„Was braucht die Kunst?“ Patricia Büttiker, Schriftstellerin_Zürich 11.5.2021

Liebe Patricia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf hier in Zürich ist trotz der Pandemie gleichgeblieben. Manchmal versuche ich bereits am Morgen aus dem Alltag auszubrechen, indem ich nach dem Duschen mit dem linken Fuß aus der Badewanne steige, statt immer nur mit dem rechten. Bis vor kurzem durfte ich mich über das Krähen eines prächtigen Hahns freuen. Ein Nachbar hat sich während der Pandemie Hühner angeschafft; er war nicht der einzige, wie ich irgendwo gelesen habe. Leider sind die Hühner von einem Fuchs gefressen worden, weil der Nachbar an einem Abend vergaß, das Gatter zu schließen. Den Tag verbringe ich mit Schreiben oder mit meinem Broterwerb. Um zweiundzwanzig Uhr lösche ich das Licht.

Patricia Büttiker, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Vielleicht sollten wir mehr Farbe in unseren Alltag bringen:

Wir könnten den Blumenstrauß, den wir für unseren Liebsten vorgesehen haben, zur Abwechslung einer fremden Person schenken, dürfen dann aber nicht beleidigt sein, wenn sie sich verarscht fühlt. Wir könnten die zu Boden gefallene Kochkelle nach oben werfen und hätten damit der Schwerkraft etwas entgegengesetzt, zumindest für einen Augenblick. Wir könnten den Tauben auch mal den Vortritt lassen, denn weshalb gehen wir davon aus, dass sie ausweichen sollen, wenn wir kommen?

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Von der Literatur, der Kunst wünsche ich mir, dass sie mich überrascht, mir neue Horizonte eröffnet, abseits des Ausgetretenen und der abstrakten Diskurse; dass sie wieder bescheidener wird. Man könnte die Frage auch umdrehen: Was braucht die Kunst? Bringen wir bei all den Ablenkungen noch die Konzentration auf, uns auf Werke der Bildenden Kunst, der Literatur einzulassen? Bei mir stelle ich eine gewisse Ungeduld fest.

Was liest Du derzeit?

Italo Calvino: Italienische Märchen. Alice Ceresa: Bambine, Geschichte einer Kindheit.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

«Ich kenne nicht sehr viele Worte. Allerdings besitze ich drei Lexika, die ich geschenkt erhielt, und ein Fremdwörterbuch, ebenfalls ein Geschenk, doch benütze ich diese Dinger zum Schreiben nie; es würde mich geradezu ärgern, Worte zu gebrauchen, die sich nicht in meinem Wortschatz befinden.» (Aus: Adelheid Duvanel, «Ein ganz gewöhnlicher Waschtag»)

Vielen Dank für das Interview liebe Patricia, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Patricia Büttiker, Schriftstellerin

www.literaturport.de/Patricia.Buettiker/.

Link zu meiner Veranstaltung an den Solothurner Literaturtagen 14. – 16.5.2021 : www.literatur.ch/gaeste/patricia-buttiker/

Foto_Carl Leyel

7.5.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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