotta Verlag

Das Jahrhundertwerk „Der Herr der Ringe“ von J.R.R.Tolkien (1892 – 1973) begeistert mittlerweile schon Generationen von Leserinnen und Lesern und inspiriert Künstlerinnen und Künstler in ihrem Schaffensprozess. So erging es auch dem britischen Künstler und Illustrator Alan Lee (*1947), der mit siebzehn Jahren in der Kunstschule mit dem Werk Tolkiens in Berührung kam und seitdem einen gemeinsamen künstlerischen Weg bis zur Gegenwart geht.

Lee begann schon in den 1970er mit Motivdarstellungen und weitete diese Illustrationen aus, die ihrem Höhepunkt in der Sonderausgabe von „Der Herr der Ringe“ zum 100.Geburtstag Tolkiens fanden. Ebenso war die Zusammenarbeit mit dem Filmregisseur Peter Jackson, der sich an die Verfilmung dieses Jahrhundertwerkes Tolkiens wagte („Der Herr der Ringe“ wie „Der Hobbit“ zu Beginn dieses Jahrtausends), eine wesentliche künstlerische Station und Auseinandersetzung für Lee, welcher auch Kostüm und Design der Verfilmungen inspirierte und mitgestaltete.

Ein künstlerischer Prozess hat immer einen weiten Vorlauf der Annäherung in Inspiration und Umsetzung. So ist es auch im Werk Lees, welcher umfassende Vorarbeiten beinhaltet.

Alan Lee öffnet nun mit der vorliegenden bibliophilen Ausgabe den wunderbaren Schatz von Skizzen, Entwürfen in vielen Varianten der textlichen Inspiration. Begleitend sind die Darstellungen mit persönlichen Bezügen des Künstlers zu Tolkien und seinem Werk wie auch zu Peter Jackson und dessen filmischer Konzeption und Zusammenarbeit. So entsteht ein sehr ausdrucksstarker wie persönlicher Einblick in Form und Weg eines künstlerischen Prozesses.

„Alan Lee ist wohl einer der Zauberer aus dem Werk Tolkiens. Sein Bleistift und sein Pinsel sind faszinierende Zauberstäbe.“

Walter Pobaschnig 5_21

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„Die Nähe wieder schätzen zu lernen im Gespräch“ Friedrich G.Paff, Schriftsteller _Marburg 10.5.2021

Lieber Friedrich, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Vermisse meinen Deutschunterricht für Ausländer, all die Kontakte. Keine Lesungen. Die Einweihung des Rabenstuhls der Poesie, der mir am Rhein gewidmet, leider verschoben. Ärgere mich, wenn der Hermes Paketbote ohne Maske mit mir spricht. Achte zu wenig auf meine gefährdete Gesundheit. Gehe zu wenig an die frische Luft. Keine Zeit. Viel zu lesen, zu sichten, zu schreiben. Der Tag geht zu schnell vorbei. Keinerlei Langeweile. Verdränge leider was zu erledigen wäre angesichts auch finanzieller Sorgen. Ziehe mich eher zurück als nach außen mich zu wenden.

Friedrich G.Paff, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Durchhalten. Auf normale Zeiten warten. Achtgeben. Gesundheit geht vor.  Spazieren gehen. Verschwörungsdiskussionen auf später vertagen. Ängste bezwingen. Sich notfalls gut ablenken. In sich gehen. Schätzen, was an Gutem man erlebt. Über Intrigen lachen. Die Zeit der Bedrohung nutzen, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen. Merken, wie viel Ärger und Zeit man vergeudet hat mit dem was sich nur aufbläht und eitel nur ist. Kultur, die nichts zu sagen hat, nur prustet und spauzt, wie arm ist sie. Welches Wunder ist Geburt. Gott danken, wenn man Kinder hat.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Überlebt zu haben. Vor Augen die, denen es schlecht erging. Keinerlei Erwartungen an den Literaturbetrieb. Auch wenn nach Corona die Masken fallen, bleiben andere Masken bestehen.  Unabhängig authentisch zu bleiben wird dasselbe Wagnis bleiben wie vor Corona. Nicht Strampeln und sich Verrenken, endlich, endlich wieder schwimmen zu können. Die Nähe wieder schätzen zu lernen im Gespräch ohne Angst vor Viren und Ansteckung.

Was liest Du derzeit?

Was auf facebook angeregt wird zum Beispiel von Catalina Franco , Gedichte in anderen Sprachen. Zum Beispiel Oscar de Milosz, Pavese, Lorca. Lese kaum heutige Lyrik, entdecke Texte die mich ansprechen bei älteren bekannten und auch bei vergessenen Dichtern. Iwan Goll, Baudelaire, Alfons Paquet gestern gelesen.  Immer wieder Hölderlin, Heine, Nelly Sachs, Celan, Bobrowski, Nerval, Huchel, George. Romane kaum. Abhandlungen ja.  Rheinisches. Kunstgeschichte. Auf Arte – TV Folgen über das Urchristentum. Abends im Fernsehen Krimis.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

wußtest du

was das Geheimnis

allen Dialoges ist :

die Ferne des Paradieses

ist die Nähe

Vielen Dank für das Interview lieber Friedrich, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Friedrich G.Paff, Schriftsteller

Friedrch G. Paff Gedichte Lesungen Prosa (friedrich-g-paff.de)

Foto_privat.

21.2.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die Aufgabe von Kunst wird mehr denn je sein, Menschen einander nahe zu bringen“ Kersten Flenter, Schriftsteller_ Hannover 9.5.2021

Lieber Kersten, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Vor der Pandemie habe ich zu ca. 60% von Lesungen und andere Auftritten gelebt. Da die Abendarbeit nun komplett wegfällt, arbeite ich tagsüber. Und entsprechend gesunken ist der Anteil intrinsischer Arbeit, ich muss nun mehr Auftragstexte in verschiedenen Bereichen schreiben. Meine Frau freut sich allerdings über den geänderten Tagesablauf.

Kersten Flenter, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht den Verstand zu verlieren – Gefahren bewusst einzuschätzen, Informationen mehr denn je zu filtern und zu hinterfragen. Soziale Medien meiden. An die frische Luft gehen. Und vor allem den Humor nicht verlieren.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Musik, der Kunst an sich zu?

Für mich ist ganz wesentlich, dass Kunst, gerade Literatur und Musik, Begegnungen schaffen, Kommunikation, verzauberte Augenblicke. Die Aufgabe von Kunst wird mehr denn je sein, Menschen einander nahe zu bringen – Worte und Musik sind dafür essenziell. Wir dürfen die nun durch Pandemie und politische Maßnahmen geschaffenen Distanzverhältnisse nicht dauerhaft sich in unsere Seelen einnisten lassen. 

Was liest Du derzeit?

Abel Paz‘ eindrucksvolle Biographie über den legendären spanischen Anarchisten Buenaventura Durruti. Und nach und nach alles Verfügbare von Robinson Jeffers.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Du kannst einen Augenblick nicht reparieren.

Vielen Dank für das Interview lieber Kersten, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Kersten Flenter, Schriftsteller

Autor – Kersten Flenter

Foto_privat.

12.4.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com