„Liebesfähigkeit behalten. Und ausbauen“ Anja Bachl, Künstlerin_ Salzburg 1.10.2021

Liebe Anja, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Denn es ist jeden Tag gleich, jeder Tag ist anders. Aber. Wenn ich in der Werkstatt zu arbeiten habe, dann stehe ich um fünf auf, ziehe die Augenbrauen hoch, weil ich wieder vergessen habe mir Buchweizen einzuweichen, koche mireinen seltsam klingenden Kräutertee und setzte mich ans Fenster, um zu lesen. Um den Tag zu spüren. Manchmal. Verschlafe ich auch. Dann spüre ich nicht, sondern sprinte vom Bad zum Blumengießen und zurück, weil Schlüssel vergessen. Aber Morgenseiten! Eine Zeichnungkonstante.

Ich fahre in die Arbeit, werkle dort zusammen mit leuchtenden Menschen an Webstühlen. Danach mache ich Dinge mit Medikamenten oder Einkaufslisten für meine Eltern. Hör mir an, wie sie die fetzigsten Witze bringen. Trotz allem. Oder gerade weil. Fahre nach Hause, gehe auf den Nockstein oder hole den Buben vom Skaten ab. Meistens koche ich dann in Phasen die immer selben Sachen, bis mein Sohn Augen aufdringlich verdreht. Reisnudeln zum Beispiel. Dann zwinge ich ihn zum Scrabblespielen. Oder mir ausgelutschte Fragen zu beantworten. Wir spielen Schni-Schna-Schnuck um die Badewanne und den Laptop. Wir gehen zu spät ins Bett.

An Nichtwerkstatttagen gibt es ebenfalls Tee und Skizzen und Blumen, die Wasser brauchen. Aber. Anstatt Garne durch Litzen und Nadeln zu ziehen, verknüpfe ich dann, am Liebsten am Wasser, Fäden beim Schreiben. Oder trenne sie auf. Jedenfalls schreibe ich. Zeichne und verschicke Bilder. Treffe Freund*innen. Treffe Gämsen irgendwo oben. Treffe Privates ist politisch. Höre zu. Sag Sachen. Denke nach als hätte ich drei Köpfe. Lass mir von meinem Sohn TikTok erklären. Lass mir von Lautlachenden Leichtigkeit erklären. Pläne schmieden. Pläne wieder verwerfen.

Anja Bachl, Künstlerin, Ganzheitliche Kunsttherapeutin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wenn überhaupt generell, dann halt. Solidarität. Das eigene Universum hinterfragen und abgleichen, Privilegien prüfen, Resilienz nicht mit Resignation verwechseln, zuhören, sich informieren, sich an wissenschaftlichen Fortschritten freuen. Durchlässig und verletzlich bleiben. Sanft und wild. Eigene Rassismen, Stereotype, eingefahrene Glaubensmuster, Vorurteile, den Firlefanz, der ein kapitalistisches Upfucksystem nährt, bewusst bekommen und eigene Haltungen zurecht rücken. Auf sich schauen. Liebevoll sein. Sich nicht täuschen lassen und Konsum und Beschäftigtsein nicht als Leerefüller gelten lassen. Liebesfähigkeit behalten. Und ausbauen. Verantwortung sexy finden. Gestalten. Zulassen und abgrenzen. Grenzen niederreißen. Loslassen und einlassen. Den Männernmenschen, die kaffeeschlürfend Fehlentscheidungen treffen, die unsere Erde literally vernichten, Entscheidungsfähigkeit und Macht nehmen. Das Patriachat in Einzelteile zerlegen und aus den Stückchen ein Lagerfeuer machen. Spielräume schaffen. Skateplätze bauen anstatt Straßen. Privatplätze an Seen endlich auflösen. Weil. Die hellblauen Wellen sind für alle da. Aufeinander Acht geben. Nachfragen. Nicht müde werden. Und ausreichend schlafen. Platz in unseren Hirnen machen für die Tatsache, dass jeder Mensch gleich viel wert ist. Würde lernen. Courage. Freund*innenschaft. Zugeben, wenn man sich irrt. Lernen als fancy Alltagsteil etablieren. Sich Herzen brechen nicht auf einen Zettel schreiben und übers Bett hängen. Lauteslachen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ein Aufbruch kann nur wirken, wenn wir ihn wirken lassen. Das heißt, egal wie viele Delfine zurückkehren an Küsten und wie viele Sterne wir mehr gesehen haben weil Luft weniger dreckig war während einem Pandemie Freeze, Umgestaltungen brauchen Platz, den man tatsächlich faktisch leer räumen muss vorher. Wir können nicht aufbauen auf Splittern und Bruchstellen, wir müssen vorher dekonstruieren. Dass ein Umbruch und Aufbruch und Umgestalten und Neudenken unumgänglich ist, ist klar. Inwiefern wir endlich danach handeln, das ist die Frage. Ich bin überzeugt von der Kraft des einzelnen Menschen, glaube aber dennoch, gewisse gesellschaftspolitische Handlungen sind in ihrer radikalen, einheitlichen Umsetzung essenziell, um eine pulsierende Erde und alles Leben darauf zu erhalten.

Was Aufbrüche auf der individuellen Ebene bedeuten, das ist so unterschiedlich wie Wesen selber.

Aber Kunst ist Kitt. Kunst ist eine der feinsten Kommunikationsformen, eine Zwischendenzeilenfunktionärin, eine Verdeutlichungsform, die Sprachen fließend spricht. Kunst kann Polaritäten. Kunst kann Ambiguität. Aber Kunst weicht nicht in ihren Botschaften. Kunst macht Räume auf. Wo man sich spießt, wenn man das zulässt. Wo Einigung existiert. Und Resonanz. Kunst gestaltet, Kunst findet Zugänge. Sie positioniert. Sie spielt. Sie öffnet und fixiert. Kunst ist Hoffnungsträgerin.

Was liest Du derzeit?

„all about love“ bell hooks; „Disability Visibility“ Alice Wong; „Welch“ Sera Tunc; „Afropean“ Johny Pitts; „Briefe an die Täter“ Karen Köhler; „Niemehrzeit“ Christian Dittloff; „Gefühle in Zeiten des Kapitalismus“ Eva Illouz.

Ahm ja. Ich betreibe Inselhopping mit Büchern.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

If they cannot love and resist at the same time, they probably will not survive.

Audre Lorde

Vielen Dank für das Interview liebe Anja, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Anja Bachl, Künstlerin, Ganzheitliche Kunsttherapeutin

Foto_privat.

29.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Undine repräsentiert die unerschütterlich Wahrheitsbringende“ Marcela Selinger, Sängerin_Wien_Undine geht_1.10.2021

Marcela Selinger_Sängerin_Wien

Liebe Marcela, wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?

Undine repräsentiert die unerschütterlich Wahrheitsbringende. Sie konfrontiert die Schattenseiten und spendet hier sozusagen einen schonungslosen Ort zum Ausruhen.

