„Zu zeigen, dass wir sehr wohl relevant sind“ Stefan Ofner, Schauspieler_Villach 13.5.2021

Lieber Stefan, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Diese Frage wurde mir in unterschiedlichen Ausführungen in den letzten Monaten immer wieder gestellt und ich stelle sie mir selbst auch beinahe täglich. Als es mir einmal zu blöd war, habe ich mir die Antwort von Georg Danzer ausgeborgt: „Was soll i machen, i wixx, sonst nix.“ Doch zurück zur harten Realität.

Mein Tagesrhythmus hat sich seit Beginn der Pandemie verschoben. Ich war zuvor ein notorischer Frühaufsteher, jetzt beginne ich den Tag zumeist so um acht Uhr und frühstücke in Begleitung einer Tageszeitung am Tisch und der „Bezaubernden Jeannie“ im Fernsehen.

Die meiste Zeit verbringe ich im Moment mit dem Vorbereiten von kommenden Projekten in diesem und im nächsten Jahr. Die letzten Wochen über quälte ich mich durch diverse Förderanträge – because money makes the Theater World go round. Wenn mich die Muse küsst, schreibe ich am Programm für die nächste Produktion unter meiner künstlerischen Leitung, die „LustGARTEN Revue – Simply the Rest“, die im August stattfinden wird. Diese Comedy-Revue ist sozusagen das „Lockdown Baby“ von mir und meinen Kolleg:innen und findet heuer zum zweiten Mal statt. Daneben arbeitete ich an der Fertigstellung meines ersten Solokabaretts „Wieso?“ und zwischendurch habe ich auch das Vergnügen für das Sommertheater und ein Kinderstück proben zu können. Die Proben finden momentan aber nur sporadisch statt und sind vom „Normalbetrieb“ weit entfernt.

Davon abgesehen koche ich, versuche an der frischen Luft den Kopf freizubekommen und gehe Radfahren oder mache den fünftausendsten Corona Spaziergang – und täglich grüßt der Lockdown. Zwischendurch treffe ich mich mit einem der Handvoll Freunde, die ich momentan regelmäßiger sehe. Aber im Grunde habe ich vom Pandemiealltag die Nase voll und harre jeden Tag dem Moment, an dem heißen wird: hiermit erklären wir diese Pandemie für beendet! Was mir in den letzten Monaten besonders bewusst geworden ist, ist der Umstand, wie sinnlos sich für mich ein Tag anfühlt, an dem ich nicht meiner Arbeit nachgehen kann. Insofern versuche ich, jeden Tag mit Sinn zu füllen und mir meinen Humor zu bewahren.

Stefan Ofner, Schauspieler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Am wichtigsten ist es auf uns zu schauen und zu wissen, was tut uns gut und was kann ich für andere tun, damit wir diese Zeit möglichst unbeschadet überstehen. Nicht nur jetzt sondern immer gilt, wer sich schlecht fühlt, wer Probleme hat, soll sich Hilfe holen! Ich kann mir nicht vorstellen, dass das letzte Jahr an irgendeiner Psyche spurlos vorübergegangen ist. Zudem sollten wir alle so schnell wie möglich geimpft werden und unsere Regierung kapiert hoffentlich bald, dass Theater/ Kino/ Kulturveranstaltungen mit Sicherheitskonzepten nicht nur möglich, sondern sehr sehr sicher sind, siehe der Versuch in Spanien oder Liverpool. Hier hoffe ich sehr auf die Zeit nach dem 19. Mai.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, dem Theater, der Kunst an sich zu?

Ich glaube nicht, dass sich die Rolle des Theaters oder der Kunst an sich durch die Pandemie verändern wird. Wir haben weiterhin die Aufgabe, den Menschen neue Sichtweisen aufzuzeigen, aktuelle Themen anzusprechen unbequem zu sein und ihnen manchmal auch einfach nur ein temporäres Ausbrechen aus ihrem Alltag zu ermöglichen.

Ich denke aber, dass es wichtig sein wird all denjenigen, die im vergangenen Jahr meinten, wir seien nicht relevant, zu zeigen, dass wir sehr wohl relevant sind. Dass Kunst, abgesehen von einem sehr starken Wirtschaftszweig in diesem Land, der Sauerstoff ist, den Seele und Geist zum Atmen brauchen. Ich freue mich einfach darauf, wenn es so weit ist, meinem Publikum zeigen zu können, wie sehr ich es vermisst habe.

Was liest Du derzeit?

Vorwiegend „dienstliche“ Literatur, nämlich die Textbücher für die nächsten Produktionen oder Recherchematerial für die Texte die ich schreibe. Ansonsten recycle ich bereits gelesenes aus meinem Bücherregal, darunter waren unter anderem „München“ von Robert Harris, Flemings „Goldfinger“ und „Hannibal“, Ta Ta.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Eines stammt von Nietzsche, eines von mir, möge das Raten beginnen:

„Alle Lust will Ewigkeit – will tiefe, tiefe Ewigkeit!“

„Kunst ist in der Lage die Seele zu heilen, man muss es nur zulassen.“

Stefan Ofner, Schauspieler

Vielen Dank für das Interview lieber Stefan, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Stefan Ofner, Schauspieler

www.stefanofner.at

Fotos_Julian Pirker.

4.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s