– denn in der Wahrhaftigkeit- egal wie unschön sie sein mag- macht es keinen Sinn mehr zu vermeiden und es entsteht auf abstruse Art ein Ort der Geborgenheit.

Das Wasser repräsentiert für mich die Tiefe der Gefühle, das Unkontrollierbare, anziehend, wunderschön und doch so abschreckend.

Die Erzählung beschreibt den Konflikt der Sehnsucht nach einerseits dem „sicheren“ Leben, das man unter Kontrolle hat, dem jedoch immer etwas fehlt, und zum anderen nach der Tiefe des Unergründlichen, Wahrheitsbringenden, das furchteinflößend sein kann, konfrontativ, abrechnend mit all den Seiten an sich selbst, die verwerflich sein mögen, die man verdrängt, weil man sie selbst abwertet – JEDOCH- dem Erkennen, dem tiefen Bedürfnis nach Weiterentwicklung und Ganzwerdung dienlich sind.

„Undine geht“ wurde vor 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?

Gemäß der Zeit in der Bachmann lebte rechnet sie vor allem mit den Männern ab, die sich ein Doppelleben erschaffen, um sich Erleichterung des Drucks des Alltags und der Rollenerfüllung zu verschaffen, für die sie die Frauen benutzen, um in gutem Licht dazustehen; aber auch mit den Frauen, welche sie scheinbar eher als Opfer sieht, aber auch durchscheint, dass dieses Spiel sehr wohl wechselseitig ist („Ihr kauft und ihr lasst euch kaufen“). Dennoch erscheint diese Kraft für Bachmann  wohl generell den Frauen innewohnend als „natürlich“, während es für den Mann eine externalisierte Kraft darstellt, zu der er sich hingezogen fühlt und sie integrieren will, jedoch in Konflikt gerät mit der Scheinsicherheit der Gesellschaft.

Ich denke, dass im Laufe der Zeit sowohl Männer als auch Frauen das Bedürfnis haben, tatsächlich in Begegnung zu gehen und sich von diesen Rollenbildern zu lösen -gesellschaftlich betrachtet sind diese leider immer noch sehr präsent, letztendlich ist die Mutter oftmals die Hauptverantwortliche für den Haushalt und die Kinder und der Vater dafür, das Geld heranzubringen, ganz zu schweigen von Alleinerzieher/-innen, denen oftmals plötzlich alle Rollen gleichzeitig zufallen.

Allerdings ist zu beobachten, dass innerhalb der Familien Lösungen gesucht werden, dass sich jeder verwirklichen kann und sich jeder um Kinder und Haushalt kümmert. Auch setzt man sich mehr mit der Partnerbeziehung auseinander, auch wenn es oftmals wenig Raum dafür gibt und es oftmals auch zu Trennungen führt, wenn manche Wahrheiten schwer zu überwinden sind.

Für mich ist aber auch auffällig, wie wenig Menschen heutzutage willig sind, sich zu „binden“, es ist oftmals eher das Streben nach dem „noch Besseren“. Ich persönlich finde das recht schade, da sich meines Empfindens nach die Tiefen hier gar nicht wirklich offenbaren können- schließlich benötigt es dazu das emotionale Einlassen- die Hingabe an die- eventuell unkontrollierbare- Erfahrung in den Tiefen verborgenen Schmerzes.

Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute, in Leben und Gesellschaft?

Patriarchale Macht ist nach vor stark präsent in unseren gesellschaftspolitischen Strukturen. Die Sozialwissenschaften beschäftigen sich mit dem Thema nach wie vor. In kritischen Lebenssituationen  brechen tiefenpsychisch geschlechtsdifferente Bewältigungsmuster wieder auf. Männer fallen da eher in die Erwerbsarbeitsrolle durch den ökonomischen Externalisierungsdruck, ob wohl sie sich nach Selbstverwirklichung in gefühlvollen, emphatischen und nicht konkurrierenden Beziehungen sehnen.

Der Frau wiederum wird eher das beziehungsorientierte Prinzip zugeschrieben, die Innenorientierung, die allerdings in der Außenwelt als weniger wert im Vergleich zur Außenorientierung der Jungen und Männer empfunden wird. Zwar wird die Gleichstellung der Geschlechter öffentlich propagiert, im privaten Bereich wird dies oftmals nach wie vor altmodisch gehandhabt. Dadurch werden diese Konflikte demnach auch immer weniger öffentlich thematisiert, wodurch diese Strukturen unterschwellig weiterwirken.

Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Poesie der Liebe und des gesellschaftlichen Lebens aus? Ist eine Poesie darin möglich – zwischen Frau und Mann, Mensch und Natur?

Das Scheitern gehört zum Leben dazu, hat mir ein alter Freund einmal gesagt. Es diene der Weiterentwicklung. Womöglich ist es das was die Geschichte der Undine ausdrückt- die Berührung mit dem Scheitern, dem Aufbrechen zur Ganzwerdung seiner Selbst.

Vielleicht bieten die Menschen , die uns am tiefsten treffen, eine hervorragende Projektionsfläche, um letztendlich zu erkennen, dass man all das in sich trägt.: Das Undurchsichtige, das Schambehaftete, das Unerträgliche, das Dunkle und Leidvolle. Möglicherweise liegt hier das Scheitern verborgen- im „Nicht- aushalten-können“ seiner selbst.

Ich persönlich möchte glauben, dass dieses Scheitern durch wahrhaftige Hingabe überwindbar ist, sowohl gesellschaftlich als auch in der Liebe zu seinem Partner, der Familie usw. Für mich erfordert es Hingabe an das was uns innewohnt- im Schönen wie im Schrecklichen- um uns letzten Endes verbinden zu können, tief in unserem Menschsein, wo wir alle gleich sind.

Ich denke aufrichtige Hingabe an das Leben erfordert viel Arbeit an uns selbst und eine klare Auseinandersetzung mit Ab-und Bewertungen, Kategorisierung, Scham, Illusionen usw. und wenn wir Glück haben entfalten wir Gelassenheit und pure Neugier dem Leben, dem Menschen, der Natur gegenüber.

Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute mitnehmen?

Als Frau und Künstlerin kann ich mir unheimlich viel mitnehmen von „Undine geht“.

Für mich repräsentiert Undine nicht unbedingt eine Frau, sondern mehr die weibliche Kraft. Den Dschungel, das Undurchsichtige, die undurchschaubaren Tiefen des Unbewussten. Sich mit dieser Kraft zu verbinden lässt uns stärker werden. Ich ordne diese Attribute dem Weiblichen zu- in meinem Verständnis ist es das Ziel eines jeden Menschen die innewohnende weibliche sowie männliche Kraft in eine Balance zu bringen.

Ich denke Undine beschreibt das Ungleichgewicht in der Gesellschaft, die eher männlich geprägt ist und konfrontiert, provoziert die Herstellung der Balance durch ihr schonungsloses Erscheinen. Ich denke es ist unser aller Aufgabe diese Balance herzustellen, nicht wegzusehen, auch wenn es so verlockend ist, um einen offenen Dialog und tatsächliche zwischenmenschliche Begegnung herstellen zu können. Es ist unser aller Aufgabe diese Arbeit zu tun- für uns selbst und unsere Kinder.

Durch die Kunst ist die Thematik der Balance der weiblichen und männlichen  Kraft natürlich schön auszudrücken- es ist der ewige Tanz, der uns verbindet, uns antreibt und Verbindung schafft- in Scheitern und in Liebe.

Was bedeutet Dir Natur?

Die Natur umschreibt für mich alles Erschaffene- sie kann auch destruktiv sein. Da ich den Menschen als Bestandteil der Natur betrachte ist die Frage, was genau gemeint ist – die „grüne“, konstruktive Natur ist für mich ein wesentlicher Bestandteil meines Alltags. Ich gehe regelmäßig in den Wald, ans Wasser oder auf den Berg- die Ruhe, der Frieden, das Pure, nicht Ablenkende- gibt soviel Kraft.

Wie kann der moderne Mensch Poesie/Harmonie in Liebe und Welt/Umwelt leben?

Ich denke, wenn der Mensch aufhört einer Idee von sich selbst nachzujagen und sich auf das Abenteuer der Gegenwärtigkeit einlässt und bereit ist in Verbindung zu treten – in angenehmen wie unangenehmen Gefühlen- dann kann definitiv mehr Harmonie auf dieser Welt entstehen.

Was hat sich in Liebe, Beziehung und Gesellschaft seit 1961 verändert?

Nun was hat sich geändert seit 1961 in Liebe, Beziehung und Gesellschaft?

Eine große Frage- am ehesten gesellschaftlich erkennbare Bewegungen hinsichtlich der Frauen- bzw Gleichstellungsrechte- zumindest vordergründig- auch was zB Homosexualität angeht. Es ist auch abhängig in welcher Kultur man sich befindet.

Hierzulande jedenfalls wurde schon mehr Offenheit hinsichtlich festgefahrener Rollen entwickelt und auch diversere Bewegung- ebenso gewinnen psychosoziale Ansätze an Bedeutung.

Das Gefühl der Liebe ist wohl zeitlos. Der Umgang mit der Liebe und Beziehungen wird auf jeden Fall offener behandelt und diverse Sichtweisen gewinnen an Raum, Aufmerksamkeit und Wichtigkeit, da auf mehrere Ebenen Rücksicht genommen wird – nicht mehr nur die effektive, pragmatische Überlebensebene.

Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, blühen?

Für mich braucht Liebe immer Aufmerksamkeit und Gegenwärtigkeit, um blühen zu können – Raum um sich entfalten zu können.

Was lässt Liebe untergehen?

Das Gefühl der Liebe stirbt, wenn es keinen Raum mehr gibt, um sich zu „ent-falten“ im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn kein Bezug zueinander stattfindet, kein „Aufeinanderzugehen“, kein „MIT-einander“. Das muss sich nicht auf einen anderen Menschen beziehen- für mich umfasst es alles auf was man sich beziehen kann, sozusagen in Interdependenz steht und diese lebt, die Arbeit macht.

Wie war Dein Weg zur Musik?

Musik war immer ein Teil von mir. Es fällt mir schwer, mich mit der Idee des Musikerdaseins zu identifizieren. Diese irritiert mich sogar. Musik beschreibt für mich irgendwie alles. Melodie liegt irgendwie in allem, für mich. Mit Musik kann man alles ausdrücken- sogar im Schweigen liegt Musik. Ich habe schon als Kind viel Ruhe gefunden und Innehalten können durch singen. Darüber habe ich nicht nachgedacht. Damit kam das Interesse für jegliche Art von Musik und das womit sie gemacht werden kann ganz natürlich.

Welche Berührungspunkte mit/Impulse von Literatur gibt es in Deinen künstlerischen Projekten?

Die Berührungspunkte zwischen Literatur und musikalischer Umsetzung finde ich irrsinnig faszinierend und stimmig, da es zwei vermeintlich unterschiedliche Werkzeuge beschreibt, die aber im selben Fluss der Begegnung münden.

Was bedeutet Dir das Element Wasser?

Wasser repräsentiert für mich Gefühl, Bewegung, Tiefe, Hingabe, Eintauchen

Schwimmst Du gerne, wo/wie hast Du schwimmen gelernt?

Ich bin gerne im und am Wasser, aber keine gute Schwimmerin. Schwimmen hab ich als Kind gelernt, wie die meisten vermutlich, in einem Kurs und in der Schule.

Was sind Lieblingsorte von Dir in Wien?

Lieblingsorte in Wien habe ich viele. Ich mag Orte im Wienerwald, wo Flüsse sind. Davon gibt es einige. Ich mag auch gern die Sophienalpe, wenn keine Leute da sind, und natürlich auch die Donauauen.

Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten?

Den Kreislauf der Jahreszeiten lebe ich wie er kommt. Wir haben hierzulande ja ziemlich klare Jahreszeiten. Ich versuche generell viel draußen zu sein, egal bei welchem Wetter . Die kalte Jahreszeit nutze ich auch für Rückzug.

Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben?

„Wohl euch! Ihr werdet viel geliebt, und es wird euch viel verziehen. Doch vergesst nicht, dass ihr mich gerufen habt in die Welt, dass euch geträumt hat von mir, der anderen, dem anderen, von eurem Geist und nicht von eurer Gestalt, der Unbekannten, die auf euren Hochzeiten den Klageruf anstimmt, auf nassen Füßen kommt und von deren Kuss ihr zu sterben fürchtet, so wie ihr zu sterben wünscht und nie mehr sterbt: ordnungslos, hingerissen und von höchster Vernunft.“

Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Achrostikon zu „Undine“ bitten?

Unter Wasser ist mein Heim

Nahtlos beinahe und doch so fern

Denkst du mich in dir

Ich höre dich

Noch hab Geduld, doch sei dir gewiss:

Es wird schmerzhaft schön, denn es kann nicht anders sein.

Liebe Marcela, herzlichen Dank für Deine Teilnahme am szenischen Foto-Interview Projekt „Undine geht“!

Marcela Selinger_Sängerin_Wien

60 Jahre_Undine geht _Erzählung _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Marcela Selinger, Sängerin_Wien

http://www.marcy.at/

Station bei Ingeborg Bachmann_Wien.

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_9_2021.

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„gesellschaftlich eine neue sachlichkeit fordern“ Klammerzu Klammerauf, Schriftsteller_Unterach/A 30.9.2021

Lieber Klammerzu Klammerauf, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?   

die coronapandemie hat meinen tagesablauf nicht im geringsten beeinflusst: ich wandere wie gewohnt nach dem ersten kaffee hinter’m haus (in unterach am attersee) hoch den berg und drehe eine große runde zum egelsee. an der frischen luft kommen mir die besten ideen, was heute die suche nach einem visuellen ersatzportrait für dein interview beinhaltete, da ich öffentlich anonym auftrete (siehe erläuterung im nahbell-interview auf poesiepreis.de bzw visuellepoesie.at). suchen ist dabei für mich eine art meditativer gebetshaltung: ich beschäftige mich beim wandern nicht aktiv mit dem problem, sondern lasse es im hintergrund von alleine arbeiten. darauf habe ich dank guter erfahrungswerte gelernt zu vertrauen, es war schon meine „geheime“ taktik in früheren marketingjobs als grafiker: gegenüber chefs und kollegen unglaublich ernst und beschäftigt zu wirken, aber in wahrheit innerlich leer und tiefenentspannt zu sein, um sich von automatischen eingebungen inspirieren zu lassen…

wenn ich am frühen nachmittag heimkomme, wird der computer hochgefahren, während das essen kocht (meine frau ist eine leidenschaftliche gourmetköchin, sie überrascht mich tagtäglich als ihren vorkoster neuer kreationen), und die tüftelei an den neuen ideen beginnt. in unserem falle hier hatten sich während der wanderung wortpaare wie SELBSTPORTRAITIERUNG/STORNIERUNG, SELBSTBEBILDERUNG/TILGUNG und GESICHTSERKENNUNG/ICHNENNUNG im bewusstsein hervorgetan, aber mehr wie ein assoziationsrätsel denn echte lösung. die ergebnisfindung kann durchaus bis zum schlafengehen andauern (wie jetzt das gewünschte „foto“ hier für dich: mit identitätskern als überbelichteter lücke) oder sich auch erst am nächsten morgen beim aufwachen herausschälen und lässt die anfänglichen wortspiele oftmals nicht mehr erahnen. am abend treffe ich meist freunde, wir sitzen im seegarten und plaudern über unser früheres arbeitsleben, die peinlichen anekdoten aus der hysterischen designwelt voller prominenter profilneurotiker gehen uns ebenso wenig aus wie der gute hiesige wein.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

die frage fällt mir schwer. was ist überhaupt wichtig, was gibt es an erkenntniszuwachs? die schockierenden oder romantischen geschichten der steinalten und die idealistischen sehnsüchte der jungen generation, das sind die beiden wichtigsten pole, zwischen denen ich als mensch mittleren alters pendel. das wichtigste daran ist wohl, unsere ehrlichen gefühle zu akzeptieren, nicht gleich zu verlachen, was wir selber im grunde nur verdrängen wollen, sondern den mut aufzubringen, uns zuzuhören und uns zu zeigen, was uns bewegt und berührt. psychologisches und moralisches taktgefühl kann verhindern, wut anzustauen, die dann irgendwann destruktiv und asozial ausbricht.

ja, das ist es: SACHZWÄNGE! das wichtigste ist jetzt, nicht mehr an sachzwänge zu glauben, sondern die sachliche realität zu sehen: klima und krankheiten kennen keine sachzwänge, sie brennen mit furchterregender urgewalt irreparable schneisen in die gemeinschaft und die landschaft! ich würde gesellschaftlich eine neue sachlichkeit fordern, eine „innovative sachlichkeit“, um eine dystopische zukunft zu verhindern, in der unsere enkel unnötig leiden anstatt auch so glücklich zu leben wie wir es einige jahrzehnte seit dem ende des letztens weltkrieges noch konnten!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

die rolle von literatur und kunst ist für mich ein januskopf: einerseits als dionysisches prinzip anarchistisch/hedonistisch frei zu bleiben von jeglicher ideologie, andererseits sich für soziale belange zu engagieren (als apollinische kraft). das war schon immer beinahe paradox an jeder form von kreativität – kunst, die hilft, weniger angst vor dem offenen an sich zu empfinden, mehr urvertrauen und die schönheit der begegnung, der anteilnahme und hilfsbereitschaft. am ende liegt nämlich jeder auf seinem sterbebett und heult seine eigene dummheit ins kissen, mit der man sich durchs leben mogelte. lieber schon vorher ein bisschen offener werden für das jetzt an sich, das immerwährende, mehrdimensionale „jetzt“, denn nirgends sonst lauert der anspruch des lebens an das geschöpf, selber schöpferisch zu werden.

Was liest Du derzeit?

ach, ich arbeite mich allmählich durch die aktuelle ausgabe 104/105 des grazer magazins „perspektive“ und warte auf den beitrag, der mein herz jubilieren lässt. die zeitgenössische avantgarde ist mir tatsächlich zu epigonal dionysisch, selten wird da etwas fokussiert ausgedrückt, das mir persönlich weiterhilft oder existenziell gut tut. gleichzeitig sind aber die meisten beiträge, was die p104|105 betrifft, auch überraschend verspielt, witzig, überbordend nervös, zynisch und wie gewohnt herrlich betriebsbashend und im jargon zeitgemäß, das macht ungeheuer freude beim lesen! desweiteren sauge ich nebenbei das neue werk „post corona“ von scott galloway auf, das aus der pandemiebuchblase (die natürlich erst platzt, wenn alle bestseller verkauft sind) positiv hervorsticht, was ich vom bald erscheinenden buch „open“ von johan norberg ebenfalls erhoffe.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

oh, das wäre eine stelle aus meinem lieblingstext von bodo hell: „nicht in allen Weltgegenden benützt man Gabel und Messer, doch überall essen die Leute, so auch wir, mit dem Mund“ (auf seite 94 im buch „schöpfungszeiten – wie was zustande kommt“, 2000)

Vielen Dank für das Interview lieber Klammerzu Klammerauf, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Klammerzu Klammerauf_Schriftsteller

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3.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Bei uns bleiben, aktiv und schöpferisch“ Annerose Kirchner, Schriftstellerin_Gera/D 29.9.2021

Liebe Annerose, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jetzt, nach anderthalb Jahren Corona, hat sich eigentlich kaum etwas verändert. Die ersten Wochen im Frühjahr 2020 mit Corona waren schon etwas beunruhigend, weil so wenig Fakten über das Virus bekannt waren, und auch Menschen in meiner Umgebung erkrankten und auch starben, leider. Das beschäftigt mich natürlich.

Da wir Autoren ja immer in aller Stille und allein wirken, ist der Tagesablauf überschaubar. Meine beste Schreibzeit ist am Morgen bis Mittag, gelegentlich auch bis in den späten Abend. Wenn Alltägliches dazwischen kommt, ändert sich der Rhythmus. Während der ersten Corona-Phase habe ich viel notiert, Filme gesehen und Musik gehört. Und es gab auch ein paar Veröffentlichungen in Anthologien.

Die schönste Entdeckung und Erfahrung dieser Zeit machte ich mit der russischen Sprache, die ich seit 2019 wieder intensiv lerne. Das hängt mit meinem nächsten Schreibprojekt zusammen. Was ich nie geglaubt hätte – heute lese ich russische Gedichte zum Beispiel von Lermontow, Jessenin, Zwetajewa, Tarkowski und anderen im Original und kann sehr gut mit den Übertragungen ins Deutsche vergleichen. Das Gehirn wird durchs Sprachenlernen aktiviert. Das ist großartig.

Durch Corona habe ich auch einen anderen Blick auf das Thema „Zeit“ bekommen, wenn es Zeit denn überhaupt gibt…? Die Erfahrung, wie die Natur uns reich beschenkt, wie die Stille eine besondere Harmonie vermittelt, wie man sich auf Wesentliches konzentrieren kann… Ich bin ein Mensch der Stille, das erlebe ich immer wieder. Sie ist notwendig, um Schreiben zu können.

Annerose Kirchner, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns wichtig?

Die gesellschaftlichen Prozesse, Veränderungen und Einschnitte weltweit geschehen rasant. Was die Zukunft für Deutschland bringen wird? Als Schriftstellerin möchte ich auch in Zukunft wach bleiben, auch mit dem Blick zurück auf die eigene Vergangenheit. Ich bin ein positiv denkender Mensch, solidarisch, aber auch kritisch eingestellt, und denke, es gibt Hoffnung in der Welt. Es ist ja immer die Frage, ob man standhalten kann oder lieber flüchten will. Das Schreiben von Gedichten, das Lesen von Büchern, alles, was mit Kunst, Literatur und Musik zu tun, hilft dabei. Ich bin dankbar, dass ich diese, meine Arbeit, meine Berufung, ob Lyrik oder Prosa, ausüben kann, dass ich in Kontakt mit geschätzten Kollegen bin, dass ich wundervolle Bücher lesen kann. Überhaupt, jetzt im Alter spüre ich besonders, wie wichtig es ist, sich Welt intensiv aneignen zu können. Lesen und Schreiben lernen – das ist der Ursprung des Weges zu einem guten Leben, vielleicht. Und es gibt so viele Menschen auf der Welt, das klingt jetzt banal, die dieses Glück nicht erfahren können… Also: Wir sollten bei uns bleiben, aktiv und schöpferisch, das denke ich, ist das Wichtigste.

Was liest Du derzeit?

Mit dem Hinweis auf meine Beschäftigung mit der russischen Sprache, lese ich Bücher über ein schweres Thema: Stalinismus, Großer Terror, die Jahre 1937/1938 und später, Gulag… Die Literatur dazu ist vielfältig. Derzeit entdecke ich die im Geheimen verfassten Tagebuch-Notizen von Michail Prischwin. Als Ausgleich liegen der Roman „Unsichtbare Tinte“ von Patrick Modiano, der Band „Karst“ von Jan Röhnert und die neuen Gedichte von Lutz Seiler auf dem Schreibtisch.

Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wenn wir uns heute, den heutigen Nöten und Forderungen gegenüber, einigermaßen menschlich und anständig halten, wird auch die Zukunft menschlich sein können.“

(Aus: Hermann Hesse, „Lektüre für Minuten. Gedanken aus seinen Büchern und Briefen“, Suhrkamp Verlag, 1985)

Annerose Kirchner, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Annerose, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

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23.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„In einer Beziehung „wischt“ man heute schnell weiter“ Daniela Mitterlehner, Schauspielerin_ Romanjubiläum Malina_Wien 29.9.2021

Daniela Mitterlehner_Schauspielerin_
am Romanschauplatz_Malina_Wien

Orte sind für mich immer etwas zum Kennenlernen, Entdecken. Ich verbinde sie ganz stark mit Reisen.

Ich fühle mich auch schnell an Orten zuhause, weil ich immer viel unterwegs war.

Ich habe viel Tourneetheater gemacht und dabei verschiedenste Orte kennengelernt. Das ist sehr spannend und ich möchte auch bald wieder auf Tournee gehen. Es gibt konkrete Pläne dafür.

Ich liebe Wien, es ist eines meiner Daheims (neben meiner Geburtsstadt Linz und der Stadt Leipzig, in der ich aktuell lebe), ich habe lange hier gewohnt, immer liebend gerne. Es ist eine wunderschöne Stadt.

Ein Großteil meiner Freude lebt in Wien, dieser kulturell unglaublich tollen Stadt. Ich liebe den Wiener Schmäh, den Humor und habe hier auch für mehrere Kabarett-Programme Regie geführt. Ich mag die Mehlspeisen (lacht).

An vertrauten Orten, versuche ich, Menschen wiederzusehen und schöne Erinnerungen aufleben zu lassen, die mich wieder an diese Orte führen.

Neue Orte entdecke ich meist, indem ich vom Bahnhof rausgehe und mich dann immer geradeaus halte. Die meisten Städte, besonders in Deutschland, sind so angelegt, dass der Weg vom Bahnhof direkt in die Innenstadt führt. Da braucht es auch kein Fragen, sondern ich lasse mich da von meinem Gefühl leiten und wenn mich eine Gasse anspricht, spaziere ich da durch. Am besten einen Tag lang spazieren und einfach schauen in einer neuen Stadt (lacht).

Mich interessieren die Sehenswürdigkeiten in einer Stadt, die ich noch nicht kenne, aber mehr noch wie die Menschen leben und wie die normalen Gassen der Stadt aussehen.

Die Verbindung zu Menschen – auch an entfernten Orten – ist für mich stark mit direktem Kontakt, Reisebesuchen, verbunden. Ich war vor Corona oft hier in Wien und in Linz, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Dann waren es Telefongespräche, Verbindung über soziale Medien, die Besuche ersetzen mussten, aber den Kontakt hielten. Das war auch ein gegenseitiges Energiegeben. Ein Motivieren durchzuhalten. Einfach trotzdem füreinander da sein und Teil des Lebens der jeweils anderen Person bleiben.

Bei richtig guten Freunden ist es egal wie lange man sich nicht gesehen hat. Man trifft sich und es kommt einem vor, es wäre gestern gewesen als man sich zuletzt gesehen hat. Und man knüpft wieder an, das ist das Schönste (lacht).

Ich telefoniere auch gerne vor beruflichen Entscheidungen mit einer guten Freundin. Es ist hilfreich und gut da einen Austausch zu haben, auch mit jemandem, der nicht in der Kunst tätig ist.

Ingeborg Bachmann ist eine unglaublich beeindruckende Frau und Schriftstellerin. Ich mag ihre Sprache sehr.

Kunst führt für mich mehr zu sich selbst als dass man sich von sich selbst entfernt. Die Erarbeitung einer Rolle und deren Umfeld ist immer auch eine Selbstreflexion. Ich stelle mir immer auch die Frage: „Was habe ich mit dieser Person gemeinsam?“ Der Anspruch des Verstehens einer Rolle ist immer auch ein Blick in den Spiegel.

Reflexion ist im Theater und Schauspiel allgemein sehr wichtig, um sich nicht zu verlieren, die Bodenhaftung zu verlieren. Das ist etwa der Fall, wenn es Rollenabsagen oder auch viele Angebote gibt.

Der Weg zum Schauspiel – da gibt es tausend Möglichkeiten.

Ich habe mit sechszehn Jahren am Linzer Landestheater in einer der Jugendgruppen begonnen zu spielen und auch selbst Texte geschrieben. Und dann war es für mich sehr schnell klar, dass es das ist, was ich mein Leben lang machen will. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen. In jedem anderen Beruf würde ich wahrscheinlich irgendwann krank und traurig werden, weil mir das Spielen und die Menschen im Theater und beim Film fehlen würden. Das würde ich gern verhindern (lacht).

Meine erste Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule klappte nicht, da ich frisch verliebt und mein Kopf ganz woanders war (lacht). Ich begann dann ein „Vernunftstudium“, habe aber ständig nebenbei gespielt, Workshops besucht, Privatlehrer gehabt, Veranstaltungen moderiert, Jonglageshows gemacht und alles getan, um zur Bühne zu kommen. Und dann mit 25 Jahren – einem Alter, in dem man an den meisten Schauspielschulen schon nicht mehr genommen wird – ergab sich durch einen Workshop die Möglichkeit, doch noch eine Schauspielausbildung zu machen – sogar mit staatlich anerkanntem Abschluss – und ich habe sofort alles hingeschmissen und mich ganz ins Schauspiel gestürzt. Ich habe das bisher keinen Tag bereut. Ich hatte auch das Glück, dass es nach der Ausbildung sehr schnell gut weiterging und ich davon leben konnte.

Ich bin von Linz nach Wien gezogen, um hier zu studieren, aber auch weil mich diese tolle Stadt einfach angezogen hat und habe hier auch die Schauspielschule besucht und bin dann noch einige Jahre geblieben. Natürlich gibt es in Wien viele Schauspielerinnen und Schauspieler und ich habe mich dann im ganzen deutschsprachigen Raum beworben. Ich habe viele Engagements in Deutschland bekommen und pendelte erstmal, bis ich nach Deutschland, jetzt Leipzig, zog. Ich habe da sehr viel mit der Kulturschule Leipzig, einem Kinder- und Jugendtheater, zusammengearbeitet und war etwa mit dem Stück „Ich.Anne“ auf Tourneereise an Schulen. In dem Stück hatte ich die Ehre, Anne Frank zu spielen. Auch Präventionstheater war da ein Schwerpunkt. Leipzig ist auch eine schöne Stadt und die Leute sind sehr gut gelaunt (lacht). Ich war aber auch mit anderen Tourneetheatern in ganz Österreich und ganz Deutschland unterwegs.

Der Roman Malina thematisiert das Leben, die Position der Frau in einer Männerwelt. Kann man sich als Frau da behaupten? In den 1960/70er geschrieben, ist das auch heute noch ein Thema. Es gibt noch viel zu tun und zu überwinden, aber ich denke, dass sich da auch hoffentlich noch ganz viel ändern wird.

Bei mir persönlich war die Position Frau/Mann beruflich nicht so ein Thema bisher. Ich verdiente etwa immer dasselbe wie meine Kollegen. Auch privat hatte ich selten mit dem Thema zu kämpfen, aber ich kriege rundherum sehr viel mit, was anderen Frauen passiert und bin darüber häufig ganz schön schockiert. In der Schulzeit begegnete mir mal ein Lehrer der sagte, das Fach Informatik wäre nichts für Frauen. So etwas weckt bei mir immer meinen Ehrgeiz und nach einem halben Jahr sagte er das nicht mehr (lacht). Auch so sind mir ab und zu mal Machos begegnet, aber zum Glück recht selten und ich wurde im Normalfall ganz gut mit ihnen fertig. (lacht) Was mir manchmal auffällt ist die Dreistigkeit mancher Männer in den sozialen Medien.

Das Thema Vernunft und Sehnsucht ist auch ein wesentliches Thema des Romans. Und wem ist da zu folgen? Malina oder Ivan?

Malina ist Mitbewohner, bester Freund, Supporter, der ihr hilft, ihr beisteht, mit dem sie über ihre Probleme reden kann, der sie aber auch nicht zu100 % versteht, wie auch, ihr Problem ist ja jenes einer Frau in einer Männerwelt, unter anderem, neben vielen Problemfeldern.

Malina ist die emotionale, positive Komponente. Aber da ist auch eine Strenge.

Ivan, da ist große Sehnsucht und Begehren, wie das Scheitern daran.

Ivan ist ein unerreichbares Wunschziel, das sie ständig vor Augen hat. Das ist ein kleines Bisschen vergleichbar mit einer Sachertorte in einer Vitrine, deren Schlüssel jemand weggeworfen hat. Und ich als Naschkatze sitze davor und komme nicht dran. (lacht)

Ivan macht es ihr nicht leicht. Er kann nicht aus seiner Haut wie sie nicht aus ihrer kann.

Es ist ein so großes Verlangen nach Ivan und sie kann über Alternativen nicht nachdenken.

Sie bekommt nicht das zurück, was sie Ivan gibt.

Wenn man merkt, dass man in einer Situation nicht glücklich werden kann, sollte man diese ändern. Auch wenn eine Änderung erstmal weh tut, irgendwann hört der Schmerz auf und die neue Situation ist dann hoffentlich viel besser als die vorige und bietet neue Möglichkeiten. Und wenn nicht, wird es eben Zeit, nach einer weiteren Alternative zu suchen.

Es ist für viele schon schwer einen ungeliebten Job aufzugeben und bei einer hochemotionalen Beziehung ist es natürlich doppelt schwer.

Ihr Ausweg ist Ausweglosigkeit. Es geht in Richtung Selbstmord.

Ich bin ein Mensch, der immer Auswege, Möglichkeiten  zu sehen und zu gehen sucht und versucht, immer auch das Gute und Schöne zu sehen und wenn noch kein neuer Weg da ist, dann muss man sich eben einen schaffen. Wenn man wirklich will und mit ein Bisschen Optimismus an die Sache geht, dann gelingt das in den meisten Fällen.

Im Normalfall kann man heute sozial gesehen, persönlich wie gesellschaftlich, eine Beziehung auch beenden. Das ist anders als vor 50 Jahren mit den vielen noch größeren sozialen Abhängigkeiten.

Die Partner/innenauswahl ist heute ungleich größer, was es auch schwieriger machen kann. Das wirkt sich auch auf die Problemlösungsfähigkeit in einer Beziehung und den Willen dazu aus. Man „wischt“ da schnell weiter.

Daniela Mitterlehner_Schauspielerin_
am Romanschauplatz_Malina_Wien

50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Daniela Mitterlehner_Schauspielerin_Leipzig

https://filmmakers.de/daniela-mitterlehner

Station bei Ingeborg Bachmann_Romanschauplatz_Malina.

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_9_2021.

https://literaturoutdoors.com

„Kunst kann uns helfen, die Welt anders und Anderes zu sehen“ Jens Schröter, Schriftsteller – Netphen/D 28.9.2021

Lieber Jens, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin, natürlich, viel zuhause, arbeite viel, am Rechner, ich male jetzt wieder mehr, gehe eigentlich nur zum Sport raus und natürlich zum Einkaufen. Aber mit den Lockerungen habe ich dann wieder Freundinnen und Freunde getroffen… und es war schön wieder einmal Essen zu gehen. Ganz banal eigentlich.

Jens Schröter_Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir sollten vorsichtig, aber ohne Angst wieder Freundinnen und Freunde treffen. Wieder sozialer werden. Aber wir sollten auch darüber nachdenken, was uns die Pandemie und mehr noch: der Klimawandel über die Welt sagen, in der wir leben. Was müssen wir anders machen? Wir sollten dabei auch eingespielte Gewohnheiten in Frage stellen.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wie schon gesagt: Wenn nicht jetzt der Zeitpunkt ist, Gewohntes in Frage zu stellen, wann dann? Müssen wir unsere Ökonomie wirklich über Märkte und Geld organisieren? Gäbe es da nicht andere Formen? Braucht man 300 verschiedene Zahnbürsten im Supermarkt? Muss immer alles noch schneller gehen? Literatur und Kunst können – das mag ein Klischee sein, stimmt aber immer noch, gewohnte Wahrnehmungs- und Denkmuster in Bewegung versetzen. Sie können uns helfen, die Welt anders und Anderes zu sehen.

Was liest Du derzeit?

Wolfgang Koeppen, Ben Lerner, Joscha Wullweber, Iain Banks, Peter Handke, Jorge Luis Borges, Hannah Arendt….

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Als wir ihn ein zweites Mal lasen, stellten wir hinter seiner streng sachlichen Schreibweise eine grundlegende Verschwommenheit fest.“

Vielen Dank für das Interview lieber Jens, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Jens Schröter_Schriftsteller, Medienwissenschaftler

https://www.theorie-der-medien.de/

Foto_privat.

9.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Die Themen liegen da. Hinschauen. Annehmen.“ Gabriela Kasperski, Schriftstellerin_Zürich 27.9.2021

Liebe Gabriela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Stehe früh auf, (bin eine zum Morgenmensch mutierte Nachtmenschin und daher permanent unausgeschlafen). Schicke meine Tochter in die Schule, (der Rest der Familie ist erwachsen und muss nicht geschickt werden). Mache den Versuch, 5000 Schritte zu gehen, (bin Geherin), setze mich ins Homeoffice (an den Laptop am Küchen-Wohnzimmer-Gartentisch, war schon immer so, nur seit der Pandemie hats halt einen Namen), erledige Brot-und Kreativjobs, je nachdem was gerade mehr gefragt ist, arbeite bis gegen Abend durch. Schwimme 5000 Schritte (also 1 Kilometer im Zürichsee, sehr privilegiert, sehr wunderbar), hoffe, jemand aus meiner Familie hat gekocht. Arbeite weiter oder auch nicht, lese und schaue ITV-News (Sucht, bin UK-affin, trotz allem).

Gabriela Kasperski, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Themen liegen da.
Reich und nicht arm, need anstatt greed,  
Ungerechtigkeit.
Umwelt. Klima.
Post Pandemie. Isolationweg, Einsamweg, Abstandeinwenigweg.
Kriegweg.
Hungerweg. Foodwasteweg. Plastikweg.
Socialmediaeinwenigweg.
 
Uff. Die total Überforderung.

Was für alle gilt, gilt das auch für mich? Bin ich alle? Sind alle ich? Gibt’s überhaupt Platz für ein Ich? Zusammen gegen den Rest der Welt. Zusammen mit dem Rest der Welt.

Keine Ahnung. Würde meine Tochter sagen, sweet 13.

Die Themen liegen da. Hinschauen. Annehmen. Weitermachen.  



Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt der Literatur, der Kunst an sich zu?

Aufbruch und Neubeginn sind zentral, das können wir eigentlich gut. Erleben wir im Kleinen jeden Morgen, jeden Montag, jeden Frühling. Jedes Neujahr. Ein Konzept, das sich bewährt hat über Jahrhunderte.

Der Neubeginn ist immer eine Chance. Immer. Nur schon die Chance an sich ist eine Chance. Achtung: Jede Chance birgt das Scheitern. Vielleicht sollten wir lernen, das Scheitern als Teil des Prozesses zu akzeptieren und dennoch, gerade weil, umso mehr weitermachen, in dem was uns bewegt, was wir bereit sind, dieser reichen Welt zurückzugeben. Klingt das zu pessimistisch? Ich hoffe nicht. Hoffnung ist auch Teil des Prozesses.

Literatur, Kunst? Auch das ist zentral, und das können wir auch gut. Erleben wir im Kleinen seit immer. Indem wir Geschichten, Stories, Narrative auf künstlerische Weise verdichtet, zu einem Roman, einem Bild, einem Musikstück, einer Skulptur, einer Performanc, indem wir diese Geschichten erleben, wird unser Horizont weit. Die Verzweiflung wird weniger, die Hoffnung mehr. Schaffenskraft überträgt sich.

Aber das klingt alles ein wenig geschwurbelt, gell.

Weil, ich bin doch ich. Was mache ich denn?

Ich persönlich lebe die Themen, die mich schon immer bewegen. Gender und Rassismus. Dafür setze ich mich ein, auf meine Weise. Indem ich meine Bücher (Krimis&Kinderromane) divers halte, neugierig und offen bin, und versuche, jeden Tag etwas von dem Reichtum, den ich erfahre, weiterzugeben.  

Was liest Du derzeit?

Mein Sub (Stapel ungelesener Bücher) ist mächtig. Als Autorin besuche ich viele Buchhandlungen. Aus keiner komme ich raus, ohne mindestens ein Buch. Darum freu ich mich so auf die Sommerferien. Da schreibe ich meinen nächsten Roman. Erforsche meine kleine Bretagnewelt.
Und lese, lese, lese.

In meinen Koffer packe ich darum:

Jeanluc Bannalec: Bretonische Idylle (Ferienfeeling)

Bernardine Evaristo: Girl, Woman, other (Ein Must)

Helen MacCarthy, Women of the world (Recherche)

Nicci French, The lying room (Topkrimi, les ich zum dritten Mal)

Emilia Roig, Why we matter (stellt Fragen, gibt Antworten, very important)

Pia O’Connell: ein irischer Todesfall (Autorinnenkollegin)

Kate Russo, Super Host (Entspannung)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

All the world’s a stage,

And all the men and women merely players, aus As you likeitI, von William Shakespeare. 
Begleitet mich seit meiner Jugend.
Finde Shakespeare gross. Finde , er findet die richtigen Wortfindungen.  

Gabriela Kasperski, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Gabriela, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Gabriela Kasperski, Schriftstellerin

Gabriela Kasperski war als Moderatorin im Radio- und TV‑Bereich und als Theaterschauspielerin tätig. Heute lebt sie als Autorin mit ihrer Familie in Zürich und ist Dozentin für Kreatives Schreiben, Figurenentwicklung und Synchronisation.

www.gabrielakasperski.com

Gabriela Kasperski: Home

Alle Fotos_Kasperski

24.6.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Sag nie, es gäbe nur den Tod für uns“ Judy Batalion. Die vergessene Geschichte jüdischer Freiheitskämpferinnen. Piper Verlag.

Polen. Ein Land, das im II.Weltkrieg zum ersten Angriffsziel des nationalsozialistischen Regimes wurde und in den folgenden Kriegs- und Besatzungsjahren größten Mordwellen und Greuel ausgesetzt war. Millionen jüdische Bürger*innen wie politisch und anderwertig Verfolgte wurden dabei ermordet. Eine Maschinerie aus Tod und Grausamkeit überrollte das Land und tauchte es immer wieder in Blut und unvorstellbarem Leiden.

Widerstand kam dabei etwa von Partisaneneinheiten in Wäldern wie auch in den jüdischen Ghettos, etwa in Warschau. Es waren todesmutige Widerstandskämpfer, die sich einem skrupellosen Regime entgegenstellten. Doch es waren nicht nur Kämpfer, auch Frauen stellten sich in vielfältiger Form in den Dienst von Freiheit und Widerstand. Voller Mut wie auch oft Aussichtslosigkeit…

Judy Batalion, in Kanada geborene Wissenschaftstheoretikerinund Kunsthistorikerin, greift nun Lebenswege von jüdischen Widerstandskämpferinnen in Polen während des Zweiten Weltkrieges auf und stellt diese in das erschütternde Panorama von Zeit und Mensch.

Die Autorin schildert dabei in beeindruckendem Sachwissen der politischen, organisatorischen wie persönlichen Umstände die Situation der Widerstandskämpferinnen und ihrer dramatischen Lebensumstände. Beeindruckend ist auch die Konstruktion dieses Werkes, das in erstaunlich anschaulicher Weise erzählt und gleichsam wie in einem Film Stationen des Lebens, des Kampfes und des Sterbens mitverfolgen lässt. Es ist da auch eine erstaunliche literarische Qualität zu erkennen, zu der nur zu gratulieren ist.

Ein ausführlicher Anhang mit Bibliographie, Fotonachweis und weiteren Informationen rundet dieses außergewöhnliche wie wichtige Werk sehr gut ab.

„Eine großartige Spurensuche und Darstellung weiblichen Widerstandes und Mutes in schlimmster Zeit –  ein Denkmal, Fanal und Auftrag für Demokratie und Freiheit zu jeder Zeit!

Walter Pobaschnig 9_21

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„Kunst braucht Raum, und zwar dreidimensionalen“ Katharina Klein, Schriftstellerin _ Wien 26.9.2021

Liebe Katharina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich lese oder höre die Nachrichten, dann meditiere ich, um die Nachrichten wieder zu vergessen. Ich bin viel zuhause, zeichne öfter und schreibe weniger.

Katharina Klein, Schriftstellerin, Bildende Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Pauschalaussagen finde ich immer schwierig. Wir leben alle in anderen sozialökonomischen, familiären, emotionalen, etc. Verhältnissen, abgesehen davon, will ich hier keinen Wertabsolutismus verteidigen, aber ich denke, dass das, was wichtig ist und war, dasselbe geblieben ist. Dass es nur schärfer hervortritt. Sich uns mehr aufdrängt in Krisen, aber, grundsätzlich, auf jeden Fall: ohne Empathie ist viel verloren.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Ich sehe das pessimistischer. Aufbruch wäre ja gut, aber wohin.

Welchen Wert die Kunst hat, haben uns die Zeiten ja schon schmerzhaft vorgeführt. Inmitten von Leere und Angst wirkt sie oft besser als so manche Antidepressiva. Aber, ähnlich wie psychische Krankheiten, hat sie gesellschaftlich gesehen, dennoch oft den leidigen Stellenwert einer Randnotiz. Wie fehlpositioniert das ist, hat man gesehen. Kunst braucht Raum, und zwar dreidimensionalen.

Was liest Du derzeit?

„Nach dem Gedächtnis“ von Stepanowa, „Digital Minimalism“ von Carl Newport, italienische Zeitungen und immer und immer wieder die Gedichte von Emily Dickinson.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtet Du uns mitgeben?

„Kopf Du Schweig“  irgendwo in Irre von Rainald Goetz gefunden und erinnert mich oft daran, dass man auch da im Hirn mal zwischendurch gern die Fenster zumachen würde und, wenns mal zu sehr windet, vielleicht auch mal sollte.

Vielen Dank für das Interview liebe Katharina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Katharina Klein, Schriftstellerin, Bildende Künstlerin

Foto_privat.

29.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ich will Klänge malen und greifen“ Fiona Franka Terler, Sängerin_ Wien 25.9.2021

Liebe Fiona, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf sieht immer anders aus. Je nachdem wo ich probe oder woran ich gerade arbeite. Gewisse Dinge wie Sport, Singen, Tanzen, Schauspielen, meditieren, Disziplin, Reisen, gutes Essen, Emotionalität, Spaß, viele Menschen und ein gewisses Maß an Verrücktheit kommen darin immer vor.

Fiona Franka Terler, Sängerin, Musicaldarstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Dinge wertzuschätzen, die unserer Gesundheit und unserer Seele gut tun. Dazu gehört ein nach individuellen Vorlieben  gestalteter Lebensstil soweit dies für jeden einzelnen möglich ist. Gutes Essen, gute Gedanken, Familie, Freunde und schöne Erlebnisse. Einen großen Part für das Wohlbefinden spielt hier auch die Kunst. Ihre Wirkung auf Körper, Geist und Seele darf keinesfalls unterschätzt werden. Darauf möchte ich aufmerksam machen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich kann nur für mich sprechen. Ich bin keine Wahrsagerin, aber von meiner Perspektive aus kann ich sagen: Die Kunst hatte für mich immer eine große Rolle. Sie hat mich verändert, aufgerüttelt, mein Bewusstsein erweitert, wach werden lassen, auf etwas hingewiesen, mich inspiriert,  mich beflügelt, mir Halt gegeben und mich geheilt. Ich bin überzeugt davon, dass sie diese Kraft immer noch hat und immer haben wird. Daher ist sie gerade in diesen Zeiten so wichtig und wird in der Zukunft hoffentlich auch immer wichtig sein, wenn die Menschen dieses Potential erkennen.

Was liest Du derzeit?

Ich lese gerade ein Buch über die Heilung des Inneren Kindes von Stefanie Stahl.

Ich beschäftige mich gerne mit meinem Innenleben, da ich denke, dass Seelenhygiene genauso wichtig ist wie Sport oder Persönlichkeitsentwicklung.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Manchmal ist es stärker schwach zu sein.

Und ein Gedicht von mir „An die Kunst“..

Eine Bitte an die große Kunst
Bitte schenk mir deine Gunst
deine Töne will ich ganz spüren
Mein Herz sollst du verführen
Durchdringe mich gar und ganz
Meine Augen spiegeln den Glanz
Ich kann es fühlen und sehen
Mit dir will ich gemeinsam gehen
Meine Seele schenke ich dir
Das Feuer entfachst du in mir
Ich will Klänge malen und greifen
Mein sein wirst du, nicht nur streifen
Ich will tief in dir schwimmen
Und für dich Großes anstimmen
Ich will dich spüren und halten
Über meine Kräfte sollst du walten
Ich danke für den Zugang zu dir
Leben sollst du für immer in mir.
c. Fiona Franka

Fiona Franka Terler, Sängerin, Musicaldarstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Fiona, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Fiona Franka Terler, Sängerin, Musicaldarstellerin

Alle Fotos_Robert Krenker

28.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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